|tr. 57. S6.3ci(ir». ÄezaASvrrtS, i8ierteI}(®rLa75 JIEl monatl.3L"2BSÄ «rotitS Hau» voraus iin»el«« Icucxr.mrt 10 Jitcrmig. t'ojitejuj: SSionci!� i2S 2S1.. erfl. Zutlelwngt. gesaiji. Uniei ftreu'ban» tut Demlch« «nv o. Leilerrelch-UnAUtu ft�O Ml. !l:i vis üStiqe luwloni 9.60 Mi. bei iäqiid» eiuRtaiiflet Suuelians 7.60 Ml. t jiittuciiunacn ncSm«t m DSme» »st. Holiiit» Cutembuta SSweden Uiti Sit äiitoen eir.gettoqtTi m Sit Soll- euunsä.l'reitlfte. SJst ,®otmiSttS*»ticheini ireStlUügiich iBxr-jttei sonnten-, ettmuu Abend-Ansgabe. »eltgtamtn-Tsteff«? .$ottsttkes»i«M'-Seiila*. Derlinev Volksblatt. Zcntralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfchtands. ( 10 Pfennig) A«„igeupreiSi SM* achtgcspalien» SionrstttütuctU totiei 80 iBfg..itltti'c llBttint*", bat'tttiebiudte San 40 Liz. suläfftg 3 teltgt btudit Sorte). Itoe.!v nitre San 30-bfn. Stellennnuche unb Schlsttlellen ittitige» bat ertie Sod SO«fg.. tebt« wettete Sott t5 Liq. Satte übet 16 Suchiiaben«übler, föt jinei'Sorte, teuemnaf jnlcblag Ö0*<� FatuUten-Nnzetgeit. volttiichc unb gewetlichattliche Setein.- ibitzetgn» 80 Srg. bie Zeile.«Njtigen rih sie nüchite Jimnmc: mtlften bit ö;iö# nachmitiaq. im öauvtgeichSil Saetk 6S.48. Uinbenfttaot b. tbieaeben »edten.«caffuet i'0t> S Ute jtLh bis 6 Übt avetite. RsSaktion und Expedition: 6£D. öS, Lindenstr. 3. fientinr erber; an» Morti-z-la«. Slr. 151 90- 131 U7. Freitag, den 31. Januar 1919. I| vorwärtS'verlag S. m. d. h.» SW. öS, tindenstr. 3. Kernsprccher:«m» Moritzplntz. Nr. 117 33—34. 1 "■■ mssBasses�, Oer Zentralrat an die Eisenbahner. Der Zentrslrat Hut davon Kenntnis erlmlten, baß in einigen »riegeiiden des SicichcS Fsrdernngen gestellt wcrdcn, die. eine getegelt« Tiirchfübrnng des Eisenbahnoettehrs gefährden. So wichtig im einzelnen manche der gestellten Frrdrrvngen sein mäge», so ist ei doch jeht die einzige Aufgabe der Arbeiter, Angestellten und Beamten, den Bcrfehr und die Wiederherstellung dcb Eisen- bahnnirüerialS restlos sicherzustellen. Bom zkregelten Eisenbahnverkehr ist die B v l k S e r n ä h- r u n q abhängig, die Versorgung der Betriebe mit Kohlen und damit die einzige MSglichkcit, die Arbeitslosigkeit rnt- ges.riizu-slrkcn und deu wirtschaftlich:» Zusammenbruch zu vet- hindern; serner ist von dem geregelten Eisenbahnverkehr abhängig die Selenchstuna und Hciznng der Wohnungen, wodurch der Er- keankung und der Serseuchng dcS Volkes Einhalt getan werde« kann. Der Zentralrat hat die Bcrvflichtnng, auf alle diese für daß Bokk schwrrwicarndcn Folgen beS ungeregelten Eisebnat'nl-etriebeS hinzuweisen. Die Zeit ist zu ernst, um durch wilde Streiks das Lo'k in nuabsehbare Schwierigkeiten zn bringen. Bor allen Tingen darf unter keinen Umständen eine sosortig« Erfüllung der Forte- ruug?« ohne. Beehaudlnngrn durch Streiks verlangt werden, den» die Demokratie seht voraus, daß über alle Forderungen nach jeder Seite hin gerecht geurtrilt wird. Brrechtiglen Wünschen muß natürlich enixcgcngekommcn werden, aber nicht ohne vorherige Beratung. Die Ziele der Revolution künnen nur orreicht werde«, wenn alle arbeitsfähigen Menschen ihre Arbeitskraft restlos in den Dienst der grmeinsgmen Einrichtungen stellen. Das gilt insbesondere von den Eisenvahnarbeitern» Angestellten und Beamten. Wir fordeen dekhalb alle ank, durch verstärkte Tätigkeit dem Wohle ve? Volkes in d'?> en und rV' Fordern n>en a>'k dem geordneten Wege durch die Organisati»« oder die im Betriebe erschaffe- ne» Einrichtungen der ArbeiterauSschüssr, Arbriterräte usw. den B'Ntvttungk'l'eliärden zur KeentniS-n bringen. Rur durch �r- ganisat'on und Einstige» eines jeden Einzelnen iu das große Ylenze kann daS Werk vollendet werden, das im Roveiliber tblS begonnen hat. Der Zentraltat der deutsche» soziall�ischru Republik. gcz. Leinert. Cohen. Sie Kohlenknappheit im(dsten. Ein Appell a« die Gntenle. Berk» 08. Januar. Di« außerordentliche Kohlenknappheit im OÄm Deetschlands veranlaßte die deutsche WasfenstillstandSkom- Mission, an Admiral Browning folgende Depesche zu richten: „De? vollkommene ZusammcnSruch der Eisenbahntrcmsport- tage im Lsten Deutschlands, der. abgesehen von der Abgabe deS Lokomoiiv- und Waggonmaterials, auf Beiriebsschwierigketten. ins- besondere auf die Absperrung von Bahnstrecken durch di« Polen, zurückzuführen ist, macht eS unmöglich, die Bevölkerung dieses Gebiets auch nur mit dem notwendigsten Bedarf an Hausbrandkohle zu versehen. Es sind deshalb bei der gerade in jener Gegend weit mehr als im übrigen Teutschland bestekendem Frostgefahr U n- ruhen schlimm st er Art zu befurchten, die angesichts der mritärischen Lag« besonders verhängnisvoll wären. Abhilfe kann nur durch Kohlentransporte seewärts erfolgen. Als AbgingS» Häfen kommen die Städte Bremen, Emden und Stettin. als Bestimmungshäfen Danzig und Königsberg in Betracht. Es wird gebeten, für die hierfür in Frage kommenden Kohlentrans- portdampfcr, die laufend angemeldet werden sollen, Geleit- scheine zu erteilen. Sofortige Entscheidung ist mit Rücksickt aus die drohende Ge- fahr dringend notwendig." Rujsische Anschläge gegen Seutschlanö. Zwei Millionen Mark«nterwegS. Zwikrben den Spartalisten Berlins und Rußlar.dS soll nach polizeilichen Milteilungen auf verschiedenen Strecken ein reger Ber- kehr stattfinden. Es ist durch einwandfteie Bertrouensleute festgestellt worden, dast aus K o w n o im Suflrage russischer Bolsche- tristen drei Personen uutetwegS find, um Telegraphen ämter im Oiteu zu sabotieren und führende Männer, die ihnen unbequem sind, zu ermorden. Die>e drei Personen führen an- geblich 2 Millionen bei sich und wollen zu Fuß oder per SSogeu die Grenze paisieien. Die«ngaben finden ihre Bestätigung darin, daß ein Vize- feldwebel Schneider, der 1S>4 in©efangeiifcfrflfi geroien war. nnd ein Student, Salien, die in enger Berbindnng mit den oben Genannten standen, in Kowno. aus Rußland kommend, der- hafiet wurden: fie hoben bereits gestanden, daß sie den Komm an- da nie» und Leiter der politische» Polizei von Kowno ermorden wollten. Mchtftunüentag öer englischen Eisenbahner. London, A>. Januar.(Reuter.) Während weitere VerHand» hingen noch schweben, unt rzeichneten die Eisenbahncrvertändc und der ausführende Ausschuß der Eisenbahner ein Uebereinkommen über da? Prinzip desachtstündigen Arbeits tage s. Das Uebereinkommen sieht vor. daß die für die Mahlzeiten zugemefsenen Zctten nicht als Arbeitszeit angerechnet verde». Eintreffen öer EnglLnSer in Sern. Kameradschaftlicher Geist der Verständigung. Bern, 30. Januar.(Telegramm unseres Korrespondenten.) Heute trafen als Vertreter der Jndependent Labour Party hier ein die Genossen Middleton, LanSbury und Miß Bond- f i e l d. Als Vertreter der dänischen Sozialdemokratie kamen Aorgbjerg und Nina Bang. Als weiterer Vertreter der U. S. P. D. traf Kurt Eisnec ein. Weitere zehn Engländer als Vertreter der Labour Party werden erwartet. Die Franzosen haben sich verspätet wegen ihrer Konferenz mit den Belgiern in Paris. Uebrigens ist eö ein Irrtum, daß Vandervelde gegen die Berner Konferenz sei, er ist vielmehr dafür eingetreten und be- dauert, durch die Vcrsailler Konferenz ferngehalten zu werde». Die Vorbcsvrechung beschloß, über die Kongreßverhandlungen einen dreisprachigen stenographischen Konferenzbericht herauSzu- geben. Ueoer die Aorbesprechungen wird seit gestern ebenfalls ein csfizieller Bericht herausgegeben, de? durch die Telegraphenbureaus Verbreiter wird. Der Kongreß selbst beginnt Montag vormittag 10 Uhr.• Nack allgemeiner Ausfassung sind daS Berner und Leedser Ge- tverkschajlsprograw.m zeitlich überholt. Die Revolution in Deutsch- land, Oesterreich- Ungarn und Böhmen erheischt die Aufstellung weitergehender Forderungen, da dort teilweise bereits mehr praktisch durchgeführt ist. als hier gefordert wurde. Auch eine Debatte über Diktatur und Demokratie wird auf der inter- nationalen Konferenz zweifellos stattfinden. Die bisherigen Besprechungen der � deutschen Delcgicrien Wölkend whr, Hermann Müller und Wels mit den an- wescndc» Eagländetn und dew Genossen Dum oul in von her Pariser Eonsideraiion Generale du Travail zeigen, daß allgemein ein kainerädschaftlicher Geist der Verständigung obwaltet. Wenn die noch nicht eingetroffenen englischen und fran- zösischeii Delegierten gleicher Gesinnung sind, dann eröifuen sich günstiger Aussichten für den Erfolg der Internationalen Kon- serenz. Die Durchfuhr, mg des A ch t st u n d e n t a g e S in Deutsch» land hat bei allen Arbeitervemetern einen starken Eindruck zu- aunsten der Arbeit der deutschen Sozialisten gemacht. Der Sieg dcS Frauen st immecbtS in Deutscbland ist von den eng- lischen Fauenftimmrcchtskämpferinnen begeistert aufgenommen worden. « In d?r Depesche unseres heutigen Morgenblatts über die Ber- ner Konferenz ist von einem finnischen Genossen„K e t o W i b a u t" die Rede. Es handelt sich dabei um einen Irrtum des TepeschenbureauS. K e t o ist ein finnischer Genosse und D i b a u t ist unser bekannter holländischer Freund. Erregter �wisckensall? Haag, 31. Januar.(HR.) Aus Paris wird vom 30. Ja- nuar gemeldet: Gestern sind die Delegierten der französischen, bel- gischen und englischen Sozialisten zusammengekommen, um ihre Haltung zum intcrnatwnalen Kongreß in Bern festzulegen. Im bcsonberen handelt eS sich darum, daß die Belgier ihre Zustimmung erteilen, an dem Kongreß teilzunehmen. Die Debatte war lang und aufgeregt. Die drei belgischen Delegierten stellten ihre feindliche Gesinnung dem Kongreß gegenüber fest. Bau der Velde begründete die Feindschaft dahingehend, oaß bei dem gemarterten Belgien noch die Wunden bluten. Er fügte hinzu, daß er als Vorsitzender der Internationale kein Hindernis in den Weg legen wolle und deshalb bereit sei. seine Entlassung in die Hände der Abgeordneten zu legen. Große Aufregung entstand, als die englischen Delegierten den Saal verließen, weil sie der Ansicht sind, daß eine Uebereinstimmung nicht erzielt werden könne. Albert Thomas erklärte, die deutschen Sozialisten hätten ihre Pflicht ersäumt. Schließlich weigerten sich die belgischen Delegierten, eine definitive Entschließung zu fassen und verlangten von ihren Auf» traggebern telcgraphisch nähere Instruktionen. (Dieser aus Paris stammende Bericht steht in auffälligem Gegensatz zu dem unseren. Red. d..B.") Entente unö deutsche Kolonie«. Vorläufiges Abkomme». Der amtliche Pariser Bericht vom 30. d. M. besagt: Ein zufriedenstellendes vorläufiges Abkommen ist über die hinsichtlich der deutschen Kolonien und der besetzten Gebiete in der asiatischen Türkei und Asien anzuwendenden Grundsätze getroffen worden._ Die Heratungen über öie verfasiung. Et» Ausschuß der in Berlin zusammengetreten?« Regie- rmtgkvcrtreter der Freistaaten tagt gegenwärtig im RcichSamt deS Innern. Die RegierungSvertreter der Freistaaten selbst weroen morgen vormittag zusammentreten. Gegenstand der Beratungen bildet in beiden Fällen der Entwurf einer Reichsverfassung. General v. Winterfeldt wirb, trotz des Versuchs,' ihn zur Rück- nohnie feiner Demiision ol« Boisivender der deniswen Waffen- stillpandskommijsion zu beweg«,, aus seinem Rücktritt hesteheu. Zur Sieölungsfrage. Verordnung zur Beschaffung von landwirtschafttkch«» Siedlungsland. Am 29. Januar ist von der Reichsregierung eine Per-. ordnung zur Beschaffung von landwirtschaftlichen! Siedlungs- land erlassen worden. Dadurch ist der erste gesetzgeberische' Akt für die neue wirtschaftliche Enttvlcklungsrichtung Deutsch- lands geschaffen. Er bildet die erste Grundlage für �ine Ablenkung des Ueberschusses an industriellen Arbeitern zur landwirlschafllichen Betätigung. Die stürmische industrielle Entwicklung unseres Landes l?at die Erscheinung der Landflucht erzeugt. Die Jntensi- Vierung der deutschen Wirtschaft hat dre in der Landwirt- schaft tätigen Arbeiter zur Industrie abgeleitet. Diese Ent- wicklungötcndenz ist mit dem Kriege abgeschlossen worden. Unsere Abdrängung l)om Weltmarkte zwingt uns in gewissem Umfange zur Aufrichtung einer stärkeren isolierten Eigen» Wirtschaft, also zu einer Rückentwicklung in der Richtung zum Agrarstaate. Den überschüssigen industriellen Arbeitskräften muß der Weg zum Lande geöffnet und die Landwirtschast muß ertragreicher gestaltet werden. Das kann nur geschehen durch eine Verschiebung der landwirtschaftlichen Besitzverhältnisse und durch Bereitstcllusip neuen Nutzlcnidcs. Tic vorliegende Nerordnung nimmt ist der Hauptsache sich daS erstere zum Ziele und sie ist at;ch ein Mittel, dem zwölten zu dienen. Allerdings ist sie für die zweite Aufgabe nur ein erster Notbehelf. Sie ist nicht der Auftakt zu einer radikalen Sozialisierungsmaßnahme auf landwirtschaftlichem Gebiete; wirtschaftliche Umwälzungen sind auch nicht so rasch ohne folgenschwere Erschütterungen durchzuführen, als politische. Sie ist ein Fühler und soll wohl auch nichts anderes sein. Aus ihrer Anwendung werden die Voraussetzungen für ein Fortschreiten auf dem Gebiete der Sozialisierung der Landwirtschaft erkennbar werden. Vorderhand muß dem pri- baten landwirtschaftlichen Besitz jede Grundlage für weitere starke Prodnktionslust gesichert werden. Jede Erschütterung durch voreilige, nicht genügend durchreifte Entschlüsse ist eine Gefahr für die Ernährung unserer Bevölkerung. In früheren Jahren galten all die Siedlungsschwarmer für romantische Narren. Das Urteil war Wohl etwas hart, aber es war begreiflich. Unsere wirtschaftliche Entwicklung drängte von dem stillen Glück der Scholle in die bewegt« Welt hinaus. Dieser starke Zug ließ andere Bewegungen nicht auskommen. Heute ist der Zwang zu einer gründlichen. wirtschaftlichen Neuorientierung über uns gekommen und heute wird das. was früher als Sektiererei galt, zu einem Gebot der Stunde., Die neue Verordnung kann sehr nützliches leisten und großes vorbereiten, wenn ein starker aktwer Geist hinter ihr lebendig bleibt und praktisch mit Energie alle darin liegenden Möglichkeiten aufschließt. Sie ist ein Stück allerwichtigsten Wirtschaftsgesetzes— ein Notgesetz. Die Verordnung ist natürlich nur ein Teilwerk für die nächsten wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Sie ist zu eng begrenzt, um unser Volksleben aus der ernsten Kalamität herauszuführen. Die Oeffnung des Landes, die Schaffung neuer landwirtschaftlicher Erwerbsmglichkeiten, die Verbreite- rung der Grundlagen für unsere Ernährung und für unser nationalen Lebens muß— wie wir es in einem unserer letzten Artikel bezeichnet haben— zu einer neuen Industrie führen: zur industriemäßigen Herstellung von Brot- und Fruchtland. Das Mißverhältnis zwischen hungernden und arbeits- loten Menschen und dem Ueberfluß von urbar zu machendem Land muß ausgeglichen werden. Wenn wir die Auswande- � rung aus Not in großem Umfange vermeiden und wenn wir nns die Riesensumme unproduktiver Arbeitslosennnter- stützungen ersparen wollen, so müssen wir bald dazu kommen, die brachliegenden Arbeitskräfte der Millionen von Menschen für die Verbesserung der deutschen Wildlündereien einzuspannen. Dadurch wild die Regierungsverordnung ihre notwcn- dige Ergänzung erfahren und wir schlitzen uns vor dem Vor- Wurf, nicht alles getan zu haben, um die Zukunft unseres Volkes zu schützen. DeL Volkes Wohlfahrt ist daß oberste Gesetz! » W'r teilen hier die wichtigsten Bestimmungen der Per- ordnung im Auszug« mit: SiedungSunternehm nnzen. , Die BlmdeSjtae.i«» sutt» verpstiKtet, zur.Sij»»fju-lg mmt Ä» fkbuittoen g««n? t n_n n M ir& SieblungSunterncIintun» soweit solch« nicht vor.'mnd�n sind. Der Ge- schäftSbeznk der Uniernehmungen sAnsiedlung-Sbezirk) wird durch die Londeszentrolbchonden bestimmt 2CiS SiedlungSunteonehnuin» gen im©inne dieser Vorschriften können von den Landeszentral- oczorden auch öffentliche Behörden oder Anstalten bezeichnet loerden. An der Ausjicht über das©iedlungSwesen sind Vertrauens- leute der Ansiedler und der alten Besitzer mit beschließender Stimme nach näherer Vesiimmunq der Bundesstaaten zu beteiligen. Dieser Beteiligung an der Aussicht bedarf es nicht, soweit solche Ver- trauenSleute in den AufsichtSrat der einzelnen SiedlunaSunter- erehmunge-n berufen werde:,. Kerritstellunz a) von Staatsdomänen! Staatsdomänen sind bei Ablauf deZ Pachtvertrages dem gemeinnützigen Siedlungsunternehmen zu höchsten? dem Ertrags- wert- zum Kaufe anzubieten, soweit nicht ihre Erhaltung im Staatsbesitz für Unterrick'i».. Versuchs- oder ander« Zweck« öffent- licher oder volkswirtichustlicher?lrt notwendig ist. Bei der Schätzung des Wertes sollen txe räbergehende Wertsteigerungen, die auf außerordentliche Verhältnisse deS Krieges zurückzuführen iind, nicht berücksichtigt werden. e) von Moor- und tedland: Das gqMcinnützig« SiedlungSunkernehmen ist berechtigt, nn- bewirtschafteres oder im Wege der dauernden Brennkultur oder zur Torfnutzung verwendet«? Moorland oder anderes Lealaeid für De- fledlungSzwecke im EnteignungSwege in Anspruch zu nehmen. Als Entschädigung ist der kapitalisierte Reinertrag zn gewähren, den daS Land in unveistrssertem Zustande hat. Im übrigen bleibt dir Regelnnz der Enteignung einschließlich oer RechtSbehslfe gegen die gestsetzung der Entschädigung den Bundes- stauten v anbehalten. � Vorkaufsrecht dcS SiedkunzSunternrhmenS. DaS gevieinnützige SiedlungSunternehmeii hat ein Vorkauf?- recht auf dt« im feinem Bezirk belegenen landwirtschastlichen Grundstücke im Umfange von SO Hektar aufwärts oder Teile van solchen Grundstücken. Das VorkanfSvecht kann durch Bestimmung der Landeszentvalbehörde auf kleinere Grundstücke «ruZgedehiit werden. Di« Ausübung de? Vorkaufsrechts ist ausgeschlossen, wenn der Eigentümer das Grundstück an eine Körperschaft des öffentlichen Recht?, an seinen Ehegatten oder an eine Person verkauft hat, die init ihm in gerader Linie oder bis zum dritten Grade der Seiten- linie verwandt oder bis zum Zwesten Grade verschwägert ist. Tos Vorkaufsrecht erstreckt sich auch auf das utitoerkcrufte Zubehör. Lanblieferuilgtverbauder In den Anssedkungsbezirken, deren landwirtschaftliche Nutzfläche nach der landwirtschaftlichen Betriebszählung von 1307 zu mehr als 13 v. H. auf die Güter von IM und mehr Hektar land- wirtschaftlicher Nutzfläche(große Güter) entfällt, sind die Eigen- tümer dieser großen Güter zu Landlieferumgsverbänden zu- famm«nzuschli«ßen; die Landlieferungsverbände sind rechtsfähig. Die landwirtschaftliche Nutzfläche der Staatsdomänen wird nur für die Ermittelung des Hundertsatzes mitgezählt. Die näheren Be- stimmungen erlassen die Bundesstaaten. De Landeszentralbchörden können die'Aufgaben der Land- lieterungSverbände auch auf andere Stellen, insbesondere auf be- siehende landwirtschaftliche Organisationen(Landschaften usw.) übertragen. Der LandftefevangSverband hat auf Verlangen des gemein- mützigen©iedlungSunternehmsnS zu Siedlungszivecken geeignetes Land aus dein Bestände der großen Güter zu einem angemegenen Prsife zu beschaffen. Als angemessener Kaufpreis gilt der ge- meine Wert, den daS Land im Gvoßbelriebe hat. ohne R ü ck- ficht auf Wertsteigerungen, die auf auße-roroentliche Ver- Hältnisse des Krieges zurückzufuhren sind. Die Vervflichtuna deS LamdlieferungSverbandeS ist erfüllt, so- bald ein Drittel der durch die landwirtschaftliche Betriebs- zählung von lvi)7 festgestellten gesamten landwirtschaftlichen Nutz- fläche der großen Güter(mit Einschluß der Domänen) für Sied- iungSzweck« bereitgestellt ist oder die landw: rtscha ftl ick>e Nutzfläche dieser Güter nicht mehr als 10 v. H. der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche de? Anstet-lungsbe-irkeS beträgt. Nach Ermessen der Aufjichtsbehörde gilt als zur Siedlung be- reitgestellt auch solches Land ans dem Besitzstande der großen Güter, das ohne Mitwirkung des SiedlringSunternehmenS an Ansiedler veräußert oder mit dem Rechte des Kaufs zu einem von der Aufsichtsbehörde genehmigten Preise verpachtet ist. Der LandlieferungSverband hat an Stelle des gemeinnützigen Der junge Arbeiter. Von HanS Gothmann. HanS Joachim stierte auf dl« nagelneuen vier Fünfzlgmark- scheine, die sein Wochenloh» waren. Seine kräftig«, etwas vornüber geneigte Gestalt reckte sich gerade auf, er lächelte und sicckie das Geld bastig in die Taiche. Zwelhuiider» Marl! DaS war doch etwas! Ihm war, als stünde ihm die Welt offen und er brauche nur die Hand auS- zuftrecken nach all ibren Herrlichkeiten. Vicrundzwanzigjählig. dem Mord der Säkachten enironnen, stand er feit kurzer Zeil wieder dort, wo er schon als IftährigeS Rind in unerbiliiicher Fron gestanden: an den Maickrnrn. Da- rnalS— ja, da lebte seine Muiier noch und er mußte Geld ver- dienen, damit sie eiwaS zu essen halten. Damals litt er so. Kannte kein frohes Lied. DaS Dröhnen der Maschinen, die Dumpfheit des stickigen Raumes— da« lötete rtwaS rn ihm. Wa«, das wüßt« er nicht. Er konnte eS nick« erfassen. Er adme e« nur dunkel, wenn er Sonntags etwa, schäbig, ärmlich, icheu, du,ch die Straße» schlich und Gleichaltrige sah. die voincbm und feiertäglich. sicher und froh— Freiheit genossen. Ja. Freiheit I Mußte da« schön sein! Einen schönen Anzug anhaben, ganz zarte, iauvere Hände und im Herzen ein Gefühl: Mir gehört die Welt! Er war ja nur ein Teil einer Maichine, genau io wie Rad. Kolben. Wasserstandglas: er hatte genau z» fiinkiionierrn. Er durfte weiter gar nicht?. HanS Joachim dachte lange zurück. Dieser donnernde Raum, zischende Nienien, raiende Räder, Hämmern und Stoßen und immer das Gefühl in der jungen Seele, als ichlüge das alles auf ihn ei», raube ibm Atem. Licki, Leben, Sonne,-- er schrie oft nachts im Traum wie ein Gefangener ,m einsamen • Kerker. HanS Joachim« Hand griff in die Tasche: Zweihundert Mark! Er trat aus die Straße, ganz Freude, ganz Kraft: Mir gehört die Well! Freiheit l Leben!! Zweihundert Marl! dachte er— und schritt wie ein Sieger. In einem Goldwarenladen kaufte er eine schone Brosche für dreißig Mark. Wie wud sich Emma freuen!— Und er ging zu ibr. In der Stube war spärliches Licht. Hinten im Bett hüstelte ein« todkranke Frau..Mein Gm,.' sagte Emma,.wa? soll ich machen, die Müller wird sterben!' Und sie zeigte kaum eine Freude über das Geschenk. Die Frau richtete sich aui. keuchte und ipulie Blut. Jbre brennenden Augen, irr im fiebernden Glanz, narrien aut die jungen Menschen. HanS Joachim fühlte seine Freude ver- blassen. Er gab Emma no» dreißig Mark:.Kaufe Wein— hörst Du!—' und steckte ihr die Brosche an. Ihr Gesicht war schmal und blaß. Di? Wangen eingeftiOe». Die alle Frau stöhnte im Bett. AlS Emma anfing zu weine», ging er. DicieS Elend I dawie er; iw war heute so freudig. Und nun liegt es wieder hart auf meiner Seele. Wie arm sind wir Menschen immer. Er kam sich so hilflos vor ihrem Schmerz gegenüber und zürnte Pch. daß"W sie nun allein gelassen. Wollte schon um- SiedlungSuniermchmenS da? Vorkaufsrecht auf alle großen Güter seines Bezirks. Er muß das Vorkaufsrcht auf Berlaugeu des ge- nieinnützigen DiedluugSuuternehmens ausüben; die Ausübung des Vo�auftechtS kann er dem gemeinnützigen Siedlungsunternehmen mit dessen Zustimmung allgemein oder für den einzlnen Fall über- tragen. Wo ein dringend!, auf ander Weise nicht zweckmäßig zu be- friedigeiideS Bedürfnis nach befiedelungsfähigem Laude besteh!, hat der LandlieferungSvcvband das Recht, geeignetes SiedlungS- land aus dem Besitzstände der großen Güter gegen angemessene Entschädizung im Wege der Enteignung in Anspruch zu nelnnen. Wertsteigerungen, die ans außerordentliche Verhältnisse de« Krieges zurückzuführen sind, dürfen bei Festsetzung der Entschädigung nicht berücksichtigt werden. Uebcr die Enteignung und die Höhe der Entschädigung ent- scheidet ein ständiger Ausschuß, der aus einem von der Landes- Zentralbehörde zu bestimmenden Vorsitzenden und je einem Ver- l veter des Landlieferungsverbandes und des SredlungSuntcrneh- menS besteht. Im übrigen bleibt die Regelimg der Enteignung einschließlich der RechtSbcyelfe gegen die Festsetzung der Entschädigung den Bundesstaaten vorbehalten. Von den besieolungSfähigen großen Gütern sollen die Sand- lieferungZverbände, namentlich auch mit Hilfe der Enteignung, in erster Linie erwerben: Güter, die während de? Krieges von Personen erworben sind, welche die Land- Wirtschaft nicht im Hauptberufe betreiben oder betrieben haben; Güter, di« im Laufe der letzten 20 Fahre durch entgeltliches Rechtsgeschäft mehrfach den Besitzer gewechselt haben; Güter, di« besonders eptenstv oder schlecht bewirtschaftet werden; Güter, deren Besitzer sich während des größeren Teiles de? JabreS nicht auf der Bcgüterung aufhalten und sie nicht selbst bewirtschaften, und Güter, die zu Besitzungen von ungewöhnlich großem Umfange gehören. Auch sollen die LandlieserungSver- bände vorzugsweise solche Teile der großen Güter, und zwar in sachgemäßer Abgrenzung und mit den dazugehörigen Gebäuden erwerben, di« früher selbständige Bauerngüter oder Landstellen waren und in den letzten 30 Jahren vor dem Jnkvaft- treten dieses Gesetzes von Eigentümern der großen Güter aufge- kauft worden sind. Verhältnis zwischen LandliefernngSverband und SiedlungS- unternehmen. DaS SiedlungSunternebmen ist verpflichtet, dem Landliefe- vungsverband die Grundstück« abzunehmen und ihm den von ihm zu entrichtenden Erwerbvprcis zu zahlen: 1. wenn der LandlieserungSverband daS Grundstück auf Ver- langen deS SiedlungSuntsi nehmen« durch Ausübung des Vorkaufsrechts erworben hat, 2, wenn das Siedlungsunternehmen sich sonst mit dem Erwerb und dem ErwcrbspreiS einverstanden erklärt bat, 3. wenn der Landlieferungsverbano das Grundstück durch Ent- eignung erworben hat"und daS Enteignungsverfahren mit Airstimmuilg des SiedlungSunternehmenS eingeleitet war- den ist. Wiederkaufsrecht. DaS gemeinnütziye Siedlungsunternehmen Hai ein Wieder- k a u f S r e ch t für die von ihm gegrünoete Ansiedlerstelle, wenn der Ansiedler sie ganz oder teilweise veräußert oder aufgibt, oder wenn er sie nicht dauernd bewohnt oder bewirkschaftet. Die Dauer de? Wiederkaufsrechts, der Preis und die näheren Bedingungen sind in dem AnsiedlungSbertragc festzusetzen. Beschaffung von Pschtland für landwirtschaftliche Arbeiter. Landgemeinden oder GutSbezirke können durch Anordnung der von der LandeS-entralbehörde zu bezeichnenden Stelle ver- pflichtet werben, denjenigen Arbeitern, welche im landwirtschaftlichen Betriebe ihres Bezirks ständig beschäftigt sind, auf ihren Wunsch Gelegenheit zur Pacht oder sonstigen Nutzung von Land für den Bedarf des Haushalts zu geben. Die Verpflichtung gilt als erfüllt, wenn Pacht- oder Nutzland im Um- fang« bis zu 5 v. H. der landwirtschastlich genutzten Gemeinde- oder GutSfeldmark zur Verfiigung gestellt ist. Ist das nötige Pacht- oder Nutzland auf andere Weise nicht zu beschaffen, so kann die Landgemeinde eS im Weg« der Zwangspachtung oder Enteignung in Anspruch nehinen. Zur Hergäbe deS Landes ist in erster Linie der Arbeitgeber vor- pflichtet, bei dem di« Arbeiter beschäft'gt werden. Di« Zulässigkeit der ZwangSpachtung oder Enteignung wird durch die von der Lau- deSzentrabbehörde zu bezeichnende Stelle ausgesprochen. Abtretimg oder Aufteilung ganzer Wirtschaftseinheiten ist aus- geschlossen.. lehieu— da kam ein Rainerad. Faßte ihn unterin Arm und zog ihn mit sich. Sie iraten in ein vornehmes Cafö. Hans Joachim fühlte Sicherheit in diesem helle» Räume wo gutgetleidetc Menschen a» iauberen Tischen saßen und sievS wohl sei» ließe». Er erinnerte sich, vor Jabre», da stand er vor diesem riesigen GlaLfeiiiler und stierte»iit einem hungrigen Blick aui diesen Glanz und die blendende Vornehmheit hiiner der dlankcii Scheibe. Frierend die Hände in die Taichen verlromvil. die L'vven schmerzhaft verzerr:— da drinnen war ja Leben. Wärme, Wohliein, Sartseinl— heulte er abends jämmerlich in seinem kalten Beil. Heute saß ei au einem dieier Tische, misten unter den tadellos angezogenen Hei reu und duftenden Dame», aß das gleiche wie sie, spürte die Wärme, die sie halten, blSiterte in den Journalen, die ihnen Zerstreuung boten, den Wohlbestellien, Ziifuevenen, Satten. Vornehmen,«der— war er denn zuftiedeu? In seiner Seele rang ein Gefüdl hoch, doS war wie Haß... P öviich... er hätie irgend etwa« zericklaaen wollen vor Wut. Ist da» unsere Sehnsucht, fragte er seinen Kameraden, zu sein wie dieie? Und>n seinen Augen war ei» böie» Feuer. Ihm fehlte etwa«, er fühlte sich nickt wohl in dieser Umgebung, er meilie: iroy»ieii:eS Geld«»: Ich habe nickiS gemei» mit diesen. Sie baben keine Sehninchl: Aber ick... ick bade eine große flammende Sehnsucht, die beißt: Men'ck zu ielnl Uiid diese: Haben sie nicht nur da« Verlangen, möglichst reich zu sein? Ich will die brüderlich» Hand wissflt auf der fernsten Jnfel de» Ozeans. Ich will da» brüderliche Menichenherz schlagen hören au« dem Dunlel der letzten Berbrecherzelle. Ich bin der Mensch... Böiie. Kapüal, Gewinn. Verlust... was ichiert mich das?! Hans Joachim zahlte und ging. Auf der Straße griff er ein Mädcken auf. Da? Geld brannte plötzlich wie Feuer in seiner?a>che. ES lockt dich ins Verderben. schrie eine Stimme in ihm. An ihm geht alles zugrunde, was gut in dir ist. Der Mensch muß sehr staik seln l Da« Mädcken nahm seinen Arm. er fragte halblaut: waS tust du? Da sagie sie: Ich habe noch nie etwa« für mich geiair. HanS Joachim sah sie an. aanz still. Dan» gab er ibr die Hand. Der Sinn eine? Leben? ging ibm ans. Er zog einen Fünf- ziamarksckein an» der Tasche. Und gab ihn ihr. Aber er sagte: Ick schäme ml» so vor dir. Und plötzlich war ihr Gesicht so schmerzhaft verzerrt, daß er sick zum Gehen wandle, daß er nock einmal ihr« Hand suchte und preßte. Wie wunderbar ist es, Mensch zu sein und einem Mensche» etivas zu sei» I Dann g>ng er hastig fort und holte das Geiübl, etwa» sehr Wichtiges versäumt und etwas wunderbar Wertvolles verloren zu haben. Hon« Joachim rrug erne quälende Zerrissenheit in sich. Wo steure ick eigentlich di». dachte er. An dem goldenen und dock io ekelhoiten Sirand de« Bürgerium« kann ich nicht landen. E« wäre mein Tod. Mein Endo als Mensch. Ich stehe auf so schwankem Boden. DaS zufriedene, satte, wohlgefällige Leben reizt mich, lockte mich— ich tauche ja a»i aus den dunklen Gründen der Knechtickcft und der Verachtung. Wie sollte e» mich nicht locken, gesickerte Er- scheinrmg zu sein, vornehm und Herrscher durch endlich erlangie Geldmacht? Ader dies ist nicht das wahre Leben. Meine Gehn- Trotz?! üer Starke. Pari«, 30. Januar.„Echo de Paris" meldet au« Stockholm, bah Trotzki in einein Telegramm an die Truppe» erklärt, daß das Anerbieten der Alliierten, aus den Prinzen in scln zu einer Konferenz zusammenzukommen, ein Zeichen der Schwäche sei. Er fordert die Truppen auf, ihre Anstrengungen zur R i e d- r- werfung der Welt-Bourgeoisie zu verdoppeln. Bolschewistische wreiiei. Der Pressebeirat der Deutschen Gesandtschaft bei den Regie- rungen Lettlands und Estlands teilt mit: Gegenüber den Idealisten und Schwärmern, die in Deutschland immer noch die Grundzüge der bolschewistischen Bewegung verkennen und glauben, ihr als einer geistigen Bewegung gerecht werden zu können und zu müssen, dürfte ein Bericht interessieren, den ein Dorpater Arzt. Dr. Wolfgang V. R e y h e r über die Ergebnisse der letzten Mordtat ge- stattet hat, die die Bolschewisten vor dem Aufgeben DorpatS v»-- übt haben. Während am Vormittag des 14. Januar die estnischen Truppen bereits in die Stadt einrückten, trieben die Bolschewisten im Ge- bände der Kreditbank 23 Verhaftete in den Keller, wo sie g e- tötet wurden. Dr. v. Reyher hat als Arzt gegen 1 Uhr mittags die noch warmen Leichen sehen dürfen, und er berichtet über sei"". Eindrücke folgendes: Mit einer Lampe in der Hand ging ich bis an das End« des etwa 10 Schritte langen Kellerraumes, wo sich zur linken Hand ein gewölbter Bogen befand— der Eingang zu einem etwa acht Schritte langen und fünf Schritte breiten dunklen Kellerloch, In daS man nur gebeugt gelangen konnte.— Der Anblick war grauen- erregend. Ter Boden des ganzen Raumes war bedeckt mit über- einanderliegenden Leichen in den unnatürlichsten Stellungen, wie sie nur plötzlicher, gewaltsamer Tod hervorbringen kann. Mehr zur Mitte zu lagen die Leichen in drei Schichten übereinander, alle nur mit Unterwäsche bekleidet. Fast alle wiesen Kopfschüsse auf. die sie offenbar aus allernächster Entfernung erhalten hatten, da bei einzelnen die Schädel total zersprengt waren. Ich zählte 23 Leichen. Wie sich die grausigen Vorgänge im Keller abgespielt haben, wird'niemals authentisch festgestellt werden lönnen. Nach dem Befunde müssen sich die Hinrichtungen folgendermaßen abgespielt ha- ben. Nachdem die Schergen ihre Opfer auS dem Gefangenenlokal in den Keller gebracht hatten, wurde sie offenbar zu dem hinteren Kellerloch geführt, hineingestoßen und vom Eingange auS niedergeschossen. Ein Vorgang von teuflischer Roheit! Während das erste Opfer vielleicht noch ahnungslos den Kellerwinkel betrat, wurden die weiteren einfach auf die Leichen der schon hingeschlachteten draufgeftoßen und dann erst niedergeknallt. Die Vorgänge können sich nicht anders abgespielt haben, denn die Hirnmassen und daS � Blut an den Wänden beweisen, daß die Unglücklichen in demselben Räume abgeschlachtet worden sind, in dem ich ihre Leichen vorfand. In dem Vorraum waren keine Spuren einer Bluttat zu finden. Jeder Zusatz zu dieser wahrheitsgetreuen Schilderung d-s Arztes würde die Wirkung seines Berichtes schwächen. Tast öer Vertreter Wilsons auf der ßrieSenskonferenz. Genf, 31. Januar.(Telunion.) Nach einer Meldung des Lvoner»ProgreS" wird aus der Umgebung Wilsons bestätigt, daß nach der Ainerikarcis« Wilson« Taft den Vorsitz der amerikanischen Delegation aus der Friedenskonferenz übenehmen werde Nach einer anderen Meldung wird Wilson nur für 3 Wochen von Frankreich abwesend sein./ Eine deutsche LebensmitteikommWon. Berlin, 30. Januar. Zur Führung der weiteren V e r h a n d- lungen über die Lieferung vvn Lebensmitteln an Deutschland ist in Berlin eine Kommission gebildet wor- den, an der neben Vertretern beteiligter ReichSbehöcden, Finanz- und kaufmännischen Sachverständigen auch zwei Vertreter der ärztlichen Wissenschaft teilnehmen sollen. Die deutsche WaffenstillstandZkommisswn in Spaa hat die Ententevetreter ge- beten, bei der Zusammenkunst der Gegenkommission gleichfalls eine Beteiligung von Gelehrten oder Aerzten zu erreichen. iuchl ist riefer. Uiift unvernängi a> will sie üvcr die Scvätze diese Welt binauS.— nichts als den Menichen. tuedlich und gut. Meiiictiiei» ist allcS: Reichsei»,— Vornebmiein.— SonMn.— meine tieiste Verachtung werte ick aui die'e Zivccke de» Sein«. Uud ivcnn ich hungrig und elend und armiclig in der scvmiltzigstcir Hüne verkomme und mcki» habe als meine reicve, starke, qule Seele nnd die« herrliche Wisse» von einer bcsseien W>lt. von einrrn tieieien Glück, vo» einem eihadeuere» Geist, al» da» Geld, Glück und der GeichäflSgem sind, dann bm ich immer nach reicher als der, der golden« Beige bänft. Ganz aiiaeieS gilt eS zu verwirklichen.— Aber viele siird schwach und fallen.. Han« Joachim ging an diesem Abend noch ins Tbeaier. Ein kalt wollüstige« Gefübl durchja!le ibn. al» er ieine» Arm auf weichen Samt legte. Aber er verachieie sich ob die>ks GeiühU. Er gab sich ganz den Vorgängen aui der Bübne bin. Eine Frau'ckrie ekstatuch nach der Befteumg eine« Unschuldigen. Sr war blngerisse». Aber fie fiel, al« sie«die Tat vollbracht, in da« jämmerliche Bürgerlrben zurück U»d ivord»ach rin- erhörter Erhöbung wieder die Gallin eines siinpleii BüiceiS, der keinen Finger gerüdrt baite zur Befre'uug deS Ui.schuldigeu und die große Tat seiner Frau nicht beariff. In HanS Joachim lämp'te Enttäuschung und Verachtung. Ibm gegenüber iaß eine Dame, die alle Anive'enteii durch ihr AlaS beobachielr. Er bälle sie schlagen können, io erregt wor cr. Und nach diesem Ende de« Stücke? wnckS leine Erregung m» Maßlose. Er lauerte d'eier Dame am Ausgang aui. In iciiirr Hand zerknüllte er einen nagelneuen Fünszigmarkschein zn einer kleinen Kugel. Und als die vornehme Bürgerin, in Seide und schleppendem Abrndmantel, aus die Siraße trat, hoben sich plötzlich vor ihieir Augen zwei geballte Fäuste auf»nd jemand schleuderte envaS PapierncZ in ihr Gesicht. Sie kreischie lei>e aus. Ein höhnische« Gelächter klang noch an ihr zartes Obr. Han» Joachim schritt durch die Menscheilmassen, ausgereckt und wie befreit. Nöthen. — Kunst. Die Berliner Sezession dereitet eine Kollektiv- Ausstellung des soeben verstorbenen Malers Hugo Krahn vor. — Theater. Im Lessing. Theater weröen al« nächste Erstaufführungen Anton WildgauS' Tragödie»vlei. iras' und Julius Meier-GräfeS Komödie»Heinrich der Beglücker' in Szene gehetr. — Vorträge. Prof. OSear Bie Iriri) fünf mufikal-wissen. schaftliche Vorträge über Mozart, Beethoven, Strauß. Möhler. Debussy Sonntag nachmittag im Klindworth-Schar.venka�saal halten. — E r m e t« N ov« l l i, der größte italienische Schauspider der Gegenwart, ist in Neapel gestorben. Er rereinigte mit den zündenden Kräften und der packenden Wucht die Fähigkeit zur deli- katesten Kleinmalerei in sich. Er repräsentier« würd'a die große Tradition der italienischen Bühne. Auch m Berlin h.tt Novelli gastiert. Versammlung der H.- u.S.-Rätc GroB-ßcrUns. I mgrohen Saale der Philharmonie trat heute dormittag die Vollversammlung der Grotz- Berliner Arbeiter» und Soldatenräte sowie der kommunalen Arbeiter- und Soldatenräte der Gemeinden Groh-Berlins zusammen. Tie Versammlung wurde um lO Uhr eröffnet. Richard Müller teilte mit, dafj der Rat der Volksbeauf- t ragten die Einladung, in dieser Versammlung Bericht zu erstatten über die Vorgänge der letzten Wochen, mit Bedauern abgelehnt hat. da er nur dem Zen- tralrat verantwortlich sei.(Zustimmung und Wider- spruch.) Müller verlas das hierauf bezügliche, im„Vorwärts" be- reit§ veröffentlichte Schreiben des Rais der Volksbeauftragten an den VolllzugSrat. Der erste Punkt der Tagesordnung lautet: Räteshstem— Nationalversammlung— Verfassungsentwurf. Der Referent Max Cohen(Reuhl führte auS: Ich erwarte, dag diese Versammlung mit der Ruhe, die der Würde der deutschen Arbeiter entspricht, diese Frage erörtern wird.— Der Rätekongretz hat beschlossen, das; die Rationalversammlung, aber nicht der Rätekongretz über die Zukunft Deutsch. landSzu entscheidenhat. DieseFrage ist erledigt und mun erledigt bleiben.(Sehr richt'g.) Damit ist aber das Rätesystem nicht beseitigt. Nur die p o l i- tische Tätigkeit desselben ist zu Ende. Sie ist auf die Nationalversammlung übergegangen. Die Arbeiterräte müssen selbstverständlich ibren Platz im deutschen Wirt- schaftssystem behalten, aber es wird ein anderer sein als bisher. Rein praktisch ist eS ja auch unmöalich, datz die Arbeiterräte politisch an der Stelle stehen bleiben können, wo sie zum Teil noch stehen. "Ve neue bemekratl �che Verfassung der Geme-'nden bringt es mit üch. hast auf diese SelbstverwaltungStörperschaften ein grosser Teil d�r bikher von den Arbeiterräten erfüllten Aufgaben übergeht. ist selbstverständlich, datz bei einer allgemeinen demokra- fische» Entw'ckelnng reaktionäre Beamte verschwinden und durch �"ihestliche ersetzt werden. Aber das gebt nicht im Handumdrehen. Mit Gewalt kann man es nicht machen.(Ludendorff.) Auch Ludendorff kann es nicht. lRoSke.) Wenn man Noske vor- wirft, datz er Gewalt angewandt hat, dann mutz man doch fragen, ob er der Angreifer war.(Starker Beifall und Widerspruch.) Gr war der Angegriffene und hat ahaivehrt. Ich frage: Wenn S-e anaegrissen werden... lUnruhel. ist es da nicht möglich, datz in der Abwehr zu weit gelrn?— Ich komme wieder zu meinem Tbmna. In dm polst'schea Körverschaften werden sa oieselhea Versonen gewählt werden, die fetzt in den Ardeiterräten sitzen. Sie w-rden also hier die politischen Anfacben. die bisher den Ar- beiterräten vblcmen, an anderer Stelle erfüllen. Gfne grosse Vebeutnng werden die Arbeiterrist« in den Betrieben zu erfülle« haben in Verbindung mit den Gewerkschaften. (llnrube.) Sie werden sagen wollen, die Gewenkschaftcn sind re- aiiionär. Es ist doch Ibre Sache, die Gewerkschaften in Ihrem Sinne um»ugestalten Sie wollen den Kamps mit einer Welt aus- weh'nen urd trauen sich nicht einmal die Kraft zu, in den Gclnerk- aschrten mit dem aufzuräumen, was Sie den erastionären Geist nennen? Ich meine, auf wirtschakisichem Gebiet haben die Ar- bitorräte eine protze Aufgabe zu erfüllen. Ich denke an die Errichtung von Produzentrnkammer«, in denen alle an der Produktion beteiligten Kreise vertreten sind. Sie würden durch sachkundige Regelung der Produktion unser Wirtschaftsleben wieder in Gana bringen. Aber auch ietzt müssen die Arbeiter ihre gang? Kraft dafür einsehen, datz die Wirtschaft wieder in geordnete Bahnen kommt.(Sehr richtig!) Produziere« und w'eder vroduzieren. da? ist jetzt das erste Gebot i« Deutschland. Ich gebe nicht den Arbeitern allein d-ie Schuld an den gegen- wärtigen Zuständen. Ich weitz, datz eS auch an den Unternehmern liegt, welche aus Furcht vor der Sozialisierung die Produktion bin- dern. Gegen solche Unternehmer mutz mit aller Entschiedenheit vorgegangen werden.(Zustimmung.) Wenn wir die Produktion nicht heben, dann sind wir in Deutschland erledigt. lSehr richtial) Es ist unmöglich, datz jeder auf seiner Forderung besteht. Wir müssen zu einem Komvromitz kommen.— D i e Arbeiterrätej müssen uns helfen, datz die Arbeits unlust, die jetzt herrscht und eine große Gefahr ist, wieder schwindet. ES kann keiner streiten, datz eS einen protzen Teil d5r Arbeiter gibt, der nicht arbeiten will.(Widerspruch.) Die bohe Arbeitslosenunterstützung reizt diele, nicht zu arbeiten.(Große Un- ruhe.) Ick' bin nicht dazu da. um Ihnen nur Dinge zu sagen, die Ihnen passen.(Starker Beifall.) Vorsitzender Neue: Es ist ein unwürdiges Schauspiel, datz man eine abweichende Meinung»icht hören will.(Lebhafter Beifall.) Cohen fuhr fort: In Produktionszweigen, die unbedingt ar- besten müssen, besteht Arbeitermangel. So ist es in den Stickstoff- werken, in den Kalibergwcrke«, in den Kohlengrube«. In der Land- Wirtschaft lieat noch viel Getreide ungedroschcn in den Scheuern, weil es an Arbeitskräfte« zum Dresche« fehlt. Unsere Arbeiter müssen aufs Land, auch wenn die Wohngelegenheit im Augenblick noch mangelhaft ist. Das wird ja aber ausgeglichen durch bessere Versorgung mit Nahrung.(Erst sollen die Kriegsgewinnler aufs Land!) Natürlich soll der Arbeitszwang auch auf die Angehöigen der Bourgeoisie ausgedehnt werden.— Wir müssen wieder zu dem Stolz zurückkehren, der lieber arbeitet, als die Arbeitslosenunterstützung nimmt.— Die Arbeiterräte müssen unS helfen, den Arbeitern beizubringen, datz ihnen die hohen Löhne jetzt nichts helfen, sondern ein reiner Selbst- betrug sind Wenn wir nicht mit Produktion bezahlen können, be- kommen wir keine Lebensmittel vom Ausland. Wir sind in die Weltproduttion verflochten, können also unsere Wirtschaft nicht nach Belieben einrichten, sondern müssen die Gesetze der Weltproduktion beachten. Jetzt werden an ungelernte Arbeiter so hohe Löhne gezahlt, datz der Anreiz fehlt, einen Beruf zu erlernen, und uns die ge- lernten Arbeiter in der Produktion fehlem Auch hier müssen uns die Arbeiterräte helfen, die Dinge wieder in die rechten Wege zu leiten. Tie Soldatenräte müssen, solange der auf sie bezügliche Gesetz- entwurf da ist, ihn respektieren.(Widerspruch.) Es geht doch nicht, datz jeder nur die Gesetze anerkennt, die ihm passen. Das wäre unverantwortlich.(Lebhafter Beifall.) Die Demokratie erfordert, daß die von den cingesevten Instanzen erlassenen Gesetze anerkannt und befolgt werden. Es soll ja über den erwähnten Gesetzentwurs mit den Beteiligten verhandelt werden. Bis dahin muß es aber respektiert werden. Ich komme jetzt zu meinen Ausführungen über die Nationalversammlung. Im alten Deutschland hatte Preuhen das Uebergewicht. DaZ bleibt auch bestehen, nachdem der Einfluß des Junkertums beseitigt ist. Deshalb wird von der rechten Seit« ein Entwurf eingebracht, den man als eine Zerschlagung Preußens bezeichnet. Ich halte diese Bezeichnung für falsch. Nicht um eine Zerschlagung Preußens handelt es sich, sondern«m eine Anpassung Preußens an das neue Deutschland. Man hat in dem Notentwurf der Nationalversamm- lung das Recht abgesprochen, selbständig über die Gestaltung Deutschlands ohne Zustimmung der Einzelstaaten zu entscheiden. Das halte ich für falsch. Tie Nationalversammlung mutz das Recht haben. Deutschland aufzuteilen, wie eS den gegenwärtigen Ber- hältnissen entspricht. Wir brauchen ein einheitliches Teutschland und dürfen die partikularistischen Strömungen nicht begünstigen. Ein Staatenhans, wie eS im Entwurf vorgesehen ist brauchen wir nicht. Aber ich bin dafür, datz wir außer ber Volkskammer noch eine Rammer bekommen, welche den Beschlüssen der Volkskammer gegen- über ein aufschiebendes Vetorecht hat. Ein Zweikammerftzstem ist an sich mit der Demokratie vereinbar. Ich meine, die Arbeiterschaft mutz sich für ein einheitliches Teutschland aussprechen und alle par- tikularistischen, die iNnheit störenden Bestrebungen zurückweisen.— Hoffentlich kommen wir auch bald wieder zu der Einheitlichkeit und Geschlossenheit der deutschen Arbeiterschaft.(Beifall.) Zu einer Einigung können wir aber nur kommen, wenn auf beiden Seiten nachgegeben wird. Verschiedenheiten werden allerdings in der ge- einigten Sozialdemokratie vorhanden sein, wie es immer der Fall ist. lLebbafter Beifall.) Tänmig(Korrekerent) führte auS: Es handelt sich um Sein oder Nichtsein der Arbeiter- und Soldatenräte. ES fragt sich, ob wir die Revolution sckwn liouidieren sollen, ob sie ihre Aufgaben schon erfüllt hat. Hinter der OrgnnisatiouSform der Arbeite- und Toss atenrärr steht das Problem der Sozialisierung Deutsch- lands. Man mutz sich an den Gedanken gewöhnen, datz wir nickt mit den alten Mitteln der Demokratie weiter kommen, sondern daß es neuer Kräfte zum Aufbau des neuen DcuiscklandS bedarf. TaS sind die proletarischen, in den Arbeiter- und Soldatenräten organisierten proletarischen Krätte. Sie sind die Träger der Re- volution. Ietzt soll ibnen das Grab geschaufelt werden. Die heu- tige Regierung und ibre am Ruber stcbenden Freunde verdanken ja ihre Stellung den Arbeiter- und Soldatenräten, nun wollen sie ihnen den Strick um den Hals legen. So weit sind wir heut noch nickt mit der Revolution, daß die Arbeiter- und Soldatenräte be- seitigt werden können. Das einzig Reale, was wir erreicht baben, ist, daß wir keine Dynastie mehr haben. Aber ihre Anhänger wittern bereit? Morgenluft, und sie regen sich allerorten. lWider- sprbch.) Das sind die Kräfte der Gegenrevolution.(Die Ihr fördrt.) Ach, darüber läßt sich viel reden, wer die Gegenrevolution fördert. Wir erlassen keine Schietzerlasse.(Lebhafte Unruhe.) Das alte Heer ist zusammengebrochen, aber den Militarismus haben wir noch nicht überwunden. Anstatt ein neue? System auf- zubauen, hat die Regierung zu dem korruptesten Mllitärfystcm gegriffen.(Widerspruch.) Darin liegt eine Gefabr. Wir haben ja gesehen, was für ein Geist in den nenangeworbenen Truppen steckt. D'e Offiziere werden mit diesen ihnen in die Hand ge- gcbenen Mifteln ihre Absichten durchsetzen. Wo kommen die Mittel für die Freikorps her? Von Kräften, die im Dunkeln wirken.— Die Soldaten hatten sich ihre Soldatenräte geschaffen. Ueber ihre Stellung und Aulgaben hat der Rätekongretz einen Be» schlutz gefatzt. Dem widerspricht die von Eohen hser verteidigte Verordnung über die Kommandogewalt. Wo bleibt denn da die Achtung vor den Beschlüssen der rechtmäßig eingeletzten Instanzen. Wenn die Soldatcnräte verschwinden, wird der alte militaristische Geist, der Ve Offiziere beherrscht, wieder aufleben. Tie Arbeiter- und Solbatcnräte brauchen wir noch lange, um die kapitasistifchc Räuberburg einznnebmrn. Ohne politische Be- tätigung können die Arbeiter- und Soldatenräte in revolutionären Zelten nicht leben. Die Versammlung nahm schließlich den folgenden Antrag an: „Die am 31. Januar lülll in der Philharmonie tagende Voll- Versammlung der Arbeiter- und Soldatenräte Groß-BerlinS, sowie der kommunalen Arbeiter- und Soldatenräte der Groß-Berliner Gemeinden fordert den Zentralrat ber Arbeiter- nnd Soldatenräte Deutschlands anf, so schnell als möglich, mindesten? aber im Laufe drS MonatS Februar einen Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte ganz Deutschlands einzuberufen, der zur Rationalversammlung und zu dem Entwurf der neuen Verfassung Stellung zu nehmen und über da? weitere Wirken und die staatS- rechtliche Stellung der Arbeiter- und Soldatenräte zu rnt- scheiden hat." (Bei Schlutz deS Blatte» sind die Verhandlungen noch nicht beendet.) Die»deutsche Taoeszeitung" als nationaler Schäüling. Die politische Dreistigkeit des ReventloworganS, die Deutschland im Kriege unermeßlich geschädigt hat. hat durch die Revolution keine Dämpfung erfahren. WTB. verbreitet folgende Meldung: Berlin. 30. Januar.„Morning Post" schreibt zu den Geburtstagswnnschen der„Deutschen Tageszeitung" für den deutschen Kaiser: Wir haben wiederholt eingewandt, datz kein Zeichen irgend einer Aenderung in Deutschland, außer dem Rahmen und der Form zu seben ist, und daß der deutsche Geist sich noch immer nach alledem sehnt. waS der Kaiser repräsentiert. Jetzt wissen wir eS sicher: die Staatsmänner, die sich anschicken, Deutschland in den Völkerbund aufzunehmen, werden gut tun, die Erklärung„wir halten f e st zu den Hohenzollern" in Betracht zu zieben. Wenn Wilson noch eines Beweise? bedarf, dann hat er ihn hier. Man lasse den Kaiser zu seinen eigenen Leuten zurückkehren, damit dort da? Urteil über ihn gefällt wird. Nach der Art, wie diese Aufgabe durchgeführt wird, wird die Welt ein Urteil über das>v a h r e Deutsch- land. mit dem in der Zukunft zu rechnen ist. fällen können. Wir werden dann wissen, ob die„Tageszeitung" nur im Namen der Nationalliberalen(!) oder im Namen eines größeren Publikums spricht, da» zurzeit vorgibt, seine unerschütterliche Treue dem Kaiser und Reich zu verbürgen." Hierzu wird von zuständiger Stelle erklärt: „Morning Post" sollte wirklich wissen, daß die»Deutsche Tageszeitung" noch niemals das Recht gehabt hat. irgendwelche Erklärungen oder Kundgebungen im Namen deS deutschen Volkes zu veröffentlichen. Die„Deutsche Tageszeitung" ist dasOrgan der berufS- mäßigen Kriegshetzer und Alldeutschen. Das deutsche Volk, das von jeher und gar besonders auch während deS Krieges diesen unbelehrbaren Chan- v i n i st e n seinen Widerwillen fühlbar machte, hat eS nicht nötig, sich dagegen zu verwahren, da es den Privatvergnüqungen der Herren R e- v e n t l o w und Stresemann kalt abweisend gegenniibersteht. Da aber die„Morning Post" gewiß Verstünd- ms für politische Freiheit und Prcßfreihcit im besonderen haben wird, dürfte sie zugestehen, daß es kaum ein Mittel gibt, die„Deutsche Tageszeitung" zu hindern, mit der „Times" und anderen I i n g o b l ä t t e r n im politischen Unverständnis zu konkurrieren. stürzt sich das Publikum auf die Wagen, und wenn der BeWbetz digte, der sich ja selbst nicht in diesen Tumult wagen darf, end. als Letzter den Griff des Wagens erfassen will um einzusteig dann ist der Wagen überfüllt, und der KriegÄ>eschädigte, der sei Gesundheit für die Heimgebliebenen hingab, sieht dem Wagen na Das Publikum nimmt absolut keine Rücksicht. Es passiert mir di täglich zwei- oder gar dreimal, und an vielen Haltestellen wiede holt sich dasselbe Trauerspiel mit verletzten Kameraden. Vie Kriegsverletzte sind gezwungen, ihrer Arbeitsstelle fernzubleibe: und darin liegt für sie eine große Gefahr. Wenn auch kein böst Wille des Publikums vorliegt, denn jeder ist ja froh, wenn er übe: Haupt mitkommt, so ist doch zu wünschen, datz erst die Kriegt beschädigten untergebracht werden und dann die anderen. Sollte das Publikum diese Rücksicht nicht üben, dann sollte: wenigstens die Schaffner darauf hinwirken. Gemeindebeamte. Für die Beamten, Angestellte« und Hilfsangestellten ber Ge meinden Groß-BerlinS findet Sonnabend abend ZH7 Uhr, in de Stadthalle im Stadthansc, Eingang Klostcrsiraße(am Untergrund bahnhos) eine große Sffentliche Versammlung statt. Die Entschädigungen der Arbeiterräte. Die Minister des Innern und der Finanzen haben den Staats und Gemeindebehörden Erläuterungen zu dem Erlaß der preutzi- scheu Regierung über die Zahlung der Kosten für die Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte gegeben. Danach sind nur die Kosten von den Staatsbehörden auf staatliche Fonds, bei Kommunalbehör- den auf kommunale Fonds zu übernehmen, die durch eine„ange- messen«" Entschädigung der Mitglieder der Rät« entstehen. Zu den Kosten gehören nicht nur die persönlichen, sondern auch die sächlichen Kosten. Wo es irgend angebt, wird den Räten also ein entsprechend ausgestatteter Arbeitsraum im Dienstgebäud« der Be- Hörde zur Verfügung zu stellen, auch die Benutzung deS Fernsprechers usw. zu geswitcn sein. Unter Umständen wird auch die Anfertigung von Reinschriften von Anträgen, Eingaben usw. der Räte durch die Kanzlei in Frage kommen; dagegen erscheint die Heranziehung besonderer Hilfskräfte durch die Räte zur Erledigung ihrer Arbeiten bei der Art ihrer Aufgaben in der Regsb wicht geboten. Bei Streitigkeiten über di« den staatlichen und kom- munalen Fonds zur Last fallenden anteiligen Kosten entscheidet die Aufsichtsbehörde. AIS„angemessene" persönliche Entschädigung im Sinne des Erlasse? der Regierung gilt im allgemeinen der entgan- gene Arbeitsverdienst. Hierzu tritt, besonders für Mitglieder, die nicht am Sitze der Behörde wohnen, eine angemessene Aufwands- entschädigung, ferner Ersatz der baren Auslagen, über ihre Höhe entscheidet bei Streitigkeiten abcnfalls die Aufsichtsbehörde. Es sind nur die Entschädigungen für diejenigen Mitglieder der Räte zu. übernehmen, deren Legitimation ordnungsmäßig geprüft ist. Daraus folgt, datz sowohl die Zahb der Mitglieder als auch die Personen ausgewiesen sein müssen. Da nach dem Erlaß der pveutzi- schen Regierung auf eine tunlichste Beschränkung der Zahl der Mit- alieder eines jeden Rates Bedacht genommen werden soll, soll auch dem Bestreben entgegengetreten werden, zu den Räten eine über- mätzig große Zahl von Personen hinzuzuziehen. Uniformierte Räuber. Eine bewaffnete Räuberbande ist gestern abend wieder in der Winsslratze aufgetreten. Schon vor einigen Tagen hatte sich ein unbekannier Mann mit dem Kaufmann S. aus der Win?- stcatze 43 in Verbindung gesetzt und ihm einen großen Posten Ware angeboten. Als Kaufpreis waren 70lX)a M. vereinbart worden. Ter Verkäufer zeigte sich sehr mißtrauisch und verlangte, datz er ihm erst das Geld zeige. Das tat dieser auch, und nun ging der Fremde herunter, um die Ware, die er in einem Auto- mobil mitgebracht haben wollte, heraufzuholen. Der Kaufmann schöpfte nun auch Verdacht, folgte ihm heimlich und sah, datz er in dem Kraftwagen nur ein ganz kleines Paket hatte. Frau S. hielt es deshalb für angebracht, daZ Geld zur Vorsicht einer Be- kannten zu übergeben. Als sie wieder zurückkam, fand sie die Wohnungstür verschlossen. Aus ihr Klopfen öffneten zwei Sol- datcn, die sie mit vorgehaltenem Revolver in ein Zimmer führten. Während der kurzen Zeit, in der sie die Wohnung verlassen hatten, war der angebliche Verkäufer mit zwei Matrosen und drei In- fanteristen, die sich vorher in einer Schankwirlschaft in der Nähe aufgehalten hatten, erschienen, um eine Durchsuchung der Wohnung vorzunehmen. Sie öffneten sämtliche Behälter, durchsuchten die Betten und die Taschen der Anwesenden, aber sie fanden nicht die 70 000 M. Als sie schlietzlich sahen, datz all ihr Suchen vergeblich sei,„begnügten" sie sich mit einer Briestasche deS Kaufmanns S., die noch 1S00 M. enthielt, einem Ulster eines Bekannten im Werte von 800 M. und 260 M., die sie einem anwesenden Verwandten, einem Sicherheitssoldaten, abnahmen. Von diesem ließen sich die Räuber unter Vorhaltung ihrer Waffen die beiden Ausweise geben und die Pistole. Nachdem dann einer nach dem andern heimlich verschwunden war, deckte der letzte den Rückzug der Bande durch Vorhalten seine? Revolvers. Bisher hat man von ihnen noch keine Spur gesunden. Reichere Beute machten zwei Bewaffnete gestern abend m Potsdam. Dort erschienen bei der Ehefrau de? Rentners Schwarze in der Karlstr. 8 zwei Soldaten und forderten die allein anwesende Frau unter Drohungen mit ihren Pistolen zur Hergäbe ihres ganzen Geldes auf. Die Gcängftiqte lieh sich auch bewegen, LI 000 Mark in Wertpapieren und 2000 M. bares Geld herzugeben. Beide Räuber trugen Stahlhelme und Ursteroffizicrabzeichcn, der eine auch Achselstücke ein�s Offizierstellvertreters. Der eine war 1,80 Meter grotz und hatte einen dunkelblonden Schnurrbart, der andere war fast ebenso grotz und hatte einen hellblonden Schnurrbart. Im Streit erstochen. In dem Lokal von Swoboda in der Oranienstr. 130 gerieten in der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr Kartenspieler in einen heftigen Streit, in dessen Verlauf ein noch unbekannter Mann den 31 Jahre alten Kellner Moritz Richter aus der Oranienstr. 44 durch Messerstiche so schwer verletzte, datz er schon auf dem Wege nach der Hilfswache in der Adalbertstr. 10 verstarb. Der Täter ist nur unter dem Namen„Männe" bekannt. Er ist untersetzt, hat blondes Haar, einen englisch gestutzten Schnurrbart und trug einen schwarzen Ulster. In der allgemeinen Verwirrung über den fürchterlichen Ausgang des Streites, hatte er es verstanden, die Flucht zu ergreifen. GroMerün Kriegsbeschädigte und Vertehrsnot. Von einem Kriegsbeschädigten wird uns geschrieben: Ich bin am Bein schwer kriegSverletzt und mutz jeden Tag von neuem die Härten, die sich infolge der Verletzung bemerkbar machen, fühlen. Di« Straßenbahnen, welche infolge Einstellung deS Stadtbahn. Verkehrs überfüllt sind, haben längst aufgehört, Transportmittel Die Liibtspiek« Reue Vbllbarmonie. Köpenick«? Straß« 96/97, brinaen vom 81. Januar ab da« große Filmwelk:„Der TodeSsPiang", in drr Hauptrolle Fern Andra. Ferner als Zwesten Schlager:»Die Eist- Plombe". Daurnhirn- Palast. Freitag llrauffllbrnng deS Films.Staatsanwalt Jordan" von Hans Land. Dann solgt ein dreialtigeS Lustspiel.Fräulein Piccolo". Bezirk«harlottendnrg drö RckchSbundeS der Kriegsbeschädigten und cbcmaligcn KriegSIeilnclimer. Somilag im Volkshaus Charloltenburg, Rosinenstr. 4: Ve r i a m m l u n g. TagrSorbnnng:„Die Verhandlungen mit dem Magistrat Ehailoitcnburg betresss Kriegsbeschädialensürsorae." Auch Nichtmitglieder find willkommen. Groft-Berliner Lebensmittel. BZeihenfre. Auf die Abschnitt« SO 600 Gramm Marmelade. 91 250 Gramm, 92 250 Gramm. 93 250 Gramm, 91 250 Gramm. Die En! nähme muß beule oder morgen in dem Geschäft erfolgen, in dem der Inhaber der allgemeinen LebenSmistelkarte sich zum Bezüge von Nährmittew und Brot- ausstrich angemeldet bat. Spandau. Mstchiüßspelse auf di« Mitlelsliicke der Dezember-MIkchkarte und nui Bezugscheine ist von heule bi» DienSlag in den ftädlischeo Ber- aufsstellen zu beziehen. verantwortl»!» für vollttk: Srtch ltneNlcr, Berlin: für den übrigen Teil des orr-eqr- n-u., u...»st ausgegnrr.»ran�rujm»«, BerUn�Tru""?"� für bemverlstzt« Krieger zu fem. In geradezu unmenschlicher Weise i verlagSanstast Paul Singer u. To. In Beiltg. Ltndeiiluahe a. EsWechtskrmire MYtonMn nn sig?!!?n Sntcrcife. um sich not mhiöerccrtiscn Hk!werfa!)rm fu fchii�eu, meine ouflliirenticn Br»schllren Uder ©cfchle:f;Uitanij«uca(iTtipscr, tor.ülpc Hurnleiden, Eyphiii«, Vlutnntersuchulllieu usw.), uiriungovolle und wcrwsllc' siel!- r>-rs->i>r»n in nerschiossc-lc-u Kuvert, Preis I M.,(eiidrvärtz l.öa.'U; cdcufo In c;n Sprcchstuudc» erhältlich. 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