Nr.24. 36.Jahrg. Bezugspreis: 6,76 2,2,35 fretins Sand, boleringeine Rummer 10 tennig Boftbezug tomatic) 2,25 RL, egil. Buftellungsgebühr. Unter freuzband für Deutsch land u. Defterreich- Ungarn 8,50 für das übrige Ausland 9,50 BL, bei täglich einmaliger Sustellung 750 ML. Boftbestellungen nehmen an Däne mart, Holland, Luremburg, Schweben und die Schwetz. Eingetragen in die Boft- Bettungs- Breisliste. Der Borwärts ericheint wochentuglid stucimal, Sonntags einmal Kelegramm- breffe: .Gostalbemotrat Berlin". Vorwärts Berliner Volksblatt. 10 Pfennig Muzeigenpreis: Die adigebattene Ronparelliegee loftet 80 Bfg. Kleine Bayeigen das fettgebrukte ori 40 Bfg.( gl 2 fettgebrudte Borte), jedes meitere Bort 20 fg. Stellengesuche unb Schlafftellenanzeigen das erste Mort 30 fg., jebes weitere Wort 15 fg. Worte über 15 Buchstaben zählen fülr zwei Wocte. Leuerungsaufchlag 50% Familien- Anzeigen, politische und gewertschaftliche Bereins Anzeigen 80 Bfg. die 8eile. Anzeigen für bie nächste Nummer müffen bis 5 he nachmittags im Hauptgeschäft Berfin SB.68, Lindenstraße 3, abgegebest werden, Geöffnet von 9 Uhr früb bis 6 Uhr abends. Zentralorgan der Tozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 15190-15197. Mittwoch, den 15. Januar 1919 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., GW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morigplay, Rr. 11753-54. 800000 Deutsche in Kriegsillaverei. Der Abtransport ber Striegsgefangenen aus Deutschland| tonferens banera erbe. Bax werbe alles daraufeßen, toird in diesen Tagen beendet, bon der Rüdfehr der deutschen Gefangenen aus dem feindlichen Ausland ist aber noch nicht die Rede: ihre jahrelange Zurüdhaltung ist von der Entenbe, namentlich von Frankreich geplant. Das verstößt gegen allen bisherigen Kriegsbrauche und gegen alle Gebote der Menschlichkeit. " Die Unterlommission für Kriegsgefangene der Dentschen Waffenstillstandskommission in Spa schildert in einem langen Schriftstüd die hoffnungslose Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen, von den Gegnern die Rückkehr der deutschen Kriegsgefangenen zu erreichen. Das Schriftftüd klingt in folgende Worte aus. be hilft nur eines: Der Zusammenschluß des gangen. Boltes, bas fich ohne Parteihaber in dieser einen Frage finden muß. Hier hat eines bitter not: Der Appell bes gana en Bolles an die gefante Menschheit, um die furchtbare Grautfarbeit des Verfahrens der Entente- Regierungen zu brand natten. Ob reich, ob arm, ob hoch, ob niedrig, ob Freud ober Feind, in dieser Frage müssen sich alle Deutschen über die Müfte bes Bartethabers hinons die Hand reichen, nur ein Gebante muß das deutsche Boll in seiner Gesamtheit beseelen: Die schnellste Serausgabe unferer Brüder, Gatten and Sobne aus ber Gewalt waferer Gegner Massenmersammlungen ber Angehörigen miffen funttun, as fich in ber deutschen Boltsfeele abspielt. Die dort gefaßten Refolutionen müffen durch die Zeitungen eller Bertetrichtungen der ganzen Welt lumbgetan werden. Die Neutralen, bie EntenteRegierungen, insbesondere Amerita, müffen durch Funkspruch aufgeflärt werben Es gilt, bes Gewiffen Sex gangen Belt weden. Hin er ben Etball and ber gente le bed bentschen Bolles Ausband finben, baß das amerhörte Berfahren gegen deutsche Kriegs- und Stollgefangene einen unlöschlichen Haß im ganzen deutschen Bolfe erzeugen und bei großen Gedanken des Berföhringsfriedens vernichten meg. Den deutschen Männern, die lange Jabue hinbred trem Baterlande das föftlichste Gut, die persönliche Freiheit, zum Opfer brachten, muß bas gange Baterland jest ble Trene bewahren! Ja, diefen 800 000 geht es schlechter als den Hundert, bie in Berlin gefangengenommen werden mußten, und sie find unschuldig! Wer auf Stlabenbefreiung" bedacht ist, follte Zeit haben, auch an sie zu denken! Die ersten Barifer Beratungen. TK. Genf, 13. Jannat. Ju Baris with halbamtlich bei tannt gegeben, bag an ber geftrigen ersten Beratung ber elftierten Großmächte Bräbent Biljen, Blob George, Gle menceau mb Orlexbe teffnahmen. Dann Beris, 13, Joanuar.( Habasmelbung.) Die Sthuig des InteralHerten Ariegsrates em Conntag Radmittag am Onei Orsay behandelte die Berlängerung des Waffenstillstandes. Bechloffen wurde die neuen Bedingun gen Montag, den 13. Jannar, bekannt zu geben. wurde die Frage, wieviel Bertreter jebe Nation mur Friedenstonferenz entfenben solle, erörtert. Die franzöfifche Gruppe schlug 5, 4, 3, 2 oder 1 Bertreter für je einen Staat vor, je nach der Rolle, die der betreffende Staat im Kriege gesplen habe. Diese Besprechung führte nicht zur Einigung Man nimmt an, daß der Oberste Kriegsrat bis Montag vielleicht auc über die Frage der Friebenstonferenz schlüffig werden wird. 2ondon, 13. Januar. Eine antiche beltische Berlant barung aus Baris besagt, bab bie britische Reichsbelegation hente morgen verschiedene mit der kommenden Friedenskonferens ansam menhängende Fragen erörterte. Unter den vom Obersten Kriegs rat bezüglich der Berlängerung des Waffenstillstandes festgejesten Puntten befinden sich die Fragen bezüglich der Neber. gabe der deutschen Schiffe und der deutschen, bisher noch im Ban oder in Reparatur befindlichen Unterseebaote, die Bollendung der Uebergabe des Eisenbahn- und Transportmaterials und der aus den alliierten Gebieten mitgenommenen Maschinen. In einer zweiten Signng, die als nicht formelle Konferenz abgehalten wurde, wurde beschlossen, daß die erfte formelle Sigung der Internationalen Präliminarlonferens T am nächsten Sonnabend stattfinden foll aris, 13. Jannar.( Havas.) Durch Erlaß wird bei der Ministerpräsidentschaft ein aus 10 Bersonen bestehender Rechtsausschuß zu gutachtlicher Mitwirkung bei der Friedenskonferenz gefchaffen. Haag, 14. Januar. In einem Leitartikel bespricht die ,, Times" die Arbeiten der Friedenskonferens nnd sagt, daß es für den Augenblid unmöglich jei, anzugeben, wie lange die Friedens bie Bespregungen so far wie möglich zu gestalten und so wieder zu dem Friedenszuftande zurüdzukommen, der von allen alliierten Rationen erstrebt werde. Es werde fich um einen Deutschland zu diktierenden Frieben handeln, jedoch würden die Deutschland anfzuerlegenden Bedingungen mäßig sein und nicht im entferntesten den gleichen, welche Deutschland, wäre es als Sieger ans dem Weltkrieg hervorgeDeutschland, wäre es als Sieger aus dem Weltkrieg hervorgegangen, den Altierten auferlegen wollte, wie es auch vielfach versichert hat. Die Forderungen der Alliierten. T. K. Genf, 13. Jannar. Der Matin" will aus unterrich teter Quelle erfahren haben, daß beim Bureau der Friedenston ferenz von den einzelnen Alliierten folgende For derungen angemeldet worden seien: Frankreich verlangt die Annegion Elsaß- Lothringents, mifestgestellt werden soll, und ein Teil Syriens. Die englischen litärische Sicherungen, deren Umfang durch die Verhandlungen Ansprüche erftreden sich in der Hauptsache auf die Kolonien und find nach Interessensphären zwischen dem Mutterland und den Dominions verteilt. Für fich selbst verlangt Großbritannien bor allem türkisches Gebiet, daß als Brüde zwischen ben afritanischen Befihungen und Indien gedacht ist. Jtalien will die schen Befihungen und Indien gebacht ist. Jtalten will die Hand auf den Trentino, Istrien und Dalmatien legen, gerät aber bamit im Gegensatz zu den Südslaben, die Dalmatien gleichfalls für fich haben wollen. Belgien bat einen Teil von Limburg und die freie Be mazung der Scheldemündung angemeldet, Rumänien wünscht Bessarabien, die Butowina und einen Teil des Banats, Serbien macht gleichfalls auf den Banat und in Mazedonien geltend, Griechenland verlangt den nördlichen Teil bon Epirus, Gebietsgutvachs in Thrazien und Kleinaften. Alle anderen ftrittigen Fragen follen auf Grundlage des Rationali tätsprinzips auf der Friedenskonferens geregelt werden. Jm Westen beschlagnahmte deutsche Werte. Mannheim, 14. Jammar. Die Franzosen haben bis jetzt in bem bon ihnen besetzten Gebiet Metalle, befonders Metallalgen, im Werte bou ungefähr 8 Millionen Mart beSchlagnahmt, Broteft Montenegros gegen Serbien. Bern, 14. Jannar Tribuna beröffentlicht einen Brotest Montenegros gegen seine Vergewaltigung durch die Serben mit Unterftützung der französischen Besatzungstruppen. Die Montenegriner und Serben lieferten in Cetinje und anderswo wahre Schlachten. Die Montenegrineer zogen sich in das Gebirge zurüd. Nach Meldung bes Baibacher Korr.- Bur. bersuchten montenegrinische Bauern am serbischen Weihnachtsabend einen Butsch im Interesse der Dynastie. Der Butsch schlug fehl. Eine Demariationslinie gegen Polen. TK. Genf, 14. Januar.( Meldung der Telegraphen- Rompagnie".) An der im französischen Auswärtigen Amt stattgefunbenen Konferenz zwischen den leitenden Staatsmännern der Altierten nahm auch Marshall Foch teil, ber erklärte, daß Deutschland das Kriegsmaterial gemäß den Waffenftillstandsbedingungen abgeliefert habe, daß aber in der Auslieferung der Lokomotiven und des rollenden Materials eine Verzögerung eingetreten fei. Die Auslieferung der französischen Kriegsgefangenen fonne als befriedigend gelten, nicht aber das förperliche Befinden, Nach den Erklärungen Fochs soll der Waffenstillstand verlängert werden, die Entente müsse aber neue Forderungen aufstellen, für deren Erfüllung als Gegenleistung die Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln in Betracht gezogen werden fönne. Einen breiten Raum in der Debatte nahm die Verband lung über die Auslieferung der deutschen Handelsflotte ein. Der französische Marineminister machte den Borfchlag, sweds Neberwachung der Ablieferung einige deutsche Häfen zu besetzen. Die deutsch- polnischen Gegenfäße wurden gleichfalls erörtert, Beschlüsse wurden jedoch nicht gefaßt. Die Konferenzteilnehmer tvaren sich aber darüber einig, daß den Kämpfen durch Fest fegung einer Demarkationslinie ein Ende gemacht werden müsse und daß gleichzeitig von Deutschland verlangt werden müsse, daß der Bolschewismus in Rußland weder direkt noch indirekt von Deutschland aus unterstützt werde. Das Wahlergebnis in Baden. TU. Baben, 14. Januar. Das Eegebnis der Wahlen stellt sich wie folgt: Bentrum 11 Size, Sozialdemokratie 85, Demokraten 24, Deutsch- Nationale 7 Sige und Unabhängige mit 1550 Stimmen einen Sig Bier Tage vor der Wahl. Nur allmählich beginnt sich Berlin wieder daran zu ers innern, daß am nächsten Sonntag gewählt wird. Durch das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht aller erwachsenen Männer und Frauen wird das deutsche Bolt selbst entscheiden, welche Regierung und welche Stegierungsform es sich zu geben wünscht. Die Sozialdemokratie, die durch die Welle der revolutio nären Bewegung an die Spize des Reichs getragen worden ist, tämpft diesmal um die ganze Macht. Ihr Ziel ist es, erhalten, mit deren Hilfe fie die Verfassung der Republit so in der kommenden Nationalversammlung eine Mehrheit zu gestalten kann, wie es den Interessen und Wünschen des schaffenden Bolles entspricht, und damit für den Aufbau schaffen. bes Sozialismus die notwendigen Grundlagen zu Bei diesem schweren Entscheidungskampf ist mun ein, menn auch nur geringer, Bruchteil der Arbeiterschaft der Sozialdemokratie in den Rücken gefallen. Dieser Bruchteil Sozialismus sei möglich ohne ja gegen den Millen der hat fich von der Wahnidee einfangen laffen, der Aufbau des Voltsmehrheit. Er glaubt, mit Gewalt fein Ziel erreichen zu können und und sieht in dem Bestreben, durch gewaltlofe Boltsentscheidung zum Sozialismus zu gelangen, nichts als Ronterrevolution und Verrat des Proletariats an die herrschenden Klaffen. Rosa Luxemburg lehrt in der„ Roten Fahne", daß alle Wahlfiege unnüß seien und daß man durch Niederlagen im Straßendampf den Sieg des Sozialismus vorbereite. Sie überfieht, daß s. B. die Niedertuerfung des Kons mamecuftambes bon 1871 in Paris den franzöfifchen Sozialismus für Jahrzehnte zur Bedeutungslosigkeit verurteilt hat, und daß seine Wiederbelebung nur der tonfequenten Beteiligung an den Wahlen und der Anerkennung der demokratischen Grundsäge, wie sie besonders durch den großen Jaurès erfolgte, zu danten ist. Sie überlegt nicht, was aus dem Sozialismus in Rußland zu werden droht, wenn dort eines Tages, was ja taum noch lange dauern tann, die bolschewistische Gewaltherrschaft zusammenbricht. Auch der Sozialismus in Deutschland wäre für Jahrzehnte tot, wenn er fich mit Spartatus identifizieren wollte. Aber die Niederlage von Spartakus ist glücklicher Weffe feine Niederlage des Sozialismus. Der Sozialismus in Deutschland steht und fällt mit der großen sozialdemokratischen Partei, die von Spartakus nichts wissen will, und er ist durch die Niederwerfung der Spartakusbande nicht vernichtet sondern gerettet worden. Wäre cs den Liebknecht, Ledebour und Scholze gelungen, sich mit Gewalt in den Sattel zu heben und hätten sie ihre Regierungstaten für Sozialismus angeben dürfen, so wäre der Sozialisuus baburch nur tompromittiert worben. Erreicht haben die Spartafisten Treiben, daß die einzig vernünftige und erfolgversprechende burch thr Arbeit für den Sozialismus, die der Sozialdemokratie, erschtvert worden ist. Gewaltige Wählerschaven, die in den ersten Revoutionstagen gar nichts anderes dadyben, als soziademokratisch zu wählen, find durch den Spartafusterror nach rechts gebrüdt worden. Spartakus ist der Wahlmacher der bürgerlichen Parteien. Die Wahlen in Süddeutschland zeigen, daß es gewaltiger Anstrengungen bedarf, um das Ziel, die sozialdemokratische Mehrheit in der Nationalversammlung zu erreichen. Zu diesem Zweck wird das große volfreiche Preußen wettmachen müssen, was in Süddeutschland zur Mehrheit fehlt. Die Nachrichten, die wir aus dem Lande erhalten, berechtigen durchaus zu der Hoffnung, daß die Sozialdemokratie bei den Reichswahlen ganz enorme Fortschritte machen wird, zumal auch das platte Land aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist und längst ausgelöst hat, die sichere Domäne der konservativen Partetherrschaft zu feint. Ju einem cber find die Wahlen in Süddeutschland durchaus beweisträftig. Sie zeigen, daß die Erfolgaussichten des Sozialismus ganz und gar von der alten sozialde mokratischen Partei abhängen, und daß nach links hin abgesplitterte Gruppen nichts babenten. Die Sozial demokratie zeigt sich bei allen Voltsabstimmungen immer und immer wieder als die große sozialistische Bolkspartei, was sich außerhab ihrer zum Sozialismus rechnet, fommit über die Be deutung einer fleinen Sefte nicht hinaus, Es ist schade um jede sozialistische Stimme, die von der Sozialdemokratie muz Ios absplittert. Alle, die sozialistisch denken, alle, die Interessen, ber geistigen und körperlichen Arbeit gegen tote Besizinteressen zu wahren haben, alle die noch unterdrückt sind und deren Gerz für die Unterbrüdten schlägt, miten sich am 19. Januar um das Banner der Sozialdemokratie scharen. Was die Sozialdemokratie für die Befreiung des Bolles bedeutet, erhellt schon aus der Tatsache, daß mehr als die Hälfte der jenigen Wähler, nämlich die weiblichen, ihre Beleihung mit gleichen politischen Rechten einzig und allein der Sozialdemokratie verdanken. Die Frau und das Mädchen, die nicht sozialdemokratisch wählen wenn sie nicht gerade Rommerzienratsgattinnen find beweisen damit nur, daß ihnen leider die Erkenntnis der einfachsten politischen Zu fammenhänge noch nicht aufgegangen ist: wie tönnten sie sonst gegen die Partei stimmen, die zuerst und allein den gleichberechtigten Menschen in ihnen erfannt hat! Dasselbe gilt aber für alle, die vom Ertrag ihrer geisti gen oder förperlichen Arbeit ihr Leben fristen. Die SozialSemokratie ist Arbeiterpartei in dem schönen und großen Sinn, das sie alle umfassen will, die mit Hirn und Hand Werte schaffen vom Knecht am Pflug bis zu dem Gelehrten am Schreibtisch und dem Künstler an der Staffelei. In der organischen Verbindung und planmäßigen Organi fierung aller Arbeit sieht sie ihr Ziel, von dessen Erreichung fie eine höhere Stufe der menschlichen Sultur erwartet. Den Sapitalismus aber will sie nicht mit dem mechanischen Totschläger bekämpfen, der der nur erschlägt, nichts Neues schafft, sondern unter sorgfältiger und vorsichtiger Anwendung aller als praktisch erprobten Methoden: durch Ueberführung der dazu geeigneten Produktionsmittel in öffentliches Eigentum wie durch Förderung genossenschaftlicher Arbeit. Welche politische Partei vermöchte höhere Ziele zu weisen? Und welche schöne Aufgabe tönnte es geben, als der Sozialdemokratie durch die Tat bei ihrem gelvaltigen Wert zu helfen, sei es auch diesmal nur durch die Abgabe eines gaialdemokratischen Stimmzettels! Wenn nun aber unsere Hoffnungen trügen sollten? Wenn die Mehrheit des Boltes, von der bei ruhiger, flarer Ueberlegung neun Zehntel zu uns gehören, sich nicht als auf der Höhe ihrer Aufgabe stehend erweisen sollte? Was dann? Nun, dann bliebe uns als Demokraten garnichts anderes übrig, als vom schlecht unterrichteten Boll an das besser zu unterrichtende zu appellieren. Die tonstituierende Versamm lung fann nicht von langer Dauer sein, hat sie erst die neue Verfassung beschlossen, dann müssen auf Grund ihrer Neuwahlen für die zu bildende Boltsvertretung vorgenommen werden. Dann werden die Wahlen in den Gemeinden folgen, von denen biele, vor allem fast alle großen, fozialdemokratische Mehrheiten bekommen werden. Und da wird vielleicht die Hauptarbeit für den sozialistischen Neuaufbau zu leisten sein. Die Stunde der Sozialdemokratie tommt, und die jenigen, die das noch nicht erkannt haben, traben hinter der geschichtlichen Entwidlung her. Durch rechtzeitiges Erkennen bermögen fie, Geburtswehen abzukürzen und Erschütterungen des Uebergangs zu mildern. Die Ergebnisse des 19. Ja muar tönnten vielleicht hinter allzu hoch gespannten Hoff mungen zurückbleiben, auf keinen Fall werden sie uns Anlaß geben, zu verzweifeln. Der Vormarsch der Sozialdemokratie bollzieht sich, aus den inneren Gesezen der gesellschaftlichen Enimidhung heraus, bald stürmischer, bald langfamer, er steht feinen Augenblick still. Für uns gilt, was beide Parteien während des Krieges für sich in Anspruch nahmen: die Zeit arbeitet für uns, und mit der Uhr in der Hand dürfen wir unseren letzten entscheidenden Sieg erwarten, Beruhigung Berlins. Der gestrige Tag verlief in allgemeinen rubig. 8u trupp weisen Angriffen spartatistischer Banden ist es während des Tages nirgends gekommen. Das Straßenbild machte den Einbrud: Der friedliche Bürger und Arbeiter tann jest wieder, unbehelligt burch Spartalistische Mordwaffen, seiner Arbeit nachgeben. Doch Berlin ist noch nicht völlig von bewaffneten Spartalisten gefäubert. Sie haben auch gestern wieder an verschiebenen tellen aus Häufern Sund von Dächern auf Regierungstruppen geschoffen, die das Feuer erwiderten und in den meisten Fällen die Mord buben unschädlich machten. Bei einem Gange durch die Stadt siebt man, daß die Komman dantur umfassende Vorkehrungen zur Abwehr etwaiger neuer Be unruhigungen burch die Spartakusgarbe getroffen hat. Alle Stellen, die in den letzten Tagen der Schauplas von Kämpfen waren, find durch starke Wachen besetzt. Am Brandenburger Tor stehen zahlreiche Bosten, auch einige Maschinengewehre find in Bereitschaft. Gegen 6 Uhr hörte man hier eine Anzahl Schüsse fallen. Es waren aber mir Wannungsschüsse, die Ansammlungen verhindern follten. Emil Rosenow: Die im Schatten leben". ( Balaft theater.) Wir wollen hente nachholen, was burch die Borgänge der Betten Woche verhindert tande: die Beilen, die wir ber erblich freigewordenen Berliner Erstaufführung des vor zwanzig Jahren gedichteten Bergarbeiterdramas Die im Schatten leben" schuldig find. An dieses Stüd des allzufrüh verstorbenen Dichters und Genoffen Rosenow, knüpft sich die Erinnerung an einen der gehäffig- törichten Streiche der jest mit soviel anderem Wuste in den Ortus beförderten Theaterzensur. Zu den Ruhmestaten bes Jagowschen Polizeipräsidiums zählt auch jener berüchtigte Utas, der die so lange respektierte Zensurfreiheit der beiden Berliner Bollsbühnen mit einem Federzuge aufhob. Der allgemeine, durch die öffentliche Meinung unterstütate Brotest blieb gänzlich wirfungslos und das Oberverwaltungsgericht sprach den beiden Vereinen tatsächlich den Bereinscharakter und damit auch das Anrecht auf Baufirefreiheit ab. Was es mit diesem Vorstaß in Wahrheit auf sich hatte, zeigte sich dann bald darauf in dem Verbot von Rosenows Bergarbeiterdrama, das die alte Voltsbühne in ihrem Smelplan angefündigt hatte. Ein unverhüllteres und schamloseres Bekenntnis zu dem Grundsay, daß die Stunft nicht sagen dürfe mas da ist, sofem das der Respekt vor den benchenben Klaffen telleicht gefährden könne, war nicht zu denken. So fleinsid partnädig war dieses Bolizeiregiment, daß es erst einer weltges htlichen Revolution bedurfte, ehe es zu einer Sühne fam un bas in anderen Städten Deutschlands wiederholt gespielte roma auf einer öffentlichen Bühne in Berlin erscheinen burfte Die Direttion Friz Friedmann Frederich hatte sich int Balaitheater, dessen weitgestreďte Räume freilich intimeren Birbungen nicht eben günstig sind, das Aufführungsrecht gechert und erntete von dem dichtgedrängten, alle Bläge füllenden Bublitum den verdienten Beifall. Sosenow, der nur seine farbige Volkskomödie Stater Pampe" auf den Brettern gesehen, hat die Eindrücke, die sich ihn dann zu den Szenen seines Schauspiels,„ Die im Schatten leben berdichteten, im Land der roben Erde, wo er ein Jahr lang als Beballeur tätig war, gesammelt. Man spürts dem Doamna an, wie eng vertraut dem Dichter die Verhältnisse und Leute des Berg neviers getvejent sind. In die Seelen dieser Bedrickten, ins Joch qualmal barter, gefahrdrobender Arbeit eingespannter Menschen, toto kero cum schildert, bat der Sozialismus, die Hoffnung auf camo batider eine may foliurischen Zusammenschlußettämpfte Butunjt, noch einen Strabt gelvorfen. Das ist nimi anders. Die wehrlose Im Beitungsviertel fub bie militärischen CherBelto kehrungen besonders start, namentlich in der Nähe des„ Borwärts- Gebäudes. Wie notwendig die Schußmaßnahmen sind, beweisen die Vorgänge des gestrigen Nachmittags. Gegen 4 Uhr wurde von mehreren Häusern am Halleschen Tor auf die Regierungstruppen, die am. Blücherplay standen, geschossen. Die Truppen nahmen Dedung und erwiderten das Feuer der Angreifer. Der Kampf dauerte etwa eine Viertelstunde. Es wurde auch mit Maschinengewehren geschossen. Nach diesem Kampf sperrten die Truppen die Lindenstraße vom Bellealliance Blaz bis in die Nähe der Markthalle ab, um das Publikum vor Un fällen bei etwa wieder eintretenden Kämpfen zu bewahren. Die Umgebung des Vorwärts"-Gebäudes lag am Abend in völliger Dunkelheit. Selbst die Straßenbahnwagen mußten beim Durch fahren dieser Strecke das Licht ausschalten. Bis gegen 8 Uhr waren aber hier teine neuen Angriffe erfolgt. Zwischen 6 und 7 Uhr fam es zu einer wiederholten lebhaften Schießerei in der Gegend des Moffeschen Hauss, Ecke der Jerusa lemer- und Schüßenstraße, die für das Publikum völlig gesperri war. Auch hier waren es Angriffe von auf Dächern verstedter Spartakisten, die den Anlaß zum Feuerkampf gaben. Die Kommandantur nimmt jetzt die Säuberung der Stadt bon den Spartatiftenbanden nach einem bestimmten Blan in Angriff. Die Ausführung des Operationsplanes bat bereits gestern griff. Die Ausführung des Operationsplanes hat bereits gestern begonnen. Vom äußersten Süden und Südwesten der Stadt gehen die Truppen nach dem Stadtinnern vor und zwar in der Richtung παι nach der Spree. Dief wird dann in nördlicher Richtung überschritten und die nördlich der Spree liegenden Stadtteile werden ebenfalls abgesucht. Die Truppen durchsuchen alle verdächtigen Säufer nach Bewaffneten. Wir fönnen also sicher sein daß Berlin in einigen Tagen von dem Ueberreft der Spartakusbanden völlig gesäubert sein wird. Entwaffnungsrazzia in Moabit. Am Dienstagmorgen wurden zu gleicher Beit alle nach Moabit führenden Brüden über die Spree and anschließenden Kanäle durch Regierungstruppen gesperrt. Der Hauptteil der zu dieser Zeit einrückenden Gardelavallerie- Schühendivision marBostentetten absperrend, quer durch den Stadtteil bis in die schierte über die Lessingbrücke, ihren Marschweg hinter sich durch Gegend des Bahnhofs Butlitstraße. Hier schwenkten die Truppen westwärts und rollten so die westliche Hälfte des Stadtteiles, bas fogenannte Strawallviertel, auf. Die Straßenzüge und sämtliche industriellen Werke, z. B. Ludw. Lowe, Bamag, Deutsche Waffen usw. wurden besett. In dem legtgenannten Werte hatte sich Waffen aller Art verfeben war. Von hier aus fanden allnachtlich eine starke Gruppe Spartatiften eingenistet, die reichlich mit Raubzüge durch Moabit und andere Stadtteile ftatt. Der Kleine Tiergarten in Moabit, too fich Spartalistennefer befanden, wurde von Truppen. umstellt, bie bis gegen Mittag bereits 19 Personen, die Waffen und spartalistische Ausweise bei fich trugen, verhafteten. In der Emdener Straße wurden die Häufer planmäßig abgesucht. Es gelang, fechs mit Waffen und Munition gefüllte Rester auszunehnten. Die Schlupfwinkel befanden sich faft ausnahmslos bei Frauen. Mehrere Personen wurden verhaftet. Alle Bassanten und viele verdächtige Häuser wurden nach Waffen durchsucht. Die Schiffahrt auf der Spree und ten Kanälen wurde durch die Regierungstruppen ebenfalls gesperrt. Die jenseits der Kanäle liegenden Werte Siemens liche Zwischenfälle besetzt. Die öftliche Hälfte von Moabit fäuberte Schuckert und die Berliner Elektrizitäts- Werte wurden ohne erheb das Freiwilligenregiment Reinhard gemeinsam mit der Republi tanischen Schutztruppe. Das große Seffeltreiben hatte zwar für tanischen Schußtruppe. Das große Weffeltreiben hatte zwar für farrze Zeit den geregelten Berfehr unterbunden, doch wurde es bald pieber aufgenommen. Die Passanten müssen eine genaue Unterfuchung nach Waffen über sich ergehen laffen. Während der Dauer der Razzia war der Fernsprechbetrieb der Aemter Moabit und Hanja stillgelegt. Gegen Abend warsen bundle Existenzen in der Kaiserin Augusta- Allee nach dem 8 Uhr- Abendblatt einen Straßenbahnwagen um und es wurden Barrikaden errichtet. Die Schienen des Nordrings der Stadtbahn find von Spartakusleuten zwischen Gesundebunnen und Westend an mehreren Stellen aufgeriffen, so daß deshalb ein Zugverfehr möglich ist. werkerschule nahe dem Lehrter Bahnhof ist die Republika. Gang Moabit ift zurzeit ein großes Heerlager. In der Fenernische Schuhwehr, deren Soldaten jest rot- schwarze Armbinden tragen, faserniert. Der Riefenbau ist voller Soldaten, die über befte Bewaffnung verfügen. Es herrscht vorzügliche Stimmung und glänzende Ordnung bei der Truppe, die im Zeitraum von fünf Tagen aus einem Nichts entstanden, jebt eine erhebliche Macht darstellt. Die Republikanische Schutztruppe hat bei der Aushebung von Spartalistennestern an vielen Stellen sehr erfolgreich an der Wiederherstellung der Ordnung in Berlin mitgearbeitet. Dasselbe gilt vom Freiwilligenregiment Reinhard. Die Nähe der Kaserne Sürfte die Spartakusbanden doch wohl von Befreiungsversuchen der im Untersuchungsgefängnis Sigenden abbalten. Das Regiment Reinhard ist größtenteils hervorgegangen aus dem Depot 14 der R. S. W. Der Oberst ist mit dem Kriegsminister nicht identisch. berzogte Resignation, die fich bem schwersten Unnecht bulbenb unterwirft, wird wie anderswo jo auch dort nicht mehr der Grundton der typischen Lebensstimmung sein. Die anderthalb Jahrzehnte sozialistischer Werbearbeit, die feither ins Land gezogen, haben Ge fühle und Denten gründlich umgetvälst. So spiegelt sich im Bild, bas Rosenow damals entworfen, an einem Teil wohl hente schon Vergangenes, das aber darum doch nicht weniger ergreift. Die alte Fran Lüdel, deren Mann im Rohlenbergwerk umtam und deren Jüngster bei einer neuen Grubenexplosion zum Krüppel wird fie und die meisten anderen, die sich in ihrem engen Häuschen drängen, leben in abengläubiicher Scheu vor den Grubengewaltigen, die durch Entlassung und Wohnungstündi gung fie jeder Zeit ins Elend stürzen können. Die Laft der Arbeit verbindet sich bei ihnen mit Almofenempfänger- Demut den Lohnherren gegenüber. Sie selbst, die Alte, weiß ganz gut, was sie von den Besuchen, die ein nichtswürdig frecher Bursche, einer der Sproffen jenes Herrengeschlechtes, ihrem jungen Hanndjen abstattet, ai halten hat. Sie wagt es dennoch nicht, dem Patron die Tür zu weisen. Ganz ähnlich denkt ihr Hausgenosse, der alte Invalide Echniermann, ein harmlos gutmütiger, zu Scherzen aufgelegter Alter. Und wenn Liesa, Mutter Lüdels älteste Tochter, in solcher Umwelt aufgewachsen, die Anlage an unabhängig freier Dentart dennoch in sich entfaltet fühlt, fo dantt sie es vor allem dem Einfluß eines jungen Geistlichen, der, wie ihre liebende Betounderung glaubt, für seine Ideale alles hinzuopfern fähig ist. Doch auch in ihm wird sie getäuscht. Der Herr Bergtvertsdirektor, der in feiner öligen Wohlredenheit und prall gesunden Storpulenz durch Ferdinand Bonn eine verblüffend naturechte Bertörpening erhielt, versteht es, den als gefährlichen Aufheger" demummierten jungen Menschen goväuschlos abzuschieben. Der Wankelmütige verläßt sie. Bei der insamen Komödie, in der der Direktor die Schuld an Hannchens polizeifundig gewordener Berführung von dem feige tneifenden Wüstling auf das unreife Berführung Son dem feige kneifenden Wüstling auf das unreise Mädchen abwälzt und jeden schüchternen Einwand der Mitter mit Drohungen erstidt, trin Lieja zum Entippen der Ihrigen dem Ge fürchteten entgegen und bezeugt die Waltheit. Entfremdet allem, was sie früher hielt, reißt sie fich los, anderswo ein Leben, wie es ihrer Sehnsucht vorschwebt, sich zu suchen. Vortrefflich, in jedem Zug von eindrucksvollster Charakteristit, war lfa Grünings arbeitsgebeugte arme Mutter. Sehr gut auch Tedttes jovialer Invalide mit der harmlosen Kinder fröhlichkeit bei jedem schlechten Streich, den er vollbringt. Julius gali bradyte ben faldlen Hochmut des Bergberenjöhnchens, Billy Seaiser die schwankende Figur des Geistlichen, Armin Schio eizer und Helene Burger das jumpe in das Schickial Spartafus als Einbrecher und Räuber. Angrengend an die Rüdfront bes Bortoirts"-Grundstüdes befindet sich ein Bagerplay, mit einem Schuppen, ber der Kommandantur, Abteilung 8, Sammelstelle für Ausrüstungsstüde, Alte Jakobftr. 148, zur Benutzung überwiesen ist. Hier waren neben zahlreichen Uniformstüden, Waffen und Munition sirka 1800 bechlagnahmte Gerichtssachen, bei denen das Berfahren schwebt. Jn den meisten Fällen, namentlich in der legten Zeit, wurden die Sachen den Eigentümern zugesprochen, da sich der Nachweis nicht erboingen ließ, daß die Bekleidungsstüde ufm. auf unrechtmäßige Weise erworben waren. Dieser Schuppen ist in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag der bergangenen Woche von der SpartatusBejagung des Borwärts" erbrochen und feines sämtlichen Inbalts beraubt worden. Die Spartakusbanden vaubten nicht nur die Waffen und Munition, sondern burchwühlten auch sämtliche beschlagnahmten Sachen und nahmen alles, was nach ihrer Ansicht wertvoll war, mit sich. Auf energischen Einspruch des Personals der Sammelstelle, daß hier ein Raub gewöhnlichster Art vorliege, wurde von dem damaligen Kommandanten geantwortet, daß Spartatus nur eine Requisition vorgenommen hätte. Kämen Leute, die ihre beschlagnahmten und wieder freigegebenen Sachen ausgehändigt haben wollten, so sollten sie an den Spartakusbund verwiesen werden, der auch für den Verluft auftomme. Die Bestohlenen mögen ihr Glüd einmal beim Spartakusbunde versuchen. Bielleicht rollt ber Rubel noch. Wie es gemacht wird! Ja ber Freiheit" Nr. 19 vom Sonnabenb, ben 11. Jusnar, auch die Brauerei Engelhardt benannt. tor unter den Betrieben, die gum Generalstreit schreiten wollten, Die gesamten Vertrauensleute, alle Ausschußmitglieder fotwie der Arbeiterrat des Betriebes stehen dieser Mitteilung fern und protestieren auf das energischste gegen derartige Machenschaften von 2-3 Arbeiter des Betriebes. In der Nacht zum Dienstag Serfuchten ble allein echten und wahren Weltrebolutionäre die Franzerlaserne durch Gasbomben auszuräuchern. In den Abendstunden herrschte völlige Ruhe, bis um 12 Uhr nachts die ersten Schüffe trachten. Die Angreifer schoffen von den Häusern der Urbancaße in den Safernenhof binein, wo die Mannschaften auf die Gefechtsposten ellten. Blöglich tamen von den gegenüberliegenden Dächern Gas bomben geflogen, die auf dem Pflaster des Kasernenhofes explodierten. Es waren Tränenbomben, die auf die Augen wirken. Die Soldaten stülpten Gasmasken über und nahmen dann die gegenüberliegenden Dächer unter schwerstes Feuer. Ueber eine Stund Inattert di Maschinengewehre, bis die Spartatiden es borzogen ihre Positionen aufzugeben. spartakusangriff auf den Stettiner Bahubos. Am Montag abend in der achten Abendstunde bersudyte ein größerer Arupp Spartalisten vom Gartenplay her durch die Gartenstraße brzubringen, zweifellos um einen Vorstoß gegen ben Stettiner Bahnhof zu unternehmen. Truppen traten den SpartaHijten in der Gartenstraße entgegen, trieben sie nach dem Gartenplag zurückhund zerstreuten die Aufrührer dort. Neuer Angriff auf das Eisenbahndirektionsgebäude. In der Macht zum Dienstag unternahmen Spartalisten einen neuen Angriff auf die Eisenbahndirektion. In dem Häuserviertel am Anhalter Bahnhof befinden sich noch immer zahlreiche Sparta fiftennefter, die bisher noch nicht ausgenommen werden konnten Von hier aus versuchten die Spartafiften hauptsächlich auf den Dächern vordringend einen Angriff auf die Eisenbahndirektion am Schöneberger Ufer zu unternehmen. Es gelang ihnen nicht, den beabsichtigten Erfolg zu erzielen. Mit Tagesanbruch 3ogen fie fich wieder in ihre Schlupfwinkel zurüd. Die Regierungstruppen haben einen Verwundeten zu beklagen. Berhaftung ber Familie Liebknechts. Das Haus Biebknechts in der Bismardstraße 75 in Steglit, in dem seine Bhttin mit den beiden Söhnen wohnte, wurde bereits seit dem berflossenen Sonnabend durch Kriminalbeamte überwacht. Dabei fonnte festgestellt werden, baß Liebknecht, ber in der Regel nad ts im Automobil vorfuhr, und fich nie länger als zehn oder fünfacon Minuten bei seiner Familie aufhielt, seine Wohnung durch einen zweiten Ausgang in der Bossingerstraße zu verlassen pflegte. Montag Abend gegen 9 Uhr erschien Liebfnecht wiederum bei seiner Familie. Die Beamten riefen Erup pen herbei, man sperrte beide Straßen ab und brangen dann in bie Wohnung des Gesuchten ein. Offenbar hatte Liebknecht schon Meldung bekommen, daß man ihm auf den Fersen sei, denn er war trotz sorgfältigster Durchsuchung des ganzen Gebäudes nicht mehr zu finden. Wahrscheinlich ist es ihm gelungen, über bie Dächer hinweg entfliehen. Die Durchsuchung der Wohnung Dächer hinweg entfliehen. ergab ein zum Teil sehr wichtiges, Siebknecht schwer belastendes Material Man verhaftete schließlich die Gattin Liebknechts und feinen jüngeren Sohn, der ältere ist bekanntlich bei den Kämpfen der Bückelschen Homilie mit benflochtene Ehepaar gefchickt gur Geltung. Die Liefa Dora Schlüters, anfangs farblos, fand St. in dem letzten Atte ftorfe Tone. Ballner Theater. Die Premiere der Operette Die Geisha", bie wegen ber politischen Unruhen berschoben werden mußte, findet am Freitag 7 Uhr im Wallner- Theater statt. -Ein Sosialisten- Drama gelangte im Magde burger Stadttheater sur Sondervorstellung: Das Geset" bon Konrad Terwin( Paul Bader), dem Rebatteur der Boltsstimme". Das Drama behandelt die Barbarei des Sozialistengesetes und seine Folgen und zeigt sozialistische Arbeiter im Kampfe mit der Polizei. Mit erschütternder Wucht wirkte das ohne Uebertreibung dargestellte Werf. -Ludwig Sarot muß seinen heineabenb af Sonnabend, ben rohen Abend auf Sonntag berlegen, Gelöfte Karten bleiben gültig. Beide Abende im Meistersaal -Musit. Dera IV. Rammermusik- Abend des Klingler Quartetts findet am 16. Januar in der Singakademie abends 7% Uhr statt. Besuchsordnung ber ftaatlichen Museen. Das Alte und Neue Marseum, das Kaiser Friedrich- und Kunstgewerbe- Museum, das Museatin für Völkerfide sowie die Samm lung für Deutsche Boltshunde find jest Sonntags und Wochentags von 10 bis 3 Uhr geöffnet; ebenso an den zweiten Tagen der höheren Feste. Montags Bleiben die Matfeen wegen der Reinigung geschlossen; ausgenommer hiervon ist das Museum für Volter funde, das Dienstags gestoffen wird. Die Bibliothel des Kunst gewerbe- Museums ist wochentags von 10 bis 8 Uhr geöffnet. Det Besuch aller Museen ist unentgeltlich. Die Ausdehnyng der Funtentelegraphie im Kriege. Ein fürzlich veröffentlichter Bericht des internationalen Welttelegraphenvereins in Bern läßt die überaus große Ausdehnung der Funtentelegraphie im Kriege erkennen. Ende 1917 betrug die Gesamtzahl der angemeldeten Funkentelegraphie stationen 6113 gegen 5860 im Jahre 1916, und gegen 5277 in 1914. Unter den angemeldeten Stationen befanden sich 678 Küstenffationen, 5338 Bordstationen und 88 fefte Stationen. Die meisten Funkentelegraphicstationen befizen: Großbritannien( 1544), die Bereinigten Staaten von Nordamerika( 962), das Deutsche Reich ( 639), Frankreich( 364), Italien( 193), Rußland( 152), Kanada( 187). un best Becincts" fefigenomen obet. Ef ber Uzaje ben bie Angehörigen siebenedis bon ber Bevellerung mit Was wir in der Bintwoche getan haben. Die Sicherung der Wahlfretheft. Schmid hungen Die Erregung der schließlich so groß, daß der Transportführer einen Straßenbahnwagen re quirieren mußte, um die Festgenommenen schüßen zu können. Ferner wurde in Steglig eine Führerin der Spartakusbewe gung, Fräulein Unger, berhaftet. Diese Dame, eine Schülerin und jungere Freundin Rosa Luxemburgs, war in legter Zeit in der Spartakusbewegung start hervorgetreten und hielt den Berkehr awischen der Berliner und der polnischen bolschewistischen Bewegung in Lemberg aufrecht. Auch bei ihr wurde ein für die Untersuchung sehr wichtiges Anflagematerial aufgefunden. Der„ Schlesische Bahnhof" in Tempelhof. Jufolge der Befehung des Schlesischen Bahnhnofs und ber Einstellung des gesamten Stadtbahnverkehrs war der Fernverkehr des Schlesischen Bahnhofs in den letzten Tagen nach dem Güterbahnhof Tempelhof umgeleitet und verlegt worden. Hier hatte fich infolgedessen ein außerordentlich starkes Berkehrsleben entwidelt. Gepadomnibusse, Automobile, Droschten und andere Fuhrwerke aller Art häuften sich zu langen Reihen in der Berliner Straße und unter der Ringbahn am Tempelhofer Felde. Durch das eiserne Tor am Eingang zum Güterbahnhof wurden von den dort aufgestellten Sicherheitswachen nur Fahrgäste mit Ausweisen durchgelassen. Ein großer Uebelstand bestand darin, daß es in Tempelhof an Gasthöfen fehlt. and Schießstifte. Aus einem Hanse der Simeonstraße wurden zwei junge Burschen heruntergeholt, die mit einem Maschinengewehr die Straße bestrichen und mehrere Baffanten vertvundet hatten. Beim Nachsuchen fand man auf den Böden in Versteden noch 14 Gewehre. Ob noch andere Burschen an den Schießereien beteiligt waren, ließ sich leider nicht feststellen. Angeblich hat man die festgenommenen beiden Burschen schon an der nächsten Straßenede wieder entlassen, was uns unglaublich erscheint, wenngleich auch in anderen Fällen es heißt, man hat die Ergriffenen balb wieder entlassen. od Berhaftung von Pofträubern. Eine Spartatiftenbande, gegen 30 Mant, plünderte am Donnerstag voriger Woche die Kaffe des Poftamts O. 17 in der Fruchtstraße. Es gelang bisher, drei Mitglieder, einen Dompteur Wilhelm Langersdorf, dessen Geliebte, eine Frau Marie Bicaz, und einen Schloffer Friz Schmidt, festzunehmen. Rund 41 000 m. wurden bei den Verhafteten gefunden und beschlagnahmt. Die brei stanben, wie sie erklären, am Donnerstag abend am Schle fischen Bahnhof, als die Spartatisten mit den beiden Krafttvagen bom Bortvärts" babertamen. Die Bemanmung der Wagen erzählte ihnen, daß sie zur Borwärts"-Besatzung des Spartakusbundes gehörten und die Kasse des Poftamtes O. 17 bolen wollten. Langersdorf und seine Geliebte sowie Schmidt schlossen sich darauf dem Unternehmen an. Die öffentliche Sicherheit. will ber nene Polizeipräsident Nichter energisch wieberherstellen. In fürzester Zeit soll die Berliner Schußmannschaft wieder auf ben etatsmäßigen Stand gebracht werden. Die republikanische Soldatenwehr ist bereits von allen unlauteren Elementen gefäubert. Es follen sobald wie möglich fliegenbe Wachen eingerichtet werden, die mit Straftwagen ausgerüstet, immer unter Alarmbereitschaft stehen, ähnlich der Feuerivehr. Außerdem aber follen Patrouillen zu Fuß und in fleinen Autos Tag und Nacht alle Stadtteile durchstreifen um der Verbrecherwelt ihr lichtschenes Gewerbe zu legen. brid Verfuchte Stillegung des Kruppschen Befriebes. Gestern verfuchten mehrere Spartalisten, zum allergrößten Teil fange Leute, bie Suppschen Fabriten stillgulegen. Der Plan scheiterte baran, daß b elin den Kruppschen Werken. be schäftigten Arbeiter febe Gemeinschaft amb fedes Zusammengehen mit Spartacus energisch zurüdviesen.. Die Berhandlungen mit dem Zentralrat. Berlin 14. Januar. Der Zentralrat sette am 14. Januar in seiner Vormittagssigung bie erste Lesung der Ausführungsbestimungen der Hamburger 7 Punkte fort. In der Nachmittags fizung wurden die am Tage borber begonnenen Berhandlungen mit der Berliner Zeitung der II. S. P. D., der Berhandlungstommission der revolutionären Oblente und der Leitung der Berliner U. S. P. D. fortgesetzt. Die Bertreter der I. S. B. batten an erster Stelle die Absehung der Bollsbeauftragten und ihre Erlegung durch weniger start kompromittierte Bersönlichkeiten verlangt. Aus der Mitte des Zentralrates wurde gunächst verlangt, daß man sich auf bestimmte Forderungen einige. Aus der gegenwärtigen Situation herans handele es fich dabei zunächst um das Folgende: 1. Die Regierung hat die Pflicht, mit allen Mitteln bafür zu sorgen, daß die am 19. Jammar ftattfindenden Wahlen su gefeggebenden Nationalversammlung bor jeber Störung bewahrt werden. 2. Die Regierung hat ble ficht, mit allen Mitteln dafür forgen, daß die uneingeschränkte Breßfreiheit, eine ber hauptsächlichsten Errungenschaften der Revolution im ganzen Reiche fichergestellt wird. 3. Die Regierung hat die Pflicht dafür ga forgen, daß ge waltsamen Eingriffen in die echte und Freiheiten der Person und des Eigentums evtl. mit Gewalt begegnet wird und daß feber Terror ganz gleich von welcher Seite er kommt, aus dem politischen Kampfe verschwindet; zu diesem Swede ist die Ent waffnung der Bibilbevölkerung schleunigst durchzuführen. Die Vertreter der 1. S. P. D. erklärten sich mit diesen bret Bunkten einverstanden, ausgenommen den letzten Sah zu 3, ber bie schleunige Entwaffnung der Zivilbevölkerung durchgeführt haben will. Sie bemerkten jedoch ferner, baß es darauf ankomme, nie bie Wahlen gur Nationalversammlung geschützt würden. Anf die direkte Frage, ob sie bereit seien, getvaltsame Störungen ber Wahlen mit Gewalt begegnen zu laffen, erfolgte feine Antport Die Vertreter der 11. 6. B. D. berlangten weiter, daß bie Besehung des Berliner Polizei- Präsidiums, bas zu einer kommunalen Einrichtung zu machen sei, nur mit Zustimmung der 11. S. P. D. erfolgen dürfe, wobei sie sich nicht an die Person Eichhorns flammern wollten. Hingegen lehnten fie ab, z. 3t. in die Regierung einzutreten, um gemeinsam mit Mehrheitssozialisten bie Durchführung eines no festzusehenben Programms zu über nehmen. Die Bertreter der Berliner Zeitung ber... D. Ber ficherten, daß fie mit den Regierungssturzversuchen Ledebours, Liebknechts und Scholzes nichts zu tumm hätten. Von den Ver tretern der revolutionären Obleu te wurde eine entsprechende Erklärung nicht abgegeben. In der Debatte wurde betont, daß die Frage der Besetzung des Berliner Polizeipräsidiums nicht isoliert erledigt werden könne, fondern nur zusammen mit den übrigen schwebenden politischen Fragen Gegenstand der Einigung sein tönne. Die Verhandlungen wurden am Abend auf Mittwoch, ben 15. Januar bertagt. Redaktion im Umherziehen. Auch ein Rebatteur hat bisweilen eine stille Stunde, in ber er mit Freunden beim Kaffee zufammenfipt. Mit diesem wenig aufreibenden Zeitbertreib waren einige Bortvärts"-Redakteure in ben späten Nachmittagsstunden am Sonntag, den 6. Jammar, be fchäftigt. Da tam plötzlich die Mitteilung, daß das„ Borwärts". Haus von starken bewaffneten Spartalistenbanden besetzt worden sei und daß gar nicht daran gedacht werden könne, an diesem Abend die Redaktion in unserem Hause zu bersammeln. Der blutige Schreden für Berlin hatte begonnen. Am MonEin Erlah ber Regierung und des Zentralrates, Das deutsche Bolt steht vor den Wahlen zur Rational bersammlung. Die Nationalversammlung allein kann und den Frieden bringen, nur sie kann die errungene Freiheit is einer neuen Verfassung verankern. Es gilt, den ungestörten Berlauf der Wahlen zu sichern Pflicht eines jeden Deutschen ist es, hierbei zu helfen. Die Wahlfreiheit ist jedem Boltsgenossen burd bas Gesez, insbesondere durch den Paragraphen 107 de Reichs- Strafgesetzbuches ausdrücklich verbürgt. Nach dieses tag zitterte ganz Berlin um die Ereignisse, die man kommen sah. Borschrift wird mit schwerer Freiheitsstrafe bestraft wer einen Deutschen durch Gewalt und Drohung zu hinder Jucht, in Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte zu wähler oder zu stimmen. In den Straßen versammelten sich viele hunderttausende von Arbeitern aller Nichtungen. Radet sauste im Automobil durch die Straßen. Und im Tiergarten wurde die Barole sur Dittatur des Maschinengewebrs ausgegeben. dire Die Redaktion war für den Augenblid ge( prengt. Jeder beschäftigte sich, so gut er konnte, für die Wiederherstellung der Ordnung. Jeder war an einem anbern Blaye tätig. Und niemand toußte suächst, wo er seine übrigen Kollegen su fuchen hatte. Ein glüdlicher Zufall führte am Mon Kollegen zu suchen hatte. Ein glücklicher Zufall führte am Mon tag abend noch zwei Stollegen telephonisch zu sammen, die fich fofort darüber einigten, daß die Knebelungsabsichten der Spartafiften gegenüber dem Sprachrohr der sozialdemokratischen Arbeiterschaft burchkreuzt werden müßten und daß schnellstens der Bor wärts" in irgend einer Form und irgendwo herausgebracht werden müsse. In einer stillen Schreibstube septen sich diese beiden Kollegen aufammen, nachdem ein Druder für das erste Egizablatt bes Vorwärts" so sollte die provisorische ,, Borwärts"-Ausgabe beißen- gefunden war, und schrieben bis tief in den Morgen hinein an der ersten Ausgabe. Ans Essen hatten toir feit dem Morgenfrühstück überhaupt nicht mehr gedacht. Wir Lämpften ben Hunger durch wüsten Nilotingenuh nieber, As wir nachts mit dem Manuffript verstohlen zur Druderet Idlichen, mußten wir erfahren, daß trop aller Geheimtuerei unser Plan bereits verraten war, und daß die Spartalisten die ganze Auflage am Morgen beschlagnahmen und in die Spree werfen würden. Es war also flar für uns, daß der Kampf nicht allein dem Vorwärtshaus, sondern daß er dem Organder sosialdemokratischen Arbeiterschaft galt. Ms wir unsere demokratischen Arbeiterschaft galt. Wie wir unsere müden Glieber morgens um 5 Uhr nach Hause schleppten, war bereits die angekündigte Bande im Anzuge und noch ehe wir unsere Wohnungen erreicht hatten, lagen die ersten Tausende der gedrudten Exemplare des Extrablatts des Vorwärts" im Wasser und waren die Platten für den Drud von den Spartatiften vernichtet worden. " Die Reichsregierung wird jeder Störung bei Wahlhandlung mit Entschiedenheit enti gegentreten. Wer es unternimmt, die Wahlen zu stören oder zu hindern, verstößt aber nicht nur gegen Gesez und Güter, die durch die Nationalversammlung geschützt werden Recht, er versündigt sich vielmehr angesichts der unschäßbaren sollen, auch an der Zukunft des Baterlandes. Die Reichsregierung. Ebert. Scheidemann. Der Zentralrat. Leinert. Cohen. Berlin, den 14. Januar 1919. Zur Frauenagitation! Richt zerstören, ausbauen wollen wir. Mit zitterndem Herzen haben wir Frauen die Nachricht von den Straßenkämpfen in Berlin entgegengenommen. Es muß unser Wunsch und Wille sein, dazu beizutragen, daß so furchtbare Dinge genug Elend gebracht, wir haben viel gut zu machen. Krüppel, in Zukunft nicht mehr vorkommen. 51 Monate Krieg haben uns Witwen und Waisen stellen mit Recht ihre Forderungen an das Boll. Ihren Forderungen gerecht zu werden, ist unsere heiligste Pflicht. Wir Frauen wollen keinen Bruderkrieg, sondern Frieden, wir wollen auch keine Gewaltherrschaft von rechts oder ints, bie teuer erkaufte Freiheit wollen wir festhalten. Wenn wir Frauen und Mädchen Frieden und Freiheit wollen, müssen wir die Partei stärken, die mit Besonnenheit und woh! überlegten Taten die Erfolge der Revolution schützt, die allen Menschen gleiches Recht erstrebt. Auf! Frauen und Mädchen, nicht gezögert! Beweisen wir den wüftesten Schreiern, daß uns leere Worte nicht beirren ber foir ließen uns nicht toturachen. Wir wollten geigen, baß wir aller Fesseln und aller Verfolgung troßen. Die nächste Nacht fand uns in einem Kleinen Redaktionszimmerchen eines Borortsblattes. Dort gelang es uns, zwei Tage hindurch unsere Bei- önnen, daß wir wissen, was wir wollen, und einmütig hinter der tung zu schreiben und herauszubringen. Aber unter welchen Ber. Verhältnissen. Die starke Wache wurde alle Augenblice alarmiert. Lichter aus Richter auf nervöses Rufen und Rennen und wir mitten swischen Maschinengewehren und Hausen von Handgranaten. Allerdings hatten die Verfolger einige Wagen mit Sunderttaufende von Exemplaren aber famen unter bie Bevölle unferen Beitungen auffangen und vernichten fönnen. Die übrigen Regierung und in den Reihen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands stehen. Die start zunehmenden Mitgliederziffern der Partei und die am 19. Januar 1919 stattfindenden Nationalwahlen müssen den Beweis liefern, daß wir deutschen Frauen insere Pflicht erkannt haben. Alma Fritsch. rung. Sie wurden hungrig engriffen, und triumphierenb, wie eiDie Unabhängigen und der Januarputsch. toftbarer Besib, bon den Empfängern nach Hause getragen. Jn ber vierten Nacht gog uns ber stangsmäßige Wambertrieb abermals nach einer anderen Stelle. Auch bort fonten wir, well Die Spartatiften burch thren borgglichen Spionagebienft rafch Wind bekommen hatten, trop eines farten militärischen Schutes nicht lange bleiben. Unsere Arbeit stand unter dem Zeichen fortgesetten nächtlichen Gewehrinatterns über unseren Röpfen. Nach drei Tagen schon ergriffen wir erneut ben Federhalter ber wat während dieser redaktionellen Bagantenzeit unsere gange Bureaueinrichtung und wanderten wieder aus. Wir tamen in ein nenes Haus, in das vierte. Und auch dort war es natürlich, infolge des Mangels an allen Hilfsmitteln einer geordneten Redaktion, zustellen. nur mit allergrößten Schwierigkeiten möglich, bie Bettung hermittel, mit benen wir die Settingsherstellung leisten mußten, trob Trop aller biefer Schwierigkeiten und tros der primitiven der Unruhe und Unsicherheit, trok ber fortwährenden Störungen und Mammierungen, trok der Verfolgungen gegen bie Redaktion und das Blart haben wir feinen Augenblid gefchwankt. Es war uns flar, daß wir zum Berliner Bolte reben mußten, daß wir der gangen Deffentlichkeit mitteilen mußten: wir laffen uns nicht stumm machen! Ueberall, und selbst aus der elendeften Ede heraus, wollten wir bom ersten Tage an, und trotz allen Spartatusherrschaft erheben und unsern revolutionären Eroz gegen Terrors fortgefekt jeben weiteren Tag, unsere Stimme gegen die diese Schändung der deutschen Revolution zum Ausboud bringen. Wir haben uns die Nächte um die Ohren geschlagen, haben tetne Mühe geschentt, die beinahe undenkbare Arbeit gu leisten gemiffermaßen auf der Wanderschaft, auf der Flucht und unter Gewehrfeuer regelmäßig unsere Zeitung herzustellen und ins Wolf zu werfen. Dies ist uns gelungen! Das ist unser großer Stola, fere Genugtumung und unsere Belohmang. Vielleicht sind mir in der Lage, bie nächste Sammer unserer Seitung bereits int eigenen Hause fertigzustellen, wenn uns auch die Zerstörungen dort noch zwingen, borläufig einmal täglich zu erscheinen. Aber das ist mir vorübergehend. Der Wille, dem Wolfe zu dienen, der uns beflügelt hat, alle Sinbemtisse während der Blutwoche, die gegen das Erscheinen des Borwärts" aufgetürmt tourden, zu überwinden, wird uns im stürmischen Tempo die Wiederherstellung all deffen ermöglichen, was nötig ist, um in albgewohnter Weise wieder vor unsern Lesern erscheinen zu können. Ergebnis der bayerischen Landtagswahlen. TU. Minden, 14. Januar. Das Ergebnis der bayerischen Bandtagswahlen liegt nunmehr vollständig vor. Es haben erhalten: Bayerische Volkspartei( Zentrum) 1 072 919, Sozialdemokratische Partei 935 550, Deutsche Volfspartei 412 074, Bayerischer Bauernbund 322 023, Nationalliberale und Mittelpartei 109 563, Unabhängige Sozialdemokraten 77 213. Die Mandate dürften sich wie folgt verteilen: Bayerische Volkspartei 58, Sozialdemokraten 51, Deutsche Volkspartei 22, Bayerischer Bauernbund 17, National liberale und Mittelpartei 5, Unabhängige Sozialdemokraten 3. Hinzu kommen noch 24 Abgeordnete für die Pfalz, wo die Wahl erst am 2. Februar stattfinden wird. Aufruf zur Wahlhilfe. Parteigenossen die bereit sind, sich an der Verbreitung von Flugblättern, Plakaten und sonstigen Propagandamaterial für die Nationalversammlung zu beteiligen, werden gebeten, sich Mittwoch und Donerstag, vormittag 10 Uhr, am Eingang des Komödienhauses, am Schiffbauerdamm, zu melden. Wiederaufnahme der Arbeit.- Abschüttelung Ledebours. In der Freiheit" bon geftern morgen fordern die sog.„ nebolutionären Obleute" unb ber Sentralborstand der U. S. P. D. Groß- Berlin", also die Binks- Unabhängigen, unter reichlichem Aufwand von Nebensarten, die sie nicht entbehren können, zur Wiederaufnahme der Arbeit auf. Wir sehen über die Nebensarten hinweg und billigen den Beschluß. Die Freiheit" nimmt dann am Abend auch Stellung zu unserer gestrigen Veröffentlichung des putschistischen Manifeftes von Lebebour und Genossen. Die eigene Meinung darüber berrät sie, inbem fie die Worte Absetzung der Regierung" auf Gänsebeinen spazieren läßt und im übrigen nur kurz hinzufügt: Dazu möchten wir bemerken, daß sowohl die Einsehung des Revolutionsausschusses als seine Aktion ohne Zustimmung des Sentralborstandes der U. S. P. D. erfolgt war. Der Zentralvorstand hatte es auch abgelehnt, Ledebour als seinen Vertreter anzusehen. Die Leute in der Freiheit" find natürlich auch tobfroh, daß. ber blödsinnige Butsch mißglüdt ist, benn- Hand aufs Herz! fie fühlen sich unter der berruchten Regierung Ebert- Scheidemann bedeutend wohler als unter einem Revolutionsausschuß" Ledebour- Bieblnecht- Scholze. Das hindert fie aber nicht, fürchterlich auf die Regierung Ebert- Scheidemann zu schimpfen, weil sie zur Abwehr bes verbrecherischen Streiches alle ihr zur Verfügung ftehenden Machtmittel anwendet, und alle erlogenen Greuelmärchen aufsutischen, die ihr über die Taten der regierungstreuen Truppen zugetragen worden sind. Selbst wenn diese Geschichten so wahr wären, wie sie unwahr sind, so würde die Schuld daran nur Spartakus und die linken Parteigenossen der Freiheit" treffen. Der Bürgerkrieg ist etwas Entfepliches, webe dem, der ihn entfeffelt! Zwölf Bersammlungen der Unabhängigen Sozialisten nahmen geftern sur Nationalversammlung Stellung. Einzelne der Verfammlungen waren sehr schwach besucht, so z. B. die Versamnilung in der Aula einer Schule in der Niederwallstraße von kaum 45 Personen. Die Redner bedauerten, daß in weiten Kreisen der Bevölkerung aus fleinlichen Gründen(?) Mißtrauen gegen die Unabhängigen herrsche. Es bestehe eine falsche Auffassung über ihre Beteiligung an den letzten Vorgängen. Schon der Verzicht auf die Beteiligung bei der Wahl des Zentralrates, sei eine große Torheit gewesen. Die Besetzung der Zeitungen, insbesondere bes ,, Borwärts" und der öffentlichen Gebäude werde von weiten Streisen der Bevölkerung als Gewalt att bezeichnet. Die Parteileitung habe es nicht gewollt. Es sei aber spontan aus den Demonstrationen durch nervöse Erregung der Massen hervorgegangen. Allerdings müsse man vieles mißbilligen, was vorgekommen sei. Eine spätere Bu funft werde aber zeigen, daß nicht nur(!) Räuber und Banditen an den Vorgängen beteiligt waren. Es sei unerhört, daß die Sozialdemokratie das Bürgertum in Angst und Schrecken zu jagen versuche, um die Wahlaussichten der Unabhängigen zu verschlechtern. Diese verschmähten aber eine wüste Agitation zu treiben, ebenso wie sie auf die Silfe des Bürgertums berzichteten. Wenn auch ihre Aussichten bei den Wahlen zur Nationalversammlung teine rosigen seien, so gebe die Partei die Hoffnung noch nicht auf, daß später einmal große Massen der Arbeiterschaft zu ihr zurückfinden werden. Die Redner forderten trotzdem auf, für die Liste der Unabhängigen zu stimmen, wenn auch an ihrer Spike der vielverleumdete Eichborn" stände. Wenn in diesem Bericht von der Parteileitung" die Rede ist, so ist damit der Parteivorstand der unabhängigen Reichsorganisation gemeint, die lokale Parteileitung aber hat den Putsch mitgemacht. Den bielverleumdeten" Eichhorn sehen die Unabhängigen jetzt wohl auch nur mit Schmerzen an der Spike er Bahllite, ber Namen biefel schlimmsten Berfiner Boltzela präsidenten steht mit blutigen Lettern in die Geschichte Deutsch Lands eingeschrieben, und der Urteil des Boltes wird ihm am 19. Jamiar nicht ausbleiben. Jede Stimme, abgegeben für eine Liste, an deren Spitze ein Eichhorn steht, ist eine Schande für Berlin! Um die Wahlfreiheit in Bremen. Gewaltandrohungen der Spartatiften. T. K Bremen, 14. Januar.( Melbung der Telegraphen Kompagnie.) Der hiesig Arbeiter- und Soldatenrat, aus dem die Mehrheitsozialisten ausgeschieden sind, beschäftigte fich gestern abend mit der Frage, ob in der selbständigen sozialistischen Republik Bremen die Wahlen zur Nationalversammlung verhindert werben sollen. Den Ausgangspunkt der leidenschaftlichen Debatte bildete der gemeinschaftlich mit dem Vollzugsrat gefaßte Beschluß der Boltsbeauftragten, die Wahlen nicht stattfinben zu Laffen. Ein tommunistischer Redner erklärte, daß die revolutionären Arbeiter bie Bahlurnen zertrümmern würden und sie flar barüber jeien, daß ein thren Wünschen zuwiderlaufender Entschluß den Kampf a wifchen Unabhängigen und Rom. munisten bedeute. In der Abstimmung wurde der Beschluß bes Rats der Boltsbeauftragten mit hunderteins gegen achtund achtzig Stimmen abgelehnt. Auch ein Antrag der Kommunisten, aus den Kreisen der Bürgerschaft und der Gewerffchaften Geiseln festzusetzen und für jeden in Berlin aum Tode verurteilten Spartatisten eine Geisel zu er ichießen, wurde abgelehnt. Eisner als Prophet. Am Tage nach ber so schweren Wahlniederlage der bayerischen Unabhängigen melbet WTB. aus Bern: Einem Matin- Ausfrager erklärte Eisner am 2. Januar u. a., daß die Unabhängigen in Deutschland die ungeheure Mehrheit des Bolles hinter sich bentten. Wenn man dies jest noch nicht ertenne, jo werde man es bei den Wahlen sehen, dann würden Die Unabhängigen bie ganze Macht in Deutschland haben, und Scheidemann und Auer würden zwar mit den Unabhän gigenheiten fännen, würden ihnen aber die erste Stelle inräumen müssen. Hinter den Sozialisten würden die Räte als Stübe stehen. Und sie die Stontrolle über die Regierung und das Barlament besigen. Auf die Bemerkung des Berichterftatters daß dies reiner Bolschewismus sei, sagte er: Rennen Stees, mie Sie wollen. Sie werden es nicht verhindern, daß die Mate pie Grundlage jedes Sozialistenstaates find. Dentschland gibt einen Sozialistenstaat. Eisner hob zum Schluß hervor, daß infolge der enormen Lebensmittelteuerung der frühere fleine Bürger, nd mer ein festes Gehalt bezieht, jeßt dem Elend preisgegeben Broletarier geworden und in die Reihen der Unabhängigen eingetreten fet. Wenn er gefagt hätte, in die Reihen der sozialdemokratischen Bartei, so hätte er allerdings einen Ritt ins romantische Land der Phantasie unterlassen. Aber darf man Kurt Eisner einen solchen Verzicht zumuten? Groß- Berlin. An alle Einsender! Bir haben zwar gleich nach der räuberischen Besehung des Borwärts" hauses Borsorge getroffen, daß die an uns gerichtete Post thre Bestimmung erreicht, indessen tann doch mancherlei berloren gegangen sein. Jedenfalls ist es aber bei dem gegenwärtigen Umfang des Vorwärts" und bei dem Stoffandrang ganz ausgeschlossen, auch nur einen geringen Teil der Einsendungen zu veröffentlichen. Die Rebaltion. Die Schußwaffen abgeben! Die Berordnung d # 1 e Chaffen fotole Minition aller Art zu Schußwaffen find fofort abzuliefern. Ms Schuftwaffen gelten: Gewehre, Rarabiner, Bistolen, Maschinenpistolen, Revolver, Geschütze aller Act, Maschinengewehre, handgranaten, Gewehrgranaten, Minenwerfer Flammenwerfer. 82. Die Banbeszentralbehörben erlaffen die erforderlichen Husführung she tinutungen. Sie bestimmen, wo und bis wann fpätestens die Ablieferung zu geschehen hat. Die Sandeszentralbehörben feben feft, welche husnahmen von der Ablieferungspflicht gelten follen. §3. Ber noch auf der Wieferungsfrist in befugtex Beft han Waffen ober Munition der im§ 1 bezeichneten Art betroffen mirb, wird mit Gefängnis bis zu fünf Jahren und mit Gelbftrafe bis 100000 M. oder mit einer dieser Strafen beftraft Sollten die Waffen oder die Munition au Gewalttätig feiten gegen Berjanen oder Sachen verwendet werden, fo ist die Strafe Buchthaus bis zu fünf Jahren, bei mbernden Umständen Gefängnis nicht unter, drei Monaten. 34. Diese Verordmug tritt mit bem Tage ber Bertimbung Stroft. Berlin, ben 13. Jougar 1919. Der Nat her Bollsbeauftragten: Sheidemaxx Der Staatsfetreter des Reichsfuffigamis: Dr..renfe. Ju den Ausführungsbestimmungen hierzu ift gefagt, daß alle fu 31 aufgeführten Schußwaffen innerhalb 24 Stunden nach Be Banntgabe biefer Ausführungsbestimmungen abguliefern find. Sam melstellen find die Sofernen. Polizeibeamte und Militärpersonen find von der Abgabe befreit ,, ebenso brauchen die Inhaber bon Waffenscheinen, die hom gegenwärtigen Erffen Rommandanten in Berlin, bom Bolizeipräsidenten oder Vorortpräsidenten oder den Lanbraten der Streise Teltowo oder Niederbarnim ausgestellt sind, ihre Waffen nicht abzugeben; auch die Inhaber von Jagdscheinen find von der Abgabe befreit. Ueber die Kohlenversorgung Berlins with uns geschrieben: Die Anfuhr der Kohlen auf ben Berliner Bahnhöfen wird infolge der lehten Vorgänge im Ruhrbezirt noch weiter zurückgehen. Der Arbeiter- und Soldatenrat von Essen hat die Sozialisierung der westfälischen Grtben beschlossen und zur Durchführung den Landrichter Ruben beauftragt. Die Nachricht von der Befehng des Syndikatsgebäudes, durch den A.- u. S.- Rat in Effen wird bestätigt. Die Eyndikatsbeamten sind angewiesen worden, dem Richter Ruben die Bücher und Atten auszuliefern; die Berbindung zwischen dem Syndikat und den Reichsstellen soll unterbrochen sein. Die Grubenarbeiter streifen, die Förderung ist weiter gefunden. Am 9. Januar wurden in Westfalen noch 10 144 Wagen verladen, während am folgenden Tage nur noch 9161 Wagen Roble gefördert wirrden. gegen 25 000 normaler TagesLeiftung. Tariferhöhungen her Groß- Berliner Berkehrsunternehmungen. Den Verbandsausing Groß- Berlin beschäftigte sich in seiner gefter Sibung mit den Anträgen der Straßenbahnt und Hochbahngelda ver die aus Anlaß der neuen Lohnerhöhungen notmadig gewordenen Tariferhöhungen. Die Straßenbahn hat den 20 B- Einheitsfarif beantragt, weil die dem Betriebsperjonal augebilligten Forderungen jährlich über 25 Millionen Mart ebab Serfaen. Die Finge Wurde einen Unte schuß überwiesen. Rein Streit der Eisenbahntverkstättenarbeiter. Die Eisenbahnwerkstättenarbeiter haben am Dienstag überall beschlossen, fich nicht zu parteiegoistischen und spartalistischen Demonftrationsweden mißbrauchen zu laffen. Sie streifen nicht. Schon feinerzeit war auch in denjenigen Betrieben, wo es unabhängige in größerer Zahl und auch einige Spartakusse gibt, der politische Streit mit Zweidrittelmehrheit abgelehnt worden und mur ber bekannte Terror, dem man sich in der Vergangenheit beugte, hatte die Werkstätten leer gemacht. Streit der Hochbahnangestellten. Seit gestern morgen find auch die Hochbahnangestellten in den Direktion und den Arbeitnehmern Berhandlungen über eine GeStreit getreten. Seit mehreren Tagen fanden zwischen der haltserhöhung statt. Die Besprechungen vermochten bisher keinen Ausgleich zu bringen. Die Zugführer verlangen ein Gehalt von 600 M., Bugbegleiter 580 M., Bahnhofsschaffner und-Schaffne rinnen 360 bis 560 M. und die Fahrkartenausgeberinnen 300 bis 500 m., je nach dem Dienstalter. Die Eisenbahnregimenter für die Regierung. Die Angehörigen der Berliner Eisenbahntruppen stehen bis auf geringe Ausnahmen geschlossen hinter der Regierung EbertScheidemann. Von ersten Tage der Revolution ist dies durch die getroffenen Anordmungen und Maßnahmen stets zum Ausorud gebracht worden. Bei den Unruhen der letzten Woche haben sich die Eisenbahntruppen gang befonders an der Verteidigung und Güterbahnhofes fowie anderer berkehrstechnisch wichtiger Punkte Besetzung der Eisenbahndirektion, des Anhalter und Potsdamer in hervorragender Weise unter Führung ihrer Soldatenräte_betätigt. Die Zurüdgewinnung der Kaserne der Kraftfahr- Erf.Abt. wurde nur von Eisenbahntrapepn ausgeführt. Für die lommenben Wahlen aur Nationalversammlung werden die Eisenbahntruppen den Schuh ber Babilobale bernehmen umb bie geordnete Durchführung der Wahlen sichern belfen. I. Ers.- Batt. Eisenb.- Regt. 1. II. Erf.- Batl. Eisenb.- Regt. 1. Soldatenrat. ges. Beschel. Soldatenrat. gez. Eisenschmidt. I. Er- Batl Eisenb.- Regt. 4. Golbabenrat. gez Siegmund. Freiwillige herbei! Wir werben auf Anordnung der Regierung und für deutsche Boltsehre. Freiwilligen Regiment Oven, Joachimsthaler Straße 31/32. Die Republilanische Schuhtruppe im Dienste der Regierung trägt von heute ab Not- Schoore Armbinden. Truppenwerbung. Das Grenadier Regiment 3 Bferde in Bromberg ftellt altgebiente, bereits entlaffene Leute zu den bekannten Bedingungen ein. Militärische Disziplin im Dienste und Unterordnung uter die Borgesetzten ist Boranssehung. Fahrt nach Bromberg ist frei. * Aufruf Soldaten und Behrfähige, bereits gediente Män ner aller Waffengattingen( Offiziere end Mannschaften) meldet Each sofort für die 1. 2andesschußenbrigabe. ( Inf Kav., Art., Pioniere, Funder, Kraftfahrer). Bedingungen: Mobiles Gehalt oder Löhrung für Mannschaften und alle Dienfigreabe. 5 M. Zulage täglich. 14tägige Stündigungsfit Entlassungsgel. Entschädigungen des Feld Entschädigungen des Feld heeres. Möglichst Uniform und sonstige Militärftide mitbrin gen. öchste Eile tut not! Meldestelle: Joachimsthaler Str. 3 am Bahnhof Zoo, Hof Hochparterre rechts. 1. Bandes Schüßen- Brigade, O. U. Dahletik. 2. Berbebureau Raserne des 2. Garbe- Dragoner- Reg. Belleafflanceftraße. 6. D. P.- Soldatenräte! Fraktionsfigung der Delegierten der S. D. 3. zur BollVersammlung der Groß- Berliner Soldatenräte am Mittwoch, den 15., Borm 10 hr, im Herrenhans, Zimmer 20, zur Besprechung ber Tagesordnung der Bollversammlung. Bei der wichtigkeit der zur Berhandlung stehenden Fragen ist unbedingtes Erscheinen notwendig. 8. Richnow, Borsisender. Achtung Arbeiterräte! Donnerstag, ben 16. b. M. nachmittags 4 Uhr findet im großen Sibungsfaal des Abgeordnetenhauses eine Sihung der Arbeiterräte Groß- Berlins, die auf dem Boden der Sozialdemokratischen Partei stehen statt. Sozialbemokratische Fraktion bes Berkner Bollzugsrats ber Arbeiters and Sobaten- Rate, J.: D. Frant. Die Bollversammlung der Arbeiterräte finbet. Freitag, bormittags 10 Uhr, im Getoertschaft3. hans, nicht in den Germaniasälen, statt. Für die Opfer ber Borwärtsbefreiung. Auf ben Wunsch unserer Befer miferes Blattes sehen wir uns beranlagt, einen Aufruf zur Sammlung von Geldspenden für die unglücklichen Opfer des Spartakusputsches zu erlaffen. Es ist Ehrenpflicht aller, die dazu in der Lage sind, sich an dieser SammTung zu beteiligen. Geldspenden sind an die Redaktion des Vorwärts" au richten. Waffenscheine find im Stadtbezirk Berlin bei den Polizeibegirlsämtern zu beantragen. chepaares wird aus Neukölln berichtet: Sier stand mit an der Ueber die Verzweifelungstat eines spartalistischen Führerehepaar Rosenstiehl aus der Manitiusstr. 1. Am Sonntag beSpiße der bolichemistisch- spartatistischen Bewegung das Technikerschloß das Ehepaar gemeinsam in den Tod zu gehen, angeblich aus Berzweifelung über den Zusammenbruch der Spartatistenbewegung. Rosenstiel schoß seiner Frau und dann sich selbst eine Kugel in die rechte Schläfe. Als man das Paar auffand, war der Mann schon tot. Die Frau wurde schiver verlegt nach dem städtischen Serankenhause in Budow gebracht. Auch sie wird faum mit dem Leben davonkommen. Die„ gemordeten Parlamentare". Die Note Fabne" bringt eine Schilderung der Erschießung der sieben Parlamentare", die turz vor Erstürmung des Vorwärts" auf die Lindenstraße hinans getreten wären, unbewaffnet und als Vermittler erkenntlich. Diese Parlamentare feien schwer mißhandelt und dann in der Kaserne erschossen worden. Hierzu bemerken wir: Diese beber Barlamentare Beflades and Her Flöten und brei raffischen Gefangenen, tenntlich an ihre Uniform. Diese Barlamentare" waren gegen 9 Uhr morgens am Sonnabend auf einem Dache des Hauses Belle Alliance Play 7 oder 8 poftiert gewesen. Sie schossen von dort unausgesezt auf bie Bedienungsmannschaft der an der Friedenssäule stehenden Geschüte. Es fielen von den Regierungstruppen verschiedene Mannschaften und deshalb gaben die Regierungstruppen mit einer weißen Fahne Signale, daß die Angreifer die Wegschaffung der Berwundeten durch Einstellung ihres Feuers gestatten möchten. Im Augenblid fchwieg auch das Feuer, während aber die Sanitäter vorgingen, um die Verwundeten zu bergen, beschoß dieser Trupp mit Maschinengewehr die Sanitätsmannschaften. Aus Empörung darüber wurde nam ein konzentrisches Feuer auf fie gerichtet und die Eleine Schar der Spartakisten flüchtete über die Dächer hinweg nach den Höfen des Vorwärts". Dort fonnten sie jedoch infolge des heftigen Artilleriefeuers nicht mehr nach den hinteren Gebänden, wo ihre Genossen faßen, gelangen und mußten inflogedesse auf die Straße hinaus. Dort wurden fie fofort gefangen genommen. Es ist unwahr, daß die Gefangenen auf dem Wege zur Dragoner- Kaserne roh mißhandelt morden feien. Bnjer B. S.- Berichterstatter, der den Kampf um den Vorwärts von Anfang bis zu Ende beobachten konnte, hat nichts von irgend welchen Mißhandlugen auf dem Wege zur K- a ferne gesehen. Es war dies auch nicht möglich, da die Gefangenen von einem starken Trupp Begleitmannschaften umgeben waren, andere Personen jedoch gar nicht anwesend waren, welche die Gefangenen hätten mißhandeln fönnen. Die Truppen haben sie dann in forretter Form in der Dragoner- Kaserne abgeliefert, wo diese ersten Gefangenen aus dem Vorwärts sofort einem Verhör unterworfen wurden. Dann wurde der Trupp in einem Stall der Kaserne interniert. Groß- Berliner Parteinachrichten. in abend. Zur Flugblattverbreitung meben sich die Parteigenoffen jeht den Abteilungslokalen. Flugblätterverbreitung beute 23. Abteilung( Bobot- Biertel) bente abends 8 Uhr in Wer menchener Schloß, Bernabener E Ede Sniproder Straße. 27. Abteilung: Zusammenkunft der Vorwärtsiefer morgen abends 8 Uhr bei Holz, Ferbeliner Str. 33. Verein fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Großberlins. Heute, abends 7 Uhr, Sigung im Lehrervereinshause. Oberschöneweide. Heute abends 5 1hr wichtige Flugblattberbreitung von den drei Zahlabendlotalen aus. Morgen abend 7% Uhr bei Ladewig Mitgliederversammlung Königs- Wusterhausen. Morgen 8 Uhr offentlige Boltsbersammlung gliederversammlung. Gäste haben Zutritt. Nowawes. Heute abend 8% bei Singer, Priesterftr. 31, MitBoffen. Freitag, abends 8 Uhr, bei Scherler, Baruther Str. 10, Mitgliederversammlung. Techniter- Bersammlungen. Für Angestellte der Elektro- Industrie am Mittwoch, den 15. Januar, 4% Uhr nachm, in den Sophiensälen, Sophienftr. 17-18. Thema: Die Zukunft der Elektroindustrie und die Angestellten. Redner: Martin Meyer, Kurt Schindler. Für Techniker am Mittwoch, den 15. Januar, abends 7% Uhr, im Böhmischen Brauhaus, Landsberger- lee 12. Thema: Die Techniter und der Sozialismus. Redner: Heinrich Kaufmann, Hermann Reinsberg, Otto Schweiter. Sechs große Bersammlungen am Donnerstag, den 16., abends 7% Uhr in folgenben Sälen: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Turnhalle der XII. Realschule, Stignerftr. 8, Aula der 261, Gemeindeschule, Greifenhagenerstr. 58, Aula der 172. Gemeindeschule, Bremerstr. 13/17, Aula des Humboldt- Gymnasiums, Gartenstr. 25, Aula des Cäcilien- Lyzeums, Lichtenberg, Rathausstr. 8. Thema: " Zwischen den Schlachten". Redner: Die Kandidaten zur Nationalversammlung: Frant, Fröhlich, Klingler, Poetsch, Ritter, Boltsgenossen erscheint in Massen! Der Propaganda- Ausschuß Sozialdemokratische Partei Deutschlands. An alle denkenden Beamten Freunde, Gegner, politisch Unentschiedene ergeht die Einladung zu 3 großen Verfammlungen am Donnerstag, den 16. Jannar, 8 Uhr in folgenden Lotalen: W., Steglis, 2yzenm I, Rothenburgstraße 18, O., Andreas- Festfäle, Andreasstraße 21, N., Pharnsjäle, Müllerstraße 142. Thema: Beamtenschaft und„ Bürgertum“. Redner: Rechtsanwalt Dr. Halpert, Dr. Lohmann, Jng. Striemer, sowie die Kandidaten der S. P. D. für Nationalversammlung und Landtag: Verbandssekretär Ramossa, Stadtsekretär Matern, Eisenbahn- Unteraffiftent Thurau.