Nr. 288. S8. Jahrg. ve,»sSpre«»t BitvttTlStin.bAOiXL mtneB.tmwa, fni inä i>aai, sorau»�a&IBat.5tn|ete« Rumtncrn 10 Pfennig.®oflbfjag: WoniUilch. vom Poltlchalter abzuhoi«« ILV Mb.vom LrtitlrSgei mbHaug gt- brach!!,94 Ml. Umn ßieuibanb tnt SlcutlAlarb und Deflertttch. Ungarn 4.— Ml. für da» übrige ilu.iand b.S0 M!. monatlich. Serland in» Feld bei direkter Bellellana monaU. 2.— SSL Poftbestellangen ncomen an Dünemarl. Holland. Luzembnrg. Schwede» NN» die Schwei». Stngttragen t» M» Poft-Zeitung»-BretSlift», «richernl täglich, Zelearanrm- AbreGet .Tozt«Ube«olrat v«rli»», Vevlinev VolltSblsK. ( IS pksnnlg) ffdtzstgsupreiS, Dieftrbrngcldaltene KoIone!>eN«Ksle! so«!«..Klein» Anzeige»-, das fettgedruckte«ort X Plg.(zulässig 2 lettgedruckt, Worte). tedeS weitere Wort lä Psg. Etcllengewche»nd Kchlafslellcnanzeigen da- erjtc Wort 20 Pig.. jedes weitere Wo« 10 Pfa. Kone über 1b Buchitaben zählen für zwei Worte Zeuerungszulchlag SO'/c. Familien-ilnzetgen. politilche und aewerilchattlichc Bereins- Anzeigen 70 Psg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmtltaas im Haadlgelchäft Berlin SW.SS, Lrnde, islrasie S. adiegeben werde». SeSffnet den S Uhr lrüh bis 7 Uhr abend». Zctitralorgan der rozialdemokrati fchen Partei Deutfchlande. Neüakttoa: EW. 69, LinSeastraße 3. ?f«r«sv recher: Amt Morttfpla». Sit. 151 90—151 97, Expedition: EW. 69, Linöenstraßs 3. nernsvrecher: Amt Morthylatt, Nr. 151 SO— 151 97. jVsue l�ote Mlkons. Washingion, 14. Oktober.(Neuter.)' Der Staatssekretär hat heute nachmittag dem mterimistischen Geschäftsträger der Schweiz und Vertreter der deutschen Interessen in de« Ber- einigten Staaten folgend« Note bekanntgegeben: Staatsdepartement vom 14. Oktober. Mein Herr! In Dcantworwng der Mitteiluna der deut» scheu Regierung vom 12. Oktober, welche Sie mir heute über geben haben, habe ich dir Ehre, Sie um die Uebermittluug folgender Antwort zu ersuchen: � Tie uneingeschränkte Annahme der von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten in seiner Botschaft an den Konizrch der Vereinigten Staaten vom 8. Januar 131! und in seinen folgenden Botschaften niedergelegten Bedingun- gen von feiten der jetzigen deutschen Regierung und einer grohen Mehrheit des Deutsche» RttchS» tags berechtigen den Präsidenten, eine offene«nd di» rette Erklärung seines Entschlusses hinsichtlich der Mit- tcilungcn der deutscheu Ziegierunli vom ä. und 12. Oktober 1318 abzugeben. ES muß Klarheit darüber bestehen, dasi die Durchführung der Räumung und die Bedingungen eines Waffenstillstands Angelegenheiten sind, welche dem Urteil und dem Rat der militärische» Berater der Regierung der Vereinigten Staaten und de? alliierten Regie rungen überlassen werden müssen, und der Präsident fühlt sich verpflichtet zu erklären, daß keine Regelung von der Regie» ruzig der Vereinigten Staaten angenommen werden kann, die nicht � vvllisdefriedigendeSicherbeite»N«dvürg. fchaften für die Fortdauer der»egenwärtt- gen militärische» Neberlegenheit der Armeen der Bereinigten Staaten«nd der Alliierten an der Front schafft. Er hat da« Vertrauen, daß er als sicher an nehmen kann, daß dies auch das Urteil und die Entscheidung der alliierten Regierungen fein wird. Der Präsident hält eS auch für seine Pflicht, hinzuzufügen, daß weder die Regierung der Vereinigten Staaten noch er dessen ganz sicher ist, daß dir Regierungen, mit denen die Bereinigte» Staate» als Krieg führende assoziiert sind, einwilligen werden, einen Waffen stillstand in Erwägung zn ziehe», solange die Streitkräfte Teutschlands fortfahren, die ungesetzlichen«nd unmenschliche» Praktiken auszuüben, bei denen sie noch verharre«. An derselben Zeit, wo die deutsche Regierung an die Regierung der Vereinigten Staaten mit Frirdrnsvorschlägcn Herautritt, sind ihre U Boote damit bcfchäftiszt, auf der See Passagierschiffr z« der senken» und nicht nur die Schiffe, sondern auch die Boote, in denen ihre Passagiere und Besatzungen versuchen, sich in Sicherheit zu bringe». Tie deutscheu Armeen schlage« bei ihrem jetzigen erzwungenen Rückzüge aus Flandern und Frankreich einen Weg mutwilliger Zerstörung ein, der immer als direkte Verletzung der Regeln und Gebräuche der zivilisierten Kriegführung betrachtet wurde. Die Städte und Dörfer, wenn sie nicht zerstört find, sind von allem, was sie enthalten, oft sogar ihrer Einwohner, beraubt. Es kann nicht erwartet werden, daß die gegen Deutschland asso- ziicrten Nationen einem Waffenstillstand zustimmen werden, solange die unmenschlichen Handlungen, Plön- dernng nnd Verwüstung» fortgesetzt werden, auf die sie mit Recht mit Schrecken und empörtem Herze» Hinblicken. Es ist auch notwendig, damit keine Möglichkeit eines Mißvcr- ständnisscs entstehen kann, daß der Präsident mit großem Nachdruck(very solernnly) die Aufmerksamkeit der Regie- rung Deutschlands auf die Fassung und die klare Absicht (tc� the languafre and piain intent) einer der Friedens- hedingungen lenkt, welche die deutsche Regierung jetzt ange- nommen hat. Sic ist enthalten in der Botschaft des Präsi- deuten, die er am 4. Jnli d. I. in Monat B e r n o u ge- halten hat. Sie lautet wie folgt:„Tic Vernichtung jeder willkürlichen Macht überall, die für sich, geheim und nach eigenem Belieben den FriedcndrrWeltstören kann, oder, wenn sie jetzt nicht vernichte t werden kann, mindestens ihre Hcrabmindernng zu tatsächlichem Unvermögen nnd(folgt eine Tele- grammverstümmelung)." Die Macht, welche bisher die deutsche Ratio» beherrscht hat(nontrollsd) l st v o,n derArt, wie siehier beschrieben wird. Die deutsche Nation hat d i e W a h l, d t e s z n ä n d e r n. T:e eben erwähnten Worte des Präsidenten bilden natürlich eine Bedingung, die v o r d e m F r i e d c n erfüllt werden muß, wenn der Frieden durch das Vorgehen(Kv the action) d e s d e n t s ch e n B o l k e s s e l b st kommen soll. Der Prä- sident halt sich für verpflichtet zu erklären, d a ß d i e g a n z e Durchführung des Friedens seiner Ansicht nach von der Bestimmtheit und dem besriedi- genden Charakter der Bürgschafte» abhän- das Ergebnis öer Wahl in öeriin 5. Stichwahl zwischen Kempner«nd Heimam». Das Ergebnis der gestrigen NeichStagserfatzwahl im ersten Berliner Wahlkreis gestaltete sich folgendermaßen: Kempner(Fortschr. Lolksparlei). 7 2294 Heimaun(Soz.)....... 1720 Müller(Unabhängiger)..... 513 Geliert(kons. sog. Angefiellteupartel). 180 Zersplittert 49 Absolute Mehrheit....... 2373 Stichwahl zwischen Kempner und Heiman» a« 29. d. M. Weiteres siehe Beilage. e» wird, welche in dieser grundlegende» rage gegeben werden können. ES ist unnmgäng lich, daß die gegen Deutschland assoziierten Regierungen un zweideutig wisse«, mit wem sie verhandeln. Der Präsident wird eine besondere Antwort an die Kai- serlich-Königliche Regierung v?« Orsterreich-Ungarv absenden. Empfangen Sie, mein Herr, die erneute Versicherung merner Hochschätzung. Robert Lanfing. G Die nene Not? beS amerikanischen Präsidenten unter scheidet sich von ihrer letzten Vorgängerin dadurch, daß sie kein« genauen Fragen stellt, deren Beantwortung unmittelbar ge fordert wird, sondern vielmehr eine Darstellung der w e i t e r e n A b s i ch t e« des Präsidenten gibt, die natürlich sorgfältige Ueberlegung erfordert. Auch die neue Note Wilsons zerMt in einen militari f ch e n und in einen politischen Teil. Was den ersten be- trifft, so ist zunächst zu sagen, daß die Wünsche, die er vor dringt, am raschesten und sichersten durch den sofortigen Eintritt deS Waffenstillstandes Erfüllung finden würden. Mit dem Waffenstillstand hört der unbeschränkte U-Boot-Krieg, den wir Sozialdenwkraten bekämpft haben, und hören die Zerstörungen des Rückzugs, die fich nach der Ver sicherung des deutschen Generalstads auf daS militärisch Not wendige beschränken, von selber auf. Den Passagieren der auf See befindlichen Schiffe wird dadurch daS Leben gerettet, die Bevölkerung der vom Kriege betroffenen Gebiete und die Kämpfer selbst werden vor unsäglichen Leiden bewahrt. Die gegemvärtige deuffche Negierimg würde zudem mit dem festen Willen in die Verhandlungen eintreten, durch sie den dauern- den Frieden der Welt zu sichern. Wenn die Gegenseste mit der gleichen Absicht zur Beratung kommt, verlieren weitere Ab- machungea über die künstige Kriegführung ihre aktuelle Be- deutung. Präsident Wilson erklärt weiter, daß die Enffcherdung über die Räumung der besetzten Gebiete und die Bedin- gungen deS Waffenstillstandes den Militärs der Gegenseste vorbehalten bleibe. Ueber die Absichten der Gegenseste in dieser Beziehung Näheres zu erfahren, ist der Zweck der gemffchten Militärkommission, deren Einsetzung Deutschland vorgeschlagen hat. Die Gegner glauben, für die weitere Kriegführung alle Trumpfe in der Hand zu haben und wollen sich diese nicht durch Bedingungen für den Waffenstillstand, die für sie ungünstig find, aus der Hand nehmen lassen. Es handelt sich dabei ganz offensichtfich um Fragen, die nur m Besprechungen von Angesicht zu Angesicht erledigt werden können. Diese Besprechun- gen so bald wie möglich herbeizuführen, müßte eine dringende Angelegenheit für jeden sein, der eine überflüssige Verlängerung des Völkergemetzels vermeiden will. In politischer Beziehung glaubt Wilson noch einmal auf jenen Punkt seines Friedensprogramms hinweisen zu müssen, der die sichere Ausschaltung des persönlichen Re- ? i m e n t s verlangt. Da die neue Regierung des deutschen Volkes bereits erklärt hat, daß sie sich die Grundsätze Wilson? ganz zu eigen mache, ist eS klar, daß sich die Annahme auch auf diesen Punkt bezieht. Die Ausschaltung deS persönsichm Regiments ist eine Forderung, die dem deutschen Volke keineswegs erst von außen aufgedrängt zu werden braucht. Die sozialdemokratische Partei, die bei der letzten Wahl mehr als ein Drittel des deutschen Volkes unter ihren Fahnen vereinigte, hat diese For- dernng stets aufs eindringlichste vertreten. Ueber ihre unbe- dingte Notwendigkeit dürste aber heute in keinem nennenS- werten Teil des deuffchen Volkes noch irgendein Zweifel bestehen. Denn erstens einmal ernten wir jetzt die Früchte des alten Systems, erhalten wir Lehren von eindringsicher Schärfe über das gänzliche Verjagen veralteter R�iermJflsmetHodeo. Dann aber stellten diese Regkerungsmethoden, die jetzt ja auch in Deutschland tatsächlich abgeschafft sind, seit dem Sturz des russi- schen Zarismus eine �änzlichverein zelte und darum unhaltbare Regelwidrigkeit im Völkcrleben dar. Dem Namen nach unterscheidet man zwischen Republiken und Monarchien. Die Republiken haben sich den größten Teil der Welt erobert. Wo aber noch Monarchien bestehen, wie z. B. auch in einigen der gegen uns verbündeten Länder, ist der Krone ledigsich die Aufgabe der äußeren Repräsentation verblieben, während die eigentlichen Regierungsgeschäfte in die Hand einer aus der Volksvertretung hervorgegangenen obersten Behörde gelegt sind. Deutschland befindet sich in diesem Augenblick im Ueber- gang zum demokrasischen Regiernngssystem, der in seinem wesentlichsten Test schon vollzogen ist, während an seinem Auz- bau rüstig gearbeitet wirb. Noch ehe die neue Note Wilsons in Berlin bekannt war, hatte der Bundesrat beschlossen, dem Reichstag eine Aenderung des Artikels 11 der Verfassung vorzuschlagen, wodurch die eigentliche Entschei- dung über Krieg und Frieden der Volksvertretung«berlastot wird. Das von der Regierung angenommene Programm der Mehrheitsparteien fordert Unterstellung der Militärgewalt unter die Zivilgewalt und Beseisigung aller misitärischen Stellen, die der Beeinflussung in politischen Angelegenheiten dienen. Ein weiterer Schrstt, der nötig sein wird und der nicht erst von den Gegnern gefordert zu werden braucht, weil er v'- T.-K-u schen Volk« selbst verlangt wird, ist die Ernennung und Verabschiedung der Offiziere durch einen dem Reichskanzler unterstellten und der Volksvertretung verantwortlichen Kriegsminister. Der«nverantworlliche Einfluß des Geheimen Mili- tärkübinetts, der von den Parteien der Linken, ganz besonders von der Sozialdemokratie, schon vor dem Kriege bekämpft wurde, würde dadurch ausgeschaltet werden. DaS deutsche Volk büßt heute bitter die positischen Fehler, die es begangen hat. Hätte eS der Sozialdemokratie die Krast verliehen, die Demokratisierung aller Staatseinrichtungen schon vor dem Kriege durchzusetzen, dann wäre ihm wer weiß wieviel erspart geblieben, zum mindesten dies, daß eine von den eigenen Volksgenossen vertretene Forderung nun als eine Forderung der Gegner im Kriege erscheint, und daß der Versuch gemacht wird, ihm von außen her aufzuerlegen, was längst seine eigene Lebensnotwendigkeit gewesen ist. Die Rote Wilsons enthält noch keine Zufüge anf das Er- suchen der deuffchen Regierung, der Präsident möge die Her- beiführuna deS Friedens in seine Hand nchmen. Offenbar schweben noch.zwischen Wilson und seinen Verbündeteil Verhandlungen, deren zu erwartendes Ergebnis durch die neue Note in ihrer mutmaßlichen Richtung angedeutet wird. Die Pause wird durch den mißtönenden Lärm französischer und englischer Blätter> ausgefüllt, der wahrlich nicht danach klingt, als ob ein Frieden der allgemeinen Welwersöhnung unmittelbar bevorstände. Die zum Tefl überaus Sestgehenden Forderungen der cm- scheinend inspirierten englischen und stanzofifchen Presse machen den dringenden Rat nötig, den Vogen nicht zu über- spannen. TaS deuffche Volk ist heute stiedensgeneigt wie noch nie, eS arbeitet cm seiner demokratischen Erneuerung unö ist bereit, dem Gedanken eines durch den Völkerbund gesicherten Friedens große Opfer zu bringen. Ein Rückschlag dieser Stirn- rmmg ist nicht»nmögsich, wenn sich der Eindruck verstärkt, daß man anf der anderen Seite nicht geneigt ist, dem deutschen Volke einer, letzten Verzweiflungskampf zu ersz aren. Ob dieser Kampf dann unter der gegenwärtigen oder unter einer anderen Regierung geführt werden würde, jedenfalls kämen durch ihn, ganz abgesehen von der neuen unermeßlichen Bmnchtung von Menschenleben, auch zwei ideelle Güter in Gesu-�r, deren Er- reichung nach den Versicherungen der Gegner der eigentliche Sinn des Krieges sein soll: die Demokratisierung Deutschlands und die Errichtung eines Völkerbundes zur dauernden Siche- rung des Friedens. Das Scheitern der gegenwärtigen Friedens- besttebungen könnte vielleicht wieder die alten Mächte zur Herr- schast bringen, denen die Volksregierung ein Greuel ist und die (ganz wie Clemenccau und die Londoner„Morningpost") die Mee eines Völkerbundes als Utopie verlachen. Großes kann jetzt werden, wenn bald Waffenstillstand wird, wenn die Verhandlungen beginnen und einen allgemei- nen Zustand herbeiführen, mit dem das deuffche Volk fich ab- finden kann. Großes kann aber auch vernichtet werden, wenn >ie Prediger der rücksichtslosen Zerstörung, der unversöhn- ichen �Unterwerfung drüben die Oberhand behalten. Jetzt wird über die Zukunft der Menschheit für Jahrhunderte ent- schieden. Mö�en alle, die auf den Gang der Ereignisse Ein- fluß haben, die Neutralen, die Sozialisten, Arbeiterparteiler und ehrlichen Friedensfreunde des Auslandes das Ihre dazu tun, daß das von der neuen deuffchen Regierung cmgenom- mene Programm Wilsons nicht in sein Gegenteil verkehrt und zur Fratze entstellt wird. Die deuffche Sozialdemokratie,«n- fetfUTP von Ken NkvgerWen Fr�eiiSflenuken BenTWaMS, ist bereit, alles was menschenmöglich ist, ju tun, um die Welt aus dem gegenwärtigen furchtbaren Zustand in ein freieres, besseres Dasein hinüberzuführsn. Drüben aber soll man auch wissen, dah es Grenzen gibt, die nicht überschritten wer- den dürfen, ohne daß das begonnene Werk wieder in Schutt und Trümmer zerfällt und die Hölle der Vernichtung wieder alle Schlünde aus tut. Vielleicht wird dann dieser Krieg nach den Wünschen derer enden, die Deutschland am tiessten hassen. An der Schwelle des Friedens, den sie wollen, wird ober neuer Krieg stehen!____ Entscheidung öes Reichstags über Krieg und ZrieSen. Aenderung des Art. 11 der Reichsverfassuug. Dem Reichstag ist folgend« vom Bundesrat bereits beschlossene Borlazr zugegangen: Im Artikel 11 der ReichSverfassnng werben im Abf. Z hinter den Worten„dcS Bundesrat?" die Worte eingeschaltet: „und des Reichstags" sowie der Abs. 3 bnrch folgende Bestimmung ersetzt: „Frieden Svertrüg« sowie diejenige» B er träge mit fremden Staaten, welche fich ans Gegenstände der NeichSgesetzgebung beziehen, bedürfe» der Zustimmung d?? Bundesrats«nd des Reichstags." De« Worttnnt de? SnkwnrfS folgt diese Begründung. Me gesehgc�eNden Wrperschasten de« Reichs, BrntbeSrnt nnb Reich-tag, find noch den Vorschriften der Reichsoerfassung zwar bei der Gesetzgebu-ng in gleicher Weise zur Mitwirkung berufen (Art. 5 Ms. 1 der ReichSverfassumg), nicht ober bei der Entschridnug über Krieg«nd Friede«. Daß der Reichstag auch bei diesen Entscheidungen zur dosten BKtz- Wirkung gelangt, liegt in der Richtung der gegenwärtigen Ren« ordnung der verfassungsmäßigen Zustände im Deutschland. Die Berdretu-ng des deutschen Volkes muh nicht nur tatsächlich in der Lage, sondern auch verfassungsrechtlich berufen sein» am der End- scheid u-ng über Krieg und Frieden unmittelbar teilzunehmen. Hierzu ist eine Aenderung des 2. und 3. Absatzes des Artikels 11 der RcichSderfassung erforderlich. Nach Art. 11 Ms. 2 der Reichsverfassung rst zur Erklärung des Krieges im Namen des Reichs die Zustimmung des Bundesrats er- foiid«:lich. es sei denn, dah«in Angriff auf daS Bundesgebiet oder dessen Küsten erfolgt. Der Reichstag ist nach bisherigem Rechte mn bei der Beschluh- fafsimg über die Aufbringung der zur Kriegführung erforderlichen Mittel in der Lage, die Auffassung zur Geltung zu bringen, wie der denkwürdige 4. August 1914 bÄveist. Darüber hinaus soll er in Zukunft gleich wie der Bundesrat iu der Weise zur Mitwirkung berufen sein» dah ohne sein« Zustimmung ein« staatsrechtlich gültig« Kriegserklärung nicht»«stand« kommet» kann. Allerdings ist in den Zeiten zwischen' den einzelnen Legis- Icrtur peri oben kein Reichstag vorhanden; Gefahren für deS Reiche? Sicherheit können aber hieraus nicht entstehen, da Art. 11 Abs. 2 der Reichsverfassuny im Falle eines Angriffs auf die Reichs- grenzen, der«ine sofortige Gntschliehnng verlangen könnte, keine Anwendung findet. Art. 11 Abs. 8 laufet folgemdermahen: .Insoweit die Verträge mit fremden Staaten fich auf solche Gegenstände beziehen, welche nach Artikel 4 in den Bereich der Reichsgesetzgebimg gehören, ist zu ihrem Abschluß die Zustimmung des Bundesrats und zu ihrer Gültigkeit die Genehmigung des dfchchri'ag»;' erforderlich." Hier wird zwichen der Mitwirkung de? Bundesrats und der de? Reichstags ein Unterschied gemacht, der zu einer Fülle von Zweifeln und Streitigkeiten Veranlassung gegeben hat. Der End- wurf will die s eu Unterschiedbeseitigen und zugleich bo- stimmen, dah jeder Vertrag, der sich auf einen Gegenstand der Reichsgesetzgebung bezieht, zu seiner Gültigkeit der Zustimmung d«I Bundesrats und Reichstags bedarf. Hierbei werden die Friedensverträge besonders hervorgehoben, um den Geist zu kenn- zeichnen, m dem die Regelung erfolgen soll: auch sind Friedens- vertrage denkbar, di« sich nicht auf Gegenstände der Reichsgesetz- gebung beziehe»._ Deutschlanös Zneüensangebot im amerikanischen Senat. Amsterdam, 15. Oktober. Nach Meldungen aus Washington hat der republikanische Senator New im Senat die Debatte über Deutschlands Friedeilsangebot eröffnet. Er erklärte, dah nichts weniger als bedingungslose Uebcrgabe der deutschen Armee die Forderungen des amerikanischen Volkes befriedigen könnte. Die Senatoren empfingen viele Telegramme aus ihren Wahl- kreisen, in denen ihnen angeraten wird, keinen Waffenstillstand zu schließen. Senator L o d g e brachte eine Resolution mit dem Antrage ein, mit der deutschen Regierung keinen an- deren Gedankenaustausch über den Waffenstillstand zu führen und allein über„bedingungslose Uebergabe" zu unterhandeln._ Französisches Mißtrauen in üie öeutschen Frieöensabsichten. Havas gegen Ludendorff. ZarkS, 1'4. Oktober. Hcrvas erklärt: Mau fei einmütig in der Feststellung, dah d!e deutsche Regierung di« Fragen Wilsons nicht kategorisch iieantwortet habe und fich den Thesen der Bot- schaftat des Präsidenten nicht so anschliehe, wie sie allein als FriedenSgrundlage angenommen werden könnten, da es sich vor- behalte, die Art und Weise ihrer politischen Anwen- d» n g einer Erörterung zu unterziehen. Es handle sich also um eine Annahme der legitimen praktischen Bedingungen Washingtons lediglich mit dem Munde, um das Trugbild einer Annahme, ein Verfahren Deutschlands, das ebenso wenig Sicherheiten bot, wie die Parodie einer Parlamentarisierung. Eine Zustimmung Deutschlands unter Vorbehalt hat also keinen anderen Zweck, als eine Einstellung der militärischen Unternehmun- gen herbeizufiihren, die unter dem Druck der Armeen FochS für Deutschland verhängnisvoll geworden seien. Deutschland fühl« auf sich die Drohung einer Invasion losten und will um jeden Preis einer Züchtigung entgehen, deren Schärfe cS im Hinblick auf die. während seines Rückzuges er- neut begangenen Verbrechen fürchte. Aus diesem Grunde gehe eS scheinbar auf die Auffassungen Wilsons ein. Der Gedanke der Bildung eines Ausschusses zur Borbereitung der Räu- mung der besetzten Gebtete ziele ebenfalls darauf ab, den Kampf- effer der Trupepn emzuschlasern und die militärischen Anstrengun- gen zu verlangsamen und würde tatsächlich einer Einstellung der Feindjeiigkettal gleichkomme», Deutschland könnte durch Per- Der neue Angriff in Flandern— Rose« laere in Feindesland— Kampf nm den Oise üb ergang östlich von St. O-uentin— Amerikanerangriffe zwischen Aire und Maas— Räumung von Durazzo. Berlin, 18. Oktober 1918,«benbs. Amtlich. A« der Kampffront in Flandern setzte der Feind seine Angriffe fort. Er konnte einige Ge« landevorteile in beschränktem Umfange erringe». Westlich der Maas entschieden fich Teilkämpfe z« nnserea Gunsten. Amtlich. Große? Hauptqnertier, den lS. Ok- tober 1918. Westlicher ZkriegSschanPlatz. Heeresgruppe Kronprinz Rnpprrcht. In Flandern hat der Feind seine Augriffe ans breiter Front zwischen Zarre»»nd der Lhs wieder anfgenommen. ES gelang ihm, über unsere vorder« Stellung hinaus vorzndringe». Gegen Mittag kam der Kampf in der Linie Kortemark— östlich»«« Roeselare, daS nach harte« Kampf in Feindes Hand fiel, südwestlich»on I s e g e» und nordöstlich von M e n e» znm Stehen. Menen«nd Wervik wurde« gegen starke Angriffe behauptet, Uebergangsvrrsuche drS Femdes über die Lys bei Kome« vereitelt. Bei erneuten Angriffe« am Rachmittage gingen Handzame und Kortrmark verloren, starke mit Panzerwagen geführt« Angriffe beiderseits»on G i t S scheiterten. Zwischen Jsegem»nd Menen konnte der Feind am Nach- mittag« nnr noch wenig Boden gewinne«. Erfolgreichr Borfeldkämpfe westlich von Lille»tz am Haute Denle-Kanal. Am Selle-Aischnitt nördlich«on Hanfs,«nd bei St. L»« p l e t scheiterte» Teilangriffe des Gegner». Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Sn dichte« Morgennebel brach der Feind istlich von St. Q« e« t i n über die Oise vor«nd faßte vorübergehend ans den Höhen südlich von M a c q i g n, und nördlich von O r ig n, Fuß. Umfassend angesetzter Gegenangriff warf ihn von den Höhen auf die Oise wieder zurück. Heftige Teilkämpfe vor der neuen Front nördlich oon Laon, westlich der A i S» r und im Aisne-Boge« südwestlich von Grandprä. Heeresgruppe Gallwitz. Zwischen der Aire und der M a a» griff der Amrrikaner mit starken Kräfte« an. Schwerpunkt der Kämpfe lag östlich der Aire und beiderseits der von Charpeutr, aus Bantheville führenden Straße. Dir teilweise bis zu viermal wiederholten Angriffe find bis auf örtlichen Geländegewin» beiderseits von R» m a z» e gescheitert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Ans den Höhen nordwestlich»nd nördlich»on R isch fanden kleinere Kämpfe statt. Der Erste Geneealgunrkiermeistee» Lubendorff. Der österreichffche Bericht. Wie», 15. Oktober. Amtlich wird nerlantdart: Italienischer Kriegsschauplatz. Dl« Gcfechtstätigkeit war auch gestern ziemlich reg«. Balkan-Kriegss chanplatz. DaS von n«S geräumt« Durazzo ist»»»den Ata« lienern befetzt worden. Die Bewegungen in Albanien»nd Serbien gehe« ohne »eiincnSwrrte GefechtSberührung mit dem Gegner vor fich. Der Chef des Generalstabe». fchleppnng der Verhandlungen feine Armeen a»S dem Zusammenbruch retten und sich Wohl weigern, die Gebiete zurückzu- geben, wie in die Unabhängigkeit der unterdrückten Nationen zu willigen. Da«S dann sehr schwierig wäre, die Waffen wieder zu ergreifen, so würde dies Manöver Deutschland gestatten, den Ver- lust deS Spiels zn vermeiden. Aber keine Regierung der Entente werde sich dazu hergeben, ebensowenig wie Wilson, der sein« Auffassung über diese Punkt« ausgesprochen habe wie folgt: ES ist kein Friede mit Deutschland möglich, solange seine Armeen nicht geschlagen sind und die Gesinnungen seiner Regierung sich nicht geändert haben. Man muh also so nach den neusten Proben der Biegsamkeit und Anpassungsfähigkeit der Leiter Deutschlands fich wegen der Aufrichtigkeit ihrer Gesinnung skeptisch zeigen, solange Lndendorff, der jetzt nur noch hinter den Ku- lissen tätig ist, wieder im Vordergrunde der politischen Bühne er- scheinen könnte. Vergeblich versucht Deutschland durch die im Laufe des letzton Rückzuges begangenen Grausamkeiten einen Feie- den durch Entmutigung der Bevölkerung zu erlangen und die Friedens st unde zu verzögern, denn Frankreich ist ein- «nütig in dem Willen, mit einem solchen Feinde nur zu verhandeln, nachdem«S ihn vollständig auherfiand gesetzt hat, zu schaden. die französische slrbeiterschast zum öeutjchen Friedensangebot* Bern, 14. Oktober.(Eigener Drahtbericht de».Vorwärts".) Die von dem Bereinigten parlamentarischen Aus« schuh deS Gewerkschaftskongresses und dem NationalanSschuh der Arbeiterpartei angenommene Resolution hebt hervor, dah daS Friedensangebot von der die Regierung vertretenden RcichStagSmehrheit herrührt und daher ernster Erwägung bedarf. Die Resolution fordert von den alliierten Regierungen eine gemeinsame Verkündigung der Prinzipien Wilson?. Der Frieden dürfe nicht, wie auf dem Wiener Kongreß. Diplomaten- fache sein. Die Resolution wiederholt die Forderung des Kongresses der alliierten Sozialisten nach direkter Vertretung der Arbeiter uns der Friedenskonferenz und nach einem gleichzeitigen, auf vier Dele- gierte jeder Ration beschränkten internationalen Arbeitcrkongreß. Die Resolution erklärt, dah dies keine Alternative darstelle, da die Anwesenheit der Arbeitervertreter auf dem offiziellen Friedens- konpreh ohne Beschlüsse über den internationalen Arbeiterschutz wenig wertvoll sei. Die Stimmung in England. Für verschärfte Bedingungen. Rotterdam, 14. Oktober. Nach.Nieuwe Rotterdamsche Cou- vant" schreibt der Parlamentskorrespondent der.Daily NewS",«r erfahre von maßgebender Seite, dah die alliierten Regierungen sich bei der Beantwortung der beiden Fragen, ob es möglich sei, den von Toutschland verlangte» Waffenstillstand ga gewähren, »6«der weShen fcMngnwgat er yttvMrk beitot wstrde, fich an den Rat der«ilttSrische» BefeylSh-ber im Felde hakten würden. Was die Bedingungen betreffe, unter denen ein Waffenstillstand zugestanden werden könne, so sei man der Anficht, dah fte zunächst die Sicherheit der alliierten Armee» und ihrer zukünftigen Erfolge für den Fall der Wieder- aufnahm« der Feindseligkeiten verbürgen mühten. Die Bedin- gungen mühte» so sein, dah die alliierten Truppen nicht in Ge- fahr geraten würden. Die Frage, ab die deutschen Truppen auch Elsaß- Lothringen räumen mühten, werde, wie man in ministe- viellen Kreisen annehme, bei der Waffenstillstandsfrage ebenfalls vorgebracht und nach diesen Gesichtspunkten entschieden werden. Die englische Regierung betrachte den deutschen Borschlag zur Er- richtuttg einer gemischten Kommission für««erwünscht«nd unaus- führbar. Inzwischen hätten die Alliierten weder die deutsche Ant- wort an Wilson, noch die ursprüngliche deutsche Rote on Wilson in Erwägung gezogen. Nach den Informationen deS Parlamentskorrespondenten ist die Lage folgende: Die Fragen, die mit dem W a f f e n st i l I- stand zusammenhängen» und diejenigen» die mit der Frie- denskonferenz zusammenhängen, find voneinander ge- trennt,«nd die Vermutungen, die über die Forderungen der Alliierten auf der Friedenskonferenz geäußert werden, müssen mit Borficht behcnchelt werden. Soweit man sehen kann, haben die alliierten Regierungen in Europa dadurch, dah fie sich dem Präsidenten Wilson nicht mit einer formellen Erklärung über die KriegSzta« anschlössen, den Lauf der Ereignisse ab- warte« wollen, da fie ihre Erklärung zu einer Zeit ab- zugeben wünschten, wo die Krieg»»« Ssichten günstig wären. Di« englische Regierung und das Britische Reich werden nicht zögern, die Zukunft der deutschen Kolonien zum Gegenstand der Beratungen der Friedenskonferenz zn machen. Bezüglich des Grundsatzes der Selbstbestimmung und der freien Wahl der Völker hakten sie unerschütterlich an ihren Auf- fassungen fest. Dasselbe gilt für die Wiederherstellung und die Vergütung für die Wiederherstellung«nd die Vergütung für die Verluste der Handelsflotte durch den«nbezvenzte« U-Boot-Krieg sowie für die Schadenvergütung für die im Gebiete der Allistrtr« ««gerichteten Verwüstung«». Der liberrale.Manchester Guardian" schreibt: Deutschland hat sich ergeben, das ist die nnverrück- bare Bedeutung der deutschen Antwort. Der Friede mag vielleicht noch nicht unmittelbar bevorstehen» aber die allgemeine Grund- lag« dafür ist abgesteckt und angenommen.— Für einen Waffen- stillstand würden die Alliierten, weil fie dem Feinde damit ge- statten würben, fich an» einer gefährliche« Lage im Sicherheit zu bringen» eine Vergütung haben müsse». Die beste Garantie wäre eine zeitweilige Besetzung von Esse«»nd die Räumung Elsaß. Lothringen», da» dann vielleicht vorläufig vom einem neutralen Lande besetzt werde» könnte. Außerdem mühten die Transport- , schiffe und andere Schiffe vor Angriffen gesichert werden. Der Il-Boot-Krieg mühte für immer aufhörew Die Auslieferung der deutschen tt-B»»t-Fl»tte würbe ein« rmmittel- bare Garantie dafür sein. Da» Blatt ist der Anficht, dah in der Periode der Verhandlungen ein System zur Versorgung de? Feinde» über di« neutralen Länder eingerichtet wer- de» mühte, an dem deutsche Schiffe mitwirken müßten. Schwedischer Glückwunsch an die deutsche Sozialdemokratie. Deutschlands weltgeschichtliche Umwälzung. Dem Parteivorstand ist folgende Glückwunschdepeschc der schwedffchen Sozialdemokratie zugegangen: Der gesicherte Sieg der demofrotischen Kraft Deutschland» wurde schon vor dem Kriege von den Vorkämpfern der Jnternatio- nofe als«numgängliche Bedingung eines dauernden Weltsriebens betrachtet, und in dieser Richtung wirkte auch Jahrzehnte lang die alte einige beut sch« Sozialdemokratie, leider ohne durchschlagenden Erfolg. Die Entwicklung der Ereignisse hat jetzt den Teil der Part«, der es als möglich und als seine Pflicht erachtet hat, mit den Re- giernngen, die den Krieg geführt haben, zusammenzuwirken, als vorwärtstreibende Kraft der jetzt endlich mvnmgäng- lichen Demokratisierung, die in der neuen Regierungsbildung zum Ausdruck kommt, vorgeführt. Im Ersuchen an den Präsidenten Wilson wie in der ebea gegebenen weiter klarlegenden Antwort sieht der schwedische Partei- vorstand ein neues Zeugnis des unerschütterlichen Willens der ganzen deutschen Arbeiterklasse, jetzt möglichst schnell jedes Hinder- nis eines gerechton Friedens zu brechen und eine wirkliche tief- gehende Demokratisierung zu sichern. Mr senden unsere Glückwünsch« zu den gewaltigen Verschiebungen der realen Macht, die die Ereignisse der letzten Wochen zu bezeugen scheinen und geben unserer Hoffnung Ausdruck, e» möchten ohne Vorbehalt und ohne Hintergedanken alle demokratischen Kräfte in der Art zu» sammenwirken, dah die deutsche Arbeiterklasse jene weltgeschichtliche Umwälzung weiter verfolgt und unwiderruflich machen könne. Für den sozialdemokratischen Parteivorstand Schweden?: Branting, Vorfitzender. Möller, Parteisekretär. Das Glückwunschtelegramm der schwedischen Genossen wird uns doppelt wertvoll durch den Umstand, dah ihre Haltung uns gegenüber während des Krieges bekanntlich nicht die freund- lichste gewesen ist. Das Telegramm ist uns ein Zeichen dafür, daß die schtvedischen Genossen keine Feinde des deutschen Volkes sind. Ihre Abneigung gegen das früher herrschende System in Deutschland verstehen wir— daß sie uns jetzt zu den Er- folgen unserer Politik beglückwünschen, kann uns eine kleine Genugtuung sein._ Das Friedensgefuch der Türkei. Die neue Regierung. Das Friedensgesuch der Türkei ist nimmehr durch Ver- mittlung Spaniens in Washington überreicht worden. Konstantinopel, 14. Oktober. DaS Ministerium Tolaat ist zurückgetreten. Das neue Ministerium hat die Geschäfte über- nommen. Grohwesir und gleichzeitig 5tri«gSmmffter ist Jzzet Pascha, Minister deS Innern Fethi B«h. früher türkischer Gesandter in Sofia, Marinemtnister ist R e o n f Bei, Führer de» türkischen Kriegsschiffe? Hamidie während des Balkankrteges, Fi- nanzminister Djav id Bei. Ter Minister deS Aeuheren ist noch nicht ernannt. Die Geschäfte des Ministeriums deS Aeuheren werden einstweilen von Nabi Bei, j:.rem türkischen Botschaf- ter in Rom, geführt. Hr. 285 ♦ 3S.Fah»ga«s Settage öes vorwärts Mittwoch, 78. Oktober 7978 Das Wahlergebnis in Serlin I. Stichwahlentscheidung durch die Unabhängigen. Das Ergebnis der Wahl in Berlin I ist ein neuer Be- weis dafür, daß die soziale S ch i ch t u n g der Wähler auf den Wahlausfall einen viel stärkeren Einfluß übt als die politischen Ereignisse, seien sie auch von noch so großer Bedeutung. Nach den ungeheuren Erschütterungen des Weltkrieges kehrt in Berlin I bei verminderter Wahl- bewiligung ungefähr dasselbe Bild wieder, das wir von früheren Wahlen in diesem Kreise gewohnt sind. Fort- schritt und Sozialdemokratie kämpfen in hartem Ringen um den Sieg, wobei dem Fortschritt ein geringfügiger Vorsprung verbleibt. Rechnet man die Stimmen beider sozialdemokra- tischer Fraktionen zusammen, so ergeben sich 2233 sozia- listtsche Stimmen gegen 2294 fortschritt- I i ch-«. Bei diesem geringen Unterschied und der niedrigen Zahl der zersplitterten Stimmen wäre ein Stichwahlsieg der Sozialdemokratie in greifbare Nähe gerückt, wenn die .sozialistischen Stimmen im zweiten Wahlgang geschlossen auftreten würden. Die Entscheidung liegt also trotz der ge- ringen Stimmenzahl, die sie erreichten, bei den U n a b- h ä n g ig e n, und eS wird interessant sein, zu erfahren, ob sie den Hausbesitzerkandidaten Kempner als Reichstags- abgeordneten haben wollen oder den Sozialdemokraten Hei- mann, den sie sechsmal einstimmig zum Vorsitzenden der Stadtverordnetenfraktion gewählt haben. Die Zersplitterung hat wiederum nur den Erfolg gehabt, daß sie die Sozialdemokratie in mehr als Dreiviertelmehrheit gegen die Unabhängigen zeigte, aber dabei dem gegnerischen Vertreter kapitalistischer Klasseninteressen das Spiel bedeutend erleichterte. Wird jetzt der Fehler eingesehen und verbessert, dann kann dem Reichstag immer noch Herr Kempner erspart bleiben. Die geringe Wahlbeteiligung eröffnet beiden um den Sieg streitenden Parteien noch weite Möglichkeiten. Man wird daher einen scharfen Kampf im zweiten, entscheidenden Gange erwarten dürfen. Bei den allgemeinen Wahlen von llltS erhielten: Kaemp f (F. Vp.) 4657, Düwell(<003.) 4406, Gädk« sTeiK. Ver.) 1395 Stimmen. Äußerdem brachten ei die Wirtschaftliche Vereinigung auf 482, da? Zentrum auf 169, die Polen ouf 34 Stimmen. In der Stichwahl siegte Karmpf mit 5588 gegen 5579 Stimmen. Die Wahl wurde angefochten, Kaempf trat zurück, wurde aber dam» mit ver- größer ter Mehrheit wiedergewählt. » Im einzelnen gestaltete sich das Wahlergebnis folgender- maße,?: weiter geht, ist ein Gebot der Selbsterhaltung. Daß der Ersatz| des preußischen Dreiklassenwahlsystems durch das allgemeine, j gleiche, direkte und geheime Wahlrecht in Verbindung mit der 1 Beseitigung der agrarischen Mehrheit des Herrenhauses tatsäch- lich den Untergang des alten Preußens bedeutet, das wittern mit dem ihnen angeborenen feinen Instinkt am besten unsere Junker, deren Wutgeheul für uns der klarste Be- weis dafür ist, daß wir nns auf dem richtigen Wege befinden. Den Einwand, man hätte den Weg der Reichsgesetz- g e b u n g beschreiten und durch Reichsgesetz für alle Bundes- staaten eine ans allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlen hervorgehende Volksvertretung schaffen sollen, können wir heute nicht mehr gelten lassen. Dieser Weg war gangbar und er hätte unbedingt beschritten werden müssen, wenn stch im preußischen Landtage keine Mehrheit für das gleiche Wahl- Staatssekretär Gröber über die Kriegsanleihe: Keine Regierung, kein Reichstag wird eö jemals wagen dürfen, die Sicherheit der Kriegs- anleihe anzutasten. Die Gesamtziffern des gestrigen WahlanSsalls haben wir im Hauptblatt wiedergegeben. recht gefunden hätte. Nachdem diese Mehrheit gesichert ist. er- übrigt es sich, die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches in Bewegung zu setzen, denn niemand könnte die preußischen Ge- setzgeber daran hindern, auch in diesem Falle kulturelle und sonstige Sicherungen in die Verfassung hineinzubringen. Ebensowenig läßt sich heute noch die Forderung auf A« f- I ö s u n g des Abgeordnetenhauses begründen. Solange die Mehrheit des Abgeordnetenhauses sich nicht auf dem Boden des gleichen Wahlrechts gestellt hatte, find wir stets und ständig für die Ausschreibung von Neuwahlen eingetreten, in der Er- Wartung, daß dann durch ein Zusammengehen aller Anhänger des gleichen Wahlrechts, ohne Unterschied der Parteien, die wahlrechtsfeindliche Mehrheit zur Minderheit werden würde. Jetzt kann, ganz abgesehen davon, daß der richtige Moment der Auflösung verpaßt ist, von einer solchen Taktik keine Rede mehr sein, denn jetzt würden sich ja etwaige Neuwahlen nicht unter der Parole„Für das gleiche Wahlrecht", sondern unter der Parole„Gegen kulturelle Sicherungen" vollziehen, eine Parole, die nicht nur nicht genügend zugkräftig ist, sondern durch die auch Zentrum und Konservative zusammengeschweißt würden, so daß sich an der Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses so gut wie nichts änderte. Wir sollen uns hüten, unseren Erfolg zu überschätzen, aber eS liegt auch kein Grund vor, ihn zu u n t e r schätzen. Daß das Zentrum in seiner überwiegenden Mehrheit und daß die nationalliberale Fraktion einschließlich des rechten Flügels für das gleiche Wahlrecht eintritt, daS ist das Zeichen ttneS Stim- mungSumschwungs, dessen Bedeutung nicht hoch genug ange- schlagen werden kann und dessen Rückwirkung auch auf die übrigen Bundesstaaten nicht ausbleiben wird. Nicht das letzte wohl aber daS festeste Bollwerk der Re- aktion wird mit dem Sturz deS preußischen Dreiklassenwahlsystems zusammengebrochen sein. Die Bahn für demokratische Reformen wird frei, der Überführung Preußen? aus dem halb- absolutistiscken Obrigkeitsstaat in den Volksstaat steht nichts mehr im Wege, es sei denn, daß daS Volk selbst erlahmt und daß es sich das Errungene wieder entreißen läßt. Aber wir zweifeln nicht, daß die Reaktionäre, die mit einer Wiederholung der Vorgänge von 1849 rechnen, ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Die Freiheitskämpfer vom Jahre 1848 haben sich um den Preis ihres Sieges prellen lassen, die Kämpfer vom Jahre 1918 find politisch zu gut geschult, sie haben zuviel Lehrgeld gezahlt, als daß man je den Versuch wagen könnte, sie um den Erfolg zu betrügen. Das Wahlrechtsabkommen. Von Paul Hirsch. Läßt das Wahlrechtsabkommen, dessen wesentlichste Punkte durch die Presse bekanntgeworden sind, auch manche sozialdenw- kratische Forderung unerfüllt und zwingt es auch zu Zugeständ- nissen auf dem Gebiete der Kirchen- und Schulpolitik, so bedeutet eS doch andererseits den Sieg des uneinge- schränkten Wahlrechts ohne jede Zu sah stimme. Wa3 man noch vor wenigen Wochen für unmöglich gehalten hätte, ist nicht zuletzt unter dem außenpolitischen Druck in greif- bare Nähe gerückt: eine demokratische Verfassungsreform in Preußen, die gegen die Stimmen der Rechten geschaffen wird. Wir sind die letzten, die die Mängel und Schwächen dieser Reform verkennen wir leugnen nicht, daß der Preis, den das Zentrum für seine Zustimmung fordert, die kulturellen Sicherungen, ein ungemein hoher ist. Trotzdem wäre es nicht zu verantworten, wenn wir daran das gleiche Wohlreckt scheitern lassen und unS damit trösten wollten, daß die Zeit für uns arbeitet.„Was du dem Augenblick ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zurück." Der Augenblick aber erheischt es dringend. daß mit der Demokratisierung Preußens endlich ein Anfang gemacht und daß die Bahn geebnet wird für grundlegende frei- beitliche Reformen auf allen Gebieten der Gesetzgebung und Verwaltung. Käme das Reformwerk jetzt nicht zustande oder würde eS gar gegen die. Linke verabschiedet, so wäre das ein gefundenes Fressen für die KriegSbetzer im feindlichen Auslände, die dann — ob mit Recht oder Unrecht bleibe dahingestellt— im Innern ihres Herzens über den Sieg der preußischen Junker frohlocken und in alle Welt hinausposaunen würden, daß trotz Parlamen- tarisierung im Reiche doch in Preußen alles>. beim alten bleibt. Zu verhüten, daß solche Anschauungen oei der Entente sich Bahn brechen und daß dadurch das entsetzliche Menjchenschlachten GroßSerün Die Eingemeindung von Nenkölln-Britz. W« wir boveitS in der gestrigen Nummer mitteilten, wird sich die Neuköllirer Stadtverordnetenversammlung morgen mit der Eingemeindung von Britz nach Neukölln beschäftigen; auch die Britzer Gemeindevertretung wird sich zu gleicher Zeit mit derselben Frage beschästigen. Zur Begründung der Eingenvembimg futzrt der Neuköllner Magistrat i>n seiner Vorlage an die Stadtverord- netenversammlnng folgendes auS: Die Entwicklung der N a chbargemeinden Neukölln und Britz hat bereits vor längerer Zeit zur Vereinheitlichung der Gas- und SlekrrizitätSdersorgung dadurch geführt, daß Neukölln die Versor- girng des GeineindegebiotS von Berlin-Britz mit Gas und elek- trischcm Strom durch langfristige Verträge übernommen hat. Diesem beschränkten Zusammenschluß beider Gemeinden auf wirt- schaftlichcm Gebiete soll nunmehr der aus rechtlichem Gebiete folgen. Das Geineindeoebiet ist mit steinen rund 1170 Sektar nicht groß und im allgemeinen bereit?» ausgebaut, sodaß für die weitere Entwicklung nicht übermäßig viel mehr übrig bleibt. Da» Gebiet der Gemeinde Berlin-Britz umfaßt ca. 1832 Hektar, von denen etwa 84,94 Hektar bebaut, 1126,69 Hektar aber unbebaut sind. Dementsprcöfcnd beträgt auch die Einwohnerzahl von Ber- lin-Britz zurzeit nur 14 000. Das Britzer Gsmeindegebiet ist also Neuland, aus dem sich recht Ersprießliche» schaffen lassen wird. Für d:e industrielle Enttvicklung sind in Berli-n-Britz die besten Voraussetzungen gegeben. Wasserstraßen und Eisenbahn- anichlüsse sind in günstiger Weise vorhanden. Die Werte d«Z Grund und Bodens befinden sich in einer für die Industrie noch erträglichen Höhe Hiervon abgesehen, sieben noch weide Flächen für die Besiedelung mit Wohnhäusern zur Verfügung, die sich bei zielbewußter einheitlicher Leitung in ausgezeichneter Weise für alle Bevölkerungskreisc erschließen lassen werden. Bei den noch verhästniSmäßig geringen Badenwerten iwrd sick eine geräumig«. weitläufige Bebauung ermöglichen lassen. Wenn dies« die Zukunft berücksichtigenden Entwicklungsmöglichkeiten die Berewheitlichung beider Gemeinden für Neukölln erstrebenswert erscheinen lassen. so lieat da� frleirfi? 5int?ressr auch für Berlin-Britz vor. Seine finanzielle Leistungsfähigkeit ist beschränkt. Sic hemmt eine rasche Entwicklung und bringt, wie da? Beispiel der industriellen Werke von Berlin-Britz gezeigt hat, bei der sich erst in späterer Zeit ergebenden Rentabilität neue große und schwere Anforderungen finanzieller Art. die die Gegenwart für die spateren Generationen kaum leisten kann. Einer im AnfangSstadium der Entwicklung zur(Kosten VorortSgemcinde stehenden Gemeinde stehen auch durch Neuschaffung aller moderneu Einrichtungen und Anstalten Aus. gaben bevor, die auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkt vermieden werden müßten. Im Vertrage ist dann noch näher sestgelegt, daß Neukölln zwei besoldete und zwei unbesoldete Mitgliederr des Britz« Gemeinde- Vorstandes als Magistratsmitglieder und 9 Gemeindever treter. von jeder Abteilung drei, als Siadwerordnete übernimmt. Außer- dem ist noch der Ausbau der höheren und der Gemeindeschulen und einzelne neu« Straßenverbindungen im Britzer Gebiet garan- tiert worden. Da» Prosektk de? Rosengartens soll voll zur Durch- führung gelangen. Daß die Neuköllner Schnellbahnen und die Industriebahn sobald als möglich bis nach Britz durchgeführt wer- den. ist obenfalls nn Vertrage festgelegt. Eingab« Eharloktenbnrgs an den Wohnnngskommissar. Eine Lokalkorrespondenz schreibt: Heber den WohnungS- derband Groß-Verlin find irreführende Nachrichten verbreitet wor- den, die ein vollkommen schiefes Bild von der Sachlay« geben. Wenn berichtet wird, Charlottenbur� habe„inzwischen" seinen Beitritt zum W ohnu ngZv er band erklärt, so entspricht dies nicht den Tatsachen. Die Haltung CharlottendurgS ist unverändert ge- blirben. Charlottenburg will dem WohnungSverband nur unter der Bedingung beitreten, daß sämtlich« Groß-Berline.r Kam- munalder bände, insbesondere die Nachbarstadt Spandau, ihren Bei- tritt beschließen. Dieser Standynnk ist auch in der letzen Be- sprechung am Sonnabeich von dem Bertrever CharlottenbuvgS scharf zum Ausdruck gebracht worden. Ferner hat der Magistrat Sharlottenburg«ine unmittelbare Eingabe an den StaatSkom- missar für Wohnungswesen gerichtet, worin er erneut diesen Standpunkt mit aller Entschiedenheit vertritt. Der Beitritt der Fabrik- und Arberterstadt Spandau z>nn Wohnungsverband ist für Charlottemburg. wie un» von zuständige: Seite versichert wird,«ine unerläßliche Vorbedingung. Charlottenburg hatte gegen den am Sonnabend vorläufig angenommenen SatznngSentwurf noch andere Bedenken, diese aber bis auf die wegen EpandanS Beitritt gemachte Bedingung zurückgestellt. Spandau hat aber durch«in- stimmigen MagistratSbeschluh abgelehnt, sodaß dadurch der vor- behaltlrch erklärte Beitritt CyarlotirnbnvgS hinfällig gsvonden ist. Zu dem SatzungSentwurf über den Wohnungsverband erfahren wir noch, daß zur Erlediguirg der laufenden Geschäfte ein neutraler GaschäftSführe? bestellt werden soll. Hiermit hat sich auch Berlin, daS ansang» sowohl den Vorsitz wir die Geschäfts- führnng de» WohnungSverbandeS verlangte, einverstanden erklärt. nachdem von den Vertretern der Vororte erklärt worden war, daß sie dieser Forderung unter keinen Umständen zustimmen könnten, weil da? Schwergewicht des W ohnungsverbandes in den Außen- bezirken liege. Als„neutraler" Geschäftsführer soll der Verbandedi rektor deS Verbandes Groh-Berlin tätig sein. Der Vorschlag, den Verband Groß-Dorlim unmittelbar mit der Durchführung der WohnunySfürsorge in Groß.Verlin zu betrauen, ist an dem ent- schtedenen Widerstand Berlins gescheitert. � Ein Mysterknm. Ju einem der bei gewissen Zeitungen so beliebten Stimmung?- berichte über den äußeren Gang der gestrigen Wahlhandlung teilt da»„Werl. Tage b l." seinem aushorcheirden Lesenkreise unter andern mit, daß im.Weihenstephan" in der Jägerstraße die Staatssekretäre Rüdlin und v. Krause, sowie der soeben verblossene Chef de» Zivilkabinets d. Berg ihre Stimmen abgegeben hätten, während dagegen der preußische Minister Drswz im. Bierhaus Siechen", imid zwar bereit» um 11 Uhr, zur Urne geschritten sei. Diese Mitteilungen sind zweifellos geeignet, das Jnteresie der „Tageblatt"-Leser zu fesseln und ihre Phantasie zu beschäftigen, aber sie halten sich' � jeder angeben wird, innerhalb der Grenzen de» Irdischen. Weit über diese Grenzen hinan» in jene» Lteich, wo übernatürliche Kräfte wallen, ragt jedoch folgende Stelle desselben Artikel?: Bi» Mittag wurde« zumeist die Stimmen für Kempner abgegeben, doch änderte sich da» Bild, als die Mittagspausen in den Fabriken und großen Geschäften«intraten und die Arbeiter an dl« Wahlurne traten. Bemerkenswert ist, daß die Wähler des sogenannten Schloßviertels, die Beamten de» kasierlichen Schlosses und viele Pol-izsibeamte h r e Stimme für Geh. Justizrat Kempner abgaben. Me in aller Welt, fragen wir, ist es dem„Berl. Tagebl." möglich gewesen, diese Feststellungen zu machenk Die Wahl ist ge- heim, Klosett und Urne sind verschwiegen. Wir haben zwar neu- lich in einer unserer Wahlkarikature.r auf die charakteristischen körperlichen Unterschiede zwischen den Heimann- und den Kempner- Wahlern hingewiesen, aber trotzdem möchten selbst wir es nicht wagen, etwa diese äußeren Kennzeichen zur Grundlage wahlstatistischer Feststellungen ßu machen. Dem„Tageblatt" müssen unbe- vinat mystische Quellen der Erkenntnis zu Gebote stehen, die nn» einfachen Sterblichen verschlossen sind. Verfügt man in DiosscS Herrscherbezirk neuerdings über„Urne n-M e d i« n" und Klo- Herrscherbezi ck neuerdings über„Urne n-M e d i e n" und„Klo- immer der alte ehrliche„Schmock"? Tie Grippe. Die Anzahl der Erkrankungen ist auch gessrrn wieder gestiegen. Nach den Berichten der Allgemeinen Berliner OttSkrankenkasi« waren von 1778 Krankmeldungen 1722 Erkrankungen an Gripp«, worunter sich 24 Fälle von Liingenenizündmig befanden. Gegen den vorher« gehenden Tag ist die Zahl der Erkrankungen um 200 gestiegen. In Potsdam ist die Grippe so stark aufgetreten, daß da» Gas- werk feinen Betrieb einschränken muß. In Würzburg find be- reit» sämtliche Volksschulen geschlossen, da m einzelnen Schulen 80 Proz. der Schüler erkrankt find. Anmeldung für Kaffee-Ersatz in Berlin. Die Anmeldefrist für die Abgabe des Bestellahschnitte? 15 der Kaffee-Ersatzkarte beginnt für Groß-Berlin Mittwoch, den 16. Ok< tober, und läuft am Sonnabend, den 19. Oktober, ab. Käseverteilung. Vi» Sonnabend, den 19. Oktober, wird an die- jenigen Kunden, die in den Speisefetikundenlisten der in den Be« zirken der 66., 68., 70., 71., 80., 81., 233. und 240. Brotkommission gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 125 GrammKäse verteilt. Der wahre Jakod ist erschienen und gelangt heute zur Ver- teilung.- Der Gcniüsedan auf den Gütern der Stadt Verlin soll erweitert werden. Die Erträge sind in diesem Jahre groß und lallen jetzt kür die Gemeindeverioraung Berlin» in» Gewicki. Nach den bis« berigen Nubauversuchen ist die Verwaltung der Ansicht, daß Gemüse ssch für Rieselfelder iebr gut eignet. Sie glaubt, daß auf ihnen bei hinreichend vorsichliger Berieselung auch ein durch Güte im- übemoffeneS Gemüse erzeugt werden kann. Zur Beschaffung der Sämereien, die der erwetterte Gemüsebau erfordert, ist auch Gemüse- samenbau geplant. Keine anfgeschoden« VerfassungSaktio». Der Bürgerausschuß Groß-Berlin schreibt unS: Ihre Veröffentlichung in Nr. 283 deS„Vorwärts" ermöglicht die mißverkrändliche Auffassung, als ob die gesamte Tätigkeit de».Vürgeransschusse» Groß-Berlin" zurzeit eingestellt worden sei. Da» ist aber durchaus nicht der Fall: vielmehr wird von den Fachausschüssen de« BüraerauSichusse» nach wie vor an der Fertigstellung eines postnven Vorschlags für die Aenderung der Verfassung Groß-BerlinS aus» eifrigste gearbeitet. Lediglich die Frage, ob eS jetzt Zeit wäre, an die Veröffent« l i ch u n g dieses Geietzeniwurfes zu geben, ist in der betressende» .Sitzung unsere» Städlebluwusschusseö verneint worden.. f*f—atgwtww•nfL§rtijew»ei der sich«» von«- abend auf dem vartholomäu»«Kirchhof zugetragen hat, wird uns berichtet. Eine Beerdigung war für den Nochmittag frft gesetzt und die Leidtragende» waren von nah und fern herbei- geeilt— da, im letzte» Augenblick, wird den Hinterl bliebenen mitgeteilt, die Beerdigung könne nicht stattfinden, weil die Gruft noch nicht ausgehoben fei. Um die B* erdigung wenigstens am folgenden Tage zu ermöglichen, mustten die Söhne des Verstorbenen schltetzlich selber die Gruft ausheben und sie nach der fseier zugraben. Es drängt sich die Frage auf: Fehlt eS wirklich so sehr an Arbeitskräften, daß fich Derartiges nicht vermeiden läßt? Oder trägt lediglich die Saumseligkeit der Kirchhofsverwaltung die Schuld an dem peinlichen Vorkommnis 1 In jedem Falle wäre es zum mindesten Pflicht der Verwaltung gewesen, die Leidtragenden rechtzeitig zu benachrichtigen. Zum Schutz der Löcknitz. Der RegierungSpräfident hat als II. Nachtrag zur Baupolizeiverordnung für die Vororte von Berlin eine Potizsiverordnung erlafien, wonach im Gebiet der idyllischen Löcknitz die Anlage störender Betriebe verboten ist. Die Wcrtpaketsperre verlängert. Die dreitägige Sperre für die Sendung von Werlpaketen nach Berlin und Charlottenburg hat noch um weitere drei Tage verlängert werden müssen. Die Sperre dauert bi» zum 18. Oktvber einschließlich. In Frage kommen nur Werlpaketsendungen aus der Provinz nach Berlin. In Berlin selbst können Wertpakete aufgegeben werden. Großfeuer kam in der Nacht zum Dienstag gegen» llhr auf dem Holzplatz Eduard Tscharntke, Oderberger Str. LS, aus noch un- bekannter Ursache zum Ausbruch,«l« die Wehr an der Brandstelle ankam, standen dort Schuppen mit Preßkohlen, Stapel von tiefernem Brennholz schon in Flammen. Gewallig war die Hitze, haushoch schlugen die Flammen, die reiche Nahrung gefunden hatten und den Pferdestall sowie die angrenzenden Gebäude gefährdeten. Es gelang der Feuerwehr fünf Pferde an» den Stallungeu tu Sicherheit zu bringen. Die Schuppen sind ausgebrannt. Verzweiflungstat einer Mutter. Gester» morgen wurde« in der Nähe der Partbrücke in Lichterfelde im Teltowkanal die mit Draht und Stricken zusammengebundenen Leichen einer Frau und zweier Kinder angeschwemmt. Die Toten wurden ermittelt als die 36jährige Beamtenwiiwe Alma Augustin aus Zehlendorf und deren acht- und sechsjährige Kinder Frieda und Kuno. Di« Frau, die in geordneten Berhältnisien lebte, scheint unter der Einwirkung eines schweren Nervenleidens den ver« zweifelten Schritt getan zu haben. Geschäftlich« Nottzeu. Di« B a e»»«-» a sch»r-»«. im Inseratenteil der heutigen Nummer die Borsllhrung ihr»« Wich apparatet am Mittwoch, Donnerstag und Frettag den Hausfraur« au. «harlottrnburg. Kurtoffeladuahm«. In dieser Woche stutz neben den 7 Pfund ka»toffeln, die auf die Kartoffelkart« verabfolgt werden, auf die 14 Abschnitte 8*— 8 g der grünen Charlottenburger Sonderkartoffelkarte 8 Pfund Kartoffeln zr, entnehmen. Die Kartoffeln find nicht für den laufenden Bedarf bestimmt, sondern dienen zur Schaffung eines Bestandes, der m der Woche in Anspruch zu nehmen sein wird, die der Magistrat bestimmen wird. In jener Woche werde» keine Kar- toffein ausgegeben werden._ Neuklllu. Freihändiger verkauf vo» Frühwekffkohkfuurrkraut. Wie uns mitgeteilt wird, erfolgt der verkauf von Sauerkraut feit Montag, den 14. d. MtS., freihändig»nd nicht wie bisher auf Ab« schnitt 135 der WarenbezugSkart«. —«erztliche Hilfe. Sofortig« erst««rztliche Hilf« in tzrin- gende« Fällen ist zu jeder Tages- und Nachtzeit in Neukölln auf d«r Rettungswache, Kirch hofstr. 20— W, zu erhatte». Schöurierg. KSfevertekluug. In den Bezirke» der Brot- lommisfionen Nr. 4, 6, 6 und 18 findet von Mittwoch, den IS., bis Sonnabend, den IS. Oktober, eine Verteilung vo» 12t> Gr. pn Utff ffmffWt und tx de» Bezirke» 8«u» 19 n_____ Pommerscher Weich läse auf Grund der Speisefettkundenliste statt. Stegtitz. D«r Kampf um tzie Teuerungszulage». Der au die« ser Stelle schon mitgeteilte Antrag de» Gemeindevorstandes auf Gewährung einer einmalige» Teuerungszulage an die K ri eg s h i l f» kr ä fte und Arbeitern der Ge- m e i n d e wurde überraschenderweise von der HauSbesitzerfraktum mit einem Lertagungsantrag bekämpft. Ihr Redner, Justizrat B r e h e r, meinte, man dürfe angesichts der schlechten Finanzlage der Gemeinde nicht unnötige Ausgaben machen, sondern müffe erst einmal prüfen, ob üüerhaupt eine so große Anzahl von Hilfskräften gebraucht würde. Deshalb beantrage er, zunächst einen Ausschuß zur Prüfung dies.r Frage einzusetzen. Genosse A ß m a n n be- wer öas Abonnement auf Ken»vorwärts' noch nicht erneuert hat, muß sofort t,— üt. an öen vorwärts-verlag H. m. b. y., SerUn Sw, Liuüenstr. 3, »See Ott die bekannten Ausgabestellen einsenöen, um fich Sie pünktliche weiter- Uefenrng für Monat Novemberzu flchertu o Ä Tage«» Ortmuiig: e et Htetmng$fr agt, Reichstag und Franen. Referenti«: Frau Marie Juchacz. Die Genossinnen werde« gebete», für rege» Besuch Sorge zu tragen. Niederschtuhause«. Heute ab««d» Uhr i« Restaurant Rettig, Blankenburger Str. 4, Mitgliederversammlung. flns aller Weit. ' Arzneimittelschmuggel nach der Schweiz. Klmstanz, 14. Oklober. Den Grenzbehörden gelang es, einem umfangreichen Ausfuhrschmuggel von werivollen Arzneimitteln auf die Spur zu kommen. Vier Personen wurden verhaftet in dem Augenblick, als sie größere Mengen einem schweizerischen Käuier übergeben wollien. Waren im Werte von 90 000 M. wurden be« schlagnahmt. Die bisherigen Feststellungen lassen den Schluß zu, daß in der Schweiz eine Organisation desteht, die sich mit Schmuggel von Arzneimitteln aus Deuilchland befaßl, um diese gegen hohen Gewinn an die Entente zu verkaufen. kämpfte diesen Antrag energisch. T» sei sehr bezeichnend, daß man in der vorigen Sitzung die Zulage an die Beamten und Angestellten glatt bewilligt habe, aber jetzt, wo es fich um Hilfskräfte und Ar- bester handle, sparen wolle. Obwohl er den Antrag auf Einsetzung eines Ausschusses völlig billige, dürfe man doch die Hilfskräste und Arbeiter iricht für die Fehler der Verwattung büßen lassen. Richtig fei es gewesen, gleich alle bei der Gemeinde Beschäftigten zu be- denken und nicht erst zu warten, bis die Sozialdemokraten bean- tragen müssen, auch die Schlechtestgestellten zu berücksichtigen. Er beantrage, die Höchstgrenze bei den Arbeitern von 300 auf 400 M. zu erhöhen nnd ferner den Angehörige» der im Felde stehenden Arbeiter die Hälfte der in der Borlage vorgeschlagenen Sätze zu bewilligen. Nach langer Debatte wurde der Vertayungsantrag zir- rückgezogen und die Borlage unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages angenommen. Bezüglich den Angehörigen der im Felde stehenden Arbeiter versprach der Gemeinde'vorstand eine be- sondere Vorlage zu machen. Ist den obengenannten Ausschuß wurde auch Genosse Aßmann gewählt. Der weitere Antrag de» Ge» meindevorstandeS auf Umwandlung der bestehenden fünf Krieg». tüchen m eine Zentralküche, wurde zur erneuten Beratung in den zuständigen Ausschüsse» zurückgezogen. Nmvliwe». Verkauf»«» Zwiebel». Auf Kartenabschnitt 18 der LebenSmittelkatte findet bei de« Kleinhändlern der Verkauf von Zwiebeln statt. Aus jeden Kartenabschnitt entsallen 2 Pfd. Zwiebeln zum Preis« von 84 Pf._ Hroß-Serliner parteinachrichten. Hroß-Sertta« Friwwersammluns. Freitag, de« 18. Oktober, abend» 8 Uhr, findet in Havellands Festsälen, Neue Friedrichstr. 38. eine Mit- gliederveriammlung der sozialdemokratisch«« Frau«» statt. Tie Grippe i« Italien. AuS Lugano wird gemeldet: Ende voriger Woche waren in Mailand elwa 80000 Personen an Grippe erkrankt: Ein- zelheiten und Zahl der Toten zu veröffentlichen, war den Zeilungen verboten. Die Epidemie herrscht gleich storl in Rom und Genua, auch dort ist eS verbalen,' die sanitären Verhältnisse zu eröltern._ Sriefkasten der Redaktion. G. K. Brief erhalten l Besten Dank!— St.«. Vereinigte technische Lehranstalten Fritz Hoppe. Berlin S, Mathieuftr. IS.—®. 83. Wenden S'.e sich an den Kriegsausschu ü iür pflanzlich« und lierische Oel- und Fette, Ernteahtitlunq, Berlin, Mauerstr. 53.— R. 8. 30. Ob für Luckenwalde eine lotche UnteriiützungSeinrichMnq besteht,«iffen wir nicht. Wir raien Ihnen, die Angelegenheit dem Arbeilersekretariat Luckenwalde, Karlstr. 56, zu miterbreiten.— P. P. und Einsegnung 1018. Wenden Sie sich an die Zentrale für private Fürsorge, Berlin W 35, Ftottwcllstr. 4.— W. E.®. Richten Sie den Antrag an den Magistrat, Deputation süc Fach- und Fortbildungsschulen, Berlin, Rathaus, Den Ersolg Ihres An- trags können wir nicht voraussagen— Landwirtschaft. Der Arbeits. Nachweis befindet fich Berlin 0. Koppenstr. 94.— Otto Zt. 400. Der .VorwäitS' wird nachts>/,Z Uhr zur Post gegeben.— W. 28. Die Haupt- adreffe lautet: Berlin W 15, Kurfürstcndamm 193. Die verschiedenen Aö- trilungSadreflen finden Sie im Telephonbuch, S. 6*6.—«. 28. 100, Oskar 90 und©. H. 93. Darüber rrsadren Sie Näheres beim Aus. kunftSbureau deS Roten SreuzeS, Berlin W 86, Leipziger Str. 3(Xelepuou Zentrum 9081)._ Wasserstands Nachrichten de» LaudeSauftakt kür Gewäfferkuud«, mitgeteilt vom Berltner Wetterbureau. Donnerstag mittag. Ziemlich kühl, zunächst vorwiegend trübe, tiebelig, östlich der Oder meist gering«, im Westen stärker« Regensälle, später zeit- weise ansklarend. D ixektion Max Eeinliardt. Deutsches Theater Tft, Uhr: ClaTifo. Kararnerspiele 8 Uhr: Eine gIDcklieha Eh«. Kleines Schauspielhaus Fasanenstraßa 1, Portal 5. 7'/, übr: FrUhllng» Erwachen. Volksbühne Theater am Bülowplat*. Direktion Friedrich Kayßler. 71/. Uhr: Maß iär Maß. Dir.C. Meinhard—*• Bemauer. Töeater!,"Königgratz8rStr. 8 Uhr: Krdgelat. Komödlenh aus '/,8 U.: Die tanzende Nymphe. BerlinerTheater 7" U.: Blttablmn©« Blnt. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Tägl.'/.S U.: Ein großer Theaterersolg der Berlmer Possen-Schlager NM NA nol niietietl Vorher das neue Ottober-Progr. Gesang. Akrobatik. Humor! Sonnt. 3'/,: Ein lldeiee Huhn. National-Theater. Vi8 Cöpenieker Str. 68.'�8 Der{jroße Opsretteneriolg! Prinzenliebe. Sonnt. 31/,: Studcntenliebche«. Yorverk. 10— 2 n. ab 6 Uhj. Tlieater der FrietlrieM. Ecke Friedrich- a. Linienstr 7*1, Uhr. TlgU Nord. 8650. Kaiserplatz 3, 1 Tr. Ein lust Stück m. Musik v. Laufs r. Möliendorff. Georg. L Holms Mittw., Sonnab., Sonnt 31/,: Hansel o. Grete! Im Zauberwald. Märchen m. Gesang n. Tanz. idmlralspalasl Die Prinzessin von Tragant. Wer ist die Schönste? Sajdah. 7'/. Uhr. Theater Iür Mittwoch, 16. Oktober. Central-Th«ater Uhr - Ble te 701 Stsmlnil. Oeotaches Opernhaaa t Der eisenie Reilaat Friedrich- W»heimst. Theater tu uhr: Hannerl. Kleines Theater s mm: All-Börnberg. V Kemlaehe Oper T/4 Uhr liaatsplelhaa« : Die spaniseiie Fliege. Metropol-Theater 7io: Die Fascbingsfee Neoss Opsrettenhaas 7',.Uhr: Das sößfl Mädel. Palaat- Theater Zft, Uhr: Fhilotaa. Der brechen« Krug. rX1*'"' Uhr: �Cer Strato Flselung. Kealdens-Theater Tl. Uhr: Botel Stadt Lemberg. tk ehll I er-Th. Otaarl. 8 Uhr: Hlnua von Bamhelm. 7ft. Uhr: OB Thalla-Th eater D�Jaterlbtad. linde. Theater am Nollendorlptatz 8-L Uhr: FldeUo. 7 Uhr: Theater de« Wewtenw ti. uhr: Die lustige ffltwe mit Guido Thielscher. Wallner-Theater Tft.u� Ural Habenichts. BüMMIBI Kaffee Tauentzien- Palast. . Täglich Doppelkonzert dar Efs.-Kapoll« de« t Garde-Reg x. F, 1 unter persönlicher Leitung d. Obermosikmeisters |A\axGrä7| � sowie der Kapelle Arnold Fischberg] Üranien-?alast Oranienstr. 40—41(Oranienbrücke) Koneert-Kaffee-Kabarett. Frank-Bergmann— 2 Roberts— Heger Tanz-Duett Karl firoth— Dr. Hubertus u. Ollaw— Wendelin Kolp <»ir. Kapelle Dirk van Erp. Ii. Stock Die neue Wemriiele u. BarbOfett. I.Stock J3 ISSOl� Mittwoch, den 18. Okl: Biederaurtretea T�n D7�r'llBrtj-ütböll mit neuen Dressuren, n. r. EaBaeh, du einsig existierende Akrobwten- pferd. Sowie Jlarln«, du Autowunder. 3 Carrhe, Nymphenspiele a. Pferde, n. das äbnge Programm. Zum Sohlnß: Oberon Pkant. Waseer-Pantomlme. Trade Hesterberg: Inge Eanrj Dl« HosenknOpC sowie du Walhalla-Theater. T1», Uhr: Donauiiebchen. Trianon-Theater Rbl. Friedrlehetr.Ztr. 4927, 2891 Nachm. Uhr. kL Preise; Ukneel und Oretel. Abends 8 Uhr; Der gute Ruf ron Hermann Sudermann. Ida WDst. Bruno Kästner. Dahner. Flink. Sctiinteld. Klein. Morgen u. folg. Tage 8 Uhr: Der gute Knt. Donnerstag RotkStpchen. Freitag l/,i: Schneewittchen. Sonnab.'/ti: Hänsel u. Grete). Bonntag'/.l: Johannisfeuer. Theater am Kotter Tor. Kottbuseret.eLeit.F.Wsgner Täglich 7'/, Uhr: Die GroBe Variets-Schau. Dekorationsentw. Hemr. Zille.— Anna Mfiller-Lincke. Vorverk. 10'/,— l1/, u. ab 5 ü. sowie bei Wertheim. = neue= Oktober- Spielplan! Apollo Friedrichstr. 218 Dir.: James Klein. 7'lt Sonnt. 3'/, u. 7*/. I Die Well geht anter! GroDe VarietA-Äns- Btattungnschau in vielen Bildern mit| Senta Söneland Emst Lnbitscti usw. Sonnt. 3'/, Uhr jeder 1 Erwachs. 1 Kind frei 1 1 Reichshallen-Theater. Allebendlich 7'/, Uhr und Sonntag nachmittags 3 Uhr: Stettiner Sänger. Nachmittags ermäB. Preise I l�affee ifaUf ..rr:ea,i(tutlf60bfv Leipr.,. [KonzeduKdbarc 7 Anfang? Otto Reutter Mia Werber Robert Steidi Rochelll Bella Frankhd Emanuel Steiner Täglich tob 4 Uhr ab: Dirigent Paul Kurz aus Wien. Kanzertdlr. Robert Sachs, W 50. Philbarnionie, Sonnabend, 19. Okt., 7\ cur MAXIMILIAN HÄRDER. Karten; Mk. 1,50 bis 10,— Bote ck Bock und Wertheim. Rose-Theater. 7'/, Uhr: Gsstsp. d. Priedr.- Wilhelmstädt. Theaters: Das Drclmüderlhaa». fette Brat-n.Sappenbfiknetr, Fette Kaninchen empfiehlt in großer Auswahl Schmidt vorm. Tasche, Plan- nfor 21, am Halleeohee Tor. Filiale: Rosenlhaler Str. 55. Damenbapt lästige Haare a. unliebsamen Stellen beeeit. radikal bis anf d.War»el ffir immer nur mein ,Oepllator"Unschädl(gefabrL hbsol.sich-Pr.M.S.-. Drogen- aaus H.Booatln«, Berlin N. Schönhauser Allee 132.* WiMlMWN. Mi- M«. SMM lieferl sofort ab Lager 1212' Wagner, Cöpeuicker Str. 7l. l' Kompl. 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Ott»»«,»18 einschließlich ist jeder in Berlin, Tharlottenburg, Berlin. iiichlenberg> Neukölln, Berlin-� chöneberg, Berlin.WUmerSdorj und in den Kreiien Teltow und Niederbarnim wobnhaste In. Haber einer Kaffee-Ersatzlarte bei cchligi, unier Vorlage d«S Be. slellabschniiies Nr. 16 der Kaffee-Erlatzkarte bei einem Klein« Händler sich zum Bezüge von Kaffee-Ersatz anzumelden. Zur Snigegennabme der Bestellabschnilie find nur solche Klewhändler berechtigt, die schon irllher mit Kaffee-Ersatz g«. handelt haben. Artikel ll. Der Kleinhändler bat bei der Anmeldung Bestell, und EmpsangSabschnitt der Karte mit seinem Namen und seiner Adrefle zu versehen sowie den Bcstellabschnitt abzutr«me« und an sich zu nehmen. Artikel III. Die abgetrennten Beftellabsibnitte find, zu 200 Etllck genau abgezählt und vervackt, spätestens bis zum 21. Oktober 1918 einem zum Handel mit Koffce-Ersah zugelaffenen Großhändler einzusenden. Außer den w den Bekanntmachungen vom lt. 1., 19. 2. und 4. i. 1918 angeführten Firmen ist noch die Firma Reiuhold Hoppe, Neukölln, Goethejtr. 7 als Grojjhändler sür dir Verteilung von Kaffee-Ersatz zugelassen worden. Artikel IV. Die Ewsendung der veftellabschutSe bat, sojer» nicht persönliche Abgabe erfolgt, in ciugeschriebenem Brief oder durch Wertpaket zu erfolgen. Die Anzahl der abgelieferten Abschnitte ist hierbei anzugeben. Arttkel V. Vom 16. November ab kann bei dem KleinhSndlrr, der den Veftellabschnitt in Nmpfang genommen hat. gegen Vorlage des Sivpfangsabschnittes Nr. 16 ein halbes P'und Kaffer-Ersah entnommen werden. Der Kleinhändler ist zur tlbgabe von Kaffee-Ersatz nur gegen Aushändigung des von idm gestempelten EmpsangSabschnitteS berechtigt und tst zu dieser Abgabe verpflichtet. Die Abgabe von Kaffee- Ersatz vor dem festgesetzte» Dermin ist verboten. Artikel VI. Der Abschnitt 14 der Kaffec-Ersatzkartr vertiert an, 16. Ko- vember 1918 seine Gültigkeil. Aus ihn darf von diesem Tage ab Ware nicht mehr veradsolgi werden. Ariitel VN. Die EmpsangSabschniite Nr. 14 find Mm Klrwhindler am 18. November 1913, zu 200 Stück genau abgezählt und verpackl und mit der Firma des Kleinhändler« versehen, dem Großhändler, von dem die Ware dezogen worden ist, einzureichen. Der Großhändler Hai die Abschnitte unverzüglich an den Magistrat Berim, Abte, hing für Kaffee-Ersatz, Kommandanten ftr. 80/81, wetterzureichen. Artikel VIII. Kleinbäoble«, die gegen die»oestehenven Be- stimmuoae«»erstosten. insbesondere unrichtige Angade» hinsichtlich der Anzahl der abgelieferte» Abschuttte machen, haben die zeitweilige oder danerutzr Aus. fchlirk»«v vom Handel«i» Kaffee-Ersatz z» gewärtigen. Berti«, de« 10. Oktober 1918. Mayistrat der Königlichtll Havpt-«ud KefidevzßLdt. Abteilung s»r Kaffee-Ersatz. 2505 Ka 18. Soedning. Alsx 7rieckederg Vulo�straLe 24 Ecke Potsdamer Str. 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Oktober.(Rosta.) Die Einigungskommission der Konferenz in Ufa der weißgardistischen Regierung und Komitees hat ein von dein Rechtssozialrevolutionär Hendelmann vorgeschlagenes Projekt angenommen. In Fragen der Außen- Politik führt das Projekt folgende Punkte an: 1. Befreiung Rußlands vo« dem Joche der Bol- fchewiki. 2. Wiedervereinigung Rußlands mit seinengewaltsamentrissenen,wieauchabgcfalle- neu Gebieten, wobei der Wiedervereinigung das FSdera- tivprinzip zugrunde gelegt werden muß. 3. Aufhebung des Brester Bertrage S. Wiederher stellung des Bündnisses mit der Entente und Wiederaufnahme der Ost front mit milttSrischer, technischer und finanzieller Hilfe der Entente(diese darf sich aber nicht in die inneren Angelegcnhei- ten Rußlands einmischen und muß auf jegliche Kompensationen ver- Sichten.) Die innere Politik wird durch folgende Punkte be- rührt: 1. Wiederherstellung einer starken und kriegstüchtigen Armee, die vor jedem Einfluß der Parteien bewahrt werden mutz und in Person des Oberkommandos der Regierimg unterzuordnen ist. 2, Politische Organisationen dürfen in der Ar» m e e nicht zugelaffen werden; die Militärbehörde hat sich aber in die ZivilverwaltungSangelegenbeiten nicht einzumischen. 3. Der Kommandobestand mutz ausschließlich aus Personen bestehen, die dazu berufen sind. 4. Einführung einer strengen Disziplin, wobei in der autzerdienstlichen Zeit die Büryervechk der Soldaten unangetastet bleiben müssen. Die Hauptpunkte im Gebiete der Tozialpolitik lauten folgendermaßen: 1. Di« foderativ-demokratische Verfassung mutz durch Anerkennung der politischen llnabhängigkeit Si- 6 i r i e n s und durch die der sich selb st verwaltenden Ge- biete, gefestigt werden. 2. Sofortige Mnberutzumg der konsti- tuierenden Volksversammlung in ihrem jetzigen Be- stände. 3. Wiederherstellung einer demokratischen Stadt- und Landfchaftsderwaltung, wobei aber in nächster Zeit neue Wahlen auszuschreiben find. 4. Ergreifung von eneryi- sehen Matzregeln zum Schutze der öffentlichen" und der StaatSord- nung in der russischen föderatw-demokratischen Republik und energischer Kampf mit dem Anarcho-BolschewiS- m u s. 6. Die Nationalpolitik mutz auf einer Anerkennung der persönlichen und teruitvrialen Unabhängigkeit der Fremd- Völker fußen. Die Wirtschaftspolitik wird durch folgende Pimfte bestimmt: 1. Kampf mit der Anarchie durch Liquidierung der Sowjet-Organisationen. 2. Unterstützung der Industrie, die nur durch Hinzuziehung des russischen Privat-, sowie de? ausländischen Kapitals und durch Förderung der privaten Unter- uchmungslust bewerkstelligt werden kann. 3. Regulierung der Pro- dukkionsfähigkeit der Arbeiter. 4. Ausbau der Arbeiter- Gesetzgebung, der ein wirksamer Schutz der Arbeitenden, die. Regulierung der Lohnbedingung en und die E n t- lassungSbedingungen der Angestellten zugrunde gelegt werden mutz. S. Zulassung der Bildung von Eewerk- schaften. 6. Aufhebung des Getrei de m o n o p o l S und der festen Preise, wobei jedoch die in ungenügenden Men- gen vorhandenen Produkte vom Staate zu verteilen sind. 7. Ein- fchränkung der Papier gelder-E mi ssio m n. Wiederherstellung deS Steuerapparates und Erhöhung der direkten Einkom- ni e n st e u e r und der indirekten Steuern. Das Programm der Gegenrevolutionäre geht nicht darauf aus, den jetzt tobenden Bürgerkrieg abzukürzen. Es macht zwar einige demokratische Konzessionen an die Mafien, aber wo steht in der Geschichte geschrieben, daß der Sieg einer Gegenrevolution, die ihre Macht auf Militarismus stützen will, die Durchführung solcher Versprechungen im Sinne der von den breiten Massen ge- hegten Wünsche verbürgt? Der Sieg der Gegenrevolution ver- bürgt neuen Krieg und würde die Wirkung haben, daß die ab- gefallenen Randgebiete in den wilden Bürgerkrieg hinein- bezogen werden, gegen den sie jetzt immerhin abgesperrt sind. Ein Merkmal des Programms ist übrigens, daß den agrari- schen Angelegenheiten in weitem Bogen ausgewichen wird. Hier wird eine Schwäche der Gegenrevolution auffällig sichtbar. Das Schicksal(desterreich-Ungarns. y Die bisherige Verweigerung einer Antwort auf die österreichisch- ungarische Waffenstillstandsnote durch Wilson hat die Entwicklung der österreichisch-ungarischen Politik etwas aufgehalten. Die Regierung weiß nicht, wieviel Wilson verlangt und will nicht Offerten machen, solang« sie seine Forderungen nicht kennt. Die gegen die jetzige Verfassung Oesterreichs revoltierenden Slawen möchten ihrer- seitS kein Kompromiß schließen, ehe sie wissen, wieweit sie Wilson unterstützen will. Trotzdem werden schon jetzt in Oesterreich und Ungarn Mi- nistecieu gebildet, die von der Entente, besonders Wilson, als ver» handlungsfähig angesehen werden und das Vertrauen für die Durch- führung des 10. Punktes des Wilsonschen Programms genießen sollen, der lautet: «Den Völkern von Ocsterreich-Ungarn, deren Platz unter den anderen Nationen wir sichergestellt zu sehen wünschen, mutz die erste Gelegenheit zu einer autonomen Entwicklung ge- geben werden." Wilson negiert dannr nicht Oesterreich-Ungarn als Staats- .Wesen, aber er verlangt ferne Umgestaltung an Haupt und Glie- dern. Doch ist durchaus fraglich, wo die angebahnte Entwicklung eniden wird. Die Ungarn wollen das Verhältnis mit Oesterreich auf die Personalunion beschränken, die bisher gemeinsamen An- gelegenhoiten(auswärtige Politik, Heer, Marine, Staatsschuld, Ver- waltung Bosniens und der Herzegowina) trennen und damit den bisherigen dualistischen Aufbau des Staates beseitigen. Zu den Politikern, die diese Lösung am radikalsten vortreten und mit ihr die nationalungarischen Forderungen von 1848 wieder aufnehmen, gehört auch der bekannte pazifistische Graf Michael Karolyi. Die Polen streben den nationalpolnischen Staat an und haben dem Kaiser Karl bei der Audienz der Abgeordneten rund heraus erklärt, daß ihr Schicksal von den Beschlüssen des War» schauer Regentschaftsrats abhängt. Die Tschechen verlangen den tschechoslowakischen Staat, die Südslawen den südstawischen, und zwar mit allen Souveränitätsrechten. Beide Bewegungen drohen nicht nur Oesterreich sondern auch Ungarn zu zertrümmern, wo die Magvaren ihre Vorherrschaft bisher ungleich sicherer behaupten konnten als die Deutschen in Oesterreich Tschechen wie Südflawen wollen keine gemeinsamen österreichischen Angelegenheiten mehr anerkennen, kein gemeinsames Wirtschafts- und Sdeuergebiet, keine gemeinsamen Eisenbahnen usw. Wenn es an sich denkbar ij�v daß die österreichischen Völker einen Staatenbund bilden, so ist dieser Gedanke doch nur ausführbar, wenn das einheitliche Wirtschafts- gebiet ungeschmälert erhalten bleibt. Sonst wären die Deutsch- Österreicher mit ihrer stark entwickelten Industrie und ihrem kargen Ackerboden zu Arbeitslosigkeit und Hunger verurteilt. Dar- um verlangt auch Otto Bauer in der„Arbeiterzeitung", daß die flämischen Nationen den Deutschösterreichern als Käufern und Verkäufern freien, durch kein« Zollschranke behindert«» Zutritt zu ihren Gebieten gewähren oder sich mit dem Vorschlag der Deutsch- Surian zur Irieöensftage. Optimistische Auffafiung. Wien, IS. Oktober. Im Ausschutz der ungarischen Delegation für Aeutzeres hielt der Minister des Aeutzeren Graf Burian das an- gekündigte Expose, m dem er u. a. ausführte: Der Friedensschritt der Mittelmächte eröffnet, wie ich mit aufrichtiger Befriedigung feststelle, den Völkern die Aussicht, datz es gelingen werde, in abseh- barer Frist an allen Fronten zur Einstellung der Feindseligkeiten zu gelangen, und in Verhandlungen über den Abschluß eines all- gemeinen, dauernden und gerechten Friedens einzutreten. Di« Ausführungen des Präsidenten Wilson vom 27. September haben den Faden der Friedenserörterungen, der ab- gerissen zu sein schien, wieder aufgenommen. Die öffentlichen Aeutze- rungen des Herrn Wilsons sind bei uns nie ohne Eindruck geblieben und nie prinzipiell abgelehnt worden. Wir bringen mit der in der Rede Wilsons vom 27. September geäußerten Auffassung der gegenwärtigen Weltlage volles Verständnis entgegen. Richtig verstanden und zweckmäßig angewendet werden die von Wilson formulierten Grundsätze, die eine unparteiische Gerechtigkeit verwirklichen sollen, auch wohltätigen Einfluß auf die im Zuge be- sindliche Regelung der inneren Verhältnisse beider Staaten der Monarchie üben. Unser Vertrauen in das Wort de? Herrn PrSfidentea ist so fest, datz wir Kombinationen mit Entschiedenheit ablehnen, welche seinem Vorgehen taktische, der Monarchie schädliche Motive unterschieben wollen. Es ist wohl kein zu weitgehender OptiiniS- nruS, wenn ich annehme, datz wir knapp vor der Einstellung der Feindseligkeiten stehen wird im kurzer Zeit mit den Mächten der Entente in Vorhand- limgen eintreten werden. Was die Zusammensetzung der zu den Fcie- dcnsverhandlungen zu entsendenden Delegationen anbelangt, ist klar, datz dieselbe k e i n e n rein diplomatischen und bureau- kratischen Charakter tragen kann. Zu allen Fragen, die spezielle Kenntnisse voraussetzen, werden Fachmänner heran- gezogen wenden. Empfehlen würde ich weiter die Einsetzung eines aus den gesetzlichen Vertretungskörpern gewählten Beirates zur Ermöglichung eines ständigen Kontaktes mit den Volksvertretungen. Österreicher an daS Deutsche Reich absinden. Diese Alternative klar- zustellen sei besonders nötig, weil das von den Deutschen bewohnte Gebiet keinen zusammenhängenden Landkomplex darstellt, sondern durch tschechische Siedlungen getrennt ist, so datz nicht die Bildung eines, sondern dreier deutsch-österreichischer Nationalstaaten nötig wird: eines innerösterreichischen, nord böhmischen und westschlesischen. Wenn solche oder ähnliche Gedankengänge in der deuffchöster- reichischen sozialdemokratischen Press« ftüher diskutiert wurden, so schienen sie bedeutungslos, weil sich das deutsch-österreichische Bür- gertum nicht um sie kümmert« und in einen stupiden Haß gegen die Arbeiterschaft hineingelebt hatte. Heute steht eS am Grabe seiner Hoffnungen und hat sich in seiner Hilflofigkeit geradezu bedingungS- loS imter die Führung der deuffch-österreichischen Sozialdemokratie gestellt. Die tiefe Wandlung, die Oesterreich-Ungarn erfährt, stellt auch die deutsche Politik vor neue Aufgaben und Zielsetzwnge». Und wenn sie auch im nächsten Augenblick Zurückhaltung üben mutz, so darf sie doch künstige Chancen wicht verscherzen und mögliche An- knüpfungspunkte nicht übersehen. »» Rücktritt �Sekerles. Budapest, 14. Oktober.(Meldung deS Ungar. Korr.-Bur.) Nach BlSttermeldnngen ist in der heutigen Besprechung der Ka- binettsmitglicder das RücktrittSgefnch deS Kabinett? ausgefertigt und unterzeichnet worden.. MinisterprSsident Dr. We- kerle begab sich am Nachmittag«ach Wien, um König Karl das Rücktrittsgesuch deS Kabinetts zu überreichen. Wie verlautet, wurde der frühere Abgcordnetenhauspräsident N a v a y mit der Kabinetts- bildung betraut._ Demonftrationsftreik in warfthau. Weitgehende Forderungen der Linksradikalen. Die von den linken Parteien für den 14. Oktober prokla- mierte eintägige Avbeitsruhe in Warschau ist eingetveten. Ganz Warschau feiert. Die Zeitungen sind nicht erschienen. Geschäfte und Schulen sind geschlossen, der Stratzenbahnverkehr ruht. In der Stadt, welche hier und da polnischen Flaggenschmuck zeigt, herrscht festliches Getriebe, denn um das Hervortreten der Linken zu parieren, sorderlen mehrere Parteien der Rechten, darunter die Nationaldemokraten und christlichen Demokraten durch Auf- rufe auf, den 14. Oktober als nationalen Feiertag zu begehen. Flugblätter der radikalen Parteien stellen die bekannten weitgehenden Forderungen auf, wie sie in den Parteibeschlüssen der letzten Tage bereits zum Ausdruck kamen. Verurteilung finnlnndischcr Sozialisten. Stockholm, Ib. Ok- tober.(Frkf. Ztg.) Gestern wurden 29 an der Revolution beteiligte sozialistische LandtagSabgeordwete im Finnland verurteilt. 20 wurden zu Zuchthausstrafen von 2 Jahren bis auf Lebenszeit und 9 zum Tod« verurteilt. Verschiebung üer nächsten Reichstagssthung Die für heute angesetzte Reichstagssitzung ist vom Prä- sidenten abgesagt worden. Die nächste Sitzung findet wahr- scheinlich am Freitag.__ Die Iraktwn zum Kanzlerbrief. Die sozialdemokratische R e i ch s t a gsfraktion befaßte sich am Dienstag mit der Situation, die durch den Brief des Reichskanzlers an den Prinzen von Hohenlohe geschaffen worden ist. Die Fraktion beschloß gegen wenige Stimmen, daß momentan kein Anlaß dazu vor- liege, eine Kanzlerkrise herbeizuführen.— Zu Rednern für die politische Debatte wurden die Abgeord- netcn E b e r t und N o s k e bestimmt. Die sozialdemokratische iMchsw gsfraktion tritt heute, 10 Uhr vormittags, zu einer Sitzung zusammen. weitere parlamentaristerung. Haufimann, Dr. David, Giesberts, Robert Schmidt, Dr. Aug. Möller. Der„Neichsanzeiger" veröffentlicht die Reihe der neuen Ernennungen, die bereits vor einigen Tagen inoffiziell an- gezeigt wurden. Es sind beauftragt: das Mitglied des Reichstags, Rechtsanwalt H a u ß- mann mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Staatssekretärs; das Mitglied des Reichstags. Schriftsteller Dr. David mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Unt«rstaabssek»etärs im Auswärtigen Amt; daS Mitglied deS Reichstags, ArdettersekretärchnittSverdienst. Bei den 457 Lohnarbeiterinnen beläu't sich der durchichniltliche Stundenlohn auf 0,75 M. Er Beträgt bei den Handarbeiterinnen 0,72 M.. bei den Maschinennäherinnen 0.8« M. durchschnittlich. Bon den Lohn- arbeiterinnen stehen 222 über dem Durchschnitt.— Der Referent schlost seine Ausführungen mit der Bemerkung: Da» find Löhne, die den heutigen Berhältnisien in keiner Weise entsprechen, um so weniger können die Arbeiter und Arbeiterinnen der Militärleder- auSrüstungsbranche mit ibrem Verdienst auskommen, als die Arbeitszeit in vielen Betrie6en wegen Arbeitsmangel unter 53 Stunden in der Woche verkürzt worden ist. Die Lage der Arbeit- nehmer must hiernach als recht ungünstig bezeichnet werden. Hierauf berichtete Schulze über die mit den Fabrikanten am 8. Oktober gepflogenen Verhandlungen über die F.orde« rung aus Erhöhung der Teuerungszulage. Wie der.Vorwärts' in der letzten Sonnabendnummer mitgeteilt bat. sind die Verhandlungen ergebnislos geblieben, weil das Angebot der Unternehmer io gering war. dost es von den Arbeitern nicht angenommen werden konnte. Diese haben fich deshalb an das KriegSamt gewandt. In der Diskussion über den Bericht deS Referenten kam der lebbaiteste Unwille über daS V«l halten der Fabrikanten zum Aus- druck Einige Redner bedauerten, dah die Arbeiter fich durch den Abschluh deS Reichslariss gebunden haben, anstatt die Konjunktur in der ersten Kriegszeil auszunutzen, wie eS die Unternehmer getan haben. Wären die Arbeiter so vorgegangen, dann bätien sie jetzt doppelt so Hobe Löbne wie die zurzeit bestehenden. Nur durch über- lange Arbeitszeit konnten die Arbeiter in den Zelten der besten Konjunktur auskömmliche Verdienste erzielen. Folgende Re'olntlon wurde einstimmig angenommen: .Die am 14. Oktober taaende Versammlung der aus Militär- auSrüstungen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen mmnrl empört Kenninis von der ablehnenden Haltung der Militär- ausrüstungsfabrikanten, eine zeiteniivrechende Erdöhnng der jetzigen Teuerungszulage eintreten zu lassen. Dieie Haltung ist um so unverständlicher, als die Mehrzahl der Fabrikanten�in ihren eigene» Betriebewckforvcm das Verlangen der Arbennehmer als berechtiat anerkannt bat. Die jetzige korporative Weigerung zeigt aufs neue, dost die Vereinigimg Deutscher HeereSausrüstungsfabrikanien. unbeschadet der Lage der Arbeiliiehiner, jeden noch so gerechten Ausgleich Verbinders wenn für sie nicht ein besonderer Extraprofit dabei herauSspringt. Da es nicht Aufgabe der Arbeiterorganisation sein kann, höhere Preise für die Unternehmer von den Behörden zu erwirken, so be- grüsten die Vevfammeiten die Haltung ihrer VeihandlungSiommisfion und eriMtren fich voll«nv ganz damit etnderstimben. Sie erwarten von dem inzwischen zur Bermittlung angerufenen Kriegsamt ein« gerechte Prüfung und«ntipiecheuve Behandlung ihrer einge- reichte» Forderungen.'_ Die Lohnbewegung der Bäcker Berlin?. Die Vevhandlnnge« de» Verbände» der Bäcker und Kontcktoven mit den Arbeitgeberocganisationen haben bi» jetzt den Erfolg ge- habt, dast mit der Brotfabrrkantenvereimynng und mit der Freien Vereinigung der Bäckermsister ein Abkommen zustande gekommen ist. Die Verhandlungen mrt dem Zweckvenband der Bäckerinnungen sind noch nicht abgeschloffem. Nach dem Abkommen mit de» Brotfadrikante« beträgt der Wochenlohn für Gesellen mindestens 84 M., für Hilfs- kräfte, die bei der Herstellung von Backware beschäftigt werden, mindestens 42 ZM. Die Freie Vereinigung der Bäckermeister hat einen Wochenlohn von mindestens 75 M. für Gesellen und mindestens 42 M. für Hilfskräfte bewilligt. Außerdem enthalten die Vereinbarungen mit den beiden ge- namiten Arbeitgeberorganisationen folgeiwe Bestimmungen: Alle Löhne sind sofort um 10 M. für Gesellen und 5 M. für Hitfs- kräfte zu erhöhen. Wenn dadurch die vorstehenden Miitbchtlohrt« nicht erreicht werden, find dies« zu zahlen. Größere und leistungs- fähige Betriebe zahlen höhsre Löhne. Gearbeitet wird mir an den sechs Wochentagen täglich 9 Stunden einschließlich der Paar- sen. Ueberstnnden sind zu vermeiden, wo fie nicht umgangen werden lottnert, find sie den Gesellen mit 1,80 M., den Hilfskräften mit 90 Pf. für die Stumd« zu vergüten. Sonntagsarbeit ist nur in dringenden Notfällen zu leisten xntb wird dann jede an- gefangene Stund« den Gesellen mit 3 den Hilfskrästen mit 1,50 M. vergütet.— Betriebe ohne Gesellen dürfen nicht mehr al» einen Lehrling halben; bevor der zweit« Lehrling ein- gestellt wird, müssen mindestens zwei Gesellen beschäftigt werden. — Das einzusetzende Tarisamt hat einen zentralisierten Arbeits- Nachweis zu schaffen. Einer am DienStagakent» abgehaltenen Bersamorlnng der Bäcker und Konditoren legte H« tz> ch» l d die vorstehenden Per- einbarungen vor und führte au», daß auch die Innungen bereit find, hinsichtlich der Löhne und der ArbettSzeit dieselben Zuge- stänbniffe zu machen, die die Freie Vereinigung gemacht hat, so daß also mich mit den Innungen eine Verembarung zustande kommen wird.— Der Referent betonte, daß die Vereinbarungen hinsichtlich der Sonntagsruhe einen großen Fortschritt bedeuten. Auch die JimungSvertreter sind dem Standpunkt beigetreten, daß die SonntagScrrbeit während der KrieaSzeit zu entbehr«, ist. Aber nach dem Kriege wird die Sonntagsruhe bei einem Teil der Bäcker» Meister auf den alten Widerstand stoßen, der aber von den Arbeit- nehmern mit der größten Entschiedenheit bekämpft werden wird. Di« voll« uneingeschränkte Sonntagsruhe muß endlich eine dau- enrde Einrichtung im Bäcker ge werbe werden. Dem Antrage de» Referenten entsprechend stimmte die Bei- sammlung dem Vereinbarungen zu. Saperisiher Parteitag. München, den 13. Ovover 1V18. Jnuttlten sich überstürzender Ereignisse waren au» allen Teilen des Landes die Vertreter des werktätigen Volkes nach Bayerns Hauptstadt geeilt, um aus dem 11. sozialdemokratischen Parteitag der Volksstimme gebührenden Ausdruck zu verleihen. Am Sonnabend wurde der Tätigveitsdericht de» Lande»vor- stand:» entgegengenommen und der GeschäftSfüh rung einstimmig Entlastung erteilt. Ebenso fand die Neuorganisation der sozial- demokrat!sche.n Partei Bayerns im Sinne des vom Zentralvorstand vorgelegten Entwurf» nach kurzer Debatte mit einigen Aenderungen gegen wenige Stimmen Annahm«. Mit großer Spannung wurde um Sonntag früh allgemetn der Vortrag des Genossen Hermann Müller- Berlin über Roichs- und AuSIcrndSpvlitik erwartet. Genosse Müller verstand e», ein klares und wahrheitsgetreues Bild der inner- und außenpolitischen Verhältnisse zu zeichnen, die zum Weltkrieg und schließlich zu der heutigen nnergwicklichen Lage für Deutschland führten. Mit schar- fen Worten wandte sich der Redner gegen die Kriegshetzer und Kriegsver längerer, deren unverantwortliche Treibereien für das deutsche Volk von so verhängnisvoller Wirkung waren. Der Ver- treter des werktätigen Volkes wurde hier zum unerbittlichen An- .klägcr der verantwortlichen und verantwortungslosen Persönlichkeiten im Reiche, deren Schuld heut« unwiderleglich feststeht. DaS Volk aber wird von den Schuldigen, die die Verantwortung für die Millionenopfer an Gut und Blut trifft, Rechenschaft verlangen. Der wiederholt« l-dhafde Beifall, der die trefflichen Ausführungen deS Redners begleitete, steigerte fich zu stürmischer Zustimmung, als Genosse Müller mit den, Satze schloß: All« Ursache haben wir, mit aller Kraft des Herzen» unser Glaubensbekenntnis abzulegen für den Völkerbund, der ein Wegbereiter setz, wird der inter- nationalen Sozialdemokratie. Die hierauf angenommen« Entschließung, der«, Wortlaut der .Vorwärts'' bereits gestern mitteilte, fand einstimmig« Annahm«. Am Nachmittag erstatteten die Genossen S e g i tz- Nürnberg «nd Timm- München Bericht über die nächsten politischen und wirtschaftlichen Aufgaben in Bayern. Wählend Segitz im politischen Teil Bayerns Verfassung und Verwaltung einer nnvarm herzigen Kritik unterzog, behandelte Timm den Wirtschaft- lichen Teil, wie Demobilisierung, Arbeitslosenfür- sorge und Arbeiterfragen, Wohnungsfürsorge und Volksernährung mtt sick�rer Sachkenntnis und Gründlichkeit. Der Parteitag folgte den beiden Rednern mit interessierter Aufmerksamkeit und gab seinem Einverständnis durch wiederholte Zu- stimmung? kundgedungen beredten Ausdruck Der einmütige Wille de» Parteitags gab fich kund durch An- nähme von zwei Entschließungen, die in folgenden Forderungen gipfeln: I. Damit ein neue» Bayern ohne katastrophal sich auswirkende Krisen erstehen kann, müssen alle in der rückständigen bayerischen Verfassung und Venvaltung liegendem Hindernisse beseitigt werden. Daher muh mit dem mittelalterlichen Ständewesen, das noch in der Reichsratskammer«in längst überlebtes Dasein fristet, vollständig aufgeräumt werden. Mit ihm sind alle Vorrechte der Geburt und des Stande» zu beseitigen und das Fideikommißwesen aufzulösen. In den Verfassnngs- und Verwaltunas Verhältnissen Bayerns müssen d:e neu gewordenen Machtverhältnisse zur Geltung kommen. Zu diesem Zwecke ist die Einführung des ProportionolwahlrechtS für alle volljährigen bayerischen Staatsangebörigen eine Notwendigkeit geworden. Die durch das Proportioimlwahlrecht vom Volke ge- wählte Kammermebrheit hat das derantwortlichc Ministerium zusammenzusetzen und den RegrerungskurS zu bestimmen. In die Hände der Kammer wird die Wahl der Bundesratsmitglieder ge- legt, die auch von ihr mit Instruktionen versehen werden. Mit der Verfassung zugleich ist die B.rwaldung freiheitlich auszugestalten und zu vereinfachen. Ms Grundlage für die Wahlen zu allen öffentlichen Körperschaften dien: das Proportionalwahlrecht des Landtag?. Die Aufgaben der Selbstverwaltung der Gemeinden, Distrikte und Kreise sind zu vertiefen. Der Erwerb des Bürger- rechts darf an keine G.tmhr geknüpft werden. Ein freies Bayern muß die vollständige Gewissen?-, Religions- und Kulturfreiheit ver- wirklichen. Der in der vorgeschlagenen Weise demokratisierte und in seinen sozialen und kulturellen Funktionen erweiterte Staat wird auf allen Gebieten, besonders auf dem der Lebensmittelfürsorge, der Produktion und Verteilung der Bedarfsartikel, höhere Leistun- gen vollbringen als der bisherige engherzige Klassenstaat. Er ist imstande, alle Schaffenden, die werktätige städtische und bäuer- liche Bevölkerung, im Interesse der Gemeinschaft wirksam zu för- dem. Er kann eine Produktionspolitik großen StilS treiben und in ungeahnter Weise die Produktivkräfte Bayerns erschließen. Der Parteitag der Sozialdemokratie Bayerns erstrebt deshalb die Ver- wirklichnng der per vorgeschlagenen Staat»- und Vsrwaktetgi» reformen als einen wichtigen Schritt zu einer freiheitlichen demokratischen Umgestalttm« u,«d zur sozialen und kulturellen Hebung . j 1|T... O Ztxryerns« IL Der Parteitag der bayerischen Sozialdemokratie fordert von Reich, Staat und Gemeinden, daß sie alle» aufbieten, damit mög- lichst systematisch ein« reibungslose Ueberleitung der heutigen Kriegswirtschaft in die Friedenswirtschaft erfolgt. Der Rüstungsindustrie muß die Verpflichtung auferlegt werden, durch weitgehendste Verkürzung der Arbeitszeit die Umstellung ihrer Betriebe in die Friedenswirtschzft unter möglichster Beibehaltung ihrer bis- herigen Arbeiter zu vollziehen. Das Reich hat die Verpflichtung, durch finanzielle Beihilfen den Uebergang der Rüstungsindustrie zur Friedenswirtschaft planmäßig zu unterstützen und damit katr- strophale Wirkungen einer plötzlichen großen Arbeitslosigkeit zu verhindern. Reich. Staat und Gemeinden haben weiter unver- züglich ausreichende Beschäftigungsmöglichkeit nach eintretendem Friedensschluß vorzubereiten und die hierfür notwendigen Mittel bereitzustellen. Zur Milderung der nach dem Kriege einsetzenden und in der ersten Zeit sehr umfangreichen Ar- beffSIofigkeit tft schnellstens eine ausreichende Erwerbslosenunterstützung auf breiter Grundlage zu organisieren und hierfür entsprechende Mittel bereitzustellen. Der Parteitag erwartet, daß das neue Reichsarbeitsamt in großzügiger Weife unter Mitwirkung der Gewerkschaften und in Verbindung mit den Bundesstaaten alle» unternimmt, um die Interessen der arbeitenden Bevölkerung zu fördern. Bei dem eintretenden Waffenstillstand find sofort d,« mi- litärischen Vauverbot« aufzuheben, damit der Kleinwohnung s. bau umfangreich und schnellstens einsetzen kann. Um dies zu er- möglichen, muß das Reich endlich große Mittel sofort bereitstellen zur Vergütung deS verlorenen Mehraufwandes der Baukosten. Die bayerisch« StatSregierung und die Gemeinden müssen deshalb so- fort ausreichende Mittel giewähren unter späterer Verrech mng mit dem Reiche, damit die Bautätigkeit endlich beginnen kann. Di« Vollsernährirng wirb besonders in der Uebergangswirtscbaft unter großen Schwierigkeiten zu leiden haben. Di« Erhaltung der Volksgesundheit»erlangt aber, daß mtt den bisherigen Fehlern der Er- nährungswirtschaft gründlich gebrochen wird. Für die notwendig- sten Lebensmittel wie Brot, Kartoffeln, Fleisch. Fett. Eier, Käse usw. müssen die Rationen erhöht werden. Der Landwirtschaft müssen so bald als möglich die nötigen Arbeitskräfte, ferner Ge- spanne, Maschinen, Geräte, Futtermittel und Kunstdünger zur Ver- Nigung gestellt werden. Diese Begünstigungen müssen dazu dienen, die Presse der Agrarpcodukte zu senken. Der Parteitag ist sich voll der großen Aufgaben zum Aufbau einer neuen Kultur sowie der Widerstände, die der grundsätzlichen Umgestaltung des Staates an Haupt und Gliedern zu einer demokratischen, freien genossenschaftlichen Gesellschaft entgegenstehen, wohl bewußt. Vertrauend auf die Kraft unseres Volkes, erwächst der Sozialdemokratie die Pflicht, geschlossen zusammenzustehen, um durch die wirtschaftliche und politische Macht der organisierten Arbett von unten herauf die kulturwidrige kapttalistische Herrschast zu beseitigen. ?nöustrie unö kanSel. Polen im fünften Kriegsjahr. Im„Deutschen Außenhandel', dem Organ de? HandelSdertrags- Vereins, schreibt dessen Vertrauensmann für Polen, Robert Eku- tezky, Warschau: Palen hat sich in den KvieySjcchren stark verändert: Die In- d u st r i e ist zusammengebrochen und die wenigsten Betriebe sind in Gang. Der Handel hat fich größtenteils durch Leute voll- zogen, � dae vor dem Kriege dem angesehenen KanfmannSftande nie angehört haben. Der Kapitalbesitz hat sich stark verschoben: Viele Großkapitaliften sind durch Reguifttionen, Betriebs sttll stand bei jahrelang ausgeübter Arbeiter-Nnterstühung, serner durch Miete- Verluste, wie auch durch Nichteinbringeu ihrer Außenstände in Ruh- land kapiialschwach geworden. Umgekehrt haben viel« Tausende in Lodz und Warschau, die vor dem Krieg« nur einen Wochenverdienst von 25— 30 Rubel hatten, im Krieg«, hauptsächlich in den Jahren 1913/1917, größere Vermögen erworben. Da aber der Krieg immer länger dauerte und nur wenige dieser Kaufleute auch 1918 noch größere Summen verdienten, so besitzen auch diese Kriegsgewinnler. die müllerweile große Anschaffungen machten und viel Geld aus- gaben, heute meist nur noch einen Test ihres gewonnenen Vermö- gens. Die Hausbesitzer in den größeren Städten Polens sind dank dem Wertzuwachse ihrer Immobilien gut daran, obgleich fie die Mieten nicht besonders erhöhen konnten. Viele haben auch den jetzigen niedrigen RubclkurS benützt, um ihre Hypothekeujchulden zurückzuzohleu, da Rubel ja von den Schuldnern angenommen wer- den müssen. Die Vorgänge� in der Landwirtschaft Polen» sind ge- nügend bekannt: Si« hat sowohl kulturell wie finanziell durch den Krieg gewonnen. Aus dem bedürfnislosen, verarmten polnischem Bauer ist ein.Kulturmensch' geworden. Hier hat besonders die deutsche Besetzung des Landes stark aufklärend und belehrend ge- wirkt. Die hervorragenden Preise für Vieh und Ackerprodukte haben, wie überall, auch in Polen dem Bauer ein« neue finanzielle Grundlage gegeben. Schwere» Gest» haben auch die Wald- besitze? verdient, wie überhaupt alle, die mit der Holzindustrie zu tun hatten._ Soziales. Aus der Alkoholgeffnerbewesiung. Im Festsaal des Preußischen Abgeordnetenhauses tagte vom 30. September bis 3. Oktober der 9. deutsche Abstinententag. Heber Forderungen für die GaftwirtschaftSgesetzgebung und die Gasthaus- reform sprachen die Schriftleiter F. Gocsch-Hamburg und Reichs- tagSabgeordneter G. Davidsohn-Berlin. Die Forderungen umfaßten tt. a. ein Einspruchsrecht der Einwohnerschaft bei der Er- teiluug und Erneuerung von Schankerlaubnis. Ausschaltung deS Privatinteresses beim Alkoholverkauf, Sammlung der für den Alkohol geltenden Bestimmungen in einem Alkoholgesetz. Die Jugendarbeit der Alkoholgegner in Aufklärung und Organisation behandelten Pfarrer I. Zauleck-Bochum, Studienrat Dr. C. Neu- mann-Neisse und Fräulein H. Lohmann-Bielefeld. Heber die Eingliederung der EnthaltsamkciitSbeweaung in die allgemeinen Be- wegungen der Polkswohlfahrt und Volkserziehung, namentlich der Bevölkerungspolitik, sprachen Pater Präs. F. Syring-Heidbausem und Frau Job. Friese-Schmidt-Sähwerin. Die Erörterung der Frag« der Aufgaben der im deutschen Zentralverbande zur Bekämpfung des Alkoholismuö organisierten Vereinigungen erfolgt« auf Grund eines Vortrages des Dr. R. Burckbardt-Berlin im Sinne der Be- grüßung des Geb. Konsistorialrats UnioersitätSvrofessorS D. Mab- fing, der die nationale, soziale und ideale Ricktumg der Bewegung hcrvorhöb. die zielbewußt unser deutsches Volk innerlich frei und froh machen will. Erster Vorsitzender des Zentralverbandes zur Bekämpfung des Alkoholismus wurde Prof. Dr. Delbrück-Bremen, zweitHc Dr. Burckhardt- Berlin. Geschäftsführer F. Goesch-Hambuvg. Zrauen-�eseabenSe. xichterselde. DonneiStag, den 17. Ottober, abends 8ssz Nhr. bei Trägirt. Hmdenburadamm 45, Fort'etznna des Vortrages: Die ro!e Feldpost. Ernstes und Heiteres aus der Zeit des Ausnahmegesetzes. Re'eunt: Genosse Pick., verantwortliiS für volitiki Sttch»»tNicr. Berlin: für den Sdrigen Teil de» BlotleZ: Alfred Gcholi. NeuWNn: für Anzeigen tTdrodo» Ötotfe. Berlin. BetlflflJ VorwärtS-Verlag W. IN b. H., Berlin. Druck: BorwärtS-Buiddruckeret und Lerlagsanftoit Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenstraße 3. Hinz« 1 BiLage und Unterhat tnsgsdlatt.