Nr.3I3g. 38. Jahrg. B«z»KS»rei», ««rkqShrl. 0.7k SO. Bumcttt. 7,25 Bt fwi iit4 HauS. vor-uSzahlb-n. ehtjtlBt wumtipm 10 Pfennig. Postbezug: Wonallich Z2h Ml., exkl. Zustellung». LidLhr. Unier Kreuzband iür Deutsch« «and u. Oeslerretch-Ungarn»Fl» Ml, für da»»brige«tuoiand a.so Ml., bei JOdlich einmaliger Zustellung 7,60 MI. Postbestellungen nehmen an DSn«» wari. Holland. Luxemburg, Echlveden und die Schweiz. Singetragen in die Posl-Zettung«.Preisitfte. Der.PoaviirrS' erscheint wochentüglich zweimal. Sonntag» einmai. Telegramm-ildresl«: »Sozialdemokrat Berlt»�, Abend-Ansgabe. Derlinev Volksblatt. ( 10 Pfennig) A»,et«e»»retS» Di««chtgespatten« Stonp-reillezetle lostet SO Pfg. �kleine Anzeigen�. da» ietigedrucktc Wort»0 Pfg. lzuiltsstg I settgedruckt««ort«), iede» weiter« vort 20 Lsg. Stellengesuche und Schlofstellenanzetgen das erste Wort SO Psg..>«de»«eitere«ort ll- Pfg. «orte über tö Buchstaben zählen für zw«, Worte. DeuerungSzuschtag 50% giamtllen-Pnzeigen, politische und gewerifchaftltche Verein«-«nzeigen SO Pfg. die Zeile,«nzetgen stir die nächste Nummer müssen bi» 5 Uhr »achnrtuag« im Hauptgeschäft, verlin 6«. 68, Lwdenstrag« 8, ablegeben SeSffnei von» Uhr früh bi» « Uhr abend». ZPntralorgan d«r rozialdcmohrattfcben parte» Deutfdjtands. Reöaktton und Expedition: SV. SS, Lwdenstr. 3. Kern sp recher t Amt Moriteplatz, Str.»5»S«-»vtS7. Freitag, den 6. Dezember 1918. Vonvärts-Verlag G.m.d. h«, SW. SS, Linöenstr. 3. Yernfprccher: Amt Morttzplatz. Nr. SS SS u. 14k SS. maDWlW�>»»»»»M»W»>»WW>>I I>!>lI»II W»U>lHMei»l»WAlllW Die Verfassung der deutschen RemibM. � Zum Montag hat der Staatssekretär deS Innern, Professor �r. Hugo P r e u ß, nach dem Aeichsamt des Innern eine Kom« Mission hervorragender Kenner des Staatsrechts eingeladen, dlc über den der Nationalversammlung vorzulegenden Entwurf nner Verfassung der Teutscheu Republik beraten soll. Von der Rcichslritung werden die beiden Juristen Otto LaudSberg und Hugo H a a s e an dieser Kommission teilnehmen. Nach vorläufiger Fcstlceung der ersten Grundzüge wird nne Konferenz der Vertreter der Einzel st aaten einberufen werden.'_ Die neue Geheimöiplomatie. �riedensberatungen hinter den Kulissen. Di« französischen Sozialisten find stark verstimmt, dah die alte gefahrvolle Unart, Wer das Geschick der Völker im Gcheimen nitd �er TuSschlutz der Oeffentlichckeit zu würfeln, trotz aller schönen Erklärungen der Ententcreggeningvn von diesen jetzt erneut wieder Mlsgenommen wirid. Wenigsten» läsit sich die» au» einem Artikel Cachin» in der n m a n i t t" entnehmen, in dem erMrt wird, daß die alliierten Rrgierungen während de» Krieges den Völkern verkündet hätten, °rr Krieg werde geführt, damit sie über sich selbst verfügen könnten. Man leibe diese feierliche Verpflichtung ernst genommen. Allein �'« Diplomaten setzten hinter. den Kulissen ihr �heilvolleS Werk fort. Weder die Kammer itach die Par> '�mrntSauSschüsse wurden jemals über dir diplomatisch»« Machrn» auf dem Laufenden oehalten. Gewisse Abmachungen wur> � jn den letzten Tagen stückweise einigen Deputierten und Jour. Bisten enthüllt. Aber angesichts der brutalen Zensur sei unmöglich, sie auch dem Lande bekanntzugeben. Dieser Zustand �rf« nickst länger geduldet werden. Man könne hoffen, daß der «rieg zu Snde sei und dürfe jetzt keine andere Sorge haben, al» direkten, definitiven Frieden sicherzustellen. Es werde aber �nner klarer, daß nach dem Stege die alliierten Regieoungen ihre �ersprechimgen an die Völker vergessen hoben. Man gleite zu einem KrobernngS», Annexion»- und militaristischen Frieden hinüber Jeder bring« einen neuen Beweis dafür. Man solle die Völker über Schicksal befrage», statt dessen schicke ma« sich an, besiegte Völker iu»erstückeln. So werde 1918 wiederum die reaktionäre Politik 7� Wiener Kongresse» vorbereitet. All« Stimmen, die sich erhoben, werde man nicht mehr lange knebeln und olle ihre toteste nicht mehr lange ersticken können. Auch der„Populaire* wendet sich gegen diese gefährliche Me. "»de und erklärt, daß die französisch- Arbeiterschaft Wilson Wetter ünterstützen„und unverändert Gerechtigkeit für die deutsche Demo- 'r-tie, Gerechtigkeit für alle" verlangen werde. Auch die..Bataille' 'chlietzt sich in einem Artikel des Genossen Jouhaux diesem Ge- �»ken an._ weitere Veutschenausweisungea im Elsaß. Bei der Brückenwache von Neuenbürg wurde wiederum eine ködere Anzahl von Personen abgeliefert, die au? dem Oberelsaß mwimen und von den Franzosen ausgewiesen waren. Sie geben daß alle Nichtclsäsier und all« naturalisierten Elsässer inter- oder abgeschoben würden. Als Elsässer gelten für die fron. iöfischen Behörden diejenigen, deren Väter Elsässer waren. . Die au» Straßburg ausgewiesenen Deutschen sagen überein- �mmcnd aus. daß sämtliches deutsches Geld bis zum 15. Dezember Wngewechselt sein muß, wobei der KurS der Mark für Elsässer y 1,25 Franken, dagegen für Deutsche auf nur 60 Centimes b-. �et wird._ Schutz den nationalen Minöertzelten. Die schwedische Partei und die Judenpogrome. . Stockholm, 6. Dezember.(Eig. Drahtbcr. deS.Vorwärts'.) Die lchdcdische Sozialdemokratie richtete folgenden Draht- �«ll an d e sozialistische Partei Frankreichs: Sie kennen ohne «weifel. die infamen Pogrome, die in Galizien freies Polen ent- ■Jr» hcchen. Im Namen internationalen Sozialismus appellieren ..'f an die französischen Genossen, ihren ganzen Einfluß auf die �frntlich« französische Meinung, die immer auf der Wacht für die �chte unterdrückter Völker steht, und auf ihre Regie- aufzubieten, um Wiederholung solcher empörender Massakers verhindern. In der gegenwärtigen Weltlage find die Alliierten 'injigen, die die Möglichkeit und folglich auch die Pflicht hoben. Nationalen Minderheiten«cgm Verfolgungen, die eine Schmach {?* die Menschheit sind,»u beschützen. Im Namen des Parteivor- �des: Branting, Mveller. » Sm gleichen Sinne appellierte die Partei an dm sozialisttschm �rteien der anderen Enlentcländcr. �Unerhörte Grausamkeiten/ Was geht in den beseiten Gebieten vor? Bern, 6. Dezember. Das„Berner Tageblatt" schreibt: Die Nachrichten, die zum Teil aus■ ententistischen Quellen aus dem besetzten deutschen Gebiete zu uns gelan- gen, sind herzzerreißend. Nachdem man die Welt vier Jahre lang mit zum Teil erfundenen deutschen Greueln gegen die „Barbaren" aufgebracht hat. scheuen sich gewisse T r ä- er derZivilisation nicht, in den friedlichen Gebieten, e ihnen die Wilsonschen Bedingungen zur vorübergehenden Besetzung ausliefern, Ausschreitungen zu begehen, die härter und gewaltsamer sind, als man je den deutschen Truppen während deS Krieges vor- werfen konnte. All dies geschieht nach Beendigung des Krieges bei Beginn der Friedensverhandlungen nicht etwa � im Rausche der KriegSwut, am Beginn eines Feldzuges, son- ! dern im Frieden. Man erstarrt, wenn man von solchen u n- erhörten Grausamkeiten liest, und man fragt sich, wie diejenigen, die jahrelang mit ihrer Propaganda von deutschem Groll hausieren gingen, nach diesen Untaten vor der Kulturwelt noch bestehen wollen. Die deutschen in ööhmen. Völkische Minderheiten einst und jetzt. Man hat noch nicht vergessen, welch hartnäckigen Kamps die Tschechen im alten Ocsterroich um die Respektierirng ihrer natio- nalen Eigenart, um die Selbstbestimmung und gerechte Behandlung Böhmen» geführt haben. Wir haben auch noch wohl in Erinne- rung, welche starke Unterstützung gerade d-ie Arbeiterschaft diesem Kampfe geliehen hat. Und eben deshalb mutz nun, wo die kühnsten tfchechischen Träum« erfüllt und nie Erhofftes errungen ist, ver- langt werden, daß auch die Tsechen nicht blindlings ihre Macht zu einem Unrecht mitzbrauchen, das sie selbst bisher energisch be- kämpft haben. Was den Tschechen recht war, die Bekämpfung jeder mißbräuchlichen Gewalt gegen nationale Minderheiten, muß den Deutschen in Böhmen billig sein. An Stelle der alten imperialffttschen Unterdrückung der Völker muß die freie Selbstbestimmung der Nationen treten. Die Tschechen haben aber ein Landesgebiet beansprucht, das mehrere ge- schlössen« deutsche Sprachgebiete umfaßt. Das größte schließt an Sachsen cm. ein zweites reicht von Schlesien bis in den nördlichen Teil ährenS. ein drittes bildet das deutsch» Süd- böhmen und ein viertes das deutsche Südmähren. ES geht nicht an, diese großen Gebiet« ihre» historischen Rechtes für verlustig zu erklären und ein neues historisches Recht durch Machtspruch zu schaffen. ES widerspricht insbesondere dem Geiste, in dem die Tschechen bisher gekänipst hohen, wenn für 2% Millionen Deutsche da» Selbstbestimm ung?r«cht ausgelöscht werden soll. Die 2*6 Millionen Deutsche« Böhmen» betrachten sich, unter Berufung auf das Selbstbeftimung«r«cht der Völker, als Desi-amdtefl der freien deutschen Republik und wehren sich mit heiligem Rechte gegen lieber. griffe der tfchecho- slowakischen Truppen auf deutsch-bömischem Gebiet. Sie bekämpfen jeden Imperialismus und fühlen sich jetzt ganz in der Rolle, die bisher die Tscheche rrspielen mußten. Und wenn Besinnung und nüchterne» Gerechtigkeitsgefühl bei den Tschechen zurückkehrt, kann der Frieden in Böhmen dauerhaft werden. Rrichrnbera, 5. Tbzember. Das Presseamt der Landesregierung für Deutsch-Böhme« meldet: Als Protest gegen dir Ge. walttatigkeitr« der tschechoslowakischen Trup. pen in Deutsch-Böhme»«nd gegen das Verlangen der Tschechen, daß sich die Eisenbahner DeutschbölMens der tschechische» Regierung unterwrrscn solle», veranstalteten die Eisenbahner Deutsch. böhmen» heute eine« Drmonstrationsstreik. An sämt- liche« Linie» der Eisenbahnen DentfchbohmeuS rnhte von 12 Uhr mittag» bis 6 Uhr abend» der Berkehr. In Reichcnberg fanp rj„e von mehr als 3000 Eisenbahnern besucht« Bersammlung statt. Gelagerungszuftanü in �otzenfalza. Hohcnsalza, 0. Dezember. Ucber Stadt und Krei» Hohen- salza ist der Belagerungszustand verhängt worden. Bis auf wei- terrS sind sämtliche Geschäfte mit AnSnahnre de» LcbenSmittrlgr» fchäft» geschlosse». Leider hat die gestrige Schießerei noch ei« weiteres Opfer gefordert. Schneller Einmarsch in deutschlanö. Haag, 6. Dezember. Holla ndsch Nieuwsbureau meldet aus Lon- don: Die alliierten Armeen rücken schnell in Deutschland vor. Die britischen Truppen überschritten die Etffel und mar- schierten in Richtung auf Köln, von dem si« noch etwa 40 Meilen entfernt sind. Dt« Amerikaner sind in Trier eingerückt und ziehen das Moseltal entlang in Richwng»nf Koblenz. Die Vorgänge in Elsaß- Lothringen. Genosse Emil Fischer, bisher Redakteur der»Freien Presse" m Straßburg, der gestern in Berlin eingetroffen ist, schreibt uns: Mit dem Einzug der französischen Truppen in Elsaß- Lothringen haben auch die meisten Elsaß-Lochrmger ihre Masken fallen gelassen. Der Tätigkeit der Arbeiter- und Soldatenrüte lediglich ist es zu verdanken, daß die deutschen Truppen ungehindert das Land verlassen konnten. Wieder- holt verlangten einzelne Soldaten ihre Waffen zurück, da sie sich vor der aggressiven Haltung eines großen Teiles der elsaß-lothringischen Bevölke- rung fürchteten und auch Veranlassung dazu hatten. Dem besonnenen Verhalten der Arbeiter- und Soldatenräte ge- lang es jedoch, die Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten. Mit dem Einzüge der französischen Soldaten hörte die Existenz der Soldatenräte auf. In Straßburg traten die im Lande verbliebenen Mitglieder des Soldatcnrates in den Arbeiterrat über. Der Arbeiterrat wurde jedoch von der französischen Verwaltung aufgelöst und einige Tage darauf mehrere deutsche Mitglieder des Ar- beiterrotes, die Gewerkschaftsführer R e b h o l z, Schulen- bürg. Zie�ler und Parteisekretär Eckhardt, ver- hastet. Die Verhaftung erfolgte angeblich unter dem Vorwande, die Rechnungslegung des Arbeiter- und Soldaten- rates zu prüfen, in Wirklichkeit jedoch, weil die französische Negierung Angst vor einer revolutionären Bewegung hat, als deren Träger sie die deutschen Partei- und Ge- lverkschaftsbeamtcn betrachtet. Von Tag zu Tag sah man an allen Maßnahmen der französischLn Verwaltung deutlicher,, daß ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet ist, dte deutsche Gewerkschaftsund Partcibewegung zu zerstören. Der Ober- kommissar Maring er, der dieselben Funktionen ausübt, wie früher der Statthalter, ließ erklären, daß im Vorstand der Gewerkschaften keine Deutschen sein dürften. Wer die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen kennt, weiß, daß damit das Todesurteil über fast alle Gewerkschaften gesprochen ist, denn fast alle Gewerkschaftsbeamten und tätigen Mitglieder sind altdeutscher Herkunft. Neben den oben erwähnten Vcrhaf- hinsien und dem Verbot der gewerkschaftlichen und poliftschen Betätigung verfügte die sremzösische Verwaltung dieser Tage noch Akt sweisungen führender Genossen. So mußten der Arbeitcrsekretär P orten kirchncr. der Gauleiter des Bauarbeiterverbandes Vo i g t und kr Gewerkschaftsbeamte der Malerorganiscition D a n d e r b e r g und ich binnen 24 Stunden das Land verlassen. Die Möbel mitzunehmen wurde den per Schub über die Rheinbrücke Verbrachten untersagt. Zeigten hier die Franzosen, daß sie sehr schnell einzu- greifen wissen, so bewiesen sie bei Plünderungen deutscher Geschäftsläden eine wahre Lammesgeduld. Am bellen Tage zogen Trupps halbwüchsiger Burschen, denen sich Angehörige des schaulustigen und schadenfrohen Bürgertums zugesellten, vor deutsche Geschäftshäuser und holten unter Gejohle die Fahnen, die diese Geschäftsleute aus Angst herausgesteckt hatten, her- unter. Nachts zogen dann wieder plimdcrungSlustige Trupps durch die Straßen, schlugen die Schaufenster von deutschen Geschäftsläden ein und stahlen große Posten der Ware. Da? Zigarrengeschäft des sozialdemokratischen Abgeordneten Böhle wurde in der Nacht nach dem Einzüge des Mar- schallS Petain geplündert und es wurde für 25000 M. Ware geraubt und Böhle selbst verwundet. Diese Tat zeigt gm klarsten die augenblickliche Stimmung der elsaß- lothringischen Bevölkerung, denn Böhle war gerade der Ab- geordnete, der sich mit Mut und Eifer der elsaß-lothringischen Flüchtlinge und Soldaten annahm und im Reichstage von offener Tribüne herab das unselige deutsche Militärstiftem in Elsaß-Lothringen geißelte. Tagelang konnte der Mob sich austoben, ohne daß es der französischen Herrschaft eingefallen lwire, diesem schändlichen Treiben durch irgendein Verbot Einhalt zu gebieten. . Die französische VerMaltuny kennt in Effaß-Lochringen nur Zwei Bevolkcrirngsschichfen, nämlich Franzosen und Aus- land er. Franzosen sind alle diejenigen, die von Einwohnern, welche vor 1870 im Lande wohnten, abstammen. Ausländer sind diejenigen, die nach 1870 eingewandert find und deren Nach- kommen, selbst wenn drest im Lande geboren. Auch alle natura- lisierten Elsaß-Lotbnnger werden als Ausländer angesehen und behandelt. Welche Wirkung da? hat, zeigt sich durch eine in den letzten Tage» herausgegebene Verordnung des ftanzösischen VNnffkchrafldsnkett MemenesaS betr. AußerkllrZsetzttiig des deutschen Geldes. W 16. Tezeniber wird das deutsche Geld außer Kurs gesetzt. Für 1 Mark werden 1 Frank und 25 Centimes gezahlt. Jedoch erhalten für 1 Mk. 1 Frank 25 Centimes nur die Altelsässer und Angehörige neutraler und alliierter Staaten. Alle anderen Einwohner, also alle Deutschen und naturalisierten Elsässer, erhalten für 1 Mark 60 Centimes. Mit dieser Gefchenkpolitik sucht man sich als wahrer Befreier und Gönner der Elsässer und Lothringer aufzuspielen: daß das dafür herausgegebene Geld nicht aus Frankreichs Tasche kommen wird, liegt für jeden Einsichtigen klar auf der Hand. Um jeden deutschen Einfluß zu ersticken hat die französische Regierung auch alle Gemeinderäte, die 1914 auf Grund des allgemeinen gleichen Wahlrechts gewählt waren, aufgelöst. Die elsaß-lothringischen Stadtverordneten behielten ihre Mandate, während für die deut- schen Stadtverordneten einfach französisch gesinnte Bürger ernannt wurden. Mit den französischen Truppen war auch der Abgeordnete von Metz, Kapitän W e i l l, zurückgekehrt, der an die Studenten eine flammende Ansprache hielt. So machen die Franzosen in Elsaß-Lothringen reinen Tisch. Ihr Hauptbestreben ist, das Deutschtirm auszurotten und da- neben die gewerkschaftliche und politische Bewegung niederzu- halten. Das Scharwenzeln einzelner elsässischer„Genossen", die mit Einzug der französischen Truppen sofort blau-weiß-rote Kokarden ansteckten und„Vivo rarmäe!" riefen, Marschall Petain und Foch ein dutzendmal hochleben ließen usw., nützt diesen„Genossen" auch nichts. Wie wenig die Fmnzosen auf die elsaß-lothringische Sozialdemokratie geben, geht schon daraus hervor, daß kurz vor Eintreffen von Poincarä und Clemenceau der Straßburger Gemeinderat infolge der Auflösung eine Neu- Wahl des Bürgermeisters(der augenblickliche Maire von Straß- bürg war der Sozialdemokrat Peirotes) vornehmen mußte und es hierbei nach den französischen Intentionen gelang, einen bürgerlichen Maire zu wählen. So brauchen den Poincars und Clemenceau sich im„wiedereroberten" Straßburg nicht von einem Sozialdemokraten empfangen zu lassen. Alles deutet darauf hin, daß der französische Militaris- mus der proletarischen Bewegung den Garaus zu machen ver- sucht, genau so wie Bismarck nach dem 70er Krieg in Deutsch- land. Nur wenn sich die elsaß-lothringische Sozialdemokratie rückhaltlos zu den Grundsätzen der internationalen Sozialdemo- kmtie bekennt und in diesem Sinne arbeitet, kann sie bestehen. Dann wird sie auch ein Bindeglied zwischen dem französischen und deutschen Proletariat sein und in der Internationale eine segensreiche Nolle spielen können. Bon der Energie und dem Klassenbewußtsein der derzeitigen Führer der sozialistischen Massen in Elsaß-Lothringen hängt unendlich viel ab. Nur wenn sie der augenblicklich im Lande wogenden Nationalistenwelle einen Damm setzen, können sie die Brücke zwischen Deutschland und Frankreich und damit auch zum großen Völkerbund bilden, Hegwn der englisthen Wahlen. Amsterdam, 5. Dezember.(TK) Die bisher vorliegenden Er- gefmisse der englischen Wahlen lassen erkennen, daß die K o a I i- t i o n den Erwartungen gemäß eine gewaltige Mehrheit erzielen wird. Bemerkenswert ist, daß von den Wahlresulwten aus Irland hervorgeht, daß die Nationalisten von den Sinn- feinern ganz in den Hintergrund gedrängt wurden. Bisher ist daZ Verhältnis zwischen Sinnfeinern und Nationalisien zwanzig zu ein& Unter den gewählten Sinnfeinern befinden sich ■lk beiden namhaftesten Führer der Bewegung, de Baleca und Graf Plumkett. Aus London wird gemeldet, daß die Friedensbedingungen den Kernpunkt der englischen Wahlkampagne bilden. Eine ganze Reihe von Kandidaten ist dazu übergegangen, die Forderung eines rückhaltlosen GewaltfriedenS an die Spitze ihres Programms zu stellen. Die Kandidaten der Koalition haben sich hinsichtlich der FrisdeS- oedi nunyen zum größten Teil auf die Formel geeinigt: Be- strafung der Hohen zollern, voller Ersatz für alle Kriegsschäden, Aus- weifung aller Deutschen aus England. Amsterdam, 6. Dezember.(TU) AaS London wird gemeldet: Unter den Kandidaten für die Wahlen befinden sich SM Koalition»- fenWdafel, bon bwien 195 den IkmomFe» nick 195 den ZFevake« angehören, die übrigen find Arbeiterkoalitions- und Unabhängige Koalitionskandidaten. 270 Liberale bekämpfen die Koalitionskandi- baten. Bis jetzt sind 40 weibliche Kandidaten, aufgestellt. Die 105 irischen Sitze werden von S7 Nationalisten, 10 Sinnfeinern und 38 Unionisten bestritten. Balfour ist für die City of London gewählt, Frau Hope, die gegen Asquith in Gripar kandidieren sollte, gelang es nicht, als Kandidatin aufgestellt zu werden. Gestern abend um 8 Uhr waren ohne Gegrnkandidatc» gewählt: KoalitumS- unionisten 41, Koalitionsliberale 28, Arbeiterpartei 11, Nationalisten 1, Sinnfeinec 23. Unter den ohne Gegenkandidaten Ge- wählten befinden stch auch die Führer der Sinnfeiner, Plumkett und De Valera. Steuern sinü unveranüert weiter zu zahlen. (Amtlich.) Unter den Liewerbe treiben den scheint die sonderbare Auffassung verbreitet zu sein, als beeinflusse die politische Neu- gesialtung im Reich und in dien Einzclstaaten die Pflicht zur Steuerentrichtung. Diese Auffassung ist selbstverständUch völlig ungerechtfertigt. Alle Steuern sind unverändert weiter zu zahlen. Die Steuerbehörden haben Anweisung erhalten, mit be- sonderem Nachdruck für pünktliche-n Steuerein- gang zu sorgen. D>aS gilt insbesondere auch für die am 1. August 1018 in Kraft getretene Umsatzsteuer und deren wichtigen Bestand- teil? die L u x u s st e u e r. Die sozialpolitisch wesentlichen Pläne des AuZbaus dieser Steuer lassen es dringend notwendig er- scheinen, daß die Veranlagung der Steuer in ihrer jetzigen Gestalt so sorgfältig als möglich erfolgt. Vor einer lässigen Be- folgung der Bestimmungen über den BuchführungSzwang kann nur gewarnt werden; sie würde für die Beteiligten die im Gesetz angedrohten ernsten Folgen haben. Weiter sei die Aufmerk- samkeit der Gewerbetreibenden, insbesondere der Großbetriebe, darauf gelenkt, daß nach Friedensschluß die vom Reichstag in die Umsatzsteuer eingefügte Vorschrift über die Vorbelastung der ge. mischten Unternchinungea(Z 7) in Kraft tritt, lleber die Durch- führung dieser Vorschrift werden zurzeit Gutachten der amtlichen Berufsvertvetungen von Landwirtschaft, Handwerk und Handel eingefordert. Der Staatssekretär des Reichsschatzamts. Schiffer. §ür frühere Wahlen zur National- Versammlung! Oldenburg, Anhalt, Rheinland-Westfalen. Die Festsetzung deZ Termins für die Wahlen zur National- Versammlung hat nicht alle Wünsche interessierter Kreise erfüllt. So überreicht, unter dringlichster Befürwortung, das Direktorium des Freistaats Oldenburg einen vom oldenburgischen Land- tag einstimmig angenommenen Antrag auf Festsetzung der Nationalversammlungswahlen in kürzester Frist, damit da? öffentliche Leben in Deutschland wieder in gesetzliche Bah- nen gelenkt und eine Vertretung geschaffen werde, die be- rechtigt sei, für Deutschland Frieden zu schließen. Ebenso hält der Staatsrat für Anhalt den 18. Februar für zu spät und empfiehlt, durch Abkürzung der Fristen und vereinfachte Vorschriften die Wahl spätestens bis Mitte Januar zu ermöglichen, da eine Hinausschiebung die Rechtssicherheit gefährde und die Friedens fchwierigkeiten erhöhe. Auch aus Rheinland und Westfalen, so von sämt- lichen erreichbaren Handelskammern und von der Stadtverordneten» Versammlung in Köln, wird einstimmig tunlichste Be- fchlennignug der Nationalversammlung verlangt, damit die Einheit des Reichs nicht durch separatistische Be- strebungen gefährdet werde. württembergische wahlorönung. Das ganze Land ei« Wahlbezirk. Der württembergische StawtSanzeiger veröffentlicht die Wahlordnung für die verfassunggebende württembergische Landes- Versammlung. Zn ihr müssen 15 0 Abgeordnet« in einem Wahlgang für das ganze, einen einheitlichen Wahl- bezirk bildende Land auf dem Äog? der Verhältniswahl gewählt werden. Die Wahlhandlung findet im ganzen Lande am Sonn- tag. den 2 6. Januar, statt. Rekchskonferenz See Unabhängigen. Um die Nationalversammlung. Die Parteileitung der Unabhängigen hat für den heuti- gen Tag eine Reichskonferenz nach Perlin einberufen, über deren Vorgeschichte doS hiesige Spartakusblatt in feiner Ata- nier folgendes berichtet: Vor kurzem hat eine Sitzung des Parteivorstarckes der ll.©. P. stattgefunden, in der die Frage der Nationalversamm- lu n g behandelt und wobei beschlossen worden ist. zwar der Nat-io- nalversammlung zuzustimmen, jedoch deren Einberufung nicht vor April zuzulassen. Darauf beriet nun der.Rat der Volksbeauftragten", die be- wußten sechs Mann, über die Sache. Und hier wurde die Einbe- rufung der Nationalversammlung für den 16. Februar, nicht wie Barth auf der Emser Tagung' der Soldatenräte der Fronttruppen berichtet hatte, mit 4 gegen 2 Stimmen, sondern mit 5 gegen 0 Stimmen, d. h. gegen eine Enthaltung, beschlossen. Also von den drei Unabhängigen des SechSmänner-RatS sind zwei direkt nmge- fallen und haben gegen den eigenen Beschluß des eigene« Parteivor- standeS gestimmt und der Dritte hat sich in eine Null verwandelt! So verdanken wir den Beschluß der Wahlen zur Nationalver» samnrln-ng zum 16. Februar den Haafe-Drttmann-Barth, denselben Männern, deren Organ die.Freiheit" nicht eindringlich genug wiederholen konnte, wie wichtig es sei, die Nationalversammlung nicht zu überstürzen. Und so führen die Mitglieder des Parteivor- standeS ihre eigenen Beschlüsse in den wichtigsten Fragen ausl Die Einberufung des Parteitags der U. S. P. ist nun so dring- lich geworden, daß sich die Herren im Parteivorstand damit be- fassen mußten. Und was beschlossen sie? Den Parteitag vorläufig und namentlich vor dem Zusammen- tritt des Zentralrats der Arbeiter- und Soldatenräte nicht einzu« berufen, hingegen eine.Reichskonferenz" der Partei nach Berlin zusammenzutrommeln! Dieser schöne Beschluß ist von der obersten Parteibehörde zunächst über den Kopf der radikalen Mitglieder des ParteiborstandeS hinweg gefaßt worden. Erst auf energischen Em- spruch der also Ausgeschalteten fand eine erneute Beschlußfassung statt, bei der die Radikalen richtig durch die Haase- Leute überstimmt worden sind. DaS Spartakusblatt fordert schleunige Einberufung eines Parteitags. Seine Darstellung der bisherigen Vor- gänge, mag sie auch im Interesse der Spartakisten gefärbt sein, zeigt jedenfalls, mit wie großen inneren Schwierigkeiten die Partei der Unabhängigen zu kämpfen hat. In der heutigen Nummer der„Freiheit" wendet sich Karl K a u t s k y mit folgenden ausgezeichneten Worten gegen die SpartakuSgruppe: Am Tage nach einer Revolution der Arbeiter, die mit eine« Ruck zwei Dutzend Regierungen umwirst in einem Lande, in dem das Proletariat die Mehrheit der Bevölkerung bildet, verzwei- feit eine sozialistische Partei daran, die Massen zu gewinnen und die Mehrheit für die Nationalversammlunz zu erobern. Sie verzweifelt daran, sich im Kamps der Geister i« einer Arena zu behaupten, zu der alle Parteien und Klassen zu- gelassen werden. Ein größere» ArmntSzengniS kann jene Partei sich selbst nicht ausstellen. Wir haben ein besseres Zutrauen zu unserer Sache, die Masse des Volkes steift zurzeit auf der Seite des Sozia« I i S m u S. Sie hat alles Zutrauen zu den Parteien verloren, die bisher regierten. Von u n S erwartet sie die Rettung, die ökono- mische Rettung. DaS ökonomische Interesse wird die ganzen kov> menden Monate, ja viele Jahre beherrschen. Und darum verlange u die Massen nach>«nem aufbauenden Sozialismus, nicht nach Bercwigung der Unruhe, nicht nach Berlängerung des Kriege» durch Bürgerkrieg. Von unserer Haltung hängt alles ab. Die National- Versammlung ist auf demMarsch und nichts vermag sie aufzuhalten. Die Sozialisten, die sich ihr entgegenstellen, können nur eine» erreichen: die Verkleinerung der svzialisti' schen Mehrheit w ihr. Die Schuld dieser Sozialisten wäre es- wenn die Nationalversammlung gar eine gegenrevolutio- näre Mehrheit aufwiese. Gerade weil diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, müssen wir um so dringender fordern, daß an Stelle deS Kampfes gegen die Nationalversammlung der Kampf u m sie mit voller Kraft auf- genommen wird. Kein sechstes Stockwerk! Unter der Neberschrift„Volk und Baukunst" brachte der.Vorwärts" vom 3. Dezember abends Auslassungen de? Architekten Schaudt. An diese knüpfen folgende Gedanken an, deren Einwand gegen di« Forderung der Fre-igabe deS sechsten Stockwerks grundsätzlich angebracht ist. Mir scheint eS notwendig, den an sich begreiskichen Wünschen des Herrn Architekt Schaudt in einem wichtigen Punkte zu wider- sprechen. Ich nehme an, daß Herr Schaudt bei dem Dvcmge, dem arg daniederltgenden Baugewerbe sowohl, als auch den zahlreichen, gezwungenermaßen untätigen Kräften der Archit eltenschaft schnell- möglichst wieder aus die Beine zu helfen, wohl unbeachtet gelassen hat. daß die Bodenreform in der nunmehr einsetzenden Ent. Wicklung des großen allgemeinen sozialistischen Programms eine bedeutsame Rolle spielen wird. In diesem Zusammenhang bc- trachtet, wäre der Wunsch des Herrn Schaudt, jetzt endlich auch da» sechste Stockwerk freizugeben und die bebaubaren Griindstückfilächcn noch ergiebiger mlSzunützon. nicht nur verfrüht, sondern wohl auch kaum vereinbar ist mit dem Grundsotze, daß bei dem zweckdienlichen Aus- und Ausbau gesunder, volkshygienischer und sozialwirtschzftkicher Zustände viel Licht, viel Luft und viel Raum in der Breite, nicht aber in der Höhe angestrebt werden soll. Die weiteste Ausnutzung deS Raumes in der Höhe war nach den bis jetzt noch geltenden boden- und finanzpolitischen Rechtverhältnissen das Streben bei Ausführung aller großstädtischen Wohn- und Jndustriegebäude. Die heutige Großstadt, überall auf der Erde, ist da» ZwangSprodukt der Politik des Großkapitals. Sic ist, von zahlreichen Gesichtspunkten au» betrachtet, keinesfalls ei« begehrenswerter Zustand, weil sie die Ursache unendlich vieler Un- moral auf sittlichem, politischem und wirtschaftlichem Gebiete ist. Wenn«an sich vorstellt, daß das wirtschaftspolitische Programm der Sozialdemokratie schon vor 1000 Jahre« oder noch früher Wirk- lichkeit geworden und dann bis heute erhalten und weiter entwickelt worden wäre, so wäre«mmermehr eine Großstadt von heute gc- züchtet werden. ES wären alle Industrie- und Bevöllerungözentrcn. feaveit solche überhaupt entstanden wären, zweifellos in die große. g'unde lustige und behagliche Breite gewachsen und weder ein sechstes.' noch-in fünftes, oder auch nur ein viertes und drittes Stockwerk im heutigen Sinne hätte« darin irgendwelche verccht,- auna gehabt Da nun aber die allgemeine Entwicklung diesen wünschenswerten Verlauf leider nicht genommen hatte, da cS viel. mehr dem 20. Jahrhundert vorbehalten geblieben war. die als un- geftuck und mithin als unmoralisch ernannte» allgemeinen Zu- stände langsam, aber zielbewußt und konsequent aus der Welt zu schaffen und durch bessere zu ersetzen, so wäre es völlig inkon segnen t, die vielen Hebel der Großstadt noch durch daS berüchtigte sechste Stockwerk und durch eine noch gedrängtere Bauweise um einige weitere große Mängel zu vermehren. Es steht zu hoffen, daß eine künftige Bodenpolüik es bald ermöglichen wird, dem Arbeiter, dem selbständigen Handwerker, Beamten und Geschäftsmann usw. schnell und bequem erreichbare, gesunde und billige Wohnstätten m der Nähe der nun einmal vorhandenen Großstädte oder Fndustriestätten zu verschaffen. Dieselbe erhoffte Bodenpolitik in Verbindung mit einer gerechten und zweckdienlichen Finanz- und Steuerpolitik würde dann auch zur weiteren Folge haben, daß die dann mehr und mehr zu reinen Geschäfts- und Jnduftriezwecken sich automatisch ent- Wickel,-.de eigentliche Stadtzentrale aus leicht erkennbaren Gründen kein sechstes Stockwerk mehr erheischen wird. Es bleibt sogar ernstlich zu hoffen, daß tn einer nicht mehr zu fernen Zert,«n Gegensatz zu dem Wunsche des Herrn Schaudt. in den Großstadt- zentralen durch Hinwegröumung vieler ungesund eng beieinander- stehender Häuserblocks, an deren Stelle freie Plätze mit Baum- bepflanzung gesetzt werden müßten, dem werktätigen Volke mehr Licht, mehr Raum«nd mehr Lust zum freien Atmen geschaffen worden möge. In weiterem Verfolg dieses Gedankens würde dem Bau- künstler und dem Bauhandwerker ein ungeheuer großes Gebiet für eine segensreiche, befriedigende und die Großstadt-Menschheit beglückende Tätigkeit zur Verfügung stehen. Ich möchte deshalb an dieser Stelle auch die interessierten Künstler und Bau facht reife be» scheiden ermahnen, nicht etwa auch ihrerseits überhastete Vorschläge und Maßnahmen zu treffen, welche letzten Endes geeignet sind, das wohldurchdachte, allgemeine große SozialistenmgSwerk unserer neuen Regierung gleich im Ansang in nichtqewollte Dahnen zu lenken. Wenn Herr Adolf Hosftnaxn sagte:.Frei von jedem Gängelband soll sich die Kunst entfalten usw.", so möchte ich Herrn Schaudt erwidern, daß dies Wort, wohl nur cum gr�n»»nliz zu verstehen, bei der Baukunst r.rcc beding zu halten sei« wird, denn in dieser Kunst habe««icht nur die frei schassenden Künstler, fvn- der« auch das Volk und deshalb auch die— hoffentlich künftig«echt gnädige— Baupolizei ein wichtiges Wort mitzureden. So ein ganz zierliche» und zartes„Gängelbändchen" werden sich deshalb die Baukünstler wohl schon gefallen lassen müssen. Mögen sich deshalb unsere schaffensfreudigen jungen Architekten nicht nur z« freie« Künstlern, sondern zugleich auch zu wirklichen Bolkswahlfahrts- künstlern schnell an Mückeln. In diesem Sinne: Frisch anS Werk? Fort mit dem schlechten Alten! Lust und Sonne braucht das gesamte Volk auf jedem Ge- biete. HanL Werner. Notizen. -— Expressionistische I nternationale. Die seit neun Jahren im Sturm vereinigten Künstler haben sich unter dem Namen.Internationale Gruppe der Expressionisten, Kubistcn und Futuristen" organisiert. Zweck der Organisation ist, die neue Gestaltung des öffentlichen KunjtlebenS im Geiste der neuen Kunst- Geschäftsstelle: Berti» W. 9, Potsdamer Str. 134a. — Flugblätter zur neuen Zeit läßt Eugen DiedcricP Skerlag erscheinen, vierseitige Blätter in Buchsormat, in denen die idealistischen Tatsehner und Tatdränger dieses Jenonfer Verlage? in Aufrufen und Denksätzen sagen, was sie dem deutschen Mensch-" dieser Tage raten und was sie von ihm fordern. Die ersten elf Blätter sind in den Wochen entstanden, als die revolutionäre" Entscheidungen reif und gepflückt wurden. DaS gibt ihnen die Stimmung und Bedeutung. In den ersten Blättern finden sich Savonarola>-Worte, in denen Selbstprüfung gepredigt und der.Mut zur eigenen ZwecksetzunS als nächstes Ziel aufgepftanzt wird. Carl Hauptmann schreit- einen offenen Brief, der Wilsons Btocht für die»wahre Gern ciw schaftsarbeit unter den Völkern' aufruft. Ein.Beamtensprcgel glaubt die Zeit eines AufsteigenS vom dumpfen Vollstrecken zum frohen Verkünden gekommen. Ernst Krieck entwickelt Gedanken- die den Staat in das Volkstum versenken und auf dessen organische Gliederung begründen. In den Gewerkschaften sieht et reifere Gebilde, die anderen Körperschaften des Volkes Vorhin sein können. Arbeiterdichier wie Lersch und Bröger sprechen u, wuchtigen Versen von Demokratie und Revolution, und der Vo> leger selbst verkündet zu der Frage:„Wo wird geschafft, wird da» nn rechten Geist getan?" als fein Ziel: „Wir müssen den Vokksftaat organisch mvS den Bedürfnisse� der geistigen Individualität heraus in genossenschaftlichen gamfationen aufbauen." In diesem Ziel liegt das Programm setner Lebensarbeit überhaupt angedeutet. — I m Zeichen der Revolution steht die neue sskumMtt de».StmplieisfimuS". Die besten zeichnenden Kräfte wirken Kij fammen: Schulz. H-ine. Kley, Thönh. Beste satirische Kr»" hoben ArnoidS zwei Bilder„Nevolunoa-Ssewcnnler". Gulbranssa" porträtiert„Kurt EiSner I.", der mit geftrcnmnter Dürre den bav-' vrfche« Löwen bereitet. Peter Seher schreibt Vers« von an#1 Straßenkehrer: Roch war ein»ckdeS Wosen. und Schüsse fielen dann und wann, da kam er mit der Karre an, mit Schaufel und mit Besen. Er sah auf seinen Apparat, als ob er überlegte, dann legt' oc los und fegte. Am Anfang war die Tat. Theater. Im Deutschen Theater wird die Erstaussü-7' rung von Tolstois„Und das Licht scheinet in de» Finsternis" voraussichtlich in der nächsten Woche stattfinde»- Plebiszit für öie Regierung! Ei« Vorschlag. , Unter dem Vorwan-de, daß rn Deutschlcmd kein« an er- kannte Regierung bestehe, droht die Entente, uns von der Friedenskonferenz auszuschließen. Im roten„Tag" fordert der Professor Karl Binding als Notbehelf die Einsetzung einer Neichsverweserschast durch den(nicht mehr existierenden! E. K.) Bundesrat und Reichs- tag. Natürlich wäre das eine gegenrevolutionäre Lösung des Problems Aber nichtsdestoweniger besteht die Notwendigkeit, daß wir schon vor dem frühestens Ende Februar zu erwartenden Zusammentritt der Nationalversammlung der Regierung eine teste und einwandfreie Grundlage geben, daß wir die sechs leitenden Männer, die unsere Reichsverweser sind, zu„Volks- beauftragten" im wahrsten Sinne des Wortes machen. Als revolutionäres Mittel hierzu schlage ich vor das Plebiszit, die Volksabstimmung. Die zu stellende Frage wäre etwa folgendermaßen zu formulieren: , Ist das deutsche Volk damit rinverstandea, daß die Regie- i rung Ebert-Haase bis zum Zusammentritt der ton- 'I stitnierendeu Nationalversammlung die Geschüste des Reiches leitet, insbesondere die Friedensverhandlungen mit - unseren Gegnern führt?— Antwort: ja oder nein. An der Abstimmung nehmen teil alle über 2V Jahre alten Männer und Frauen. Sie geschieht ohne Aufstellung d o n Wählerlisten nach dem Verfahren, das Genosse Scheidemann hier vorgeschlagen hat. Nur verein- facht dieses sich noch ganz bedeutend, denn es brauchen keine Wahlvorschlägs mehr eingereicht zu werden, sondern die Re- gierung läßt einfach Stimmzettel drucken, ans denen ja und nein steht. Auf diese Weise ist eS möglich, in allerkürzester Zeit die Negierungsgewalt in Deutschland auf eine Grundlage zu stellen, die auch von unseren Feinden anerkannt werden muß. tfür die Parteien bedeutet diese Art der Abstimmung kein ~dfer, denn es gilt ja nur, ein Provisorium von wenigen Wochen zu bestätigen, das ohne diese Abstim- wung ja ohnehin in Kraft bleiben würde. ES handelt sich bei der Abstimmung nicht um die Frage, ob je- wand die jetzige Regierung dauernd wünscht, sondern nur darum, ob er sie mangels einer sonst vorhandenen Staats- gewalt bis zum Zusammentritt der National- Versammlung mit der Führung der Reichsgeschäste be- trauen will. , Ich. glaube daher, daß diese Abstimmung niemandem irgendwie schaden, der Sache Deutschlands aber unendlich nutzen würde, und bitte daher die Oeffenllichkeit, diesen Vor- ichlag ernstlich in Erwägung zu ziehen. _ Erich Kuttner. . Die Sozialifirungskommissiim hat sich gestern nach kurzer Ge° w�ftZcnL-imwgSvebatte auf Montag vertagt. ES handelte sich vor allm um die Frage, ob sie als ein« Dachve rstä rlidracnkomm i ss?on der �egievurog oder als freie Kommission zu betrachten sei. Dir letz- lere Auffassung war die üSerltviegeude. GewerffchaflsbewEung Die GeneralkommiDon üer Gewerkjchasten tritt für öie auslänöijchea Arbeiter ein. Die Generalkommission der Gewerkschaften DsutschlandS hat cr' ven Rat der Voltsbeuustragten folgendes Schreiben gerichtet: Bei der jetzigen Umstellung des Wirtschaftslobens haben sich lur die in Deutschtaird bejchäftigten ausländischen Arbeiter Unzu- rcaglrchkeiten ergebe», auf die die unterzeichnete Generalkommission oer Eewerkschafton Deutschlands den Rar der Volksbeauftragten vW dem Ersuchen aufmerksam machst, eine schlounige Regelung her- Der dänische Gesandte in Berlin, Graf Moltke, hat sich an die �eneraltommisswn gewandt mit dem Hinweis darauf, daß däni- lchen Arbeitern, die seit langen Jahren in Deutschland ansässig sind, jetzt nahegelegt wird, Arbeit in ihrer Heimat zu suchen, unser �a,ch also zu verlassen. Die beigefügte Anlage 3 enthält eine Be» mnntmachung, die die Direktion der Norddeutschen Mctallwerke in Berlin im Einvernehmen mit dem ArbeiterattSschuß und Arbeiter- wt im Betriebe angeschlagen hat und in der unter 1 die im Betriebe vsschäftigten Ausländer aufgefordert werden, sich möglichst wieder ein« Beschäftigung in ihrer Heimat zu suchen. Gegen diese Praxi? erheben wir Einspruch Ts darf nicht das �fgeöniS der Revolution sein, daß die Freizügigkeit aufgehoben ssurd und ausländische Arbeiter, die in Deutschland bis jetzt ihr fchMf fanden, nunmehr über die Grenze abgeschoben werden. Der «unische Gesandte weist in seinem Schreiben an uns mir Recht »acauf hin, daß in Dänemark auch sehr viele deutsche Arbeiter an- Wlsig sind und daß die dänische Regierung schließlich genötigt lverden könnte, gegen diese Arbeiter in der gleichen Weise vor» sugchen, wie eS hier in einzelnen Fällen bereits geschehen ist. Ein« weitere televhonisch übermittelte Nachrufst der dänischen Gesandtschast geht dahin, daß dünische Arbeiter, die während des �negeS in der hiesigen Industrie Beschäftigung fanden und nun be> der Demobilisierung arbeitslos tvcrden, auf Schwierigkeiten lloßen, wenn sie ihre Pässe für die Heimreise nach Dänemark visiert halben wollen. Auf dem Berliner Polizeipräsidium soll von ihnen ber Nachweis der bis zum Tage der Abreise bezahlten Steuern verlang: worden sein, bevor der Sichtvermerk ausgestellt werden tonnte. Möge ein formales Recht dieses Verlangen begründen, so Haft«« wir eS doch für untunlich, diese Forderung zu stellen. Wenn b!« Leute au? unserem Lande abreisen wollen, dürfen ihnen keine Schwierigkeiten bereitet werden, denn wir haben zurzeit selbst ein äifterssse an der Entlastung des ArbeitsmarktcS. Die Steuerlei» stung darf aus sozialen Gründen nicht als Bedingung für die Ab- *if« anneführt werden. Die eventuellen Ersparnisse der Leute Werden bei dem jetzigen schlechten Stande unserer Valuta ver- Ühwindend, wenn sie in ausländischer Währung umgerechnet wer- den, und die Leute haben, wenn sie in der Heimat angelangt sind, einer längeren oder kürzeren Periode der ArtxntSbosigkeit zunächst zu rechnen. Es wäre deswegen im höchsten Grade unsozial, svenn man ihnen hier die Steuern bis zur Abreise in Anrechuung bringt, bevor der Sichtvermerk ausgestellt wird. Wir haben diesen setzten Fall bereits dem Ministerium des Innern in Preußen, z. H. beL Herrn Eugen Ernst, nutgeteilt, haften eS aber dennoch für not» Mendig, daß seitens der Retchsregierung eine Anweisung ergeht, Vi« im ganzen Reich Berücksichtigung findet. Ergeben st Die Genevakkommiss»« der Gewerkscha-kwn Deutschlanbe. gez. C. Legten. Auch unS sind vor einigen Wochen bereits ähnliche Klagen �gegangen und eS ist daher der Schritt der Generalkommission uur zu begrüßen._ Achtung, Dachdecker! Laut Beschluß der Tariskommission be- j?ägt die Arbeitzeit vom Sonnabend, den 7. Dezember, 8 Stunden. Der Lohn wird auf 2,20 M. pro Stunde festgesetzt.— Die Arbeits- Vermittlung findet nur noch vom paritätischen Arbeitsnachweis der �tadt L erlin, Gormannjtr. 8QII, ans statt. GroßSerllu. Spekta?e!bunö. Herein, herein in unfern Bund! Bei unS da wird gebacken. Den Magen, der euch bald verschwunb. könnt ihr jetzt voll euch sacken. Wir rühren euch den Phrasenbrei; genießt ihn mit Behagen! Doch, daß er auch recht schmackhaft sei, wird Schaum dazu geschlagen. Wenn euch auch dies noch nicht genügt— wir können weiter dienen. Es wird was Feines zugefügt: Wir haben große Rosinen! Wie? Was? Verdammt, ihr wollt ihn nicht, den schönsten aller Kuchen? Auch nicht den Hafer, der uns sticht? Ha Bourgeois l Ha Eunuchen l _ Paulche«. Oeffentliche Kundgebung für die Nationalversammlung. Die sozialdemokratische Partei Gross-Berlius eröffnet de» Wahlkampf. Am kommende» Sonntag, vormittags lOitz Uhr, si». det i» 13 der größten Säle eine öffentlich« Kundgebung für tue Nationalversammlung statt. Folgende 2« Redner bzw. Rednerinne» werden über das Thema„Sozialismus und Demokratie- spreche»: Erwin Barth, Bauer, Brau», Breuer, Ebert, Emmel, Ernst» Hcckman», Heilman», Heine, Hirsch, Fr. Juchacz Katzenstein, Krüger, Landsberg, Gertrud Lodahl, Lüdemann, Molkenbnhr» MirvS, Scheidemann» Schmidt, Schulz, Etücklen, Fr. Bielhaber, Wels, Wally Zrpler. An alle Arbeiter, Angestellten und Beamten ergeht die Aufforderung, in Masse» zu erscheinen. Auf dir Teil- nähme der Soldaten und Frauen wird besonders gerechnet. Nähere? wird morgen im Anzeigenteil bekanntgegeben. Sprengung der Mariendorfer Gemeindevertretung. Di« zu gestern ernberufene Gememdevert« wr si tzwrig hatte eine umfang reiche Tagesordnung, unter anderem Einführung des Acht- stundentag«», ErwerbSloseanmterstützung, NotstvndZarbetten, Be- soldungSreform für Bureauhilfskräfte und Gememdearbeiter, Teuerungszulage», Bewilligung von Mitteln für den SicherheitS- dienst und für den Arberterrat. Infolge der in den letzten beiden öffentliche» Versammlungen betriebene« Agitation der Spartakusse anter Eberlei», die anberaumten Gemcindevertretersitzungen als nicht mehr zu Recht bestehend auseinanderzujagen, war die Sitzung unter Zustimmung und Gegenzeichnung de« Arbeiter- und Soldatenrats eingeladen.— Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden die ans dem Felde heim- gekchrten Vertreter vom Gemeindevorsteher Holle begrüßt; hierauf verlangte Waldheim al» Vertreter de» ArbeiterratS darüber Aus- kunst, wer die Soldaten und SicherheitS lösche beordert habe. Der Bürgermeister erwiderte, daß er diese Anordnung gegeben hätte zum Zwecke der allgemeinen Sicherheft, die nur vorbeugend wirken solle. Waldheim protestierte im Namen des Arbeitcrrats und unter allge- meiner Zustimmung deS zahlreich erschienenem Publikums gegen eine derartige willkürliche Handlungsweise und verlangte, daß die Wache sofort nach Hause geschickt werde. Er appellierte an die Zu» Hörerschaft, die Ruhe zu bewahren und übernahm dafür die Ver- antwortung, daß keinem der Gemeindevertretung etwas zu Leide geschehe. Hierauf erfolgt« Eintritt in die Tagesordnung, und wurde Genosse Weber(U. S.) als Schöffe in fern Amt einge» führt. Für die finanziell« Beteiligung der Gemeinde an der Gs- fellschaft.Märkische Heimstätte" und„SiedelungSgesellschaft im Kreise Teltow" sollton 10 000 M. bewilligt wenden. Bei dieser Ge- legenhett machte der Gemeindevorsteher davon Mitteilung, daß die Gemeiide zwischen der Großbeerenstraße und der Lichtenrader Chaussee ein Gelände zum Bau für 200 Wohnungen an eine Ge- sellschast zur Verfügung gestellt habe. Die Zustimmung zur Be- willigung der 10 000 M. konnte nicht erfolgen, da Eberlein im Saal erschien und dieses für die Spartakusleute das Zeichen war, die Sitzung zu sprengen. AnS der Mitte der Hörerschaft erscholl der Ruf:„BZir hoben«nsere Zustimmung nur erteilt, daß die Sitzung die Löhne der Gemetndeardeiter bewilligen soll; Ihr habt gar nichts mehr zu he- stimmen!" Auf dieses Signal stürmte alles auf die Gemeinde- Vertreter«in und drängt: nach vorn. Vom Arbeiterrat versuchte Genosse Brandt(lft S.) die Zuhörer zu beruhigen, wurde aller gar nicht angehört. Eberlein forderte nunmehr zur Ruhe und Be- soivnenhett aus; er verlangt«, die Gemeindevertrettr sollten nach Hanse gehen, da sie in Mariendorf nichts mehr zu sagen haben. Di« Geschäfte und Geschicke der Gemeinde werden vom Arberterrat erledigt. Schöffe Weber(U. S.) konnte sich auch kein Gehör verschaffen. Schöffe Maaß(Bürgerlich) richtete einen Appell an die Versammlung, aber jede vernünftige Auseinandersetzung war zwecklos; die Anwesenden wollten nichts weiter, als de» Versa mm- ftmgSbeschlnß, Behinderung der ordnungsmäßigen Erledigung der sehr Ivichtigen Punkte der Tagesordnung, in die Tat umsetzen. Diese? ist nun auch, trotz aller Bemühung von feiten des bestehenden Arbefterrats, gelungen. Di« Sitzung wurde vom Gemeinde- Vorsteher für aufgehoben erklärt.— Bemerkt fei noch, daß sich unter der Zuhörerschaft ein ganz Teil junge? Mädchen und halbwüchsiger Burschen befand. Von«iner Lokalkorrespondenz wird dazu noch gemeldet: DaS Resultat der Aussprache lvar, daß der Arbeiter- und Soldatenrat bekannt macht, daß er in seiner Gesamtheft das Vorgehen Eberlein» auf da» schärfste mißbilligt; daß er die Sprengung der gestrigen Sitzung als einen Putsch der Spartakusgruppe betrachtet und wicht gesonnen ist. sich von dieser Gruppe vergewaltigen zu lassen. Durch den Vorsitzenden de» ArbeiterrtteS Waldheim wurden noch im Laufe der Nacht da« Ministerium de» Innern und der Vollx,(gSr«ft von dem Borfall benachrichtigt und Hilft erbeten. Der Vollzugs rat wird heute«inen Bevollmächtigten nach Marieichorf schicken, um die Angelegenheit zu untersuchen. Im Interesse der Gemeind« erklärt sich der Arbeiter, und Soldatenrat bereit, die Geschäft« so lange weiterzuführen, bis sin enigälKgee Bescheid der Behörde erfolgt und evtl. das Ausscheiden EbcrlcinS aus dem Arbeiter« und Sol- datencat verfügt ist. Auch Bürgermeister Holle hat wegen der Be». gewaltigung des Gemeindeparlament» Beschwerde beim Ve»ir!S- auSschuß eingelegt. Die Geschäftsstelle d«S Arbeiter- und Eoch«trnr«t» befindet sich im Rathaus, Zimmer SS. Sprechstunden von Uhr. Sitzung des Neuköllner Arbeiter» und SoldateurateS. Koch stimmte in seinem Bericht als Mitglied deS Bollzug«- ouSichusse« ei« bewegliches Klagelied über die Widerstände an, die sich den Arbeiten des Ausschusses entgegenstellen. Der Magistrat habe sich entschieden geweigert, ihnen S>tz und Stimme einzuräumen. Auch gegen die Mitwirkung in den Lollötüchen lehnten sich Magistrat, wie, bezeschnenberweff« essenfosss has beschäftigte Person«!«ms. Mit dem Magistrat war auch keine Uebeeeinstimmung über die Richtlinien zu erziele», nach denen da« MietSeinigungZ« amt zu arbeite« habe. Da» Amt vertrete die Auffassung, daß eine Mietssteigerung um 20 Proz. zulässig und angemessen sei, wogegen der AnSfchuß wolle, daß keinerlei Steigerung eintrete und daß Exniissionen unstatthaft sein sollen. Beantragt wurde ferner, den DemodilisationSauSschuß anzu- weisen, die zurückkehrenden Soldaten nicht zn entlassen, damit die Familie im Genuß der KriegSunterstützung bleibt. Um Arbeitslosen Beschäftigung zu geben, sollen Notstandsarbeiten in Angriff ge- nommen werden unter gleichzeitiger Einführung von Schichtwechsel. Frauen von Kriegsteilnehmern/ deren Männer zurück und in Arbeit sind, sollen entlaffen werde«. L a ch m u n d griff den Vollzugsausschuß an, weU er sich dem Magisttat gegenüber nicht energisch genug gezeigt habe und so zu keiner positiven Arbeit habe kommen können. Keine Verordnung deS Magistrats dürfe hinausgehen, ohne vom VollzugSrat gegen- gezeichnet zu sein. Er bedauere auch, daß nichtschon längst die Enteignung der Hausbesitzer durch- geführt sei. Günther ist gleichfalls für schärferes Vorgehen. Der A.» und S.-Rat dürfe sich den Teufel darum kümmern, ob irgendein Ministerium eS billigt oder nicht, er müsse sich uifter allen Umstände« dem Magistrat gegenüber durch- setzen. Ei» Antrag, dem Oberbürgermeister und dem Bürgermeister je einen Beigeordneten zurSeite zu stellen, sowie ein weiterer Antrag auf Einsetzung einer Kommission zur Regelung der Gehälter, wurden der BerfassungSkommisfion überwiesen, die gebildet wurde, um eine Verfassung für den S.- und S.-Rat auszuarbeiten. Einen anderen Antrag, in dem gefordert wurde, der A.« und S.-Rat möge sich mit der Klarstellung seiner Rechte gegenüber der Neuköllner Soldatenwehr befassen, vertagte man auf die nächste Sitzung, weil noch Verhandlungen schweben. Mehr Seift im Januar! Auf Grund der Bekannimachung über einmalige Sonderzuteilung von 5i. A.-Seise vom 29. November 1918 dürfen auf den Januarabschnitt der lausenden Seifenkarte einmalig statr 59 Gramm 100 Gramm K. A.-Seife verabfolgt werden. Eine Bande schwerer Einbrecher, bestehend aus fünf Männern und deren Geliebten, wurden in einem Hotel in der Dirkicnsttaße festgenommen. Die Betreffenden hatten eS hauptsächlich auf Juweliere abgesehen, wie die Goldsachen beweisen, die bei der Ver- Haftung vorgefunden wurden. Beim Verhöre ergab sich, daß zwei von ihnen. Soldaten, sich wiederhoft gerühmt hatten, sie hätten einen Matrosen erschossen. Nach diesen Aeußerungen hatten die Beiden in der Nähe de» Schlosses, etwa acht Tage nach Ausbruch der Revolution-, einen Einibvuch in ei« Seidenwarengeschäst verübt. Auf der Straße wurden sie mit ihrer Beute von zwei berittenen Matrosen angehalten. Diese forderten sie aus, vor den Pferden her nach der Wache zu gehen. Als ein Pftrt» scheute, kam einer der Verhafteten hrnter die Patrouille, schoß auf einen der Ma- trosen und traf ihn s« schwer, daß er wt vom Pferde sank. Kurz nach ihrer Verhaftung wurden die beiden Einbrecher, wie sie be- Haupte», damals wieder entlassen. Vielleicht handelt e« sich um den erschossenen Matrosen, der zunächst unbekannt aus dem Fried- hos im Friedrichshain beerdigt und erst nachträglich festgestellt wurde. Freuenvorttag. Die Deutsche Gesellschaft zur Be- kämpfung der Geschlechtskrankheiten veranstzMet heute, abends 6% Uhr. im Bürgers aal deS Berliner Rathauses ehren großen öffentlichen Vortrag mit Lichtbildern für Frauen und Mädchen. Herr Stabsarzt Dr. Röschmann wird über„A erzt- liche? über da» Geschlechtsleben' sprechen. Der Eintritt ist frei. Der Bund der technisch-industrielleu vemnte« veranstaltet am Sonntag. den 8., 8 Uhr vormittags, im Stadtcheater Moabit, NW. 87,.Alt- Moabit i7li8, eine Mitgliederversammlung, in der über Höhe und Um- fang der von ihm in der jetzigen Zeit gegenüber den Unternehmer« ans- zustellenden Forderungen gesprochen werden soll. Ein Druckfehler ist in unserem Bericht über die V e r s a m m- lung der Kriminalbeamten(Morgemrusgabe 3W vom L. Dezember) zu berichtigem Polizeipräsident Eichhorn hat in seinen Ausführungen gegen den Mißbrauch der Kri- minalpoltzei gu politischen Zwecken gesagt, daß aller- ding« der Ver folgung(nicht: B e folgung) einer Aufforderung zum Mord— gleichgültig, ob sie sich gegen Liebknecht oder Hinden- bürg oder sonstwie richtet— nicht als.politisch" anzusehen sei. Hroß-Serliner Parteinachrichten. Wahlkreis Niederbarnim. Di« für Sonnabend, dem 7., ange- kündigte Kreiskonfevenz findet im SitzungLfaale des Partei- Vorstandes, 1. Hof, Eingang 2, vierte Etage, statt. Ihr geht eine Vorstandksitzung voraus, die um 6 Uhr, Lindenstr. 114, stattfindet. Letzte Nachrichten. Die Zinanzlage Ües Reichs. Die Ausgaben der A.- und S.«Räte. Staatssekretär Schiffer wird in den nächsten Tagen«inen Vortrag haften, in dem er die gesamte Wirtschaftslage des Reichs behandeln will. Wegen der Nottz der.P. P. N.", die übrigens nicht offiziös sind, daß die Arbeiter- und Solldatenräte in den erstem 14 Tage« 800 Millionen Mark verausgabt hätten, ist von verschiedenen Ar» beiter- und Soldatrnräten gegen Redaktionen«ine Art Zeugnis- zwangSverfahrftn eröffnet worden. DaS gsieiche ist geschehen wegen«ruberer Notizen, die sich mit den Arbeiter- und Soldatenräten beschäftigte». Mit der vollständigen Preßfreiheit, die von der Reichsleitung verkündet worden ist, ist ein derartiges Vorgehen nicht vereinbar. Die Arbeiter- und Soldatenräte müssen einsehen, daß die Behelligung der öffentlichen Krftik ein Mittel der allen Machthaber ist, dessen Antvendung ihnen nicht würdig ist. Sticht auf die fern Wege, sauderu nur durch Klarlegung det tat- sächlichen Berhäftniffe und öffentliche Zurückweisung ungerechter Angrifft kmrn ihrer Sache gedient werden. Die ErnährnugSkatastrophe i« Oesterreich. Wie«, S, Dezember. DaS österreichische ReichSernäh- rungSamt hat beschlösse«, vom 8. Dezember ab keine Brot- karten mehr auszugeben. Wilson gegen jeden Militarismus. Amsterdam, s. Dezember. DaS Reutersche Bureau meldet au» New Norf, daß Wils»» vn seiner Abreise nochmals nachbrück- lich erklärte, daß er gegen de« Militarismus iu jeder Form kämpfe» werde. Di« Zerttümmeruus de» preußischen Militarismus betrachte er alz de» wichtigsten Teil seiner Ausgabe, | HpAlaskafuctis- lyif Garnituren, �AechteSkunks* i" Garnituren, 2j| Kreuzfuchs- dP Garnituren. Echte WeiSiQchse, Blaufüchse, Zobelfüchse verkauft jetxt billigst engrot, auch einzeln.* K. Siskos, Pclzwaren- Fabrik, WaHstreBe 20 1. Untergrundbahn Splttel- morkt Sine glänzende Euknnft wird allen erblühen, die die Zeichen der Zeit richtig zu deuten verstehen and rechtzeitig ihre Vorbereitungen. treffen, um teilzunehmen an dem großen wirtschaftlichen Autscnwung, der die sichere Folge diese« Völkerringen« sein wird. Es werden überall gebildete und leistungsllblge JÜii&H'ikltSl* t>»»t>«-ht sein. 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