Ur. 353s. 38. Jahrg. Bezugspreis: Niertrljihrl. 6.1b Ml. mon sen e n Staatenbund, bestehend aus Tschechen, Südslawen, den übri- gen Ländern des ehemaligen Oesterreich, Polen und Rumänien vorstellen, ein cm sich unmögliche? Gebilde, für da? aber die Fran- zosen bei ihren Verbündeten eine sehr große Propaganda entfalten. Wie weit sie damit durchdringen werden, ist freilich zurzeit noch sehr fraglich Amerika und England haben sich bisher in dieser Angelegenheit noch sehr zurückhaltend gezeigt. Italien soll den Plänen entschiedenen Widerstand entgegensetzen, well es das Er- stehen eines neuen großen Nachbars fürchtet. Prag, 22. Dezember. AuS politischen Kreisen, die mit dem Präsidenten M a s a r y I intime Fühlung haben, wird erklärt, dast der neue Leiter deS tschechischen Staates hinsichtlich der künftigen Gestalwng Mitteleuropas Pläne hat, die erheblich von der äugen- blicklich durch die tschechisch« Regierung vertretenen Politik abweichen. Danach ist Masaryk der Ansicht, dast eine gedeihliche Zukunft, der aus dem ehemaligen östorreich-ungarischen Staat entstandenen R e- publiken, des südslawischen Staats. Rumänien� und Bulgariens als isolierte und durch Zollgrenzen einge- schränkte Gemeinwesen unmöglich erscheinen. Der Präsident der tschechischen Republik proklamiert als sein politisches Ideal die Schaffung eines grohen Bundes freier Republiken nach dem Vor. bild der Bereinigten Staaten, der neben den oben erwähnten Gs- mernwesen auch Rußland mit zu umfassen hätte. Bern, SS. Dezember. Die reckislbchende französische Presse verlangt, daß Deutschland dt« FriedenSbedingungen dik- t i e r t werden. Als Sicherung gegen Deutschland und die Bolsche-- wiki, die Feinde der Zivilisation, wird ein franko-belgisch- englisches Bündnis gefordert. Außerdem eine neutrale Zone zwischen Rhein, Elbe und Dona«. Eine Dolschewikregierung in Litauen. Wie da?„Neue Wiener Journal" erfährt, Hai sich in Litauen eine bolschewistische Regierung unter dem Vorsitz StutschkaS gebildet. Sitz dieser Regierung ist Riga. Sie hat die Aufhebung des Privat- «igentumS an Grund und Boden verfügt und erklärt, daß Litauen unter den revoluhonäreu Gesetzen der Sowjetregierung stehe. �rbeitslosenunterftützung- Arbeitspflicht. Daß das Problem der Arbeitslosenversicherung mit der Fest- legung einer gewissen Arbeitspflicht eng zusammenhängt, dar- über herrscht unter den Kennern dieses Gebietes Uobercinstim- mung. Die jetzt eingeführte Erwerbslosenunter- stütz ung findet eine gewaltige Arbeitslosigkeit vor. Finanzpolitiker stellen schon heute fest, dast ihre Durchführung fmanziell ruinös wirken würde, wenn man nicht einen g e° wissen Arbeitszwang festlege. Die Schwierigkeit liegt darin, dast die Arbeitslosen der Großstädte schwer zu bewegen sind. «uf d«jH Lande sich bietender Arb«itSg«l«g den wären, e» hätte keinen Rückschlag an der Marne, wahr- scheinlich auch keine Ueberslutung Ostpreußens �egetxe*. Wären die Männer, die Wilhelm H. nach seiner eigenen Wahl umgaben, nicht jeder Einsicht bar gewesen, nicht so ein- gesponnen in das Gefühl hochmütiger Ueberlegenheit über alle?, was nicht preußisch war, hätten sie nicht des GlaübenS gelebt, daß ihr Schwert unter ollen Umständen gut machen SSW5«, VvS.MYvZiWchfeit" 5er Gkaakskunst gesunöigi, iarm mußten sie sich mit aller Gewalt gegen die Herbeifüh- rirng des Krieges in jenem Augenblicke stemmen, selbst wenn sie an sich entschlossen waren, den Kampf gegen Frank- reich und Rußland auszunehmen. Sie hätten sogar eine diplomatische Niederlage auf sich nehmen müssen, die beiläufig nicht einmal in Aussicht stand. Zvenn ebenso wie die österreichisch-ungarischen HeereZ- gesetze erst im Jahre 1918 durchgeführt fein sollten, konnten d�e deutschen von 1912 und 1913 erst in einer Reihe von Jahren ihre volle Ärkung tun. Dagegen war Frankreich zu einem Höchstpunkt seiner Leistung gelangt, über den eS nicht mehr hinausgehen konnte? ob es ihn über- Haupt eine längere Reihe von Jahren aufrechterhalten würde, war recht zweifelhaft. Denn der Widerstand gegen die drei- jährige Dienstzeit war lebhaft und weitverbreitet. Aehiv liches galt übrigens von Rußland? aus finanziellen Gründen war eine weitere Steigerung seiner militärischen Kraft ganz unwahrscheinlich. Die Bereitschaft seiner Massen, ihre Ver- sammlung an der Grenze konnte uns zu einem späteren Zeit- Punkt nicht mehr überraschen und schädigen, als im August 1914 tatsächlich geschah. Ihr arbeiteten wir am sichersten entgegen, wen» wir uns zu dem weit leichteren und erfolg- versprechwideren Angriff im Osten, zur Verteidigung im Westen entschlossen. Im Augenblick, als der Krieg ausbrach und wir uns so siegesbewußt auf die Franzosen stürzten, war die tatsäch- liche Lage nun derart, daß Frankreich mit seiner Einwohner- zahl von Zaum vierzig Millionen Seelen fünf Heere von insgesamt 51 Linien- und 14 Reservedivisioncn(ohne die Reiter- divisionen) an der Ostgrenze aufmarschieren ließ, während unsere sieben AngriffSheere nicht mehr als 38 Divisionen(23 Linien- und 11 ReservearmcekorpS) zählten. Zu den Franzosen aber stieß rechtzeitig das englische Heer von. 4 starken Divi- sionen, während wir noch den Widerstand des 6 Divisionen um- fassenden belgischen Heeres brechen mußten. Wir haben also schon zu Beginn de? Krieges keine Zahlenüberlegenheit über den Gegner gehabt; wenn nicht die ursprüngliche Verteilung des französischen HcereS eine ungünstige, die Führung anfangs eine unsichere und zaghafte gewesen wäre, wenn nicht die Belgier schlecht verwandt, die Engländer für den Feldkrieg untüchtig ge- Wesen wären, so wären nicht einmal die Anfangserfolge errungen worden, die große UmfassnngSbewegung wäre schon in ihrem Beginn stecken geblieben, anstatt erst auf ihrem Gipfelpunkt. Wir führten allerdings noch eine Anzahl von Landwehrbrigaden mit uns, aber sie waren als Etappen-, Belagerungs- und Be- scchungstruppen bestimmt. In die Feldschlacht ist memeS Wissens nur eine einzige verwickelt worden, während der Kämpfe der. Armee Kluck gegen die Armee Maunoury nordöstlich Paris. Die entscheidende Wichtigkeit der Küste hatte man so wenig erkannt, daß wir diese Truppe« zweiter Linie nicht sofort dorthin und zur Einschließung von Calais warfen, obwohl doch die Armee Kluck schon auf ihrem Vormarsche von der Sanlbre gegen Paris in ihrer rechten Flanke beunruhich wurde. Nun aber kam eS so, daß die Franzosen nach ihren ersten Miszersolgen beträchtliche Unterstützungen von ihrem. rechten Flügel, von der italienischen Grenze. auS Afrika und aus Eng- land heranholen konnten, während unser AngriffShecr beträchtlich geschwächt war, wie ich dies an anderer Stelle ausgeführt habe. Ein ,rfi:rtmä" von noch nie gewesener Großartigkeit, von zerip'' vetternder Wirkung hatte der deutsche Generolstab an- gestowt; c. s waö der große Moltke im Jahre 1879 erreicht, wolTft>.r T ffe mit dem Glänze seiner Siege überstrahlen. Nach r:.',T> hin ollte alles Verdienst natürlich auf die Person Wik Helm d II. fallen, der doch, überall oberflächlicher Di- lettant, weder Staatsmann noch Feldherr war. Wer dem glänzenden Plan, den ein Größerer unter anderen Verhältnissen erdacht, fehlte die zum Gelingen erforderliche Wucht der materiellen Unterlagen; die Fundamente waren schwach, während der Gedanke sich in leichtsinnigem Jkarusfluge der Sonnenhöhe näherte. Den Epigonen fehlte das Augenmaß für die Schwächen deS FeldzugSplaneS. In seinem Mißlingen lag schließlich das Scheitern des ge- samten Krieges im Keime bereits verborgen, wenn auch erst eine große Reihe weiterer Fehler, Mißgriffe und Unterlassungen politischer wie militärischer Art den gegenwärtigen kläglichen Ausgang herbeigeführt haben. Aber die Unfähigkeit 5er deutschen Leitung. ihr Mangel an eigenen ursprünglichen Gedanken war damals bereits zutage getreten. Von ihr konnte man nur Schlimmes erwarten._ Die Unabhängigen im wahlkampf. Berliner Vorschlagsliste.— Spartakus gegen Barth. Die unabhängigen Orgcmisationsleiter der Provinz Branden- bürg hielten, wie die„Freiheit" meldet, gestern eine Konserenz ab. um zum Wahlkampf Stellung zu nehmen. Brühl- Niederbarnini referierte über die Aufgaben im Wahlkampfe. Nach längerer DiS- kussion wurde beschlossen, mit selbständigen Listen in den Wahlkampf zu gehen und eine Verbindung der Listen der sozial- demokratischen Parteien zu empfehlen Als Kandi- daten wunden aufgestellt: B r ü h l- Niederbarnim. S ta b-PotS- dam, Brei t sch e i d- Berlin. W i tz k e- Lichtenberg, Frl. Schuler- Freienwalde, O h n- Velten, K ü t e r- Korlshorst, B e h n k e- Roinickendorf, Buhl- Staaken und Weinberg- Berlin. Laut„Rot« Fahne" haben die revolutionären Obleute der Groß- betriebe Berlins einstimmig beschlossen, für Ende Dezember einen Parteitag der U. S. P. D. zu fordern. Sie verlangen Austritt der Unabhängigen aus dem Kabinett und„Führung des Wahlkampfes in antiparlamentarifchem Sinne". Ferner wurde folgendes be- schlössen:„Die revolutionären Obleute und Vertrauensleute der Großbetriebe Berlins verurteilen aufs schärfite die Politik und daS persönliche Verhalten deS Genossen Barth nach seinem Eintritt in die Regierung. Sie entziehen ihm deshalb jedes weitere Vertrauen.' Blle Macht üen Mamelucken�! Reichskonferenz des Spartakusbundes. Der Spartakusbund hält am 39. Dezember eine Reichs- konferenz ab mit folgender Tagesordnung; 1. Die Krisis in der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei. 2. Programm deS Spartakusbundes. 3. Nationalversammlung. 4. Internationale Konferenz. Die„Rote Fahne" schimpft auch heute wieder wie sckion gestern die Arbeiter- und Soldatenräte, weil sie nicht ruck der Spartakuspfeife tanzen wollen, Mamelucken Ebert-Scheide- mann?, und schreibt dann: Aber schon die Wahlen selbst, und die Aktion der revolutionären Vertreter der Masse drinnen muß der Sache der Revolution dienen. Alle Schliche und Kniffe der werten Versammlung rücksichtslos und laut denunzieren, ihr gegcnrevolutionäreS Werk«ruf Sckritt und Tritt vor der Mass« entlarven, die Massen zur Entscheidung, zur Einmischung anrufen,— die? ist die Aufgabe oe- Beteiligung an der National- Versammlung. Ein St«'« de, M« sen«n>ie Tore der Rat onal- dersammlung, di« geballte Faust seS revolittionären Proletariats, die sich mitten in der Versammlung erhebt, und die Fahne schwenkt, auf der die°eu:'p'.n Lettern leuchten: Alle Macht den A.- und S.-Rä-r.l— Das ist unsere Be- tei-ligung an der Nationalversawatlung. Wenn die Arbeiter- und Soldatenräte„Mamelucken von Ebert und Scheidemann" sind, was die Mitglieder der National- Versammlung hoffentlich gleichfalls sein werden, so ist es doch gehupft wie gesprungen, ob die Nationalversammlung oder der Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte regiert. Im übrigen scheint es die Absicht der Spartakisten zu sein/ sich an d ek Wahlen zu beteiligen, dann aber draußen recht kräftig Radau zu machen. Ein reckt inkonsequentes Verhalten. Denn der Sturm der Massen aus die Nationalversammlung erfolgt doch am besten schon vor ihrem Zusammentritt durch die Macht des Stimmzettels, und diesen Sturm gedenkt die Sozialdemokratie zu organisieren. Hat aber da? Volk einmal gesprochen, so hilft aller Lärm vor den Toren nichts mehr.• Hoffmanns, Herrn Harnt»!, 5er sin Nebenberuf bekanntlich FriedhofSvertvalder der Freireligiösen Gemeinde ist, hat mit auS- drücklicher Zustimmung aller übrigen im Kriegsministerium eäti- gen Sozialisten sowohl der Mehrheitspartei sowie auch der Un- abhängigen der Minister Haenisch jebx weiter« selbständige Tätigkeit untersagt. Herr Harndt ist u. a. der Urheber des famosen „amtlichen" Wolff-TclegrammS. das mit der„geradlinigen AuS- breitung- der Kulturinteressen" durch Adolf Hoffmann berichtete. . Herr Harndt hat eS für angemessen gehalten, dies Telegramm � ebenso wie allerlei früher« Verlautbarungen in die Oeffentlichkeit zu bringen, ohne vorher die Zustimmung deS zurzeit allein im Amte ! tätigen Ministers einzuholen. Verunglückte Liftenaufftellung üer Deutsch- Demokraten. Dernburg Nr. 4. Eine Verirauensmännecversammlung der Fortschrittler— jetzt Deutsch-Demokraten— von Teltow-BeeSkow wollte am Sonntag die Kandidatenliste für die Nationalversammlung aufstellen. Infolge ; endloser Geschäftsordnungsdebatten und Streitereien mißglückte � dieser Versuch aber ziemlich. Das„Berliner Tageblatt", das sonst > so wacker schmälen konnte, wenn ein Kongreß von Soldatenräten ' nicht sofort wie ein geschultes Parlament verhandelte, muß jetzt seuf- : zend zugestehen, daß die Organisation dieses bürgerlichen Dele- giertentages„skandalös unzulänglich" gewesen ist. Nach langen Debatten einigte man sich schließlich, von drei vor- geschlagenen Kandidaien Dr. Dcrn b urg, Oberbürgermeister Dominicus und Ehefredakteur Nuschke, den Erstgenannten an die Spitze der Lffte zu fetzen. Dann ging es den wackeren Fortschritt- lern wie Goethes Faust:„Hier stock ich schon, wer hilft mir fort?" Da ihnen aber niemand half, und schließlich da» Lokal geräumt werden mußte, so blieb eS schließlich bei dem theoretischen Beschlüsse, noch einen Mann und eine Frau auf die nächsten Plätze zu setzen. Wer— das bedarf noch weiterer Erörterungen. Lanötagswahlen in öraunschweiA. Sozialdemokratischer Wahlerfolg. Im Herzogtum Braunschweig fanden am Sonntag die Neu» wählen zum Landtag auf Grund de» d«mokratisch-n Wahlrechts statt. Nach den vorläufigen Ermittelungen— das endgültige Resultat steht noch nicht fest— erhielt die Sozialdemokratische MahrheieS. Partei 44 IIb, die Unabhängig« Sozialdemokratie(in Braunschweig Regierungspartei 42 750, der reaktionäre LandrSwahlverband 43 560 und die Demokratische BolkSparte, 38 120 Stimmen. Bis- her stehen 80 850 sozialdemokratischen Stimmen 81 700 Bürgerliche gegenüber. In de? Stadt Braunschweig erhielten die Unabhängige» 23 500, die MehrheitSfozialisb.'n 13 430, der LandeSwahlverband 15 000 und die bürgerlichen Demokraten 18 300 Stimmen. Nach dem bisherigen Resultat ist auf eine sozialdemokra. tische Mehrheit im Landtag zu rechnen. Di« soztaldrmokra- tische Mehrheitspartsi dürfte die stärkste Partei im neuen Landtag werden. NnterstaotSsekretSr Genosse Dr. David ist auS Wiesbaden wo er krank darniederlag, zurückgekehrt und hat ferne Tätigkeit im Auswärtigen Amt wieder aufgenommen. /tos /löolf yoffmanns Reich. Der Fall Harndt. wir hören, haben die Beamten der kirchenpolitischen Ab- teilung des Kultusministeriums dem preußischen politischen Ka- binett einen förmlichen ausführlich begründeten Protest gegen die Amtsführung Adolf Hoffmanns überreicht. Dem Pressechef Adolf Was geht in Italien vor? Plölffiche Heimreise der Staatsmänner von Par'S. Im italienischen Ministerium ist infolge des Rücktritts des Ministers der öffentlichen Arbeiten eine Krise ausgebrochen, welche Orlando zur Rückkehr aus Baris veranlaßt bat. Laut Tribuna demissionierten auch KriegSmiais!« Zuppelli, HandelSininister Giuffclli und Postminister F e r a. Urber die Ursachen der Krise geben die Blätter keine Andeutung und es ist zu vermuten, daß in den inneren Bcrbältnisscn Italiens ernste Schwierigkeiten eingetreten sind, bezüglich deren Lösung Unstimmigkeiten herrschen. Der römische Mitarbeiter der Neuen Züricher Zeitung be- stätigt in einem Telegramm an sein Blatt, daß man von einer revo- lutionären Bewegung in Italien sprechen könne. Die Temobili- sierung in Italien fei mit ungleich größeren Schwierigkeiten ver- . Kunden als in Frankreich und England. Morgen gehen wir an öie weihnachts- fachen/ Skizze von Th. Thomas. „Ilkuttt, mußt du denn fort?" „Ja, Friedchen, du machst deine Schulaufgaben, dann schließt du hübsch ab und gehst gleich inS Bett, hörst du? Ich komme zeitig wieder heim." „Mußt du wirklich fort, bleib doch zu Hause, wir wollen Weih« »achtssachen machen." „Rem, 06 geht nicht. ES ist heute Frauenversammlung, da will ich dabei s«n, weißt du, ich will doch auch noch lernen, das geht jetzt vor." „Kam, ich denn nicht mitgehen?" „Dazu bist du noch ein wenig zu jung mit deinen 13 Jahren, aber in ein paar Jahren bist du auch sowett." „WaS wird denn in der Versammlung gemacht?" „Da spricht ein Redner über alles daS. WaS wir wissen müssen. Siehst du. Wir Frauen und die Mädchen dürfen doch jetzt wählen, da wollen wir gern erfahren, wer unsere Stimm« verdient." „Ach-- Frieda sah mit glänzenden Augen zur Mutter auf:„Weißt du, wen du wählst?" „O ja, trotzdem mutz man sich genau erkundigen, wer uns Frauen am besten hilft." „Kann denn dir überhaupt jemand helfen?" „Mir allein natürlich nicht. Vielleicht wirst du da» noch nicht ganz verstehen. Aber hör mal zu: Wir haben doch so viel, wa» ander» werden soll. Da ist zunächst die Erziehung der Kinder. Du siehst doch, wie ich dich gern in ein« bessere Schule schicken möchte und doch kein Geld dazu Hab«. Da» soll nun so werden, daß dt« armen Buben und Mädel», die gern lernen, auch bis in die höchsten Schulen kommen, sogar studieren können, wenn sie fleißig find. Die sollen in der Schule essen und die Bücher bekommen." „Au; da, Mutti, das fit fein, da könnte ich ja auch wie Walters Johanna in« Realgymnasium gehen." „Dal kannst du dann schon. Aber auch noch andere Dinge «lochten trstr Frauen, möchten in der Armen- und Waisenpfleg« mitwirken, m der LebenSm i ttelverteilung oder in Steuersachen." „Ja dürfst du denn das?" „Jetzt ja, früher hatten wir gar nichts zu sagen und der Mann cht viel, aber nun haben wir doch einen anderen Staat." „Die Frau, die heute spricht, weiß denn die bat alles?" „Die spricht für die sozialdemokrattsche Part«, die will, daß ; überall mitarbeiten." .Wolle« denn die andeven da» nicht." „Na ja, die tun auch so, wenigstens jetzt, aber früher haben sie sich gar nicht um uns gekümmert, ob wir was zu sagen hatten oder nicht. Währenddessen war die Nachbarin eingetreten, die mit in die Versammlung wollte und zum Abholen kam. „Na, da wird ja schon feste diskutiert, höre ich." „Ja. Frieda ist begierig zu wissen, was in der Versammlung borgeht, sie ist doch schon 13 Jahre, da meine ich, daß man ihr schon allerlei begreiflich machen kann." „Ja, aber ob sie eS so versteht. Ich finde mich in all dem Kram nicht durch." „DaS kommt darauf an, was und wie eS den Kindern gesagt wird. Ein Mädel in 4*m Alter darf doch schon wissen, wie wir ganz andere Menschen erziehen und von der Mutterschaft an für die ErwerbStättgkeit der Frau bis in die HauZwirfichaft hinein mehr Verständnis für die vielen Dinge erwecken wollen, die mit Bevöl- kerungSpolitik, höherem Menschenwert und großem Menschentum zusammenhängen." „Wie Sie daS nur alle? so sagen können, Frau Ranke." »Das kommt daher, weil ich seit Jahren eine vernünftige Fei- tung im HauS habe, die mich dazu erzogen hat, auch über Menschen- ökonomie, Mutter- und Kinderschutz, Frauendasein und andere Ding« nachzudenken." „Gott ja, aber wir finden doch eigentlich dabei keine Befrie- digung." „WaS, keine Befriedigung? Ja, gibt eS denn für unS überhaupt etwas, daS uns mehr befriedigen könnte, als mitzuwirken an Dingen, die unS, nur un» betreffen, cm der Geburtenpolitik, Arbefterinnen- löhne, an der Durchsonnung der nur verstandesgemäßen männlichen Kultur mit der Mütterlichkeit weiblicher Gedanken?" „Wenn man Sie so reden hört, da wird'S einem wahrhastig ganz warm." „Denken Sie«m die Härte der Ehegesetzgebung, wo nur der Mann, nur der Mann, an die Rechte gegenüber den Kindern, wo wieder nur der Mann zu Wort kommt, ja. muß eS nicht jede Frau begeistern, einer Partei zu helfen, die unS herausführen will aus dem Druck?" „Ja, wenn'S nur helfen würde." „Dieses Mißtrauen an die Macht unserer Gedanken war bis- her zu verstehen, aber jetzt haben wir einen neuen Staat, unfern Staat, da muh doch auch ten Frauen neue Hoffnung kommen? Sie schimpfen doch jeden Tag über alles mögliche. Das schadet nichts, aber nützen tut eS Ihnen leider sehr wenig, wenn Sie nicht mithelfen, daß wir die Uebel beseittgen." „Wir Frauen schaffen'? nicht, das ist meine Ansicht." „Jetzt will ich mal WaS sagen: mit dumpfem Dahinbrüten sicher nicht, aber wem» wir, um nur«rne» h»r«uszug,eff«», zusammen- wirken, daß die ewigen Schätze de? Badens, die großen Boden- flächcn, die Wasserkräfte nach und nach aus uns zugute kommen, daß diese Werte, anstatt eine Privatkasse zu füllen, benutzt werden. um Heilanstalten zu bauen, gute Schulen zu bekommen, ErziehungS- kosten zu bestreiten, wirklich« Altersversicherung zu treiben und die Erde wohnlich zu machen; wenn wir tüchtige Menschen heran- ziehen im neuen Staat, die unsere Ideen aufnehmen, unsere Kultur um sich sehen, meinen Sie nicht, daß eS dann besser werden muß?" „Bei Ihrer Begeisterung glaube ich daran, so kann nur jemand sprechen, der ganz voll von der Durchführbarkeit seiner Ideen ist. Mir fit daS alle» freilich noch ein wenig unklar und wirr." „Es ist auch nicht so einfach, Frau Klugmann, wer sein Leben lang vor unS graulich gemacht worden ist mit„Teilen" und„Reli- gion abschaffen" und anderem, der mutz hart mit sich ringen. Aber kommen Sie mal jetzt mit in den Portrag. was Ihnen die Rednerin sagen wird, dann sprechen wir miteinander." An der Tür wandte sich Frau Ranke nochmals an ihre Tochter: „Frieda,'du gehst dann zu Bett, gelt? Dein« Schularbeiten legst du auf den Tfich, ich seh« sie, wenn ich heimkomme, noch nach. Morgen gehen wir an die Weihnachtssachen. Gute Nacht!" Notizen. — LiszlS strafrechtliche Professur geht an Prof. Dr. Eduard Kohlrausch-Straßburg über, der den Ruf an die Uni- versstät Berlin angenommen hat. — Friedrich Kayßler und Helene Fehdmer ver- anstalten am 2. Januar im Beethoven-Saal einen Märckenabend. Das Programm umfaßt Märchen von Grimm, MufäuS, Andersen und Norwegische Märchen. — Arno Holz' Niepeptep. das Gedicht au» der„Blech- schmiede", daS den Berliner Einzug Wilhelms II. nach der Jeru- salemfahrt satirisirrt(ei wurde im„Vorwärts" am 14. Dezember veröffentlicht), ist von Rest anger neuli(hin der Berliner Sezession öffentlich vorgetragen worden. In privaten literarischen Zirkeln hat die Künstlerin ihr Publikum bereit» öfter mit dem Spottgedicht belustigt. Ueder diesen Krei» hinauszugehen, war natürlich der Zensur wegen bisher nicht möglich. — Vorträge. Im Wissenschaftlichen Theater der Uranta gelangt>n der Festwoche der Vortrag von Franz Goerke„Die Schönheit der deutschen Landschaft", der mit wunderbar plastischen, farbigen Bildern ausgestattet ist, zur Darstellung. Außerdem finden Nachmittags Wiederholungen de» mit kinematographiichen Vorführungen auZgestattetcn Vortrags„Winter in der Schweiz" statt. Am Dienstag bleibt da» Institut geschlossen. Im Hörsaal wiederholt am Freitag Professor Dr. Donath seinen Experimentalvortrag über „Radium" noch einmal. — Musik. Am 28. Dezember in der Singakademie Kammermusikabend de» Klingler-Ouartett» außer Abonnement: L-äur-SepteU von Brehm» und Oktett F-dur von Schubert.—- Versammlung der Groß-öerliner �trbeiterräte. Im Germaniasaal in der Chausseestrahe tnurde heute vor- mittag um tOü Uhr eine Versammlung der Arbeiterrate Trotz- Berlins eröffnet. Auf die Tagesordnung steht die Bericht- erstattung über den Reichskongretz der Arbeiter- undToldatenräte.' D r erste Berichterstatter ist Malzahn(Unabhängiger). Er � sagte, der Kongreß habe auS einem politisch bunt zusammen. gewürfelten Publikum bestaniden. Die Mitteilung deS Redners, daß der Kongreß die Zulassung von Liebknecht und Rosa Luxemburg abgelehnt babe, wurde auS der Versammlung einerseits mit„Pfui-', andererseits mit„Bravo'-Rufen beantwortet. DaS Ersch.incn der Soldatendeputation im Kongreßsaal bezeichnete der Redner als ein erhebendes Schauspiel. Die Unabhängigen ständen grundsätzlich auf der Forderung des R ä t e s y st e m s. Der Antrag Lüdemann habe eS den Unabhängigen unmöglich gemacht, in den Zcntralrat einzutreten, der ja nach Annahme des Antrages Lüde- mann nur eine Dekoration sei. Die im Kongreßsaale erschienene Arbeiterdevutation sei von der Mehrheit verhöbnt wanden. Da- gegen müsse protestiert werden, daß ein« Vertretung von 250 COO Arbeitern(lebhafte Unruhe. Rufe:„Da müßt Ihr ein paar Nullen wegstreichen!), so behandelt worden sei. Der Redner schloß: Mag die Mehrheit auch einen zweifelhaften Sieg errungen haben. Wir halten fest an den sozialistischen Zielen, währrn.d die soziald-mokra- tische MehrheitSpartei ihre Politik auf ihren bürgerlichen Anhang einstellen muß. Mögen st« eS tun, wir werden unseren Weg weiter geben. Uns. den Unabhängigen, gehört die sozialistische Zu- kunft. tBcikall bei oen Unabhängigen.) Otto Frank gab den Bericht als Delegierter und Mitglied der S. P. D. Er sagte, wir haben den Willen, dem Sozialismus und der Demokratie zum Siege zu verhelfen.(Beifäll und Wider- spruch.) Daran lassen wir uns durch lärmende Kundgebungen der anderen Seite nicht hindern. Der Kongreß hat wertvolle Arheit ge- leistet zur Festigung der revolutionären Errungen- schaften. ES waren gerade Unabhängige, die es verhin- derten, daß ntit der Zulassung von Rosa Luxemburg eine Ausnahme gemacht wurde. Es ist auch parlamentarisch unzulässig, auf einem Kongreß Teilnehmer zuzulassen, die nicht ordnungsmäßig gewählt worden sind. Es ist behauptet worden, die Revolution sei vpn den GpartakuSleuten und den Unabhängigen gemacht.(Sehr wahr!) Nein, nach materialistischer©eschichtsauffassung können Revolutionen nicht gemacht werden. Sie brechen auS. wenn die Grundlage dafür gegeben, wenn die Zeit dafür reif ist. Die intensive Aufllä- rungSarbeit der Sozialdemokratischen Partei hat doch sehr wesentlich dazu beigetragen, daß der Boden reif wurde für die Revolution. — Das Eindringen der Deputationen in den Äongreßsaal war kein erhebendes Schauspiel, sondern eine durchaus unzulässig« Pression, tue von außen auf den Kongreß ausgeübt werden sollte.(Beifall.) Die Angabe des Vorredners, die Unabhängigen standen auf dem Boden des RätesystemS, deckt sich nicht mit der Haltung der Berliner Generalversammlung der Unabliängigen, die sich für die National- Versammlung ausgesprochen hat. Unter lebhaften Bcifallskund- gedungen betonte der Redner, daß unser« Partei für Demo- kratie und gleiches Recht ist.— Daß die Unabhängigen sich nicht am Zcntralrat beteiligen, bedauern wir,«S war unsere Absicht, mit ihnen� zusammen zu arbeiten. Daß eS anders gekommen ist. ist nicht unsere Schuld. Zum Schluß betonte der Redner unter lebhaftem Beifall, daß ein Zusammenarbeiten aller Sozial- demokraten ohne Unterschied der Richtung notwendig ist. Als Vertreter der Demokratischen Partei sprach Lehrer Flü- gel Er äußerte sich anerkennend über die Annahme des Antrages L. idemann, oer die Abgrenzung der Befugnisse der Regierung und des ZenlrairattS in durchaus zweckmäßiger Weise regele Für' die Rationalversaurmlung sei die Demekro tische Ptctei auch dar lieber- zrugung, dast wir ohne sie nicht zum Abschluß eines Friedens komncn, Gewerffchaflsbeweglmg Die 3:e rntcuvrrbände— prl tisch neutral! Zu einer Aussprache über daS Thema:„Fachverein, Ge- werkschaft und politische Partei' hatte der WerbeauS- schuß für Beamte der S. P. D. die Vorstände aller Beamtenoereini- gungen und-verbände am Sonnabend. 21., ins Jugendheim ge- laden. Einleitend sprach der Leiter der Versammlung, Genosse Dr. Lohmann, den Dank des Werbeausschusses dafür aus, daß alle Ge- ladenen dem Wunsche der sozialdemokratischen Beamten nach einer klärenden Aussprache vollzählig Folge geleistet hätten. Er wies auf die Beunruhigung hin, die sich unter den Parteigenossen durch be- stimmre Anzeichen einer einseitigen pol'tischen Stellungnahme be- merkbar gemacht hätten, und erklärt«, daß eine parteipolitische Tätigkeit der Verbände notgedrungen zu deren sofortiger Spren» gung führen würde und müßte. Genosse Dittmer legte dies« Gründe im einzelnen dar, er be- tonte, daß die politische Neutralität der auf alter Grundlage ausge- bauten Verbände nur bei allergrößter Vorsicht der Funktionäre zu erreichen sei, die bisher nicht immer angewandt sei. In der folgen- den Aussprache traten alle Vorstandsmitglieder der ver« schiedensten Verbände für unbedingte politische Neu- t r a l i t ä t der gewerkschaftlichen Verbände ein. DaS Ergebnis der Aussprache faßte Genosse Dittmer am Schlüsse der ausgedehnten Diskussion, an der sich über 20 Redner beteiligten, in fol- genden Punkten zusammen: Die Vorstände erklären, 1. daß sie und ihre Verbände nnbe- dingte parteipolitische Neutralität wahren wollen; 2. daß etwa bestehende Wahlfond« u. dgl st r e n g n e u t r a l für Kandidaten aller Parteien verwandt werden sollen; 3. daß bei Wahlaufrufen für politisch« Parteien u. dgl. die Verbandszugehörig. keit der Vorstandsmitglieder nicht mißbraucht wrden darf. Eine Zusicherung, die sog. Wahlfonds überhaupt zu beseitigen. war leider nicht von allen Verbänden zu erreichen, und eS besteht immerhin die Möglichkeit, daß hier der Keim für kommende Ver- Wicklungen liegt. Einstweilen aber haben die sozialdeinokratfchen Beamten Grund, sich über da« Ergebnis dieser Aussprache aufrichtig zu freuen: sie können unbeschadet ihrer politischen Ueberzeugung im Rahmen der gewerkschaftlichen Deamtenverbände mitarbeiten, und sie haben nun ihrerseits darüber zu wachen, daß die zugesicherte un- bedingte Neutralität in keinem Falle verletzt wird. Zeigte doch auch diese Versammlung wieder, einen wie breiten Boden die Sozial- denwkratie bereit? unter allen Beamtenkategorien gewonnen hat. Znm drohenden Kellnerstreik wird uns von beteiligter Seite geschrieben: Wenn die Kellner und sämtlich« Hotel- und Restaurantange- stellten der schlechten Bezahlung(20 M. monatlich), der Ausbeutung und dem Raubbau, der mit ihrer Gesundheit von den Arbeitgebern getrieben wurde, jetzt entgegentreten so ist dies wohl nur berechtigt. Di« große Masse des Publikums kann sich gar keinen Begrjff machen, unter welchen ungesunden Umständen oie Gastwirtsangestellten bei schlechter Bezablung zu arbeiten haben. 1s— 16 Stunden ist die Norm; alle 14 Tag« haben wir einmal 24 Stunden frei. An diesem einen Tag«� ist es nicht möglich, alle die Gänge zu erledigen, zu welchen m�n in sanitärer und bvgieni- scher Hinsicht feinem Körver gegenüber verpflichtet ist, geschweige einmal ein Konzert oder Theater zu besuchen(da schläft man näm- lich ein). Das Küchenpersonal arbeitet meistens bei 40— 64 Grad Hitze für ein Hundsgeld von 70 Pf. höchstens(Köche), während das Hilfspersonal für 10— 20 Pf. die Stunde arbeilen muß. Die Be- zahluna der Kellner ist geradezu elend. Das gleiche gilt vom Hotelpersonal. Wenn ein Hotelgast abreist, muß es wie die Domestiken in Reih und Glied stehen und die Hand aushalten. Ein jeder' Arbeiter ist seines Lohnes wert. Daß es natürlich einigen Kellnern nicht ganz angenehm ist, auf ihr vielleicht jetzt größeres Einkommen durch Trinkgeld zu verzichten, ist zu verstehen; man denke an Stammtisch- oder Oberkellner, die besonders protegiert werden. Darunter darf aber nicht die große Masse der Angestellten leiden. Wir stellen nur eine gerechte Forderung und wir sind ge- miß, die vollste Sympathie des Publikums in dieser Hinsicht zu be- sitzen, das wir bitten, uns Angestellten in unserem Kampf zu unterstützen.~ Tie Speditionsbeamtcn Berlins haben in einer gut besuchten Versammlung beschlösse�, heute, Montag, in den Streik zu treten. Die von der Organisation, dem Zentralverband der Handlungsgehilfen, mit dem Lokalverein Berliner Spediteure geführten Verhandlungen über die Zahlung einer einmaligen Entschuldungssumme sind nach sechsstündiger Ver- Handlung gescheitert. Die Arbeitgeberorganisation wollte nur für einige Firmen den vierten Teil der Forderungen bewilligen. Für die Mehrzahl der Firmen verlangte sie. daß in den Betrieben zwi- schen Angestellten und Firmenleitung verhandelt werden soll. Den Angestellten lag aber daran, vor Weihnachten Geld zu erhalten. Die Bezahlung der Angestellten in den Speditionsbetrieben war schon vor dem Kriege völlig ungenügend. Die Löhne der Beamten sind noch nicht einmal um 50 Proz. im Kriege gestiegen, während die der Kutscher um 175 Proz. erhöht wurden, was durchaus den heutigen Verhältnissen entspricht. Die Folge davon war eine völlig« Verschuldung der Angestellten. Demgegenüber haben die Spedi- teure durch ihre Konvention es verstanden, ihre Prosite dauernd zu steigern. Die Rollgelder sind um 400 bis 500 Proz. erhöht worden. An der Transportversicherung, die obligatorisch durchgeführt wird, haben die Spediteure noch ganz erhebliche besondere Profite gemacht. Trotz alledem war eS nicht möglich, die bescheidenen Fordecungen der Angestellten zur Anerkennung zu bringen. Am Donnerstag hatte sich der Unternehmerverein geweigert, überhaupt zu verhandeln, und war drauf und dran, mit einer gelben Organisation die Ge- werkschast der Angestellten an die Wand zu drücken. Darauf hatten die Angestellten bereits am Freitag früh mit einem T e i l st r e i k geantwortet. Nunmehr erklärten sich die Unternehmer bereit, mit dem Zentralverband der Handlungsgehilfen zu verhan- dein. Ihr« neue Taktik geht darauf aus. die ganze Sache bis nach Weihnachten zu verschleppen. Wir bedauern nur, daß die Unter- nehmer im Speditionsgewerbe es gerade in der jetzigen Zeit dazu kommen lassen. • Zwischen der Firma A. W a r m u t h und dem Berliner TranS- portverein„Hansa" einerseits und dem Zentralverband der Hand- lungSgehilfen andererseits wurde am Sonnabendabend eine E i'n i- gung erzielt. Die Forderungen wurden bewilligt. Die BersichernnjisangesteNten streiken nicht. Da die Unternehmer dank der Entschlossenheit und Einmütig- keit der Angestellten nachgcgoten haben und die geforderte Entschul- dungSsummen zahlen werden, konnte vom Streit abgesehen werden. ES dürfen jedoch da, wo bereits höhe« Beträge bewilligt sind, keine Abstriche erfolgen. Die Einkassiercr der„Viktoria". Eine Versammlung aller im Transpvrtarveikerverband organi» sierten Einnehmer und Einnehmerinnen der„Viktoria" halte am 12. Dezember eine Kommission beauftragt, mit der Direktion in Berhanblung zu treten. Die Forderungen betr, einmalige Gewäh- rung der Entschuldungssummen und Erhöhung der Gehälter noch vor Weihnachten, wurden am 17, Dezember der Direktion unter- breitet. Eine Einigung kam nicht zustande, da der Generaldirektor Herr Dr. Utcch die geforderte einmalige Teuerungszulage erst im Dezember und die Gehaltserhöhung im Januar in Erwägung aiehen wollte. Zur Entgegennahme des Berichts über das Ergebnis der gepflogenen Verhandlungen berief die Kommission zum letzten Sonnabend wieder die Einkassierer nach Wilkes Festsälen. Diese Versammlung war so stark besucht, daß der Raum bei weitem nicht ausreichte. Mit großer Entrüstung nahm man von dem Verhalten der Direktion Kenntnis und beauftragte einstimmig den Transport- arbeiterverband, mit der Kommission vereint, am Montag, den 23. Dezember, die Forderungen der Direktion nochmals zu unterbreiten. DaS Resultat der Verhandlungen wird am selben Tage, abends 6 Uhr, in WilkeS Festsälen, Sebastiansir. 36, b.-kawntgögebcn. Die Obmänner der Einkassierer aller anderen Versicherungsgesell- schaften sind dazu eingeladen._ Znm Bergarbeiterausstand.» Der ReichSkommissar für die Kohlenverteilung berichtet: Di« Kohlenverladung in Oberschlesisn ist noch andauernd ge- ring. Am 21. Dezember wurden 5568 Eisenbahnwagen versandt (gegen normal etwa 12 000). Der Streik ist entgegen anderlautenden Nachrichten nicht beendet. Es streiken Boll, Easd, llingo und Hed- wigswunsch, zum Teil Preußengrube. Paulusgrube und Prinzen. grübe. Auch im rheinisch- westfälischen Bergbaurevier ist der Kohlenvcrsand noch andauernd gering. Am 21. Dezember wurden 15118 Eisenbahnwagen verladen(gegen normal etwa 25 000). Der Streik dauert weiter aus der Zeche Deutscher Kaiser. Aus der Zeck)« Neumühl streikt etwa die Hälfte der Belegschaft. Seit einigen Tagen macht sich Mangel an Eisenbahnwagen zur Kohlenverladung bemerkbar. GroßSerlln Grabsprüche. Hier unter diesem Tannenbaum liegt ein alldeutscher Weltmachtstraum. Er starb an einem großen Loch. Traf Revcntlow lebt heute noch. f f f Hier unter dieser deutschen Eiche liegt eine schöne Phrasenleiche. Wohl ihr, datz sie zu Kreuze kroch— Herr Müller lebet heute noch. f f 1- Hier ruhet neben seinem Gimmel des deutschen Spießers Ordnungsschimmel. Zwar tut er so, als ob— jedoch, seid auf der Hut I Hei lewet noch! Panlche». Eine öffentliche Jugenbversammlung fand gestern mittag 12 Uhr im großen Saale der Philharmonie statt. Di« Versamm- lnng war einberufen vom Arbeitsbund für das neue Deutschland und von Jugendlichen aller Richtungen besucht. Prof. Wilbrandt sprach über den Neuaufbau des Reiches. Angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen Deutschland .zu kämpfen habe, gälte e« jetzt nicht zu diskutieren, sondern zu handeln. Unser Ziel sei: Durchkommen! DaS Proletariat habe heute die Macht und könne das Wort verwirklichen: Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm eS will. Ader nicht allein der starke Arm darf eS wollen, sondern dem Willen muß die Einsicht, der Verstand zugrunde liegen.> Die Arbeiter sollen am Betrieb interessiert werden, indem er in ihr Eigentum übergeht. Nicht Verstaatlichung sei die Losung, sondern Gemeineigentum der Schafsenden im Betriebe. Nur dadurch könne die Produktion wie» der in Gang kommen und gesteigert werden. Sodann sprach der Direktor deS städtischen Jugendamts, Lie. Sigmund Schulze. Er pries das Glaubensbekenntnis, daS er einmal bei amerikanischen Arbeitern gefunden habe: Wir erwarten von den Unternehmern, daß sie unser Bestes wollen, dafür wollen wir das Beste der Unternehmer. Im übrigen redete er einem besse- ren gegenseitigen Verständnis der verschiedenen Bevölkerungs- klassen das Wort. In der Diskussion stellten die Vertreter der Arbeiterjugend ihre Forderungen auf und betonten die Gegensätze zwischen der proletarischen und der bürgerlichen Jugend, während die Vertreter der bürgerlichen Jugend von diesen Gegensätzen nichts wissen woll- ten, sondern betonten, für sie gäbe eS nur sin« Jugend. Auf die eigentlichen Jugendfragen gingen sie gar nicht ein, so daß es eine Fugendversammlung war, die sich mit der Jugend und der Stellung der Jugend i« neuen Staate überhaupt nicht beschäftigte. Ein blutiger Zusammenstoß mit Einbrechern, bei dem eine Person getötet und drei verwundet wurden, e« gnete sich gestern abend in der Nostizstraßc 16. Dort nahm die Schankwirtin Frau Böhme wahr, daß Einbrecher in ihrer hinter den Sckankräumen belegenen Wohnung im Erdgeschoß bei der„Arbeit' wareir. Sie schlug Lärm, und der Erste, der sich anschickte, den Verbrechern zu Leibe zu gehen, war der 21 Jahre alte Maschinenbauer Karl Strese, der gerade nach Hause kam. Im Begriff, ihnen den AuS. gang abzuschneiden, befand er sich noch auf dem Hofe, als die Ein» brecher begannen, sich mit Schußwaffen den Weg freizuhalten. Die erste Kugel traf sofort den jungen Strese so schwer, daß er tot zusammenbrach. Gleich darauf fielen noch vier Schüsse. Einer traf Frmi Böhme in die Brust, Auch sie wurde schwer verletzt- tonnte aber zu Hause in ärztlicher Bebandlung bleiben. Mit leichteren Verletzungen kamen ihr Schwager und ein Soldat ab, Be- vor Hausbewohner den Verletzten beispringen konnten, entkamen die unbekannten Verbrecher. Unter der Aussicht von zwei SichcrhcitSbenmtcn„arbeitete'' eine lOköpfige Einbrecher bände, die von der Kriminalpolizei bei der Verteilung der Beute überrascht und festgenommen werden konnte. Beamte hatten in Erfahrung gebracht, daß in einem Hause in der Mulackstraße eine Einbrecherbande von 10 Personen zusammen- gekommen war, um die bei einem großen Einbruch erbeutete War« unter ihre Mitglieder zu verteilen. Sie nahm die ganz« Gesell- schaft, darunter die schon wiederholt wegen Einbrüche vorbestraften Verbrecher Schümm, Zobel und Wandka fest und beschlagnahmte da? gestohlene Gut. Es stellte sich heraus, daß dieses Herren- und Damenwäsche, Stiefel, Handschrtie, Strümpfe usw. im Gesamt- werte von über 30 000 M. ans einem Einbruch in ein Wäsche- geschäst in der Kaiser-Wilhelm-Straße herrührte. Di« Einbrecher waren dort durch einen Rollvvrhang, den sie zerschnitten, in die Geschäftsräume eingedrungen, hatten ein« Warenladung Beute- stücke zunächst nach der Wohnung einer Geliebten in der Mulack- 'straße gebracht und sich dann sofort wieder nach dem Geschäft be- geben, um den Rest zu holen. Jetzt stießen sie auf zwei Matrosen vom Sicherheitsdienst, die mit Gewehr bewaffnet vor der Türe standen. Ein Mitglied der Eintirechcrbande, ebenfalls ein Matrose, machte sich an die beiden Kameraden vom Sicherheitsdienst heran und wußte sie gegen Beteiligung an der Beute zu.bewegen, von oiner Festnahme abzusehen. Auch die beiden Matrosen wurden jetzt festgenommen und sowrt ihres Amtes enthoben. Von der Einbrccherbande wurden fünf sogleich dem Untersuchungsrichter vor- geführt, gegen die übrigen wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Die Akademische KriegShilfSkassr(Hilfskasse der vereinigten Berliner Künstlerschaft) wird ihre Fürsorge jetzt den aus dem Felde heimkehrenden Künstlern zuwenden, um ihnen über die Not der UebergangSzeil hinwegzuhelfen. Die Geschäftsstelle der Kasse ist wie bisher bei der Akademie der Künste, Pariser Platz 4. Dort ist von derselben Organisatio auch eine AuSkunstsstelle für bildend« Künstler und Musiker eingerichtet. Lichtenberg. Die Stadtverordnetenversammlung beschäfiigte sich nach der Bekanntgabe der Bestätigung deS Oberbürgermeisters durch die preußische Regierung mit der bereits behandelten Teuerungs- zulage für Beamte, Angestellte und Arbeiter. Es wurden eine An» zahl Anträge gestellt, dahingehend, die Zulage in voller Höhe der früheren zu gewähren. Di« Genossen John und Mirus �begründen nochmals die Stellungnahme der sozialdemokratisckien Fraktionen zu dieser Frage. Direktor TremuS tritt für die städtischen Ar- beiter ein, die er für verständig genug hält, daß sie nicht durch Ar- beitSeinstellvng eine Katastrophe hervorrufen. Die Anträge werden abgelehnt, so daß eS bei der Zulage von 50 Proz. verbleibt. Die sozialdemokratischen Fraktionen haben einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, für besondere Unterstützunngen der entlassenen Kriegs- teilnehmer. der Kriegsbeschädigten und Kriegerwitwen. Ter Antrag wird nach kurzer Begründung durch den Genossen John einstimmig angenommen. Die Erledigung der eingehenden Anträge wird der KriegSunterstützungskommission übertragen. Pankow. Lebensmittel. Von heute ab gelangen auf Ab- schnitt 6 Oelsardienen, Sardinen und Kräuterheringe in den be» kannten Geschäften zur Ausgab«. Auf Abschnitt 6 125 Gramm auSlärtdischer Weichkäse. Groß-öerliner parteknachrichten. . Reukölln. Nachdem die von den llnabhängigen am Dienstag mit der Tagesordnung„Der Putschversuch in Neukölln' einberufe- nen Versammlungen so schlecht besucht waren, datz sie kaum tagen konnten, sind die Vertreter dieser Organisation wohl zu der Auf- fassung gekommen, daß sie mit ihren Versammlungen keine große Agitattonskraft auf die iichifferente Bevölkerung mehr ausüben können. Sie hatten deshalb zu gestern eine andere Taktik einge- schlagen. Schon um 6 Uhr hatten sie ihre Anhänger durch Lauf- zett'.l auf die von der Sozialdemokratischen Partei zu 12 Uhr ein- berufenen 6 Versammlungen, von denen zwei Boamtenversamm- lungcn waren, bezirksweise verteilt. Infolge dieses Vorgehens, daZ bald bekannt wurde, hat sich der größte Teil unserer Anhänger, des ewigen Parteikrakeels über, überhaupt den Versammlungen fern- gehalten, so daß einige Versammlungen gar nickt stattfinden konn- ten und andere nur äußerst dürstig besucht waren. Nur die beiden Boamtenversammlungen erstellten sich größeren Zuspruchs, trotz. dem die Demokraten die Parole ausgegeben hatten, sich nickt an den Versammlungen zu beteiligen. Aber auch in diesen Versamm- lungen, in denen ihrem Charakter nach nur einige Parteigenossen anwesend waren, brachen die Vertreter der Unabhängigen wieder den ganzen Streit vom Zaun. Sie scheinen sich dem Wahn hinzugeben. daß sie dadurch dem Sozialismus nützen, in Wirklichkeit haben sie aber nur für die bürgerlichen Demokraten gearbeitet. Große Teile der Beamtenschaft verließen denn auch stühzeitig die bis um Uhr tagenden Versammlungen. Zuletzt blieben nur noch Unabhängige übrig, denen eS dann ein leichte« war, ein« in ihrem Sinne gehaltene Resolution anzunehmen. Sie stellten dem A.» und S.-Rat, den sie am Mittwoch selbst nach Hause geschickt hatten, ein besondere» Vertrauensvotum au». Achtung! Achtuug! Sa U. Eejembcr, 1. SM�ttad�Bfrierfog, vorm. 11»Hr. an Paloft-Thootcr«m goo: Grotze politische Versammlung Mr alle Staats- sowie Gemeindebeamten und Privat-Augestellten für Charlottenbnrs u. wcstl. Vororte. r»ze»ordnuni: Welche Aedextnuß hat die Ratianalverfammlung? Nifiikst: Zrgknieur ttiemmn. SsjtalktKalmhfthc Partei DcnischlandS(£. P. D.) _»achworM»«harlo»«,»»,�._ Achtung! Achtung! SMltat, Den>7. Cvicmber,«vchmiNa,»» Ahr, im Tharlotterbvrger Lo!k»h«u», Zwfincnstraie 4: Große Versammlung aller aus de« Felde zurückgekehrten Soldaten. Tagesordnunz: Die brdorftehende Nationalversammlung. Ztefereat: Schriftsteller Ernst Heilmam». Soziatdemakratische Partei Deutschlands(S. P. D.) 10ahi«»r»in EH»»l»»i»Nvvr>._ MkllmM! mu Utes Zklrlktks MlolMmss. oeit dieselben in Sharlsttrnburg»ehnen, werden mn sofortige 'gäbe ihrer ZBehnun« und de«»cwiedee. in welchem sie ge- hlt stnd, di» 0on««imd, den ZS.»«gcmdcr 191». ersucht. »»->e Einioduna zur gnnetnsamm Sitzung und Bericht- «astOtung de« Arbeiter- und S»Idlte»r»t«s erfolgt umgehend. VollzugSauSschuft des Arbeiter- und«oidatenrats Charlottenburg Aathan» Ztmmoc ZZS. SS!B iZeulchei' MetsII-tbeltef-Vefvsnii Berwaltunggstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach» richt, dich unser Sollege der Sllrtler tWPenickerStr.72 am ISch.M. gestordcn ist. Ehre seinem Andenk»«! Die Beerdigimg findet a« Dienstag, den 24. o.St, nachmittag» 2 Uhr, aon der Ieichenh,llc de» Thom»«- Kirchhofes in der Hermann- straße an« statt. «ege Beteiligunger«artet Sie vrtaaersaltung. am �fitrausderxcr I eins gi-äßto und schBnste Platz Ronzert-Caf6-Rabarett in Berlin 0 Spltlplan vom 16.— 31. Dezember: KurtFrltr�E« Dan MtSk BÜdMüllll Dietrich UIiw__. 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