Ur 49 Jahrg. ÄezugSvret»» Lietteljaüri.�7S oft. msnatt. 2.26 0ä >re>ln»vaus voraus, adibai CingUnt ••Kümmern 10 Pienmq. Pollbezug: iKonaili® i25 SRI., erR Zustellung»- «evühr. Umet«»reu-band iür Deursch- aud u. Oeilerreich-Ungarri ö.SO Ml. 'ür das übrige«u-land».SO Ml. bei iüalich einmaliger»uiiellung 7.60 Mi. •boirbeneuunaen nehmen an Dan» mar. vollano Luremdurg. Schweden >m» die Schwerz«ingerragen in die Ijoii,«imnaS-�rerslille Der. Lorwarle" ericheinl wocherukglich zweimal-orurrag.. ernmar. Abend-Ausgabe. !elegramm-Ao reffe: .Svzialdemotra, Berlin-. HP-G f. Nerlinev Nolksblatt. A»,riffenpre»Si Die achlgcspaUen« tiorwareilleze�o koslel SO Pfg..Klein« Anzeigen-. da» icliaedruckle Eorr 40 Plg. izuläsfig 2 ieilgedrucklr-crorie), ledet weitete Satt« ilsg. Srellengoluche und »chlaffiellenanzeigen da»«rire Wert 20 Lex.. ledet werlere Wart lä iUjL Worte über 16 Luchiladen löbl»" flfe zwei Worte. Teuerungezulch!«» i?amilien-ilnzeigen. valuiichr in* gewerkichaiiliche Vereins- zuizeixe« «0 VI«, die Keile. Änzergen Hb MC aächsie Kummer rrrüffen bis S rrachmiilagS im vauptgeichäsi Serl» SW.'ia riinoeirsrraxe a, abaexoben werden. Scöfftrer oon S lldr kLii HC 6 Uhr abend». Zetitralorgan der rozialdemokratifcheii parte» Deutschlands. Neöaktion und Expedition: SM. HS, Lindenstr. .»errtiv recher: Amt Mortnplay. Nr. I.»l i>0—»SI»7 fl Montag, den 27. Januar 1919. vorwarts-verlag G.m.b. H., SM. HS, Lindenstr.2. Fernivrrcher: Amt Btortliplali, Nr.»77 6Z— 54. jVacb den Preußen wählen. Eine Uebersicht iiber die gestern vollzogenen Wahlen zur preußischen Nationalversammlung ist noch nicht möglich, doch steht schon jetzt die allgemeine Beobachtung fest, daß die Be- teiligung der Wähler viel geringer war als am Sonntag vorher bei den Wahlen zur deutschen Nationalversammlung. Leider scheint auch die sozialdemokratische Partei an dem allgemeinen Stimmenrückgang mitbeteiligt zu sein, und das gibt zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß. Die Demokratie setzt ein starkes Interesse der Staatsbürger an den öffentlichen Angelegenheiten voraus, nur dadurch kann sie sich lebendig erhalten. Wie am Körper das einzelne Glied durch den Gebrauch gestählt wird, durch Nichtgebrauch ober verkümmert, so ist es auch mit den Volksrechten im Staat. Wir haben doch nicht.jahrzehntelang mn das gleiche Recht gekämpft, um von ihm jetzt, da es errungen ist, keinen Gebrauch zu machen I Da aber bei häufig wiederholten Wahleii eine gervissc Wahimüdigkeit nicht zu vermeiden ist, behalten zum Schluß die polltisch aktivsten Gruppen die Lberhand. Und zwar von Rechts wegen! Wer sein höchstes Bürgerrecht vernachlässigt, der hat.'ein Recht zu klagen, wenn es schließlich seinen poli- tisch rührigeren Gegnern zum Vorteil dient. Nun werden wir an einem Februarsonntag zum dritten» mal an die Urne treten. Entsprechend, der Verordnung der preußischen Negierung werden dann sämtliche. Gemeindevertretungen auf Grund des Volkswahlrcchts neu zu wählen sein. �Gerade die Gemeindenxih'en sind aber für die Zukunft des Sozialismus von höchster Bedeutung, und zivat sowohl� in dem Sinne, daß ein rüstiger Fortschritt des!tom- niuualsozialismus gesickert, als auch in dem. daß dilettanti- sclzes Experimentieren, das bei der nächsten Wahl zum Schaden des Sozialismus dienen würde, vermieden werden muß. Tie Saumseligkeit,. die sich bei den Preußenwahlen bemerkbar gemacht hat, läßt sich nicht mehr korrigieren, wohl aber muß dafür gesorgt werden, daß unsere Partei bei den Gemeinde- mahlen wieder in voller Kriegsstärke antritt. Darum das nächstemal keine Bummelei I Das Wahlresultat in Serlin. Bis 12 Uhr mittags war hier das Wahlresultat aus 44 von 48 Abteilungeu bekannt. Es fehlen noch dir Abteilungen 5, IG, 22, 42 sowie einzelne Stimmbezirke. Von den bisher gezahlten Stimmen haben erhalten: Sozialdemokratie fListr Hirsch).. 310 811 Stimmen Unabhängige sListe Hosfmann)... 24h 043„ Deutsch-Temokraten(Liste Troeltsch) 130 811 Dentschnationale(Liste Kaufmann). 89 140 Christi. VolksvarKi(Liste Faßb ender) 50 282 Deutsche Bolkspartei(Liste Garnich) 45444 Ungültig waren 2043 Stimmen.' Neukölln sein Bezirk fehlt noch). Hur 61224, Klaußner 42 252, Otto 15 7S6, Hammer 7878, Leidig 4344, Höfle 4072. Mariendorf. Hue 4356, Klautzner 2289, Otto 1946, Hammer 1230, Leidig 947, Höfle 297. Köpenick. S. P. D. 7702, U. S. P. 4827, Dem. 3061. D. Bp. 468. Dnat. 1407, Ztr. 428. Adlershof. S. P. D. 2009, ll. S. P. 2701, Dem. 999, D. Vp. 436. Dnat. 137. Ztr. 186. Königswusterl, ausen. S. P. D. 1171, U. S. V. 185. Dem. 462, D. Vp. 198. Dnrt. 186. Ztr. 44. Grönau. S. P. D. 956. ll. S. P. 300. Dem. 467. D. Vp. 7, Dnat. 367, Ztr. 17. Mittenwalde. S. P. D. 759, U. S. P. 15. Dem. 384, D. Bp. 95, Dnak 212. Nowawes. S. P. D. 3891, U. S. P. 4400, Dem. 1934. D.«p. 645. Dnat. 303, Ztr. 207. Johanaisthal. S. P. D. 1165, ll. S. P. 1104, Dem. 637, D. Bp. 55, Dnat. 141, Ztr. 58. Trcptow-Baumfchulrnwcg.@. P. D. 6957, ll. S. P. 4281, Dem. 695." Dnat 1341. D. Bp. 1484, Ztr. 497. Britz. S. P. D. 2865, U. S. P. 1856. Dem. 1008, D. Bp. 219. Dnat. 478, Ztr. 129. Drupitz. S. P. D. 335. Dem. 80, Dnat. 196. Niederschönewride. S. P. D. 2210, U. S. P. 1478, Dem. 1121, D. Bn. 210. Dnat. 168, Ztr. 187. die Wahlen in der fttorlf Brandenburg. sSig. Drahtbericht des.Vorwärts-.) Brandenburg lHavel). Soz. 17 752, Unabh. 732. Demokr. 3046, Deutsche BoliSp. 1263, Christi. 642. Wefthavelland. Resultat au, 42 Orten: S-z. 6355, Unabh. 77, Demokr. 2442, Deutsche BolkSp. 447, Deutschnat. BolkSp. 2064, Christi. 43. Zauch-Belzig. Resultat aus 15 Orten: Soz. 2789, Unabh. 14? Demokr. 935. Boiksp. 120, Deutschnat. 466, Christi. 14, Die Wahlen im JTande. Elbcrfeld-Varmcn. Soz. 57 731, Unabh. 15 631, Demokraten 19 377, Zentrum 19 820, Nation. Mischmasch 39 561.(Die Wahlbeteiligung war erheblich geringer als am 19. Januar.) Düsseldorf. Soz. 24 700, Unabh. 40 050, Demokr. 18 700, Zentr. 43 500, Rat. Mischmasch 15 900. Altona.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Soz. 25 353, Unabh. 2898, Demokr. 10 183, Deutsche Bolksp. 1554, Teutschnatl. 1645, Christi. 1024. Frankfurt a. M.(Eig. Drahtber. d.„V."). S. P. D. 95 990, U. S. P. 9011, Dem. 50 776, D. Vp. 17 043, Dnat. 9105, Ztr. 25 098. Insgesamt überjw.gen die sozialistischen Stimmen die bürgerlichen UM 1079. Frankfurt a. V.-Stadt. Dnat. 3054, Ztr. 1038, D. Vp. 2987. Dem. 9272. S. P. D. 18 221, U. S. P. 783. Hannovcr-Dtadt. S. P. D. 82 972. Dem. 16 615, U. S. P. 1835, D. Vp. 21 294, Dnat. 4484, Hannoversck'c und Christliche Vp. 48 889. Linden-Stadt. S. P. D. 32 611, Dem. 2335, U. S. P. 1267, D. Vp. 1590, Dnat. 258, Hannoversche und Christliche Vp. 7654. Caffcl-Ttlldt. D. Vv. 2501. S. P. D. 43 403, Dem. 22 760, Dnat. 10 122. Ztr. 4295. U. S. P. 988. Erfurt.(Llmtliches Wahlergebnis.) Dem. 14 444, Dnat. 10 153. Ztr 3887, S. P. D. 9698, U. S. P. 23 657. Hagen i. W. Rat u. D. Vp. 7249, Ztr. 9675, Dem. 8634, S. P. D. 8079, U. S. P. 9198. Haspe. Nat. u. D. Vp. 1348, Ztr. 1488, Dem. 9196, S. P. D. 2769, U. S. P. 2816. Elbcrll'ld-Stadt. Nat. u. D. VP. 18 931. Ztr. 11 347, Dem. 7941, S. P. D. 29 606, U. S. P. 6299. Barmen. Nat. u, D. Vp. 20 623, Ztr. 8482, Dem. 11436, S. P. D. 23 125, U. S. P. 0422. Remscheid. Nat. u. D. Vp. 4505, Ztr. 3128, Dem. 9375. S. P. D. 5737, U. S. P. 14 635. Nordhauscn. Dem. 6768, S. P. D. 1801, U. S. P. 6365, D. Vp. 31. Dnat. 1492. Ztr. 512. Grafschaft Hohenstein und Nordhausen. Dem. 10 561, S. P. D. 5981, U. S. P. 16144. D. Vp. 38. Dnat. 5788, Ztr. 739. Tilsit. S. P. D. 10172, Dem. 6118, D. Vp. 1272, Dnat. 753. Ztr. 354. U. S. P. 210 Graudcirz. S. P. D. 9040. ll. S. P. 78. Dem. 7032, Dnat. 2456. Ztr. 1722. Magdeburg. S. P. D. 91421, ll. S. P. 10 629, Ztr. 2238, Dnat. 5825. D. Vp. 5026, Dem. 42 505. Halle(Saale), 27. Januar. Vorläufiges Wahlergebnis im Saalekreis: Nach den bis heute früh vorliegenden Ergebnissen ent- fallen auf bis Unabhängigen rund 51 000, Mrhrheitsfozialisten 10 500, Vereinigte Demokr. 33 700, Deutsch-natl. Volksp. 14 000. ES fehlen noch einige größere Ciadtbczirke und Wahlkreise. Merseburg Stadt. Wahlergebnis: Bis heute früh wurden ge- zählt: Zentr. 135, demokr. Partei 3893, Deutschnatl. Partei 1166, Unabh. 3737, Mehrheitsfozialisien 1499 und Angestclltenpartei 283. Kiel Stadt 14. Wahlkreis Schleswig-Holstein). Vorläufiges Wahlergebnis: Mehrheitsfozialisten 56 817, Unabh. 6708, Deutsche demokr. Partei 28 198, deutsch« Volksp. 12 820, Dauerndemokratie 132. Teutschnatl. Volksp. 7785 und Christi. Volksp. 2543. Wahlen zur hessischen Landesversammlung. Offenbach, den 27. Januar. Bei den Wahlen zur hessischen Landesversammlung wurden in Offenbach von 47 000 Wahlbercch- tigten 37 595 Stimmen abgegeben, und zwar 2413(gegen 2813 bei der Wahl zur deutschen Nationalversammlung) für die Unabhän- gigen, 4714(4919) für das Zentrum, 2006(2201) für die National- liberalen, 5842(6619) für die Demokraten, 1301(1747) für Vi« Konservativen und 21 199(22 544) föt die Sozialdemokraten. Darmstadt, 27. Januar. Bei den Wahlen zur hessischen Volks- kammer wurden in Tarmstadt Stimmen abgegeben: 15 474(16133) für die Sozialdemokraten, 340(364) für die Unabhängigen. 3207 (3334) Zentrum, 12 217(12 998) Demokraten, 891(907) hessische Vollspartei, 10 293(11222) Nationalliberal«. Henderson über die Aufgaben von Hern. Internationaler Arbeiterschuy. Paris, 26. Januar.(Reuter.) Henderson kam hier gestern auf Wunsch der britischen Regierung aus Bern, um mit BarneS, Thomas und drei Delegierten des Gewerkschaftskon- gresses über die internationale Arbeitergesetzgebung zu beraten. Die drei Delegierten der Tradeunion, die heute abend, begleitet von den britischen Delegierten, zur Berner Konferenz in Paris ein- trafen, sind: Bowerman, Stuart Bönning und General S h i r k i e. Henderson erklärte in einem Interview, er hoffe, zur Zeit der Eröffnung der Arbeiterkonferenz, am 3. Februar, wieder in Bern zu sein, wo sowohl die Alliierten wie die feindlichen Dele- gierten über die Methoden zur Erziclung einer höheren L e- benSsührung in allen Ländern beraten würden, ohne die er den Ausbruch ernstlicher Arbeiterunruhen für unvermedilich halte. Er fügte hinzu, die Konferenz würde Entschließungen über den Völlerbund und andere Fragen annehmen, die in angemessener Weise den Ausschüssen der Friedenskonferenz vorgelegt werden würden. Henderson äußerte sich in warmen Ausdrücken über die Haltung der britischen Regierung gegenüber den Be- strebungen der Arbeiter. /lus den Gefilden des öolfihewl'smus. Anklagen einer russischen Revolutionärin. Aus einem an einen hiesigen bekannten Genoß'«« gerichteten Brief einer vor Jahren voller Begetst«- rung für den russischen Befreiungskampf nach Ruß» land gezogenen Genossin wird uns folgende Schild»- rung der bolschewistischen Wirtschaft Rußlands zme Vorfügung gestellt. ,.. Die Bauernmassen kennen den Wert der demokrati- schon Rechte nicht und stehen ihnen gleickkgültig gegenüber. Daher gelang es der bolschewistischen Regierung so leicht, die Grundungsversammlung auseinanderzutreiben, die freie � Presse zu vernichten und die Versammlungs- und Redesrei» heit dem Volke z* rauben. Denn der Bauer will bei diesen �Revolution nur eins: er will den Boden des Grundbesitzers hiGen. Die Regierung, die ihm das ehrlich geb»» �wird. wird sich in Rußland befestigen können. Ich beton» aber, die ihm das ehrlich geben wird, denn diei ! bolschewistische Regierung hat dem Bauer den Boden hin» geworfen mit der Losung: verteilt ihn unter euch nach eurem i eigenen Ermessen. Run hat diese Art des BeschenkenS unter j den Bauern eine förmliche gegenseitige Vernichtungswut hervorgerufen) und der Dauer ist dermaßen mit der Ve» teilungsaufgabe und mit dem gegenseitigen Bekriegen be- daß er jahrelang keinen Sinn für Politik Hab« wird. Der Bauer ist apolitisch. Tie Arbeiterklasse hat sich vor der Februarrevolution und während derselben nach demokratischen Rechten gesehnt. Und da kommt das Traurigste am Bolschewismus. Er hat die Köpfe der Proletarier verbauert. Bis zum Siedepunkt gegen die bürgerliche Klasse aufgebracht, sucht der Proletarier, dis- selbe zu vernichten und sich dadurch zu Helsen, daß er dein Dauern nachahmt und dieselbe Teilung der Güter in des Stadt vorzunehmen eilt, wie es der Bauer auf dem Lande mit den Gütern des Gutsbesitzers macht. Unter der Leitung der bolschewistischen Regierung hat das Proletariat in seiner„Vergesellschaftung" der Pro- duktionsmittel es so weit gebracht, daß Tausend« von Fa- briken eingegangen sind. Tatsächlich führt der Bolschewismus Rußland der Na- t u r a l w i r t s ch a f t zu. Es ist nicht zufällig, daß Rußland jetzt m kleine Staaten zerfällt. Das Land gewinnt die Lber- Hand(materiell und intellektuell) über die Stadt. Das ist die Folge der wirtschaftlichen N ll ck e n tw i ck l u n ß. die mit dem Bolschewismus begonnen hat. Die Städte vs»- kümmern. So sind in Petersburg von 3 Millionen Ein- wohnern(noch im vorigen Jahr) fetzt 800 000 Einwohnsr geblieben. Moskau geht es nicht besser. Im vorigen Jahre lyatte Moskau gegen 2yi Millionen aufzuweisen, jetzt sind dort m« 900 000 geblieben. Zieht man noch in Betracht, daß daS Wegziehen aus diesen Städten nur unter großen Schwierigkeiten zu bewerö- stelligen ist, denn die Transportfähigkeit ist ja eine minimale, so kann man sich vorstellen, wie wohl es jetzt dem Stadtbe- wohner geht in den bolschewistischen Städten, denn PeterS- bürg und Moskau bilden keine Ausnahmen: alle Städte der Sowjetregierung sind in gleicher Lage. In Petersburg be, kommt der anerkonnte Proletarier(jetzt der privilegierte Stand) Ys Pfund Brot für zwei Ta�e. Das Brot ist nicht aus reinem Mehl gebacken. Es sind ihm Surrogate beigemischt, die den Konsumenten siech und krank machen. Das Fleftch kostet 20 Rubel per Pfund, ist aber auch fii* diesen Preis schwer zu bekommen. Kartoffeln kosten 3� Rubel per Pfund, sind mich wiederum nicht immer zu haben. Der Hunger plagt da einen so, daß man jede Widerstands- fähigkeit verliert und nur einen Gedanken hegt, sich so schnell wie möglich aus dieser Hölle wcgzubegeben. Versammln (nicht bolschewistische) gibt es seit dem Sommer keine. ftnden nur rem ofsizielle bolschewistische Versammlung?« statt und. Dank dem Terror, wagt da keiner anderer Mei- nung zu sein: denn manche Genossen, die der so�ialdemokrati- scheu Partei angehörten, haben ihren Mut mit dem Leben büßen oder im Gefängnis sitzen müssen, wobei sie natürlich ihres Lebens keineswegs sicher waren, denn die„Sozia, listen", die die widerspenstigen Genossen ins Gefängnis brach- ten, haben sich oft den Spaß nicht versagt, Richter und Henker in einer Perion zu sein. Es ist schon mancher Mutter, die ins Gefängnis kam, die schauderhaste Antwort zuteil ge- worden:„Leder ist Ihr Sohn infolge eines Mißverständ- niffes erschofjen worden." Dem antibolfchewistischey restz. öein nicht gcmZ bolschewistisch gesinnten Arbeiter broht im besten Falle die Entziehung der ohnehin schmalen Ration, und st? lvird�er dem Hunger preisgegeben. Also unter Hunger und TodeSstrafe keine Kritik der bolsche- »v i st i s ch e n Bt a ß n a h m e n. auch wenn sie die verberb- Bchstwi sind. Gelbst die Mosjnahmen, die zeitgemäß wären, p«d zu denm die Gowjstregiernng gegriffen hat, haben im Zusammenhong mst der anarchistischen TeilungS- und Ver- «itlstungstvut zu kläglichen Resultaten geführt. Die E»n»jet- regierui�i wollte den Kredit vergesellslltaften und beschlag- rwhmte die Banken. Bargeld.hat sie dort nicht gefunden, sondern nur entwertete Papierscheine. Und da die Industrie sich schon in einem jämmerlichen Zustand befand, so führte die Nationalisierung des Kredits zur Vollständisen Vernich- timg desselben und zum völligen Ruin der Industrie. lest! den wenigen nicht einaegangenen Fabriken wird fast gar nicht gearbeitet, denn die Arbeiter bekommen ihr Gehalt unabhängig vom Produktionssana. � Auch wi-d jeder In- dustrisbetrieb von den dort beschäftigten Arbeitern als ihr Eigentum betrachtet. Und nicht selten werden Maschinen in Bruchstücken als Metall verkauft und der Ertrag unter den „Eigentümern" verteilt. Jeder ArbeiterauSschuß einer der- artig vergesellschafteten Fabrik hat für den Produktionsgang zn sorgen, aber praktisch artet diese eigenartige Ordnung zum Besihergreisen dsr Fabrikgegenstände aus und hat die mini- malste Produktivität zur Folge. � Den dadurch entstandenen Schaden deckt der Staat, selbst- verständlich mit dem in Hülle und Fülle fabrizierten Papier- geld. Auf diese Weise sehen die Städte dem völligen Ans» sterben entgegen. Waren werden keine erzeugt, und ohne Waren, deren der Bauer bedürftig ist, will der Landmann jein Brot für Papiergeld nicht hergeben.— Von der Korrumpierung und Bestechlichkeit der bolsche- wistischen Beamtenschast will ich Ihnen gar nichts erzählen. Fragen Sie nur die Genossen, die in Rußland als Soldgten waren! Die werden Ihnen was zu erzählen haben! Die zarischen Bureau kraten waren förmlich Waisenkinder im Ver- gleich mit den„sozialistischen Beamten". Auch über den scheußlichen Terror habe ich nichts zu bc- richten. Ekelhaft, wie er ist. hat er eine lange blutige Zunge und klagt sich selber an.... * Das schreibt mit blutendem Herzen eine russische Revolutionärin, die ein behagliches Leben aufgegeben und alles dem Kampf für die Befreiung des russischen Volkes geopfert hat. Ginge es nach den Wünschen der Spartakisten und ihren unabhängigen Helfern, dann hätten wir in Deutsch- land bald gleiche Verhältnisse. tznpsmans zur Zrieüensfrage.. Bern, LS. Januar. In einer Unterhaltung des Berner Ver- tneters de» WTB mit dem belgischen Tozialistenführer Camille Huysmans äußerte letzterer: Ich kann mir keinen Bund der Vdlker denken/ dem nicht auch Deutschland angehört. Die Voraus- setzung würde natürlich sein, daß in Deutschland nicht der Bolsche» wiSmus ficgt und wirtlich stabile Verhältnisse herrschen. Ich vertrete selbstverständlich den Standpunkt, daß Belgien von Deutsch- land entschädigt werden muß. Unsinnige Forderungen werden an sich selbst scheitern, fällt doch die angebliche Forderung Lloyd Georges nach 400 Milliarden, die Deutschland zahlen soll, fchon dadurch aus, daß Deutschland überhaupt nur 300 Milliarden «sitzt. Soweit sich die territorialen Forderungen an Deutschland auf die französische» Ansprüche, auf das Saargebiet und daS linke Rhciuuser beziehen, betone ich mit aller Entschiedenheit: Niemals! Sobald diese Fragen auf der Friedenskonferenz erörtert werden, werden sich einige Deputierte, an die man jetzt nicht denkt, mit aller Entschiedenheit ebenfalls gegen diesen Plan wenden und in Uebcreinstimmung mit ihrer Ueberzeugung lediglich die Rückerstattung Elsaß» Lothringens an Frankreich an» erkennen. Auch die französischen Soziali st en vertreten diesen Standpunkt, sie verspüren keinerlei Neigung, sich irgend» politische Plakate. „Wir nähern uns einer Zeit, wo Propaganda die einzige 5iampfart unter den Völkern dar» stellen wird. P a u l Z e ch. Die Wahl«, sind vorüber, ein hoher steiler Wellenberg ist über uns binwcg, e,n n uer mag heranrollen. In der Talpause fliegt der Gedanke zurück auf die dritthalb Monate aufgepeitschten LebenS deutscher Geschichte, die uns die erste Schwelle zum enern gewollten Frieden bauten. Sie haben uns.r öffentliches Leben um- gestaltet. Im Kampf der Zeitungen steht ihr Inhalt breit ge» bucht; den kürzesten Ausdruck aber bat ihr Pulsschlag an den Mauern der Straßen gefunden. Auf dem Pflaster wogten ore Flugblätter von Hand zu Hand, in Massen verweht und dann von Elenden Ktkßen zertreten. Von den Hauswänden, Planken, Wagen, Laternen schrie das Plakat in das lärmenoe Treiben, und neu war die Leidenschaft, mit der das geschah. Als vor zwanzig Jahren die Plakatkunst auch ,n Deutschland Kordcrung wurde, sahen wir Sozi«liften neidisch nach Paris,-ver Sturm auf das ,»l»«n« Kali, den SleinUn als riesiges Werbeblatt kür das sozialistische Organ der französischen Hauptstadt geschaffen. zeigte um» Abstand und Fiel. Kein Zweis l: hätten wir die Kunst. Jet gehabt, selche Blätter heraus, nwuchten. die Polizeisaust(die jetzt noch i« veegvellter Spieherwut nächtlich gegen die roten Pia» Rtte attentätert) hatte sie öffentlich nicht g-duldet. Aber das Polizei- «eegiment. daS das Straß-nleben übers Maß durch seine Begriffe von Ordnung einschnürte, ist heute revolutionär gebändigt, und nun haben wir mit einem Schlage, was wir für den politischen Kampf in den Straßen brauchen. In schnellem Aufstieg arbeiteten sich die deutlichen Zeichen einer eigen-n politischen Plakatkunst her» aus. Die Künstler, sie Ideen, der Stil, die Technik— alles ist da. Die notwendige Aktion öffnet den Wog. Da und dort tastet noch die flache Illustration mit, Morgan, siert beigeordnetem Texte. Aber die Plakate d« Mehrheitösozialdemokratie. wovon schon neu- lich hi« die Rede war, bezeugten, daß man in diesem Lager be» grifsen hat, welcher Weg der Absicht am besten dienen wird. a.as verrieten schon während des Krieges gewisse„BorwärtS"-Werbo- Plakate Hclmbergers für tne Anschlagsäulen: der Berliner Bär gnit der phrygischen Mütze und.ein Generalsturm schlagender prole- tarischer Trommler. Dos Plakat, das in der Riesenstadt durch Wort oder Bild laute Sprechkraft inS Ferne haben will, braucht «cganische Anpassung an den großen Raum unter freiem Himmel. Was es z» sagen hqt, muß in einen kurzen, mächtigen Schrei gepreßt sein. Das fordert Form, bildnerische Form, Wortwahl, Bildaedanke allein tun eS nicht. Den dekorativen Süchten jüngster Kunst wäre hier also eine prüfende Aufgabe geschichtlich zuge» warfen. Und es hat denn auch eine Werkstatt gegeben, wo sie nnt Griffel und Pinsel der Propaganda des Tages half: der sozia- lijtischen Propaganda! Nicht erst in der Wahlschlacht ist die Arbeit dieser Werkstatt auf die Straßen gegangen. Schon im November tritt sie heraus, in den. Lggxn der Demobil machungl Als Aislösung. Neuordnung, welche Gebiete anzugliedern, deren Bevölkerung vorwiegend kakho» lisch ist und lediglich eine Verstärkung der Opposition bedeuten würde. Ich mache Sie aber daraus aufmerksam, daß andererseits gerade im Rheinland eine ziemlich starke Bewegung für eine Loslösung von Deutschland eingesetzt hat. eine Gefahr, deren Rück- Wirkung auf die Stärkung einiger französischer Kreise nicht zu verkennen ist. Was im übrigeck die Forderungen der Staaten an der deui sehen Oftgrenze anbelangt, so glaube ich. daß mau hier noch nicht klar genug sehen kann. Wenn der Anschluß von Deutsch- iisterreich den Vollzug des einheitlichen Volkswillens bedeutet, so wüßte ich nicht, was man dagegen einzuwenden hätte; erwal an- deres ist es. ob es taktisch richtig ist, gerade jetzt mit dieser Forderung herauszukommen. Gewisie Kreise werden darauf hin- weisen, daß ein derartig vergrößertes Deutschland auf der anderen Seite auch Abstriche vertragen könnte. Bezüglich der deutschen Kolonien verwerfe ich als Sozialist jede Kolonialpolitik, die im Dienste kapitalistischer Jnteresien steht; meiner Ansicht nach müßte das ganze Kolonialproblem dahin gelöst werden, daß alle Kolonien unter internationaler Kontrolle fteheli, nach Muster der englischen Kontrolle über Aegypten. Dies ist jedoch nicht möglich. Daher sehe ich nicht ein, warum Deutschland keine Kolonien besitzen soll. Von einem Selbstbestimmungörecht der Eingeborenen verspreche ich mir gar nichts. Das läßt sich schwer bei Kultivierten anwenden, geschweige denn unter lknkultwierten. Mangel bleibt Ex. Verunglückter Monarchistenpntsch. Lissabon, L7. Januar.(Reuter.) Laut amtlicher Mitteilung ist das Kabinett zurückgetreten, um eine Spaltung der Kräfte zu vermeiden. Die Republikaner werden die Geschäfte bis zur Bil- dung eines neuen Kabinetts fortführen Amtlich wird mitgeteilt: Am 23. Januar ft:üh erklärte sich eine Anzahl von Einheiten der Garnison vock Lissabon für die Royalisten und besehten Stellungen auf den die Hauptstadt beherrschenden Höhen, sie wur- den sofort umzingelt, schnell geschlagen und ihnen die Ge- schütze abgenommen. Die republikanischen Truppen verfolgen die Fliehenden mit Reiter. Die Regierung zieht Truppen zusammen, um in Oporto den Aufstand womöglich ohne Kampf zu unterdrücken. Nach einer weiteren Reutermeldung hat der frühere König Manuel von Portugal nicht die Absicht, sich jetzt nach Portugal zu begeben. Er halte sich augenblicklich in London auf. Drohenöe Streiks in Englanö. Polizisten und Schiffbauer. London, 20. Januar.(Reuter.) Die Schiffsangestellten deS Londoner Hafen» beschlossen, am 27. Januar zugunsten einer all» gemeinen Lohnerhöhung von 12 Schilling wöchentlich zu streiken. Es kommen 20 000 Arbeiter in Betracht. Haag, 27. Januar. Die„Times" berichtet, daß die Regierung sich weigere, den Verband der Polizisten anzuerkennen. Aus die- fem Grunde ist für die nächsten Tage ein allgemeiner Pol!» z i st e n a u s st a n d in London und anderen großen Städten zu erwarten. Nach einer Mitteilung des Kriegsamts werden jetzt täglich 30 000 Mann vom englischen Heeresdienst entlassen, die Ziffer wird sich nächstens auf 40000 täglich steigern. Sozialksierung und Gemeinöen. Bcrarunqen der Sozialisterungskommisston. Die Sozialisierungskommission hat letzthin in zwei eingehen- »eu Besprechungen die allgemeinen Grundsätze der Kommuna- l i s i e r u n g erörtert. Der Beratung lag der Gedanke zugrunde, daß, ohne in die Besonderheiten der einzelnen zu kommunalisieren- den Wirtschaftsziveige einzugehen, allgemeine Grundsätze über die rechtlichen, wirtschaftlichen und verwaltungsmäßigen Vor- aussetzungen für eine Kommunalisierung gewonnen werden können. Demgemäß wurde eingehend darüber verhandelt, in wel- cher Weise die rechtlichen Voraussetzungen für eine Ausdehnung des gemeindlichen Wirtschaftsbetriebes auszugestalten seien. Da- Zerrissenheit hereinstürzte I Als straffste Zucht. Arbeitsdrang, Zu- sammenschluß Vorbedingung der Z.ikunft der jungen Deutschen Republik wurden! Ein mächtiger Trommler im Soldatenrock, der die„Parole Frieden" ausruft:„Wir erreichen ifrn durch Ordnung" — A. M. Gay hat ihn gezeichn t ist unvergessen in der Erneuerung. Dann ein Winker mit roten Fahnen.„Kameraden I Ach- tungl Störungen oe» Verkehrs bringen Hungersnotl" und ein Blatt für Arbeitsnachweis: rauchende Schornsteine und Gebäude- massen der Großindustrie inmitten, groß darüber die Frage:„Wer suchi Arbeit?" und darunter:„Wo kein Schornstein rauckt, wächst kcin VrctI" Auch diese Blätter sind von Gay. Endlich das Plakat von H.Richter, der von Kokoschka gelernt hat:„3 Worte: Ungestörte Demobilmachung, Aufbau der Republik, Frieden"; eine mächtige Arbeitergestalt, werkbloße Arme, sicher bewegt, Hände, die eisern greifen und tragen können, aufrechte schwere Geschlossenheit in einer weltbedrängendsten Unruhe; eine rote Schärpe gürtet den Mann, rote Fahnen wachsen in Masse um ihn her aus der Tiefe. Auch Max Pechstein steuerte einen Wurf bei, der weit reicht: einen nackten Buben von derbstem Wuchs, energisch gestellt eine rote Fahne umklammernd, und um dies erfreuliche Kerlchen prallen die Worte:„Erwürgt nicht die junge Freiheit durch Unordnung und Brudermord, sonst vechungern eure Kinder." Bildlose Appell- blädter Tay«, au« Rot und Weiß äußerst wirksam aufgebaut, haben an ungizählten Stellen deutscher Srädte gleich jenen Bildplakaten die Arbeiter zur Besinnung, zur organisierten, selbstbehauptetcn K»«ft aufgerufen. Ebert« Novemberwort ist so in die Hirne ein» gehämmert worden:„Wenn die deutsche Republik leben soll, so bodarf sie der Arbeit. Sozialismus ist Arbeit!" So auch ein Wort von Otio Wels, das die Soldaten zu Zucht und Einigkeit um der Republik willen aufrief. Und leuchtend schlang sich um Anschlagsäulen, streckte sich an Wandflächen ein Dreimeterband Lncian Bernhards aus, das in kernigen Schwarzlettern auf rot- wetß-roter Längsbahn die Worte dröhnte:„Es lebe die deutsche sozialistische Republtk! Jeder stelle seine Kräfte in ihren Dienst!" Faßt man diese Gruppe von Plakaten zusammen, so ergibt sich der wichtige Eindruck: sie ist geistig aus einem Guß. Nicht nur ideell, sondern auch im Wurs und Ton des künstlerischen Stils. Diese Kraft dauert auch in dem weiteren großen Abschnitt poli- tischer Bewegung fort: in den Bildern und Aufrufen für die Nationalversammlung, als der Vorbedingung für Brot, Frieden, Feeiheft des Einzelnen und Ordnung der Gesamtheit, Saft und Kraft der Regierung. Zwei Wortplakate von Gay und K. Frenzel (Safis) wachien durch die Linien ihres Zeilenaufbaues über ihr geringes Flächenmaß hinaus. Ein drittes Blatt, von Ludwig Kainer. zeichnet ein heranstürmendes junges Weib unter roter Wolke:„Mädchen und Frauen heraus aus der Finsternis!" Und dann Pechsteins leider nur kleines Bildplakat, auf dem ein Ar- beiter mit der Kelle hockend von fahnenumwehtem Ouaderblock herüberwinkt:„Die Nationalversammlung der Grundstein der deutsch« sozialistischen Republikl" Der Wille, die Massen» bewegung gegen die Bedrohung der Nationalversammlung zu steigern, wirkt hinter diesen Blättern, und in einem sigurenveichen, farbig pulsierenden Plakat von Cesar Klein, das Arbeiter. Bürger. Bauern, Soldaten aller Stämme Teutschlands zur Vereinigung s nach wurden die Erfahrungen und Aussichten des städtischen Monopoldetriebes und der in weiterem Kinne gemisch<-wirisch«ft- lichen Unternehmungen in verschiedenen Wirtschaft»j»eigen. na- menttich der Nahrungsmittelversorgung(Milch. Fleisch. Brot) durchgesprochen Hierbei wurden die»erschiedcnen Mogtichteiten einer Zusammenarbeit mit den Konsum- g e n o s s e n s ch a fft e n erörtert. Eine eigene Sitzung galt dann dem Bau- und Woh- nungSproblem, insbesondere den Fr«gen. ob der Eigenbau der Gemeinden oder der Bau durch gemeinnützige Organisationen vorzuziehen sei, serner wie die Beschaffung der Baustoffe tu»»- ganisieren sei. wie die Gemeinden einen eigenen Häuserbesitz»er» walten und in welcher Weise die Erhöhung der Baufcjstet, auf die Mietpreise in den alten Häusern zurückwirkt. Die Absicht dieser Besprechungen geh: dahin, unbeschadet der Einzelerörterungen über die besonderen Wirtschaftszweige schon jetzt den allgemeinen Rahmen festzustellen, in welchem die AuS- dehnung des gemeindJichen Betriebes vor sich zu gehen hätte. Es wird erwegen, der Regierung den Entwurf zu eine«?»n Reichs wegen zu erlassenden Rahmengesetz zu unterbreiten. durch welches die Bundesstaaten zu einem einheitlichen Vorgeben in dieser Richtung anzuhalten wären. Insbesondere wäre in die- fem Falle die Errichtung von gweckverbänden benachbarter As- meinden für den Betrieb solcher Unternehmungen zu erleichtern, welche einerwiis über den Nahmen der einzelnen Gemeinden hin- ausgehen, andererseits aber einem lokalbcgrenzten Bedarf dienen. Ferner wäre sowohl den Einzelgemeinden wie den Zweckverbänden das Enteignungsrecht zu geben. Die Kommission behält sich vor. die Verhältnisse einzelner Wirtschaftszweige, welche für die Kommunalisierung in erfter Reihe in Frage kommen, mit den Fachleuten und Interessenten zu erörtern. die tteuregelllu? üer Kommanöogewalt. Konflikt in Hainburq. Hamburg, 20. Januar. Der Erlaß über die Neurege» lung der Kommandogewalt hat im Bereich des G». neralkommandos des S. Armeekorps zu eincm Konflikt z w i fchen dem Soldatenrat und den Offizieren gefübrt, da letz cre sich auf den Standviini! stellen, daß d'e Kom- mandogcwalt nunmehr den mili-är schen Vorgesetzt n wieder übertragen werden müsse, während der So.'datenrat der Ansicht ift, daß e t die oberste Kommandogewalt auszuüben habe. T�e Offt-iere erklären aber, daß sie und alle Beamten des Korps ihren Dienst niederlegen würden, wenn der Soldaten» rat die Verordnung der Regierung nickt anerkennt. Der Sol. datonrat sowohl wie das Offizierkorps haben am heutigen Sonn» tag je zwei Vertreter nach Berl n geschickt, um mit den Volk«. beauftragten und dem 5krirgSministerium über diese Frage zu verhandeln. Ter Soldatenrt, der mitteilt, daß etwa 12 Armee. Srps sich auf den gleichen Standpunkt gestellt haben, verlangt die sofortige Einberufusig der Reichskonferenz der Soldatenräte nach Berlin. Sollte die Regierung das ablehnen, so würden diese über die Köpfe der Reg'erunfl hinweg nach Hamburg oder einem anderen Ort einberufen werden. Die Wahlen in Westpreußen. Berichtigung. Danzig. 20. Januar. Die amtliche Feststellung de? Wahlergeb» uisseö im zweiten Wahlkreis(Westpreußen) hat zu dem Ergebnis geführt, daß sich die Mandate wie folgt verteilen: Mehrheitssozia» listen 4, Teutschnationale 3. Demokraten 3. Ehristliche Volkspartei 1, während wie bisher gemeldet wurden: ö Mehrheitssozialisten, 2 Teutschnationale. 3 Demokraten und l Ehristliche Volkspartei. TaS deutschnationale Mandat fällt Dr. Rösicke zu. Scheidcmann ist zugleich in Berlin und Kassel gewählt. Er hat aus das Berliner Mandat verzichtet und das Kasseler Mandat angenommen. In Berlin rückt an seine Stelle Genosse Eugen Ernst. „Mehr Blut?" Die„Freiheit" versichert, daß die auch von uns erwähnte angebliche Aeußerung Ad. Hoffmanns, das Ehren- schild de? Proletariats müsse mit Blut wieder reingewaschen wer» den. nicht gefallen sei. ruft, iit diese Bewegung auch in der greifbarsten Bildlichkeit heraus» schreitender Massen, umlodert von gelbroten Flammcngewaltcn, ausgedrückt. Dies Blatt der unzähligen in gleichem Schritt mit gleich erhobener Hand bewegten Männer fiel in den Wahltagen stark aus. Daß damals und schon vorher auS derselben Arbeits- quelle auch ein halbes Dutzend Flugschristen auf die Straße drangen, kleine Hefte, die sich durch ihr äußeres Gewand von an« deren Drucksachen ihrer Art charakteristisch abhaben, ist wenig be« kannt. Sie sorgten, daß politische Kundgebungen der sozialistischen Regierungsmänner im Tageskampf gegenwärtig blieben, und trugen wichtige Darlegungen Bernsteins und KautSkys in immer neue Scharen von Männern und Frauen. Auch ein»Aufruf zum Sozialismus" ist darunter, in dem Lyriker der jüngsten Kunst revolutionäre Gluten ausschleudern. Es war ein Neujahrsgruß, zugerufen von Leuten wie Meurer, Becher. Hasenclever, Ehren- stein, Wersel, Wolsenstein, Zech. DieseÄrt des Mitfechtens mit Waffen erhöhter Geistigieit gipfelte in der Wahlwoche in dem achtseitigen Blatte„Rührt Euch!", in dem Politiker, Dichter und Zeichner am gleichen Amboß sich zusammenfanden. Die Ausgabe der Nationalversammlung ist das Thema dieser in etlichen Millionen herausge.worfenen Bilderschrift. Die Stcrnsche Zeichnung darin — Arbeiter richten umjubelt einen Grundstein— dürfte den Tag überdauern als eine gute Bereicherung des Schatzes an politisch »edondcn Bildern, die da? Proletariat liebt. Unter diesem Blatt heißt es in einem Gedicht von Paul Zech: Wir stehen vor dem Tor zu einem Tore, Dahinter erst Unendlichkeit beginnt. Wir wissen nur. daß wir erkoren sind Von allen Stirnen abzureißen die befrorenen Flore. Daß die Leitung der Werkstatt sozialistischer Propaganda, aus der alle diese in Massen über das republikanische Deutschland er» gangene Arbeit strömte, in Händen Paul Zechs liegt, ist nicht eben sehr bekannt. Wer aber in dieses Mannes dichterisches Wesen cii, tauchte, in das Schaffen dieses Meunier der Lyrik, dessen Schauen und Denken ein vulkanisches Gebären und Handeln ist, der spürt um so sicherer die seelische Einheit, die jener Arbeft die Kraft gibt. Die alte Weisheit bewährt sich wieder einmal, daß Leistungen wie der„Werbedienst der deutschen sozialifti'chen Republik" sie ,m Rahmen von Weisungen der Reichsregierunn zu vollbringen hat, als Kops eine schöpferisch attive Persönlichkeft brauchen, die mit der Sache, um die eS geht, m Geist und Blut verwachsen ist. Von hoher Warte aus sieht Zech seine Aufgabe. Propaganda, der Kampf mit der geistigen Waüe. ist nun Knlturmittcl, und Kultur bedeutet lstr uns vorweg Völkerve rstälidi» gung. Wir wollen hinaus über die Formen der Propaganda, die der Krieg unS als Giftmischer wider die Kultur in ftirchtbarster Gewalt kennen lehrte. DaS Ackerfeld der neuen Propaganda reicht in alle Zonen menschlichen, staatlichen Wirkens. Das der„Werbedienst" in Deutschland geleistet, ist nur ein Bruchteil vom Ganzen. Nur eine Probe! Aber das Werk war in unserm öffentlichen Leben in dieser Form neu und war gut. Es atmete Baukraft aus. Revolution und Republik müssen ihm den Boden sichern und weiten. Um ihrer ge- sunden Entwickelung willen! keck. puttkamers yungerpeitsthe. Ei« Musterbeispiel konservativen WahlterrorS. Sin Lehrer an einer pommerschen Gutsschule erhielt nach der Wahl zur Nationalversammlung von seinem.gnädigen Herrn" fol« ftenves Gchveiben: Mitteilung. von Puttkamer-Verein i. Pommeru Telephon Barnow Nr. 6 An Herrn Lehrer R.... Storkow. Geehrter Herr R.l Da mir zu meinem Bedauern mitgeteilt ist, daß Sie nicht allein bei der Wahl zur Nationalversammlung ?chre Stimme den Vaterlandsfeinden gegeben, sondern auch für diese Wahl bei den Dorfbewohnern Propaganda gemacht haben, �amit also auch direkt gegen meine Interessen agitiert aben, sehe ich mich leider nicht mehr in der Lage, Privatgeschäft- iich für Ihre Interessen einzutreten und werde Ihnen daher die bisher vom Gut zu Ihrem Lebensunterhalt gelieferte» Bezügeg wie Milch, Korn usw. zum 1. Februar kündigen. Hochachtungsvoll v. Puttkamer. Herr v. Puttkamer behauptet zunächst in seinem Schreiben sachlich die Unwahrheit. Der Lehrer R. hat niemals für die Baterlandsfeinde. d. h. die Deutschnationale Volkspar» t e i agitiert oder gestimmt. Eine andere Partei kann doch kaum als vaterlandsfeindlich bezeichnet werden!— Im übrigen ist das Schreiben charakteristisch für da? junkerliche Bemühen, den Wabderror, wo es geht, aufrecht zu erhalten. Wie wir erfahren, hat Herr v. Puttkamer auch eignige Landarbeiter entlassen, die er im Verdacht hatte, daß sie sozialdemokratisch gewählt hätten. Die Regierung wird gut tun, sofort gesetzliche Handhaben zu schaffen, auf Grund derer man solchen Gewaltmenschen alten Systems ohne Umstände an den Kragen kann. Stwa eine Vcrord- nu, ig, die bestimmt, daß jeder Arbeitgeber, der seine wirtschaftliche Stellung zu politischen Gewaltakten mißbraucht, sofort ohne Entschädigung enteignet wird. Der unelü'cklfche Mann in �merongea. Kai:erqeburtstagS-schmuh. Die monarchische Presse widmet dem„unglücklichen Mann in Zlmerongen" tränenreiche Artikel, Ter„Berliner Lokal- anzeiger" z. B. schreibt: Da ist ti für uns Deutschen ern heiliges Gebot der M e n chl ich keit. diesem Manne, der aus höclister Höhe in tiefste Diese gestürzt ist, und bitterer als jemals irgendein anderer Herrfcher die Wahrheit des Danteschen Wortes empfindet, daß»s keinen größeren Schmerz gibt, als sich im Elend der g!ücklicl>en Tage zu erinnern, eS ist ein heiliges Gebot der Mensch- lieskeil, daß man in Deutschland am heutigen Tage seiner in Liebe und Verehrung gedenkt....„ �»aenüber jolcftcr Lyrik bemerken wir tatsächlich: Der Erkaii�r wobnt in einem Schloß, ißt nni» trinkt gut. und der ihni drohende Kriegsschuldprozeß wird ihm auch nicht den stopf kosten, dafür wird schon, wenn nicht das Solidaritäts- gefiihl b und daß Schee! erst geschlagen worden»st, mxbdem Scheel sich sowohl tätlich an Manke vergriffen halte, als auch sich gegen Oberjäger und Mannschaften tätlich gewehrt hatte. die»ersuchten, zwischen den Streitenden Ruhe zu stiften. Die Be- auslragten der Sicherheitswehr versuchten Mauke am Kupsergräben aus iti Kolonne heraus zu verhaften, worauf dieser sie an seinen Kommandeur wies und erst, als die Leute ihn ohne weiteres»er- haften wollten, drohte, von der Waffe Gebrauch zu machen. Einen Aeseyl der Kommandantur zur Verhaftung des Manke konnten die Sicherheitsieute nicht vorweisen, infolgedessen verwei- gerte der Kommandeur die AuSlieierung, da Manke auch nicht der BefehlSbefugniS de? Kommandanten, sondern dem Gericht der Jäger- dioiston tlnicrsiand. Aeußerungen von Ofsizieren. Poldatenrot, Soltsbeauftrogt« usw. seien ihnen Ouatfch und Piep«, sind nie ge- sotten, was schon darou» hervorgeht, daß das Bataillon selbst einen P,»ida!»n,at in geheimer schriftlicher Wahl gewählt hat. Ein Aufruf an üie Sergarbeiter. Der Streik hindert die Banknoteuerzeugung. Air werden um Ausnahme deS nachfolgenden Aufrufs gebeten: Bergarbeiterl Genossen! Schafft Kohlen I Tie durch Kohlenmangel hervorgerufene GaS- sperre verhindert die HerstelluUg deS Geldes in der Reichsdruckerei. Wenn die Gassperre längere Zeit besteht, können die Löhne für Arbeiter, die Unterstützungen für Arbeitslose nicht mehr gezahlt werden! Also: Schafft Kohle nl Arbeiterrat der Reichsdruckerei. Stadtvrrordnctenwahlen in Leipzig. Bei den gestrigen Stadt- verordnetenwahlen erhielten die Unabhängigen b3, die Mchrheits- sozialisten 6, die Demokraten lö und die übrigen 4 bürgerltchea Parteien 17 Sitze. Tie Wahlbeteiligung betrug 60 Prozent. Oberpräfident Dr. Michaelis, der frühere Reichskanzler, bat sein Amt niedergelegt, weil der A.- und S.-Rat von Stettin die Halbmasthissung roter Fabnen auf öffentlichen Gebäuden aus An- laß der Beerdigung Liebknechts verlangt und gegen seinen Ein- spruck, durckgeführt ha:. Verha'tiing deutscher Grsandtschaftsmieglicder in Finnland. Nach einer finnischen Meldung wurden in Helsingfors 4 Angestellte de» deutschen Gesandtschaft au» unbekannten Gründen von den finnischen Behörden verhaftet. GewerffchaflsbeweglUtg Differenzen der auf de« BekleidungSämtern beschäftigten Schneider, Schuhmacher, Sattler über Lohnfrageu. Zwischen den beteiligten Verbänden wurden am IL. Dezember vor dem Oderkommando in den Marten Lohnsätze für die Beklei» dungsämter festgcsetzl, die einen Stundenlohn von 2,50 M. für männliche, 2 M. für Frauen und 1,75 M. für Hilfsarbeiter vor- sahen. Danach würden bei achtstündiger Arbeitszeit die männ« lichen Arbeitskräfte einen Lohn von 20 M. pro Tag zu bekommen haben. Dieser Lohnsatz dünkte dem Oberkommando in den Marken zu hoch und es berief eine Sitzung ein, zu der es die beteiligten Verbände nicht einlud; eS schlug in dieser Sitzung eine Herab- setzung der Löhne vor, und um gleich gründliche Arbeit zu machen, eine Herabsetzung um 6 M. pro Tag für Vollarbeiter. Tie beteiligten Gewerkschaftsverbände haben unter dem 20. Ja» nuar an das Oberkommando in den Marken eine scharse Protest- erikärung gelangen lassen, weil sie einen solch enormen Lohn- abstrich unter keinen Umständen vertreten können. Verhandlungen sind eingeleitet und finden in den nächsten Tagen statt. Bemerken möchten wir, daß die Arbeiterschaft entschlossen ist, ein« Lohnkürzung für Vollarbeiter unter keinen Umständen anzu- nehmen, solange die Lebensmittelpreise dauernd steigen oder aber nicht im Zurückgehen begrifjen sind. Da eS sich um ungefähr 6000 zunächst Beteiligte handelt, halten die Organisationen sich für ver- pflichtet, der Lessentlichkeit davon Kenntnis zu geben. Wenn die Herabsetzung der Stundenlöhne vom Oberkommando in den Marien durchgesetzt würde, so müßte auch eine Herabsetzung der Stücklöhne automatisch eintreten, da die bestehenden Stücklöhne auf die Stundenlöhne ausgebaut sind. In diesem Falle würde sich die Zahl der Beteiligten auf zirka 200 00 erhöhen. Sollte die Regierung nicht eingreijen und vermitteln, so ist ein Streik unausbleiblich. Die Arbeitslöhne bei den städtischen Gaswerken Berlin. Von der Leitung des Gemeindearbeiterverbandes erhalten wir folgende Zuschrift: Anläßlich der Berichterstattung über den Streik der Arbeiter der Eiektrizitälswerke wurde in der TagcSprcsse wieder- holt die von einzelnen Rednern ausgestellte Behauptung wieder- gegeben, dir GaSarbeiter erhielten 3,00 M. Stundenlohn. Da die Gaspreise erheblich erhöht werden mußten, und zwar nicht nur wegen der gestiegenen Arbeitslöhne, könnte das Publikum auf die Vermutung kommen, daß es diese Erhöhung nur den unersättlichen Gasarbeitern zu verdanken habe, die unter 3,00 M. Stundenlohn nicht mehr arbeiten wollen. Demgegenüber sei festgestellt, daß der Stundenlohn 2,00 M. für Arbeiter, 2,25 M, für angelernte und Schwerarbeiter und 2,50 M. für gelernte Handwerker beträgt. Nur eine bestimmte Gruppe von GaSarbeitern bezieht den Stundenlohn von 3.00 M.. und zwar in sechsstündiger TageSschicht. Wir haben eS hier mit Feuerhaus- und Betriebsarbeitern, die nur einen Bruchteil der Gesamtbelegschaft darstellen, zu tun. Die Arbeit dieser Leute ist so schwer, daß bereits im Jahre 1895. als die In- dustrie allgemein noch 11- bis ILstündige Arbeitszeit aufzuweisen hatte, im Gaswerk der Stadt Bremen der achtstündige Arbeitstag i'ür die Osenarbeiter eingeführt wurde. Die Stadt Berlin hat den lchtstundentag im Jahre 1907 eingeführt. Diese Arbeiter ver- treten nun mit Recht den Standpunkt, daß sie jetzt, wo auch die leichteste Arbeit nur 8 Stunden täglich dauern solle, Anspruch auf eine Verknr-ung der Arbeitszeit erheben können. Das ist nun ge- schehen. Diese Gruppe der GaSarbeiter arbeitet nunmehr S Stunden täglich und hat für den Ausfall an Arbeitszeit einen Lohnausgleich verlangt und erhalten. Nur durch die Verl"---ing der Arbeitszeit stieg der Stundenlohn auf 3.00 M. SroßSerlln Gemeine Waljlbeeiuflußung der deutschen Bolkspartsi. Die Dc-utschc Volkspartei hat zu den gestrigen Wahlen eine Agitation getrieben, noch dazu in einem Groß-Bcrliner Vorort, die wohl alles in dcn Schatten stellt, was an Wahldemagogie jetzt in der neuen Zeit geleistet word n ist Ein Ehepaar erhielt als Wahiaufforderung ein gelbes Kouvert mft folgenoem Kopf: Deulsche Brlksparlri, Ortsgruppe Friedrichshagcu, Köpenick« Straße 8. Auf dem unteren Teil de- Umschlages befindet sich jedoch folgende Bemerkung: Für die Wahl zur preußischen Nationalversammlung am 26. Januar sind nur Stimmzettel gültig, deren erster Ncune lautet: Rektor Ludwig Hollmann, Berl'in-Lichtcnberg. Alle anderen Zettel find ungültig, deshalb einliegenden Z.ttcl aufbewahren und zur Wahl mitbringen. Die Deutiche VolkSpartei ist jedenfalls von vornherein der Auffassung Leavescn, daß sie nur noch sehr wenig Kredit im beut- scheu Volte hat und daß derartige Roßtauschmanieren ihr nach etwas Daseinsberechtigung verschaffen könnten. Von unseren Parteigenossen dürfte aber festgestellt werden, ob auch noch an anoerer Stelle ähnlich«„saubere Manöver" angewendet worden sind. Der Hoff- als Scheidemann. Von den Unabhängigen wird zwar immer mit einer ungewöhn» lichen Ausdauer nicht etwa auf die Bürgerlichen, sondern auf die Scheidcmänner geschimpft, aber wenn sie sich unbeobachtet glauben, mogeln sie doch nur zu gerne aus Kosten uwserer Partei. So ist bekannl, daß vielfach bei unseren Porteiaenossen Beiträge kassiert worden sind von Funktionären der alten Partei, die sich nachher als Unabhängig« entpuppten, lieber ein« ähnlich« Mogelei wird uns von der gestrigen Wahl berichtet: Im Wahllokal Rlchthosenstr. 8 waren zwei Listeiwerteiler der Unabhängigen tätig. Ter eine stand draußen vor dem Wahl- lokal als einziger; all« andern Ver'eiier hielten sich wegen der Kälte im Vorräume zum eigentlichen Wahlraum auf, wo ausreichend Platz vorhanden war. Als ich zur Mahl ging, fand ich des Rätsels Lösung: ein Spiel mit verteilten Rollen. Der vor der Tür bot mir smuen Zettel cm:„Liste der Unabhängigen"! Im Vorraum zum Wahllclal präsentierte mir aber der zweite Lisienvcrteiier der Unabhängigen seinen Zettel:„Liste der alten sozialdemokratischen Partei— Adolf Hoffmann"! Ossenbar handelt es sich hier um einen Anreißerkniff niedrigster Art. Immerhin dürften ungcschulte und wenig achtsame Wähler darauf hineingefallen sein. Gestaunt habe ich aber, wieviel Müh« sich die Unabhängigen geben, damit sie von den Wählern für.Scheidemänner" gehalten werden. Hochachtungsvoll ergebenst... O. 34, Richthosenstr. Weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe im Handel soll jetz� für Berlin durchgerührt werden. Der Zcntralverband der Handlungsgehilfen hatte den Magistrat ersucht, zusammen mit den Vororten die Sonntagsruhe für die Lebens- und Genuß- mittelgeschäfte so zu regeln, daß der Verkauf auf 8—1 0 Uhr vormittags beschränkt wird. Da auf De- fragen die Vereine der beteiligten Kaufleute.sowie die Gewerk- >chastskommission und der Kriegsauöschuß für Konsumenteninter- essen dcn Vorschlag unterstützten, so stimmte die Gewerbedeputation zu und das Magistratskolleginm erhob ihn dann zum Beschluß. Wenn, wie zu erwarten ist, auch die Stadtverordnetenversammlung fich mit ihm einverstanden erklärt, wird zur Erreichung ejnheit- licheo Sonntagsruhebe st immun gen für Groß- Berlin der Berliner Magistrat sich mft den Vororten in Verb!»- düng setzen. Der Beschluß ist ein weiterer Schritt vorwärts, mcm sollte aber mit der Ausdehnung der Sonata gSruh» endlich einmal ganze Arbeit machen._ Wohnungsverband und Landwirtschaftsministerinm. Uns wird geschrieben: Der Wohnungöverband Wroß-Berlin wendet sich in»tnoe$«• schrift an den„Vorwärts" gegen den ihm vom Landwirtschaftsminister Braun gemachten Vorwurf eines an Verschleppung grenz ndsn Verfahrens in der Behandlung der Siedelungsfrage. Er fühvt darin auö, man habe in VcrbandSkreisen erwartet, daß die Ford» rung nach billigem StoatSland zur Unterbringung der mindse- bemittelten Bevölkerung Groß-BerlinS in gartenreichen Flachbau- kolonien, welche bei der alten Regierung auf nicht zu überwinden« den Widerstand gestoßen sei, von der Volksregierung restlos erfüllt werden würde. Diese Hoffnung sei leider bisher unerfüllt go- blieben. Diese Ausführungen stehen im Widerspruch mit d«i Tatsach«! und find geeignet, den Tatbestand zu verdunkeln. Minister Braun hat m der Sitzung am 13. Dezember, in der als Vertreter d«S Wohnungs Verbandes Groß-Berlin Herr Baurat Beuster teilnahm, ausorücklich erklärt, daß die Preisfrage in der Siede» l ungSangelegsnheit kein Hindernis bilden dürfe und daß er seinen ganzen Einfluß aufbieten würde, daß die in Frage kommenden fiskalischen Flachen dem Zwecivcrband tu billigen Bedingungen überlast n würden. Gleichzeitig hat er den Vertreter des WohnvngSverband:S Groß-Berlin ersucht, im Einvernehmen mit den SiedelungSgesellschaften, die gleichfalls»uf da» SiedelungSgeländc reflektieren, schnellstens einen gemciw> samen juristisch und wirtschaftlich g-eigneten Träger zur Uobev» nähme der fiÄalischeu Sänoereien zu bilden, mit dem dann ab» schließend üvcr die Preisfestsetzung unid die Uebergabe verhandelt werden solltel Die Bildung dieses Trägers ist dem WohnungSvsr- band in Aussicht gestellt, bisher ab-r von Woche zu Woche vse» schleppt. Dieser Umstand allein verschuldet e». daß die SiedelimgS- ccktion bisher niebt in Gang kommen konnte. Die Behauptung des WobnunaSverbandes, daß Ms durch die hohe Prcissordeming der Regierung verschuldet sei, ist falsch und irreführend. Das war' ein GeschO!! Die Hoch» und Untergrundbahn. Gesellschaft hat nach der letzten Erhöhung ihrer Fahepreise zunächst noch w iter die vorhandenen alten Fahria ten verkauft, aber dafür die neue« Preise genommen. Man erhielt z. B zu Fahrten bis zum 2, Bahn» kok die aHen Karten mit dem Aufdruck„15 Pfennig" und mußte dafür 20 Pf, zahlen. Jetzt macht die Grs llschaft bekannt, daß vom 28, Januar ab die neuen Karten ausgegeben werden, und fügt hinzu:„Die bisherigen Fahrkarten sind vom gleichen Tage an un» gültig und werden bis 31. März 1919 an dcn Schaltern zu den auß'edrncktcn Fahrpreisen zeirückgenommen." W-r nach der Fahr- Preiserhöhung Karten auf Vorrat««kaust und dabei die alten Karten mit dem neuen Preis bezahlt hat, würde nach dieser De- kannimackning einen Verlukt beim Umtausch erleiden. DaS üM ein G schäft für die Wesellschast! Unseres Erachtens hat sie den Verkauf der alten Karten einzustellen, sie aber bis auf weiteres als noch gültig zu behandeln. Zirkus Blisch. Infolge der durch die Kohlenknavvheit hervor- gerufenen VerkehrSschwierigkeiten wird der Zirkus Busch ab Man- tag, den 27, Januar, seine Vorstellungen schon um 7 Uhr statt seither 7ZH Uhr beginnen lassen. Verstadtlichnng einer Makienvormnndschaft. Gemäß Magi« st-otsb-schluk wird die etwa 6000 Mündel umkassende Vormund» schast d�S Pastor? Pfeiffer vom Bcr'incr Kinder-Rettungsvsrem vom 1. April ab aus die Stadt Dessin übernommen. Kliiserael'vrtStagsfeier. Uns wird berichtet, daß in der Mödchcn'chi'le Mariendorfer Weg zu Neukölln in meh- r-'ren Klassen Kaiserpeki'rtktogSfeiern veranstaltet worden sind. Die Kinder sind angewiesen worden, mit guter Kleidung heut moroen zu er-'cbeinen. Wir möchten un? die höfliche Ankraae eeSaitsn, ob diese Feier« mit Zustimmung der Neuköllner Schnshehürde veranstaltet»Vörden sind oder wer sonst der Veranstalter ist? Grost-Berliner Lebensmittel. KMctzcrkck krl oukr». Aui At'lhnitt 1« der Answeiskarte kür Kinder st, V'd. lvers><'''mebl, eibkchniu 250 Ostnmtn Mcnmeiade. Abfifmitt 93 150(ammm Teigwaren und 150 Gramm Graupen, Abschnitt 27(Jugend- lichek 100(«rnmm Grieß. Wilmersdorf. Pom 27. Jannar bis 2 Februar Jortketzima des Verkauks von Fisibwomt. bis 27. Januar 125 Gramm poinUchi-r Landkäs« m den zu dcn RilmcrSdorser Brolkommllssonsbezirten I und lVa ge« bSr-nden Vcrkailks'Ielli'n. bis 9». J-nuar 150 G amm Haferflecken und auk-erdi-m 100 Gi-am-n Halciflocken llir Juaendllibe, lerner ein Bricschcn gftftkwik, ein Piund fl'ndPiaerftPiimcbl ans ZnkadeNädnniiielk-rleu z l und A 71. ein V'nnd Hakerstock-n aus die blauen Zulah-Näbrmlllelknrloii A k, A II, B I, B IT, 01 und Okss.— Marlensreler Verfalls von Wciß» fofilstnif kraul. NcimnSaab- von 600 Gramm Marmelade auf allgemein« ffiroii-fPe iiiner vebenSinillelkarlen, Vertaiik von 5 Pfund Karlasseln, Eut- nabme von 2 Pfund Karloff, In an? der VorratSmenge. Schöneberg. Vis zum 29, Januar Vo- anmessuna für 150 Gramm Tci«wa-en auf Abichnili 96, 150 Gramm Suppen aui Abfchnkti 97 und 2 Euppcnwiirirl mil Ab'imitl 27 der Juarndliibenkaili-, AnSaegebim werd-n SOO Gramm Marmelade auf Abfchnill 90. Welblohlfauei kraut frei» Hindi,. Treptow. Je 250 Gramm Marmelade auf Abschnitt 92 und 99 der Grod-Verl-ner Lro-nsmitlelkarte, 100 Giamm Giieß aus Adichnitt 27 für Juaendliche, Eier für werdende und kiillende Milller und Kranke, ein V'imh fi Ische.Tiich ans Wbkchnilt 20 der Treptower Kart«— 9!amcnau'ntf— st, Pfund Räucherware auf Abschnitt 20 der Trepiower Karle— Nummern- ansrns— nach öinlrcffcn der Ware,— Stioibändiq beben zum Verkauf: Zw'cdeln, Wcißkohlläuerkraul. Gewürz. Kohlrüben und Mobrrüben. Nrntöll«. 250 Gramm Marmelade auk 91, 92 und 93, Don Donncrstaa auf 97 sc 150 Giamm und auf S8 je'00 Gramm Suppen. Bis elnfchfiektich Donnersla, an Juaendliche auf 27 und 22 ziifammeu '00 Grauim Näbrmd'el und auf 156 I fe 2 Päckchen Milch!«b!veis«, aq !f>nd»r bis iuui 6. Jabr aus 156 8 und kl der Worenbezugskarl, j« 5 Päckchen«u'ch'tiiiipklle. Bis einlchllchlich beut« 12b Gramm polnisch« Livlauer Käse im Beiirl der 2,»rolkonimifsioir Ab Eonnabend dUjee Woche in der 6 VrolkommWion auf 53 i« 1 El. Rowan-eS. Vom TtenStaa ab Z w 1 e b a ck an Kinder und Krank«, die Pv»ml!chlailen bi fitzen, gegen«blrcnnung von 100 Gramm ihrer Bio' kaite, Ltchterfelde. Die A b' ch n 1 tt e Nr, Sa—? der laufende« Karioffelkarte werden fü: ungültig erttärt. In dieier Woche vorn 27. Januar bis 2. Februar kann jeder die tlirnie Kai lofj Iration bo« 7 Psund vei brauchen. Wer seinerzeit aus die Ulbschiiille Nr. 7a— g der Karlosscliondeikail» Oarloffeln n cht bczoaen bat, dar! daraui iür die oben aiiacgcbene Zeil 7 Piund Kartosse'n beim Klciiihändlcr enlnebmen. Ig Schaut- und Speifcanslallcii usw. dürien in der nächslen Woche Kartoffeln nur gegen blblrennung der Nr. 7 der Sonderkartojseltarte abgcocben werden.' Eharloitriibung. Marmelade 300 Gramm auf Abschnitt 90, Marmelade 250 Gramm aus Abichnili 92, Haierffacken>50 Gramm, wie. auf »ibschnstl 97, Suppen 150 Gramm aus Abschnitt 96, Nänchcrwareii st, Pfund aui Abschnitt Ll7, fotu e aus„a", frische See- cchei Flirnfische je 1 Piund y aus Abschnitt 216. Ivwie aus„Gg* und„Rr", Abichnili 200 iß vorzugSmeile zu bedienen. Hasei flocken 100 Gramm lose für Jugendliche auf ZlbschniU 27, Sauer tobt sreibändig. Britz. 21iii Berliner LebenSmillclkarl« Ablchnitt 85 und 36 iß an die Kielnhändier am Ficilaa, dcn 24. 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