Nr.3. Aß.Ialfrg. -vezugSpretS: Btertelj2S7l.�7K Ml. monall.Z2S SRI frei Ins Hau« vorauSzahldal. Einzelne Nummern lv vtemng. Pellbezug' Monailich£25 MI. ex Ii. Zustellung«. gebühr. Unter Kreuzband kür Deutsch. laud u. Oesterretch-llngarn ö.50 MI. für da« übrige Ausland N.50 Md. bei täglich einmaliger Zuilellung 7.50 Ml. Postbeuellungen nehmen an Däne- Marl. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz Eingetragen w die Pasl-ZettungS-Preiellste. Der.Lorwartd' erichelnl wochentüglich zweimal. Sonntag« ernmal. lelegramm-Adress«: »Sozialdemokrat Berlin�, Abend-Ansgabe. Verlinev Volksblatt. ( 10 pksnnig) Anzeigenpreis: Die achtgespallene Konvareillezeil« lollei 80 Psg.„Kleine Anzeigen", da«'etlgedruckte Wori 40 Psg. lzulässtg L settgedruckle«onei, iedee weitere Wori 20 Psg. Stellengesuche und Echlafslellcnanzeigcn das erste Wort so Big.. lede« weitere Wort t5 Psg Worte über lb Buchllaben zählen stir zwei Worte, leuerungszuschlag 50°/». Familien-Anzeigen, politische und gewerllchasttich- Verein«. Anzeigen 80 Psg die Zeile Anzeigen tür die nächste Nummer lnüssen bi« ä Uhr nachniiuags im Hauptgelchäst Serlüi EW.SS. Lindenltratze 8. abiegeben werden. Geöffnet von S Uhr srüh bis 6 Uhr abend«. Zentralorgan der fozialdemokratifcben parte» Deutrd>land9. Reöaktion und Expedition: EW. bS, Lindenstr. Z. Kernsprecher: Amt iviorinplav, Nr.»ZIS0— Donnerstag, den Ä. Januar 1919. vorwärts-verlag G.m.b. H., SW. öS, Lindenstr.?. Fernsprecher: Amt Morihplah, Nr. Ii? 53—51* ♦ ♦ Die Räumung Rigas vor den Dolschewiki. Riga, 1. Jemurrr. Am Silvester tag haben die deutschen Streit- kräfte der eisernen Division ihre Stellungen bei Hinzenberg räumen und sich aus die Hügrlstellumg zurückziehen müssen, die nur wenige Kilometer von Riga entfernt ist. Der deutsche Gesandte, Her sich tagS zuvor im Panzerzug in die vordersten Stellungen be- geben hatte, um sich über die Loge zu unterrichten und die Truppen zum Widerstand anzufeuern, traf die schwachen Streitkräfte bereits in einer so bedrohten Lage, daß ein Halben der Stellungen um Hinzenberg unmöglich schien. Mit dem Augenblick, in dem die Truppen der Bolschewiken die Jäger- stellungen erreicht haben, ist die Räumung Rigas unvermeidlich geworden, besonders wenn man die Stadt schonen und nicht einer Einnahme mit stürmender Hand aussetzen will. Die englische Flotte hat sich außerstande erklärt, ihrerseits helfend und schützend einzugreifen. Unter diesen Umständen ist, nachdem der Abtransport aller Truppen sich vollzogen hat, die Räumung Rigas noch im Laufe dieser Woche be- schlössen worden. Die Akten der Gesandschaft und der grössere Teil des Personals sind bereits nach Mitau übergesiedelt, der Gesandte mit seinem engsten Stabe ist noch in Riga geblieben, um erst im letzten Augenblick ebenfalls nach Mitau zu gehen. Da noch tausend Reichsdeutsche sich in Riga aufhalten und grosse Werbe an Privat. besitz und Heeresgut noch nicht abtransportiert sind, wird auch nach der Uebersiedelung der Gesandtschaft nach Mitau ein Vertreter des Gesandten mit ettvaigen Hilfsarbeitern in Riga bleiben, um die reichsdeutschen Interessen auch gegenüber den Bolschewiken zu vertreten. Truppenwerbungen für öen Oftschutz. Jndianertänze der„Roten Z�ahne". Die„Rote Fahne" geifert sich in ihrer bekonnten Tonart wieder einmal über die„Bluthunde",„Seelenverkäufer",„Volks- Verräter" aus. Tiesmal heißen sie„S k l a v e n h ä n d l e r". Gemeint sind natürlich unsere Genossen in der Reichsleitung und daneben auch August W i n n i g. Im Baltikum stehen bekanntlich noch große Massen unserer Kameraden, die infolge unserer Verkehrsmittelnot noch immer nicht zurückgezogen werden konnten. Zu ihrer ohnehin schon ernsten Rot kam noch, daß plötzlich in ihrem Rücken die Truppen der Geldgeber der deutschen Spartakisten, die roten Gardisten Sowjetrußlands, auftauchten, um sie womöglich Hals über Kopf aus diesen Gebieten hinauszudrängen. Jedermann weiß, wie stark die Gefahren sind, die unfern Rückmarsch hemmen und das Leben unserer Soldaten bedrohen. Sollten da unsere Soldaten hilf- und tatenlos von den Sowjettruppcn sich die Organisation für die geordnete Räumung zerstören und sicki widerstandslos ins Elend stürzen lassen? Sie taten das einzig mögliche: sie setzten ihren Rückmarsch fort und wehrten sich dabei gegen die Angreifer. Die Sowjettruppen traten überall als blutige Geißel der Bevölkerung auf. In allen Orten wurde der Terror etabliert. Jede nichtbolschewistische Gesinnung wurde mit aller Brutalität niedergeknüppelt� Ihr Weg ist durch Elend, Leichen und Blut bezeichnet, und die fürchterlichsten Notschreie ans den baltischen Provinzen erreichten uns mit den Anklagen, daß wir schuldig seien, dnrcki unseren Rückzug jene Gebiete allen Schutzes ent- bläßt zu haben. Nim trat aber auch die Entente auf und for- derte, gestützt auf eine neue Auslegung der Waffenstillstands- bedingiingen, daß unsere Soldaten als Schub vor den der- beerenden Truppen der Bolscbewiki im Baltikum zu bleiben hatten und daß Deutschland für alles haktbar gemacht werde. waS durch die Bolschewik! an Schaden gestiftet wird. Wir haben nun nicht nur die Verseuchung unseres politischen Lebens durch russisches Geld und bolschewistische Hetzagentcn, sondern auch die offenen feindseligen Angriffe der Sowjettruppcn gegen unsere Brüder im Osten abzuwehren. Es sind meist ältere Mannschaften. Leute mit Familie, Leute, die lange schon im Militärdienst stehen. Sollten wir sie schutzlos preisgeben und sie in einem unorganisierten, Hals über Kopf durchgeführten Rückmarsch dem Elend des russischen Winters aussetzen, in dem 1813 die.�"ere Navoleons marunde ginnen? Die. Rote Falme" speit Gift und Galle dagegen, daß die Reichsleitung entschlossen alles tut. um unsere Soldaten und die deutschen Interessen zu schützen. Sie organisiert die Hilfs- und Entlastnngsaktion für den Osten. Tie dazu bestimmten Trupven sind im Osten unter der Bezeichnung„Eiserne Divi- sian" bekannt geworden. Die Regierung wirbt durch Genossen Winnig neue Soldaten für diese Eiserne Divi- s i o n. um unsere älteren Mannschaften abzulösen und ihre raschere Heimkehr zu Weib und Kind zu ermöalichen. Dafür baben wir volles Verständnis. Wir haben aber auch Verständnis dafür, daß eine Regierung, die es ernst nimmt mit der Verantwortung für das Wohl unseres Volkes, zz WW ♦ jedes Mittel anwenden muß, um drohenden Gefahren wirk» sam begegnen zu können. Dieses Verständnis geht den Leuten der„Roten Fahne" völlig ab. Das wird wohl am besten bewiesen durch die an- derthalb Seiten bedeckende Veröffentlichung von Belegen, daß die Reichsregierung tatsächlich Soldaten wirbt. Natürlichtutsiedasl Sie hat ja auch die„re- publikanische Soldatenwehr" geschaffen und bildet jetzt die „freiwillige Volkswehr". Das sind ja alles weltbekannte Dinge. Die Regierung muß Machtmittel haben, um die von ihr vertretenen ernsten Interessen unseres Volkes schützen zu können. Werden diese Interessen durch Bolschewiki bedroht, dann muß gegen diese eben mit aller Energie Front gemacht werden. Und das ist ja der große Schmerz der Spartakisten. Rosa Luxemburg hat offen gesagt: gegen die Bolschewiki dürsten wir uns nicht verteidigen, dagegen müßten wir die Waffen erneut gegen England wenden. Sollte man das wohl ohne Soldaten machen, Röslein? Regierung unö Gftfragen. Die Regierung wird sich heute nachmittag in einer Sitzung mit den Ostfragen beschäftigen. Neue Verhaftungen in München. Der sreldsoldatenrat des Leibregiments. M ü n ch e n, 2. Januar. Uever nrne Berhaftunge» be- richtet die„Mllnchcn-Augsburger Abendzeitung": Am Abend de? NeujahrStagcs wurde uns von Soldaten unter den heftigsten Drohungen gegen die augenblicklichen Machthaber berichtet, daß der gesamte Feldsoldatenrat des Jnfantcrie-Leibregiments, ferner Oberst von EPP sowie zwei weitere Offiziere des Regi« ments auf Befehl E i S n e r S verhaftet wurden. Die beiden Offiziere feien dem Militärgericht überwiesen worden. Erleichterungen für üas Wahlgeschäft in üen befetzten Gebieten. Darmstadt, 2. Januar. Funkspruch vom franzSsischcw Ariuee-Oberkommando an die hessische Regierung in Darm- stadt: Gemäß den von dem Oberbefehlshaber der alliierten Truppen empfangenen Befehlen werd-n folgende Erleichterungen gewährt, um den Deutschen zu erlauben, die Wahlen für die Nationalversammlung in den besetzten Rheinlanden vorzu- nehmen: 1. Es werden ohne Einschränkung Berichte erlaubt, welche die Borbercitung der Wahlen und die Wahle» selbst be- treffen und welche durch die regelrechten Verwaltungsbehörden ausgefertigt worden sind. 2. Es wird durch die alliierten Truppen und die Freitzeit der Versammlungen gewährt, so- weit sie sich mit der Aufrechterhaltung der Ruhe wie mit einem vorwurfsfreien B"tragen der Bevölkerung den allii-rten Armeen gegenüber vertragen. 3. Der Eintritt in daS besetzte Gebiet oder der Austritt nach dem unbesetzten Deutschland kann denjenigen Personen gewährt werden, die von den anerkannten deutschen Verwaltungsbehörden mit einem Gesuch um Ausstellung eines Paff'S versehen sind. Der Oberbefehlshaber der Armee prüft diese Gesuche, die ihm unter der Adresse des zweiteu Bureaus unterbreitet werden müssen. Das Oberkommando in Mainz. gez. M a n g i n._ Veutftbösterreichs Wille zur§ö'öeration. Das deutschösterreichische S t a a t s a m t hat am 25. Dezember eine Note an das diplomatische Korps aller in Wien vertetenen Mächte gerichtet, in der um Anerkennung der neuen Republik als freier souveräner Staat gebeten wird. Deutschösterreich wünsche mst allen Völkern in Frieden und Freundschaft zu leben und strebe danach, in baldigste föde- rative Verbindung zu einer Staatcmgrnppc zn kommen. Die Note erörtert ausführlich die Gründe, die einer Donau- söderation im Wege stehen und kommt zu dem Schluß, daß der Anschluß an Teutschland den einzigen und richtigen Weg bedeutet. Die Vere'nigten Staaten haben das Recht der Nationen verfochten, sich frei zu vereinigen. Dieses den Polen, Slawen und Italienern zugesprochene Recht könne dem deutschen Volke nicht verweigert werden. Beilegung öes Oergarbeiterftreiks in Oberschleften. Die'Verhandlungen, die gestern in.Kattowitz zwischen den Volksbeauftragten Hirsch und Landsberg, den Gewerkschaftsführern und den Vertretern der streikenden Arbeiter stattfanden, haben zu dem Ergebnis geführt, dah die Streikenden die Arbeit wieder aufnehmen wollen. Es ist vereinbart worden, dass über die Forderungen der Arbeiter in einer Besprechung von Vertretern derselben sowie der Unternehmer unter Mitwirkung der Regierung noch vor dem 15. Januar verhandelt werden soll. ver Zührerberuf der deutschen Sozialdemokratie.> Nur 17 Tage trennen uns noch von den Wahlen zur Nationalversammlung. Der Neujahrsaufruf der sozialdemokratischen Partei an das deutsche Volk spiegelt die Zuversicht, aber auch das tiefe Ver- antwortungsgefühl, mit dem die Pattei an ihre un- geheure Aufgabe herantritt. Es ist wahrlich kein leichtes Los denen zugesallen, die in dieser Zeit dem deutschen Volke Führer sein müssen, und keiner von uns hat sich den Sieg der Sozialdemokratie s o geträumt, wie er gekommen ist und nach unserer Erwartung durch das Volksurteil des 19. Januar bestätigt werden wird. Aber kein Mensch kann sich sein Schicksal wählen, und auch keine Partei kann es. Ob wir wollen oder nicht, wir müssen voran, müssen die schwerste Probe vollbringen, die je einer Partei zugefallen ist, und wir wollen mit ihr vor Volk und Geich>chte bestehen. Der Aufstieg der sozialdemokratischen Pattei zur Regierung ist durchaus kein eruptiver Prozeß, der sich in den November- creignissen plötzlich vollzogen hat. Er liat sich in Jahrzehnten allmählich oorbereitet, hat während des Krieges an Schnelligkeit der Entwicklung zugenommen und ist dann durch die Revolutivli zur Reife gebracht worden. Die Arbeiterbewegung wurde das große Staubecken, in dem sich alle Kräfte der Zukunft samnielten. Zulange künstlich zurückgehalten, haben sie durch'hren Durchbruch auch manche Verheerung verursacht, aber ihrer Bestimmung, fruchtbar zu wirken und die Enerqiezentrale alles künftigen Schaffens zu sein, ist sie dadurch' nictit'entzögen worden. Wenn wir unter den Parteien Umschau halten, welche von ihnen könnte wohl imstande sein, die Sozialdemokratie aus ihrer geschichtlich gewordenen Führerrolle abzulösen? Wir finden rechts die letzten Trümmer der alten reaktiv- nären Klassenparteien in der„D e u t s ch n a t i o n a l e n V o l k s p a r t e i" vereinigt.(Es gibt jetzt überhaupt nur noch Volks- oder demokratische Parteien.) Wer glaubt,_ daß aus diesem Trümmerhaufen dem deutschen Volk noch eine bessere Zukunst sprießen kann? Man kann sich bemühen, objektiv zu sein und neben dem furchtbaren Verschulden dieser extrem- nationalistischen Kreise an unserem Unglück auch noch Spuren historischen Verdienstes aus längstvergangener Zeit zu entdecken — aber selbst dann wird man noch keinen Augenblick daran zweifeln können, daß die Mission dieser Gruppen erledigt ist. Was immer sie gewesen sein mögen— heute? Wenn's Götter gäb, aus diesem Berg der Scherben Vermöcht ein Gott selbst nicht mehr Frucht zu zieh«! Zu ihm gehört aber auch die sogenannte„Christi ich- nationale V o l k s p a r t e i", wie sich das Zentrum jetzt nennt. Diese Partei kann unter demokratischen Verhältnissen niemals eine führende Rolle spielen, weil sie ihrer Natur und Geschichte nach auf einen bestimmten Volksteil, den katholischen, beschränkt ist. Die Zeit der Kulturkämpfe aber ist vorüber, muß vorüber sein: wir haben anderes, wichtigeres zu tun! Wenn das Ungeschick und der Uebereifer des unabhängigen Kultusministers Adolf Hoffmann uns eine neue Welle des Kulturkampfs gebracht hat, so kann das nur eine vorübergehende Erscheinung sein. An eine Vergewaltigung irgend einer religiösen Ucber- zeugung oder konfessionellen Gemeinschaft denkt in der sozialdemokratischen Pattei kein Mensch, wie in dem Neujahrsaufruf der Pattei ausdrücklich festgestellt ist. Um nichts anderes han- delt es sich, als darum, einen Zustand der Freiheit für alle zu schaffen: die dazu notwendigen Auseinandersetzungen lassen sich aber in einer Weise vollziehen, daß keine berechtigten Empfindungen verletzt werden. Auf keinen Fall aber kann das Zentrum seinen Führerberuf dadurch beweisen, daß es die Fun- ken des Kulturkampfs zu neuer Flamme aufbläst. Die Frage nach der Stellung der katholischen Kirche ist auf keinen Fall die wichtigste Zukunftsfrage für das deutsche Volk. Die einzige bürgerliche Partei, die mit etwas ernster be- gründeten Fllkireranspriichen hervortritt, ist die neugebildete „Deutsche Demokratische Partei". Ihr schwebt das Ziel vor, im neuen Deutschland eine ähnliche Rolle spielen zu können, wie die Radikal-Sozialisten-in Frankreich, die unter sozialistischer Etikette stets eine bürgerlich-großkapitalistische Partei waren, aber sich durch Hervorheben ihrer demokratisch- republikanischen Gesinnung stets einen starken Anhang zu sichern vermochten. Solche Spekulation übersieht, daß heute die sozialen Probleme viel zu scharf und klar gestellt sind, als daß ein Sviel mit vieldeutigen Kompromissen noch befriedigen könnte. Die„Deutsche Demokratische Partei" wird entweder als Schntztruvve des Kapitalismus unttihmlich untergeben oder sie wird den Gedanken des Sozialismus, dessen Trägerin die Sozialdemokratie ist. ein Zugeständnis nach dem anderen machen müssen. Auf keinen Fall ist sie zu einer Fiibrerrolle bestimmt. Dieser Beruf ist vielmehr ausschließlich der Sozial- demokratischen Partei zugefallen. Als Trägerin demokratischer Ideale von Anfang her. ist sie berufen, die Volksherrschast in Deutschland zu verwirklichen. AIS Vor- Eämfcfcuu des Sozialismus hat sie die Aufgabe, deii— wie keiner von uns verkennt— schwierigen und gefährlichen, aber unvermeidlich notwendigen Uebergang zu neuen Formen der Wirtschaft und der Gesellschaft durchzuführen. Ihr fällt daher auch eine andere Rolle zu als den ungeduldig drängenden und stohenden Gruppen der Linkeir die sich damit begnügen, ein Ziel zu sehen, ohne nach dem Weg zu fragen. Den W e g zu zeigen, ist Führerberuf. Die Sozialdemokratie kann ihre weltgeschichtliche Aufgabe nur erfüllen, wenn die Masse des arbeitenden Volkes die Größe ihrer Mission begreift. Was durch Zersplitterung der sozialistischen Stimmen erreicht wird, hat die letzte Zeit uns allzu deutlich gezeigt. Das elementare Streben der Arbeiter- Massen, eine geschlossene Kampffront zu bilden, kann aber wieder nur von der Sozialdemokratie verwirklicht werden. In ihrem Lager müssen sich alle vereinigen, die die inneren Ver- heerungen der Niederlage dukch planmäßigen Aufbau wieder � gut machen, die Errungenschaften der Revolution festhalten und zum Segen kommender Geschlechter weiter entwickeln wollen. Frühere Reichstagswahlen, so wichtig sie uns schienen, waren doch immer nur imstande, kleine Verschiebungen der Machtver- Hältnisse zu bringen. Jetzt entscheidet der 19. Januar über die wirkliche Macht, die ganze Macht, und darum ist er ein Tag der Probe für das deutsche Volk, wie es ihn noch niemals erlebt hat. Ter Führerberuf unserer Partei ist etwas geschichtlich Gewordenes, und der Spruch des Volkes kann uns seine Aus- Übung nur erleichtern oder erschweren. Er Wird sie uns er- leichtern, indem er klare Verhältnisse schafft und die Sozial- demokratie in der Rolle bestätigt, die sie seit dem Ausbruch der Revolution gespielt hat, als die M c h r h e i t s p a r t e i der� Nationalversammlung, als die vom Volk erwählte Führerin inschwer st er Zeit!_ Vormarsch öer Tschechen in(dberunaarn. Bei ihvem weiteren Vordringen nach Ungarn sind die Tschechen auf stecken ungarischen Widerstand gestoßen. Schwere Kämpfe mit Artilleriebeschießung haben sich entwickelt. EZ scheint aber, daß die Stoßkraft der Tschechen überlegen ist. Budapest, 1. Januar. Dag Kriegsministerium nieldet: Die Tschechen begannen gestern vormittag ihr Vordringen gegen P o z s o n h und drängten unsere VerteidigungSwachc im Kampf bis zum nördlichen Rande der Stadt zurück. Wir zogen unsere Truppen auf das Sndufer der Donau zurück, worauf die Tschechen die Pozsonyer Patronenfabrik und den nördlichen Rand der Stadt besetzten. Wegen ihres EutzugeS in die Stadt sind Verhandlungen im Gange._ Aufhebung ües KriegszuftanSes in Italien. Lugano, 2. Januar. Die italienische Regierung hebt von Neujahr an fast im ganzen Lande den Kriegszustand auf. d. h. die Ueberordnung der M i l i t ä r g e w a l t über die Zivilbehördsn. Tic Ministcrkrise beigelegt. Bafel, 2. Januar. Nach einer Meldung des„Corriere della Sera" kann die italienische Ministe rkris« als beigelegt ange- sehen werden. Mssolati verläßt die Regierung und wind durch den Abgeordneten Barzilai ersetzt. Der Resormsozialist Bonomi tritt als Minister der öffentlichen Arbeiten in das Kabinett ein. Vereinigung der Sozialisten. Lugano, 2. Januar.(Telunion.) Stach einer Meldung aus Rom Hai die kriegerische sozialistische Unicmspartei infolge des Rücktritts VissolatiZ beschlossen, zur Opposition überzugehen. Sie verlangt die Schaffung des VAkerknmdes, die Abschaffung der Geheimdiplomatie. die Oeffentlichteit der Friedensverhandlungen für das italienische «ölt, eine wirklich? Volkssouveränität, die vollständige Demobili- sierung und die Einberufung einer verfassunggebenden Ber- sammlnng. ' Basel, 2. Januar.(Tslunion.) Aus Rvin wird gemeldet: Nach einer Metdung der„Stempa" beabsichtigen die italienischen Sozialisten der verschiedenen Richtungen, sich zwecks eines gemeinsamen tatkräftigen Handelns zusammenzuschließen.__ Ms öer Geschichte unserer Gewerkschaften. Eine Zeit, in der eine neue Welt im(Entstehen ist, eignet steh eigentlich nicht zu Geschichtsbetrachtungen. Revolutionäre Epoch-n fordern gebieterisch, daß Menschen von Geist und Blut steh ganz den Ausgaben der Gegenwart und Zukunft widmen. In- dessen, kein Zeitabschnitt kulturgeschichtlichen Werdens kann völlig der Ähren entraten, die die Vergangenheit bietet. Steigt nicht der bedeutende Schriftsteller uud Beleuchter unserer gärenden und im Werden begriffenen Zeit in die revolutionären Perioden der Vergangenheit, um Analogien anzustellen und an dem Verlauf «ben dieser hinter unS liegenden gesellschaftlichen Umwälzungen zu lernen� Gerade die Geschichte ist für. die modern« Arbeiterbe- weguna. für deren Wollen und Ziele die große Lehrmeisterin. Sie zu erforschen und die Gegenwart mit den Methoden streng materia. tiftifchen Denkens zu befruchten, gehört zum Grundgesetz gewerk- .schaftlichrr und sozialistischer Arbeit. Soeben ist in der Buchhandlung Vorwärts eine Arbeit er- schienen, die den Sekretär des Zentralarbeitersekretariats Her- mann Müller zum Verfasser hat*) Müller ist uns kein Un- bekannter. Erst aus Anlaß des Marxjubiläums hat er uns in einem Buch« die Stellung von Karl Marx gegenüber der Gewerk- schaftsbcwegung beleuchtet. Er ist auch der Verfasser der Geschichte der Organisation der Lithographen, Steindruckcr und verwandten Berufe. Im ersten Bande dieser Gewerkschaftsgeschichte hat er KereteZ unter Beibringung eine? umfangreichen Materials die Iritumstände und Personen herausgestellt, unter deren Einfluß die deutsche GewerkschaftSb-wegung die ersten Gehversuche machte. Wie Müller im Barwort seines neu erschienenen BucheS betont, ist er bei der Wfasfung desselben weniger einem inneren Drange, «ilS vielmehr dem«n ihn herangetretenen Wunsche gefolgt, den ersten Teil deS ersten Bandes seiner Geschichte der Lithographen usw. in einer Sonderausgabe herauszugeben. Der Erfüllimg dieses Wunsche? haben sich die Zeitumstände und auch die Kosten. frage als ein Hindernis entgegengestellt, so daß er eS vorzog, unter Weglastung eincS Teils des in dem erwähnten Geschichtsiverk der- wendeten Materials eine völlige Neubearbeitung des Stoffes vor- zunehmen. Der mit dem Gefchichtsmaterial Vertraute wird beim Durchlesen des Müllerfchen Buches die Ueberzeugung gewinnen, daß durch die Zufammenfaffung und kritische Bearbeitung des Ma- terials daS neue Werk an Wert nur gewonnen hat Die von dem Verfasser auS den geschichtlichen Vorgängen gezogenen Folge. vungen sowie seine Beurteilung der an der Wiege unserer Ge- »verkschaften stete reden Personen geben dem Buch eine persönliche Note. ES erfüllt indessen-einen doppelten Zweck. Durch die Tat- *) Geschichte der deutschen Gewerkschaften bis zum Jahre 1578 von Sermann Müller, Preis geb. 6 M. Verlag Buch- Handlung Vorwärts, Berlin, Lindenftr. 3, die Kasseler Mbeiterfchaft füe öieNegieruna. (Eigenbericht des„Vorwärts".) Am Neujahrstage kam es in Cassel zu einer machtvollen Kundgebung der Casseler Arbeiter- schaft für die Regierung Ebe r t- S ch c i d e m a n n. Sie von der Sozialdemokratischen Partei einberufen wurde. Die drei Säle der Casseler Stadthalle, die bei dieser Gelegenheit zum ersten Male der Sozialdemokratie ihre Pforten öffnete, waren lange vor Beginn 'der Kundgebung von etwa 6000 Besuchern überfüllt, und Hunderte mußten wieder umkehren. Redner waren Genosse Dr. Q u a r ck- Frankfurt, Genossin Ouarck- Hammer schlag und die Genossen Schöne- Cassel und H a u s ch i l d- Cassel. Ein Spartakus- mann, der in der Debatte das Wort ergriff, wurde schon beim ersten provozierenden Satze durch den Unmut der Versammlung am Weiterreden verhindert. Die Casseler Sozia-Idemokra-jie sieht dein 19. Januar siegesmutig entgegen. Ihr Organ, das„V o l k s b l a t t", hak seit der Revolution 12 000 neue Bezieher, die Parteiorganisation über 6 000 neue Mitglieder gewonnen. Die Casseler Gewerkschaften konnten seit dem Tage der Revolution einen Mitgliederzuwachs von 12 0 0 0 verzeichnen— wahrlich ein ermutigender Ausblick auf die Zukunft Gegen Spartakus. Frankfurt a. Ai., 2. Januar. In einer gestern stattgehabten sozialdemokratischen Parteiversammlung, die sehr stark besucht war, wurde über die, programmatischen Forderungen der Soziakdemo- kratischen Partei zur Nationalversammlung gesprochen und die Wühlarbeit der Spartakusleute in den Kohlenrevieren stark ver- urteilt. Die Hoffnung der extremen Richtung, daß die zurück- kehrenden Soldaten in hellen Scharen sich den Terroristen zuwenden tvürdcn, habe sich nicht erfüllt. Die alte Partei mit ihrem bewährten Programm fei der Kulminationspunkt für alle politische Betätigung geworden, und sie werde auch diesen Wahlkampf mit aller Kraft und Entschlossenheit im Interesse des Volkes und zur Sicherung der Revolution führen. Stettin, 2. Januar. Die erste hiesige Spartakusversammlung wurde durch Soldaten med Mehrheitssozialisten, welche frühzeitig das Lokal befetzt hatten, vereitelt. Der Berliner Referent er- hielt keinen Einlaß mehr- Es folgten Straßenkundgebun- gen für die Regierung und die Demokratie. Eichhorn auf üem Serichtigungspfaö. Der Unschuldsengel iu, Polizeipräsidium. Zu dem am 1. Januar von uns abgedruckten Artikel der P. P.N, verbreitet Polizeipräsident Eichhorn eine aus 12 Punkten bestehend« Berichtigung, für deren sachlichen Wctt schon die ersten Punkte beredtes Zeugnis ablegen. So lautet Punkt 1: Es ist unwahr, daß die russische Telegraphenagentur(Rosta) Organ der russischen Botschaft ist. Sie ist ein selbständige» Preßunternehmen. Setzt diese Behauptung schon ein hohes Maß von Naivität des Lesers voraus, so mutet die zweite mxh merktvürdiger an, die lautet: Es ist unwahr, daß mein Gehalt bei der„Rosta" 1700 M. betrug, wobei ich bemerke, daß ich in einer anständigen Bezahlung auch noch keinen Makel zu sehen vermag. Also waren es 1600 oder 1800 M! Warum nennt Eichhorn, iveirn er auf die Berichtigung dieses Punktes so hohen Wert legt, nicht die Summe, die er tatsächlich erhielt?!— In dieser Weise „berichtigt" Eichhorn weiter. In Punkt b-behauptet er, daß die unlauteren Element« aus der Sicherheitswehr beseitigt find. Das ist richtig, nur mit Vorbestvasten Elementen, die ein Mitgliedsbuch der U. S. D. P. vorweisen konnteil, wurden Ausnahme« ge- macht. Punkt 11 der Berichtigung lautet: Unwahr ist, daß viele Tause ndc von Gewehren und Revolvern in das Polizeipräsidium geschafft worden sind. Das Polizeipräsidium verfügt nur über die notige Ausrüstung für die Sicherheitsmannschaften. Hier sagt Eichhorn sogar die Wahrheit, aber nur die halbe. Richtig ist nämlich, daß Eichhorn viele Tausende Gewehre und Re- volver angeschafft hat. Eine böse Fama toill aber wissen, daß diese nie ins Polizeipräsidium gelangt sind, sondern-- vielleicht erzählt unS Eichhorn in seiner nächsten„Berichtigung", wohin! fache, daß die Gründer der Gewerkschaftsbewegung zugleich auch führende Personen der politischen Bewegung waren und die Ge- lverkschasten in den Dienst ihrer politischen Zwecke zu stellen such- ten, werden wir zum Teil mit der Geschichte der Sozialdemokratie vertraut gemacht. Daß der Verfasser in übersichtlicher und für jeden leichiverständlichen Form die Rolle aufzeigt, die der im Innern seines Wesens gewcrkschaftsfeindliche Schweitzer bei der Gründung der Arbeitervcreinigimgen gespielt und ivelckier diktatorischer Mittel derselbe sich bedient hat, um die Gewerk- schaftsbewegung im Parteiinteresse zu mißbrauchen, ist von großem Wert. Das fragwürdige Spiel Schtveitzers wurde ihm selbst zum Verhängnis, er trug damit den Keim der Zersetzung in die junge Bewegung. Bebel, dessen Stellung zu den Gewerkschaften stets offen und ehrlich war, erkannte im Verein mit Liebknecht das diktatorische Spiel Schweitzers, und diese beiden warfen ihm daher vor, daß ihm an der Dikiatur sehr viel, an den GcwcrkSgenossen- schaften jedoch sehr wenig gelegen sei. Entgegen der Taktik Schioeitzers und den Gründern der Gewerkdereinsbcwegung Dr. Hirsch und Duucker, welch letztere di« Arbeiter an den Karren der Fortschrittspartei spannten, hat Bebel sein ganzes Leben lang be- tont, daß die Gewerkschaften nur dann ihre Mission erfüllen können, wenn sie obne Rücksicht auf politische Anschauungen alle unter der kapitalistischen Ausbeutung Leidenden ui ihre Reiben aufnehmen und deren wirtschaftliche Interessen' verfechten. Sein scharfer Sinn für die Praxis geht aus dem von ihm entworfenen Siahteenentwurs hervor; dieser zeigt zugleich eine starke organi- fato tische Uebcrlegeitbeit gegen Schweitzer. Bebel ist die Ver- körperung der Demokratie, weil er von unten organisiert, im Gegensatz zu Schweitzer, der seinen Organisationsbau von oben begann. Müller behandelt die Geschichte der deutschen Gewerkschaften nur bis zum Sozialistengesetz; er ist der' Ueberzeugung. daß für die spätere Zeit das Buch von Paul Umbreit:„26 Jahre deutscher Gewerkschaftsbewegung 1890 bis 1915" bis zu einem bestimmten Grade ferne Arbeit ergänzt. Als ein Vorzug des Buches ist es zu betrachten, daß der Ver- fasser im Schlußkapitel:„Theoretisches über die Gewerkschaftsbe- wegung" den Leser mit den zuweilen recht sonderbaren Auffassun- gen, die hervorragende Arbeiterführer über die Gewerkschaftsbe- wegung hatten, bekannt macht. Unter ihnen war es wieder Schweitzer, der als der begabteste Anhänger Lassalles auf Grund des bekannten ehernen Lohngesetzes die Gewerkschaften für über- flüssig, ja sogar schädlich hielt. Das Verdienst von Marx war es, mit diesem von Lassalle aufgestellten Gesetz aufgeräumt zu haben. Die Weiterbildung der Gewerkschaftstheorie fti den Bahnen neiier Erkenntnis war.fortan gesichert. Daß die Gewrrkfchafts- bewegung später noch mancherlei obskuren Auffassungen über ihren Wert für den Kampf der Unterdrückten um eine bessere Zukunft ausgesetzt war. hat da» Gesetz ihrer notwendigen Entwicklung nicht wesentlich beeinflußt. Und auch ihre heutigen Kritiker mögen sich gesagt sein lassen, was Müller am Schluß seines lesenswerten Buche? über die Gewerkschaften sagt: „Wie da§ Endziel, die sozialistische Gesellschaft, auch verwirk- licht werden mag, die Arbeiterklasse wird es sein« die es herbei- Zwischen Spartakus unö Unabhängigen. Ledebour zwischen zwei Stühlen. Die Reichskonferenz des Spartakusbundes ist mit ihren«ige- nen Waffen geschlagen worden: Nachdem sie ihre Beschlüsse gefaßt hatte, erschien von außen her eine Deputation der„Revolutionären Obleute" und verlangte Aufhebung dieser Beschlüsse. Das Interessante ist, daß cm der Spitze dieser Deputation Ledebour, D ä u m i g und Richard Müller standen, die Vorkämpfer des linksradikalen Flügels in der U, S. P. D. Der Spartakusbund hat sich aber selber nicht an sein Rezept gehalten, das doch dahin geht, daß eine Konferenz vor den ein. dringenden„Massen" sofott in die Knie sinken und ihre Beschlüsse nach deren Willen revidieren müsse. Sie hat zwar mit Ledebour und Genossen verhandelt, aber die Verhandlungen sind, wie Lieb- knecht am Sonntag berichtete, ergebnislos verlausen. Es handelte sich vor allem um die Teilnahme an der Nationalvcr- sammlung, die von den revolutionären Obleuten mit 26 gegen 16 Stimmen gefordert wurde, von der Spartakuskonferenz aber mit 63 gegen 23 Stimmen abgelehnt worden war. Hier wollte die Konferenz den Obleuten so weit entgegenkommen, daß sie ihren Be-- schluß nicht als prinzipiellen AntiParlamentarismus auslegen wollte. Aber von den übrigen Forderungen der Obleute erklärte Liebknecht, sie enthielten eine so scharfe Kritik an der bisherigen Tätigkeit des Spartakusbundes, daß jede weitere Verhandlung sich als zwecklos erwiesen habe. Die Spartakuskonferenz gab aber ihrem Aerger über die Störung ihrer Tagung durch Ledebour und Genossen noch energi- schert Ausdruck durch einstimmige Annahme einer Resolution, die bedauernd feststellt, daß einige linksradikale Mitglic. der der bankerotten U. S. P. D. versuchen. Verwirrung in die Reihen der revolutionären Obleute und Vertrauensleute Groß. Berlins zu tragen. Der Parteitag erklärt, daß er sich durch.diese Quer. treibereien nicht beeinflussen lassen wird". * Gleichzeitig mit dieser Ohrfeige von links bekommt Ledebour aber eine noch schallendere Ohrfeige von rechts von seinen bisherigen '„Parteifreunden" in der U. S. P. D. Die„Freiheit" greift Ledebour, Däumig und Richard Müller in der allcr- heftigsten Weise an. Sie spricht von„parteizerstörendem Treiben" und wirft Ledebour und Genossen vor, sie haben die Organisation der revolutionären Obleute dazu mißbrauchen wollen, um die AnHängerderll. SP. D. indasLagereineranderen Partei, der Spartakus-Kommuni st en, zu führen. Jetzt sei auch enthüllt, warum Ledebour und Genossen die Berliner Organisation gegen die Kandidatur HaaseS aufzuhetzen versucht hättet:: Als Ledebour wtd seine Freunde sich weigerten, mit Haase auf eine Liste zu kommen, da glaubten sie der R ü ck v e r- s i ch e r u n g gewiß zu sein, da war die Liste Liebknecht-Ledebour schon fettig, da waren die revolutionären Obleute schon gewonnen. Jetzt sind ihnen die Felle davong« schwömmen und aus der erhofften Einigung ist nichts geworden. Die„Freiheit" findet es merkwürdig, daß Richard Müller und Däumig an einer so„nebensächlichen Frage" wie der Wahlbeteili- gung Anstoß genommen hätten, denn sie hätten sich doch erst vor kurzem ausS energischste gegen die Wahlbeteiligung erklätt.„Nur Ledebour"— schreibt die„Freiheit"—„ist sich konsequent geblieben, er war immer fürs Wählen und— Gewähltwerde it." Die„Freiheit" klagt die Linksradikalen weiter an, daß sie bis« her schon übergenug Verwirrung und Schaden in der U. S. P. D. angerichtet hätten. Jede Parteiführung haben sie unmöglich gemacht, haben durch die Albernheit, an dem Zentralrat sich nicht zu beteilige», alle Macht den Rechtssozialisten in die Hände gespielt. Jetzt aber denken wir, ist e S genug, und wir erwarten von der Berliner Arbeiterschaft, daß sie diesem unseligen Treiben endlich Ein- halt gebietet. Besonders unglaublich findet es die„Freiheit" von Ledebour, daß er— im Gegensatz zu Däumig— nicht einmal den Takt gehabt habe, seine Mitgliedschaft in der Parteileitung nie- derzulegen, bevor er offen an die Parteisprengung ging. Sie er- klätt rund heraus, daß ein weiteres Zusammenarbeiten mit einem Manne» der eine solche Doppelrolle spielt, unmöglich ist. fühtt. Auf dem Wege dazu sind die Gewerksckxrften nicht nur die Schrittmacher der Arbeiterpolitik, sie sind in jedem Falle die un- bedingte Boraussetzung des endgültigen Sieges der Arbeiterklasse.">__ Karl Mermuth., « Notizen. — Gegen staatlich subventionierte Kunstausstellungen wendet sich in der„Frankfurter Zeitung" Paul Westheim in einem Anschreiben� an das preußische Kultusministe- ttum. Er fordert, daß der Staat in Dingen der Kunst sich völlig neutral verhalte; jede staatliche Ausstellung laufe aber bei der Zahl von 17 000 Künstlern, die in Deutschland arbeiten, entweder aus eine„unübersehbare Orgie des Ungesckmacks" hinaus, oder, wenn die Zulassung beschränkt wird, auf tue Scheidung in„eine vom Staat pttvilegiette und eine vom Staat verfemte Kunst". Der Staat könne nicht mehr tun, als A u s st c l l n n g s r ä u m c der Künstlerschaft allgeinein zur Verfügung zu stellen, möglichst tieine Räume, um deren abwechselnde Benutzung die K'ünstlargtuppcn sich ganz unter sich zu einigen hätten,„Was in diesen Räumen geschieht, geht den Staat nichts an, fällt nicht unter scine Verant- wottlichkeit und kann daher auch nicht als irgendwie von ihm pttvilegiett angesehen werden," Die Bemerkungen WestheimS sind veranlaßt durch den mi- nisteriellen Entschluß, wieder eine„Große Berliner Kunstausstellung" zu veranstalten. Westheim vertraut den gegenwärtig für die An. gelegenheii Verantwortlichen Faktoren in der Regierung, daß sie keinen Weg wählen wenden, der früheren Schäden weiter Vorschub leisten würde. — Ein Zwischensemester an der Berliner Uni- versität. Auch die Berliner Universität hat sich entschlossen, vom 3. Februar bis 16. April für Studierende aller Fakultäten zur Förderung der Kriegsteilnehmer ein Zwischenfemester einzulegen. Es wird als Studiensemester angesehen. — Schillerthewter. Kadeldnrgs alter Schwank„Der Reisebegleiter", den das Schillertheater hervorgeholt, gehört zu den keineswegs zahlreichen Exemplaren dieses Genres, in denen der gute Wille des ZuschtuerS, sich einmal harmlos töricht auszu- lachen, auf seine Rechnung kommt Wer von Berufs wegen durch lange Jahre die Bühnennovitäten zu vorfolgen hat, weiß, wie selten jenes Ziel, über dessen Anspruchslosigkeit die Leute von der Lite- ratur meist nur die Achsel zucken, auch mir halbwegs erreicht wird, weiß, daß die Treffer hier nickst tpeuiger spärlich als anderswo ge- sät sind. In der Regel wird der Besucher sich als Geprellter fühlen, der das Vergnügen, am Abend ein paarmal ein Gelächter anzu- schlagen, alles in allem mit einem Ueberschutz verdrießlicher Lange- weite hat erkaufen müssen. Hier stellt sich die Bilanz um vieles günstiger, zumal der Autor, ein sicherer Techniker des Fachs, sich einige seiner besten Einfälle zur Lösung des leichtgeschürzten Änvienö aufgespart hat und die mit nur geringen Unterbrechungen durchgehaltene vergnügte Stirn» mung am Schlüsse noch effektvoll steigert. Die nicht wählerischen, doch bühnenwirksamen Humore wurden durch eine temperamentvoll ilotte Darstellung, der man die Lust und Liebe zur Sache ansah, glücklich unterstützt, ch. Wir haben nun also glücklich links von der alten sozial- demokratischen Partei drei Parteien zu verzeichnen: Die U. S. P. D., den Spartakusbund und die von beiden Seiten herausgeworfenen Linksradikalen. Jede der drei behauptet, den allein echten Ring des Radikalismus in der Prinzipien- festigt'eit zu besitzen, und hat soviel damit zu tun, die beiden anderen Gruppen als Quertreiber und Verräter zu titulieren, daß sie schon fast gar nicht mehr zum Schimpfen auf die Mehr- heitssozialisten und überhaupt nicht zum Kampf gegen dasBürgertum kommen. Dabei steht die z a h- lenmäßige Anhängerschaft dieser Grüppchen in kläglichem Gegensatz zu ihrer Mannigfaltigkeit und Wichtigtuerei. Alle drei zusammen haben noch nicht den fünf- ten, wahrscheinlich noch nicht den zehnten Teil der Massen hinter sich, die zur alten Partei halten. EinBildvölligerZerfahrenheitundAuf- l ö s u n g! Die U. S. P. D. ist i n d r e i T e i l s zerfallen. die sich wahrscheinlich in kurzem gegenseitig aufreiben werden. Sie hat damit das notwendige Schicksal einer Partei erfahren, deren Wesen in reiner Negation bestanden hat. So- lange der Krieg dauerte, war diese Politik zur Not möglich. Als die Partei aber nun vor die Jfrage gestellt war, zur positiven Arbeit überzugehen, da versagte sie— sie mußte ibrer ganzen Vergangenheit nach versagen. Der größte Teil ibrer Mitglieder kann aus der Oppositionsbequemlichkeit des konsequenten Neinsagens, zu der man sie erzogen hatte, nicht heraus, und der einsichtigere Teil der Führerschaft muß setzt selbst klagend zugestehen, daß ihnen der Versuch positiver Ar- beit durch das„alberne" Sichausschließen der von Ledebour verftihrten Gefolgschaft aus dem Zentralrat unmöglich ge- macht worden ist. Das sind die Früchte einer reinen Agita- tionspolitik! Alle Schuld rächt sich auf Erden. , /Schäbige Kampfesweise/ Gewerkschaftsbeamte als'Bekämpfer derGewerkschafteu? Unteir dem obigen Titel entrüstet sich die„Freiheit" darüber, daß wir auf die Gewerkschaftsführer hingewiesen haben, die im Spartakusbunde eine offene Tätigkeit gegen die Ge- tu e r k s ch a f t e n entfältem Sie schreit über„Maßregelungen" und zitiert den Satz:.Wer nicht pariert, der fliegt." In der.Freiheit" scheint einige Begriffsverwirrung zu Herr- schen. In der gleichen Nummer der.Freiheit" wird es als unge- heure Taktlosigkeit Ledebours erklärt, daß er nicht fem A m t i n der Parteileitung der U. S. P. D. niedergelegt hat, bevor er an die Parteisprengung ging. Mit den Gewerkschafts- führern ist es genau dasselbe. Wenn die Heckert und Lange zu der Uebcrzcugung gelangt sind, daß die Gewerkschaften nicht mehr die richtige Organrsationsform des Proletariats sind, so ist es ihre Sache. Aber ehe sie nun hingegen und diesen Standpunkt in einer Parter propagierten, welche die Zugehörigkeit ihrer Mitglieder zu einer Gewerkschaft für unvereinbar mit ihren Partei. Prinzipien erklärt und sogar eine Austrittsagitation aus den Gewerkschaften anregt, tvar es ihre selbstverständ- liche Anstcmdspflicht, vorerst ihre Aemter in den Ge- werkschaftcn niederzulegen. Gewerkschaftsbeamter zu sein und die Gewerkschaften zu bekämpfen, halten wir für eine Moral mit doppeltem Boden, und wenn die„Freiheit" das nicht einsieht, so glauben wir, daß dieses mangelhafte Begriffsvermögen nur von wenigen geteilt werden wird. - Der Vorsitz im Schulvorsianöe. Ein Lehrer schreibt uns: Die geistlichen Ortsschulauffeher sind beseitigt. Obgleich viele von ihnen ihre Unfähigkeit zur Beouf- sichtigun« der Lehrer offen bekannten, sind sie jetzt doch bedrückt, weil sie einen Teil ihrer Herrschaft verloren haben! Aber sie trösten sich damit, daß ihnen ein anderer und zwar sehr erheblicher Teil des Einflusses ans die Schule noch geblieben ist. Das ist der Vorsitz im S ch u l v o r st a n d e. Auch dieser alte Zopf muß sofort abgeschnitten werden. Die Konsistorien haben bereits den Geistlichen mitgeteilt, daß ihnen der Vorsitz im Schulvorstande, wo er ihnen bisher von den Regierungen übertragen war, auch weiterhin verblieben sei. Daraus ist ersichtlich, daß man großen Wert darauf legt, an dieser Stelle die Bevormundung der Lehrer weiter ausüben zu können. Auf dem Lande ist es nämlich so, daß meistens die Geistlichen den Vorsitz im Schulvorstande hoben. An manchen Orten, namentlich in Gesamtschulverbänden, ist er auch den Gemeindevor- stehern übertragen worden: in seltenen'Fällen den Lehrern. Dieser ist in kleinen Orten mit einklassigen Schulen der einzige Sachver- ständig« in Schulsachen und daher der natürliche Vorsitzende des Schulvorstandes. Die Lehrer verlangen daher, daß den Geistlichen auch der Vorsitz im Schulvorstande sofort entzogen wird. Wo es irgend angängig ist, soll er den Lehrern übertragen wenden. Zum Untcrftaatssckretgr im Auswärtigen Amt ist Barou Langwerth von Simmcrn ernannt worden. GewerkschofizbcwWNg Aorveruugen der Krankentaffenangestellte«. Eine von der Zentralkommission der Kranken. lassen Berlins und der Vorort« zum 30. Dezember einberufene Versammlung der Krankenkassenvovstände er. örterte nochmals die Forderungen der Kassenangestellten. Wie der Borsitzende B e n d i g berichtete, haben die von den Kassenvorständen in ihrer vorigen Versammlung gefaßten Beschlüsse die A n g e< stellten nicht befriedigt. Jene Vorständeversammlung hatte den Vereinbarungen, die über die Wiedereinstellung von Kriegsteilnehmern, über die Grundsätze für die Entlassung über. flüssig gewordener Hilfskräfte und über die zur Minderung der Entlassungsnotwendigkeit durchzuführende Verkürzung der Arbeits- zeit mit dem Verband der Bureauangestellten getroffen worden waren, nur mit Einschränkungen zugestimmt. Sie hatte sich dafür erklärt, die Arbeitszeit aus 7 Stunden zu verkürzen, und diesen Beschluß eiustweilen auf die Zeit bis zum 1. April 1019 erstreckt. Nicht angenommen hatte sie die Bedingung, für Personaleinstellun- gen stets nur den Verbandsnachweis zu benutzen. Auch hatte sie sich gegen die inzwischen hinzugekommenen neuen Forderungen aus- gesprochen, den Angestellten ein« zweite einmalige Teuerungszulage und diese auch den jetzt wiedereingetretencn Kriegsteilnehmern zu geben und die Arbeitszeit am Sonnabend aus 6 Stunden zu beschränken. Der Verband hat in einem Schreiben, das am 21. Dezember in Bcndtgs Hände gelangte, um Einigung bis zum 24. De- zember ersucht. Falls sie nicht zustande käme, würden weitere Schritte vorbehalten. In der erneuten Versammlung stellte Bendig fest, daß es unmöglich war, di« Kassenvorstände in so kurzer Frist zusammenzurufen. Er legte nochmals dar, daß die Beschränkung auf den Verbandsnachweis hindern würde, auch mal von anders- woher eine tüchtige Kraft zu holen, daß mn Sonnabend bei Ver- kürzung der ArbeiiszcU um noch eine Stunde eine rechtzeitige Ab- rechnuug umöglich würde, daß nach der erst vor mehreren Wochen gezahlten einmaligen Zulage die geforderte zweite die jetzt ohne- die» meist notleidend.� Kassen aufs schwerste belasten und sie zur Erhöhung der Beiträge zwingen würde. Zu der Versammlung. waren auch Vertreter des Bureguangestelltenverbau« des eingeladen worden, unr die Angestelltenforderungen nochmals und in größerem Kreise zu begründen. Bräunlich berichtete, bei den Angestellten habe die Ablehnung einiger ihrer Forderungen große Erregung hervorgerufen. Er rügte, daß bei den Abstrichen vor Beschlußfassung nicht wieder der Verband gehört worden sei. Eine Verständigung müsse noch jetzt erreicht werden. Krüger bestritt, daß bei den Kassen schon soviel für die Angestellten getan worden sei. wie nach der Verteuerung aller Lebensmittel ustv. zu erwarten gewesen wäre. Da seien die Löhne in der Industrie doch ganz a-nders gestiegen. Den Beschluß 5er Kassenvorstände müsse man dahin auffassen, daß die siebcnstündige Arbeitszeit schon am 1. April 1319 wieder durch achtstündige ersetzt werden�soll. Redner erklärte, er bekämpfe„die zum Teil ganz sinnlosen Streiks". Bei Nichtzustandekommen einer Einigung werde es aber, glaube er, n,cht möglich sein, die Angestellten von Sch r i t t e n abzuhalten, die er bedauern würde. Auch ü h l e n erklärte, die Stimmung der Angestellten sei so, daß er nicht � mit leeren Händen zu ihnen zurückkehren dürfe. Die weitere Erörte- rung zeigte, daß über den Beschluß bezüglich der Arbeitszeit- Verkürzung ein Wißverständnis vorgelegen hat. Es sei Jwn vornherein Absicht der Kassenvorstände gewesen, später neu darüber zu verhandeln, was nach dem 1. April geschehen soll. Auch über die übrigen Punkte gingen die Meinungen nicht so weit ausein- ander, tvie es zunächst schien. Einander naher zu kommen, mahnte besonders A t b. K o h n mit Erfolg. Krüger erklärte dann, bei einer Verständigung über die Arbcrtszsit nach dem 1. April werde bezüglich der übrigen Punkte der Verband mit sich reden lassen. Die Versammlung stimmte dem Vorschlag zu, nochmals mit dem Verband zu verhandeln. Verband der Vertreter der Putzvranchc, E. B., Berlin. Geschäfts- stelle: Cbarlotteiiburg, Sybelstr. 16. In einer in der Handels« kammer von mehr als 300 Vertretern der Branche besuchten öffent- lichen Versammlung deS Verbandes wurden folgende Forderungen aufgestellt und durch eine Resolution einstimmig genehmigt: 1. Reit- loie Einstellung der Kiiegsteilnebmer, welche vordem I.August 1914 bei der Firma tätig waren auf mindestens drei Monate zu einem der jetzigen Zeit entsprechenden Gehalt. 2. Nackzahlung der im Fahre 1914 gekürzten Gehälter. 3. Zahlung einer einmaligen Entschuldungssumme oder Teuerungszulage, ohne Anrechnung auf die erhaltene Unlerstützung. 4. Gleichmäßige Belieferung der Kunden der Geschäftsinhaber und derjenigen der Reisenden, b. Bleibt von dem Betrage der eingesandten Orders der Reisenden mebr als 10 Prozent unausgeführt, so sind dock 90 Prozent Provision zu entrichten, es sei denn, daß der Prinzipal nachweist, daß die Ausführung wegen- Insolvenz der Kunden oder wegen höherer Gewali unterblieben ist." 6. Fest- itellung deS ProvisionSauSzuaes aus den Büchern durch den Reisenden. 7. Alle bestehenden Veuräge sind laut obigen Forde- rungen abzuändern._ Die Rückzahlung der bei Kriegsausbruch gemachten GchaltS- abzüge. Der iii der Morgenausgabe vom 21. Dezember 1918 des „Vorwärts" enthaltene Artikel hat einen großen Kreis von An- gestellten bczw. früheren Angestellten mit großer Genugtuung er- füllt. Einer der vielen Einsender schreibt hierzu: Es bedeutet in der Tat auch nichts Weiler als die Wiedergutmachung eines schreienden Unrechts, das sich die Chefs haben zu Schulden kommen lassen. Meine Frau war vor dem Krieg zehn Jahre mit einer kurzen Unterbrechung bei der Firma E. E. Mezner, Wäsche- ausstatlungen, als Wäichezuichneiderin tätig. Sie bezog bei Krieg«- auöbruch ein Gebalt von 110'M. monatlich. Gleich nach Kriegs- anSbrnch, im Anfang August 1914 trat der Chef der Firma, ein Herr Lange, an seine Angestellten heran mit der Erklärung, daß er mit Rücksicht aus die Lage nicht im stände sei. das bisberige Gebalt weiter zu zahlen, sondern daß er eS auf 60 Mark monatlich schon für August 1914 kürzen müsse. Die Angestellren mußten sofort schriftlich ihr Ein- verständntS damit abgeben. Weil sich die EntWickelung der Dinge damals nicht absehen ließ und allgemein doch nur mit einer ganz kurzen KnegSdauer gerechnet wurde, erklärten sich die Angestellten damit einverstanden. Einzelnen Angestellten hat der Ches überdies mündlich und geiprächSweiie erklärt, daß er beabsichtige, bei gutem Geschäftsgang die gemachten Abzüge nachzuzahlen. Das ist aber nicht geichehen, obwohl die Voraussetzung dazu gegeben war. Das Wäschegetchäst hat sich im Anfang des Krieges nicht verschlechtert, sondern gehoben, so daß im August 1914 Sonntagsarbeit bei ge- kürztem Gebalt geleistet werden mußte. Es wurde z. B. sehr viel ieidene Wäsche für Offiziere für das Feld zu guten Preisen geliefert. Außerdem gelaugte bekanntlich der enorme Warenvorrat nach und nach vollständig zum Ausverlauf und zu Preisen, die das Bestehen deS Geschäfts und ausreichenden Gewinn zuließen. Die Gehallskürzung auf 60 M. dauerte etwa 6 Monate, dann wurden 8ö M. gewährt, dann 100 M. und erst»ach etwa 11 Mo- naten wurde das frühere Gehalt gezahlt. Eine Einforderung der ein behaltenen Beträge von der Firma ist nach den bisherigen ge- setzlicken Bestimmungen nicht möglich und deshalb muß das durch Verordnung möglich gemacht werden. Firmen der gleichen Branche sollen schon bald die anfangs vorgenommene Gehaltskürzung auf- gehoben und die gekürzten Beträge nachgezahlt haben. Groß'ikülm Im Alten Schloft. Zu einem Besuche des Alten Schlosses hatte das Finanz. Ministerium die Vertreter der Presse eingeladen. Die Besichtigung brachte uns in einem Punkt eine Enttäuschung. Nach den durch die Beschießung angerichteten Verwüstungen der Außen- seile hatten wir uns auf ein ähnliches Bild im Innern gefaßt ge- macht. Drinnen ist aber nicht viel von Beschädigungen zu sehen, und selbst an der„Houptkampsfrvnt" nach dem Lust- garten hinaus bemerkt man in den Sälen und Korridoren nur wonig Spuren des Kampfes. Die allerdings in großer Zahl zer- störten Fensterscheiben sind ziemlich das einzige, was sogleich auf- fällt. Die Glaser sind übrigens schon dabei, diesen Schaden aus- zubessern, vor allem an der Wetterseite. Ja einioen Räumen sahen wir noch Maschinengewehre, die auf Tischen aufgestellt und gegen die Fenster gerichtet waren. Auf der Schloßplatzfoite bedrohte ein Maschinengewehr die Brettestraße, die es in ganzer Ausdehnung bestreichen konnte. Diese Waffen gehörten zur Hinterlassenschaft der Matrosendivision. Sie werden inzwischen mi-t ihr, die gestern gerade zur Zeit unseres Besuches ihren Umzug boendete, aus dem Schloß verschwunden sein. In einem anderen Punkt wurden leider durch das, was wir zu sehen bekamen, alle unsere Erwartungen überboten. Die Diebe, von denen das Schloß geplündert worden ist, haben i n fast unglaublicher Weise darin geh au st. Aus den Prunkräumen ist verhältnismäßig wenig geraubt worden, obwohl auch dort mehrere Bilder und eine größere Zahl kleiner Kunst- gegenstände den Dieben in die Hände gefallen sind. Viele Kunst- werke von hohem Wert waren schon im November durch das Finanz- Ministerium, das den Inhalt des Schlosses in seiner Obbut hatte, an anderer Stelle untergebracht und verwahrt worden. Am schlimm- stcn ist es in den Räumen hergegangen, die von dem früheren Kaiser und setner Gattin bewohnt worden waren. Völlig aus- geraubt sind die Garderoben. In den Räumen sieht eS aus, wie es in Ostpreußen nach dem Russenein fall ausgesehen haben mag. Alle Spinde, Kästen, Koffer, Schachteln und sonstigen Behälter sind geöffnet und ausgeräumt, und wüst liegen die Reste ihres Inhalts durcheinander auf dem Fußboden. Geplündert wurde auch in den Wohnräumen, mehrere Schreibtische wurden erbrochen und aus- geraubt, geleerte Etuis liegen umher. Aus dem Schlafzimmer des ehemals kaiserlichen Ehepaares sind auch Betten als willkommene Beute davongcschleppt worden. Die Plünderer haben aber auch Geringeres nicht verschmäht. Sie haben der in einem anderen Teil des Schlosses untergebrachten Livreekamme? ihre sich oft wieder- holenden Besuche abgestattet und dabei ueitgehen heißen, was wert- voll und verwertbar schien. Eine von der Matrosendivision eingerichtete Kriminalabteilung hatte die Aufgabe, von den geraubten Gegenständen wieder herbei- zuschaffen, was erreichbar war. Es ist ihrem Leiter, dem Matrosen Jürgcnsen, gelungen, eine immerhin recht ansehnliche Sa mm- tung solcher Diebes beute zusammenzubringen. In einem Raum ist der Ertrag aufgestapelt. Wertvolles und Wertloses, neben zwei mit Brillanten besetzten Degen des früheren Kaisers und seinem ebenso kostbar ausgestatteten Feldmarschallstab, neben Orden mit Brtllantenschmuck, neben silbernen und vergoldeten Eßbestecks auch allerlei Kram, z. B. Lakaienmützen, Schuhe und ähnliches. Die meisten dieser Gegenstände sind den Räubern noch innerhalb des Schlosses wieder abgenommen worden. Unter ihnen befanden sich noben Matrosen und anderen Soldaten auch Zivilpersonen, die in den Wochen zwischen dem 9. November und dem 24 Dezember sich Zutritt zum Schloß verschafft hatten. Wieviel überhaupt gestohlen worden ist, wird niemals genau festzustellen sein Man schätzt die verlorengegangenen Werte auf ein Vielfaches oer wiedererlangten. Künstig wird das Schloß nur von Militär bewacht werven. Eine Wiederholung solcher Räubereien wirb man hoffentlich zu verhüten wissen._ Aendermlg der Mikchportion. Von morgen früh ab wird bis auf weiteres auf die El-Karten Vi Liter Vollmilch ausgegeben. Im übrigen erfolgt die Milch- belieferung gemäß der Bekanntmachung vom 23. 12. 18. Die konstituierende Versammlung der Deutsch-Oesterrcichischen Kolonie Berlin findet am Sonntag, vormittags 10% Uhr, im Theater des Westens statt. Zutritt nur gegen Legitimation(Paß, Heimat- schein usw.)._ Nationalversammlung und Eisenbahner. Ueber dieses Thema sprach Gen. Thurau vor einer stark besuchten Eisenbahner- Versammlung. Alle Diskussionsredner teilten seinen Standpunkt, daß Freiheit und Demokratie enis der freiwilligen Unterordnung der Minderheit unter den Meihrheitswillen beruhen muß. Mehrere Redner gaben ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, daß die weitaus große Mehrzahl aller Beamten jetzt Sozialdemokraten seien. In einer einstimmig angenommenen Entschließung betonte die Versammlung, daß sie wie ein Matm hinter der Regierung Ebert- Scheidsmann stehen, und wenn es sein muß, für Ruhe, Ordnung und Sicherheit mit allen, gerade den Eisenbahnern zur Verfügung stehenden schärfsten Mitteln gegen den Terror kämpfen werden. Sie fordert weiterhin jeden Beamten auf, nur die Vorschlagslisten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei den Wahlen zur Nationalversammlung abzugeben. Lankwitz. Die Amtsenthebung des Bürgenneisters Dr. Betzen- dorff durch den dortigen Arbeiter- und Sokdatenrat hat zu einer Verhandlung im Ministerium des Innern unter der Leitung der Minister Hirsch und Ernst gefüyrt, rn der zwischen dem Gemeinde- vorstand und dem Arbeiterrat folgende Vereinbarung getroffen wurde: Die Beteiligten sind sich darüber einig, daß eine Amts- enthebumg nur durch die Negierung erfolgen darf, nicht aber durch den Arbeiter- und Soldatenrat. Bürgermeister Dr. Beyendorfs wird zum besten des Friedens innerhalb der Bürgerschift unter vollster Wahrung seiner Ansprüche Urlaub nehmen, bis die Regierung nach Prüfung der zur Rechtfertigung der Amtsent- Hebung vorgebrachten Unterlagen sachlich Stellung genomme-n hat. In der Zwischenzeit fuhrt der gesetzliche Setllvertreter, Schöffe Pein, unter Ueberwachung des Arbeiter- und Soldatenrats nach Maßgabe der RegierungSerlasse und der gesetzlichen Bestimmungen die Geschäfte des Bürgermeisters. Der Arbeiter- und Soldatenrat wird verpflichtet, alle von ihm beschlagnahmten Privatakten des Bürgermeisters und die Akren der Baugesellschast herauszu- geben. Der Schlüssel. zum Schreibtisch ist dem gesetzlichen� Ver- treter zu übergeben. Bürgermeister Dr. Beyendorfs ist bereit, die beschleign ahmten und die in seinem Schreibtisch befindlichen Akterl dem Minister des Innern zur Durchsicht zu übergeben. Seht die Wählerliste» ei»! Schönebcrg. Die nachbenannten Genossen haben sich bereit er- klärt für Wähler, welche keine Zeit haben, in die vom 30. Dezember bis 6. Januar im Neuen Rathaus ausliegenden Wählerlisten Einsicht zu nehmen: Genosse Karl König, Tempelhofer. Ecke Ebers- straße; Edmund Brock, Bahnstraße 10/20: Ernst Obst, Martin- Luther-Straße 69 z.Kurt Henkel, Meiningcrstraße 7; Bernhard Spittek, Merscburger Straße 5; Gustav Laborius, Akazien str. 21: Heinrich Schottke, Dürer Platz(Friedenauer Ortsteil). Mehkhasc. Stisr-Beningsensiraße-Ecke: Maria Krause, Begasstraße-Ecke: Rob. Rosenthal, Fritz-Reuter-Straße 12: Franz Geist, Koburger Straße Nr. 12, vorn 3 Tr.; Friedrich Baumgart, Goltzstraße IS: Paul Milde, Nollendorfftraße 16; Buche, Neue Wtntcrfeldtstraße 2; Karl Nitsche, Siegfried, straße 9; Wilhelm Stenzel, Hohenfriedbergstraße 2; Folger. Kyffhäuserstraße 11; Franz Kübler, Hohenstaufenstr. ö2. Britz. Di« Listen liegen aus bis zum 4. Januar im Einwohner- meldeamt, Chausseestr. 50, von V!9— lb4 Uhr, aus; Sonntag und Montag in den Wahllokalen von 3— 7 Uhr. Die Wahllokale wer- den durch Plakatanschäge bekannt gemacht. Friedrichßfelde. Wochentags von 8— 2 Uhr und Sonntags von 9— 1 Uhr in der Einwohnermeldestelle Wilhelmstr. 1. Für Wähler, die verhindert sind, die Listen selbst einzusehen, übernimmt Gen. Haberlemd, Wilhelmstr. 38, die Einsichtnahme. Grog-Serlwer Parteinachrichten. „Revolutionäre Zeitenwende". Dieses Thema wurde am Neujahrstag in mehreren stark- besuchten Volksversammlungen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands behandelt. Jin Blüthnersaal wurde nach den Refc- raten der Genossen P o s s e l und Grunwald und lebhafter Aus- sprach« folgende Entschließung angenommen: „Die Versammlung nimmt mit Entrüstung von dem verbreche- rischcn Vorschlag des' Vertreters der russischen Sowjetrepublik, R a d e k, Deutschland gemeinsam mit Rußland in einen neuen, aus deutschem Gebiet zu führenden Krieg gegen die Entente zu Hetzen, Kenntnis. Sie legt auf das schärffte hiergegen Verwahrung ein und bedauert, daß dieser Vorschlag in einer deutschen politischen Versammlung, der Reichskonferenz des Spartakusbundes. � welcher allerdings nur einen verschwindenden Bruchteil der Bevölkerung vertritt, unwidersprochen geblieben ist. Die Versammlung betont. daß sie die Durchführung des sozialistischen Programms nicht mit den Waffen, sondern auf friedlichem Wege erstrebt." Reinickendorf. Freitag, den 3. Jamiar, abends TA lkhr, bei Ramlow, Schönholz 14s große öffentliche Versammlung, Landwirt- schaftsminister Genosse Otto Braun spricht über:„Der Asisder- aufbau Deutschlands durch die Nationalversammlung". Friedrichsfelde. Am Sonnabend, abends 8 Uhr, in der Aula des Gymnasiums in der Treskow-Allee Frauenversomm- l u n g, Referentin ist Genossin M. I u ch a c z. Beschwerden über Lebensmittelgeschäfte nimmt Genosse W a l d m a n n, Waderseestr. 26 I, entgegen. Friedenau. Freitag, den 8. Januar, abends 8 Uhr, im Reform» Realgymnasium, Friedenau, Hanuschstr. 4, Volksversamm» lung. Heinrich Schulz spricht über:„Die Stellung der Sozial- demokratie zur Schule und Kirche". Marzahn. In einer gutbesuchten Beffammlung sprach am 29, Dezember Genosse H. Schacht über die Wahl zur National- Versammlung. Es ließen sich eine Anzahl Männer und Frauen in die Partei aufnehmen, sodaß die Gründung eines OrtsvereinS vor- genommen werden kann, Anmeldungen zur Partei und zum»Vor- wävts'-Abonnement nimmt der Genosse Padlowski entgegen. Sonntag, den 5* Jannar, mittags 10V2 Uhr, im Palast-Theater am Zoo: Thema: krsllenreedt- krauenpllickl zur Nationalwahl. Referenten: Martha Hoppe, Wally Zcpler, Kandidatinnen zur Nationalwahl und Hermann Lüdcmann, Kandidat zum Preutzenparlament. flauen, helau; aus dem Haus, hinein in die veriawwiung! Propaganda-Auöschuh der Sozialdemokratischen Partei für Groh-Berliu 20S/1» BVf 68, Lindcnstr. 114 IV. Fernsprecher: Moritzvia sj 18380. Bezifi�sQuelien-VerzelcHrais Ersrhein 2 mal wickcntüch. Untenstehende GeschiWte cm�feMen�ich bei E?nk5ü'cn. -w, ... leuk�llA Anzeagirtiberstr, Zt. Blana-BiflÄÄier. Passage- A. fc. Lange, brunnenstr. 166 � Elsen, �tahlw, Waffen, Werkz. � CarTjan�, Stromstr. LI. 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