Nr. S74. 35. Jahrg. Bezugspreis: Siert?Iiahri.S.t0MI. monatl. l.SOSKl, frei ins Haus, voraus, ahldar.Einzelne Summern 10 Pfennig. Postbezug: VionalNch. vom Polischaller abzuholen I�OMb.vomBriestrSgerlnSHauS ge- bracht I.St Ml. linier Kreuzband für Deulschlarb und Oesterreich»Ungarn MI. sür daS übrige Ausland 6,30 Ml. monatlich. Serland ins Feld bei direller Pellelluno monali.S,— Mi. Bolibelleilungen neömen an DSne- mar!. Holland. Lurernburg. Schweden und die Schwei,. Eingetragen in die Polt-IeitungS-PreiSIilte. Erscheint täglich. Tetegrarnnt» Adresse: »Sozialdemokrat Berlin-, Verlinvv VolKsblcrkk. Tentralorgan äer so2ialäem okrati 5 cken Partei VeuttcKlanäs. Ciopksnnig� Anzeigenpreis: SiiesiebengesballeneKolonelzeilekosiet 80 Psg.»Kleine Anzeige»", daS fetigedruclle Wort 30 Plg. liuläjjig 2 settgedruckte Wortes, jedes weitere Wort 1b Psg. Stellengesuche und Kchlasslellenanzeigen das erste Wort 20 Psg., iedes weitere Wort 10 Psg. Worte über 13 Buchstaben zählen sür zwei Worte. 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Diese Rede ist für die weitere Entwicklung der Weltereignisse von einer Be- deutung, die auch durch die bevorstehende deutsche Erklärimg nicht leicht übertroffen werden kann. � Um die Persönlichkeit und die politischen Ziele Wilsons ist in der deutschen Oeffentlichkeit ein heftiger Streit geführt svorden. Zu seiner Lösung liefert die neue Rede einen wertvollen Beitrag. Wer sie gerecht beurteilen will, muß be denken, daß sie von einem Staatsmanne geholten ist, der sich auf einein Höhepunkt militärischer Erfolge fühlt— und da must man gerechterweile bekennen, daß die früheren Macht- haber des Deutschen Reiches unter ähnlichen vergänglichen Glücksumständen ganz anders gesprochen haben. Wilson redet nicht von einem„harten Frieden", den er seinen Gegnern auferlegen will. Wir sind vorsichtig genug hinzuzufügen: Daß er von ihm nicht redet, ist nur für seine politische Klugheit ein vollkommener Beweis, nicht sür seine gute Absicht, noch weniger dafür, daß er diese gute Abficht bei seinen Venstündeten durchzusetzen imstande ist. Nach einem vierjährigen furchtbaren Krieg, der dke Völker emander entfremdet hat, kann kein Staatsmann mit den Strahlen seiner Worte daS Eis des Mißtrauens mit einem Male wegschmel zen. Aber soviel kann gesagt werden: Wenn der Weg, d e n W i l s o n z e i g t. w i r k l i ch o f f e n i st, d a n n w i r ö das deutsche Volk unter seiner neuen Regie- rung keinen Augen blickzaudern, ihn zu be- treten. Man wird keineswegs annehmen dürfen, daß mit den fünf Punkten der neuen Wilsonrede die vierzehn Punkte seiner berühmten Botschaft vom 19. I a- n u a r d. I. erledigt sind. Unter diesen vierzehn Punkten wareii zwölf von vornherein annehmbar, zwei, die Elsaß- Lothringen und Polen betrafen, schwer zu regeln. Indes darf auch hier darauf hingewiesen werden, daß die Verwirklichung der alten sozialdemokratischen Forderung, Elsaß-Lothringen Autonomie zu gewähren, sachlich einen weiten Schritt des Entgegenkommens bedeutet und daß dem neuen Polen freie Weichselschiffahrt und gesicherter Durchgang zum Meer bereits zugesagt ist. Es bleiben die Fragen der Gebiets- Hoheit, über dw noch Meinungsverschiedenheiten bestehen. � In der amerikanischen Note, mit der der öfter- r e i ch i s ch e F r i e d e n s v o r s ch l a g zurückgewiesen wird. heißt es, die Vereinigten Staaten hätten wiederholentlich mit voller Aufrichtigkeit die Bedingungen bekanntgegeben, auf welche hin sie einen Frieden in Betracht ziehen würden. Sie könnten und würden keinen Konferenzvorschlag in Betracht ziehen über einen Gegenstand, den betreffend sie ihre Stellung und Absicht bereits klargestellt hätten. Tatsächlich hatte die Note Sönnern» nur rein formal zu Friedensverhandlungen aufgefordert, ohne die Grundlagen, auf denen sie geführt werden sollen, anzugeben. Diese Grundlagen sind nun in der neuen Rede Wilsons näher umschrieben, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß sie rundweg anzunehmen sind. Hier wird wieder das Ziel eines dauernden Fric- dens in den Vordergrund gerückt, der seit jeher das Ziel des internationalen Sozialismus war, und der auch das Ziel der neuen deutschen Regierung ist.. Wilson fordert„eine Gerech- tigkeit. die keine Günstlmgswirtschast. sondern einzig und allein die gleichen Rechte der verschiedenen Völker kennt:" Nichts anderes kann das Ziel des deutschen Volkes sein, als diese Gerechtigkeit für alle zu erlangen, und ist sie gesichert, dann wäre die Tötung unschuldiger Menschen auf dem Schlachttelde weiter nichts mehr als ruchloser, sinnloser Mord. Tiese� Gerechtigkeit schließt auch die volle Freiheit des wirtschaftlichen Wetthewerbs in sich ein, die Wilson schon am 8. Januar im dritten seiner vierzehn Punkte gefordert hat. Da heißt es:„Beseitigung, soweit sie möglich ist, aller Wirt- ichaftlichcn Schranken und die Gleichheit der Handelsbeziehungen unter allen Nationen, die sich dem Frieden anschließen und sich zu seiner Anfrechterhaltung vereinigen." Gilt dieses Wort, dann ist die Vorstellung eines unterworfenen Deutsch- land, in dem alle Spindeln und alle Drehbänke stillstehen müssen, nur der Alb einer vergangenen Nacht. Ein. durch den Völkerbund gesicherter Frieden, Befreiung von Rüstungslasten, Demokratie im Innern, Freiheit, sich wirtschaftlich zu betätigen und ihre innere Wirtschaftsorgani- satron auf eine höhere Entwicklungsstufe zu heben, das ist alleS, was sich die Völker wünschen können. Alle anderen Fragen erscheinen demaegenüber klein oder wemastens nicht s o groß, daß über sie eine Einigung unmöglich wäre. Dies alles berechtigt zu der Hoffnung, daß e r n st l i ch e n Friedensschritten der deutschen Regierung der Erfolg nicht versagt bleiben wird. Es wird kein„deutscher Frieden" sein, den wir schließen werden, kein„Sieg frieden" und kein „harter Frieden" für die anderen. Es wird aber, wenn er den fünf Punkten Wilsons entspricht, auch kein harter Fric- den für u n s, sondern ein Frieden der internationalen Ge- rechtigkeit sein. Um einen solchen Frieden zu erhalten, darf niemand vor Opfern zurückschrecken. Wir stehen mitten im Zug einer friedlichen Umwälzung, für die wir deutschen Sozialdemokraten vor dem Kriege und während des Krieges unablässig gekämpft haben, die mit dem Kabinett Hertling begonnen, mit dem Kabinett Max von Baden— Kabinett S ch c i d e m a n n beißt es m der konservativen Presse— eine sehr bedeutsame Fortsetzung erfahren hat, aber noch nicht abgeschlossen ist. Für das deutsche Volk ist der Aufstieg zur demokratischen-Freiheit kein Opfer, sondern eine längst erkannte Notwendigkeit. Für andere, einzelne i st er ein Opfer. Das Maß der Freiwilligkeit, mit dem dieses Opfer gebracht wird, ist auch das Maß der Sicher- heit dafür, daß der friedliche Charakter dieser Umgestaltung ge- wahrt und dem deutschön Volk nach soviel Hartem Härteres erspart bleibt. Nach den bisherigen Erfahrungen darf man sich der Hoff- nung hingeben, daß wir ü b e r d e n B e r g sind. Gestern haben die Nationallibemlen, die noch vor wenigen Tagen das sozial- demokratische Miudestprogramm für unannehmbar erklärten, ihren Anschluß an das Regierungsprogramm beschlossen. Sollte inan daraus schließen, daß zwischen diesen beiden Programmen ein grundsätzlicher Unterschied bestehe, so wäre das voreilig. Wenn aber ein nationalliberales Blatt sagt, ein Nationallibe- raler(Fricdberg?) werde„dem engeren Kriegs rat" beitreten, so ist darauf zu erwidern: Nein, er wird dem engeren Friedensrat beitreten, und wenn er das nicht will, tut er besser, lieber gleich draußen zu bleiben. Krieg! Krieg! Noch sind wir mitten darin, und noch schwer kann man sich vorstellen, daß dieses Wort in kurzer Zeit den Begriff einer vergangenen Geschichtsperiode be- deuten soll. Frieden! Frieden! So oft hat das verheißungsvoll an unser Ohr geschlagen, so oft hatten wir gehofft und so oft sind wir enttäuscht worden, daß wir uns an den Gedanken gewöhnten, der Völkermord sei der Normalzustand der Mensch- heit geworden und sein Ende ein unerreichbares Paradies! Es gibt hier zu. Lande Leute— und sie befinden sich in- seltsamer Uebcreinstimnmng mit der feindlichen Chauvinistenprcsse—, die behaupten, auch der Uebergang Deutschlands zum Parlamentarismus, der Eintritt von Sozialdemokraten in die deutsche Regierung, dieses für deutsche Vor- kriegsverhältnisse unvorstellbare Ereignis, bedeute für den Frie- den noch nichts. Hätten diese unh..lverkllndenden Stimmen reckt, das deutsche Volk würde dennoch verstehen, warum unsere Partei den großen Versuch gewagt hat. Aber noch hat das Schicksal nicht entschieden, und wir sind nicht in die Regierung hineingegangen, um uns angenehmen Erwartungen hinzugeben, sondern um für die Freiheit des deutschen Volkes und für den Frieden der Welt zu kämpfen. Führt dieser Weg zum Er- folg? Eine nahe Zukunft wird es erweisen, und schon die aller- nächsten Stunden werden den Anfang der Antwort geben! Der Eintritt der N a t i o n a I l i b e r a I e n in die Regierungsmehrheit wird von der„Norddeutschen Allgeiiicincn Zeitung" mit folgenden Worten gemeldet: Wie wir hörm, hat die nationalliberale Nlcichstagsfraktion das Programm drr Mehrheit angenommen und sich der Mehrheit äuge- schlössen. Wir begrüßen diesen Entschluß als ein Z....i.:füc daß die politischen G r u n d s ä tz e d e r M c h r h;■ o a t e i e n nunmehr f ü r d e n weit überwiegende! a o' I Reichstag? maßgebend sind. Gegenwärtig schwebeu Ncr Handlungen darüber, wie die Ztationalliberalen eventuell noch siätlcr als bisher an der Reichsleitung beteiligt werden kö.nuen. Als wahrscheinlich wird angenommen, daß der Vizepräsident des Staatsministeriunis, Dr. Friedbcrg, preußischer Mi- nisterpräsident werden und dem engeren Rat der Regie- rung— Prinz Mar. v. Payer, Schevdemcmn und Gröber— zugezogen» werden wird. Der Weg, den die Nationallibemlen binnen wenigen Tagen zurückgelegt haben, ist beträchtlich! Rücktritt ües Herrn v. hintze. Ter vom Staatssekretär des Auswärtigen, Herrn V. Hiichc, angemeldete Abschied ist bewilligt worden, lieber die Aus» Wahl des Nachfolgers, die zwischen zwei vielgenamiten An- hängen des Friedens schwankt, ist noch nichts entschieden. Herrn v. Hintzcs Abschied bedeutet eine erfreuliche Erleichterung der Situation. Rußland hebt den Seester Irieöen mit der Türkei auf. Es erwartet von Deutschland Die hier wiederholt angekündigte Entwicklung hat sich voll- zogen. Rußland hat den mit der Türkei in Brest-Litowsk ab- geschlossenen Frieden für null und nichtig erklärt. Heber die Gründe dieses voraussichtlich rasch vorübergehenden Nebenkriegs- zustandcs unterrichtet folgende Note, die, wie der Korrespondent des„Neuen Wiener Journals", Dr. Friedegg, erjährt, von der Rätcregierung der Türkei übersandt worden ist: „Durch den Friedensvertrag von Brest-Litowsk vom dritten März d. I. sind zwischen Rußland und der Türkei neue politische und territoriale Beziehungen geschaffen worden. Der Artikel IV des Vertrages von Brest-Litowsk getvährtc der Bevölkerung der Provinzen von Kars, Ardahan und Batum, die vorher ein Bestandteil der russischen Republik waren, das Recht, ein neues Re- gime im Einvernehmen mit den benachbarten Staaten, insbesondere mit der Türkei zu errichten. Das Schicksal dieser Gebiete, ihre internationale Lage sollte bestimmt werden durch den Willen ihrer Bevölkerung. Indessen wurden seit der Unterzeichnung des Frie- densvertrages diese Distrikte von den ottomanischcn Truppe» beselit, und eS wurden dort die Einrichtungen der militärischen Okkupation geschaffen, begleitet von Räubereien und uuertröglichen Pliiudcrungen und Akten der Grausamkeit gegen die friedliche Bevölkerung. Zu- gleich mit der Einsührung der türkischen Herrschaft wurde die ge- Iv altsame Rekrutierung der männlichen Bcvölke- rung, vom 19. Lebensjahr angefangen, durchgeführt. Die Bevöl- kerung, deren freier SBilleiißansdruck durch die neue Ordnung der Dinge festgestellt werden sollte, wurde terrorisiert und in Lebens- bedingnngen gebracht, von denen man nur sagen kann, daß sie eine Komödie und eine Beleidigung des Begriffs Recht sind. Die an- gesehenen Bürger der Provinzen, deren Einfluß sich zum Schaden der Türkei hätte geltend machen können, wurden ausgewiesen oder verhaftet und in vielen Fällen hü siliert. In diesen und anderen Grausamkeiten gegen die Bevölkerung der von Rußland abgetrennten Provinzen sieht die Sowjetregierung eine wesentliche Verletzung des Artikels IV des Vertrages von. Brest-Litowsk Durch den Friedensvertrag sollten ferner die militärischen Operativ nc» zwischen Rußland und der Türke: beendet seine freiwillige Aufhebung. werden. Statt dessen wurden"nach der Unterzeichnung des Ver- träges die Feindseligkeiten von der Türkei wieder aufgenommen und dauern bis heule fort. Reguläre türkische Truppen, verbunden mit Banden von Räubern, halten Gebiete besetzt, die zur r u s- fischen N e p n b l i k g e h ö r e n, bringen über Städte und Dörfer Plünderung und Verwüstung, massakrieren die christliche Bevölkc- rung, Frauen und Kinder nicht ausgenommen, und behandeln die Menschen mit unerhörter Grausamkeit. Die Sowjet-Regierung hat mehrfach gegen die Fortsetzung dieser Feindseligkeit dncch die Tür- kei protestiert, aber alle diese Protestaktionen blieben ohne jedes Rciultat. Schließlich unternahm im Juli d. I. die ottomanische Armee eine Expedition gegen Baku, und nach einem, heroischen Widerstand der S o w j e t t r u p p e n gegen die erdrückende Uebermacht des Gegners fanden die Türken den Weg nach Baku, eine der bedeniendsteil Städte der russischen Republik. Ans alle Proteste der Sowjet-Regierung antworteten die Bevollmächiigten der ottomanischcn Regierung mit klaren und ein- fachen Ableugnungen und dann mit der Behauptung, es wären nur irreguläre lokale Banden, die vor Baku operierten, bis schließ- lich in Wirklichkeit eine reguläre türkische Armee Baku angriff und am 30. Juli der General Schcwket Pascha die Eintuohner der Stadt aufforderte, sich bedingungslos zu ergeben. Jetzt, wo die Stadt genommen ist und die türkische Armee sich im Herzen der Stadt befindet, jetzt, wo die Bevölkerung wehrlos und die Stadt Tag für Tag das Objekt der grausamsten Plünderung ist, ihre Bevölkerung das tägliche Opfer von Massakers und andern Akten der Gewalt, und zloar sowohl von regulären türkischen Truppen wie von tartarischen Banden, die mit den regulären türkischen Truppen verbunden find; jetzt erweist sich die Behauptung der türkischen Bevollmächtigten, daß der Angriff gegen Baku nur das Werk von lokalen Banden fei, als ein Manöver, als das Gegen- teil der Wahrheit, bestimmt, Akte der Grausamkeit der Türkei zu verschleiern und die systeniatischc Verletzung des Brest-Li» towsker P«rtrages zu verbergen. Die ottomanische Regierung hat sechs Monate lang nnausgesetzt den Bertrag von Brest-Litowsk trotz aller Proteste der Sowjetregie, ntitfl verletzt. Und jetzt endlich hat sie ihre Taten gekrönt, indem sie ehre der wichtig st en Städte der russischen Re. publik eingcnounncil und in eine schreckliche Ruine ver- wandelt hat. Dadurch hat die ottomanischc Regierung gezeigt, daß der Vertrag von Brcst-LitowSk, der zwischen der Türkei und Ruß- land geschlossen wurde, nicht mehr in Kraft ist. Die Regierung der russischen sozialistischen Föderativ- Republik ist gezwungen, f c st z u st e 1 1 c n, dast insolgc der Handlungen der ottomanischen Regierung der Vertrag von Brest- Litowsk, der zwischen Rustland und der Türkei friedliche Vc Ziehungen herstellen sollte, null und nichtig ist. Gezeichnet Tschitschcrin. Diese Note hat ihre Vorgeschichte. Ende September ging ihr eine andere voraus, in der Rußland verlangte, die Türkei solle ihre Truppen hinter die vertraglich festgesetzten Grenzen zurückziehen, zur Feststellung der Schäden solle eine internatio- nale Kommission eingesetzt werden und die deutsche R c- g i e r u n g solle die Durchführung dieser Bedingungen ga- rantieren. Die Türkei versprach Antwort bis zum 30. September, verzögerte aber die Antwort bis zum 2. Oktober und erklärte dann, die Zurückziehung der regulären Truppen sei schoir im Zuge. Darin, daß von den Irregulären nicht die Rede ist, sieht die russische Regierung eine Nichterfüllung ihrer Be- dingungen, und sie findet die Antwort auch sonst unpräzis. Darum erfolgte die Aufhebung des Friedenszu- z u st a n d c s. Rußland befindet sich also im Kriegszustand mit der Türkei, was auch die Wiederaufnahme des Kriegszustandes ni i t Deutschland bedeutete, wenn dieses seinem Bundes- genossen Waffenhilse leistete. Indes dürfte diese Episode durch größere Ereignisse bald überholt werden. Ein erstes Stück des Friedens von Brest ist gefallen, die anderen werden folgen, das Ergebnis aber dürften nicht neue Kriege, sondern der a l l g c- meine Frieden sein! Daß Rußland die Aufhebung des Brester Gewaltsriedens durch Deutschland erwartet, um nicht zu sagen fordert, geht auch aus folgender Note Rußlands an Deutschland hervor, die vom 2. Oktober datiert ist: Radek, der den unsere Auslandspolitik leitenden Kreisen nahe- steht, legt in seinen Aufsätzen die grundlegenden Aikschauungen dieser Kreise nieder. Dieses bezieht sich jcdech nicht aus die innere Politik: deshalb hatte sein Artikel über den„Roten Terror" seinerzeit keine politische Bedeutung, sondern war nur Ausdruck seiner P r i va t m ei n u n g. Ganz anders verhält es sich mit seinen Zinssätzen über die Außenpolitik. In seinem am k. Oktober in„Jslvestija" veröffentlichten Artikel„Der Schal- ten Rußlands" muß man folgende seiner Worte besonders unterstreichen: .Schweigend zeigt Rußland dem deutschen Volke seine Wunden. Jetzt, wo das deutsche Volk schwere Prüfungen erlebt, gibt es auch im Herzer» des russischen Volkes keine Freude. Das russische arbeitende Volk ersehnt keinen Sieg der amerikanischen und Londoner Börse, es spürt jetzt an seinem eigenen Leibe, was „die BefreiungSziele" des anglq-französischen Jmperiali-mus be- deuten. Das russische Volk hat mit dem deutschen Jmperialis- Mus keinen Verständigungsfrieden schließen können, dieser hat ihni vielmehr einen harten T frieden aufgezwungen. Im Augenblick der schicksalsschweren Krise de! daitichen Imperialismus sagen die russischen Volksmassen m ihm nicht:„Mb wieder, was Du genommen hast": sie wissen,; i der deutsche Imperialismus ihnen schwerlich das freiwillig wiedergeben wird, was er ihnen in dieser Weise genommen hat. Die Politik des Wahn- s i n n S. die alle imperialistischen Staaten kennzeichnet, wird kaum diesen vernünftigen Schritt zulassen, einen Schritt, der die Lage Rußlands erleichtern könnte, und es ihm ermöglichte, sein« eigenen Interessen gegen die Verbündeten ohne ein Bündnis mit dem deutschen Imperialismus zu verteidigen und die Bestrebungen des anglo-amerikanischen Kapitals zur Wiederschassung einer Ostfront gegen Deutschland zu durch- kreuzen." Dieses spiegelt im gegenwärtigen Moment buchstäblich unsere Empfindungen wider: wir zeigen schweigend unsere Wunden und nehmen an, daß der Schritt, der sür Teutschland selbst vorteilhaft wäre, von ihm selbst auch unternommen werben wird. Der von Rußland angeregte Schritt liegt in der Richtung der von den Vertretern der sogenannten„östlichen Orientie- rung" empfohlenen Lösung. Deutschland soll den Frieden von Brest revidieren, um seine Stellung gegenüber England- Amerika zu stärken. Dazu scheint es aber jetzt zu spät. Die Revision von Brest dürfte ans der allgemeinen Friedens- konferenz erfolgen. Erneuter Durchbrnchsdersnch zwischen Lc Catelet und nördlich St. CXuenti«— Angriff auf Durazzo. Berlin, 3. Oktober t918. abends. Ämtlich. Heftige Angriffe des Heindes beiderseits von N o e s e l a r e, nördlich von St. Quentin, am C h e m i n des D a m c s und in der Champagne wurden abgewiesen. Zwischen den A r- gönnen niid drr Maas sind erneute Durch- bruchsvcrsnchc der Amerikaner gescheitert. Amtlich. Großes 4. Oktober Hauptquartier. Berlin, Westlicher üriegsschauplah. Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht In F l a n d e r n griff der Feind mit starken Kräften zwischen H v o g l c d c und Rocsclare an. Beiderseits der Straße Staden— Roes clare drang er in unsere Linien ein; bayerische und rheinische Truppen würfen ihn in schneidigem Gegenstoß wieder zurück und machten hierbei etwa 100 Gclangene. Bor E a in b r a i nichts Neues. Tc-ltämpfc südlich von Aubencheul und bei Proville, in denen 70 Gefangene eingebracht wurden. Heeresgruppe Boehn. Auf breiter Front zwischen L e Catelet und nördlich von St. Q u c n t i n setzte der Engländer erneut zu einheitlichem Durchbruchc-versuch an. Beim ersten Ansturm gelang es dem Gegner Lc Catelet zu nehmen, bis Bcaurevoir und M o ii tb reHain vorzustoßen und in Scquehart einzudringen. Beiderseits von Le Catelet warfen wir den Feind wieder in und «der seine Ausgangsstellungen zurück. Teilt der gieserve-Jn- fantcrie-Regimeuter 90 und 37 unter Major Goder, Rittmeister Frhr. v. Wangcnheim und Oberleutnant Slcuner, sowie Batterien des 3. Garde-Feldartillerie-Negimeuts und dcö Feldartilleric» Regiinents 808 zeichneten sich hierbei besonders aus. Brau- r e v o i r wurde wieder gcnomnie». Umfassend angesetzter An- griff sächsischer, rheinischer und lothringischer Bataillone brachte uns wieder in den Besitz von M o» t b r e h a i n. S e q u c h a r t blieb nach wechselvollcm Kampfe in Händen deS Feindes. Am Abend folgten starkem Feuer südlich von St. Oueutin feindliche Angriffe, die vor unseren Linien scheiterten. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Auf dem Riickcil und an den Hängen des C h e m i u de? D a m e s dauerten die heftigen Borpostenkämpfe auch gester» an. Stärkerer Angriff der Italiener wurde abgewiesen. An der neue» AiSne- und der Kanakstont nordwestlich von Reims stehen wir überall in Gefcchtsbcrnhrung mit dem Feinde. In der Champagne griff der Franzose mit teilweise frisch cingesctztcn französischen und amerikanischen Divisionen auf breitce Front zwischen der S Nippes undderAisne an. Seit Beginn der Schlacht östlich der Cuippcs und bei St. Marie ä Py im Kampfe stehende westfälilche und Jäger- Regimenter schlugen auch gestern wieder alle Angriffe deS Feindes ab und machten hierbei mehr als 100 Gefangene. Nördlich von S o m m e> P y gelang ep den Gegnern, auf dem Höhenzuge zwischen St. Eticn ue und Sommc- P y, dem Weißen Berge und der M e.deah-HZhe Fuß zu«äffen. Im Gegenangriff warfen wir den Feind über die Höhen zurück. Kleine Franzoscuiiestcr sind zurückgeblieben. Auf der Front zwischen Orfeuil und der AiSne sind die Angriffe des Feindes vor unseren Linien geicheitert. Südlich von L i r y und südwestlich von M o n t h o i s kam es hierbei zu besonder? heftigen Käuipsen. Regimeiilcr der Garde und auö Pommern, Rheinländer und Bayern warfen den Feind hier völlig zurück. Im Verein mit bayerischen Pionieren wurde dem in C h a l l c r a ii g e eingedrungenen Gegner der Ort wieder entrissen. Auch am Abend wiederholte Angriffe scheiterten. Heftige Teitangriffe des Feindes zwischen der A i s n c und dem Argouncr Walde wurden abgewiesen. Wie schössen gestern 35 feindliche Flugzeuge und 7 Fessel- bnllone ab. Leutnant Jacob errang seinen 35., Vizefeldwcbcl Doerr seinen 30, Luftsieg. Der Erste Generalquartiermeiftr- Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 4. Oktober. Amtlich wird verlautbart: Italienischer Krcegsschauplay. Ein durch Artillerie unterstützter Angriff italienischer Sturm- tnipps ans Stcttungstcile in de» Judicaricn scheiterte im Handgraiiatcnfcncr unserer Besatzungen. Albanischer Kriegsschauplatz., Die Rückverlegung unscrer Gefechts front vollzieht sich plangemäß und ohne Störung durch den nach- rückenden Feind. Am 3. Oktober haben zirka 30 Einheiten feindlicher Srcstreitkräfte und eine größere Anzahl feindlichcr Flieger durch zwei Stunden Stadt und Hafen von Dorazzo bombardiert. Der Sachschaden ist unbedeutend. Ein Versuch deS Gegners, mit Torpedofahrzrugen und Glritdootcn in den Hafen einzudriiige» scheiterte an der«Abwehr der Landverteidignng und eigener Seestreitkräfte, wobei cin feeindlichrS Gleitboot in den Grund gc- schössen wurde. Der Chcs deS Gcncraiftads. aber jetzt sind sie klar. Der Krieg hat über 4 Jahre gedauert und die ganze Welt wurde hineingezogen. Der gemeinsame Wille der Menschheit lvurde an Stelle des EinzelwillenS gesetzt. Die Ziele einzelner Staaten und einzelner Staatsmänner haben bielleicht den Konflikt begonnen, aber weder sie noch ihre Gegner können ihm nach ihrem Belieben ein Ende setzen. Der Krieg ist ein Völker krieg ge- worden. Völker aller Arten und Nassen, der verschiedensten Macht- und Vermögensverhältnisse sind in die Verwicklungen, die damit ver- bundenen Verorderungen und in die Beilegung dcö Krieges ver- wickelt. Wir kamen in den Krieg, als sein Charakter bereits voll- ständig' klar und allen deutlich war, daß keine Nation abseits stehen oder den Folgen der Herausforderung gleichgültig gegenüberstehen konnte, die auf d'aZ Herz alles dessen, was wir liebten, und wofür Stimme des die Herzerr der Brüder r i e g e s ist in vielen Län- Wilson über weltsrieöen. Fünf Punkte. Berlin, 4. Oktober.(MTB.) Die Rede des Präsidenten Wilson vom 27. vorigen Monats haben wir bisher mir im Auszug veröffentlicht, da der uns übermittelte Text mancherlei Verstümmelungen aufwies. Da nunmehr der von uns zur Kontrolle bestellte englische Text der Rede eingettoffcn ist, geben wir im Nachstehenden den vollen Text, der allerdings immer noch einige Unklarheiten aufweist. Die ersten Sätze des Präsidenten waren der Werbung für die Freiheitsanlcihe ge- widmet, dann fuhr der Präsident fort: Ich bin gekommen, um Gelegenheit zu suchen, einige Ideen vorzubringen, die. wie ich vertrau«, dazu dienen werden, vielleicht in vollständigerem Maße als vorher eiit lebendiges Bild von den großen Dingen zu geben, um die es geht, damit wir mit noch mehr Begeisterung die enrste Bedeutung der Pflicht, die Regierung mit Euren Männern und Euren Mitteln bis zum Lu- ßersten Punkte der Opferwilligkeit und Selbstverleugnung zu unter- stützen, Ivürdigt und auf Euch nehmt. Kein Mann und keine Frau, die wirklich erfaßt haben, was der Krieg bedeutet, kann zögern, alles bis zur äußersten Grenze darzubringen, und es ist heute abend bt-r mein« Aufgabe, zu versuchen, noch einmal an die Pflicht zu erinnern und sie klar zu machen. Bei jeder«Wendung des Krieges wird e» uns von Neuem bewußt, was wir zu erreichen beabsichtigen. Wenn unser- Hoffnungen und Erwartungen am meisten gespannt sind, dann denken wir- bestimmter als vorher an die Folgen, die vom Kriege abhängen und an daS Ziel, da? verwirklicht werden muß. Denn der Krieg hat positive und wohl definitive Ziele, die wir nicht festsetzen und die wir nicht ändern können. Kein Staatsmann und keine Repräsentation hat sie geschaffen und kein Staatsmann und keine Repräsentation kann an ihnen etwas ändern. Sie haben sich aus der Natur und aus den näheren Ilmständen des.Krieges von selbst ergeben. Das Einzige, was Staatsmänner oder Re- Präsentationen tun können ist, sie auszuführen oder ihacn untreu zu werden, Sie waren am Beginn de» Krieges vielleicht nicht klar, wir lebten, gerichtet war. klar geworden und ha der» ergriffen. Gscichzeitig haben uns auch unsere eigenen hin- gemordeten Toten, die auf dem Grunde der See liegen, zugerufen. Wir haben stolz und mutig geantwortet. Die Lust um uns war klar. Wir sahen die Dinge in ihren vollen, überzeugenden Pro- Portionen, wie sie waren, und wir haben sie seitdem immer mit standhastcn Blicken und unverändertem Verständnis betrachtet. Wir haben die Folgen des Krieges als Tatsache hingenommen und nicht so, wie irgendeine Gruppe von Männern hier oder anderölvo sie definierte. Und wir können keinen Ausgang hinnehmen, der eine ungenügende Beilegung wäre. Es handelt sich darum: Soll es der Militärmacht irgendeiner Nation oder Grup- pe von Nationen gestattet sein, über daö Schick- sal von Völkern zu entscheiden, über die zu herrschen sie keine andere Gewalt haben als da? Recht der Gewalt? Soll es starken Völkern freistehen, schwachen Völler» Unrecht zuzufügen, sie ihren Zwecken und Interessen zu ursterwerfen? Spllen Völker selbst in ihren eigenen inneren Angelegenheiten von willkürlicher, unverantwortlicher Gewalt beherrscht und regiert werden oder nach Wahl ihres eigenen Willens? Soll es einen gemeinsamen Ma'ystab für die Rechte und Pridi- lcgien aller Völker und Nationen geben oder sollen die Staaten tun, was sie wollen und die Schwachen unrecht leiden? Soll die Feststellung des Rechts her Willkür zufälliger Bund- uisse überlassen werden, oder soll eine gemeinsame Einnchtuirg die Beobachtung des geminsamen Rechts verbürgen?_ Das Ergebnis des Krieges darf nicht durch eine Ver- ständigung oder ein Kompromiß geordnet werden, .sondern endgültig und cin für allemal mit voller nnzweideiitigcr Annahme deS Grundsatzes, daß die Interessen der Schwächsten ebenso heilig sind, wie die Interessen der Stärksten. Das ist e?, was wir meinen, wenn wir von einem daucr- {Taften Frieden sprechen, wenn wir aufrichtig und mit Ver- ständwi» und mit vollem Bewußtsein von der Sache sprechen, um die es sich handelt. Wir sind alle darüber einig, daß kein Friede durch irgendeine Art von Feilschen oder durch emen Vergleich mit den Mittelmächten erlangt werden kann, weil wir schon mit ihnen verhandelt haben und sie mit anderen Re- gierungcn und Teilnehmern an diesem Kriege haben verhandeln sehen, in Bcest-LitowS! und in Bukarest. Sie haben unS über- zeugt, daß sie ohne Ehre sind, daß sie keine Verträge halten und keine Grundsätze annehmen, als den der Macht und des eigenen Interesses. Wir können nicht mit ihnen zu Bedingungen kommen. Sie haben es unmöglich gemacht. DaS deutsche Volk muß sich jetzt völlig klar darülhcr sein, daß wir d a S W o r t d e r e r, die uns diesen K r i c g a u f g c z Iv u n y c n h a b e n. nicht annehmen können. Wir denken nicht dieselben Gedanken, und wir sprechen nicht dieselbe Sprache der Verständigung. ES ist. von höchster Wichtigkeit, daß wir ebenso ausdrücklich einig dar- über sind, daß kein Friede erlangt worden kann durch irgendeine Art von Kompromiß oder Abschioachung der Grundsätze, die wir als Grundsätze, für die wir kämpfen, ausgesprochen haben. Darüber darf nickst der mindeste Ztveifcl bestehen. Jch�tverde mir daher dps Freiheit nehmen, mit äußerster Offenheit über die taktischen Verlvicklungen zu sprechen, die dabei in Betracht kommen. Es und in der Tat und in Wahrheit gemeinsame Angelegen. heitcii der gegen Teutschland verbündeten Regierungen und der Völker, die sie regieren. Es ist notwendig, daß alle, die an den Tisch der Friedensverhandlungen kommen, bereit und willig sind, � den Vreis zu bezahlen, den einzigen Preis. der'unS den dauernden Frieden verschaffen kann, und daß sie bereits und willig sind, in irgendeiner männlichen Weise das einzige Instrument zu schaffen, durch daS sichergestellt werden kann, daß die Friedensabmachungen, respektiert und ausgeführt werden. Ter Preis ist unparteiische Gerechtigkeit in jedem Punkte der Abmachungen, unbekümmert darum, wessen Interessen dadurch gekreuzt werden und nicht allein unparteiische Gerecht-igkeit, sondern auch Zufriedenstcllnng der verschiedenen Völker, um deren Schicksal es sich hauidelt. Dieses unerläßliche In- strument ist ein Völkerbund, geschlossen unter Bedingungen, die ihn wirksam machen. Ohne ein solches Jnstrumerrt, durch das der 1 Wcltfriede verbürgt werden kann, würde der Friede zum Teil auf l dem Wo rt von Gesetzesverächtern beruhen und allein � auf diesem Wort, denn Deutschland wird seinen verlorenen Cha- rakter wiederzugewinnen haben durch das, waS an dem Friedens- . tische geschieht und durch das wc'«äter geschieht. Und so viel ich sehr, muß die Bildung dieses Völkerbunde» und eine klare Bestimmung feiner Gegenstände ein Teil und in gewissem Sinn der wesentlichste Teil des Friedensvertrages selbst sein. Jetzt kann er nicht gebildet werben. Würde er ietzt ge bildet, so kdnnde er nur ein neue». auß�dr'e~nenc n de n gemeinsamen Acind zusammengeschlossenen Nationen beschränkte» Bündnis sc in. Es ist auch nicht wcchrfcheinlich, daß er nach dem Friedensschluß gebildet werden kann. Es ist notwendig, den Frieden zu verbürgen und der Friede kann nicht nachträglich verbürgt werden. Ter Grund für mich, in klaren Ausdrücken darüber zu sprechen, warum er verbürgt werden muß, ist der, daß es Teilnehmer an dem Frie» den geben wind, deren Besprechungen sich als unzuverlässig er- wiesen Haiben; deshalb müssen im Zusammenhang mit dem Frie- densschlusse selbst Mittel gefunden werten, um diese Ourlle der Unsicherheit zu entfernen. ES wäre töricht, die Verbürgung des Friedens einer späteren frei- willigen Aktion der Regierungen zu überlassen, die wir Rußland haben Zerstören und Rumänien betrügen sehen. Aber drose allgc- meinen Ausdrücke erschöpfen den ganzen Gegenstand nicht. Einige Einzelheiten sind notwendig, um sie weniger als These und mehr als praktisches Programm klingen zu lassen. Ich spreche von diesen Einzelheiten mit um so größerem Vertrauen, weil ich sie als die autoritative Auslegung der«Regierung von ihrer eigenen Pflicht in Sachen des Friedens bezeichnen kann. Erste n s. Tie unparteiische Gerechtigkeit darf keine Unterscheidung zwischen denen einschließen, gegen die wir gerecht zu sein wünschen und denen, gegen die wir nicht gerecht zu sei» wünschen. Es muß eine Gerechtigkeit sein, die keine Begünstigten kennt und keine verschiede. neu Maßstäbe, sondern gleiche Rechte für die vcr- schiedcnen in Betracht kommenden Völker. Zw eit eu s. Kein besonderes oder abgetrenntes Jntcr- esse irgendeiner einzelnen Nation oder einer Gruppe von Nationen, das mit dem verträglich ist, kann zur kommens gemacht werden. Drittens. Es kann in der allgemeinen gemeinsamen Familie des Völkerbundes keine Verbände, Bündnisse oder besondere Abmachungen und Verständigungen geben. Viertens. Es kann, und das geht mehr� ins einzelne, keine besonderen wirtschaftlichen Kombinationen innerhalb. des Bundes geben, keine An Wendung irgendeiner Form wirtschaftlichen Boykotts oder Ausschlusses, abgesehen von der im«Völkerbund selbst als Strafmaßrcgcl vcr° sengten Ausschließung von den Weltmärkten, die als Mittel drr Disziplin und der Kontrolle dient. Fünftens. Alle intcriiationalc» Abmachungen und Vcr- träge jeder Art müssen der ganzen übrigen Welt bc- kanntgcgebe» werden. Tie Sondcrbündnisse und die w i rt s ch a f t l i ck, c n Rivalitäten und Feindschaften sind in der modernen Welt eine ergiebige Quelle von Plänen und Leidenschaften geworden. die zum Kriege führten. Es wäre ein unaufrichtiger und unsicherer Friede, der das nicht durch �bestimmte Formeln ausschlösse. Da? Vertrauen, mit dem ich über diese Dinge für unser Volk zu sprechen wage, entspringt nicht allein den Ueberlieferungen und den wohlbekannten Grundsätzen internatio- niälen Vorgehens, zu denen wir unS immer bekannt und die wir immer befolgt haben. In demselben Sinne, in dem ich sage. daß die Vereinigten Staaten in keine besonderen Abmachungen und Vereinbarungen mit einzelnen Nationen eintreten, darf ich auch sagen, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, ihren vollen Anteil an der Verantwortlichkeit für die Aufrechterhaltung dergemeinsamen Abmachungen und Verständigungen zu übernehmen, auf dem der Friede fortan beruhen muß. Wir lesen »c.» yumuu uyct uuv*. vvu g e mein sp m e n Interesse aller nn- Gniudlage irgendeines Teiles des«Ab- Nr. 274 4 ZS. Jahrgang Seilage ües vorwärts Sonnabenü, 5. GktoberlHIS GroMerlin Teuerungszulagen für Slngestcllte und Arbeiter der Stadt Berlin. Der von der letzten Stadtverordnetenversammlung eingesetzte LuSschuh zur Vorberatung der Vorlage betreffend einmalige Teue- rnngSzulagen für Angestellte und Arbeiter der Sladt Berlin be- sckiähigte sich in zwei Sitzungen mit der Vorlage. In verschiedenen wichiigeu Punkten wurde die Magistratsvorlage einer Aenderung unter, ogen. Nach den Beschlüssen des Ausschusses sollen erhalten: Diejenigen Angestellten, die die Teuerungszulage in Klaffe IV erhalten 700 M., in Klasse III 800 M., in Klasse II 900 M., in Klasse I 1000 Ml Außerdem für jedeS zu unterhaltende Kind einen Zuschlag von je 150 M. Auch MagisiratSmitglieder sollen diese Zulage erhalten.- An Ledige werden 70 Prozent oben- stehender Zulage bewilligt. Diejenigen jedoch, die im eigenen Haushalt Angehörige zu unterhalten verpflichtet sind, werden im Bezüge der einmaligen Teuerungszulage den Verheirateten gleich- gestellt. Den anf Privatdicnstvertrag beschäftigten Hilfskräften und den städtischen A r b e i te r n wird, sofern sie ein Jahr oder länger im Dienste der Stadt stehen, der llfache Betrag der monat- lichen Teuerungszulage, wie sie für die Einkommen bis 3000 M. zuständig ist, bemessen. Das ist für Verheiratete ohne Kinder llmal 33 M.— 385 Vi. Der Mindestsatz soll jedoch 400 M. be- tragen. Für Verheiratete mit einem Kind llmal 42.50 M.= 467,50 Mark, mit 2 Kindern llmal 50 M.— 550 M., mit 3 Kindern llmal 57,50 M.— 632,50 M., mit 4 Kindern llmal 63 M.— 715 M. usf. Eine Begrenzung, wie sie die Magistratsvorlage vornahin, fällt fort. Ledige erhalten, sofern sie länger als ein Jahr beschäftigt sind. den lliachen Betrag ihrer Teuerungszulage, also llmal 22 M. --- 242 M. Die Hilfskräfte und Arbeiter, die nock nicht ein volles Jahr beschäftigt sind, sollen siir jeden Monat der Beschäftigung ein Zwölftel obiger Sätze erhalten. Tie im R u h e st a n d befindlichen Beamten und dauernd Angestellten, welche laufende Kriegsbeihilfe erhalten, erhalten die Hälfte der für Angestellte und Bcanrie vorgesehenen TeucrungS- sätze, Ledige gleichfalls 70 Proz. dieser Beträge. Die im Ruhe- stand befindlichen N i ch t a n g e st e l l t e n und Arbeiter sollen einmalig einen Zuschlag von 150 M., für jedes Kind 50 M. Zu- schlag erhalten. Tie MagisirotSvertreter gaben die Erklärung ab, daß das in Kost und Logis befindliche Personal der Heil- und Pflegcanstalten gleichfalls die einmalige TeuernngSziilage erhalten soll, da dieselbe ja zur Neuanschaffung von Wirtschastsgegenständcn, Kleidern usw. gedacht ist. Für d,? Angestellten und Arbeiter der städtischen ElektrizitätS- werke soll die Teuerungszulage durch eine besondere Vorlage ge- regelt werden. Auf Grund dieser Erklärungen wurden die zu diesen Punkten von den sozialdemokratischen Vertretern gestellten Anträge zurückgezogen. Bei Unterbrechung der Arbeit sollen die gleichen Grundsätze Anwendung finden, wie sie üblich sind bei der Berechnung deS Ruhegeldes. Unterbrechungen von wenigen Tagen werden nicht gerechnet. Erfolgt die Unterbrechung wegen Krankheit und dauert längere Zeit, so soll von Fall zu Fall entschieden werden, um Härten zu vermeiden. Die MagistratSvertretcr gaben noch die Erklärung ab. dafür eintreten zu wolle», daß als dauernd Angestellte diejenigen anzu- sehen sind, bei denen die Stadt die Absicht hat, sie dauernd zu behalten,- sei jedoch jemand 5 Jahre an einer Stelle seit 1912 be» schäftigt worden, soll er ohne weiteres als dauernd Angestellter betrachtet werden. Hat die Beschäftigung nicht an einer Stelle stattgefunden, so soll eine siebenjährige Beschäftigung in Betrieben der Stadt Berlin das Merkmal der dauernden Beschäftigung bilden. Betont wurde, daß die Beschlüsse des Ausschuffes erheblich über den Rahmen der Magistralsvorlage hinausgingen und dadurch ein weilerer erheblicher Kostenauswand erforderlich wäre. Da die Beschlüsse im Ausschuß einstimmig gesaßt wurden, ist damit zu rechnen, daß der Magistrat den Beschlüffen beitreten wird. Gewünscht wurde noch, die Auszahlung der einmaligen Teuerungszulagen zu beschleunigen, sie mindestens noch im Oktober vorzunehmen.__ Eine neue Verbandsdircktorwahl in Groß-Berlin. Durch die Ernenimng des Rcichstagsabgeordneten F i s ch b e ck zum preußischen Minister für Handel und Gewerbe wird für Groß- Berlin die Wahl eines neuen Verbandsdirekiors notwendig. Herr Fischbcck würde somit sein Groß-Berliner Amt gerade nur ein halbes Jahr verwaltet haben._ Die staatlich geprüfte Fürsorgerin. Ein neuer sozialer Frauenberuf ist die staatlich geprüfte Für- sorgerin. Die zunehmende Bedeutung eines gut ausgebildeten weiblichen Personals für die Durchführung der gesundheitlichen und erziehlichen Fürsorge in Gemeinden und Kreisen sowie die Ungleich-- heiten und Mängel in der Ausbildung der Kreisfürsorgerinnen und ähnlicher von Kreisfürsorgeämtern, Wohlfahrtsämtern und der- gleichen anzustellenden Personen haben den Minister des Innern und den Kultusminister veranlaßt, Vorschriften über die staatliche Prüfung der Fürsorgerinnen zu erlassen. Mit Rücksicht auf den großen Bedarf an ausreichend vorgebildeten Fürsorgerinnen er- ie T et allein Veweist der L i e b e Zuafr. Du liebst Dein Land � handle. Bring' ihm Dein Geld! klären sich die Minister damit einverstanden, daß unter milder Aus- legung der Prüfungsvorschriften bis zum l. Oktober 1913 auch solche Personen zur staatlichen Prüfung als Fürsorgerinnen zugelassen werden, die den Voraussetzungen der Prüfungsordnung nicht voll entsprechen. Doch sind in diesen Fällen außer den Zeugnissen min- destens ausreichende Nachlveise darüber zu fordern, daß die Wewer- berinnen bereits ein getviffes Maß von Ausbildung in der Kran- ken- und Säuglingsfürsorge sowie in der KindcrcrzieHung und-für- sorge genossen und an einem mindestens 1 �jährigen zusammenhängenden Lehrgange in einer Wohlfahrtsschule teilgenommen haben. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind an den zuständigen Re- gieruugspräsidenten, in Berlin an den Polizeipräsidenten, zu richten. Die staatlichen Prüfungen für Fürsorgerinnen finden nach Bedarf an staatlich anerkannten Wohlfahrtsschulen, sozialen Frauen- schulen oder ähnlichen llnterrichtsanstalten statt. Nach bestandener Prüfung hat die Bewerberin ein Probejahr in der praktischen Wohl- fahrtspflege und Fürsorge abzuleisten. Die staatliche Anerkennung als Fürsorgerin erfolgt durch Aushändigung eines Pcüstmgszeug- uisscs uiti eines Ausweises._ Tie Kriegsbeschädigten in der Stadtbahn. Immer wieder gehen uns von schwerbeschädigten Kriegsteil» nehmern Klagen zu über die Leiden, die sie in den Stadt- und V orortzügen, namentlich bei ihren Fahrten zu und von den Arbeitsstellen auszustehen haben. Die Ueberiüllung der Wagen dritter Klasse macht es den Mitfahrenden oft beim besten Willen unmöglich, die nötige Rücksicht auf die Schäden und Gebrechen dieser Armen zu nehmen, die im Dienste deS Vaterlandes zu Krüppeln geworden sind. Daß i» der jetzigen Zeit der Verkehrs- not Sonderwagen für solche Kriegsbeschädigten eingestellt werden, wird sich leider nicht ermöglichen lassen. Dagegen wäre es wohl nichr unbillig, wenn man an die Verwaltung der Stadt- und Ring- bahn das Verlangen stellte, sie möchte den schwer beschädigten Kameraden auch auf Billetts dritter Klasse die Fahrt in den meist leeren Wagen zweiter Klasse ge- st a t t e n. Mordversuch in der Lindotver Strafte. Ein Mordversuch wird vom gestrigen Freitag nachmittag aus dem Norden der Stadt gemeldet. Dort hat ein siebzehnjähriger Nhrmachergehilfe eine Trödlerin zu berauben und zu ermorden versucht. Der Täter konnte sofort verhaftet werden. Wir erfahve-n darüber: In dem Hause Lindower Str. 20 unter- hält im Parterregeschäft die 40jährige unverheiratete Emilie Äppelbaum einen Trödlerladen. Zu ihr kam seit einiger Zeit ein l7jähriger Uhrmachergehilfe aus der Kösliner Straße, der sich Schulz, rannte, jedoch anders heißen dürfte. Er reparierte die im Versatz bei der Äppelbaum befindlichen.Uhren. Am gestrigen Nachmittag war Schulz wieder in den: Laden und arbeitete an den Uhren. Die Trödlerin saß kaffeetrinkend cnn Tisch, als der junge Mensch plötzlich einen Hammer aus der Tasche zog, damit auf die Nichtsahnende losschlug und ihr vier Hiebe an den Kopf versetzte. Die Trödlerin schrie laut um Hilfe. Vor dem Schaufenster stehende Passauten hörten das Geschrei und eilten sofort in den Ladc-n, wäh- rend der Täter in den Hof und von da aus in den Keller flüchtete. Hier wurde er f e st g e n o m in e n und nach dem 58. Polizeirevier gebracht. Die Verletzungen der Trödlerin sind schwer, aber nicht lebensgefährlich. Sie erhielt in der Rettungsstelle 16 die erste Hilfe und wurde dann nach ihrer Wohnung zurückgeschafft. Verteilung der neuen Reichsmarmelade. Wie die Reichsstelle für Gemüse und Obst den Kommunal- verbänden mitteilen läßt, wird am 1. November die Verteilung von Marmelade als Brotausstrichmittel wieder einsetzen. Die mit diesem Monat ablaufende Pause entspricht dem auch im Vorjahre befolgten Grundsatz der Neichsstclle, nur während 9 Monate im Jahre Brot- ausslrichmittel zur Ausgabe zu bringen. Berliner Lebensmittel. Tie Stadt Berlin gibt der Bevölkerung jetzt Gelegenheit, auf städtische BezugSkarte 10 Pfund Weißkohl pro Kopf der Bevölkerung einzukausen. Mit Rücksicht darauf, daß sehr wohl Transportschwierigkelten der Gcmüsczufuhr zeitweilig hinderlich sein können, wird der Bezug insbesondere zum Eins älter n sSauerkobl) dringeud empfohlen. Die Voranmeldung findet Sonn- abend, den 5.. Montag, den 7. und Dienstag, den 8. Oktober auf Abschnitt 0 der Berliner Bezugskarte statt: des weitere» eine solche auf Abschnitt 68 der Berliner Lebensmittelkarte für 1 Pfund Zwiebeln. Der Verkauf des Kohls und der Zwiebeln wird dann in den gleichen Geschäften, in denen Voranmeldung erfolgt ist, bezirksweise statt- finden._ Mutige Tat eines Schüler-?. Der Polizeipräsident hat folgende» verfügt:.Der Schüler Gerhard Knrtb, Grüner Weg 13 wohnhast, hat am 23. Mai d. Js. den 9 Jahre alten Knaben Gustav Köhn vom Tode des Ertrinkens gerettet. Ich bringe diese von Mut und Entschlossenheit zeugende Tat hiermit belobigend zur öffentlichen Kenntnis." Der Wintergarten hat auf dem Oktober-Programm ein Gast« spiel der Tegernseer Bauernspieler sDirektion Anna Dengg). Zur Darstellung kommt ein burlesker Einakter.Die Hosenknöpf" von Neal nlid Max Ferner. In dem Stück liegt ein gesunder Humor, der eine uin so größere Wirkung hervorruft, als eine ganze Anzahl wirklich waschechter Bauernspieler auf der Bühne erscheinen. Der weitere Spezialitälenteil weist einige besondere Neuheilen auf. unter anderem der eigenartige Manipulateur Friskary, sowie eine originelle junge Tänzerin niodernster Art, Inge Lauiy. die nicht nur durch geschmackvolle Kostüme, sondern auch durch ihr Können effektvoll wirkt. Fabelhaft erscheinen die Taschenspielerkünste von Hansen, auch der Balanceakt von Cliff Curran verdient lebende Erwähnung. Der Sportparl Treptow bringt am morgigen Sonntag ei» neues Rennen:.Die Bilanz des JahreS". Es soll über die dies- jährigen Leistungen aller Fahrer Bilanz gezogen und diese in dem neuen Rennen in Gestalt von Vorgaben zum Ausdruck gebracht werden. ES gibt also am Sonntag sowohl in den Dauer- wie Fliegerrennen nur Handicaps. Die Nennen beginnen um 3 Uhr. Zwei Ehepaare durch Gas vergiftet. Eine Familientragödie wird aus Moabit gemeldet. In dem Hause Lübecker Str. 39 wurde man durch einen Gasgeruch auf die Wohnung des 56 Jahre alten GlasernieisterS Gram m aufmerksam. Man öffnete und fand den Meister und seiue Frau, die kinderlos verheiratet waren, regungslos daliegen. Samaritern der Feuerwehr gelang es, die Frau ins Leben zurückzurufen. Der Mann war bereits tot. Aus dem Umstände, daß mehrere GaShähne geöffnet irmieu,— schließen, daß das Ehepaar freiwillig den Tod gesucht bat.— In der Brüsseler Str. 53 wohnte der 65 Jahre alte Magistrats« kanzlist Albert B a l i e n k i mit seiner 60 Jahre alten Frau Hedwig ebenfalls für sich allein. Das Ehepaar wurde feit Montag im Hanfe nicht mehr gesehen. Man schöpfte Verdacht, ließ die Wohnung aufbrechen und fand die betagten Leute in dein mit Gas ange- füllten Schlafzimmer in den Betten liegen. Hier stand ein Gas- bahn auf. Ob gemeinsamer Selbstmord, für den allerdings keinerlei Grund ersichtlich ist, oder ein Unglück vorliegt, steht nicht fest. Ein falscher Kontrolleur treibt wieder sein Unwesen. Es ist ein Mann, der sich für einen Arbeiter oder Monteur der A.E.G. oüs- gibt und sich mit. der Vorspiegelung in Wohnungen einführt, daß er beauftragt iei, den Stromzähler nachzusehen. Er stiehlt dabei und scheut auch vor Gewalt nicht zurück. So erschien er bei einer Loöz. 107] Das gelobte Land. Roman von W. St. R e y m o n t. .Werden Sie tun. tvorum ich Sie gebeten habe Frau Wysocka drückte ihm fest die Hand. „Ich must mich erst zurechtfinden. Vielleicht liegt noch keine Gefahr vor." „Wollte Gott, daß es nur eine böse Ahnung wäre. Wann sehe ich Sie toieder?" „Anka kommt in zwei Wochen, dann bringe ich sie gleich zu Ihnen." „Sind Sie vielleicht Sonntag bei Trawinskis? Es ist ihr Namenstag." „Ja. ganz sicher." Sie schritt voraus, um ihn hinauszubegleiten, und führte ihn durch eine Reihe von Zimmern, deren Fenster mit Stores verhängt waren, die Räume verdunkelt und mit altertümlichen Möbeln angefüllt. An den Wänden hingen Porträts und Bilder geschichtlichen Inhalts und verschossene, zerschlissene Gobelins. Eine melancholische Mosterstimmung lag über der Wohnung. „Verrückte Frau!" dachte Borowiecki, in die Pietrkower- straße tretend, bemitleidete sie aber trotzdem und gab ihr in mancher Beziehung recht. Die Hitze hatte noch zugenommen. Wie graue Baldachine lagen die Rauchwolken über Lodz, und die Sonne goß un- erträgliche Glut auf die Stadt. Borowiecki ging rasch nach Helenowo. Im Park tvar es still und kühl. Die jungen Bäume tranken die Sonne mit allen Blättern und warfen bewegliche Schatten auf die Weißen Tische in dem Restaurationspavillon. Schmale Alleen, von wildem Wein umrankt, prangten im jungen, hellen Grün und spiegelten sich in einem langen Teich. Unter der perlgrauen Oberfläche zogen in goldenen Streifen ganze Scharen von Karpfen. Karl trat in eine Allee, um den Teich zu umkreisen und im Schatten zu dem oberen Park zu gelangen. Plötzlich sah er Horn und Kama, die vom Weinlaub verdeckt am Wasser saßen. Sie fütterten die Karpfen. Kama saß ohne Hut, das Haar flatterte über ihr ge- rötetes Gesicht. Lustig warf sie Semmelstückc ins Wasser und lachte ausgelassen und fröhlich wie eine Lerche. Horn lehnte etwas abseits, mit dem Rücken gegen das Gitter, an dem der Wein sich emporschlängelte. „Artige Kinder, sehr artige Kinder," rief Karl, an sie herantretend. Kama verstunimte und verbarg ihr Gesicht in die Hände. „Herr Horn, gehen Sie gleich morgen zu Schaja. Er ist schon zurück. Sie bekommen sicher eine Stelle bei ihm. Müller sagte es mir schon." „Ich danke Ihnen herzlich. Ich bin sehr erfreut.. In Wirklichceit war er aber nicht erfreut, denn es war ihm sehr unangenehm, daß Borowiecki ihn hier ab- gefaßt hatte. „Spielt eure Idylle weiter, ich will euch nicht stören." Von der anderen Seite des Teiches, von dem oberen Park aus. sah er noch ihre über das Wasser geneigten Köpfe. Manchmal riß sich noch ein fröhliches Lachen von der grünen Wand des Weinlaubs los und zitterte über der klaren Wasserfläche. Luch war noch nicht da. Borowiecki ging in den engen, schattigen Alleen auf und ab, die sich einsam zwischen dem Dickicht der Bäume und Büsche hinzogen. Endlich setzte er sich in der Hauptallee nieder, von der man zu den Teichen gelangen konnte, und schaute Kindern zu, die seltsam still unter der Aufsicht ihrer auf den Bänken schlummernden Kinderfränlein spielten. Dumpfe Echos drangen manchmal von der Stadt her- über und zerflossen verstummend in der Stille des Parkes. Manchmal zerriß das Brüllen der Tiere in der Menagerie des Parkes die Luft. Das trockene, scharfe Knistern eines Kleides weckte Karl aus seinem schläfrigen Sinnen. Er hob die Augen und ging gedankenlos einige Schritte vorwärts. Frau Lickert schritt anf ihn zu. Fast gleichzeitig erblickten sie sich und streckten sich un- willkürlich die Hände entgegen. Ihr blasses, trauriges Gesicht erstrahlte plötzlich vor Freude, Flammen des Glücks erhellten ihre Augen, die Lippen röteten sich blutig. Sie stürzte vor, als oö sie ihm in die Arme fallen wollte; aber plötzlich verdunkelte eine Wolke die Sonne, und graue Schatten füllten den Park und bedeckten ihre Seelen mit düsteren Schleiern. Frau Lickert schauerte nervös, die zur Begrüßung ausgestreckte Hand fiel leblos zurück, ihr Gesicht erlosch, die Lippen erblaßten, krampften sich schmerzhaft, die Augen sanken tief zurück und blickte trüb. Kalt und fremd schauten sie ihn an und ging rasch an ihm vorbei. Automatisch folgte er ihr einige Schritte, mit einem Ge- fühl, das ihn mit seltsamer Rührung durchdrang. Sie wandte sich kurz nach ihm um, warf ihm einen ernsten, von Tränen glänzenden Blick zu, und ging. Er setzte sich wieder, saß eine Zeitlang regungslos, ohne Gedanken, und schaute in die Tiefen seines eigenen Herzens hinein. Ein immer schmerzlicherer Glanz rang sich unter seinen gesenkten Lidern los. Das heißt— Verachtung! dachte er. Noch sah er Emmas Augen und sah das Heradgleiten ihrer Hand und die heftige Bewegung der Ernüchterung. Er wollte auflachen, aber das Lachen drang nicht nach außen, überflutete ihn bloß mit quälender Bitternis und mit einer Plötzlichen, schweren Müdigkeit. Unwillig erhob er sich und ging schwerfällig zur Grotte. Lucy wartete schon auf ihn und warf sich ihm, als er an sie herantrat, an den Hals. „Vorsicht! Sind ja Menschen überall! Es könnte uns doch jemand sehen," zischte Karl wütend, nach allen Seiten sich umschauend. „Entschuldige! Entschuldige, bitte. Wartest du schon lange?" fragte sie sehr demütig. „Seit einer Stunde. Und ich wollte schon gehen, weil ich nicht so viel Zeit habe." „Gehen wir zum Treibhaus unter die Apfelbäume. Da ist nie jemand!" bat sie sehr leise. Lucy schaute ihm wieder in die Augen, preßte sich immer fester an ihn und lächelte süß mit ihren nach Küssen lechzen- den Lippen. In einer plötzlichen Aufwallung, noch unter dem Eindruck jener Bitternis, in die seine Seele die Begegnung mit Frau Lickert versetzt hatte, küßte er sie verzückt. Sie gab ihm die Küsse mit solcher Leidenschaft und Hin- gebung zurück, daß sie totenblaß wurde und halb ohnmächtig ihm in die Arme zurückfiel. „Ich sterbe, Karl, ich sterbe!" flüsterte sie mit den blaffen Lippen, umschlang ihn fest und innig und sagte nach einer Weile, die Augen breit öffnend und gierig atmend: „Ich liebe dich I Küß mich nicht mehr, ich fühle mich so unwohl, so schrecklich unwohl I" Unter den gesenkten Ltdern begannen Tränen zu fließen. Sortj. folgt) ffrou in der Naugarder Strafe, sav auch nach der Stromubr, der- laiic>le dann aber plötzlich unier Drohunqen Geld und Lebens- rniltel..Auf die Hilferufe der Bedrohten erciriff er die Flucht und entkam. Man wird qut tun, allen solchen Kontrolleuren und Nevi- koren gcaenübcr vorsichtig zu sein und niemanden, den man nicht kennt, ohne genügenden Ausweis einzulassen. Die AindeSentführcrin, über deren Treiben wir berichteten, ist jetzt unschädlich gemacht woidcn. Sie wurde in Sorau ergriffen und in Untersuchungshaft gebracht. Durch eine Handgranate getötet. Der Tischlermeister L a m- brecht, der als Sergeant mi Felde stand und zur Arbeit in einem Berliner ttnegsbelnebe beurlaubt worden war, hatte seine Eltern in� Spandau besucht. Er wollte Donnerstag in dem Werder Fische fangen und nahin eine Handgranate, die er aus dem Felde mitgeführl halte, mit. Die Granate explodierte, als Lamprecht sie im Wasser zur Entzündung brachte, etivas zu früh und Lamprecht wurde von den umherfliegenden Elscnsplittein getroffen, Das linke Bein wurde ihm ruiterhalb des Knies abgerissen, die linke Hand zerfetzt und das linke Auge derart verletzt, dos; es auslief. Auf dem Transport nach dem Lazarett ist der Sergeant seinen furcht- baren Verletzungen erlegen. Neukölln. Minna von Barnhelm. Billetts zu der am Sonntag, den IL. Otivber, stattfindenden Vorstellung sind auger in den Paiteiipedilionen auch noch bei den Bezirlssunktionärcn zu haben. zur weiteren Beratung zu überweisen, wird gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Ferner wurde beschlossen, bvOOO M, aus städtischen Mitteln zu Darlehen an Beamte, Lehrer, Angestellte und stcidtiiche Arbeiter be- reitzustellen. Die Darlehen sollen im Einzelfalle 2000 M.— nicht übersteigen, mit 3 Proz. verzinst werden und innerhalb Ist Jahren zurückgezahlt werden, Den städtischen Hilfsarbeitern soll im Erkrankungsfalls Gl) bezw. 70 Proz, des Gehalts, inkl. Krankengeld garantiert werden. Denjenigen Angestellte«, die mehr wie das versicherungspflichtige betrachiungen und Reflexionen werden, tritt auch in den gröfften seiner früheren Schöpfungenmarkant herpor. Indessen hier auf dem Hintergrunde einer zugleich naturalistisch auf die hliimsts Wiederspiegelung der seelischen Vorgänge und Charaktervorgänge gerichteten Stil/rt, sind Symbolik und gedankliche Beziehungen organisch dem Zusammenhang der Handlung eingegliedert und sie steigern den Eindruck noch erheblich. Immer wieder, wenn mau einem aus diesem Kreise Jbsenscher Dramen, die seine Kraft in noch ungebrochener Fülle offenbaren, auf der Bühne begegnet, �, I...... j- 1 staunt man den Reichtum an, empfindet man die fabelhafte Kluft, Einkommen haben, soll— im Falle der freiwilligen Mitgliedschaft die seine Kunst von dem, wa? sonst als bürgerliches Drama gilt, der Teil des ArbeitgeverbeitrageS, also ein Drittel des Bei trage?— zurückerstattet werden. Die vom 1. August 1918 ab für die Lieferung elektrischer En r- scheidet. Einzigartig ist, wie er den Ausgangspunkt der Katastrophe, bei dem seine dramatische Darstellung einsetzt, wählt und von 'daher dann we-fterschreitcnd tiefer und tiefer in die dunkle Vor» SchOncbcrg. Stadtratswahl. Die Stadtverordnetenversammlung wird in ihrer nächsten Sitzung am Montag an Stelle des ausgeschic- denen Stadtrats Dr. Licht die Wahl eines besoldeten Stadtrats vornehmen. Wie wir von unterrichteter Seite hören, entbehrt die vor kurzem verbreitete Nachricht, das; der Berliner Magistratsrat Dr. Prerauer gewählt werden würde, jeder Begründung. Die Frak- tione» haben sich auf eine der Schvneberger Stadtverwaltung bereits angehörende Persönlichkeit geeinigt. — Eine städtische MüdchenhandelSschulc. Der Magistrat hat die Errichtung einer städtischen Handelsschule für Mädchen mit zunächst 2 Kl. zum 1, April 1919 uftd ihren weiteren Aufbau zum 1. Okt.ls" ' 1. April 1920 beschlossen.......|i|~" 2 und 1910 Die Leitung der Schule soll dem Dirxktör der städtischen Pflichtfortbildungsschule übertragen werden. Ter er- folgreichc Besuch dieser Handelsschule wird bon dem Besuch der PslichtfortbildungSschuke für Mädchen befreien. Bis Ostern d, I. bestand in Schöneberg versuchsweise eine Handelsschule für Mäd- chen, die von der Korporation der Kaufmannschaft in Berlin in un- entgeltlich von der Stadt übcrlassenen Räumen der städtischen Feuerwehr und in der 10. Volksschule unterhalten wurde. Da diese Schule aber nach Wilmersdorf in grössere Räumlichkeiten verlegt worden ist und Schöneberg infolgedessen keine derartige öffentliche Handelsschule aufweist, ein starkes Bedürfnis aber vorhanden ist, soll eine besondere städtische Handelsschule für Mädchen errichtet werden — Ciervcrteilung. Auf Abschnitt 02 der Eierkarte kann vom Sonnabend, den S. bis Freitag, den 25. Oktober ein Ei zum Preise von 61 Pf. entnommen werden. Wer bei seinem Händler bis dahin ein Ei nicht erhalten kouittc, hat spätestens Freitag, den 25. Oktsbcr seinem Händler den Abschnitt 52 gegen Quittung zu über- geben. Spandan. Teuerungszulagen. In der Stadtperovdnetenver» sammlung am Dvnerstag gab es eine längere Debatte über den An- trag de? GewerkschaftSkartellL, in der städtischen Kriegskommission vertreten zu sein, Genosse Pieck begründete den Antrag und bedauerte, dass eS hier erst solcher Anträge bedürfe, währenddem man in anderen Städten sofort bei Kriegsausbruch die Arbeiterschaft zur Mitarbeit herangezogen habe. Siadtverordncter F o r t c n b a ch e r wehrte sich gegen den Antrag insofern, dass er beantragte, dass dann auch der Bund der StaatÄhaildioerier und Militärarbeiter berücksichtigt werden müßte, ebenso die Beamten. Auch den„Gelben" der Sie- Aienswerke müßte eine Vertretung eingeräumt werden. Genosse Stahl widersprach dem ganz entschieden. Wohl könne man sich eamit abfinden, dass den Militärarbeftcrvcrhänden eine Vertretung eingeräumt werde, nie aber könne er sich damit einver- standen erklären, dass auch die„Gelben" aufgefordert würden, Ver- treter zu entsenden. Auch müsse endlich mit dem System ausgeräumt werden, dass alle kleinen Vercinchen zur Mitarbeit aufge- fordert würden, die im wirtschaftlichen Leben und der Oeffentlich- reit keine Rolle spielten, seitens des Magistrats, Ein Antrag, die Angelegenheit einer ögliedrigen Kommission nächsten Tariferhöhung berücksichtigt werden, Eine längere Diskussion entstand über die Teuerungszulage der städtischen Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen. In der letzten gehei« mcn Sitzung war auf Antrag des Genoffen Stahl einstimmig ein Antrag angenommen worden, der weit über die Vorlage des Magistrats hinausging und auch die 19 Proz. Kinderzulage siir die Hilfskräfte zur Auszahlung bringen sollte. Darüber entstanden im Magistrat Meinungsverschiedenheiten und erst nach fast einstündiger Debatte, an der sich alle Fraktionen beteiligten und in welcher be- sonders unsere Genossen Pieck und Stahl für die Interessen der städtischen Angestellten und Hilfsarboiter eintraten, wurde beschlos- sen, die Kinderzulage zu gewähren. Die Hilfsarbeiter und Hilfs- arbeiterinnen, inkl. PolizeihilfSbeamtcn, sollen nunmehr als ein- mal ige Teuerungszulage erhalten: nach s�jähriger Tätigkeit bis 1 Jahr Unverheiratete 150 M., Verheiratete 200 M.; von 1 bis 2 Jahren Unverheiratete 225 M., Verheiratete 800 M,; von 2 bis 3 Jahren Unverheiratete 800 M., Verheiratete 400 M.: über 3 Jahre Unverheiratete 359 M., Verheiratete 509 M,, außerdem für jedes Kind 19 Proz. Zuschlag, Dem Antrag wurde zugestimmt und alle sonstigen vorgetragenen Wünsche der GchaltSregulierungskommisston zur alsbaldigen Berücksichtigung überwiesen. Sicinickendorf. TSM-ffabg-ib». Auf Abschnitt 0 der Süßstoff- karte Ick für Haushaltungen können im Laufe des Monats zwei Päckchen Süßstoff Il-Packung entnommen werden. Mariendorf. Lebensmittel. Vom 3. bis 3. d. Mts. wird a» diejenigen Personen, die in den Speiscfertlnndenlisten der in Mariendorf und Siidende gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 125 Gramm Kuhkäse verteilt. Der Preis für ein Pfund be- trägt 2.74 M. Daö Kopfstück der laufenden Speisefeitkarte ist zu stempeln. Die Geschäfte sind durch ein Aushängeschild„Verkauf von Käie der Fettstelle Gross Berlin" gekennzeichnet. Auf Ab- schnitt 64 der Gross-Berliner Lebensmittelkarten entfallen entweder zwei Suppenwürfel zum Preise von 19 Pf. das Stück, oder 199 Gr. Morgentcank für 13 Pr, Die Lebensmittelkarten sind zur Ab- trennung der Abschnitte spätesteuS bis Sonnabend bei einem be- liebigen Händler vorzulegen. Der Verkauf an die Einwobner be- ginnt am 11. 19 nachmittags 4 Uhr. Für die bis zum 19. 19. nicht eingelösten Abschnitte erlischt das Bezugsrecht. Friedenau. Die Gemeindevertretung bewilligte in ihrer letzten Sitzung unier dem Vorsitz deS Biiracrmeifters Walger die Mittel zu den Nachhilfelehrgängen für die Schüler höherer Lehranstalten, die im Sommer im landivirtschaftlichen Hilfsdienst tätig gewesen sind. Eine längere Erörterung entspann sich über die einmaligen KricgSteucrungsznlagen an Beamte und Angestellte. Die vom Gemeindevorstand nach den staatlichen Grnirbsätzcn beantragten Sätze wurden vielfach nicht für ausreichend erachtet und empfohlen, die höheren Sätze anderer Gemeinden zum Vorbild zu nehmen. Die Gemeindevertretung beschloß dann, die Vorlage an den Finanz» ausschuss und den Gemeindevorstand zurückzuweisen mit der Mass« gäbe, dass nach Abschluß der Verhandlungen Berlins über die KriegstencrUngSzuIagen iin Hinblick auf die Einheitlichkeit in Groß- Berlin die Berliner Sätze in Aussicht genommen werden sollen. Kammerspkelhaus:„Nosämershslin* von Ibsen. Ibsens Neigung zur Ausfpinnung des Symbolischen, die schliesslich in des Dichter» letzter Periode zu«wem Typus dcama- tischer Gcdankenspiele führt, in welchem die Figuren mehr und mehr zum blossen Sprachrohr von de» Dichters eigenen Lebens- gibt, dehnt und weitet sich der enge Rahmen des Thcatcrbildcs, cnt- falten sich die Vorbedingungen und Notwendigkeiten, aus denen Alles so geworden, mit unmittekbaver Anschaulichkeit hervor. Das Fortschreiten in der Enthüllung der Vergangenheit webt mit dem Fortschreiten der Handlung sich zur wirkungsvollen Einheit zu- sammen. Die von Karl Heine inszeniertc Aufführung war vom in» tensiven Innenleben der Dichtung selbst getragen und durchglüht. Mit einfachsten Mitteln gelang Lucie Hoflich das Schwierigste: den vollen Glauben an Rebekka zu erwecken, das aus fremden Welten in RosmerS stilles Hrm verschlagene wildwüchsige Geschöpf, das, heimlich von zügelloser Begier zu RoSmcr erjxriffen, die kranke irre Frau dcs Ahnungslosen durch tückische Einflüsterungen zum Selbstmord treibt, und dann, im geistigen Verkehr mit Rosmcr ge- läutert, freiwillig selbst entsagt, ja ihr Bekenntnis durch den Tod besiegelt, in dem sich dcr Geliebte ihr vereinigt. Hinter der ge- dämpften Ruhe, die in den tragischen Momenten weihevolle Ge- fasstheit wurde, spürte man die Pulse eines mächtigen Willen?, der, wie er einmal des Verbrechens fähig war, jetzt, nach der inneren Verwandlung, auch vor dem schwersten Opfer nickst zurückschreckt. Ebenbürtig stand nc-ben dieser Leistung der blaffe, krankhaft zarie, wehrlos gütige Rosmrr Winter stein?, den sie au? der Enge dcs Ikberlstferten zu einem kurzen Freiheitstraum weckt, � Ganz aus einem Guß wirkte G r« g o r i s Rektor Kr«ll, in dessen Zoich- nung der Schauspieler mit klugem Bedacht auch die menschlich ver- söhnlichen Züge stärker als sonst meist mitklingen ließ. Ebenso ge» langten die Episodenrollen Paula Ebertys HauShältmn, ©raetz' Mortcmsgaard und Voelkers Brendel zu individueller AnSgestaltung, nur störte in den Bvcndclszenen öfters das allzu Heise, kaum mehr verständliche Sprechen." dt. Notizen. — Theater. Im Theater in der KöniWrätzorstraffe ist die Erstaufführung von Henvik Ibsen»„R o s m e r s h o l M"(Text der grossen Gesamtausgabe) auf kommenden Sonnabend verligt worden. — Das Publikum. Hebet diese» Thema spoicht Karl Schefflet heute abcnd 7)4 Uhr im Klindworth-Scharwenka-Saal. Dar Vortrag wird durch Lichtbilder erläutert. — Eine Wilhelm-Busch-Nummer ist al? dics- w üchige Gabe der„WeltliKratur" erschienen. Sic bringt vier Bildergeschichten dcs grossen deutschen Humoristen, In sechzig versbegleitet en Zeichnungen werden tragikomische Schicksale lachend überwunden. Die Nummer kostet 29 Pf. WasserstandSnachrilvten der LandcSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrburcau. W a s s e r st a n d am L. em Memcl Tilsit 175 Pregcl Jnsterburz—54 Tstcichscl Phorn 54 Oder Ratibor 100 » Krosjen 6!> , Fcanlsurt 70 Warthe schrrmm 0 „ LandSbcrg—17 Vordamm—30 Elbe Leumnitz—71 • Dresden— 198 » Barbh 84 „ Magdeburg 86 3. ein 62 1021 60 es! Oj -18; — 30' — t -194! 32 84 Wass erstand am veutichcr Nktallütliellek- Verband. Vorwallungesielle Borlin. Dcn Milgliederii zur Weh« j richt, daß iniscr Kollege, der Eußputzer kriLlinc!! P'rng Schönhauser Allee 109 | am 2. Oktober gestorben ist, Die Beerdigung sindcl ! heute Sonnabend,».Oktober, I nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle de? Pauk-Ker- ! hardl-KirchhcseS In Weißen- s jce, Röltktstraße, au? statt, Den Mitgliedern ferner cur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Joli. ßornatowskl Neukölln, Weisestr. 58 j am 1. Oktober gostorlicii Ut. Die Beerdtgimg stndet heute Sonnabend, 5, Oktober, nachmittags Ist, Uhr, von der i Leichenhalle des Gemein de- I Frlcvhoses in Neukölln, Ma- | riendorscr Weg, auS stait. Ehre ihrem Andenken! Ziege Beteiligung wird er- 1 I wartet. ] 119/2 Die Ortsverwattung. I fi ZentraivefDand der SleiRarteilcr OeuUchlands. Zahlstelle Verlin. Ten Mitgliedern zurNach- richt, daß unser Kollege, der Steinmetz Karl Lotze am 3. Oktober verstorben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3fl, Uhr, von der Leichen- Halle deS Sankt Johannis- Kirchhofs in Piötzcilsee au§ statt. Um rege Beteiligung er- sucht 172/4 Die OrtSvcrwaltuiig. nÄaeaGa55E;.z Am Mittwoch, 2. Oktober, an ibvnn 17, Geburtstag, verschied plötzlich und un- erwartet, infolge LUngen- leiden, unsere innigstgcliebte Tochter 58A Elia. DicS sagen schmerz- ersüllt an Otto Gruntin und Frau. Die Beerdigung findet heuie Sonnabend, 5. Okibr., nackmittagSgflzUhr, von der Leiannhallc des MartnS- Kirchhofs In Hohen- Schön- 'hausen aus statt, Saale Havel Spree Weser Rhein Neckar Main Mosel s? Grochiitz Svandau Rathenow Sin-mverg KerSdorf Münden Minden Maximil.au Ernib Coli? Heilbronn Hanau Trier 2. em 70 38 —5 ... 78 194 133 203 m 228 117 3. cm 64 86 -5 *198 W Unserem wericn Kollegen, dem BezirtSkafsierer K.v Süöx Noblen A nebst seiner werten Gattin, die herzlichsten Glück- vis/ wünsche zu ihrem itl; jührigett SyejuVtlllum. Tie Bezirkskommission Bezirk 3. 0?. mvel. I.ocird» veh. schnell, grllndl., mögt. schmerzlos u. ohne BerusSstör, cteieblvehtskeii.iithell,, gedoiani ttaut», ttaen», 5e»uonivi3sn� Sedtvaeka, Erprobtest« Metboden ttaen» unil lltiituntoeevodang, KSflilSÖ1. 34|i8,«stxanderpl Spr.10— lu. 5— 8, S onnt. 10— 1 Felle Enten, leb. u. gechl. Kaninchen, Tatiben u, a.■ cmpsiehlt besonders preiswert iZchmitlt vorm. Tasche, Pianuser 21, am Hallejchen Tor. ZVEÄNlMZß vr. rncil. Kocbrn kür v iZesovisohtzkeanIclielten,! klaut-, klarn-, sseausnleiilon, j nvrvtis, LolneSobs, Sein-! kranke, kstrancllrrnK solrnolhsrobsr uwotimore» los ollno Borukssrornnx i in 0r, Nomcvcr vo. I konü,I-!rdor. I. Blutuntors,,| Fäden im Harn usw. Frädrielistrilksoptik. Rijoißst�giSteSl Spr. 10-1 u. 5-8, Sonnt. 10-1.[ Honorar mäßig, a. Teilzahl.| Separates Damenzimpier, pMM-uross� a—w. S? A W f 11 T-J O V) t.'; A IV Ä 4 ÜSrVa »mostete r.p. Frankfurlep Slraße 141 limiyorckcnzinvalirienstraile 5, I 598 Mark Anzahlung genügen zum Kauf einer kompl. Wohnungseinrichtung. 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Sonnt. 3'(,: Ein fideles Huhn Tiieater isr Friei'ieÄ Kcka Friedrich- u. Linienstr 7«;, Uhr. Tägl.: Kord. 8650. Kaiserplatz 3, 1 Tr. Ein Inst. Stück m. Musik v. Laufs v. Mällondorff. Georg. L. Holms. Bomiab. u. Mittw. 8'/j! Hansel und Grete! im Zauberwaid. Konntag iJ"/,: Goldene Spiegel Rose-Theater, S'/i Uhr: Aschen bröd«!. Tl. Utir: Gastsp. d. Fricdr.- Wilhnlmstädt. Theaters: ?>a« Drclcnüdcrlhan». Walhalla-Theater. 7>„ Uhr: Donauliebchen. Tmulo llentcrberjf Neue Vorträge Inge I.ani-y in ihren Tänzen TefieraseefBaueriitlieatßr Direktion: AnnaDengg Die IlosenIcnUpt' Ein Abt von M. Neal u. kl. Ferner sowie der = neue= Oktober-Spielplan! � Apollo � Fricdriohktr. 218 Dir.: James Kloin. 7'U Sonnt. S1/. n. yV.i Die Well geht unter! Große Variot�-Aus- stattungsschau in vielen Bildern mit Senta Söneland Ernst Lubitscti nsw. Sonnt. 3'/, Ulir jeder | Erwachs. 1 Kind frei I Trianon-Theater Bhf. Friodriohstr. Ztr. 4927, 2391 Nachm.'/,4 Uhr, kl. Preise: HünMel und«»rot» I. Abends 8 Grhr: Der gute Ruf von Hermann Suderrnann. Id* Wüst. Bruno Kästner, Benner. Flink. Schönteld. Klein. Morgen u. folg. Tage 8 Uhr: Der gute Huf. Sonntag ll34.: Johaunisiauer. Mittw.'t,i: iidnsei u. ßretel, Donnerstag'/at: Rotkäppchen. TlieaiepainKoitliüserTop. Ko tlbuserst.eLeit.F.V/agnop Täglich U/, Uhr: Dio Grelle Varietb-SchBti. Dokorafiohsentw. Heinp. Zille.— Anns Müller-Linoke. Vorverk. lO'l.—!'/„ u. ab ö U. sowie bo'i Werthoim. Theater für Sonnabend, 5. Oktober. Neues Opsrettenhaus 7'/, Uhr: 038 SÜß8 �81. Sontg. 3: Der Soldat der Mario. Central-Thenter üi'r: Die lose von SlaiiiliiiL Deutsches Opernhnni« vi, Uhr: Lohengrin. Hriedrich-Wilhelniet. Thcntei 7'/, uhr: Sannerl. Kleines Theater s uhr: Liebelei. Koiiilache Oper SsbwsriwaiilÄL Stg. S1/.: Schwarzwaldmädel. 7'/. Uhr: Luiitsplelhauri Die spanlspiie Fliege, Metropol-Theater uhi4; Die Fasellingsfee Sonntag 3 Uhr: Wiener Blut. Palast-Theater u&Bep Stralsiiep.Fisebzug. Stg, 3; Der Stralaucr Fischrup. KeBld<'n»-Theater tu uhr: öep Me Zap. Sctslller-Th. Chart. 'i. ühr.• iep sieiignte Täg. Thnll»-Theater DhrlnterfiepblenteLinäe Theater am Noilendorfplatz 31/, Uhr: Die Itiluber. 7 Uhr: Tie Velannlmnilitinff hcS DSetloTnmandoS in den Marken betreffend Beichiagnahnie von Ferngläsern sowie von Objekiiven für Pbologrnphic und Projektion tritt mit dein b. Oktober 1918 in 5t rast. Tie vollständige mnilichc Vekanntinachnng erfolgt an den Nnschtagsäutcn und in der.Norddeutschen Sillgeinciiien Zeitung". (3Z4, l. 4. 18. II. Aug.) Berlin, den S. Oktober 1913. Ter Poüzcinräsidcnt. Theuter des Wcistciis uhrDie lustige Wüwe mit Guido Thielschor. Wallner-Theater 7-,- uhr Dpa! Babeolelits. Stg.SV.U.: Frühlingsiult. Cöpenickai Straße OS. Sonntag, 6. Okthr.,, nachm 3'/,: Studenten» liebchen. Operette von Walter Bromme. (Auf aiigem. Verl.) 1-g MTIONÄL-TBE&TEH Der große Operettenerfolg! TrinzenUebe. Oper. i. 3 Akt. v. Walter Bremms. Vorverk. v. 10 Uhr ununterbroch. WWW««ÄM'M«. Bcrwaltuiigdstolle Berlin. Bi Sf, Linienftrahc SZ— SS Ciielchflslf jctt von 9— 1 Übt und von 4—7 Uür, Tetetihou: Amt Norden IKS, 1239, l987, S714. Montag, den 7. Oktober 1918, abends 8 Uhr, im GcwcrkschaftShanS, Eiigelnfcr 15, Saal Ii WM° Versammlung der MechaviKtr, Zihrmcher, Gplilier smie uiler i» deu L!echi«!ischen Kktrieden btschäsiigte» Iflüfpimi Hüii ßoilkgkn. Tagesordnung: l. Bortrag dcZ Kollege» W. T i c r i n g über»Ernährung und 9irbeitSzett-. 2. Diskussion. 3. Nchcrstnndcnfrage. 4, DersthiedencZ. Zlollegen n»d tiolloginnc»! Sorgt slir einen guten Besuch dieser außerordentlich wichtigen Versammlung l Die Versammlung wird pimltlich eröffnet— wenn die Kollegen püntUich kommen! MiitgtiedSbuch legitimiert k""»WZ 118/20 Die OrtSverwaltnng. Zisdsrett Umll ------- Bunte Vorträge--------- Spielfolgc votn 1.— 15. Cktohcr: Schmidt-Havkins, Alarzeüa Velly, Nnnna u. Fernand,? Vettori? Max Koch, Waller Bährmann, Krämer-Wollf-Schmidt, Max Pfarr's gelehrte Hunde. Taglich zwei Kapeilen. am Btrauo- das größte und achönste'platz'" KGilzert-Gafe-Kabarett in Belün 0 Jeden 1. und 10. des Monate nouor Spielplan. Erna Renata— Margaritha Bosfcro— Max Zerner J E. Heyer-Heine— Paul RochcIH— Die Bü!garof}s(4Pers.) Die goto itliieiik. Tankflnstler-Kcnzert(10 Solisten). t Anfang an Wochentagen 7'lt Uhr, Sonntags 4, Uhr. Anfang wochent. 7, Sonntag nachm. 4 Uhr. Kottbuser Damm 95 „ ISäise�Seiser1 Lothringer Straße 67 Jiefort auf bequemste Teilzahlung und gegen bar bürgerliche «■Npottfe Circus« ll x,... Wohnungs-Elnrlehlunoeu !2 Sonnabend GroBe Ferien Sonder- vonstellun mit der Märchenpantomimo Känssl und ßrote! und das vollstünd. Progr. einschließlich.Tlarätio, das Auto-Wunder. I anee- Pinii auf all. funi) 1 hörig,«lull Sitzpl. iP6i! weitere halbe Preise! �TTj Gr. Wasser- j�T" * gj Pantomime I* 2 O Ss e p o n» Vorher: IVlarlno n. d. übr. vorzügl. Numm. Kükük I.lehtsptele Große FrankiiirteF Str. LS. Der Versohwender Cr. Schauspiel mit Gesang. Usw. 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HlUlfiUll auohClelegcabottskt, 4 WeiacTCfithre, F>'aAt»!tTtü"i9 | ÜSStagc© MsILlQ.J 9 I 60 Filialen in allen Stadteilen.| Bekannimachttng. AüMsssMMlsssZisikSfiz die Ml SM. Ab. HernT wrsco, �.1 ea.SSSYgrltaiHsslell. Gr.-Berl. Die Stadt Berlin gibt auf Berliner Bezugokarte, schnitt O, an jeden Berliner Einwohner W Pfund Weißkohl ad. ES wird der Bevölkerung anemviohlen, von der sich dielen- den Gelegenheit zum Einsäuern(Tauerkoht) in reichlichslein Rage Gebrauch zu mache», da ein zeillvciscZ Nachlassen der Gemäsezufuhr insoige ZrattSpottmlltelschwierigkeilen nicht auszer dem Bereich der Möglichkeit lieg!. Die Boraninetdung für die NuSgade des Weisikodls findet am Eonnaben», den S., Montag, de» 7., und Dienstag. Steil Fi. Ottober IftltS, in den durch Aushang keputtich gemachten Gemiile-ÄtetnbandSISgeschriste» oder städtischen Aerkanssständen statt. Diejenigen Einwohner Berlins, die Weigtohi beziehen tovllc», haben in einer der vorgenannten Verkaussstöttcu dem BerkSuier die Berliner Bezuzstarie zwecks Abtrennung des roten Abschnitts O vorzulegen: der Absdmüt klein o verbleibt an der»arte. Der Berlättser ist vervsUchiet, iiocr die Anzahl der abgetrennten roten ASschnttle O dem Anmeldenden eine Empfangsbescheinigung zu crlcitcn; diese tann auch aus den Abschnitt itein o einer jeden cinzeinell Karte ge- seht werden. Der Beitaus dcS Kohls findet Im Laase deS Oktober gegen Rückgabe der erteilten Empsangsbeschci'.'.igung und Abtrennung des Abschnittes klein ,, in der Ber> kanfsstcUe statt, in der die Anmeldung erfolgt ist. Weiche BrotkonilnissionS bezirke jeweils zur Beliefe- rnng eitstehe«, wird durch öffentlichen Anschlag nud die Berliner Tageszeitungen bckaiiiitgegcbeti werde». Ä» jedem Brotkoznintlnonsbezirk machen die einzelnen Site:«» Handelsgeschäfte durch Aushang bekannt, sobald sie im Brslste der Ware sind. Die Groh-Berliner Gemeinden haben beschlossen, aus den Kops der Bevölkerung 1 Pfund Zwiebeln abzugeben. Dementsprechend findet in den vorbezcichnetcn Ge- schälte» ebenfalls ani Sonnabend, den 5., Montag, den 7. und DienStng, den tt. Oktober siir die Einwohner der Etadt Berlin llioranweldung hierzu fialt. Diejenigen Einwohner Berlins, die Weifikohl und Zwirbeln zu bezichen wünschen, haben in demselben Sicschüst, in dem sie sich znm Bezug des WeistkohlS anmelden, für den.Zwiebelbezug au den genannten Tagen den ättstrreii Stbschnitt ßb! der ricdcnSniitlel- karte der Stadt Berlin abschneiden und sich über die Zahl der angemeldeten Sibschniltc 08 eine EmpsangSbeschetnigung erteilen zu iassen, die auch ans den ander Karle vetblribetiden inneren Abschnitt 68 einer jeden einzelnen Karte gcscht werden tann. Der' Bei laus der Zwiebeln ersvlgt gleichjalls Im iiattsc der nächste« vier Wochen, und zwar gegen Rückgabe der cilcil» EmbsaUgSbescheintgung und Abtrennung des innncren AS- schnitt« 63 in de» Vertatiföstclien, in denen die Bor- anmeldung erfolgt ist. Weiche BroltommtistonSbczlrle jeweils zur Belieferung an- stehen, wird durch öffrnltichen Anschlag und die Berliner Tages- zeitungc» bekanntgegeben werden. JRn jedem Brotkommiisions- bczirl machen die einzelnen zklelnhaiidclsgcschä'te durch Aushang bekannt, sobald sie iu den Besth der Ware gelaugt find. Nachltöallch« Anmeldung und Besriedigung ist nuSaelchlosse». Beim Einkans müssen Taschen und sonstige Brhälmisse mit« gebracht ivcrdc». Der PrciS beträgt sfir 1 Psund Wcisilohl 12 Pj. für 1 Psund Zwicbcin 32, Mit Rücksicht ans die grosse GewichiSMtnge der zu bcr- teilende» Ware ist cö nicht aiiSaeschiosscn, diih troh erfolgten Aushangs ein Kieinhandelsgeschasl zur bestimmten Zeil nicht im Besitz der vollen Menge ists iu diesem Falle cijolgt un- bcdingie' Nnchliesrrung i» wenigen Tagen. Berlin, den 3. Ottobcr 1918. Magistrat der Kihiinlicheu Haupt- und Residenzstadt. Abteilung kür Vhs!- und Getnüsceersorgung. Bunge. MtaUMH im Osten' fJr. k'rs.vkllll'tsr Str. 53 im Korden: Baöstra.ss« 47-48 iii N6lid-4(red em Jedermatsn. Gerngste Anzohliinß, kleinsle Abzahlung. Spezialität: 1- u. Z-ZisiiBBr-EifiricMffli'b!! einzelne lWel, fciräfge Kilclien. Grosso Auswahl komplett autgesteliter Schlaf-, WdIir- und Speisezimmer. Riesen- Auswahl— EiiüQste Preise Sehr kulanfo Bedingungen und aivjßtc ItitleUMiciitnnllnio. CMF" l-lcfcrnng; Ar«l Daus.'TjjXi I-iefero auch nach auswärts. 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Töpfer, Großbeercn- straße 83.__ 3423b Malergehilse» verlangt An- ders, Eharlottenburg, Krumme. straße 70.(423 Photograph, tüchtiger, mit allen einschlägigen Arbeiten genau vertraut, sofort gesucht. Meldungen 8—1 vonnittags oder 5— 7 nachmittags Personal- Verwaltung. 4. Stock. ?l. Jandors u. Co., Belle- Alliancc- Straße 1/2. 134« Schlosterlehrliitg« stellt Bau- schlosscrci sofort ein. I. De- genhardt, G. m. b. H., Berlin- Wittenau, Wittestraße 47/48. 281/1* Wir suchen per sofort einen Haitztzdiener. verheiratet. Mö. belhckus Anders, Ncinicken- dorscrstraße 16.-slOZ Kohlen-Presscrinncn. Berli- ner Batteriefabrik, Branden- burgstraße 72/73. 1 19/2» Junge Mädchen zum Zählen (Heeresarbeit) sofort verlangt. Max Lau, Tilsitcrstr. 70. 1-58 Junge Mädchen zum Stempeln (HccreSarbcit) sofort verlangt. Max Lau, Tilsitcrstr. 70. 158 W Zwei Heizer zum Bediene» der Retortenöfen, für sofort gesucht. kss» und Wasserwerke Ifcpmstlort bei Iterlin. 22702 ifttt« ANW (Zimmcrlcntc, Minenre- Steinbrclher und Erdarbeiter) fokort gesucht, tzlngebote unter Einrcichung von Zeugnis- ebschriften zu richien an: Hm« In-tmcvr Richard Pfau Gruvpenlcitunz B ______ Deutsche Feldpost 129.__ 22622* «nM�MeihiWt liepMlkli�KriegsbKädig.e stellt ein 1335L* �VlCiekiu vreutsiokie, 8 14, Kamuiandaiitenstr. 66. iiordmsever aus Lustballonkörbe verlangt Willi.Heincman». 8 42, Alexandrinenstv. 95/36.[2259S. Perlekteo Kmoßzuseöneiiler verlangt 22613* Kartonfabrlk, Mühlenstr. 53. Holzpolierer aus Schüsse, Schirmstöcke und Spazicrstäcke sucht 3408b* Iternhui'il.\oa, Michacikirchstr. 20. SWUW für Hujbcschlag und Wagenbau sofort gesucht. 226/20* Gugclhardt-Braiicrci A.-G., Sibteilung: Stralau. kauklempner, mehrere tüchl. s. Kupserabriß vl. Schölhor», Charlottenburg, Spandauer Str. 30.* Itnchblnder oder Bcschneider am Dreis citer verlangt 120/14 Max Krause, Älexandrinenstr. 93. Kaiirer uoi Zimoiepieüte für Arbeiten in der Provinz sofort gesucht. Meldungen Potsdamer Str. 106. gesucht. Meldung auf Platz llariii Francke Söhne, Neukölln, Treptower Straße 35, bei Polier Ulrich. Maurer, Bauarbeiter, auch Frauen werden sosort eingestellt aus unserem Bau Weißensee, Brau- hausslr. 5. Meldungen beim Polier dortselbst. 228/13 Akticn-Gesellschoft für BauauSsührunge». Heizer, Schlosser, Rohrleger, Diener und Reinmachefrauen sucht Hermann Tietz. Meldungen in der Hausinspektion Krausenstraße 51. MlkWWMl. MM für dauernd gesucht. 22642 Hutteniocher& Kropann G. m. b, H., CSpenlck, IilndenstP. O. Ms»Miteii o. heizliligsNer für sofortigen Eintritt gesucht. 22J7L* David ürove, Q. m. h. H., Eharlottenburg. Kaiserin-Stugnsta-Allee 86. Elektromonteur für lilcht- an«! Kraftanlage dauernd gesuebt üSA* Ä'SOSj Koxhnge.ier Str. 31a. Schulentlassene Boten und Laurbursehen zum sosoriigen Antritt gesucht. 120/17 Ireihriemenlgger der Kriegsleder-Aktiengesellschaft, Berlin WO 18, Gr. Frankfurter Str. 38. Werkzeugdreher, Werkzeugschlosser, Maschinenschlosser, Einrichter, Arbeiterinnen stellt sofort ein «MW Wiers«. Friedrichftr. ÄÄ». 22782* verlangt Munltionetabrik L2S5I.* f. Gaebert, Berlin C§4, Scphienstr. 22-22a. Kräftige fraueil für Lager- und Hiffsakbeilcn sofort gesucht. SpaK& Hertslet, sofort gesucht. 22792* Berlin Marlenfelde. 14-1 jährige Botenmädchen zum sofortigen Eintritt gesucht. 22802 Starck, Michael& Co., awufciftraöc 2-4. MM. WM« M Meli werden sosort eingestellt. L4Ab* Dauxeschütt Hermann Schäler, Neubau Kahlbaum, AdlerShof, Wittenau. Tüchtige 117/15* Tischler ans KricgSarbeit verlangen Gelder Jt Plathen, Lichtenberg, M/Mcndvrsstr. 9. SteHmacher stellt ein Rudolf& Co. Nchf., Fahrzeugsabrik, Hohenzollem- bamm 154/55. 120/19 Maurer nnd Arbeiter sofort verlangt sür Neubau 8iswoni-Vlsrnevuerk, llonnendnmm, Baubureau Arnold Käthe. 221/3* Lanfjnnge 2282i; «der Laufmädchen für nachmittags gesucht. F. W. Kreis. Berlin-Zchöncberg. Bozcncr Straße 22(am Bayr. Platz). Maschinist, «der Schlosser, od» Elektriker, welcher mit Maschinen uinzu- gehe» versteht, in Dauerstellung gesucht. 22832 Chemische Fabrik Habcko, G. ni. b. H., Berlin>4, Franserktistr.<5. Meilemm verlangen 119/16* Otto Müller, Akt.-Gcs.. Reichenberger Str. 404. Dreherinnen, welche schon an 2eitspindcldreh- baut gearbeitet haben, finden dauernde Stellung bei Mnndt A Berger, Maschinensabrik. Steglitz. Ahornstr. 6.(223/12* ffw Tiegelpresse verlangt Max Krause, Älexandrinenstr. 93. Austrägerlimen für den„Vorwärts" werden eingestellt in folgenden Filialen ßaplfn* Tttinaenstr. 81. ilarkusstr. 36. Ocrlill. Petersburger Platz 4. Lnusitzor Platz 14/15. Ackerstr. 174. Lindonstr. 3. Wilhelmsbavenor Straße 48. SChönCbCrg I Meininger Straße 9. Charlottenburg ISeaenbeimer Str. 1. Steglitz: Bemsee, Monunsenstr. 59. Meldezeit tosU bis 1'/, Wilmersdorf: Wilhelmsauo 27 bei Schubert. Ober-Schöne weide: SnÄ11" Salzmann, Gartenstadt- str. 10, für Alt-Glienicke. Falkenberg: I iphtonhopn• Wartenberg-Straß a l blCUieOUcI y. und Alt-Boxhagen 56. Treptow: Gramenz, Kiefholzstr, 412. Uhr und i'l, bis 7 Uhr. Mehrere Tischler auf feine Möbel nach Zeichnung für dauernde Bc- schäftignng verlangt 1212* Alex, fierman, G. m. b. M,, w Berlin Zs 20, Paniiatr. 29. X Schlosser und Arbeiter ST" werden eingestellt. 22722* Straßenbahnen der Stadt Berlin Kniprodcotr. 2 t Os'ehes* �ferkseugmachei« Schlosser für Gesenkbau föiaschinenschEosser HiRfsschSosser Fräser f. Vertikalfräsbänke Transportarbeiter, krüftlge 22702* stellt ein Artillerieweriistatt Nord, Spandau. 50 Werkstattschlosser für leichte Eisenarbciten tauch Kriegsbeschädigte) sacht I. Degenhardt G. m. b. H., Berlin- Wittenau, Witleslr. 47/48(hinter Carl Flvhr). immer redfi Washingtons unsterbliche Warnung vor„vcr- strickenden Verträgen" mit vollem Verständnis und cntspr-cchendcn Absichten. Aber nür besondere und begrenzte Bündnisse berstricken, und wir erkennen und nehmen die Pflicht des neuen Tages an, an dem uns gestattet wird, auf ein allgemeines Bündnis zu hoffen das Verstrickungen vermeiden und die Luft der Welt für gemeinsame Verständigungen und die Aufrechterhaltung gc- mcinsamcn Rechtes klären wird. Ich habe die internationale Lege, die der Krieg geschaffen hat. analvsiert, natürlich nicht, weil ich daran gezweifelt bättc. daß die sführer der großen Nationen und Völker, mit denen wir verbunden sind, derselben Ansicht wären und die gleichen Zwecke vcrfolgiten, sondern, weil die Luft immer und immer wieder verdunkelt wird durch die Nebel g r u n d- loser Zweifel und böswilliger Verdrehungen. und weil es notwendig ist, immer wieder all das unverantwortliche Gerede von Friedensintrigen. sinkender Moral und zweifelhaften Absichten auf feiten der Re- gierenden wegzuräumen, und zwar wenn es nötig ist, in den aller- stärksten Ausdrücken,(Hier und in den folgenden Sätzen ist auch der englische Text ziemlich unklar und verstümmelt.) Wie ich bereits gesagt habe, weder ich noch ein anderer Mann in regierender Stellung hat die KriegSproöleme geschaffen oder ihnen Form gegeben. Ich bin lediglich mit soviel Sinsicht, als mir zur Verfügung stand, darauf eingegangen, und mit einer E n t s ch l o s- senheit, die um so wärmer und zuversichtlicher wurde, se kla- r e r die KriegSvroblemc sich herausgestaltetcn. Es ist setzt klar, daß niemand die Kriegsproblenie mehr entstellen kann, wenn er cS nickst absichtlich tut. Ich fühle mich verpflichtet dafür zu kämpfen, und so dafür zu kämpfen, wie Zeit und Umstände sie mir und der ganzen Welt geoffenbart haben. Unsere Begeisterung dafür wird immer größer und unwidersteblieber. Sie stellen sich uns in immer lebendigeren und unmißverständlicheren Umrissen dar und die Kräfte, die für sie kämpfen, schließen sich immer enger aneinander, organisieren ihre Millionen zu einer immer unbesiegbareren Macht, in demselben Maße, in welchem sie den beteiligten Völkern immer klarer und deutlicher werden. Es ist eine Eigentümlichkeit dieses großen Krieges, daß, während die Staatsmänner nach Tefinitionen ihrer Ziele suchen und manchmal ihren Standpunkt zu verändern schienen, die Massen, von denen man annimmt, daß sie von den Staatsmännern geformt und geleitet wcvden, immer klarer und sicherer darüber wurden, wofür sie kämpfen. Die nationalen Ziele sind mehr und mehr in den Hintergrund getreten. Das gemeinsame Ziel einer er- leuchteten Menschheit hat ihre Stelle eingenommen. Das Urteil schlichter Männer ist immer einfacher, ehrlicher und einhcit- lithcr geworden als das Urteil spitzfindiger Geschäftsleute, die immer noch unter dem Eindruck stehen, daß sie ein Spiel der Macht mit hohem Einsatz erzielen, AuZ diesem Grunde habe ich gesagt, daß dies ein Krieg der Völker und nicht der Staatsmänner ist. Tie Staatsmänner müssen dem geklärten allgemeinen Empfinden folgen oder sie werden zerbrochen. Das ist nach meiner Ansicht die Bedeutung der Tatsache, daß Versammlungen und Vereinigungen mannigfacher Art, die du? schlichten Arbeits männern bestanden, die Forderung auf- gestellt haben, die Leiter ihre: Regierung möchten ihnen schlicht und deutlich sagen, worauf sie in diesem Kriege eigentlich hinaus- wollen und wie sie sich den Inhalt der schließlicheu Abmachungen denken. Sie sind mit dem, was ihnen gesagt warrdc, noch nicht zusriedeiu Sie scheinen noch zu fürchten, daß sie die Antwort aus ihre Fragen lediglich in Ausdrücken der Staatskunst erhalten sollten, lediglich in den allgemeinen Begriffen von Gerechtigkeit, Gnade, Friede und Genugtuung. Aber das tiefgewurzelte Verlan- gen unterdrückter und erschreckter Männer und Frauen und vcr- sklavtcr Völker, das scheint ihnen allein wert, einen Krieg dafür durchzufechten, der die Welt verschlingt. Vielleicht haben die Staatsmänner noch nicht überall dicsrö veränoec« Au-tsiehrn der flünzwi politischen Welt erkannt, vielleicht haben sie noch nicht überall uannittelbare Antwort auf die cm sie gestellten Fragen gegeben, weil sie nicht wußten, wie eindringlich viesL Fragen waren und welche Art von Antwort gefordert wurde. Aber ich will gerne immer und immer wieder antworten in der Hoffnung, es immer klarer zuz machen, daß mein einziger Gedanke ist, diejenigen zu befriedigen, die in Reih und Glied kämpfen und die vielleicht vor allen anderen ein Recht haben aus eine Antwort, deren Sinn niemand mißverstehen kann, wenn er die Sprache versteht, in der sie gegeben ist, oder jomand aufzutreiben vermag, der sie richtig in seine eigene Sprache übersetzt. Und ich glaube, das, die Leiter der Regierungen, mit denen wir vcr- banden sind, ebenso beutlich sprechen werden, wie ich zu sprechen versucht habe, wenn sich ihnen die Gelegenheit dazu bratet. Ich hoffe, daß Sie sich frei fühlen wetzden zu sagen, ob ich in irgend- einer Hinsicht in meiner Auslegung der Kriegsprobleme oder in meinen Aniichtei» über die Mittel durch die ihre befriedigende Lö- sung erreicht werde» kann, fehlgegrissen habe. Die Einheitlichkeit der Absichten und Entschlüsse ist in diesem Kriege ebenso unbedingt notwendig, wie die Einheit- lichkeit der Fühwrng auf dem Schlachtfeld, und mit der vollkom- menen Einheitlichkeit der Absichten und Entschlüsse n-ird auch die völlige Sicherheit deS Krieges kommen. Sie ist aus keinem anderen Wege zu erreichen.„Friedensoffensiven"(Lcace clrivcs) können nur dann erfolgreich abgewehrt und zum Schwei- gen.gebracht werden, wenn man zeigt, daß jeder Siog der gegen Deutschland verbundenen Nationen die Völker jener Art von Frie- den näher briiogt. die aller Welt Sicherheit und Beruhigung bringt und die Wiederkehr eines solchen Kampfes mitleidloser Gewalten nnd mitleidlose Blutvergießens für immer nnmöglich macht. Teutschland deutet fortivährcnd„Bedingungen" an. die eS anzu. nehmen bereit wäre, und erfährt immer, daß die Well keine Frie- densbedingungen haben will. Sie will den endgültigen Triumph der Gerechtigkeit und dcS anständigen Handelns. (Tic letzten Worte, die mit„anständiges Handeln" übersetzt sind, lauten im englischen Urtext„kair dealing"). Umwälzung m Oesterreich. Konstitnicrendc Nationalversammlungen. Unter dem Drucke der politischen Ereignisse ist in Oester- reich ein U m st u r z eingetreten. Die aggressive Rede des tschechischen Führers Stanek ließ noch scharfe Zusammenstöße erwarten. Aber den deutschnationalen Abgeordneten scheint in den kurzen ereignisvollcn Stunden, die wir durchleben, die Erkenntnis gelomnwn zu sein, daß ihre bisherigen politi- scheu Methoden zum Verhängnis Oesterreichs und des deutschen Volkes in Oesterreich ausschlagen. Sie haben gestern beschlossen, sich mit den anderen deutschen Parteien, den Christlich-Sozialen und den Sozialdemokraten, in Verbindung zu setzen und eine?! a t i o n a l v e r s a m m- l u n g zu bilden, die mit den Tschechen und den anderen Völ- kern des vielsprachigen Reiches über den Neubau Oesterreichs und die Ausgleichung der nationalen Gegensätze beraten soll. Bei der ersten Aussprache haben die deutschen Sozial- demokraten eine Entschließung vorgelegt, die sich in wesent- lichen Punkten mit ihren in diesen Blättern schon erwähnten, im Abgeordnetenhause eingebrachten Antrag deckt. In dieser Entsöbliesinng heißt eS: „Die Vertrcvcr der deutschen Arbeiterschaft in Oesterreich erkennen das JelbstbcstimmungSrecht der slawischen und rumänisch n Nationen an und nehmen dasselbe Recht auch für daS deutsche Volk in Anspruch. Wir erkenne» das Recht der slawischen Nationen an, ihren eigenen nationalen Staat zu bilden. Wir lehnen aber unbedingt und für irn.ner Unterwerfung deutschen Gebietes unter diese Staaten ab. W i r v e r- langen, daß alle deutschen Gebiete in Oester- reich zu einen, deutschen Staate vereinigt wer- den, der seine Beziehungen zu anderen Nationen und zum Deut- scheu Reich nach seinen eigenen Bedürfnissen regeln soll." Tie Entschließung ist jetzt Gegenstand der Beratungen der deutschnationalen und christlichsözialen Abgeordneten. Fragt sich nun, welche Stellung die Tschechen c i n n e h m e n werden. Der tschechische Sozialdemokrat Tusar, der am Mittwoch nach stanek zu Worte kam, hat die Mög- lichkeit einer Verständigung offen gelassen. Er sprach den Wunsch nach Verständigung von Volk zu Volk aus, wie die tschechischen Sozialisten vergeblich ausgedrückt hätten, solange eine Einigung mit den Deutschen nicht zu erzielen gewesen sei. Sie sei nun im Anmarsch. In zwölfter Stunde solle sie zur Wirklichkeit werden. Tie bürgerlichen Deutsch-Oestcrreicher schlagen mit dieser entschlossenen Wendung einen Weg ein, den die deutsch-öster- reichischen Sozialdemokraten längst empfohlen haben. Tyronwechkel in öulgarien. Die Abdankung deS Königs. Sofia, 4. Oltvbcr. König Ferdinand hat gestern zn- gunsten des Kronprinzen Boris aligedankt. König Boris trat die Regierung an. Die Lage in Bulgarien wird durch eine neue Tatsache abgestempelt: Der Zar, der den Mittelmächten vor wenigen Tagen im Augenblick, wo seine Regierung vor der Entente kapitulierte. Bündnistreue gelobte, legt seine Krone nieder. Damit sind die bei der ersten Kunde vom Abschluß des Waffen- stillstandes in Teutschland gemachten Versuche, Malinows Vorgehen als eigenmächtigen, ins Leere tretenden Schritt auszugeben, endgültig abgetan. Der bulgarische König ge- steht durch seine Abdankung rn, daß seine Politik den Boden unter den Füßen verloren hat. Es hat ihn nicht retten können, daß die Thronrede, mit der Malinow die Sobranje eröffnete, in seinem Namen erging. Daß unter solchen Umständen die Thronfolge des Krön- Prinzen Boris für die Fortdauer der bisherigen Beziehungen zu den Mittelmächten nicht als ein stützender Pfeiler gelten kann, ist klar. Bald genug wird sich zeigen, welches Gewicht in seiner Politik etwa die Gesichtspunkte der Sicherung der Dynastie haben. Es liegt nahe, sich die Rolle zu vergegenwärtigen, die der Nachfolger des. in den Wirbeln des Weltkrieges vom Throne gerissenen Gnechenkönigs übernommen hat. Er gc- horcht der Pfeffe der Entente. In Bulgarien allerdings stehen Truppen der Mittelmächte. Aber immerhin wird von beut- scher Seite in bezug auf die Haltimg des neuen Herrschers in Bulgarien nicht mehr als der Satz gewagt: man werde nicht ailnehmcn dürfen, daß er im Gegensatz zu seinem Vater die Sache der Mittelmächte nach Wunsch von deren Feinden „ohne weiteres verraten werde". Das Wiener Korrespoudenzbureau meldet vom Donnerstag: Die aus London nach Holland gelaugten Gerüchte, daß die Türkei eine Bitte um Waffenstillstand an die Entente gerichtet habe, werden den Blättern von matzgebender Seite als durchaus nicht den Tat- fachen entsprechend bezeichnet. Was die militärische Lage auf dem Balkan betrifft, so Isaben, wie die Blätter auf Grund von Jnforma- tioncn von maßgebender Seite melden, die Jentralmächte alle Vorkehrungen getroffen, um die Verbindung mit der Türkei auf dem Wasserwege» hauptsächlich über die Donau und das Schwarze Meer, auszugestalten, um im äußersten Falle von der Durchfuhr durch bulgarisches Gebiet unabhängig zu sein. Eine Meldung der„Franks. Ztg." aus Sofia hebt als bemer- kcnswert hervor, daß der Waffenstillstandspertrag keine Einstellung der diplomatischen und konsularischen Beziehungen zwischen Bul- garicn und der Türkei Vorsicht. Unterzeichnuns öes bulgarischen Waffen- ftillftanües. � Berlin, 4. Oktober. Ter Transozecingesellschaft geht aus Sofia unter dem Datum des 2. Oktober die folgende Meldung zu: Bulgariens Waffenstillstand mit der Entente ist heute unterzeichnet worden. Tie offizielle Veröffentlichimg dieses Schrittes und der Bedingungen erfolgt am 4. Oktober in der Sobranje. Ucbcr die Friedensbednigungeti verlautet folgendes: 1. De m o b i l i s i e r u n g des bulgarischen H e e- rcö bis ans eine, nach anderen SDiitteihingeil zwei Divisionen. Tic westlich des Meridian von Skopie befttidlichrn bnlgari'chcn Truppen werden in K r i e g s g e s a u g en s ch a f t überführt. 2. R ä n in u Ii g aller seit 1915 besetzten fremden Gebiete, doch erhält Bulgarien voraussichtlich die D o b r n d s ch a b is 5t o b a n i n. Tie mazedonische Frage bleibt offen bis zum allgriiicincn Friedenskongreß. 3. Abzun aller Deutschen und Oesterreicher bin- ncn vier Wochen. 4. Tie ll ii v c rle tz l ich k e it A ltb ulga ri rn ö wird garantiert, ebenso seine Souveränität. Spsran vsn öen Sswjettruppen genommen. Wie uns die russische Botschaft mitteilt, ist die Stadt Sysran von den gegen die Tschechoslowaken vorrückenden Truppen genommen. Sysran ist wichtig wegen seiner großen Wolgabrücke. Die Einnahme bedeutet einen � großen Schritt vorwärts gegen Samara.__ Reöe öes italienischen Ninifterpräsiöenten. Dem gerechten frieden näher. Bei der Eröffnung des italienischen Parlaments am 3. Okwber hielt Orlando eine Rede, in der er die Einheitlichkeit des Oberkommandos pries und mit Hinblick auf Oesterreich den nach Un- abhängigkcit strebenden Völkern � Italiens Solidarität versicherte. Er pries die Freundschaft mit dem tschechoslowakischen N a t i o n a l a u S s ch u ß, der als tatsächliche Regierung anerkannt sei, und feierte die Taten der tschechischen Legion in Italien. Ebenso wie zu den Tsch.chen stünden Italien und seine Verbündeten auch zu den S ü d s l a w e n. Orlando erklärte weiter, daß man auch ohne übereilten Opti- mismus bestätigen könne, daß die großen Ereignisse der letzten Tage uns einem gerechten'Frieden genähert haben. Der Note Bu- r i a n s, die von den italienischen Ansprüchen nichts wisse, sei keine Wichtigkeit beizumessen, sie sei lediglich auf Wirkung bei den ausländischen Pazifisten berechnet. Die wahren Pazifisten seien aber die, die sich auf den Krieg gelegt hätten. Das AuSschei- den Bulgariens au? der Reche der Feinde sei ihr erster Er- folg. Daraus ergäben sich für die Entente unübersehbare Vorteile. Was uns dem Frieden nähergebracht habe, sei die den Mittelmächten durch ihre Niederlagen beigebrachte Erkenntnis, daß ihr Traum von Weltherrschaft nie Wirklichkeit wird.»Wir werden," sagte Orlando weiter,„zum Friede» kommen, wenn unsere Feind? einen neuen Schritt tun in der Erkenntnis, daß die Menschheit das Recht und die Pflicht hat, sich gegen diejenigen zu schützen, welche dies furchtbare Morden wollten und daß das Blut von Millionen Menschen nicht nur Rache fordert, sondern die V e r w i r k l i ch u ng d e r Ideale, für welche es heldenmütig vergossen worden ist. Ehauvmlftisches Toben in ßrankreich. „Tie f?irula Tcheidemann-BiSmarekS Nachf." Bern, 4. Okwber.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Pariser Chauvinistenpressc und Finanzpresse wetteifern in blutrün- stigem Revanchetoben und bemühen sich, die deutsche Jnnenreform als bedeutungslos Hinzusbellen. DaS„Echo de Paris" und der „TempS" behaupten, die Sozialisten wollten überhaupt nichts, als daß der Art. S der Verfassung aufgehoben werde, was aber bedcu- tungsloZ wäre. Ter„Temps" sagt, daß der Parlamentarismus das Prestige Preußens erhöhen würde, da der Kanzler und die Staatssekretäre nach Ueberlieferung dem Preußischen Ministerium angehörten. Die Reform wäre eine dcmokralischc Fassade für das autokratische Regime. Solche weitere Verpreußung Deutschlands würde das Kriegsende verzögern. Der Weltfriede werde nicht unier der Firma Scheide mann, Bismarcks Nachfolger zu- stände kommen. Für französische Militaristen bezeichnend ist die von der„Li- berte" lobnd zitierte Dienstnote des Generals de Maudhuy, des Kommandanten der JnstruktionSerteilungen der Infanterie, welcher die KorpSsühver auffordert, den jungen Soldaten de? Jahrgangs 1919 den Beinamen„kleine Tiger" zu verleihen. Anscheinend macht ein Teil auch der linkssozialistischcn Presse diese Hetze nicht mit, da unter den in den letzten Tagen verbotenen'Blättern neben dem „Journal du Peuple" und der„Heure" auch die radikale„France bordeaux" vorkommt. Die wshlceform im fferrenhause. Zweidrittcl- statt Treiviertel-Mehrhcit für Verfassung«?- änderunge». Ueber die Freitag-Sitzung des Verfaffimgsansschnsses des HerreuhaufeS geht uns folgender amtliche Bericht zu: Tie XYli. Kommission beriet in ihrer heutigen Sitzung das Gesetz betreffend die Verfassungsänderung. Dabei wurde im wesentlichen den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses mit der Maßgabe zugestimuit, daß zu einer V e r f a s s u n g s- ä n d e r u u g statt der Dreiviertelmmorität nur eine Zwei- drittelmajorität erforderlich sein soll. Die Beratung über die Ausdehnung des Etatsrechts des Herrenhauses und die Lösung etwaiger.Konflilti; zwischen beiden Häusern durch die Einführung der Durchzählung wurde nicht zu Ende g e- führt. In der morgigen Sitzung wird die erste Lesung aller Vorlagen beendet werden. � Das Herrenhaus fährt in dem Abbau der vom Abgeord- netenhause aufgetürmten unmöglichen Sicherungen fort. Aber es ist zu beachten, daß eS dabei noch immer genug st-e h e n läßt, was schwerste Kritik herausfordert. Auch die be- schlossene Zweidrittelmehrheit für Verfassungsänderungen bc- deutet noch immer ein schweres H e in m n i s für die ino- derne Fortentwickeliing eines Staates, in dem so viel zu än- dcrn ist, wie in Preußen. Zu irgendeinem Lob des Herren- Hauses liegt also nicht der mindeste Anlaß vor. Die Liberale Korrespondenz hebt rühmend hervor, daß das Herrenhaus eine Anzahl reaktionärer Beschlüsse des Abgeordnetenhauses wieder aus der Wahlrechtsvorlage entfernt habe: „DaS preußische Herronhaus erweist sich in diesen Tagen als weniger reaktionär als daS Abgeordnetenhaus." Das liegt wohl mehr an„diesen Tagen" als an einem Unterschied in Charakter und Einsicht der beiden Häuser der bisherigen Preußenparlamente. Die fiiööcutfchen Staatsn unü ftrt. 9. Ueber die Stellung der süddeutschen Bundesstaaten zur Aufhebung des Artikels 9 der Reichsverfassung schreibt die „N. A. Z.": Wenn eS heute morgen wieder in einzelnen Blättern heißt, daß große süddeutsche B u n o-e s st a ato u, vor allem Bayern, gegen die Aufhebung des§ 9 Einspruch erhoben haben. so ist demgegenüber zu betonen, daß sich der Bundesrat mit dieser Angelegenheit bisher überhaupt noch nicht bc- schüft igt hat und daß deshalb schon die Behauptung vom baperischen Einspruch unzutreffend ist. Tie Väter der Hindernisse sitzen also an ganz anderer Stelle. Lekte Uackrickiten. Mord im Schcuiicnoicrtcl. Ein Kapitalverbrechen, dessen Ausführung schon länger« Zeit zurückliegt, wurde gestern abend in dem Hause Grenadier- straße 14 entdeckt. Hier wohnte im vierten Stock des Vorder- Hauses für sich allein ein Witwer Müller, ein Mann in den fünfziger Jahren. Dieser wurde schon feit Wochen nicht mehr gasehen. Die Hausgenossen beemu taten, daß er aufs Land gc- fahren fei, und kümmerten sich deshalb nicht weiter um sein Verschwinden. In den letzten Tagen machte sich nun ein Vor- wosungSgcruch bemerkbar, der immer stärker wurde. Die Haus- bewohncr schöpften endlich Vordacht und benachrichtigten gestern abend die Polizei deS 16. RovierS. Diese lies; öfsnon und fand in der Wohnung das Bild eines wüsten Durcheinanders. Die Quelle dos schaudorhaftcu Verwesungsgeruchs,.der ihnen beim Ein- tritt entgogenschlug, war zunächst nicht zu sehen. Beim Durch- suchen der Räume entdeckt« man dann endlich in einem großen Koffer die starkverwesto Leiche des vermißten Müller. Ter Mann ist ohne Zweifel ermordet worden, auf welche Art, kann erst durch eine genaue Untersuchung der Leiche durch Obduktion festgestellt werden. Ob ein Raubmord vorliegt, steht auch nicht fest. ES ist aber wahrscheinlich. Die von der Revierkommission benachrichtigte Mordkommission. Kriminalkommissar Dr. Grünberg mit mehreren Beamten, erschien alsbald am Tatort, um die notwendigen Fest- st eilungen z>u machen und sofort die Ermittelungen einzuleiten. Kongreß de? Linkssozialrevolutionäre. MoSkau, 2. Oktober(Rosta). In Moskau tagt ein Kongreß der linken Sozialrevolutionäre, zum erstenmal seit der Juniempörung gegen die Sowjetgewalt. Aus den Reden ist zu ersehen, daß der Kongreß die Stellungnahme des alten Zentral. komitees scharf verurteilt und entschieden die P o l i t i k der Sowjetrcgiernng unter st ützt. GewerffchaflsbewEling Das„Geheimprotokoll" der Unabhängigen. Das.MiltoilungSblatt� hatte durch Vcröffentlickiungen von Konferenzprotokollen der Vertreter der VeröaiidSvorständs der- sdbiedentlich darzulegen gesucht, wie sehr die Politik der GeWerk- schaflen, insbesondere der Generalkommission, den Arbeiterinteressen zuwiderlaufe. Dabei halte das Blatt den Anschein erweckt, als handle es sich um Dinge, deren Geheimhaltung den oberen Instanzen der Gewerkschaften besonders am Herzen liege. DaS „Korresponderrzblatt" der Generalkommission bemerkt unter obiger Ueberschrift in seiner Nummer vorn 6. Oktober hierzu folgendes: Das unabhängige„Mitteilungsblatt" für'Grog-Berlin setzt seine Veröffentlichungen anS den Konserenzprotokollen der Ver- treter der Verbandsvorstände fort. Wie wir an einem besonder? typischen Fall in Nr. 36 deS„Korr.-Bl." gezeigt haben, ist eine Ausbeute für den Standpunkt der Unabhängigen daraus über- Haupt nicht zu erzielen und das„Mitteilungsblatt" versucht deS- halb, in anderer Weise wenigstens etwas Sensation zu machen. So spricht das Blatt jetzt von einem„Geheimprolokoll" der Generalkommission, das die für die Unabhängigen überraschen- den Enthüllungen für die„Politik der Gewerkschaftsführer" ent- halten soll. Darauf ist zu erwidern, daß dieses.Geheimprotokoll" in einer Auflage von 3 0 0 0 Exemplaren gedruckt und als Drucksache an sämtliche GewerkschastSkartelle und an die Ber- bandsvorstände, u. a. auch für ihre BezirkSmnktionäre versandt wotden ist. Eine größere Verbreitung dürfte die ganze unab- hängige„Gewerkschastsliteratur" nicht erzielt haben. Das„Mitteilungsblatt" ist also nochmals schmählich herein- gefallen." Gewerkschaftsmitglieder! Der Ausschuß der Berliner GewerkschaflSkommissiou veranstaltet durch Vermittlung deS Verbandes zur Förderung deutscher Theaterkultur am Sonntag, den 20. Oktober, nachmittags 23/4 Uhr, im Zentral-Theater(früher Herrnfeld), Kom- mandantenstraße. eine Theatervorstellung. Zur Aufführung gelangt:„Minna v. Barnhelm" von Lessing. Der Eintrittspreis für eine Person beträgt 1,56 M. einschließ- lich Kleiderablage. Karlen zum Preise von 1,36 M. sind vom 5. Ok- 1 tobcr ab bei der Berliner GcwerkschaslSkommission, Berlin SO 16, 1 Engelufer 15, 1. Stock, Zimmer Nr. 15, von 9 bis 12% Uhr vor- und Ibis 6% Uhr nachmittags in Empfang zu nehme». Die Plätze werden im Theater ausgelost. Die Gewerkschaftsmitglieder werden gebeten, sich rechtzeitig mit Karten zu versehen. I. A.: Der Ausschuß der Gewerkschafts- kommission für Berlin und Umgegend. Tarifkündigung der Tapezierer. Die Tapezierer Berlins haben ihren Tarifvertrag zum 15. No- vember gekündigt und der Arbeitgeberorganisation gleichzeitig mit- geteilt, daß sie bereit sind, über eine Erneuerung de? Vertrages in Verhandlungen einzutreten. Die am Donnerstag abgehaltene Mit- gliedervemmmlung des Tapeziererverbandes beschloß, den Vertrag unter der Bedingung zu erneuern, daß zu den bisherigen Löhnen ein Zuschlag von 56 Pf für jede geleistete Arbeitsstunde gewährt und die wöchentliche tarifmäßige Arbeitszeit von 49 auf 48 Stunden herabgesetzt wird. Die geforderte Zulage soll sowohl bei Lohn- wie bei Akkordarbeit gezahlt werden. Die Verbandlungen urit den Vertretern der Arbeitgeber wurden der Orlsverwaltung in Ver- binduug mit den Mitgliedern der Schlichtungskommission über- tragen._ Ter Zentralvcrband der Zimmerer hotte am Schluß des zweiten Quartals 1918 in 612 Zahlstellen 19 716 Mitglieder. Am Schluß des ersten Quartals betrug die Mitgliederzahl 19 746. Die geringe Abnahm? der Mitgliederzahl im zweiten Quartal liegt zu einem Teile in den gegenüber dem erslep. Quartal vermehrten Einziehungen zum Militär. Während im ersten Quartal 588 Einberufungen ge- meldet wurden, waren eS im zweiten Quartal 1641. Die Lohnbewegung der Mainzer Fuhrleute hat einen befriedigenden Abschluß gefunden. Die. Fuhrunternehmer zahlen einen einheitlichen Wockenlohn vvn 66 M. Im Durchschnitt wurde eine Erhöhung von 14 M. die Woche erzielt. Ter Züricher Bankbeamtenstreik zugunsten der Angestellten beendet. Die Züricher Bankinstitute haben die von den streikenden Bankbeamten erhobenen Forderungen bewilligt und deren Organisation als die wirtschaftliche Interessenvertretung der Angestellten rückhaltlos anerkannt. Somit ist dieser von der Züricher Bankbeamtenschaft glänzend geführte Kanipf um ihre wirtschaftlichen Forderungen nach wenigen Tagen siegreich beendet. Er zeigt, was die Angestelltcnschaft vermag, wenn sie einig und geschlossen den Prinzipalen gegcnübertritt. parteinachrichten. Die österreichischen Sozialdemokraten zur Nationalitätenfrage. In einer am DomierStag abgehaltenen Besprechung des sozial- demokratischen Klubs im österreichischen Abgeordnetenhause wurde diese Resolution angenommen: „Die Vertreter der deutschen Arbeiterschaft anerkennen das Selbstbestiinmungsrecht der slawischen und romanischen Nationen in Oesterreich und nehmen dasselbe Recht iür das deutsche Volk in Oesterreich in Ainpruch. Sie anerkennen das Recht der slawischen Naiion, ihren eigenen nationalen Staat zu bilden, lebnen aber un« bedingt und für immer die Unterwerfung deutscher Gebiete unter diesen nationalen Staat ab. Sie verlangen, daß alle deutschen Gebiete Oesterreichs zu einem deutsch-österreichischen Staat vereinigt werden, der seine Beziehungen zu den anderen Nationen Oester- reichs und zum Deutschen Reiche nach seinem eigenen Bedürfnis regeln i'oll. Wir find bereit, mit den Vertretern des tschechischen und südslawischen Volkes auf dieser Grundloge über die Umwand- lung in eine Föderation kreier nationaler Gemeinwesen zu ver« handeln. Lehnen die Vertreter der slawischen Parteien diese Ver« Handlungen ab. so erklären wir. daß sich das deutsche Volk Oesler- reichs mit allen Mitteln wehren wird, daß die staatsrechtliche Stellung eines feiner Teile über ihre Köpfe hinweg durch Staats- gewalt oder durch das Schwert eines fremden Eroberers benimmt wird. Einem jeden solchen Versuch gegenüber wird das deutsche Volk in Oesterreich sein unbeschränktes SelbstbcstimmungSrechl for- dern und es mit allen Mitteln verteidigen." -:-• ?ugenüveranfta!tungen. Arbcitcrjugeiidhcim, Lindenitr. 3. Morgen Sonntag, abends 8 Uhr: Vortrag des Herrn Drahn„Die Faustsage". Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 6. Okt.. vorm. 10% Uhr Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. Konrad Schmidt- „Werturteile." Gäste willkommen. Nächsie Kindcrvorlcsung am 13. Ott.« früh 9 Uhr._ Zvetreranssichten für das mittlere Ziorddeutswtant MS Sonntag mittag. Kühl, zunächst vorwiegend trübe, mit wetieren Regen- sävcn, später zeittvcise aufklarend. verantwortlich für Bolitil: Erich Shittncr, Berlin! für den übrigen Teil des Blattes. Alfrid Schot», Neutolln! lür Anzeigen Ticodor Stocke, Berlin. Bertas: VorwärtS-Verlag G. nr b. H.. Berlin. Druck. Vorwürls-Buchdruckerci und VerlagSanstalt Paul Einger u. Co. in Berlin. Lindenstrohe 3. Hierzu 1 Beilage. E jMarlltts tämtl. Romane Ungekürzte Gesamtausgabe, 5 Doppelbänüe in KloMerformat, fest gebunüen, 44 M. Inhalt: Goldelse— DaS Geheimnis der alten Mamsell— DaS Heidcprinzeßchen— ReichS- gräfiu Gisela— Die zweite Frau— Im Schillingshof— Im Hause de? Kommerzien- rats— Die Frau mit den Karfunkelsteinen— Amtmanns Magd— Schulmeisters Marie. Ganöe liesern sofort aus einmal gegen monatliche Zahlungen von wollbrück& Co«, Huchhanölung, Serlin N, Oranienburger StraIe 59.(PoMeckkunto 30517�) MDMA' OKHIMG. twifcfott (In offenem Briesi aus dem Umschlag für 5 Ps.)-0ejleUjllch JWm Cuittatr Sadoho» Ä—'— �"blosse«.' sieiö werden Sie- wenn Sie zu uns kommen.— Ihres Einkaufes froh und zufrieden fein.