Jtr,BB4a. BS.Iahrs. Bezugspreis, SierJeTia�rL 6,76 M!. mortui. 2:26 BH. frei ins Haus, vorauszahldar. Einzelne Nummern 10 Plennig. Postbezug: Monallich 2L6 Ml.. fj(L ZustellungS» gesollt Umet Kreuzband iOt Deutschland u. cesterreich-Ungarn>.60 Ml, für das übrige Ausland".so Mt. bei lüglich einmaliger Auslegung 7,6>l Ml. Postdesiellunaen nehmen an Düne- mari. Hallaich. Luxemburg. Schweden und die Ichweiz eingetragen w die Baft-Zettungs-Preieliste. Ter. Vorwärts' erlchent wochentäglich iweimat. Sonntags elnmal. Abend-Ansgaw. m> Telegramm-Adreffe: .Soztaldemotrat Äer tn". Berliner Volksblntt. (10 Pfennig) Anzeigenpreis: Di« achtgespaltene Nonvareillezeil» lostei 60 Pfg.»lilein« Anzeigen". das'«ttgedrutltc Wor, 4l) Psg. lgulässig 2 fettgedruckte Wortes, ledes weitere Wo« 20 Lsg. Stellengesuche und Kchlasstcllen anzeigen das erste Wort 90 Lsg., ledes weitere Wort 16 Lsg. Warte über lb Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 80%. Narnillen-Anzeigen, volittsche und gewerlschastliche Bercin»- Anzeige» SO Lsg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Uhe nachmittags im Hauptgelchäsi Berlin KB. SS. Lindenstrahe i, ab ,egrben werden. Acüsfnel von S Uhr früh bis S Uhr abends. tat Zentralorgan der foztaldemokratifchen parte» Deutfcblande. NeSaMon und Expedition: 68). SS, Änöenstr. 3. Kerttfprecher: 21ml Moritzpla», Nr. 15100-13197. Donnerstag, den 5. Dezember 1918. vorwärts-verlag G.m.b. H., 68). SS, Linöenstr.Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 03 LS u. 14« OS. L-oslotungsbestrebungen im Metten. Unter Führung öes Zentrums. Köln, i. Dezember. Zwei Riesenversammlungen forderten beute abend nach Ansprachen der Reichstagsabgeordneten T r l m b o r n und Marx(Zentrum) sowie des Hauptredakteurs L o e b e r unter gewaltigem Beifall baldige Proklamie- »ung einer dem Deutschen Reiche ungehörigen s e l b st ä n d i- gen Rheinisch-Westfälischen Republik unter salgendem Wortlaut: 5000 rheinische Bürger und Bürge- . rinnen, an, 4. Dezember 1918 in der Bürgergesellschaft zu Köln versammelt, fassen folgende Entschließung: In Bttbctracht der ttefarcisenden politischen Umwilzunsc« im Deutschen Reiche, in der Erkenntnis der völligen Unmöglichkeit. ' R v e r l i n eine geordnete Regierung z« schaffen, in der Uebexzeugung, daß die Länder am Rhein nebst Westfalen po» liiisch, kulturell und wirtschaftlich ausreichend staatsbildende Kräfte besttirn, gibt die Versammlung ihrem festen Willen AuS- druck, die Einheitlichkeit des Reiches zu wahren und den Wiederaufbau eines neuen deutschen Staatswesens von de» Ländern am Rhein und Westfalen auszunehmen. Tie Ler» sammlung fordert deshalb die anerkannten Vertreter des Volks- willens aller Parteien im Rhrinland und Westfalen und in an» deren Ländern am Rhein auf, baldigst die Proklamie rung einer dem Deutschen Reiche angrhSrigen selb- ständigen Rheinisch-Westfälischen Republik ia dir Wege zu leiten. CS zeigt sich jetzt, wowuf die von uns mehrfach gekenn- zeichneten Artikel rheinischer Zentrumsblätter, namentlich der «Köln, Volksztg.", hinausliefen, die von den Zuständen in Berlin ein ganz verzerrtes und unwahres Bild gaben. In jenen Berichten war es ständig so dargestellt, als ob in Berlin die Spartakusgruppe die Gewalt in den Händen habe. Diese Borspiegelungen sollten den Loslösungsbestrebungen Vor- schul» leisten. In Wirklichkeit hat in Berlin die Spartakus- kiruppe weit weniger zu sagen, als gerade in einigen rheini- jchen Städten wie Düsseldorf und Essen. Wir überlassen es selbstverständlich den Rheinländern und Westfalen vollkommen, wie sie sich innerhalb Deutschlands staatlich organisieren wollen. An dem alten Preußen als Staatsbegriff haben wir Sozialdemokraten nie gehangen, Preußen war in unseren Augen kein natürliches Staatsge- bilde, sondern nur die d y n a st i s ch e H a u s m a ch t der Hohenzollern, als solche genau so zusammengestückelt wie etwa das alte Oesterreich. Gerade in Berlin hat sich die Be- völkerung fast ausschließlich als Deutsche gefühlt und nie recht gewußt, daß sie nebenbei auch preußisch war. Wir haben also nichts dagegen, wenn das alte Preußen sich in seine natürlichen Bestandteile auflöst. Aber diesen unter Aegide des Zentrums stehenden Be- strebungen gegenüber ist einiges Mißtrauen am Platze. Wenn auch vorläufig der Wille betont wird, beim Reich zu bleiben, so. ist doch sehr fraglich, ob nicht durch eine derartige Bewegung' im jetzigen Moment der bekannte Plan unserer Feinde sehr stark gefördert wird, die Rhein- lande gänzlich vom Deutschen Reiche loSzu- lösen. Dem Zentrum kommt es offenbar vor allem darauf an. sich eine Privatdomäne klerikaler Rück st än- d i g k e i t zu schaffen, in welche die Schulreform keinen Ein- gang findet. Falls das Reich eine lose Bundesrepublik bleibt, wird es am Reiche festhalten. Bekommt aber das Reich eine straffe Zentralgewalt, dann dürfte sich sofort der wahre Cha« rakter der Zentrumsbewegung enthüllen. Absperrung des ganzen linken Rheinusers. Wie Elfaß-Lothrinsrn ist nunmehr auch dcS gesamte Rnle Rheinufer der Rheinprevinz von den feindlichen BesatzungSirupep» vollständig abgesperrt worden. Auch die Post erreicht feit dem 2. Dezember nicht mehr ihre Bestimmungsorte. Der deutsche Einspruch ist bereits angemeldet worden. Elsässtschr Staatsangehörige, die euS dem'deutschen Heeresdienste entlassen sind, werden trotz ordnungsmäßigen. Paffes an de» Schiffsbrücken durch dir französische» Truppen zurückgewiesen.«cU die rlsaß-lothringische Grenze bis zum 10. Drzembrr ge- sperrt sei. DieS verursacht große Unzufriedenheit, da die zurück- kehrenden Soldaten vielfach nicht mehr im Besitze von Barmittel« sind und man nicht recht weiß, welche Behörde für sie zu sorge» hat. Auch eliüssische Flüchtlinge, die zurückkehren wollen, werbe« von den französischen Grenz truppen zurückgewiesen, was ebenfalls ,« großer tlnzuftiedclcheit Anlaß gibt. ES ist von deutscher amtlicher Seite bereit? an zuständiger französischer Stelle auf diese Unzuträglich- keitrn hingewiesen worden. Die französischen Behörden veröffentlichen Erlasie, wonach sämtliche im elsaß-lothringischen Dienst befindlichen deutschen Be- amten an ihre Dienststellen zurückzukehren haben. Namentlich sollen die aus dem deutschen Heeresdienst entlassenen Beamten den französischen Lcrordnungen gemäß, ihre alten Stell»»- gen wieder einnchme». Trotzdem werde» die nach Elsaß-Lothringcn zurückkehrenden Beamten an der Grenze von französischen Brücken- wachen am Uebrrtritt ans elsaß-lothringischcS Gebist vorhin- dert. Bielfach sind auch bereits zurückgekehrte deutsche Beamte von den französischen Behörde» ansgcwiescn und über den Rhein abgeschobea worden. Di« Beschwerden de» französischen Ober- befchlShaber über die nicht erfolgte Rückkehr von elsaß-lothringifchcn Beamte« sind demnach vollständig unbegründet. Ein entsprechender amtlicher Hinweis ist von deutscher Seite bereits erfolgt. Der mit russischen KriegSgesangenrn aus dem Kaiserhafcn in Danzig ausgelaufene Dampfer Edca wurde von englischen Kreuzern angehalten. Der weitere Abtransport russischer Kriegs- gefangener zur See ist im Namen der englischen Negierung untersagt worden. Durch diese Maßnahme wird auch der Ab- trauSport englischer Kriegsgefangener fast unmöglich gemacht. I» der Provinz Westpreuhen stauen sich bereits 30 000 Russen und erschweren dir Versorgung und den Verkehr der Provinz. Abhilfe ist von feiten der Waffenstillstandskommission ciageleitet. Unterreüung mit üem früheren KronprinZen Tie Wendung des Krieges. Amsterdam, 3. Dezember. Nach einer Reuiermeldvng aus New York hatte der hiesig« Korrespondent der„Associated Preß" am Montag eine Unterredung mit dem früheren deutschen Kronprinzen auf Oer Insel Wieringen, in der der Kronprinz u. a. sagte: Er habe aufnichlS verzichtet und kein Dokument unterzeichnet; aber wenn die deutsche Regierung eine Republik nach amerika- nifchem odsr französischem Muster beschließen wolle, so würde er sich mit der Stellung eines einfachen deutschen Bürgers vollständig zufriedengeben und bereit sein, im Interesse seines Landes alles zu tun. Auf die Frage, waS er für den Wende- punkt im Kriege betrachte, sagte der Kronprinz, seine lieber- zeugvng sei, baß Deutschland den Krieg Anfang Oktober 1S14 ver- lorcn habe. Er habe die Lage' Deutschlands nach der Schlacht an der Marne, di« Deutschland wicht verloren haben würde, wenn die G e neral sta b S ch e s S nicht nervös gewesen wären, für hoffnungslos gehalten. Er hsbe damals versucht, den Veneralstab dazu zu bringen, Friedensvorschläge zu machen, selbst auf Kosten großer Opfer, wobei er selbst soweit habe gehen wollen, Elsaß-Lothringe» aufzugeben. Er habe aber zur Antwort erhalten, daß er sich mit seinen eigenen Angelegenheiten beschästigen und sich auf den Befehl über seine Armee bxschrän- ken soll«. Heber den Beginn des Krieges sagte der Kronprinz: Gegenüber allen bisher im Ausland« veröffentlichten Berichten erkläre er, daß er den Krieg niemals gewünscht Hab«. Bon Anfang an sei er sicher gewesen, daß England an dem Kampfe teilnehmen werde, aber dies« Ansicht sei vom Prinzen Heinrich und den anderen Mitgliedern der Familie Hohenzollern nicht geteilt worden. Der Kronprinz sprach dann mit Erbitterung über die Arbeit der Generalstäbler, die, wie er sagte, für eine Anzahl von Irrtümern verantwortlich seien, dar- unter für die große Märzofiensive dieses Jahres, an der er im Widerspruch zu semer eigenen UoberzeuHung habe teilnehmen müssen. Er erklärte ferner, daß Ludendorff die Haupttriebfcder der deutschen Knegspolitik gewesen sei, während Hindenburg nur dem Namen nach der Leiter gewesen sei. Ludendorff und sein Stab habe die feindliche Truppenmacht fortwährend unterschätzt. Sie hätte« nie geglaubt, daß Amerika so viele Soldaten senden würde, wie eS tatsächlich tat. Zum Schluß erklärte der Kronprinz, daß er Wilson bewundere, der, dessen sei er sicher, dem deutschen Volke einen gerechten Frieden bringen wird. ver geplante Rul?enbesuch in veutschlanü. Eine internationale f�rckge. Ein Teleyramin au» Bern meldet den P. P. 51., daß die Einladung de« Vollzugsausschusses des Berliner Arbeiter- und Sol- datenrateS an die russisch« Räteregierung Vertreter zu der Gesamt- tagung der deutschen Arbeiter- und Soldatenrät« am 10. Dezember zu senden, tn den Kreisen der Enwntevertreter und besonder« der Vertreter der Vereinigten Staaten den schlechtestenEindruck gemacht hat. Man fragt sich in diesen Kreisen, ob di« deutsche Re- gierung und die deutschen Arbeiterrät« nicht wüßten, daß die En- tente nicht zugleich mit den Bolschewiki Krieg führen und mit«inem Deutschland, das mit der russischen Räteregierung brü- herlich verbunden jei« Frieden Wiehe» könnte. Das Proletariat unter der Diktatur. Bon Robert Schmidt. Selbstkritik hat bisher stet« zu den stärksten Tugenden der Arbeiterbewegung gehört. Wir geben daher sehr gern der» Genossen Roberl Schmidt das Wort, der arge Miß» stände, die sich unter der Hmichaft der A.- und S.-Räte herausgebildet haben, kritisiert. Wir hallen die A.» und S.« Räte für ein notwendige? Organ der Ueberleitung zur neuen vollkommen demokratischen Staatsordnung, haben also das stärkste Interesse daran, daß sie vor der Geschichte besteben können.-�Gerade darum ist Kritik doppelt und dreifach nöiig. Red. d..Vorwärts". Das System des alten Regimes, das mit seiner so lang gehüteten Herrschaft der Junkerkaste und des Großkapitals versunken ist, hat uns einen hoffnungsfreudigen Ausblick er- öffnet für die Entwicklung eines freiheitlichen demokratischen Volksstaates. Wie nicht anders zu erwarten, ist nun in der kurzen Zeitspanne manches noch nicht so geordnet, wie es den � Interessen der Allgemeinheit dienlich wäre._ Aber es ist hohe Zeit, daß wir nunmehr dahin drängen, eine Klarheit und Sicherheit des Zieles festzusetzen, wie der neue Aufbau ge- staltet sein muß. Es zeigen sich gegenwärtig Mängel, die auf die Dauer eine e r n st e G e f a h r bieten für das neue Staats- leben, und was viel schlimmer ist, es gelangen Bestrebungen zur Geltung, die nicht zum Nutzen, sondern zumSchaden des Proletariats sind. iKn Blick auf die Organisation unserer NahrungS- Mittelversorgung läßt erkennen, daß wir leider hier nicht zu einer Zentralisation der Verwaltung, sondern zu einem Durcheinan-d« kommen, das, wenn weiter dieser Weg innegehalten wird, die schon vorhandenen Schwierigkeiten noch vergrößert. Wir haben uns seinerzeit gegen die Ab- sperrung einzelner Kommunalverbände in der Lebensmittel- Versorgung gewandt und hervorgehoben, daß Deutschland bei seiner unterschiedlichen wirtschaftlichen Konstellation den einen Bezirk als Ueberschußgebiet für die Nahrungsmittelversor- gung braucht, um den anderen das Fehlende zu geben. Was die Land röte aufgegeben haben, wird in einigen Bezirken von den Arbeiter- und Soldatenräten mit große- rem Eifer wieder aufgenommen. Unausgesetzt müssen Be- mühungen einsetzen, um die Beschlagnahme von Mehlbe- ständen in den Mühlen zu verhindern. Nicht die Zentrale, die Reichsgetreidestelle oder das Reichsernährungsamt haben zu entscheiden über das. waS der einzelne Bezirk zu erhalten bat, sondern der Arbeiter- und Soldatenrat befindet darüber. Das ist so weit gegangen, daß man die Mehllieferungen nicht nur am Aufgabeort, sondern auch untertvegs ein-, auch zwei- mal aufhielt. Auf Weisung des Arbeiter- und Sol-datenrates wurde die Entladung der Transporte verfügt, und wenn dann nach vielen Bemühungen die Freigabe erreicht war, erlebte man. daß an einer anderen Stelle erneut der Transport ins Stocken geriet. Gegenwärfig, ganz abgesehen davon, daß von der schnellen Belieferung der BodarfSbe-firke unendlich viel ab- hängt, verschwenden wir durch diese Eingriffe in unerhörter Weile Transportmaterial, denn jede Störung nimmt das so nötige Trvnsportmaterial länger in Anspruch, als es unbedingt notwendig ist. Recht sonderbar niimnt eS sich aus aus, wenn von einer Stelle versucht wird, ein regelrechtes Schiebergeschäft einzuschalten. So bietst ein Arbeiter- und Soldatenrat einer Gemeinde die Lieferung von Zucker gegen den Eintausch von Kartoffeln an. In den Hafenstädten führt der Marinerat eine Herrschaft, dre recht bedenkliche Erscheinungen zeitigt. Wir haben gegenwärtig in deutschen Häfen Schiffe mit un- gefähr 500 000 Tonnen Schiffsraum zur Ausfahrt bereit. Es ist naheliegend, daß dieses Schiffs Material nicht in Betrieb genommen werden kann, ohne daß zuvor dringende Re- p a r a t n r e n an ihm erledigt sind. Der Marinerat hat an einigen Orten die llebernahme der Schiffe in Reparatur von seiner Zustimmung abhängig gemacht. Man hätte für diese Maßnahme eine Erklärung kaum finden können, wenn nicht jetzt bekannt würde, inan wolle eine Pression auf die gegenwärtige Regierung ausüben. Eine solche Maßnahme würde sich m ihrer gefährlichen Wirkung aegen die hungernde Bevölkerung richten; es darf wohl von der Re- gierung erwartet werden, daß sie sich einer solchen unerhörten D'ktatirr, die dem VolfSganzcii den schwersten Schaden zu- fügt, nicht beugt. Unklarheit herrscht auch über die Regelung der Arbeits- vechältnisse in den Betrieb«. Die Regierung hat durch ihre Bekanntmachung den Achtstundentag verfugt und seine Durchführung spätestens am 1. Januar 1919; vom Stand- Punkt der Arbeiter ein sehr erfreulicher sozialpolitischer Fort- schritt. WaZ ist nun aus dieser Anordnung geworden? In einigen Betrieben, die mit der Herstellung wichtiger Nahrungsmittel betraut sind, ist sofort, ohne Rücksicht darauf, ob Arbeitskräste vorhanden sind, der Achtstundentag eingeführt, die Errichtung von Wechsel schichten untersagt worden. Die Folge ist, dast in solchen Betrieben die Her- stellung von Nahrungsmitteln, Mehl. Zucker stark reduziert wurde, während wir dringend die volle Ausnutzung" der Be- triebe bedürfen, da die Produktion weit im Rückstände ist. Nur schwer ist es gelungen diese Maßnahmen nach und noch rückgängig zu machen und damit die Betriebe, die vorüber- gehend ihre Leistungen auf ein Minimum herabsetzten, wieder voll in Betrieb zu bringen. Die Vermittlung der Gewerkschaften, die unter dem alten Regime immerhin noch möglich war, wird jetzt an einigen Stellen geradezu ausgeschrltet, weil dort in den Ver- sammlungen der Soldatenräte Leute das Wort führen, die nie einer Organisation angehört und von den Aufgaben auf wirtschaftlichem Gebiet keine rechte Vorstellung haben. Ter Kampf, den die Gewerkschaften geführt haben um Anerkennung ihrer Organisation, scheint, wenn die Dinge so weiter gehen, in einigen Bezirken unter dem neuen Regierungssysteni neu auf- zublühcn, denn man gewinnt den Eindruck, daß nur noch die Unorganisierten Anerkennung finden. Abgesehen von diesen Uebelständen macht man die Wahr- nehmung, daß bei vielen jedes Verständnis dafür, welchen Wert ein einheitliches Staatsgebilde für unser Wirtschaftsleben Haft verloren gehft Wir beklagten die Zerrissenheit Deutschlands vor dem Zusammenschluß zu einem einheitlichen Bundesstaat, der allerdings auch noch seine Sonderrechte und partikularistischen Nücke» und Tücken zur Genüge hatte. Allein n!e hat sich die Sozialdemokratie die Entwicklung nach aufwärts anders ge- dacht, als daß aus diesem zerrissenen deutschen Staatengebilde der einheitliche Staat stärker und kräftiger entstehen muß. Wer was nehmen wir wahr? Bayern droht mit der Loslösung vom Reich. In Schlesien kündigen Parteigenossen an, sie werden die Zufuhr aus dem Kohlengebiet uns cherren; die Rheinlande glauben ihr Heil zu finden in der Loslösung vom�- Ganzen und schließlich spielt man auch im Norden nnt dem Kleinstaaten- gcibilde in neuer nicht gemde imponierender Macht, Wenn man auch diese Pläne und Drohungen nicht allzu tragisch zu nehmen braucht, weil Teutschland das einheitliche Wirtschaftsgebiet braucht und ins Verderben rennt, wenn es anders käme, so bleibt ein deprimierendes Gefühl übrig, daß diese politische Effekt- hascherei Anklang finden kann. Dieses Durcheinander muß in der Ucbcrgangszeit zu den schwersten Erschütterungen führen, die wiederum in ihrer Wirkung niemand schwerer treffen als wie die Arbeiterklasse selbst. Wie sollen wir unser zerrüttetes Wirtschaftsgebilde wieder aufbauen, wenn wir zu dem Anarchis- mus der Autonomie der Gemeinden kommen. Die Sozialdcmo- kratie hat die anarchistischen Theorien, die die �Gemeinde als selbständiges Gebilde im Staat und unabhängig vom Volks- ganzen zn gestalten trachteten, stets bekämpft, weil ein hochent- wickeltes Wirtschaftsgebilde nicht auf der Zerrissenheit der einzelnen Landesteile, nicht auf stirer uneingeschränkten volitischen Herrschaft, ihrer gegenseitigen Konkurrenz, sondern auf der Ein- ordnung zu einem großen Ganzen beruhen muß. Weiter muß Klarheit über die Stellung der Gewerkschaft?- bewegung vorbanden sein. Soll sie ausgeschaltet werden, wie es von der bayerischen Regierung unternommen wird und wie an anderen Orten die Arbeiter- und Soldatenräte unternehmen, die, ohne die Gewerkschaften zu hören, ohne eine Verhandlung der Unternehmer mit den Gewerkschaften zuzulassen, über die Arbeitsbedingungen verfügen, so bedeutet das, daß die bisher anerkannten Gcwerkschaftsorganisationen, die auf demokratischer Grundlage aufgebaut sind, auf ein Minderrecht herabgedrückt werden, als sie es unter dem alten Snstem besaßen. Das wäre eine Diktatur, die sich gegen das Proletariat und seine an- erkannten Organisationen wendet. Völker bungern nach Weltversöbnung. Romain Rolland an Woodrow Wilson. Herr Präsident! Die Völker zerreißen ihre Ketten. Di« Stunde, die sie voraus- sck>«uien und erstrebten, sie schlägt. Möge sie nicht vergebens schlagen. Alliiberall erwacht rn den Völkern Europas der Wille, sich wie- der der Ansticht Über ihr Schicksal zu bemächtigen, sich zu einen, aus daß ein verjüngtes Europa erstehe. Ueber die Grenzen fort suchen sich die Hände umeinander zu fasten, aber immer noch sind Abgründe deS Mißtrauens und des Mißversiebcns zwischen ihnen aufgctan. Eine Brücke muß über diese Kluft geschlagen werden. Es gilt. die Bande des alten Schicksalszwanges zu sprengen, der jene Vöster den völkischen Kriegen verpflichtete und sie dazu trieb, sich icchr- hundertelang blindwütig aufeinandcrzustürzen und gegenseitig zn vernichten. Allein vermögen sie es nicht; sie ruisen nach Hilfe. An wen aber sich wenden? Unter allen denen, die die gefahr- volle Ehreülast tragen, die Politik der Nationen zu lenken, genießen Sie, Herr Präsident, einzig und allein eine allgemeine geistige Autorität. Alle haben Vertrauen zu Ihnen. Folgen Sie dem Rufe jener erschütternden Hoffnungen, er- greifen Sie die Hände, die'sich ausstrecken. Helsen Sie ihnen, damit sie sich zu einen vermögen. Kommen Sie den Völkern zu Hilfe, die tastend ihren Weg suchen, die ein« neue Urkunde der Befreiung und Verbrüderung verfasten wollen, nach deren Grundbegriffen sie leidenschaftlich und verworren streben. Bedenken Sie es: Europa drobt in die höllischen Kreise zurück- zustürzen, aus denen es seit fünf �phren emporklimmt und dabei den Weg mit seinem Blute besprengt. In jedem Lande fehlt den Völkern das Vertrauen zu den herrschenden Klasten. Sie sind zu dieser Stunde noch der einzige, der zu den einen wie den anderen sprechen kann, zum Volk wie zum Bürgertum aller Nationen, der von beiden angehört wird. Sie sind der einzige, der heute— und wer weiß, ob morgen noch— der Vermittler zwischen ihnen sein könnte. Versagt dieser Vermittler, so werden ohne Gegengewicht die aus- einander fallenden Massen fast mit Notwendigkeit zum äußersten ge- trieben: die Völker zur blutigen Anarchie und die Parteien der alten Gewaltherrschast zur Mutigen Reaktion. Klasten- und Rasten kriege werden kommen. Krieg zwischen den Nationen von gestern. Krieg zwischen den Nationen, die heute noch in Bildung begriffen sind. blindwütende soziale Krämpfe, die nichts anderes mehr wollen als den Haß, den Neid, die tollen Träume einer Stunde ohne Zukunft ausrasen. Der Sieöepunkt im englischen Wahlkampf. „Unerhörte Heftigkeit." Stockholm, 4. Dezember.„Politiken" erfährt aus Bergen von einem aus England zurückgekehrten Reisenden, daß der englische Wahlkampf mit unerhörter Heftig- keit geführt werde. Er entwickle sich immer mehr zu einem Kampf zwischen Imperialismus und Sozia Iis- mus. Die Arbeiterpartei gehe in dreihundert Kreisen zum Angriff vor, verfüge aber über keine Kassen und Zeitungen. Tie Regierung verstehe vor allem, die Armee für sich zu gewinnen, indem sie die Beeinftussung derselben von anderer Seite verhindere. Durch solche Methoden wachse die revolutio- näre Stimmung, doch werde wahrscheinlich die Rechte siegen, da es der Sozialdemokratie vorerst an einer Organisation fehle. London, 3. Dezember.(Renter.) Die Aufstellung der Kan- didaten für die allgemeinen Wahlen fand heute im ganzen Lande statt. Ein aufgestellter Kandidat gilt als gewählt, wenn er keinen Gegenkandidaten hat. Auf diese BeiiV wurden heute etwe lvv Kandidaten als gewählt erklärt. Die Wahl der Kandidaten mit Gegenkandidaten ist auf den 14. De- zember festaesetzt. Die Anzahl der Kandidaten beträgt 797, gegenüber 679 vor der Durchführung der neuen Wahlreform. Die Zabl der Wähler beträgt gegen 16 Millio- neu. Austin Garrison, Herausaeber der„English Review", wurde beute in Carnarvon aufgestellt, als Gegen- kandidat Lloyd George. Austin Chamberlain wurde in Birmingham wiederum ohne Gegenkandidat aufgestellt. Schluß öer L o n d o n, 4. Dezember.(Reuter.) F o ch, C l c m e n- eau, Orlando und S o n u i n o verließen heute morgen mit Hofzng London._ KneKskesten �msrikas. SRnnb 60 Milliarden Mark bis Ende Jinni. New Pork, 4. Dezember.(Reuter.) Der Jahresbericht deS früheren Staatssekretärs des Schatz-rmtes McAdoo schätzt die Kriegskosten Amerikas für die 15 Monate bis zum 30. Juni auf 13 222 Millionen Dollar. Ausschluß öe? Deutstben aus Englanö. Vorklänge zum Völkerbund. Aus London wird gemeldet: Bonar Law, der Minister deS Aeußcren, sagte in einer Rede: Die Regierung beabslch- tigt, die Auslieferung des früheren deutschen Kaisers zu fordern und ihn vor Gericht zu stellen. Eine der Folgen des Krieges müsse sein, daß man klar zeige, daß die Männer, die die Welt in diesen Krieg gestürzt haben, um selbst Vorteile zu erringen, zur Verantwortung gezogen werden. Es sei gerecht, daß die Deutschen bezahlen, aber man müsse zuerst Prüfern wie weit die Deutschen zahlen können, ohne daß die Alliierten selbst Nachteile davon haben. Die englische Negierung habe einen A u S- schüfe ernannt, um diese Fragen wissenschaftlich zu untersuchen. Auch die Alliierten werden einen Ausschuß zur Prüfung der gleichen Angelegenheit einsetzen. Dann würde man Schritte tun, um diese Bezahlung zu erzwingen. England sei nicht bereit, Deutsche wieder ans englischem Boden zu begrüßen, und die jetzige Regierung werde nicht nur die jetzt internierten Deutschen zurückschicken, sondern auch anderen Deutschen in Zukunft uicht erlauben, nach England zu kommen. D!e Zranzosen in öuöapest. Farbige Bcsatzungstruppen. Budapest, 4. Dezember.(Telunion.) Gestern ist eine ESka- dron französischer Kavallerie aus Schulweißenburg abgefahren und wird in Budapest und Umgebung einquartiert. Zu dieser Eskadron gehören Marokkaner, SpahiS und afrikanische Jäger. Erbe von Washington, von Abraham Lincoln, nehmen Sie die Sache— nicht einer Partei, nicht eines Volkes, sondern der All- gemeinheit in die Hand! Rufen Sie die Vertreter der Völker zum Menschheitskongreß l Leiten Sie ihn mit der ganzen Macht, die Ihnen durch Ihr hohes sittliches Bewußtsein und die glanzvolle Zukunft des weiten Amerika zu Gebote steht. � Sprechen Sie! Sprechen Sie zu allen! Die Welt hungert nach einer Stimme, die über die Grenzen der Nationen und der Klassen hinäbertönt. Seien Sie der Richter freier Völker! Die Zukunft aber möge Sie mit dem Namen des Weltver- föhners grüßen! Romain Rolland. Die Irau. Um den ick manche lange Nacht gezittert und geweint— man hat mir seinen Gruß gebracht: er steht nicht mehr am Feind. Er steht nicht mehr im WaffengrauS, ich fühle ihn so nah. Er kommt zu mir nach Haus, nach HauS— ach. wär er nur erst da! Er wird so müd, so müde sein. DaS Kissen ist bereit. Leg' ab und bene dich hinein, vorbei ist unser Leid. Und wenn er noch im Schlafe spricht, sag' ich ihm lcii' dqS Wort: Herz, gräm' dick nickt und sorg' dich nicht— Du brauchst nicht wieder fort! Artur Zickler. NokiHen. — Die Theater auf! Im Kleinen Theater findet Freitagnachwiüag. 3M Uhr, im Einverständnis mit dem Vollzugsrat eine Freivorst« lbung für heimgekehrte Krieger statt. Di« Verteilung der Eintrittskarten erfolg! ausschließlich durch die Kommandantur. — Ueber Ed mond R o sta n d, dessen Art wir aus Anlaß seines Todes kennzeichneten, wird unS von anderer Seite noch geschrieben: Dieser Tod geht Frankreich an; für uns in(Deutsch- j land weckt er doch bloß eine titerarrsche Erinnerung. Was Rostanö der Dichtung schenkte, bedeutet allerdings auch in I seinem Vaterlande im Grunde nicht mehr als bei uns. Man nahm D!e �rmee Mackensen. Waffenablieferung und Jnternieruug. Die Zeitungen bringen die widersprechendsten Meldungen über die Verhandlungen, die in Ungarn unter Beteiligung von Entente- Vertretern über daS Schicksal der Armee Mackensen geführt werden. AnS den umfangreichen Nachrichten darüber scheint mit Klarheit erkenntlich, daß die Armee Mackensen aus dem von den Rumänen beanspruchten südlichen Ungarn zurückgezogen, dann e n t» w a f f n et und interniert werden wird. Die Auffassung des Auswärtigen Amtes. Gegenüber den beunruhigenden Mitteilungen aus Ungarn über die Jnternierung der Armee Mackensen bleibt das Aus- wärtrge Amt bei feiner gestern verbretteten Darstellung, daß eine unmittelbare Gefahr für die Armee Mackensen nicht bestehe. Tie bisherigen Verhandlungen in Spaa rechtfertigen keine Besorgnis. tdeltgehenüer Straferlaß für nicht politische Straftaten. Kriegswuchercr ausgenommen. Im Anschluß an den Erlaß einer politischen Amnestie hat die Reichsregierung am 19. November einen großzügigen Straferlaß für nicht politische Straftaten angekündigt. In Einlösung dieses Versprechens hat der Rat der VSlksbeauftragten am 3. Dezember eine Verordnung beschlossen, die demnächst im Reichs-Gcsetzblatt veröffentlicht ward. Diese Verordnung schlägt alle Ver- fahren vor bürgerlichen Behörden wegen solcher Straftaten nieder, dir nur zu Freiheitsstrafe bis zu einem Jabre oder mit Geldstrafe bedroht sind. Darüber hinaus werden solche Personen besonders berücksichtigt,' die aus Not. aus U n- erfahren eit ober infolge von Verführung ge- bandelt haben. Dies kommt vernehmlich Frauen und anderen Angehörigen von Kriegsteilnehmern zugute, die diese in Haus oder Beruf vertreten und hierbei Straftaten be- gangen haben. Bereits erkannte Strafen werden allgemein erlassen, soweit sie ein Jahr Gefängnis, oder ein Jahr Festungshaft »der 3999 M. Geldstrafe nicht übersteigen. Bei schwereren Strat-n wird Straferlaß unter der Bedingung gewährt, daß der Bcr- urteilte sich 3 Jahre straffrei führt. Dieser bedingte Straferlaß greift ohne weiteres Platz, wenn nur noch ein Straftest von höchstens einem Jahre zu verbüßen ist. Ist noch mehr zu ver- büßen, so tritt der bedingte Straferlaß nur dann ein, wenn die Erwartung gerechtfertigt ist, daß der Ver- urteilte die Freiheit nicht zu neuen Straftaten miß- brauchen wird. Kricgswucherer werden von der Straffteiheit ausgeschlossen: Verfehlungen leichterer Art gegen die alte und die neue Preissteigerungsordnung und gegen die HöchstvreiS- bestimmungen find unter gewissen Einschränkungen in den Sttas- erlaß einbegriffen. Die Verordnung gilt für das Reich. Günstigere Be- stimmungcn einzel staatlicher Amnestien bleiben jedoch in Kraft. Eine umfassende Amnestie in militärischen Angelegenheiten steht unmittelbar bevor. Ein Gegensatz im ffause ffohen�ollern. Prinz Adalbert von Preußne teilt der„Kreuzzeitmng" persönlich mit: .Die Kundgebung deS Prinzeu Heinrich an all« Fcnnilienmit- glieder des HohenzollernhauseS, die mir lediglich durch die Zeitung zur Kenntnis kommt, zwingt mich für«meine Person zu nachstehender Erklärung: Am 20. November habe ich mich durch ein Telegramm an den Volksbeaustragten Ebert zur Verfügungder jetzigen Reichsregierung gestellt. Im Gegensatz q�zu den Ausführungen deS Prinzen Heinrich sehe ich allein in dieser die Obrigkeit, die mit tllen meinen Kräften zu unterstützen, ich für mein« vornehmste Pflicht halte. Kiel, Pvinzen-Villa, 4. Dezember 1918. Adalbert, Prinz von Preußen. ES bewahrheitet sich der alte Satz, daß erst das Unglück die Menschen vernünftig macht. es dort nur begeisterter an, weil es die nottoxalfstische Seite traf: hinreißend im Schwung, grandios in Pose und Gste und berückend in der Grazie des Spiels und der Wort«. Daher auch des großen Eoquelin willige Mimenbilse bei dem Chrano-Stück und später die Hilfe der sentimentalitätlüsternen Pathetik Sarah Bernhards bei „Aiglon", dem Napoleonstück zur Weltausstellung von 1999. Aber der erste Sieg wiederholte sich nicht. Als Rostand bewußt versuchte, der Bühne natronaliftrsche Werte zu verfertigen, wurde die fran- zösische Welt weniger leicht über die Tatsache getäuscht, daß ihr vergötterter Dichter doch nur ein Künstler der glänzenden Außen- seite war. Daran nahm nun freilich seine Zeil— die Jahre vor und nach der Jahrhundertwende— durckaus nicht Anstoß. Im Gegenteil. Tie buuie, schnellende Art spielerisch blitzender Romantik war der bürgerlichen Welt willkommen als Gegenspiel wider den grauen, schwerschleppenden, bedrückenden Naturalisinus. Es war kein Zu- fall, daß Rostand in Deutschland fiir seine Stücke einen Vers- virtuosen wie Firlda i"r Schr-N» ßerett ftud.• Er war ihm von der Zeit der neunziger �fahre wohlverwandt zugeboren. — Künstlerinnen und Akademiefrage. In Berlin forderte ein« Sitzung des Hauptvorstondes des Bundes deutscher und österreichischer Künstlerinnenvereine in einer Resolutton, daß den Frauen gleich wie d-e anderen staatlichen Bildungsstätten ohne jeden Vorbehalt auch die Kunstakademien zugänglich zu machen seien. Man bofft das Ziel aber.ohne Siurmlaufen" erreichen zu können. ,m!S einfache logische Folgerung aus der seitherigen Entwicklung heraus, welche die Bildungsmöglichkeiten für die Frauen genommen haben— und zwar dann, wenn wieder ruhigere Zeiten in unser schwer geprüftes Baterland eingekehrt sind". — Der Lyriker Karl Busse ist gestorben. Er ist nur 46 Jahre alt geworden. Als er um 1899 zuerst unter dem Namen .Carl Sebus" hervortrat, hat mancher viel Hoffnungen auf ihn ge- seht, z. B. Erich Schmidt. Diese Hoffnungen ha, der Dichter nicht erfiillt. Aber ein reges Fließen feiner lelchvbcwegten. durch düstere Stimmungen oder grüblerisches Wesen ganz und gar nicht be- lasteten Werke haben seinen Namen bekannt gemacht. In den an- gesehenen bürgerlichen Familienbläitern war er seßbaft. auch als Literaturkritiker. Die soziale Kampfdichwng hat von ihm nicht» empfangen. — Vorträge.„Ein Geschlecht". Traaödie von Fritz von Unruh, wird Ehrst ine Reichenbach aus Dresden am 12. Dezember im Künstlerhaus vortragen.— Morgen. Freitag, alcnds 6)4 Uhr, findet Rest Langer?„A r n o- H o I z-A b c n d" statt. — Luftverkehr über die ganze Welt. Sine« Amsterdamer Blatt zufolge hat der Bsrsitzende der Flugzeua-Reise- und TranSport-G e> ellschaft erklärt, daß ein- Gesellschaft ttn De- griff sei eine Kette von Luftstationen für Post- und Personenverkehr über die ganze Welt zu errichten. Außer für Stationen in Frankveich. Italien, Norwegen. Dänemark hat das Unternehmen Vorbereitungen auch für Stationen in China. Indien, Japan und Südafttta getroffen. die Lebensmittellieferungen für Deutsthlanö Mißtrauen und Zurückhaltung. London, 4. Dezember.„Westminster Gazette" schreibt: Die ersten Meldungen der Berichterstatter bei den in Deutschland ein- ziehenden Truppen lassen sicherlich nicht vermuten, daß das Land dem Verungern nahe wäre. Sie finden, daß die Bevölkerung des Rheinlandes unter Verhältnissen lebt, wie sie Belgien und das besetzte Frankreich seit Jahren nicht gekannt haben. Nichts läßt vermuten, daß die Bevölkerung Entbehrungen durchgemacht hat. Wir können nicht Lanz Deutschland nach den Verhältnissen im Rheinland beurteilen, aber die Verbündeten werden stärkere Beweise als die bis- herigen für eine Hungersnot verlangen, bevor fie ihre Lebensmittel Deutschland opfern. Die Zeitung wirb kleiner! Erhebliche Einschränkung deS Papierverbrauches. In der heutigen Nummer des„Reichsgesetzblattes" ist eine Verordnung über Druckpapier veröffentlicht, die den Wochenumfang der Tageszeitungen unter Zugrundelegung ihrer Seitenzahl und Crscheinungsart einschränkt und die Zurücknahme und den Umtausch unverkaufter Exemplare ssogenannte„Remittenden") ver- bietet. Sie tst veranlaßt durch die augenblicklichen Kohlen- und Transport schwierigkeiten, die für die nächste Zeit eine Papierbelieferung der Tageszeitungen in dem bisherigen Um- sang ge- schrieben: Am 2. Dezember abends Wunde auf der Villa des Ritt- meisterS Schoeller in Wannsee durch drei bewaffnete Banditen ein Raubüberfall ausgeführt. Zwei Banditen erschienen abends zwischen'A und Ä9 Uhr vor der Villa des Rittmeisters Schoeller und baten um Einlaß. Rittmeister Schoeller öffnete und befand sich zwei bewaffneten Banditen gegenüber, wovon einer derselben ihn den Revolver vor die Brust und der andere ihn den Revolver gegen den Kopf setzte. Sie verlangten die sofortige Herausgabe alles Geldes. Einer der Banditen hielt das hinzueilende Dienst- personal mir vorgehaltenem Revolver zurück, während der andere den Rittmeister zwang, ihn sein Telephonzimmer zu zeigen, wo er zuerst die Telephonlcitung durchschnitt. Darauf verlangte er die Herausgabe des Geldes, welches ihm in einer kleinen Summe von 508 M. ausgehändigt wurde. �Sie Banditen verschwanden darauf und suchten das Weite. DaS Wachkommando, gestelll vom Soldaten- und Arbeiterrat NowaweS, wurde alarmiert und unter- nahm sofort eine Streife. ES gelang, zwei der Banditen fest- zunehmen und dem Landgerichtgesängnis nach Potsdam zu Wer- führen. Der Anstifter zum Raubübcrfall war leider entkommen. EZ gelang aber einem Militärkommando, den Rädelsführer am Z. Tezember zu verhaften. Derselbe ist ei« Maschinenarbeiter Henrich RenfeS, wohnhast!n©pait&m, Planlagenstr. 1. Er hatte annähernd ein halbes Jahr im Lazarett der Frau Schoeller als Kranker gelegen und hatte mit feinen drei Komplizen den RaW- cmfall eingehend durchberaten. Die drei Verbrecher_ stehen im jugendlichen Alter von 20 bis 25 Jahren und dehnten ihre Raub- züge Wer die ländliche Umgegend voll Spandau aus. Alle drei befinÄen sich hinter Schloß und Riegel, so daß kein Anlaß zur Auf- veguny der Bevölkerung vorliegt. Revolution nnd Kirche. Der Bund der Konfessionslosen schreibt uns: Religion soll Privatsache sein. So steht es im sozialdemokratischen Programm. Das bedeutet eine Forderung an den Staat beziehungsweise an die zu gründende sozialistische Gesellschaft, daß diese sich um die Religion des einzelnen nicht zu kümmern habe und die religiösen Gemein- schatten(Kirche usw.) durch die Machtmittel des Staates, Geld usw. weder unterstützen noch bekämpfen solle. Das ist eine vollständig berechtigte Forderung und ein gerechter Standpunkt. Anders ist eS, wenn wir die kirchlich-religiösen Zustände, wie sie setzt sind, in ihren Beziehungen zum Staat und zur politischen Lage der Gegenwart in Betracht ziehen. Da müssen wir uns ver- gegenwärtigen, daß die Kirche bisher immer ein gehorsames Jnstru- ment in der Hand de? reaktionären und in seiner Gesamthaltung volksfeindlichen Staate? gewesen ist. Auch dürfen wir nicht ver- kennen, daß auch nach der revolutionären Umwälzung dieser Tage die Kirche, die meisten Geistlichen, wenn auch manche chamäleonamg die Farbe zu wechseln suchen, in Wirklichkeit doch ans ihrer Hanl nicht herauskönnen und gewollt oder gewohnheitsmäßig irgend etner Form der Reaktion und der Bevormundung der Massen weiter vorzuarbeiten suchen werden. Nach wie vor ist das größte Mißtranen des Volkes am Platze. Deshalb liegt im höchsten Maße ein öffentliches Interesse dafür vor, besonders in Hinsicht der Erhaltung und Festigung der revo- lutionären Errungenschaften und der Volksfreiheit, die Massen über die von der christlichen Kirche und anderen ReligionSgesellichaften stets eingenommene Haltung und über ihre volksfeindliche Tätigkeit, überhaupt ober über die der Wirklichkeit, der Vernunft und den wissenschaftlichen Erkenntnissen entgegengesetzten religiösen Lehren aufzuklären Der Bund der Konfessionslosen will diese Auf- klärungstäligkeit gerade jetzt wieder betreiben und hat in der letzten Woche zur Diskussion dieser Fragen unter dem Zeichen Revolution und Kirche zwei Versammlungen einberufen, in denen sich ein außerordentliches Interesse dafür bekundete, so daß das Ersuchen ge- stellt wurde, diese DiskussionSabende zu wiederholen. Dieser An- regung soll Folge geleistet werben. In den bisherigen Versamm- lungeu hielten Vorträge und Ansprachen Frau Bohnr-Schuch, Herr Schriftsteller Emil U n g e r, Dr. Karl M i s ck k e, Pro- iessor Dr. Holde und der Vorsitzende des Bundes Dr. G. Z ep ler. Unter den Diskussionsrednern befanden sich Arbeiter, Beamte, Pastoren, Universitätsprofessoren und andere. Im Bunde selbst wird Parteipolitik nicht getrieben, doch sieht er grundsätzlich auf demo- kratischcr und sozialer Grundlage und zählt Mitglieder aus allen Parteilagcrn der Linken._ Mit dem Verhafteten selbst verhaftet wurde gestern ein falscher Sicherheitsbeamjer, der in der Grenadierstraße auftrat. Dort handelte ein Mann mit Brotkarten. Ein Soldat, der das beob- achtete, spielte den Sich-erh-eitsbeamten, nahm ihn fest und brachte ihn nach der Revierwache. Vor der'Tür ließ er sich von dem Händler Geld, das dieser bereits eingenommen hatte, heraus- geben mit der Begründung, daß es ihm.oben" doch abgenommen würde. Der Verhaftete wurde jedoch stutzig, als der„Sicherheit-?- beamte" nicht mit in das Haus der Wache hineingehen, sondern sich unter einem Vorwande entfernen wollte. Er verlangte jetzt sein Geld zurück. Der Soldat aber erklärte, daß er eS nicht mehr habe. Nun brachte der Händler ihn zur. Wache. Der Soldat wurde wegen unbefugter Amtshandlung festgenommen und gegen den Händler ein Strafverfahren eingeleitet. Ex wurde vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt. Sein Geld blieb verschwunden. Der Soldat hatte während der Verhandlungen auf der Straße ohne Zweifel Gelegenheit gehabt, es vorläufig einem Freunde zu- zustecken. Die Lichtspiele„Neue Philharmonie", Köpenicker Str. 90/97, bringen vom 6. bis 12. Dezember„Der Schwur" mit Bruno Kästner in der Hauptrolle. Hierzu kommt noch daS ungarische Kunstwerk„D e r Fluch der bösen Tal" zur Urausstihrung. Demokratische Fraktion der Charlottenburger Stadt- verordnctenversammlnng. Die Liberale Fraktion, die Neue Fraktion und die Vereinigte alte Fraktion der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung, deren Mitglieder bisher teils der Fortschrittlichen VorlkSpartei, teils der Nationalliberalen Parier angehörten, haben sich zu einer ernheitlichen Demokratischen Fraktion zusaminengeschlossen, die sich auf den Boden der Deutschen Demokratischen Partei stellt. Die neue Fraktion wich 64 Mitglieder zählen; die übrigen 14 Mit- gliedcr der Stadtverordnetenversammlung gehören den sozial- demokratischen Parteien an. Der Vorstand der Demokratischen Fraktion wich sich aus folgenden Stadtverordneten zusammen- letzen: Otto(Vorsitzender), Meyer und Mann(stellvertretende Vor- lchende), Riescnberg(Sckstiftführer), Zielenziger(Schatzmeister), Jachmann, Mosgau, Dr. Rothholz und Dr. Stadthagen(Beisitzer). Charlottenburg. Stadtverordnetenversammlung. Eine Reihe meist kleiner Vorlagen wurde dcbatteloS genehmigt, darunter eine auf Einführung des Achtstundentages unter Fortzahlung des Lohnes für Neunstündige Arbeitszeit vom 1. Dezember an.— Zur In- angriffnahme von Arbeilen zur Bekämpfung der Arbetislosigkeit w-uchen 10 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. ES sollen die während des Krieg.es zurückgestellten oder sonst fertiggestellten Pläne sowie eine Reihe von Jnstandsetzungsarbeiten sofort vor- genommen werden, wodurch man hofft, den Arbeitsmarkt in Char- lottenburg wirkasm zu beeinflussen. Eine kurze Debatte rief die Vorlage Wer die neue Kriegs- teuerungSzulage hervor, die sich jetzt dsn Berliner Sätzen anschließt. Stadtv. Dr. B o r ch a r d t(Soz.) betonte, daß in bezug auf die Zulagen der 5kriegshilfskräfte müßten sie auf einer Aenderung bestehen; diese Kräfte sollten nämlich jetzt nur die halbe Teuerung?- zulage erhalten cht« zweite Hälfte erst bei ihrem Ausscheiden, spä- testenS zum 1. April 1919. So wünschenswert«s sei, diesen Kräften bei ihrer Entlassung einige Mittel zur Verfügung zu stellen, so wenig ist es doch angebracht, ihnen deswegen die jetzt zu zahlende Teuerungszulage auf die Hälfte zu küpzen, denn darauf käme ja die Vorlage hinaus. Der Bürgermeister erklärte, im Magistrat für den von Dr. Borchardt begründeten Antrag eintreten zu tvollen, für den aus denselben Gründen sich auch der Stadtv. Otto(liberal) er- klärte. Eine Anfrage des Stadtv. Stadthagen tocgen Beseitigung der noch in Kraft befindlichen S ch n e e s ch i p p v e r o r d n u n g des früheren Oberkommandos beantwortete der Oberbürgermeister dahin, der Magistrat werde sich um die Aushebung dieser Verord- nung bemühen. Eine weiter« Anfrage betreffend die Heranziehung von F r a u e n� zur städtischen Verwaltung beantwortete der Ober- bnvgermeister mit der Mitteilung, daß den in den Deputationen tätigen Frauen das Stimmrecht bereits gegeben sei, und daß Wün- sehen nach Verstärkung der Zahl der Frauen in den Deputationen Folge gegeben werden soll. Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Dezemveravschnitt der Kinderkarte A 2 Pakete Zwieback a 40 Pt und aus Abichnitt VIII A 1 Pfund fficistenmcliJ. Aus den Novcmbcrabschnitt und Abschnitt VII A zusammen ver Kmdcrlarte L 1 Patet Zwieback und'/, Pfund Gerstenmehl. Wetterbericht bis Freitag mittag. Ziemlich mild und zeitweise heiter, jedoch noch überwiegend bewölkt. Ohn««hedftche Rieder- schlüge. 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