Nr. 51. 36. Jahrg. Bezugspreis: Bierteljährt. 6.75 Wet, monatl. 2,25 WEL fretins Haus vorauszahlbar. Einzelne Rummern 10 Biennig. Vostbezug Monatlich 2.25 Mt., erfl. Justellungs. gebühr. Unter Areusband für Deutsch land u. Desterreich- Ungarn 5,50 W. für das übrige Ausland 9.60 t, bel täglich einmaligen Zustellung 7.50 ML Boltbenellungen nehmen an Däne mari. bolland Buremburg. Schweden und die Schwetz. Eingetragen in bie Bait Rettungsreislifte. Der.Borwarts" ericheint wochentäglich aweimal Sonntag einmal Telegramm- Adresse Sozialdemokrat Berlin", tasida Abend- Ausgabe. Vorwärts Berliner Volksblatt. 10 Pfennig Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Jonpareillegeile toitet 80 Bfg. Kleine Anzeigen". das tettgedruckte Bori 40 Big.( guläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes mettere Bori 20 Bfg. Stellengesuche unb Schlafftellenanzeigen das erite Wort 30 Big., jedes mettere Wort 15 rg. Borte über 15 Buchitaben zählen für awei Borte. Leuerungszuschlag 60° Familien- Anzeigen, volittiche unb gewerfichaitliche Bereins Anzeigen 80 Bfg. Die geile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Whe nachmittags um bauptgeschäft. Berlin 68.68, Lindenstraße 3, abaegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 6 Uhr abends, Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion und Expedition: SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morigplan, Nr. 15190-15197. Dienstag, den 28. Januar 1919. 0 Vorwärts- Verlag G.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 117 53-54. Flucht der Bolfchewiki aus Petersburg. Ein Telegramm aus Stodholm berichtet, daß bie Räumung etersburgs erfolgt fci. Die Petersburger Regierung soll d fich nach Nowgorod geflüchtet haben. Sinowiew, wurde Bei einer Berfammlung von Arbeitern der Butilowwerke verlegt, bie fich über ben Bolschewismus luftig machten. Eine bolfchewiftische Versammlung in Englannd. Organisierung des Generalftreits. Amsterdam, 27. Januar. Dem Allgemeen Handelsblab" zu folge berichtet die" Times", daß am 18. Januar in London eine bolichemistische Versammlung abgehalten wurde, zu der nur Personen mit Eintrittskarten zugelassen wurden. In der VerJammlung wurde die Organisierung eines General freits als erster Echritt der Revolution besprochen. Die bolichewistischen Versammelten behaupteten, im Bergarbeiterverband viel Anhänger zu haben und auch unter den Eisenbahnern und Transportarbeitern sich Anhänger verschaffen zu können. Es wurden Ausschüsse ernannt, die für die Versorgung der Revolutionäre und ihrer Familien mit Brennstoff und Lebensmitteln jorgen sollen. Man hofft, daß im Falle eines großen Streits der IndustrieWahlergebnisse. Stadtbezirk Berlin. Es fehlen noch 6 Wahlbezirte. Mehrheitssozialisten 341 499, Unabhängige 269 264, Dem. 142 552, Deutschnat. Voltsp. 51 692, Deutsche Boltsp. 97 945, Thriftl. Wollsp. 52 261, Reformer 14, ungültig 2301. Teltow- Beeskow. Teilrefultat. Sozialbemofraten 212 551, Unabhängige 107 114, Dem. 108 497, Deutschnat. 74 154, D. Boltsp. 52 852, Chriftl. Volksp. 20 014. Aus Niederbarnim. Friedrichsfelde. Sozialdemokraten 1202, Unabhängige 2006, Dem. 478, Deutschnat. Boltsp. 338, Deutsche Voltsp. 460, Chriftl. Wolfsp. 205. Alt- Landsberg. Sozialdemokraten 676, Unabhängige 76, Dem. 126, Deutschnat. Voltsp. 1244, Deutsche Voltsp. 82, Chrifti. 681, Deutschnat. Volfsp. 319, Deutsch. Voltsp. 40, Christl. Voltap. 57. Wahlsdorf. Sozialbemofraten 1437, Unabhängige 471, Dem. Hermsdorf a. b. Nordbahn. Sozialdemokraten 1109, Unabhäng. 781, Cem. 615, Deutschnat. Voltsp. 458, Deutsche Boltsp. 642, Christl. Voltsp. 326. Lichtenberg. Unabhängige 27 978, Sozialdemokraten 25 572, Volfsp. 9. Zur Krise im Eisenbahnbetrieb. Schon während des letzten Kriegsjahres war der Eisenbahnverkehr das Schmerzenskind des deutschen Wirtschaftslebens. Die übergroße Inanspruchnahme des rollenden Materials und seine Verteilung auf die besetzten Gebiete, die Unterstützung des durch Desorganisation gelähmten öfterreichischen Verkehrs und die Beschichung des Balkans stellten 1o ungeheuere Anforderungen, daß man in Deutschland mit einem geringen Teil der tatsächlich vorhandenen Waggons und Lokomotiven auskommen mußte. Dabei war ein riesige Ueberlastung durch Kriegsmaterialbeförderung, Urlauberverkehr und gesteigerte Bersonenbeförderung unausbleiblich. Das in Friedenszeiten recht geschonte Material wurde in einer ax Berstörung grenzenden Weise abgenutzt und obendrein noch, da es an gejchultem Perional mangelte, in verschiedenster Art durch unsachgemäße Behandlung ruiniert. Ein weiteres Moment von schwerwiegendster Bedeutung es nur unangenehm auf, daß die Züge im Winter nicht mehr war die Materialfrage. Dem reisenden Publikum fiel geheizt werden konnten, weil das für die Schläuche notwendige Material fehlte. Ein betriebstechnisch viel schwerpiegenderer Mangel war es aber, daß man fein Stupfer zur Feuerbuchsen, die der Lebensnerb der Lokomotiven sind, ist aber das Stupfer. Man machte tieftraurige Erfahrungen mit eisernen Feuerbuchfen und reparierte fogar folche aus Kupfer, indem man eiserne Fliden einfegte, was natürlich nur zu ftändigen. Defetten und Betriebsstörungen Anlaß gab. arbeiter in London und in der Probing die Londoner Polizei und Dem. 7642, Deutsche Voltsp. 5765, Chrifth Boltsp. 8083 Verfügung hatte. Das einzige brauchbare Material für die ein Teil der Polizei in der Provins sich passiv verhalten wird. Völkerbund und Neutrale. Sie wollen mit dabei sein. aas, 28. Januar. Hollandsch Nieuwsbureau meldet aus Baris: Bei der Besprechung über die Prableme des Bölkerbundes hat fich burch die neuerdings vorgebrachten Wünsche der Neutralen rine neue Situation ergeben. Der schweizerische Bundespräftbent Abor hat in einer Unterrebung mit dem Obersten oute Nachdruck darauf gelegt, daß die Neutralen in der einen aber anderen Weise an den Besprechungen teilnehmen wollen und wies darauf hin, daß sie im Gegensatz zu ben fleinen friegführenden Staaten hierzu noch feine Gelegenheit bekommen haben. Skandinavien hat inoffiziell dieselben Bedenken geäußert. Die Neutralen find ber Ansicht, daß sie nicht allein gefragt werden müffen, ob fie fich einem berartigen Bund anschließen wollen, sondern daß fie auch an ihm beteiligt sein müssen. Bräfident Wilson steht dieser Ansicht sympathisch gegenüber. Er wirb barauf bringen, daß Vertretern der Neutralen erlaubt wird, inoffisiell en ben Besprechungen teilzunehmen. Es liegt in der Abficht des Präsidenten und des Obersten House, Bertreter der Neutralen einzuladen, um mit ihnen einen Gedankenaustausch über ben Bölkerbund zu eröffnen. Ende der Gegenrevolution in Portugal. Bildung eines neuen Ministeriums. Liffabon, 27. Januar.( Havas.) Die flüchtigen Aufständischen wurden verhaftet und gefangen gefeßt. Die revolutionäre Bewegung ist au Ende. Die treu gebliebenen Freiwilligen regimenter sind schon demobilisiert worden. Im Norden des Landes wurden gegen Oporto, in Braganza und Vizeu Truppen aufammen gezogen. Die Republik wurde wieder aufgerichtet. Die Regierung hat José Relvos damit beauftragt, ein neues Kabinett zu bilden. Kämpfe in Pofen. ab. Bromberg, 28. Januar.( Amtlich.) 23ilhelmsdorff wurde am 27. Januar nachmittags von etwa 50 Bolen mit einem Ma schinengewehr angegriffen. Die Angreifer wurden gewiefen und bis Georgenthal zurüdgetrieben. An den übrigen Teilen des Abschnittes Patrouillentätigkeit. Die Orie Eichdorf, Targowisko, Brühlsdorf, Eichenau, Sirschgrund, Elsendorf und Klein- Neudorf find vom Feinde frei gefunden. Die Internationale in Bern. Bern, 27. Januar. Bisher find beim Organisationsfomitee der hiesigen Sozialistenkonferenz 40 Delegationen mit 120 Mitgliedern angemeldet worden, die 12 verschiedene Länder bertreten. Deutschnat. Volfap. 2631. Neinidendorf West. Unabhängige 8788, Gozialdemokraten 1928, Dem. 783, Deutsche Volfsp. 406, Chrifti. Boltsp. 177, Deutsch nationale Voltap. 148. Oberschöneweibe. Unabhängige 4755, Sozialdemokraten 4500, Dem. 1457, Chriftl. Boltsp. 872, Deutschnat. Boltsp. 568, Deutsche Boltsp. 101, Aus der Mark Brandenburg. Fürstenwalde. Mehrheitssozialdemokraten 5857, Demokraten 2522, Deutschnational 1451, Unabhängige 541, Deutsche Volkspartei 146, Chriftliche Volkspartei 291. Christliche Bolkspartei 561. Rottbus. Mehrheitssozialdemokraten 13 032, Demokraten 8628, Deutschnational 1241, Deutsche Volksparici 1500. Unabhängige 694, Groffen. Mehrheitsfozialdemokraten 1597, Demokraten 1036, Deutsche Volkspartei 574, Deutschnational 558, Chriftliche Boltspartei 64, Unabhängige 0. Forft i. 2. Mehrheitssozialdemokraten 11 676, Demokraten 4750, Dutschnational 782, Deutsche Boltspartei 516, Chriftliche Volkspartei 459. Unabhängige 880. Deutschnational 1681, Christliche Volkspartei 870, Deutsche BollsAustrin. Mehrheitssozialdemokraten 3464, Demokraten 2800. partei 128, Unabhängige 0. Züllichan. Mehrheitssozialdemokraten 1269, Demokraten 1084, Deutschnational 650, Deutsche Voltspartei 228, Chriftliche Volks partei 183, Unabhängige 0. Nauen. Mehrh itssozialdemokraten 1460, Demokraten 1260. Unabhängige 665, Deutschnational 839, Deutsche Bolkspartei 803, Christliche Boltspartei 88. Aus den Städten. Während in Friedenszeiten das rollende Material bereits bei geringen Schäden in den Reparaturstand kam, mußte während der Periode der Ueberlastung alles bis zur bölligen Betriebsunbrauchbarkeit strapaziert werden, ehe es in die Werkstätten eingeliefert wurde. Die verminderte Betriebsfähigkeit der im Betriebe befindlichen Bokomotiven awang daher fortgesezt die Eisenbahnberwaltungen die Zuggeschwindigkeiten herabzusetzen, wodurch wiederum eine Verminderung der verkehrenden Züge bedingt wurde. Obgleich die Begrenzung des Reparaturstandes erheblich erweitert worden war, schvoll diese rapide an. 3war war die Leistungsfähigkeit der Werkstätten erheblich vergrößert worden, doch das reichte noch nicht aus. Der im Jahre 1914 ungefähr 18 Broz. des rollenden Materials ausmachende stiegen. Dies war zweifellos schon eine recht bedenkliche ErReparaturstand war im Oftober 1918 auf über 32 Broz. gecheinung. Man konnte dabei aber immerhin noch den an die Eisen bahn zu stellenden Ansprüchen mit Anstrengung einigermaßen entsprechen. Es ging nicht gut, aber es ging doch wenigstens noch.-Da tam die Revolution und der WaffenftiIIstand. Nach den Waffenstillstandsbedingungen ist ja ein großer Teil der Lokomotiven und Waggons an die Ententemächte 1. Wahlfreis. Regierungsbezirk Ostpreußen bis 27. 1., 9 Uhr abzuliefern. Was aber weniger befannt ist, ist der Umstand, abends. Deutsch- Demokratische Partei 103 898 Stimmen, voraus. daß die Abnahmebedingungen der Feinde so scharf sind, daß voraussichtlich 10 Site, Christliche Volkspartei 27 315 Stimmen, das die Abnahmeprüfung bestehen fann. Alles muß vor der sichtlich Size, Mehrheitssozialdemokraten 264 478 Stimmen, hente fast gar kein rollendes Material in Deutschland eristiert, borauussichtlich 2 Size, Coldatenliste 24 936 Stimmen, voraussicht Ablieferung erst gründlichst repariert werden. Dann aber lich feinen Gibe, Deutsche Volkspartei 55 642 Stimmen, voraus wird auch noch ein großer Teil als nicht den Bedingungen fichtlich 2 Gibe, Teutschnationale Vollspartei 78 082 Stimmen, entsprechend zurückgewiesen und wandert wieder vom Westen boraussichtlich 3 Size. 12 Streise fehlen noch. 8. Wahlkreis Proving Bofen. Amtliches Ergebnis der aus zurück in die verschiedenen Werfstätten, fofern es nic Rationalwahl. Deutschnationale Volkspartei 110 502 auf dem Rückvege wegen des herrschenden Mangels angeStimmen und 5 Eiße, Deutsche Demokratische Partei 72 266 balten und rasch wieder in Betrieb genommen werden muß. Stimmen und 3 Size, Deutsche Volkspartei 54 883 Stimmen und Dadurch wird naturgemäß die Ablieferunma behindert. Es 8 Site, Sozialdemokratische Bartei 53 297 Stimmen und 2 Size gebt aber nicht anders, da sonft eine völlige Stauung ( gewählt Gewerkschaftssekretäre Wilhelm Schulz- Bromberg und eintreten würde, die selbstverständlich die ganze weitere AbPaul Stoessel- Bromberg), Thriftliche Volkspartei 33 640 Stimmen lieferung unmöglich machen würde. und 1 Siz Der teilweise ungeordnete Rüdaug im Often, der Bofeneinfall in die Probing Rofen, der Rufammenbruch ant Bolton Großer Wahlfiea zum mecklenburgischen und die milde Staatenbildung auf dem Gebiete der ehemals Landtag. österreichisch- ungarischen Monarchie hat Deutschland aber auch das ganze in den Gebieten zurückgebliebene Mosd. Wei ben Wahlen sum verfassunggebenden medien- material gefoftet. Ein umgebeuerer, bis heute noch nicht burgischen Landtag verteilen fich die Sise nach ben verläufigen siffernmäkia feststellbarer Maagon- und Lokomotivpark ist Wahlergebnissen wie folgt: Sosialdemokratische Partei 31, Deutiche antiineblieben und muß als berloren betrachtet werden. Demokratische Partei 18, Deutschnationale Bolkspartei 8, Deutiche Deutschland ist momentan febr arm on rollendem Material Beltspartei 3, Wittelstandspartei 1, Dorf- Bund 1 und außerbem un foll noch immer mehr on die Entente liefern. ohin ned 2 Sige für die verbundenen Liften bez bürgerlichen Parteien bos führen fonn iit feht noch nicht au üherfchen. Die indes vierten Wahlkreises. Berichtigung. Im Leitartikel unferer heutigen Morgenausgabe Die Wahlen zur heffischen Landesversammlung. it im zweiten Abfah das Schlußwort der Denkschrift des Staats- 5 ffischen Landesversammlung vor: G8 erhielten: Sozialbemo Bis jetzt liegt das Wahlergebnis von 228 Gemeinden zur jekretärs Dr. Preuß wiedergegeben. Dabei hat sich ein Fehler fraten 67 165, Unabhängige 8313, Demokraten 22 549, Deutsche eingeschlichen. Es muß am Schlusse heißen: der Entwidlung Boltspartei 10 180, Geffische Boltspartei 18 623, Sentrum 21 709 folidarischer Gesinnung und nicht proletarischer Gesinnung. Stimmen. zelnen Gifenbahnbiseftionen fönnen ihre eftände nicht überfehen, denn alles ist durcheinander. An Ort und Stelle on. meiternefondt, ohne daß eine Mönlichkeit besteht, fie ihren gefommen werden annons wie Rokomotiven immer aleich Bestimmungsstationen auzuführen. Man ist in Not und hoher ammungen. afferorts her au reiken, nur um die momentanen fritischen Lücken auszufüllen. Das ist im höchsten Grade be hjnW.ti. girtffffflRcß ist€?, Sag M Kiese? krstiMn Situation der Apparat überhaupt noch weiterarbeiten kann. Die größte Gefahr ist natürlich die Kohlen not. Eiserne Bestände bestehen zwar bei allen Eisenbahndirektwnen. Ta aber von den Bergwerken keine oder nur lächerlich geringe Lieferungen erfolgen, was bei den Streiks selbstverständlich ist, werden diele Bestände immer mehr angegriffen und sind fetzt ihrer Erschöpfung nahe. Der günstigste Kohlenbestaud, den einige Westdeutsche Direktionen aufzuweisen haben, reicht nur noch für 16 Tage Betrieb aus, während in Ostdeutschland und im Nordosten nur noch für 12 und sogar für 9 Tage Kohle vorhanden ist. Sind diese Borräte erschöpft, dann kommt die Betriebseinstellung, der Hunger und das unübersehbare Elend. Den Janimer, der nur auf die Wahn« sinnigen Streiks derer, die in der Revolution nur eine große und wilde Lohnbewegung erblicken, zurückzuführen ist, muß vermieden werden. Ob es noch Zeit dazu ist, kann man im Augenblick nicht genau wissen. Jedenfalls kann uns nur noch die angestrengteste Arbeit vor der Katastrophe retten. Wehe, wenn datz Unglück eintritt, daß die Streiker erst dann arbeiten wollen, wenn sie durch den Zusammenbruch der Wirtschaft, und der ist bei Eintritt der Verkehrskatastrophe unausbleiblich, jeder Arbeitsmöglichkeit beraubt sind! Arbeit hebt üie Not. Versammlung der S. P. D.- Arbeiterräte. Eine gestern abend im Serrenhause abgehaltene Versammlung der auf dem Boden der S. P. D. stehenden Funktionäre und Ar- Seiterräte besibästigte sich unter anderem mit Fragen der gegen» wärtigen wirtschaftlichen Notlage. Ein Vertreter des DcmobilmachungsamteS bezeichnete eS als das dringendste, daß Kohlen gefördert und die für die Sicherung unserer Ernährung notwendigen landwirtschaftlichen Arbeiten der- richtet werden. In den Schützengräben— sagte per Redner— ist seit Jahren gesagt worden, lieber wollen wir Kohlen schippen und sonst etwas tun, als dies Elend'in Schmutz und Schlamm fort- iÄtzen. Jetzt sollten die Arbeitslosen in den Großstädten dies Wort wohrmachen. Was sie damals unter der Regierung Wilhelms tun wollten, da? sollten sie jetzt für die Retiung der deutschen sozialisti- scheu Republik tun: Hinausgehen aufs Land und in die Bergwerke, soweit sie nicht zwingende Gründe hindern.— Zu den gegenwärtigen Lohnbeweanngen sagte der Redner, solche Forderungen, wie jetzt gestellt werben, seien ja im Hinblick auf die Teuerung be- gründet, aber auf die Dauer könnten sich die Löhne nicht auf dieser Höhe halten. Ein Abbau der hohen Preise sei erst möglich, wenn die Löhne wieder auf eine gesunde Basis gestellt werden. Die Diskussionsredner erkannten dt« Pflicht zur Verrichtung der für das Volkswohl notwendigen Arbeiten grundsätzlich an. Be- merkt wurde jedoch, wenn die Arbeiter aus den Großstädten in die Bergwerke und in die Landwirtschaft gehen sollen, dann müßten sie die"Gewähr haben, daß ihnen dort angemessene Löhne gewährt werden, und sie müßten Gelegenheit haben, die Arbeitsbedingun» gen bor Annahme der Arbeit kennen zu lernen.— Folgende Rc- • ivluiion wurde angenommen: .Wenn unsere Industrie und das ganze Geschäftslehen wieder in geordneten Gang kommen sollen, ist es in erster Reihe not- wendig, die Arbeitslöhne so abzubauen, daß sie den Löhnen der mit uns konkurrierenden Länder entsprechen, um so der deutschen In- dustrie die Konkurrenz auf dem Weltmarkt zu ermöglichen. Gleichzeitig müsien aber auch die Preise der notwendigen Lebens- mittel und Bedarfsartikel so herabgesetzt werden, wie sie der Lage des Weltmarktes entsprechen. Die Versammlung erklärt, daß sie die Regierung, zu der sie t-ollcs Vertrauen hat, auf diesem Wege vorwärts treiben will, um so schnell wie möglich zu geordneten Zuständen zu kommen." Stresemann gratuliert. Huldigung der Deutschen Volkspartei i« Amerougeu. Dich Deutsche Volkspartei hat zum Geburtstag« des Exkaisers folgendes Telegramm abgesandt: An Seine Majestät Kaiter Wilhelm, Amerongen, Holland. Eurer Majestät sendet die Deutsche Bolkspartei zum 60. Geburtstage ehrfurchtsvolle Glückwünsche. Wir würdi- gentn Dankbarkeit die Arbeit, die Eure Majestät ge- treu dem Ausspruch:„Kaisertum ist Dienst am deutschen Staötwanöerung. Ein milder, vorfrühlinghafter JanuariaK Dünn?, Bleiche Schneeflocken taumeln durch die Lust. Die Straßen dampfen. Silbrige Nebelschwaden heben und senken sich. Hier und dij bildet d?r fallende Schnee kleine weiße Fleckchen, die sich bald in Wasser � auflösen. Inmitten eines breiten Menscheustromes gehe ich die schnür- gerade Promenadenstraße hinab. Der Massentritt der Fußgänger hallt dumpf und hohl in den Straßenzügen. Der kreischende, chonnernde Verkehrslärm fehlt, der Bahnbetrieb ruht. Streik der Kraftquellenarbeiter. Nur ab und zu humpelt, trabt ein Gespann t dahin, den Chorus des Massentritts, das Gemurmel und Gesumme der Tausende, übertönend. Schönhauser Tor! Man steht wie am Rande einer wogenden See. TaS Hin und Her der Massen verdichtet sich. Zur Linken Logt stolz der edle, geradlinige Bau des BolistheaterS, um ihn kribbelt und krabbelt es, nach allen Richtungen streben die Men- . ich en.... In der Alten Schönhauser Straße bewegt sich träge und dick ein schwarzer Strom. Je mehr man sich der Münzstraße Nähert, desto dichter wird die Masse. An der Kreuzung, wo die Alte Schönhauser Straße die Münz- und Weinmeisterstraße durch- schneidet, stauen sich die Menschenfluten wie in einer Talsperre. Welch«in GeWoge und Getriebe! Man braucht einige Zeit, Um sich in diesem wimmelnden Ameisenhaufen zurechtzufinden. Di« Weinmeisterstraße ist ein wüster, lebendiger Knäuel; gebellt, gepfercht stehen die Menschenleiber stellenweis aneinander, schieben Und pressen sich, debattieren, gestikulieren. Männer und Frauen, Soldaien und Zivilisten, Juden und Christen, Händler und Käufer, Schieber, Hehler, Spieler, Weitende, unlauteres, im Trüben fischendes Gesindel und harmlos Neugierig«. Die Hauptsache aber ist der Handel, der— Schleichhandel, Wucher und offener Betrug. Womit wird hier gehandelt! Immer noch Uniformftücke, Decken, Schuh«, Zivilkleidung, Zigarren, Zigaretten. Wäsche, Hosenträger, Konserven, Wurst, Fleisch, Spirituosen— Dinge, die entweder streng rationiert sind oder größten Seltenheitswert besitzen, Dinge, die oer Verkäufer nicht rechtmäßig, sondern auf dunklen Um- wegen erworben hat. Fabelhafte Preise werden gezahlt, märchen- haste Summen werden umgesetzt. Die Geldscheine flattern nur so. Auf offener Straße wird dem Glücksspiel gefrönt. Wahre Spielhöllen sind die Hausflure und Treppen. Das ganze Treiben ist ein Kultus der niedrigsten Instinkte, des Materialismus, der Roheit und Brutalität. Gauner und Lumpenproletarier, in der Sticklust des Krieges massenhaft herangezüchtet, durch die Herr- schenden Verhältnisse begünstigt, haben den Stadtteil zu einer Art wilder Börse gemocht,«in« unbewußt« Improvisation, die nur au» der Gegenwart, de« wirtschaftlich» Ausammenbruch Deutschland», Volks" fit.«tesir öl# Bmßfgfafjrfgw TMgkeit für öss Deutsche Reich und das deutsche Volk geleistet haben. In Er- innerung an die ersten Worte des alten nationalilberolen Parteiprogramms: unverbrüchliche Treue für Kaiser und Reich, gedenken wir der großen Zeit, die Deutschland und Preußen unter der Hobenzollernherrschaft durchlebt haben. Wir wünschen Eurer Majestät von ganzem Herzen zu sein, daß Millionen Deutscher mit uns auch unter den neuen Verhältnissen und auf neuer Grundlage des Staats- lebens stets das Bekenntnis zum monarchischen Gedanken hochhalten und sich gegen jede würdelose Ab- kehr von den hohen Idealen des deutschen Kaisertums und preußischen Königtums werden wenden. Staatsminister a. D. Heinze. Oberpräsident Dr. von Richter. Dr. Stresemann. Daß so ausgesprochene Konjunkturpolitiker wie die Nationalliberolen sich auf das monarcküstische Bekenntnis ein- stellen, muß alle Gegner der Monarchie in Deutschland stutzig machen. Der MyaliSmuS beginnt hier stark, seine Blüten zu entfalten. Sein Kennzeichen von Anbeginn aber ist eine unerträgliche Heuchelei, denn die Herren, die den„unglück- lichen Mann in Amerongen" angratulieren, denken über ihn ganz anders, als sie telegraphieren. Seit vielen Jahren hat es über die Eignung Wilhelms II. zum Staatsoberhaupt unter den politisch Unterrichteten Deutschlands überhaupt keine Meinungsverschiedenhei gegeben, ebensowenig darüber, daß die irrlichtelierende Tätigkeit des geistig absonderlich ge- arteten Menschen den schmückenden Namen„Arbeit" in keiner Weise verdiente. Es liegt� uns nicht, auf Gestürzte noch loszuschlagen. Wenn aber die Monarchisten durchaus die Persönlichkeit Wil- Helms II. zum öffentlichen Kampfobjekt machen wollen, so werden sie sich auch nicht beklagen dürfen, wenn über den Gegenstand ihrer Huldigungen noch einmal recht gründlich die Wahrheit gesagt wird._ Kriegsopfer hinter üer Iront. Einwirkung des Krieges auf das Leben der Invaliden und Altersrentner. Der Geschäftsbericht der LanbeSversicherungSanstalt Berlin für 1317, der soeben erst erscheint, eröffnet erschütternde Einblicke in die Leiden des Volkes während der Kriegszeit. Unier der Rubrich„E inWirkung des Krieges" sind die gewaltig gestiegenen Abgänge durch Tod bei den Altcrsrcntnern verzeichnet. Starben äm Jahre 1316 bei 5873 lebenden Alters. rentnern 360. so stieg die Todesziffer im Jahre 1317 bei 7583 Lebenden auf 644. Es vermehrte sich die Zahl der Altersrentner um etwa 38 Proz., währent» die Zahl der Todesfälle um nahezu 163 Proz. zunahm! Wenn auch die verhälinismäßig kurze Zeit, die seit der Herabsetzung der Altersgrenze für Altersreutner ver- strichen ist, kein absolut klares Bild auf Gurch der Ziffern gestattet, so offenbaren diese trockenen Zahlen doch schon eine erschreckende Summe menschlichen Elends. Der Hungertod hat namentlich unter der alten Generation der Arbeiterklasse reiche Ernte gehalten. Aus der unzureichenden Ernährung erklärt sich auch die der- gleichsweise hohe Ziffer bei der Umwandlung der Altersrente in— höhere— Invalidenrente. Um diese zu erlangen, ist der Nachweis der Invalidität, ohne Berücksichtigung der Alters- erfcheinungen, erforderlich. Im Jahrs 1317 wurden 325 Alters- renten in Jnvalidenrenstn umgewandelt, gegen 77 im Vorjahr! Also eine Vermehrung um mehr als 260 Proz., gegen- über einer Vermehrung der Zahl der Altersrentner um 23 Proz. Auch bei den Invaliden rentnern, die ja zum über- großen Teil aus erheblich jüngeren Leuten bestehen, hat der Tod in weit größerem Umfange wie bisher aufgeräumt. Es sind 4331 In- validenrentner gestorben� gegenüber 8223 im Jahre 1316, das ist eine SteigcrUN'g in einem Jahre um mehr als 63 Proz.! Und das, obwohl die Zahl der Jnvalidenrentnsr bon 54 063 auf 32 803 im selben Zeitraum gesunken ist! Als Todesursache spielt namentlich auch die Lungenschwindsucht eine Hauptrolle. Die Zahl der Erkrankungen an Schwindsucht ist von 708 im Jahre 1316 auf 360 im Jahre 1317, also um 252 oder mehr als 33 Proz. entstehen konnte- Wer man soll deshalb diese Schmarotzer und Tempelschänder der Revolution nicht etwa ungestört gewähren lassen, ZwangSmaßregeln, möglichst schmerzlose, müssen zur An- Wendung kommen, um diesen dunklen Umtrieben ein Ende zu be- reiten». AirgesichtS des grandiosen Menschenverlustes durch den Krieg könnte man über diese gewaltige Menschensülle erstaunt sein, wenn man nicht wüßte, daß die großen Produktionswerkstätten halb oder ganz verödet sind. Die VollSwirtschaft schreit vielfach nach Ar- beitSkräften, während in'den Straßen der Hauptstadt Hundert- tausende müßig gehen, die letzten Vorräte aufzehren und zu einem großen Teil in der Unmoral versinken.... Mühsam drücke ich mich nach der Gormannstraße durch, deren Enge die andrängen- den Massen kaum zu fassen vermag. Der städtisch« Arbeitsnachweis ist belagert. Jeder ist froh, wenn er sich durchgewunden und den notwendigen Stempeladdrnck auf seiner Karte hat. Arbeit— offene Stellen? Rur spärlich werden sie ausgerufen und noch spärlicher angenommen. Wer möchte wohl heute Berlin verlassen und nach„außerhalb" abziehen? Ach, Berlin bietet noch zuviel de»„Schönen". Wieder in der Münzstrahe, zum Mexanderplatz. Völker- Wanderung. Halb Berlin bummelt gedankenlos. Man schiebt und läßt sich schieden, plaudert und kokettiert, als ob weder Krieg noch Revolution gewesen sei. Händler reiht sich an Händler. Schreiend. dicht umringt, werden die Waren feilgeboten, in der Regel Tand und Ersatzmittel zu den kühnsten Preisen: Hustenbonbon, Post- karten,„echte Fettseife" und„echt türkische Zigaretten". Der Alexanderplatz ein wogendes Menschenmeer. Die Reihen der Händler wollen kein Ende nehmen. Produziert auch Berlin nicht nennenswert, so handelt es doch desto eifriger— es verkauft seine Konkursmassen. Verstimmte Leierkästen machen eine katzenjämmer- liche Musik dazu. In diesem tollhäuslerischen Getöse muß ich an die Mephistoworte Goethes denken; dem darin geschilderten Zu- standte scheint Berlin bedenklich nahe zu sein: Ich freute mich am Rollekutschen, Am ewigen Hin- und Wiederrutscher� Am ewigen Hin- und Wiederlaufen. Zerstreuter AmeiS-Wimmelhaufen. Wann wird sich Berlin wieder aus dem zerstreuten Ameis- Wimmelhaufen zu einer ordentlichen, tüchtigen, arbeitsamen Stadt erheben? Im ureigensten Interesse der Berliner ist es nur zu wünschen, daß diese Umkehr von einer verderblichen Bahn schnell vor sich geht,_ Notizen. Mehrere Institute für Textilforschungen werden gegründet werden. Ein Institut in Berlin-Dahlem soll sich speziell mit de» biolo�isch-chemische» Forschungen befasse«, Ei» 'ssestisgen. Der Krieg hak uns um Jahrzehnte in der B ekZ m�« fung dieser Proletarierseuche zurückgeworfenk Zum erstenmal seit Bestehen des Gesetzes übersteigt in Berlin die Zahl der weiblichen Jnvalidcnrentner die der Männer; 16 434 Frauen stehen 16 363 Männern gegenüber! Eine ungeheure An- klage gegen die bisher herrschenden Gewalten, welche die unbe- schränkte Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft zuließen, nament« sich während des Krieges, wo alle gesetzlichen Schranken gegrn den Protest der sozialdemokratischen Fraktionen aufgehoben waren. Bei den Jnvaliditätsursachen fällt die hohe Ziffer der Krank» heiten der Muskeln und Gelenke besonders bei Man« ncru auf, Von insgesamt 4832 sind eS 2201, also 46 Proz, 1316 waren es allerdings 53 Proz., während eS 1313 14 Proz. und 1314 gar nur 10 Proz. waren. Die große Mehrzahl davon sind krieg»« beschädigte Jnvalidenrentner, die offenbar in den Schützengräbe» und in den mangelhaften Unterkünften r h e ü matsi sch'e L e r« den, die zur Invalidität geführt, sich geholt haben. Von 6838 Anträgen auf Invalidenrente rührten 3123 allein t»n Kriegs- beschädigten her! ?unterprotest gegen gleiches Wahlrecht. Ter fchellierende Oberpräfidialrat. In der konservativen Presse erläßt der Oberpräsidialrai Frhr. v. Maitz ahn einen flammenden Protest gegen dt« Verordnung der preußischen Regierung, nach der die Ge« meindevertretungen bis zum 2. März auf Grund des allge- meinen Vollswahlrechts' zu erneuern find. Nach Herrn v. Maltzahn soll diese Verordnung einen„Akt der Willkür, des Absolutismus" darstellen, in einer Form, wie sie selbst in den Zeiten des monarchischen Absolutismus des 18. Jahr- Hunderts nicht allgemein' üblich war". Damit hat Herr v. Maitzahn allerdings recht.-Dem mon- archischen Absolutismus des 18. Jahrhundert ist es freilich nicht eingefallen, das Volk zum Herrn seines eige« n e n Schicksals zu mache n! Aber höchst possierlich wirkt der Junkerzorn, mit dem Herr v. Maltzahn das preußische Volk zum Protest gegen seine Befreiung aufruft: Wie stellt sich das preußische Volk diesem Absolutismus des sozialistischen Regiments gegenüber? Soll und Imll es sich solch« Akte, der Diktatur stillschweigend gefallen lassen? Soll und will das Volk es ruhig und widerspruchslos hinnehmen, wenn eins weder vom Volk gewählte noch von gesetzlich dazu befugter Stell« eingesetzte Regierung eigenmächtig ihm derartige Verordnungen als Gesetz oktroyiert? Wenn eine Regierung dem Volke anheimgibt, über sich selbst nach freier Entscheidung zu verfügen, so ist das nach der Meinung des Herrn Oberpräsidialrats ein„Akt der Diktatur". Aber dos Beste kommt zum Schluß. Herr v. Maltzahn putscht die Beamten auf, sich solchen ungesetzlichen Maßnahmen nicht„ohne Widerspruch" zu beugen und erklärt persönlich: Ich als aktiver preußischer Beamter vermag dies nicht zu tun und kann meinerseits nicht anerkennen, daß durch einen solchen ohne Beschlutzfassung irgendeiner Volksvertretung vollzöge« nen Akt der Regierung, der sich auch nicht als später gesetzlich zu sanktionierende Notverordnung kennzeichnet, preußische Gesetze rechtsgültig abgeändert sind; und wenn man mir etwa zum Vorwurf machen sollte, daß ich durch Veröffentlichung diese» Protestes gegen die Beamtendisziplin ver- stoße, so muß ich demgegenüber erklären, daß ich mich zwar für verpflichiet gefühlt habe und noch fühle, im Dienste des Baterlandes auf meinem amtlichen. Posten. zu verbleiben, solange mein..Dienft- seid, meine Ehre und mein'Gewissen'mit vids' gestatten, unwdaß ich unter-dich�m'.. Vorbehalt die Anordnungen der augenblicklichen „Preußischen Regierung" als Beamten bisHer befolge, daß ich aöer die Mitglieder dieser Regierung als meine d i e n st l ich e n V o r- gesetzten, soweit und solange sie keinerlei auf gesetzlicher Grundlage beruhendes Mandat als solche haben, nicht an zu« erkennen vermag und mir deshalb auch das Recht der»ffent« lichen Kritik gegenüber ihren Maßnahmen nicht vorenthalten lasse. Diese freiherrliche und oberpräsibialratliche Logik ist sehr merkwürdig. Herr v. Maitzahn findet, daß ihm Ehre und Ge« wissen gestatten, die Anordnungen der Regierung zu befolgen und dafür weiter Gehalt zu beziehen— auf der anderen Seile gleichartiges Institut in Dresden wird in der Hauptsache chemisch. technologische Forschungen übernehmen. Neben diesen beiden neuen Hauptanstalien werden die bereits in Teutschland bestehenden Lehr« nnstalten für Forschungsinstitute ausgebaut. Hierfür sind in Aus« ficht genommen: Krefeld für Seide, Wtüncheu-Gladvach und Reut« lingen für Baumwolle, Aachen für Wolle, Sarau für Leinen und Karlsruhs für Textil-Ersatzsioffe. Vorträge. Im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Straße 120, spricht am 29. Januar, 8 Uhr. Prof. Dr. Schlüter. Halle a. S.. über:„Die Stellung der Gec»? graphie des Menschen in der erdkundlichen Wissenschaft." Einlaß- karten unentgeltlich. — Ausstellungen. Der Graphiker Rolf Sachs veran« staltet bei Reuß und Pollack, Kurfürstendamm'220, vom 2: Februar ab eine Sonderausstellung. —»D i e VolkSbühnenbewegung beginnt nun auch in Hamburg festere Ilmrisse anzunehmen. Ursprüngliche Pläne werden auf eine neue Grundlage gestellt. Sogar eine tiefer greifende Wandlung in der geistigen und künstlerischen Betriebs- famkeit der Theater wird als nicht ausgeschlossen bezeichnet. Be» bor an den Bau eines eigenen Hauses gedacht werden kann, will die Volksbühne die von ihr geplanten Aufführungen frei von jeder. Ge« schäftsmache über die verschiedenen Theater verteilen. Das Volks- bühnenprogramnc sieht außer guten Theaterstücken auch Vorträge, gemischte Leranstaltungen mit Musik, Borlesungen und ähnlichen geeigneten Bildungsmitteln vor. —„Das tausendjährige R e i ch". Robert N e sp i t a I hat unter diesem Titel eine neue dramatische Arbeit, ein„Wieder- täuferspiel", in dessen Mitte Johann von Lehden steht, vollendet. Die Dichtung ist jetzt im Verlage der„Mecklenburgische» Volks- zeitung" erschienen. Nespital hat bekanntlich mit Franz Stowffon das wuchtige Landarbeiterdrama„Verflucht sei der Acker" ge- schaffen, das vor dem Kriege auf das- Programm der Berliner Freien Volksbühne gesetzt, aber noch nicht aufgeführt wurde. — Das Märchen vom Schlaraffenland- Nu» Trier wird geschrieben: In vielen Teilen des unbesetzten Reiches herrschen wunderliche Vorstellungen von den neuen LcbenSverhält- nisten der Bevölkerung im besetzten Gebiet. In den Mosclstädten, so heißt cS, führen die Menschen ein„Schlaraffenleben". Gerüchte verbreiteten, daß die Amerikaner die ganze Stadt und einen Teil der Landbevölkerung mit Lebensmitteln versorgten, daß in allen Stadtvierteln Verkaufsstellen eröffnet seien, in denen Lebensmittel aus Friedenszeiten zu Friedenspreisen verkauft würden. Kaffee- bahnen, Schokolade. Seife, Käse, Kakao, Fett und Apfelsine» solle man in beliebiger Menge dort kcnkfen dürfen.... Viele Neugierige haben sich infolgedessen ans die Reise gewagt, um das„Wunderleben" dieser bevorzugten Menschen selbst- zu schauen. Unterwegs ist ihre Neugier schon bestraft worden. Die meisten haben die Erlaubnis, in besetztes Gebiet zu reisen, über- Haupt nicht erhalten. Man hat sie schleunigst dorthin zursickg sschickt. von wo sie kamen. Jede unnütze Reise ist untersagt. Paß. Passier« scheine, Ausweispapiere und beglaubigte Scheine über de» R»is«- zweck find unbedingt erforderlich,..- Jdiw tt btefe ZKkKsekÄkg M!>?MWHen Vorcsefetztsn nWt an- erkennen. Wir wissen nicht, wie sich die preußische Regierung zu diesem absonderlichen Fall stellt, meinen aber, wenn Herr ». Maltzahn weiter nichts will, als sich einmal ordentlich aus- schimpsen, und wenn er im übrigen die ihm erteilten Anordnungen befolgt, so könnte mit diesem Knaben Zansti glich verfahren werden. die Reichs verfaß ung. Beratung der Kommission. Litt Donnerstag werden die Vertreter der deutschen Frei» staaten sich abermals mit dem Verfassungsentwurf des Staats- fekretärs des Reichsamts des Innern, Dr. Hugo P r e u ß, beschäftigen. Diese Aussprache dürste eine ziemlich weitgehende Uebereinstimmung aller Beteiligten über die wesentlichen Punkte des preußischen Entwurfes ergeben. Auch scheint sich eine Mittellinie in den mannigfachen Wünschen und Vorschlägen der Teilnehmer der Konferenz zu finden. Im großen Ganzen darf man annehmen, daß der Verfassungsvor- schlag des Staatssekretärs Preuß bereits so an das durch die provisorische Verfassung konstituierte Staotenhaus gelangen wird, daß mit einer grundsätzlichen Zustimmung dieser Körperschast zum umgestalteten Entwurf gerech- net werden kann. Nimmt das Staatenhaus den umgestalteten preußischen Entwurf an, so geht er umgehend an das Plenum der Nationalversammlung, die in voller Souveränität über fein endgültiges Schicksal zu beschließen hat. d. h. das Staaten- hauS hat also nur ein M i t bestimmungsrecht über die Fassung des bei der Nationalversammlung einzubringenden Entwurfs, nicht aber ein Mitbestimmungsrecht bezüglich seiner endgül- � tigen Gestaltung._ der putsch von Wilhelmshaven. Aus Wilhelmshaven kommen alarmierende Nachrichten � von einem Putsch, der dort von spartakistischen Ele- menten verübt worden ist. Was immer an diesen Nachrichten richtig oder falsch sein mag, jedenfalls steht fest, daß die Stadt augenblicklich von jedem Verkehr mst dem Reich gewaltsam abgeschnitten ist. Daß die Bevölkerung von Wilhelmshaven nicht sparta- kistisch gesinnt ist, beweisen die Wahlen zur Nationalver- Sammlung, bereits auch die überaus energische Gegenwir- kung, die auf den Versuch der Spartakisten, sich der Gewalt zu bemächtigen, eingetreten ist. Solchen Erscheinungen gegenüber kann immer wieder nur gesagt werden, daß nach sozialdemokratischer Auffassung Minderheiten kein Recht haben, mit Maschinengewehren zu regieren und daß Mehr- Heiden das Recht haben, sich solcher Versuche zu wehren. Natürlich kann es bei solcher Abwehr zu A u s s ch r e i- t u n g e n kommen, wie wir sie leider in Berlin erlebt haben. .Denn die Mehrheit, die gegen Spartakus steht, setzt sich aus den verschiedensten Elementen zusammen, und die Disziplin, die allein die an sich berechtigte Abwehr in den an- genommenen Fragen halten kann, ist durch die Revolution erschüttert. Pure Heuchelei ist es, nachher die Regierung und dick sozialdemokratische Partei für solche Ausschreitungen verantwortlich zu machen, die sie nach Kräften zu verhindern � bestrebt sind und die sie, wenn sie vorgekommen sind, aufs � schärfste verurteilt. Die Partei der Unabhängigen ist dafür der- antwortlich, daß nicht durch Exzesse von der einen Seite auch solche von.der andern hervorgerufen werden. Wir ver- missen bisher in ihrer Presse jedes klare Bekenntnis zu den - demokratischen Grundsätzen des sozialdemokratischen Partei- Programms, jeden auch nur leisen Versuch, durch Rat und Belehrung unverantwortliche Elemente vor Angriffen auf die Demokratie zurückzuhalten. Man hat sonst eine heilige >Scheu vor allem, was gewaltsam ist und revolutionär scheint, obwohl es doch gerade seines gewaltsamen onti- demokratischen Charakters wegen im Grunde genommen konterrevolutionär ist und die Konterrevolutlon von der an- deren Seite begünstigt. Solang« sich d:e Partei der Unabhängigen ihrer ele- mentaren Pflicht, die ihr nahestehenden Kreise zu Vernunft, BesonnSnheit und Achtung vor dem Volkswillen zu mahnen, entzieht, hat sie kein Recht, über die bedauer- lichen aber unvermeidlichen Folgen zu klagen, die sich aus fpartakistischen Putschversuchen ergeben müssen. Für jeden etwas tiefer nachdenkenden und sittlich stärker empfindenden Menschen wird ihr Gebaren den Stempel der p e i n I i ch st e n Unehrlichkeit tragen. Willst du das Ende nicht, so wehre den Anfängen! Spartakusangriff auf üie„Königsberger Volkszeitung". Um Sonnabend gegen 2 Uhr nachmittag zogen etwas über ■sGO meist ganz junge Soldaten durch Königsberg, um gegen den Heimatschutz und für ihre sofortige Entlassung zu demonstrieren. An ihre Spitze stellt« sich der Spartakist Otto und veranlaßte sie zu einem Ueberfall auf die„Königsberger Volks- z e i t u n g'. Da» große Schaufenster der Buchhandlung wurde mit Stiefeln und der Stange einer roten Fahne völlig zertrümmert. Ebenso die Scheibe der Tür. Tann drangpn die Leute in den Laden und verwüsteten, wa» sie konnten. Bücher wurden sinnlos vernichtet oder auf die Straße gereicht. Als sie hier ihr Mütchen gekühlt und dabei gerufen hatten, das sei die Rache für Lieb- k» ech t und Rosa Luxemburg, zogen sie vor das General- Kommando, um ihre Entlassung durchzusetzen. Als das nicht gelang, rückten sie wieder vor da?-G e w e r k s ch a f t S ha u s, in dem sich die„VolkSzeitung" befindet. Sie drangen nun in die Druckereiräume, vernichteten den bereits fertigen Teil der Sonn- abendnummer und andere Druckerzeugnisse. Wild wie Vandalcn hausten sie unter dem Papier. Der unabhängige Parteisekretär Donalie» hatte den Eindringlingen vorher zur gütlichen Be- ruhigung vorgehalten, wie die„Volkszeitung" kämpfe, um ihnen zu sage», daß man nur geistig kämpfen dürfe. Ein Setzer wurde auch tätlich angegriffen. Tie„Volkszeitung" konnte infolge des IjeberfalleS ihr« letzte Wahlnummer am Sonnabend nicht mehr herausbringen. Beschädigungen der Maschinen erfolgten nicht, doch wurde ein neuer Ueberfall auf das Parteiblatt an- gedroht._ Die Forderungen der badische« Eisenbahner. Eine Eisen- bahnerversammlung in Mannheim am Sonntag, die von 2500 Beamten au» ganz Baden besucht war, verlangt in einer Resolu- tion von der Regierung eine weitere TeuerungSzulge von 500 Mk. und stellt« der Regierung eine Frist bis zum LI. Januar. Im ?all« der Ablehnung solle diese Forderung mit allen zu Ge- ote stehenden Mitteln durchgesetzt werden. Eine zweite Resolution sprach sich für die Schaffung von Reichseisen. bahne» au». Gerverkschaflsbewegung Monatlich«?,«« M. Dieses horrende Einkommen haben fast in Mannesjahren stehende„Oberburschen" bei der Deutschen Lank. Vor Ausbruch des Krieges waren verschiedene unter ihnen noch Burschen und be- zogen damals monatlich 45,00 M. Nachdem sie über vier Jahre lang das Vaterland gegen den übermächtigen Feind verteidigt hatten, wurden sie von der Direktion der Deutschen Bank bei ihrer Rückkehr dadurch belohnt, daß sie zu„Oberburschen" avancierten und 67,20 M. pro Monat erhielten. Die Oberburschen sind nun aber nicht bescheiden genug, um in dieser Zeit mit einem solchen Hungerlohn zufrieden zu sein, sondern haben wiederholt um eine Erhöhung ihrer Bezüge gebeten. Immer sind sie vertröstet war- den. Sie erhoffen durch diese Zeilen eine Schärfung des sozialen Gewissens der Direktion und wünschen, daß nicht nur ihnen, son- dern auch den mit 5 6 M. bonori erten Kollegen eine den Teuerungsberhältnissen entsprechende Zulage gegeben wird. Ter Vollständigkeit halber sei mitgeteilt, daß die Boten und Oberboten der Deutschen Bank täglich ein der gegenwärtigen Kriegskost entsprechendes Mittag und Abendbrot erhalten. Trotzdem reicht das Einkommen von 66 bzw. 67,20 M. pro Monat nicht aus. Und das ist durchaus begreiflich. In dem Ultimatum an die Mitteldeutsche Kreditbank, das Montag vormittag durch den Aktionsausschuß der Direktion über- mittelt worden ist, bestehen die Angestellten auf ihrer ursprüng- lichen Forderung: 2 00 0 M. allen Verheirateten, vor Ausbruch des Krieges im Dienste der Bank tätigen Beamten. 150 0 M. allen unverheirateten dergl. Eine angemessene Summe an die während des Krieges eingestellten Angestellten, deren Höhe unter Hinzu- zichung des Angestelltenrats festzusetzen ist. Sie verlangen außerdem, daß diese Beihilfe wie auch bei den anderen Banken nicht nur den alten Beamten, sondern der Gesamt- hcit der Beamtenschaft, einschließlich derjenigen, denen eine Kün- digung zum 1. April d. I. in Aussicht gestellt worden ist, ausgezahlt wird und damit ein künstlich konstruierter Unterschied zwischen den in gleicher Weise notleidenden Beamten unterbleibt. Sie verlangen für alle Angestellten eine Erhöhung von min- bestens 100 Proz.�des Gehalts, da? ein jeder bei Ausbruch des Krieges bezogen hat, mit Rückwirkung vom 1. Januar 1019, und daß den Kriegsangest cllten, sowohl Damen wie Herren, denen eine Kündigung zum 1. April 1010 in Aussicht gestellt wurde, ebenfalls eine Gehaltszulage, wenigstens bis zu diesem Termin m Anbe- tracht der momentanen, wirtschaftlichen Notlage gegeben wird. Sie ersuchen die Direktion, die Kündigungen der während des Krieges angestellten gelernten Bankbeamten, selbst wenn diese ein- gezogen waren, per 1. April 1910 infolge allgemeiner Arbeitslosig- keit auf einen späteren Termin zu verschieben und sich in jedem Fall mit dem Angestelltenrat in Verbindung zu setzen. Die Entscheidung hat bis zum 20. Januar abends zu erfolgen und ist sofort den Angestellten durch die Vertrauensmänner be- kanntzu geben. Dazu bemerkt der Allgemeine Verband der Deutschen Bank- beamten, daß entgegen der in der Sonntagausgabe der„B. Z. am Mittag" veröffentlichten Erklärung der Direktion der Mittel- deutschen Kreditbank die heutigen Gehälter bei der Mitteldeutschen Kreditbank nur um 36— 50 Proz. höher sind als die Gehälter bei Kriegsbeginn. Gegenüber der gewaltig gestiegenen Teuerung ein ganz unmöglicher Zustand. Der Verband ist der Ansicht, daß sich bei dem nötigen Entgegenkommen seitens der Direktion eine Ver- ständigung unschwer erzielen läßt. Allerdings wird das Be- streben der Direktion, die Solidarität der Beamtenschaft zu durch- kreuzen, wie sie dies durch Beeinflussung einzelner Beamten, eine Versammlung einzuberufen, in der gegen einen Streik Stellung genommen werden soll, versucht hat, nur Oel ins Feuer gießen. Jedenfalls weiß die Beamtenschaft der Mitteldeutschen Kredit-. bank, daß in dem etwa eintretenden Kampfe die Angestelltenschaft der übrigen Kanktnstitute: in solidarischer Einigkeit �hinter ihr steht und ist deshalb fest entschlossen, ihre berechtigten Forderungen unter allen Umständen durchzusetzen. Die Schuld, den Konflikt heraufbeschworen zu haben, liegt allein auf feiten der Direktion, die in der letzten Verhandlung mit dem Betriebsangestelltenrat erklärte, von ihrem Standpunkt nicht abgehen zu können und die weitere Verhandlungen über die ihr vorgetragenen Forderungen mit der Motivierung abgelehnt hat, dt« Zeit sei der Direktion zu kostbar, als daß sie immer wieder über die gleichen Punkte mit dem BckriebSangestelltenrat verhandeln könne. GroMerlln Die Kohlennot. Vor der Katastrophe. Der Reichskohlenkommissar ga!b heute kn einer Sitzung einen Ueberblick über die Lage in den Kohlenrevieren. Sie ist sehr bedrohlich, daß die Katastrophe fast unabwendbar scheint. Infolge des außerordentlichen Abfall» der Kohlenförderung und fortwährenden Mangels an Wagen sind die verfügbaren Kohlen- Vorräte auf einen nur noch ganz geringen Betrag gesunken. Die Belegschaften sind zurzeit im Ruhrgebiet ungefähr so stark wie im Frieden, in Obrrschlesien sogar noch etwas stärker, aber die Leistun- gen pro Mann und Schicht sind beträchtlich geringer geworden. In der Lausitz, die besonders für Berlin in Betracht kommt, hat die Belegschaft sich verringert, weil dort Arbeiter fehlen. UnterdenKohlenverbrauchernistdie Eisenbahn der wichtigste. Ihr Vorrat reicht westlich der Elbe knapp 17 Tage, öst- lich der Elbe nur noch knapp 10 Tag«. Im einzelnen sind sie sehr ungleich verteilt. Zum Beispiel hat Stettin Vorrät« nur noch für 5 Tage. Vielfach hat die Eisenbahnverwaltung die für andere Ver- braucher bestimmte Kohle beschlagnahmen müssen. Die Elektrizi- tätswerke leiden schwer unter Kohlenmangel. Besonder» unan- genehm wirkt auch, daß die vielen Uebertandzenlralen zeitweise stillgelegt sind. Verhängnisvoll kann es für die Landwirtschaft wer- den, daß die Stickstosfabriken infolge ElektriziiätsmangelS ihre Pro- dnklion stark eingeschränkt haben. Am übelste» sieht es bei den Gaswerken aus. � In vielen Großstädten sind GaSsperrstunden ein- geführt, die noch ausgedehnter als die für Berlin sind. Heber die Versorgung mit Hausbrandkohle wird in diesem Jahre nach Ansicht deS Reichsiohlenkommissars weniger wi« im vorigen Jahre geklagt. Am schlimmsten sind hier die Ostprovinzen beliefert. Berlin im besonderen hat Kohlenverrätr in de» Elrktri- zita'swerken durchschnittlich für noch 10 Tage. Doch sind in den einzelnen Werken die Vorräte sehr verschieden. Berlins Belieferung mit Kohlen ist dadurch gestört worden, daß in Hamburg die dort für Berlin durchkommenden Kohlen vom Arbeiter- und Soldatenrat beschlagnahmt wurden. Kohlen für Be�in nur auf dem Eisenbahn- weg zu befördern, wird durch den Mangel an Lokomotiven schr er» schwer t. E» wird für Berlin mit der Möglichkeit einer weiteren Ein- schcänkung der Lieferung von elektrischem Strom gerechnet. Im Augenblick ist es noch nicht nötig, diesen Entschluß zu fassen. Da» hängt von der Kohlenzufuhr ab, deren Umsang durch die Kohlen- sörderung in den Grube» bedingt. Wen« die Maßregel kommen mutz, wird sie mit Frist von wenige» Tagen vorher angekündigt werden. HaudkungSgehilfenelend und Hamsterpresse. Eine Anzahl Handlungsgehilfen, die ihr langjähriges LeiLe blatt, den„Lokalanzeiger", wegen seiner unterschiedslosen Be- schimpfung der Erwerbslosen al» Faulenzer fiir immer losgeworden ist, schildern uns ihre Lage: Wir, die wir vier Jahre und länger beim Heere gewesen sind, mehrfach vcttvundet wurden oder unsere Gesundheit, sicher aber unsere Existenz verloren haben, sind dankbar, daß die sozialdemo- kratische Negierung für die schuldlos Erwerbslosen sorgt. Wenn ein Lediger 42 M. wöchentlich erhält, so war oas in Friedenszeiten ein guter Lohn, aber heute, wo ein Hemd 50 M., ein Mittagessen wenigstens 2.5s>—-1,00 M., ein Abendbrot 3,50 M., ein Zimmer mit „Frühstück" monatlich 35 M. kostet, wird wohl jeder zugeben, daß man damit nicht f.udal leben kann. Gern wollten wir selbst für 200 M. monatlich arbeiten,— aber vergebens. Freiließ, wer heute für ein Pfund Butter 33 M., für ein Pfund Speck 24 M, für ein Pfund Kakao 60 M. zahlen kann, der weiß nicht, was Not ist, sonst würde von den Hamstcrblättern gelinder geurteilt werden. Oder will Hau uns zumuten, die wir teilweise 43 Jahre alt iind und immer Kaufmann waren, aufs Land zu gehen, um Kühe. Schweine, Kälber und Gänse zu hüten? Wo ist aber sonst die ae- nügende Arbeit, von welcher der«Lokalanzeiger" zu berichten weiß? Wir sind keine arbeitsscheue, sondern arbeitssrcudiga Menschen und verlangen nichts als Gerechtigkeit! Mr die Interessen der Kriegsgefangenen. Der Soldatenrat der ehemaligen Kriegsgefangenen hielt am gestrigen Abend eine öffentliche Versammlung ab, in der Professor Böhmer über Zweck und Ziel der genannten Interessenvertretung ref.ricrte. Er erhob die billige Forderung auf restlose Nachzahlung der Löhnung an aus der Gefangenschaft zurückkehrende Soldaten sowie auf Anrechnung der in der Gefangenschaft verbrachten Zeit auf die Dienstzeit. Eine weitgehende soziale Fürsorge ,sür die Zurückkehrenden wurde nachdrücklich gefordert und in Einzelheiten begründet. Besonderes Gewicht wurde darauf gelegt, daß den in der Gefangenschaft befindlichen Kameraden noch nachträglich das Wahlrecht zur Nationalversammlung und einige ihrer Zahl cni- sprechende Mandate zugebilligt werden. Im Äugenblick schweben hierüber in der Schweiz Verhandlungen mit Vertretern der fran- zöjischen Regierung, welche geneigt sein soll, eine Wahl der Kriegs- gefangenen zuzulassen. Im Anschluß an den Vortrag wurde der Anschluß der Vereint» gung an den Volksbund der ehemaligen Kriegs- und Zivilgefangenen bekanntgegeben. In der De- batte wurden durch Herrn Schlesinger von der Reichszentral- stelle des Roten. Kreuzes die bisher im Interesse der Kricgsgefan- genen ergriffenen Maßnahmen eingehend geschildert. Zum Bezug von Militärrente« schreibt unS das VersorgungSamt des III. Armeekorps: Infolge Unterbindung des Poswerkchrs mit den vom Feinde besetzten deutschen Gebiete besteht für diejenigen Empjänger von Versorgungsgebührnissen usw., die jenes Gebiet verlassen und in den Bezirken anderer Pensionsreglungsibehörden Wohnung genommen haben, keine Möglichkeit, ihre Versorgung sgcbührnisse usw. in der bisherigen Weise zu empfangen. Zur Beseitigung dieser Schwic- rigkeiten wird die Gen.-Mil.-Kosse(M.-P.-K.) angewiesen wer- den, den vorstehend näher bezeichneten Empfängern auf Anttrag Vorschüsse auf die fälligen Gebührnisse usw. zu zahlen. Solche Anträge sind zu richten: a) seitens der pensionierten Offiziere und Beamten an die PensionSabteilung, b) seitens der Empfänger von Jnvalidenpcnsionen und Militärventen an dir Rentenabteilung, c) seitens oer Hinterbliebenen von Militär- Personen an die Versorgungsabteilung für Hinterbliebene. Die Anträge müssen enthalten: Namen stRuf. und Zuname. bei Witwen auch Mädchennahme), letzten Dienstgrad(des Empfän- gerS, bei Hinterbliebenen des verstorbenen Mannes oder Vaters), ..bisberige. Wohnung,�zuletzt:?ztsständ>g-gewesene PensiousregelungS- behörde und zahlende Postänswlt. bisherige Stammkartennummer und Katasterzeichen, Höhe dertbetr. monatlichen Gebührnisse(«in- zelne Sätze getrennt aufgeführt), Angabe, bis zu welchem Zeitpunkt diese Gobührnisse usw. empfangen sind, Erklärung, daß eine Vollmacht zur Weiterabhebung der Gebührnisse in dem früheren Wohnort durch Angehörige usw. nicht erteilt worden ist,- jetzigen Aufenthaltsort unter genauer Wohnungsangabel Renten» usw. Bescheid, Rentenbuch, Militärpaß stich mit vorzulegen. Bei einem Einbruch erschossen wurde in der vergangenen Nacht der 31 Jahre alte Kutscher Fritz Abce, dessen Wohnung unbekannt ist. Abee, der von seiner Frau getrennt lebte, wollte zwischen 12 und 1 Uhr auf dem Grundstück Wilsnacker Straße 27 Pferde stehlen. Als er den Stall erbrach, ertappte ihn ein Schutzmann, der sofort eine Streifmannschaft des Regiments Reinhard anrief, um ihn nach der Wache bringen zu lassen. Abee ergriff die Flucht und blieb auf Anruf nicht stehen. Ein Soldat der Streife schoß deshalb auf ihn und traf ihn so schwer, daß er tot zusammenbrach. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Arbeitersportler! Die Zentralkommission für Sport und Körperpflege, die Zentralstelle der gesamten deutschen Arbeitersportverbände, hat mit dem 1. Januar ihre ordentliche Geschäftsstelle wieder eröfftiet. Alle Zuschriften der Arbeitersportkartelle sind an den Sekretär der Zentralstelle Her- mann Reichardt, Berlin S. 50, Frciligrathstr. 4, zu richten. Von allen Arbeitersportlern erwartet die Zentralstelle die regste Propaganda für die Arbeitersportbcwegung. die Wiederaus- nähme de�: Tätigkeit der alten Sportkartelle und die Schaffung von neuen Kartellen an allen Orten, an denen mehrere Arbeiter- sportvereine bestehen, um eine gemeinsame Arbeit der Vereine zu erzielen. Bei Neugründungen von Kartellen stellt die Zentral- stelle Materialien zur Verfügung. Die Leitungen der Sportkartelle sind ver« pflichtet, dem Sekretär ihre Adressen mitzu« teilen. Schwerhörige! Unsere Versammlung am Mttwoch, den 22. Ja. nuar, war infolge der Einstellung des" Straßenbahnverkehrs nur von etwa 20 Personen besucht. Da uns der Direktor der Deutschen Ilkustik-Gesellschaft einen Vielhörer zur Verfügung gestellt hatte. konnten alle dem einstündigen Vortrage des Genossen Lehrer Otto folgen. Reicher Beifall belohnte den Redner für seine klaren Aus- Führungen. Nachdem dann noch der Direktor der Mustikgesellschaft die Einrichtung des Vielhörers und einige andere Hörapparate erläutert hatte, wurde beschlossen, am Mittwoch, den 20. Ja- nuar. 7)4 Uhr, im Luther-Lyzeum, Tempelhofer Ufer 2(am Halleschen Tor). Hof 2 Tr., eine neue Schwcrbörigenversammlung einzuberufen. Es werden alle schwerhörigen Parteigenossen, Gc- werkschaftler und„Vorwärts"leser ersucht, für diese Versammlung recht rege Propaganda: zu machen und vollzählig zu erscheinen. Neue Mitglieder für die Partei werden aufgenommen. Gross-Berliner Lebensmittel. Lichterfelve. Leo(Swcrnim Mvigentrank ans Abschnitt 27—2? für Jugendliche. Der Weitzlascverkcms erfolgt in dieser Woche auf Abschnttt 22 der Lebensmlttelsarte A. In den bekannten Verkanssstellcn für Räucher- wäre wird an die dort eingeiragencn Kunden auf Nr. 19 der blauen Be- zugSIarle(Nunimernousrust 1 Hering(55 Pf.) abgegeben. Pankow. Vom Sonnabend ab gelangt in den Kleinhandelieeschästen, die Zucker aus Zusatzzuckerkarten für Kinder abgeben, für jedes Kind drei Päckchen Milchsühspeise(a 46 Pf.) zur Ausgabe. Bund für Mutterschutz-Wilmersdorf, Uhlandstraße i4Z. Heim und Beratungsstelle: Spreckkzeit werktäglich von 10— 1 Uhr, außerdem Dienstag und Freitag abends von 6—8 Uhc. —-.— i-----------— ri—_- J---- Serantwonli« für SBolittl:«tl« Buttnet, Berlin: für den übrigen Teil de« Blaties Alfred Schult, Neukölln: für Anzetgen Tdeidor Glocke, Berlin. Verlag: Borwäris-Berlag G m b. H., Berlin. Druck Barwäris-Buchdruckerei nnv £et laasanftail Ptrnl Linger a. Co. in Berlin. Liadenstratz» S. 30 Sur Bildung einer Sanitätskompanie für Nordostschutz werben gesucht Aerzte und erfahrenes Sanitätspersonal. 9773 Bebingungen und Meibungen bel Anwerbestelle Baltenland Berlin, Joachim- Friedrich- Gymnafium, Kaiferallee, Ecke. Sur Aufstellung einer Feldbäckerei- Kolonne und einer Feldsch läckterei- Abteilung for Nordostschutz werden gesucht Bäcker, Schlächter n. andere Handwerker. Bebingungen und Meldung bei Anwerbestelle Baltenland Berlin, Joachim- Felebrich- Gymnasium, Raiferallee, Ede. Goeben erschienen: Mitarbeiter gesucht! 19 Die Deutsche Vereinigung für den Stolpe Distrikt sucht eine größere Anzahl gebildeter deutscher Herren aller Parteirichtungen, nicht unter 30 Jahre alt, die bereit wären, nach Anweisung in Posen und Ostpreußen organisatorisch zu wirken. Oftmärker bevorzugt! Meldung mit Angabe der Parteistellung, unter Beifügung eines Lebenslaufs, sowie Angabe von Empfehlungen bitte zu richten an den Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Geh. Regierungsrat Cleinow, Bromberg, Schleinigstr. 18. 8nm Wiederverkauf! 11 Reißenber Abfak in Refernen, Fabriton und Hanfluen!! mit Bild unferer populärsten 9769 Boftfarten 9720 Seid Menschen!" Beitgedichte von Heinrich Ströbel. Beels 2 Mart. Die Zeitgebichte Seinrich Ströbele werben ihr Echo überall bahin verbreiten, wo der Glaube an eine beffere 8u funft tief Wurzeln geschlagen hat, und dieser Glaube ift in Werdens der Träger alles Aufbeutschen 8ur Berwirklichung 7299* Bolts- Beauftragten wie Ebert, Scheidemann, Noske uiw. Gruppenbild für den Hausbedarf als WandigmudWiederverkäufer an allen Blägen gefucht. tünstlerisch ausgeführt. Jedes Quantum fofort lieferbar. Boftfarten fortiert, nicht unter 100 Std. für 6 M., größere Quantitäten billiger. 61/16 Die te ben einzelnen Ge chäften verbliebenen Rest bestände an Marmelade dürfen Dom Dienstag, den 28. Januar, ab ohne Abtrennung eines Feldes ber Lebensmittelfarte des verkauft werden. Den Geschäftslenten wirb jedoch zu ſtrengsten Pflicht gemacht, nicht mehr als ½ Pfd. an jeden Räufer ab zugeben. 970D Spandan, 27. Fanuar 1919. Der Arbeller- n. Soldateneat. Der Magikrat. 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