Nr.347s. Sö.I-ihrz. «ez«nsvre»S: LirNeljAhrl. S.7b MI. monaU.2>2S Mk> frei in-Hau» vorausMd�bal Einzelne Nummern 10 Cfcntufl. Poildezug: Sionniltd) i25 SKI. ejfL Zustellungz» gebühr Uniet flreujbnnb für Deutschland u C cfimeich-Ungain'.60 SRI. für das übrige Ausland �.bo MI» bei lüglich einmaliger �uilellui�g 7.6U SRI. Puslbenellungen nehmen rn Däne- mar» Holland, lluremburg. Schweden Und die Schweiz Eingetragen in die Lnsi-�eimnaS-PreisIitte Der.SorwürtS'eriche nl wochenrügiich zweimal. Sonntags einmal. lelegramm-Adressei, »Sozialdemokrat Äerilu�. Avend-Ansgabe. verliner Volksblatt. l 10 Pfennigs Anzeedes weitere Wort>b Pfg. Worte über Ib»iuchUabcn zählen tüt zwei Worre IcuerungSzuschlag ö0°/» Fannlien-Slnzeigen, roilttiche und gewerlichattliche Vereins- Anzeigen 60 big die Seile Anzeigen chr die nächste Numnier müssen bis ä Uhr nachininags im Saudtgeichä» verlin SÄ.aS. ilindenstrage Z.»d'eaebeei «erden. KeSffnei von 0 klhi jrüh biS 6 Uhr abends. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. RedoPticn und Expedition: SW. öS, Lindenstr. Z. Kerutpreriter: Am» Morittplaft. Nr. 15190—15107. Mitttvoch, den 18. Dezember 1918, vorwärts-verlag S.m.d. h., SM. b§, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Mortt?Pla«s, Nr.>17 55—54. Der Kongreß will ungestört arbeiten! Der Kongreß nahm heute früh seine Arbeiten wieder auf. Tie ungeheure Erregung deS gestrigen Tages hatte sich gelegt und nian tonnte wieder verhandeln. Zunächsl�wurde dem gestern gegebenen Versprechen gemciß der von der Joldatendelc- g a t i o n überbrachte Antrag erörtert, man beschloß aber. fünf. t i g Deputationen in der Vollversammlung nicht mehr z u empfangen. Diese sollten sich melden, uin außerhalb des LitzungssiArls mit den Fraftionsvertrctern verliandeln zu können. Leider wurde dieser gute Vorsatz sofort wieder gestört durch das Erscheinen einer Arbeiterdeputation, die die TiirsteHer einfach beiseite drängte und verlangte, ihre Forderungen vortragen zu können. Der Vorsitzende gab� das zu aus Gründen der Gerechtigkeit, da ja gestern auch die Soldaten auf diese Weise zu Wort gekommen seien: doch sollte dies un- widerruflich das letztemal iein. Der Antrag der Soldaiendeputation wurde nach längerer Debatte einer Kommission übermiesen. Um elf Uhr wurde die Debatte über den Bericht des Vollzugsrats fort- gesetzt. Nidsard M ii I le r erhielt das schluferoort. Er erging sich in heftigen Angriffen gegen die Neichsleitung und gegen den »Vorwärts". Da noch verschiedene Anträge zu beraten sind, ist es fraglich, ob man heute noch dazu kommen wird, die Frage der Nationalversammlung zu behandeln.* Ein sehr großer Teil der Delegierten ist m'i der langen Debatte über den BollzugSrat sehr unzufrieden und verlangt, daß rasche Arbeit gemacht wird, danrit man wieder zu unaufschieb- baren Geschäften nach Hause zurückkehren könne. «« * Dritter Ta». Berlin, 18. Dezember. Haus und Tribünen sind wieder stark besetzt. Vors. L einer« eröffnet die Sitzung um V Uhr 25 Minuten. Ich bin daraus aufmerksam gemacht worden, dag im SitzungZsaale und auf d n NcgierungSbcinken Leute sitzen, die nicht herein ge- hören. Bor allem sollen Kuriere de? BollzugSrat«' anwesend sein. Äch bitte auch die Tribünen, sich jeder Mitwirkung zu enthalten, und die Delegierten, die Verhandlungen in größter Ruhe und Sach- lichteit zu ftibren. Richard Müller teilt mit. daß die Kuriere zur Verteilung der DriKfTachen bchlimmt sind. Tie gestern verlesenen Anträge Lcinerts zur Aendcrung der .Geschäftsordnung werden einstimmig angenommen. Der Passus »Antrage müssen von den Fraktion«, eingereicht weriden", wird gegen»ine kloin« Minderheit angenommen. Es folgt die Beratung der gestern vorgclegten Forderungen der Berliner Soldarcn. Lampel-Hamburg: Wir können die Forderungen der Ber. llner Kameraden annehmen; in Hamburg geschah dasselbe. Aber man kann daS nicht in»Bausch und Bog»n" tun. ES ist ein Unter- schied zwilch-n e,nem schnösclig«, Leutnant und einem alten General nckbler. Fch bin der Ansicht, daß wir diese Angelegenheit boutr hier erletiaen können. Tie gestellten Forderungen sind Richtlinien. Die Ausführung muß d:n VolkSbcanktragten im Ein- Verständnis mit den Soldatenräten de? Heeres und der Marine Unter der Kontrolle de? VollzugkrateS übertragen werden. Pirnit 1. Die oberste Kommandogewalt über Heer und Marine baben die VolkSbeaustragtcn unter Kontrolle des Voll- SUgS»«teS, Punk» 2. MS Sumbol der Zertrümmerung deS Militär, SmuS ist das Tragen v»n Nangabzeichen und das außerdienstliche Tragen von Waisen verbaten. z Da die Redau-it deS Referenten abgelaufen ist. beschränkt er sich auf d e Berlesimg des Hamburger Programms. Tost- Berlin: Schuld an den gestrigen Ereignissen ist das Trei- den» S Stnptkoinntan danken. Erst als die Kameraden mit ihren Forderungen von einer Stell« zur anderen geschiikt wurden, kamen sse hierher Tic Erregung ist wohl infolge der Plötzlichkeit eni- ncinden. 5?n!'SöerA Vorgehen gegen den Ü3er ÄuSschuk ist kialtlos. Tieser AnSschliß ist von der gesamten Marine tsturuf: sdst ja nicht wab-I) gewählt worden und kam im Einverständnis mit dem Re chSmarimamt nach Berlin. Tie Annahme der Forderungen der Berliner Kmiieruden wird nicht den kcifesten Widerspruch bei den Fronitrus pcn herr-oirufen. fBeifall b. d. SinkSradskalen.i Nie- wand wird dagcg n etwa? einwenden, wenn die Achselstücke ver» schwinden und die Führer von den Trupven gewäblt werden, Off'. ziere sollen vleiben, aber nur solch« di« da? Bertrauen der Truppe haben. Wellen Sie die Angelegenheit den Vokksbeauftragten über- tragen und sie damit binau?kchieb?n, dann werden die Kameraden letzten En.-.cS zur Seldstv'ls« greifen. DaS bedeutet nicht nur Anarchie, sondern auch Bluw-rgießen, denn die Osffäiere werden, wenn sie'br? Autorität bedroht seben, auch vvr d»n verwegensten Mitteln nicht zurückschrecken. Nehmen Sie daher die Forche- rungen an lVeirall) Sahn, lOsffrontl: Wir haben den Eindruck gewonnen, baß die Temonstration gestern nicht der Wichtigkeit der Forderungen galt, sondern daß eS sich um eine politische Demonstrakion handelte. Man verlangt, dte ganze Macht dsn Arbeiter- und Sol» i datenräten zu übertragen, und da kommt man hierher und hält uns ein Maschinengewehr unter die Rose und will uns zur Annahme der Fordernngen zwingen.(Lärm und Beifall.) Wa§ die Ber- i liner wollen, haben wir an der Front schon lange erreicht. ES l gibt genug Offiziere, die sich da? Vertrauen der K a- meraden dadurch erworben haben, daß sie den Be- fehl zum Plündern gaben. Die Berliner stellen sich ein Armutszeugnis aus, wenn sie kein« anderen Mittel haben, um ihre Forderungen durchzusetzen, Punkt! können wir nicht an- nehmen,� wenn er verlangt, daß die Oberste Heeresleitung abgesetzt ! werden soll. Punkt 2 geben wir unsere Zustimmung.(Lebhafter � Beifall.) Es läuft ein Antrag der Unabhängigen ein, der die Koinmando-iewalt in den Heimatgarnisonen auf die betreffenden örtlichen Urbeiter. und Soldatenräte übertragen will. Günther-BreSlau(Soldatcnffaktion): Sämtliche Forderungen der Berliner sind bereits im ganzen Reiche buvchgesetzt. In Berlin redet man soviel und vergißt dabei das Handeln. Wir sind nicht zu dsn Bolksbeauftragten gelaufen. Wir gingen zum General- kommando, nahmen uns einen Offizier mit und gingen zu den Truppen, legten ihnen die Sache klar, nahmen die Lsftziere, die das Vertrauen der Soldaten besaßen, mit und die Sache war er- � ledigt. Ohne Schtvierigkciten ging es nicht ab, n kann nicht en Berliner glauben, daß die ge stricte Demonstration impulsiv aus Kameraden erwachsen ist. Das laß ich mir nicht vormachen! Da- zu sind die Berlin« zu besonnen, um so ein Theater auszuführen. (Lebhafter Beifall.) Solche Vorkommnisse schaden nicht nur im Lande, sondern auch im Auslände. Sic schaden de» WaffenstillsstnidS- und Friedensverhandlungen. Ich schlage vor, daß diese Forderungen durch den neuen Vollzugs- rar im Verein mit Vertretern aller Armeekorps und der Fronten entschieden»erden. Es karm aber nicht gehen, daß hier einfach eine Delegation kommt und uns ihre Forderungen unterbreitet. Wenn heule ein« Delegation der Dienftmänner kommt, müssen wir sie schließlich auch anhören. ES gilt zu handeln, nicht durch das Wort, sondern durch die Tat!(Lebhafter Beifall.) Vors. Leinert: ES ist ern Antrag Geher eingelaufen, der die Kommandogewalt den Bolksbeauftragten unter der Kontrolle des BollzugSrateS und in den Gar- nisonen den A.- und E.- R ä t e n übertragen will. Däumig-Berlin: ES ist eine Illusion zu glariben, daß der Mi- lrtarismus schon beseitigt sei. Sein Geist ist n»ch sehr lebendig. Man spürt die'en Geist sogar in diesem Saal. Die Forder'.iwgcn der Berliner Soldaten waren zeitgemäß und notwendig. SS muß so schnell wie möglich zugepackt werden, damit«ich die letzten Reste des alten Systems beseitigt wenden. Wenn wir Berliner noch nicht so weit sind wie die Previnz, so tst der Widerstand der Volks- beauftragten daran schuld. Allerlei Gegensivömiingen haben uns die Arbeit ungeheuer erschwert. S« leicht wie Sie im Reich haben wir e?>n Bcrlie, nicht. Machen Sie die Sache schnell'""m es bereitet sich etwas Neues vor. Ich meine die BolkSwchr, die an sich schön imd gut wäre. Aber der für sie ausgestellte Entwiwf schmeckt sehr stark nach dem alten System.(Zuruf: UebergangSzeitll WaS nach diesem Entwurf zustande sommen wird, ist eine Parade- wehr, keine republikanische BvkkSwehr. Sogar die alten Strafen lollen nach wie vor gelten. Auch ich will nicht allen Offiziaren den ZuHaag zu den S-ckdatenräten verschließen. Aber da?»ertrmien der Mam>»ckaften genügt nicht als Voraussetzung. Die Offiziere müssen die Gewähr einer festen, zuverlässigen und republikanischen Ucbcrzeugung bieten. Das alte Regime war auch nicht so zimperlich und sah sich seine Offiziere sehr genau an. Die Delegation, Sie 5eine war. Zum geftri�en Spektakel im AbgeordnetenhiraS. AIS die Toldatendelegativn, di? gesteim in der Sitzung des Kongresses der?!.- und S.-Räte erfcssien, der Versammlung die Pistole ans die Brust setzte und sofortige Abstimmung über ihre Forderungen verlangte, da tambte sofort der Verdacht auf, daß dieser Eifer einen sehr triftigen Grund habe. Bei näherer Unter- suck'ung. so vermuteten viele, würde sich heraussteKen. daß diese angeblichen„Delegationen" sich selber gewählt hätten und die T rnpventeile. die sie zu vertreten vorgaben, g a r n i ch t S von der Sache wußten. Wie berechtigt diese Annahme war, das zeigt folgende Zuschrift, die wir soeben erhalten: Verlin-Schöneberg. den 18. Dezember 1318. An die Redaktion d«S„Vorwärts". Zu Ihrer Not'., in Nr. 847, betitelt„Der Antrag der Soldaten". teilen wir tFhnen mit. daß da? nnterzeichnete vataillo« sich«n der Resolution nicht brtnli>t hat, lnrd bitten daher um ein« dementsprechende Berichligiiug. Achtungsvoll Soldatenrat des 2. Ers.-Batl. des Eisenbahn-Regiments Nr. t. Eisenschmidt. Eine Aeußerung der übrigen angeblich in der Delegation vertretenen Truppenkörper steht noch aus: wir sind gespannt, wie sie ausfallen wird. Jedenfalls steht jetzt schon fest, daß ein Teil der Delegation sich daS Recht.>m Namsn irgendwelcher Trupp enteile zu sprsch-n, angemaßt hatte. Neben wir von ernsten dingen! Der Kongreß soll heute die Frage ,Mati»nalversamm- limg oder Röteoerfajsung" erörtern. Der Berliner Vollzugs- rat hat diese Frage auf die Tagesordnung gesetzt, die keine Frage ist. i Prof. F o e r st e r, Gesandter der bayerischen VolkSrepu- blik, hat gestern hier in ruhiger und überzeugruder Weise auseinandergesetzt, daß die Lage des deuffchen Volkes kein Experimentieren mit unbekannten und unerprobten Ver- fassungsformen gestattet. Foerster, der von Eisner zum Ge- sandten bestimmt wurde, gehört vermutlich nicht zu den„kom- l promittierten Persönlichkeiten" und dürfte konterrevolutio- närer Absichten unverdächtig sein. ! Wenn der„Vorwärts" seit Wochen die deutsche Oesfent- lichkeit in dem gleichen Sinn unterrichtet hat, wie eS jetzt der Gesandte der bayerischen VolkSregicrimg in seinem eindring- lichen Schreiben tut, so hat er nur seine Pflicht getan. Das hat ihm wütende Beschimpfunizen eingetragen von einer Seite, die am Gegenteil der Walwheit interessiert ist. Tie Dinge stehen so, daß wir überhaupt keinen Zsrieden bekommen, wenn wir uns nicht rasch zu europäischen Staats- formen bekehren. Aber der Frieden, den wir bekommen sollan, wenn wir dies noch rechtzeitig tun, auch dieser Frieden zeigt uns das Haupt der Medusa, bei dessen Anblick jedar Labendige erstarrt. Während wir über das„Rätesystem" debattieren, das von seinen eigenen Anhängern längst zur Karikatur gemacht worden ist, schreibt die polnische Negisning auf deutschem Boden Wahlen für die polnische Nationakvarsammlung ! aus. Die Tschechen besetzen eine deutsche Statt nach der anderen. Der deutsche Gesandte in Warschau ist nachhause gejagt worden, der in Madrid gleichfalls, und morgen kann dem deutschen Konsul in Prag dasselbe passieren. DaS rechtsrheinische Gebiet ist von dan Gegnern besetzt, sein Zusammenhang mit dem Reich ist zmiflan, daS wirtschaftliche Leben hüben nnd> drüben erstirbt. | Von einem SelbstbestimmungSrecht Elsaß- Loth» r i n g e n S scheint keine Rede mehr sein zu sollen. Die fran« zösische Rotionalistenpresse betrachtet(Elsaß'Lothringen schon als zu Frankreich gehörig und fordert die AnnerUm de» Ganzen rechtsrheinischen Gebiets, während«ine.�»mäßiste" Richtung die AbtrennunG diesaö Gebiets»an Dautfchlanh und feine Verwandlimg in einen Pufferstaat fardart. Die Absicht, De utfchö st erreich auf Grund feines SelbstbeftimmungSreckstS an Deutschland anzuschließen, wird drüben alS lkto»ie verlacht, an der Zertrümmarung des ver» bleibenden Restes von Deutschland wird dasto eifriger gearbeitet. Die deutschenKolonien, deren Bafitz unS wenigstenZ einen Teil der ims notwendigen Zuftch? sickern könnt?, gelt«, den englischen Jingoes bereits als gesichert« Erwerb EngfandS. Wir unterhalten unS über S o z i a k i s i e r u n g, d. h. über die F»oge, wie das Stationalvermögen cms den Händen der besitzenden Klassen in die des arbeitenden BolkeS überführt wer- den soll, vergessen dabei aber die Borsrage, ob ein Rational- vermögen, über daS uns freies Verfsiaims>Srecht zusteht, noch vorhanden ist. Dricken werden inzwischen EntschödigungSforde- rungen vorbereitet, die den Wert dos deutschen Rattonalver- mögens übersteigen. Ausländer, die nach Berlin kommen, s«he« mit«cherfrtc Ueberraschung. daß das Volk gegenüber diesen wichtigsten SMS. salSfragen, Fragen, die über feine Ziik-mft fsir Jahrzehnte, vielleicht für Jahrhimderte entscheiden, vovkammen gleichgiilti« geworden zu sein scheint. Die sehen in den Dingen, die imö be- schäftigen, weiter nichts als letzte Phantasien eine» AnstandiS der Agonie. Sie sogen uns, Teutschland drohe ein Frieden v>n solcher Härte, wie er seit den Zeiten deS grauen Ältsttums nicht mehr dageweien sei, und sie begreifen nickt, daß da» deutsche Volk nicht die letzten Kräfte seines HirnS anstrengt, um das Ver- hängni? abzuwehren, wenigstens es zu mildern. Die erste Voraussetzung für alle Versuche, den Weltkrieg trotz alledem mit einem Frieden der Gerechtigkeit abzuschließen, mit einem auch für Deutschland erträglichen, ehrlichen und dau- ernden Frieden, ist die S t l b st b e s i n n u n g d«S dstv" Volkes, die klare Erkenntnis feiner enffctzlichen Lage und Bereinig, mg aller Kräfte in dem Bemühen, zu bessern, noch gebessert werden kann, abzuwehren, was noch abzuwehren ist. Einem geschlagenen Volk stehen keine militärischen Mittel mehr, sondern nur noch moralische zur Verfügimg. Wollen wir auch die restlos vergeuden? Die Weltreoowtion kann uns nicht rettm. Aber wer dazu beiträgt, D««tickckmd in ein Toll- hcnts zu v«rwand»in. d«r spielt daS Spiel fsmdllchsr Lernich- 10 OflU" trtWhar nd Mi r, wvS » tungspolitiker und macht die Arbeit der ehrlichen Friedens- freunde auf der anderen Seite boffnungslos. Wollen wir es den Florentinern nachmachen, von denen Mackiaoelli sagte, sie seien ein unglückliches Volk, das nicht fähig sei, weder die Knechtschaft noch die Freiheit zu ertragen? Wir haben die Knechtschaft abgeschüttelt. Zeigen wir, daß wir die Freiheit einer geordneten Demokratie zu ertragen imstande sind! Bieten wir unser äußerstes auf, vermeidliches Unglück zu vermeiden, unvermeidliches mit Würde zu tragen. Wenn wir ein freies Volk sein können, können wir auch als geschlagene? stolz sein. Wir stehen dann als gleiches neben gleichen Völkern und können von ihnen fordern, daß sie uns als gleichberechtigt achten, daß sie unsere Lebensrechte respek- tieren! ES lebe die sozialistische Internationale! Es lebe der gerechte, dauernde Völkerfrieden! Eslcbedasdeutsche Volk und seine rechtmäßige Vertretung, die Nationalversammlung! Die letzten Vorgänge in Warschau. Nnterbreckiung der diplomatifch'cn Beziehungen. Uns wird gcschrietien: Die Pressehetze der uationollibevalen Blätter gegen den Ge- stnrdtsn Grafen Keßler kann sich rühmen, dazu beigetragen zn haben, daß der deutsche Gesandte Warschau am Sonntag verlassen mußte, und daß die diplomatischen Deziehungn zunächst unterbrochen wurden. ES kann daher von einem Abbruch der dt- plomatiscken Beziehunacn. der immer ein feindlicher Akt und fast imimer dem Kriegszustände gleichzuachten ist, nicht die Rede sein. Der Schutz der deutschen Interessen wurde dem Schweizer Konsul ongeiboten. der sich anfangs weigerte, ihn zu übernehmen. Mit allen Mitteln suchte man den deutschen Vertreter auö Warschau berauszrigraulen. Zwei Attentate auf das Leben des Gesandten sollten geplant gewesen sein. Als dieser Schreckschuß nicht saß, ließ der Vizeminister deS Aeußeren, Titus Fitipowicz.; rn der Nacht vom Freitag zum Sonnabend dem Gesandten mit- teilen, daß die diplomotrschcn Beziehungen mit Deutschland abge- � krochen seien. Dieser Staatsstreich kostete Filipowicz sein Amt und die Mütter fckrifdem von einem„Sieg Keßlers'. Allgemein wurde. angenommen, die Krisis sei üÄerstanden; es würde der polnischen Regierung gelingen, Keßler weiter zu halten. Da wurde am Sonntag, 10 Uhr vormittags, dem Grafen Keßler eine französisch abgefaßte Note übermittelt, die eine längere Begründung enthält. und den Gesandten bittet, mit sämtlichen Migliederm der Ge- saNdifchaft das Gebiet der Republik zu verlassen. Die in der Note angegebenen Gründe sind gesucht; die wahren Grünide sind tieferer Natur urnd sind in der polnischen Par- teipolitik zu suchen. Ein gewisser Druck de? Entente mag auch für den plötzlichen Umschwung der Regierung maßgebend ge- Wesen sein. Die Gesandtenkrisis wurde immer mehr zu einer Kabinetts- krisis. die aber in dem jetzigen Zeitpui.kt vermieden werden mußte,' denn Polen will ge raste jetzt der Entente' gegenüber als möglichst einig und geschlossen erscheinen. Tie etwa vier Wichen der deutsche,, Gesandtschaft in Warschau waren LeidenSwochen. Die Antipathie der nationalen Kreis« richtete sich in erster Linie gegen die Person des Graifen, galten aber letzten Endes der deutschen Ro publik._____ Keine Demonftrationsversaü,m!ung in Treptow. Ter Kongreß der A.- und S.-Räte hat beschlossen, sich wegen dringlicher Arbeiten an der für morgen früh geplanten Kund- gebunq im Treptower Park nicht zn beteiligen. Telegiertr und Redner sind am Erscheinen verhindert. Es ist eine Vernnbarnng zwischen den Fraktionen gctrosscn, daß die Versammlung nicht stattfinden soll., ,»11 Arbeiter? Folgt den Anordnungen der von Euch selost ge- wählten Räte! Es wird morgen nicht demonstriert! Jalsihe Berichte über Gefangenen- mißhanölung. Feststellungen der amerikanischen Delegierten. Ter amerikanische General Rhades teilte in der Waffcnstill- standskomission mit, bah nach einem soeben aus Verlin cingelaufc- nen Berichte amerikanischer Delegierter, die in einer früheren Sitzung der Waffcnstillstandskammisston vorgebrachten Be- Häuptlingen über eine Mißhaadlung amerikanischer Gefangener in Karlsruhe unbegründet seien. DaS amerikanische Oberkommando ist damit beschäftigt, den Ursprung dieser falschen Gerüchte festzustellen. Die Heratungen über öen vorfrieöen beginnen. Hauptkonfercnz Slnfang Januar. Rotterdam, 17. Dezember.„Nieuwe Rotterdamsche Cou- i rant" meldet ous London; Ende dieser Woche wird Lloyd' George nach Paris fahren, uni Wilson zu begrüßen. Es werden sofort in Gegenwart von Delegierten anderer alliierter Länder Beratungen über den vorläufigen Frieden beginnen, an denen Präsident Wilson teilnehmen wird. Man erwartet, daß sie inner- halb einer Woche beendet sein werden und daß die Haupt- konferenz in der ersten Januarwoche zusammen- treten wird. Präsident Wilson wird auch diesen Beratungen beiwohnen, wenigstens während der ersten zwei oder drei Wo- chen. Ende Januar wird er in London erwartet, wohin ihn König Georg und die britische Regierung eingeladen haben. Die serbifthe Sozialüemokratie für öie internationale. Agram, 17. Dezember.(Meldung peS Wiener Korr.-Bureaus.) Tie serbische sozialdemokratische Parte» veröfsent- licht ein Programm, das sich für die Wiederherstellung der Internationale und für die Sicherstellung der Erfolge der sozialen Revolution ausspricht. Di« Partei erklärt sich für den südslawischen Einheitsstaat und fordert die Entfernung aller Rest« bcS Feudalwesens, Beschlagnahme aller Kirchengüter, Tren- nung von Kirche und Staat, allgemeines Wahlrecht für beide Ge» schlechter. Schaffung eines Zcntralparlaments und Einverleibung Bulgariens in den südslawischen Bereich. Deutstblanö iinü Deutfttz öfterreich. Ein gegenseitiges Abkommen in der Arbeitslosenfrage. Wien, 17. Dezember.(Korrbureau.) Durch Vermittlung des deutschösterreichischen Gesandten in Berlin, Hartmann, ist ein Uebcreinkommen betreffend gegenseitige Behandlung deutschöst.rreichischer und deutscher Staatsbürger bei der Ar- beitLlosenunterstützung zustande gekommen. DaS StaatSamt für soziale Fürsorge bat die industriellen Bezirkskommist sionen angewiesen, bereits Ende dieser Woche den in Deutsch» österreich wohnenden arbeitslosen deutschen ReichZangehörigen Ar« beitslosenuntcrstützung auszuzahlen. Gefahröung unserer Solöaten im Osten. Zusammonstöste mit bolschewistische« Truppen. lieber die Gefährdung der von der Ostfront abziehen- den deutschen Truppen durch die Truppen der Sowjetrepublik gehen uns weiter folgende amtliche Mit- tcilnngcn zu, durch die die Tarstcllungcn der russischen Regie- rung über das angeblich frcundschaftlichc Verhalten ihrer Truppen gcgcn die unsrigrn in ein bezeichnendes Licht gerückt werden. In Minsk ist e? infolge des vorzeitigen Einrückcns der Sowjettruppcn zu Z usammcnstößrn gekommen. Aus den � Bahnhöfen wurden die RäumungSzüge festgehalten. Die deutsche Bahn Hossbesatzung wnrde durch plan- mäßigen Ucbersall sehr stark überlegener Sowjettriippen, die ent-' gegen den ansdrücklichcn Verabredungen mit der Bahn während der Nacht herangeführt worden und um mehrere Stunden vcr- ftüht eingerückt waren, umringt und durch lieber- machtzur Entwaffnung gezwungen. Zerstörungen der Balm waren unsererseits unterlassen worden, weil die Bahn laut Vereinbarung mit den russische» Vertretern für die Ab- befördrrung der Krirgsgrsaiigencn benutzbar bleiben mußte. Tie deutschen Truppen und Eisenbahner sind nicht nur ent- wasfnct, sondern v o l l st ä n d i g au s g e p l ü n d e r t worden. Sie haben den größten Teil ihrer Pferde und Fahrzeuge zurücklassen müssen und ihr Pri» vatkigrntuiii verloren. Tic deutsche Regierung hat gegen das Verhalten der rnssi- schrn Truppen bei der Sowjctrcgierrmg aufs neue energischen Eiuspruch erhoben._ Adiea Montecarloi Die PoIkSregierung des Freistaates Mecklenbiirg-Sckm>er n hat beschlossen, daß die auS LondeSmitteln go- leisteten„llSiitümer und Apanagen' für d.'e Angehörigen der bis- her großderzaglichen Fam He nicht mehr zur Auszahlung gelangen sollen. ES handelt sich hierbei um einen jährlichen Gesamtbetrag van(HZS KZ0 VI., der ach, Mitgliedern der herzoglichen Familie zu- floß, darunter 101 000 M. für die Großhcrzvgin-Miittcr A n o st a s i a, die Schwiegermutter des Kronprinzen. Diese Dame bat bisher trotz ihres hohen Alters ein sehr vorzügliches Leben ge- führt. In Monteearla war sie Stammgast und dort so.beschästigl'. daß sie nicht einmal zu der Hochzeit chrer Tochter in Berlin et- schien. Ganz Söhnten fall tschechM werüen. Das Blatt der tschechischen Nationalsozialen,.CcSke Slowo", führt über die Zutust Deutschböhmens auS: Durch eine Abtretung Deutschböhmens würde der tschechoslowakische Staat nicht nur seiner geographischen Einheit, sondern auch seiner organisch zu» sammenhängenden industriellen roduktion und Entwicklungsmög- lichkert beraub! werden. Das führende tsch chische Organ„Noradny Listy' erklärt: Die Besetzung der deutschböhmischen Städte erfolgt gemäß den Bestimmungen deZ WafscristillstandeS. Das sozialdemokratische Organ„Pravu Situ" vom 17. Dezember schreibt: Nach fast vollendeter Besetzung Deutschböhmens muß das Verhält- nis der deutschen Minderheit geregelt werden. Tie Negierung sollte die Deutschen an der tschechischen Nationalver- sammlung und der Regierung teilnehmen lassen und ihnen einen Anteil durch Ernennung eincS Staats- sekretärS für die deutschen Angelegenheiten gewähren. Die Gelömkttel öes vollzugsrates. Eine seltsame Aufklärung. Der Soldatenrat des Stell v. General st abeS Ber- lin(gez. Heilbronn. Seuwen) gibt zum Finanzbericht des Voll- zugsratsniitgliedes Maynz folgende Erklärung ab: Als ersten Posten unter.Einnahmen' des VollzugSratS ver- merkte das VollzugZratkmitglied Mapnz in der gestrigen Räte- sitzung 450 000 Fr„ die ihm von einem gewissen E t t i s ch über« wiesen seien. Hierzu bemerken wir: 600000 Fr. wurden am 11. No» vember widerrechtlich von einem Herr! D e t t e> der be- vollnzächtigt war von Herrn Barth und Ledebour, den General« stab zu besetzen, beschlagnahmt. Das Mitglied de» Soldaten-atS Heilbronn begab sich sofort zum Herrn Etttsch. damals im Sicher- beit'SmiSsckmß. und forderte Ueberweisung de» Geldes an die R e i ch s b a n k auf Konw.G e n e r a l st a b" oder„Auswärtiges Amt'. Heilbronn gab auch Herrn Mavnz Nach« rrcht. daß das Geld widerrechtlich beschlagnahmt und keinesfalls für, Zwecke deS BollzugsratS zu verwenden sei. Wir sprecben dem BollziigSrat das Recbt ab. über unsere Köpfe hinweg und ohne sich auch mir dem General- stab IN Verbindung zu setzen, über jene Gelder zu verfügen, und verlangen Rückerstattung dieser Summe an den Generalstab. Arbeiter, und Soldatenrat. gez. Heilbronn. Seuwen. Der VollzugSrat wird wohl nicht umhin können, sich zu dieser Erklärung zu äußern. �S.Sitzunnöes�onareftes öerB.-u.S.-Räte 31. Dezember 1918. ekf Uhr abend». Der Vorsitzende: Mr kommen zur Mstiimiruny. ES lie�t Siimäckst ein Antrag Barth vor, seine fünf Ministerto liegen für sechs Schweinehunde ju erklären, nämlich die ersten vier für einfache und Dittmann für einen doppelten. Wer für diesen An» tvqg ist, den bitte ich...__. Ju diesem Augenblick öffnet sich die Tur rechts. ES er, che inen dreißig Schneider. Jeder trügt in der Reckten eine unge- heur« Schere und in der Linken einen langen Stock mit einer Tafel. Der Führer der Abordnung beweist sofort durch Experiment, daß die Tiüel«hschraubbar, der Stock hiermit auch zu anderen Zwecken verwendbar ist.» Der Vorsitzende(schüchtern): Haben die Herren sonst eine Legitimation? Ledebour(springt auf und eilt auf die Trch-unel: Diese Frage ist konterrevolutionär. Die Deputation verdankt ihre Ent- sendung ihrer eigenen Dikiawr, ist also völlig hinreichend legiti- miert Verlieren Sie keine Zeit! Es ist sünf Minuten vor zwölf. (Ungehanrer Beifall bei den Linksradikalen.) Während Ledebour spricht, öffnet sich die Tür kinks. Es er- scheinen dreißig Hebammen. Jede trägt in der Reckten «ine große Klistierspritze, in der Linken eine Tafel, aui der die � Forderungen der Hebammen verzeichnet süi-d. Die Ueberrafchung ist so groß, daß alle» in Schweigen ausbricht. Man hört auf ein-, mal französisch« Miiitärmusik. Tin Frontsoldat springt auf die Tribüne und ruft: Die Franzosen kommen. Ich schlage vor. im Interesse unserer notio- nalen Würde..-(Sturmische Pfuirufe der LinkSradikalen und Rufe„Zur Ordnung rufen!' Ungeheurer Tumult.) Der Vorsitzende: Wir fahren in der Tagesordnung fort. DaS Wort hat.... Der Führer der SSneid-r:, gleichzeitig.) Die Führerin der Hebamyien: Ich!/ ig'elwze>"g t Der Vorsitzend« hebt die Hände. Der Führer der Schneider: Geben Sie mir daS Wort oder...(Er macht Miene, dem Vorsitzenden mit seiner großen Schere die Ohren abzuschneiden.) Die Führerin der Hebammen: Geben Sie mir da» Wort oder...(Sie trifft Anstalten, von ihrer Klistierspritze Ge- brauch zu machen.).._,, Der Vorsitzende sinkt in die Knie.— Unter den LmkZ. radikalen haben sich Mittlerweile zwei Parteien gebildet. Die ein« fordert, daß die Schneider zuerst zu Worte kommen, die andere ist für die Hebamme«,»«de Parteien werfen emander vor, tont«. revolutionär zu sein und bedrohen sich gegcnseittg mit den Fäusten. Ungeheurer Tumult. Der Zeiger der Uhr über dem Präfidentenftuhl steht auf zwölf. Ein französischer Offizier öffnet dt« Tür. Hinter ihm erscheint eine Kompagnie französischer Jäger. Der französische Offizier: Säle» bocheSl Deutsche Swainl Alle verrückt! Alle einsperren! Marche! Von den Franzosen eskortiert, bildet sich ein Zug, de: in tafcel- loser Ordnung tti der Rechtung Dalldorf abmarschiert. » Dies ist der Silvesterscherz, den sich der VollzugSrat zur Ab- schiedSfeier deS Kongresses der Arbeiter- und Soldatenräte aus- gedacht hat. Das Rcgiebuch ist von Richard Müller. Ix. vier Raben ioenmen. zwei alte und zwei stinge. und trug ihnen auf. den Propheten mit Brot zu versorgen.„Eilt, so schnell ihr könnt,' sprach er. und sie antworteten alle vier:„wir wollen eilen, I so schnell wir können.' Di« beiden jungen Raben gskangten früher zur Stell«, wo , Elioh sckmachtet«, und brockten ihm zwei kleine Brot«. El iah segnete die Ueberprinyer und teilte ihnen von den Broten mit. Aber die beiden alten Raben' zögerten und kamen erst, als Elioh dem Tode nahe wor. „Worum kommt ihr so spät?' fragte der Erzengel. „Wir haben versprochen," entgegneten die Raben, ,�u eilen soviel äls möglich; aber wir haben gedacht: Eil« mtt Weile, mit der Zeit brckt man Rosen und wie die Sprüche der Weisen ferner lauten, und Halen un» mit Fleiß nickt übereilt; denn(so dachten wir) wäre in der Zwischenzeit Eliah gestorben so hätten wir unS an seinem A«se weiden können. Leben wir nicht vom Aase?' Aukunstsausfichten unsere? Ernährung. Die ErnährungLaussichten deS deutschen Volkes sind nicht allein für die nächst« Zeit trübe, sondern erscheinen auch für die Zukunft -m ernsten Lichte, und viele bewegt die Sorge, wie sich wohl unser Volk überhaupt in Zukunft werde ernähren können. Da ist denn vielleicht ein Hinweis in der kürzlich im Verlag von L. Voß er- schienenen neunten Auflage der bekannten�-Chelirie im täglichen Leben' von Lassar-Eohn geeignet, manche Sorge zu beschwichtigen und einen ZukunftStrost zu gewähren. Lasiar-Codn weist darauf> hin, daß der deutschen Landwirtschaft doch noch große Möglichkeiten � offen stellen. Einen ungeheuren Fortschritt hat sie durch die reichliche Verwendung künstlicher Düngemittel gemacht, durch die die heranwachsenden Pslanzen gespeist werden. Sie brauchen aber neben der Speisung mich noch die Tränkung, und in dieser Beziehung hat die Landwirtschaft sich bisher allein auf den Regen verlassen. Der Regen fällt indes zu unregelmäßig, um dauernde Höchsternten zu ermöglichen. Die deutsche Landwirtschaft würde also die Möglich-> kett einer außerordentlichen Mehrleistung haben, wenn sie allgemein zu künstlicher Bewässerung überginge. Von welcher Bedeutung diese Einvichtung sein würde, geht daraus hervor, daß die unter dieser Voraussetzung erzielbaven Mehrerträge auf 500 M für da» Hektar � geschätzt werben. DaS bedeutet für daS ganze Reich etwa 13 Mil-! liarven oder das Sechsfache der bisherigen Einfuhr an Brotfrüchten und Futtermitteln. Freilich ist die künstliche Bewässerung ein Unternehmen größten Sttl». das ungemvtti« Kosten erfordern und auch lange Zeit beanspruchen würde. Rabenfabel. In den Schriften de? weifen Rabbi beu Akiba, von dam das Wori stammt, es sei alles schon dagewesen, soll sich nach einer alten Zeitung folgendes Geschichtchen von EliahS wunderbarer Speisung in der Wüst« finden. Behauptet wird.«S sei zeitgemäß: Der Erzengel Gabriel wurde aus den Libanon gesandt, um den große» Propheten Eliah vom Hungertod: zu retten. Er ließ Notizen. — Ein Dezernat für akademisch-studentische Anaelegenheiten ist im KultuSministeri/um einpericktet worden. Ez sollen darin vornehmlich di« während des Krieg«? entstandenen akademischen Reformbestnebungen behördliche Bera» tung und Unterstützung finden. Mit der Leitung ist der„?lkade» mffchcn Rundschau' zufolge der Bonner StaatSrecktSIehrcr Dr. Rudolf S inend bettaut worden. — Wenn Frieden würde...In ungezählten Arbeiter- stilbcn sind im Verlauf der KriegSjcchre die Gedichte gelesen worden, die Ludwig Lessen jetzt»riter dieser Aufschrift zum Buch zusammengefaßt hat. In alle Gegenden Deutschland» haben die Arbeiterblätter sie getrag'n. Nun wirken sie. vom Verlag Vorwärts veröffentlicht, als eine Rückschau auf die bluttgschwcre Zeit. Sie sind ihrer Not entsprungen, aus ihrer gequälten Sehnsucht aufgekeimt. Frieden l..Von sowie! Herzblut ward noch nie ein Wort heiß überströmt.' Die Pein der Mädchen, Frauen, Mütter. Päter bangt in diesen Versen, ein Harren obne End«, bedrückt von schrecken» den B'ldern, gefoltert von dem ewigen Schmerzschrei:„Wann kehrt ihr heim?' Viele werden dieS Buch lesen als ein Stück ihres Daseins. Ein Herz öffnet sich darin, das sein hartes Erleben schlicht aussprechen will. ES weiß von all der Schönheit der Welt, will in Sehnen und Hoffen aufrecht bleiben und muß nun um so schwerer tragen an der Zett. — Volksbühne. In der Erstmrfführung von Carl Haupt» mann? fünfaittgem Märchen„Die armseligen Besen» bind er' am Freitag sind die Bühnenbilder und Kostüme von Karl Jakob Hirsch. Die Musik ist von Heinz Dießen. — Musik. Morgen. Dann« rk tag, im Beethovcnfaak, Kon- zert von George Heller mtt dem Philharmonischen Orchester: Werke von Mozart. Bach. T. Fcanck, Liszt und die Orchester-Suite aus der Musik m Cozzi» Märchendrama JCuxcndot' von F. Busoni. Anf«mg 7K Uhr. Kongreß öer% und S.-Räte. (Schluh vom Hauptblatt.) ' � Anträge der Fraktion der MeKrheitSso�ialiften wollen die«berste Kommondogcwalr dem Rat der Bolföbcauftragtcn unter der Kontrolle deö Lollzug-rratS übertragen. Lisizicre in wictstigen Sieben sollen im?nteresie der Demobilisation im Amte bleiben. wenn sie erklären,.gegen die Revoluiion nichts unternchnien /zu wollen. Offiziere sollen wiedergewählt werden können. Ferner wird die Abschasfung des Adels, aller Rangabzeichen usw. verlangt. Aber alle diese Forderungen sollen nur als Richt- linien gelten. Die endgültige Regelung soll später erfolgen. Lcvinsohn sWestfront): Wir können nicht alle Aemter von unZ au? besehen. Wer will z. 53. Gen'ralguarticrmcister werden? Wer Korpskommandeur? Er melde sich bei mir, ich werde ihm sofort e:n Korpskommando geben.(Heitexkciü Wenn wir die Oberste Heeresleitung beseitig. n, m i t. w�e m soll die Entente dann derhandeln? TgS Ivaro ein verbrechen an unseren Kameraden. sZurus: Tie Sie aufgeputscht haben!) Wir sind im Schühcngraben tapfer gewesen und haben auch vor Ihnen keme Angst. Sie sehen diel zu schwarz. Wo ist denn die Gegenrevolution?(Lachen b. d. Radikalen, die mit dem Finger auf den Redner weisen.) Ich seh? nichts davon. Also lassen Sie sich nickt durch ein Gespenst gruselig wachen, das c? yar nicht gibt.(Zustimmung.) Heute nachmittag iagen die Berliner Soldatenräte. Warten Sie bis dahin w.i If.rcr Beschlustfassung. Die Oberste Heeresleitung hat au?. drücklich erklärt, daß kein Offizier an gegenrevolutionäre Bestre» bungcn denkt,(Lacken.) Vorsitzender Leinrrt teilt mit, daß die Soldatenidelegation von vestern wieder zur Stelle ist. Sie wünsche, mit Vertretern der Fraktionen zu verhandeln und bestehe nicht mehr auf °llen Forderungen. Mit großer Mehrheit beschließt der Kongreß, die Beratungen Abzubrechen und zu warten, bis die Beschlüsse der B e r- lincr Toldatenräte vorliegen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung teilt Vors Lcinert mit, daß wieder Deputationen erschie- �°n seien von denen eine gedroht bat. wenn sie nicht ins Haus ge- wssen werde, morgen mit 250 OOO Streikenden wicderznkommcn. giriert bai fre Verantwortung für einen derartigen gewissenlosen streik nickt übernehmen wollen und die Deputation in das HguS eigelassen. ihr aber erklärt, daß mit demselben Recht wie heute Berliner, morgen Hamburger oder Münchcner den Kongreß in seiner Arbeit stören könnten.(Zustim- wung.) Lcinert fügt hinzu, daß die Drohung mit dem sofortizen �reiken ohne Rücksicht auf da? Gemeinwohl zum allgemeinen Ver- derben führen müßte, wenn nicht das Gswisien der Arbeiter gegen solche Streik? entscheide. Ter Kongreß habe für ganz Teutschland, »'cht bl»h für Berlin zu arbeiten, er könne sich darum nicht fort- Gesetzt von Deputationen stören lasten. Lemert macht den Vorschlag, �ß in Zukunft solche Deputationen nicht mhr den Saal zu betreten, sondern mit Vertretern der Fraktionen des Kongrestes zu verhau- dein haben. Ter Kongreß stimmt diesem Vorschlag mit ungefähr 430 gegen twchstcns 10 Stimmen zu. Die winzige Minderheit besteht darauf, Jbse Geringfügigkeit durch die Gegenprobe vor aller Welt darzuwn. dieses Verlangen wird erfüllt. - In Interesse der Förderung dar Kongreßarbeit wird weiter schloffen— anscheinend einstimmig—, daß die Kongreßmitglieder w'«t auf DonnerSteg vormittag angesetzten Kundgebung J". Treptower Park nicht teilnehmen. ES besteht die swucht. den Kongreß b i s Donnerstag mittag zu Ende «U bringen. Nunmehr erhält Volksbeaftragter Barth das Wort zu einer � r s ö n l i ch e n Bemerkung, die er bereits gestern abend lachen wollte, was aber bei den bekannten Vorgängen nicht mehr Möglich gewesen ist. In demselben Augenblick, wo Barth am "'Unerput: erscheint, belritt eilenden Schrittes die Spartakus-Teputation rs" Saal, mit roten Fahnen und Schildern, auf denen die Betriebe M'llvben und die bekannten Forderungen, wie'alle Macht den VollzimZrat oberste Gewalt uiw.. erhoben werden. » Vorsitzender Leinert teilt der Deputation den vorhin gefaßten 5�n,rcßbeschluß mit und führt ihr vor. haß der Kongreß seine Ar- für ganz Deutschland ungestört leisten müsse. Der Führer der l�mtatjon scheint widersprochen zu wollen. Lcinert ersucht ihn, sich r�n Kongrcßbefchluß im Interesse der Autorität dos Kongresses u-nd Ansehen» der Revolution zu fügen. Der Führer der Deputation kelet auf Leinert«in und beginnt dann, ohne da? Wort erhalten zu «"den, eine Ansprache, welcher Versuch aber durch andauernde Nuse: Ruhe! und Händeklatschen für den Borsihendcn niedeogehcrkten wird. �rmert bittet um Ruhe und ersucht auch die Midgiliader der Depu- *utiori, die sich inzwnchen in allerhand Asußerungen und Rufen Spangen hotien, Rücksicht auf das gemeinem? Interesse aller beut- s�rn«lrbeiter und Soldaten an diesem Kongreß zu nehmen. Der pföhrer der Teputiiion schreit: Die Revolution hat bofondcre Ge- (Rute: Ruhe! Ruhe!) Vorsitzender Lcinert: Um der peinlichen S'.tuation ein End« zu �cken. schlage ich vor, diese Deputetion als die letzte noch ?vzuhör«n, dann aber unseren Beschluß in Knast treten zu Elsten.(Allgemein« Zustimmung.) Das Wort hat jetzt der Führer Deputechon zur Verlesung d«r Fovderuns-n. Die Schuld am Knege. Das„(Geständnis" deS„Vorwärts". Die„Fwiheit' versteift sich-ruf die Belhauptung. der„Vor- !°ärtS" hätte«in„GeftändntS" abgelegt, als er am S. Dezember ichrreh�„W i r wußten um die Schuld der deutschen KriegStrei» �rr, wenigstens viele von uns waren von ihr überzeugt� . ktg, wir im..Vorwärts" waren von der schweren schuld der Witschen Kriegstreiber überzeugt. W i r wußten aber auch, daß auch in andern Ländern Krieastreiber gibt. Wir tvußten « Co,»listen, daß die stest'te Ursache der Kriege nicht m der Schuld �suzelner Personen, sondern im internationalen Kapitalismus lieg?. �' r wußten d«ß d«S Alldeutschtum ein« internationale Erschei- �ng ist. und d»ß es auch drüben Ludenbvrffs gibt, die an nichts �!>?rez dachten als zu schlagen, zu vernichten, zu zerstückeln» zu �ek ieren und tributpflichtig, zu wachen. Das alle? wußten die Leute von der„Freiheit" offenbar nicht. wußten sie es ater, wie können s i e ihre Haltu-ng verantworten? Der Spartakus-Druckfehler. Eine Unverfrorenheit. __ Zu den Streik? am Montag haben wir noch eine ganze Reibe J�ichriften aus den Betoicben erhalten, die darlegen, welche windelhaften Tricks von den SpartakuSlcuteu angewen- °el wurden, um die Arbeiter ans den Betreben herauszubringen. Den Gipfelpunkt der Unversrocenhent aber Hut wohl daS spar- �istisch« Srbeiterratsmitglied der Firma Ludwig Loewe u. Eo. glommen Al» ein großer Teil der Arbeiter Anstoß diran nahm. � es auf dem von ihm verteilten Fluzzeitel hieß:..Demonstriert ??8en dt? Nationalversammlung l", erklärt« er. kalllächelnd, da? te: cjn T ruckkehler und solle beißen:„Für die Nrtionalversamm- "ß!" Als die Arbeiterschaft merkt«, daß sie irregeführt worden �r. kam eS in der NachmrttagSsitzung zu heftigen Zusammenstößen e? wurde mit überwältigender Mehrheit eine Resolution für 7� Ratwnalpersammlung angenommen. Die Zuschrift schließt m,t Worten:.Da» zweit« Mal passiert e» an» nicht wieder, daß wir auf solch einen Streich herein» fallen." « Die Arbeiterräte de? SiemcnS-Konzerns stellen in einer Zu- schrift fest, daß entgegen anderslau! enden Pressenotizen die Arbeiter des Siemenskonzerns am 10. Dezember vor dem Reichstag?- gcbäude gegen eine überstürzte Einberufung der Na- tionalvcrsamn'.luno. demonstriert haben. �aenifch über Sen Neltgwnserlaß. Der Kultusminister Haenisch veröffentlicht über die Durch- führung des Religionserlasses nähere Anweisungen, aus denen hervorgehi. daß der Zweck dieses Erlasses die Beseitigung des Gewissenszwanges sei. Die Zlbsicht würde aber m ihr Gegenteil verkehrt, wenn etwa ein anti-religiöser Ge- wistensdruck ausgeübt werde. Die SchulweihnachtSfeiern sollen frei gestattet sein; nur soll für Lehrer und Schüler kein Teil- nahmeztoang bestehen. Seweckschchsbewegunö Lohnbewegung bei Äschinger. Eine Bei rieb!« er s am mlung für alle Angestellten von Aschinger tagte gestern in dein der Firma gehörenden Konzcrt-R! gütungen zu gewähren. Gefordert wird auch eine einmalige größere Teuerungszulage: für Verheiratete 50 Proz. d-ß Gehalts. dazu 10 Proz. für iedcS Kind; für Lebige LZ Proz., für bie bisher anf Tr nkgeld«ngestellt gewesenen Personen eine Pairschalsumm», pro Dienstiahr 50 M.(unter Anrechnung der Militärjabre). Di« für da» letzte S!esckäk»sj»kr gezahlte Dividende von 8 Proz. zeigt die Rentabilität de» IlnternebmenS die Aufbesserungen ermöglicht. Ter Bewegung baben sich auch Sie Bureau angestellten und die GefchäftStübrer anaeschlossen. Gte haben rbre besonderen Lobnforberi'ngen aufgestellt. In der'«br lebhaften Diskussion wurde die von dem Re- ferenten geselbene Schilderung durch an.de« Redner-urch Rebne- rinnen bestätigt und ergänzt. Unter anderem wurde«uch darüber geklagt, daß d,e UnterkunftSräume für da» Pers»n«< unsauber und die Einrichtunaen zur Käcpewflege mangelhaft sin». Allgamein wurde zu entseisossenem Kampf aufgefordert: nür ein Sofinfpektor der Zentrale mahnte zur Mäßigung. Verschiedene Redner betonten. daß die Nna?siellten sich dem Verband anschließen müssen und daß dteser sie in ihrem Kampf unterstiiben wird. Em« Entschließung, die den Verband der Gasswirtsgebilsen beauf- trag,, sofort mit der Betriebsleitung in Verband- lungen über die Forderungen einzutreten, wuvde von der stark besuchton Versammlung einstimmig angenommen. SuchSruckerftreik bei Scherl, Messe und Ullstein. STm TienZtagabend stellten die Drucker der Firmen Scherl, Ullstein und Mosse die Forderung, ihren Wochenlohn, der zurzeit einschließlich der Teuerungszulagen 79 M. beträgt, auf 120 M. zu erhöhen. Tie Geschäftsvertreter der drei Firmen erklärten nach längerer Verhandlung, sie könnten nur als Provisorium eine wöchentliche Zulage von 15 M. bewilligen. Wenn die Ge- Hilfen— so erklärte der Vertreter einer Firma— nicht binnen fünf Minuten dieses Angebot annehmen, dann verzichten die drei Firmen auf den Druck der Zeitungen.— Eine Verständigung kam hiernach nicht zustande. Die Zeitungen der drei Be- triebe sind heut früh nicht erschienen. Tie Lohnbctvegimg der Sl. E.(Y.-�abrikvn Hennigsdorf. Vom dortigen Arlbeiterrat erhalten wir folgenden Bericht: Dw Arbeiterschaft(zirka 0000) unb die Augestellten(zirka 1000) der A.E.G.-Fcü-nteji Hennigsdorf sahen sich infolge der Weigerung d«r Generaldirektion. mit dem ArbeiterauSschuß wegen Lohnsraoen zu verhandeln, gezwungen, die Adbeit am 12. und lg. Dezember 1915 ruhen zu lasten. Durch Vermittlung eines Bea-u st ragten de? VollzugSratS setzte sich die Genera Direktion am 14. Dezember 1918 mit den Arbeitervertretern an den Verhandlungstisch und traf nach. stehende Bereinckarungen: ES haben vom Montag, den 9. Dezember 191 S folgend« Lohn- zuschlage Geltun-z: 20 Proz. für Löhne von 85 Pf. bis 1,35 M. je Stunde. 15 Proz. für Lot in« von 1,86 M. bis 1 85 M., 10 Proz. für Löhne von ILO M. bis 2.35 M.. 5 Proz. für Löhne von 2,36 M. bis 2,85 M. Löhn« unter 55 Pf. werden«mf 55 Pf. erhöht; für st« kommt dann etzenfall« noch d«r Zuschlag von 20 Pro», in Frage. Löhne über 2.85 M. bleitzen unberücksichtigt. Akkordlöhne werben, wo st« sich augenblicklich noch nicht beseiti- gen kästen, von einer ArhcitSkomzmssion, bestehend cmS einem preck- tischen uns einem technischen klrtzeiter, festgesetzt. B'S zur yetetzlichen Festlegung der verkürzten Arbeitszeit wird die Umstellung der Betriebe entsprechend vorbereitet. Dieser Erfokfi der V-rhandlungen befriedigt bie Arbeiterschaft nicht. Alter im Hinblick«mif di« schwe« Not de« Land««, auf die jetzt vor sich gehend«« polte, jchen und wirtschafUich«» Erschütterungen und auS der Erkenntnis heraus, daß die junge Republik, für die wir bereit sind, Gut und Blut zu opfern, nur gefestigt werden kann, wenn lte« Revolution nickt in eine Lohnbewegung ausartet, hat die Arbeiterichast unter Ueberveichung folgenden Protestes die Ergebniste der Verhandlung angenommen: „Die Arbeiterschaft der A.E.G.-Fabrikcn Hennigsdorf erhebt entschieden Protest gegen die wegen ihrer Geringfügigkeit beschä- Menden Zugeständ-niss« der Generaldirektion. im besonderen gegen die minimalen Anfiesterungen der gering Entlohnten. Sie vermissen bei der Generaldireknon da? Bestreben, im Ver- «in mit der Arbeiterschaft den von der alten Regierung herausbe- schwor cm en drohenden Zerfall von Staat und Wirtschaft aufzuhalten. Sie erkennen, daß sich die verantwortlich« Leitung der A.E.G. wenig von den westlichen Großindustriellen unterscheidet. Indem die ArtzeUerschoft die Arbeit wieder aufnimmt, �wird sie dieses Verhalten der Generaldirektion in den schwersten Stunden unserer jungen Republik nicht vergessen. In den Kollektivvereinbarungen über Arbeitsbedingungen der Angestellten, die wir in der Dienst agabendim mm cr veröffentlichten, muß der vorletzte Absaß w,« iolgt lauten: „D:« jetzt bestehenden Krieg?- unb Teuerungszu- lagen werden fortgezahlt, bis eine wesentliche Milderung der Teuerung eingetreten ist. Der Abbau wird unter Einhaltung einer angemessenen Kündigungsfrist durch die paritätisch« Kommission ge- fckrhen und die Kündigung, auch wenn kein« Einigung erzielt wer- den sollte, frühestens zum 30. April 1919 erfolgen." GroßSerün Die Frauen und die Wahlen zum Nationalrat lautete da» Thema zweier Fraucnver'ammlungen, die gestern bei Bökcr, Webeistraße, wo Geroissn Bodm-Swuck spro». und in den.Cvmenius'älcn", mir Genossin Juchacz als Reseremin. abgeholten wurden.. An Hand unumstößlichen Tatsachenmaterial? wiesen die Red- nerinnen nach, daß nur die Sozioldeniolratische Porlei ernstlich>eit Jahrzebnien schon das Wablrechr für die Frauen gefordert habe und daß sie, laum zur Macht gelangt, e, sofort auch gewahrte. Aber das allein fet es n'cht, wo» die Frauen bestimme» müßte, sozial« demokraiisch zu wählen. Die Siellung der Soz>aldemolratte zu allen Fragen, die d�e Frauen angehen, lasie keinen Zwciiel, dasz nur die Sozialdeniolrailsche Partei ihre einzige, wahre Jmcresten- veitretung ist. Zwei weitere Franenversawmlungen finden heute abend ber Franke, Badstraße, SckuUheitz. Ha'enheide, statt. Pflicht aller Frauen ist. fich über die Haltung der Sozial- demokratischen Paitei zu den Fiaueniragen zu unieriichien. Im ,. Bollshaus". Eharlottenbury, hielt gestern Genossin Zepler dem prcutzisch-deutschen Militarismus ein- Grabrede, die in jedem der andächtig Lauschenden die Ueberzerrgung und den Willen weckte: Solch eine Gewaltherrschaft«iner kleinen Minder- heit, sei sie von rechts oder von links, darf nie wieder Ipmmen. Tann rechnete uns«rc Genossin m,t den dürg-rlichen Barteteu ab. Sie bewies die Rückständigkeit aller bürgerlichen Parteien. auch der sogenannten fortschrittlichen oder liberalen, der jetzigen demokratischen Partei. Typisch dafür sei deren Verhalten gegen die Flauen. Haben sie doch nock, alle in diesem Jahre im preußischen. Abgeoldne:enhauS gegen das Frauenwahlrecht gestimmt! Diese demokratische Partei, die dock nur die Vertreterin de» Handels- und J-dastrickapitals ist, und deshalb nw di« wirtschaftlichen Jni-ressen der Arbeiter und Angestellten vertreten wird und vertreten kann. Diese Partei, die ihre sozialen und politischen Forderungen dem Programm der Sozialdemokratie entlehnt, die fich mit fremven Federn-chmückt. um auf dtese Weise die Stimmen einzuiongen. Aber es wird ihr nicht gelingen. Denn jede denkende Fra, weiß, daß«s nur«ine Partei gibt, di« mit Ernst und voller Ueb-r» zeigung für di« Frauen eintritt, und d«S ist die Sozial» demokratie. Die Tragung der VeerdigungSkosten für di« Opfer des 8. De» zember soll nach einem Bericht der„R»ten Fahne" der Perkiner Magistrat nach Auvsaaen de» Oherst«d»s»kr»t«rS Hesse abgelehnt haben. Wie uns da» Rachrichtenamt de» lNazistrirt» mitteilt, trifft das nicht zu; der Magifteat hat bereits in cmer früheren Sitzung befchlassen. die Beerdigungskosten zu übernehmen. lieber den Tag der Beerdigung habe nicht der Magistrat, fandern der VollzugSrat zu entscheiden._ Die Bildung�einricktnnssen für Erwerbslose sind btsaaders den Jugendlichen zur Beachtung und Benutzung bringend zu empfehlen. In der B»rk-tncr Erwerhsi»!«»- fürforge wird geplant, bei Jilgetidlicken die Zahlung der Unter st ützung von dem Besuch ber für sie voran- stalteten U n t e r r i ch t S k u r se abhängig zu machen. Die Tackverständiaenkominission der ErwerhSlosenftirforge hält, wie wir hören, dies« Maßregel für wünsche»«»ert. Tie verwirft den Zwang, glaubt«b«r, d-n mehr»d««iader guten Mi Ten zur Fortbildung stärk«* zu müst«. In ihr«: letzten Sitzung betonte der Direkter de» Berliner FortbildunGlfcholwes««» Herr Grund» scheid, daß auf diese Weis« die ErwerfrSlaseiefstesme der Jugendlichen«tuen dauernden Gewinn bringen iknn«. Für Berlin wiick• an Kurse gedacht, in denen an fünf Wache rteagen(außer Sonn- abends;« 4 Stunden gegeben würden. Die Regelung soll jeder Gemeinde Groß-BerlinS je nach ihren örtlichen tterhättirissen unid Einrichwngen überlassen werden, doch will man bei der Beschulung nicht auf OrtSangahörigkeit dringen. Di« Stadt B«vlin wäre in der Lage, ohne besendere Kosten vielen Ji>gen>d'lichen auch der Vor- orte eine Fortbildungsmöglichkeit zu gewahren. Mit dem Leierkasten überfahren und getlürt wurde gestern der 68 Jahre alte Invalide Johann Kctz auS der Stargarder Str. 48. Der Greis hatte auf einem Hof in der Schönhauser Alle« gespielt und wollte dann nach der anderen Straßenseite hinübergehen. Kinder, die seiner Drehorgel zugehört hatte« und ihm nachliefen. warnten ihn vor einem Straßenbahntvagen der Linie 55, der vom Norden her gerade herangesahren kam. Er glaubte jedoch vor dem Wagen noch vorübcrkommen zu können. Darin täuschte er sich jedoch.?(uch der Führer konnte im letzten Augenblick nicht mehr halten. So geriet der Invalide mit seinem Leierkasten unier die Räder und wurde so schlver verletzt, daß er gleich verstarb. Grsfi-Serlinsr parteinachrkchten. Sozialdemokratischer Byrein Niederbarnim(Soz. Parter Tentsckssands.) Sonnabeild, den 21. Dezember, abends Ul?r, Kreisgenerolversammlimg in den Sophiensälen. Sophienstraße 17/18 IH. Tagesordnung: 1. Die Wahlen zur Nationalversammlung. Ref.: Ge- nossin Juchacz. 2. Aufstellung der Kandidaten. 8. Verschiedenes. Ter Vorstand. I. A. Hermann Müller. Oefscntlicher Vortrag des Gouverneurs RoSke. Wir machen nochmals auf den heute astend 1% Uhr in der Singakademie am Zeughaus stattfindenden Vortrag des Gouverneur» des Reichs- triegShafen» Kiel, Gustav Noske, aufmerksam und bitton um zahl- reich«» Gr scheinen Der K ro p aga»da- A u»s chu ß. AcSstung! Neu! Str«Ceir:ändler! yertii'sMtel m ItöiciciifeBiitt! Gute VerilidagtjrJgliclikeU I Aus dem Felde MrNS vr.(Zukeedock Trauttcanstr. 24 innere Sranih� cnngeol. slf;cnt a. d. Klinik vnn Prof. Max Joiayh Leipziger Str. 107, Ii. SprechsKiadea nachm. 3—7. SpcaUUrrt urld Geschlecbtsiirsßkh. iictcrtlcrsBcfeEBg, Ebrnch-KstE-Änrei »SF�.Vioderne wi-'cnscha.t- (icheeno(Zreic.'e Behandlung | nach erprobl.Minixch.Method Hervanleitisn, Epilepsie, istk«a nz/j Spexial'BfthaiicÜang: Homöopathisches In>tT*ut Dr. phii. Kerzfeld, ] Charlottonhrg., uarecst�Z, nahe bop..ie-»«ari«Kc- Platz. Äprm:h»t 4-3. S«*atap 10-11. VskMkMchgkg Des WrlMnttMöss in Berlin. BeNeidnngsfÜicke ffinnrn die au» dem Vrreithe de» III.%•& entlcfjencn Maunkchasten und Unleroffiziere mit den Zlnmenznnsnnssbnchstnben J bis M, die bereits vom BeziVtsl.mmando mit geltel bestellt waren, wie folgt empfangen: wer bestellt war ,um 7. Dezentber(und Irllber).'omme am 13. Dezember 3., komnte am Vi. Dezember »* i. 21* i. 10.,. a. Ib. ,57.. 12. 12-,» ,30. � lt..,.»1., 15.., Z. Januar 15..,. t.„ 17.,,, 5., IS.,, 7.. 0 Ikstr»ornt. bis Z Ilkir ne.rbm. Mäntel stnd jedoch in absehbarer Aeit nicht zu baden. Eämtliche Mtiitär» und entiaFungs.aoiere mitbringender vom?»i:rl»kouimando noch keine» Zettel erhalten bat, muh(ich sogleich melden. 457 D _ III Sern»._ pmrittmc Kutiersraeoag aar 12 Stck. tagen»lniaklünx ran M. 10.- auf F*>.r«lie«U'.e» o: Karlin uZt:i psitsirei.* Nachn. 3t Fl.»ahr. Jedes Quantum sofort lieferbar. Je LsliSsteZn, Ecrün N 37, Choriacr SSr. 62. Telejnsn Nord. 75). SpezialaratöTcy�; «am, Qc ioiaen. Kein» sucr.attf.ß- Sjpailii, Haut-, e cinechtv.Praucnl sraake,•slutumersu', I kandi. sich., sgiimcrzi. tu ohne »« nH«t0.7» i. 3ep Damen z. Ff�str.lll 4-D.(Soantass iO I Uhr.) Sc�-tlhkrampf tf'iU-'/to Ang-.�etÄU., j in GCfipawart«Mdettr. Ahs- ku»Tt und P«raw*. ♦ hjoWBlfilirai-SKJisal Bistis fit Steelkii'W! Kerv»Tragend aelegene» Konrsnn�sheiin im westlichen Derorl Berlins ist Kraniheits«Iber bikig zn verkausen bezw. zu oelpachtcu. 4910» Anfroaen unter V. Z Expedition dieser Zeitung._ MWsW W (bei Tpremiserq) mit Motorpfinfl ei-rabtcilttng, Lehrinstitut für Berwa'ter,.4>osme>ster. 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H* Berlin SO 26| '% •Ijh -?'• Wir haben heute folgende an den Herrn Ersten Staatsanwalt in Duisburg gerichtet: Am Abende des 7. Dezember zwischen V,6 und 7 Ahr wurden wir von Mitgliedern des Arbeiter- und Soldatenrates der Stadt Mülheim-Ruhr festgenommen und in das hiesige Militärgefängnis abgeführt. Während die Äerren August Thyssen, Fritz Thyssen und Direktor Roser von je einem Mitglieds des Arbeiter- und Sol- datenrates am Orte ihres Aufenthaltes festgenommen wurden, erklärte man uns anderen, wir sollten nach dem Rathause oder der Kaserne zu einer kurzen Besprechung kommen, es würde dann sofort unsere Entlassung er- tvlgen. Bei unserer Ankunft in der Kaserne, die einzeln und getrennt erfolgte, erklärte der Sergeant Will, der sich als Vorsitzender deS Soldatenrates vorstellte, wir seien in höherem Auftrage festgenommen. Auf unsere Frage nach dem Grunde der Festnahme wurde uns die Auskunst ver- weigert mit dem ünnweis, das würden wir später er- fahren. Auch wurde uns jede Benachrichtigung an un- sere besorgten Angehörigen untersagt, wir wurden viel- wehr, nachdem unsere Personalien festgestellt und unsere sämtlichen Sachen uns abgenommen waren, in Einzel- Zellen des Militärgefängnisses, abgeführt. Ohne uns vor- her zur Sache zu vernehmen oder uns mit dem Grunde der Festnahme bekannt zu machen, wurden wir gegen �,12 Ahr desselben Abends mit mehreren bereitstehenden Automobilen nach dem ödauptbahnhofe in Essen gefahren. begliche Unterhaltung miteiuander wurde uns bei Gefahr des Lebens verboten. Äerrn August Thyssen, der seinem Sohne Fritz stumm die Äand reichte, wurde dies als un- zulässig verwiesen. Am Kauptbahrchofe in Essen erfuhren wir, daß wir mit dem fahrplanmäßigen Zuge 12 Ahr �l Minuten ab Essen nach Berlin transportiert werden sollten. Auf drei Abteile erster und zweiter Klasse verteilt, fuhren wir unter ständiger Bewachung von je einem oder zwei Mitgliedern des Arbeiter- und Sol- datenrates nach Berlin und kamen dort mit Verspätung erst gegen Abend des 8. Dezember an. Vom Bahnhofe wurden wir in mehreren> Automobilen nach dem Anter- suchungSgefängnis in Moabit überführt. In einem der Automobile saß ein Kerr, der auf die Frage des Äerrn August Thyssen erklärte, er sei der Polizeipräsident von Berlin. Der bei unserer Ankunft im Moabiter Anter- suchungSgefängniS anwesende Staatsanwalt(3 übel ließ sich von dem Sergeanten Will und den anderen anwesen- den Mitgliedern deS Arbeiter- und Soldatenrates erklären. um was es sich eigentlich handele. Run erst erfuhren wir durch den Staatsanwalt Göbel den Grund unserer Fest- nähme, den er jedem von uns einzeln und getrennt er- öffnete. Als Grund unserer Festnahme wurde die Be- teiligung an einer Sitzung im Fürstenhof zu Dortmund am 5. Dezember d. Z. angegeben. In dieser Sitzung, an der wir alle teilgenommon haben sollten, sei es zu einer lebhaften Aussprache gekommen und vereinbart worden, die Truppen der Entente mög- lichst rasch zur Besetzung des ganzen rheinisch-west- fälischen Gebietes herbeizurufen. Diese gleiche Anschuldi- gung wurde in der zu Mülheim-Ruhr erscheinenden Zeitung„Freiheit" den Lesern schon am Sonntag Morgen, während wir noch auf der Fahrt nach Berlin waren und von dem Grunde unserer Festnahme noch nichts wußten, bekanntgegeben mit der in Fettschrist gedruckten Aeber- schrift:„Thyssen verhaftet". Zugleich wurde von den Herausgebern derselben Zeitung am Sonntag, den 8. De- z Ander d. 3., vormittags, nach Beendigung der Gottes- dienste in den Kirchen ein Extrablatt an die zahlreich auf den Straßen versammelte Menschenmenge verteilt, in dem gegen uns und insbesondere gegen die Äerren Thyssen und Stinnes die gemeinsten und niederträch- tigsten Vorwürfe und Anschuldigungen er- hoben und der Grund unserer Festnahme im einzelnen dargelegt wurde. Beide Blätter fügen wir bei. Anser Äiuweis bei der Einlieferung isi das Anter- suchungsgefängnis zu Moabit, daß wir bereits 24 Stunden in Äaft und noch immer nicht dem zuständigen Richter zur Vernehmung vorgeführt seien, wurde von dem Polizei- Präsidenten nicht berücksichtigt. Ansere Vernehmung er- folgte erst am Abend des 9. Dezember vor dem Kriminal- kommissar Dr. Kopp zu Berlin im Austrage des Polizei- Präsidenten von Berlin, nachdem uns der Generalstaatsanwalt Plaschke vom Kammergericht in Berlin erklärt hatte, daß er mit dem Verfahren selbst nichts zu tun, er aber den Polizeipräsidenten ersucht habe, die Sache zu beschleunigen. Ansere Vernehmung ergab, daß keiner von uns an der au geblichen Versammlung im Fürstenhof zu Dortmund am 5. Dezember teilgenommen hatte. Inzwischen hat sich heraus- gestellt, daß eine solche Versammlung überhaupt nicht statt- gefunden hat, sondem daß diese ganze Versammlung und die in derselben gepflogenen Verhandlungen erlogen waren. Nach unserer Vernehmung am Montag abend, den 9. Dezember, sind wir noch bis Mittwoch abend, den II. Dezember, in Äaft geblieben, ohne einem Richter vorgeführt zu werden, der allein über die Rechtmäßigkeit unserer Verhaftung ent- scheiden konnte. Erst am Mittwoch abend, also nach viertägiger Festnahme, sind wir aus dem Antersuchungs- gefängnis in Moabit entlassen worden. hiernach beschuldigen wir in erster Linie die Mit- glieder des Arbeiter- und Soldatenrates zu Mülheim-Ruhr, vorsätzlich und rechtswidrig uns eingesperrt und des Gebrauches unserer persönlichen Freiheit beraubt zu haben. Der Arbeiter- und Soldatenrat zu Mülheim-Ruhr war überhaupt nicht berechtigt, uns festzunehmen und uns deS Gebrauches unserer persönlichen Freiheit zu berauben. Zur vorläufigen Festnahme sind nach den Bestimmungen der als Gesetz noch geltenden deutschen Strafprozeßordnung— wenn es sich nicht um ein Eingreifen auf frischer Tat handelt— nur die Staatsanwaltschaft und die Polizei- und Sicherheitsbeamten befugt, wenn die Voraussetzungen eines Haftbefehls vorliegen, und Gefahr im Verzuge ob- waltet. Aber selbst diese sind nach dem Gesehe verpflichtet, den Festgenommenen mit dem Grunde der Festnahme be- kannt zu machen und ihn unverzüglich dem Amtsrichter des Bezirkes, in welchem die Festnahme erfolgt ist, vor- zuführen. Letzterer hat den Festgenommenen spätestens am Tage nach der Vorführung zu vernehmen und über die Anordnung der ödaft oder die Entlassung die Ent- scheidung zu treffen. In frivoler und gemeingefährlicher Weise hat sich der Mülheimer Arbeiter- und Soldatenrat gegen diese die persönliche Freiheit der Bürger gewähr- leistenden gesetzlichen Bestimmungen hinweggesetzt, unS des Gebrauches unserer persönlichen Freiheit beraubt und uns dem über unsere Verhaftung zur Entscheidung allein zu- ständigen Amtsrichter entzogen. Desselben Vergehens hat sich der Polizeipräsident zu Berlin schuldig gemacht, dem wir von dem Arbeiter- und Soldatenrate in Mülheim-Ruhr zugeführt worden sind, und der nicht sofort veranlaßt hat, daß wir dem für uns zuständigen Amtsrichter vorgeführt worden sind, sondem unS drei Tage in Berlin noch in Äaft gehalten und uns schließlich nur infolge Eingreifens höherer Instanzen(Rat der Volksbeauftragten und preußi- sches Ministeriums aus der Äaft entlassen hat. Nicht nur wegen der uns widerfahrenen Llngesetz« lichkeit, sondern im Interesse der den Bürgern durch Verfassung und Gesetz ge- währ leisteten persönlich en Freiheit, verlangen wir scharfe Bestrafung der Schuldigen. Gerade sie haben die Gewährleistung der persön- lichen Freiheit als erstes Gesetz eines geordneten Staats- Wesens stets gefordert und verlangt, gegen welches sie jetzt im Augenblicke der an sich gerissenen Gewalt in so frivoler und das Wohl und Wehe des ruhigen Staats- bürgers gefährdenden Weise verstoßen haben. Wir be- anttagen ferner zusammen mit dem unterzeichneten Kaufmann Äugo Stinnes die Bestrafung des verantwortlichen Redakteurs C. Minster der zu Mülheim-Ruhr erscheinenden Zeitung„Freiheit", wegen der in dem am 8. Dzember er- schienenen Extrablatte enthaltenen schweren Verleumdungen, deren Hervorhebung im Einzelnen es nicht bedarf, wenn man sich den Inhalt dieses verleumderischen und aufrührerischen Machwerkes vergegenwärtigt. Schließlich bcanttagen wir alle die Bestrafung des zweiten Vorsitzenden des ArbeiterrateS der Stadt Mül- heim-Ruhr, L>erm Serfort, wegen der verleumderischen Beleidigungen, die er in der Rede in der öffentlichen Versammlung im Schuck'schen Saale zu Mülheim-Stymm am 8. Dezember 1918 gegen uns nach dem stenographischen Berichte der Mülheimer Zeitung vom 9. Dezember 1918 ausgesprochen hat. Er hat in die Versammlung hinein- gerufen, es sei bewiesen, daß die Stinnes und alle die Machthaber der damaligen Ordnung in aller Form dazu übergegangen seien, Deutschland an die Entente zu ver- kaufen, weil ihnen der Achtstundentag, die Löhnhöhe und vor allem der Arbeiter- und Soldatenrat in Mülheim im Wege seien. And diese verleumderische Beleidigung hat er in die Massenversammlung hineingerufm, obgleich er am Sonntag, den 8. Dezember d. I., genau wußte, daß die Angeschuldigten von dem Mülheimer Arbeiter- und Soldatenrat über die gegen sie erhobenen Anschuldigungen noch nicht einmal unterrichtet, geschweige denn wegen dieser Anschuldigungen vernommen worden waren. ES bedarf nicht der Hervorhebung, daß die Verfolgung dieser Beleidigungen im öffentlichm Interesse liegt. August Thyssen. Jrih Thyssen. Direktor Dr. Roser. Direktor Dr. Härle. Direktor Secker. Sergassessor a. D. Stens. Dr. Gerharö Küchen. Direktor Virtz. Eömunö Stinnes. Hugo Stinnes. ücher der Neuen Zeit! 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