Ur. 393. 3?. Jahrg. Bezugspreis: L>er:eI?ahri.ü.40MI�»«niUI iFVMt. frei inj Hau», vorauszahlbar Stnz.In« Rummern 10 Vlenntk. Pollbriug: !vional»ch.vom polllchalter abzuholen IM. vom Ärlelrrtjzer in» Hau» ge. bracht l.S« Wb lliuei Krouzvano tir Deurtchtard unb Oeslerreich- Ungarn 4,— Ml. lbr oaS abrlge Uuöianb 5,50 üit Monat ich.« erlaub IN» gelb del dlrelter Seltellunamonaii 2— Mb Bostbeltellungen nehmen an Dbne- muri. Hollanb. Luremburg. Gchweden UN» die Schweiz lerngetrogen m du »o'I-?,elluna«--Lr»i»nsl». «krlcheiui täaltch. r»I»«ramm. Ubreff« .Sozialdemokrat Berlt»". (l0p»«nn»o) AuzetgenpretS: DieftebengesballeneKolonelzeilekollet ho Piz..Klein» aiitztir.eu", da» settgedrullle Wort 3U �tg.(zuinli'uj S seiizedrulli« öotle). jede« weitete Wort 15 Psg. Tiellengeluch» und Schtassiellenanzeioen da« eine Karl 20 H,».. ,ede« welle liei» a»tl 10 Pia. Vevlinev Volksblerkk. Tsntralorgan äer fosialclemokratifcken Partei Vsutfcklanäs. »ewerllchoiUtch» Herein«- itnzeiaen 10 Ps» die Zeil». Slnzeigen liir die Ntichiie Nummer mkisen vi« S Uh». nacknitUaa« im vaublieschSil«c-.'m 68 BS, vindenitrail« S.»b teoeben «erden. lAedlsnet von»Uhi jrvh dt« 1 Uhr abend«. Neüakttsn: SW. HS, Lwüenstraße Z. sternivrecher i«mr Morittpla». 9lt. 161 90— lül«7. Donnerstag, den 24. Oktober 1918. Expeüttion; SV. HS» Onöenstraße z.. Hernsprrcl»««:«oer Morittvla«.?tr. ISISO— llil S?. Neue Anstürme im Helten gescheitert. SeutschlanSs Ranövölker. In der gesirigen Rlnchstagssitzimg haben Elsasser, Polen und Tänrn daS S e l b st b e st i m m u n g S r e ch t für sich geltend gemacht. Das macht auch für imS notwendig, über diese Fragen offen zu reden. Die Sozialdemokratie hat im Kriege niemals das richtige Mittel erblickt. Auseinandersetzungen zwischen den Völkern in gerechter Weise ouSzutragen, weil in ihm nicht das wirklich« Recht, sondern daS log.„Recht dcS Stärkeren" siegt. Würde aber dieser Krieg wirklich als erster in der Welt mit einem Wabren Rechtsfrieden enden, so könnte nur daS SelbstbesumimingSrecht aller Völker, doS heißt selbstverständ- lief) auch das des deutschen Volkes, den leitenden Grundsatz für ifm abgeben Werden die Türen des Reichs für die airfgetcm, die hinaus wollen, so müssen sie auch denen offenstehen, die hinein streben. Dabei wird sich eine vollkommen gerechte Lösung nicht finden lassen. Sie kann nur gesunden werden in der Demo» , kratie, d. h. in der Freiheit der sprachlichen Min- derheiten und indem freien Wirtschaftsver» kehr zwischen den einzelnen Ländern. Ungern werden wir die scheiden sehen, die keine staatliche Gemeinschaft mit uns mehr haben wollen, weil sie noch immer das Deutschland des alten prenßisckien Snstems Nor Augen haben, das uns die Sympathien der Völker entfremdet hat. Allen, die bei uns bleiben oder zu imS kommen, eine freie wohnliche Wohnstatt zu bereiten, bleibt das Kiel der deutschen Sozialdemokratie. Das Echo der deutschen Antwort. Der Eindruck in Washington. A m st e r d a in, 23. Oktober. Reuter meldet von gestern aus Washington: Der offizielle Text der deutschen Note ist heute morgen ans der schPcizerischen Gesandtschaft empfangen worden. Eine ofsi�icllc Mitteilung über die Antwort an Teutschland ist augenscheinlich„och nicht erfolgt. Die n i ch t o f f i z i e 1 1 e n Erklärungen sind sich, was die Hauptvunftc anbetrifft, eiznig darüber, daß ein sofortiger Frieden noch nicht zu erwarten ist und das; kein W a s f e» st i l l- stand zustande kommen werde, es sei denn unter Bedingungen, die den deutschen Militarismus für immer vernichte». Die all- gemeine Ansicht der Kongreßmitglieder, einschlienlich der Rcpu» blikaner geht dahin, die Unterhandlungen mit Teutschland zu beendigen. Das Koniiter für auswärtige Angelegenheiten im Senat wünscht, das; die Note dem Urteil der Entente unterworfen werden solle, bevor Wilson siebe. a» t>v o r t e t. Der Eindruck in England. London, 22. Oktober. lReutcr.) I« matzgebenden Kreise« wird die deutsche Antwort als„nicht grschöstlicher, sondern als rein argumentierender Borschlag" betrachtet. Der in Regierung»,, diplo- mntischrn»od politische» Kreisen z» der AnNport eingenommene Etanopunkt ist der, datzeSkeineAntwort, sondern a« r« i»» Artvon Rederet sei, dazu bestimmt, das gehle» einer Antwort zu verdecken. Tie Regierung Hirt die AnNvort im e i», e l. ne» noch nicht erwöge», obwohl der Premiermi»ister und seine Amtsgenossen heute längere Beratuttgea abhielten. Nack dem.Nieuwen Rotterdamsche Courant" vom Dienstag schreibt her ParlameirtSkorvespondent de».Darly Sh-uwirie": Dir neue deutsche Antwort bildete gestern abend im den Wandelgängen dcS Parlaments den Hauptgesprächsstoff. Tie Konservative» und die meisten Liberalen betrachten si« mit Argwohn, als einen Versuch, zwischen Amerika und der Enteivte Zwietracht zu säen. Der neue Befehl, wodurch den U-Booten verboren wird, Passagietr schifft zu torpedieren, wuirde als«tn Wilson listig hinge- 0 halte ner Köder betrachret. Tiiriige radikale und Arbeiter- Abgeordnete waren der Meinung, daß die n e u e N o t e gegen» über den früheren Schritten einen großen Fortschritt dar. stellt. Steht öieTüekei in Friedensverhandlungen? Konstantinopcl, 20. Oktober.(Meldung der Agentur Milli.) Der Minister des Aeußern erklärt, daß die von einigen Blät- tern gebrachte Meldung, wonach der Mali von Smyrna, Rahini Bei, mit der Führung von Friedensverhandlungen be» traut worden sei, der Wahrheit zuwiderlaufe und entschieden in Abrede gestellt werden müsse. Schon einmal war der Mali von Smyrna als der Mann bezeichnet worden, von dem aus Fäden zur Entente laufen. Da? jetzige Dementi kann natürlich die Vermutung überhaupt nicht aus der Welt schaffen, daß zwischen der Türkei und der Entente zurzeit diplomatische Berührungen schweben, die auf einen Ab- bau de§ Kriegszustandes abzielen. Nicht nur die Lage, auch daS Ausbleiben hinreichend aufklärender Nachrichten inmitten der Spannung näbrt solche Vermutungen. Nach Ansicht der»Iswestja", die immerhin von den Vor- Kämpfe an Lys und Schelde— Räumung des Brülkentopfes an Serre und Sonche — Steigerung der Kämpfe bei Vouziers und Olizy. Serli». 23. Oktober 1918, a be n b». Amtlich. Teilkämpfe in Flandern. Beiderseits von T o l e S m e S«nd Le Enten« haben wir erneut Turchbrnchsversuch der Eng- länder vereitelt. Die heftigen Kämpfe fanden in der Linie St. Martin— Neuville— Bonstes—Ors— Eatillon ihren Älbfchluft. Auf nördlichem Serre- Ufer beiderseits Vouziers und westlich von Grandprs sind Angriffe der Franzosen, auf beide« Maasufer» sehr heftige Angriffe der Amerikaner gescheitert. Amtlich. Großes Hauptquartier, de»S3. Ol- tober 1918. Westlicher KriegSfchanvlosi. Heeresgruppe Kronprinz Rupprech«. Di» Kämpf« i» der LqS-Rirberung dauern an. Heftige Angriffe de» Gegners beiderseits»oa D« i» z e. Nörd- lich der Stadt wurden sie abgewiesen, südlich der Stadt nach an- fängliche« Geländegrwiun durch Gegenstoß westlich der Straße Tclnze— O'ftnr zu» Stehen gebrocht. Ocstlich von Kartrik wurden wir vom Mestrande von Sichte auf de» Ostrand zurück- gedrückt. Beiderseits deS Orte« find starke feindlich« Angrff« gescheitert. In erbitterte« Kamps wurden die Höhen bei Sri, b e r g vom schlrsischen Reserve-Jnfouterie-Regimeut Rr 10 «urer seinem Kommandeue, Major Grünner. gegen»trrfachon Apstur« des Gegner« gehalten. Teilkämpf« in der T ch e l d e- Niederung beiderseits von Tournai und SalencienneS. peereSgruppe Deutscher Kronprinz. Südlich von Marl« räumten wir de« vorübergehend vcr- teidigten Brückenkops an der Serre nvd Souche und nahnieu unsere Linien hinter die Vach-Abschnitte zurück. An der AiSne wiesen wir heftige Angriffe des Gegners beiderseits von R a n t e u i l ad. Ä»f östlichem Aisne-Ufer beiderseits von Vouziers und östlich von Olizy haben die Kämpfe größeren Umfang angr« nommen. Unter stärtfte« Artillerieeiusaq griff der Feind am frühen Morgen zwischen Terro« und Falaise sowie zwischen Olizy und Beaurrpaire an. Aus den Höhen niest- lich von B a l l o Y konnte der Angriff erwaS Boden gewinnen. An der übrige« yront ist er vor unseren Linien gescheitert. Auch am Nachmittag» brach drr Feind nach erneuter stärkst»? Artillerievorbereitung zum Angriff vor. DaS 1. bayerische In- santerie-Regiment unter Führung seine« Kommandeurs, Major Schmidtler. hat i» zäher Verteidigung die Höhe östlich von C beste« s gegen mehrfachen Ansturm überlegenen Gegner««e- halten. Auch auf der übrigen Front wurde der Feind unter schwere« Berlnste» für ihn abgewiesen. Heeresgruppe Gollwitz. Zwischen Argounen und Maas»nd zwischen Mr. a» nnd Mosel reg» nächtliche Feu ertStigkeit. Telltämps« westlich der WaaS und westlich der Mosel ahne besondere« Kr« gebnis._ Leutnant Bnechuer errang frlur« 40. Luftfi«� Tee Erst» Graeralquartlerm eiste». Lndenbarff. Eer öfterreichifche Bericht. wie«, 23. Oktober. Amtlich wird verlauttart: Italienischer Kriegsschauplatz. Allgemeine feindliche Artillerie- und FliegertStigkest a» de» ganzen Front. Balkan-Kriegsschanplatz. Unsere albanische« Kampfttuppr« nähern sich der«oute- «egriaisch-albanischen Grenze. An der westlichen Morawa und nördlich von K r« s e« a c dauern die Nachhutlämpfe an. Ei» feindlicher UebergangSversuch bei S r a j»» a wurde vereitelt. Der Chef de» Geaeralstabe». gängen hinter den Kulissen unterrichtet sein kann, spielt Baku zurzeit nicht bloß in dem Verhältnis zwischen Türkei und Sowjetrußland eine Rolle. DaS Sowjetblatt deutet an, es habe Grund, anzunehmen, daß die Türkei bereft sei, B a k u d e n Engländern zu überlassen. die Rückschaffung der deportierten öelgier. Bern, 22. Oktober.„Offervatore Romano" teilt mit. Kardinal Mercier habe von Deutschland die Mit- teilung erhalten, daß mit der Rückschaffung der deportierten Belgier demnächst begonnen werden soll.„Eorriere d'Jtali»" verweist aus die moralische Bedeutung des Um- standes, daß Belgien durch seineu Kardinal diese Nachricht erhalte. Deutschlanö unö Gesterreich' Ungarn. Das alte Oesierreick-Ungarn ist verschwunden. Das kaiser- liche Manifest vom 18. Oktober und die Erklärung der vollen und uneingeschränkten Unabhängigkeit Ungarns haben eS sicherlich bestätigt. Die österreichische Regierung ist in ihrer RcgienmgSgewalt arg beschränkt. Alle Nationen haben das kaiserliche Manifest schroff abgelehnt und damit ihrer Autorität einen derben Stoß gegeben. An Stelle der von der Krone vorgeschlagenen Ordnung gehen die Völker ihre Sonderwege und setzen sich kraft ihres souveränen Willens eigenes neues Recht. Die Tschechen lehnen jede Verhandlung mit der Wiener Regierung ab. die für sie überhaupt keine Existenzberechtigung mehr Hai. Die Deutschösterreicher haben beschlossen, ihre Konstituierung, als selbständigen Staat der öfter- r e i ch i s ch e n und der ungarischen Regierung, den öfter- reichlichen Völkern und dem Ausland, besonders dem Präsidenten Wilson zu notifizieren. Damit setzt die staatStreuestc Nation, die das Rückgrat Oesterreichs in dem Weltkriege war, die österreichische Regierung sozusagen ab und beansprucht völkerrechtliche Anerkennung. „n..Die.öst-xretchische Regierung kann die einwchste�Wktian der Staatsgewalt nur mit Mühe erfüllen: das Leben her Bürger zu sichern. Knapp nach der neuen Ernte droht eme Ernährungekrise, viel schärfer als eine der bisher überstandenen. Die Ungarn haben ihre Lieserungen ein- gestellt. Die tschechischen Bauern führen kein Getreide an die Prager Filiale der KrtegsgctreidcverkehrSgesellschaft ab und die tschechischen Eisenbahner verhindern, um den Punkt auf das i zuzusetzen, den Abtransport von Lebensmitteln aus Böhmen. Auch die ungarische Negierung. die wegen der geringeren sozialen Differenzierung und wegen der noch nicht'zu vollem nationalen Bewußtsein entwickelten»unterdrückten Nationali- täten' etwaS fester im Sattel sitzt, stößt auf passive Resistenz oder offene Auflehnung. Der BanuS(Statthalter) von Kroatien, der selbst Kroate ist, hat auf die Aufforderung der Pestcr Regierung zur Berichterstattung geantwortet, er tzrüsse jetzt in A g r a m bleiben, wo er nötiger gebraucht werde. So kraß diese AuflösungLerschctnungen sind, so ist noch nicht unbedingt gesagt, daß Oesterreich balkanisiert wird, t�ill sagen, in eine Vielzahl kleiner, von einander unabhängiger Staaten zerfällt. DaS ist wobl möglich. Sicher ist, daß, wenn Oesterreich-Ungarn in seinem' Kern erhalten bleibt, dieses nur auf völlig geänderter Grundlage geschieht. In dieser Richtung wirken, so stark auch die zentrifugalen Kräfte sind, viele Gegenströmungen. Vor allem leiden alle Nationen des viel- sprachigen Reiches unter der Aufhebung einer übetkommenen und eingewurzelten WlrtschaftSgemelnschaft, deren sie ihren bisherigen Wohlstand verdanken. Daß fast das ganze Reich zur Donau gravitiert, ist eine geographisch-polittsche Tatsache ersten Ranges, die sich notwendig auch weiterhin auswirken muß. gn der Entente fehlt es nicht an Stimmen, die die Erhaltung esterreichs der Vereinigung der zehn Millionen Deutsch- österreicher mit dem Deutsche» Reich vorziehen. Endlich läßt die Dynastie ihren ganzen Einfluß in katholischen und legitimistischcn Kreisen auch der feindlichen Länder spielen, um gut Wetter ,u machen. Die Habsburger haben seit Metternich in Oesterreich keinen Staatsmann großen Stils gc- habt. Metternich hatte noch eine Idee, wenn auch eine Idee, an die er schließlich selbst nicht mehr glaubte. Seither ivar das Fortfretten und Fortwursteln von einem Tage zum an- dem erklärte Regierungsmaxiine. Aber gerade die Misere dieser Politik hat die österreichischen Gewalthaber gelehrt. daß eS oft klug ist, Krisen zu überstehen, wie der Wanderer in den einsamen Prainen exotischer Länder, der sich vor dem daherscgenden Wirbelsturm glatt auf den Bauch legt. Gleichgültig wie sich die Formen des staatlichen LebenS der österreichischen und ungarischen Völker gestalten— für macht politische Zwecke ist Oestcrreich-Ungarn in Zu- kunft kein Bundesgenosse mehr. Selbst wenn es alS Staatenbund oder gar Bundesstaat erhalten bleibt, werden sich die Interessen und Sympathien seiner Völker so voll- kommen die Wage halten, daß eine einseitige außenpolitische Orientierung unmöglich wird. Es wird schon genug sein, wenn eS nicht im ententistischen Fahrwasser segelt. Eine solche radikale Schwenkung ist nicht unmöglich. In Ungarn und vielleicht auch in manchen Hofkreisen ist die Bereitschaft groß, auf diese Weift eine wohlwollende Behandlung zu erwirken. Die deutsche Politik muß den neuen Zustanden Rechnung tragen. DaS deutsch- ö st e r e i ch t s ch» ungarische Bündnis gehört in seiner alten, noch formell bestehenden Form der V c r g a n g c n h e i t an. ES setzte die dualistische Verfassung Oesterreich-UngarnS voraus, basierte auf der Vor- Herrschaft der Deutschen in Oesterreich, der Magvave» in Ua-, garn und flelTte ftdi da unk aukomaKsch Jen TmanzkplMon?- bestrebungLN der slawischen Völler entgegen, die die Mehrzahl der Bewohner der Donaumonarchie ausmachen. Heute, da diese Völler ententistisch orientiert sind und ihre Politik Erfolg gehabt hat, kann die deutsch� Politik nicht in kühnem Sprung ein freundschaftliches und� intimes Verhältnis suchen. Aber die Leidenschaft dieses Krieges wird ab- flauen, die unverrückbaren großen gemeinsamen Interessen der Deutschen und Westslawen, die sich unter deutschen? Kul- tureinfluß so erstaunlich schnell zu voller Selbständigkeit ent- wickelt haben, werden wieder offenbar werden und durch die überzeugende Kraft ihier Tatsächlichkeit ein besseres, der- trauensvolleres Verhältnis begründen. Nun noch ein Wort den Deutschösterreichern! Auf diesen Blättern ist stets der Gedanke vertreten worden, daß die Deutschösterreicher nicht ihre nationale Aufgabe für das Ge- famtdeutschtum erfüllen, wenn sie ein Damm gegen die Slawen sind, sondern nur, wenn sie die Brücke des Verständ- nisses und der Freundschaft zu ihnen bilden. Heute aber sind sie in Gefahr, von dem entfesselten slawischen Chauvinismus durch dieDrohungmitdemHunger ihres nationalen Sclbstbestimniungsrechts beraubt zu werden. In dieser kriti- schen Stunde erwarten wir, daß ihnen in Deutschland keine irgend mögliche Hilfe versagt wird, wepn sie um Unter- stützung ersuchen. Zurückziehung von Zronttruppen verlangt! Tie Tschechen und Südslaw'en haben in einer Anfrage im Abgeordneknhause die Verlegung der südslawischen, tschecho- slowakischen und polnischen Regimenter in ihre Heimat und die Abberufung der österreichisch- ungarischen Divisionen von der West- front verlangt. In dem ungarischen Abgeordnetenhause hat Graf K aro I h i dasselbe Verlangen gestellt und den sofortigen Abschluß eines Sonderfriedens gefordert. Der Ministerpräsident Dr. W e k e r l e erwiderte: Ungarn könne abgesondert von Deutschland keinen Frieden schließen, nicht bloß aus Gründen der Bundestreue, sondern weil auch deutsche Soldaten an ungarischen Fronten helfen. (Zwischenruf: Wo kämpfen sie? Der Ministerpräsident: An allen jenen gefährdeten Stellen, wo sie die Unversehrtheit unserer Grenzen zu schuhen haben.) Die Regierung ist auch bestrebt, ungarische Regimenter nach Hause zu bringen, und hat bereits ent- sprechende Maßregeln ergriffen. Der Ministerpräsident erklärte, er sei bereit, bezüglich der Verlegung deutscher Truppen vertrauliche Aufklärungen einem zu wählenden Ausschuß zu geben. Vor der Oeffentlichkeit wünsche er sich jedoch nicht zu äußern. WaZ den Friedensschluß betrifft, so hat die Antwort Wilsons nur heraus- gerissene Fragen behandelt und nicht die eigentliche Waffenstill- standsfrage. Die Regierung kennt keine tschecho- slowakische kriegführende Partei, sie erkennt auch nicht die tschechoflowakische Vereinigung an. /. Hegen öen tsthechiftfyen Imperialismus. Wien, 23. Okiober.(©ig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Die nationale Teilung Oesterreichs vollzieht sich automatisch Im ganzen Staat treffen nicht nur die Tschechen, sondern auch die Deutschen alle Vorbereitungen, um sich als Nation zu konstituieren. Große Schmie- rifffeitan entstehen dadurch, daß die Tschechen zwar das Selbst- bestimmungsrecht für sich verlangen und auf dieser Grund- läge auch die ungarische Slowakei für sich fordern, aber anderer- seits am Sonntag in Prag beschlossen haben, aus Grund des histo- ri schen Rechtes an der Unteilbarkeit und Festigkeit in Böhmen als» auch Dentsch-Böhmeu ihrem Staatj�inzuverieibair Deutsch-Böhmen ist aber entschlossen, diese imperialistische Annexion abzuwehren. Heute fand eine Zusammenkunft der decitsch-böhmischen Reichs- vatsabgeordneten statt, auf der selbstverständlich auch unsere Ge- noffen auf Grund vielfacher Parteibeschlüsse, so noch des vorjährigen fudetenländischen Arbeftertages, jede Fremdherrschaft eine? anderen Volkes ablehnen. Die Sozialdemokraten vertraten in der Beratung den Stand- Punkt, daß Deutsch-Böhmen ein untrennbarer Bestandteil Deutsch- Oesterreich sei. Si-o anerkennen das Recht deZ tschechischen Volkes, innerhalb seiner nationalen Grenzen einen unabhängigen Staat zu bilden, verwahren sich aber entschieden gegen die Absicht, einen Teil oder gar ganz Deutsch-Whmen dem tschechischen Staate ein- zuverleiben,©twaigensalls müsse der deutsche Charakter Deutsch- Böhmens durch eine Vo l k s a b st i'm m u n g klargelegt werden, welche beweisen würde, daß weite Gebiete von einer überwiegend deutschen Bevölkerung bcwohnt sind. Schließlich liefern diesen Be- weis ja auch die Reichstagswahlen. Vergilbte Pergamente können das lebendige Recht des deutschen Volkes nicht aufheben. Durch die Einverleibung Deutsch-Böhmens würde ein naturwidriger Staat entstehen, dessen Fesseln über kurz oder lang gesprengt würden. Der Friede Europas würde dauernd gefährdet sein. Darum verlangen sie die Bildung eines provisorischen Landtags Deutsch-BöhmenS bis zur Wahl eines konstituierenden Landtags. Ebenso verlangen sie die Wahl eines provisorischen LandcsausschnsseS, der die Verwal- tung Deutsch-Böhmens übernehmen und mit dem tschechischen Volke über die Grenzen und den gegenseitigen Schutz der nationalen, Minderheiten verhandeln soll./ Der Kampf öee öfterreichischen Regierung um öie parlamentarische Tribüne. Politische Amnestie gefordert! Wien, 23. Oktober,(©ig. Trahtbericht des„Vorwärts".) In der gestrigen Obmännerkonferenz wurde eine Zuschrift des Ministers des Aeußeren Grafen Burian beraten, der vor- schlägt, nach dem Muster des deutschen Hauptausschusses einen Ausschutz des Abgeordnetenhauses zur Beratung der gegenwärtigen Politik zu delegieren. Die Konferenz beschloß, den Vorschlag zuerst in den Fraktionen beraten zu lassen. Die allgemeine Anschauung der Obmänner war jedoch sehr zurückhaltend, da Graf Burian die- selbe Zuschrift auch an das Herrenhaus gerichtet hat, dessen Ein- fluß man möglichst zurückdrängen möchte, besonders aber, da keine Nation, auch nicht die Deutsch-Bürgerlichen, Burian als ihren Minister des Aeußern ansehen. Ueberhaupt ist seit der National- Versammlung am Montag die bisherige Identifizierung der Deutsch- Bürgerlichen mit Staat und Regierung vorbei. Alle Wiener Blätter konstatieren den großen Eindruck, den die Kundgebung am Montag gemacht hat, und heben auch besonders die Stelle in der sozialisti- schen Erklärung hervor, die die demokratische Republik verlangt. Die Sozialdemokraten haben eine Interpellation wegen der Erlassung einer Amnestie für politische Ver- brechen und Vergehen eingebracht. Sie veDweisen darauf, daß nicht nur bei vorjähriger Amnestie viele vom Militärgerichte gesetzwidrig Verurteilte, namentlich Soldaten und solche Angeklagte, deren Delikt als Verbrechen gegen die Wehrmacht erklärt wurde, übergangen worden seien, sondern daß auch seit dem Januarstreik junge Leute wegen Verteilung von Flugblättern oder wegen Reden verhaftet wurden und Arbeiter wegen Streiks in Rüstungsbctrieben Kerkerstrafen abbüßen. v Dle französisihe presse zur üeutschen Note. Amsterdam, 23. Oktober. Der größte Teil der französischen Blätter betrachtet die dentsche Antwort als unbefriedigend und man zieht die Folgerung, daß ein Waffenstillstand nur ange- nommen werden könne, wenn er absolut dieselben Bürgschaften wie ein Sieg biete. Die„Humanit6" schreibt: Der gesunde Menschenverstand scheint zu fordern, nicht mehr weiter von einem„faulen Frieden" und von angeblichen„Manövern" zu sprechen. Man kann feststellen, daß ein neuer Schritt einem gerechten Frieden entgegen getan worden ist.„Homme libre" sagt: Möglicherweise wird das Gespräch fortgesetzt, das wissen wir nicht, wohl aber wissen wir, daß weitergekämpft wird. Weiterhin können dnr aber auch bestätigen, daß wir den Kampf ein st eilen werden, wenn devFeind sich ohne weiteres ergibt. Die englische prejfe zur üeutschen Note. Amsterdam, 23. Oktober. Aus London wird gemeldet: „Westminster Gazette" liest aus der Note, daß die heutige mili- tärische Lage von den Alliierten als die Grenze ihres Sieges und die Grundlage ihrer Forderungen angesehen werden müsse. Wenn diese Ansicht richtig sei, dann müsse das Blatt erklären, daß die Note unannehmbar sei.„Pall Mall Gazette" sagt: In keinem einzigen Wort der Note ist anerkannt, daß Deutschland militärisch besiegt ist. Solange es dieses Wort in dem großen Buchstabenregister nicht buchstabieren gelernt hat, würde es falsch sein, noch länger weitere Beziehungen bestehen zu lassen.-» * Reuter hat verschiedene Personen nach ihrer Meinung über die deutsche Antwort befragt. Lord Lansdownes Erklärung teilten wir gestern bereits mit. Sie äußerte höchstes Vertrauen zu Wilson, der die Angelegenbeit vorsichtig und zugleich mit Kraft behandelt habe, und fand den Abschnitt über den Waffenstillstand vorsichtig und dunkel; man müsse abwarten, ob dem scharfen Vor- gehen zu Land und zur See ein Ende gemacht werde. Der Par- lamentssekretär des Munitionsministeriums Kellaway führte aus: Die Note sagt, Räumung und Waffenstillstand müßten das beiderseitige Kräfteverhältnis im Felde zur Grundlage haben. Schließt dieser Satz das gegenseitige Kräfteverhältnis zur See und das Kräfteverhältnis der Munitionsfabriken bei der Her- stellung von Geschützen. Granaten und Flugzeugen mit ein? Wenn nicht, weshalb sollten sie ausgeschlossen werden? Unsere politischen Führer Lloyd George, Clemenceau und Wilson und unsere mili- tärischen Führer Foch, Haig und Pershing können sagen, ob die Note bedeutet, daß Deutschland endlich bereit ist, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen und die unvermeidlichen Folgerungen zu ziehen. Für uns übrigen ist unsere Pflicht klar, sie besteht darin, weiter Munition herzu st ellen oder zu kämpfen, als wenn wir am Beginn des Krieges stünden und uns nicht vielmehr dem unvermeidlichen Ende näher- t e n. Ein Mittel, baldigen Frieden herbeizuführen, ist, für einen langen Kriet bereit zu sein. Das journalistische Oberhaupt der Kriegstreiber, Lord Northcliffe, meint natürlich, Wilson werde wahrscheinlich die deutsche Regierung zwingen, sofort zu zeigen, ob sie in eine bedingungslose Uebergabe einwillige, die allein den Forderungen der militärischen und Marinebehörden der Alliier- ten genügen könne, oder ob sie allein Zeit zu beWinnen versuche in der Hoffnung auf eine günstige Aenderung der jetzigen militäri- schen und politischen Lag«. Die Auswahl von Blätterstimmen, die Reuter gestern aus London meldete, entspricht diesen Aeußerungen. Neben notorischen Jiugvblüttern kommt nur die koerale„Daily News" zum Wort. Dieses Blatt fragt, ob die Deutschen nur Zeit zu gewinnen trachten. Die von den Militär- und Marinebehörden der Alliierten ge- forderten Garantien würden eine praktische Probe auf die Aufrichtigkeit Deutschland? und auf die gegenwärtige Macht feiner militärischen Herrscher bilden. Es ist die Pflicht der Alliierten, auf jeden möglichen Fall vorbereitet zu sein. Urteilen der englischen Arbeiterpresse pflegt Reuter aus dem Wege zu gehen. Auch in diesem Falle bleibt er seiner Gewohn- heit treu._ Die Todesurteile gegen sinnische Rbgeorünete. Schwedische Amnestieaktion. Helfingfors, 22. Oktober. Einer Meldung aus Stockholm zu- folge hat Branting der finnischen Gesandtschaft ein in höflicher Form gehaltenes Gnadengesuch, das von 1l8 schwedischen ReichStagsabgeordneien unterzeichnet ist, wegen der Todesurteile gegen finnische Abgeordnete überreicht. Bon den Unterzeichnern ge« hören 34 der liberalen 4 den linkssozialistischen und der Rest der rechtssozialistischen Partei an. Der finnische Gesandle hat das Gesuch sofort telegraphisch an die hiesige Regierung weitergegeben. Wie bekannt, handelt es sich um Todesurteile gegen s o z i a- l i st i s ch e finnische Abgeordnete. Erklärung der neuen türkischen Regierung. Mr Wilsons Grundsätze. Der neue Grotzvesier Jzzet Pascha hielt m der Kammer eine Rede, in der er die Grundsätze Wilsons annahm, eine Amnestie ankündigte und das lebhafte Friedensbedürfms der Türkei kundgab. Den arabischen Vilajets wmde Selbstverwaltung unter Aufrechterhaltung des Bundes mit dem Kalifat und dem Sultan zugesagt. Die sonst übliche Versicherung der Treue zu den Ver- bündeten fehlt. Die Kammer sprach bei 10 Sti m m enthaltung m der neuen Regierung ihr Vertrauen aus. slbgeorünetenhaus. Wohnungsfragen— Ernchrnng der Gefängnisinsassen. Der Plan des Aeltestenausschusses, die Tagesordnung der Sitzung vom Mittwoch möglichst schnell zu erledigen und die Anträge zur Wohnungsfrage, die Teuerungsanträge und den Entwurf eines Jugendfürsorgegesetzes debattelos Ausschüssen zu überweisen, konnte infolge des Widerspruchs der Unabhängigen Sozialdemokraten nicht ausgeführt werden. Man kann darüber, ob es angesichts der jetzigen Lage Deutschlands und Preußens angebracht ist, lange Reden zu halten, oder ob es nicht richtiger ist, die Zeit zu praktischer Arbeit zu benutzen, geteilter Mei- nung sein; aber auch diejenigen, die niit den Unabhängigen von einer debatteloscn Ueberweisung an Ausschüsse nichts wissen wollen, haben mit den„Gründen", die Herr Adolf Hoff- mann für seine Taktik ins Feld führte, nichts gemein. Es ist ja überhaupt interessant, zu beobachten, mit welchem Eifer sich der Wortführer der Unabhängigen dafür ins Zeug legt, daß ausgerechnet das preußische Dreiklassenparlament ständig versammelt bleibt. Weite Kreise des Volkes denken darüber anders, sie wünschen, daß dies Parlament bis nach Erledigung der DerfassungSreform ausgeschaltet und daß es dann sofort nach Hause geschickt wird. Das wäre der erste Schritt zu der so notwendigen Beseitigung des preußischen Einflusses. Die Verhandlungen über die Wohnungsanträge selbst boten nichts Neues. Tie Tatsache der Wohnungsnot konnte von keiner Seits bestritten werden, über die Maßnahmen zur Ab- Hilfe gehen die Ansichten auseinander. Es ist zu wünschen, daß in der Kommission eine Klärung erfolgt, und daß die Beschlüsse sofort in die Praxis umgesetzt werden. Von den Unabhängigen wurde auch diese Debatte benutzt, um alle möglichen Gegenstände, die mit der Wohnungsfrage nicht das mindeste zu tun haben, zu erörtern, alle Versuche des Präsidenten, den Abg. Paul Hoffmann zur Sache-zurückzu- führen, scheiterten an dessen Unvermögen, sich von dem ein- gelernten Konzept loszumachen. Dagegen wies Genosse H u e in sachlichen Ausführungen aus eine Reihe von Mißgriffen und Materialvergeudungen hin, die die schnelle Herstellung von Woh- nungen verhindern und gefährden. Die Anträge betr. Gewährung weiterer Teuerungszulagen an Beamte gingen an die verstärkte Staatshaushaltskommission, der Entwurf eines Iugendamtsgesetzes wurde einer besonderen Kommission überwiesen, Ter Termin der nächsten Sitzung ist unbestimmt. Bei der Debatte um den Zeitpunkt der nächsten Sitzung brachte der unabhängige Abg. Adolf Hofsmann die ungenügende Er- nährung in den Gefängnissen zur Sprache und er- wähnte den Fall eines der wegen Meuterei verurteilten Ma- trosen, der an Hunger gestorben sein soll. Ter Justiz- minister Spahn gab hierauf ein? Tarstellung des Falles und bezeichnete Lungenentzündung, nicht mangelnde Ernährung als Todesursache. Als aber Hofsmann auf den Erlaß einer Ge- fängnisverwaltung hinwies, der den Gefangenen den Genuß von Leim und Sä gespänen verbietet, wußte der Minister hierauf nichts Stichhaltiges zu antworten.> Die Unabhängigen für öen Hausbesitzer- kanüiüaten! Verrat an den Ardeiterinteresscn. Vor die Wahl gestellt, ob sie in Berlin I den Sieg des großkapitalistischen Hausbesitzerkandidaten Kempner oder des Sozialdemokraten Hugo Heimann fördern sollten, haben sich die llnabhängigen für den e r st e r c n entschieden. Denn wenn sie auch formal einen Beschluß auf Stimmenthaltung faßten, so bedeutet das doch praktisch die intensive Förderung des Sieges Kempner s. Bei der Hauptwahl hatte Kempner 2294 Stimmen, Heimann 1729 Stimmen, der Unabhängige Müller 513 Stimmen erhalten. Diese Zahlen beweisen, daß eine Stimmenthaltung der Unabhängigen einzig und allein dem bürgerlichen ftapitalsvertretcr zugute kommt. „Die Wohnungsfrage ist brennend", so rief Adolf Hoff mann gestern im Abgcordneteuhause und variierte dieses Tbema in allen Tonarten." In Berlin 1 aber wollen die Unabhängigen einem Vertreter des Hausbesitzer- k a P i t a l s in den Reichstag verhelfen, dessen Kandidatur das Hausagrariertum mit aller Macht durchgedrückt hat, damit er den Wohnungs- und boden- reformerischen Bestrebungen entgegenträte! So verleitet blinder Parteihaß die Unabbängigcn zur Preisgabe der wichtiasien sachlichen Interessen der Arbeiterschaft. Wir hoffen und erwarten, daß die 500 unabhängigen Wähler in Berlin I die Sclbstmordiaktik ihrer Leitung nickt mitmachen, sondern in ihrem eigenen Interesse am Wahltage für den sozialdemokratischen Kandidaten, Genossen Hugo Heimann, stimmen werden. Jedes andere Verhalten ist Verrat an den Arbeiterinteressenl Sachte, fterr yaase! Unabhängige Anpassung an die Kriegskonzunktur. In seiner gestrigen Rcichstagsrede hat sich der Abg. Haase wieder einmal mit großer Schärfe gegen die alte Partei ge- wendet und darlegen zu können geglaubt, daß die Unab- hängigen im Gegensatz zur alten Partei von Anfq/ng an die Lage viel richtiger beurteilt und viel konsequenter gehandelt hätten. Der Kern seiner Rede war der Satz:„Wir haben es immer gesagt". Wir lassen die Antwort darauf der„Bremer Arbciterpolitik", dem Organ der links von den Unabhängigen stehenden Kommunisten, die in ihrer gleichzeitig erscheinenden Nummer das folgende ausführt: In den Wählerversammlungen zu Berlin scfiwingt Herr Haciie Reden, eine immer schärfer als die andere. Da sollen die Massen glauben: das ist der Manii, auf den man sich verlassen kann.... Sie haben ganz und gar vergessen, daß, so weil die Verantwortung für den Niederbruch der iozialistischcn Sache über- baupt einzelnen Personen zusäsil, sie mir voller Wucht auf den Schultern derjepigen lastet, die heute die Führer der Unab- h ä n g i g e n sind. Zunächst haben am 4, Anglist 1914 sämtliche, aber auch sämtliche sozialdemokratischen Abgeordneicn die 5909 Millionen Mark Kriegskredite bewilligt, Dlirunter waren auch alle, die heute an der Spitze der Unabhängigen stehen. Es ist also einfach nicht wahr, wenn Herr Riward Müller behanpiel, die heute mit ihm in der unabhängigen Partei vereinigten Ge- nassen s e i e n d e m Kriegs tau mel nicht gefolgt, sondern hätten mit Entsetzen zugesehen. Unter dm Bcwilligern waren, um nur einige zu nennen: Geyer, Haase, Henke, Herzfeld, Ledebour, Voglherr, Ditimann, Liebknecht, Rühle. Eine einzige Ausnahme machte der Genosse Kunect. Aber auch er ha: nicbt gegen die Kredite gestimmt, sondern sich durch Verlassen des Saales der Abstimmung ernzoge». Die„Arbeiterpolitik" zählt dann auf. wie die verschiedenen Unabhängigen zweimal, dreimal und viermal Kriegskredite de- willigt habeil. wie Ledebour dozier: hat. Kriegstredite hätten nichts mit dem Prinzip zu tun und D i u in a n» und Zu 6 eil ein Jahr lang im Lande umherreisten und wahre NriegervereinSreden hielten uno, Im Grunde machen es die Unabhängigen genau so wie Herr Georg Bernhard von der„Voss. Ztg.": sie passen sich der jeweiligen Kriegskonjunktur an. Aendert sich die Kriegskonjunktur, dann ändert sich die Ware, welche die Führer der Unabhängigen auf dem politischen Markt anbieten. Aber das hindert sie nicht, ebenso wie Herr Bernhard zu ver- sichern, daß sie„schon immer" alles gesagt hätten. Wir haben der Abfertigung.durch die Bremer„Arbeiter- ik" unsererseits nichts hinzuzufügen. DaS Lazarett im LalldtagSgebäude! Die„Straßburger Post" meldet: Die Regierung hat beschlossen, beide Kammern d.s elsast- lothringischen Landtages baldigst einzuberufen. Der Termin der Einberufung hängt von dein Zeitpunkt der Räumung des zurzeit als Lazakett benutzten LandtagSgcbäudes ab, was voraussichtlieh ftmerhakb der nächsten biersehn Tage geschsche» wird. Nr. 293 ♦ 35. �ahegaag Seilage öes Vorwärts vsnnerstag, 24. Oktober 191 S Parteinachrichten. Tie zahlreichen Friedenskundgebungen, die jetzt in allen Teile-n dcS Reiches stattfinden, erweisen sich als ein getreuoS Spivgekbild der allgemein herrschenden Volksstimmung. Sie zeigen zur Evidenz, dah das Alldeutschmm im Volte keinen Resonanzboden hat. Udbenall, wo die Sozialdemokratie momentan Versammlungen einberuft, strömen die Masten zu Tausenden her- bei, um in dieser Zeit wettgeschichtlicher Ereignisse ihr Urteil zu sprechen. Und dieses Urteil bewegt sich durchaus im Gerste des Sozialismus, der dem gegenwärtigen Weltgeschehen Ziel und Rich- tung zu geben sucht. Auch heute liegen wieder zahlreich« Berichte vov, wonach in diesen Tagen ein« größer« Anzahl prächtig verlaufener Friedens- kundgebungen stattgefunden haben. In CvttbuS sprach vor über 3 0 Ol) Personen ReichStagSabge- ordneter Gen. Wels unter dem stürmischen Beifall der Vev- sammelten. In Mühlheim und Hamborn referierten die Genossen Schluchtmann, Markwald und M e e r f« l d gleichfalls in überfüllten Versammlungen. In Naumburg sprach der Abgeordnete de? ZdreiseS Genosse Ab. Thiele- Halle. War schon der Besuch der Versammlung für die örtlichen Verhältnisse«in ausfällig starker, so daß der große RatSkellersaal bis auf den letzten Platz gefüllt war, so war de- sonders bemerkenswert das zahlreiche Erscheinen von Beamten, Landwirten und Frauen. Da Naumburg bislang die all- deutsche Zentrale für Ostthürtngen bildete, schildert« unser Redner die verhängnisvolle Schuld der Alldeutschen an der Erschwerung und Verzögerung de? KriegSschhisseS und der inneren Reformen und weckte damit kräftigen Beifall. In der Debatte griff auch ein Alldeutscher ein. der jedoch gar nicht mehr ernstlich vev- suchte, die Haltung seiner Partei zu rechtfertigen, sondern sich da- mit begnügt«, um mildernde Umstände zu bitten, da die Alldeutschen doch im guten Glauben gehandelt hätten. Zwei Seminarlehrer stimmten zumesst der Kritik de? Referenten zu und Justizrat Dr. Wallach forderde auf. alle? Trennende zurückzustellen, fall? wir zu einem letzten VcrzweislungSkampf gezwungen sein sollten.- In Stuttgart sprach ReichStagSabgeordncter Genosse Hildenbrand unter gewaltigem Andrang über:.Die Zukunft des beut- schen Volk«? und di« Sozialdemokratie". Unter stürmischem Bei« fall betonte der Redner am Schluß seines Vortrags: Die Befreiung de? deutschen Proletariat? ist im Fluß, st« zu vollenden ist Sache des Volkes. Der von uns gepflegte süddeutsche Geist mußte die Junker entfernen. Mögen bald Verhältnisse kommen, die das Wort wahr machen: Das Wohl deS Volke» ist das o b« r st e Gesetz. Die Forderungen für Württemberg vertrat rn einem ausgezeichneten Referat Genosse Keil. In Fcuerbach, wo vor überfüllter Versammlung gleichfalls Gc- nosse Hildenbrand sprach, benutzten die Unabhängigen die ihnen eingeräumte Redefreiheit zu den hefbigsden»rnd größtenteils der Wahrheit schroff widersprechenden Angriffen ausschließlich auf di« sozialdemokratische Partei. Die Versammlung bracht« deutlich ihre Abneigung gegen«ine solch« Kampfesweise und gegen den Bruderkampf überhaupt zum Ausdruck. Tie Neuordnung in Hamburg. In einer am Montag im Hamburger GewerkfchaftShauS ad- gehaltenen Delegiertenversammlung der sozialdemokratischen Partei Hamburgs, in der BürgerschaftSmitglied Genosse L. Grün- waldt über»Tie Demokratisierung im Reiche und die Stellung Hamburgs zur Verfassungsfrage" Referierte, wurden in einer ein- stimmig angenommenen Entschließung die Forderungen festgelegt, die die hamburgisch« Sozialdemokratie in der Frage der Neuord- nung de» hawburgischen Staatswesen» stellt. 19. Sächsischer ReichStagSwahlkreiS. In einer glänzend besuchten, äußerst harmonisch verlaufenen KveiSgeneralversammlung sprach RcichStagSabgeordneter Georg Dchöpflin über di« politische Lage, Redakteur Mar Müller über die.Wahlrechtsreform in Sachsen. Der Vorsitzende Kuhnert führte unter großem Beifall der Ver- sammlung aus, daß die säcksischen Arbeiter an dem gleichen, ge- Heimen und direkten Wahlrecht für die Gemeinden und den Staat festhalten werden. Besonders erfreulich war auch di« Mitteilung, daß die Abonnentenzahl unserer Presse ständig steige, trotz der AbonnemcntSprciSerhöhung. In einer einstimmig angenommenen Resolution erkennt die Kreisgeneralversammlung an, daß der Eintritt von Sozialdemokraten in eine bürgerliche Rzgierung unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht ohne gewisse Vesahren, sicher aber mit schweren Opfern für die Partei verbunden ist. ES gelte indessen zu verhüten, daß zu dem unglücklichen Ausgang de» Kriege» auch sckiwer« Folgen gerade für die werktätigen Volks- kreise treten. Die Entschließung fordert die Einsetzung eine? StaatSger ch: ShofeS, dessen Aufgabe die Feststellung und Abstrafung aller Scbuldigen sein muß. die frühere FriedenSvestrebungen ver- eitelt haben._ ReichStassSkandidature». Eine Konferenz der Parteiorganisation DukSbnrg— Mülheim iRuhr)— Obcrhausen— Hamborn beschäftigte sich mit der Auf- srellung der Kandidaturen für die nächsten RcichStagSwahlen. Für den Kreis besteht Verhältniswahl mit drei Mandaten. Beschlossen wurde, als Kandidaten an erster Stelle den Genossen O i t o B r a u n» Berlin und als Kandidaten an zweiter Stelle den Ge- nassen Heinrich Jäcker, erster Bevollmächtigter de» Metall- arbciterverbandes in Düsseldorf, aufzustellen. Die Entscheidung über die Aüfktellung eine? Kandidaten an dritter Stelle sowie von zwei Ersatzmännern soll an einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Nationalrat Robert Grimm ist, wie unS rni» Bern gemeldet von deutschen Reichs- und Staatsanleihen auf Wunsch bereits 14 Tage vor der Fälligkeit eingelöst. Die bisher freiwillige Hebung wird jetzt zeitlich ganz wesentlich erweitert, wobei aber diese Erweiterung nur auf die öprozentigen Kriegsanleihen beschränkt bleibt. Zur Abhilfe gegen die ZahlungSmittelmisere werden die Städte in nächster Zeit größere Mengen von Kassenscheinen als Wechselgeld ausgaben. Leider kann man diesen Maß- nahmen nickt mit ungemischter Freude zusehen. Einer der fundamentalsten Sätze der Lehre vom Gelde sagt, daß das gute Geld stets von dem schlechten Gelde vus dem Verkehr gedrängt wird, sei eS, weil es gehamstert wird, sei es, weil es zu Zahlungen ins Ausland dient. Wir fürchten, daß diese seit dem Beginn der Geld- Wirtschaft beobachtete Erscheinung wieder austreten und das herrschende Nebel verschlimmern wird, statt es zu bessern. ReichswirtschaftSstelle für Baumwolle. Am 21. Okiober fand zum Zwecke der Gründung einer Reichs- iviriSichaitsstelle fürBaumwolle die vom Rcichsianzler einberufene Ver- treterversammlung statt. Ein Referent deS ReichSwirtschaflSamtS gab einen Ueberblick über die bisherigen Beratungen. Hierbei wurde hervorgehoben, daß diese sachlichen Grundlagen durch die ReichSwirtschaflSstellen und die Reichs st eile für Textil- Gtaabgsekrebar Snzberger über die Krlegaanlclhe: ?e mehr Kriegsanleihe, defto näher der frieden. Weiterhin wäre Voraussetzung einer befriedigenden Abwicklung, baß der Ausschuß de? Reichstags nicht nur bei grundlegenden An» ' ordnungen, sondern stets über die VundeSratSvcrordmingen vorher i verhandelt und seine Zustimmung zu geben hätte. Da aber nach dem Absatz 2 des§ 1 der Reichstag die Aufhebung der angeordneten Maßnahmen nicht nur bei seinem nächsten Zusammentritt, sondern während der ganzen Geltungsdauer der Maßnahmen jederzeit ver- langen kann, wird wohl anzunehmen sein, daß bei der Auslegung des Begriffes..grundlegende Anordnungen" der Bundesrat die AuS- legung sehr weit fassen und hoffentlich bei allen nicht ganz neben- sächlichen Maßnahmen die Kommission deS RsichötagS zur Mit- bevatung und zur Mitverantwortung heranziehen wird. Keine Gefahr für die Deutsche Bank. Gegenüber unrichligen in Ninlaus geietzten Gerüchten teilt die Deutsche Bank mit. daß ihre sämtlichen Engagements in türkischen Anleihen und Eisenbabmverlen aller Art mit weniger als fünf Millionen Mark zu Buche stehen. Eine Polnische Elektrizitätögesellschaft A. E. G. Die Allgemeine EleklrizitätSgesellschast dehnl jetzt ihren Geschäfts» kreis auf das zulünfrige Polen aus. Sie Heu zu diesem Zweck unter Mitwirkung polnischer Ingenieure und Kauileute die Polnische ElekmzitäiSgeielj'ckast A. E. G. mit dem Sitz in Warschau errichtet. Das Atiieiitapitat de« neuen Unternehmens beträgt 1 Million Mark, eingcleitl in 2000 Aklien, über je nom. bOO M. lautend. Die Gesellschaft ioll befugt sein, Obligationen auszugeben, deren Beirag jedoch die Hälfte des jeweiligen Aktienlapuals nicht überschreiten darf. Die Gesellschaft kann sich auch an anderen polittscheii Unter- nehmen beteiligen. Wirtschaft festzustellen seien und daß die bisherigen amtlichen Besprechungen lediglich vorbereitender Natur seien. Folgende Punkte wurden hervorgehoben: Textilrohstoffe gelten als Güter, de« dringend- sten Bedarfs. EinfuHreinschränIungen, welche mit Rücksicht auf Valuta und Schiffsraum für weniger dringliche Güter und LuxiiS- güter angeordnet werden sollten, werden voraussichtlich bei der Knappbeit an Tcxlilrohstoffen auf diese praktisch keine Anwendung sinden. Bei der Unübersehbarkeit der Verhältnisse muß ollerding« die Möglichkeit einer Einfuhrregelung gewahrt bleiben. Em zentraler Einkauf oder eine Kontingentierung de« Rohstoff- Handels dürste nicht in Frage kommen. Solange die Zufuhr an Textilrohstoffen«ine Vollversorgung aller Betriebe nicht ermöglicht, dürfte eine Kontingentierung derselben unter vorzugsweiser Berücksichtigung stillliegender Betriebe auf der Grundlage einet in Maschinenstunden ausgedrückten Leistungskomingent« durchzuführen fein, wobei in Aussicht zu nehmen sein dürfte, daß da» Kontingent keinen Anspruch darauf geben soll, durch daS Reick, die Wirt- ichaftSstellen oder eine andere Organisation mit Rohstoff ver- sorg» zu werden. Der Einzelne wird für seine Deckung selbst zu sorgen haben. V o r k ä u s e sollen durch einen Kontingents- ,»schlag begünstigt werden. Eine ähnliche Regelung wird voraus- sichtlich hinficktlilb der Gespinst« zu kucken sein, während, fall» nicht eine Aendenmg der Verbältiiisse zu anderen Maßnahmen zwingt, von einer Bewirtschaftung der im Inland hergestellten Fertig. erzeugnisse vorerst abgesehen werden kann. Soweit die bei Friedensschluß vorhandenen Bestände der Heeres- Verwaltung der bürgerlichen Wirtschaft zur Verfügung ge- stellt werden können, dürfte die Zuweisung dieser Bestände zweck- mäßig im bisherigen Verfahren zu erfolgen hoben; eine Vorzugs- weise Berücksichtigung der stilliegenden Unternehmungen wird auch hierbei ins Auge zu fasten sein. H.' Solange der dringende Bedarf die Nachfrage übertrifft und Preisüberforderungen erlaubt, sollte da» Reich, nicht, wie es in dieser Mitteilung angekündigt wird, aus die Bewirischaflung der im Inland hergestellten Fertiawaren letckitferttg verzichten. Wenn bei der Mannigsalligkeit der Erzeugnisse das Höchsipreisipstem nicht angewendet werden kann, so bleiben dock noch andere Möglichkeiten. ES kann eine gewisse Uniformierung und Typisierung der Produkiion angestrebt werden, um zu verhüten, daß die Erzeugung von Massen- verbrauchsware zugunsten teurer LuxuSprodukre zurückgestellt wird. Und eS können die Zwitchenhändler bi« zum Detailisten hinunter durch kontraktlich sestziilagende Besirmmungen an Höchstpreise ge« bunden werden— bei Strafe des Ausschlüsse« von jeder Weiler« belieferung. Die Entwicklung der Kartelle in Deutschland und ihrer Methoden der Abiotzorganrsation gibt genug Fingerzeig» eine» elastische« und wirksamen KoniumemenschutzeS. Das ErmSchslgnnffSgesetz für die UebergangSwlrtschafi. Der Zentral verband de« Deutsch«, Großhandel» teilt rrn» zu diesem Tbema mit: Der BundeSvat hat dem Entwuef eine» ErmächtigwnySgefetzeS feine Zustimmung erteilt. Danach wird die Gesetzgebung während der UebergangSzeit auch weiterhin auf vereinfachte Form aus- geübt werden, d. h. sie soll durch Beschlußfassung des Bundesrats mit nachträglicher Prüfung durch den Reichstag erfolgen. Im Unterschied von dem bisherigen Verfahren soll aber vor dem Erlaß grundlegender Verordnungen die vorherige Zustimmung eine» AuS- schufleS des Reichstags von lb Mitgliedern eingeholt werden. In der Presse und in einer Eingabe der Berliner Handelskammer ist .................—-..,., dieses neue Ermächtigungsgesetz bekämpft worden, und zwar mit wird, von der Redaktion der„Bcrncr Tagwacku, die er zeljn� Jagre � Begründung, daß die Mitwirkung von Handel und Gewerbe leitete, zurückgetreten, um al» feftbesoldeter Stadtrat dre'Leiwng der städtischen Ragiebetoiebe zu ubernehmen. An die Stelle Grimm? in der Leitung der.Berner Tagwacht" tritt der bisherige Bundes- stadtkorespondent dor schweizerischen sozialdemokratischen Presse, HanS Bogel._ nicht sichergestellt sei. Die Forderung einer stärkeren Mitwirkung von Haitdci und Gewerbe wird von den interessierton Kreisen ge« miß restlos erhoben werden. Es wäre unerträglich, wenn Berord» nnngen mit Gesetzeskraft in der bisherigen Weise ohne vorherig« Mitwirkung der beteiiigten Kreise erlassen würden. Aber di« Be» sorgnisse gegenüber dem neuen Entw-urf erscheinen zunächst nicht voll begründet. Alle» hängt davon ab. wie die Mitwirkung deS ReichStagSauSschusseS erfolgen soll. Wenn die Verhandlungen de» Ausschusses ohne Ausschluß der Ocffentlichkeit erfolgen, dann ist den beteiligten Handels- und Gewerbe kreisen, ebenso wie bei der normalen Gesetzgebung die Möglichkeit oiner Einwirkung offen- gelasse». Sollte allerdings m Aussicht genommen sein, di« Verhandlungen de? Ausschusses des Reichstag« im wesentlichen gehei», ._____ r und vortraulich zu führen, dann wäre«S selbstverständlich, wenn genommen werden müssen. Dieser Beschluß stellt eine Er- � Handel und Gewerbe ein« ernste Gefährdung ihrer Interessen für Liebknechts Ankunft. Gestern abend kam Karl Liebknecht auf dem Anhalter Bahnhof an. Da iich eine große Anzahl seiner Anhänger eingesiinden baue, gestaltete sich der Empfang zu eiuer Demonstration, die ohne größere Zwtscheniälle veilief. Liebknecht, dem em großer Strauß weißer Blumen überreicht worden war, stand inmitten seiner Gesiiiiiiings» genossen auf einem Lastwagen. A!S er am Potsdamec P atz— gerade an der Stelle, wo er lül« verhafter wurde— zum Sprechen anheben ivollle, wurde der Wogen durch benueue Schutzlenle zum Weilerfabren gezwungen. Am Brandeuburger Tor sielll« sich em riesige« Schutzniannsausgebol der hochrufenden Menge enigegen nnd trennt» sie vou dem G.'iährr. Zu Aeryaslungen und einsten Zu- iammenslößen ist es nach den bisher vorliegenden Berichten erfreu- licherweile nicht gekommen._ Die Wohnungsnot in Charlottenburg. AuS Angestelltenkreisen geht unS nachstehender Notschrei zu: .In hiesiger Stadl herrscht schon seit laiiger Zeit eine gewallige Wohnungsnot. Täglich strömen viele obdachlose Menschen in? Rathaus, die um Hilfe bitten. Der Magistrat unternahm bisher mir Schritt«, indem er Läden, Bodengelasse und dergleichen gegen Beihilfe zu Wohnungen einrichten ließ. Aber damit hat die Wohnungsnot nicht aufgehört. In und um Charlottenburg sind viele groß« Fabriken, die Hunderttausende von Arbeitern beschäf- tigen, von denen jetzt sogar ein großer Teil im Felde steht. Nach Rückkehr derselben wird die Wohnungsnot geradezu Time&stgit�n annehmen.- Charlotteridurg hat Lär.dercisr,, die sich zum Ba'. Pen kleinen Wohnungen eignen, in Hüll« und Fülle. Erinnert sei an die Terrains an der Jungfernheide und in Westend. In der Nähe derselben sind die gewaltigen SidmenSwerke, die viele tausend Menschen beschäftigen. Charlottenburg steht auf dem Standpunkt, daß die SiemenSbeamten, die in Spandau beschäftigt sind, auch dort wohnen müssen. AuS diesem Grunde hat der Magistrat für di« vorstehend bezeichneten Ländereien den LapdhauSstil verfügt; «S dürfen also nur vornehme Villen errichtet werden, mithin wird den Siemensangestellten daS Wohnen dortsclbst ganz unmöglich gemacht. Darüber herrscht nun in den Kreisen der Angestellten große Erbitterung gegen den Magistrat, der in seinen Mauern nur wohlhabende inwohner haben wi/l. ES befremdet allgemein,, daß von den Aufsichtsbehörden die Einwilligung zu der Landhaus- bauordnung genehmigt wurde, obwohl sich diese Gegenden nicht im gerirtgsten wegen ihrer Lage um die SiemenAoerke zu.Villen" eignen. ES ist nunmehr an der Zeit, daß sich di« Oesfentlichkcit mit diesem Vorgehen beschäftigt, damit nicht später die heim- kehrenden Krieger anS Dank für ihr« Tapferkeit noch obendrein obdachlos werden." AuS den Verhandlungen über die Errichtung des Wohnung?« verbände« ist bereits soviel bekanntgeworden, daß sich Charlotten- lmrg beharrlich weigert, Kleinwohnungen zu bauen. Sollte der Magistrat in dieser reaktionären Haltung beharren, dann wirb doch weiter nichts übrig bleiben, als daß der WohnungSverband als ZwangSveryand gegründet werden muß. Inöustrie unö tzanöel. Der Kampf gegen die ZahlungSmitteluot. Der Bundesrat hat beschlossen, baß die am 2. 1919 fällig werdenden ZinSscheine der Sprozentigen Januar deutschen Kriegsanleihen(nicht der Schatzanweisungen) bereits jetzt als gesetzliche Zahlungsmittel betrachtet werden, also nicht nur von Behörden, sondern auch vom Publikum an- Weiterung einer schon stehenden Uebung dar, bisher in beschränktem Umfange be- i die Zukunft Die Banken haben nämlich Coupons 1 pchvm. befürchten würben und sich auf» äußerste dagegen DaS staatliche Landangebot für Grost-Berlin. In der letzten Echuug de» beim Slaa>skomm>ssar für da» Wohnungswesen anS PaUanientanern und Gemeindevcrtretern gebildeten BeiratS für Slädtebau und Wohnungswesen brachte der Kroß-Berliner Vertreter, Giadibaurat a. D. Beuster. zur Sprache, daß nach mehr als zweijährigen Verhandlungen durch den Verband Groß-Vetlin, die SlaatSregcerung zu Anfang dieses Jahre? durch den Oberpräsidenten die Er- klärung abgegeben habe, der Staat sei bereit, in Groß-Berliir .siSkaliscbe Ländereien in günstiger Verkehrslage zu Preisen zur Verfügung zu stellen, welcke eine weitläufige Bebauung in Form de« FlachbauS, auch für die minderbemittelten Bevölkerungskreise, ermöglichen." DaS vom Finanz- und LondwutslbauSminister dem Ve, bände daraus abgegebene Angebot enthalte aber derartig hohe Preisforderungen und drückende Bedingungen, daß entweder darauf verzichtet werden müsse, auch die minderbemittelten Kreise anzusiedeln, oder zu jeder Baustelle seitens der Groß-BerlineiXGemeinden ein Zusckuß z konäs psräu zu leisten wäre, der so hob sein müsse, als daS Rohland zu teuer bezahlt wäre. Um die ressorifiskalisckien GestckuS« punlte hinter die staatspolitischen mehr zurückireieii zu lassen, habe sich der Veiband Groß-Verlin an daS G t a a t S m i n i st e r i u m gewandt mit dem Ersuckien, dafür Sorge zu tragen, daß die Preis» siellung der obigen Erklärung der StaaiSregierung angepaßt würde. Leider fei aus die Eingab« on das StaalSministerium bis beule keine Antwort eingelaufen, obwohl die Frage der Wohnung«» , bescbaffung und der Wiederingangsetzung der Wobnungsherftellung zur Beschaffung von Arbeit für die zurücklehre iden Krieger aus den Nägeln brenne. Ein von Stadtbaurckt Beuster gestellter Antrag, der Beirat möge an die SlaalSregierung das Ersuchen richten, wie anderwärts io auch für Groß-Berlin schleunigst ein« wesentliche Berbilligung der Preise und Erleichterungen der Bedingungen ein- treten zu lassen und auch die Landhergabe in niedriger Erbpacht in Erwägung zu ziehen, wurde mit großer Mehrheit an« genommen.— Die Verbandsverlammlung Groß- Berlin wird i sich in ihrer nächsten Sitzung auf Grund eiiieS Antrages der So« 1 zialdemolrateu erneut mit dem staatlichen Angebot beschästig«». Sicdlungsunternehmcn der Provinz Brandenburg. Unter der Bezeicknung Wohnungsfürsorge-Gesell- s S a f t.Märkische H e i m st ä t t e' b. H. wird vom Landes» direktor der Provinz Brandenburg eine Gesellschaft zur Förderung des g e m e i ii n ü v i g e n K l e i n w o b n u n g s b a u s sür die minderbemitieite städlische und indusirielle Bevölkerung gegründet, die alle ans diesen Gebieten liegenden Bestrebungen für den Be« reich der Provinz Brandenburg und der Stadt Berlin zumnimeniassen soll. Die Hauptaufgaben der»Märkischen Heim» flälte' sollen sein: Förderung des KleinwohnungswesenS, insbesondere durch Bearbeitung oder Ucberprüfiing Von Bau- und Siedlungsplänen; Förderung örtlicher Bauvereiiiigungen bei der Beschaffung und Er- schlieffung von Baugelände, bei der Herstellung von Klein- Wohnungen und anderen der WohnungSfüriorae kür die minderbemittelte Bevölkerung dienenden Baulichkeiten. Durchführung besonderer Maßnahmen der Wohnungssüi sorge sür kinderreiche Familien, Herbeiführung der Siaatsbürgschaft auf Grund des BürgschaflSsicherungsgesetzeS, Beschaffung von Zwischenkredit und Hypotheken, Beschaffung von Bau- stoffen. Während der Staat seine Beteiligung mit einer Einlage in Höbe von bis 1it des Geianitkavitals zugesagt bat, ist von der Provinzialverwaltung von Brandenburg vorbebaltlich der Beschluß- fasiung des Provinziallandlags eine Einlage bis zu 8 500 000 M. in Aussicht genommen. Die Landekversichernngsanstalt Branden- bürg wird sich gleichfalls beteiligen. Mit der Stadt Berlin sind Verhandlungen imgange. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hatte in ihrem 19. Geschäflsjahr 1917/13(1. Juli 1917 bis 30. Juni 19I3> eine mäßige Z u n a h m e der Mitgliederzahl und wieder«ine beträchtliche Steigerung des Umsatz- betrage«. Die Mitgliederzahl, 108122 bei Beginn des Jahres, wuchs durch 5022 Zugang, dem 2333 Abgang gegenüber stand, bis zum Schlui; des JahreS auf 110 511, das ist um 2389 mehr als am Jahresanfang. Der Betrag deS Jahresumsatzes in den 124 Verkaufsstellen war im vorletzten Jahr über 26'/� Millionen Mark, ini letzten Jahr über 29'/, Millionen Mark, daS� letzte Jahr hat mithin wieder ein Mehr von reichlich 2s/4 Millionen Mark gebracht. An dem gesamten Umsatz sind natürlich die einzelnen Mitglieder sehr ungleich beteiligt. Die Zahl derjenigen Mitglieder, die nennenswerte Einkäufe machten und Markenblälter abliefern konnten, war im vor» letzten Jabr 77 467 lrund 72 Proz. aller Mitglieder), im letzten Jahr 72 427(rund 66 Proz. aller Mitglieder). Der Durchschnitt des Umsatzes berechnet sich je Mitglied für das vorletzte Jabr auf 245,94 M, sür das letzte Jahr aber ans 265,60 M. Veraleicht nian den Jahresumsatz mit der Zahl nur derjenigen Mitglieder, die Markenblätter obliekerten. so erbält man einen Durchschnitt von 843,26 M. im vorletzten und 405,26 M. im letzten Jahr. Der vom Vorstand erstattete Geichäftsbericht hebt hervor, daß die in den letzten Jabren bemerkte Steigerung des Umsatzes pro Mitglied leider im wesentlichen auf die Erhöbung derLebensmittel- preis« zurückzuführen ist. Der Bericht gibt wieder eine sehr lesen«- werte allgemeine Darstellung der Lebensmittelversorgung und der Erschwerungen, mit denen sie in der Kriegszeit zu kämpken hat Bei der Konsumgenoffenschaft ist es infolge Steigerung der Unkosten zu einer Minderung der Geichäftsergebnisse gekominen. so daß für das abgelaufene Geschäftsjahr die Rückveraütung von 4 Proz. auf 8 Proz. herabgesetzt werden muß. Begreiflicherweise werden durch die besonderen Verbältnisie der KriegSzeit auch die P r o d u k t i o n S- betriebe der Genoffenschaft sehr gehemmt. Der wichtigste, die Bäckerei, hatte zwar eine Zunahme deS Umsatzbetrages, der im vor« letzten Jabr etwas über 3 Millionen Mark,'im letzten über 8�/, Millionen Mark betrug. Das Mehr ist aber nur durch die Erhöbung deS BrotpreiseS zustande gekommen. Der Verbrauch von Mehl leinichl. Streckungsmittel) bat abgenommen; er war im vorletzten Jahr über 15% Millionen Kilogramm, im letzten aber noch nicht 14 Millionen Kilogramm. Das Eigenkapital der Genoffenichaft hat sich weiter erhöht, ist aber gegenüber der Mitgliederzabl noch zu gering. Bon dem Geschäftsguthaben, das bei bisher' 80 M. je Mitglied sich im ganzen ans 3 315 330 M. belaufen müßte, sind erst 2 217 914 M. eingezahlt. 203 550 M. mehr als am Schluß deS vorletzten JahreS. Der Bericht weist darauf bin, daß die Genossen- schaff ohne ausreichende Mehrung ihres Betriebskapitals ihren Wirkungskreis nickt erweitern kann.— Nack dem Kriege werden die Konsumgenoffenschaften mehr als je sich der Eigenproduktion widmen müssen, um ihren Mitgliedern größere Vorteile bieten zu können. Schutz vor Gasangriffe». In der DienStagnummer der»Leipziger Volks, eitung' wird »aus sicherer Quelle' mitgeteilt, daß die Schutzmannichafl in Berlin und anderen Orten Deutichlands mit Gashandbomben ausgerüstet sei, die bei Demonstrationen'Verwendung finden sollen. In fettem Druck werden den Demonstrationsteilnehmern praktische Winke er- teilt, wie man die Wirkung dieser gefährlichen Explofivgeschoffe beseitigen kann. Infolge dieser Mitteilung hat die Berliner Polizei auf das entschiedenste bestritten, daß die Meldung den Tatsachen entsprich!. Der Gasangriff kommt also von dem Berliner Gewährsmann der »Leipziger Volkszeitung'.__ Berliner Lebensrnittel. In den Bezirken der Brolkomniissioncn 103 bis 114, 183 bis 150. 171, 173, 183, 184, 199, 202. 203, 206. 216. 217, 220. 221, 224, 231, 232 und 234 beginnt die Ausgabe von Weißkohl und Zwiebeln Freiiag. den 25. d. Mts. Die Bezugsberechtigten wollen bei dem Kleinhändler, bei den, die Anmeldung erfolgt ist, Nach- frage halten.— Die Fctlstelle Groß-Berlin macht daraui aufmerk- sam, daß das Kopfstück der zurzeit gültigen Speisefeltkarlen bis zum Ende der Woche(27. Oktober) für den Käsebezug bei der quartierweisen Verteilung aufzubewahren ist. Bis Sonnabend, den 26. Okrober, wird an diejenigen Kunden, die in den Speisefettkundenlisten der in den Bezirken der 112., 202., 203., 204. und 220. Brotkommission gelegenen Geschäfte ein- getragen sind, pro Kopf 125 Gramm Käse verteilt. Die Grippe. Im Hinblick auf die Grippebehandlung hat der Kohlenverband Groß-Berlin angeordnet: Die Abgabe von Warmwaffer au? zentralen Warmwaffer- bereitungSanlagen bat in Wohnhäusern für die Zeit vom 24. Ol- tober bis 24. November zu den in dem Mietsverlrag�vereinbarien Zeiten, miudeilenS ober täglich von 8 Uhr morgens biS 10 Ubr abends zu"erfolgen. Für Haushaltungen in Wohnungen mit Ofen- Heizung kann bei Grippeerkrankungen sür den gleichen Zeilraum auf Antrag«ine Sonderkarte bis zu zwei Zentner gegen ein von der Gemeinde nachzuprüfendes ärztliches Zeugnis aus- gegeben werden. Sonderzuweisungen von Gas sind unzuläjsig. In Berlin, das sich immer noch nicht entschließen kann, seine Schulen allgemein zu ichließen, sind wieder weitere 16 Schulen geschloffen worden, so daß bereits 160 Schulen den Unterricht ein« gestellt haben.— Bei der Allgemeinen Berliner OrtS» krankentafse wurden 1780 Neuerkrankungen gegen 1737 am Vortage angemeldet. Hiervon sind 1310 Grippeerkrankungen und 25 Lungenentzündungen. Die Todesfälle sind von 41 auf 59 ge- stiegen. Von den Kranken starben 20 an Lungeiwnizüudung, 15 an Influenza und Grippe, fünf an Herzschwäche und fünf an Tuber- kulose. Wie von der Krankenkasse noch mitgeteilt wird, bereitet die Unterbringung der Kranken in den vollständig übersülllen Kranken- Häusern große Schwierigkeiten. Privat-Telegramme aus der Provinz melden, daß in Äaffel und fast allen Provinzstädten Mitteldeutschlands die Schulen ge« schloffen werden. Aus den Universitätsstädten Marburg. Gießen, Göttingen, Hann.-Münden wird eine größere Anzahl von Todesfällen gemeldet. Der Menschheit ganzer Jammer... Zu der in Nr. 291 gebrachten Darstellung des Johannisihaler Gemeindevorstehers erhalten wir eine längere Zuschrift des Per« teidtgerS der Angeklagten, Justizrat B l a s ch l a u e r, woraus hervorgeht, daß die Darstellung deS Gemeindevorstebers durchaus unrichtig»st. Gerade infolge der ungünstigen Aussagen deS Ge« meinde- und Armenvorstehers hat sich das Gericht iehr eingehend mit dem Lebenswandel der Angeklagten beschäftigt. Aus den Be« kundungen der Zeugen ging hervor, daß die Freigesprochene sehr arbeitsam und ordentlich geweien ist und daß sogar eine vom Ge- meiiidevorsteher genannte Belastungszeugin der Frau das beste Zeugnis ausstellle. Die größte Wirkung dürfte aber bei Be« urteilung der Sache doch immerhin die Ausführungen des Anklägers, des Staatsanwalts, hervorgerufen haben, der bekundete, daß sich ergeben habe, daß die Angeklagte einen durchaus einwandfreien Lebenswandel geführt h.ribe. daß sie selbst an ihrer schließlich einiielreienen Notlage nicht da« geringste Verschulden treffe, und daß auch die Gemeinde Johannislhal der Frau I. gegenüber nicht in vollem Maße ihre Pflicht erfüllt habe. Nach dieser Darstellung des Verteidigers berührt das Per- fahren des Gemeindevorstehers besonder? eigenartig, der sich sogar nicht genierte, die Ausnahme seiner Berichtigung unter Berufung auf§ 11 des Preßgesetzes zu verlangen. Nach dem. was wir hier erlebt haben, scheint es uns die höchste Zeit, daß sich mal die Ge- ineindevertretung der Sache annimmt und mit ihrem Vorsteher ein ernstes Wort redet._ 47 Millionen flädtischeS NotstandSgeld. Der.Lokalanzeiger' berichtet:»Die Stadlverordneteiiversammlung wird sich in aller Kürze mit der Magistralsvorlage beschäftigen, die die Ausgabe von Berliner städtischem NolstandSgeld Vorsicht. Wie wir hören, sollen rund 47 Millionen Mark ausgegeben werden, und zwar 20», 5- und 2-Mark-Scheine.' Hoffenilich wird die Maßnahme für die Gemeinde Groß-Berlin einheitlich zur Durchführung gebracht. Das könnte uns noch gerade fehlen, daß sich schließlich jede Gemeinde eine be- sondere Art von Papiergeld leistet. Frauen in städtische Deputationen. Di« Stadtvv. Barenthin und Genoffen kUnabh. Soz.) haben der Berliner Stadtverordneten- Versammlung folgenden Antrag unterbreitet:»Die Sladtvcrordnetcn- Versammlung ersucht den Magistrat, die Bestimmungen über die Z»« sammensetzung der Armenkommiisionen.Wassenkommiisioiienund Schul- kommn'sionen dahin ändern zu laffen, daß jeder dieser Körperichailen mindesten» eine Frau angehören muß. Bisher sind in den Ber- Iruer Armenkommrssioiien rund 150 Mitglieder weiblichen Geschlechts tälig. Zur Pakctdurchsuchung wird amtlich mitgeteilt: Nm irrigen Au- sichten zu begegnen, wird darauf hingewiesen, daß sich die Polizei- licke Konlrolle von Pakelen, die in den Schallerräumen von Reiws- postanstalien gelegenilich ausgeübt wird, auf solche Einzeltälle beschränkt, in denen der Verdacht begründet erscheint, daß es sich um Postsendungen de« gewerbsmäßigen Schleichhandels handelt. Daß noch nicht aufgelieferte Pakeie in solchen VerdachtSsällen von den Polizeiorganen durchsucht werden dürien, emsprickt dem geltenden RechtSzustande. Eine solche Durch- suchung kann in den dem öffentlichen Verkehr dienenden Schaller- räumen auch auf Grund des§ 123 deS Strafgesetzbuchs nicht verwehrt oder verhindert werden. Militärische Ausweise, Siegel und Stempel. DaS Oberkommando hat eine Verordnung erlaffen. wonach Vordrucke zu militärischen Ausweisen jeder Art lUrtaubsicheinen. Militärpäsien. Sold- büchern usw.) nur aus Grund eines schristlichen, mit Dienstsiegel oder Dienstsiempel versehenen und ordnungsgemäß unterschriebenen Auslrages einer inländischen militärischen Dienststelle angefertigt und gelieierl werden dürfen. Die Herstellung von Militär- fabrickeinen durch Druckereien, die hierzu nicht durch die stell- vertretenden Generalkommandos des Gardekorps und des III. Arme-- korps schriftlich ermächtigt sind, ist oerboten. L a ck s i e g e l oder Farbstempel mit auf miliiäriiche Dienststellen bezüglichen Inschriften dürfen nur auf Grund eineS fchriitlichen und ordnungs« gemäß unterschriebenen Au'trageS der stellvertretenden General- kommandoS oder des Waffen- und Munitions-Beschaffungs-Amts AIY von den von den slellverlretenden Generalkommandos be« stimmten Firmen angefertigt und geliefert werden. Kundgebung für den Völkerbund. In der am 27. Oktober, mittags 12 Uhr in der Singakademie vom Volksbund für Freiheit und Vaterland geplanten Kundgebung für den Völkerbund werden nach dem Vortrag des Staalsiekreiärs a. D. Dr. Bernhard Dernburg kurze Ansprachen halten: die Reichsragsabgeordneten Freiherr v. Reckenberg(Z.i. Legten (Soz.i, Ronrad Haußmann(Vp.). Freiherr v. R i ch t h o f e n (natl.)_# Charlottcnburg. Kleinlinderfürsorge. In jeder Säuglings. füriorgeslelle werden besondere Wocheniprechstniideii für Kinder vom l. bis zum vollendeten 6. Lebensjahre abgehallen. In dieie» Sprech- stunden werden in regelmäßigen Zwischenräumen zunächst solche Kinder, die bis zum vollendeten I. Lebensjahre bereits die Fürsorge« stelle besucht haben, weiter vorgestellt. Zugelassen werden jedoch alle Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren, auch wenn sie die Säuglingsiürsorgesiellen vorher nicht besucht baben. Mütter und Pflegemütter erhallen dabei unentgeltlichen spezialärztlichen Rat über die sür das Gedeihen des Kindes gebotenen Maßnahmen und die Vermeidung von Schädlichkeiten. Eine ärztliche Behandlung findet nickt statt. Diese Klemkinderiprechstunden werden a» folgenden Tagen abgehalten: Säuglingssürsorgcstelle I. Berliner Straße 137: Mitlwock. 2— 3 Uhr; II, Schillerstr. 37/38: Dienslag. 2-3 Uhr; III, Kirchplatz 5a: Freilag 1—2 Ubr; IV, Nehringitraße 1l: Diens- tag 2'/,— 3% Uhr; V, Kaiseiin-Aiigusta-Ällee 102: DieiiStag, 2 bis 3 Uhr: VI.'Kaiserin Auguste-Viktoria-HauS, Mollwitzstraße: Min- woch, 2—3 Ubr; VH. Horstweg 23: DonnerSlog, 2—3 Uhr. Die Mütter und Pflegemütter, die zugleich einen Säugling und ein größeres Kind der Fürsorgestelle vorstellen wollen, können aus- nahmsweiie auch die größeren Kinder in der Säuglingssprechsiundc mit vorstellen. Schöneberg. Annahmestellen für Schuhreparatur. Wiederholt werden Klogen darüber gesührt, daß für Schuhanibefferunaen wucherische Preise gefordert und gute Stiesel gegen schleckte ver- tan'cht werden. Der Magistrat hat demzuiolge mit einigen Sckub- machern ein Abkommen geiroffe», durch daS die ziiverlässiste Aus- sübrung von Schuhansbefferungen nach einem festgelegten Tarif binnen 14 Tagen gewährleistet wird. Zu diesem- Zweck sind zehn Annahmesiellen bei den nachstehend aufgeführten Schuhmachern er- richtet worden: Laube, Grunewaldstr. 61; Nieler, Grunewald- straße 74; Riese. Peter-Biicher-Str. 20; Zwarg. Nene Wmterfeldt- straße 43; Vater, Wielaiidslr. 31; Moritzkat, Hanpislr. 131; Preutz, Golenstr. 2; Haeth. Monumenlenslr..»3; Salge, Winter- feldtstr. 3; E. Robert Korn, Stubcnrauchstr. 12a. Lichtenberg. Kartoffclversorgung. Vom 25. Oktober bis 24. No- vember find neben den 7 Pfnnv Kartoffel» zum wöchentlichen Ver- brauch auf die 34 Äbickmiile 7, 8, 9, 10, 11 und 12 der gelben Lichtenverger Soiiderkvrioffelkarte. und zwar a b'.S k je'/» Piund und auf die beiden letzien Abschnitte g iä* Pfund. also aus jede Kartennummer 8 Pfinid, zusammen 48 P'und Kar- toffeln zu entnehmen. Dieie 43 Piund sind niebl für den laufenden Bedarf bestimmt, sondern drenen zur Schaffung eines Winter- Vorrats, welcher in der Zeit verbraucht werden darf, in der Frost oder andere BerlehrSstörungen die Kortoffelzufuhr hemmen. In dresem Zeilabschnitt werden keine Kartoffeln ausgegeben. Lichtenberg. Neue Kriegsfürsorgcmaßnahme». Der Magistrat hat eine Reihe von Beschlüssen auf dem Gebiet der Kriegswohl- fahrtspflege gefaßt. De» Beamten, fest Angestellten und Lehrern der höheren und Mittelschulen soll eine einnialige Kriegs« leuerungszulage nach den Berliner Bestimmungen gewährt werden. Die Lehrkräfte an den Gemeindeschulen sollen den Unjrr- schiedSbelrag zwischen den staatlichen und städtischen Sätzen er- hallen. Die auf Privatdienstvertrag beschäftigten Hilfskräile und die städtischen Arbeiter erhalten nach einjähriger Tätigkeit den elf- fachen Betrag der laufenden monailichen Rrieqsbeihilie. Die hier- sür erforderlichen Aufwendungen machen den Betrag von 950 000 M. aus. Ferner hat der Lichtenberger Magistrat beschlossen, den städtischen Arbeitern vom 1. Juli ab den Lohn um 10 Pf. und vom 1. Oktober ab um weitere 5 Pi. für die Stunde zu erhöhen.— Für die Durchsührung der Kriegshinterbliebenenfüisorge ioll ein besonderer städtischer Ausichuß von 2 Magistratsm tgliedern lind 4 Siadiverordneien eingeietzl werde».— Der Sladiverordneten- ausichntz, der zur Vorberaiung der im August cingebiach'.en Magistratsvorlage über die Bewilligung eines Kiiegskostenvorichusies zur Herstellung von Kleinwohnungen eingeietzl worden war, hat einstimmig bei'chloffen, die Annahme der Vorlage zu empiehlen. — Zu Kriegswohlfahrlsausgaben sollen weitere Mittel bis zu 5 Mill. Mark aus einer Zwischenanleihe zur Verfügung gestellt werden. Bis zum 1. Juni bat Lichtenberg an Kriegsunterstützungen uiw.. nach Abzug der Erstaliungen duich Reich und Staat, 17,4 Mill. Mark ausgegeben. Zu Weihnachlsip-n'e» für Angehörige des Feldheeres sollen 15 000 M. zur Verfügung gestellt weiden. Wilmersdorf. Käscverteilung. Vom 23. bis 25. Oktober werden in sämtlichen durch Anshängeichild der Fettstelle Groß-Berlin kennt» lich gemachten Geschästen auf die Groß-Berliner Speiseseltkarle ans Grund der Speise>et!kuiidenllsien ohne besondere Voranmeidung je 125 Gramm Käse verteilt. AdlerShof. Begabtcnfördernng. Um begabten Gemeindeschul« kindern den Uebergang aus die Realschule und die Höhere Mädchen- schule zu ermöglichen, hat die Gemeindeverwaltung einen Sonder- lehrgang in Deutsch und Rechnen eingerichtet, der sür Knaben und Mädchen, die die 5. Klasse der hiesigen Gemeindeichulen besuchen, bestimml ist und Ostern 1919 beendet sein wird. Der Sonderlebr- gang, dessen Teilnahme unentgelilich ist, bezweckt, daß die begabten Kinder das Ziel zur Ausnahme in die Sexta der Realschule bezw. in die 7. Klaffe der Mädchenschule stait"in vier bereits in drei Jahren erreichen. Groß-Oerliner parteinachrichten. Cöpenick. Vor mehr als 1000 Personen sprach am Sonntag Reichslagsabgeordneter Rudolf W i s s e I l über»FriedenSaussichten'. Anhänger der Unabhängigen, wie auch Bürgerliche waren zahlreich anwesend. Redner schilderte in eingebenden Anssührungen die all- gemeine politische Lage und setzte unter stürmischem Beifall auch die Nalwendigkeit des Eintritts der Panci in die Regierung anS- einander. Zur Aussprache nahm niemand das Wort, so daß der Vorsitzende erkkäien konnte, daß die Versammlung den Ausführungen einstimmig zustimmt. Cöpenick. Heute abend 8 Uhr im Kaikerhos Versammlung des Wahlvcreins. Vorstandsniilglieizer und Bezirksfühi.'r werden er- sucht; bereits 7'/, Uhr zu einer dringend wichligen Besprechung an« wcsend zu sein. Soziales. Ueber die Zustnirdigkeit der Mreteinigttngsämtcr. Das Landgericht Berlin III. Zivilkammer 15 hat unterm 10. Juli 1918— Aktenzeichen 26 8 183. 18— eine überaus wich. tige Entscheidung getroffen, die dem Umfang der Zuständigkeit d r MietScinigungsämter zur Unto i r? so mite: i.Hvk l ä r u no von Miels- kündigung betrifft Die in den Blättern für Rechte siege im B-- zirk des Kammergerichts 1918 Nr. 8/9 abgedruckle Entscheidung lautet wie folgt: Durch den Beschluß des MietseinigungZamtes zu Spandau vom 2. Februar 1918 ist die Kündigung, auf die der Kläger sein Räu- mungsbegehren stützt, für unwirksam erklärt worden. Diese Eni- scheidung ist gemäß 8 3 der BundeSratsverordnung zum Schutz! der Mieter vom 26. Juli unanfechtbar; die getroffene Feststellung der Unwirksamkeit der Kündigung gilt als Vereinbarung der Pac- teien. Das auf diese Kündigung gestützte Ränmungsbegehren des Klägers ist demnach unberechtigt und die Abweisung der Klage durch da» angefochtene Urteil ist daher zu Recht erfolgt. Unzutreffend ist die Ausführung des Klägers, daß das MictZ- Einigungsamt im vorliegenden Falle zur Entschechung nicht zu- ständig gewesen sei, da seine Zuständigkeit sich aus die Fälle be- schränke, in denen der Vermieter von seinem Kündigungsrecht des- halb Gebrauch mache, weil der Mieter einen erhöhten Mietzins nicht zahlen wolle, während der Kläger im vorliegenden Falle nur desbalb gekündigt habe, weil er die Mieträume selbst benutzen wolle. Allerdings hat das Königliche Landgericht II in Berlin in der in den KGÄl. 13, 13 abgedruckten Entscheidung diese Auffassung vertreten und auch Prof. Dr. Oertinann hat sich für eine lolche einschränkende Auslegung der BundeSratsverordnung vom 26. Jult 1917 ausgesprochen(J. W. 17, 956 ff.).- Dieser Meinung ist jedoch niait beizutreten, und sie hat in neuerer Zeit auch fast einhellige Ablehnung gefunden. Mag auch den hauptsächlichsten Anlaß zu jener Bundesratsver. ordnung die Erwägung gegeben haben, daß dem Bestreben der Ver- mveter, unter Ausnutzung der gegenwärtigen Lage übermäßige Miets st ei gerungen zu erzielen, entgegengetreten werden müsse, so hat die Verordnung die Zuständigkeit der Einigungsämter doch keineswegs auf die Fäll- beschränkt, in denen eine Kündigung zum Zwecke der Mietssteigerung erfolgt, und eine solche Einschränkung hat sicherlich nicht im Willen des Gcsetzgebe»? gelegen. Der Ver- mietcr braucht ja bei der Kündigwng einen Grund für diese nicht anzugeben und es wird sich daher in den meisten Fällen gar nicht erkennen und feststellen laffen, ob der Vermieter mit der Kündigung den Zweck einer Mietsteigeruiig verfolgt oder nicht. Bei einer Be- 'chränkung der ZuständigSeit der MietseimgungSämter auf die Fälle von Kündigungen, die zum Zivecke der Mietssteigerungcn er- -olgen, würde sich daher eine Unsicherheit und Unklarheit ergeben, die dem Zwecke der BundeSratsverordnung, eine rasche iwid uncm- 'echtbare Regelung der Frage der Wirksamkeit der Kündigung zu erzielen, durchaus zuwiderlaufen und in zahlreichen Fällen-ine -erfolgreiche Tätigkeit der Einigungsämter in Frage stellen würde. Dem Wortlaut und dem Sinne und Zwecke der Verordnung wird daber nur eine Auslegung gerecht, die dahin geht, daß die Ei- nigmigsekmter in allen Fällen einer nach d-m 1. Juni 1917 erfolgte» Kündigung des Vermieters über die Wirksamkeit derselben auf Anrufen des Mieters zu bestimmen haben.... Hiernach war die Berufung als unbegründet zurückzuverweisen. ?ugenöoeransta!tungen. Verein Nrbcircrjngcnd Groß-Berlin. Der am lebten Sonntag ausgefallene Lichtbildervortrag findet nunmel-r bestimmt au, kommende» Sonntag, abends 7 Nor. im Jngei-dbeim Linden- straße 3 stait. Tic ausgegebenen Karten bebalien ihre Gültigkelt. Weitere Karten a 20 Ps. sind noch ini Heim und auf allen Jugendveranstaltungeu zu baben. zirveiterjugendhenn Berlin. Lindenstr. 3. Morgen Freitag, abendS 8 Ubr, zweiter Abend der Vortragsreihe des Herr» Arbeiterlekrctär Hermann Müller: Vier Jahrhunderic wirtschaitlicher Entwicklung. Zlbt. Neukölln. Morgen Freitag, abends 8 Ubr. im Jugend- beim Berliner Str. Lst. Vortrag deS Herill Emil Unger: Die Zeit im Spiegel der Dichtung. Kw/Ss üW!!- MD 'i'»'r'j:'■: fil tJilvJt'liÄ •'.■ji;-»V>Lii-.1 j', fjL« A'* jl il.l 1'■ 1 M-li-'i'■|tä»|H t Lv �'L-P•''!%»-Vr;l• ,1 I\V\ f tÜ�hilh'.'.» K.lMA� i'»M J- wfc'.,'-i Mi-t LZÄ t'i-llj i jr- t � 1) V.--A j 1 1 1 1 ui T; t«'. u-i ii f � ui M'tl\ 1 � � ij 1 � fr �'-i;>) U i; 1 1'- �'1'-'.'.-A U 1-; '•■; Vv-4.>!*}»< l" >-".'fi iii-'• L' V> �> V- M-■*". � h k*-;»> n i-'i: Hl, I vi-AtHiti-. hiUi Hl4--.*.1 1«t|« ä I�l�i'l' ,t| Ii Ii«IS v»>!«{•'•}•£•/} V:»Vi1• V.-V-.■■�.•■sl".rV-i'-, ,«/ ■n••fii'!.-11 r}'-•••■&•*--1'o L l| itiUii'.-,1 1' 1''f'Vir7 rli 1P)'i*'}»'i' 1 s 1 1- t•! 7 �' 1•!* 1'' l-:«ij v"'1?|V-it\:'.-j. i'.iL-.-.-i-.t-.i »J-'-'Kri;•; iPrtj V-' j4»h L-'-iy-.i j« »■"il'rW''1'�1-"'# V.-.-7���. i'..l r?:'- KMiM WÄMM ÄWM WMW ? r!!'-!.>W�!> W hfli-ifitt?! W'...4.'N 'iOWl! -'3 t-K;4 villSS ik 1-«!>.M,V>»i"y.y wirbt Zutrauen und Wohlwollen. Die(ZrfahrAngsn, die man selbst und Taufende Andere mit ihr ee« macht Haben, verdichten sich zu einem Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens zu der Marke und zu den Waren für Hie sie bekannt ist. Eine solche Marke ist auch: Nt Mausseeflf. 155 DÄ» öicüotr 3M(*«4 Könkß�. 33 Am ZMowcf äiinaämicfi Ooanfcsj aesÄkm»! l&£iiL*sS :*::::. Ocrbrod der Geir.eindc- und Staatsarfceiter. Filiale GroE-Berlin. Den fffitglicbmt geben .- wir hiermit Nachricht vom Tode der Kollegen Wiiä.Karl Sclimidl von den Berl. Eleltri�itäis. werten(Sti'aizciibclcuchtung) Die Beerdigung findet am Freitag, den 2b. Ottobcr, nachmittags 4'/, Udr, von der Halle der Z>onS!irchcn> ttiemcinde in Nordend, Blan- kenscidcr Strajze, aus statt, lZu8lav közjcice vom Maswerk.Mariendors" (Mas-BetriebSgesellschast), Die Beerdigung finoct am Donnerstag, den eTOllober, nachmittags 4 Uhr, von de! Halle des Gemcinde-Fiicd- doses in Maricndors, gric- denstrage, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Um rege Beteiligung bei der Beltaltung der Kollegen ersucht W�lr Die cric-verwaltunq. Seianzverein ,.,Freii;eits hianac" Roriigwatde. IM. d. A.-S.-a.) Hierdurch die trainige Nachricht, daß unser lieber Langesbrudcr Uiio Sc!?Ei3z am Montag, den 21. Ottobcr, nachts 12 Uhr, im Alter von 35 IFahrcu an der Grippe verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung srndcl sonntag nachmittag 3 Uhi aus dem Borsigtvaldcr Fried- hos Natt, 3G9i)6 Um rege Beteiligung ersucht Ter Dtorstand. Ztumm schiäst der Länger! Verband der Büreauangettellten Deutschlands. Ortsgruppe Grog-Berlw, Unseren Mitgliedern hier- durch zur Stachricht, daß unser Kollege, der Bersichc, rungSairgeslellte «t!III Loonn am 21, Oktober im Atter ooi 31 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DonnerStag, den 21, Oktober, nachmittags 2 Uhr. aus dem Nazarelb-Kirchboi.Reinicken- Sorj. Sögelslicve, statt. Um rege Beteiligung er- sucht 47/3 ���oi�rtirsrrealiun� Am 20, Oktober verschied insolgeRippenscliveicitcrung unierKollcge, der Mechaniker E�l! Heinriclis. Die Kdlegen der firma R. Rucrbad). Beerdigung Freitag, den 25. Oltobrr, nachm. i1!, l!hr, Thomas-Kirchhos, Hermann« jtraße. 3681b ?entralverdai,d der Handlungsgehilfen. Ortsgruppe Berlin. Wir machen unseren Mit- gliedern die iraurige Mit- lcilung, daß unsere Ver- irauensverson bei der Firma A. Wcriheim, Königstraße, Skartka LioelZe am 22. 10, an der Grippe verslorben ist. Wir beNa�en in Ihr eine besäbigte Kollegin, die stets bereit war, sich sür die .intcrefsen der Allgemein- heil zu opsern. Die Beerdigung findet am Freitag. den 25. Oktober, |J nachmiltagS 3 Uhr, von der Hall« des FreireligiösenFrled- bo�S, Pappclallce, aus stall. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung an der deichen- seicr. 78/3 Tie Ortsvcrwaltung Nach kurzem Leiden verschied am 22. d. M. unser hochgeschätzter Berr Direktor LieltS. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen echlschaffenen Vorgesetzten und werden sein Andenken stets ehren. 79A Die Arbeiterschaft der Firma Richard Götze Abtciliin«; Treptow. Xaoln ut. Am 18. Oktober verstarb[ unerwartet unser liedei! Frcmid und Kollege, de: j Me6?aniker 131/17 Wir werden deniselben| ein ehrendes Andenken bc- wahren. Ter Boritand der Zentrai-Krailkenraffr! der deutschen Gold- und s Silbcrarbeircr. Seirvsev/sliuag Feiedeaou LebSneborg, Allen Freunden und Be- tamiicn zur Nachricht, dag mein ii< der llllann und mein guier Batcr, der Echristjetzer Zrns! kertrsm nach langem, schwerem Krankenlager sonst ent- ichkase» isl. In tiesem Schmerz Aagunto(Sertram und Lohn. Di« Einäscherung stndcl am Souuabendnachmiltag von der Vcichenhalle der Friedensgemeinde aus statt. Sozlatdemohrat. verein t' Berlin vi(S. P. D.). Unter langjähriges Mit glied, zuletzt Revisor unseres Pereins .Julius Wasser wohnhaft Usedomftraße 7, ist am IS. Oktober ver- slorben. Ehre seinem Andenken kl S Die Beerdigung erfolgt am[ Freitag, nachmittag« 2 Uhr," von der neuen Halle de jüdischen Friedhoscj in I Äeißcnsee. Zahlreiche Betelligung er ivartet 221/7 1 Der Vonttand.' Am 8. Oktober d, I, siet im Westen naD mehr als dre jährigen Kächpsen im blühenden Aller von 22 Jahren unsci innlgstgelieb- ler, herzensguter Sohu, Bruder und Neffe Frll! Bergmann Grenadier-Regiment 1 (Kronprinz). Die» zeigen allen Freun- den und Belanilteu in lief'em Schmerz au jüöSlb -widert Ilerirmana ncd»t5r»>i u, Lezcln»!olvea 3, Lehnincr Straße 2 Zpezisisrzt Ol-, med. Haedicke* Haut-, Harn-, Geschlechtsl.. Blutuntersuchf,'. Friedrichstr. 187-188(a. d. MohrenätraiJe, Ußterjrdb.J 11-1, 3-7, Stjf.U-L Opfer deS jurchtbaren WelltricgeS wurden unsere Kollegen, 82A der Schlaffer M Nary und der Lackierer' fsik Kuples. ES ehren ihr Andenken Tie Kollege» und Kolleginnen der Firma ICarl ttzohnlz, Haienbeide 9. Stsezialarzi Op. med. 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Ein sicheres Mittel gegen Haarausiall ist ui» nichl bekannt.— Sie baden im Jabr Anspruch aus einen Bezuosebein sür Lederstiesel.— Fragen Sie beim Magisn ai Neulölln an.— lliatlchläge in KranIbcilSsällen rei-ilen wir nicht. Wenden Sie sich an eiiien Arzt— F. M. Eine solche Liste dürste sicher erscheinen, doch isl unZ etwas NäbereS darüber nicht de» kannt. Vielleicht fragen Sic einmal beim SSgl. Sachs. Kricgsmiuislciium in Dresden an.— H. T. Suckow. Wenden Sie sich an da« Zentral» nachweifcbureau des KricgSniinineriumS, Berlin di V 7, Torotheenstr. 48. — vk. Sk. ISOv. Fkk die Steigerung gibt eS keine Höchstgrenze, könnlen sich nur, wenn Ihnen die Steigerung zu hoch ist und ungerecht» fertigt ericheint, was in Ihrem Falle wohl zutriisl, an das MietSeinigungS- aml wenden.— R. L. 18. 1. Die Wochenhilse kann der Ehefrau eines b-rcilS entlaffencn KricgSinvaliden gewährt werden, wenn der Ehemann nicht in der Lage ist, die sorge für die Familie zu übernehmen. Ob die BorauSietzung in Ihrem Falle zutrifft, können wir nach Ihren Angaben nicht entscheiden. Wenn Sie aber lrotz Ihrer Kriegsverlcbung lohnende Beslbästigung haben, so siebt Ihnen die Wochenhilse nicht zu. 2. Gesuche sii d an die KriegSkindersürsorge Wickimannslr. 20 zu richten; eS werden aber nur bei außergewöhnlicher Bedurstigkeit 20 M. Unterstützung gezahlt. — Recht. Uns ist ein solcher nachträglicher Beseht nicht bekannt, der Be- treffende soll die l öhcij� Löhnung geilend machen.— K. K. 1. Der Sohn ist jedenfalls nichi jest Angestellter gewesen. Die Mutier hat keinerlei An- ipruch, 2. Ja.— G. Z. 73. Ihr Ehemann müßte ieine Zuruckversctzung von der Front in die Etappe oerlangen, er kann zum Frontdienst mcht verwendet werden. WafferstandSnachrichten der Landeßanstalt fiir GewSfferr«»de, mitgeteilt vom Berliner Weltcrburcau. Wasser st and am Memel Tilfit Pregel Jnsterburg Weichsel Thorn Oder Ralibor r Strossen . Frantsurt Warthe schrimm , LandSbcrg Netze Vordamm Elbe Leitmeritz . Dresden „ Barby 1 Kompottschüssel in Tcrschiedenen Amföhrungen ä.SO 1 Fruchtschale lBier..anneo"hccs .iö.SS Pre!ismiisl«r* anf hohem') n Fnss ö-"5 1 Likfirsatzr«" tÄ®1'.'' 2.95 1 Kuchsntelier Preumnatrr. 1 Käseiocke 2.95 1 Fruc'-tkorh 2.95 Jandorf&C Beüe-flliiance-Sirasse Gr. FrcnhMr Strasse Brennen Strasse Kotthuser Oatnis Wilmerstiorler Strasse Steinet PoRellan' glitithflffHiiliKel 4Kaffe8b03heprrt,Ät;2.95 2 l/orrahtonnen«m oeekei 2.95 6 Ober lassen».i«......... 2.95 Jugendbücher lärKnaben n. M&dchen, eiele Titel, mit Bildern, gut gebunden......... z. 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Kleines Schsasplelbaas Pasanenstraße 1, Portal 6. 7'/, Uhr: Frühling« Erwachen. Volksbühne Theator am Bülowplata. Direktion Friedrich KayÜler. Hb liir«chsartcn. LessingTheater. Direktioa: Victor Sarnowelnr. ri/,Uu Der Karquit vo» Reith l'reita»; Peer Bynt ■ionnao.: Marquie von Reith. Oeüteclies Kinstler-Theater. ?'/, Uhr: Uiebe. Freit n.[olg. Tajife; Lilebc. Oir.C.MeUihard— R Bernauer. Theater k. Könlggrätzerstr. 7"Uhr: Rosuierebolm. KomGdienhaus '1,8 U.: Die tanzemle Nymphe. BerllnerTheater 7" U,: Rlltr.bl nue» Blut. Casino- Theater. LolHringer Gtr. 91. TÄel.«/� H.:; Tlur noch wenige ÄnstilHrungen des Berliner Possen- Schlagers im min m nirtni Porher daß grotze Ottoder-Precr. i ?nVorb.: Tie ßetbrne Drütte. I Sonnt. 3ll,: Ein(idelee Hehn.! Theater der FckMM. Boke Friedrioh- u. Liuienatr 1 7'h Uhr. Tägl.: Nord. H650, 1 Kaiserplatz 3, 1 Tr. Ein inst Stück m. Musik v. Laufs v. MSIlendorff. Georg. L. Holme. Mittw., Sonnab., Sonnt. S1/.: Hansel u. Grete! im Zauberwald Märchen m. Gesan;; g, Tanz.■ Trianon-Theater BM. f riedrlchstr. Ztk. 4927, 289 i Nachm. 4 Uhr, kleine Preise: Rotkäppchen. Täglich acht Uhr; Der gute Ruf von Herrn aan jedermann. Ida WDst. Bruno Raemer. Emma Debner. Hugo Flink. Gonia. Klein. Sehönieid. Freitag 4: Schnoewitlchen. Sonnab. 4: Hinsel und Grete!. Sonntag 4: Johannisfeuer. Theater für Donnerstag', 24. Oktober. Oeatral-Theater 0& Bie Rsse?od StaEbsl. Deutsche» Opernhann Tuhrßerlroubadour Fricdrlcb-W llhelmst. Theater 7'/. Uhr: Hannerl. Kleines Theater 7'/. uhr: Der Einsame. Komisehe Oper T1!�.: Sdjwarawsliteiäitel. Stg. 3ll,: Sehwarzwaidmädel. Kastaplelhans utfr: Bie spaiiBCtie Fliege. Metropol-Theater 7io': Die Fasellingsfee Sonntag 3 Uhr: Wiener Blut Palast-Theater er Strato Flscbiiii. Neues Operettenhaus 7'/, Uhr: DSS SÜOe Stg. 3'/,: Der Soldat der Mario ResldouB-Thcat«� 7«/. uhr: Lilil Grün. Hehlller-Th. Chart, 7*/, uhr: Her siefeeiite Tag. Thaila-Thcatcr V&: ÜM Ii. WM IM. Sonnab. S'l4 Uhr: Die Reise ins Schtarallenland. Theater am Nolleadorfplatz 7 Uhr; Theater de» Wewtra* 7v. uhr: nie lustige SitfE mit Quido Thielseher. Wallner-Theater 7'/. mu Gral BabÄ. Sonnt. M/. Uhr: FrUhtlngsluH. [Thalia-Theater. Jeden Mittwoch n. Sonnabend S'i, Uhr an kl Preisen; Die Reise ins Seblaraßeniand. OroBen Zenhermarchen m i�tGesahg trrdTanz.[282�" Rose-Thealer, Gr. FraflltfiirtErStr.132 taeh mittags 3 Uhr Of tapellmelster Prof. Tri Marths. Jeden Sonntag, nachmittags 3 Uhr Opern-Aufführungen Leitung Hofkaoellmelster Prof. Traugott Oehs Oper in 4 Akten ftcuntagr, 27. Oktober *on Flotow. Rennen zu BerSin-KarlshorGtl Doancrstap, 24. Oktober 1918. mitlags 12 Uhr. 7 nennen I. Werte t. 181 OOO IT.. darunter; Haupfjagdrennen: 102080 M. Preis von Pauisborn: 17 800 M. Oktoberpreis: 17300 M. F'ährpl. der Vorortzüge üb. Stadtbahii a. Anschlags. Außord Stftdtbahnverb. v.Charlottenb.— Friedrich- strsße nnehNiederschBneweide sow. v. Görlita.Iihf. n. Niedersehönewoida, r. hier in 15 Min. c». zu Fuß z. Rennb. KarUhonat. Stralenbahnvarb. 1. ▼. Sohles. I Bsbnh. üb. Stralau- Treptow n. Oberachöneweide; 2. v. Baknh. Niederschöneweide nach Rennb. Karls- I borst; S. vom Alexanderplatz nach Fnedrichsfoide; I 4 top Kmaiiiahsfelde nach Renn bahn Karls �»UravifmnrnarigeD! Ster» Jtnüra in ihrem Film i Auf des Lebens raeuher Bahn ft. Dcigny lind Ihre zwei Männer Rofe"VfeSelf Mrtli Regie: Max MacSi Äpsüo Friedriohatr. 218 Dir.: James Klein. [ 7'/. Sonnt. 3'!, u. 7=., Die Well geht unter! Große Variet�-Aus- etaltungsschau in vielen Bildern mit Senta Söneiand Ernst Lubitsch usw. Sonnt. 8'/, Uhr jeder 1 Erwach». 1 Kino frei! j teer aia Konter Ter. Roilbusersl.SLeit. F. Wagner Täglich 7'/, Uhr: Die Grode Variate-Schaa, Dekoracionaentw. Hamr. Zille.— Anna MUller-Lincke. Vorverk lO1/,— 1'/, u. ab 5 U. sowie bei Wortheim. Trade neaterberg Inge l.aury TEgerßseerBaiienitiißater Die Hoacnkuttpf sowie der == neue= Jeder Art prelnwert OroBe AuMtvahl Möbel-Lechflet BERUH Brnnnenatrafle 7. Sähe Kosenthaler Platz. 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Nr. 293— 1918 Unterhaltungsblatt des Vorwärts Donnerstag, 24. Oktober Die Grippe und deren DeHandlung. Der Spezialarzt für physiialifch-diätetifche Heilweisen Dr. med. Karl Georg Panesch, Chefarzt des Wiener Freiwilligen Nettungs- instiluts. schreibt in dem Wiener Blatte:„Natürlichere Heil- Methoden!" folgendes- _ Nach meiner vielfachen Erfahrung am Krankenbett müssen dieser Krankheit gegenüber besonders folgende Grundsätze gelten: Vorbeuge m-ittel. Als Vorbeugemittel gegen die spanische Grippe, übrigen? auch gegen zahlreiche andere Krankheilen: Täglich einige Sekunden lang dauernde kalte G a n z w a s ch u n g. mit Ausnahme des Kopfes sdcr ja ohnedies bei der Morgentoilette ganz oder teilweise kalt gewaschen wird), am besten, besonders für Nichtabgehärtete, im warmen Bette, so dag der Gewaschene nach der Waschung noch ungefähr eine Stunde lang oder länger im warmen Bette verlveilt, um sicher wieder in richt.ge Wärme und Trockenheit gelangt zu sein,. Für Personen, die sich schwer erwärmen, gibt man dem Wasser etwas Salz oder Essig bei. Für alle diese Waschungen i>t Nichtabtrocknen besonders zu Empfehlen. Durch solche Waschun- gen wird, wie man sich ausdrücken könnt«, der Körper des Men- schen tägl ch ein klein wenig derkühlt, jedoch in einem so geringen Grade, daß er immer wieder die entsprechenden Schutzkräste und Cchutzstoffe dagegen zu entwickeln vermag, so daß er schliesslich auch gegen grössere Kälteatiacken geschützt ist. Tie Kleidung soll nicht zu warm und nicht zu kühl sein. Gutes Schuhwerk ist besonders nötig. Lstmals(besonders vor dem Essen) Hände und Gesicht waschen. Mund ausspülen und Zähne putzen! Genügenden Schlaf(nicht zu wenig, nicht zu viel)! Taglich Stuhl(ebentuell im Notfalle Entleerungsirrigation, doch nicht angewöhnen)! Weitere Vorbeugungsmitfel: Vermeidung des Verkehrs mit Grivackranken; falls dies aber nicht möglich wäre, dann möglichste Verhütung der sogenannten Tröpfcheninfektion, damit man nicht durch die ausgehusteten Tröpfchen, welch« viele Grippebazillen beherbergen, infiziert werdet aus diesem Grunde beionder« Vor- sübten beim Gebrauch der Sprechmuschel der öffentlichen Telephon- stellen. Täglich Bewegung in frischer Luft, besonders diel Auf- enthalt im Sonnenschein. Selbstredend oftmalige Lüftung der Wohnräume, Vermeid uug grosser Menschenansammlungen(Kino, Theater usw.). Behandlung. Wenn jemand aber von der spanischen Grippe befallen worden ist(plötzlich einsetzendes hoh�Z Fieber, hoher Puls, Kopsschmerz, Schmerzen in den Beinen, Schnupfen, Husten. Lungen- und Rippen- sellentzundnng Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, diese zwei letzteren Erscheinungsarten besonders bei weiblichen Personen, Ge- brrncrscheinungen, z. B. mehr oder weniger starke Benommenheit usw.), so geht man am besten auf folgende Weis« vor: Bett und Arzt. Am empfehlenswertesten ist sofortiges Aufsuchen de» Bettes nach Auftauchen der ersten Symptome der spanischen Grippe. Stets sollte gegen spanische Grippe der Arzt konsultiert werden. Waschungen und Wickel. Bekämpfung des eingedrungenen Bazillengiftes und deS Fiebers, und zwar dadurch, dass man einerseits, sobald Schwitzen eingetreten ist und selbes einige Zeit(20— 30 Minuten) gewährt 9 hat. eine kurze kühle Ganzwaschung des Körpers vornimmt und sich a'i hieraus, ohne sich abzutrocknen, wieder gut bedeckt, bis man neuerdings ins Schwitzen gekommen ist, nach ungefähr einer halben Stunde Schweiß nimmt man wieder ein« neue Waschung vor und so fährt man fort, bis das Fieber vollständig gebrochen ist. Hierauf nimmt man bloss seltener Ganzwaschungen, z. B. ern» bis zweimal täglich vor. Will man eine stärkere Reaktion bewirken, so nimmt man zum Wasser etwas Salz oder Essig, wodurch lebhaftere Säfte- ströme nach der Körperoberfläche gezogen werden. Wenn der Körper ohnedies schon von früher her katarrhalisch oder sonst irgendwie von schlechten Stoffen mehr oder minder durchsetzt ist oder falls manch« Organe, wi« z. B, Nieren, Leber oder Darm, nicht gut funktionieren, so ist es von besonderem Werte, die Waschungen mft Rumpfwickcln zu verbinden. Diese Rumpswickel bestehen darin. daß man je nach der minderen oder grösseren Höhe des Fiebers den Rumpf(von den Achselböhlen bis in die Schenkelbeugen) rund- berum njiijiitcm feuchten Tuche(in frisches Wasser, eventuell in frisches Essig- oder Salzwasser getaucht; empfindsamere oder furchtsamere Naturen dürfen auch gestandenes, ja auch laueS Wasser gebrauchen) ein- bis viermal umwindet und das Ganze mit einem x\:r,v trockenen Leinen- oder Wolltuche gut umschließt, so dass bald wieder' Wärme entsteht. Solche Wickel bleiben je nach der Höhe des Fiebers und ihrer Umhüllung usw. so lange Zeit liegen, bis sich wieder zu grosse Hitze entwickelt. Nun wird er entfernt und eine kurze schnelle Ganztvaschung des Körpers vorgenommen, hierauf tritt je nach der Höbe des Fiebers eine ein- bis zweistündige Pauseein; sobald sich aber wieder unangenehme Wärme entwickelt hat, wird wieder eine weitere Wickelung oder nach Abnahme dieser Wickelung wieder ein« weitere Ganzwaschnng vorgenommen. Ist das Fieber vollständig besingt, so darf man mit diesen Prozeduren noch immer nicht ganz aushören. Dämpfe(doch mit Vorsichtl). In so manchen Fällen entfaltet es ausserordentlich günstige Wirkungen, falls man Dämpfe in Anwendung bringt, z. B. Mund-, Hals- und Brustdämpfe(mit etwas Kochsalz, Brust-. Veilchenblätter- tee, Spitzwegerich) oder gegen katarrhalische Affektionen des Kehl- köpfe?, der Bronchien und der Lunge. Bei Beginn von Lungen- nnd Rippenfellentzündung wirken diese Dämpfe ausgezeichnet,- je« doch auch bei vorgeschrittener Lungen- und Rippenfellentzündung en'falten sie oft vortreffliche Wirkungen. Freilich müßte es als ein grosser Fehler bezeichnet werden, sobald man nur die Dämpfe allein gebraucht; es ist in solchen Krankheitsfällen stets notwendig, die Dämpfe mit einer bedeutend grösseren Anzahl von kalten Anwen- düngen zu kombinieren, so daß einerseits zwar die guten Eigen- statten des Dampfes auf den Körper einzuwirken vermögen, andererseits indes die eventuell schlecht« Wirkung des Kampfes (Ermattung des Organismus und Erhitzung) durch die kühlen An- Wendungen wieder wettgemacht werden. Essen und Trinken. � Essen nur, wenn wirklich guter Appetit vorhanden ist und in diesem Falle nur milde Speisen und diese in bloss mässigor Menge! Trinken nur. wenn sich Durst zeich, oftmals, aber nicht�zuviel auf einmal, z. B. bloss jede viertel bis halbe oder ganze Stunde 1 bis 2 bis 3 Esslcffel toll Wasser; nur bei sehr grossem Durst mehr, aber doch nicht viel auf einmal! Luft und Sonn«. Ferner ist notwendig: Gut« Luft im Krankenzimmer durch stetes oftmaliges Lüften, möglichstes Einwirkenlassen des Sonnenscheines auf den Kranken und dessen Krankenzimmer, nicht zu frübes Aufstehen: nicht darauf vergessen, dass infolg« der Grippe alte Krunkheitszustände leicht wieder aufleben und sich verschlechtern. Komhlikationen. In vorstehenden Zeilen sind nur die banpi sächlichsten Richtlinien angeführt; während jeder Krankheit können sich verschiedene Komplikationen einstellen, die besondere Massnahmen erheischen. Solch? Komplikationen sind z. B. Entzündung des MittelohrS, Herzbeutels, Rippenfells, der Lunge. st Weltgraufen. Zur Ausstellung der Berliner Sezession. Es ist eine landläufige, aber keineswegs gefichette Wahrheit. daß grosse Kunst immer zeillos ist. Sie ist dies zweifellos inso- iern. als sie alle Zeilen überdauert und so den Nackigcboreiien per- ständl'ch bleibt. Aber sie ist es ganz gewiss nicht, wenn damit gesagt sein soll, dass sie mit der Zeit ibreS Ent. stehens, mit der Art und dem Schicksal ihrer Umwelt nichts gemein habe.-Da gilt das Gegenteil: Grosse Kunst ist der Eytrak: ihrer Zeit, ist diele Zeit auf die knappest« Formel gebracht, tst die innigste Konzentration alles Wesentlichen >er Zeit. Nun scheint eS aber so. als ob nicht alle Zeilen gleich- massig sich lünstlerisch erichöpfen lassen. Zuweilen hat man den Eindruck, als ob jene letzte Formel um io weniger gelingt und um io stärker schwankt, je uiunhiger eine Zeit ist. Je mehr sie ersüllt ist mit Abenteuern, mit Gewalr-nisbnichen, mit Blutgelchrei und Notnebeul. Ganz grosse Kunst'cheint nur aus ebener Zeit erwachsen zu können. Der dramatische W'rbel der Erlebnisse lässt nicht jene urzeugende, gesättigte Ruhe entstehen, jenen abklärenden Abstand, jene kritische Durchdringung und umfassende Gesamrbetrachlnnq, Kirz nicht die LebenSliin des grossen Kunstwerks. Chaotische Zeilen zeigen zwar mit schlagender Ueberzeugung den Künstler als empfind« lamsten Deuter, aber acrade darum gebrannt mit dem Mal der vergänglichen Erregung, der ausgepeitschten Spannung, des Zer- wühlten, des Ungläubigen, der Ratlosigkeit, des llmherürenS. Es kann kein Wunder nehmen, dass die Künstler, die sich von der Geaenwart dieier KrieoSiahre erareiken liessen solchem Schicksal dersielen: sie sind brüchig in der Linie, fie falten und knillern die Fläche, sie trüben die Farbe, sie find gereizt bis zur Hysterie, unglücklich bis zum Selbstmord und ausgelassen bis zum Cancan aller Laster. Sie stichen nicht da? Gietchgewickt, sondern die Karikaiur, die gezerrlc Hervoistülpung von Einzel« heilen. Sie sind mehr interessant als überzeugend, mehr Jllusiralion als Form, mehr Psychologie als Geist, Sie sind durch alles das uaturgemäss sekundär, aber doch für das Erfassen der Zeil unenl- behrlich- Romantiker, Nazarener, bald fromm, bald heidnisch, bald erotisch, bald asketisch, aber jedenfalls immer noch etwas nebenbei und nie nur Maler, nie naiv, nie die zweite und höhere Gattung der Natur. Solche Betrachtungen drängen ssch einem auf, wenn man durch die vor einigen Tagen eröffnete Ausstellung der Berliner Sezession geht, Sie werden besonders geweckt vor den Arbeiten der zeitlich mitschwingenden Temverauienie wie Erich Waske, Wilhelm Kohl» hoff, Bruno Kranskopf, Franz Heckendorf. Von Erich Waste sieht man eine grosse Leinwand:.Chaos. Ein brünstiger Protest gegen den Wahnsinn des organisierlen Mordes. Die Erde bebt von den Schandtaten der Menichen, Bruder zerfleischt den Bruder, Bei- wesiinq stinkt aus den Trümmern, ein böier, giftiger Woifsgeist verdunkelt den Himmel und panscht die Menschennarren zur Selbslzcrflciichuiig. Äasle wird es uns kaum übelnehmen können, wenn wir vor seinem Bilde, zum mindesten für einen'Augenblick, an den belgischen Wierg, den Oberrcgisseur aller Schreckenskammern. denken. Dennoch: wir sieben vor einem Dokument der Zeil, das wirksamer ist, otS es lauiend Leitartikel ie-.n können. Indessen, eS ist gar nicht notwendig, dass der Zeitinbalt so handgreiflich zur Darstellung kommt; es genügt ein Bildnis es genügen einige Blumen, einige Körper. um das unter Erichütterungen sich krümmende Tagesgefühl zum Ausdruck zu bringen. So fließt und tropft und spritzt aus Kohl- bo ffs Mcnschenichemen das Zeitqrauien. Symbole des JannnerS, Gefäße der Fäulnis, schwanken diel'e Figuren aus dem Unerträglichen ins Ungewisse. Ihre Finger krallen sich, als suchten sie Hall am Nichts. Auch bei Krauskops dampft die Verwesung. Seine Art zu malen ist FlaagelantismuS. Marlerung des Leibes und der Seele. Andere ähnliche Zeiten haben das, was ttrauskops empfindet, durch Ketzerbrand und Hexenmartcr ausgelöst. Er lässt ein Begräbnis an uns vorübertanmeln, einen gcipenst'gen Zug. ein geiles.Kirchhofs« aelächter. Man erinnert sich an Crivelli. Greco. Zurboran und andere spanische Martermaler, aber auch an Heinrich Heines Gräber« spuk: als Riualdo Rinaldini, Schinderhannes Orlansini... Hecken- darf zeigt, dass solche Nervenzeisaierung auch an einem barmlosctt Blumenstrauß sich üben kann. Die Blumen bekommen Grimmasscn, die Stengel biegen sich, steigern sich, durch die Blätter fließen Krämpfe. Allen dieien Malern ist eigentümlich, dass sie tintige Farben anwenden. Schwefelgelb, Grünspan, Kupfervitriol, die Farben der Dämmerung, des Dunstes, der Zersetzung, deS Grausens nnd der Verwesung: die Farben der Zeit. ü. Br. Notizen. — Eine PapyrnS-AuSstellung ist im Neue» Museum eröffnet. — Die Frauen nnd da» Kunststudium. Jetzt, wo so viele Zöpfe fallen, wird man den Flauen endlich auch den bis- her verweigerien Eintritt in die Kunstakademien gewähren müssen. Der Preussliche Landesverein hat in dieser Sache eine Eingabe ans prcussische Kultusministerium gemacht. Die allen Ladenhüter von Einwänden, eiwa dass Männer und Frauen nicht zusammen nach dem nackten Modell arbeiten könnten oder dass eine Vcrmchiuna des KunstproleiariatS eintrete— als ob nicht die Protetarrsietiiirg deS gesamten Volkes sszon Tag zu Tag sortschritte— wird man ja wohl nicht mehr voi zubringen wagen. — Gerettete Kun st werke. Die umfangreiche» ant sehr wertvollen Kuiist'chätze aus den Gebieten von Cambrai. Douat nnd Valenciennes, die teils Museen, teils Privatbesitz entstammen, sind erhallen geblieben. Um sie der Möglichkeit einer Zeri'lörung durch Beschiessung zu entziehen, hat sie die deutiche HeereSleiiung unter sackikundiger Leitung verpacken lassen, nachdem genaue Jnbattsver« zeichnisse ausgenommen worden waren. Sie sind inzwiichen nach sicheren Plätzen geführt worden, von wo aus sie nach dem Kriege ihren Besitzern unversehrt zurückgegeben werden sollen. — DaS grösste gelchrtebene Buch der Welt ist eine Pergaa�nib'bel aus dem 14 Jahrbunderl. Sie befindet sich in der König?. Bibliothek zu Stockholm. Das Buch wurde von dem Benediktiner Mönch SiiSlan im Kloster St. Margareih in Böhmen hergestellt. Im 30jäbrigen Kriege wurde eS von den Schweden alz Beute mit nach Stockholm genommen. Lodz. 122] Das gelobte Land. Roman von W. Sr. Reymont. -Herr Karl, Frau Wysocka will schon gehen. Vielleicht begleiten Sie uns." Sie verabschiedete sich sehr zeremoniell von Mada. die den Weggehenden mit den Augen durch die Zimmerflucht folgte. „Wollen wir dann auch gehen. Fräulein Mela?" ließ sich Wysocki vernehmen und ging Melas Tante suchen, die in der Stille eines Salons schlummerte. Auf dem Rückweg begegnete er seiner Mutter. „Wir gchen schon, kommst du mit?" „Nein, ich muh Fräulein Grünspan begleiten." „Kann Fräulein Grünspan nicht wer anders begleiten?" „Nein, Fräulein Grünspan kann nicht wer anders begleiten," erwiderte er mit Nachdruck, Sie blickten sich erbittert an. Die Augen der Mutter er- glänzten scharf, und in den Augen des Sohnes lag grosse Ruhe und Entschlossenheit. „Kommst du bald zurück? Anka ist bei uns, auch Boro- wiccki, soll ich mit dem Tee auf dich warten?" „Besser nicht, ich muss noch zu Mendeliohns gehen." „Wie du willst... wie du willst. Sie beherrschte sich nur mühevoll, reichte ihm nicht die Hand zum Kusse und ging. Wysocki beachtete es nicht. Er half Mela beim An- ziehen. „Fahren wir zu Rosa?' „Wir fahren zu Rosa, wir fahren, wohin Sie nur wollen. bis ans Ende der Welt." rief er innig. „Die Worte fliegen weiter als die Absichten, und die Absichten weiter als die Möglichkeiten." flüsterte sie leise. Die Stille des Sonntagabends brachte sie wiederum zum Bcwusst- sein und erinnerte sie an ihre nicht lange vorher gefassten Entschlüsse. „O nein, ich nehme meine Worte nicht zurück, nehmen Sie mich und führen Sie mich an die Grenzen aller Möglich- leiten." Er ergriff zitternd ihre Hand. „Einstweilen fahre ich Sie bloss zu Rosa." Sie hielte seine Hand fest. „Und später?" fragte er leise, ihr tief in die Augen schauend. „Morgen gebe ich Ihnen die Antwort darauf." Sie blickte weg, aus die trabenden Pferde. � Die Tante schlummerte auf dem Vordersitz und nickte hefttg. Wysocki und Mela fühlten, dass ein entscheidender, um- wälzender Augenblick aus sie zuschritt; es musste gleich ein Wort fallen, das ihnen schon lange.im Herzen klang, das so lange zurückgehalten und doch solange schon erwartet wurde. Mit klaren Blicken schauten sie sich an und versanken ineinander bis in die Tiefen ihrer geheimsten Gefühle; nach jedem Blick standen sie sich näher und gaben sich mehr hin. Ihren Entschluss hatte Mela nicht vergessen. Sie ahnte die ganze grauenhaste Notwendigkeit und die grauen- bafte Bitternis und das Leid, liess sich aber gleichzeitig vom Zauber des Stromes tragen. der durch ihre Herzen floss und in Gehirn und Blut eine lähmende, selige Wärme ergoss.•"- Schauernd vor Glück wartete sie auf seine Worte und wusstc genau, auch sie würde ihm alles sagen, ihre ganze Liebe aussprechen. Unbezwingliches Verlangen packte sie, das Glück bis zur Neige zu trinken, restlos bis zur Neige. Sie wollte sich' fortreitzen lassen, toll und wahnsinnig, ohne Rücksicht darauf, was der morgige Tag ihr bringen würde, oder vielleicht gerade deshalb, weil sie wusste, was er ihr bringen würde. Den einen Abend noch, den einen Augenblick I Sie hielt seine Hand fest, presste fie sich ans Herz und schaute mit glückstrahlenden Augen in die Ferne. „Mela..." Der leise, durchdringliche Klang durchfuhr sie wie eine glühende Schneide. S>ie schloss die Augen. Wie ein geängsiigter Vogel flog ihr Herz auf und schlug heftig und gewaltig gegen ihre Brust. Eine solche Glückseligkeit überflutete ihre Seele, dass sie kein Wort hervorbringen konnte, bloss mit den Mund- winkeln lächelte. „Mela!... Mela!... Er wiederholte es leiser, mit veränderter Stimme, und zog sie an sich. Fast klanglos flüsterte sie: „Still! Still!... Ihr Gesicht wurde leichenblaß, der Atem stockte. „Mela, hast du's nötig, heimzufahren?" liess sich die plötzlich aufgetvachie Tante vernehmen, musste aber die Frage mehrmals wiederholen, bis Mela sie verstand. „Nein— fahr du nur nach HauS l Ich geh' noch zu Rosa hinauf." Vor dem Mendelsohnschen PalaiS stiegen sie au«. Rosa ging ihnen entgegen, blickte sie sehr neugierig an und liess ironisch die Flut von Melas Zärtlichkeiten über sich ergehen. Auf dem einen Beine hinkend und sich in den breiten Hüsten wiegend, führte sie die beiden in das schwarze Budoir. „Was ist das für ein Gesang?" fragte Wysocki. Von oben drang aus Schajas Wohnung das Gelispel monotoner Klänge und zerschellte in der unteren Wohnung. „Sie singen bei Vater. Jetzt gehles schon immer so zu. Ich bin wirklich sehr besorgt. Schon seit ein paar Monaten, gleich nach dem Tod des alten Buchholz, betet Papa iolt- während, jeden Tag kommen Synagogeniänger und singen fromme Lieder. Das ist unnatürlich. Dann hat er auch einmal zu Stanislaw geäussert, er möchte noch vor seinem Tode ein Asyl für Krüppel und Arbeiter aus seiner Fabrik gründen. Das ist ein sehr schlechtes Symptom. Stanislaw hat auch gleich nach Wien nach einem Spezialisten tele- graphiert." „Ja, das ist intereffanr," sagte Wysoeki, hörte aber nicht auf Rosas Worte. Er zitterte vor Erregung und warf Mela, die in das anstoßende Boudoir ging, verzehrende Blicke nach. „Was seid ihr beide denn so ve/wirrt? Habt thr euch etwa schon gesagt, wie lieb thr euch habt?" „Beinohe. beinahe. Aber. Sie helfen uns, nicht wahr?' Er küßte ihr die Hände. „Hast du sie sehr �lisb? Sag's?" fragte Rosa neugierig und w'.schtc ihm den Schweiß von der Stirne. Mit solchem Ungestüm und solcher Leidenschaft begann Wysocki ihr seine�Liebe auszumalen, dass Rosa erstaunt zu ihm aufblickte. Sie hatte nicht gedacht, dass er eiues so glühenden Gefühls fähig wäre, hörte ihm aber neugierig und voll Teilnahme zu. Aber in ihrem Herzen begann ein un- erklärliches Leid zu wühlen. Als Mela wieder zurück- kam und sich neben Wysocki setzte, erhob sie sich sogleich und ging. „Ich habe alles gehört, was du Rosa erzählt hast." Mela umarmte ihn innig und Presste die glühenden, dürsten- den Lippen auf seinen Mund.„Ich Hab' dick lieb!" flüsterte sie, sich für einen Augenblick von ihm ioSreissend. Morls, folgt.) MM MMM-MtiO. Berciil Bcrliu. Dmcnu: Snizeluler ZS HI. Zimmer 5S. M m MM M ßSWWMkhe! Nach den sictrvffcncn Lohnvcrcinbaruiigen qcltrn dum 19. Oktober 1918 an solgcude Stundenlöhne: Mail Maurer........... 1,1)0 �ementierer und Flechtrr..... 1.87'/z Einschaler........... 1,S0 Kalk- und Stcinträ�er...... 1,90 Haiiddetonmischcr, Wasserträger usw. 1,78 Gewöhnliche Hitfsarbciter.... 1,73 Tiefe Löhne müssen erstmalig am Sonnabend, den 86. Oktober ausgezahlt werden. Wo bereits ein höherer Lohn gezahlt wird, darf nichts abgezogen werden. Ter Vorstand des Deutschen Bauarbcitervcrbandes Verein Berlin. 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Schuhfab. Glaser, Landsberger Str. 92. I 194. Sitzung. Mittwoch, den 23. Oktober, nachmittags 2 Uhr Am Bundsratstisch: von Paher, Trimborn, Dr. Solf. Graf Roedern. Gröber. Hausmann. Scheidemann, Erzberger, v. Krause. Schiffer, Scheuch. Die Beratung üer Gesetzentwürfe zur änöerung üer Reichsverfasiung wird fortgesetzt. Wg. Haase(U. Soz.): Die Weltrevolution, die der Krieg eingeleitet bat, hat eine stürmische Entwicklung genommen. Der deutsch-e Jmperia- lismus hat das Spiel vollständig verloren.(Sehr wahr! bei den U. Soz.s lieber einen ffrieden. der den deutschen Imperialismus?erstört. aber den anderer Länder stärkt, empfinden wir nicht Befriedigung. Es wäre mit uns gan?; anders bestellt, wenn schon im Frühjahr ISIS die ersten Friedensfäden, die sich zwischen England und Deutschland entspannen, nicht abgerissen worden wären. �Schr wahr! bei den U. Soz.) Zlber damals wurden wir beschimpft und unsere Behauptungen für falsch erklärt. Als ich im Frühjahr 1916 aussprach, der Krieg werde damft enden, daß es weder Sieger noch Besiegte geben wird, sondern daß alle Völker aus Millionen Wunden bluten werden, wurde ich beschimpft und namentlich auch von den Herren der Sozialdemokratischen Partei.(Sehr wahr? d. d. U. Soz.— S'ürm. Widerspruch b. d. Soz. und Zuruf: Be- wußte Lüge!) Da� Sie die Stirne haben, dokumentarisch be- legte Tatsachen durch Geschrei aus der Welt schaffen zu wollen, das kennzeichnet Sie.(Unruhe b. d. Soz.) Dr. David warf mir da- mals an den Kopf, ich vertrete die Interessen des Auslandes. Sie wären heute glücklich, wenn die Situation, die ich damals kennzeich- nete, noch bestünde. Aber mit dem Moment, wo Sie den U-Boot- Krieg erklärten, stimmte die Prognose nicht mehr. Jetzt suchen ja die meisten Parteien von dem verschärften U-Boot-Kriege a b z u- rücken. Es ist richtig, daß die Regierungssozialisten im letzten Augenblick vor ihm gewarnt haben. Aber alle Parteien mit Aus- rahme meiner Fraktion sind am letzten Ende mitschuldig an diesem Ergebnis. Denn die erste U-Boot-Rcsolution ist von den Herren Graf Westarp bis Scheidemann und Ebert gefaßt worden. Und jeder muß einsehen, daß die Konsequenz dann zum verschärften U-Boot- Krieg führt. An dem eingetretenen Zustand tragen Sie auch des- halb die Hauptschuld, weil Sie dem alten System bis zum lebten Augenblick die Mittel zur Fortsetzung des Krieges bewilligt haben.(Lebh. Sehr wahr! b. d. U. Soz.) Sie berufen sich auf die Friedensresol: tion vom 19. Juli 1917. Diese sollte wirk- lich endlich begraben sein! Denn wie sie m Einklang zu bringen ist mit den Wilsons che» Grundsätzen, ist Jbr Geheimnis. Wie sie aufzufassen ist, kann man lediglich durch die Art ihrer An- Wendung bei den FrledenSverträgen von Brest- L i t o w s k und Bukarest bestimmen, und Herr Erzberger hat mir gegenüber hier im Hause erklärt, daß diese Friedensverträge im Rahmen dieser Rcsolutwn geschlossen sind.(Hört, hört! b. d. U. Soz.) Die gestrige Rede de? Reichskanzlers hat ebenso enttäuscht wie seine erste Rede. In der ganzen Welt ftagt man gespannt: Wird der W a f f e n st i l l st a n d kommen? Draußen an der Front bricht überall das Verlangen durch: Schluß mit dem grausigen Krieg! Man versteht es nicht, daß die Regierung auf die letzte Note Wilsons « i n e Wo ch e gebraucht hat, um eine?lntwort zurechtzustellen. Es ist in den Zeitungen von vielen Seiten darauf hingewiesen worden, daß das Angebot entsprungen ist der Initiative van Hindenburg und Ludendorff. Es ist nicht aus der Initiative der neuen Regierung hervorgegangen, die alte Regierung hatte den ersten Entwurf bereits fertig- gestellt.(Hört, hört! bei den U. Soz.) Ist das aber der Fall, so ist es unbegreiflich, wie nicht alles geschieht, um schnell zum Waffenstillstand zu gelangen. Jedes weitere Blutvergießen tst ja selbst vom militärischen Gesichtspunkt aus völlig unnütz und sinnlos. Deshalb mußte das Waffenstillstandsangebot ganz anders lauten. Noch in allerletzter Zeit hat in Elsaß-Lothringen Frei- Herr v Stein, Kommandant von Vichy, unter dem 8. Oktober eine Verfügung anschlagen lassen, worin es heißt:„Es ist die K Wahrnehmung gemacht worden, daß in Elsaß-Lothringen die An- sicht�verbreitet ist. das Land werde bei einer etwaigen Offensive unseren Feinden ohne weiteres überlassen werden. Diesen un- sinnigen Gerüchten trete:ch nachdrücklich entgegen. Wir werden keinen Fußbreit von Elsaß-Lothringen dem Gegner überlassen. Eher wird das Land das Schicksal der Kampfgebiete in Frankreich teilen, unv zu einer Triimmerstütte werden."(Hört! hörtl bei den Ü. Soz.) Diese Aussicht mußte auch noch den letzten Rest von Sympathie für Teutschland aus den Herzen der dortigen Be- völkerung herausnehmen. Auch in der II- B o o t- F r a g e ist die Note nicht klir und bestimmt genug. Nach dem Mißerfolg des ver- schärften U-Boot-Kriegs hätte man von vornherein erklären müssen, daß wir im Hinblick auf die bevorstehenden Wajsenstillstands-Ver- Handlungen den U-Boot-Krieg ganz einzu st eilen entschlossen �ind. Schon Engels hat als Folge eines Weltkrieges Hungersnot. Scuckcn, Bankerott, allgemeinen Sturz der Kronen und schließbich den Sieg der Arbeiterklasse vorangezeigt. Jedes Wort ist zur Wahrheil geworden. Und Sie(nach rechts) sehen schaudernd, wie diese Früchte jfcranrcifen. In Ihrer Verlegenheit lassen Sie es sich gern gcfüllen, daß Vertreter der Arbeiter mit Ihnen zusammen in die Regierung eingetreten sind, um zu retten, was an diesem System zu retten ist.(Sehr wahr! bei den U. Soz.) Die Kronen rollen auf das Pflaster, die Krone des Zaren Nikolaus, die Krone des Bnlgarenkönigs, die des österreichisch-ungarischen Kaisers! Kronen, die man schon zu er- haschen glaubte, sind wie Staub in: Winde schnell davongeeilt. die Krone von Finnland, Litauen usw. Rings um uns herum tun sich Republiken aus und da soll Deutschland allein, umgeben von Republiken, noch einen Kroncnträgrr haben oder Träger vieler Kronen und Krönlein(Pfuirufe, andauernder großer Lärm rechts.— Präsident Fehrenbach: Ich bitte um Ruhe! — Zuruf rechts: Wir sind wotzl nicht mehr ein� Monarchie!) Es sind bürgerliche Blätter, wie die.Münchener Neueste»: Nach- richten", oas natianalliberale„Leipziger Tageblatt", die es als Selbstverständlichkeit bezeichnet haben, daß der Träger der preußischen Krone, der deutsche Kaiser sein Amt niederlegt. Eine Reihe anderer Blätter haben viel deutlicher noch gefordert, daß die Dynastie in Teutschland republikanischen Ein- richtungen Platz machen müsse Gerade in den Kreisen der Konser- vativcn wird am deutlichsten davon gesprochen, daß man schließlich um der Hohenzollerndynastie willen nickt das Schicksal des ganzen Volkes aufs Spiel setzen dürfe.(Abg. v. Graefe: Wo hat das gestanden?) Ich habe nicht von konservativen Blättern gesprochen. Daß aber in Jbren Kreisen so geredet wird, be- stätigen Ihre früheren bürgerlichen Freunde, die es vielleicht bald wioder sein werden. Alles, was bisher an innerer Umformung versucht wird ist elendes Flickwerk. Redner bespricht eine Anzahl Zeitnngsverbote der letzten Wochen. Wir haben am 14. Oktober dem Reichskanzler eine größere Zahl dieser Fälle mitgeteilt. Am 29. Oktober haben wir vom Staats- sekretär Gröber ganz nach altem Schema die Mitteilung erhalten, . daß mein Schreiben dem Herrn Obcrmilitärbefehlshaber zur weitereu Veranlassung übergeben se.i(Große Heiterkeit b. d. U. Soz.) Noch jetzt bestehen Redeverbote auch gegen Mitglieder Zortfehung öer Reichstagsöebatte. »dieses Hauses. Der„Sozialistischen Auslandskorrespondenz" ist em' Artikel vollständig gestrichen worden! Die Vorzensur besteht auch unter der neuen Regierung noch. Ein Gesuch des„Berliner Mit- tcilungsblattes" um Aufhebung der Vorzensur ist noch unter dem 19. Oktober ohne Angabe von Gründen abgelehnt worden. Der „Leipziger Volkszeitung" ist es noch heute unmöglich, ins neutrale Ausland zu gelangen. Das Ausfuhrverbot über das Buch von Mehring über Karl Marx, an dem die Zensur nach monatelanger Prüfung kein Wort zu stre:chen gesunden hat, ist erst neuerdings bestätigt worden. Ebenso ist eine Schrift Karl Kautskys monatelang bei der Zensur zurückgehalten worden, und jetzt hat' man ihm schließlich Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und Einleitung freigegeben.(Heiterkeit.) Auch auf unsere Eingabe um die Her- ausgäbe einer neuen Tageszeitung in Berlin haben wir■ von der neuen Regierung nach alter bureaukraiischer Methode den � Bescheid erhalten, daß die Angelegenheit den zuständigen Stellen! übergeben sei. Noch immer ist in Königsberg der verschärfte Be-' lagerungszustand nicht aufgehoben, noch immer besteht überall die offene und geheime Briefzensnr fort. Frau Agnes in Düssebdorftist wogen vermuteter Gesinnungsgemeinschaft mit einer brieflichen Aentzerung chrcs Mannes auf 6 Monate in Schutzhaft gesteckt worden.(Pfuirufe.) Nock: immer werden Tausende von Arbeitern lediglich aus politischen Gründen im Heere festgehalten. Eben erst ist unter dem neuen Reg:me auf ausdrücklichen Befehl des Oberkommandos ein reklamierter Großunternehmer plötzlich ein- gezogen worden, weil sein Bruder mit dem Herrn v. Beerfelde ver- kehrt hat.(Hört, hört! b. d. U. Soz.) W:r fordern ein umfassendes Amnestiegesetz: das Verlangen danach hat zuerst die Unabhängige Sozialdemokratie erhoben. Entsetzliche Notschrei« dringen zu uns von den Matrosen aus dem Zuchthaus in Celle. Mehrere sind bereits infolge Hungers zugrunde gegangen. (Bewegung.) Andere leiden so schreckliche Qualen, daß sie lieber wünschten, wie ihre Kameraden erschossen zu sein. Welch bitteres Gefühl muß Männer wie Dittmann und Liebknecht be- herrschen, wenn man ihnen Gnade gewährt, während sie ihre Be- freiung durch das Volk erwarteten. Ander«, die dasselbe taten wie sie, sind nicht begnadigt. Die hier eingebrachten Verfassungsvorlagen sind nur Flicken auf dem absolut:stisch°bureaukratischcn Mantel.(Sehr wahr! bei den U. Soz.) Die Perfassung muß von Grund aus geändert wer- den, denn ein mächtiger Wirbelsturm geht durch die ganze Welt. Für Wilson sind wir keineswegs begeistert-, wir glauben nicht, daß der Wilsonfrieden die Arbeiterintcressen genügend sicherstellt. Wir fürchten, daß, wenn die Regierungen sich endlich auf dem Friedens- kongreß geeinigt haben, sie gemeinsam die russische Revo- lution unterdrücken werden. Der gegenwärtige Reichs- kanzler hat in einem Interview derartiges ja angedeutet. Wir billigen keineswegs alle Maßnahmen der russischen Revolution, aber w:r müssen es entschieden verurteilen, wenn man jetzt der Sowjetrepublik in den Rücken fällt. Den Dänen gegenüber for- dern wir die endliche Erfüllung des Artikels b de? Prager Friedens. In der e l s a ß- l o t h r i n g i s ch e n Frage kann nicht die Sprach- grenze, nicl,t die Stammeszugehörigkeit, sondern nur der Wille derBevölkerung entscheidend sein. Mit unseren französischen Freunden kämpfen wir dagegen an, daß Frankreich durch das Schwert Elsaß-Lothringen zurückerobern will.(Hört! hörtl bei den U. Soz.) Die elsatz-lothringische Bevölkerung muß selbst darüber entscheiden, welchem Staat sie angehören will. Da? gleiche gilt für die dcutschpolnischen Grenzgebiete. Deutsche und Polen müssen gemeinsam alles vermeiden, was die beiden Nationen durch- einander betzen kann. Es wäre ein Unglück, wenn durch nationa- listische Aspirationen die Verbindung Ost Greußens mit den anderen Teilen des Reiche? unterbunden würde. Entscheidend muß sein was die Bevölkerung will, nicht waZ einzelne Polen' hoffen und wünschen. Wir blicken trübe in die Zukunft wegen der schweren Leiden deS Volkes und wegen der fortdauernden unerschwinglichen Kriegs- lasten. Aber gleichviel wie der Krieg endet, das deutsche Volk wird nicht untergehen. Rettung aus Not, Elend und Unter- drückung kann es freilich im Rahmen der gegenwärtigen Gesellschafts- ocdnung nicht finden. Die gesamte Produktion läßt sich ungeheuer steigern, wenn an Stelle der Wirtschaft des Profits die s o z i a- listische Wirtschaftsordnung tritt. Deutschland ist dazu viel reifer als Nußland. Von der Kühnhc-it und Entschlossenheit der deutschen Arbeiter, fteilich auch der Arbeiter anderer Länder, hängt es ab, ob die Umwälzung bald erfolgt oder wir noch schwere Elendszeiten durchmachen müssen. Letzten Endes wird ans dem Elend doch die volle Befreiung der Bienschheit hervorgehen.(Bravo! bei den U. Soz.), Vizekanzler von Payer: Die antimonarchischen Extravaganzen des Vorredners weise ich zurück, es ist jetzt nicht Zeit, zu derartigen Problemen Stellung zu nehmen. Von der rechten Seite hat man uns zum Vorwurf gemacht, wir treiben das Vaterland durch überstürzte Reformen einem Abgrund zu, von links, wir führen nur schwächliche Re- formen durch. Vielleicht liegt die Wahrheit auch hier in der Mitte. Die praktischen Tragweiten der Reformen werden sich erst in Monaten, vielleicht Jahren zeigen. Immerhin hat noch kein Volk in so kurzer Zeit solche Reformen ohne jede Erschütte- r u:: g in so besonnener und ruhiger, fast geschäftsmäßiger Weise durchgeführt. Das konnte deswegen geschehen, weil es sich um alte Forderungen zielbewußter Männer handelte, die viel zu lange nickt erfüllt wurden und für die spätestens jetzt der richtige Augen- blick war. Der konservative Redner machte uns zum Vorwurf, daß wir eine Mehrheitsregierung, keine Koalitionsregierung hergestellt haben. Voraussetzung für eine Koalitionsregierung ist, daß sie erfüllt ist von einem einheitlichen, klaren, alles überragenden Ziele, dem alle anderen Meinungen und Bestrebungen sich als verhältnismäßig un- bedeutend unterzuordnen haben. Hätten wir nun einen konservativen Parlamentarier aufgenommen in die Regierung, so wären wir wohl einig in dem Entschluß, das Vaterland mit äußerster Kraft zu ver- teidigen.(Zuruf rechts: Das iit die Hauptsache.) Nicht einig wären wir über den Anhalt des Friedens, über den Weg zu ihm, über die Geflissentlichkeit, mit dcr man ihn erstrebt und nicht einig über die Reformen.(Sehr gut! b. d. Mehrheit.) Eine solche Re- gierung könnte kein Vertrauen erwerben, und gerade Vertrauen brauchen wir. Gerade deswegen können wir in der Regierung niemanden brauchen, der für einen Anhängcr eines Gewaltfticdens galt. Man denke nur, Graf Westarp hätte seine gestrigen Aus- führungen über den U-Boot-Kcieg als parlamcntari'cher Staatssekretär gemecht. Ein Fricdcnshindernis ist auch das Miß- trauen des Auslandes in unsere Demokratisierung, und dieses Hindernis mußten wir beseitigen. Wir brauchen eine unzweideutige ehrliche und gerade Politik. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Der Schmerz der Konservativen ist begreiflich, daß sie. nachdem 49 Jahre lang die Mitglieder der Regierung ckus konservativen Reihen genommen sind, jetzt kalt gestellt und durch diejenigen ersetzt sind, die sie 49 Jahre lang kalt gestellt hatten.(Zuruf rechts: Kriegsersatz!) Würde man übrigens nach Billigkeitsgründen die Regieriingssitzc verteilen, so hätten die Konservativen schon auf mindestens ein halbes Jahrhundert Vorschutz.(Große Heiler- keit.) Die Politik der Konservativen hat es unmöglich ge- macht, sie in die Regierung aufzunehmen. Si« haben sich � zu lange und hartnäckig dem entgegengestellt, was not- ' wendig war, und gehören jetzt dahin, wohin sie sich nach der gestrigen Erklärung gern begeben wollten, in die O v v o s: t: o n. Es gibt klare durchs:cht:ge einfache Verhältnisse, wenn sie in dieser Opposition auch bleiben.(Sehr gut! links.) Wir haben es nicht anders erwartet, daß sie eine loyale Haltung in i der Opposition bewahren werden, daß sie solidarisch mit allen an- deren Parteien gegen jede Demüfigung des Vaterlandes ihr Letztes drangeben werden. Es wird auch unsere Brüder draußen an dcr Front m:t Genugtuung erfüllen, wenn sie w:ssen, daß sie in ihrem unendlich schweren Kampf das gesamte deutsche Volk ohne Un- t e r s ch i e d der Partei hinter sich haben. Etwas zu weit in dem Recht der Opposition auf Kritik ist der konservative Redner gestern bei seinem Eingehen auf die Note an Präsident Wilson gegangen. Seine Billigung der Note war nicht zu erwarten, sie hätte auch nur verwirrend gewirkt. Aber wir halten es überhaupt— das gilt auch für den Redner der äußersten Linken— für gefähr- lich, wenn die Parteien oder gar die Negierung sich jetzt in Auseinandersetzungen über den Inhalt und die Bedeutung dieser Note einlassen würden Jeder liest dann soviel herein oder heraus, daß schließlich niemand mehr weiß, was dringestan- den hat. Wir Halden es für eine vaterländische Pflicht, unter den jetzigen Umständen auf die Genugtuung zu verzichten, den Beweis liefern zu können, daß man klüger und weiser war als die andern.(Sehr gut!) Noch ein Wort zu dem Antrag, daß dem Reichskanzler das Vertrauen des Reichstages bekundet werden soll. Es scheint, daß nun auch formell das parlamentarische System das erstemal praktisch ins Leben gerufen werden soll. Wir in der Regierung haben diese Vcrtrauenskundgebung nicht verlangt, sie ist uns aber selbstverständlich willkommen. Wir brauchen das Ver- trauen der Mehrheit:m Reichstag. Vielleicht leistet es nach innen und nach außen gute Dienste, wenn jetzt schon bekundet wird, daß dies Vertrauen vorhanden ist. Wir schauen mit gutem Gewissen dieser ersten Entscheidung des Reichstags entgegen.(Bravo I bei der Mehrheit.) Abg. Stychcl(Pole): Mg. Graf Westarp sagte gestern, kein Fußbreit deutsch«: Bodeuz im Osten würde abgetreten werden. Wir Polen verlangen keinen deutschen Boden. Aber der Grundsatz muß fallen: wo der Deutsche Fuß gefaßt hat, da ist bereits deutscher Boden. Bezeichnend ist die Uebereinstimmung zwischen dem Grafen W e st a r p und dem Abg. Haase in dieser Frage. Abg. Naumann verlangte, daß Zwei- deutigkciten aufhören. Der Ansicht sind auch wir. Deshalb geben wir unsere bisherige Zurückhaltung auf.(Heiter- keit rechts.) Wir haben keinerlei Absicht, die nationalen Gefühle Deutschlands zu verletzen. Wir haben Verständnis für diese Ge- fühle, denn wir haben Jahrhunderte unter denselben Empfindungen leiden müssen. Die Morgenröte einer neuen Zeit bricht am Wir erleben eine Umwertung der Werde. Di« ungeheuren Menschenopfer sind nicht vergebens gebracht. Heute heißt es: Jedem sein Recht, zuum euiquel Niemand wird gedemütigt werden, denn der Ver- zicht aus unrechtes Gut, der Sieg über sich selbst, ist keine Er- niedrigung, sondern eine läuternde Tat. Ein Wohltäter der Menschheit, Präsident Wilson(Bravo! bei den Polen), läßt seine Stimme ertönen und verkündet für das Zusammenleben dcr Völker Grundsätze, die Gott selbst gegeben bat. die aber die Völker bisher mißachtet haben. Auch den unverjährbaren Rechten der Polen soll auf der internationalen Friedenskonferenz Genugtuung verschafft werdm. Da regen sich Ostmarkenverein und Alldeutsche, um sich der ehrlichen Ausführung der von Deutschland angenommenen Grundsätze entgegenzustellen. Das kann die Fric- denverbandlumgen nicht fördern. Jetzt beruft man sich auf die Statistik, die„öffentliche Dirne". Der jetzige Zustand in den Ost- marken darf nicht maßgebend sein, sondern das, was war. Man müßte die Toten mitzählen lassen.(Lachen rechts.) Polen hat sich trotz seiner Aufteilung unter drei Reiche stets als ein ein- heitlicher Organismus gefühlt. Di« Politik der preußischen Staats- raison r ä ch t sich jetzt cm ihrem Urheber.(Sehr wahr I b. d. Polen-) 1»? Abg. Graf Posadowsky(D. Fr.): rvir, Schwere Bedenken liegen gegen eine parlamentarische Re- gierung namentlich in einem Bundesstaat vor. Als Mindersieits- Partei werden wir alle Maßnahmen der Regierung zur Verteidigung und Wiederaufrichtung des Vaterlandes unterstützen.(Sehr richtigl rechts.) Manche meinen, nach dem Kriege werbe derfrüherekon- stitutionelle Zustand wiederkehren. Das könnte m:r ge- schehen, wenn ein wirtschaftlicher Niedergang unser Volk politisch ganz gleichgültig machte, was ich nicht boffen will. Der Abg. Ebert wünschte gestern, es soll« so schnell wie möglich mit dem Junkertum aufgeräumt werden, was versteht er denn eigentlich unter Junkertum?(Sehr gut! rechts.) Der Reichskanzler sagte gestern, wir müßten auch das Recht und das Glück fremder Völker in unseren nationalen Willen aufnehmen. Bei Recht stimme ich ihn: zu, beim Glück nicht. Wie sollen wir das beim sran-ösischen Volk tun, das uns seit 299 Jahren mit geradezu sadistischem Haß verfolgt, wie bei England, das sein gewaltiges Weltreich mit Raub und Gewalt zustande gebracht hat. Dieser Welibürgergeist hat zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die Schwäche und Hoffnungslosigkeit gezeigt, die zum Niedcrbruch von Jena geführt hat.(Zustimmung rechts. Znrnf links: Das a u t o k rat i s che Regiment der Junkerl) Abg. Ricklin(Eis.): Der Reichskanzler hat auf die Veränderungen in Elsaß- Lothringen birgewiesen. Wir halten es für unsere Gewissens- Pflicht, dem deutschen Volke die volle Wahrheit zn sagen, un: keine trügerischen Hoffnungen aufkonrmcn zu lassen. All das, was in Berlin und von der neuen Regierung in Straßburg nach dieser Richtung jetzr unternommen wird, wird in dem Stadium, in daS nunmehr die elsaß-lothringische Frage eingetreten ist, keine wesentliche Einwirkung auf die Stimmung in Elsaß-Lothringen mehr ausüben können.(Hört! hört!) Der größte Teil des elfaß- lothringischen Volkes beansprucht das Recht selbst über sein politisches Schicksal zu entscheiden. Da müssen wir jetzt alles unterlassen, was der freien Willensäußerung des Volkes vorgreifen könnte. Die vorgenommenen Aenderungcn schließen aber eine solche Präjudizie- rung der fteien Willensäußerung der Elsaß-Lothoinger ein. daß sie jedenfalls geeignet sind, die öffentliche Meinung zu verwirren. Das uns von unseren Wählern übertragene Mandaj, für einen selbständigen Bundesstaat Elsaß-Loibringen einzutreten, ist durch die Entwicklung dieser Frage überholt. Wenn dcr jetzige Schritt früher erfolgt wärr, so wäre er nicht nur imstande gewesen, bei uns viel Unheil zu verhüten, sondern auch geeignet gewesen» das gräßliche Unglück, welches durch den Krieg über die Welt herein- gebrochen ist, mit zu verhindern.(Hört! hört!, Bewegung.) Abg. Hansen(Däne): Der Ernst der Stunde fordert van uns eine klare und offene Sprache. Als Vertreter der danischen Be- völlerung in Nordschleswig fordere ich im Namen des Rechts und der Gerechtigkeit die Durchführung des§ 5 des Friedens- Vertrages von Prag vom 29. Dezember 1866, und damit bei dem bevorstehenden Friedensschluß die endgültige Lösung der nordschleswiqschen Frage auf Grund des Selbstbestimmungs- rechts der Bevölkerung. Möge die neue Regierung bei dem Frie- dcnsschluß eine Politik des Rechts und der Gerechtigkeit und der Versöhnung auch gegenüber Dänemark und Skandinavien befolgen. Präsident Fchrcnbach schlägt Vertagung vor. Abg. Gras Westarp(kons.): Ich bitte zu vertagen, bis die Re- gierung zu den heute gehörten Erklärungen der Polen, Dänen und Elsässcr Stellung genommen hat.> Abg. Lcdebour(U. Soz.): Hierzu ist eine längere Vertagung doch nicht nötig. Vizekanzler von Payer: Die Regierung wird morgen bei Be» ginn der Sitzung ihre Erklärung über diese Kundgebungen abgeben. Abg. Graf Westarp(kons): Auch das preußische Staats, Ministerium muß das tun.(Große Heiterkeit links.) / HSb. Ärtwfaw*(TL Go�.T: Kn Wtfrw hatk» wie et nicht fäir notwendig, das preußische Staatsministerium vor da» f?oriim des Reichstags zu ziehen. Wenn wir cs einmal für not- wendig halten werden, so werden wir uns aus den Grafen Westarp berufen. Präsident Fehrenbach: Diesen Anregungen denke ich keine Folge ga geben. Abg. Ebert tSoz.): Ich bitte folgenden Antrag, der noch nicht verteilt'.st. zugleich mit einem Antrag Graf Westarp, der dieselbe Materie behandelt, noch heute dem Ausschuß zu überweisen: Die Löhnung der Mannschaften wird vom 1. Oktober an verdoppelt, die der Unteroffiziere und Beamten um äst Proz. erhöht, eine Aufbesserung der Ofsiziersgehälter im Felddienst wird m Er- wägung gezogen. Da niemand widerspricht, wird dieser Antra« mit dem ent- sprechenden Antrag Westarp einem Ausschuß überwiesen. Abg. Westarp(persönlich): Pizelanzlcr von Payer hat e» so dargestellt, als ob wir über die verlorene Macht trauern und Partei- tendenziöse Angriff« i« Anschluß daran gegen mrö gerichtet. Er hat mich mißverstanden. Wir haben uns nickt über dem Gang der Dinge beklagt, sondern lediglich den Sachverhalt festgestellt.(Lebh. Zustimmung rechts.) Vizekanzler von Paver: Ich verwahre mich gegen den Vorwurf parteiiendcnziöser Angriffe. Ich habe als Mitglied der Regierung Angvisfe gegen uns zurückgewiesen, das ist mein Recht und meine Pflicht,(ße'ofi. Beifall.) Nächste Effiunq?wnn«rStag tl Uhr. Schluß 7 Uhr._______ SAveckschasisbkwWng Eine Masienverfammwng öe? Eisenbahner. Eine vom Deutschen Eisenbahnerverband einberufene Veriumm« sammlung, die am Dienstag im Böhmischen Braubanse tagte, war so st a r k ü b e r f ü l l t. daß Hunderte keinen Einlaß mehr fanden. Die Erwartung, welche auch die Eisenbohuer hinsichtlich der endlichen Erfüllung ihrer Forderungen an die neue Regierung stellen, hatte den mastenbaffen Besuch der Versammlung bewirkt. Die eingeladen« soz-aldemokratische NeichStagSfialtion war durck den Genossen Robert Schmidt, die sozigldemofratische Land- tagSfraktion durch den Genossen Leinert vertreten, der da« Referat übernommen hatte. Cr beleuchtete die politisch« und Wirte schaffliche Lage, sowie die ans Verbesserung ibrer Lohn- und Arbeitsbedingungen gerichteten Forderungen der Eisenbahner. Die S'senbahnverwaltung habe ihre Arbeiter und Angestellten bisher wie ihrer Fürsorge onveriravt« Kinder, aber nicht wie freie Männer behandelt. Der Minister Hobe sich verrechnet, wenn er glaubte, durch Schaffung von ArbeiteranSschüffen da? ver- trauen der Eisenbahner zu gewinnen. Er habe deshalb noch nicht aewaat, seine neuest« Schöpfung, den ZentralarbeiteranSichriß ins Leben treten zu lassen. Hinsichtlich der Entlohnung babe die Eilenbahnverwaltiing noch nie eine führende Stellung eingenommen und der Minister habe nichts getan, nm den Eisenbahnbetrieb be- züglick der Arbeitsverhältnisse zu einem Musterbetrieb zu machen. Schließlich wies der Referent darauf bin, daß die sozialdemokratiiche LandtagSikakt'on die vom Deutschen Eisenbahnerverband ausgestellten Forderungen mit Erfolg vertreten habe. So iei eS gelungen, eine Verbesserung der Löhne durchzuführen, doch sei eme weitere Erhöhung der Grundlöhne und Gehälter sowie eine Verkürzung der Arbeitszeit notwendig. Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt begrüßte mit Genugtuung daS starke Anwachsen und die erfolgreiche Tärigkeit deS tzMdevWUe« Siienoganerverbanses und gab der Erwartung Ausdruck, daß "die Eisenbahner, soweit ti an ihnen liegt, mitwirken werden, daß auf den Trümmern, die un» der Kmg hinterlassen bat, ein neues demokratische« Deutschland aufgebaut werde, wo auch die Forderungen der Arbeiter berücksichtigt werden müssen. ES folgte eine lebhafte Aussprache, deren Ergebnis der Vor- sitzende K o hur dahin zusammenfaßte, daß fetzt, wo Vertrauens- mänm der Arbeiterschaft in der Regierung sstzen, di« Forderungen «« vrbeiter nickt mehr übergangen werden lönnen. also auch die Wünsche der Eisenbahner ihrer Erfüllung entgegengehen. Eine Resolution wurde einstimmig angenommen. Sie fordert wegen der schleckten ErnährungSverhältnisse eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf höchstens bt Stunden, die nack und nach auf 48 Stunden herabzusetzen ist. Ferner sagt die Reso- lution: »Hand in Hand mit der Verkürzung der Arbeitszeit muß eine Erhöhung de« Einkommens erfolgen. Di« anhaltenden Preis- fteigerungen, die sinkende Kauffraff das Geldes erfordern eine so- fortige Erhöhung der Grundlöhne und der Gehälter. Die letzte einmalige Teuerungszulage, so anerkennenswert sie auch war. hat auf die lausenden Ausgaben leine wohltuende Wirkung gehabt. Bei der Einkommenssteigerung Ist von der niedrigsten Lohn- staffel aus.zngehon, dergestalt, daß der niedrigste Satz auf min- destenS 6 M. erhöbt wird. Entsprechend dieser Steigerung find die Grundlöhne in allen übrigen Graffeln zu er- höben mit der Maßgabe, daß die Steigerung de» monatlichen Lohne,'nkommenS für die Handwerker und Arbeiter nicht unter 60 M. betragt. In gleicher Weise muffen die Gehälter der unteren und mittleren Beamten erhöht werden.. Da bei den Teuerung»« Zulagen ein Ausgleich für teuere und nichtteuere Bezirke stattfindet, Joröerungen s«Gewer?sih(jsten«t»i» Uebergangswirtsihast Der Ausschuß der Gewerkschaftskommisfion Berlins und der Vororte hatte am Dienstag ein« Versammlung der örtlichen Vor» stände und Funktionäre sämtlicher Gewerffchaslen(freie, christliche und Hirsch-Dunckersche) einberufen.� Zweck der Versammlung war, die schon früher von den Gewerkschaften für die llebergangSwirt- ichafl geforderten Maßnahmen auf« neue zu erheben und' zu er- ganzen. Der Referent Eugen Brückner betonte, e« sei jetzt die höchste Zeil, damit di« Behörden die von der Arbeiterschaff auf- gestellten Forderungen durchführen, um eine möglichst glatte, n,cht durch Störungen beeinträchtigte Umstellung der KriegSwirrschaft in die Friedenswirtschaft zu ermöglichen. Wie sich die UebergangS- Wirtschaft gestalten werde, da« lasse sich jetzt noch nickt ab- seben. Arbeit zum Wiedeiauibau unseres WirttchaffSlebenö müsse noch dem Kriege in großem Umfange geleistet werden. In welckem Umfange die überall notwendigen Arbeiten in Angriff genommen werden können, das hänae von der Mögltckkeii der Robstoffbesckaffung ab. Deshalb müsse zunächst für die Beschaffung und rationierte Verteilung von Roh- stoffen sowie für die Schaffung von Arbeitsgelegenheit'orgt werden. Selbst wenn es gelingen sollte, bald nach Friedrusickluß knnderttau'ende au« dem Heeresdienst Entlassene in Arbeit zu bringen, so würden rmmer noch weitere Hunderttauiende arbeitslos bleiben Um auch ihnen ArbeiiSmöglichkeit zu gewähren, müsse die Arbeitszeit erheblich verkürzt und die Arbeiter für den dadurch entstandenen LohnanSfall entsprechend entschädigt werden. Die Hauptforderung sei aber die Beschaffung von Ar- beitSgelegenhcit. Wenn sie ihren Zweck erfüllen solle, müsse eine zentral geregelte gut funktionierende ArbeilSver- m i t t l u n g eingerichtet werden auf der von den Gewerkickoften vorgeschlagenen Grundlage. Die Arbeitslosen müßten Unreritätznng auS öffentlichen Mitteln erhallen. Solange>vir die von den Ge- werkschaiten geforderte ReichSarbeilSlotenversscherung noch nicht hoben, müßten die Gemeinden die ArbeffSIosenfüriorg« betreiben und di« dafür aufgewandten Gelder vom Staat und Reich zurück- vergütet erhalten.— Die Lag« sei ernst, die in Frage kommenden Körperschaften Kütten die dringende Ausgabe, alle» zu tun, um der in Aussicht stehenden Arbeitslosigkeit rechtzeitig mit wirksamen Maß- nahmen zu begegnen. Zu diesem Zweck empsahl der Referent die folgende vom Ausschuß beantragte Resolution: »Die am 22. Oktober IS18 versammelten Vorstände der freien, christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewe>ff'chaff-n nehmen mit Bedauern davon Kenntnis, daß aus die Anfang Januar d. I. an die Bororigemeinden und den Magistrat Berlin gerichtete Eingab« bezügl, Maßnahmen für die Uebergangswirtichaft noch nickt endgültig Stellung genommen worden ist. Die Ver- sammelten wiederholen ihr« in der Eingabe vom 8. Januar niedergelegten Forderungen bezügl. Arbeitsbeschaffung. Arbeits- dermittelung. Arbeitsnachweis und ArbeiiSlosenumerstützung. Sie beauffragen den Ausschuß der Berliner GewerkschofiSkomnrffflon in Verbindung mit den christlichen und Hirsch-Dunckerscken Gewerkichaffsvertreiern. unverzüglich die norwendrgen Sckrtite zu unternehmen, um für da« wirticha'iliche G-biel Groß-Berlin eine Stellungnahme der Gemeinden herbeizuführen. In Ergänzung dieser Forderungen halten die Versammelten e« für dringend notwendig, bei der Umstellung der Betriebe von der Kriegs- zur Friedenswirllchoff und bei der Demabilisterung de« Heeres, daß die ArbeiiSzeit in allen Gewerben auk ein mög- lickst geringes Maß reduziert wird, um so möglichst viel Arbeirs« kräfie unterbringen zu können. DeS weiteren ist die Arbeitslosenunterstützung eventuell zuschußweise all denen zu zahlen, die bei der verkürzten Arbeits- zeit nicht mehr als den doppelten Betrag der ArbeilSlosenunter« stützung(inkl. Gewerkickastsiinterstützung) zu verdienen vermögen. Die Versammelten richten an die Reichs- und Staatsbehörden di« Forderung auf Freigabe der von den Militär- und sonstiaen Behörden beschlagnahmten Rohstoffe, Halb« und Fmigfabrikate, um dieielben dem täglichen Bedarf zuzuiühren. Reichs- und Staatsbehörden werden ersucht, Vorkehrungen zu treffen, um alle öffentlichen Arbeiten, insbesondere die bei der Post und Eisenbahn in Angriff nehmen zu können. Die in Betracht kommenden Behörden haben ferner alle? zu tun, om den Wohnungsbau zu fördern, da nicht nur die Schaffung von geeigneten Wobnungen ein dringendes Bedürfnis ist, sondern auch dadurch Arbeits- gelegrnbeit geschaffen wird. Die Verhandlungen mit den Staats- und Reichsbehörden sollen eventuell gemeinsam mit den zentralen Instanzen der Ge- werk'chaflen geführt werden/ Dem Referat folgte eine rege Aussprache. Metallarbeiter Bredow meinte, die vom Referenten vertretenen Forderungen entsprächen nickt mehr der jetzigen Zeit. Von der neuen Regierung müsse mehr gefordert werden. Die MetchSarbeitSlosenversicherimg müsse schleunigst eingeführt werden. Nickt die Gemeinden sollten die Lasten der Arbeitsloienfürsorg« tragen, sondern nur die aus- iübrenden Oraone derselben sein. Die vom Neierenien befürwortet« Form der ArbcitSvermittelung werde auf den schärssten Widerstand der Unternehmer stoßen, denn sie würden ihre der Maßregelung dienenden Arbeitsnachweise nickt aufgeben wollen. Deshalb müßten sie durch die Gesetzqehüng dazu ge-wungen werden. DaS gelte anck für die Verkürzung der Arbeitszeit. Hier liege eine Aufgabe für d-n Genossen Baner als Staatssekretär. Moiallarbeiier Eckert erklärte, die AilSfübriingen des Referenten hätten ihn sehr enttäiiickt. weil sie nock auf dem Gedanken eines Mitteleuropa olssgebau: seien, der ja nun zusammengebrochen sei. Jehl, wo die Welt in allen Fugen kracke, könne man Forderungen nick! mehr ans der- Grundlage de? kapitalistischen WmichaffssystemS ausbauen, das so in Rußland, auf dem Balkan, in Oesterreich be- reit« zusammengebrochen sei nnd auch in Deutschland hoffentlich bald zusammenbrechen nnd durch die sozialistische Republik abgelöst w-rde. lS-bhasrer Beifall. l Die für die Uebergangswirtichaft ausgestellten Pläne würden Schiffbruch erleiden, man brauche sich damit nicht mehr ,u befassen. Der Vorsitzende Ritter ersuchte die nachfolgenden Redner, politische Erörterungen zu unterlnsien, schon mit Rücksickt daraus, daß hier Vertreter verschiedener politischer Parteien versammelt seien. Die weiieren Redner hielten sich denn auch an die AuSfüh- rungen des Referenten, mit denen sie im allgemeinen wohl überein- stimmten, an Einzelheiten aber Kritik üble" Besonders wurde die Uebernabme der Arbeitslosenunterstützung durch daS Renb ge'ordert. Wenn der Krieg schon 100 bis 160 Milliarden gekostet babe. dam, könnten auch noch ö0 Milliarden für infolge des Kriege» Arbeits- ko'e aufgebracht werden, sagte ein Redner. Ein anderer Redner befürwortete die Usberwernina arbeitsloser Industriearbeiter an die Landwirtschaft, die ja Arbeiiskräfte nötig brancke. Nach einem Schlußwort des Reierernen, der seine Forderungen al« die nächstliegenden und vor der Hand notwendigsten bezeichnete, wurde die Reiollition mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. En Referat des Genossen Körst en über die in der Resolution ebenfalls berührt? Frage de« KleinwolmungSbrnies wurde iveaen der vorgerückten Zeit abgesetzt. Sie soll in einer späteren Versammlung bebandelr werden ist die Grundlohn»nd Gehaltsaufbesserung allen Bediensteten gleich- mäßig zu gewähren. Schließlich find auch geeignete Maßnahmen z» ergreifen, um eine zeitgemäß« Erhöbung der Bezüge der Rentenempfänger, ganz besonders der Altpensionäre, berbeizuführen. Die Notschreie der ehemaligen Staatsbediensteten dürfen nicht länger unberücksichtigt bleiben. Di« Versammelten bezeichnen die vorstehenden Forderungen al« die dringendsten und beauftragen ihre VerbandSleitung, in diesem Sinne bei den Staatsbahnverwaltungen zu wirken/ Der Achtstundentag i« den Böttchereien. In einer gut besuchten Bcrsommlung der Böttcher, Weinküfer und HttfSarbeiter erstattete der Bevollmächtigte Klopschus Berich« über die Zugeständnisse der Arbeitgeber bezüglich der Einsükrung der achtstündigen Arbeitszeit. Durch Vorstellung der Organi- sarionsomreter ist in 82 Betrieben mit zirka 240 Beschästrglen die achtstündige Arbeitszeit vom 7. Oktober ab eingeführt worden. Die Arbeitszeit beträgt pro Wache 47 Stunden, der Wochenlohn hierfür l20 M. ohne Abzug von Kranken- und Jnval'dengeld. Der Stundenlohn im Betrage von 2.S0 M. bis 8 M. wird jedoch für 48 Stunden pro Woche berechnet. Di« drei Faßsadriken Wördel, Vereinigte und Raabe glauben, weil sie mit HeereSarbeiten be» fchäfligt sind, in eme Verkürzung der ArbeiiSzeii nicht einwilligen zu können. In den Brauereien Berlin» arbeiten gegenwärtig zirka VO Böttcher tonflo». Ein einstimmig angenommener Antrag betagt. daß in denjenigen Faßsabriken und Betrieben, di» b's jetzt der Ein- tüdrung der achtstündigen Arbeitszeit gegenüber eine ablehnende Haltung eingenommen haben, die m Frage kommenden Böttcher sich vom 22. Oktober ab die achlstündige Arbeitszeit eigenmächtig nehmen sollen und zwar soll«ine Stund« später angefangen werden oder eine Stunde früher Arbeitsschluß«inireten. Bauarbeiterverband. Die infolge der steigenden Teuerung an die Arbeitgeber- organisation erneut gestellten Anträge aus Erhöhung der 3>uerurigS- zulagen haben Erfolg gehabt. Nach den Vorschlägen der Schlichtungs» kommilsion soll der Tanklobn vom IS. Ollober I0l8 an für alle Nrbeiterkalegorien des HockbanverirageS um 20 Pi. für die Stunde erhöht werden. Diesen Vorschlägen haben beide Parteien zuge- stinimi und müssen die höheren Löhne erstmalig am Sonnabend, den LS. Oktober ausgezahlt werden- Wo dies nicht geschehen sollte, ersuchen wir die« dem Vorstand sofort zu melden, damit dieser zu- sammen mit den auf der Arbeitsstelle beschäsliglen Kollegen da« gegen einschreiten kann. Wo bereits bödcre Löhne, wie die jetzt zu zahlenden Tariflöhne gezahlt werden, darf nicht» abgezogen werden. Die kaufmännischen und technischen Angestellten der Allge- meinen ElrktrizitätS-Gesellschaft befinden sich seit längerer Zeit in einer Bewegung zur Verbesserung ihver SinkommeuSverhältniffe. Da ein« Regelung bisher überhaupt noch nicht erfolgt ist, anderer» feit» aber diejenige Person au» dem Angestelltenausschutz, die biS- her immer mit der Gefamiführung der Bewegung belrcrui war, plötzlich unter sehr merkwürdigen Umständen ihre Tätigkeit bei der Firma aufgeben und zum HsereSdienst einrücken mußte, so wollen die Angestellten sämtlicher A.E G.-Bepriebe am kommenden Freitag. den Lb. Oktober, in einer großen Versammlung tn den Germania» Prachisälen, Ehauffeestr. 110. Stellung nehmen. roetlermiSüchte» für»öS mittlrer«orvbrnttrtHntie vis Freitag mittue. Ziemlich mild, stn Nordosten vormlfgcnb trübe mit l-ichten r' mm M eichten Ncgeniällkn. iii den trocken und vieUach heiter. onderen lLegendeu zeilwege nebelig, sonst Leronmotttich tbr Boiitir Erich fnttvt*, Berlin: für den lldrizen Teil»ez rialieZ Alfred Schölt, Neukölln, lllr Anicigen riicodo- ouocke, i'erltn. Lerwg: Borldürtt-tierlag». ri d H.. Berlin. Druck SorwürtS-viuddruckerel und AerlagS-inslolt Kaut Tina« u.«lo. in v-rltn vindenstratze a. Hier»» 1 tPiUaae und Unnrhal»nasttatt. mms- A.WERTHEIM Steintöpfe � M 2,15«. 26.00 hohe, graue. Einmachehafen mn38p..bi,2.10 Glas .y Schürzen Tfindelschörzcn gepunktMull m Stickerei 9.50 TandclschürzengesticktMun in. Stickerei reich garniert............. 11.25 Tcesehürzen weißes durchbrochenes Bandchcn m Spitze......... 10.75 Tceschörzen glatt Batist m. Stickerei- Bin- und Ansatz.............. 15.75 Teesdvlrzen dunkelblau Mull, weiß gestickt.............. 10.50 Teeschürzen schwarz weiß getupft Batist, Wiener Form............ 12.75 �Tlütuszchiirzen blau- weiß gemustert Handarbeiten Korsette auf grauem, starkfädigem Sioff; Kissen fertig geitickt, FederiCIlung... 70.00 Kissen mit ROckwand, gezeichnet.... 16.00 Mitteldecke angefangen, ,'60 cm.,. 22.50 Milleldecke gezeichnet 60/60 cm,... 13.50 Kaffeewärmer fertig........... 33.00 Kaftecw&i mer gezeichnet........ 9.00 Glasbatist mit Einsatz und vorgezeichnet: Decken 30/30 c'n 60/60 011 5.00 Tablctfdecken 17/24'm oval....... 1.80 Tableifdeclten f7/-4 cm eckig...... 2.20 14.50 20/ �0 cm 2.40 20/3 cm Spitze 30/115 cm 13.50 25/38 cm 3.00 25/35 cm 2.70 3.30 Papiergewebe 7.75 *Haussdiürzcn blau- weiß gemustert Papiergeweoe extra weit...... 9/5 •Bkisenschürzen blau-weiß Papiergewebe m Borte............. 10.50 'Biusenschürzen glatt blauPapiergewebe m. färb. Paspel.............. 13.25 * Ohne Bctuafibsök.•»» reinem Sopietsma*. Küchengarnitur Mischgewebe grau hautendänäer �Stnet und feri,s Besenhandtuch vorgezeichnet..... 22 00 Küchenh&ndl'jch vorgezeichnet.... 16.75 Kücher.lischdcckc vorgezeichnet,.,. 14.75 Arbeitskörbe mit Peilverziemng 5ilder fertig gestickt... 15.00 ötickkasten....... 2.50 d!s 23.00 Hüfffcorsett aus Band......... 11.25 Hüft iorsett gestreiftes Band....... 18.75 Korsette weiß Leinen m. Langetfe.,. 32.00 Korsette mod. Leinen lange Form.. 40.00 Korsette weiß Leinen, waschbare Einlage 37 50 Korsette wß Lein., extra lang Spitz.-Qarn 40 00 KorsciteweiDStickereistoff.halbhohePorm 41,50 öüstenh aitcr, UntertaiUcn, Kinderkorsette. Tottietfe-ArMIce! Lilienmiich weiß, rosa, gcibl. Flasche 1.85 Mandcikleie....... Pak 25 40 75 Pf. Parfüm m MLTiseb-WMsej-Dan vi. 2.90 3.75 6.25 Parfüm in Röhrchen... Flasche 1.00 1.50 Lsodor Dufttabletten Karton mit 10 Stück 1.00 Riechkissen in Papier.. Stück 20 50 75 PL Badesali in Töten...... 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