Nr.TV4. SS. Jahrg. ««»»„»»retS, BteKtWa-S.««!, oamofl. ftf< in»»otau» �ntCboi.ltnMln« Summern 10?olti»»i»g: Eüonaiuit Boai Colli Aaltn-»zvbolen IjBC Vtt., Boot Crtefttöflo m»Hau« g«» bracht US« Dil Unter ltreuzbanB lür DeitHchiar lt and Oellrrrrrch- Unyarn Dil. fSi da« HBriqt ilu«land 6,Vj Dil. monatildi Ceifand ms t?eld bfidtrstttt CriKtUinq monall 2,— KL SoftbffleDiinqeii n.ometi an DÜNO- marl, Holland üuiittnbuiq, Schweden and dl» CJHBet» Eteoelraqen tu dt» itsofl-.ieuunaS'CreUiHte. SriAettti läqlich. iHMtamm• HBrfflt; »Sozialdemokrat Venia'. Verlinev VolkSblntk. ( 10 Pfennig) NnzeigenvretSt >>ieftebrngespalle»»Koionrl,rII»koslel 80 Plq.Ülcinc SlnzetBen". da« fcllgedruckle Wort ZV IzulSlilg 2 iellgedruiktr Worte), ledel weitere Wort 15 Csq, Stellengesuche und Echsasltellenanzetgen da» erste Wort 20 Psg, sed«s weuere Wort 10 Psq, Vörie über 15 Buchstaden zfthlen skr iroci Worte Te»erungSilu!ct>sngMt>t» Familien Anzetgen. doliliiche und gewerNchalltune Verein«- Anzeigen 70'Lsg die Zeile, ilnzetgen sür die nkchite Nummer müssen dl« 5 11 Iii nachmittag« im �ludtgelchiis! Berlin 60.08, Oindenstratze:1, ab'eaeoen werden. Beöksnet Bon 8 Nhr srüg bi« 7 Uhr abend«. ZcntraXorgzn der Ibzialdemohrati feben parte» Deutfcblands. Rcdoftion: ctö, HS. LtnüensKaße 3. ffera-sreAer:?lmt M-ridviaa,«t. 161 90— 151 97. Freitag, de« 35. Oktober 1918. Cxpeöftion: SV). SS» Linöenstraye 3. HmnivrriiteL:«mi Mpnavl««,?kr.»vi 90— 151»7. Washington. 23. Oktober. Der Stcmtssekretär gibt fot- gendes bekannt: Voin Staatssekretär ist cm den GescbästSträger der SÄMei», der zeitweilig mit der Wahrnehmung der deutschen Interessen in den Vereinigten Staaten boauslragt ist. nach- stehende Mitteilung gerichiet worden: Staatsdepartement, den 23. Oktober 1918. Ich habe die Ehre, den Empfang Ihrer Note vom 23. d. M. zu bestätigen, mit der Sie eine Mitteilung der beut- schen Regierung vom 29. d. M. übermittelten. Der Prästdent hat mick mit der folgenden Antwort beauftragt: Nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten dir feierliche und ausdrückliche Lerstchrrung der deutschen Regie- rung erhalten hat, das; sie die s? r i e d c n s b c d i n g n n g e n in seiner Ansprache an den Kongreß der Vereinigten Staaten vom 8. Januar 1918 und die Grundlagen der fsriedensord- TO in seinen späteren Ansprachen, insbesondere der vom 27. September, r u ck h a l t l o s annimmt, und daß sie in Erörterungen über die Einzelheiten ihrer Anwendung einzutreten wünscht, ferner, daß dieser Wunsch und Zweck nicht von denen ausgehen, die b i s h e r die deutsche Politik diktiert und den gegenwärtigen Krieg für Deutsch- land geführt haben, sondern von Ministern, die f»ir die ilieichstagsmchrheit und die überwältiqende Mastrk'-it deS deotscheu Volles. sprechen; und nachdem er ebenfalls das ausdrückliche Vcr- sprechen der gegenwärtigen deutschen Regierung erhalten hat, daß die deutschen Land- und Seestreitkräfte die Gesetze der Menschlichkeit und einer zivilisierten Kriegführung br- obachten werden, glaubt der Präsident der Ver- einigten Staaten es nicht ablehnen zu köu- nen, aitden Regier nagen, mitdeneudieRe- g i e r o u g der Vereinigten Staaten verbüu- det ist, die Frage ernes Waffe» st illstaudeS aufzunehmen. Er hält es aber für seine Pflicht zu wiederholen, daß der einzige Wnsfenstillstand, den er sich berechtigt fühlen würde der Erwägung zu drter- breiten, nur ein solcher sein könnte, der die Vereinigten Staaten und die mit ihnen verbundenen Mächte in der Lage beließe, jede zu treffende Vereinbarung zu erzwingen und eine Erneuerung der Feindseligkeiten d e u t s ch c r s e i t s n n m ö g l i ch zu machen. Der Prä- stdcnt hat deshalb seinen Notenwechsel mit den gegenwärtigen dculschcn leitenden Stelle» den Regierungen, mit denen die Regierung der Vereinigten Staaten als kriegführende Macht verbunden ist, übermittelt mit dem Anheimstellen, falls diese Regierungen geneigt sind, den Frieden zu den angegebc- neu Bedingungen und Grundsätzen herbeizuführen, ihre mili- tärischcn Ratgeber und die der Vereinigten Staaten zu er- suchen, den gegen Teutschland verbundenen Regierungen die nötigen Bedingungen eines Waffenstillstandes zu unterbreiten, der die Interessen der beteiligten Völker in vollem Maße wahrt und den verbundenen Regierungen die unbe- schränkte Macht sichert, die Einzelheiten des von der deutschen Regierung angenommenen F r i c d e» s z u g c w ä h r l e i st e n u n d z u e r z w i n g e n, wofern sie einen solchen Waffenstillstand vom militärischen Standpunkt sür möglich halten. Sollten solche Wnffrnstill- standsverhandlnngrn vorgeschlagen werden, so wird ihre A n- nähme durch Deutschland den besten und bündigsten Beweis dafür liefern, daß eS die Grundbedingungen und Grundsätze der ganze Friedensatnon unzweideutig annimmt. Der Präsident würde der Aufrichtigkeit nicht zn genügen glauben, wenn er nicht so freimütig wir möglich den Gtund dafür angübe, daß auserordeutlidie Sscherheite« verlangt werden müssen. So bedeutungsvoll und wichtig auch die V r r s a s s u n g s ä n d c r n n g e n zn sein lchn„en, von denen der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen Amtes in seiner Note vom 29. Lktobeer spricht, so geht daraus doch nicht hervor, daß der Grundsatz rincr dem deutschen Volke vcrant- wmlichen Regierung bereits völlig durchgeführt ist oder daß irgend welche Bürgschaften dafür Vorhanden sind oder er- wogen werden, daß die jetzt teilweise vereinbarte grundsätz- lichc und praktische Reform von Dauer sein wird. Auch bat es nicht den Anschein, als ob der Kernpunkt der gegenwärtigen Schwierigkeiten erreicht ist. Künftige Kriege sind jetzt vielleicht der Entscheidung des deutschen Volkes unterworfen, nicht aber der gegenwärtige, und mit dem gegenwärtigen haben wir es gerade™ tun. Es liegt auf der Hand, daß das deutsche Volk keine Mittel hat. die Uuter. werfnug der Militärbehörden des Reichs nnter den Volkswillea zu erzwingen; daß der be- herrschende Einfluß des Könifls von Prenhen auf die Rcichspolitik nngeschwächt ist; daß die entscheidende Initiative noch immer bei denen liegt, die bis jetzt die Herren von Teutschland gewesen sind. In der Ncberzeugung, daß der ganze Weltfriede jetzt von offener Sprache»od geradem Handeln abhängt, hält es der Präsident für seine Pflicht, ohne alle Versuche das, was schroff klingt, zu mildern, ausziisprechen, daß die Völker der Welt kein Vertrauen in die Worte derjenigen setzen und setzen können, die bis h e r dir Herren der deutschen Politik gewesen sind, und zu wiederholen, daß beim Friedens- schlnß und bei dem Unternehmen, die nnendlichen Gewalttaten und Üiigcrcchtigkcit dieses Krieges»vicder gut zu machen, die Vereinigten Staaten einzig»nd allein mit den echten Ver- trctcrn des deutschen Volkes verhandeln können, die alö wirk- liche Beherrscher Deutschlands eine wahre der- fasiungSmäßjge Stellung zugesichert erhalten haben. W e n n die Vereinigten Staaten jetzt mit den mili- tärischen Beherrschern und monarchische» Autokraten verhandeln sollen, oder wenn es wahrscheinlich ist, daß sie später mit ihnen über die völkerrechtlichen Verpflichtungen de» Deutschen Reiche» zu verhandeln haben würden, müsse» sie nickt Friedensverhand- luugeu.soodern Uebergabe verlange«. E» kann nicht» dadurch gewonnen werden, daß dies« grundlegenden Dinge unausgesprochen bleiben. Empfangen Sie, mein Herr, die erneute Versicherung meiner Hochschätzung.(gez.) Robert Lansing. Um den Ton der neuen Rote Wilson« zn verstehen, müssen wir nn» darüber klar sein, wie der Prästdent unsere Lage sieht. Sämtliche Verbündete Deutschland» haben kapituliert oder so gut wie kapituliert. Deutschland hat bis zuletzt standgehalten, wird aber zum Schluß genätigt sein, denselben Weg zu gehen, den seine Bundesgenossen ihm vorausgegangen sind. Ein Verzweiflungskampf von wenigen Wochen oder Monaten kann an diesem unvermeidlichen End ergebniS nichts ändern. In diese entsetzliche Lage ist Deutschland nach der Meinung Wilsons durch eigene Schuld geraten. Seine bisherigen Machthaber haben diesen Krieg in frivoler Weise angezettelt und in unmenschlicher Weise geführt. Die Diplo matte dieser Machthaber hat mit Lüge und Zweideutigkeiten gearbeitet, sie hat Rußland einen Frieden aufgenötigt, der von Gewaltpoliiik diktiert ist und den Grundsätzen der Dem» kratie widerspricht. Angesicht» dieses Sachverhalte» hält e» der Präsident Wilson offenbar für einen weiten Schritt de» Entgegenkommens, wenn er sich jetzt bereit erklärt, das Waffenstillstands- und Friedensgesuch der neuen deutschen Regierung an seine Verbündeten wetterzugeben. Gegen die alten Machthaber hätte er den Krieg schonungslos fortgeführt, um ihnen schließlich den Frieden diktieren zu können. Der Rcgierungs- und Systemwechsel in Deutichland bedeutet also wenigstens in etwas für das deutsche Volk eine Erleicktermig seiner entsetzlich schweren Lage. Ader de* Leidensweg, auf den unS die alten Machthaber gcdrängk-habec, ist noch nicht zu Ende. Wilson läßt keinen Zweifel daiuber bestehen, daß die Waffenstillstands- beding u ngen so beschaffen sein werden, daß.sie dem deutschen Volk— nicht allen!— die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten unmöglich machen. Er macht dann einen Unterschied hinsichtlich des weiter einzuschlagenden Verfahrens. je nachdem der Kaiser noch einen gewissen Einfluß aus- üben kann oder vollständig ausgeschaltet wird. Im ersten Fall hätten wir von den Gegnern ein völliges Frievensdiktat zu erwarten, im zweiten wollen sie mit uns über die Friedens» bedingungen verhandeln. Od ein Ausbau der inneren Reformen Deutschlands auch zu einer tE- leichterung der Bedingungen für den Waffen- st i l l st a n d führen würde, darüber gibt die amerikanische Note keine Auskunft. Aber wie dem immer sei, für uns Sozialdemokraten ergibt sich in dieser Frage ein vollkommen klarer Standpunkt. Wir haben in der früheren Verteilung der Machtverhältnisse im Deutschen Reich stets eine Gefahr für unser Volk gesehen und nach ihrer radi- kalen Aenderung gedrängt. Die Tatsachen haben uns in noch höherem Maße recht gegeben, als wir selbsi in unseren dunkelsten Befürchtungen geahnt haben. Jetzt ist es Zeit, aus dieser Lehre rücksichtslos jede Konsequenz zu ziehen,, welche die Notlage deS deutschen Volkes fordert. Wilson ist übrigens im Irrtum, wenn er meint, daß die früheren Machthaber in Deutschland jemals wieder eine ausschlaggebende Nolle spielen könnten. Dazu sind sie viel zu sehr kompromittiert, ist die Derständnislosigkeit, mit der das Volk ihrem früheren und gegenwärtigen Verhalten gegenübersteht, viel zu groß. Es wird in Zukunft keine Macht in Deutschland geben als das deutsche Volk, das seine politische Gewalt durch die Volksvertretung und die von ihrem Ver- trauen gestützte Regierung ausüben wird. Was dazu noch not- wendig ist. das muß geschehen, und insbesondere muß d i e Armee mit ihren Spitzen derart in das demokratische Ganze eingegliedert werden, daß über ihre Rolle als die ei-neS dienenden Glieds kein Zweifel bestehen kann. Der Reichstag soll sich sagen, daß der Würde des deutschen Volkes weit besser gedient ist, wenn er in diesen Tingen den Rat seiner eigenen Mitglieder von der Linken annimmt, als wenn er mit jeder Reform solange wartet, bis sie ihm durch den Druck der äußern Lage aufgenötigt wird. Indes wir so im eigenen Hause Ordnung schaffen, er- warten wir die Bekanntgabe der Bedingungen für den Waffen- stillstand und haben noch einen kurzen Augenblick Zeit zu überlegen, was in'dieser Loge das Interesse unseres Volkes erheischt. Für heute mag soviel gesogt werden, daß uns die Bedingungen des Waffenstillstandes weniger Kopfzerbrechen verursachen würden, twnn wir die Bedingungen ten.. würden, unter denen der Frieden zustande kommen soll. Nachdem wir das Programm Wilsons angenommen haben, wäre es widersinnig, sich mit der Waffe in der Hand ihm zu widersetzen. Aber die Gefahr dürfen»vir uns nicht verbergen, daß am Friedenstisch das Wilsonprogramm als wesenlose Hülle sinken und der nackte Machttrieb des Siegers zum Vor- schein kommen könnte. Wir müssen uns fragen, ob diese Ge» fahr durch weiteren Widerstand vergrößert oder verkleineri wird. Nur diese Frage, di« durch nüchterne Abwägung der Möglichkeiten zu entscheiden ist, kann unseren Entschluß be- stimmen. Die Gegner aber, die die Entwaffnung, des deutschen Volkes verlangen, werden sich darüber klar sein muffen, daß man ein großes Volk aufdieDauer nickt wehrlos machen kann. Unsere Gehirne und unsere MuSkel kann uns niemand nehmen, und das weitere dazu findet sich mit der Zeit für jedes Volk, doi zur Verzweiflung getrieben ist. Auf der Friedenskonferenz wird sich zeigen, ob der Krieg nur ver- tagt oder ob er wirklich abgeschloffen sein wird. In diesem Sinne sind Wilsons Ziel und Deutschlands Geschick untrennbar miteinander verbunden, und es wird sich entscheiden, ob die Geschichte den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu den Unterlegenen dieses Krieges zählen oder ob sie ihn als den siegreichen Vorkämpfer einer'großen Idee und als den größten Heilbringer der Welt feiern wird. Zranzösijcher Antrag auf Einberufung üer Internationale. Der Parteivorstand der franzöfischen Sozialdemokratie hat, wie uns unser Genfer Korrespondent vom 24. Oktober drahtet, mit telegraphischer Znstimmnng HendersonS beschlossen, die Exekutive der alliierten Sozialisten»ach Pari» eillzaberufen. Die Tagesordnung laniet: Sofortige Einberafung der Internationale. Die Franzoseu wird Longnet vertreten, die Confoederation generale da travail I o« h a« x. Die Forderung Reuaudcls auf Vertretung deS RechtS: flügelS wird abgelehnt. Ein Manifest wird vorbereitet. Eine Enlsendung von Delegierten zu Wilson wird diskutiert. Genf, 23, Oktober. sEig. Drahtbericht des.Vorwärts'.) DaS .Journal du P e u p l e" dringt auf eine Aktion der Jnter- nationale. Die Proteste in Amerika, England und Frankreich gegen den Imperialismus haben nicht die Kraft, die wilde chauvinistische Strömung aufzuhalten, die in der Stnnde, da die Niederlage deS deutschen Imperialismus entschieden ist, mit einem neuen Kriege droht. Jeder Tag, um den die Vereinigung der Internationale verzögert wird, ist ein Verbrechen gegen den Sozialismus und unser eigenes Volk. HuhSmanS protestiert im„Droit des PeupleS" gegen Compere Morels Blatt.France libre", welches Beschimpfungen Havelock Wilsons, des Vorsitzenden der englischen Gewerk- schaff der Seeleute und Schiffsheizer, gegen ihn veröffentlichte, ohne ein Wort gegen Havelocks Treiben zu finden, das HuySmanS ver- hinderte, sein Parteimandat auszuüben. HuySmanS nennt Havelock einen Vertreter des demagogischen Liberalismus, der sich für Frachtunternehmerinteressen niS Zeug legt. Longuet knüpft daran in einem Artikel seines„Populaire" an. der stark zensuriert ist, aber merken läßt, daß eS sich um die E r- zwingnng von HuhSmans UeberfaHrt Handelt. Der Nräfel schließt:.Wie lange noch werben sich die Genossen von der Labonr Party und dem Gewerkschaftskongreß zu der Lösung dieses Problems ohnmächtig zeigen, daS innerhalb 24 Ewnden hätte aus der Welt geschafft werden müssen. EZ ist die höchste Zeit, daß die sozialistischen Parteien und die Gewerkschaftsorganisationen der ganzen Welt, und namentlich jene Parteien und Gewerkschaften, die HuySmans in das internationale Bureau delegiert haben, diese Frage in die Hand zu nehmen." Der Kampf öer französischen Sozialiften gegen öen Chauvinismus. Long«et erwartet Haases Erklärung für die Landes« Verteidigung. Genf, St. Oktober.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Lonzuet schreibt in der„Hlimunite": Wir sehen unsere Regierung ruhig dnS sechste Blutbadjahr vorbereiten. Mit unseren Erfolgen wachsen die Ansprüche der Imperialisten beiderseits deS Atlantischen Meeres. Die Erklärung Haases und Ledebours für Landesverteidigung wird heute dementiert. Aber morgen kann sie Wirklichkeit werde u. Ruch die damalige französische Minderheit hat die Ein- ziehnngbeS Jahrgangs ISlS bewilligt, als sich die deutschen Truppen Ehateau Thierrd näherten. Gegen jene, welche daS deutsche Volk in den Zustand deS Dreihig- jährigen Krieges zurückversetzen möchten, würde sich der Lebenswille dieser Nation erheben. Mit der Londoner„Revue Nation" sagen wir:„Der Krieg wurde geführt, der Krieg wurde gewonnen, der Krieg mutz ein Ende haben." verhanölungsn öer franzoftschen Sozial- öemokraten mit Clemenceau. Elne Abordnung der sozialdemokratischen Fraktion der- handelte, wie unser Genfer Korrespondent unter dem 24. Ok- tober meldet, mit Clemenceau über alle Waffen- stillstands- und Friedensfragen. Clemenceau erklärte, daß er mit der Proklamation der vom panslawistisch orientierten Professor Denis präsidierten Bürgerliga, der in der Arbeiterschaft lebhafte Erregung verursachte, nichts gemein habe und sie bedauere. Die Besprechung mit Clemenceau wird fortgesetzt werden, nachdem die Abordnung in der heute. Freitag, stattfindenden Fraktionssitzung Bericht erstattet haben wird. §ranzoftsche preftftimmen. Genf, 23. Oktober. sEig. Drahtbericht des.VorwäriS'.) .Journal des Döbats" schreibt: Solf überläßt Wilson die Gelegenheit, die Regelung der militärischen Details deS Waffen- stillstandeS zu treffen. Wilson wird nicht verfehlen, seine Auf- gäbe zu erfüllen. Aber er wird nicht die Diskussion über diese Einzelheiten eröffnen, sondern kategorisch« Bedingun- gen stellen oder ohne vorherige. Diskussion durch den Generatissi- nrus der alliierten Streitkräfte stellen lassen. Achnliche» deutet der.Temps" an: Mit den Bedingungen Deutschlands haben wir nick-i� zu schaffe«. Wenn Deutschland unsere Forderungen ht""Nimmt, so muß es die Folgen tragen. Die von den Alliier- wa»erlangten£ iirgschaften werden natürlich in dem Grad« wach- sen, alz der Feind ihnen neue Anstrengungen auferlegt und seine 'Böswilligkeit zeigt. Henöerfon für üie �nternationalifterung öe? irischen Zrage. Genf, 24. Oktober.(Eig. Drahtbericht des.Vorwärts".) Hen- derson redete mn Sonnabend in Newcastle in einer Versammlung der Lobour Party. Er unterstützte Wilson, dessen Friedens ziel« Vertrauen verdienen. Die bedingungslose Nebergabe der deutschen Re- gierungsmänner diene den LebcuSinieressen des deutschen Volkes. Neuwahlen zum Nnterhause seien derzeit undenkbar. Er frage, ob die englische Regierung, falls sie Irland nicht sofort dir Selbstrcgierung geben könne, öffentlich erklären wolle, dir irische Frage der FrirdenSkvnserenz zu überlassen. Wekerle für den frieden unter al!en Umständen und um jeden preis. Nevolntion in Kroatien und Slawonien. In offener Parlanrentssitzung ist das Kabinett Wekerle gestürzt worden. Eine neue Regierung ist in Bildung be- griffen, der Graf K a r o l y i, wenn nicht als Minister- Präsident, so doch jedenfalls als führendes Mitglied ange- hören wird. Demokraten und Sozialdeinokraten sollen in sie eintreten, und als Minister des Aeußern ist Graf An- b r a s s y in Aussicht genommen. Der unmittelbare Anlaß, zu dem plötzlichen Sturze Wekerles, der sich eben erst durch die enge Verbindung mit der Disza-Partci gefestigt zu haben schien, war ein Teiegranim aus F i u m e an das Mitglied der Karolyi-Partei den Abgeordneten Balla. � Darin wird von Tatsachen militärischer Natur sowie schweren Unruhen berichtet, die sich in Fiume sowie in ganz Kroatien und Slawonien zugetragen haben. Worum es sich handelt, erzählt die„Frankfurter Zeitung" in einem Budapest« Telegramm: Fn Kroatien hat die bisherige Ordnung ans- gehört, und der Nationalrat der Slowaken, Kroaten und Serben hat die Zentralgcwalt überKroatienindicHandgenommcn. Es kam zu großen Kundgebungen, auch für Wilson und Prufcsior Masaryk. Die serbischen Kriegsgefangenen wurden für frei erklärt. Kurz nach der Verlesung dieses Telegramms gaben die Führer aller linksstehenden Parteien Erklärungen ab, in denen sie der Regierung das Vertrauen absprachen, in diesen kritischen Augenblicken die Geschicke des Landes weiter zn leiten. Gras Karolyi, der radikale Führer der Opposition, sagte: „Alle Anzeichen der Zerrüttung liegen klar zutage, nur die Regierung sieht sie nicht. Ein jeder von uns halte sich bereit, sein Leben einzusetzen. Wir müssen binnen 24 Stunden einen Weg zur Entwirrung finden. Wenn bis dahin keine Lösung ge. funden ist, so stellen wir unS boiscite, und dann mögen andere den Ausweg suchen." Das war die offene Drohung mit der Revolution! Nach diesen Erklärungen wurde die Entsendung einer Abordnung an den König beschlossen, die ihn ersuchen soll, vor dem versammelten ungarischen Reichstag feier- Englische Offensive ans 30 Kilometer Breite bei Le Cateau— Höhen nordöstlich von Bouziers gehalten— Auf beiden Maasufern heftige Kämpfe» Berti», 24. Oktober 1918,«beud». Amtlich. Erfolgreiche Teilkämpfe in Flandern. Oestlich von Solesmes und Le Cateau sind erneute schwerste Angriffe der Engländer ge» scheitert; sie blieben auf örtlichen Gelände- gewinn beschränkt. Von de» anderen Fronten nichts Neues. Amtlich. Großes Ha»ptq»artier, de» 24. Ol- tober 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. In der LyS- Niederung dauern Teiltämpfe an. ESd- westlich von Deinze schlug die seit dem 14. Oktober täglich im Kampfe bewährte 52. Reserve- Division unter Generalleutnant Waldorf erneute Angriffe des FeindeS an der Bahn Deinze— Waregcm ab. Beiderseits von Wichte setzten wir»nS in vorletzter Nacht vom Gegner elwaS ab und schlugen den Feind, der gestern in der Gegend von Katteftraat angriff, zurück. Auf feindlicher Seite Kaden sich belgische Landeseinwodner an diesen Kämpfen beteiligt. Tournai und Balienciennrs lagen unter englischem Feuer. Bei Tournai und in der Scheide- Niederung cesvlgreiche Vorfeldkämpfe. Beiderseits von S» l e s m e s und Le Cateau nahm der Engländer mit frisch eingesetzten Divisionen auf fast 39 Kilo- meter breiter Front seine mit großen Zielen angesetzten Angriffe wieder ans. Am Haryies-Grunde ist sein erster Ansturm am sriiken Morgen gescheitert. In wiederholten Angriffen stieß er im Laufe des Tages deiderieitS von Romcries bis in Gegend von St. Martin und SalescheS und mit Teilen auf Bcaudignies vor. In der Mitte der Schlochtfront brachten wir den beider- feitS der Zlöwerstratze Le Cateau— Bavai angreifenden Feind i n der Linie Poir— B o u f i« S zum Stehen. Südlich von BoosicS haben die schon in de« letzten Schlachten besonders bewährten Rodiohrertruppen weiteres Vordringen des Gegners verhindert. Südöstlich von. Le Cateau find mehrfache Rnslürwe deS Gegner? völlig gcicheitert. Zwischen Pommereuil und Catillon kämpfende schleswig-holsteinische, mecklenburgische, hanseatische und württembergische Regimentee haben gegen gewaltige Ueber- macht ihre Stellungen behauptet. Das Füsilier-Regiment Nr. 122 unter seinem Kommandeur, Obaoffi v. Rlberti, hat hier Besonderes geleistet. Südlich von CatillonTilieben die gegen den Sambre— tnmr-.imrmmvr'imditmmir> lieh die volle Selbständigkeit und Unabhängigkeit Ungarns zu erklären. Sodann wurde die Sitzung unterbrochen; nach der Pause ergriff der Ministerpräsident Wekerle daS Wort zu folgender ErAärnng: „Wir befinde«»nS unter de« schwerste« Verhält» » i s s e n. Nur die Bereinigung der gesamten Kräfte der Nation Venn«, einem drohenden Unheil zu stener« und die grotzen Ziele der Verteidigung und Integrität des Landes zu sichern. Unter diesen Umstanden werde ich morgen vor dem Monarchen er- scheinen und erklären, daß ich für die Leitung der Angelegen- heilen keine Verantwortung mehr übernehmen kann. Es bestanden zwischen der Regierung und anderen Parteien in wesentlichen Fragen niemals Unterschiede, blotz in der Frage des WuhlrechteS. Auch viejcnigen, die dessen Erweiterung nicht billig- ten, stimmen jetzt unter den nrnea Verhältnissen zu. Unsere weitere Tätigkeit wird die Fortsetzung der Frieden?- bestrebungen sein. Wir müssen Wilson antworten, und ich werde, bis meinen Platz eine andere Regierung übernimmt, fortfahren, die Friedenssache zu fördern. Unsere nächste Pflicht ist, die Grenzen des Landes zn schützen und die nnga, rischen Soldaten inS Land zurückzubringen. Es ist unsere Aufgabe, den Frieden unter allen Umstände««nb«« jede» Preis zn sichern. Ich Rtte nm die Mitwirkung des HauseS. Die neue Regierung soll 0nS Vertretern aller parlamentarischen Parteien sowie aus außerhalb stehenden politischen Faktoren, die die Sache deS Vaterlandes fördern wollen, gebildet werden." Wer es aus der Tatsoche, bciß der pazifistisch pesinnte, politisch aber durchaus enlentistisch orientierte Graf Michael Karolyi ungarischer Minister getvorden ist, nicht schließen wollte, muß es sich von dem abgehen-den Minister- Präsidenten Dr. Wekerle sagen lassen. Das Ziel der neuen imgarischen Regierung ist der Frieden um jeden Preis und unter allen Umständenl Wie weit dieser Entschluß geeignet ist. die katastrophale Entwicklung der Dinge im südslawischen Sprachgebiete zu- rückzudämmen und welche Nachwirkung diese sensationellen Vorgänge auf die Operationen der noch verbündeten Trupperl in Serbien und Albanien haben werden, steht dahin. »» • Auch in Oesterreich macht die AuAösrmy wertere Fortschritte, wenn auch die letzten Tage durch keine so sen- sationellen Ereignisse kennzeichnete, wie in Budapest. Ueber die augenblickliche Lage berichtet folgendes Privattelegramm unseres Wiener Korrespondenten: Wien, 24. Oktober. Tie Konstituierung der nationalen Staaten auf d?m Boden Oesterreichs macht immer weitere Fort- schritte. Die wichtigste Frage ist zunächst die der U e b e r n a h m e der Verwaltung durch die Nationen. Hier wird das Meiste nicht durch juristische llebergabe aller Behörden, sondern durch den tatsächlichen Ncbergang der Gewalt aus den Händen der staatlichen Behörden an die lokalen und autonomen Körperschaften bewirkt. Diese Entwicklung vollzieht sich bei Tschechen und Deut- schrn ähnlich, wenn auch in g-aduell verschiedener Weise. Bei den Deutschen allmählicher, bei jenen rascher, da die Vorbereitungen im tschechischen Sprachgebiet weiter vorgeschrittcn sind. DaS Hauptinteresse konzentriert sich jetzt aus Böhmen, wo seit jeher der Angelpunkt des ganzen staatlichen Problems liegt. Bei der gestrigen Besprechung der Deutsch-Böhmen wurde ein Ausschuß gewählt. Nntrr zwölf Mitgliedern sind drei Sozialdemokraten. Der Ausschuß soll Vorschläge über die Organi» sation Deutsch-Böhmens erstatten. Tie Schwierigkeiten liegen in der Gestaltung beb deutsch-böhmischen Staatsgebietes. Nur der Norden und Westen bilden ein zusammenhängendes Territorium. Von ihm ist der von Deutschen bewohnte Teil Südböhmens, der zu den Donauländern gravitiert, durch einen tschechischen Riegel- sprachlich getrennt. Eine exponierte Stellung nimmt auch der von Deutschen bewohnte Teil Oesterreichisch- Schlesiens ein. Andere grosse Schwierigkeiten liegen im Er n 6 k, r n n g K- wescn des nordböhniischcn Industriegebiets, das durch die"assive Resistenz des tschechischen Böhmens schwer gefährdet ist.>niit hängt die Entsendung einer Avestouung deuisch-üstww-stb.- ,t Ab- Oise— Kanal»ordrechenden Angriffe vor diesem w unserem Feuer liegen. Zwischen Oise und©erre zeitweilig Artilleriekampk, dem auf dein Nordufer der Serre feindliche Angriffe folgten. Sie wurden in unserem Feuer und durch Gegcnstof; abgewiesen. Teilangriffe des Gegners gegen den Soncheabichrntt nördlich von Pirrrepont scheiterte». Das engdewotznte und mit Flüchtlingen angefüllte M o» t e o r n e t liegt unter starkem französische» Feuer. Oestlich der Aisne beschräilkle sich dcr Feind gestern «ms sehr starke durch heiliges Feuer unterstützte Teilangriffe. Bayern und Württemberger und württembergische Pioniere haben die Höhen nordöstlich von Vouziers gegen viermalige» Ansturm gehalten. Oestlich von Vouziers taten sich in den letzten Kämpfe» Teile der 1. Garde-Jnfaiiicrie-Divinon unter Major Graf von Eulcnburg besonders hervor. Zwischen Oiizh und Grandprä schlngcn cliass-lothringische, thüringische und hessische Regimenter seindliche Angriffe ad. Die Hauptlast des Kampfes trug das Jnfanterie-Regiment Nr. 17, das sich wieder»« unter seinem Kommandeur, Major Siobbe, besonders bewährte. Ans beiden MaaSufern nahmen die Angriffe der Amerikaner wieder größeren Umfang an. Aus de» Wäldern von Bnutheville und nördlich von Cunel stießen sie mit starken Kräften und von Panzerwagen begleitet gegen unsere Linien vor. Sie wurden abgewiesen»nd erlitten in unserem zusammen- gefaßten Feuer bc'ondcrs schwere Verluste. Oestlich der Maas dauerten heftige Kämpfe nm die Wald- höhen beiderseits der Straße Consenvoye— D a in v i l l e r s bis zum Abend an. In hartem Kamps und in erfolgreichen Gegenstößen warten brandcnburgische»nd sächsische Bataillone den mehrfach anstärnienden Amcritancr zurück. ' Südöstlicher Kriegsschauplatz. In heftigen Gebirgskömpsen haben unsere Nachhuten daS Beziehen neuer Stellungen beiderseits»v» Paracin gesichert. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 24. Oktober. Amtlich wird verlnutbart: Gestern wuchs im Abschnitt zwischen Brrnta nnd Piave»nd im Montcllo-Gebiet das trindliche Äriilleriesrner zn großer Heftigkeit an. Auch sonst entwickelten die seindliche» Batterien lebhaftere Tätigkeit. Balkan-Kriegsschauplatz. Stärkere? feindlicher Druck ans den Raum von Zajeear»er« anlaßte nns, die Front der Verbündeten bei Iagodina zurückzunehmen. Hier wurden stärkere serbische Angriffe abgewiesen. Der Chef des Generalstabes. geordneter nach Berlin zusammen. Ihr gehören an die Herren Dr. Renner, Schreitter, Friedman», Fink, Dr.». Langenlxidn» Baron Pantz. D ie Tschechen möchte« die Zurückhaltung von LebenS- mittel» alS PrrssionSmittel für territoriale Zugeständnisse brnüoen, erklären aber, über Lieferung von Lebensmitteln von Volk zu Volk verhandeln zu wollen. DaS tschechische Verlangen»ach Uebergabe der gesamten Ver- waltnng Böhmens widerspricht aber rinigermassen dieser Er- klärung, da sie damit auch die Verwaltung Deutsch-Böhmens er- halte» würden. Der Minister des Aeußern, Burian, legte heute dem DclegationSausschuß für AeusscreS die Borschlöge zur Beant- Wartung der Wiisonno.'e vor, worüber eine vertraulich« Beratung stattfand. lieber die Stellung der Tsckzechen unterrichtet ein Artikel des Vizepräsidenten Tusar in d-un Wiener tschechischen beiterblatt: Wien, 24. Oktober. Die Blätter entnehmen der„De! nicke Listy" einen Artikel des tschechischen Sozialdemokraten Vizepräsi- deuten Tusar über den Standpunkt der Tschechen, worin aus- geführt wird: Ter tschechische unabhängige Srcrat existiert rechtlich. Es handelt sich bloß um die faktische Konstituienung. D i e tschechische Regierung, welche den Anspruch auf D e u t s ch- V ö h m e n nnd die Slowakei aufgeben würde, wäre undenkbar. Die Frage Nordböhmens als Grenzregekuwgsfrage zw: schon dem tschechischen Staate und Deutschland werde aus einer Konferenz zwischen Prag und verlin in boiderseiiigem Inieresse zu lösen sein. Tusar verlangt schließ- lich die Abberufung des fremden Militär« aus Böhmen und Mähren. Am Mittwoch erschien das Präsidium der ukrai- nischen K o n st i t u a n t e— es ist hier natürlich nur von der Nationalversammlung der den Nordosten Galiziens, der Bukowina und Ungarns bewohnenden Ukrainer oder Nuthenen die Rede— beim Ministerprasioeuten � Dr. v. Hnssarek und erklärte ihm. daß sich der ukrainische Staat konstituiert habe und sich über alle eihnogravlüsck�iikrcrinischen Gebiete der Monarchie erstrecke. Es ist für die Situation bezeichnend, daß der' Ministerpräsident diese Erkläning„zur Kenntnis' nahm.__ deutsch-ofterrelchischsMorömmst in Serlin. Oestcrrcichischcr oder deutscher Bundesstaat? Eine Abordnung des in Bildung begriffenen deutsch-öster. reichischen Staate? ist gestern in Berlin eingetroffen. Sie wird von einem der drei Präsidenten des Bollzugsansschnsses der deutsch- österreichische« Nationalversammlung, Abg. Fink, geführt, dem Abg. Genosse Karl Nenner beigegeben isl. Weiter gehören ihr fünf Mitglieder des EcnührungsauSschuffes und oizr Vertreter der Stadt Wien als Mitglieder an. Die Abordnung besuchte gestern den Reichstag, wo ihre ver» schiedencn Parteigruppen mit ten ihnen entsprechenden Parteien Fühlung nahmen. Margen wird sie mit den politischen Staats- fekretiieen und mit den Parteiführern»ssizicll in Verbindung treten. Der Besuch hat nicht den Zweck, staatsrechtliche Bindungen zu vollziehen oder vorzubereiten. Soweit ist die Sache noch nicht. Tie Deutsch-Oesterrcichcr wollen zunächst mit den anderen National- staaten des alten Oesterreich verhandeln und sind bereit, mit ihnen einen demokratischen Bundesstaat zn bilden, der den nationale« und wirtschaftlichen Interessen aller Beteiligrcn gerecht wird. Wenn die anderen Volke- da? nicht wollen, dann allerdings würden sie tatkräftig beweisen, bass sie dem Deutschen Reich als Bundesstaat beizutreten wünschen. Die tschechis�en Emigranten für öle Republik. Gens, 24. Oktober.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Der .»sichcchlsch- Oeschäststräger in Rom. Borsky. sagte dem-Pariser Korrespondenten des»Corricre de la Sera", daß dcr tschechische Staat nur Republik sein könne, da eine eigene Dynastie nicht existiere und man keine Fremden im Hanse haben wolle. Auch sei die ilnabhängigkeit des tschechischen Staates den demokratischen Parlcien zu verdanken. Das Bildungsniveau des Volkes verspreche der republikanischen StaatSsorm Erfolg. Nr. 294 ♦ 35. Jahrgang 1. Heilage öes vorwärts 5reitag, 25. Oktober 1915 Der Reichstagsöebatte dritter Tag. 1SV. Siyang. DonnrrSlag� den 24. Okl.ber 1918. vormillaqs 1 1 11 tu. «m SundeSratZlische: v. P ayer, Dr. Tolf, echeüch. Scheide mann, Erzberger. Die gestrig« Beratung der Entwürfe zur /ibänöerung üer Reichs- Verfassung und de« Gesetze« betr. die Stellvertretung öes Reichskanzlers wird forlgesetzl. Staatssekretär deS Auswärtigen Dr. Tolf: Der Redner de« Zemrum» fjai vorgeilern unsere Truppen in Schutz genommen gegenüber dem Ichloeren Vorwurf, daß fle beim Rückzug durch Ftondern und Nordtrankreich vöiterrecht«. widrige unmenschliche Handlungen sich hallen zu» schulden kommen lauen. Ich bin in der glücklichen Lage, dem hohen Hause von einen, Dolunieni Mrneilung zu machen. Im Einoer- nehmen mit dem Generalgouverncul in Brüsiel hat der spanische Geiaiidte im Haag Margm« de Billalobar am 18. Oktober genicin» schaulich mit dein Vcrlreler der französiichen Jnletessen, dem nieder» landischcn Geichäilslräger Herrn van Vollenhoven, dann mit einem Vertreler�de« Eiiiährliligkauii« in Belgien, Bree, d,e deuliche sfroni besucht. Sie haben ancikannt, dah die deiiischrn Mililärbeborden alle« in ihrer Macht Siehende getan haben, um sowohl da« Los der stlüchtigen, als auch das Loö der Bewohner der Städte, die dem Bomdardcincilt ausgesetzt sind, zu liudera. iHört! hört I> Sie haben im einzelnen seslg stellt, daß die deutschen Behötden sich redlich b e m ü hl baden, der Bevölkerung m Plünderung Schutz zu gewähre«, (Hört; Hört!), ihre Ernährung iicherzu st eilen und die Kunilichäye zu retten. Zwangsweise enlferiil sind lediglich Perionen im ntilitäipflichiigen Aller ober auch hierbei wurden Ausnahmen gemacht für Aerzte, Geistliche, sseuerwehrleute, Schutzleute und solche Perionrn. die für die Gr»Sbrii»g des Lande« durchau« not- wendig sind und in diesem Sinne tätig waren. Ich wende mich nun zu den Ausführungen der Redner der Opposition. Die Regierung ist gestern von veischiedenen Seiten geiragt worden, ob sie die Grundsätze des Präsidenten Wilson ehrlich durchzuiühren beabsichiige. Die Regierung weist jeden Zweifel an dieser Absicht aus da« entschieden st e zurück.(Bravo I) Elsaß. Loihrlngr» uud Polen anbetrifft, so ist ohne weitere» klar, daß wir, da dies« LanbeSteile unter den 14 Punkten de» Wtlsonschen Prograimn» ausdrücklich ausgeführt sind, mit der Regelung beider Fragen durch die Friedensverhandlungen einverstanden stnd. lieber- Haupt werden wir. nachdem wir da« Wilsonsche Programm als die Grundlage de« GesumlsricdeiiSwcrkc« angenommen haben, da« Programm nach allen Richtungen hi-n und in allen Punkten loyal und im Sinne voller Gcrrwiigkeit und Billigkeit erfüllen. tLebhafter Beifall.> Wenn aber der Herr Ada Hanssen behauptet, drst wegen bcr ne'dschleswlKsche n Frag- au« dem Präger Frieden noch heute ein positiver Rechtsanspruch de. stünde aus eine VoikSabstimmung. so muh die Regierung dies« RechtSauSführungen als i.r r t ü m l i ch ablehnen. lLbg. Ledeboue: Rein formale Auffassung!) Der Herr Abg. Nicklin hat dann eil» rocht herbe» Urteil gefällt über die in E l s a h. L o t h r i n g« n eingeleitet« Neugestaltung der Dinge. Tie Regierung wird sich durch doese Kritik nicht ab- halten lassen, den für gut und richtig ertamiten Weg weiter fortzuschreiten.(Bravo!) Dem elsast-lolhringischen Volke soll dadurch da«-Recht werden, die Angelegenheit de» Land«» nach seinem WiUen z u regeln. Ter Redner der polnischen Fraktion bat e»»ntrrnominen. an» dtzm Punkl« 13 de» Wiisonschen Programm» weitgehende An. sprüche für den künftigen polntschen Staat zu begründen. Wenn der Redlirr der polnischen Fraktion erraten liest, dah er z. B. Tanziy. eine Stadt mit 2 bi« 3 Proz. polnischer Bevölkerung für da« zukünst'ge Polen beansprucht, so setzt er sich in schreiendem Gegensatz zu den Grundsähen de« Präsidenten Wilson.(Leb- hafte Zustimmung.) Eine derartige Auslegung de» Satze» von dem freien gesicherten und zuverlässigen Zugang zur See nicht im Sinne einer internationalen Vereinbarung, sondern im Sinne einer territorialen Eroberung voltsfremden Lande» wider- spricht dem von Präsident Wilson verkündeten Reckt der Selbst. bestimmung der Völker.(Sehr wahr!) Glauben Sie mir. mein« Herren, dw deutsche Regierung wird bei der Verhandlung dieser schwierigen Fragen sich mit gller Entschiedenheit jeder Berge- waltiqung der Polen und jeder Vergewaltigung der Deutschen, jeder Läsung widersehen, die ein Zusammen- leben beider benachbarten Völker unmöglich machen und zu neuem Hast, neuem Hader und neuen Konflikten führen müssen.(Bravo!) Wenn nun der polnische Redner auch Ersatzansprüche� au« den KricaSjabren herleitete»nd in schärfster Form Kritik geübt hat an gewissen Mastnahmen der preustischen Verwalning. so brauche ich wobl nur daran zu erinnern, waS in diesem Kriege daS deutsche Volk und das bentsche Heer mit Gut«nd Blut getan bat, bis e« überhaupt möglich wurde, auf die Plattform zu treten, auf der die Freiheit von Polen jetzt geschaffen werden soll. (Stürmischer Beifall.)(Abg. Korkantv: Geraubt und�ge» plündert haben siel)(Großer Lärm recht».— Präsident Febrenbach ruft den Abg. Korfcrnth zurOrdnung. Verschieden« Abaeordnete der deutschen Reformpartei. Abg Werner-Giesten u. a. stürmen zu dem Pv!c i hin und geraten mit ihm in heftigsten D iSput.— Abg. Graf PosadowSkn ruft dem Polen zu: W�ir sind bier nicht im polnischen Reichstag.) Staatssekretär Dr. Solf sortfahrrndi ES wird mir von politischer Seite sckwer gemacht. da« demokratische Deutschland dessen historitche Stellumg zur polnischen Frag« auch den Herren v»' der polnischen Fraktion be- kannt ist bai den ernsten chruchen W i l l r n. m i t dem polnischen Volke in einem dauernd friedlichen und seeundnachbarlichen BerbältniS' zu leben. Diese« Ziel liegt zweifellos auch im Interesse de« polnischen Volke«. Diese« Ziel ist aber nur zu erreichen, wenn e« ehrlich von beiden Seiten angestrebt wird.(Stürmischer Beifall.) KriegSmimster V. Scheuch: Nachdem®. M. der Kaiser und König mich zum Kriegsminister ernannt bat. babe ich heut« zum erstenmal die Ehe«, in dieser Eigen- schuft vor diesem hohen Haus« zu sprechen, i n tiefernsten, schweren Tagen, aber nicht in verzweifelten Tagen. Da« Heer ist m»i geschlagen, die Heimat ist nicht zusammengebrochen. (Beifall.) Die mir unterstellte Verwaltung bittet um Ihr Ber- trauen, sie verdient e». Wo auch sonst Kritik geübt wird, geschehe es mit dem Maße, die die Achtung vor den Leistungen unserer Führer an ber Front und die Rücksicht auf die grohe Verant« Wartung unserer KommaudoDelleu daheim gebietet.(Bei- fall recht.) Ziehen Sie gegen mich lo». Ich will Ihnen gern Rede und Antwort stehen. Aber richten Sic nicht Angriffe gegen Männer, die sie nach Form und Zeitläuften al« verbitternd empfinden müssen.(Sehr richtig I rechts.) Die Kritik, die hier geübt wird, soll doch wohl den Zweck verfolgen, das gegenseitig« Verständnis zwischen den Anschauungen de« Reichstag» und den Auffassungen bei den Behörden zu erhöhen und diese beiderseitigen Auffassungen einander näher zu bringen: ein Ziel, des Mühen« Ivert. Ich weiß aber nicht, ob diese» Mühen gefördert wird, wenn der Führer einer großen und an Einfluß reichen Partei stellvertretende kommandierende Generäle mit tobsüchtizru Menschen vergleicht.(Unruhe links. Sehr richtig! rechts.) Es ist behauptet worden, 1916 seien die Munition». best eilungen vermindert worden. Diese Behauptung ist falsch. Der Tatbestand ist folgender: im Herbst 1914 wu rix da« Graugußgeschost als Aushilfe eingeführt. Diese Aushilfe mußte aufhören, als die Herstellung der Stahl- und S t a h! g u st. ge schösse zahlenmäßig auf der Höhe war. Da? war 1916 der Fall. Di« GesamtmunitionSherstellung ist in stetem Auf. stieg gewesen. Der Munitionsnachschub ist dauernd ungeschwächt und entspricht trotz hohen Munitionsverbrauches»nd trotz Muni- fionSverluste in vollstem Umfange den Erfordern ssen der Krieg- führung.(Beifall.) Wir hatten schon vor dem Krig« Panzer. wagen, aber sie erfüllten die Anforderungen nicht. Erst die amerikanische Erfindung der endlosen Raupenketten brachte die Lösung. 1916 erschienen der ersten Tank» an der englischen Front an der Eomme. Sofort setzten dann die Bar- arbeiten für deutsch« Panzerwagen bei uns ein und im Mai 1917 waren die ersten Probewagen fertig. Eine Herstellunsz in weitem Umfang« war bei uns mcht möglich, da die Industrie durch da? Hindenburgprogramm voll in Anspruch genommen war. Dafiir wurde sofort der Tankabwehr die gebührende Beachtung geschenlt. Ick schließe mit der Bitte um Vertrauen und um Hilfe. Wir müssen jetzt, wenn die Notwendigkei! dazu sich ergibt, unter Um. ständen dem BemichbungSwillen unserer Feinde den deutschen Kampfwillen entgegenstellen(Lebhafter wiederholter Beifall recht».— Unruhe und Zuruf« links.) Abg Noske(Soz.): Der ZkriegSmtnister hat offenbar immer noch nickt erfaßt, um was e» sich in Deutschland handelt.(Zustimmung links, Widerspruch recht».) Daß die Erklärung des KriegSmirälter? ans dem üblichen Rahmen herausfiel, wundert unS nicht. Wir haben nicht geglaubt, daß die Vertreter des alten militaristischen Systems die Fähigkeit baden, rasch umzulernen. Auch das wird anders werden. In bezug auf die T a n k f r a g e hätte er besser ge- schwiegen. Hoffentlich bringen die nächsten Stunden schon den Beweis dafür, daß die neue demokratische Negierung alle Böller dem Frieden betröchtlich näher gebracht bat. Die Imperialisten in Frankreich und England jubelten bi« in dir letzten Stilnden hinein, weil sie glaubten, daß Deutschland wehrlos am Boden liege. Da» ist der Grund, weshalb mir die gestrigen Reden den gestrigen Tag als den trübste« bisher erscheinen ließen.(Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Die Zerstückelung wird Deutschland angedroht Wir verkennen auch jetzt nicht l i die Zukunft Dr»'sch1a,-tk nutz damit der diät schon Arbeiterklasse auf da» höchste bedroht erscheint. Da» HanS brennt und der Abg. Haase hat Oel in» Feuer geschüttet. Meine Fraktion will, dah da» Dach erhallen bleibt. Ich teile die Auffassung HaaseS, daß große Teile der Birtfckiast für die S o- zialisierung reif sind. Deshalb wollen wir sie aber nicht erst durch den Bürgerkrieg zugrunde richten. Vielmehr wird die .Kraft der Arbeiierllasse. die starken Zuzug cmZ den Kreisen der Angestellten und deS Mittelstandes erhalten wird, sehr bald diese Toziallsicrung im organischen Aufbau vollziehen. Herr Haase will, daß die Proletarier allein zu bestmmen haben. Auch ich wünsche, daß möglichst ein« solch« Mehrheit da ist. Diesem Ziel kommt man aber nicht näher, wenn man die Proletarier gegen- einander führt. tSchr ricktigl b. d. Soz.) Au» allen Kreisen der Bevölkerung haben Berufen« und Unb«. rufene das Volk zu Mut und Standhaftigkeit gemahnt. Soweit ich die Bevölkerung kenne, erscheint mir solche» Geschrei auch jetzt nicht erforderlich. Di« Verfassung Sänderun-gen, die jetzt zur Beratung stehen, bedeuten nicht einen Abschluß, sondern den Beginn einer Reformperiode. Wir Soztaldemo- kratcn werden die jetzt begonnen« RotstwndSaktion rasch zur Er- lcdigiing zu bringen helfen. � , Wenn ein verstand igungSfrird«, d. h. ein Fried« de» Recht» zustand« kommen soll, dürfen nicht Deutsche vom deutschen Paterland« lvSgorisse» und Fremden angegliedert werden. Da« SelbstbestimmirngSrecht muh selbstverständlich loyal allen fiemdsprachiaen Teilen gewahrt • werden. Daß Männer, die innerhalb Deutschlands geboren sind, ! von Teutschland fortstreben, empfinde ich mit Schmerz. Aber � Deutschland ist weder den Polen noch den Dänen noch den Elsässern seelisch näher gekommen. Da» rächt sich jetzt(Zurufe rocht?.) Die Konservativen sind die letzten, die sich darüber wun- dcrn dürfen, denn ihre GervaUvvliHk bat es verschuldet.(Sehr wahr! links.) Herr Slychel hat gestern herbe Kritik an dem Un- recht gegen die Polen geübt. Jetzt soll Polen auferstehen, und ich verstehe da? Jubeln der Polen. Herr Stychcl legt aber da» Selbst- bestimmungSeecht der Völker so au», daß er Anspruch auf deutsche Gebiete erbebt. Folgt man seinen Argumenten, so gehört A me- rika den Indianern und Herr Wilson muß au« dem Weißen Hause Abziehen. Auch jetzt noch betone ick. daß die Annexion der dent- schenKolonien durch die Entente»nvercinbair wäre mit einem RcchtSsrieden. Deutschland nnist zur Erschließui� der Weltteil« seiner kulturellen LeistungSiähigkeit entsprechend einen Anteil erhalten.— Die Zertrümmerung Oesterreichs wird zur Tatsache. Mit großem Anteil verfolgen wir die Bewegung der Deut- s ch e n in O e st« r r e! ch. Wir hoffen und wünschen, daß e» ihnen möalich sein wird, ihr Deutschtum zu erhalten. Nur für die Völker Europas scheinen manch? Politiker der gegnerischen Länder den Grundsatz vom SelbstbcstimungSrechi durchfuhren zu wollen. Aber England und Frau'reich werden die Nachwirkung der Formel von der Frc'bcit der Nationen auch in Algier. Marokko. Aegypten. Indien. Irland zu spüren bekommen.— In einem Gedicht in einer alldeutschen Zeituna wird von dem deutschen Volk i alS einem Lu m p env ol k von schlechtesten Gesellen gesprochen. � von einem Volk, da« nicht mehr zu sterben weiß fürs eigene Vater- land. Das ist eine Schamlosigkeit, über die man sich kaum mebr entrüsten kann Da» deutsche Volk braucht sich wahrlich nicht ,» schämen. ES hat sich länger als vier Jahre gegen eine nnge- heure lleberzahl zu behaupten vermocht, auf allen Schlachtfeldern und auf allen Meeren hat der deutsche Soldat»nd der deutsche Matrose sich tapfer geschlagen Wenn deutsche Tapferkeit nicht zum Siege führte, so deshalb, weil da? Kräfteverhältnis zu ungleich war; nach den glänzendsten Wnffencrfolgen erstanden immer wieder neue Gegner. Spätere Geschlechter werden nicht de- greifen können, daß Deutschland überhaupt so lange iwtdersteheu könnt«. Daß wuuer neu« Feinde erstanden sind, war nicht die Schuld der Massen oder doch nur insofern, als die Massen sich die fasche Politik der Herrschende« gefallen ließen. Nun heißt eS, die Fohler wieder gut zu machen. Haase wirsl uns vor, wir hätten ihn angegrifsen, als er für den BerständigungSfriedcn eintrat. Nein, wir haben ihn angegrissxn. weil er seiner Fraktion die Treue gebrochen hat. (Zustiinmung bei den Soz.— Ruf« bei den U. Soz.: Sic sind treu- los gegen alle Grundsätze.) Ich habe Haase niemals den Glau- ocn an leine absalulc Loyalität bestritten. Erhebend ist aber dies j Schauspiel nicht, dah Vertreter denischer Arbeiter von dieser Stelle au» gegeneinander reden müssen.(Lärmende Zurufe der U. Soz.— Präsident Fchrenbach: Durch das gegenseitige Anschreien wird daS Schauspiel nicht schöner!) Di« früher gemachten Fehler müssen wieder gut gemacht wer- den. Eine amtliche deutsche Stelle hat erklärt, daß amtlich« Stel- len in Polen die Aufrechterhaltung der Besetzung wünschen. Das wird dar, entschieden in Abrede gestellt. Man lasse in den besetzte» Gebieten schleunigst deinokratische VvlkSvrrtretun- ««n bilden und dies« mögen sehen, wie sie fertig werden. Polni- schen Großgrundbesitzern Dienste zu leisten, ist nicht die Ausgabe der deutschen Soldaten(Zustimmung.) Graf Posadamsky sprach gestern von Jena, und der Abg. v. Graefe hat in einein Artikel den Friedensschritt höhnisch den ersten Heldcnschritt genannt, der zn einem noch schlimmeren Jena führen muß al? zu dem vor 1!>" Jahren. DaS Volk denkt anders darüber. Wenn auch Regie- rungen zusammenbrechen, so wird sich ha» Volk, wie Lassalle schon gesagt hat. doch immer wieder unsterblich wie ein Vhönii: erheben. Junkerlich? nnd moralische Nebcrhebnngcn. politische Ritckständig- keit, Widerstreben gegen uiiaufbaltsame politische Nrurrungen, daZ sinv die Ursachen des Zusammenbruch», jetzt sowie»or 196 Jahre». Der Zusammenbruch war bereit» da. als Schcidemann und E' berger in die Regierung«intraten. Nicht Scheidemann, sond ro der Kronrat unter dem Vorsitz de» Kaiser? und mit Hhtdenburg haben den Friedensschritt vorbereitet. Graf Westarp r. die Stunde der Abrechnung wird kommen. Di« Konser valiven und Alldeutschen haben sie wahrlich nicht zu fordern, sü wird aber von ihnen gefordert werden. Mit Recht ha'v die bayerischen Sozialdemokraten«inen StaatSgericktShes zur Prüfung der Schilldfrage verlangt. Dieser wird sich aaet eingehend mit der Art der Verhandlungen zu beschäftigen hol• n die vor zwei Jahren zwischen dem Grafen B e r n st o r f n: Wilson geführt wurden. Wir müssen volle Aufklärung darübe: fordern. Wir verstehen, daß man nach den Schuldigen f ü: die militärischen Mißerfolge nicht gefragt hat. D' militärische Autorität soll aufrechterhalten bleiben. DaS Vi? denkt ander» darüber. Wir sind befriedigt davon, daß der Staat» sekretär der Marine verschwunden ist, ae: die militärische Bedeutung Amerika» gleich null und nochmals nnli einschätzte und die militärischen Transport« Amerika» eine w i! l kommen« Beut« für unsere U.B o o t e nannte. Unse Haltung zur U-Boot-Frage haben wir nicht zu bedauern. Ter Kriegsminister Scheuch hat einem Zeitungsmann gegc über gesagt, die Neberlegenheit der Gegner lieg« in den Tanke !» würde aber seil längerer Zeit daran gearbeitet, auch diese rie>' i Wafie in geeigneter Weise herzustellen. Auch am LL �vril 199 Hai der»trieqs min fiter von Swr» ciaenhändig zur Tauktvage g-. schrieben:.Dw Sacke ist zu einem Abschluß gekommen. Wir ijafr i jetzt e:nen guten Tank, der dem der Feinde Überlegen ist. Für mich ist dre Sache zunächst abgeschlossen.'' Wie diele, deu. scheu Svaldaten mag dies« Games che nüberhebung da» I' gekostet haben. Die» Schreiben ist von der glmzen Einsichtslos � keit erfüllt, die monatelang in den Berichten über die Feini zu un» sprach. E» wäre unbegreiflich, wenn im Lande nie von den Ursache« ber militärischen MIsterfoks« sprochen würde. Der Krieg» niinister von Stein lehnt« sich gegei aßnahmen der Regierung und Anordnungen ans. er setzte sich in schroffsten Gegensatz zur Regierung und zur Volkestim mung. Und diese: Mann ist in besonders ehrenvoller Weis« verabschiedet worden. ES mag da? ein« Formali tät sein, aber man soll doch die Stimmung deS Volke» nicht verkennen. Auch im Heer muß da» Wort gelten.Freie Bahn de, Tüchtigen". Die Auffassung, daß Offizier nur werden kann, wer daS Einjährigenzeug uis besitzt, ist unhaltbar. DaS Beschwerderecht muß bald geändert werden. Der u n- nötige Drill muß abgeschafft ioerden. Der Offizier darf i m Felde n i cki t ander« verpflegt werden, wie der einfache Soldat. Männer müssen Einfluß gewinnen, deren Blick nicht durch Jahrzehnte langen Tienstdrill verengt ist. Mit der bloßen Sach- Verständigkeit haben wir schlechte Erfahrungen gemach!. Zivilisten leisle« in Amerika und England wunderbares bei der Organisation der Heere. Ein politischer Unterstaats- sekretär muß fürS Krieg»- und fürs Marineininisterium verlangt werden. Solang« noch die Heere im Felde stehen, muß der Vergeudung vorgebaut werden. Der Skandal der grossen Gewinne im LirfrrungLwescn ist bei weitem nicht im notwendigen Maße eingeschränkt: gerade gegenüber den großen Kriegsgewinnlern haben die Offiziere versagt, und unsere Nachprüfung der Verträge ist für die Katz. Graf Westarp hat auf bessere Zeiten unser einer starken Monarchie gehofft. Seine Acußerungen könnten gu Betrachtungcu über monarchische Politik gerade unierdem gegenwärtigen Kaiser anregen. Im Lande geschieht da» im weiten Matze, und begeistert« monarchische Kundgebungen haben wir nirgend?. Miß- trauen muß es auch erwecken, daß e« im Schreiben an den verabschiedeten Herrn von Bergh, dem Chef de? Zivil- kabinctlS lautet:.Ich hoff« zuversichtlich, daß-Sie zu gegebc- n e r Zeit Ihr« bewährte Kraft wieder zur Verfügung de» Königs und Vaterlandes stellen werden." Da» Volk wünscht die Rücklebr reaktionärer Männer nicht, sondern meint, daß noch in vielen Stellen Leute sitzen, die nicht hingehören. Deshalb fordert da» Volk rasch weitestgehende Eicherungen de» neuen System». Haase hat leider recht gehabt, al» er von schrutzltchen Vorkommnissen auf tnnerpolitischem Gebiete Leider sind innner noch zahlreiche Anhänger de» alten Regimes in ihren Aemtekn, aber ihre Streiche darf die neue Regierung unter keine» Umständen länger dulden. Der gute Wille der Regierung genügt uns nicht, sie muß KehranS machen. ES ist ein Skandal so>.n dergleichen, daß die Polizei gestern abend hier eine Versammlung der Frieden?- gesellschaft unmöglich gemadfo hat. Da« ist so ungeheuerlich, baß die Regierung sich klar darüber sein muß, dah sie ein ver- zwcifrltrs Spiel treibt, wenn sie diesen NirdertrSchtigkriten nicht ein Ende macht.(Lebhafte Zustimmung linl».) Ich frage den Vizekanzler, der die Dinge doch haute auch in der Zeitung gelesen hat, ob die Entfernung dieser Missetäter erfolgt. Wir bedauern, daß auch bei der W a h l r e f o r m in Preußen wieder nur halbe Arbeit gemacht wird. Di« Regierung sollte sich so schnell al» möglich zum Franenwahlrecht«rtschließen, & M Zu großzügiger Neuordnung gehört auch das Proporktonadvahl- recht.(Zustimmung bei den Sozialdemotraten.) Die gegenwärtige Parteikonstellation hat Parteien verschiedener Weltanschauung zusammengeführt. Trotz des zeitweiligen Zu- sammenwirkens behält jede der Parteien ihre volle politische Frei- heit..(Sehr wahr, b. d. Soz.) Wir wollen in dieser Gemeinschafts- arbeit für die Rettung Deutschlands leisten, was wir allein nicht leisten können, solange wir eben eine Minderheit sind. Aber die Sozialdemokratie wird nicht ruhen und rasten, bis sie die Mehr- beit des deutschen Volkes unter ihrer Fahne vereinigt hat, und das Ivird uns zweifellos gelingen! Deutschlands Zukunft gehört der Demokratie und dem Sozialismus. Und erst auf dieser Grund- läge wird fest beruhen der Vund freier Völker und der dauernde Weltcnfriedc.(Lcbh. Beifall b. d. Soz.. Händeklatschen aus den Tribünen.) Präsident Fchrenbach ruft nachträglich den Abg. Werner- Gießen zur Ordnung, weil er dem Abg. Korfanty zugcrusen l?at: Raus mit dem Hund! Staatssekretär Trimborn: Wir müssen unser lebhaftes Bedauern darüber ans- sprechen, daß die gestrige Versammlung der Frie� d e n s g e s e l l s ch a f t nicht zustande gekommen ist. Die SScr 'ügung des früheren Kricgsministcrs betr. die Behandlung der Versammlungen gewisser FriebcnSgesellschaftcn ist aufgehoben ! Hört, böri! und Bravo! links.) Friedensversammlun- gen sollen gestattet werden. Di« Verhinderung der gestrozon Versa-mmlung fällt nach den bisherigen Feststellungen nicht �dem Polizeipräsidenten zur Last, sondern dem Oberkommando, taS über die Genehmigung der Bersammlrmg nicht rechtzeitig ent- schieden hat. Inwieweit dabei ein Verschulden vorliegt, wird noch untersucht. Wir haben Vorsorge getroffen, daß das Pro- gramm der neuen Regierung in Sachen der Zensur und des Be- !agerungsz«standrS streng durchgeführt wird. Personen, die sich cht für geeignet halten oder nicht geeignet sind, energisch .nid gewissenhaft dabei nritzuwirken, haben aus ihrem Amt zu scheiden. Leibh. Beifall liorks.) Die Einheitlichkeit der Reichsregie- rumg wird auch auf diesem Gebiet unbedingt gewähr- leistet wenden.(Löbh. anhaltender Deifall links.) Abg. Krech(k.) Seicht lein? Entrüstung über dem Abg. Korfanty aus. Der deutsche Lowe sei noch nicht wt, er wende mit gewaltigem Pranken- schlag die undankbaren Polen in ihre Schranken weisen. Gegen die Abtrennung Ostpreußens würden auch die ostpreußischen Soz-aldemokratnr noch heute Mann für Mann zum Schwert greisen. Aber man müsse auch die Drückeberger heranholen. onvuif links: Auch die Landwirte!) Die Männer aus den Be- loicban würden jetzt zu allem möglichen herangezogen, wovon sie nichts bersteheu, z. B. auch zum Regieren. lHsiterkeit.) Sie sollten liehet aus den Betrieben die Männer herausziehen, die w.rklich unentbehnlich sind. Die konservative Partei sei für die Re- .n ivungsbandlungen nicht berantwortlich. Kein führender konser- aiiver Parlamerrtarier sei jemals cm eine leitende Regie- rungS stelle gerufen worden.(Wi-derspruch links.) Man dürfe sucht joden Mönschen für einen Konservativen halten, der„von" i-.'ißt und einen anständigen Rock trägt.(Lachen bei den U. Soz.) Vom Siandpulnkt Haases aus sei natürlich LarrdSberg mich ein c onstrvaiiver.(Heiterkeit.) Die Konservativen als Partei könnten b: im Ilebergang zum reinen Parlamontarismus nur gewinnen. .>s Ausland sei um Staatsmänner wie Wilson, Lloyd George und innen ceau immer tnicht zu beneiden. Die neue unitavische Re- ü-vumg halbe d i e Reichsverdrosseuheit geweckt und den rr rchwinden&en preußischen und bayerischen Pa�rtikularismus neu ausleben lassen. �Die Alleinherrschaft der Konsumenten weride wirtschaftlich ruinös werden.(Steigende Unruh« und Zurufe b. d. Nwrischrittlern: Hören Sie doch endlich� mit Fhren elenden Klops- chtcreien auf!) Die herrschenden Klassen trügen am Kriege kei-ne ckSfeC" J& Fu n l e r hätten Sj.gland kein« Kon. rurrenz gemacht. Die angeblich Schuldigen von Jena hätten auch die Befreiungskriege gewonnen. Wenn NoSke sage, der Prinz >. llc an die Front, dann sollten zunächst einmal die Reichstags- abgeordneden dahin. Und vor allem soll« der Reichstag Mann- 'chaftskoft essen.(Lachen links, Beifall rechts.) Vizekanzler v. Paher: Herr Krekh hat Westarps Frage wiederholt,«lb die Regierung die Verantwortung für den letzten Aufruf des sozialdemo- 'ratischen Pa rt ei v o r sta n de s übernimmt. Kann man darauf im Ernst antworien? Reichskanzler und Reichsregierung o. antworten niemals Kundgebungen einer Partei. Leit- c i k e l und Aufrufe sind keine Kronreden. üeit«Äsi>t und Beifall links.) Bei der Abfassung der Noten an LMson sind alle Reichstags Parteien weitgehend beteiligt war- d.u. Herr K-reth hat behauptet, ich hätte umgelernt:. Ich möchte»vissoii, wer tu dieser Zeit nicht umlernt. Die '. ügslen und Besten sind es gewiß nicht, die selbst in solcher Z.'i! nichts lernen.(Sehr gut! links.) Wenn das Berliner Tageblatt" meine Rede für parteipolitisch erklärt hat, so ..rn ich s«» Urteil darüber nicht als maßgebend anerkennsn. Ich habe auf alle die Vorwürfe geanttrortet, die aus den Reihen der lonservatiiie» Partei und Presse in den letzten Wochen gegen die Rerchsteitung geschleudert sind. Ich hatte gar keine Veranlassung, mich lediglich auf die Ausführungen des Grasen Westarp zu be- .ärcmken.(Bravo! links.) Abg. Ledehynr(H. Svz.>: Auf die Kriegslage brauchte ich nicht mehr zurückzukommen, wenn nicht bei �wissen Leuten noch merkwürdige Illusionen be- stünden. Graf Posadowsky sprach gestern noch von Sicherungen in Belgien Wir hätten sie auch bei der günstigsten militärischen Lage streng verurteilt. Aber unter den jetzigen Umständen muß Graf� Posadowsky geradezu die letzten Wochen im Kyffhäuser verschlafen haben.(Heiterkeit.) Aber wie soll man den Staatssekretär a. D. tadeln, wenn heute ein Staatssekretär im Dienst, der Kriegsminister, behauptet, wir könnten den Krieg er- folgrcich weiterführen. Hindenbur« und Ludendorff haben a n- ders geredet, die waren der Uebcrzeugung, daß wir möglichst rasch Frieden machen müßten. Taraushin hat man das demokra- tische Ministerium zusammengerufen, um Frieden zu machen. Es wurde nicht durch das deutsche Volk erkämpft, nicht durch den Reichs- tag, sondern durch die Ungunst der militärischen Lage. Jetzt will man den: Volke einreden, der Krieg könne fortgesetzt werden. Aber wie erklärt sich überhaupt das Verhalten LudendorfsS? Ent- weder ist ihm erst Ende September die plötzliche Erleuch- t u n g gekommen, daß der Krieg in der bisherigen Weis« nicht fortgesetzt werden könnte, und dann war erderzweifelt kurz- sichtig und imterliegt dem stärksten Zweifel an seinen Fähig- keiten. Oder Hindenbnrg und Ludendorsf sahen schon längere Zeit den notwendigen Rückzug und die Gefahr des Zusammen- bruchs voraus, dann haben sie Regierung und Volk im u n- klaren gelassen, wie die Sache steht und st« dadurch verhindert, beizeiten einen besseren Frieden zu suchen. Jetzt ist die richtige Zeit zu Friedensderhandlungen verpaßt. Selbst Graf Hertling bat erklärt, über die Lage an der Front nicht rechtzeitig unterrichtet gewesen zu sein.(Hört! hört!) An der Do p-pelwirtschaft von Militär und Zivil hat sich auch in der neuen Regierung nichts geändert. General Scheuch hat heute die feierlichen Erklärungen des Prinzen Max und seiner Stellvertreter durchkreuzt, die Wohl auch die Mci- nung darstllen der Staatssekretäre ohne Portefeuille und Redeerlaubnis.(Heiterkeit.) General Scheuch bat gegen die Regierung offen frondiert und sich ausdrücklich ans den Grasen Westarp gestützt. Selbst in dieser Lage, wo die Reichs- regiernng nach besten Kräften bemüht ist, das Friedensangebot zv vertrete«, hat der Kriegsminister ihr die Suppe versauert. (Zuruf: Die alt« Geschichte!) So leicht gibt der preußisch« Mili- tariSmuS sein« Macht nicht aus der Hand, wie die Mehrhettspar- teien glauben. Aber jetzt mutz in schärfster Weise durchgegriffen werden. DaS Ausland darf an dem Ernst unseres Friedenswillens nicht zweifeln. General Scheuch braucht ja nicht den Zylinderhut zu nehmen, er kann ja nach dem kurzen Intermezzo an die Front geschickt werden, wo die militärischen Kapazitäten offenbar eine Seltenheit sind. Wir dürfen uns die FriedenSauS- sichten nicht durch die militärischen Extravaganzen stören lassen. (Sehr wahr! links.) Die kommandierenden Generäle haben das deutsche Volk in das größte Unglück hineinregiert. Da muß ausgeräumt werden mit eisernem Besen, nicht mit den vier Flederwischen der Mittelparteien. Visher sind lediglich einige Abgeordnete bureaukratistert worden.(Heiterkeit.) Die bisherige schikanöie Polizeipolitik wird auch jetzt noch fortgesetzt. Unser Parteigenosse Reimaun in Halle ist jetzt aus der Unter- suchungshaft entlassen, aber sofort in Schutzhaft genommen. (Abg. Kuriert(Unabh. Soz.): Ein Schurkenstreich des Militari?- mus! Präs. Dave ruft den Abg. Kunert zur Ordnung.) Wir er- Ivarten, daß der Abg. Stahl jetzt sein Mandat niederlegt und den Wählern freistellt, oh sie Liebknecht oder Stahl wählen wollen. (Sehr gut! bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) Falsch ist die Behauptung des Abg. Noske, wir seien 1914 für die Kriegs- kredite gewesen. Wir haben in de? Fraktion sofort dagegen gestimmt, haben uns dann aber dem Beschluß der Mehrheit gefügt, weil wir in der damaligen Situation die Sprengung der Partei nicht verantworten zu können glaubten. Jedenfalls ist es eine Per- fidie sondergleichen, wcun die� Anhänger der absoluten Einhaltung der Disziplin unsere damalige Haltung letzt gegen uns auSnnyen. (Sehr wahr! bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) Wenn wirklich demokratisiert werden soll, müssen alleVerwaltungS- Beamten, Landräte usw. entlassen und durch Männer ersetzt werden, die aus allgemeinen gleichen Wahlen hervorgehen, wie das in der Schweiz und in Amerika der Fall ist. Das man- archische System hat völlig abgewirtschaftet. Ter gegenwärtige Träger der Krone darf seinen unheilvollen Einfluß nicht weiter ausüben.(Zuruf bei den Unabhängigen Sozialdemo- kratcn: Abdanken l) Präsident Dave: Wegen dieses unerhörten Verstoßes gegen die parlamentarische Ordnung rufe ich Sie zur Ordnung. Abg. Ledcbonr(fortfahrend): Ich will dann nur die Tatsachen sprechen lassen. Zu Beginn seiner Regierung hat Kaiser Wil- Helm II. in einer Ansprache an Rekruten gesagt, sie müßten auf Vater und Mutter schießen, wenn das kommandiert würde.(Hört! Hört!) An den ehemaligen Kaiser Nicolaus hat Kaiser Wilhelm telegraphiert: Der Admiral des Atlan- tischen Ozeans grüßt den Admiral des Stillen Ozeans." Das war nicht nur geschmacklos, sondern es war eine direkte Aufpeitschung Englands zur Feindschaft gegen Deutschland.(Sehr richtig!) In der Korrespondenz m i.t dem Zaren Nikolaus II. hat sich jetzt ein Brief Kaiser Wilhelm II. aus dem Jahre 189S gesunden, wo es heißt: Mein Reichstag zeigt eine verflucht üble Fchhrung, indem er zwischen den Soziali st en, die von den Juden geführt wer»«»,»ad den aütnmonfanen ftctholfken M».»ch|ee> schwankt. „Metner Ansicht»ach müßten beide Parteien einzeln zehltnUt werden." (Hört, hört! und Heiterkeit.) Aber mit der Thronniederlegnng des Kaisers wäre wenig gebessert. Ich null auf seine Nachkommen- schast nicht weiter eingehen.(Heiterkeit.) Das ganze mon- archistische System muß vielmehr beseitigt werden. (Sehr wahr!) Wenn die gegenwärtige Dynastie in Deutschland noch einmal etwas tun wollte, was ihr Ansehen und Achtung ver- schaffen könnte, dann würde ich iln raten, daß sie soviel Patriotis- mus aufbringt, wie die Mandschu-Dynastie in China, und freiwillig auf ihre Rechte verzichtet.(Sehr gut!) Damit würde sie in dieser Situation Deutschland wirklich einen großen Dienst erweisen.(Sehr wahr!) Schließlich wird das, was wir verlangen, ja doch auch in Deutschland durchgeführt werden. Bei der Abfassung der Note an Wilson hat man leider unseren Rat nicht befolgt, den U-Boot-Krieg überhaupt aufzuheben. Den Aus- führungen des Abg. Haas« kann ich zustimmen, nicht aber denen des polnischen Redners. Danzig, das der polnische Redner für Polen beansprucht, hat weniger polnische Bevölkerung als Berlin. Auch die ganze Weichsel Niederung ist deutsch. (Widerspruch bei den Polen.) Sie kennen ja nicht einmal die Ethnographie der Gebiete, die Sie für sich beanspruchen.(Heiter- keit.) Sie setzen sich in das schwerste Unrecht, wenn Sie den Per- such machen, dem kommenden polnischen Staat Gebiete anzufügen, in denen sich eine anderssprachige Majorität befindet. Ich bin immer gegen jede Unterdrückung der Polen eingetreten, aber ich werde auch zu jeder Zeit gegen die Unterdrückung von Deutschen austreten.(Bravo!) Trotzdem ich internationaler Sozialist bin, höre ich nicht auf, Deutscher zu sein.(Lebb. Bravo bei der Mehrheit.) Die Sprachgemeinschaft ist für da? Volk ent- scheidend, nicht die Staatszugehörigkcit. Wir verlangen für Europa einen europäischen Bundesstaat, der durch ein Parlament regiert wird, ein Parlament, wie nach unserer Ansicht die künftige deutsche Republik Das Kriegslabinett soll Pläne einer Verständigung mit England über die Aufteilung Rußlands erwogen haben und der Staatssekretär Schcidemann soll sich diesen Plänen geneigt gezeigt haben Ist das wahr? Wir würden gegen ein derarttgeS Unternehmen mit allen Mitteln, auch mit den Mitteln der Gewalt, gegen die Regierung auftreten.(Bravo! b. d. U. Soz.) Vizekanzler v»n Payer: Inhalt und Ton der Ausführungen des Abg. Ledebour sind geeignet, dem Vaterlande schweren Schaden zuzufügen. Das Schriftstück des Kaisers, auf das er Bezug genom» men, ist 23 Jahre alt und kann wohl keinen Eindruck auf das Haus machen Gelegentliche Wendungen aus einer alten Privat karre- spondenz könne nichts bedeuten gegenüber der historischen Entwick- [ung unserer inneren Verhältnisse, auf deren Boden sich der Kaiser mit voller Entschlossenheit gestellt hat. Ich darf auch daran er- innern, daß gerade der Kaiser es war, der dem Zaren geraten hat, aufrichtige konstitutionelle Konsequenzen aus der Lage zu ziehen. Kmcgsminister Schefich: In der persönlichen Reklamationsange. legenhcit, in der sich der Abg. Haas« an mich gewandt bat, habe ich eine Prüfung ein-treten lassen. Der Mann wird heute ent- lassen. Die Prüfung geht noch weiter. In der Tankfrage befinde ich mich nicht in Widerspruch mit meinem Amtsvorgänger. Die militärische Befähigung des Generals von Ludendorff brauche ich gegen den Abg. Ledebour nicht in Schutz zu nehmen. Ein Wider. spruch zwischen meinen Ausführungen und denen des Reichskanz- lers, wie ihn der Abg. Ledebour konstruierte, besteht nichts Im Sinne der Schlußworte des Reichskanzlers sagte ich:.Sie können helfen dem Heere alles das zuzuführen, was es braucht. Denn für uns handelt es sich unter Umständen darum, dem PernichtungAwillen unserer Feinde den deutschen Kampfeswillen eutgegeuzustellen." Wo ist da der Widerspruch? Zlbg. Gothein(Vp.) szur Gcschästsordimmgj beantragt Schluß der Debatte. Abg. Ledebour(U. Soz.) widerspricht, da noch ein Pole und der Abg. Rühle gemeldet seien. Abg. Korfanty(Pole) widerspricht ebenfalls, da die Polen auf die scharfen Angriffe antworten müßten. Abg. Grocber(Z.): Das kann geschehen, wenn wir heute noch in die Uveiie und dritte Lesung eintreten. Der Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. In der zweiten Lesung begründet Abg. Zehnter(Z.) einen Antrag der Mehrheitspariieieu, wc» nach zurErklärungdesKriegsdieZustimmungdes Bundesrats und des Reichstags erforderlich ist. Staatssekretär Trimborn: Die Regierung stimmt diesem Antrage zu, vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesrats. Sie be- hält sich aber vor, in Erwägungen einzutreten darüber, ob nicht für die Zeit zwischen zwei Legislaturperioden noch eine besondere Vorkehrung in der Verfassung getroffen werden muß. Ein Antrag der nnaibhängigen Sozialdemokraten, daß auch für B ü n d n i s v e r t r ä g e die Zustimmung des Reichstages erfvrder. lich sein soll, wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, U. Soz. und Polen abgelehnt. Es folgt die namentliche Abstimmung über das Vertrauens- Votum der Regierung. Bei 2t>8 abgegebenen Stimmzetteln stimmen 193 mft ja, 52 mit nein und 23 Abgeordnete enthalten sich der Abstimmung. Hierauf vertagt sich das Haus auf Freitag 2 Uhr.(Dritte Lesung, Gesetzentwurf zur Verfassungsänderung in Elsaß- Lothringen.) Schluß i Uhr. 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Die Preise für Kunsthonig betragen: bei einem Pjundprets von 73 Vf.: 22 Pf. für 150 Gramm! 44,, 300, 1 im Ausstich ans Gefäßen 66.. 450.1 bei einem PiundpretS van 78 Pf.: 23 Pf. für 150 Gramm! 45,, 300,} im Ausstich aus Pfundpackungen. 68.. 450.1 IN. Der vestellabjanitt Nr. 71 der»rost-verlwer SebenSmittel- karte mit Anidruck.etadt verlin" darf nur in demjenigen Geiitäft. In dem der Verbraucher /»um Zuckerbezug In das Hiindeiiverzeichi'iS eingetragen ist, gegen Abstempelung dcS SmpjangSabichüitteS abgettejert werde», und»war in der Zeit vom Ffreitag, den ZU. Oktober 1918, biS Montaj,. den 28. Oktober 1918 einschl. Nachtrngttche Anmeldungen find nicht znläsfig. IV. Jeder Kleinhändler M vw pflichtet, iobald er die 2?srr»nr Stelle hat. den verfnusSbeginn durch Anschlag anzuzeigen. Der bäuser Iii verpiljchiel. bei d r Entnahme deS KunslhonigS den Empsnngsabschntti vorzulegen; der verläuser Hut den Eurpsangsabschnitt abzuschneiden und an sich zu nehmen. V Die Kleinbändlrr haben die ven Ihne««ngvnvnnnenen vcstellabschnitte an den G> osthändier, von dem ste den Kunst. Honig beziehen entweder durch Bote» oder eingeschriebene« Brief abzulieiein. und zwar bis Mittwoch, den 59. Oktober 1918. Die Uedersrnbnng durch gewöhnlichen Brief ist«n- znläffig. Der Gro; Händler Hai die Abichnitte sofort an die Zucker> rsuieiiung». Gclellschast weiterzugeben; von dieser find die Abschnitte bis zum Nrittwoch, den 9. November 1918 der ZuckeroerjorgungSltelle verlin emzuteichen. Berlin, den 24 Ottobet 1918. Magisttat der Könilil. ljavpt- vnd Rrstdenzfiadt. Zulkcrversorgungsstelle. Dr. R e i m a n n. Bekanntlnachnng. Der unerwartet starfe Rückgang der Milch in Verbindung mit der schlechten vcsd>astenhcit der eintreffenden Milch, die zum Teil w einem iür die AuSgadc an das Publifum ungeeigneten Zustand hier anlangt, macht eS ersorderlich, den Kindern tm 5. und 6. Vebeiisjahrc ihr c Milchportion sür einige Tage in Farm von fondensicrier Milch zu veiabsolgcn. Es wird infolge dessen aus Grund de« z tS der Milch. Verordnung vom 30. Ottober 1916 für den vezirl der Fettstelle Krojt-Bcrlin bestimmt: I. vom 25. bis 28. Ottober d. Z. einschlt-bltch wtrd ans die braunen»G'-Karten der Kinder im 5. und 6. Lebens» jakre in den Kleinhmidclsgeschästen Vollmilch nicht auS» gegeben. H. AIS Ersah für die in diesen vier Tagen ausfallende voll. milch wird einmalig am 2b. Ottober b. I. 1 Bnchfe Kondensmilch »erabsolgi, und zwar bei dem Kleinhändler, de! welchem der Verbraucher zum Milchbezug eingel». ,,en Ist. Die Abgabe findet gegen Abtrennung der für die Zeit vom 2b. bis 28. Ottober d. I. gültigen Tagesabschnitte statt. Der Preis der Büchse beträgt 1,45 M. HI. Tie Milchabgabe in den Äbmellwwljchasien bleibt von der obigen Regelung unberührt. Berlin, 24. Ottober 1918. IrttMe SrH-Std» Wich). Hunde an die Front! Bei den gewaltigen Kämpfen im Westen haben die Hunde durch stärkstes Trommeiscuer die Meldungen auS vorderster Linie w die rückwä, iigen Stellungen gebracht. Hunderten unserer Soldaten ist das Leben erhalten, weit Hunde ibnen den Meldegang abnahmen. Miltiärisch wichtige Meidungen find durch Hunde rechtzeitig an die richtige Stelle gelangt. Obwohl der Nutzen der Meidehunde überall bekannt Ist, gibt es noch immer Besitzer kriegsbrauchbarer Hunde, welche sich nicht entichiiesten lönncn, ihr Tier dem Vateriande zu leihen! ES eignet sich Echäservund, Dobermann, Airedalc-Terrier, Rottwetier, Hagdhnnde, Lconbcrger. Ncufmidländer. Bernhardiner Doggen und Kreuzungen auS diesen Rassen, die schnell, gesund, mindest 1 Jahr ait und von über 50 cm LchuIIeihöbe sind. Die Hunde werden von Fachdrcsseurea in Hundcschuien ab. gerichtet und Im Erlebenssasle nach dem Kriege an ihre Besitzer zurückgegeben. Sie erbailen die dcnlbar sorgsamste Pflege. Sie müssen kostenlos zur Versügung gestellt werden. Die Abholung erfolgt durch Ordonnanzen. Also Besitzer: Eure Hunde In den Dienst des Vaterlandes l Die Anmeldungen für KriegSbund- und Mcldebundjchulen an Inspektion der Rachrichieniruppen, Berlin-Halensee, Kur. jürstendamm 152, Abteilung KriegShunde, richten, 230/5 I, dtll. SpemlalgeschStt tttr Ultren. Nachts leuchtende gn Biilitär- Ankeruhr Ii Meine MiIt>Sruhren M. 17.50 haben einfache präzts«»onslruk- Itan. sind prakttsch u zuverlässig im lägt«Lebran-v u. daher rte dettedlesten Uhren tür das grobe PabUkum geworden; st» sind In allen Testen der deulschen Armee und Katiert Martn« zur vollen susricaenhetl im Gebrauch. Man >ffe sich durch«npretlung min. -rwernger Sorten nicht irre liin.totche sind heute nicht mehr ni Eargfali ausgesührl. Wer ins eine wlrttlch gmzehcnde Uhr eslettiert aui die man stch un- ledsngi verlassen kann, vertang« melne veutsebs«Slütznihr. 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Crno, Neukölln, Nogalstr. 16. itür bie|o iiberau» jntilvrirt e i iOeicet|t 6er ülntetlnaumc beim Htnichrid», mtintr lieben drau 13ä/4 Mlara Olsson läge 14 meinra wärmsten Dank, besonder« dem Yerlonal! der Firma ilSmcl. vkrditnd öer Leweinlie- tinä Siüsttzsrceiter. rlllale Lroö-Verlia. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode de« Kollegen Otto Behrendt von ilharl. Wasserwerke A.A. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei lag, den 25. Otlober, »achmlllag« 4 Uhr, von der Leichendalle de« Sieglitzer Gemeinde-,>rirdh»fe«, Verg- (trafie, au«(totl. Um reg- BeieMgnnz dei der Bcstatinng de« Kollegen ersucht Will! Die vetgherwnining. Cv'utlifr Kaaarbelter'Oeröaad. VeroiD Bsrtia. Btjtrt Oranienburger Vorst. Km il. ORoder starb Bttjer Mitglied, der Maurer �'jjhetm Engel. Die Cetrolijung findet am Moniag nachm.? Uhr, aus dem S- labeid- Kindhos in der Prinjenallee stalt. - 141/9 Dm glichen ta« starb Jim«rjitt Norden II unser J Mitgiied, der Maitrer Äilheim Bsdhe. Die Beerdigung findet ! beule nachrnUIag 3 Udr aus ! dem lllrch Hos der Himmel, I lahriS.Aemetnd« m Nieder- J schölibausen-Nordend statt. Die Crtl. Verwaltoag. Ptrband d.!fIalkr.Cadtl«r Kirch hos in Bor figwalde.| Tegeler Stras-e, statt. Um rege Belclllgung er-! sucht Ol« Orttwrwnlluiij Okundjer transportarbtlttrvkrband. ©cjitfäoetwalL lVrob-Beritii Den Mitgliedern zur Nach. licht, dafi unser Kollege, der Ziolllulscher äugusl von der Firma tKerdard a. Hey, Prenzlauer Slrage, am LI. Oll ober wi Miel von bo Jahren verslorden tsl. Ebre seinem Andenke» l Die Beeidigung findet am Sonnabend, den 26. Ol- tobcr, nachmittag«< Uhr, von der Leichenvallc des Jeruiaiemer Klrchhose« in Neukölln, Hermannjir. 84, au« statt. 64/11 Die SMlrksesnealiiing. ieiiPii Rctitnicn. Mastdiiduer, Mafttainndten,»lioilziegen, igllch irisch, in groger Auswahl m 6iBWejrÄ; nnbc Eüpenicter Straße. .»eichätl! Uhtaudstr. ?kn»klllvkkdznd de? Zltinäfdcllkk 0euli»lznd!. I Zahlstelle vrrti». Den Mitgliedern zur Nach. I rlcht, dag unser Kollege, der j slewarbeiter Peter Ipplch gestorben ist. (Ehre feine« Andenken!! DI« Beerdigung findet! Freilag. den it. Oktober, nachmittag« i'l, Uhr,»an der Leichenhalle de«»e- meinde-Friedhoie« in Neu- lölln, Marlendorser Weg, au» statt. Um rege veteRgnng er- sucht 172/8 Die OrtStHrrwaliung. Nach kurzem Kranken- lager starb tnsolge der Grlpde unser lieber Kollege. ver Elektromonteur Blldoll Gärtner im eben vollendeten 18 Lebensjahre. 3704b Ehre feine« Andenken l Die Montenre und Helfer der Verlfner Privat- Telephon-<9e- fellfchast. Die Beerdigung findet am Soimabend, de» A. Oktober. nachmittag» 3'/, Udr, au, dem neuen Panis.Kirchho' (Seesteafie) statt. Sitz Barfin. Loge 1905 Am BO. und 91. Oktober starben unsere Milzlieder Klara Lukat geb. Edsmoif, Martha Gerberding gib. Stefnweg. Ehre Ihrem Andenken! Die Einäscherung finde! ffir erster« am Sonnab md, nachmittag« 4 Uhr. in Trep- low. Iii: letztere am Sonn- abend um 12 Uhr mittag« in der Eenchtstrage statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 999/7 Der Vorstand. WWW. Für die vielen Beweise herz- Ilchcr Tellnabme beim Helm- gange meine» lieben Sobne« und Brudei« 8tA �VUli f-inkfenberx sagen wir allen verwandlen und Äelannlen. der Dti.ellion, den Nnge'tellsen und liollegen de, Finna Schering sowie dem Man- dolinenoercin»Blau Lieugiein', auch s. d. reichen Biumenspenden, Insbesondere dem Hrn. Holliiein iür die hostreichen Worte am Sarge des Enischiasenen unseren beizlichfien Dank. Die Eltern u. Geschwister. Du war st so jung, Du starbst zu früh, wer Dich gekannt, vergigt Dich nie. Seutschet MekHffBl'bellek-? erbst»«. 1 Vsrwaltangsstslls Barti* Den Mitgliedern zur Nach- licht, das, unser Kollege der Schlaffer Emil Engelmann Benstelstr. 44« am 20 Ollober gestvrden ist.> Di« Beerdignna findet am, r onnabend. den 26. Oktoder, � naidmiliagS 3 Uhr. von der i Leichenhalle de« Siädliichen Friedbofe« in Elahnsdors! au» statt. Den Mitgliedern ferner j zur Nachricht, dah unsere f Kollegin, die Arbeiterin Maliba Gesbesding Perleberger Str. 7 am 20. Okiober gestorben ist I Die Einäicheriing findet am Sonnabend, 26. Okiober, s millag« 12 Uhr. im Krema-! tonum Eerichlstrafie statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht. dafi unser Kollege, der Mechaniker Lai Kam Taborstr. 2 am 90. Okiober gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. Oktober, nachmitlag« 4'/, Uhr, von der Leichenhalle de« Em- mau«-Kitchbvse», Hermann- slrafie, au« statt. Den Mttoliebern ferner! zur Nachricht,»atz unser{ Kollege, der Schwsier Enns! Beinnlehs Neukölln, Nanienstr. 28 am 21. Oktober gestorben ist. j Die Beerdigung findet am! Freilag, den 25. Okiober.! nachmittag« 4'/,Ubr. von der| Leichenhalle de« ThomaS- Kirchboie«, Hermannstratze. au« statt. Den SkttgNedern fsuner/ rar Nachricht,»atz unser � Kolleg«, der Schlosser Naüei' Schmidt Müllerstt. 175 am 2t. Oktober gestorben ist Die Secrdiglmg findet am Sonnabend, den 26. Ottober, nachmittag« 3 Uhr. von der! Leichenhalle de« Eemeinde- j Frteddoje« Nowawe«. Grotz- beerenslratze, au» statt. Den vliigliedern ferner � zur Nachricht, datz unser s Kollege, der Mechaniker Eagen Sidhing Äenler Str. 27 an, 21. Oktober gestorben tfl Die Beerdigung sindci am I Freitag, den 26. Oktober, j nachmittag« 3 Uhr, von her| Leichenhalle de« CRnabtu. Kirch Hose«, BursuSstratzc, au« statt Rege Beteiligung»trd j erwartet. Nachrufe. Den Mitgliedern serner! zur Nachricht, datz nuser Kollege, der Drücker Karl Piegert Lichtenberg, Scharnweder. ftratze 64 am 96. Sept. gestorben ist De» Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Dreher QUO Purhs Pankow, Nordbadnitr. 3 am 10. Oktober gestorben 1(1. Den Mitgliedern ferner zrrr Nachricht, datz unser Kollege, der Schlosser Ällli Brose Eldiiiger Str. 83 am 13. Oktober gestorben ist| Den Mitglieder» ferner zur Nachricht, datz untere Kollegin, die Ardeilerin Knna Hühner Kollbuser User 67 | am 17. Otloder gestorben i st. Den Mitgliedern seraie, ur Nachricht, datz unsere Kollegin, die Arbeiterin Maspsis Steindcrf Neukölln. Donaustr. 114 am 17. Ottober gestorben ist Ehre ihre« Andenken 1 120/9 Dl* OrtevorwalUiou. isHt- WLWWHchWK vM.. W irril:iiiirirr:i'iTiijiil*lTflfrrffli)i itbttrger! ! S Von den verschiedensten Seiten werden der Neichsdank und den Banken RcichSbanknoten und Darlehnökassenscheine entzogen und in Brief- taschen und Schubläden aufgehoben mit der Begründung, daß man jetzl bares Geld haben müsse. Das Unsinnige und Verkehrte dieser Hand habung liegt auf der Hand. Das Geld ist bei den Kreditinstituten(Banken, Bankfirmen, Sparkassen und Genossenschaften weit sicherer aufgehoben als im eigenen Hause. Die Kreditinstitute vergüten Zinsen. Durch Scheck� und im Ueberweisungsverkehr lassen sich jederzeit größere und kleiner Zahlungen leisten. Da? Aufbewahren im Hause, wie das Herumtragei von barem Gelde birgt Gefahren in sich, die jedermann vermeiden sollte Deutschland ist daS einzige Land gewesen, in dem es kein Moratornm gegeben hat, und so soll eS auch bleiben. Der bargeldlose Verkehr ist für daS wirtschaftliche Leben von größter Bedeutung. Wenn jedermann sein Geld in Banknoien hinlegen wollte, so wäre es technisch einfach unmöglich, die nötigen Reichs- banknoten zu liefern und dem Publikum zur Verfügung zu stellen. Wir richten deshalb an alle unsere Kunden und freunde die Bitte, das Abheben von Noten auf das geringste Aiaß zu beschränken und nur das in bar zu erheben, was im täglichen Gebrauch unbedingt nötig ist. Wir haben Weisung regebe« z« verhindern, daß bares Geld in Stahlfächern bei nns eingesperrt wird. Berlin, den 22. Oktober 1918. Reichsbank-Direktorium. Preußische Staatsbank(Königliche Seehandlung). Preußische Central-Venossenschafts-Sasse. Central verband des Deutsche« Dank-»nd Dankier- gewerbes(G. D.). Dank für Kandel und Industrie. Kerllner Handels-Gesell schaff. K. Dieichröder. Commerz- und Disconto-Dank. Delbrück Schickler � E». Deutsche Dank. Direktion der Disconto-Gesellschaft. Dresdner Dank. Hardy$ Co. G. m. b. H. Mendelssohn& Co. Mitteldeutsche Creditbank. Natiouaibank für Deutschland. W Danksagung. Für die vielen Beweise herz. licher Teilnahm« bei der Beer- digung unsere« inmggelicbten Sohne« sagen wir allen Freun- den und«e!a, inten, der Firma, Frister u. Rotzmann. den Ar-> belt«lolleg«n und«tolleginneu, der Schiaubendrcherei, den � Natursreunden, Adlig. Südost, und dem Metallarbeiterverband unseren derziichiictt Dank. GastoT GoMouii«b" Frau mtd den Brüdern Uann und WOiL»703» i Pei�' Kragen, Muffen, Mäntsi 1 gegen bar ocL erleichterte k Zahlungsweise. Pelzhaus Äbuco. Leipziger Sfr. 58. 1. 1000 iieiisiE st'r.T.ifQn �lltünCiiull bieten sich tätlich dem, der es versteht, sein Wissen den Anforderungen der Gegenwart anzupassen; denn wissen ist Macht und Gold. 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Eczbcrsser j Staatssekretär und M. V.R. i Die Erzbergersche Nursüb. I rungcn oecken sich mit dem k neu-Regierungspr. rami». t Jahrgang jt* �0�IDCll�f0 Jrelfog, 25.(BEtokt 141« Heute abend 8 Uhr, in Haverlands Festsälen. Urne Frirdrichstr. 33: iihlerversammlnng. Referenten: ReichStactsabgeordneter Rudolf Wissell und Stadtverordneten-Vorsteher-Stellvertreter Hugo Heimann. Die Proletarier-Reoolution unö der Renegat kautskp. Von Wladimir Lenin. Vorbemerkung der Redaktion. Da wir das Wesenilichste der Schrift Kautskys zustimmend wiedergegeben haben, geben wir nunmehr auch dem Führer der Bolschewiki das Wort. Lenin liebt, wie man ficht, eine ungewöhnlich kräf- tige Sprache. Mit gleicher Deutlichkeit drücken sich auch verschieden« Zuschriften aus, die uns von russischen Genossen zugehen und die wir nächstens zu veröffentlichen gedenken. Es wird darin behauptet, daß die bolschewistische Herrschaft zum reinen Räuber- und Banditenwesen aus- geartet sei. Unter dieser Ueberschrift habe ich eine Broschüre zu schreiben begonnen, die der Kritik der soeben in Wien er- schienenen Broschüre Kautskys„Die Diktatur des Prole- tariats" gilt. Da sich meine Arbeit verzögert, will ich zu Kautskys Broschüre einstiveilen folgendes sagen: Ein mehr als vierjähriger erschöpfender, reaktionärer Krieg tut seine Wirkung: In ganz Europa spürt man die Wehen der wachsenden Proletarierrevolution, sogar in Eng- land— äußerst bezeichnend ist in dieser Beziehung im Juli- Heft der erzopportunistischen sozialistischen„Schaubühne", die der Halbliberale Ramsey Macdonald redigiert, der Artikel „Bekenntnisse eines Kapitalisten". In einem solchen Augenblick bringt der Führer der Zweiten Internationale, Kautsky, sein Buch über die Dik- tatirr des Proletariats heraus, ein Buch, das hundertfach beschämendev, empörender, rcnegatenhaf- t e r ist, als die berühmten„Vowussehnngen des Sozialis- mus" von Eduard B e r n st e i n. Fast 20 Jahre sind seit der Herausgabe dieses Rcnegatenbuches verflossen, und nun er- scheint eine Wiederholung, eine Vertiefung des Renegatentums durch Kautsky. Ein kleiner Teil des Buches ist der russischen bolschewisti- schen Revolution gewidmet. Kaistsky wiederholt da alle rnenschewistisckzen Weisheiten wie diese:„Die Expropriierung der wohlhabenden Bauern trägt ein neues Element der Un- ruhe und des Bürgerkrieges in den Produktionsprozeß hin- ein, der zu seiner Gesundung der Ruhe und Sicherheit drin- gend bedarf." Unwahrscheinlich, doch Tatsachel Das ist wirklich so von Kautsky gesagt und nicht von Sawinkow oder Miljukow. Wir durften es in Rußland schon oft erleben, daß sich die Beschüher der Ausbeuter mit dem Marxismus deckten, so daß> Kautsku uns nicht in Staunen setzt. Vielleicht fühlen sich europäische Leser bemüßigt, bei dieser niedrigen! Liebedienerei vor der Bourgeoisie, bei diesem Ausbruch seiner liberalen Furcht vor dem Bür- g e r k r i e g länger zu verweilen. Für den russischen Ar- beiter und Bauern würde es genügen, mit dem Finger auf das Renegatentum Kautskys zu weisen und daran vor- überzugehen. Fi st nenn Zehntel des Kautskyschon Buches find einer allgcmnncn theoretischen Frage von allererster Wichtigkeit ge- widmet, nämlich der Frage vom Verhältnis der Diktatur des Proletariats zur Demokratie. Kautsky versichert in völlig ernster und„gelehrter" Art, daß Marx unter„revolutionärer Diktatur des Proletariats" keine Regierungsform, die die Demokratie ausschließt, son- dern einen Zustand, und zwar den Zustand der Herrschaft verstanden habe. Die Herrschaft des Proletariats, als der Mehrzahl der Bevölkerung, ist aber nur unter strengster Wahrung der Demokratie möglich, unid so bildete sich z. B. die Pariser Kommune, die ja gerade eine Diktatur des Proletariats darstellte, aus dem allgemeinen Stimmrecht. Daß Marx aber bei der Diktatur des Proletariats nicht an eine Regierungsform gedacht habe, werde schon dadurch be- zeugt, daß er der Ansicht war, in England und Amerika könne sich der Uebergang friedlich, also auf demokratischem Wege, vollziehen.(20. bis 21. Seite.) Das ist ein vollkommener Uebergang auf die Seite der Opportunisten vom Schlage der David und Kolb und der anderen Stoiker des Sozial- Chauvinismus oder der englischen Fabianer und Unabhän- gigen oder der französischen und italienischen Reformisten, die aber offener und ehrlicher aussprachen, daß sie die Lehren von Marx über die Diktatur des Proletariats nicht aner- kennen, weil sie der Demokratie widersprächen. AlleS, was 40 Jahre lang, von 1852 bis 1891, von Marx und Engels über den Zwang des Proletariats, die bürgerliche Staatsmaschine zu zerstören, gepredigt und erklärt worden ist, ist von Kautsky vergessen, entstellt und über Bord geworfen worden. Die theoretischen Fehler Kautskys hier zu zerlegen, würde auf eine Wiederholung des von mir in„Staat und Revolution" Gesagten hinauslaufen. Kautsky hat sich vom Marxismus losgc- sagt, indem er vergißt, daß jeder Staat eine Mascknne zur Unterdrückung einer Klasse durch die andere, und daß die demo- kratischstc Bourgeois-Republik eine Maschine zur Unterdrückung des Proletariats durch die Bourgeoisie darstellt. Nicht eine Regierungsform, sondern einen Staat� von ande- rem Ty�us stellt die Diktatur des Proletariats dar, einen prole- tariilbei.! Staat— eine Maschine zur Unterdrückung der Bourgeoisie durch das Proletariat. Die Unterdrückung ist dp0hlb notwendig, weil die Bourgeoisie der Expropriation immer wahnsinnigen Widerstand entgegensehen wird. Die Bernhing darauf, daß Marx in den 70er Jahren die Möglichkeit eines friedlichen Uebcrganges zum Sozialisnius in England und Amerika zugelassen habe, ist die Beweisführung eines Sophisten, eines Betrügers, der mit Hilfe von Zitaten hinters Licht führt. Erstens sah Marx diese Möglichkeit auch damals als Ausnahme an, zweitens gab eS damals noch nicht den monopolistischen Kapitalismus, das heißt den Jmpe- rialismus von heute. Wo Druck vorhanden ist, dort kann es keine Freiheit, keine Gleichheit und ähnliches geben. Engels sagt deshalb auch: „Wenn das Proletariat noch den Staat braucht, so braucht es ihn nicht im Interesse der Freiheit, sondern im Interesse einer Niederzwingung seiner Gegner! wenn aber die Möglichkeit vor- liegt, von einer Freiheit zu sprechen, so hat der Staat als solcher zu existieren aufgehört." Tie Vourgeoisdemokratie, deren Wert für die Erziehung des Proletariats und seiner Schulung für den Kampf unbe- streitbar ist, ist immer begrenzt, heuchlerisch, verlogen, falsch und wird stets eine Demokratie für die Neichen und ein Betrug für die Armen bleiben. Die Proletarierdemokratie unterdrückt die Unterjocher, die Bourgeoisie, und heuchelt deshalb nicht, verspricht ihnen keine Freiheit und Demokratie, gibt aber den Arbeitenden die wahre Demokratie. Erst das Sowjet-Rußland gab dem Proletariat und der ganzen gigantischen Mehrzahl der Arbeitenden Ruß- i i i i Ki *1 «l poft-Hfeowmntßu Wenn keine Cinterbreehung in der Zu- rtcllung des„Vorwärts" eintreten Toll, muß die Neubestellung für November- Dezember sofort erfolgen, Vorwärts-Verlag G.m.b.F). lands eine noch in keiner bürgerlich-demokratischen Republik gesehene, mögliche, denkbare Freiheit und Demokratie, indem es z. B. der Bourgeoisie die Paläste und Villen abnahm(ohne das wäre die Versammlungsfreiheit Heuche- lei), indem es den Kapitalisten die Druckereien und das Papier abnahm(ohne dieses wäre die Preß- freiheit der arbeitenden Mehrzahl der Nation eine Lüge), in- dem wir den Bonrgeois-Parlamentarismus durch die demokra- tische Organisation der Sowjets ersetzten, die dem Volke tausendfach näher stehen und demokratischer sind, als das aller« demokratischste Bourgeoisparlament. Iragen»er Uebergangswirtschast Berliner Stadtverordnetenversammlung. Vielleicht da? schwierigste und veraniwortungSvollste Kapitel de KriegSwiitschafl nannte gestern in der Berliner Stadiver- ordnetenversammlung der Oberbürgermeister Mermuth die Aufgabe, die heimlebrenden Krieger mit AibeilSgelegenbeit zu veriorgen oder ibnen Arbeiidlosenimterstvhung zu geben Zwei Anträge der iozialdemoliatiscken Fraktion, ein An- trag der Unabhängigen und eine Vorlage des Mogistiats, die sich auf diese Dinge bezogen, standen aus der Tage«- ordnung. Was der Magistrdl zu tun gedenkt, erklärte der Oberbürgermeister im voraus, indem er als erster das Wort ergriff. Was die Arbeiterbevöllerung er- wartet, sage dem Magistrat unser Genosse Brückner und nach ihm der Unabhängige H i n tz e und auch der Freisinnige Hartmann. Tie Mehrung der Arbeits- gelegenheit auch durch Verkürzung der Arbeitszeit ist eine Forderung, auf deren Erfüllung nicht wird verzichtet werden können. Tie sozialdemokratische Fraktion mahnt in ihrem die Arbeitsbeschaffung in der UebergangSzeit betreffenden Antrag den Magistrat, auf die Unternehmer in diesem Sinne ciiizuwirlen und in den Betrieben der Stadt mit gutem Beispiel voranzugehen. lieber diesen Punkt äußerte der Oberbürgermeister sich nicht, er versprach nur allgemein eine Benutzung der von den Gewerkschaften gemachten Vorschläge. Die Anträge wurden dem Magistrat zur Erwägung überwiesen. Möge er oie Mahnung unseres Genossen Brückner beherzigen, daß wir auf die Arbeitsbeschaffung rechtzeitig gerüstet sei» müssen. « Eine Reihe von Anträgen betr. die Erhöhung der Sätze der städtischen Arbeitslosen-Unterstützung, die Arbeitsbeschaffung während der Uebergang«- zeit und die Vorlage wegen Bereitstellung von weite- ren Mitteln für den Arbeitsnachweis wurden in der Be» ralung zusammeilgefaßt. Die unverzügliche Erhöhung der Sätze verlangt ein Antrag Barenthin u. Gen. sU. Soz.); die beiden anderen Anträge sind von den Stadtvv. Bartowski u. Gen. (Soz.s gestellt. Oberbürgermeister Mermuth: Die Unterbringung, Ver- sorgung und Beschäftigung der heimkehrenden Krieger wird sicher vielleicht das schwierigste und verantwortungsreichste Kapitel unserer Kriegswirtschaft sein. Der Magistrat ist sich der Verantwortung voll bewußt, die dabei neben Reich und Staat auch die Gemeinden zu tragen haben. Seit langem schon berechnet der Magistrat die Gelegenheiten zur Beschaffung von Arbeit nach dem Kriege. Es kommen da Arbeiten in Betracht, die während des Krieges babcn zurückgestellt werden müssen und die um so eher in Angriff ge- nommen werden können, je weniger Material sie brauchen. Wegen der Produktionsmöglichkciten treten wir mit den Organen von Handel, Industrie und Handwerk in Verbindung. Um dem er�en Ansturm zu begegnen, fordern wir die Bewilligung weiterer 200 000 Mark für den Arbeitsnachweis. Wir sind auch gern bereit, mit den Arbeitgebern in Verbindung zu treten, damit sie den nichtgewerbs- mäßigen Nachweisen den Vorzug geben. Die Unterstützungssätze für die Arbeitslosen werden wesentlich zu erhöhen sein; die Vor- schlüge darüber, auch der Gewerkschaften, werden wir gernpls Unterlage benutzen. Hier müssen aber alle G r oß- Be r l i n e r Gemeinden Hand in Hand arbeiten, besonders beim Arbeitsnachweis. Hie» glauben wir eine gemeinsame interkommnnale Grundlage gefunden zu haben. Der Staat verfügt über viel zahlreiche' Hilssguellen für die Erschließung von Arbeitsgelegenheit, und das Reich wird die Arbeitslosenunterstützung im Großen zu organisieren haben. Hier gelten nickst Pläne und Erwägungen, hier gilt allein die Tat!(Leb- haster Beifall.) Stadiv. Brückner(Soz.): Unter den Aufgaben der Ueber- leitung von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft stebt die Arbeits- beschafsung an erster Stelle. Di« im Lande und im Bereich der Heeresverwaltung noch vorhandenen Rohstoffe, Halb-'und Ganz. fabrikate müssen nach der Demobilisierung dem Zivilpublikum zu- geführt werden. Mit der achtstündigen Arbeitszeit sollte in den städtischen Betrieben Ernst gemacht werden. Der Arbeitsnachweis muß mustergültig ausgestaltet werden; die 200 000 M.. welche der Magistrot bereitstellen will, worden wir freudig bewilligen. Eine ReichSaroeitslosen-Unterstützung muß vom Reichstage alsbald be- schlössen und eingeführt werden. Wir dürfen uns nicht scheuen, 20 oder 30 Milliarden für den Wiedsrausbau der durch den Krieg zerstörten Wirtschaft des deutschen Volkes aufzuwenden. Solange Reich und Staat keine derartige Unterstützung eingeführt haben, muß die Stadt die von ihr gezahlten Sätze den veränderten Ver- hälinissen entsprechend erhöhen. Wir brauchen dringend auch ein städtisches Arbeitsamt. Große», sehr Großes steht auf dem Spiel. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Stadtvv. H i n tz c (U. Soz.), Hart mann(Fr. Fr.) und Cassel(Linke) sowie Stadtrat Maas beteiligen, wird die Vorlage angenommen; die Anträge werden dem Magistrat zur Erwägung überwiesen. Hiemuf begründet Stadw. Dr. Wehl den Antrag der Un- hängigen, den Magistrat zu ersuchen, mit allergrößter Beschleuni- gung alle geeigneten Maßnahmen zur erfolgreichen Bekämpfung der Grippeseuche, Er bezeichnet die Seuche als eine Folge des Krieges und der Unterernährung, verlangt die völlige Schließung aller Theater, Kinos und Schul cm, die gründliche Durchlüftung der „Bazillenkutschen", die gründliche Belehrung der Bevölkerung über die gebotenen hqgienisckien Vorsichtsmaßregeln, Bereitstellung von mehr Krankenbetten, Verbesserung der Krankeri- und Kinder- kost usw. Stadtmedizinalrat Dr. Weber: Seit Fahrhunderten zieht die Influenza in großen Zwischenräumen über den Erdball. Mit Kriegen hat man sie noch nie in Verbindung gebracht; in der jetzigen Kriegsernährnng liegt aber allerdings für die Bevölkerung eine gewisse Gefahr. Die Seuche scheint den Höhepunkt erreicht zu haben und allmählich abzuflauen. Mit dein sosortigcn Schluß aller Schulen ist Durchschlagendes nicht zu erreichen, es wäre nur eine halbe Maßnahme. Betten sind genügend bereitgestellt. In der Erörterung plädiert Stadtv. Prof Landau(Fr. Fr.) für den völligen Schulschluß. Die Mortalität de? Seuche sei doch ungewöhnlich stark.— Stadtv. Cassel bezweifelt letzteres, spricht sich aber, für den Antrag und für deo absoluten Samlschluß au». — Stadw. Koblenzer(Soz.): llnleugbar hat die Epidemie in der herrschenden Unterernährung und in den elenden Verkehrs- Verhältnissen kräftigen Nährboden. Die Sterblichkeit ist tatsäckckich sehr hoch. Der Schulschlutz hätte längst erfolgen müssen. Der Standpunkt der Verwaltung, eine Schule erst zu schließen, wenn ein Drittel der Schüler erkrankt ist. wird der Bevölkerung nie verstand- lich sein. Di« Schwierigkeit der Beschaffung von Krankenbetten und von KrankentranSportmaterial sind geradezu unermeßlich. In Frie. denS-, in ruhigen Zeiten, muß vor gesorgt werden, damit man den Seuchen, wenn sie auftreten, wirksam entgegentreten kann. Stadtsckmlrat Dr. Fifcher verwahrt die SAulveNvaltung gegen den Vorwurf, als habe sie nicht ihre voll« Schuldigkeit getan. Der Antrag Barenthin gelangt daraus zur Annahme. Von der Vorlage betreffend Ausgestaltung de» Woh- nungSamtS durch Errichtung eincS Wohnung?. Nachweises für Berlin nimmt die sozialdemokralistbe Fraktion, wie sie durch Stadw. Ritter erklären läßt, mit Befriedigung Kenntnis. Tie Grippe. Der Allgemeinen OrtSkrankenkasse der Stadt Berkin wurden gestern 1705 Neuerkrankungen gemeldet, von denen 1229 auf Grippe und 36 auf Lungencnt.ündung lallen Die Gesamtzahl der Todes- fälle betrug 39, von denen 13 auf Grippe und 1b auf Lungen- entzündung zurückzuführen sind. Danach wäre eine kleine Abnahme der Erkrankungen zu kon- statieren. Von den Berliner Schulen mußten gestern weitere 57 ge« schlössen werden, so daß nunmehr in 217 der Unterricht emge- stellt ist._ Heilerziehnnfl. Eine Tagung für Psychopathenfürsorge, veran- staltet vom GesundheitSausschuß der Deutschen Zentrale für Jugend- fürsorge, fand dieser Tage in Berlin statt. Der Vorsitzende, Geh: Medizinalrat Prof. Dr. Dietrich- Berlin, begrüßte die in großer Zahl erschienenen Vertreter von Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden und von Vereinen. Die Notwendigkeit besonderer Fürsorge ftir jugendliche Psychopathen, für Kinder mit fehlerhafter Geistesanlage, sei in der Jugendgerichtsbilfe immer deutlicher erkannt worden. Der Krieg habe auch auf diesem Gebiet die Zustände noch verschlimmert. Ueber„Erkennung und Behandlung der Psycho- pathie bei Kindern und Jugendlichen" sprach Prof. Dr. Stier- Berlin. Er betonte, daß für die sozialen Entgleisun- gen der Kinder und Jugendlichen nicht bloß die äußeren Einwirkungen des Milieus in Betracht kommen, sondern auch Mängel der psychischen Gesamtion st itution. Zu ihrer Erken- nung ist nach der grundlegenden Untersuchung langdauernde Beob- achtung nötig, wobei meist die Eltern wenig geeignete Helfer sind. Für Schulentlassene wären besondere Beobachtungsabteilungen zu schaffen. Die Behandlung erfordert ruhige Sachlichkeit und freund- liche Festigkeit, die meist nur durch gänzliche Herausnahme aus dem Elternhaus und Unterbringung in völlig anderer Umgebung zu er- reichen sind. Bei der Ueberweisung soll der Psychiater entscheidend mitsprechen, die Erziehungsanstalten aber müssen von Pädagogen geleitet werden. Es folgte ein Vortrag von Prof. Dr. K r a m e r- Berlin über „Psychopathische Konstitutionen und Straf- fälligkeit»m Jugendalter". Bei Psychopathen braucht kein InieMgenzmannek dorzuNessen, ahn brt verstandeSmaßige Ueberlegung kann gegenüber stärkeren Trieben ihre hemmende Wir- kung nicht entfalten. Unter den jugendlichen Angeklagten sind etwa 50 Proz. mit psychischen Anomalien, sehr selten mit schweren Er- krankungen, manchmal mit Echwachsinn, sehr oft mit psychopathischer Konstitution. In der KriegKzeit haben die Straftaten der Jugend- lichcn sich stark gemehrt, und.?war sind den ungünstigen Einwirkun- gen dieser Zeit auch mehr Kinder erlegen, die den normalen zuge- zählt werden müssen. Da? viel mißbraucht« Wort vom„geborenen Verbrecher" gilt sicherlich nur für eine sehr geringe Zahl der jugend- lichen Verbrecher, die große Mehrzahl i st duchihre Anlage ge- fährchct iind wird straffällig unter dem Einfluß ungünstiger äußerer Verhältnis ie. Untersuchungen über den Lebensgang der jugendlichen Straffälligen zeigen, daß es in erster Linie durch das Milieu bedingt war. Die Nachmittagssißung brachte Erörterungen praktischer Für- sorgemaßnabmen. Der Direktor des Berliner Jugendamts S i e g- m un d- Schul tze sprach über„Wege und Ziele der Für- sorge für psychopathische Kinder und Jugend- liche". Di« psychopathischen Konstitutionen haben sich im Kriege gemehrt, sie sind wenigstens durch den Krieg in größerer Zahl offenbart worden. Das rechtfertigt den Wunsch nach Abhilfe. �Tie Behandlung der Psychopathen schulpflichtigen Alters müßt« möglichst früh einsehen, Lehrer und Schulärzte hätten auf sie zu achten und sie herauszusuchen. Psychopathen sind nicht Schwach- sinnige, sind auch nicht gleichzusetzen den Minderwertigen. Sie sollten nicht, wie in Berlin, den Schulen für Schwachbefähigie über- wiesen werden. Oft haben sie sogar eine besondere Begabung. Auch Irrenanstalten sind ungeeignet für sie, und ebenso wäre Fürsorge- erzichnng als Mittel gegen Psychopathie nicht zu empfehlen. Heil- behandlung ist nötig. Anstalten möglichst kleinen Um- fange? wäre unter Trennung der Schulentlassenen von den Schul- Pflichtigen zu schaffen und auf das Land zu verlegen. In den Städten brauchen wir auch BeobachtungS- und UnterbringungS- heime. Ein« wichtige Ergänzung der Fürsorge durch Anstalten ist die o f f e n e Fürsorge für in den Familien belassene Kinder. Di« Fürsorge muß sich auch auf Schulentlassene erstrecken muß Be- rufsberatung gewähren, am besten durch Anstalten, die Werkstätten haben. In der Besprechung wurd« rrnter andeoem die Frage der Tage»hei m e fiir jugendliche Psychopathen erörtert und der Be- trieb de? in Templin geschaffenen Heilerziehungsheims der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge geschildert. Gefordert wurde, dem Ausbruch verborgener Psychopathie durch zweck entsprechende Matzregeln vorzubeugen, z. B. auch durch soziale Re> formen._ Miserable Milchversorgung. Der unerwartet starke Rückgang der Milch in Verbindung mit der schlechten Beschaffenheit der eintreffenden Milch, die zum Teil in-mem für die Ausgabe an das Publikum ungeeigneten Zustande hier � anlangt, macht es erforderlich, den Kindern im ö. und S. Lebensjahre ihre Milchporlion für einige Tage in Form von kon densierler Milch zu verabfolgen. Es wird infolgedessen auf die braunen„Ch'-Kinberkarten der Kinder im 6. und 6. Lebensjahre in den MilchaefchSiten vom 26. bis 28. Oktober Vollmilch nicht verabfolgt. Als Eriatz für diese 4 Tage erbält jeder auf die„C"-Karlen von seinem Milchhändler einmalig am 26. Oktober gegen Abtrennung der für den 26., 2S., 27. und 28. Oktober gültigen TaaeSabickmitte eine Büchse Konben� milch zum Preis« von 1.46 M. Der Milchbezug in den Abmelke, wirtschalten bleibt unverändert. Die Fett st eile Groß> Berlin ist— wie der Berliner Magistrat unS mitteilt— u n« a b l S f f i g bemüht, auf eine Verbesserung der Groh-Berliner Milchversorgnng hinzuwirken und sie ist deshalb auch auf« neue an die Zentralstellen wegen besserer Erfassung und reickli Weier Zuführung der Milch herangetreten. Die Mttchhändler sind bereit« über die mangelhafte Milchver- sorgung durch nachstehende Mitteilung iniormieri worden: .Für die nächsten Tage muß damit gerechnet werden, daß ein großer Teil der Milchkleinhändler erst in der Zeit von S bis 12 Uhr vormittags mit Milch beliefert werden kann. Diese be- dancrl'che Verspätung ist auf den Mindereingang an Vollmilch und den starken Mebreingang an dickiauerer Vollmilch sowie schließlich auf ganz erhebliche Verspätungen der Milchzüge zurück- zuiühren.' Die vorstehenden Meldungen besagen, daß in der Milchver- sorgung Verhältnisse eingetreten sind, die sofort unbedingt beseitigt werden müssen. Milcki muß beim Transport die vor- zugsweiie Behandlung genießen, die im Interesse unserer Kinder erforderlich ist._ gangswagen, da« Verkperrrn der Türen ist rmbedingt verboten. In der vierten Klasse dürfen Sitzplätze überhaupt nicht belegt werden. Schon beim Einsteigen sollen die Bahnbeamten darauf aibten. daß die Reisenden nicht zu umfangreiches und unzuläffigeS Gepäck mitnehmen. Derartige Glücke müssen zur Nachabfertigung in die Ge- päckwagen geblacht werden. Es ist durchaus löblich, daß die Eisenbahnverwaltung ihre Fahrgäste zur Ordnung anzuhalten sucht. Ob sich ihre Bestim- mungen aber in der gegenwärtigen Zeit immer praktisch durchführen lassen werden, erscheint uns fraglich. Mancher Reifende würde fein Handgepäck herzlich gern, den Vorschriften der Obrigkeit entsprechend. über oder unter dem Sitz unterbringen, wenn er überhaupt einen Sitz erwiftden könnte. Denjenigen, die wegen Platzmangels ihre Reife in den Gängen stehend erdulden müssen, wird trotz aller Verordnungen schlechterdings nichts anderes übrig bleiben, als ihr Gepäck dort zu verstauen und dadurch Gang und Tür zu versperren._ Neber die Arbeitergewerkfchasten spricht heut« abend S llhr der IlnterftaatSsekretär im Kri egsern ähru ngSamt Genosse Robert Schmidt im Dorotheenstädtischen Realgymnasium, Dorotheen- stratze 12 ReichSrechtltche Regelung der Erwerbslofenfgrsvrge. Die Kommission der Grotz-Berliner Gemeinden zur Regelung der Er- werbslos enfürsarge beschloß in der gestrigen Sitzung, an das ReichSwirffchaftkamt die dringende Bitte zu richten, den Erlaß der zur reichsrechtlichen Regelung der Erwerbslosenfürsorge erforder- 8«'»»bss«ki'rtSi' des Rdcbsmarineamtes von Mahn über die Kriegsanleihe: Vertrauen zur Kriegsanleihe ift Vertrauen zum Vaterland. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 71 der Lebensnritlcikarte der Stadt Berlin werden 160 Gramm Kunsthonig abgegeben. Die Preise fü> Kunsthonig be« tragen: bei einem Piundpreis von 78 Pf.: 22 Pf für 160 Gramm im Ausstich aus Geiäßen; bei einem PfundpreiS von 75 Pf: 28 Pf. tür 160 Gramm, 46 Pf. für 300 Gramm im Ausstich auS Pfundpackuiiqen. Der Bestcllabfchnitt 71 darf mrr in demjenigen Geschäft, in dem der Verbraucher zum Zuckerbezug eingetragen ist, abgeiiefert werden und zwar von Freitag, de» 26., bis einschließlich Montag, den 23. Oktober._ Handgepiick in EisenSahnwa,;en. Handgepäck wird häufig in zu großem Umkang in den Personen- wagen der Eiienbahn mitgeführt. Von besonderer Bedemung find deshalb die Bestimmungen der Eisenbahnverwaltung, wie sie jetzt dem Zugbegleitpersonal' miigeteitt worden sind. In den Perfoneu- wageii dari Handgepäck n u r über oder unter dem Sitze des Reisenden untergebracht werden. In die vierte Wagenktasse darf eine Tragtast mitgcnonimen werden. Gegenstände, die infolge ibreS Umfanges, ihre« Gewichie« oder ihrer Anzahl eine einzelne Perlon N'rtit zu tragen vermag, dürfen auch dann nicht als Traglasten zugelassen werden, wenn mehrere Fahrkarten vorgezeigt werden. DaS Belegen von unbesetzien Sitzplätzen mit Gepäck, daS Unterbringen in anderen Abteilen oder in den Gängen der Durch- '/*• lichen DundeSratSbestimmngen besonders zn beschleunigen und da- bei auch die Kranken fürsorge der erwerbslosen heimkehrenden Krieger zu berücksichtigen. Die Besuchszeiten im Hospital Buch nnb im Trrberkuiosen- heim werden vom 1. November ab einheitlich auf Mittwoich Sonnabend und Sonntag von 2— 4 Uhr nachmittags festgesetzt. Lichtspiele Neue Philharmonie. Von heute ab gelangt daS Filmwerk.Ein Kombi zwischen Vater und Sohn' mit Eva Speyer in der Hauptrolle zur Aufsübrung. Dazu wird.Lumpcnmüllers Lieschen' nach dem bekannten Hcimburg-Roman gezeigt. »Der Adler von Flauderu", ein von der Neutralfilm- Gesellschaft mit Unterstützung mtlllärischer Stellen bergestelller Fltegersilm, wird nächsten Sonnlag mittag tm Mozartsaal einem geladenen Publikum zum erstenmal gezeigt werden. Das Opfer einer Gasvergiftung ist der 66 Jahre alte Kauf- mann Gustav Schweriner aus der Brunnen st r. 196 ge- worden, während seine Frau noch mit dem Leben davonkam. Die Eheleute wurden in ihren Betten regungslos aufgefunden. DaS Zimmer war mit Gas gofüllt. Der Mann war schon tot. Wieder- bclcbungsversuche hatten nur noch bei der Frau Erfolg. Wie die Untersuchung ergab, war in der Wohnung im zweiten Stock, die leer steht, das GaSrohr an der Decke nach Abnahme der Lampe nicht verstöpselt worden und das ausströmende Gas durch die Decke in das darüberliegende Schlafzimmer Schweriners hinauf- gedrungen. Eine Familientragödie hat sich in Neukölln abgespielt. In dem Hause Hobrechtstr. 67 wohnte der 43 Jahre alte Oberpostassistent Reinhold K u l m e y mit seiner Frau und seinen dvei Kindern im Atter von 7— 12 Jahren. Zwischen den Eheleuten kam es vor einigen Tagen zu Streitigkeiten. Frau Kulmeh verließ ihre Familie und zog zu Verwandten. Als sie Mittwoch vormittag noch ewige Kleidungsstücke aus der Wohnung holen wollte, strömte ihr ein starker Gasgeruch entgegen. Auf dem Korridor lag ihr Mann tot und in der Stube fand sie ihre drei Kinderchen in den Betten tot auf. DSr Vater hatte die GaShähne geöffnet und mit seinen Kindern den Tod erwartet. Ein Arzt, der gerufen wurde, konnte nicht mehr helfen._ richhmgm geschaffen werften. Vor allem gtfle e5 schnelle und praktische Arbeit zu leisten. Diesen Zweck erfülle die Stedlugsgesell- schaft im Kreise Teltow m. b. H. mit einem Kapital von 4 Millionen Mark, von dem der Staat 1,2 Millionen, der Kreis 1 Mil- lion und die beteiligten Gemeinden 1,8 Millionen Mark über- nehmen würden. In der sehr ausgedehnten Erörterung über die Vorlage sprachen sich mehrere Redner, wie Bankdirektor Stein- thal(Steglitz), Bürgermeister Dr. Beyendorfs(Lankwitz! und Schöffe L e n g n e r(Lichterfelde) gegen die Begründung der KreiKgesellschaft aus, da ja die Provinz Brandenburg eine be- sondere Wohnungsfürsorgegesellschaft errichte und es für die großen Gemeinden vorteilhafter sei, sich dieser anznschlietzen. Demgegen- über betonten Landrat v. Achenbach und Kommerzienrat Haber- land, daß der kommenden Wohnungsnot unter allen Umständen vorgebeugt werden müsse. Reich und Staat haben erklärt, daß sie nicht mit den einzelnen Gemeinden, sondern nur mit größeren Gruppen arbeiten könnten. Im Gegensatz zum Wohnuügsverband Groß-Berlin weide die Siedlnngsgesellschaft im Kreise Teltow nicht nur für die Uebergangszeit, sondern dauernd für die Per- besserung der Wohnungsverhattmsse arbeiten. In der Kreis- gesellschaft werde die einzelne Gemeinde einen größeren Einfluß haben, als in dem größeren Rahmen der Provinz. Nach weiteren Erörterungen wurde ein Antrag Dr. Bcyendorff, im 8 1 der Satzung auch da? Siedlungsuniernehmen der Provinz vorzusehen, und die Vorlage über die Beteiligung de? Kreises an dem Unter- nehmen mit 1 Million Mark mit großer Mehrheit angenommen. Ueber den Erlverb der Englischen Gasgesellschaft durch die Deutsche Gasgesellschaft gab Landrai v. Achenbach an der Hand der gedruckten Vorlage einen Bericht. Vor allem sei«S gelungen, die Privattndnstrie in angemessener 95e;fe_ zu beteiligen. Auch die schwierigen Verhandlungen mit den Städten WilmerSdovf und Schöneberg seien erfolgreich gewesen, so daß das Unternehmen für alle Zukunft gesichert sei. Die Organisation der Gesellschaft� als Zwillingsunternehmen sei sehr glücklich und habe in technischen wie kommunalen Kreisen großen Beifall gefunden. Zugunsten der Gewinnbeteiligung der Gemeinden, die den Normalgasvertrag an- genommen haben, bab« der Kreis auf% seines Gewinns verzichtet. Außerdem soll zur Beteiligung dieser Gemeinden an der Verwaltung ein BerwalwngSrat gebildei werden. Aus Antra« des Bürger- meisterS Dr. Beyendorfs wurde nach lebhafter Aussprach« di« Vor- läge angenommen mit dem Zusatz, daß der Kreisansschuß auch mit den Gemeinden, die den Normalgasvertrag noch nicht angenommen haben, über ihre Beteiligung verhandeln solle. Bei dem Hauslmltsplcm der KreiSsparkass« für 1919 brachte Bürgermeister Holle(Mariendors) erneut die Wünsche der Sie- ineinde auf Errichtung einer Gemeindesparkasse zur Sprache. Bei der Abstimmung stellte sich jedoch die Beschlußunsähigkett des 5ßreiStageS heraus, so daß die weiteren Vorlagen vertagt werden muhten._ Neukölln. Lebensmittel. Vom Freitag, den 26., bis Donners- tag. den 81. Okiober, dürfen in denjenigen Geichäkten. in welchen die Anmeldung zum Bezüge von Kolonialwaren und Brotaufftrich- Mitteln erfolgt ist. auf Abschnitt 6t 150 Gramm Graupen oder Grütze und auf Abschnitt 68 160 Gramm Weizengrieß entnommen werden.... �. In denjenigen Geschäften, in welchen bei der in der Zert vom 29. Juni bis 6. Juli erfolgten Verteilung von Weizengrieß auf Abschnitt 39 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte anstelle von Weizengrieß Graupen oder Grütze ausgegeben worden sind, wird bei dieser Verteilung anstelle von Graupen oder Grütze Weizengneß ausgegeben. Der angeordnete Verkauf von Heringen auf Abschnitt 180 der Neuköllner WarenbezugSkarte wird Sonnabend, den 26. Oktober, geschlossen. Die Abschnitte 130 verlieren sodann ihre Gültigkeit. Heringe sind auf dielen Abschnitt nur noch in den beiden städtischen Fischhallen. Bcrgstr. 21 und Pannierstr. 13 erhältlich. Vom 1. Na- vember d. I. ab ailt für den Verkauf von Hermgen ein neuer Kartenabschnitt, dessen Nummer demnächst bekanntgegeben werden wird._ flKaentrine Kranke«, nnd«terbekafie der MeenBarbe««. v. a. G., sbamblirg. Filiale Baumlchulenweg. k-nnabcnd abend S'l, Nbr im Lokal von Boche, Vaumschulenstr. 07: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Bericht von der Generalversammlung. Teltower Kreistag. Der Kreistag trat gestern unter dem Vor- sitz de» Landrats v. Achenbach zu einer Sitzung zusammen, in der mehrer« bedeutungsvolle Vorlagen beschlossen wurden. Für die Beamten und Angestellten des Kreises empfahl der KrelsauSschuß nach dem Bericht des Kreiskämmerers Hannemann eine einmalige KriegsteuerungSzulage nach den stacrt- lichen Grundsätzen. Auf Antrag des Bürgermeisters W a l g e r (Friedenau) wurde jedoch nach längerer Aussprache beschlossen, die höheren Berliner Satze von 700, 8'00, 900 und 1"00 M. für die verschiedenen Gehaltsgruppen zu bewilligen; Unoerheiratete er- halten 70 Prozent dieser Sätze, für jedes K nd loevden 160 Mk. gewährt. Im übrigen bleiben die staatlichen Sätze in Geltung. In der Erörterung brachte Bürgermeister Holle(Mariendors) einen Erlaß des Ministers des Innern zur Sprache, wonach die Gemeinden, die höhere Teuerungszulagen als die staatlichen Sätze beschließen, nicht als bsdürftige Gemeinden bei der Erstattung der Kriegswohlfahrtsausgaben angeschen werden könnten. Diese Hai- tnng der Regierung sei gerade in der jetzigen Zeit unverständlich und bedauerlich. Das sei ein mittelbarer Eingriff in die Selbst- Verwaltung der Gemeinden, der auf das Entschiedenste zurückgewiesen werden müßte. Heber die Verhandlungen des zur Prüfung der Wohnung»- frage eingesetzten Ausschusses berichtete Kommerzienrat Haber- l a n d. Im Kreise Teltow sei der Wohnungsmangel bedeutend stärker als z. B. in Berlin; e» fehl« auch cm mittleren Wohnungen. Insbesondere für Beamte müßten im Kveis« Teltow besondere Ein- Tftrflrfl erscheint im„Vorwärts" der Stellen- fiip iliyüUI Nachweis. Antcr vielen Angeboten|luü(ll im„Vorwärts" mit seinem ausgedehnten Verbreitungsbezirk i!»Mllk«W. Abonnementspreis monatlich 1,80 Mark frei ins Äaus. Diesen Zettel wolle man ausgefüllt an die Äaupt- expedition, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, senden. Name Beruf � Wohnort Straße?. Ivorn) seitenfl> Treppen- Ouergeb.) Bei wem? bestellt ab l. November den„Vorwärts" zum Preise von 1,86 M. per Monat frei ins Äaus. wWer MMkilki'MM. Berwaltnngsstelle Berlin. Äi 54, Linjenftraye 83—85 Geichäslszeil von 9— 1 Ulir und von«—7 Uhr. Telephon: Ami Norden 185.>230, 1387. 3714. Sonutag, den 27, Okioder 1918, nachmittags 5» Nhr: Ver fit in in lung"MZ in der Metallittduftrie beschäftigten Kolleginnen im große» Saal des GcwcrkscheftShauseS, Engcluser>5. Lottrag: Die Wirkungen dcS Krieges ans di« Frauen. Rcseremin: Frau iöailN Zepter, jfW Mitgliedsbuch ist mitzubringe»! Nin pilnIlllcheS Erscheinen wird gcbclen. 120/8 IM« Ortöverwaltnne. aller H.& P. Uder,™er Ta(>ak» GroUiiandlunj; und Tal>aktal>rik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten Bis auf weiteres: GeHcIiilftnzclt 8—1> und 3—6 Uhr.'■■ Fernsprecher: Amt Maritzplatz 8014. ZkiMimM m SWM (Rlisle Berlin). Monntner. den 27. Oktober, vormlttajc« lOUhr, im Lokal von Klement. Hophlcnntrufie O: Versammlung. Tagesordnung: Nafienbericht vom III. Ougrtal. Rerlcht über die verband» lung mit den Slrbeitgeber» über eine weitere Teuerung»- zutage. Erlatzwabien und VcrbandSangelegenheilen. Alle Nichtorgautsiertrn find bie rzp eingeladen. öl/b I. A.: ver Vornttnenck«. Juwe en, flrlliuntrn. Perlen« Perlensohn(Ire and sonstlcren lCt:«ng am lim» rag, den i». November 1018» abends 8 Uhr, im Restaurant WollschlSger, Adalberstr. 21, Berlin. Tagesordnung: 1. Wabl des NechnungS- ÄuS- IchuffcS zur Prusung der JabieS- Rechnung sür da» siahr 1918. 2. Beratung und Aufstellung de» VoramchlageS jür 1313. 3. VcrlchieocncS. 270/4 ver Vorfitnnd. Otto B ö l k» e r, flcUo. Varsihcndcr. Schule de» Wertzeugmacher» von Fritz Schön sowie andere technische Bücher empsieblt Borwörrz- Sorlimems- Buch- Handlung, Lindenslraße 8 (Laden). 6,35 Mari.* Nr. 294— 191$ Unterhaltungsblatt öw vorwärts Irektag, 25. Gttoder Wintersorgen in öer Natur. Wer in diesen Wochen den Blick auf den Himmel richtet, dem mutz es unverkennbar auffallen, wie beharrlich jetzt der stumme Zug der Wolken nach Süden segelt. Wie ein wanderndes Heer aus dunklem Norden kommt jedes Jahr der Winter über unser Land. Einst floh eine Völkerwanderung der Kranken vor ihm, wie die Reiter Äsiens, die gegen Ende des Sommers ihre leichten Zelte abbrechen und von den Hochsteppen in geschützte sonnige Täler wandern; beute aber wird die Winterflucht nach Süden nur mehr wenigen unseres Volkes gegönnt; uns anderen bleibt nur der sehn» süchtige Blick in die südlichen Fernen, wohin die Herbstfäden segeln und die eilenden Vögel, deren heller Schrei in diesen Näcbien manchmal hoch über die Nebeldecke herabdringt in unsere Arbeit und Sorge. In den Herbstfäden sitzt eine kleine Spinne, die mit ihren luftigen Segelchen sich der beständigen Lustströmung des Herbstes anveriraul, um nach Süden zu wandern, während niemand weitz, wie sie im Frühling wieder zu uns zurückkommt. Der Instinkt der Zugvögel� ist unS noch immer geheimnisvoll und unbegreiflich ge- blieben, so Ivie es auch noch keiner ergründet hat. welche« Zeichen die kleine Wanderspinne abwartet, um ihre Reise zu beginnen, die an Abenteuerlichkeit und Gefahr alle menschlichen Entdeckungsfahrten weit hinter sich lätzt. Derselbe unbegreifliche Zug geht aber auch durch die Winterzurüstungen der Natur, mögen sie auch gleich dem Laubfall uns so gewohnt geworden sein, datz man eS verlernt hat, sie zu bestaunen und über sie zu grübeln. Wohl befriedigt die meisten die landläufige Erklärung, datz die Einschränkung der Wafferaufnahme durch den Bodenfrost die Ur- fache des Laubfalles sei, weil der Baum sonst durch seine Blätter mehr Wasser verdunsten würde, als ihm zuträglich ist, aber für den Nachdenklichen bleibt doch ein Rätsel darin, datz dieser Laubfall schon beginnt, bevor noch der Bodenfrost einsetzt. Der Baum rüstet sich in ganz bestimmter Weise für den Laubfall bereit« im Laute des SommerS. Er besorgt Umbauten deS Blattstiels und schafft Platz in seinem Stamm für die Stoffe, die er längst aus den Blättern herausgezogen Hot, bevor er ihnen die Ernährung sperrt, waS nämlich die wahre Ursache ihres Abfalles ist. Er besorgt dies um die Zeit, da die Störche und Schwalben ihre Flugübungen anstellen und die Wanderspinne von RcisesehN' sucht ergriffen wird, also noch mitten in der schönen Jahreszeit, bevor noch die erste wirkliche Drohung de» Winters erfolgt lst. Der Naturkundige weitz, datz dies« Zurüstung aber nur ein Glied an einer großen Kette von allerlei geheimnisvollen Dingen ist, die sich im Oktober und November in der heimischen Natur begeben. In den Gewäffern setzt trotz der scheinbaren Ruhe eine merk« würdige Tätigkeit ein. Eine Anzahl von Wasierpflanzea berettet sich auf ihre Weise auf den Winter vor: da» Tausendblatt, das die langsam fließenden Wiesenwässer oft mit ganzen Urwäldern seiner tiefgrünen, schönen, vielzerschlitzten Blätter erfüllt, löst um diese Zeil einzelne Blaitknospen ab und lätzt sie auf den Schlammgrund niedersinken, wo sie dicht verknäuelt und in Schlamm gehüllt den ganzen Winter über ruhen. Gleiche« macht auch der Froschbitz, der manchmal mit seinen zierlichen herzförmigen Blättern ganze Weiher zudeckt. Er bildet an den Ausläufern, durch die er sich fortpflanzt, .Endknospen', die gleichkalls zu Boden sinken. Die.Krebsschere' versenkt ihre an Aloeblätter erinnernden Blattrosetten gleich als Ganzes, und so gibt es noch manche Wafferpflanze, die beizeiten Vorsorge trifft, um die böi- Jahreszeit zu überstehen. Im Lenz treiben alle dies«.Hibernakel', wie solche Winterruhenknoipen wissenschattlich genannt weiden, an die Oberfläche de» WasierS, entfalten sich und werden die Stammmutter einer neuen Lege- tation. o. Der Schlammboden eine« Teiche« ist im Epätherbst nnd Winter überhaupt ein reichbestelltes Ackerfeld des Leben». Da ruhen Frückte und Samen und Wasserpflanzen, daneben Wintereier von allerlei Krebstieren, Würmern, eingekapselten Aufgutztierchen und Algen, die gewöhnlich für den Winter längst ihre besonderen Znrüstungen getroffen haben. Im Schlamm eingewühlt, stecken allerlei Schnecken und Wasserinsekien im Boden, um den Teich auch die Frösche und Molche, die im Spätherbst die sie beherbergenden Gewässer verlassen und sich in der Erde eingraben. Vielleicht die wunderbarste dieser Erscheinungen ist da« Auf- treten besonderer Herbstlebewesen, die nur im Oktober und November vorkommen und eiiie Tätigkeit ausüben, die nur auf die klimatischen Verhältnisse des Winters berechnet ist. DaS find die Herbstmännchen vieler kleiner Wassertiere. Jedem Fischzüchter und Aguarienfreund wohlbekannt sind die Wasserflöbe, die zierlichen kleinen KrebSiieicken, die jeden pflanzen- reichen Tümpel zu Hunderten und Taufenden auf das Drolligste beleben.— Sie pflanzen sich durch Eier fort, die das Weibchen bi« zur völligen Entwicklung des Jungen in einer besonderen Tasche mit sich trägt und auf jungfräulichem Wege den ganzen Sommer über so reichlich erzeugt, datz eine Mutier binnen einem Vierteljahr an 13 Milliarden Nachkommen baden könnte, wenn dieie von den Fischen nicht gefressen würden. Diese ganze Heerschar be« steht aber aus lauter Weibchen. Erst mit den ersten Herbsttagen ändert sich daS. Nun kommen auf einmal fjfr wenige Wochen auch männliche Krebse zur Welt und es beginnt ein« fröhliche, hohe Zeil im Krebslcben, als deren Erinnerung zahllose tote Krebschen auf den Boden de« Teiches niedersinke», wenn die ersten Eisdecken das Wasser darunter auf die 4 Grad Celsius abkühlen, bei denen eS seine größte Dichtigkeit er» langt. Aber im verwesenden Körperchen dieser kleinen Mutler liegt je ein große«, hartschaligeS, wohlgedorgeneS und gesichertes Winterei. DaS erträgt die Winterkälle gut, eS geht nicht einmal zugrunde. wenn der Tümpel oder der Teich bis auf den Grund hinunter friert, ja so wunderbar hat sich die Natur eingerichtet, datz nach einem überaus harten Winter die Kleinwelt der Gewässer sogai besonders üpvig und kräftig aus ihrer Winterruhe aufersteht. Offenbar sind du. Wintereier eine direkte Anpassung an den Wechsel der Jahreszeiten, ebenso wie das als Vorbedingung ihre» Ent» stehens notwendige Auftreten der Herdstmännchen. Aber auch hier kehrt derselbe geheimnisvolle Zug Wied«, der un« schon beim Anblick der südwäriS segelnden Herbstfäden, der Wandervögel, der Hibernakel und des Laubfalle» so seltsam an« sprach. ES wird lange vor dem Tag der Gefahr und der Nor zu einer Zeil gesorgt, da selbst die meisten Menschen noch keine Bor- sorge für die Winterlage treffen. Bei den Zugvögeln nennen wir e« Instinkt nnd kSane« mit gleichem Reckt denselben AuSdrrick auch für dt« übrigen Tiere und Pflanzen anwenden. Aber wir haben damit nur ein Wort gewonnen und keinen klaren, in die Tiefen der Natur hinableuchtenden Begriff. Denn unverständlich bleibt nach wie vor der Zusammenhang zwischen solchen EntwicklungSvorgSngen, wie sie ssck im Entstehen einer bei onderrnHerbst- generation beiso vielen Waffertieren kundgeben, undder Erschwerung der Daseinsbedingungen durch den Wmier, die erst viel später eintritt. ES wird auf Dinge reagiert und eine Anlwort gegeben, die noch gar nicht vorbanden find, eS wird für Möglichkeiten vorgesorgt, die gar nicht im Erfahrungsbereich des Individuum» liegen, ja. wie im Fall« der Waffelflöhe, eigentlich gar nie deffen Erfahrung bereichern können, weil die Krebschen schon tot sind, bevor noch der Winter hereinbricht. Das sind Tatsachen, die unserer gewohnten Vor- stellung von den in der lebenden Statur herrschenden Gesetzmäßig« keilen zu widersprechen scheinen und uns jedenfalls darauf auf- merkiam machen, was mit dem ganzen Torschrettr» der Natur« iorschung immer deutlicher in« Bewutzlsein der ZeU dringt, datz die Nalurgeicylichkeit unendlich verwickelter und geheimnisvoller ist, als eS unseren Vätern beim ersten Sturm der ErlennliiiSsreude schien. Wir find noch sehr weit davon entfernt, das Wesen deS Leben« zu durchschauen. R. F r a n c 6. heraus. Jutta Versen war eine pikante, überlegen rechnende Gräfin Alma, Charlotte Schulz eine einfach naiürliche. vor allem in ihrer quäleuden Wehleidigkeit überzeugende Mollh. Dem Trotz deS jungen Kasimir, deS ungeratenen Protzensöhnchen, für dessen Sensalionsbedürfnis München nicht mehr genügt, verhalf Fräulein B e r a n e r zu putzig amüsantem Ausdruck. Sehr gut gelang auch der Ph'.listerhäuplling, der den sich überlegen dünlenden Abenteurer am Schlüsse als Stärkerer über Bord wirst. ckt. Jfeflfatg-Theater: Marquis Ketth�. Es war inlereffant, nach Jahren da» so beitz umstrittene Wede- kind-Stück in der farbigen und sorgsamen ausgefeilten Aufführung de» Lessing-TbeaterS wieder zu sehen. Im wesentlichen bestätigte sich der erste Eindiuck Die Freude an der Schlagkraft der Satire wird durch ein gewisses Schwanken in der Stilart gekreuzt. Neben Partien von anschaulich naturalistisch durchgeführten Szenen und Figuren stehen»nv-rmittel» andere, in denen der Verfasser, un- bekümmert um innere Zusammenhänge, irgend ein« barocken Laune, einem ZusallS-Einfall die Zügel schießen läßt. Heiz S a l f n e r S Marquis hatte durchaus im Ein« des Dichters Wcdekind, dessen eigenes Spiel in dieser Rolle freilich nicht? davon verriet, eine lärmend laute Naturburschen-Bitalität. ES pulste in ihm etwas von dem stürmischen Elan deS Balzacschen Komödienhelden Mercadet, der ein Verwandter KeithS, wie dieser ewig spekulierend mit leeren Taschen den reichen Mann posiert. Erst auf dem Hintergrunde einer solchen Sprudelkraft deS Naturells, die bis zum völligen Zusammenbruch alle» im Schimm« eines rosenroten Optimismus fleht, wird die Gestalt in jedem Zug lebendig. Die müde Melancholie de« skrupelvollen Freunde«. KertdS G�zenstuck, der dabei ein Genutzmensch werden möchte, kam ans- gezeichnet mit ironisch feiner Tragikomik in Loo»' Darstellung Oes Künstlers Rache. Richard Strauß hatte sich seinerzeit verpflichtet, seine nächsten zwölf Lieder der Firma Bote n. Bock in Berlm in Ver- lag zu geben. Diese kam nun inzwischen mit der Genossenschaft deutscher Tonsetzer, um die sich Strauß unbestreitbar große Ver- dienste erworben hat, in Konflikt. Sie wurde deshalb von Strauß aufgefordert, ihn aus dem Lisderverirag zu entlassen, da tS feinem Ehrgefühl zuwiderlaufe, mit � einem Verlag Geschäftsbeziehungen Zu unterhalten, der in Gegnerschaft zur Genossenschaft stehe. Da Bot« u. Bock darauf nicht eingingen, ließ sich der Komponist von Dr. Alfred Kerr einen Hatzgesang auf die Verleg« dichten, den er in Musik setzte. Die„Signale für die musikalische Welt' geben einige Kostproben aus dieser interessanten Dichtung. Hier ein Zitat: „Es war mal eine Wanze, Di« gw� die ging cnifs Gan�e, Gab einen Dust, der wie verflog, Und sog und sog. Doch Mufici, die packten fie Und knackten sie. Und als die Wanze starb und stank, Ein Lobgesang zum Himmel drang.' Ein anderer Ver» lautet: „Die Händler tnch W« Macher Sind mit Profit und Schach« De«.Helden Widerfacker'. Der läßt ein Wort erklingen Wie Götz von Berlichingen.' Da» Opus führt den Titel:„Der Krämerspiegel', und der rachsüchtige Komponist verlangt min von der Firma Bote u. Bock, datz sie tn Erfüllung ihrer VertvagSpflichtAs da« Werk in Verlag nehme und drucken lasse._ SlutkSs�erchen nnd Demokratie. Der.Matin' hat einen Ueber-Cbamberlain, namens Lou!« Forest, zum Mitarbeit«, der am IS. d. M. nachstehende»wisien» schaftliche' Betrockrung von sich gegeben hat:„Die Naiurwissen- schast und die Geschichte beweisen, datz der Deutsche zu raschen Ver« ändernngen nicht fähig ist. Wenn er soeben siebenhundert Un- schuldige ertränkt hat. ist daS nicht seine Schuld, weil er nämlich einer besonderen Raste angehört, brachycephal ist, einen Quadrat- schädel hat, dem sub-diapbragmatischen TypuS angehört, kurze und grobe Hände und Plattfüße und im Blut mehr weiße und weniger rot« Blulkörperchen hat als der Franzose. Derart ist es nickt die Demokratie, die ihn ändern kann, denn wie könnte sie auf die Hyperchefle und die Bromhydrose, die ihn kennzeichnen und auf seinen außerordentlich toxinhaltigen Urin Einfluß haben?''— In Claude TillierS köstlichem„Onkel Benjamin' kommt ein Landarzt vor, der au« einer Beschauung de? Harn» die wunderbarsten Diagnosen gewinnt. Aber der Mitarbeiter de».Malin' übertriffl ihn. Er schöpft auch seine politischen Erkenntnisse auS dem Nachtiopf. Röttgen. — Ho ffm aun n. Cam p« s Verlag, da»eIawwl« Hain- burger HouS, da» u. a. Hein« und Hebbeil den Wog in die Oeffont- tichkett bahnte und eine frei« Tribüne bot, ist noch Berlin überge siedelt. Der neu« Inhaber beabfichiigt den Verlag, dem über- lieferten Namen getreu, fortzuführen. — Die hohen Schi ffsprei fe. Einig« Beispiele für die unglaubliche Steigerung der Schiffspreifc erzählt die„Daily Mail": Der Dampfer Twilight von blbll Tonnen wurde für 1 700 000 M. verkauft; da» sind 1 100 000 M. mehr als im Jahre 191b. Sylvia, 3000 Tonnen, die 1917 400 000 M. gekostet hat. ist in diesen Tagen für 1 37b 000 M. verkauft worden. Der Dampfer Faftnetz, S200 Tonnen, ist seit April 1918 von 2 340 000 M. auif 2 800 000 M. ge- stiogen. ioSz. 123j Das gelobte Zand, Roman von W. St. R e y m o u t. „Ich Hab' dich lieb, so lieb I erwiderte er leise. Ihre Stimmen erhoben sich und verstummten. Die Arme umklanimerten sich, schlangen sich ineinander, umfingen sich glühend, die Herzen hielten still, und die Augen sahen nichts mehr. Dann küßte er ihr Haar, den Nacken, den Mund und erzählte mit tiefer, gebrochener, ergreifender Stimme die Ge- schichte seiner Liebe zu ihr. Mit dem Rücken ans Sofa gelehnt, die Füße«ms einem Taburett, hörte sie ihm, halb liegend, mit geschlossenen Augen zu. Als er dann sagte, er wolle gleich morgen mit ihrem Vater sprechen und. auf einem Kissen zu ihren Füßen kauernd, verklärt in ihre wie von einem Nebel verschleierten Augen blickte und in wunderbaren Worten daS Gewebe der Zukunft vor ihr entfaltete, unterbrach fie ihn nicht und b« rauschte sich an dem Klang seiner Stimme. Ein seltsam trauriges Lächeln erblühte auf ihren Lippen, fie widersprach ihm aber nicht, .Ich Hab' dich lieb I Sprich, sprich nur— ich will mich heute berauschen, will wahnsinnig werden.' Sic inerkte gar nicht, daß Rosa ganz leise hereingekommen war und sich aufs Sofa gesetzt hatte. Sie umfaßte Mela mit dem Arm, lehnte den Kopf an ihre Brust, starrte mit den Augen, in denen grünliche Blitze aufleuchteten, Wysocki an und hörte zu. Die beiden malten sich weiter Zauberbilder des Glücks und der Liebe aus. Illlcs andere versank für sie in die Tiefen ves Vcrgcffens— die Welt, die Menschen und die Wirklichkeit. Tann sprachen sie immer leiser und immer weniger, als ob sie fürchteten, ein lauter Klang könnte den Zauber dieses wunderbaren Augenblicks verwehen. Eine tiefe Stille herrschte im Zimmer. Nicht der kleinste Laut drang von der Straße herüber. Der matt erhellte Raum versank in den düsteren, schwarzen Wänden, an denen dunkle Rosen in Bronzcva cn in tiefroten Farben brannten und einen aufreizenden Duft ausströmten. Sie schwiegen. Plötzlich begann Rosa, die bis dahin regungslos dasaß, zu schauern, ivarf sich auf den Teppich und brach in ein erschütterndes Schluchzen aus. Wysocki erhob sich und wollte gehen. Mela htelt ihn zurück. »Ich muß dich an«ine» erinnern.— ich bin Jüdin!' sagte sie leise. »Ich habe e« nicht vergefien. ES ist dieS aber kein Hindernis für mich, wenn du mich liebst und zum KatholiziS� muS übertreten willst.' »Jeder Marter will ich mich freudig für dich unterziehen!' rief sie entschlossen und fest.»Nein, sprechen wir nicht davon. Morgen früh sag' ich's Vater und schreibe dir. Warte meinen Brief ab, komme nicht früher.' Sie sprach nervös und hastig. Sie hatte weder Kraft noch Mut, ihm jetzt zu sagen, daß sie seine Frau nicht werden konnte. Nein— um nicht» in der Welt hätte ste e« ihm jetzt gesagt..• Morgen...}«, morgen. Und jetzt noch die Küsse, noch die Liebkosungen... noch die Schwüre... noch die große, süße Liebe, den Rausch... noch mehr... noch mehr... »Einen Augenblick noch, Liebster, noch einen Augen blick I' flehte sie, ihm durch die düstere Zimmerflucht folgend »Fühlst du nicht, wie schwer eS mir fällt, mich von dir zu trennen?' Angst packte fie, eine so schreckliche Angst, er würde weg gehen und sie würde ihn nie wiedersehen, daß sie sich ver zweiflungsvoll an ihn preßte, sich ihm in die Arme warf und ihn nicht lassen konnte. Als sie sich dem Ausgang näherten, begann Mela am ganzen Körper in furchtbarster Aufregung zu zittern und klammerte sich an seinen Arm immer fester, immer schmerzlicher. »Noch einen Augenblick, noch einen Augenblick" »Morgen sehen ivir uns wieder, Mela, und dann jeden Tag.' »Ja. jeden Tag... jeden Tag...,' wiederholte sie wie ein Echo und biß sich die Lippen blutig, um nicht auf- zuschreien, nicht tn Verzweiflung auszubrechen, um ihm nicht zu Füßen zu fallen und zu betteln, er möchte nicht weg- gehen, er möchte dableiben oder sie gleich mitnehmen und weit wegbringen— weit... weit... „Ich Hab' dich lieb!' sagte er ihr zum Abschied und küßte sie. Sie erwidere seine Küsse nicht, stand regungslos da, gegen die Wand gelehnt, und starrte ihn bloß mit einem leblosen Blick an, als er den Mantel anzog, die Tür auf- machte und hinter den Scheiben verschwand. Die Kräfte verließen sie, ein Schluchzen preßte ihr die Kehle zusammen, das Herz wollte brechen. »Mietschek I' Er hörte eS nicht mehr. Langsam ging sie durch die leeren, düsteren Räume zurück, die wie große, prachtvolle, vom Luxus Langeweile und der Einsamkeit bewohnte Gräber aussähet. Immer schwerer wurde ihr Gang. Sie blieb an den Stellen stehen, wo sie vor einer Weile noch neben ihm stand, und schaute sich be- wußtlos um. Manchmal rang sich ein Laut von ihren blassen Lippen loS, doch sie ging weiter, zu Rosa, die immer noch weinte. „AlleS ist vorbei I' dachte Mela. Die Tränen zerbrachen die Dämme ihres Willens und ihrer Selbstbeherrschung und stürzten wie ein reißender Bach auS ihren Augen. IX. Tief beglückt eilte Wysocki nach Hause. Er traf noch alle beim Tee an. Auch Frau Trawinska war herübergekommen. Sie saßen um einen runden, von einer Hängelampe beleuchteten Tisch und unterhielten sich über NinaS heutige Gäste. Wysocki kam gerade zu einer flammenden Rede Anlas, die Mela vor den bissigen Bemerkungen seiner Mutter in Schutz nahm. Sie aber erhob jetzt, durch die Anwesenheit des Sohnes aufgestachelt, die Stimme nnd erging sich in Worten tiefster Verachtung für die jüdi'che Rasse. Wysocki hörte schweigend zu, trank den Tee und dachte an Mela. Ek war so glücklich, daß er zu den ungerechten, fanatischen Worten der Mutter nur nachsichtig lächelte und sich durch Blicke mit Borowiecki verständigte. Karl hülllc sich, an den Tisch gelehnt, in Rauchwolken und blickte durch sie aus Nina und Anka, die dicht nebeneinander, Kops an Kopf, dasaßen. Ninas Haar schimmerte goldig im Schein der Lampe. Wie von innen beleuchtetes Porzellan sah ihr heller, durch- sichtiger Teint auS. Sie sah ruhig auf Frau Wysocka, während Anlas Gesicht immer wieder den Ausdruck wechselte. Wie in einem Spiegel konnte nian alle Eindrücke, die in ihrer Seele auftauchten, in ihrem Gesicht ablesen. Mit der ganzen Kraft ihres guten Herzens nahm sie die Juden in Schutz und damit allein entkräftete sie die logischen Aus- ührungen Frau Wysockas, die am anderen Ende de? Tisches, in einem Fauteuil versunken, mit kräftiger Stimme sprach und nur bei einer besonders krassen Behauptung sich heftig über den Tisch beugte. Ihr noch sehr schönes Gesicht erschien dann im Schein der Lampe, und die großen, schwarzen Brauen spannten sich wie ein Vogen.(Forts, folgt.) WM.«MM. in reicher Auswahl zu loliden Preisen. Eigene Reparaturwerkstatt. Kewisseiihafie zuverlässige AuSsührung. Schnellste Ablieserung. 2422' S. pdsftc, Uhrmacher, Berlin, Alte Jakobstr. 48(a. d. Seydelstr.) *■'"•"**** Möbellabrik Rob. Seelisch BERLIN 0 112, Rigaer Str. 71— 73t empfiehlt gute preiswerte Möbel. 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Angehörige solcher, werden um ihr- Adressen geb., damit ich evt. über das Schicksal meines Sohnes, der seit diesem Tage vcr- migt wird, Erkundigungen ein- ziehen kann. Gest. Zulchrifterr unter Kdo. E. 830 besörd. Rudolf Mosse. Oortmuad. 225(17» Verkäufe* Weguers Pelzwareichaus allergrößten Stils, jetzt Pols- damerstraße 43, Ecke Steg- litzerstraße. Riescnpelzlager aller erdenklichsten Pelzarien sehr preiswert. Sommerpreise: Echte Pelzgarnituren, Fuchs- fasson auf Seide gearbeitet von Plark 98,59 an. Echte Felle, schwarz und farbig, zum Aus- suchen, von Mark 9,75 an. Gelegenheitskäufe in vielen anderen Waren. Wegner- leihhaus, Potsdamerstraße 43. _____ 106CT* Leihhaus Roseuthater Tor, Ltnicnstraße 203/4, Ecke Nosen- chalerstraßc, nur 1 Treppe, kaufen Sie Pelzkragen, Müssen, Skunks, Nerz. Alaska, Blau- füchse und alle anderen Pelz- arten, Taschenuhren, Brillanten, Silbertaschen, Alpakataschen, neue Hcrrengarderobe. 14011» Für Metallarbeiter. Müller- Freund, Gewindeschneiden. 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Der »Corriere d« la Sera" mischt in die Jubelhymn« über die Auf- lösung Oesterreichs Molltöne, indem er auf de Abgeordnete Sftavalinna. der zur Königsdeputation gehört und auf der Rückreise von Deutschland Stockholm passierte, erklärte den ddrtigen Zeitungen, die Aus- sichten, daß Prinz Friedrich Karl die finnische Krone annehmen werde, s e i e n g u t. Aber seine Aussichten, sie zu behalten, sind nicht gutl Die ßiumaner Nevolte. Budapest, 24. Oktober. In Fiume ha« daS revoltierende 79. gemeinsame Infanterie-Regiment dir Tabaktrafik besetzt, ist in daS Gerichtsgrbände eingedrungen und hct den Fiumanee Leiter der Staatsanwaltschaft Balini gefangen genommen. Sodann wtir. den die Gefängnisse geöffnet und die Sträflinge befreit. Bei den Straßenkämpfen mit der Polizei wurden zwei Polizisten von Kroaten gefangen und angeblich zu Tode gepeinigt. Sodann wurde der Bahnhof besetzt und dir Eisenbahnschienen diS Debnire aufgerissen. Wahlsieg üer Rechten in Norwegen. ' Kristiania, 23 Oktober(Meldung von NorSk Telegram- bureau.) Die Wahlen zeigen eine große Verschiebung nach rechts. Im Augenblick sind 48 endgültige Ergebnisse bekannt: 26 der Rech- ten, 14 der Linken, l Arbeiterdcmokrat und 8 Sozialisten. In 66 Bezirken erfolgen Stichwahlen. 12 Ergebnisse sind noch unbekannt. Der Storthi.igSpräsidmt M o w i n k e l wurde von einem K a n d i- baten der Rechten besiegt. Konservative Zeitungen er- warten den Sturz der Regierung. Die Rechten ge- wannen 8 Bezirke, die Linken verloren 7, die Sozia- listen 1. In den Wahlbezirken mit endgültigem Ergebnis stieg die Stimmenzahl der Reckten um 50 000, de Stimmenzahl der Linken ging um 20 000 herunter im Vergleich zu den letzten Wahlen. Die Parteien in Georgien. Die georgische Delegation in Berlin äußert sich zu der im„Vorwärts" abgedruckten Nackricht aus Moskau, wonach die„Prawda" au? Transkaukasien benach» richtigt wäre, daß die sozialdemokratische menschewistlsck>e Partei in Georgien in zwei feindliche Lager geteilt wäre, von denen der ein« Anhänger der deutschen, der andere aber der russischen' Orientierung wäre. Die fieorg-icke Deleaatwn erklärt bierin it. daß solcke Nachrichten der Wahrbeit völlig widersprechen. Es gibt keine Spaltung weder in der Partei noch in deren Parla- ment-Zfraktion. die die absolute Mehrheil besitzt. Betreffend die sogenannte Orientierung erllärt die georgische Deputation, baß die geovgtsche Ration eine einzige Orien. t> e r u n g ha:: das ist die Selbständigkeit und Frei- h r i t. Damit wollen wir nicht bestreiten, daß einzelne. Nicht- georgicr, wie es in der Mitteilung deS.Vorwärts" erwähnt wird (Agatian, Wassermann), unter der Maske der Sozialdemokraten und Sozialrevolutionäre die Selbständigkeit Georgiens gehässig be- kämpfen. Sie haben aber keinen Einfluß auf die Masse, außer auf die ehemaligen zaristischen Beamten, und keinen einzigen Ver- treter im Parlament._ Herrenhaus. DaS gleiche Wahlrecht angönommetl l „Die sterbende Versammlung"— so erschien das preußi- sche Herrenhaus dem Grasen Posadowsky am gestrigen Tage, an dem es fast ohne Debatte und enbloc das gleiche Wahlrecht und die ganze übrige Versosiungsresorm an- nahm. ES bot sich das merkwürdige, aber historisch berech- tigte Bild, daß etwa die H L I f t e des Hauses, wo nicht mehr, sich bei einer der wichtigsten Gelegenheiten der Ab st im- rnung enthielt. Auch Herr v. T i r p i tz gehörte zu den Demonstranten gegen die Demokratie. � Gras B e h r hatte diese Stellungnahme mit der Sorge um die starke Monarchie begründet, der Herzog zu Trachenberg für die Neue Fraktion und Prinz S ch ö n b n r g für zwanzig aus der kon- sertxltiven Fraktion Ausgeschiedene erklärten ihre Zustimmung zur Vorlage. Dr. Friedberg wies einige Luflhiebe des Grafen Vehr gegen die neue Gestaltung der Dinge im Reiche zurück und Graf Posadowsky vertrat seine Sonder�Jiche- rungswünsche noch einmal. Zwei Verbesserungsanträge Wermuth-Johansen wurden angenommen, wovon der eine die Zahl der Proporz- Wahlkreis« vergrößert, der andere allen Wahlberechtigten, nicht nur denen des Wahlbezirks den Zutritt zum Wahlraum gestattet. Freibagmitdag findet eine weniger wichst ge Sitzung des Hauses statt. Das Herrenhaus und Wilson. Auf der Tagesordnung der morgigen Sitzung des Herrenhauses steht als letzter Punkt ein noch einzubringender Antrag. ES handelt sich dabei um dt« Absicht der Konservativen, ein« Stellung- nahm« des Herrenhauses zu den auf Preußen bezüg- lichen Bedingungen des W i l so n s ch e n Friedens- Programms herbeizuführen. Heute nachmittag und abend haben Beratungen der konservativen Herren hausfraktion darüber stattgefunden. Ob die Absicht zustande kommt, ist fraglich, zu- mal die Linke nach ihrem Verhalten in der heutigen Sitzung kaum übermäßig Lust haben dürfte, den Konservativen jetzt noch Hand- langerdtcnste zu leisten._ Reichstag. Am Schluß feiner gestrigen Sitzung befolgte der Deutsche Reichstag zum erstenmal den in parlamentarisch regierten Län- dern üblichen Brauch: er erteilte der Regierung ein offizielles Vertrauensvotum. Bei 193 Ja gegen 52 Nein und 23 Entliallungen zeigte das Abstimmungsergebnis klaf den starken parlamentarischen Rückhalt, den die neue Regierung genießt. Die Debatte zeigte ein oft und rasch wechselndes Bild. Staatssekretär Solf eröffnete den Tag mit einer wohlteinperier- ten Erklärung, während der Kriegsminister scheuch mit seinen teilweise stark verunglückten Ausführungen den Beioeis erbrachte, daß auch ein Elsasser den preußischen Militärjargon wohl er- lernen kann. Seine Ausführungen zum Schutze der komman- dicrenden Generäle wirtten um so unangebrachter, als das Haus in starker Erregung war über die eben erst gemeldete Auflösung einer Berliner Versammlung, durch die das Oberkommando in den Marken einmal wieder seiner Abneigung gegen die Friedensgesellschaft Ausdruck gegeben hatte. Genosse N o s k e brachte den Fall in kräftigen Worten zur Sprache lind wies die Negierung darauf hin, daß sie „ein verzweifeltes Spiel treibe, wenn sie diesen Niederträchtigkeiten nicht sofort ein Ende mache". Erfreulicherweise war die Antwort vom ReginyngStisch so, daß sie manchem Beamten in den Obren klingen wird, der glaubt, durch Politik auf eigene Faust der Volksregierung Knüppel zwischen die Beine werfen zu können. Staatssekretär T r i m b o r n erklärte: Die Verfügung deS früheren KriegSmtnister» betr. die De- Handlung der Versammlungen gewisser FrirdenSgesellschasten ist aufgehoben. FriedenSvrrsammlungen sollen gestattet werden. Die Verhinderung der gestrigen Versammlung fallt nach den bisherigen Fcststcliungen nicht dem Polize Präsidenten zu, Last. sondern dem Oberkommando, da? über die Genehmigung der Versammlung nicht reckizeitig entschieden hat. Inwieweit da- bei ein Verschulden vorliegt, wird noch untersucht. Wir haben Vorsarg« getroffen, daß da« Programm der neuen Regierung in Sache» der Zensur und des VelageNrngSzustandeS streng durch. geführt wird. Personen, die sich nickt für gacign«! halten oder nicht geeignet sind, energisch und gewissenhaft dabei m i t z u- w i r k e n, haben auS ihrem?lmt zu scheiden. Hoffentlich erledigt die Regierung m diesem Sinne auch die Bescklwerden, die der Abg. Ha ose am Mittwoch vortrug, im gleichen Geiste.— Herr K r e t h von den Konsenxitiven hielt eine Agitationsrede plattesten Stils, die der Vizekanzler P a y e r kräftig abfertigte. Ledebom von den Unabhängigen war wie stets im einzelnen oft von beißendem Witz, im ganzen ermüdend. Wer zwei Punkte seiner Rede verdienen Aiifmerk- samkeit: die offene Anerkennung der Fliedens- arbeit der Regierung und sein starkes Bj" k e n n t n i s zum Deutschtum gegenüber den polnischen Forderungen auf deutsches Land._ verfaß unasänSTtun? für E�aß-�othrmgen. Volkszählung am 4. Dezember IkM�. In der DonnerSiagsitzung de? Bundesrats wurden angrnam- men: I. der Entwurs eines Gesetzes zur Abänderung des Gesetze? über die Verfassung El saß- Lothringens vom 31. Mai 1011: 2. der Entwurs einer Verordnung über die Vornahme einer Volkszählung am 4. Dezember 1918; 3, der Ennvurf einer Verordnung über die Fortschreibung der Zivilbevölkerung zum Zwecke der Nnhrungsmittelversorgung: 4. der Entwarf einet Bekanntmachung. betreffend Aenderung der Verordnung über Roh- t a b a k vom 10. Oktober 1916. Die vom Bundesrat dem Reichstag als Gesetzentwurf vorgelegte Verfassungsänderung für Elsaß-Lothriggen lautet: In Artikel II de? Gesetze? über die Verfassung Elsaß-Loth- ringen? vom 31. Mai 1911(Reichs Gesetzbl. S. 225) erhält§ 10 Abs. 2 folgenden Zusatz: Diese Vorschrift findet keine Anwendung, wenn ein Mit- glted der Zweiten Kammer zum Staatssekretär oder Unter- staatsfekretär im Ministerium für Eis aß- Lothringen ernannt wird. D!e Erh5h!mg öe? SolöatenlZhne. Der Militärausschuß des Reichstags befaßte sich am Donner?- tag mit den Anträgen auf Erhöhung der Soldatenlöhnung. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatte folgenden An, rag eingemacht, der den Reichskanzler ersucht, daraus hinzuwirken, daß ») die Löhnung für alle Mannschaften mit Wirkung vom 1. Oktober 1918 ab verdoppelt, die Löhnung der Unteroffi- ziere und Beamten st etlvertreter um 60 Proz. erhöht wird! b) errr« Aussbesserung der Bezüge der immobilen S»b- altern. Offiziere erwogen wird; c) die Offiziersküchen verboten werden. Die Konservativen hatten es vorgezogen, der Sitzung fcrnzu- bleiben. Sie hielten eS also gar nicht für nötig, daS Wort zur Bs- gründung ihres Antrags zu nehmen, so daß man ernstlich daran zweifeln kann, daß der Antrag überhaupt ernst gemeint war. Zu- nächst gab der ReichSschatzsckretär Graf R o e d e r n Auskunft über den finanziellen Effekt der Anträge. Diese Mitteilungen waren zum Teil vertraulicher Art. Den sozialdemokratischen Antrag be- gründete dann Abg. Stückten, mit dem Hinweis darauf, daß die seither vorgenommenen Löhnungserhöhungen, in keiner Weise als ausreichend angesehen werden können. Davon dürfe keine Rede sein, etwa an den Soldaten Sparsamkeit üben zu wollen. Der vom Schatzsekretär gemachte Vorschlag, die Familien- Unterstützung wieder zu erhöhen, sei natürlich annehmbar, aber man mj�sse dann die ReichSunterstützung erhöhen, es nicht aber in das Belieben der Gemeinden zu stellen, ob sie auf Nech-miiig deS Reiches ein« Zulage gaben wollen oder nicht. Abg. W i r t h(Zentr.) erkannt« di« Berechtigung der sozialdemokratischen Ausführungen an, die von dem Abg. D a v i d s o h n noch trefflich unterstrichen wurden. Auch Abg. Rysfel(U.©03.) äußert« sich ähnlich. AuS den Ausführungen der RcgierungSver- treter ging hervor, daß in den nächsten Tagen eine Äufbesscrung mindestens der kämpfenden Truppen eintreten wird. Es besteht Grund zu der Annahme, daß auch andere Wünsch« der Sol- baten erfüllt werden. Die weiteren Beratungen wurden vertagt. Die Unabhängigen unter Pollzeischutz. Zu den devorstehenden Charlottenburger Stadtverordnetenwahlen hielten die Unabhängi- gen am Mittwochabend eine große Volksversammlung im Charlot- tenburger Volkshaufe ab. Die klug« Polizei hatte allerdings eine öffentliche Volksversammlung verboten, so daß es formell eine Mit. gliederversammlung sein mufste. Doch war keinerlei Ausweis zum Eintritt erforderlich. DaS Referat hatte Z u b e il, der anderthalb Stunden bolschewistisch redete. Alle jetzigen Reformen seien Halb- heil, die Unabhängigen würden mit einem Schlage alle reaktionären Minister. Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten, Lanbräte und Amtsvorsteher beseitigen. Di« russische Regierung habe durch einen Vertreter offiziell den Unabhängigen mitteilen lassen, daß sie di« unvermeidliche dentsck»« Revolution mit allen Mitteln unter- stützen werde. Zur Aussprache meldete sich Genosse Heiltnann zu Wort. Da erklär« die unabhängige Vorsitzende, Frau Nemitz, sie wisse nickt, ob sie ihm daS Wort geben könne, eS sei mir eine Mitgliederversammlung. Ter überwachende Polizei- leutnant verstand den Wink, erhob sich und verbot dem so- zialdemokratischen Redner das Wort, während er die Unabhängigen gänzlich ungestört hatte reden lassen. So blieb im- irrem Redner nichts anderes übrig, als den Unabhängigen z u d e r besonderen Polizeigunst zu gratulieren, die sie sich �u erwirken wußten, und zu fragen, was wohl die Unab- häng igen aufstellen würden, wenn der Vovgang sich unglücklicher- weise umgekehrt abgespielt hätte. Heiliger BurraukratißmnS. Unsere K'g? eirtichaft treibt in« folge der vielfach recht bureaukra tischen Handhab,:ng die merk- wückigsten Blüten. Im Sommer dieses Jahres wurden di« Laad« Wirt« in«indringlichen Aufrufen und durch Gcwähnittg hoher Prämien veranlaßt, ihr Getreide so schnei! wie m r l i ch auSzudreschen. Einige Landwirte in Oue tedi be, Ascker?- leben erfüllten ihre Pflicht und deckrauchten..llurch p, August d. I. mehr elektrischen Strom, als im August dos Vorjahres. Was war die Folge? Auf ihrer Rechnung für veckrauchten Strom fanden st« folgenden Vermerk, den wir einer„nS vorliegenden Rechnung der Elektriieben Kleinbahn im ManSfclder Dergrevier A.-G. Ortsnetz Ouenstedt. entnehmen: „Im Monat August den vorgeschriebe, ren Stromverbrauch mtt 8 Kilowattstunden überschritten, desbalb Nachverrech- nung laut Verfügung de? Herrn ReichShominissarS vom 2. November 191? 3 Kilowattstunden a 60 Pf.— Aufpreis IchO M." Bei eickigen Landwirten soll der Straibetrag viel höher .sein. Kann/ man sich einen größeren Widersinn denken? Der Reick�Sernährung�kommissar drängt auf früheren Ausdrusch, damit , di« Brotversorgung gesichert wecken kann, und der ReuhSkob.Ien. I kommt ssar bestraft die, die diesem Drängen nachgabem Wahr» lich, wirkungsvoller kann man den Landwirten die Kriegswirtschaft nicht verekeln, als durch derartig« bureaukratische Schildbürger- stückchen. «». und gv. Zur Beseitigung falscher Auffassungen wick von amtlicher Seite darauf hingewiesen, daß Wehrpflichtige keinen Anspruch auf Verwendung an einer bestimmten Stelle oder an einem bestimmten Ort, außerhalb der Gefahrzon«. im Felde, in der Etappe oder in der Heimat haben. Der VenwendungS- ort wird vielmehr nach Maßgabe der Tauglichkrtt durch die jeweiligen Bedürfnisse deS Heeres bestimmt. Die näher« Erläuterung ber TauglichkeiiSgrade gv. und av. durch die Zusätze„Feld".„Etappe" oder.Heimat" erfolgt lediglich auS Zweckmäßigkeitsgründen zur Erleichterung der militärischen Gruppierung der Leute. Hiernach entspricht es durchaus der Ge-setzeslage, wenn gv-.oder av.-Heimatlcute nach Maßgabe ihrer Tauglicksteil auch im Felde oder in der Etappe venvendet werden. Die Bezeichnung»Hei- mat" hat in diesem Falle nur die militärische Bedeutung, daß diese Leute im Felde�oder in der Etappe zu solchen Dienstleistungen heranzuziehen sind, die denen in der Heimat entspre- ch e n. denen sie mithin körperlich gewachsen sind. Ferner ist die irrige Ansicht verbreitet, daß nv. eine minder« Verwendungsart bedeutet als gv. Beide Begriffe stehen nebenein- ander, nur mit dem Unterschied«, daß die als gv. befundenen Lent« für den Waffendienst, die als av. bejuHdenen Leute nur für oen A r b e i t S d,« n ft in Frage kommen- LeJte Nackricfifeu. GrhrimnikvosseS an« der Schweiz. Genf, 24. Oktober.(Eigener Drahtbericht de?„Vorwärts".) Der Genfer Komsponldett der„Bataille" setzt seine pbwn la{tri schert Meldungen fort über einen Delegierten der deutschen Minderheit, der als Bevollmächtigte, der deutschen Mehrheit in die Sck'weiz gekommen sei. Er vcröffchttlichi lanzre Vorschläge dieses Ungenau„ten. die in der sofortigen Einberufung der Internationale nach tltens gipfeln. Für den Fall einer deutschen Paßverweigerung feien Vertreter der verschiedenen R ch- i hingen in der Schweiz schon anwesend.(Erstens sc'nckt die deutsche > Sozialdemokratie keinen Unabhängigen nach der Schweiz, zweiten» j wird die deutsche Fhpgierung. in der Sozialisten sitzen, Pässe zu einer . internationalen KgnSerenz nickt verweigern. Die. Meldung kenn» zeichnet sich sonach av reine Phantast«. Red. d.. Vorwärts".) � F-raurn ins UntrrhnitK. London, 24. Oktober. Reuter. Im Unterhaufe wurde mit 274 gegen 26 Stimmen eine Resolution angenommen, roelebe die Regierung auffordert, ein Gesetz ein zirb ringen, nach dem Frauen als Mitglieder des Unterhauses wählbar such. GewerffchWbewWlV Arbeitgeber und Angestellte. Unter dieser Spitzmarke bespricht die.Deutsche Arbeitgeber- Zeitung" das Verhältnis zwischen Unternehmern mrd Angestellten. Der Artikel zeigt, datz es den Großhidustrieilen allmählich bange zu werden beginnt, weil sie die Angestelltenbeeoegung ernst zu nehmen haben. Solange die Unternehmer sich aus die Angestellten noch vertrauensvoll stützen konnten, so lange sei die Gefahr, mit einer radikalen Arbeiterschaft zu arbeiten, nur halb.so schlimm. Trete aber die Angestclltenschast offen aus die Seite der Aiberter hinüber, dann wüchsen die Gefahren für die Unternehmer und die Allgemein- Heit ins Ungemessene. Um dieses Zusammengehen von technischen und kaufmännischen Angestellten mit den Arbeitern zu verhindern, wird in dem Artikel den Unternehmern angeraten, in Zuknnft den Wünschen der Ange- stellten mit mehr Wohlwollen entgegenzukommen. Man werde an der Prüfung der Gehaltssätze nicht vorbeikommen. Das Ziel, die Angestellten zu den Unternehmern heranzuziehen, werde am besten erreicht, wenn den Angestellten eine ihrer Vorbildung und ihren Leistungen entsprechende Bezahlung ziigcbilligt werde. Das Ziel ist also, die Angestellten von den.Kampfgew er?. schaften", wie es im Artikel heistt, abzuziehen, einen Keil zwischen beide zu treiben. Darum jetzt die gröhere Bereitwilligkeit zur Zahlung besserer Gehälter. Nun, für die Angestellten ist eS weniger von Wichtigkeit, welche Beweggründe die Unternehmer zu größerem Entgegenkommen veranlagten, dafiir müssen sie um so größeres Gewicht darauf legen, diejenige Waffe fest im der Hand zu behalten, die solchen Einfluß auf die Unternehmer auszuüben vermochte. Tos sind die gctvcrkschafttichen Methoden, zu denen sich jetzt ein erheb- I icher Teil der Angestellten bekennt. Die Unternehmer fühlen aber auch, daß die etwa? verbesserte Lebenslage, die man nun gezwungenermaßen den Angestellten ge>- währen will, n-icht genügt, die Angestellten an sich zu fesseln und in Gegensatz zu den Arbeitern zu bringen. Um sie bei der Stange zu halten, empfiehlt die„Arbeitgeber-Ztg.", das Mittet der Kor- ruvtion anzuwenden. Es hoißt da:.Endlich wird man twcht vergessen dürfen, auch den wirtschaftsfriedlichen Gedanken in der An- gestelltenschast wach zu erhalten, beziehentlich zu fördern. In gleicher Weise, wie man die wirtschaftsfriedlichc Arbeiterbewegung seitens der Unternehmerschaft unterstützt, wird man auch diese An- gestellten Wcrksorganisationen mit allen Mitteln fördern müssen, da sie die Erreichung ihrer Wünsche in einem vernünftigen Zu- sammenarbeiten mit der Unternehmerschaft erblicken." Mit solchen Werksorganisationen, die einen Kampfcharakter nicht besitzen, könm« jeder Unternehmer unterhandeln. Aufgabe einer wcitschauenden Angestelltenpolitik aller deutschen Unter. nehmcrkreise werde es deshalh sein müssen, die sich bisher von den „sozialdemokratischen GcwerkschafiStendenzen" fernhaltenden An- gestellten dauernd an sich zu fesseln. Und für die Angestellten kann es nach dem obigen gar kein besseres Mittel, die Unternehmer zum Nachgeben zu zwingen, geben, als ihren restlosen Anschluß an die Organisation und die Anwendung gewerkschaftlichen Kampf- Methoden. CSkar Riedel gestorben. DaS«Hamburger Echo" bringt die traurige Nachricht, daß der den Berliner Partei- und Geloerkschaflsgenossen bekannte Oskar Riedel am 2c>. Okiober in Dresden an Gehirnentzündung der- florben ist. Der plötzlich Berstoebene stand als Landsturmmann in der Eisenbahn-Hilkökompagme in Dresden. Er hat auf gewerk« scha'llrchem Gebiete in seiner Berufsorganisation, dem Verband der Gemeinde- und staatsarbeiler, ein« anerkennenswerte Tätigkeit rnt- faltet: wählte ihn doch der Verbondstag in Mainz im Jahre 1803 zum zweiten Verbandsvoisttzenden. Daneben war Oskar Riedel ein überaus tätiges Parteimitglied, er fungierte längere Zeit als Vor- sitzender des WnhlvereinS in Berlin-WilmerSdorf, woselbst er auch zum Stadtverordneten gewäblt wurde. Den Interessen seiner Bernssoigan iaiion folgend, siedelte er tSlS nach Hamburg über, um dort das Vorstandssekretariat zu übernebmen. Durch keine Einberuiung zum Kriegsdienst im März lStK wurde er seiner lieben Tätigkeit in Parrei« und Gewerkschaft entrissen und jetzt hat der Tod den unerniüdlichen. erst 41 Jahre alten Kämpier für immer aus den Reiben der Lebenden genommen. Die Leiche des Ver» storbenen wird nach Hamburg gebracht, wo am 27. Oktober in Ohlsdorf die Bestattung erfolgen soll. Steiger beim Handelsminister. Am 23. d. M. wanen die Herren Ingen. Sonnenfchmidt und Steiger Werner aus Essen beim nericn Handelsminister. Sie führten über Entlassungen von Steigern auf der fiskalischen Zeck-e Rheinbaben. die mit der größ- ten Wahrscheinlichkeit auf den Beitritt zum Bund tecknisch-lndu- strieller Beamten zurückzuführen sind, Bescftwerde. Hierbei wurden auch die Klagen der Steiger über lange Dienstzeit, Strafschichtcn, schlechte Behandlung und Prämienentziehungen dem Minister unterbreitet. Es wurde besonder? daraus hingewiesen, daß diese Verhältn.ss« zu einer erschreckenden Gesundheitsschädigung und einer Arbeitsunliist geführt habe, die von größtem Einfluß auf die Stimmung der Belegschaft und in weiterer Folge auf di« Höbe der Förderung sei. Ter Minister versprach, diese Dinge zu untersuchen. Lohnbeivegung der Ztzamm- und Haarschmuckarbeiter. Vor einigen Wochen hatten die im deutschen Holzarbeiterver- band organisierten Kamm- und Haarschmuckarbciter beschlossen. eine Erhöhung der Teuerungszulage um 30 Pf. für Arbeiter und 20 Pf. für Arbeiterinnen pro Stunde zu fordern. Diese Forderung nebst Begründuiig wurde durch die Ortsverwalning des Holzarbeiterverbandes der zuständigen Arbcitgeb.'rorganisaiion, dem Verband der Zelluloseindustrie mit dem Ersuchen um Verhandlungen ein- gereicht. Die Arbeitgeberorganisation lehnte die Verhandlung ab mit der sonderbaren Begründung, von den in der Zellulose ver- arbeitenden Industrie Beschäftigten gehöre nur ein kleiner Teil dem HolzarbcitervePbande an, denn die Zellulose verarbeitende Industrie stelle Erzeugnisse nicht nur für die Holzindustrie, sondern überwiegend iür die Metallmdnstrie und eine Reihe anderer In- dustrirzweige her. die Fabrikanten könnten deshalb kein� Lohn ab- kommen mit dem Holzarbeiterverband treffen. Nach dieser Ab- lebnung haben die Arbeiter ibre Forderung den einzelnen Fabri- kanten unterbreitet und— wie in der Branchenversammlnng der Kamm- und Haancbmnckarbeiter berichtet wurde— sind daraufhin in einer Reibe von Betrieben Zulaaen von durchschnittlich 10 Proz des Lohnes bewilligt worden. Da in diesen Betrieben der größte Teil der Branchenangehörigen beschäftigt ist, so. erklärte die Versammlung, man könne mit diesem Erfolg einstweilen zu- frieden sein In den Betrieben, die noch nickt bewilligt haben, soll natürlich versucht werden, die Bewilligung der Forderungen nachzuholen._ partemacknckten. Unabhängiges Mistgeschick. Im 17. sächsischen Wahlkreis, den Genosse Hermann Molkenbuhr im Reichstag vertritt, fand am Sonniag in Hohenstcin-Ernstthtl eine sehr stark besuchte VolkSver- saminlung statt. Molkenbuhr bcfvrach die Stellung der Partei seit Kriegsbcginn und wandte sich dann den politischen Vor- gängen der Gegenwart zu. Die Darlegungen des Redners fanden bei den Versammelten lebhasten Beifall. In der anschließenden Diskussion suchten einige unabhängige Redner in sattsam bekannter Art Stimmung gegen die Partei zu mack»en. Vergeblich. Genosse Drescher und Genosse Molken- b u h r besorgten es den unabhängigen Phantasten gründlich. Mit welchem Erfolg? sich die.unabhängigen Redner strapazierte», illustriert die Tatsache, daß die verlesene Resolution mit überwältigen- der Mehrheit angenonimen wurde. Tie Herren Unabhängigen fan- den mit ihrer Entschließung nur bei den paar stimmvegabtcn, aus Schimpfen gewöhnten Jüngern Anklang. Der Bericht der„Chemnitzer Volksstimme" über den Verlauf der Versammlung enthält am Schluß folgende Bemerkung: Es ist charakteristisch, daß sich die Unabhängigen mit besonderem Eiser bemühen, Versammlungen der sozialdemokratischen Partei zu stören, denn aus etwas anderes läuft ja das ganze Beginnen nicht hinaus. Statt wirklicfter Friedensarbeit und wirklicher Arbeit für die In- teressen des Volkes reisen sie im Lande herum, um Friedenskundgebungen durch ihre Sucht zum Randalieren zu beeinträchtigen. Daß sie mit solchem Bestreben mir der Reaktion in die Hände arbeiten, ist der großen Mehrheit der Arbeiter schon längst klar. ?nöustrie unö Kandel. Tie Zukunft der deutschen Mvntanindustrir. In der Generalversammlung der Gesellschaft der Phönix- Vergban-A.-G. hat der Generaldirektor Geheimrat Beukenbcrg interessante Angaben über die 3tohstofsgrundlage und die Aus- sichten der Betriebe seines Unternehmens nach dem Kriege ge- macht. Wir entnehmen den Ausführungen Beukenbergs u. a. noch folgendes: .Im allgemeinen sei der Phönix gegenüber jeder Lage gerüstet. Steinkohlen würden nach dem Kriege zweifellos dringend be- nötigt, so daß Absatzschwierigkeiten in den ersten Friedcnsjahren nicht zu erwarten seien. Später dürfte, wie lnsher, mit einem rrgel- mäßigen Wechsel in der Marktlage zu resnen sein. Die Erzen- gung der Hütten habe vor dem Kriege t Millionen Tonnen betragen und sei zum allergrößten Teil als Fertigware an den Markt gekommen. Der Phönix betreibe bekanntlich die Weiterver- arbeitung und die Verfeinerung in weitgehciidein Maße. Die Mög- lichtest cines vollen Betriebes nach dem Kriege hänge einmal von der Arbeiterfrage, sodann auch von der R o h si o s f b« s ch a f- s u n g und ferner von dem ausländischen Absatz ab. Die Beschaffung der nötigen Arbeiter werde in der ersten Zeit nach dem Kriege keine Schwierigkeiten machen. Im Gegenteil wür- den die früheren Arbeiter nach ihrer Rückkehr aus dem Felde sämtlich wieder eingestellt wer- den, und ausreichenden Ersatz für die jetzigen Aushilfskräfte die- ten. Inwieweit der ausländische Besitz an Erzgruben und Feldern in Französisch-Lothringen, der Normandie und Brasilien künstig von der Gesellschaft ausgebeutet werden könne, lasse sich äugen- blicklich nicht übersehen. Von besonderer Bedeutung für die Gesell- schast sei heute das Gebiet der großen Eiscnspatgruben im Sieger- land und der Eisenerzselder im Westerwald und an der Lahn. Die Rohstossgrundlage für die Betriebe, die in dem jetzigen großen Be- sitz an Eisenstein- und Kohlengruben bestehe, sei größtenteils schon früher gelegt worden, und der Erwerb der Felder und Gruben sei zu Preisen erfolgt, die gegenüber dem heutigen Stande als sehr niedrig bezeichnet werden müßten. Die Mincttegruven in Loth- ringen stellten einen stark abgeschriebenen Besitz dar. Die zahl- reichen Eisensteinfelder im Westerwald, im Sieaerland und an der LahA, die von dem Hörder Verein und vom Phönix aus alter Zeit eingebracht wurden, seien im Laufe der Jahre noch fortgesetzt durch Zutäufe auf Grund planmäßig betriebener Untersuchungsarbesten vervollstäistiigt und in ihrem inneren Werte durch im großen Um- fang betriebenen� Ausbauarbeiten gesteigert worden. Aus Grund aller dieser Umstände, so versicherte Gebestnrat Beukenberg am Schluß seiner Ausführungen, könne der Phönix jeder Geschäfts- läge in dyrrfui"« gesunder Verfassung begegnen. Selbstverständlich ist diese optimistische Stimme durchaus subjektiv und von den Erwägungen über die besonders günstige Lage der Phönix-A.-G. bestimmt. Aber immerhin verdient die Stimme des Leiters dieses großen Werkes allen Unken ent- gegengehalten zu werden, die an der wirtschaftlichen Zukunft des deutschen Volkes verzweifeln möchten und durch ihren passiven Pessimismus den Keim jeder Schaffcnssreude ersticken. Tie Börse. Bereits am Dienstag haben sich dve ersten Aeichen einer B e- fest i gung auf dem bisher ganz deroubierten Kassamarft« ge- zeigt. Am Miidwoch setzte sich diese Bewegung fort, am Don- nerStag war die Börse im eigentlichen Sinn« des Ausdruckes fest. Die Hausse erstreckte sich gleichmäßig auf Friedens- und Kriegswert«, wurde durch die Antwort des Präsidenten Wilson, die die Fortführung der Friedensverhandlungen erlaubt, und vor allem durch die Notwendigkeit dar Baissespekulation zu Deckungen ge- fördert. Der letztere Umstand erklärt es auch, warum ausgerechnet die Rüstungswerte etwas fester geevordon sind, für die sonst bei sttdem Steigen dcS Feiedensbarometers lebhafte Befür.chtumgen ge- hegt wurden. Als fest seien genannt Bismarckhütt«, Bochumer, Hansa, Böhler, Daimler, auf dem Kassamarkte Gelsenguß, Schwartz- kopff. Deutzer Gasmotoren und Zimmermannwerke. Die Aussichten dieser Haussebewegung auf lange Dauer wer- den nicht überschätzt werden dürfen. Doch bleibt eS von Vor- teil, daß die blinde Panikstimmung überwunden ist. Die englische Regierung als Grostrerderin. „Aklgemcen Handelsblad" meldet«ms London, daß die eng- liscbe Regierung die Absicht habe, drei der größten SchiffahrtSge- sellschaften, nämlich die Cunard-Lime. die P. und O.-Lini« und die Fearncß-Sinie, aufzukaufen. Die Maßregel soll im Zusammen- .bang mit der Demobilifienwig stehen. Der Parlamentskorrespondent des.Daily Expreß" schreibt daß der beabsiätigte Kauf sich auf Schiffe beziehe, die im Dienste der Admiralität stehen, daß der Plan aber später vielleicht auch auf andere Schiff? ausgedehnt werden wird. Tie Demobilisierung wird nämlich von langer Dauer sein, und der Transport wird so gewaltig« Un- kosten verursachen, daß es für die Regierung vorteilhafter sein dürfte, selbst Schiffe zu kaufen. Wäbreud der letzten Tage haben die Vertreter der großen SchisfahrtSgesellsch.rften mit der Regie- rung über dem Ernst der Lage verhandelt, in die die bri- tische Handelsflotte geraten ist, und die Erwünschtbeii von Maßregeln besprochen, um zu verhüten, daß England im Wert- kämpfe um di« Handelsherrschaft zur Seite gedränat werde. Die Reeder wollen wissen, wie sie stehen, ehe st? neue Schiffe bestellen. Es ist sicher, daß di« Lieferung großer Passagier- und anderer Schiff« die ersten zwei Jahr« nicht wird garantiert werden können. Es sind bereits viele bedingt« Kontrakte abgeschloss-en worden. Aber die Reeder warten noch mst ihren Wiederaufbauplänen. Di« Re- gierung sieht den Ernst der Lage ein und wird wahrscheinlich bald nähere Mitteilungen über ihre Politik machen. Die neuen �ahresarbeilsveröienfte lanö- wirtsthaftiicher Arbeiter in Groft-Serlin. Der Bundesrat hat eine Bckanntmachuna über Festsetzung des JahresarbertsverdiensteS in der landwirtschaftlichen Unfall- versichcrumg erlassen. 1 Sie will bäufig vorgebrachten Forderungen begegnen und auch die amtlich festgesetzten FahrcsarbeitSverdienste land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter der Entwertung anpassen. Räch der Venordnrmg vom 30. September 1K1S ist die IknfavremSe der genannten Arbeiter nach einem Jahresverdienst zu berechnen, der um 88 Proz. höher ist als der zuletzt vor dem 1 August 1914 festgesetzte. Ist seitdem ein Jahresarbcitsverdienst festgesetzt wor- den, der den hiernach vorgeschriebenen übersteigt, so bleibt der höhere Jahresarbcitsverdienst für die Rentenberechnung maß- gebend Solche Zwischcufestsetzungcn dürften jedoch nur höchst sel- ten vorgekommen sein. Auf Grund dieser neuen Vorschriften, die den§ 936 Abs. 2 und 3 der Neichsvcrsicherungsocdnung bis auf weiteres außer Kraft setzen gelten vom 39. September 1318 an für den Bezirk des OberversicherungZamts Groß-Berlin u. a. folgende neue Sätze in Mark: Au? dem Landkreis Teltow gelten in den Orten Britz, Dahlem, Friedenau, Grunewald, Lankwitz, Lichterfelde. Mariendorf, Ruh- leben, Schmargendorf, Tempelhof, Trrvtow, Zehlendorf 1235 M. für mänmliche und 858 M. kür weibliche erwachsene Arbeiter, 1179 M. für männliche und 819 M. für weiblich« Arbeiter zwischen 16 und 21 Jahren unb 663 M. für männliche und 585 M. für weibliche jugendliche Lenie unter 16 Jahren. In einer Reihe weiterer Orte, wie Mitienwald«, Teltow, Teupitz Trebbin, Zossen, Adlershof, Aliglienicke, Babels- herg, Buckow, Düppel. Eichwald«, Großbceren, Grünau, Jobannistal. KZnigswu'terbausen, Marienselde. Niederscbönewcide. Nikolase«, Nowawcs, Osdorf, Rudow, Schmöckwitz, Stahnsdorf, Wannfee, Zeuthen gilt für erwachsene männliche Arbeiter der Satz von 1131 M., ftür'weibliche von 789 M.. kür männliche Arbeiter von 16 bis 21 Jabren 936 M., für weiblich« von 685 M., für männ. liche junge Leute unter 16 Jahren von 546 M., für weiblich« von 468 M. Für die übrigen Orte de? Landkreises Tel'«*' gelten in der obigen Anordnung 975, 624, 789, 468. 390, 312 M. Für die hauptsächlichsten Orte des Landkreises Niederbarnim gelten die Sätze von 1299, 702, 897, 636. 685, 468 M. Ter erste Bl.ck zeigt schon, baß diese Sätze, die den gesam- ten Arbeitsverdienst der betreffenden Leute darstellen sollen, noch höchst unzulänglich sind. Sind die Landarbeiterlöhne wirklich nicht höher, dann ist die Landflucht nicht zu»ertr-underm Indes ist an- zunehmen, daß die Sätze den tatsächlichen Verhältnissen nicht entsprechen. Sie bilden trotz her neuesten Erhöhung noch eine sch wer? Benachteiligung der Betroffenen in der Unfall- Versicherung, Wird z, B, eine erwachsen« Arbeiterin im Kreise Niederbarn m durch BelriebSnnhall gänzlich arbeitsur-tähig, so erhält sie lzwei Tritt«! von 702 M.=) 468 M. jährlich als Voll- rente. Der Fall wird aber selten eintreten, denn meist wird selbit bei den schwersten Verletzungen nur teilweise Enoerbs- Unfähigkeit angenommen. Der Vorlust eines Ange?, der nur mit 25 Proz bewertet wird, bringt nur etwa 117 M. jährlich. Soziales. Grnoffcnschaftsbcwkgtlng des Auslandes. Ein eigenartiger und beachtenswerter Gedanke aelangt aegen- wärtig durch die schweizerischen Konsumgeirossenschaften zur Gurch- führung. Gleichwie in Deutschland, hat auch in der Selxveiz die wachsend« Lebensmittelknappheit zur Förderung möglichst auZgc- dehnter Selbstversorgung des Haushalts, vor allem durch Selbst- anbau von Kartoffeln und Gemüse, durch die städtisch« Bevölkerung veranlaßt. Die Aufforderung, daß jeder selbst Spaten und Harle führen soll«, ist in großem Umfange befolgt worden. Gleichivohl genügt der Erfolg noch nicht. Der»Schweiz. Konsumverein" meint: .Um di« größtmöglichen Produkt ionsersolg« zu erzielen, mußten zum Teil etwas andere Wege eingeschlagen werden als bisher geschehen ist. So wohltätig und wichtig auch für unser« Ernährung die Pflanz- landbewegung ist. so glauben wir doch, daß daneben nur eine kol- lektive Bearbeitung de? Dod nS in großen Flächen mit allen tech- nischen Hilfsmitteln den Höchstertrag dem Boden trwrd abringen können. Es lteqen über die kollektive Bewirtschaftung auch der. it» einige Erfahrungen vor, die für die Zukunft gut« Erfolge ver- sprechen. Der Verband schlveizerischer Konsumvereine hat auf dem Gebiete der Stadt Basel einen Landkomplcx gepachtet und, in Par- zcllcn geteilt, an Angestellte abgegeben. Da aber dies« Parzellen sehr beschränkt sind und nur einen Keinen Teil des Bedarfs an Gemüse und Kartoffeln zu liefern vermögen, wurde später durch daS Personal des Verbandes eine einfache Gesellschaft zur Kartoffel- Produktion gegründet. Ein Landkomvler in KerzerS tKanton Frei- bürg) wurde in Packt genommen, und es wurden unter der Aussicht der Abteilung für Landwirtschaft darauf der Anbau, die Pflege und die Ernte der Kartoffeln durchgeführt. Ans jeden Geselllchafler entfällt der Ertrag von 2 Ar. Der Erfolg hat ein« Erweiterung des Projekt» nahegelegt, die nunmehr in dem Plan« der Grün- dunq einer allgemeincn schweizerischen Genossenschaft zutage tritt, deren Zweck nach dem Swtutenentwurs in der Förderring des An- lxnies von Gemüsen aller Art und ihrer Abgabe an di« Miiglieder untvr möglichst günstigen Bedingungen besteht. Dieser Zweck soll zu erreichen gesucht werden durch selbständigen direkten Anbau und durch Abschluß von Anbguverträgen. Mitglied der Genossenschast soll jedermann werden können, der ihr« Zwecke zu fördern bereit ist, insonderheit Einzclverionen, dann aber auch Gesellschaften und Anstalten, Die Mitglieder verpslichten sich vor allem auch.� bei den notwendigen Kulturarbeiten, soweit erforderlich und zweckmäßig, mitzuarbeiten." E? wird dabei nach Ansicht deS Blatte? nicht nur eine ProdtcktionSsteigerung unter Vermeidung jeglicher Kräftever- schleuderung stattnuden, sondern auch der verteuernbc Zwischenhandel völlig ausgeschaltet, vor allem werden aber die„Landlosen" dcS Vorteils der Selbswer, orger trilbaftig. und ein besseres Per- ständnis zwischen Stadt und Land greift Platz. ?Zus alier Welt. Tie(Örippe in Frankreich. Genf. sPrivattelegranim deS„Vorwärts".! Nicht weniger als 30 Prozent des L o k o m o t i v p e r s o n a l S sind an der Grippe erkrankt. Tie französische Negierung hat da- her eine zehntägige Einstellung des Expreß- Verkehrs verfügt._ TSeftf ronSftrtiten'ftr!>a« mnttrrf Warrventttfilonv Mt Sonnabend mitian. Bicllmb nebellg oder wolkig, ohne erhebliche Niederschläge in den MiilagsiUmden ziemlich mild Seranlnjortlid) fftr Volitik Erwi ffattittt, Berlin; für den ßdrtgtn Teil de* JtotlcJ Alfred Cctioli, Neuwlln. für Nnzclgen Theodor Mio««, porlin, Verlag: Vorwärts Verlag m, m b Verlin, Track Varn>ärl--.Vu