ff Vorwörts w grga« der Sozisldemolratlscheu Dariei Sevlschlands Kummer 4 Freitag, den 10. Januar 1 010 Anmmer 4 Offensive gegen Spartakus Kerliner! Die Reichsregierung hat mir das Amt des ersten Kommandanten von Groß-öerlin ubertragen mit dem Defchl. die öffentliche Ordnung wiederherzustellen. Helft mir! Ich kann diese schwere Aufgabe nicht erfülle», wenn ihr nicht folgende Meijuugeu befolgt: 1. Die Anordnungen der Regierungs- truppru gelten für jedermann; Zi. Der Derkehr auf den Straßen ist möglichst einzntchranken. Frauen und Kinder solle» zuhause bleiben. Cs sind Kämpfe im Gange, bei denen niemand für euer Keben einstehen kann; 8. Wustentrage« ist nur Truppe« und Dersonen. die von der Reichsregiernug oder der Kommandantur die Gen hmignng dazu haben, gestattet. Alle anderen werden im Ketretuugslalle festgenommen» entwaffnet and bestraft werden. Klabnnde, Erster Kommandant von Groß-Serlin. Der 4. Kampftag! Da? elende Verbrechen an der Freiheil der Berliner Be- bolkerung Hai schon unendlich viel Blut zcforderl Jeder Tag bringt viele Tuhcnde von Toren und zahlreiche Verwundete. Die Blietschuld der russischen Söldner häuft sich von Stund« zu Stunde. Wahnsinn. Verrat. Korruption, gewissenloses Spiel mit Menschenleben— das ist der Charakter deS spartakistischcn Terrors. Diese elenden Heuchler geben vor„Sklavcnbefreier" zu sein. Lug und Trug! Sie sind Stlavenvögie blutigsier und wildester Art. Sie wollen keine Freiheit, sie wollen den Terror. die Diktatur deS Maschinengewehrs! DaS Blut, daS diese Mordbuben verschuldet haben, schreit zum Himmel. Aber die Abrechnung naht! DaS ganze Volk flamm, in Empörung über die Schandtaten jeiter durch russische Millionen ausgchaltenea Halunken und über die Unlerjochungs» absichlcn gegenüber unseren Millionen von Brüdern. Ter Kampf bei Mosse. K. S. Seit den ersten Vormittagsstunden hat der Kampf um die von den Spartakisten besetzten bürgerlichen Zeitungen und WolssS Telegraphischcs Büro eingesetzt. Eine ansehnliche Troppenmacht hatte man zusammengezogen, um die Be- sreinng der gewaltsam unterdrückten Blätter durchsetzen zu können. Eö war von vornherein klar, daß die Vertreibung der Spartakisten aus dem mächtigen Zweifrontenbau. von dem auS man die Ha»ptit»gänge durch die Jerusalemer» und die Schützen- stroße leicht beherrschen kann, nicht ganz einfach sein werde,»nd so hatte man alle dazu nötigen Vorsichtsmaßregeln ergriffen. Zunächst l>a»delte es sich dornm. die ganze Gegend abzusperren, um einmal zu verhüten, daß die in dem Gebäude sitzenden Spar- takisten Verstärkung erhielten, und ferner»m eine Gefährdung des Publikums nach Möglichkeit zu verhindern. Die Angreifer waren mit schweren und leichten Maschinengewehren ausgerüstet und ferner standen ihnen noch mehrere Flammen- Werfer zu Gebote, für den Fall, daß die Spartakisten sich einer Räumung hartnäckig widersetzen sollten. Zunächst wurde der Tönhossplatz von den Regieruna?truppen besetzt, an dessen östlicher Ecke zwei Maschinengewehre in Stellung gebracht wurden, die durch die Jerusalemer Straße daS Berliner Tage- blatl unter Feuer nahmen. Eine zweite Abteilung drang durch die Lindenstraße vor und schoß mit einem leichten M. G. durch die'Sckwtzenstrafte ebenfalls auf das Ieitungs- gebäude. Tie Verteidiger erwiderten daZ Feuer sehr lebhaft auS dem Mittelzimmer der ersten Etage, da? früher dem In- Haber des Mosseschen Verlage? als Arbeitszimmer gedient hatte. So ging der Kamps ohne eine Entscheidung bis geaen 2 Uhr mittags weiter. Um diese Zeit fuhr wiederum ein Panzer- au t o vom HauSvogteiplatz' au? die Jerti'aiemer Straße ent- lgng, um festzustellen, ob das Portal" bereits stnnrreii sei. Dabei kam eS zu einem lebhaften Gefecht. Ilm 2 Uhr machten die Freiwilligen der Sicherbeitswpfir einen Vorstoß. Sie kletterten auf die Dächer der Lindenstraße an der Ecke der Schützenstraße, schwangen{ich von Dach zu Dach die ganze Schützenstraße weiter und erreichten so die Ecke Schützen- und Jerusalemer Straße. Dort bauten sie die Maschinengewehre ein und bestrichen nun das Eckfenster deS Mosseschen Gebäudes und daS Dach. Dabei wurde auch fest» gestellt, daß die Eingeschlossenen über die Dächer der Schützen- straße bis zur Markgrafenstraße sich fonbcwegien und von dort laufend mit Munition und Lebensmitteln versorgt wurden. Diese Tatsache wurde dem Führer der Regierungstruppen gc- meldet, und dieser ließ nun auch die Markgrafenstraße durch eine dichie Postenkette absperren, so daß die Verteidiger tatsächlich von der Außenwelt abgeschnitten waren. Inzwischen hatte man auch die Flammenwerfer herangebracht,, die mit Eintritt der Dunkelheit über die Häuser hinweg noch der Ecke Schützen- und Jerusalemer Slraße gebracht wurden, um daS Gebäude mit diesem Nahkampsmitiet sturmreif zu machen. Kurz vor b Uhr patrouillierte wieder ein Panzerauto der Regierungsmippen durch die Jerusalemer Straße und traf an der Jerusalemer Kirche zwei mit Spariakus-Tlnhäiigern besetzte Lastwagen, mit denen es in Feuerkampf geriet/ Bei diesem Gefecht hotten die Spartakisten sehr schwere blytize Verluste. Kaum hatte jedoch das RegierungSauto die Lindenstraße vcr- lassen, als Spartakisten Häufer der Jerufalemer Straße gegen. über der Kirche besetzten und von dort aus die Angreifer an der Schützenstraß? befeuerten. Tie Regiernnastruppen besetzten nun die Jerusalemer Kirche und bracblen im Glockenturm zwei schwere Maschinengewehre zur Aufstellung, mit denen sie die tiefer gelegenen Dächer bestrichen und mehrere Spartakisten verwundeten und töteten. Um b Uhr erscknen vor der Tür de? Berliner Tageblatts ein Mann mit der weißen Fahne. Daraufhin wurde von Seilen der Regiernnastruppen daS Feuer sofort eingestellt. Ter Unter- Händler bat um eine halbstündige Feuerpause, kowie um die Go- stellung mehrerer Gefährte um die Tote» und Bctuiiudeiea farioriugen zu können. Diese Bitte wnrde sofort erfüllt. Kurz nach>§3 Uhr lebte dann daS Jeuer wieder auf, während die Angreifer sich zum Sturm rüsteten. v Zwei Spartakus-LebenSmittelautoS beschlagnahmt. B. S. Durch ein Ponzerauto der RegimingSmippen ist es am gestrigen Donnerstag gelungen, zwei Lastwagen der Spar- takiiS-Gruppe dingfest zu machen. Der Führer des Panzer- autoS bemerkte in der Stadt zwei Lastwagen, die hoch beladen und mit bewaffneten Soldaten»nd Arbeitern besetzt waren. Tch einige Flintenschüsse gewechselt, dann ergriffen die Verteidiger die Flucht. Ten meisten gelang es, das Fr ie zu gewinnen. Vier Mann verkrochew sich in dem Jahrstiiblschachi und wurden dar! ausgehoben. Sie hatten fämtlick Erkennungsmarken der unabbängiaen Part?,'! :$0 Vodesopfep. Bis gestern nachmittags 5-Uhr waren gegen ISO Todesopfer gezählt worden Es handelt sich zum Teil um Auf- ständische, zum Teil um unschuldige Passanten, die ahnungs- loZ inS Feuer geraten waren. Die Verluste der Regierungs- truppen sind bisher überraschend gering. Da die Aufständischen die Wiederherstellung der Preßfreihcit verweigern, die Regierung gewoltsam zu stürzen und die Wahlen de? 19 Ianuac zu verhindern suchen, da sie sich weigern, die widerrechtlich besetzten Gebäude herauszugeben und noch immer, wenn auch schon mit merklich geschwächter Kraft, neue Angriffe versuchen, dürfte die Verlustiisie des Berliner Bürgerkrieges mit der oben ciiigegebenen Zahl leider noch nicht abgeschlossen sein. Hm neuer vermlMu-'qsvol'scklaq. Tie Haltung der Regirrnng. Gestern nachmittag erschien eine aus 8 Mitgliedern der So- zialdemokratischen Partei, der Unabhängigen Sozialdemokratie Teutschlands und der Kommunistisch-n Partei bestehende Deputation der Arbeiter von Schwarbkopf und der A. E. G. beim Zentralrat. Die Deputation war am Vormittag bei der Temvn stration im Humbcldhain gewählt worden. Sie erklärte, im Auf- trage der Arbeiter ibrer Betriebe versuchen zu wollen, ob eine Einigung unter den Berliner Arbeitern zustande zu bringen sei, Wenn nicht mit den Führern, so gegen sie. Der Barsibcnde des Zentralrats. Genosse Leinert, der- sicherte, daß von feiten der Regierung und des Zentral- rats solche EinigungSbestrebungeu aufS wärmste ge- fördert werden würden, daß ober nach wie vor für beide die Voraussetzung keö Eintretens in Verhandlungen die LZiederherstellung völliger Preßfreiheit sei. Die Deputation erNärte sich mit diesem Standpunkt einver- standen»nd begab sich vom Zcntralrat zur N. S. B D. und znr Kommunistischen Partei, um auch bort ein EinverstäubniS zu erzielen. lieber daß Ergebnis ihrer Bemühungen wollte sie n o ch am selben Tage dem Zentralrat Mitteilung machen. Tie Regierung steht auf demselben Standvunkt. wie der Zentralrat. Auch sie wird jede Meglicbleit begrüßen, die Blutvergießen vermeiden will. Ein Ergebnis der Verhandlungen, die nach Wiederherstellung der Prcßfreiheit sofort aufgenommen werden sollen, kann sie sich aber nur dann versprechen, w-nn da- bei vor allen Dingen die Entwaffnung aller Zivil- »ersonen gründlich und grundsätzlich durchgesetzt wird. Die AuSfechtung des Kampfes im revolu- tienären Staat mit geistigen Waffen anstelle der G'walt, wie sie auch von der Devrtation verlangt wurde, kann sich natür- lieft nicht nur auf Berlin beschränken, sondern mnß von d?n beteiligten Parteien über daS ganze Reich bin durchgeführt werden. Rur s» läßt sich die Wehl znr Nationalversammlung und diese selbst in«nbeseftränkter Freiheit sicherstellen. Tarin aber sieht die Regierung nach wie vor die vornehmste Aufgabe dir sie mit aller Entschlossenheit durchführe» wird. Arbeiter. Kürger, Soldaten! Sb geht ums Ganze! Ritabhangige Soziickisten�„revolutionäre" Obleute»ud Spartakus haben sich vereinigt, um den Kampf gegen den Sozialismus und die Demokratie mit allen Mitteln der Ge- walt anfzonehmen und ihre Diktatur ausznrichten. Dem- gegenüber muß sich jetzt jeder entscheiden. Hs gM nur ein üüben und Orabcn! Alle Hoffnungen, daß noch eine Verständignng herbei- geführt werden könnte, sind zunichte geworden. Nur durch den entschlossenen Willen der Volksmehrheit kann die Orb- nung und die Sicherung der revolutionären Freiheiten erzwungen werden.. Bier Jahre haben wir um die Beendigung de? Völker- mordens gekämpft. Wir glaubten, daß jetzt endlich die Ver- nunst gesiegt hätte und das Blutvergietzen für alle Zeit auf- hören würde. Tieselben Leute aber, die sich a's die schöriften Kriegsgegner gebürdeten, sind jetzt mit Wollnst dabei, das Blut der deutschen Arbeiter ztt vergießen. Spartakus trägt die Verantwortung für dicse-Z Blutvergießen, zu welchem er stündlich anfreizt, und die Unabhängigen leisten ihm hierbei Helfcrdienste. Die Vermittlungsversuche der unabhängigen sozialdemokratischen Partei kann man demnach nur als Scheinmanöver bezeichnen. Während sie hier die Rolle des uneigennützigen Alaklers zu spie'en versüße», find alle Aufrufe zum gewaltsamen Kampf gegen Ordnung und Temokretic, gegen den Willen der Volksmehrheit und gegen die Regierung vonihuen mitunter zeichnet! Dabei wußten die Unabhängigen genau, daß sie üderhanpl keine Vollmacht zu Verhandlungen hatten, da der eigentlich tonangebende Licbknechtsche Spartakusbund von vornherein jede Teilnahme an den EinignngSverhandlungen abgelehnt hatte. Die Unabhängigen haben längst jeden Einfluß auf die Arbeiterschaft verloren. Die Regierung machte znr Voratissetzung sede? Ver- Handlung, daß die gewaltsam besetzten Zeitungen freigegeben würden. Dies wurde von den Unabhängigen ab- gelehnt, die sich damit im Zeitalter der Revolution als Feinde der Preßfreihcit kennzeichnen. An ihrer Schuld sind also die Verhandlungen gescheitert. YesMb Augen oufl Loht euch nicht Wenn setzt die Unabhängigen in den Betrieben immer wieder znr Einigung auffordern, so ist das eine Frresührung der Arbeiter, die in Wirklichkeit nur zur Verstärkung der Verhetzung dienen soll. Die sozia'demokratische Mehrheitö- Partei, die BetriebSvertreyiensleute und die Arbcitcrrätc, welche auf unserem Boden stehen, sind entschlossen, den Kampf aufzunehmen undjeden Terror zu unterdrücken, ganz gleich, von welcher Seite er kommt. Mit aller Entsckiedenheit bekämpfen wir auch die heute von den Spartakisten und Unabhängigen ausgegebene Parole zum Generalstreik. Es kommt darauf an, die Berliner Bevölkerung vor Not und Hunger zu schützen. kfrbcikr PfbeikTinnen! Arbeitet! Folgt nur den Parolen, die von uns ausgegeben werden. Wenn es gilt, für euer Recht zu kämpfen, werden wir euch rufen. Der Vorstand der sozialdemokratischen Bezirksorganisation Groß-Berlin sS. P. D.j Theodor Fischer Franz Krüger. August Pattloch. Ler 5 rem der preiunli gen. Die OrganisationSarieit. Der Zuzug von Freiwilligen hat sich bei den Werbebüros enßcrordentlich verstärkt. Es ist nur mit großen Schwierigkeiten möglich, alle Hilfsbereiten zu bewaffnen und zu verpflegen. Die Orgonifationsarbeit NoSkes«imat den besten Verlauf. In seinem Bereich sind alle Bei» suche von Spartakus, Unnche zu stiften, mühelos unter» drückt worden. Das Gerücht, daß die Lichterseider Kadetten. a n st a I t von Spartakisten angegriffen worden sei, entbehrt jeder Grundlage. Die„Freiheit" auf Lügenpfaden. Es ist unmöglich, alle die Lügen zu widerleqen, die sich in den merkwürdigen Kampfberichten dieser Tage finden. Besonders die„Freiheit" int sich in blutrünstiger Aus- malnng der Einzelheiten hervor, die nahezu alle erlogen sind und von denen jede einzelne den Zweck hat, die angeb- liche Grausamke t der Reqierunostruppen und ihre Lust an zwecklos-'m Blutvergießen zu beweisen. Diese Ver- leumdnngen sind eine kennzeichnende Illustration zu der Tatsache, daß sich die Parteifreunde dieses Blattes der Re- gierung als gnp.irteiischc Vermittler, als ehrliche Makler gegenüber den Ausrührern angeboten haben. Allerdings scheinen diese Herren in der Berliner Orga- nisation ihrer eigenen Partei nichts mehr zu sagen haben, was auch aus der Tatsache hervorgeht, daß die revolutionären Obleure ohne ihre Beihilfe mit dem Zentralrat verhandeln. Die einzige Kamvfhandlung, welche die Berliner Gar- nisonstrnppen im Auftrag und zur Unterstützung der Re» gierung vornahmen, war die Erstürmung der Reichs- druckerei, wo den regellosen Bunden die unter dein Befehl der revolutionären Obleute stehen, das Notenpreßmaterial in die Hände gefallen war, allerdings ohne daß sie in der Schnell-leit davon Gebrauch machen konnten. Dieses Unrernebmen hat keinerlei Opfer an Einzell'eben gefordert — ein Beweis, daß nur feste Entschlossenheit Blutvergießen vermeiden kann. Ebenfalls vorgestern nacht ist das Pro- vicyiamt n der Köpenicker Straße und gestern früh das in Tempelhof von den Truppen des Obcrkommandierenden N o s k e genommen worden ohne erhebliche Verluste. §pa?ki}Ui§-V5eWen im �Vopwapie�-fians. Air haben schon gestern den kommerziellen Herrscher des HanscS Lindenstraße 3 abgezeichnet, dcn entlarvten und auS dem „Vorwärts" hinausgeworfenen Spitzel Bocningk. Dieser wird in seiner revolutionären Täügkeit von einem gewissen Herr:: Matt ufch unierstützt, der in höchst primitiver Kassenführnng mit dem einkommenden Geld seine Taschen vollpfropft. Jede Art geregelter Buchführung scheint als konterrevolutionär verpönt. Die sog.„Redaktion" wird voü dem Russen L e w i n s und einem gewissen F e r n b a ch geleitet. Von den Spartakus- Größen hat sich noch keine in dem gefährlichen Bau blicken lassen. Die Leutchen, die das„Vcrwärts"-HauZ in gutem Glauben „Ider Arbeiterschaf!" zurückeroberte», beginnen sich erstaunt zu fragen, ob es das Leben von Familienvätern lohnt, den Herren Lewing und Fernbach ihre hervorrag-nde Richtbeiäiignng zu er- möglichen. Früher Wurdr der„Vorwärts" von Männern ge- .schrieb. n und redigiert, die seit Jahrzehnte, in der, Arbeiterschaft verwurzelt und in ihr bekannt stnd— heute herrschen dort die unbekannten Herren L-wins und Fernbach als FafchingSredak- teure... und schon naht Aschermittwoch! Die Arbeiter deS„Vorwärts" haben das Haus verlassen. Es riecht ihnen jetzt dort zu schlecht. Tie Posten stehen sich die Beine in den Leib vor einem verödeten HauS, aus dem ob und zu ein kleines Blätichen voll leeren Redensarten in die Deik dringt. Man gibt seinen Groschen dafür, um zu sehen, ob der blödsinnige Skandal noch immer wicht zu Ende ist... Das Ganze heißt:„Tie Diedereroberung des„Vorwärts" durch die revolutionäre Arbeiterschaft." 8papt'ttns-.gu8f!nqe aufs Kand. Am gestrigen Tage gingen drei Spart akuS-Automobile mit Flugschriften und Rednern nach Brandenburg a. H., Prenzlau und Frankfurt a. O. ab. Wie wir die Stlm- mung der dorfigen Gegenden kennen, möchten die Spartakus keine angenehme Aufnahme garantieren. Die Bewohner der mär- kischen Landstädie haben kerne Lust, die Berl'ner Schweinerei bei sich einbringen zu lassen und Straßenkämpfc zu instenleren. Die„Rote Fahne" beklagt sich bitter über böse Erfabriingen. die ibre Freunde in Magdebura machen mußten. Aber wer zum Bürgerkrieg hetzt, hat ke>n Recht, dor'ber zu klagen, wenn er in eine Keilerei gerät. DaS ist nickt lebensgefährlich und kann viel Sckl-mmetes verhüten. In Wustermark versuchten Spartakisten Fluazeuge unb Bomben zu erbalt-n. fielen aber damit ab. Sie haben nur ihre freundliche:: Absichten verraten. öic Spandauep öeUung besetzt. Tie„Svaudauer Zeitung" wurde einer Meldung der Des- univn zufolge am TonnerStag abend von 16 schwerbewaffneten Spartakisten besetzt und das ganz« Personal heimgeschickt. tVutige Kämpfe am SentpaMehtiof. Die Speckvorräte der Spartakisten. Am Zentralviehhof fand am Donnerstag ein sehr heftiges Feuc'gefechi statt. Die Spartakisten wollten dies für die Volk?- ernähninq so wichtige Institut stürmen. Sie wurden aber blutig heimgeschickt. Sie verloren 3 Tote und mehrere Ver» wu ndei e. Tie Regierungstruppen hatten l Toten und t Ver. wundcicn. Die Spartakisten scheinen beabsichtigt zu hoben. sich aus länger« Zeit dort einzurichten. Denn außer einem Panzerauto und zwei Maschinengewehren ließen sie auch zwei Autos mit Speck in de» Händen der Re> gierungstruppen. t>otzfc! lässt Lenin verhaften I Nach einer Meldung der H. N. ha! Trotzki Lenin verhaften lassen. So ist es tm bolschewistischen TollhauS. Erhebliche Meinunasverschiedenheiien trägt man ans, indem man ansein- ander schießt, minder erhebliche, indem man sich gegenseitig ver- hastet. Kämen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg anS Ruder, fo wäre die Frage alsbald nur noch die. welcher Teil deS er lauchten Herrscherpaares den andern einkapseln ließe. Da die Meldung des holländiichen Büros vorlänsig noch nn» bestätigt ist und a.usführliche Meldungen fehlen, läßt sich die Tragweite des Moskauer BolschcwistvnstreicheS nicht übersehen. Bei der großen Popularität, die Lenin in Bolschewistenkreisen genießt, kann das angeblich« Vorgehen TrobkiS leicht eine neu« ollgemeine Holsabschneiderei und znm Schluß den Zusammen- bruch des russischen G.waltregiments znr Folge haben. Hnde des Rtpilncp StpassenbatincpstpeiKs. Di« Straßenbahner Haben Donnerstag nachmittag 8 Uhr den Betrieb wieder aufgenommen. Nach dem Spruch deS alS Einigungsamt angerufenen Gewerbcg«richtS erhält daS Fahr- -personal eine einmalige Zulage von 600 Mark. daS Anfangs. geholt für dieses beträgt monatlich 400 Mark und steigt bis zum Höchstgehalt von 600 Mark. Ander« Arbeiter und Arbeiterinne» erhalten einen Lohn von täglich 11 Mark bei bezahl' r Feier» tagen im Monat.