Ztr. 296. 33. Jahrg. Bezugspreis: SterieltähtxMV M!. monatl. l.FVMI, frei ins öauS. voraus, ahlbar.Sinzeln« Nummern 10 P!enmg. Poklbe>>ug: Monalttch. vom PoU?ÄaIl«r abzuholen IM Mk. vom Brjellräger ms Haus ge< bracht>.S» MI � linier Kreuzband iür Deuicchcard und OeircrreiÄ- Ungarn Ml, für daS übrige ausländ 6,50 mon«!rch Scrland ins Feld beiMrecier Seltelluno monall 2— MI. Boitbelle�nngen nehmen an?Sne- mar!, üo:»,c Luremburg, Schroeden und die Ja>wet». Erngelraaen in dt» üviMeitunaS-LmöMi«, EriSeini täglich. IelegraW,n.«dreffv .Eozialdemokrat Berlin", Vevlinev Volksblatk. (_10 Pfennig) Anzeigenpreis: DleliebengeipalteneKolonclzeilekoNct 80 Pfg,„kleine Anzelgen", das fettgedrnilte L-ori 30 Pfg. lzuISIstg 2 setlgedruclle WorteZ, icdes weiter« Kort 16 Psg, Elellengeiuchc und kchlalltellenanzeigen das eriie Wort 20 Big,, iedeS weitere Wort>0 Psg. Worte über 16 Buchitaben zählen iür zwei Worte Teuerungszuschiag 30«/» FamiUen-Anzergen. votitlichc und gewerlschartliche Lereins- Anzeigen 70 Big die Aerle, Anzeigen iür die nSchits Nummer münen bis ä Uhr nachmittags im Hauvtgeschäst Bertin EW,6S, Lindenstrahe 3, abregeben werden. Geöiinet von«yitir früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der roztaldcmokratifcben Partei Dcutfchlanda. Redaktion: EW. 68, iünüenstraße 3. »ern'S're rfier; Amt MoetAvta«. 9tt. 151 90— 151 97. Expedition: EW. 68, Änöenstraße 3. ihernivrecher: Amt Morttzylav, Ar. 151 9V— 151 97. Oer Kejch5tag5bescvlu55 für Demokratie. General Cudendorffs Hblchied genehmigt. Ter Reichstag hat gester« iu dritter Lesung Sie freiheitliche Aendcrung der Reichs» Verfassung, entsprechend dem gestern hier wieder- gegebenen Mehrhcitsantrag, beschlossen. General L u d c n d o r f s hat seinen Abschied eingereicht, der bewilligt worden ist. Von allen Beschlüssen, die vorn Deutschen Reichstag zur freiheitl i6>en Ausgestaltung unserer Verfassung gefaßt worden sind, ist der gestrige zweifellos der an: t i e f st e n einschnei- dende. Durch das Grundgesetz des Reiches ist jetzt aus- gebrochen, daß kein Reichskanzler im Amte bleiben kann, der nicht das Vertrauen des Reichstags besitzt, dieser hat es somit in der Hand, jeden ihm nicht mehr vertrauenswürdigen Kauz- ler zu beseitigen und ihn durch einen Mann seines Vertrauens zu ersetzen. Der Kanzler trägt die Verantwortung für alle Handlungen von politischer Bedeutung, die der K a i s e r vor- nimmt. Die Ernennung und Verabschiedung von Offizieren jeden Grades, vom Leutnant bis zum Feld Marschalls kann künstig nur unter Verantwortung der parlamentarischen Re- gierung erfolgen, in deren Hand somit die volle politische Macht übergeht. Daß weder Kriegserklärungen erlassen noch Friedensverträge geschlossen werden können ohne die Zustim» ntung des Reichstags, ist nur eine selbstverständliche' Folge dieser grundstürzenden Aenöerung. An dem Tage, an dem dieser Beschluß gefaßt wurde, trug der Heeresbericht nicht mehr die Unterschrift des General- auartiermeisters. sondern war vom„Chef des Generalstabs des Feldheers" unterzeichnet. Das bedeutet, daß Luden- dorsf geht und Hin dem bürg bleibt. Aus dem Persönlichen ins Sachliche übersetzt, es bedeutet die Eutpoliti» sierung des Militärs. Ludeudorff war der Typ des politischen Generals, Hindenburg ist es nicht, will es in Zukunft nicht fein. Wenn sein Rame vielfach zu Dingen mißbraucht wurde, die nicht mehr zur Sphäre des rein Militärischen gehören, so lag das vor allem an seinem bisherigen ersten Ratgeber, der nicht nur ein Soldat, sondern auch ein heißblütiger, all- deutsch-konservativer Politiker war. Fortab sollen aber die Soldaten nichts als Soldaten sein, und die Politik wird aus- schließlich von der veran�wortlsthen Regierung geführt. Man begreift, daß de-- konservative Redner des gestrigen Tages in die Worte ausbrach, der Antrag der Mehrheit he- deute den Umsturz alles dessen, was seiner Partei das Heiligste gewewn sei, und daß in der konservativen Press? derselbe Ton angelchlagen wird. Ja, es ist aus, wirklich mis init der kon- seroativen Parteiherrschaft, die im Namen der starken Man- archi? ausgeübt worden ist, nichts wird bleiben von dem Glanz und Flitter, das alles liegt auf den flgndrischen Schlgchtfeldern begraben, und das Volk könnte glücklich sein, wenn dort nichts begraben läge als diesl Aber es ist zuzugeben, daß der Beschluß des Reichstags nicht nur die varteiegoistischcn Ziele der Konservativen, son- den: auch die Empfindungen mancher Volkskreise schmerzlich trifft. Denn er spricht aus, daß die Geschichte einer D y n a st i e im wesentlichen zu Ende gegangen, ist und daß die Geschickte des d? u t s ch e n P o l k s sta.a t e s beginnt. Jene Kreise werden lernen müssen, sich. it der u n w i d e r- r n f I i ch e n Entscheidung der Geschichte abzufinden. Für die Masse des deutstben Volkes aber bedeutet der Beschluß keine Er- niedrigunq sondern eine Erhöhung. Man erkennt die ganze Perversität des konservativen Denkens daran, daß es ihm Schmach und Schande ist, wenn d a s V o l k die Leitung seiner Geschicke selbst in die Hand nimmt. Was gekommen ist, inußte kommen, auch wenn Deutsch- land gesiegt hätte! Denn die deutsche Sozialdeniokratie war entschlossen, den Sieg Teutschlands nicht zu einem Sieg deS al. n Systems werden zu lassen, jeder sozialdemokratische Arbeiter hätte dann mit seinem Leben dafür einstehen müssen, daß solcher Mißbrauch unmöglich wurde. Konnten die Massen aus den: Felde heimkehren, um sich knechten zu lassen? Die ungünstige Wendung des Krigees. hat uns vielleicht wenigstens die allerschwersten inneren Kämpfe erspart! Wir wenden die praktische Lebensweisheit der Engländer an. la malce tbe beizt ok it, das beste daraus zu machen, in- dem wir aus der trüben auswärtigen Lage zunächst einmal die notwendigen Folgerungen im Innern ziehen. Dadurch beweisen wir der Welt, daß Deutschland kein Korea ist. kein Staat. der im llnglück die Kraft der Weiterbildung verloren hat, daß man mit ihm auck' in Zukunft als einen lebenskräftigen Faktor europäischer Volksgeschichte rechnen muß. Das ist ein großer Gewinn kür die Friedensverhandlungen und für unser? aanze kiinstiae Stellung in der Welt. Während die Konservativen über den Umsturz des Heilig- sten klagen, finden andere, es sei noch so gut wie nichts geschehen. Damit wird, mit einer gewissen rednerischen Uebertreibung, ans- gesprochen, daß noch sehr viel zu tun ist, und das ist auch Kämpfe bei Teinze und zwischen Scheide nnd Lys— Sch"ere Verluste belg scher Bevölkerung— Zwischen Scheide nnd Oise französischer Angriff 60 Kilometer Front — Villers le Scc vom Feinde beseht— Starke Panzergeschwader westlich der Äisne zer- schössen— Einbruchftelle nordwestlich Herpy. Berlin. 2G. Oktober 1918, abends. Amtlich. In Flandern ruhiger Tag. Teilkämpfe zwischen Scheide und Oiie. Von der Oise bis zur Aisne hat der Franzose seine Angriffe fortgesetzt. Süd- 1 i ch der Oise wurden sie nach anfänglichem Geländegewinn znm Stehen gebracht, an der übrigen breiten Ängriffsfront sind sie gescheitert. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 25. Ob tober 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. Ein gewaltiges dank der glänzenden Tapferkeit unserer Truppen erfolgrei�cZ Ningcu an vielen Teilen der Front. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In der L q s- N i e b e r u n g südwestlich von Deinze nnd zwischen der Lys und der Scheide brach der Feind nach heftigem Feuer zu starken Angriffen vor. Vom Nordflügcl des Angriffs bis zu der von K o r t r i k auf Oudenaarde führenden Bahn wiesen wir ihn vor unseren Linien ab. Hierbei haben sich das 6. Gardc-Jnfanterie- Regiment unter seinem Kommandeur, Alajor Nadolnh, an der Lys, die 19. fiichfische Jnfanteric-Division am Spitnals Bos- scheu und das hrfsische Jnfanteric-Negiment Nr. 118 unter seinem Kommandeur, Major von Weyrauch, an der Scheide be- sonders erfolgreich Beschlagen. Nördlich der Scheide brachten wir den Feind nach anfänglichem geringen Gelände- gewinn sehr bald znm Stehen; die ngue Linie zwischen Jngooigcm und A v c l g c m wurde gehen wiederholte An- stürme am Nachmittage behauptet. Auf dem Kampfseldc hielt die feindliche Artillerie tagsüber die hinter der Front liegenden vom Kriege bisher unbcrührt gebliebenen Ort- schaften unter Feuer. Zum großen Teil wurden sie hier- durch z e r st ö rt. Die belgische Bevölkerung lwt schwere Ber- luste an Toten und Verwundeten erlitten. Zwischen der Scheide und Oise beschränkte sich der Engländer gestern ans heftige Tcilangriffct südlich von Famars loarfen wir den Feind durch umfassend angesetzten Gegenangriff in seine Allsgangsstellung zurück; südwestlich von Le QueSnoy und nordwestlich von LandrecirS scheiterten seine Angriffe vor unsere» Linien. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen der Oise und AiSne großer einheitlicher An- griff der Franzosen auf mehr als 99 Kilometer breiter Front. Seinen Hauptstoß richrctc er gegen unsere Linie zwischen der Oise und Scrre, sowie zwischen Sifsonnc nnddcr Aisne. Den Serrc- und Souchr-Abschnitt suchte er unter Aussparung der von Natur aus starken Gelündeabschnitte zu gewinnen. Die am frühen Morgen zwischen Oise und Scrre vorbrcchcnden Angriffe scheiterten vor unseren Linien. Am Nachmittage faßte der Feind in Villers l c See und auf der Höhe östlich des Ortes Fuß, An der übrigen Front wurde er auch am Nachmittage abgewiesen und erlitt in unserem Feuer schwere Verluste. Am Serre- und Eon che- Ab schnitt konnte der Feind nur bei M o r t i e r s und F r o i d m o n t. bei Bestes und Piecrcpont unsere Linien erreichen. Truppen des Generals Frhrn. v. Lütlwitz nahmen in cinheit- lichcm Gegenangrisf zwischen VeSles und Pierrepont ihre alte Stellung wieder. An der übrigen Front hat unser Feuer den Feind am Ucbcrschreitcn der Abschnitte verhindert. W e st l i ch der Aisne waren die Angriffe des Gegners von starke» Panzerwagengcschwadrrn begleitet. Sie sind ö st l ich von S i s s o n n e und beiderseits von La S c l v c- hier trotz siebenmaligen Ansturms— völlig gescheitert. Besonl j starke Kräfte setzte der Gegner zwischen R iz y l c E o m- e er AiSne an. Vor der westlich von Banvgn- i,. 4. Gardr-Jnfanterie-Division liegen allein'>'>>!srn« Panzerwagen. Gefreiter Neuschkicl der 9. Bim fU 6. 9'orbe- Fcldartillcrch-NegimcntS hat hiervon 8 Panzerwagen, Unter- offizirr Brockmann derselben Batterie 19 Panzerwagen vcr- nichtet. Ans den Höhen westlich der Aisne drang der Feind in unsere Stellung ein, um deren Besitz tagsüber schwer gekämpft wurde. Trotz hohen Kräftceinsatzcs konnte der Feind hier von seiner Einbruchs st elle am Sachsenwaldc lnordwest- lich von Herph) keinerlei Vorteile mehr erziele». Rur Teile unserer vorderen Linien bleiben in seiner Hand. Teilkämpfc in der A i s n c- R i e d e r« n g südwelstich von A m a g n e. Der Feind, der bei A m b l y vorübergehend«uf das nördliche Aisnc-Nfer vorstieß» wurde im Gegenstoß wieder über den Fluß zurückgeworfen. Oestlich der Aisne lebte der Ar- tillcrickamps nur vorübergehend auf. Teilanzriffe des Gegners drückten unsere Posten auf den Nordrand der Höhe nördlich von Grandpr« zurück, im übrigen wurden sie abgewiesen. Heeresgruppe Gallwitz. Beiderseits der Maas blieb die Gcfcchtstätigkcit ans Störungsfeucr und kleinere Jnsnnterirgcscchte beschränkt. Ans östlichem Fliißnfcr säuberten sächsisch? Kompagnien ein aus den letzten Kämpfen zurückgebliebenes Amerikanernest. Heeresgruppe Herzog Albrccht. Südlich der Celle machten wir bei erfolgreicher Unter- nehmung Gefangene. Der Chef des GcneralstabS deS Feldheeres. zweifellos richtig. Der Parlamentarisierung des Reichs muß die Parlamentarisierung Preußens, der Demo- kratisierung Preußens die der andern Bundesstaaten folgen. Vor allem, die an den Spitzen vollzogene Asnderung muß mit eiserner Kraft nach unten hin durchgreifen, von lächerlichen Polizeischikanen und kleinlichen Zensurverboten darf nicht mehr die Rede sein, in allen Zeitungsspalten, in allen Versammlungen von Memel bis Konstanz und von Aachen bis Bevthen muß man merken, daß Deutschland ein freies Land geworden ist. Wenn wir den Mut haben, ein freies Land zu sein, so haben wir von der Verwirrung, der kleinere Kreise verfallen sind, nichts mehr zu fürchten. Wir werden gegen Putschver- suche von reckts nnd Überlinks vollkommen gewapvnet sein, sowohl gegen die Allerältesten, die von vergangener Tage Herr- lichkeiten träumen, als auch gegen die Allerjüngsten, die ihre be- sonderen Heilsrezepte haben und die etwas, was sie für Sozia- lismus halten, dem demokratischen Volk wie einen Sack über den Kopf werfen wollen. Diesen Drängern wollen wir sagen: Wartet doch nur noch einige Monate, bis zu den ersten allgemeinen Friedens- w a b l e n, dann wird da s Volk selbst aussprechen, nach welchen Grundsätzen es regiert zu werden wünscht. Wenn sich das Volk dann für den Sozialismus ausspricht— und wir wollen alle Gründe der Ueberzengung dafür geltend machen, daß es das so radikal und eindeutig wie möglich tut— dann wird Teutschland sozialistisch werden. Wollt Ihr auf diesem Wege zum Sozialismus gelangen, so sind wir m i t Euck. Wollt Ihr aber das deutsche' Volk durch Prügel, d. b. durch Diktatur und gewaltsame Unterdrückung fremder Meinung zum Sozialismus erziehen, so sind wir gegen Euch denn wir wissen, daß nicktS Gute? daraus für den Sozialismus kommen kann, wenn die Arbeiter nach Junker manier regieren wollen. Freiheit und Frieden haben wir auf unser Banner geschrieben. Die Freiheit wird auch den Frieden bringen, jeden- falls immer noch einen besseren Frieden als ihn ein autokrati- sches Deutschland bekommen hätte. Die Erde ist von Blut satt, Opfer sind genug gefallen, und das Beispiel des unglücklichen Rußland kann keinen Verständigen locken. Wir widersetzen uns dem Wahnsinn von rechts und Überlinks, der dem Bolle zuschreit:„Ihr habt noch nicht genug geblutet, Ihr habt noch nicht genug gehungert,' nur weiter, hinter diesem Meer des Elends liegt Eure Insel des Glücks!" Nein, es ist genug! Wir wollen jetzt daran denken, daß unsere Kinder wieder rote Backen bekonimcn und zu einen: freien Geschlecht aufwachsen, das sich von keiner Willkür blind ins Verderben treiben läßt. die öeutsche Antwort an Wilson. Die Autwort der deutschen Regierung an Wilson ist gestern fertiggestellt und abgeschickt worden Sie ist, wie wir hören, sehr kurz" und dürfte den Zweck hallen, den angesponnenen Faden der Verhandlungen weiter zu spinnen Die Entschließung liegt zunächst bei den Gegnern, an denen eS liegt, sich über die Be- dingungen eines Wassenstillstandes schlüssig zu machen. Tie Veröffentlichung der Note dürfte Montag früh in der deutschen Presse erfolgen. Vorbereitungen zur internationalen sozialistischen Konferenz. Branting an Troelstra. StockhoIMj2K. Oktober. In dem Blatt„Sozialdemo- kratcn" teilt Branting mit, daß er an Troelstra telegraphiert habe, ob nicht unmittelbare Vorbereitunaev getroffen werden könnten, eine internationale sozialistische Konferenz jetzt einzuberufen. Es sei Zeit, das, die Arbeiter- schaff hervortrete und ihr schwerwiegendes Wort für einen Friede« des Rechts und der Demokratie in die Wagschalk lege. Die Pariser Beratungen über den Waffenstillstand. Washington, 2L. Oktober. lRcutcr.) Oberst H o n s e, der persönliche»ertreter des Präsidenten Wilson, nnd Admiral B e u s o n, der Chef der Secstreitkräste, welche in Paris angekommen sind, werde» die Vereinigten Staate» bei der Peschlußsassung über das deutsche Gesuch um WaffenstiUsland und die Einleitung von Friedens- Verhandlungen vertreten. Wieder und wieder betont die englische Preise, dasi Wilsons letzte Antwort zugleich die Antwort Englands sei..Tmies" - schreibt:.Wilsons letzte? Wort sollte die Korreivondenz mit dein Feind schliefen. Di« Note gibt die enge llebereinstiinmung der englischen und mneriknnischen Ansichten zu erkennen'. Da? Norlhf cliffe-Vlatt sogt dann:.Es ist befriedigend, zu wissen, dah Ha ig und Admiral E e a t t.y mit den Flotten- und Heercsstäben in London konferierten und das; O b e r st H o u s e in Frankreich ankam, wo Fach in naher Fühlung mit den amerikanischen und alliierten Heerführern ist. Die Frage des Waffenstillstandes betrifft vor allem die Lage zur See, welche für das englische Volk die erste Bedingung zur Sicherheit ist. während sie für die Amerikaner die Grundlage ihrer wirksamen Intervention im Kriege ist. Zur Stiinniung der englischen KriegSverlängerer teilt der .Nieuwe Rotterdamsche Courant' mit, der Sekretär des unionisti- scheu Kriegekomitees des Unterhauses, Tcrrcll, ein Mann der äuyerstcn Richtung, erklärte, das; Wilson? Note besser gewesen wäre, wenn sie nur anS dem letzten Teil bestanden hätte und nur von den»iiliiärischen Beherrschern Deutschlands die bedingungslose Uebcrgabe verlangt hätte. In einigen Kreisen würden die lt Punkte Wilsons noch immer mit ziemlichem Mißtraurn betrachtet werden und eS sei die gemähigte Partei, die immer von der Regierung verlange, daß sie ihr vollständiges Einverständnis damit be- kaiint gäbe. Wie Wilsons Note in England von den Unionisten bis zn LanShowne und Henderson keinen Widerspruch, wenn auch vcr- schieden abgetönte Zustimmung auslöst, so hat sie auch in Frank« reich den ansgebreitetsten Beifall. Hava? meldet am Freitag:.Die Folgerichtigkeit und Entschlossenheit und der Ton der Antwort Wilsons an Deutschland wird in der Kammer einstimmig gebilligt. Es handelt sich keineswegs für die hllliicrten darum — und sie nehmen nicht an der Ausarbeitung des Frieden?« ' Programms Wilson? und an dem Notenwechsel mit Deutsch- land teil— die FricdenSbcdinginigrn zu erörtern, sondern darum, die Sicherheiten für einen Waffenstillstand fest- zustellen; dir Aufgabe ist also im wesentlichen mili- tärischer Art. F o ck> nnd die anderen Armecführcr der Alliierten haben allein die Fähigkeit, dieser Aufgabe zu lösen, und sia werden diese Ausgab« mit der Klugheit und Strenge, welche Willon selbst empfiehlt, nachkommen. Nach der Feststellung ihrer Bedingungen werden die alliierten Regierungen in Europa sie in Washington in Kenntnis bringen. Mehr als jemals gebührt in dieser Stunde, wo wir anfangen unseren Tieg zu velwilklicheu. nach dem eigenen Willen Deutschlands da? Wort den mililärlschen und maritimen Führern unserer Allianz.' Wie aus Bern gemeldet nrnd. nimmt die Longuetsche.Po- pnlaire' wiederum in entschiedener Weise gegen die Krieg?« �' Partei Stellung, die durch die Mittel, über die sie per« füge, mächtig sei. Sie habe nahezu die ganze Presse in der Hand, durch weiche sie die Leffeiuliibkeil in dem vvn '- o;wii»schtcn Siitne..bearbeite. Das Pol! müsse wieder �nündig werden. Die Pflicht der netten Sozialistenmehrheit st!, jetzt schon Worte in dieser Richtung zu sprechen, die Handlungen gleichkämen. Wenn sie zögere und der Flut der Ärignifie nicht zuvorkomme, so würde sie noch schtverere Verantwortlichkeit auf sich laden als die frühere Mehrheit. Frankreich müsse eine andere Sprache hören als die derer, die den Krieg verlängern wollen, weil sie daran? Gewinn ziehen. „Populaire' schreibt: Der beste Beweis des neuen Zu- stank's m Deutschland wurde unß heute durch die Nachricht der Freilassung Liebknechts gebracht. Ein langer Freuden- schrei in der ganzen Sozialistcnwelt wird die Befreiung Liebknechts Kezriißcn. * Genf, 2ß. Oktober.(Gig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Delegierten der sozialistischen Partei berieten mit der Konföderation der Gewerkschaften über daS geplante gemeinsame Manifest und wohnten nlsdann einer Beratung der Konföderation init der Liga der Menschenrechte und dee au? proletarischen und radikalen Elementen konstituierten„G o a l i t i o n R c p u b li r a i n e" bei. DaS Ergebnis der Beratung ist noch unbekannt, aber die Tatsache der gemeinsamen Beratung weist darauf hin, daß die mehr rechts stcbende Leitung der Konföderation bestrebt ist, sich mit den demo- kratischcn Linksgruppcn ziisammcnzuschlirsten gegen die Chauvinisten und eine inner« Aktion aufzurichten. Sozialistische Krieöensforöerungen in der italienischen Kammer. Genf, 23. Oktober.(Eig/ Drahtboricht des„Vorwärts".) In der italienischen Kammer brachte die sozialistische Fraktion einen Beschlustantrag ein, der erklärt, dast die Friedens« nnterhandlnngen vom UnterdrnckungS- und Ver- g e l tu n g S g e i st sowie vdn maskierte m Jmperia- liSinus freibleibcri müssen. DaS Recht der Selbst- bestimmung must durch möglichste Verbindung der Staaten zum Zweck einer vernünftig"» Weltarbeits- t e i l u n g ergänzt und gemästigt werden. Dig Zollschranken sind zi« beseitigen, Abrüstung, Schiedsgerichte, die Umwand« ■ Inng der K o l o n i o n in gemeinsames Mensch- h e i t L e i g c n t u m ist dnrchznführen. Die künftige Gesell- schast must ans dem souveränen Recht der Arbeit be- gründet sein, welche in allen Staaten den gleichen gesetzlichen Schutz genicsten soll. Die Kammer fordert die sofortige Her- stellung der bürgerlichen Freiheit durch eine A m n e st i e und das Recht des Proletariats aller Länder, sich national und international zu versanimcln. Keine Herausgabe der deutschen Kolonien? Balfour hat dieser. Ta�in einer Nlkde erklärt, daß die deutschen Kolonien keinesfalls von England heransgegben wzirden. Dazu schreibt der.„P o p u- laire": Diese Behauptung Balfours sei von allen Gesichts- punkten aus ernst, besonders im jetzigen Augenblick. Zweifel- los wolle Balsour'den Vertretern der englischen Dominions ein Pfand geben nnd befürchte, die großen anglosachsischen Gemein- schasten unzufrieden zn machen. Das Problem, miissq jedoch unter anderen Gesichtspunkten betrachtet werden. Der Im- perialismus müsse in jedem Lande, in welchem er auftauche, mit welchem Argument er sich auch brüsten möge, b e kä m P f t werden, Wilson an das amentamsche Volk. Amsterdam, 2C. Oktober. Aus Washingtvn wird gemeldet! Wilson hat einen Aufruf an daS Volk gerichtet, bei den Wahlen im November wieder einen demokratischen Kongreß zu wählen, wenn es seine Leitung in diesen kriti» schen Zeitläuften billige. Wilson erklärt in seinem Wahlaufruf, daß die ungeteilte Unterstützung der Regierung durch die Nation anläßlich der heutigen Schwierigkeiten»otweniig sei. Führer der Minderheit versuchten, ihm die Le-tung der Politik und Kriegführung aus den Händen zu nehmen. Eine republika- nische Mehrheit in einem der beiden Parlamente wurde aber im Auslande als Ablehnung seiner Politik angesehen werden. Wilson betonte, daß die heutige Konjunktur seinen Aufruf rechtfertige, da es gebieterische Notwendigkeit sei. daß die Einheit der Leitung Amerikas der ganzen Welt deutlich gemacht würde. D!e neuen Mnisterien in Gesterreich und in Ungarn. Lammasch österreichischer Ministerpräsident.— Ein „ungarischer Nationalrar". Freiherr von H u ssa re k bat dem in Budapest weilenden Kaiser seine Demission überreicht, mit der Bildung eines neuen österreichischen Ministeriums ist der bekannte Völkerrechtslehrer nnd Pazifist L a m m a s ch betraut worden. Folgende Tele- gramine unseres Wiener Korrespondenten geben Aufschluß über den akuten Ausbruch nnd die Stadien der schon lange schleichenden österreichischen Minijterkrise. Wir», 24. Lkiober.(Eig. Drahibericht des.Vorwärts".) Das Ministerium Hussarel ist zurückgetreten. Prof. Lumina ich soll be- rcits mit den Parteien verhandeln. Selbstverständlich handelt es sich nur um ein II c b c r g a n g s m i n i st c r i u in, das den Ucber. gang der Verwaltung au die Nationen durchführen soll, Wie», A>. Oktober.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Das Ministerium Lammasch ist noch nicht gebildet, aber seine Umrisse sind bereits bekannt. Cr-s soll da? Ansehen Oesterreichis»ach außen wieder herstellen und Verstauen zur Friedensliebe und den Willen der Umgestaltckng wecken. Es soll ein Professorenministerium sein, das nicht nur im Auslände, sondern auch im Jnlande Ansehen hat. Seinen Miigliedern soll keine unter heutigen Umständen kom- promütierende Vergangenheit nachgewocsen werden können, damit auch Tschechen und Südslawen dem Ministerium lrwhl- lvollend gegenüberstehen, wenn sie auch nicht eintreten und es nicht aktiv unterstützen. Von Professoren, die ihm beitreten, sind außer Lammasch, auf dessen Ansehen als Pazifist, als Mitglied der Haagex Konferenzen und als Völkerrecht sichrer die ganze Kombi- nation ausgebaut ist, noch zu nennen: der Theolog« Seipel, der ein ausgeZvichneleS Buch über nationale Demokratie geschrieben hat, dann Professor S ch l u m p e te r, der an der Grazer Universi- tät Volkswirtschaslslebre liest und als AuSiauschprofessor in Amerika weilte, schließlich der rühmlich bekannte Staats- und Berwaltungs- rechtler Profeffor?ll>g Redlich und der Wiener Anatom Tand- l e r. Lauter berühmte Namen, zum Teil modernster Prägung, zum Teil wie Seipel und Lammäsch gläubige Katholiken, ja ausge- sprochene Klerikale. Diese Ministerliste ist übrigens noch nicht desiiiitiv. Die Tendenz zum Professovenministeriüm ist aber sicher. lich vorhanden. Wie», 25. Oktober.(Eig. Drahtbrricht deS„Vorwärts".) Prof. Lowmnkch wird vermutlich- olle bisherigen Minister in sein neues Kabinett aufnehmen. Das Hauptgewicht wird auf die Wir- kung seines guten Namens nach(lusten gelegt. Ter deutsche Nationalrat hat bereits den Text seiner Note an Wilson festgestellt und die Vorzensur aufgehoben.. ES wird die Schaffung einer deutsch-öster- reichischen Nationalgarde besprochen und. bereits ins Werk gesetzt. Die Wiener Sozialdemokraten bilden mit den Wiener Radikaldenwkraten einen„Demokratischen Rat" zur Sicherung der Ernährung und zur Ausrechterlxiltung der Ruhe. Weniger leicht als in Oesterreich ist die Lösung d e r Ministerkrise in Ungarn. Die Berufung Andrassys zum gemeinsamen Minister des Aeustern wird von den stürmisch vorwärtsdrängenden demokratischen Elementen als ein Rück- schlag in alte Regiornngsmethoden empfunden. In Budapest hat sich ein„Ungarischer N a t i o n a l r a t" gebildet, der das Zentralorgan einer Bewegung zur Rettung und zur Reorganisierung Ungarns sein will. Der Ungarische Nationalrat stellt ein Programm von 12 Punkten auf, unter denen die wichtigsten sind: Diesem nunmehr zanz auSfiihtSlosen Krieg muh sofort ein Ende gemacht werden. Beim abzuschließenden Frieden«der Waffenstillstand darf nur das Interesse Ungarns allein beobachtet werden unter Auflösung des Bündnisses mit Deutsch- land. Man muß für die»pchtungarischen Völker auf der Grundlage der VLilsonschen Prinzipien das Selbstbrstimmungsrecht der Völker unverzüglich sicherstellen, in drd Hoffnung, daß diese Prin- zipien die territoriale Integrität Ungarn» nicht bedrohen, fondern ans ein r breitere Grund, läge stellen. Die Autonomie auf dem kiiltnrellen und dem Verwaltung'?gebict der Nationalitäten muß möglichst breit auSgr- baut werden. Das Land soll sich zu einem Bunde der Völker von gleichen Rechten ausgestalten, dir durch gemcinschnstliche nnd wirtschaftliche Jnterefien und durch die geographische Lage, nicht aber durch die Nationalitäten zusamengebnnden find. AlS Zeichen dieser Erkenntnis erwarten wir, daß alle Völker des Landes ihr Schicksal gemeinsam weiterlenken. Die Anrrkeiiliung der ne» errichteten ukrainischen, polnischen, tschechischen und östcrrrich deutschen Nationalstaaten. Die Bercii- Willigkeit muß kundgctan werden, mit ihnen möglichst innige politische und wirtschastliche Bündnisse nbzuschlie- ßcn in der Ucberzengnng, daß auch diese Staaten nicht minder gc- rechte Interessen respektieren werden. Zu den allgemeinen Friedenskonferenzen müßten in Vertretung Ungarns Männer entsandt werde», die ohne Borbe- halt Anhänger der Abrüstung, der obligatorischen Schiedsgerichte und de« Völkerbundes sind. Die Friedensverträge von Brest- L i t» w s k und Bukarest find zu vernichten. In der Frage des Krieges oder des Friedens muß die Volksvertretung entscheide». Graf Karolyi hat dein König am Freitag mitgeteilt, daß der Nationalrat über das SchnHal des Landes allein bestimmen wolle. Damit ist ein Anspruch-auf Ausübung der tatsächlichen Regierungsgewalt aufgestellt. An dein Nationalrat sind be- teiligt: die Unabbängigkeitsyartei, die Karolyi Partei, die Un- garische sozialistisch: Partei und die Bürgerlich-radikale Partei. Die Zeitungen unterwerfen sich nickt mehr der Zensur und verkünden ihre Anflehmmg dadurch, daß sie sich an dem Kopfe der Blätter als„Unzensuriert" bezeichnen. Es setzen auch leb- hafte Kundgebungen ein, an denen besonders Studenten, aber auch Offiziere teilnehmen. Die tschechische FriedeuSdelegatt«». Die ALgcordneten Habermann und Klofac haben hig PSffe für die Reife in hie Schweiz erhalten und sind bereits abgereist- Es werden noch fahren: die Abgeordneten Stanek. Hruban und Kalma. Dr. Kramarsch, Dr. Preist(Direktor der Zivnostenska Banka), Swo- boda(Direktor der Agrarbank) und Dr. Schamal. Sie alle haben um die Pässe angesucht. Uebernahme der staatlichen Verwaltung durch die Nationen. Wien, 26. Oktober. Dir Blätter melden aus Graz: Ter Statthalter in Steiermark, Gras Elary, hat demissioniert! die gc- samtr politische und wirtschaftliche Verwaltung der Statthalterei wird von dem Wirtschaftskommissar übernommen, welcher aus einem bereit? seit einigen Tagen in Graz bestehenden Wohl- fahrtSausschuß nach Beratung einer Abordnung dieses WohIfahrtS- ausschusses und steirifcher Abgeordneten mit dem Ministerpräsiden- ten eingesetzt wurde. Der Wirtschastskommissar in Steiermark ist W« t t e von der deutsch-bürgcrlichrn Partei, sein Stellvertreter Dr. Eisler, Sozialdemokrat. Herrenhaus für Herrscherhaus. Eine konservative Demonstration gegen den Ncichstag. Da» Herrenhaus behandelte am Sonnabend„mächst Vitt- 'chriften und Eingaben. Sodann teilte der Präsident Graf V. Arnim-Boitzenburg mit, daß folgender Antrag der t o n s e r« v a t i v e n Frolnon eingegangen ist: In der Zeit der tiefsten Not de? deutschen Vaterlandes ist es Pflicht und Recht de« preußischen Hmenhauie?. zum Ausdruck ,u bringen, wie unlöslich der Zusammenhang zwischen dem preußischen Hcrrscherhause nnd seinem Lolkr ist. Der König von Preußen wird sein Polt auch in der dunkelsten Stunde treu erfinden. Dos Herrenhan« wird, eingedenk seiner Vergangenheit, allezeit zu seinem angestammten Herrscher als Schutzwehr vor dem Trvu« stehen. Die Begrsindung des Antrage? lautet: Die Verhandlungen de? Reichstages vom gestrigen Tag« und die bei dieser Gelegenheit gegen Seine Majestät ge- richteten Angriffe haben in jedem preußischen Herzen das Bedsirfnis wachgerufen, die Treu« zu seinem König vernehmlich zu bekunden. Der Präsident schlug vor, diesen Antrag, gegen dessen sofortige Behandlung gesckäftSordimng?mäßige Bedenken nicht ausgeschlossen seien, auf die Tanesordnunq der nächsten Sitzung zu setzen, und wurde ermächtigt, Tag und Tagesordnung der nächsten Vollsitzung de« Herrenhauses festzusetzen. * Da? preußische Herrenhaus kann im Namen des preußischen Volkes genau io viel oder wenig erklären, wie etwa das eng» lisch« Unterhaus im Namen der Inder, denn da? preußisch« Volt übt auf die Zusammensetzung des Herrenhauses mch: den mindesten Einfluß au?. Hingegen ist der Re'chstag, gegen den sich zu wenden ein„Bedürfnis aller preuß'scher Herzen" lern soll, zum größten Teil vom preußischen Volke gewählt worden und zwar enl- fiele» öon 7.ö Millionen im Jahre lSl2 abgegebene'' Stlinineu rund 5,6 Million auf die Parteien der jetzigen Mehrbe... Ein parlamentarisches Ministerium in Sachsen. Dr. Heinze Ministerpräsident— ölraf Vitzthum entlakse». Die„Sächsische Staatszeitung" meldet: S. M. der König bat den Staatsminister Grafen Vitzthum von Eckstädt auf sein Ansuchen unter Belassung deS Titels und Ranges eine? Staatsministers auS seinen Aemtern enllussen und nach- stehende Ernennungen vollzogen: den Jnstizminister Staats- minister Dr Heinze zum Vorsitzenden Staatsminister»nd Minister deS Aeustern, den Ministerialdirektor Wirklichen Ge- heimen'Rat Dr. Schröder zum Finanzminister, den Ministerial- direktor Geheimen Rat Dr. Koch zum Minister deS Innern. den Gesandten von Nostiz-Mallivitz zum Minister des KultuS und deS öffentlichen Unterrichts. Nach Ausschiffung der reaktionärsten Elemente des bis- herigen sächsischen Staatsministeriiims ist also von neuem ein Beamtenministerium gebildet wordem Diese Neu« ordnung dürste kaum jemanden befriedigen. Neuordnung in tzesjen. Gleiches Wahlrecht— Verhältniewahl— Parlamentariemus. Staatsminister Etvald gab vor dem PerfassungSausschuß der zweiten Kammer folgende Erklärung ab: Nachdem für Preuße» die Einführung des gleichen Wahlrecht? ohne jede Zusatzstimm« und die Enführimg der Verhältniswahl für große Wahllreise als gesichert zu betrachten ist, trägt die großberzoglich hessische Negierung kein Bedenken, heute schon zu erklären, daß sie die Aufbebunz des MchrstimmcnrechtS, die Einführung der Verhältniswahl für Wahl- kreise, worin mehMe Abgeordnete zu wählen sind, vorschlagen wird, wenn sich nach dem Ergebnis der Ausschußvsrhandlungen die erforderliche Mehrheit hierfür finden wird. Ferner sei die Regierung bereit, wst dem Ausschuß über weitergehend« Wünsche zur Aenoerung des Wahlgesetzes und der BerwaltungSgesetze zu beraten. Neber die Frage der Teil- nähme von Vertrauensmännern des Parlaments an den RegierungSgeschäkten äußerte der Staatsminister: Nach Eni» Wicklung der innerpolitischen Verhältnisse des Reichs habe ich mch in Gemeinschaft mit meinen beiden Kollegen für verpflickstet ge- halten, dem Großhcrzog über die Entwicklung und politischen Folgen, die sich daran» für Hessen ergeben können, Vortrag zu halten. Der Gvoßherzog hat darauf erklärt, daß er sich seither schon bei der Auswahl der Minister nicht auf einm engeren Kreis ven Staatsbeamten beschränkt, sich vielmehr stets bemüht habe, nur solche Männer zu berufen, von denen er glaubte annehmen zu dürfen, daß sie das Vertrauen des Volkes genießen. Der Groß- Herzog hat sich aber im Einklang mit unseren Vorschläge» und Wünschen bere:' erklärt, in Zukunft solche Berufungen nicht vor, zunehmen, ohne daß durch vorherige» geeignetes Benehmen fest- gestellt ist, daß dir zu Berusenden auch von dem Vertrauen der parlamentarischen Körperschaften getragen sind.?m Verlaufe deS Vortrages haben wir, um die Bahn für diese Entwicklung frei zu machen, gebeten. unS von unseren Aemtern zu ent- binden. Der Großherzog hat darauf dem Rücktritt de« Ministers des Innern und meinem Rücktritt mit Rücksicht aus unser vorge» rückte? Lebensalter grundsätzlich zugestimmt und sich den Zeitpunkt zu bestimmen vorbehalten, zu dem dieser Rücktritt er- folgen soll. Jrkutsk von Japaner» erreicht. Amstevdam, 25. Oktober.„Cen- tral News" melden aus London: Die britischen Truppen rücken gagen Kraßnojarsk in Westsibirien vor. Japanische Truppen haben Jrkutsk erreicht. Nr. 296 ♦ 35. Jahrgang 1. Oeilaae öes Vorwärts Sonntag» 27. Gttobe?191S GroßSerlln Ter„Vorwärts" bat seine Auflage in den letzten i,wei Jahren nahezu verdoppelt, er ha: sie in den letzten anderlhalb Jahren um OOOOV gesteigert und damit feinen höchsten Friedens st and wieder erreich:. Die Meldung bürgerlicher Blätter, der ,Borwäi:s' werde ab t. November zweimal täglich erscheinen, ist leider verfrüht. Die Papierfrage bereitet der Löiung dieses Problems noch immer nicht geringe Schwierigkeiten, Wir hoffen aber, unseren Leiern, die, wie zahlreiche Zuschritten beweisen, daS zweimalige Erscheinen dringend wünschin, bald günstigeMitteilun gen machen zu tonnen. Die Grippe scheint nun in Berlin zurückzugehen. Bei der Allgemeinen Orts- krankenkasse der Stadt Berlin sind am Freitag 1490 Rcuertrankungen zur Anmeldung gelangt, von denen 1980 auf Grippe und 32 auf Lungenentzündung fallen. Die Zahl der Todesfälle betrug 43, dar- unter 21 infolge von Gripve, 7 von Lungenentzilndiing.— In Neukölln ist mit Rücksicht darauf, dast bisher ein Rückgang der Grippe-Erkrankitngen dort nicht festgestellt werden konnte, die wei- tere Schließung aller Schulen bis einschließlich 2. November 1918 angeorlpei worden.— In Charlottenburg sieht sich nun auch das Kaiscrin-Augusta-Gymnasium mit Rücksicht auf weiter gemeldete Grippeerkrankungen genötigt, vom 28. Oktober bis 2. November den tlnterricht in allen Klassen auszusetzen. Das Kriegswirt ich aftsamt der Provinz Brun- d e n b u r g ersucht um Veröffentlichung folgender Mitteilung: »Um Stockungen im Geschäfisbetrieb der infolge Grippecrkrankungcn betroffenen Behörden und anderen Stellen steuern zu können, ist es unbedingt nötig, daß dort Hilfskräfte sofort auf kurze Zeit ein- gestellt werden. DicSchülcrderhöherenLehran st alten Eroß-Berl!ns. welche das IS. Lebensjahr vollendet haben, werden daher aufgefordert, sich unverzüglich z„ diesem vaterländischen Hilfsdienst nach vorheriger Meldung bei ihrem Direktor dem, Kriegswirtschaftsamt für die Provinz Branden- bürg, Berlin W 10, Viktoriastraße 12, zur Verfügung zu stellen. Jeder Schüler der böhcrcn Lehranstalten muß bereit sein, auf diese Weise seine Grippeferien auszunutzen." ★ Der Minister der öfientlicken Arbeiten gibt folgendes bekannt: Die starke Zunahme der Erkrankungen— es sind gegenwärtig 4ö 999 Bedienstete im Betriebe der vreußisch-bessischen Staatseisenbahnen infolge der Grippe dienstunfähig— erfordert die Aufhebung weiterer Züge. Bei dem Ernste der Lage hat sich die Eisen- bahnverwaltung genötigt gesehen, nunmehr auch die Personen- z ü g e erheblich einzuschränken, und einen großen Teil der zur Zeit fahrenden Züge vorübergehend aufzuheben,— Im Berliner Stadt- und Ringbahn- und Vorort- verkehr soll znnächst noch, von Einschränkungen abgesehen werden. Die vorläufig nickit mehr verkehrenden Personenzüge wer- den von den Eisenbahndirekhonen bekanntgegeben werden. * Wie uns vom sch wedischen Konsulat in Berlin mit- geteilt wird, sind infolge der starken Verbreitung der, Grippe in Schweden die diesjährigen Militärübimgen verschoben worden. Die in Teutschland ansässigen schwe- d i s ch e n W c b r V f 1 1 ch t i g e n, die sich am 29, Oktober bezw. 2. November 1918 zu stellen hätten, brauchen daher vorläufig nicht dem Gestellungsbefehl Folge zu leisten, wenn sie nicht einen be- sonderen persönlichen Besebl erhalten baben. der n a ch d c m 19, O k- tober ausgestellt ist. Die Betreffenden können näbere Jnsorma- tionen bei der Schwedischen Gesandtschast in Berlin oder dem nächsten schwedischen Konsulat einholen. Kosilennot nnd Gassperre. Die gefordert« Einschränkung des Gasverbrauchs gehört zu den Mitteln durch die man die KoHlcnknappHeit mildern zu können meint. Aber gerade durch die Kohlenknappbeit wird mancher Gas- abnehmer gezwunoen. kehr wder seinen Willen viel mehr GaS als sonst zu verbrauchen. Vor kurzem lasen wir in einigen Zeitungen. in Berlin sei die Belieferiing der Hausbaltungen mit Kohlen in letzter Zeit gut gewesen i'nd dabei seien jetzt auch die Läger der , Händler versorgt. Leider liegen die Dinge so günstig denn doch nicht, und selbst die Kohlenstclle Groß-Berlin bat erklärt, daß jene Darstellung zu weit ging. Rein. eS g'bt immer noch HauS- Haltungen, die bisher erst spärlich mit Kohlen beliefert wurden. Wenn sie GaSeinrichtung haben, kann für die Küche der Kohlenwangel durch stärkere Benutzung des Gas. kochers misoegl'chen werden. Aber daS führt zu einer sebr an- Für Stichwahl in öerlin l. Die letzte Wählcrversammlung der sozialdemokratischen Partei vor der Stichwahl findet Montag, den 28. Oktober, abends 8 Uhr, im Mnfiker-BereiuShaus, Kaiser-Wilhelm-Str. 13, statt. Referenten sind: Neichstagsabgeordneter Wolfgang Heine nnd der Kandidat Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Hugo Heimann. Um den Wählern zum Pesnch der Versammlung Gelegen- heit zu geben, könne« nur Wähler des l. RcichstagSwahlkreises zugelassen werden. * Alle Genossen nnd Genossinnen, die am Stichwahltage, Dienstag, den 29. Oktober, Wahlhilfe leisten wolle» nnd keine schriftliche Mitteilung erhalten, melden sich im Zentralwahl- bnreau, Th. Fischer, Lerltu LW 68, Lindeustr. 3. Telephon Amt l Moritzplatz 364. , erwünschten Steigerung des Gasverbrauchs, womft dann auch bei den Gaswerken wieder der Kohlenverbrauch steigt. So dreht man sich in einem Kreise, aus dem es kein Entrinneu gibt. Helfen sollen da die Gslvaltmittel, mit denen man die Gasabnehmer zur Sparsamkeit zwingen will, die Geldstrafen für zu reichlichen Gas- verbrauch und nun auch noch die Absperrung der Gasleitung. Die Einziehung des Strafgeldes, bei der keineswegs immer die Ur- sacken der vermeintlichen Gasverschwendung geprüft wurden, hat : große Erbitterung bei den Verbrauchern hervorgerufen. Wir fürchten, daß auch bei der jetzt angedrohten Otassperrc die„Prüfung I des Einzelfalles", die der Verhängung dieser Zwangsinaßregel j vorausgehen soll, nicht immer eindringend genug sein wird. Was wird mau tun, wenn eine Familie durch Kohleumangel zu übermäßigem Gasverbrauch gezwungen worden ist? Ein Leser unseres Blattes klagt uns, daß er für seine aus drei Zimmern und Küche bestehende Wohnung bisher von seinem Händler aus die Kohlenkarte erst 12 Zentner Kohlen und aus die Oscnkarte noch gar nichts erhalten hat. Da die Familie aus e l meist erwachsenen Personen besteht, so kann man sic j denken, um wieviel mehr Gas sie verbrauchen muß. Jede Haus- l srau wird wissen, was für Töpfe Essen erforderlich sind, wenn elf j Personen satt gemacht werden sollen. Und wer auf Gas kocht, weiß auch, wieviel Gas solche Ricsentöpfe bean- s p r u ch c n. Die Familie hat, obwohl sie bei den Kochflammen wie bei den Beleuchwngsflammen aufs äußerste zu sparen sucht, in den sechs wärmeren und helleren Monaten von April bis Oktober dieses Jahres den geradezu ungeheuren Verbrauch von 779 Kubikmeter Gas gehabt, S i e ist, da sie einen Münzgasmesser benutzt, bis auf weiteres gesickert vor den Strafgebdern und auch vor der Gassperre; denn beide Maßregeln sollen ja zunächst gegen Be- nutzer von MünzgaSmcssern nickt angewendet werden. Wie aber würde es einer Familie ergehen, die bei Vcn>itzu,nß eines anderen Gasmessers dureb Kobienmangel zu einem derartig starken Gas- verbrauch genötigt worden wäre! lllrbeiterstewerkschaften. Den Funktionären und Vertrauensleuten des Allgemeinen Verbandes der deutschen Bankbeamren hielt der Unterstaatssekretär im KriegsernährungSamt Genosse Robert Schmidt am Frei- tag im Dorotbeenstädtischen Realgymnasium einen Vortrag über Arbeitergelverkschasten, Nach einer historischen Betrachtung der ersten Ansänge der deutschen Gewerkschaftsbewegung schilderte der Redner den organisatorischen Ausbau der freien Geiverkschasten und bezeichnete die Regelung des Lohnes als ihre Hauptaufgabe. Weiter siibrte der Vortragende aus. daß es nicht nur daraus an- 1 komme, höhere Löhne zu erringen, sondern auch das Errungene ' dauernd festzuhalten. Das wird erreicht durch Tarifverträge, welche die Lohn- und Arbeitsbedingungen zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeiter vereinbaren. Mit den Tarif- Verträgen haben die Gewerkschaften auch Einfluß auf die Arbeits- Vermittlung bekommen. Was wir bis jetzt an gesetzlichem Ar- beiterschntz haben, ist ebenfalls auf die Tätigkeit der Gewerkschaften zurückzufübren. Doch ist auf diesem Gebiet erst ein Teil dessen erreicht, was die Gewerkschaften fordern. Nach dem Friedensschluß werden sich neue Kräfte in den Arbeiterorganisationen regen, um für den meiteren sozialen Aufstieg der arbeitenden Bevölkerung zu wirken. DaS ist keine leichte Arbeit, aber sie wird gelingen, namentlich wenn auch die anderen Gnippen der Arbeitnehmer in gleicher Weise sich an den Arbeiten betätigen, die erforderlich fiwd, um die Interessen der Menschheit wahrzunehmen und den Fort- schritt der Kultur zu fördern._ Grosz-Berliner Krankenkassenverband. Die Vorarbeiten zur Umwandlung der„Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte" in einen den Vorschriften der NeichSversicheruiigsovdnung entsprechenden„Verband der Krankenkassen Groß-Berlin" sind um ein weiteres Stück gefördert worden. Zu dem einer Versammlung, der Kassenvor- stände am 11. Oktober vorgelegten Entwurf der Ver- bandssatzung sollten die Vorstände der einzelnen Kassen zu- nächst Stellung nehmen. Danach hätte eine Vorständeversammlung am 25. Oktober über den Satzungsentwurf zu beschließen, Ueber einige Zlbäuderuugen, die gewünscht wurden, entspann sich eine längere Aussprache. Mit ihnen wurde schließlich die Satzung e*>>- stimmig angenommen Zweck des Verbandes ist, für die ihm angeschlossenen Krankenkassen gemeinsame Verträge mit Aerzten, Zahnärzten. Zahntechnikern, Apothekeubesitzern, Apotheken- Verwaltern oder anderen Arzneimittelhändlern, Kliniken, Kranken- Häusern, Krankcntransportunternehmern, sowie über Lieferung von Heilmitteln und anderen Bedürfnissen der Krankenpflege vor- zubereiten oder abzuschließen; Heilanstalten, Kliniken und Be- ratungsstellen zu errichten und zu betreiben; die für seine Tätig- keit erforderlichen Beamten und Angestellten anzustellen. Die Ge- schäfte des Verbandes werden geführt von einem Vorstand und einem Ausschuß, die jeder zu einem Drittel aus Arbeitgeber- Vertretern und zu zwei Dritteln aus Versichertenvertretern zu wählen sind. Die Vorständeversammlung hat mit ihrem Beschluß grund» sätzlich zum Ausdruck gebracht, daß die Vorstande der vertretenen Kassen sich mit der Schaffung eines Ltrankenkassenverbandes in der durch die Satzung festgelegten Form einverstanden erklären. In der Versammlung waren vertreten 45 Kassen durch 29 Vorsitzende und durch 3ö Geschäftsführer, nämlich alle Ortskränkcnkassen Ber- linS(mit Ausnahme nur derjenigen der Wäschearbeiter), ziemlich alle Ortskrankeu lassen der Vororte(mit Ausnahme derjenigen von Spandau und Wannsee), ferner eine Reihe von Betriebskrankezi- lassen und von JnnungSkrankenkassen. Die Satzung muß nun dein Oberversicherungsamt Groß-Berlin zur Genehmigung eingereicht werden. Der entscheidende Beschluß über den Beitritt zu dem Verband ist Sache der Kassenausschüsse. Selbstversorgung der Heilstätte Beelitz. Dem Ausschuß der Landesversicherungsanstalt Berlin lag ein Antrag des Vorstandes vor, wonach die Genehmigung von 789 999 Mark für den Ankauf eines Rittergutes gefordert ivurden. Das Gut umfaßt 1399 Morgen, und zwar 679 Morgen Acker, 329 Morgen Wiesen und 319 Morgen Wald. Es' liegt an der Chaussee zwischen Trebbin und Beelitz. Durch den Kauf des Gutes hofft man eine bessere Versorgung der Heilstätte Beelitz erzielen zu könuen, da nickt nur die Landesprodukte für die Anstalt nutzbar gemacht Iverdeu sollen, sondern auch durch ein« größere Viehhaltung— Schweinemästerei und Aufzucht von Rindvieh— die Fleisch-, als auch die Butter, und Wseversorgung für die Anstalt sichergestellt tver- den soll. Während die Vertreter der Versicherten vorbehaltlos dem Plan zustimmten, erhoben erst die Vertreter der Arbeitgeber Bedenken, die durch eine Kommissionsberatung zerstreut wurden, worauf dann der Aussckuß einstimmig die geforderte Summe bewilligte und damit dem Kauf des Gutes zustimmte. Beilitter Lebensmittel. Für frische Ftfcke gelten noch die Abichnitte Q g für 1 Psnnd. Ebenso noch sü- Räucherwaren die Abschnitte E e und J i für je stj Pfund. Bis Mittwoch den 39, Oktober, wird an diejenigen Kunden. die in den Speifefettkundenlisten der in den Bezirken der 183,, 160., 161., 162., 163., 164. und 185. Brolkommtision gelegenen Geschäfte eincietrage» sind, pro Kopf 125 Gramm Käse verteilt. In den Bezirken der Broikommiisionen l, 2, 76 bis 73, 91 bis 9» 101, 115 bis 129 122. 166 bis 168. 179, 199, 181, 194. 196. 299. 294, 297. 299. 211, 213, 219, 226, 230 und 242 beginnt die Ausgabe von Weißkohl und Zwiebeln Dienstag, 29. d. M. Die BezligSberechtigien wollen bei dem Kleinhändler, bei dem die Voranmeldung ersolgt ist, Nachfrage haltet:. Dir KriegSanleihescheine gesetzliches Zahlungsmittel. Der Bundesrat hat am 22. d. M. folgendes verordnet: Die am 2. Januar 1919 fällig werdenden Zinsscheine der fünfprozentigen Reichskriegsanleihe sind vom 23, Oktober 1918 bis 2. Januar 1919 zu ihrem Nennwert gesetzliches Zahlungsmittel. Loöz. 125) das gelobte JlemA. Roma» von W, St. R e y m o n t. In einem riesigen, steinernen Viereck erhoben sich still die schwarzen Pavillons. Der Mond war schon untergegangen, blos; die von den Nebeln des Tagesgraucns verdeckten Sterne leuchteten blas;. Der Hof. der wix ein schwarzer Brunnen gähnte, hallte vom Gebell und Gewinsel der Hunde wlder. Man hatte ver- gessen, sie loszulassen. Baum Hörle gar nichts und ging durch die schwarzen, langen, tunnelähnlichen Korridors, aus denen scharfe, schinimelige Luft wehte. Dumpf hallte das Echo seiner Schritte in der Einsamkeit und Stille. Automatisch durchschritt er langsam einen Saal nach dem anderen. Zn den Sälen breitete �sich schwere Grabesstille aus. Wie ohnmächtig vcrboaene Skelette standen in Reihen die Webstühle an beiden Seiten des Durchgangs. Wie auS» gerissene Fasern und Sehnen hingen die Riemen von den Rädern herab, mit Spinngewebe bedeckt, und die Musterrollen dingen loic, wie schlösse Haut. . Sie ist tot!" flüsterte Baum, über die lange Reihe der stillen Säle blockend..Sie ist tot!" wiederholte er von Zeit zu Zeil. Man wußte»uchl. ob er die Flau oder die Fabrik nieinte. Zmmer laugsamer schleppte er flch nou einem Saal zum anderen, von einen: Stockiverk ins andere, von einem Pavillon in den andereil.. In sehr trauriger Stimmung verließen Whsocki und Vorowiecki das Sterbehaus. .Schade um Max. Ter Tod seiner Mutter, die er furcht- bar gern y.'tte, wird ihn für längere Zeit aus dem Gleich- gewicht bringen, ilnd das zu einer Zeit,-in der er beim Montieren der Maschinen fast uitersetzlich ist. Ich Hab' schon Pech l Alles geht mir schief," sagte Karl ärgerlich. »Zieht Fräulein Auka bald nach Lodz herüber?" .Zn einer Woche." .Und wann ist die Trauung?" .Ich Hab' ausgerechnet nichts andere? im Kopf I Erst muß ich meine Fabrik ins Leben rufen und ste in Gang setzen. Wenn sie läuft, was vor Oktober nicht der Fall sein kann, werde ich erst daran denken können." Sie gingen schweigend weiter und begegneten ganz un- verhofft in der Piotrkower Straße Moritz Welt. „Wann bist du angekommen, Moritz? Wollen wir irgend- wo einen Kaffee trinken gehen?" .Soeben bin ich angekommen und wollte grab nach Hause gehen. Aber ins Cafe komm' ich mit." .Die Mutter von Max ist vor einem Augenblick gestorben. Wir kommen von dort." .Gestorben I Ich mag diese Dinge nicht." Moritz schauerte. .Was gibt's Neues in der Stadt?" .Fast gar nichts. Uebrigens weiß ich es. nicht. Den ganzen Tag sitz' ich in der Fabrik, Großglück wird sich freuen, wenn er dich wiedersieht. Er fragte mich heute nach dir." .Besonders freuen wird er sich nicht I" sagte Moritz, klemmte mit etwas zitternden Händen den Kneifer fest und blickte Karl scharf an. Wegen der vorgerückten Stunde war eS im Hotel, wo sie den Kaffee ei»»ehmen wollten, schon ganz leer. Bloß im Hof, der zu einem Garten hergerichtet war. saß MySzlowski mit-Murray. Sie setzten sich zu ihnen. „Seit etuer Stunde warte ich aus irgend ein? lebendige Seele, es ist mir schon langweilig geworden, immer allein zu trinken." „Sie haben ja den Engländer I" „Der fühlt sich ja bloß wohl nach der vierten Braut, nach dem vierten Glas kann man aber nichts mit ihm an- sangen." „Sind die Herren schon lange hier?" „Murray ist vor einer chalben Stunde-gekommen, ich sitz' schon läitger da. Was soll ich nach dem Abendessen an- fangen? Das Theater mag ich nicht. Bekannte Hab' ich nicht, wo soll ich armes Waisenkind hin, wenn nicht in die Kneipe. Dann erzählt auch Murray sehr interessante Sachen von seinen Bräuten, Wie steht's mit der Fabrik?" .Sie wächst," .Gott gebe ihr Gesundheit, einen guten Magen und regelmäßige Verdauung. Sie sind bleich geworden, Herr Boroiviecki." „Ja. ich arbeite auch für zehn, und daS genügt immer noch nicht." „So I Lebt wohl I Jeder, der hier rankommt, erzählt sofort, was er gestern gearbeites hat, was heute und was er morgen arbeiten wird, daß er sich überarbeitet, und so weiter. Teufel noch eins, wo bin ich denn? Unter Menschen oder unter Maschinen? Pfui Teufel! Diese Verdummung I Dieses rein mechanische Funktionieren I Ich möchte wissen, was Sie denken, was Sie fühlen, wie Sie etwas sehen, und Sie reden mir immer von Ihrer Arbeit," „Wer kann sich's leisten, an dummes Zeug zu denken," sagte Moritz spöttisch. „Bloß ein Ochse kann sich's nicht leisten, well er zur Arbeit getrieben wird." „Weil das die Hauptsache ist, Herr Myszkowski, der Rest ist nur Zugabe." „Reden Sie doch nicht so einen Quatsch I Wenn Sie die Zugabe zu Ihrer eigenen Brieftasche sind, das wundert mich nicht, Ihre dumme Rasse entschuldigt Sie, aber daß Boro- wiecki und der Doktor das gleiche behaupten können, das irritiert mich." „Ich verneine nicht? und behaupte nichts. Ich baue eine Fabrik. Wenn sie ferlig ist, dann erst kann ich philo- sophieren." „Und ich gehe nach HauS. Bin furchtbar angegriffen," sagte Wysocki und ging gleich Karl trank schnell seinen Tee auS und ging mit Moritz „Bleiben Sie doch wenigstens." bat Myszkowski den Engländer.„Wir wollen von der Liebe reden." „Ich kann nicht, morgen muß ich um sünf in der Fabrik sein." „Haben Sie schon Boroivieckis Stelle übernommen?" „Die Arbeit Hab' ich ganz übernommen, vom Ge- halt aber bloß die Hälfte," erwiderte Murray und ver- abschiedete sich., „Kellner, eine Flasche Bier und zwei Gläser. Mußt mit mir trinken. Sag' dem Zimmerkellner, er möchte mir irgend- eine Schlafgelegenheit zurechtmachen. Pfui Teufel, so ein Leden!" Wütend spuckte er aus.(Forts, folgt.) Die Pflicht des Reiches zur©hiTöfung der Zinsscheine am Fällig- keitstage mit anderen gesetzlichen Zahlungsmitteln wird hierdurch nicht berührt. Für den Völkerbund srhdet heute mittag um 12 Uhr in der Singakademie eine Versammlung des Volkshundcs für Freiheit und Vaterland ftatt, in der Staatssekretär a. D. Dernburg über den Völkerbund und Frieden reden wird und mehrere Roichstagsabgeordnete kurze Ansprachen halten werden. Beschränkung m der Annahme von Privatpakcten. Die Versen- hing von schweren und unförmigen Paketen mit der Post hat in letzter Zeit im EUeiibaHnverkeHr bedeutend zugenommen. Die Be- Handlung der zahlreichen besonder» schweren Pakete veruriackt der- artige Schwierigkeiten, daß darunter die Beförderung der übrigen Pakete empfindlich leidet. Die Postverwaltung sieht sich daher ge- zwungen, vom 28. Oktober an bis aus weiteres gewöhnliche und Wertpakete, die daS Gewicht von 25 Kilogramm über» schreiten und von Privatpersonen herrühren, von der An- »ahme zur Postbeförderung auszuschließen. Ein neuer Raubmord. In der Warthestrafie 73 zu Neu- k ö l l n wurde gestern nachmittag die M Jahre alte Ehefrau Mathilde des Tischlermeisters Henkel in ihrer Wohnung ermordet und beraubt aufgefunden. Sie ist erdrosselt und lag mit zwei schweren Kopf- wunden in kniender Stellung vor ihrem Bett. Das Verbrechen ist wahrscheinlich zwischen ö. und 10 Uhr vormittags ausgeführt. Als Täter kommt ein Mann in Betracht, der seit 2 Monaten bei dem kinderlosen Ehepaar Henkel wohnte und sich mit den Papieren auf den Namen Hermann Wirth, am 15. April 1885 zu Breslau geboren, ausgewiesen hatte. Er nannte sich Arbeiter, Einrichter und auch Zirkusdirektor. Nach den Feststellungen ist Wirth am 29. Dezember 1916 wegen schweren Diebstahls vom Landgericht Breslau zu 5 Iah- ren Zuchthaus und 19 Jahren Eheverlust verurteilt worden. Er müßte also noch im Zuchthaus sitzen. Wahrscheinlich ist der Mörder «in fahnenflüchtiger Soldat, der die Papiere des Wirth gestohlen hat. Geraubt wurde ein Portemonnaie mit 7— 10 M., Wäsche und Kleidungsstücke. Der Tischlermeister Henkel arbeitet außerhalb des Hauses und ging gestern zur gewohnten Zeit weg. Um 11 Uhr vormittags sah ein Fräulejn Heuer, daS früher drei Jahre bei dem Ehepaar wohnte, den angeblichen Wirth an ihrem Laden vorbei- kommen. Sie erkannte die Decke, die das Wäschepaket einhüllte, als das Eigentum der Frau Henkel und ging nach der Warthestraße, weil sie vermuteie, daß die Frau bestohlen morden sei. Als sie keinen Einlaß fand und zurückkehrte, traf sie Wirth vor der Haus- tür und ließ ihn durch einen Schutzmann festnehmen. Wikth er- klärte, daS Paket sei. seine eigene Wäsche, und der Schutzmann gab ihn wieder frei. Bor der Tür besprach Fränlcin Heuer ihre Ber- mutung mit mehreren Hausbewohnern. Aber erst später klopfte man bei Henkel wieder an. Jetzt öffnete Wirth und fragte die Frauen, was sie. denn eigentlich wollten, er habe Frau Henkel um Räucherwaren nach der Bergstraße geschickt. Während die Frauen noch im Gespräch beieinander standen.kam Wirth plötzlich aus der Tür gestürzt, eilte an ihnen vorbei, und ging hinaus. Jetzt— es war mittlerweile 3 Uhr nachmittags geworden— ließ man öffnen und entdeckte das Verbrechen. Noch einmal kam Wirth zurück. Als er aber sah, daß schon Leute in die Wohnung hineingegangen waren, kehrte er eiligst wieder um und verschwand, bevor man ihn festnehmen konnte. Zum Mord in der Köiligstraßc. Der ermordete Köhler, der nach seinem Vorgänger auch Mescritzsr genannt wurde, war am Don- nerstag in Spandau gewesen. Er fuhr um 9 Uhr von dort wieder ab, kam alio Um 10 Ub? nach Berlin. Nach Hause kehrte er erst um ll'/j Uhr zurück. Wo er die eine Stunde noch gewesen ist, weiß man nicht. Ohne Zweifek muß er irgendwo mit dem grauen Sack, in dem er das Essen trug, gesehen worden sein. den Beginn des Verkaufs durch ein von der Strafe auZ sichtbares Plakat anzuzeigen.__ Schönsberg. Lebensmittel. Ms zum 29. Oktober findet Voran- meldrmg statt für 150 Gramm Kumsthonig auf Abschnitt 71 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte. Ausgegeben werden tn der nach- stcn Woche 100 Gramm Weizengrieß ans Abschnitt 69 der Groß- Berliner Lebensmittelkarte. Schluß der Sonderverteilung an Kinder bis zum 12. Lebensjahr und alte Leute über 79 Jahre am 29. Oktober. --» Eöpenick. Sozialdemokratischer StadtratSkanbidat. Der un- besoldete Stadtrat Müller beabsichtigt sein Amt infolge gefchäst- licher Uebcrlastung niederzulegen. An seiner Stelle ist der sozial- demokratische Stadtverordnete Blum als Magistratsmitglied in Aussicht genommen. �''2 Schicksals stunde unseres Vaterlandes ist auch die Scunde äußerster Vstichrerfüllung! Zeichnet die Rriegsanieihe! Reinickendorf. Lebensmittel. Abschnitt 15 der Eierkvnte ist bis einschließlich 31. Oktober bei den zugelassenen Eierhändlern zur Abtrennung vorzulegen. Wann Eier auf diesen Abschnitt ver- teilt werden, wird später bekannt gegeben. Auf Abschnitt 71 der Lebensmittelkarte Groß-Bevlin werden 150 Gramm Kunst- Honig verteilt. Die Anmc-ldn.ng bei den Kleinhändkern hat bis einschließlich 29. Oktober zu erfolgen.' Britz. Lebensmittel. In der Woche vom 23. Oktober bis 3. November gelangen in der Verkaufsstelle der Gemeinde� zur Ab- gäbe auf Berliner Lebensmittelkarte, Abschnitt 69, 100 Gramm Graupen, aus die Karte für Jugendliche, Abschnitt 21, 100 Gramm Teigwaren und auf die Mitzer Lebensmittelkarte, Abschnitt 62, 2 Pfund Mostrich je Haushalt, Abschnitt 63 1 Dose Brotaufstrich oder 1 Pfund Vlockwurst im Darm je Haushalt, Abschnitt 64 Son» derzuteilung und auf Abschnitt 10 der Eierkarte 1 Ei. «Ii . Erweiwruns deS stSdt'sch� Wohnungsoachk LSglich: Bseiine«„BNtzdlnues Vlui".— R-üd-nz:„LM Grün'. weifttl Der WohmuogSnachweis des ztadtuchen WohnungSambeS m.... Komödtönha«»:„Tanzende Nymphe".„Graf Habenichts".— f\,-» vT rt-'-'tA.-iiTn»*.*.«iv-.rt/*-•'> T«•*>*• t Z- CT) T.,* I,««»-n r* Tu � � �....,....... cn..;«'.7.... n.. c>. a'..___ // ci , Thsater öer Woche. Volksbühne: 27., 81., 4.„Maß für Maß", 28., 2g., 2.„Kirschgarten", 80.) 1., 8.„Komödie der Liebe".— Schiller bharlottenbnrg: 27., 28., 30., 4.„Der siebente Tag", S!>., 31., 1., 3.„Hamlet" 2. Konzert.— König!. Opernhaus: 27.„Meistersinger", 2v.„Carmen", 29. Sinsonic-Konzert, 30. „Mignon", 31.„Hoffmvnns Erzählungen", 1.„Tristan und Isolde", 2, „Maskenball", 3.„Tannhäuser", 4.„Troubadour".— Königl. Schauspiel« Hans: 27.„Lanzclot und Sanderein",„Zerbrochene Krug", 28.„Peer Ghnt", 23.„Flachsmann", 30.„Ouipoio", 31., 4.„Meine Frau, die Hof- schmispiclerm", I.„Braut von Messina", 2.„Laune des Verliebten",„Zcr- brochcne Krug", 3.„Nathan".— Deutsches Opernhaus: 27., 30., 4.„Glvck- che» des Eremiten", 28.„Lohengrin", 29.„Mignon, 31.„Eiserne Heiland", 1.„Tote Augen", 2.„Tannbäufer". 3.„Hugenotten".— Deutsches: 27., 30., 1,, 3.„Clavigo", 28.„Marin Stuart", 29.„Faust I", 31.„Lebender Leichnam", 2.„Hamlet", 4.„Othello".— Kammerspiele: 27., 20., 31., 2. „Der Erste", 28., 30., 1., 3.„Nosniershdlni", 4.„Scheiterhaufen".— Lessing:„Margnis v. Keich", 29.„Mein Nachbar Ameise", 1.„Peer Gtmt".— Künstler:„Liebe", ab 30.„Auserstehung",„Nachtbeleuchtimg".— Kleines Schauspielhaus:„Früblingserwachen", 31., 2.„Phädra", 28., 1. Geschlossen.— KöniMrätzcr: 27., 28� 81., 2.„Rosmersholm", 23., 1., 3. „Hauch im All", z.„Sedgeist".— KlritteS: 27.. 29., 4.„Liebelei", 28., 80.„Ter 15 imc.mc', 91., 1., 2., 3.„Alt-Nürnberg.' Täglich: Leriiu-r:„Bnhhlapes Blut".— Residenz:„LM Grün" Trianon:„Der gine'Ruf.— Meslen:„Lustige Witwe".— Lustspielhnnö „Spanische Fliege".— Nollendorf:„Drei alte Schachteln".— Zentral: „Nöse von Stainbul".— Thalia:„Unter der blühenden Linde".— Komisch« Oper:„Schwarzwclldmcidcl".— M-troxol:„Faschingsee".— Neues Opercttenhaus:„Süße Mädel".— Palast-Thcatcr am Zoo:.Stralauer Fischzug".— Friedrich-WiihelmstädtischeS:„Hannctl", Charlottenburg erstreckte sich bisher nur auf Kidiiuwohnnngen von nicht mehr als T Wohnräumen außer der Küche. Der gegenwärtige ompfindilche Wohnungsmattgel hat dem Wohrmngsnachweife eine erhöhte Bedeutung gegeben, denin dieser Wohirungsmangel ist keineswegs C.a s s i r er und dessen Ehefrau Tilla Cassirer-Durieux Hierdurch würde eine beschleumigte und unmittelbare, nicht erst auf � und richtet sich gegen die Redakteure Dr. Karl S t o r ck und Frhrn dem Wege über die Pobizeireviere zu erstattende An- und Abmel-, v. G rotth u s von der Schriftleitung der in Stuttgart erscheinen- düng der Wöhnmrgcn beim Wohnunasamte erforderlich werden, den Zeitschrift„Der Türmer", ferner gegen den verantwort- Der Wohnunosnachweis soll wie lnsher, als gemeinnützige Ein- lichcn Redakteur des pskitischcn Teils der„L e i p z i g e r N e u e st e n rchtung gebührenfrei betrieben werden. Die gewerbliche Rachrichten", sowie gegen den Schriftsteller Willy Pastor und W o h n u n g s v e r m i t t e l u n g soll aber durch den' � � städtischen Wohnungs'nachweis nicht ausge- schloss ensein. Gsricktszestung. Der Fall ssasfircr. Eine die Künstlerkreise interessierende Privatklage stand gestern zur Verhandlung vor dem eschöfscngericht Berlin-Mitte an. Di« den Redakteur Dr. Gustgv M a n z von der„Täglichen Rund» schau". Im„Türmer" erschien am 1. Februar d. I. ein von Dr. Storck verfaßter Artikel unter der Ueberschrift„A b e r m a l s H e r r C a s f i r e r". In dem Artikel wurde behauptet, der Privatkläger Neukölln. Lebensmittel. Auf den Abschnitt 67 der Groß- habe, während er für die deutsche Kunst in der Schweiz tätig war, Berliner Lebensmittelkarte für Neukölln dürfen 250 Gramm, auf gleichzeitig eine französische Ausstellung aus seinem Bilderbesitz bei Abschnitt 71 150 Gramm, zusammen 400 Gramm Kunsthonig m Tanner in Zürich veranstaltet. Daraus wurde der Vorwurf her- denjenigen Geschäften, in welchen die Anmeldung zum Bezüge gleitet, daß er gegen eine von ihm übernommene Mission und gegen von Kolonialwaren und Brotaufsttichmitteln erfolgt ist, entnommen Deutschlands Interessen gebändelt habe. Der Privatkläger hat im werden. Die Kleinhändler haben mit dem Verkauf zu beginnen,, Laufe des Krieges für mehrere Millionen Mark Bilder aller Art sobald sie"dett Kunsthonig vom städtischen Lager abgeholt haben, s Ulch Herkunft, deutsche und ausländische, aus Deutschland nach dem und denselben eine Woche lang durchzuführen. Sie sind verpflichtet, Ausland verkauft. In dem Artikel des„Türmer" heißt es in bezug auf diese Tatsache:„Darf man fragen, wie Herr Cassirer diese Bilder nach der Schweiz gebracht hat? Was hierüber gerüchtweise verlautet, möchte ich nicht glauben, weil das doch gar zu— kühn wäre." Hierin erblickt der Privatkläger die Verdächtigung, daß et die Bilder in unrechtmäßiger Weise nach der Schweiz gebracht hätte. Der Privatklägcr steht im Militärverhältnis; er hat 16 Monate Dienst getan und ist Inhaber des Eisernen Kreuzes. Er ist s. Z. auf Grund ärztlicher Gutachten als„g. v. Heimat" und später mit der j Bezeichnung jx. v. Heimat für den eigenen Beruf" aus dem�Lazarett ' entlassen und ging dann nach der Schweiz, wo er nach ärztlicher Untersuchung als schwerkrank befunden wurde.'Ln dem Artikel de? „Türmer" als auch in einem Artikel der„Leipz. N. N.". der unter -der Ueberschrift„Der Fall C a s s i r e r" dasselbe Thema be- handelt, wird oavon gesprochen, daß„in Berlin die merkwürdigsten Gerüchte über den Fall Cassirer umlaufen, da sewn Paß seit An» fang November abgelaufen, er selbst aber noch nicht zurückgekommen ist".— Frau C a ssirer-Durieux fühlt sich durch die Act beleidigt, wie sie in den Artikeln in die Angriffe gegen ihren�Mann hineingezogen werden ist. Der Angeklagte Willy Pastor ist Per- sassor eines in der Unterhaltungsbeilage der„T ä g l i ch e n R u n d- schau" vom 28. Februar erschienenen Artikels unter der Ueber- schrift„K u n st b o l s ch e w i s in u§"; der Angeklagte Gustav Mauz ist verautwortlichcr Redakteur dieser Betlage. In diesem Arttkel heißt es:„Es ist den Vertretern diefer Geistesrichtung gelungen, mit Hilfe des Auswärtigen Amtes in der Schweiz einejutt- sprechend qufgebaute Kunstausstellung als den Stolz des deutschen Volkes auszubieten Mehr noch: der Macher dieser unvergeßlichen Unternehmung, der Kunsthändler'und Reichskommissar Paul Cassirer, hat es auf eine noch immer unaufgeklärte Weife fertig gebracht, zugleich mit der von Reicks wegen verschickten„deutschen" Sammlung seine eigenen französischen Jmpression-.stenbilder übet die Grenze zu schmuggeln uno in ihnen dem Ausland zru zeigen, ' was man heute in Deutschland für kaufenswert hält usw." Die Kläger werden durch Rechtsanwalt Wolfgang Heine, di« i Angeklagten'durch die Rechtsanwälte K ersten. Justizrat Dr. Marwitz. Justizrat Hercher und Rechtsanwalt Li PS ver» treten. Nach ganz kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende das auf Freisprechung lautende Urteil. Formal« Beleidigungen seien in den Artikeln überhaupt nicht zu finden, sondern nur ein« Kritik. Im übrigen sei es wahr, daß der Privatkläger eine fran- zösiscke Ausstellung veranstaltet habe. Von der Ehefrau Tilla Durieux stehe in den Artikeln nichts, was als Beleidigung angesehen werden könne.__ JugenAveronftaltungen. Slibeiterjngendheim Verlin, Lindenstr. 3. Heute Sonntag, abends'? Uhr: Lichtbildervortrag. Hctmatbilder auS der Mark. Gäste willlomrn.en. Freirellaiiike««emelnbr, Scmnlaa. den 27., vormittags 9 USr, Pappelallee 15/ 7; Nciilöllii, Fdcalkasiiio. veichlelstr. S; Oberichöneweide, Wilhelmincnbosltr. 43. bei O. Pomp. Freireligiöse Vorlesung. 10'/, Uhr Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Herrn Nudoli Kost er, �örlsh: Vom Wesen der Dinge. Gäste nrillkammen.— Montag, den 28. Oktober, abends 8 Uhr, im LehrervercinsbauS, Aleranderplatz 41: Kroßer Lichtbilservortrag von Herrn Rudolf K ö st e r: Di« Lösung des WeltrSscls. Eintritt 50 Pj._ Onefkasten der KcdaPtion. Kolberg. Ihr Schreiben haben wir an den Reichstagsabgeordneten Daniel Stiicklcii, Bcrlln-Fttcdeiiau, Lenbachlir. Ou, weitergegeben.— — amtcnbelcidigung zuziehen, da der Diebstahl nicht eiw csen ist. Es bandest sich doch nur um eine Vermutung Ihrerseits. Veijährung liiit nicht ein, walten Sie zunächst den Bescheid vom Präsidium ab.— F. Z. 100. Der Betrefiende muß der Stellungsvrdcr Folge teisten. Nach einer vom Reichs» tag vorzcnoinitteiicn Geirhcsänderung können auch die mit Zuchthaus Vorbestraft«zl ginn Wik: tau twqczrgrn werde»,•- tit, St. 105. Bei rinein Einkommen von 200 M. monatlich tiegi örturftiglcrt nicht vor und wird die NiiteiiKWlg deshalb nicht gezahlt.— H. 13. 1. Sie sind stcuerp süchtig und zwar nach dem gegenwärtigen Einkommen. 2. Kriegs« Witwen- und Wniicnrcnle gehören zum ncuerpflichligen Einkommen.— — T. P. 2000. Wir erhalten jetzt läglich so zahtretche Zulchrljteu, daß wir uns aus jede einzelne nicht mehr besinnen können. Geben Sie unS den Anhall Ihres. Schreibens nochmals an, damit' wir wenigstens einen ÄnhiUt haben, um die Sache nachzuprüsen.— ffi. B., Neubaldensleben. 1. Wenden Sic sich an die VoriväitS- Buchhandlung. Lindenstraße S. 2. UnlereS Wissens nicht, 3. Anrede: Allelgnädigste Kaiserin und Frau, Unlerschrist: untertänigst.—®. B.. Stettin. Unseres Wissens ist s. Piclainghofj von seinem Posten zurnckgejretcn.— Barth«! 13. Der Austritt aus der Landeskirche tostet 4 M. Gebühren.— B. B. Wende» &ie sich an den RcichstagSabg. Daniel Stncklcn, B.-Frsedenau, Lcnbachstr. La. G. P, 48. Strasgntrag wegen Ehebruch lann nicht gestellt werden, da durch Verweigerung der AuSiogcn der Ehebruch nicht erwiesen ist. Wasierstandsnachrtchtcn der Laudrsanstalt für Gewäffertuude, mitgeteilt-tiom Bertiner Weiterbrneau. ?>«tterauSilrv»en'nr das nitttter? Tlorvdenttckilan» dts Montag mitin«. Langsame weitere Abkühlung, zeitweise heiter aber sehr veränderlich, mit öjtcr w.ederbollcn, größtenteitS' geringen Regensällen. BERLIN C Sfiandauer Str. 16 Gegründet 1815 Strümpfe, Seiöe u. Samt Kurzwaren BERLIN C Königstr. 11-14 Damen- Strumpfe Floi mit Durchbr„»ellwarz Damen- Strumpfe Seidcnflor, glatt, schwarz. Damen- Strumpfe � �_ Seide mit Durch br-i schwarz Herren- S o cken Seidenflor,«chwarz. Herren- Socken GW- flor. schwarz. Herren-SockenFlormit farbigen L&ngsstreifen 8.50 12.50 2.60 2.85 3.25 Fußimge f.Damenströmpfe ä c? aus schwarz. Baumwolle. Paar � S-tidc Exnfartige w?ciu.c 43 cm,...... Meter** rDU Sckotten-Sei ZlMv Rejerentm: Frau Marie Jnchacz.— DiSkuIston. VUnte, Uureli ZlltxUvSe? vloxelttlrrt, haben Zutritt. Die Bezirksleitung: I. A.: Scholz. ZeWkr Nemmeikel'velviili!!. Verwaltungsstelle Berlin. Iii S4. Ltntenftrasze 8Z— 8S. GeichältSzeit von S— l Ubr und von 4—7 Uhr. Televhon: Amt Norden ISS, t2SS. J.9S7, 9714. Rohrleger und Helfer! Dienstag, den 29. Oktober 1918, abends 8 Uhr: Allgemeine Brancbcn-V�rfatnmlung im Gewerkschaftöhans, Engelufer 15(Saal 1). Tagesordnung! 1. Ernährungsfragen. 2. Branchenangelegenheiten. 120(4 3. Verschiedenes. ES ist Pflicht jedes Kollegen, jür einen regen VerjauunIungS- besuch Sorge zu tragen. Die Ortsverwaltung. Mi i Frauen n. ittn U. SrUeilerkta Dienstag, den S9. Oktober 19Z8, bei Gottlieb. Oranten- strafte«9: 52/3 Generalversammlung Tagesordnung: Bericht des Borstands und wichtige BereinSaugelegeu- heiten. velSWi>öer8Mklii.HlleWler. Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch» den 39. Oktober, abends 8 Uhr: General»Versammlung im GewerkschaftShauS. Engelufer IS. Tagesordnung: 1. EcschästlicheS. 2. Bericht und Zlbrechnung vom dritten Quartal 1918. 3. Vorschläge zur Zahlung einer WeihnachjS« Unterstützung sür die arbeitslosen Mitglieder. 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 158/14 wie Ortavrrw-altniijr. Innenputzer stellt sofort ein. 8725b Dttlrl JP. Cnonnlra Ahtlen-Geaellachaft. nciu Ol ritdilKe, Flugplatz Frledrichsfelde, Rheln- stein-StraBa.— Za meiden beim Polier kehrend. Erfinder bedienen sich z.Anmeldg. u. Ver- taui ihrer Elfmdungen, Ideen eines Patentfachmannes* Rat u.Auskunft kostenlos! Erfolg: u. a. Verlaus 1 Patentes dura, unseren Mitarbeiter sür 85000V M. F. Erdmunn A Co., ?crlin8VVl1.Köii!ggrätzerIt.73 einjddrigen-Anit.Dr.Fackelmann Sln.W., Hobenzollerndamm 198. jeder Art preiswert Grolle Annwahl Möbel-Lecliner BERLilfV BrnnnensttaBe 7, Nähe Rosenthaier Plate. Teilzahlung geatattaL* Wir suchen zu mögt, sofort Eintritt ein. tücht. 247L' Aufseher s. d. Tonmüble. ferner 2 Brenner sür Ocsen mit überschlagender Flamme, einig« tücht. Gießer sür größere Hohl« und Flach« gejchirre, serner zwei tücht. Formengießer s. Gebrauch«» u. Luxusgeschirre. Außerdem einige tu«!. 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Der EtnheitStaris sür Wohnungen und Werlstätten wird derart geändert, daß die Bodenflächenzcbühr auf 3 Piennig monatlich für jedes Quadratmeter Bodcnsiäche festgesetzt und auf den Preis sür die Kilowattstunde mit IS Psemtig ein Teuerungszuschlag von 50 o. H. erhoben wird. verlin, den IS. Oktober ISIS. 129/10« 8!Slttisolis Elektrizitätswerke Berlin. Ferdinand Moller Petsdamar Str. IS4e(frOher Rabl) ErStlaung Sonntag 12 Ohr tt>— 8 Sonntag 12— S Aufklärung! Kell leuchtende Armee-Meruhr 15 U. ___ Jede deutsch e Uhr wird mit '-■ größter Sorgfalt hergestellt, und man lasse sieh durch Phantasiepreise nicht irre führen n. glaube, wenn man für die gleiche Uhr einen höheren Preis abverlangt erhält, diese sei besser. Millionen dieser Uhren haben sich im Felde glänzend bewährt und seit 10 Janren ist es unser Grundsatz:„dentschp Ehren In der Welt voran xn setzen". Beide dentsche Ohrentabriken stellen genau wie früher alle ihre Uhren mit größter Sorgfalt her. Mit getragenen und neu aufgefrischten Uhren handeln wir nicht Deutschlands(Jhren>Manufaktur («Co Kranit, Berlin C 19, Benthstr. 4. Kein Laden! Allererstes Spezialgeschäft deutscher Uhren Vorsicht auf Eingang achten, da Verwechselungen mögl GEHPELZ, guter Tnchbezug, großer Schalkragen, billig zu verkaufen, Gelegenheit. Ele- fante Maßanfertigung von Gehpelzen aus esten Stoffen unter Garantie für guten Sitz und feinste Ausführung schnellstens. Sportpelze auf Lager und nach Maß. Großes Lager in Pelzfutter und Ottern. m»l■■ a m E8«?»»»> Kaiser- Wilhelm-Str. 16, 3MCS Dc&Zell"j beim AJexander-Plate wta Wer lahme Tiere haf�JÄ'r� Albert Kranze, Seif hennersdorf(Sachsen) 73 A. franze* Kräuter-Salmiak ist eine hervorragende, langjährig bewährte (Sinretbilllg für- Pserde, Kühe usw. gegen Lähmen und Schäden der verschiedensten Art, wie Sehnen« und Nierenleiden, Schulterlädme, Nervenichlag, Druse, rheum. Berschiag, Irischer Späth. 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I Borlin-Stegkity.« Albrocbtwtratte 131). lind in der Tat, so wird jeder sagen, der Sie in einem dieser wirklich ent- zückenden, dabei praktischen gepreßten Müsch-Mäntel sehen würde.- Durch ihre interessante Pressung und ihren seidenartigen Glanz wirken sie ungemein vornehm, und es ist kaum möglich, sich etwas kleidsameres vorzU' sielten.- Dabei sind diese Mäntel'bei uns so preiswürdtg, daß sie wohl jeder Dame zugänglich sind.- Königssr. SZ Um Bahnhof aihtonßwlak Ehausseesir. 113 Selm CTtcHmtr Loßnhei Oo=r,i«00 geschtossea! Wilhelm II. als Ratgeber öes Aaren. Die Proklamation vom Balkon.— Das Volk im Viereck � der Bajonette.— Mit seiner Person bezahlen! Eine Veröffentlichung der„Nordd. Allg. Zig." hat der Welt bereits Kunde davon gegeben, dah Wilhelm II. dem Zaren Nikolaus während des russisch-japanischen Krieges wiederholt brieflicke Nat- schlage erteilt hat. So hat er dem Zaren im Jahre 1306 geraten, das Odium des schlechten Friedens von sich auf das Parlament abzuwälzen, indem er diesen der neu gebildeten Duma zur An- nähme vorlegte. Aber auch schon in früheren Stadien des' Krieges hat Wilhelm II. Nikolaus seine Ratschläge erteilt, wie ein aus dem Jahre 1905 datierter, in englischer Sprache abgefaßter Brief be- weist, dessen Wortlaut setzt durch die russische Revolution bekannt wird. Der Brief ist so umfangreich szirka 4M Zeilens, daß wir nur innige Haupt st ellen im Wortlaut wiedergeben können und den übrigen Inhalt skizzieren müssen. Der Brief, der die Anrede„Liebster Niki" führt, geht von dem Attentat auf den Grotzfiirsten Sergius aus. Der Kaiser sagt: .Diese Schufte von Anarchisten haben eine dunkle und gemeine Tat begangen... Ich kann nicht glauben, daß diese Teufel aus den Reihen Deiner Untertanen hervor- gegangen seien. Es sind sicher Ausländer aus Genf." Hieran anknüpfend, entwickelt der Kaiser dem Zaren die„europäische Meinung", die sich übereinstimmend über die Verhältnisse in Ruß- land gebildet habe. In das Gewand dieser„europäischen Meinung" sind dann auch die folgenden Ratschläge gekleidet, so daß dem Zaren die Meinung seines fürstlichen Beraters gleichsam als der Stand- Punkt der gesamten europäischen Oesfentlichkeit dargelegt wird. Da heißt es u. a.: „Da? Resume aller dieser„ou dit"(wörtlich: Man sagt— gems nt ist eben die öffentliche Meinung Europas) ist folgendes: „Das Regime Mirskps bat der Presse allzu plötzlich viel größere Freiheit gewährt als früher, und hat die Zügel, die Plev« so straff hielt, allzu schnell gelockert." Daher sei die Ehrfurcht vor der absoluten Regierung ge- mindert worden, wie auS einer Reihe von Briefen an den Zaren hervorgehe, und dem Zaren wird der Rat erteilt, dies« Ehr- furcht wieder herzustellen. Bei den Leuten habe sich'die Ueber- zeugung gebildet, daß sie vor das Schloß des Zaren hintreten und ihm ihre Wünsche vortragen können: Deshalb wird die Meinung geäußert, daß eS nützlich sein würde, wenn der Zar einige von ihnen, die ein von Truppen umgebenes Viereck bilden würden, vor dem Schloß empfangen und ihnen vom Ballon eine Ansprache halten würde. Er müßte dabei von der Geistlichkeit im Ornat und mit Kreuzen und von seinom Gefolge umgeben sein und zu den Leuten w i e ein Vater sprechen. Das müßte geschehen, bevor die be- woffnctc Gewalt zu Worte käme. Es würde sehr möglich sein, auf diöse Weise ein Blutvergießen zu vermeiden, oder wenigstens seinen Umfang zu mindern. Der Kaiser meint, daß eine solche Rede vom Balkon bis in die entlegensten Gegenden des Reiches ertönen und„eine un- zweifelhafte Niederlage der Demagogen und Agitatoren" bedeuten würde.— In folgendem setzt der Kaiser dem Zaren in der Form schonend, in der Sacke sehr bestimmt auseinander, daß der japanlsche Krieg unpopulär sei, und da die Verantwort- lichleit für die Riederlagen dem Herrscher zugeschoben tvcrd«, zu der Unpopularität des Herrschers und seiner Dynastie beitrage: In Europa sind alle gleicksam durch ein stillschweigende? Nebereinkommen>n dem Punkte einig, daß der Zar pcrsiiniich für den Krieg verantwortlich ist. Der Anfang des Krieges, das Unerwartete des plötzlichen Ueberfalles, die offen- bar»n zu reichen de Vorbere'tung, all das ist, wie man sagt, feine Schuld. Man sagt, daß Tausende von F'a Milien, die ibre Männer durch den Krieg verloren baben. für da« Blut dieser den Zaren verantwortlich machen und ihre Klagen vor seinen Thron vorbringen. Der Kaiser setzt dem Zaren auseinander, daß ein populärer Krieg tür den Herrscker leickt zu ertragen sei.„Die Verantwortung für eine unpopuläre Sacke ist aber ganz etwas Anderes." Unö dieser Krieg sei in allen Klassen Rußland? unpopulär, sell'st bei den Offizieren, hauptsächlich wegen der Mißerfolge der russischen Waffen. Im Resultat dieser Ileberl'gungen sängt da? Pubsikum an angnbcuten, der Z-ar köwve selbst das Oberkommando i'bornehmen und sich an die Spitze der Truppen stellen.... Sowohl das europäische Publikum, als auck die russische Nation blickt mstinkdiv ans den Zr-v-n und erwartet, daß er hervortreten und sein große? Work hoheitsvoll vollbringen wird. Man ev- wartet von ihm. er möge allen zeigen, daß er. dor Selbstherrscher feine? Volkes, bereit ist, dessen Sorgen und Qualen zu teilen, soweit e« in seiner Macht steht. Dies« allgemeine Erwarinn: bat imnand sehr geschickt in folgenden Worten ansiedrückt(Das �olgenoe im Urtert französisch): Der Zar muß eine große Tat ollbrinaen. um seine Macht aufs nene zu stärken und seine be- �'chte Dvn�stie zu ret!c»i. Er m>ist mit seiner Person bezahlen il kaut qu'ii pay« de Sa personnt), Im folgenden wird dann wieder die Idee einer feierliche., Proklamation an da? Volk mit allem Pomp erörtert, die vom Mos- kauer Kreml au? erzeigen soll. Der Zar solle nach Moskau fahren, den Adel und die Nnbilität in seinem prächtigen Palast versammeln und sich mit einer Rede an sie wenden: Man könnte mit einem Tadel für die veröffentlich- ten Briefe für die an den Zaren gerichteten Schvvktstncke beginnen und sagen, das sei eine s ch l e ch t e Sitte,, die nicht wiederholt werden solle. Dann müßten die Reformen, die der Zar selbst für sein Volk nützlich siindet. erklärt werden keinerlei Versprechungen allgemeiner gesctigebenber Versammlungen, keine Koiistitlüinte,(fMtPtfci Nationalkonvente, sondern einfach ein .HabcaS corpus Akt" und die Erweiterung der Kompetenzen des S t o a t S r a t S. Keinerlei VcrsommlungS- oder Pressefrei- beit und der strengste Befehl an alle Zensoren, in Zukunft alle Anfeindungen zu vermeiden. Dann muß der Zar seinen Unter- tauen seiden Willen in bezüg auf die?lnmee kundtun, falls er eS für möglich und notwendig hält, selbst am Feldzug teilzunehmen... Nachher muß der Zar umgeben von ferner Ge'stlich- keii mit Kirckenhannern, Kreuzen, Weihrauch und Heiligenbildern auf den Balkon treten und Vt eben gehaltene Rebe sckon als Manifest an seine treuen Untertanen halten. d>e unten im Hokr versammelt von den geschlostenen Nethen der Truppen mit ausgepflanztem Seiliengewehr und blankem Säbel umgeben sein müilen.... Dann wind das gange tiefgerührte Volk Dir be- geistert zusubeln, auf die Knie fallen und für D i ch b e t e n." Nach den gestern gefaßten Beschlüssen des Reichstages hätte künstig für einen derartigen Brief des Kaisers der Reichs- kanzler die Verantwortung zu übernehmen. r 197. Sitzung, Sonnabend, den 2(3. Oktober, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: Gröber, v. Payer, Trimborn, Erzberger und v. W a n n. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Siebenbüegrr(f.): Der..Vorwärts" bat in der Num- mer vom 25 Okiober bemerkt, an der Beratung über die Erhöhung der Mannschaftslöhne im Ausschuß hätten sich die Konservativen nicht beteiligt. Ich stelle fest, daß weder dem Kollegen Nebbel noch mir eine Einladung zu dieser Sitzung zugegangen ist. Auf der Tagesordnung steht die dritte Berätung des Gesetz- entwurfs zur �bZnöerung öes ftrtike!s 11 öer verfaß ung, wonach zur K r t e g§? r k l ä r u n g, zu Friedensverträgen und zu Verträgen über Gegenstände der- Reichsgesetzgebung die Zustimmung des Bundesrats und Reichstags er- sorderlick ist. Hierzu. liegt ein Abänderungsankrag der MehrheitSparteien vor, wonach der Reichskanzler zu seiner Amtsführung des Ver- trauen? des Reichstags bedarf, und serner für alle Hand- lnngen de? Kaisers von politischer Bedeutung, die der Kaiser in Ausübung seiner verta'sungsmäßigen Befugnisse vornimmt, die Verantwortung trägt. Weiter wird bestimmt, daß die Erneu- nting, Verie.tzuna Beförderung und Verabschie- düng der Offiziere und Beamten der Armee und Marine unier Gegenzeichnung des Reichskanzlers erfolgt. Entsprechende Bestimmungen sollen auch für die Kontingente gelten, wo die Gegenzeichnung des Kriegsministers des Kontingents not- wendig ist, i? Abg. Gros Westarp l?.. zur Geschäftsordnung): Meine Freunde widersprechen der Beratung des Abanderungsantrages int gegenwärtigen Stadium der Verhandlungen. Abänderung?- an wäge sind bei der dritten Lesung zwar zulässig, hier bandelt es sich aber nicht um einen Abänderungsanirag. sondent um den Vor- kchlag eines n e u n Gesetzes. Die vorgeschlagenen Verfassung?- ändernngen betreffen andere Materien als der Artikel lt. Präsident FebrenbaK: In früberen Fällen ist die Frage der Zulässigkeit von Anträgen bei der dritten Lesung, d. h. also ob die gestellten Anträge in wesentlicher Verbindung mit der Hauptfrage sieben, stets durch Mebrbeitsbeschlnß entschieden worden. Abg. Gröber lZ.): Als die bekannte Lex Heintze vorgelegt wurde/ wurden auch, in der dritten Lesung zahlreiche Anträge auf Abänderung von anderen Bestimmungen des Strafgesetzbuckes ge- stellt und.niemand erhob Einspruck dagegen. Bei einer Vorlage, welche die Verfassung ändern will, sind wir also formal im Recht, wenn wir auch andere Artikel der Verfassung ab- ändern. Abg. Graf Westarp ik.): Bei dem vom Abg. Gröber angeführten Fall Hai eben niemand widersvrochen. Hier aber widersprechen wir und würden einen Mehrheitsbeschluß als einen Bruch der G e ck ä i t§ o r d n u n g auffassen. Abg. Eberl iSoz.): Bei Meinungsverschiedenheiten ist stets durch MebrheitSbeschsuß entschieden worden und so muß auch beute ent- schieden werden. In der Sache selbst schließe ich mick vollkommen dem Abg. Gröber an. Do? Hau? hat in zahlreichen Fällen sich bei der Zniassung von Anträgen nicht aus euten so engen formalistischen Standpunkt gestellt; ich erinnere nur daran, daß im Jahre i9M bei Erledigung des Flottengesetzes eine Aenderugg des Zoll- t a r i s s und des Stempelgesetzes vorgenommen wurde. Wir bandeln also bei Stellung un'ere? AbänderungSontrageS durch- au? im Geist der Geschäs�Sordnung und bleiben in Uebereinstimmung mit lbren Bestimmungen. ilbg Haake!lt. Sog):Meine Fraktion wird keinen Wider- 's p ru ck gegen die Zulässigkeii der Verhandlung der Abänderungs- »nträge erbeben. Abg. Eberl(Sog.): Meine Freunde sind niemals der Anffassung gewesen daß der Tiie! eines Gesetzes entscheidend ist für die lim- grenznng der in dem Gesetz behandelten Materie. Die GeschöstsordunngSdebatie schließt. Gegen die Stimmen der Rechten wird die Zulässigkeit dar AbänderungSanträge beschtossew Abg. Mnller-Meinsngen(Vp.): Die Behauptung, daß unsere Anträge vom Ausland d! k' i e r t seien, kan-n nur 11 a w i s s e n b e! t aukstellen. All die Anträge baben schon den V e r f a s s u n g s a u S s ch u ß beschäf- t i g t. Für die rein platonische, moralische Verantwortli chk.üt des Reickskonzlers soll bier die staa!sr?chtlich-juristische Veraniiportlichkeil festgestellt werden. Wir vollenden hier, was unsere Väter gewallt baben. und folgen damit den besten Tra- diltouen de S deutschen Parlamentarismus. (Bravoll Ahg Lisi lnat.) erklärt da? Einverständnis seiner Freunde mit den Anträgen. Das nationale Interesse gobteiet die notwendigen VerfassungsänderiiNgen schleunigst geltende? Recht werdM zu lassen, damit dem Ausland s e d e r? o r w n n d zu der Bebouptung genommen wird, eine Fortkührung dieses Krieges richte sich gegen irgendwelche Machthaber in Deutschland und nich! gegen das deutsche Voll lSehr richtigil Ein Abä iderungSantrag Albrecht lll. Soz.) kann nicht mit zur Debatt- gestellt werden, da er nicht die notwendigen Unterschriften hat. Abg. V. Grase(f.): Die Anträge baben die weitestgehenden Konsegnenzen. Schon erwäg! man ein« Aenderung de? Fahneneides eine ilnErsi'lllina de? Großen G e n e r a l st a b s„ unter den Reichskanzler lTehr richtig! links. 1 Das wäre allerdings die log,lche Kvnseauenz dieser Aniräae. daher können sie nickt'n dieser EUe er! chigj werden Die Unterstellung deS Reichskanzler unier den Willen der Mehrheit de? Reichstags würde auch die Unterstellung der p r e u ß'! ch e n Stimmen im Bundesrai unter diese Mehrheit stellen Damit berauben Si« Preußen seines bisherigen kührenden Einflusses im Bundesrat. Das ist ein voNsinndiger Umsturz, ein« völlige Entrechtung Preußens. lSehr wahrl rechts.) E? wäre uoveritändlich wenn der Bundesrat dem ohne w e i t e r e s z» st> m m e n würde. tZchr wah-I rechts.) So ganz kein» man dock die großen Verdienste Preußen? nicht vergessen Der Reichstag soll denn auch entscheiden, was politische, Handlungen des Kaiser? sind Das muß zu ständigen Konflikten rühren Die Koinmandoaewalt der Krone soll hier restlos be- seitigt word'n Dös' soll man als alter Soldat, als alter Preuße und Deutscher mitmachen! Früher baben Sie bestritten. daß Sie das Königtum zu einem Schattenkönigtum herab- drücken wollen. Heut« aber sind Sie soweit. Tun Sie das frei- willig oder weil Wilson es fordert? Und welch? Erbitterung muß?? b-i den Feldgrauen auslösen, wenn das persönliche Band zwischen ihnen und dem obersten Kriegsherrn zerrissen würde. Die?lrmeeemptindetdiesen Eingriffalsschwere Kränkung, und ich bin überzeugt. baß die maßgebenden Stellen das nicht mitmachen werde«. lUnruhe links.) Sie berufen sich auf die militärischen Stellen nur, wenn e? Ihnen paßt; wie Hindenburg aber über die Wilson-Note denkt, erfährt das frei? Volk unter der demokratischen Regierung nicht. Ich vertraue darauf, daß die allerhöchste Stelle sich nicht z u solcher Machtlosigkeit verurteilen lassen wird.(Un- rithe links.) Das monarchische Gefühl werden Sie dem deutschen Volk nicht aus dem Herzen reißen. Die Art. wie Abg. Cohn gestern gesprochen hat, wird auch' in sozialdemokratischen K r e i s e n die Mauern derer verstärken, die sich vor die Person des lagen im Reichstag. Kaisers stellen. Wie die Besprechung der Wilson-Roie hier ab- geschnitten wurde, bevor die Sache erledigt ist, erweckt den Anschein, daß Sie vor weiterer Verhandlung mit Wilson ihm erst den Köder hinwerfen wollen, daß Sie die Krone absolut ohnmächtig gemacht haben. Von der äußersten Linken begreifen wir das, die anderen aber werden diesen Schritt noch bitter bereuen.(Lebhafter Beifall rechts.) . Staatssekretär Grober: Wenn die Anträge Annahme finden, wird die Reichs« leitung im Bundesrat für sie eintreten.(Bravo I bei d«r Mehrheit.) Zunächst handelt es sich um die Mitwirkung des Reichstages bei der Entscheidung über Krieg und Frieden. Gerade dieser Krieg beweist, daß ein einzelner, und mag er noch so hervorragend und gewissenhaft sein, die Verantwortung für einen Krieg nicht tragen kann, sie muß vom ganzen Volke ge- tragen werden. Heute kann ein Krieg nur geführt werden, wenn er ein wahrer Volkskrieg ist. Daß der Reichskanzler das Vertrauen des Reichstages bedarf, ist lediglich die Formulierung seiner eigenen Erklärung, daß, er zur Führung, seines Amte? des Vertrauens der Mehrheit sicher sein muß. Die Aus- dehnung der Verantwortlichkeit auf alle H a n d l u.n g e n des Kaisers entspricht heute schon einer richtigen Auslegung. So ist z. B, die Entsendung von Truppen nach F i n n» land nicht nur von militärischer, sondern auch von großer poli« ti scher Bedeutung. Das gleiche gilt für die B'ebandlnng der besetzten Gebiete und ihrer Bevölkerung. Dem Reichs- tage gegenüber muß dafür eine verantwortliche Stelle vorhanden sein.� Ich erinnere an den Artikel des Fürsten Bismarck vom 24. Februar 1887 in der„Post", worin er das Problem der belgi- .scheu Neutralität erörterte und es als einen Irrtum bezeichnet, dost die Leitung der Politik den Gesichtspunkten de? GeneralstabS nnterworfen sei und nicht ningskehrt, daß vielmehr die Politik Über den Gesichtspunkten des GeneralstabS sieben müsse. Auch Fürst Bülow bat am 19. Januar 1993 erklärt, daß er in weitem Rabmen die Verantwortung für die Rückwirkung persönlicher Kundgebungen übernebme. In der Frage der Erklärung des unbeschränkten U-Boot-Kriege? hat Bethmann Hollweg es für not- wendig gehalwn, sich Deckung durch den Reichstag zu verschaffen. Einige Fragen, die jetzt aus der Kommandaaewalt deS Kaisers ausscheiden, sind in Sachsen und Württemberg ähnlich geregeli. Da? persönliche Treneverbältnis der Ossiziere zum Monarchen wird dadurch nicht geändert, eS hängt nicht ab von staatsrechtlicken Neanlierunaen, sondern eS ist ein Herzens- und PflichtbtzpürfniS tzotn' Stnndpuntt des Offizierskorps. Vizepräsident Dave teilt mit. daß die Anträge Alb recht jetzt die genügende Z a h l. v v« Unterschriften gefunden haben also mit zur Debatte stehen. Diese Anträge tvollcn den Bundesrat hei der Entscheidung über Krieg und Frieden ganz ausscheiden, außerdem in jedem Bundesstaat das allgemeine, gleiche, g e b e i in e und direkte Wablreebt für Männer und Frauen im Alter von über 29 Jabren einfübren, die fünfiährigen Legtslainr- Perioden durch einjährige ersetzen, und verlangen vom Reich?- kanzler alljährliche s ch r i f t l i ck? e Berichte. Abg. KandSberg(Soz.): Die Anträge Albrecht enthalten durchaus be achtens- werte Anregungen. Man wird sick über sde im einzelnen unterboten müssen und deshalb beantrage ich, sie dem PerkaKunas- ansschuß zu überweisen. Da? Sckwcnteww; der Ii- nwendunatn des Abg. Gräfe richtete sich nur gegen imfeeen Antrag zu � 53(Er- nennung von Qisizieren uj«). Kr bat also nl.ßt,«'"f*'wüßt, daß in B a tz? r n, Sachsen, W ü r t t e m b e r a i«ht bei eits di e Unterzeichnung de? KrieasministerS nottgendig ist. und daß wir nur die Wiederherstellung des Znstandes verlangen der bis 1831 bestanden bat. Herr b. Gräfe bebaupiete, die Linke habe früher einmal bestritten, daß das parlamentarische System zum Schatten« köniatum führe. Ick stelle richtig, daß ick e? war. der bei einer Rede des Herrn v. Gräfe über die? Thema ihm den Zuruf machte: „Eduard VII. I" und damals antwortete er und hat damit da? parlamentarische System aründlicki aerecktfert'at:„Was wollen Sie? Das war Bttch ein tüchtiger Kerl! (Schallende Heiterkeit.) Also ein tüchtiger Mann wird durch daS parlamentarische. System nicht verhindert, Tüchtiges zu leisten, wobl aber ein untüchtiger Mann, Unheil a u q u-r i ch t c n. (Sehr richtig!) Die„Kreuzzeiinng" schreibt gegen unsere An- träge, es zeige sich in ihnen der Geist von Zaber» Daß ist eine Kühnheit sondergleichen. Hat doch uns allen hier das Herz geblutet, als� der Vertreter des k e r n d e u t s ch e ck Elsaß steh hier vom D uischen Reiche l o S g e s a a t hat, Tas ist die Folge deS Geistes von Zobern! Diesen Geist sind wir zu vertreiben willens, und uni«re Anträge sind das e r st e, aber nicht daZ letzte Zeichen dieses Willens. Ihre Entstehung verdanken sie nicht dem Dijsiat einer auswärtigen Macht, sondern sie sind gebor, n aus dem Glauben an unser Volk und leine Zukunft. Nationen, denen daS Kriegsglück versagt war. sind schon oft wieder e r- stärkt, und wir haben den festen Glauben, daß auch unser Volk sich wieder aufrichten wird. Das wird aber nur geschehen können, wenn es die Fehler abstellt, die zum Nieder» gang führten. Durch unseee Verfassungsänderungen erklären 'wir: Wir verlegen den Staat in daß Volk. Die„Deutsche Tage?? zeituug" ichreibt, sie könne sich«och immer nicht denken, daß die Habenzollern und die Regierung zustimmen werden und die.Kreise, denen Treu? zu Kaiiet, Reich Hmdetzbueg nicht leer? Worte sind, dadurch zum äußersten treiben werden. Man will sich also veisassungSmäßig zustande gekomenen'Gesetzen gewaltsam widersetzen. Die Armee»wird gegen die Regierung ausgespielt, und da? Eckio hörten wir hier, als.Herr v. Gräle ausrief: Die Armee wird sich diese Aenderung der Bersassung nicht gefallen lassen! Das ist eine unerhörte, eine ruchlose Aeußerung. ,(Lcbh. Sehr richtig I). Hat ein Mann, der das sagt, auch nur d»Z geringste Verständnis für die Lage unseres Volkes, und wenn er es hat wie ist das Gewi.ssen dieses Marines beschaksen? Die Armee soll die Freiheit des Volkes schützen, nicht aber ver» nickten. Diejenigen, die mit dem. Gedanken des Appells an Sie Gewalt spielen, spielen va kangue. Keiner von uns will einen Frieden der Schmach, einen Frieden der nationalen Zerstücke- lung. Bricht die Front im Westen zusammen, so haben wir unser Schicksal nicht mehr in der Hand, so sind wir ausschließlich Objekt der Friedensverhandlung. Und die Front mutz zu- sammenbrechen, wenn im Jnlande der Bürgerkrieg tobt.(Sehr wahr!) Hier ist eine Mehrheit an der Arbeit, die gekillt ist und die Kraft haben wird, der Freiheit in Deutschland eine Gasse zu bahnen. Niemand darf diese Mehrhei! an der Arbeit hindern, und niemand wird sie hindern können. Einer Volksmehrheit, die unterdrückt ist. bestreite ich nicht das Recht auf Revolution. Niemals aber hat eine Minderheit das Niecht der bewaffneten Erhebung zur Verhängung dor Diktatur, und am wenigsten dann, wenn ihr eine erfolgreiche Mitarbeit am Bau des Volles mögkich ist. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dernstem HI. Soz.): Herr v. Gräfe hat geschlossen mit einem Aufruf an die »irone z u einem Staats st rei ch.H�as mutz aufs schärfste verurteilt wenden. Die Anträge, gegen di�r sich so heftig gewendet hat, sind dabei nur etwas Halbes. Denn das Zuziehen des Bundes- rats zu Entscheidungen über Ltrieg und Frieden und zu Verträgen ist überflüssig und entzieht die Entscheidung dem Volke.— Durch die Anträge über die Komandogsvalt wird wenig an den bestehen- den Zuständen geändert. Der Kaiser behält schliesslich doch das Heft in der Hand, er kann in die Armee einen Geist hineinbringen» der für die Demokratie ausserordentlich gefährlich ist. Die Früchte dieses Geistes, der in der Armee auch in den Reserveoffizieren aeotzgczogcn ist, erleben wir ja jetzt.(Sehr wahr! bei den II. Sog.) Wir werden nicht gegen den Antrag stimmen, aber wir täuschen uns nicht über seine Dragweite. Die Ileberweisung unseres Antrags cm den Vcrfassungsausschuss scheint ein Begräbnis dieser Anträge be- deuten zu sollen.(Sehr wahr! bei den U. Soz.) Wilson leimt es ab, mit denen zu verhandeln, die jetzt an der Spitze des Deutschen Reiches stehen. Dem müssen wir entgegenkommen, wenn wir über- Haupt einem Frieden haben wollen. Es gibt keine verbrecherischere Handlung, als das Volk da-rüber zu täuschen, ivas jetzt auf dem Spiele steht, wenn der Krieg noch weitergeht.(Sehr wahr! bei den U. Soz.) Tie Regierung und kein Politiker darf eine solche Vs bangue-Politik treiben. Wenn jetzt die k o m m a n d i e- renden Generäle aufgerufen werden, so protestieren wir auf das schärfste dagegen. Wenn diese Agitation weiter geht, so werden wir die Volksmassen dagegen aufrufen. (Lebhafte Zustimmung bei den ll. Soz.) Zu den Persönlichkeiten, die sich heute wieder' in den Vordergrund drängen, gehört auch General Keim. Er ist einer derjenigen, die mitgearbeitet haben an der Herbeiführung der Sitwation, die diesen Krieg zur Folge gehabt hat.(Sehr wahr! links.) Dieser General Keim bezieht seit Anfang dieses Jahrhunderts von einer unserer ersten Nüstuugsfirmen ein ständiges Gehalt. (Stürm, Hört, hört! links,) Ich stelle das hier fest, um der Agi- tatzion dieses Herrn ein Ende zu machen. Und General Keim ist nickt der einzige General, der von dieser Firma ein Gehalt bezieht. (Hört, hört!) Sollte die Agitation dieser Leute Erfolg haben, dann fällt.auf'sie die ganze Verantwortung für alles, was dann kommt.(Lebh. Beifall bei den U. Soz.) Kriegsminister von Scheuch: Ich kann in Uebereinstimmung mit den Ausführungen deS Herrn Staatssekretär Gröber nack reiflicher Prüfung der vorliegsu- den Anträge, in der Form, die sie gefunden haben und in ihrem Fnhalt nichts mehr finden, was eine Gefährdung des festen Gefüges unseres Heeres verursachen könnte. (Hört, hörtl bei den U Sog.) besondoren wird das persönliche Verhältnis zwischen König und Offizieren durch die Anträge nicht berührt,(Hört, hört! bei den U. Soz.) Die.deutsche Mannes- reue wird auch in Zukunft unerschüttert bestehen als eine der ichersten Stützen unseres Hee-rwesens. Damit schliesst die Debatte. Die Anträge A l b r e ch t(U. Soz.) Iverden gegen die Stimmen der IT. Soz, und der Konservatwen dem Berfa ssungsauS- s ch u ss überwiesen. Die Verfassungsänderungen werden nach den Anträgen der MehrhcitZparteien gegen die Stimmen der Konservativen a«ge- nommrn. Der Präsident wird ermächtigt, Zeit und Tagesordnung der nächsten Sitzung festzusetzen. Schluß gegen 6 Uhr._ GeWerkschafisbeuMung Masicnkunöiglmgen in öer»Noröstern�- • versicherkMgs-M.-Gef. Unter den Handlungsgehilfen ist die Berussschicht der Versiche- rungsangestellten diejenige, deren wirischaftlicke Lage geradezu als elend zu bezeichnen ist. Niedrigste Entlohnung paart sich mit völliger Hörigkeit im Arbeitsverhältnis. Scheinbar haben die An- gestellten dieser Betriebe eine sehr geringe Arbeitszeit. I.,,olge der geradezu unverantwortlich geringen Besoldung besteht aber keine andere Möglichkeit zum Leben, als durch Leistung zahlreicher Ueberstunden wenigstens soviel zu verdienen, als man irgend kann. Dazu sind viele auch gezwungen, Hausarbeit mitzunehmen, um ihre Familie zu ernähren. Ein ganz besonderes Shstem der Wohl-, Tätigkeit läuft nebenher. Weil die Firmen wissen, daß trotz Ueber- stunden und Hausarbeit der Angestellte mit seinem Verdienst nicht auskommen kann, so hat man vielfach die Einrkfstung der Kreditgewährung geschaffen. Es gibt Firmen, wie z. B. die„Viktoria", � bei der jeder verheiratete Beamte bis zum dreifachen Betrage seines Monatsgehalts Kredit nehmen kann. Zu diesem Zweck sind sogenannte Spar- und Darlehnskasscn eingerichtet. Dazu kommen Darlehen, die der Bersicherungsaugcstellte auf seine verschiedenen Versicherungspolicen, die er bei der Firma eingehen muß, ein- nehmen kann. Alle diese Darlehen müssen natürlich in einem be- stimmten System in monatlichen Raten w'eder abgezahlt werden. Hieraus ergibt sich eine enornrc Belastung seineS-WirtschaftskontoS, . was häufig schon in der jetzigen Zeit zum Zusammenbruch der Er'ftenz geführt hat. Man kann sich vorstellen, datz eine /solche Ängestelltcnschicht dem Unternehmer gegenüber in ein Hörig- keitsverhältnis gelangt, das auch dem gesamten Stand seinen Stem- pel aufgedrückt hat. Daraus erklärt sich auch, datz gerade diese Berufsschicht bisher in viel ger'ngerer Zahl den Weg zur geWerk- schaftlichen Organisation gefunden Hai, Bittschriften waren es meist, mit denen man den Versuch unlernahm, seine Lage zu bessern. �����An�tellten��-Nardstc���wn�mv��wgus�d�� der Direktion eine solche Bittschrift unterbreitet, in der um aus- reichende Gehaltserhöhungen gebeten wurde. Sie erfuhren, wie immer, eine Ablehnung. Am 1. Oktober d. I. haben nun d'c Angestellten der„Nordstern" durch ihr« Organisation, den Zentralver- band der Handlungsgehilfen, eine gemeinsam- Forderung aus Aus- besscrung ihrer Gehälter wie folgt gestellt: Für Ledige 40 M.. für Verheiratete 70 M., für jedes Unterhaltungspflichtige Kind ein Zuschlag von tö M, zum bisherigen Gehalt. Zuletzt zahlte die Firma einmal am Ouartalsschlutz eine Teuerungszulage je nach der Gehaltshöhe bis zu 35 Proz. des Monatsgehalts für Verhe:- ratete, Unverheiratete und Weibliche erhielten zwei Drittel dieser Beträge. Die Angestellten mutzten niemals, ob sie am nächsten Quartalsende noch darauf zu rechnen haben oder nicht. Sie for- dern jetzt eine Umwandlung der Quartalstcuerungszulage in eine monatliche, weil sie gezwungen sind, diese Beträge für die Ernäh- rung auszugeben. In den Verhandlungen des Zentralverbandcs der Handlungs- gehilsen mit der Direktion erklärte dieselbe sich bereit,„in den Grenzen des Möglichen" etwas zu tun, lietz aber durchblicken, datz man nicht gewillt ist, auf der Grundlage der Forderungen der An- gestellten, sondern nur nach Leistung und Fähigkeit ewas zu gewähren. Das höchste Entgegenkommen wäre aber die Erfüllung von'nsxesamt zivil Drirtel der Forderungen. Die Direktion der- schae.zke sich hinter den Auffichtsrat, dessen Entscheidung am 29. Oktober fallen soll. Am 23. Okiober haben die Angestellten zu dem Verhandlungsresultat Stellung genommen. Es kenn dabei zum Ausdruck, datz man eine generelle Forderung wie oben wieder- gegeben gestellt Hobe, nicht etwa um Leistungen und Fähigkeiten a /zuwägen, scrdern um die im Laufe der Zeit gegenüber der Teuerung'so stark zurückgebliebenen Einkommen in Einklang zu bringen. Tie Teuerung sei für Befähigte und tsteniger Befähigte volikommen gleich, deswegen könne man auch nur Unterschiede zw'schcn Ledigen, Verheirateten und Verheirateten mit Kindern zulassen. Die Angestellten müßten darauf dringen, datz ihnen ein Existenzmin mum zugebilligt würde. Wie berechtigt die Forderun- gen der Angestellten sind, ergibt sich aus einzelnen Angaben. Wenn man darauf hinweisen kann, datz in einer Gruppe von 14 in der Buchhaltung tätigen Damen ein Durchschnittseinkommen inklusive der Teuerungszulage von 150 M. pro Monat erreicht wurde, 13 Stenotypistinnen in einer Gruppe erzielen ein Durchschnittseinkom- men von 110 M., eine Oruppe von 9 Männern eine» Versicherungs- oureauS erzielen ein Durchschnittseinkommen von 190 Mk., eine Gruppe von 20 Hilfsbeamtinnen hat ein Durchschnittseinkommen von 123 M. pro Monat. Dagegen beziehen die 5 Vorstandspersonen der Lebensversiche- rung„Nordstern" alle'n an Tantieme 110 718 Mk.. 10 Aufstchtsräte 197 532 Mk. Dabei ist zu bemerken, datz die Firma drei grosse Versicherungszweige betreibt: Lebensversicherung, die Feuer- und die Unfallversicherung und datz die Direktoren nicht nur von der Lebensversicherung, sondern auch von der Unfall- und der Feuer. Versicherung ähnlich hohe Tantiemen beziehen. Die Gehälter der Direktoren und die Prunkbauten der Firma stehen in einem krassen Gegensatz zu den elenden Einkommensverhältnissen der Angestell- Jen, Die Angestellten haben in ihrer letzten Versammlung, von der Notlage getrieben, in der nachstehenden Resolution ihren Stand- Punkt dargelegt: „Tic versammelten Angestellten der„Nordstern" Versiche- rungs-A.-G. erklären, daß sie die Zugeständnisse der Direktion als ungenügend betrachten und an ihren bescheidenen Forderun- gen einer generellen Gehaltsausbesseriing für Ledige 40 M., für Verheiratete 70 M., für jedes Kind 15 M. pro Monat iesthalten. Weiter wird grundsätzlich die monatliche Auszahlung der bisher quartalsiveise bezahlten Teuerungszulage in d»r umge- rechneten Höhe gefordert. Da es sich bei diesen Forderungen um «inen Ausgleich der Teuerung bandelt, müssen es die Angestellten ablehnen, ungleichen, nach Leistung und Fähigkeit der Angestell- ten abgestuften Zulagen zuzustimmen. Deshalb ersuchen die Ver. sammelten Direktion und Aufsichtsrat, die Mindestforderungen der Angestellten zu erfüllen, wei-l sie aus der Not der Zeit ge- boren sind. Die Angestellten verpflichten sich für den Fall der Ablehnung zum nächsten Termin die Massenkündigung ein- zureichen" ES wird abzuwarten sein, welche Stellung die Auffichtsrats- sitzung am 29. Oktober zu dieser Angelegenheit nehmen wird. Wir meinen, datz es einer so kapitalkräftigen Firma in der gegen- wärtigen Zeit nicht allzu schwer fallen dürfte, die bescheidenen Forderungen der Angestellten restlos zu erfüllen. Ei» paritätischer Arbeitsnachweis für das Textil- gewerbe Groß-Berlins. Schon seit Jahren erstrebte die Verwaltung Berlin de» Deut- schcn Textstlarbeiterverbandes die Umwandlung ihres Facharbcits- nachweises in einen paritätischen unter Verwaltung der Stadt Berlin, aber alle Bestrebungen scheiterten an der.Einsichtslofigkeit der Arbeitgeberorgann'ationen, von denen das Gross Berliner Teptilgewerbe neun selbständige Organisaftonen besitzt, darunter zwo! Innungen. Auch bier mufctc erit d-r Krieg eine Aendcrung berbc�ührcn. Jetzt haben folgende drei Arbeitgeberorganisationen: Dekatur-Vereinigung, Freie Vereinigung Berliner Möbelposa- menren und die Posamenten- und Seidenknopfmacher-Innung Berlin, mit den Arbeitnehmcrorganisaftoncn: D?ntsck>er Tcxtil- arbeiterverband und Gewerkverein(Hirsch Duncker), die Gründung eines paritätischen Nachlveises beschlossen. Am 1. April 1919 soll derselbe in den Räumen des städtischen Arbeitsnachweises Berlin in der Gormannstratze eröffnet werden, wenn nicht zwingende Gründe eine schon frühere Eröfstmng notwendig machen. Forderungen der Telegrapbenarbeiter. Die Bezirksleiter. Vertrauensleute und Ausschutzmitgfteder der Aebefterun���dl�wkc��c��ftich�lost-�ni�Tele�aphenve� walt-ung traten am gestrigen Sonnabend zu ebner autzeaordentftchen Tagung zusammen Nach e:nem Referat des BundsSscrretärS Vallenthm Über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage sowie über die notgedrungencn Forderungen der Tslegraphcnarbeiter wurden folgende Anträge in Form einer Entschließung angenommen und die Ausschutzmitglieder sowie die Organisationsleitung beauftragt, diese den zuständigen Behörden und der Volksvertretung sofort zu übermitteln: 1. Erhöhung der bis jetzt gezahlten Tagelöhnc um durch- schnittlich 25 Proz rückwirkend vom 1. Oktober 1918 an alle ständig beschäftigten Arbeiter, Handwerker und Hilfsarbeiter. 2. Erhöhung der bis jetzt gezahlten Teuerungslohn, Zuschläge um durchschnittlich 25 Proz. rückwirkend vom 1. Oktober 1918 an alle Arbeiter, Handwerker und Hilfsarbeiter. 3a. Nachgewährung der zu wenig gezahlten einmaligen Teue- rungszulagen im August 1918 durch Borenthaltung von zwei ge- leisteten Arbvitstagen.* 3b. Erhöhung der Höchstgrenze der einmalig gezahlten Teue- ruugszulage im August 1913 von 500 auf 650 M., damit die An- zahl der Kinder von 3 bis 7 Berücksichtigung findet. 4. Die Dauer der Arbeitszeit dahin zu ändern, datz nicht wie bisher 60 Arbeitsstunden herauskommen, sondern datz das Höchst- maß der Arbeitszeit aus 54 Stunden, d. b auf täglich 0 Stunden beschränkt wird, und zwar vyn morgens 7 bis nachmiltags 5 Uhr mit einer halbstündigen Frühstücks- und einer halbstündigen Mit- tagspause. 5. Erweiterte Ui laubsgewährung an die Telegraphenarbeiter und Handwerker bei Beerdigung eines verstorbenen Kollegen. parteinackrickiten. Die sozialdemokratische Partei Altonas hat durch den To> eines hervorragend tätigen Genossen einen emtpfindlichen Verlust erlitten, Ernst Block, der bereits in seinen Jugendjahren unter dem Ausnahmegesetz gefähiliche Pionierarbeit für die sozialistische Sache geleistet bat, ist einer tückischen Krankheit im Alter von 54 Jahren erlegen. Block gehörte lange Jahre dem Zentralvorstand des achten und zehnten Wahlkreises und seit dem vorigen Jahre der Press- kommission des„Hamburger Echo" an Von seiner Gewerkschaft, dem Deutschen Metallardeiiterverband, wurde er in den bald nach Kriegsarisbruch errichteten Arbeitsnachweis der Stadt Altona ent- sandt. wo er in Verbindung mit dem Direktor Bauersfeld Hervor- ragendes geleistet hat. Tic„Müllwuser DolkSzeitung", unser oberelsässer Parteiblatt, hat in den letzten drei Wochen 8 0 0 0 Abonnenten gewonnen. Znöustrie und Kandel. (Siehe auch 2. Beilage.) Schließung der Börse? _ Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" setzt sich für die Schlietzung der Essener Börse ein, auf der, seit die selb- ständigen Kohlengewerlsckaften immer seltener geworden sind, meist nur Kalikuxe gehandelt iverden. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" begründet dieses Ver- langen mit dem kolossalen Kurssturz, der gerave auf diesem Marktgebiete erfolgt ist. Die bisherige Bewertung der Kaliaktien und Kalikuxe habe sich auf dem Kalimonopole Deutschlands und auf der Hoffnung auf einen Siegfrieden aufgebaut. Diese Erwartungen und Berechnungen seien zusammengebrochen. Die drohende Abtretung des Elsatz werde auch das deutsche Kalimonopol durchbrechen und damit eine Neubewertung des in ihm arbeitenden Kapitals erforderst. Es ist wahr, datz diese Erwägungen an dem Zusammenbruche des Kalimarktes mit. beteiligt sind; aber nicht minder wahr jst, datz der Einsturz deS Kursgebäudes so rasch und vollständig er- folgte, weil eine fieberhaft erregte Spekulation als Agiotage trieb und entgegen allen dringlichen Warnungen der Reichsbank Kredit für Börsengeschäfte, und zwar ganz besonders beim Geschäft in Kcrlikuxen, gegeben wurde. Das Verlangen nach Schlietzung der Börse ist in diesem Falle wie bei den meisten Gelegenheiten nicht nur unberechtigt, sondern auch ein untaugliches Mittel. Wenn der offizielle Markt, den die Börse darstellt, chcht funkftoniert, verschleudern die in Angst ver- setzten Kavitalistea ihren Besitz ohne jede Rücksicht aus eine ver- nünftige Bewertung unter der Hand. Die Anpassung der Kurse an die politische Lage ist nicht aufzuhaltcn. Es wird glänzend weiter verdient Die Einnahmen der Porzellanfabrik KönigSzelt konnten au-s der Fabrikation von 324 311 auf 882 311 M. gesteigert werden. Nach Abzug der Handlungsunkosten sowie der Abschreibungen von 53196 M. l44 347) steht ein Uebcrschutz in Hölze von 664 372 M. (33 0761 zur Verfügung. Die Verwaltung schlägt vor. aus dem Ueber schütz 12 Prvz. Dividende(i. V. 0 Proz.) zu zahlen. §rauen-Leseabenöe. Scköiieberg. En Frauenleseabend slndct morgen Montag, nllends ustz 11!>r, bei Zimmermann, Tcmpelbojer- Ecke Etzci silrajje, statt. Genosse Reinbold Küter spricht über: Vollcswitle und V o l k e s k r a f t. iZeramworllich Mr, Erich Suttner, Berlin: lür den übrigen Teil des idlatlsZ! Alfred Schot». Neukölln: kür Anzeigen Tdcodor Glinkc, Berlin. Verlag: AorwärtS-Verlag ffl. nl b. H., Berten, Druck Borwüris-Buchvruckeret und VerlagSanstall Paul Singer ü. Co. tn Berlin. Lindcnlnaße 2. _ Hierzu 3 Beilagen._ —WM»»»■■■II l'lll■! i Ii IiIMIi1 ll1 inil WW'II 1» HUI H 1 lillili Uli■ IHIMIIIH illlllllllHB €/, IPertßcini r Blusen der KeichsbeKieidun�s-Stelle 10.00, 10.85, 12.00, 13.80 Verkau! nur gegen besonüeren Berliner Bezugsschein. > Kleiderstoffe Kostümstoffe uo c br«...«1, 36.00 Seiden-Kaschmir igr�Ä 84.00 V« sc»«fia 139 cm breit, für Kostüme u. Mämel V>neVlCHSIOne m Wolle, Halbwolle, Kunstwolle in verschiedenen Farben u d Preislagen. Hauskleiderstorfe wollanige Stärke Stoffe Ml, 24.00 39.00 45.00 Tetz-Mäntel \ Breitschwanz-, Sealbisam-, Nutria-, Persianer-, Maulwurf-, Zobelfeh-, Stoff-Mäntel mit Pelz gefüttert. 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