Jlr.BoOa* 3s». Jahrg. «ezugSvrets: EterteliäSrl. fli75 MI. monatL2,2S SRI. frei in? Haus, voraus, ad char. Einzelne Nummern 10 Pfennig. Pollbezug: Monailich 2.2b Ml. exll. Zultellungs. gebühr Ilmer Kreuzband für Deulsch- land u. Leslerreich-Ungarn>,b0 Ml. für das übrige Ausland KbO MI. bei täglich emmaligei.-fuiieflung 7.5ü Ml. Poilbeilellunaen nehmen an Dänemark. Holland Luxemburg. Schweden und die Schweiz Eingetragen in die Pnst..lellunas>Preisli!le. Der.Lorwärls' erichenl wochenläglich zweimal. SonnlagS einmal. Abend Ausgabe. Telegramm-Adrefle: .Sozialdemokrat Berlitt». ** f Verlinev VolksblAtt. flO Pfennig) Anzeigenpreis: Die achigespaliene Nonpareillezrile lonei dv Pfg..«tleine Anzeigen", das■cttflcbniätc Äori 40 Pig, zulässig 2 ietlgedruckle Sorte), ,edee weitere SBon 20 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort 80 Psg.. ,edes wettere Wort lb Pfg. Worte über lb Luchstaben zählen für zwei Worte Teuerungszuschiag SO»/. Familien-Anzeigen, volitiiche und gewerlschartüche Setein«- Anzeigen 80 Pfg die Zeile. Anzeigen-ür die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags im Haudtgeichäsl Berlin EW.'lS. Lindenstraste 8. abiegeben werden.(Seöffnei von 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends. Tentralorgan der rozialdemokrat» f eben parte» Dcutfcblands. Redaktion und«Expedition: SV. H8, Linüenstc.?. Fernsprecher! Amt Mortnplap. Nr. t.'»l SO— lS» S7. Sonnabend, den 21. Dezember IV18. vorwärts-verlag G.m.b. h., SV. H8, Lindenstr.?. Fernsprecher: Amt Morwplatz, Nr. 117 53—54. ebensmittel für die Mttelmsebte. Seginn der Seratungen in Sern. L o n d o n. 21. Dezember.(Reuter.) Der„Dailt, Expreß" erfährt, daß der Lebensmittelkontrollcur H o o v e r am Mon- tag mit Vertretern der Stadtgemcindc Wien in Bern zusammentreffen wird. Vertreter der britischen und französischen Regierung werden der Beratung, die sich um die Bedürfnisse der östcreichischen Republik drehen wird, beiwohnen. Ties ist eine Vorbesprechung, diedcnBcra- tungcn über die ganze Frage der Lebens- mittelvcrsorgung der Mittelmächte voran- gehen wird. Das internationale Sureau. Tie frauzöfifchen Sozialisten sind einverstanden. Bern, 20. Tezemster. Wie»Progres de Lyon' aus Paris er- fäbri, bar der sländige VcrwajiungsauSichuß der Sozialifti« fchen Parrei beiebloffen. Huhsmans zu benachrichligen, daß die franzönichen Delegierten sowohl nach Genf als auch nach Lau- sonne kommen werden. T>e Houpliache fei, daß das Bureau der Iniernarioiiale und später der Lnreruarionale Kongreß zusammen- trete._ Neue Zerftucklungspläne ües Zentrums. „Ptepublik Lbcrschlesten". Tie oberschlesische Zentrumspresse enthält in ihrer Auf- läge vom 18. Dezember eine übereinstimmend lautend- Erklärung, die zur Bildung einer unabhängigen Republik Ober- s ch l e s i e n unter der Garantie von Deutschland, Po- lcn und dem Tschechen st aat auffordert. Hierzu teilt daS polnische Kattowihcr Blatt„Gazcta Ludowa" vom 20. D zember mit, daß von den Anhängern dieser Idee bereits drei Ab- gesandte nach Prag geschickt worden seien, um mit Mosa- r y k zu verhandeln. Dieser habe ihnen erklärt, daß die Tschc- che» Anspruch auf Teile Oberfchlesiens machten, aber einer Republik Oberschlesie» sympathisch gi gcnllbcrstand-n. Alles hänge von der E n t e n t e ab. Er Hobe eine,-. Kurier nach Paris gesandt, um über diese Arngc Be- scheid zu erhalten. l Auch hier arbeitet wie in Nheinland-Wcstfalen das Zentrum den Aufteilungsplänen unserer Feinde bewußt in die Hände. Unter der Parole:„Los von Berlin!" und„Los von Preußen!" treibt es eine Politik, die in Wirklichkeit„Los vom R e ich l" bedeutet. Um sichere Domänen des klerikalen Einflusses zu belialten, sprengt das Zentrum das Reich in die Luft. Wir sind überzeugt, daß diese Politik, die Lebensinteressen des ganzen deutschen Volkes, auch der Arbeiterschaft, verrät, bei den Wahlen zur Nationalversammlung die gebührende Quittung erhalten wird._, Die französiscbe Negierung foröert Kriegs- entfcbäüigung. Neue Steuern für Frankreich. Bern, 20. Dezember. In der gestrigen Sitzung des Senats erlläile Nibol anläßlich der Eiörierung über die Verlängerung des Piiv Ie,'S der Bank von Frankreich, daß sich daS allgemeine Vudgel Frankreichs auf ungeiävr 17 Milliarden Frank belaufen werde, von denen acht Milliarden zur Zinienlilgiing der Kriegsanleihen ieien. Um die Finanzlage auszugleichen genüge eS nicht nur, Steuern zu erbeben, die selbst bei der stärküen Heranziebung des Kapitals jährlich nicht mehr als II Millioiden einbringen tönnien. Frankreich müsse dcS- halb vom Feinde eine große Entschädigung verlangen. Diele Franlieich zu leisleiide Eiil'chädiguiig müsse den Vorzug gegenüber ollen anbei en zu zahlenden Ei't''chädigungen haben. Die Ov'er. die Frankre'ck gebracht babe, und die größer seien als die der Alliierten, rechtfertige» dieies Veilangen. Bekomme Frankreich die Priorität nicht, so drohe eS unier den ungebeuren Lasten zusammenzubrechen. Wenn die Enrichädigung zum Ausgleich nicht genügend sein sollte, müßten die Laiien und Emnabmeguellen linier den Alliierien zusammengelegt weiden, um den Verpflichmnaen nachkommen zu können. Hat man sich in Frankreich auch schon einmal die Frage vorgelegt, ob Deutschland— das jetzt durch ungeheuetliche Perichärsung der Blockade und der WaffensliUstandsbedin- gungen völlig rtliniert wird— überhaupt in der Lage ist, Kriegsentschädigung zu bezahlen? Rädel nicht in Berlin. Die Nachricht bürgerlicher Blätter, daß der bolschewistische Propagandackef in Berlin sei, ist falsch. Ein Telegramm der russischen Telegraphenagentur erhebt Beschwerde, daß die russischen Deleg.erten für den deutschen Rätekongretz von den deutschen Ostsoldatenräten nicht durchgelassen worden sind.« Die Unabhängigen bleiben im Kabinett. Erschwerung ihrer Stellung durch die eigenen Partei- genossen. Die„Freiheit" ist mit dem Verhalten ihrer Parteigenossen aus dem Kongreß nicht recht zufrieden. In einem S. N.(Siegfried Nestriepke) gezeichneten Artikel bedauert sie die Nicht- beteiligung der Unabhängigen an der Wahl des neuen Voll- zugsrats und schreibt: Indem man auf die Wahlbeteiligung verzichtete, begab man sich ein-s wichtigen Mittels, aas die künftige Politik einzuwirken. und brachte überdies die der Unabhängigen Partei zugehörigen Bolksbeauftragten in eine schwierige Lage. Sie werden es künftig- hin lehr viel schwerer Hecken a>ls bisher, ihren Einfluß geltend zu machen und die Politik der Regierung in sozialistischem Sinne vor- wärts zu trecken. Ganz auf eine Einwirkung innerhalb der Re- gicrung zu verzichten, auch die Mitarbeit im Rat der Volksbcauf- tragtcn einzustellen, wie von dem linken Flügel des Kongresses auf eine Mitwirkung im Zentralvollzugsrat verzichtet wurde, kann aber nicht als Ziel erscheinen. Di« bisherig« Entwicklung hat ge- zeigt, daß unsere Genossen im Rat der Volksbcauftragten wohl mit Hemmungen zu kämpfen hocken und nicht alle ihre Wünsche durch- zi> setze- vermockten, daß aier ihr Einfluß doch auch uichl wir- k u n g s l o s blieb. Ein Hinausgehen könnte nur dazu beitragen. die revolutionäre Energie der Regierung noch weiter zu schwächen und bürgerlichem Einfluß Tür und Tor zu öffnen. Von dem Ausscheiden unserer Genossen aus der Regierung oder der Nicktteilnahme am ZentralvollzugSrat eine revolutionie- rertde Wirkung draußen, in der Arckeiterschaft, zu erwarten, scheint nickt angängig. Man wird die Notwendigkeit einer solchen„reinen" Oppositionspolitik nickt einsehen. Um die Revolution zu sichern um den Neubau der sozialistischen Republik durchzuführen, erwar- ten die lKassen jetzt ein Z u f a s se n aller revolutionären Kräfte. Das bedingt nicht ein Aufhören der Gegensätze inner- halb der proletarischen Bewegung, aber eS verlangt ein M i t e i n- anderarbeiten, soweit jeder Teil wenigstens willig ist, die proletarischen Ziele der Revolution nicht zu verraten. Der Artikel gibt dann zu, daß die Aussichten der Unab- bangigen„nicht besonders günstig" sind. Es sei„nicht zu übersehen, daß innerhalb der Partei eine ge- wisse Uneinigkeit über die Methoden der im Augen- blick zu verfolgenden Politik herrscht". Im Wahlkampf gelte es aber eine Mehrheit zu gewinnen für den Aufbau der sozialistischen Revublik. Daraus folgt: das Ziel, auf das auch die Unabhängigen mit aller Kraft hinarbeiten müssen, ist der Sieg der alten sozialdemokratischen Partei, von der sie sich vorübergebend getrennt baben. die sie leidenschaftlich befebdeten, von deren Erfolg aber, wie sie setzt selber einsehen, für die Sache des Sozialismus alles abhängt._ Der MaDen�brei nack E'niakeit. ftfür einen unabbnngiqen Pn'-teitaq. In der unackbänglgen Zeit'ckrist„Der Sozialist"(hcramSge- geben von Dr. Ruck. Breitscheid) schreibt K. Marchionini: ,Ln den Massen ist jetzt kein Sinn für Bruderkämpfe. Sie wollen vor allem die Ergebnisse der Revolution sickern, und sie wissen, daß sie dazu eine sozialistische Einheitsfront brauchen. Lassen wir uns nicht erst von den Massen in diese Linie drängen, sondern gehen wir ihnen voran. Damit dienen wir am besten dem Sozialismus. Notwendig ist. daß wir über diese einzige Frage uns auf einem Parteitag verständigen, der s ck o r t ein- berufen werden kann. Schafft er klare Verhältnisse im Sinne des Sozialismus, so verstärkt er die proletarische Scklachtfront ganz ungeheuer, und die Gegenrevolution hat keine Aussicht auf Triumph unld Erfolg. Das preußistbe wahloefetz. Wr bereits gemeldet, wird das preußische Wahlgesetz im Laufe dieses Tages verabschiedet werden. Die P. P. R. erfahren dazu, daß eS wahrscheinlich anch noch heute abend veröffentlich fcierden wird. Es sieht 230 Kreise und 101 Abgeordnete vor. Regierung und Oberste Heeresleitung. Einigung über die Kommandogewalt. Die zwischen dem General Grocner namens der Heeresleitung und dem Rat der Volksbeauftragten geführten Verhandlungen über die Beschlüsse des Räte-KongresseS betreffend die Ausübung der Kommandogewalt haben, nach der Meldung eines hiesigen Mittagsblattes, zu.einer Verständigung geführt. Die Einzelheiten der Ver- ständigung sollen in kürzester Frist bekanntgegeben» werden. Der Abbruch der deutsch-polnischen Seziehungen. Von Dr. Paul Roth. In Polen brach mit dem Okkupationsregiment auch die Herrschaft des polnischen Regcntsckfastsrates zusammen, der, gestützt von den Okkupanten und einigen kleinen überwiegend konservativen Gruppen im Lande, bis dahin die polnische Staatlichkeit verkörpert hatte. Schon am 7. November, noch vor dem Ende der Okku- pation, erklärte eine aus Sozialisten und Volksparteilern ge- ! bildete Polnische Regierung den Regcntschaftsrat für gestürzt, !und als am 11. November die Auflösung des Generalgouver- ! nements Warschau begann, die dann, dank der Tätigkeit des deutschen Soldatenrates und dem Eingreifen Pilsudskis sich in fast unblutiger Weise vollzog, waren die Tage de? ■ Regentschaftsrates gezählt. Er dankte ab und übertrug Pilsudski die oberste Gewalt im Staate. Pilsudski bildete : ein Kabinett, das überwiegend ans Vertretern der Polnischen Sazmlisti.'chen Pirwi"nck bor Palk-p-.'-t-i hofWi, i.nb Jwtf.n ; Vorsitzender— anfänglich Daszynski, der mach wenigen Tagen ersetzt wurde durch Moraczewski— der galizischen Sozial- i dcmokratie angehörte. Damit waren in Polen die radikalen ! Unabhängigkeitsparte-en ans Ruder gelangt, die von jeher > j e d e Fremdherrschaft in Polen bekämpft hatten. Aber dieser Sieg, der rasch und leicht erfochten War, blieb nicht unbestritten. Der am wenigsten gefährliche Gegner | waren die ehemals zcntralmächtefreundlichen sogenannten a k t i v i st i s ch e n Parteien, die sich zunächst umsonst be° mühten, durch demonstratwes Umschwenken aus die Seite der i Entente die Gunst der öffentlichen Meinung zu gewinnen. i Gefährlicher war bereits die linksradikale, die staatlichen l Ideen der russischen Bolschewiki vertretende„Sozial- !demokratie des Königreichs Polen und Li- ! tauen", d'e gerade jetzt eine Verschmelzung mit der ihr programmatisch nahestehenden sogenannten„Linken" der , Polnischen Sozialistischen Partei anbahnt. Dieser l'nke I Flügel des Sozialismus besaß nicht nur in der Arbeiterschaft i der Industriegebiete Polens starken Anhang, sondern bcein- i flußte auch die Anhänger der Polnischen Sozialistischen Partei in radikalisierendcm Sinne. Aber auch diest Richtung war. zumal sie sich zurückhielt und vorderhand wesentlich an ihrer Organisierung arbeitete, keine unmittelbare Gefahr für das Kabinett Moraczewski. Diese Gefahr drohte vielmehr von rechts, von der reaktiv- nären Seite her. Un�er Führung der Nationaldemokratie som- melten sich die in ihren Klasseninteressen bedrohten besitzenden Elemente, und da sie sich zunächst nicht stark genug fühlten, aus eigener Kraft das Kabinett Moraczewsft zu stürzen, führten sie als Hilfe und Waffe die Entente ins Feld, die Entente, mit der die Nat'onaldemokratie seit langem in so engen Beziehungen stand, daß man ihr Streben nach einem- wirklich unabhängigen Polen ernstlich bezweifeln konnte, und in der sie unter den gegenwärtigen Verhältnissen vor allem den Schutz gegen die rote Gefahr erblickte. In diest schwierige innervolitische Situation kam der deutsche Gesandte Graf Keßler hinein, als er am 2». November— selbstverständlich nach vorher eingeholtem Agrement der polnischen Regierung, wie zur Abwehr gegen- teiliger Behauptungen nationaldemokraßischer Blätter betont sei— in Warschau eintraf. Sofort machte die Nat'onaldemo- kratie aus der Anwesenheit e'nes dei'tschen Vertreters in Warschau einen Aaitationsstoff ihrer Partci'ntcressen. Es war leicht, den durch die sahrrehntelanae Ostmarkenvolitik Preußens und durch die mehriähriae Okkupation ae-üchteten Deutschenhaß so w-it zu schüren, daß er aewisse Elemente der Straß? zu einem allen internaiionalen Gebräuchen Hohn- sprechenden Benehmen geoen die de'�lche dlesandtschaft hinriß. die selbst durch polni'ches Militär nickst vor dem Ein- dringen von Demonstranten geschützt werden konnte. Skrupel- lose Methoden der Agstation, die vor ke'ner Verleumdung zrmicklchreckte— man gina'o weit, dst deutsche Vertretung als Spionagebureau hinzustellen—. und auffallend reichliche Geldmittel, die die Beastindung von fünf reai'"-un'7Sfcind- lichen Blättern innerhalb weniaer Wochen enrögl'dstnu erleichterten der Nationaldemokratie den Kampf. UebrigenZ spielten Postner Polen mit Kortanty an der Stütze bei der Agitation aegcn die polnisch« Regierung und leider auch in der Verdächt' m'ng der Ehrlichkeit der deutschen Revolution eine führend« Rolle. I Die deutsche Gesandtichaft hielt dem Sturm stand. Sie liejj sich weder durch Unfreundlichkeiten von amtlicher Seite noch durch die Provokationen der Straße davon abbringen, die sachlichen Verhandlungen fortzusetzen, um über die wich- tigen Fragen der 3! ä u ni u n g d e r ö st l i ch e n E t a p p e n- gebiete, des ZtücftranSports der polnischen Arbeiter u. a. eine Verständigung zu erzielen. Leider arbeitete Ober-Ost nicht im gleichen Sinne «it. sondern hemnite u. a. durch die aus der Geschichte des Krieges bekannte so verhängnisvolle Vorschützung„technischer Unmöglichkeiten" den Fortschritt der Verhandlungen. Immer- hin war beim Abbruch der Beziehungen der Vertrag wegen der Räumung der Obero st gebiete fertiggestellt und teilweiw bereits unterzeichnet, und zwar war er durchaus den polnischen Wünschen entsprechend auegefallen. Pilsndski und das Kabinett Moraczewski hatte Wohl die gute Absicht, die politische Richtlinie, die sie Dcutschlai'd gegenüber durch die Anerkennung eines Vertreters vorge- zeichnet hatten, auch innezuhalten. Aber der Druck war zu stark. Allzu erfolgreich war die Agitation, die als Früchte einer Erklärung Polens für die Entente Großpolen in historischen Grenzen, Lebensmittel in Hülle und Fülle und -- Schutz des Besitzes verheißen konnte. Einem erneuten Sturm nach vorübergehendem Abflauen der Agitation gab das Kabinett nach, und die Wahl des milderen Ausdrucks „S u s p c n d i e r u n g" der Beziehungen sowie der Hinweis auf deren Wicderanknüpfung zeigen in der Rote der Polin- scheu Regierung, daß sie wenigstens die Konsequenzen ihres Schrittes nach Möglichkeit mildern wollte. Trotzdem werden diese Konsequenzen nicht ausbleiben. Ter w a b r s ch e i n l i ch e S t u r z d e s K a b i n e t t s dürfte innere Kämpfe in Polen entfesieln, die die bisherigen an Schärfe weit übertreffen. Wenn ferner der Abbuch der Ver- Handlungen für wichtige Fragen wie der Räumungen im Osten unliebsame Folgen haben sollte, so trifft die Verant- wortunq hierfür sicher nicht die deutsche Seite, die bei diesen Verhandlungen unter einer erheblichen Selbstverleugnung bis zuletzt ausgcbalten hat. Und ob dw Hilfe der Entente für Polen so selbstlos sein wird, wie es ihre nationaldemokratischen Anhänger hinstellen, dürfte abzuwarten sein. Schrieb dock selbst der gut unter- richtete und vorsichtige„Kurier Warszewski", ein durchaus ententefreundliches Blatt, noch vor wenigen Tagen davon, daß in Ententekreistn gewisse Strömungen für eine Wieder- aufrichtung eines föderativen Rußlands mit möglichst weit vorgeschobener Westgrenze wirksam seien. weiteres vorürmsen öe? Solstbewiki. Nu» Bern werden Nechnchten gemeldet, die das französische „Z»urn«l des DebatS" über weiteres beunruhigendes Vordringen bolschewistischer Truppen nach Weiss-Rußland, Kurland und der Utrainr erhalten hat. Danach hat die russische Rote Armer dir Ofsrnsior rrgrissen und beabsichtigt, bi» zur deutschen Grenze zu marschieren, um sich dort mit den„deutschen Brüdern" zu vereinigen und die Revolution in Deutschland zu„schüben". Die deutschen Armeen ziehen sich zurück, wobei sie einen Teil ihres Netrrial« den Trolzkischen Divisionen überlasten. Versenkung üer öeutscken Kmgsjchiffe! Streit um die Verteilnng. »mstervam, A>. ckjiWlber.."'$itch einem Telegramm ver AI»« oiated Preß haben, wie ein hiesiges Tkatt meldet, die amerikanr- fchen Delegierten bei der Friedenskonferenz beschlosten, da�ür ein- zutreten, daß die ausgelieferten feindlichen Kriegsschiffe versenkt tnerden, damit nicht bei ihrer. Bcrteilung Zwistigkciten entstehen. Dir Eric EeddeS soll diesem Plan bereits zugstimmt haben. „Die armseligen Sssenbmöer� Erstaufführung in der Volksbühne. Die Zeit ruft, stürmt, dröhnt uns in die Seele: Hoffet und harret nicht bloß auf das Lebensglück, daö ihr für euch fordern sollt! Kämpft darum, auf daß es bald und schnell als ein leuch- tender Befreier hereinbreche! Nun kommt Carl Hauptmann und lockt un» imt einem„alten Märchen" vom unstill gläubigen, immer nur harrenden Sehnen nach„Glück" aus schwerer Gegenwart hinaus. Zurückzuretden versucht er unS in längst vergangene Zei- ten, da das Volk noch ein reines, großes Kind lvar. Wer ist denn dieser Dichter, daß er solches wagen darf? Bloß einer, der Trug- gold ausgibt? Oder doch mehr? Dchon als nur wenige Szenen am Geiste vorübcrgeglitten, war zu erkennen, daß da einer von untergründigen Seelen weiß, in denen wilde, starke Triebkräfte neben zarten, unverdorbenen hausen, daß eä einfaches Volk, in diesem Falle armselige Prole- tarier, also infolge ewigen Elends zutiefst stehende Menschen so- zusagen„unter der Hülle" gibt. Zwischen Carl Hauptmanns Er- Zählungen— und sie handeln, seine besondere Vorliebe verratend, zumeist von abenteuerlichen Gestalten, fahrenden Gesellen, kurz, von Kreaturen, die mit oder ohne eigene Schuld am Lebenswege gestrandet sind— ist eine Skizze„Der Haß",-in wahrer Dramen- torso in knappester Form. Darin find„die armseligen Besen- ' binder" vorgezeichnet: der Alte, sein Wetü, sein Sohn und besten Weib. Aber sie tragen doch nur wenig wefenSverwandte Züge. Dort sind sie in gegenseitigem Haß verdarbt. Hier lebt doch ein Fünkchen höheren McnfchiumS in ihren Seelen dumpfer, stumpfer Verzweiflung. Ter alte Sohnrey dort, der alte Naschte hier weiß aus eigenem Dasein: cS steckt jeder mit einem Fuß in Verbrechen und Schande; mit dem andern, ja, Ivo denn nur? Ach. zwei Deelen wohnen in jedes Menschen Brust. Und so hat Raschle seinen Glauben an«inen Sohn, der zwar irgendwo draußen in weiter Welt bresthaft versunken und verschollen ist, für ihn aber doch noch lebt. Für ihn steht fest: einet Taget wird dieser Sohn wiederkehren, weil er ja nur auszog, das Glück zu suchen, und weil er selber glaubte und versprach, daß er heimkehren werde. Gewiß, der Alt« und seine Sippe, sie sind als gemeine Spitz- Huben und Tagediebe zu Jahren gekommen. Dennoch, soviel kind- hafter Märchenglaube in dcS GreifeS Brust? Und dennoch soviel Unbeflecktheit bei Rapunzel, de» Verschollenen jugendlicher Tochter, obgleich das Kind mit all den Sündern unter einem Dache Hausen muß! Merkwürdig— wieviel grüblerischer Sinn und träume- rische Yersonnenhei: in diesen schlesischen Gebirglern steckt I Je trister ihr Elend, desto inbrünstiger ihre GlückZanbetung. Tie gehen wohl meist dahin, ohne irgendeine», wenn auch nur winzigen Glücke» teilhaftig geworden zu sein. Aber sie sterben mit diesem Traum, und der Tod hat für sie nichts schreckliches, denn er kommt als Tröster: er ist das wahre Glück. So läßt Hauptmann den alten Naschte sterben. So still kommt„Motz Gothla", Knochen- wann und Fiedler in einer Gestalt, über ihn, daß eS die Zu- schauer kaum mehr merken, als seine überraschten jungen Leute. Aber lZngarn will sich nicht zertreten lasien. Höchste Zuspitzung der Lage. Budapest, 20. Dezember.(Meldung des Ungar. Telegr.-Korresp.- BureauS.) Ein zu später Nachtstuüde versammelter Minister- rat hat beschlossen, die Zumutung des rumänischen Be- fehlshaberS in Siebenbürgen abzulehnen, wonach die Räumung nicht nur der Stadt KoloszVar und ihrer Umgebung, sondern auch der ganzen 26 Komitate. auf die sich da» rumänische Imperium erstrecken soll, verfügt wird, da sie den Bedingungen des Belgrader WaffenstillstandsabkommenS zmvidcrläuft, in deren Sinne die ungarische Regierung bloß das durch die Dcmarkations- linie begrenzte Gebiet militärisch zu räumen habe. Wohl sei im Belgrader Abkommen der Entente bat Recht vorbehalten, strategisch wichtige Punkte auch außerhalb de? geräumten Gebiet» zu besetzen, doch lege da? Abkommen der ungarischen Regierung nicht die Pflicht auf, ihre militärischen Kräfte auch von diesen strategisch wichtigen Punkten zurückzuziehen. Vielmehr gehe auS dem Belgrader Ver- trag deutlich hervor, daß sich das Recht Ungarns, eine Streitmacht von seck?s Infanterie- und zn'ei Kavalleriedivistonen zur Wahrung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zu unterhalten, auf das Gebiet. diesseits der Demarkationslinie erstrecke. Da» Kabinett Karolpi hat daher die erwähnte Zurücknahme der ungarischen Truppen nicht verfügt, sondern bloß angeordnet, daß diese sich jeden Zusammen- stoßcS mit den rumänischen Truppen enthalten. Die ungarische Regierung hat den französischen Oberstleutnant Vyx von dieser ihrer Stellungnahme amtlich verständigt und ist entschlossen, a» ihrem Entschlust unter allen Umständen festzuhalten. Kampfansage ües Zentrums. Rede Tr. Spahns. In einer Versammlung des Zentrumsvereins Berlin- Mitte hat am Tonnerstaq der frühere Justizminister Tr. Spahn der Sozialdemokratie den 5�ampf angesagt und gleichzeitig für das Zentrum die Führung der bürgerlichen Parteien im Reichstag beansprucht. Er sagte nach dem Bc- richt der„Germania": Ich habe schon im Jahre 1888 in einer Rede in Bonn den Ge- danken entwickelt, daß die Verhältnisse dahin führen würden, daß das Zentrum die führende Stellung im llieichstag einnehmen würde. Nicht so, daß da» Zentrum für sich in Anspruch nehme, die anderen Parteien führen zu wollen, aber doch so, daß um da» Zentrum als dem Mittelpunkt die anderen bürgcr- liehen Parteien sich gliedern. Bor zwei Jahren habe ich noch in einer vertraulichen Konferenz gegenüber dem sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. David betont, daß die Zeit kommen werde, wo der Kampf zwischen Zentrum und Sozialdemo- kratie ausgekämpft werden müsse. Die Zeit für das Ge- sagte scheint jetzt gekommen. Wir haben in den letzten Jahren der Sozialdemokratie wiederholt den Steigbügel gehalten, damit sie auf dem Pferd bleiben konnte. Wir taten die», getragen von dem VcrantwortttchkeitSgefühl für die Mit- Wirkung aller Volkskreise an der Regierung. Die Fortsetzung dieses unseres Verhaltens wird in der Zukunft nicht nötig sein. Glauben die führenden Männer der Sozialdemokratie, unS den Kampf ansagen zu können: wir scheuen ihn nicht, wir sind bereit. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser Kampf mit dem Untergang des Zentrums enden wird. Die Sozialdemokratie will das Recht der Katholiken, ihre Kinder in ihrem Glauben oit erz'elwn, nicht uNtüsten. Sie fordert nur Freiheit und gleiches Recht für alle Bekenntnisse. Sobald die katholische Bevölkerung eingehen wird, daß für einen„Freiheitskampf" Äes Katholizismus kein Anlaß besteht, wird das Zentrum am Ende seines Lateins sein. Und diese Stunde wird früh genug kommen. das ist, weil hier«in Eigner als Schöpfer am Werke ist, einer, der feinen Atem hat, seine vom Herkömmlichen abweichende Sprache und AusdruckZformen, darinnen ein gut Teil Erdigkeit und Bodenständigkeit waltc. Es ist wahr: metaphysisches und Menschliches- Allzumenschliehe» erscheint hier nebeneinander. Jedoch ließe sich kaum ein anderes Beispiel nennen, von. dem man sagen könnte daß Wirklichkeit und Traumleben so restlos poetisch ineinander verwoben wären, als hier geschehen. Daß»un die Fabel an sich dramatisch wäre, dürft« nicht ein- mal sicher stehen. Trotzdem sind es bühnenhafte Vorgänge, die wir da vor uns sehen: Gcistigkeit(Biedermeier), Schauen mit ge- schlössen«» Augen, naturalistische Terblgkciten neben zarten Elfen- trittcn, herbste Tragik neben GrotZkhumor(GcrichtSszene). Aber reine Lyrik ist alles. Das Dichterische, das Schaffen von Innen heraus, ist hier wieder einmal entscheidend gewesen. Zur Verstär- kung dieser Wirkung ward das Naturelement angerufen, daZ sich im Treiben der schncestürmigen Winternacht offenbart. Und als ein wirklicher Poet zeigt sich Hauptmann besonders auch darin, daß er das Elend, ohne es sentimentalisch ,zu vergolden oder zu ver- hüllen, doch hinter- da? Menschliche rückt. Zu dem allen hat Heinz T h i e s s e n Gcigennwlodien von futuristischer Färbung und auf das originelle Liedchen von der Gleichheit aller Besen„drinnen im Himmelreich" einen wundcrlicb gesetzten Choral für Mcschchor erfunden. Desgleichen vertieften die von Karl Jakob Hirsch entworfenen Bühnenbilder und Kostüme die märchenhaft über spönnen« Realität aller Vorgänge. Die Darstellung hwie Stil. Guido Herzfelds Raschle be- saß eindringliche Schärfe der Charakterisierung und Glaubwürdig- keit. Lucre Mannheim(Rapunzel) war ein rührend reines Ge- bilde. Dc e Erscheinung deS Johannes Habundus, diese Verkörpe- rung det Traum» und Glaubens, die dem alten Raschle innersten Halt gibt, wurde von Konrad Rothauser poetisch erfaßt. Einig« episodische Figuren hatten in Herta Wolfs, Han» Fcl'.x, Agathe Berguma, JuluS Sachs und Harry Berber gute Vertreter. Der Dichter wurde von dem hingerissenen Publikum unzählige Male jubelnd hervorgerufen. Ein großer künstlerischer Erfolg fürwahr!' Ernst KreowSki. 5eank Weöekinö:»Die Süchse öer panöora". Kleines Schauspielhaus. WedekindS„Büchse der Pandora" ist Fortsetzung und Abschluß des„Erdgeistes", mit dem der allzu früh, in noch kräftigem Mannes- alter Verstorbene sich zuerst die Bühnen eroberte. Reinhardt?„Erd- gcist"-Aufsühningen im Kleinen Theater vor etwa anderthalb Jahr- zehnten machten den Namen des bis dahin nur in engeren Literaten- kreisen Bekannten mit einem Schlage berühmt und leiteten eine Periode des Wedekind-KultuS ein, in der die Eigenart und vielfach auch die offenbaren Schwächen feinet Schaffens als eine neue cpoche- machende Offenbarung ausgerufen wurden. Das primitiv Mario- nettenhafte seiner Figuren, die et immer nur zu Ansätzen mensch- licher Individualisierung, nirgends zu einer wirklichen Durchfüh- rung derselben brachte, sollte ein entscheidend bedeutsamer Schritt über die bisher erreichte, vom Naturalismus repräsentierte Entwick- fiöolf Wöstmann 6unAesratsbevoUmächtigter für Preußen. Berlin, amtlich. Dem Minister Adolf Hoffmann ist fol- gende Verfügung zugegangen: Die preußische Regierung hat Sie durch Erlaß vorn heutigen Tage zum Bevollmächtig- ten Preußens im Bundesrat ernannt. Sie werden hiervon mit dem Bemerken ergcbcnst in Kenntnis gesetzt, daß !>as ReichSamt des Innern und der Minister der Auswärtigen Angelegenheiten entsprechend benachrichtigt sind. S t r ö b e l. * Das gesundheitliche Befinden HoffmannS hat sich gebessert; der Arzt hofft nunmehr, den Patienten durchzubringen. Die Nitte? vom Kapital. Demokratische Geldsackpartei. Zu der Vorverlegung des Wahltermins auf den 19. Januar schreibt die„Demokratische Partei-Korrespondenz": Darum kann nur wiederholt werden: die kommenden Wahlen sollen zwar eine schwere Niederlage der Reaktion, sie sollen aber keinen Sieg des Sozialis mu s bringen. Inmitten einer privatwirtschaftlick, aufgebauten Welt können wir unS keine sozialistischen Erverimentc leisten. Unsere politische und wirtschaftliche Zukunft ist nur gesichert, wenn effrlichc staatS- bürgerliche Demokratie in den Stand gesetzt wird, da? Steuer- rüder de» ReicbcS zu ergreifen. „Ehrliche staatsbürgerliche Demokratie", d. h. unver- froren kapitalistische Demokratie. Hauptzweck der Temokratenpartei ist und bleibt: Bekämpfung des S o z i a l i S m u s. Das ist das„ganz Neue", das nach Prof. Weber geschaffen werden sollte.— Zu der„Neuheit" gehört vielleicht auch, daß Herr Ablaß als Vorsitzender der Orts- g'-'npc Hirschberg im Mitglicdervcrzeichnis der„Demokraten" au,. nacht!___ wie Kronprinz Rupprecht üesertierte. Der Heerführer als feige Memme. Ein Bericht, den der Vollzugsausschuß des Zentral- Soldatenrates in Brüssel über die Revolution in Brüssel erstattet, enthält aus Seite 26 interessante Angaben über das Ver» halten des ehemaligen Kronprinzen von Bayern, da? charakteristisch ist für die Art und Weise, wie viele Generäle bei Ausbruch der Revolution ihre Armeen im Stich ließen. Am Montag abend wandte sich Rupprccht von Bayern durch Vermittlung des Erzherzogs Luitpolds an den Zentral-Toldatcnrat »nd ersuchte um die Erlaubnis über d'e holländische Grenze zu gehen. Dies wurde zunächst abschlägig beschiedea und der Zentral-Soldatenrat suchte dem Kronprinzen klarzumachen, daß der Führer einer Heeresgruppe diese in der schwierig st en Lage nicht im Stiche lassen könnte. Es wurde ibm völlige Sicherheit seiner Person verbürgt. Jedoch Kronprinz Rupprecht war entschlossen, seine Trupven zu verlassen und ins?lusland zu gehen. Er begab sich in die spanische Gesandtschaft� und unter st ellte sich ih r e m Schutz. Am Dienstag morgen erschien Marquis de Villa Sobar im Vollzugsausschuß des Zcntral-SoldatenratS und ersuchte um Geleit für den Kronprinzen nach Holland. Er erklärte, dieser sei nun Spaniens Gast und die Ehre Spaniens fei engagiert. Darauf blieb dem Vollzugsausschuß rncht-S lvcitcr übrig, als dem Kronprinzen den Erenzübertritt nach Holland zu gestatte n. Der Bericht stellt fest: Kronprinz Rupprecht muß»# genau, daß durch seine Abreise nach Holland die überaus wichtige Verbin ng mit den Alliierten um einen Tag verzögert wurde in einer Zeit, da jede Stunde das Leben von Tausenden oe« deutete.— Trotzdcm ist er feige um seine persönliche Sicherheit besorgt desertiert. lnngSstufe seim Erst allmählich verloren die lleberlrcibungen dieser für die moderne Neigung zu«xentriseb-radikalen IlmwerZungen auf dem Gebiete der Kunst so charakteristischen Mode ihre einstige Zug- krast. Bewnder», als sich in den spä'ecen Dramen mehr und mehr herausstellte, daß Wedckind mit der ihm von der Kritik zugesvroche- neu Rolle eines Amoralisten jenseits von Gut und Böse keinefw-gS zufrieden war und allerhand, zum Teil freilich recht utopistische Hcilslehren propagierte. Jedenfalls ist es ein überraschendes Symptom für den inneren Umschwung, daß«in Berliner Vremierenpublikpm in der ersten öffentlichen Aussührnng de» früher überall verbotenen Pandora- stück- am Schluß durch Zischen demonstrierte. Prüd rie oder ireend- eine Voreingenommenheit wird sicher nicht der Grund gewesen sein. Ebenso wenig reicht der Hinweis auf das Gräßlickx der leHen Szenen zur Erklärung hin. Nach dem SiogeZzug der JMenich n „Gespenster" ist man in dieser Hinsicht aboehärtet. Aber dem Gräßlichen fehlt hier da? Gepräge des innerlich Zwingenden. ES martert, aber cS evgveikt nicht. DaS düstere Gemälde diese? Aus» gangs hat— nicht in seinem Kern: daß Lubu als arms lige Prosti- tuiertc in einer Londoner Dachkammer endet— wohl aber in der näheren Ausmalung zuviele Züge unmotivierter Willkür, die in ihrer krassen Häufung abstoßen. Wieder und wieder muß sie mit einem von der Straße aufgefischten Gast erschein'», bis sie schließ- lich unter den Messerstichen einer vertierten Bestie, Jack de? Auf- schlitzers, ihr Leben aushaucht. Da» Uebermaß und Raffinement der Effekte läßt es nicht zu einem überzeug-nd lebendigen Getübke de? schicksalhaft Notwendigen, um dessentwillcn man die O»al de? Anblicks gerne tragen würde, kommen. Und die» tKcküW der Will. kür, die Wesentliche» nicht sowohl von innen der gestaltet, alz durch ein Spiel von bunt ersonn'neu Kombinationen illustriert, bealeitet einen durch das ganze Stück: bei Lulu» abenteuerlicher Flucht aus dem Gefängnisse mit Alwa Schön, dem Sohn de? Mannes, welchen sie erschossen, wie in den Szenen des zweiten Aktes, die ihc Treiben in einem Kreis Pariser Hochstapler-Halbwelt schildern. Die Verkörperung der weiblichen Hauptgestalt durch Ger» trud Eysoldt stand auf der gleichen Höhe, wie einst ihr«..Erd- geist"'Lusu. Die animalische Triebkraft, der zügellos herrschsüchtige Eigenwill« der Begcerde verbanden sich mit kindbaft we'chcr Er- fcheinung zu reizvoll eigenartigem Ganzen. Hermine Körner war eine eindrucksvolle Grästn©esthwitz, wenn auch nicht von jenem Grade der Geschlossenheit, die Mario Mayer vor Jahren in der VercinSvorstellung d«S Hebbeltbeatecs dem unglückseligen, sich in ewiger Sehnsucht verzehrenden Zwitter gab. Unter den männl'chen Figuren trat I a n n i n g S brutaler, salonmäßig zurechtgestutzter „Springfritze" und Werner Kcauß als ältester verwitterter Beschützer Lulut in ausgezeichneten Charaktermasken«cht Wcde- kindscher Färbung hervor. Tie Regie führte Karl Heine. Conrad Schmidt. Notkhen. — Theater. Wegen plötzlicher Erkrankung von Rosa Ver- ten» wird die Erstausführung von Unruh»„Ein Geschleckt", die für dc« Gesellschaft„Das junge Deutschland" für den 22. D«» zenrbcr geplant war, um etwa eine Woche verschoben. Sühne für öas herunterreißen roter Zahnen. In Brcmdenbnrg a. H. hatte am 18. Dezember das einrückende S. Bataillon de» Rcscrve-Jnfanterie-RegicmtenS 206 unter Führung einiger Offiziere rote Fahnen heruntergerissen und verbrannt und den A.-und S.-Rat auseinanderzutreiben versucht. Die sofort alarmierte Garnison stellte die Ordnung wieder her und nahm die beiden Hauptschuldigen Offiziere in Haft. Nach zweitägiger Ver- Handlung bequemten sich diese sowie ein Mitangeklagter Vizefcld- wcbel zur Abgabe folgender össentlichen Erklärung! Namens der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des 2. BchaillonZ Res. Jns.-Regt. 206 sprechen die Unterzeichneten ihr tiefstes Bedauern über das Herunterholen der roten Fahnen und der übrigen sich daran anschließenden Vorkommnisse bei ihrem Einmarsch in Brandenburg, aus. Durch mangelnde Auf- klärung und durch Einflüsterungen falscher Gerüchte über die Tätigkeit des hiesigen Arbeiter- und Soldatenrats und Abgabe der Waffen wurde in der Truppe leider eine Stimmung erzeugt, die zu den bedauerlichen Ausschreitungen am Bahnhof und in der Stadt führten. Gegenrevolutionäre Bc- strebungcn liegen uns durchaus fern, denn wir stehen sämtlich auf dem Boden der Regierung Ebert-Haase. Die inzwischen cnlf dem Rathause geführten Verhandlungen haben zu einer völligen Klärung der Situation beigetragen. DaS Wiederauf- ziehen der raten Fahnen erfolgt durch die Beteiligten des Regi- mentS unter militärischen Ehren. Wir hoffen, daß nach dieser Wiedergutmachung das Einvernehmen zwischen der Bürgerschaft und uns vollkommen wiederhergestellt»st. Schulze, Lt. d. R. und Ordonnanzoffizier. Kühn, Lt. u. DataillonSadjutant. Schwitzki, Vizefeldwebel. So geschah es auch. Unter den Klängen der Rcgimcntsmusik Und unter Führung der am meisten an der Entfernung beteiligten Offizier« wurden die roten Fahnen überall mit großem Jubel wieder von denen gehißt, die sie niedergeholt hatten. AuZ Wilhelmshaven wird gemeldet: Das am Montag aus dem Felde zurückkehrende 2. Bataillon des 2. Marine-Jnfanterie-Re- kümentS weigerte sich, in die Kaserne einzuziehen, weil von der- selben die rote Flagge wehte. Leutnant B e tz o w unternahm cS. die Flagge herunterzuholen und bedrohte sich ihm entgegen- stelleri« Mannschaften mit der Waffe. Dw rote Flagge wurde bald darauf wieder gehißt. Gestern verhandelte das Not- st a n>« g e r i ch t gegen den Leutnant. Nach zwölfstündiger Ver- Handlung lautete das Urteil wegen Vergehens gegen Z 110(Auf- reizung zum Widerstand) auf eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten, wegen Vergehens gegen ß 113(Widerstand gegen die Staatsgewalt) auf eine Geldstrafe von 110 Mk. und wegen Ver- gehen« gegen§ 242 in Jdealkonkurrenz mit K 241(Bedrohung und Beleidigung) aus 6 Monate Gefängnis. Zusammengezogen wurde die Strafe auf 7 Monate und 2 Wochen Gefängnis. die vaterlanöspartei regt sich wleöer! Zu Tirpitz' und Wilhelms Ehren. sbundeS zum Opfer gefallen sind. Man trieb die Unfchuldi- VyODEri|U�lipöörU/EylyIy gen gegen das Spalier der republikanischen Soldaten, griff »~ m•,•.«. c diese an und zwang sie zur Gegenwehr. Das Schießen war Kollektive Veretnbaruugen ,m Äangewerbc. cin sp�taner Akt der Abwehr, keiner hat dazu den Befehl Mit der wirlichastiich-n Lag- der bam-chn.schen Angest-lltc» gegeben, kein Sozialdemokrat hat dieses Blutvergießen ge- Groß-BerlmS bewstie stch-in- gioße öffentliche Vautechniker-Ver- fD rri Sicherheit aeaen die Wiederboluna solcher träumen iominluii« im Musik.,.-„-«-».i...«..im 0,...°.m r-u.i»-. Spartakusbund dazu entschließt, die freiheitliche Ordnung der sozialistischen Republik anzuerkennen, wenn er es auf- gibt, zum Brudermord zu hetzen. Sonst werden noch mehr Opfer fallen, und auch i h r Blut wird über sein Haupt kommen! »* * Di« Bestattung der Opfer des 6. Dezember ging heute mittag unter starker Beteiligung der Berliner Arbeiter vor sich. In der SiegeSallee nahm gie Feier ihren Anfang. Dort waren auf sechs Rollwagen di« 14 Särge der Gefallenen aufgebahrt. Daneben waren Tribünen aufgesehlagen, von denen mehrere Redner des Spartakusbundes Ansprachen hielten. Liebknecht tezeichinete den traurigen Vorgay des 6. Dezember, deren Opfer in diesen Särgen liegen, als ein wohlüberlegtes Attentat gegen die revolutionär« Arbeiterschaft. Die Schuldigen an diesen Opfern seien Ebert, Scheidemann und Wels. Der Reidner wandte sich dann in hestigen Angriffen gegen die Regierung, machte ihr den Vorwurf, daß sie die Gegenrevolution begünstige und sagt« dann: An dieser Beerdi- gung. die die Regierung verhindern wollte, nimmt die gesamte Berliner Arbeiterschaft teil. Das gibt die Gewähr dafür, daß der Geist der Revolution jetzt wieder lebendig ist und nicht ertötet werden kann durch die. die Schuld an diesen Opfer nh-iben. Di« in diesen Särgen liegen, haben ihr Blut vergossen für eine Sache, die noch heiliger ist, als die Sache, für die am 9. November getötet wuvde. Di« in diesen Särgen liegenden Opter sind gefallen für den Gedanken der proletarikch-sozialistischcn Revokation. DaS ist öS, für das wir alle bereit sind, mit Freuden unser Leben hinzu- geben. Unser Ziel, die sozialistische Republik, kann nur erreicht werden durch Niederwerfung der Negierung Ebert Scheidemann. Um Mi Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Er wurde er- öffnet von den eoten Soldaten. Tann folgten einige hundert Deputationen mit prächtigen Kränzen. Auch di« Berliner Oraani- sation der S. P. D. war durch eine Deputation mit einem Kranz vertreten Weiter folgte ein nach vielen Tausenden zählender un- absehbarer- Zug von Arbeitern mit roten Fahnen und Schildern, welch« die Betriebe bezeichneten, in denen sie arbeiten. Wie groß die Zahl der Teilnehmer gewesen sein wag, läßt sich mit Sicherheit nicht sagen. Es könnn« 15 000 bis 20 000 gewesen sein. Man darf jedoch nicht annehmen, dost alle diese Demonstranten auf dem Standpunkt des Spartakusbundes stehen. Ans Aeuheningen. die wir hörte«, läht sich vielmehr entnehmen, dast die meisten durch den Techniker-Verband embmiien worden war. Archiiekl Kauf mann vcrwie-Z in feinem einteilenden Vortrag auf die Taliache. daß die Enllohming der leckmitchen Angestellten schon in Frieden?« zeilen eine recht ungenügende war, und daß sie während de? KriegeS mit der forlwäbrend steigenden Teuerung nichl mehr Schrill hielt. Die ichwierigen Verbällnisse. in denen sich das Vanweieil. namentlich die kleineren Baugeichnile befinden, würden auch von den Baulechnikern erkannt. Indessen hüllen große Bausiimen, sogen. .Banindustrien"(wie Eiienbetonbau-, auch Eisenbaufirmenl im Kriege an HeereSaiimägen sehr gut verdient. Ferner sei zu er- warlen daß die Krise in nicht mehr langer Zeit überwunden lein wird, wobei NotstandSarbeite»'» Angriff genommen und Zahlreiche neue Wobnbanien errichtet werden müssen. Daher sei auch der van- techniler berechtigt. ge,ade gegenwärtig, wo sich so viele w'rtichatt- liche Umwälzungen vollziehen, einen gerechteren Anteil am Erlrage seiner Arbeit m iordern. DaS beste Mittel, dielen zu ei langen, seien kollektive Veieinbärungen der geiverkschastlichen Angestellten- verbände m.'t den Arbeitgeberverbänden. Neben dem bekannten Abkommen mit dem Verband der Ber» ffner Metallindustrielle» fei nunmehr anch ein solche» zwischen dem Deuffche» Technikeiverband und dem Verband der Berliner B a u g e s ch ä f t«-u verzeichnen. Nach einer anregenden Aussprache wurden zwei Entschließungen einssimm'g angenommen. In der einen wird dem Abkommen zu- gestimmt in der Ermattung, daß die Baufirmen die au« dem Felde znriicklehrenden Bauiechnilcr restlos, und sei eS selbst unter vor« überaehenden wirlschafflicheii Opiei», wieder einstellen und noch vor Weibnachten eine ausreichende Wirlschaftsbeibilie gewähre». Der Deutsche Technikerverband wird als die berufene gewerkschaftliche Organlsalion der Baulechnlker beauftragt, die Verhandlungen mit dem Verband Berliner Bauaeichä'le unier Hinzussebung de» B»ndeS der technüch-induiiliellen Beamten fort,»setzen und auw mit den übrigen Arbeitgeberorgani aiionen des Baugewerbe» Verbandiiingen ein,uleiten. dabei mit aller Energie ant den Abschluß eine« Kollettiv- vertiage« binniwirken. der eine gründliche Verbesserung der Wirt- ichasllichen Lage der Bautechniker bringt. In der zweiien Enlschtießung wird die Verbandsleitung de» Deutschen Technikei verbände» er llchr, sich ofort mit demZentral« verband der Bauarbeiter in Verbindung zu wtzen. um über den Abschluß von Verllägen zu beraten zur Wahrung gegen» ieiliger S o l i d a r i t ä t in allen Fragen, die die LrbeitSbedin» gungen der Bautechniker und Bauaibeiier betreffen. Deutscher �lustzenqfnhrer-Verband. Er ist da! Am Donnerstagabend fand im..Rheingold" eine Versammlung statt, in welcher der Zweck eine? Verbandes der............................ M... U...., Flugzeugführer zur v-rlretung ihrer wirtschaftlichen Interessen Teilnahme am Znae dem rein menschlichen Mitgeküh, mit -w. des Gedankens schon aus der Zeit vor dem Krieg«, der Wright« Pilot Sedelmeher. Der Versuch, die Flugzeugführer zu organi- sicrcn— ein erster Schritt auf dem Wege zur Organisierung des gesamten mit dem Flugwesen zusamnicnhangenden Angestellten- Dre Anhänger der T>rpltzschen VaterlandSpartci machen stch �pj-rsg�lz mird getan—.«in schwerer Schritt, denn. die Sammlung schon wieder mausig. Im Blüthnersaal sprach gestern cchcnd allein aller dcuijchen Flugzeugführer unter einer allgemeinen der Martneschrlftsteller Kapitän z. S. P e r s> u» über den U-Boot. � Fnteressenvertretnng ist heute, wo alle« in alle Winde verstreut Krieg und seine Folgen. Pcrsiu» ist als ein entschiedener Gegner � unermeßlich schwer. Wie nötig sie ist, zeigte die lebhafte De- von Tirpitz und seiner alldeutschen Politik bekannt. Ter Zulritt Mte über das Thema:„ReichSluftamt", das vor der Oeffentlich- zu dem Vortragsabend war nur gegen bezahlte Elnlaß-.�t noch näher ansgesponnen werden dürft«. Jedem Flugzeug- karten möglich. So ließen e? sich die Tupitziunger etwas kosten führer seien daher die Worte des Vorsitzenden Herrn Binder ans rjffv QvTrtii«»»m CZjynt*___ f. � x. cm:i. �.: i___... � �— l CID**.)»-«.* Wi« ich die meisten Plätze im Saal«. Vir!« gegen PersiuZ QCXi gdegt: Mit arbeiten, sammcln und werben! Werden die .w™ fane.i F.xugze ugführcr geeint, werden die anderen: Beobackter. Funker. Monteure, die halbe Arbeit haben— der große Rahmen, in den sie alle gehören, wird sich schließen. M. P. g.-..!:.«,::. inichüren waren ausgelegt. Di« Leiter der Sache saßen ;n der cri.-n R-ihe vor dem Redner und die übrigen bezahlten - ätz bes,-.c man mit einem Chor junger Burschen, wahr. sebemlich Mitglieder d«r Jugendwehr, die mit Pfetfen und an- deren ladauinstrumenten versehen waren. --um hatte Pcrsius mit seinem Vmtrag begonnen, so setzte schon der Lärm ein. Jede Kritik an dem alten System wurde mit stürmischen Pfuii-Rufen und Beschimpfungen des Redner» beant- wortet. Als der Vortragende sich Tirpitz vornahm, pfiff der Chor und eine Vieitelstunde lang tobte und lärmte alles durckeinander. Znm??'or», erstreik. Am l9. d. M fand eine Verhandlung in Sachen der Differenz mit den Formern statt. DaS Ergebnis war folgendes: Mit Rücksicht darauf, daß die Kommission der Former über ______________„..M___________ WI J I I besondere SchwicrigkeitLn infolge Platzmangels klagte, der entstan- W Die übrigen ZuHöver ließen sich dieses Treiben nicht gefallen. Sie j den sein soll durch die Rückkehr von Kriegsteilnehmern, ist von den Sckiververletztc ist jetzt im LazaruSkrankcnkauje an den Folgen r-.cicn. man solle die.Spartakisten von rechts", die„be- Gicßereibcsitzcrn folgende» zugestanden: einer Blutvergiftung gestorben. Denjcnig n Formern, die infolge von Platzmangel ihre Ar Eine BegrllhungSfeicr für d'e an? dem Felde heimgekehrten Kameraden veranstaltet dar NeidbSbund der Kriegs- besckädigten und ehem. KrieaSteilnch mer morgen. Sonntag, vorm 10 Uhr, im Zirkus Busch. Freigabe von Sauerkraut für die Zivilbevölkerung. Da sich de? Bedarf von Beer nnd Marine infolge der Demobilisierung er- lablich ern'äßiai bat. sind 600 000 Zentner Sauerkraut den Bundes- staatei' für die Zivilbevölkerung zugewiesen worden. Trnppen-inzug. Um zu vermeiden, daß der Einmarsch der Truvven mit d.r V ransialtuna zur Beerdigung der am 6. De- -ember in der Ehanssersiraße Gefallenen«nlammentrifff. ist d-r Einmarsch der 1. Garde-Res.-Divtsion auf Sonntag, den 22. d. M.. verschoben. Die VorwärtS-Buchhandlung, Lindenstr. 3, ist am morgig«« Sonntag nachmittags von 1 bis 6 Uhr geöffnet. Ein 17. Opfer hat nachträglich noch die Echießeroi vom 6. Dezember an der Ecke dar Chaussee- und Jnvalidenstraßc gefunden. Dort wurde dem 6ö Jahre alten Tischler Franz Schlok au« der Bad- straße 45— 40 durch einen Schuß ein Fuß zerschmettert. Der beitekraft nicht voll ausnutzen können, wird ihr bisheriger Durch- fchnittSverdienst garaniicrt. Für Former, bei denen ein Durch- fchnittSverdienst noch nicht besteht, wird der TurchschnittSverdienst eines gleichn-ertigen Formers zugrunde gelegt. Ob Platzmangel vorliegt, entscheidet auf Antrag eine pari- tätische Kommission. Im übrigen soll über ein« Affordbasis. ähnlich wie mit zahl- reichen anderen BerufSarubpen, umgehend, und zwar am Man- tag, den 23. d. M.. um 3 Uhr nachmittag; verbanvelt werden. Die Former werden in einer schnellstens einzuberufend n Ver- sammlung zu diesem Vorschlag Stellung nehmen und müssen sich darüber klar werden, ob sie unter diesen Bestimmungen nunmehr die Arbeit aufnehmen wollen oder nicht. streik in einem Bnchbindereibetricbe. Bei der Gioßbuchbmderei von A. Sckaß befinve» sich dreißig Buchbinder im Streik. Der Ginnd de» An stände« ist die Nickt- »inefmliiiiig de« Tarif«. Der Chef weigert sich, den Teneruiig?- niichlag iür die letzten 14 Tage z» zablen. Anch di? mit der Or- nanisaiioii vereinbarte Arbeitszeit will Herr Schaß nickt anerkennen. Die Firma versucht, die Zeitschrift.Mineilnnaen der Deuiichen Landwiit'-basleralS-Geseüichast' und die Fachzeitschriften der Buch- oruckerei Günther u Sohn anderweitig herstellen zu lasseu. zahlten Lärm macher" zum Tempel hinausjagen. Von den Saaldienern wurden auch in regelmäßigen Abständen die ärgsten Tch'reier der Jugendwehr an die frische Luft befördert. Noch größer wurde der Tumult, als PersiuZ sich gegen den bombastischen U Boot Erlaß de« früheren Kaiser« wandte In lärmenden Rufen bekundeten die Vaterlandsparteiler, daß ihr« monarchistische Ver- «hrung noch immer dem Deserteur in Holland gilt, von der Gc- genseile wurde geantwortet und so konnte PersiuS erst in später Nachtstunde seinen Vortrag beenden. E.n Führer der Tirpitzgarde versuchte darauf, einen neu«n Bortrag zu beginnen. Als er den Einspruch des SaalverwalterS n-cht beack-tet«, wurde fein Vorhaben dadurch vereitelt, daß man das Licht ausschaltete. Nun versammelten sich die Neste der Vaterlands. Partei in dem großen Vorraum vor der Garderobe. Da gab es ..Enthüllungen" der tollsten Art. Ein feister Kriegsgewinnler>m eleganten Velz verkündete der aus etwa 50 Mann bestehenden Ge. rreinde, daß die Revolution schon am 25. Januar auSgeheckt worden fei, aber man werde die Macher der Nsvolution schon zu fassen wissen. Wie?„Wir schließen die Angehörigen der Marine zusammen und dinn sind wir genug, um die Sache totzuschlagen. Geld ist genug vorhanden, um Flugblätter in Millionen zu verbreiwn." Bei diesen Worten wurden die Brief- ta'chen gezückt und bunte Schein« gezeigt. Bei den«Angehörigen der Marine" hat der dicke konfuse Herr wohl schwerlich an die revolutionären Mattosen gedacht und daS„Totschlagen" war fichcr- kick auch nur bildlich gemeint. Di« Herrschaiten markierten auch nur SiegeSgew-.ßheit, denn sie wurden reckt kleinlaut, als ein Zu- börer nur bemerkt«:.Ihr werdet am 19. Januar schon Antwort kriegen!" Die schmutzige slgnes. In der.Frauen-Zeitung", eine Beilage der.Deutschen Ztg gibt eine Frau«gneS von Behlow folgende beachtenswerte Ar regung: .Es war bisber vielfock Brauck, unsere Kinder in Matrosen- anzüge zu kleiden. Iln'ere Jnpeiid, der Stolz Deutschlands, dart dies Kleid aber jetzt aui leinen Fall mebr tragen, denn es ist mit S ck in u tz und Blut beiudelt. Von den Mairoien ist all da» Elend, wo« über unier Land beiringebtocken ist und noch kommt, verursacht. Sie allein vollen W a l k e n st i 1 1 st a n d S- und F r i e d e» S b e d i n- � zu si"1 VT«."i! 1 3« unterstützen g u n a e n. und ipä'er werden sie ibre Tal selbst Nock verfluchen, heutige Nummer der„Roten Fahne" bestattgt. Das Blatt .......—-- des Spartakusbundes besitzt dl« Frechheit, den Opfern seiner Hetze zuzurufen: ES sind die sozialistischen Knechte der Bourgeoi, sie. die Euch a e t ö t e t haben.. Eure vierzehn Särge werden der blur-ge Wall sein, der auf immer das Prolewriat von seinen Fein Für die Telegrap�knarbeiter, Vorarbeiter, Handwerker, Lei» tungSaufseher und Betriebsbeamte Groß-BerlinS findet am Montag, den 23. Dezember, abends 8 Uhr, im großen Sanl de! Gewerk- schaftshaufes, Engelufer 15, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Berichterstattung des Bundessekretär» Vallenthtn über neu« Verhandlungen im ReichSpostamt. Kolleg« GroßSerlln Die Destattung üer Spartakus-lDp�er. Uüsere Voraussoge, der Spartakusbund werde die Heu- o'llein'�trage��die Sckuw�an'den�sckmach- � Begräbnisfeier dazu benützen, mit den Leichen feiner iands- und friede nsbkdin-� � � � Cpfct JtöitcitionSfon� Au ttcioßn, dmcö btc _...._____— am y. � VTJ. � v..... Y...- lt., sia Tl.. �4. Co Ä ku 1 4-4- Di« Post in Berlin am Sonntag. Die Post hält morgen in Groß-Berlin tie PaketauSgabeschalter wic Werktags die Paket- annahmesck>alter von 3 Uhr vorm. bis l Ubr nachm. geöffnet. Tie Annahmeschatter sind aber nur auf den Postämtern zugänglich, bei denen mich sonst an Tonn age» Pake!« angenommen werden. Außerdem findet ein« einmalige Paketbestellung statt. Entlassene Soldaten tn Uniform. Entlassene Unteroffi-l«?e und Mannschaf an müssen bekanntlich häufig noch die Uniform weiter tragen, da nicht jedem cin bürgerlicher Anzug mitgegeben werten kann. Um dies: Entlassenen von denen zu unterscheiden, die sich roch im Heeresdienste befinden, ist angeordnet worden. daß sämtliche Unteroffiziere und Mannschaften, die aus dem Heeresdienst entlassen werden und die ihnen alz EntlassungSanzug mi!oegeb--nen Uniformen tragen, forn Rock. Bluse sowie vom Mangel di« Schulterklappen zu entfernen haben. Wonn Unter- offizkre und Mannschaften noch im Heeresdienst stehen, so tragen sie fortan wieder di« Schulterklappen ihres Truppenteils sowie das Koppel. Eharlottenburg. WeihnachtSunterstühung. Den Hinterblie- bencm de?, im Kriege verstorbenen städtischen Beamten. Lehrpor- sonen, Privatdienstverpslichteten und Stadtarbeitern wird auch in diesem Jahr« eine WeihnachtSunterstütznng in gleicher Weise wie in den Vorjahren gewährt._ Grotz-Serliner partemackrickten. Neukölln. Morgen, vormittags 11 Uhr. öffentliche Verfamm- lunaen in den Hohenftanfenfälen, Stern-Lichisp elsn. Volkk--Licht- spiel. Hermannstr 20, und WolfS GeftllfchafiShanS, Kirchstr. 4t. Tagesordnung: t. WaS will die Sozialdemokratie? 2. Auf zur ArbeiterralSwohl.— Die be den Beamtenversammlungen finden im Deutschen WirtShau» und in der Kindlbrauarai mit derselben Tegel. Vor über 1 000 Männern und Frauen rekriert« Freitagabend Gen. Mermuth über da» Thema:.Tie Sozial- demokrati« und die Revolution". Dem mit lebhaftem Beifall auf- genommenen Vortrag folgt« ein? rege Diskussion, an welckar sich u. a. anch mehrere Redner der Unabhängigen Partei beteiligten. Neue Momente traten indessen nicht zu tage. Genosse Haifes berichtete hierauf von der Tätigkeit deS Arbeit: rratS am Ort und ersucht« die Versammelten, denselben in seiner schweren und vcranttr ortungsvollen Mission nach Kräften Dcuiicke Müller l Desbalb fort mit den Matroscnonzügen. gebt den Kinder» ein andere» Ebrenkleid. damil sie nicht immer an jene vaterlondSlosen Gesellen erinnern! A.mee vo» Below." Den Kindern der Frau von velow wird da» Ableoen der Hus aller Welt. Zeche Konkordia nicht ersoffen. Di« Nachricht, die Zeche Coneortla bei Oberhausen sei infolge Malroienonzüge wenig nützen, solange sie das Adelsprädikai den scheidet, über den hinweg«S keine Versöhnung gibt und beS Bergatt>eitc?streikS ersoffen ist. wie von einer der Zech« nahe- haben, da? an die schmutzige»nd blutige Kaste erinnert, über den hinweg nur der versuchen kann, die.Hand zu reichen, der �ttn� ein� BeÄchaff v�rs�t" w Wasse?ha°ltung"zu der Deutickland inW.rklickkei. ieinElend verdankt. So-. selbst zum V e r r ä t e r an der Dache de« Sozialismus werden Mll. LttN und t�rmit Än Beiriebde» MekeSv-rüb-� lange sie die« nickt ablegen, werden die kleinen von DelowS immer i Demgegenüber wiederholen wir. daß die Toten, die heute brech n. es ist aber gelungen, die Gefahr abzuwenden. Bei der «n dte daterlandslos en Junker erinnern. j bestattet werden, nur der Gewissenlosigkeit des Spartakus» 1 Zeche bestehen im Augenblick wieder normale Verhältnisse. Verein der Berliner Buchdrucker und Sclrriflgielier. Sonntag, den 23. Tezember, vormittags Pünktlich 10 Uhr: tut ArbritZlasensaale de? Deutschen Metallarbeitcr-Berbandes, Liiiicustr. 83-85: Ncrtriiiicnsiiilinner- Nersinninliliig. T a g e» o r i> n u n g: Bericht von der Tarif-Slusschuh-Iitzung. WF" Zutritt haben nur die Verkraueusleuto und Druckereitaffterer. Ohus Legilimationskarke tein Eintritt. Oer Qsuvorstsnc!. Bekanntmaehuitg. h Gemäß§ 7 der Auskiihrungsbeitimmung vom 21. Sep- tember ISIS(Verordnung Uber die Abgabe und Entnahme von Fijchen und Fistwaren vom 5. Juli ISIS) wird sUr den Se- meindcbezirk der Stadt Derli» bestimmt: In den BrotlommisUonsbczlrren 96—102 105—126 gelangt vom 27. Dezember ab für jede abgegebene Marke So der Ber- lincr Bezugskarts>/< Kg Salzheringe zur Verausgabung. Der.d.ieinverkaufsnreis beträgt: Für'/, kg Salzheringe netto Mchgewicht 1.10 M. Die Belieferung richtet sich nach der Lage des Ladens des Kleinhändlers, bei dem der einzelne seine Eintragung in die Kundeulisic bewirkt hat, nicht nach der Wohnung des Der- branchers. Die Abholung muß bis zum Z. Januar 1919 bewirkt sein. Verliu, den 20. Dezember 1918. Magistrat. Abtellung für Zisch bersorgung. Loehning. Dgb. Nr. 4023 Fisch 18. Elektrische Licht-«- Kraftanlagen sowie«eparaturan von Elektromotoren jeder Stromart und Spannung werden preiswert ausgeführt. S74L' Graftes Lager in Glühlampen und Christbauuibclcuchlungen cmpsiehlt A. Senftieben, Berlin N IIS, Vüneustrahs 3. Tel. Norden 3622. Spezialarztaey c i Syphilis, Haut-, Harn-, Oe schtechts-, Frauenleiden, Bein-([ kranke, Blutumcrsucliung.B-.ri handl. sich., schmerzl. u. ohne' I Rerufsstü.Tei'z. Sep Oaraenz i FrieiPielistr.lBlip�eÄi 4-8. fSonnta''S IO-I Uhr.) 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