Ur 64 Jakrq. BezugSvreist «.7S Ml. monaU 2263«. Kellas HcmS ootous wfi bai gtnüflne IRummftit 10 lstetmia. Polibeiilg? MoaoOlch i26 Sil.«II SuftcautiqS. gebilbt. Uniei«reu-band tut Teulsch- ;and u. Oesterreich- Ungarn i.BC M!. {fix daS üdr-ae Ausland«.so Sit. bei lfialich e-nmaliqe,.-iuuellun« 7.bv Ml. Postde-ieuunaen nebmen ,n Düne- mar. valland Luremdura. Schwede« llnd die Schwer, iFuigetxaqen in die Oo'l. rilunas-rrelelisle. Set.Sornkitts" ericheim wocheniögftch tweimal.-o�inlaq. emmin. releaiamni-SsieA«: .G«e>»ldem»teai Verlt»� Abend-Ansgabe. G. Verlinev Nolkc�blatt. (lOPfennis) SinzeiaenvreiS: Tie achtgcfsalitne 7lo>ivareiNe,eiIe »a-tei 30 fisq..ülciiit Jinteiflcn", das-etiaedruche tZarr 40 Piz ,u>älsiq 2-etlqedruckle Warle), ,«Sec weuere Dar: 20-Lsg. Srellenquiich« und kchlasslellenan, eigen das erüe Worx Z0 Sig.. ied-s weuer» Ssri!b«ig. Warle über 15 Luchuaben räble-»fix jwei Wortc. Teuerungs,»ichlag 7a° � Familien-Anzeigen, volittichc und gewerNchaitliche fierems- An,elge« SO big. die rfeilt. Anzeigen lfir die nächste Rümmer müiien bis �.lbr nachmittags UN vautttge'chSft Sellin KS.»«, üindeiiilrax« d. aoiegebe« werden. Gcofinei an S Uhr stfih bis « ithr eben»«,, �entralorgan äer fosialäemokratifcken Partei VeutscklanÄs. Reüakttou unü Expeöitioa: EW. öS, Llnöeastr. Z. itzernivrech«?:«ml Mortnpla«. Rr.».>»!>0—»5t V7. Dienstag, den 4. Februar 1919. vorwarts-verlag G.m.b. h., EW. öS, Ltnüenstr.Z. Fernsprecher: Amt Morttzplntz, Sir. l17SS— S4. um Kremen. Die Bremer Radikalen scheinen zum Aeutzersten enl- schlsssen zu sein, um die von ihnen zeitlebens geforderte De- mokratie zu vergewaltigen. Es ist klar, daß die Entwicklung in den Hafenstädten der Reichsleitung nicht gleichgültig sein kann. Dort liegen unsere Tore zur Welt. Wenn die uns verriegelt werden sollen, wenn der Verkehr durch sie— die Lebensmittel- und Rohstoffversorgung Deutschlands erschwert oder der Unsicherheit unterworfen werden, dann hört Bremen oder Bremerhaven oder Hamburg auf. lediglich lokale De- deutung zu haben. Tann werden die Interessen des ganzen Volkes verletzt und die RcichSgewalt hat sie vor Schaden zu bewahren. Wie die Wahlen zur Nationalversammlung gezeigt haben, bilden die jetzigen Gewalthaber von Bremen eine löcher- liche Minderheit— selbst innerhalb der Arbeiterschaft. Sie wollen aber gegen die Mehrheit der Arbeiterschaft und gegen die Gesamtheit der Einwohner ihr Regiment mit Waffengewalt aufrechterhalten und sie rufen zum offenen Krieg auf. weil d'e Regierung übernimmt, die Interessen der Massen gegenüber ihrer Diktatur zu schützen. So weit find diele ehemaligen Sozialdemokraten verkommen. Sie zeigen heute der Welt, daß sie nie das Wesen der Sozialdemo- kratie verstanden hoben und daß ihre Gesinnung genau die des berüchtigten Herrn von Oldenburg-Januschau ist: Tie Masse ioll einer Handvoll Herren gehorchen, sie soll sich unter die Peitsche ducken. Der Einmarsch begonnen. Die Abmachungen, die mit den Vertretern Bremen» in der Sonutagnacht geschlossen worden sind, sind von den Bremer Sckartakistcn nicht angenommen worden. Die Re- gierung ist entschlossen, die Entwaffnung durchzuführen. Taraus ergibt sich der A w a n g z u m Einmarsch, der heute vormittag 9 Uhr begönnet, hat. Die Reichs- regierung bofst, daß ihre Absichten keine nennens- werten Widerstände finden werden. Kämpfe im Hange. Der Kamps um Bremen ist im Gange. Wie von der Kommandantnr mitgeteilt wird» sind die Truppen de? Divi- sion Gerstcnberg von allen Seiten im Anmarsch und auf allen Abschnitten der Front finden Gefechte statt. Lebhaftes Ma- schincngewchrfcucr wird aus der Gegend von Horn gehört. Wir stark die Hamburger Hilfstruppen sind, ist noch nicht bekannt. In der Nacht wurden von der Arbeiterschaft weitere umfangreiche Vcrteidigungsmaßnahmcn getroffen. So wur- den auch einige Geschütze an die„Front" geschafft. Zahlreiche Sanitätswagen begaben sich heute früh in die KampfUnie. Wie ans Verden mitgeteilt wird, sind von Berlin aus eine weitere Brigade Landesschützen und starke Mincnwcrfer- truppen zur Unterstützung der Division Gcrstenberg abge-- gangen. Seit 10 Uhr sind die Kämpfe der RrgierungStruppen mit der Bremer Arbeiterschaft im Gange. Mau hört starkes Ar- tillerriefener namentlich von der Südlront von der Gegend ans Verden zu. Dort scheint der Hauptstoß geführt zu werden. Zuzug auS Bremerbave«. Bremerhaven, 4. Februar.(T. U.) Heute nacht 1 Uhr wurde hier eine auf seit-en der Bremer Spartakisten teil- nehmende Freiwilligen-Expedition in Stärke von etwa 2000 Mann alarmiert und im Extrazug nach Bremen befördert. Torpedoboote sollen heute vor- mittag nachfolgen.__ Einigung zwistben Polen und Tsthechen. Versorgung der Polen mit Waffen und Munition. Paris, 4 stebruar. fHava«.) Zwisck>en den Polen und Tschcchollowaken ist-in vorläufiger Vertrag, der sich auf da? Fürstentum Teschen begicht, geschlossen worden. Er be« stimmt die Grenzen der Gebiete, die jede? Land besetzen wird. Eine Kontrollkommission wird ihren Sitz in Teschen nehmen, um Streiiigkeiten zwischen Polen und Tschechen zu ver- hindern. Sie wird eine Untersuchung vorbereiten, welche nach der Konferenz erfolgen soll, um die endgültigen Grenzen der strittigen Zone festzusetzen. Die Tschechen werden die Bersor- >ut*s der Polen mit Waffe« und Muuitio» erleichtern und die pol» Nischen Gefangenen in Freiheit setzen. ; die Internationale in Sern. Die Vorarbeiten für die Internationale Sozialisten- ! Konferenz sind beendet. Sie sind von einem starken Geiste der 1 Versöhnlichkeit getragen gewesen. Die Delegierten haben vermocht, all das Schmerzhafte, das in den letzten Jahren an ihren Völkern vorbeigegangen ist, all die. Erregung der Kriegsjahre und die Verbitterung, die fast täglich an sie heranstreifte, zurückzustellen. Das große Werk der Neu- a-ufrichtung der alten Kraft der Internationale verlangt, daß der Blick straff vorwärts gerichtet wird auf die Ziele, die die internationalen gemeinsamen Interessen der Arbeiter auf der Friedenskonferenz und darüber hinaus für später er- reichen müssen. Nur 14 Tage standen zur Vorbereltung des ganzen Frogenkoinplexes. dessen Kern die Liquidierung des Krieges im Sinne eines dauernden, gerechten, internationale Freund- schaft vorbereitenden Friedens ist, zur Verfügung. Der Geist, von dem d'e Vorbesprechungen getragen waren, läßt hoffen, daß auch bei der Erörterung der schwierigen Fragen— der Schuldfrage z. B.— vor der Hauptkonferenz, die ehrliche Sachlichkeit, der gute Wille einer dauernden Verständigung die einzige Triebkraft fem werden. Bern, 3. Februar. Der Internationale Sozia- listenkongreh wurde heut« nachmittag unter zahlreicher Be» teiligung«rSffnet. Erschienen find SO Delegierte auS 21 Ländern: Teutschland, Elsaß-Lothringen, Deutsch-Oesterreich, Frankreich, England, Schweden, Dänemark. Finnland, Böhmen, Rußland, Geor- gien, Griechenland, Ungarn, Rumänien. Livland, Estland, Polen. Bulgarien usw. Erwartet werden noch die Vertreter von 17 Staa- wn, darunter Spanien, Serbien uns Japan. Belgien und die Ver- einigten Staaten verhalten sich weiterhin ablehnend. Henderson schilderte in seiner Eröffnungsansprache die Schwierigkeiten, die einer internationalen Konferenz bei Kriegs- ausbruch entgegenstanden, und betonte, daß die jetzige Konferenz auf die Friedensverhandlungen einwirken werden und den In- teressen der Arbeiterschaft dienen solle. Zur Einberufung hätten nur 14 Ta« zur Verfügung gestanden, worauf die Kritik Rücksicht nehmen müßte. Auf Vorschlag von Henderson wurde B r a n t i n g zum Präsidenten der Konferenz gewählt, während auf Vorschlag von HuhSmanS der Holländer W i b a u t und der Argentinier I u st o zu Vizepräsidenten gewählt wurden. Als Vertreter der Zentralmächte wurde der Deuifchösterrcicher S« i tz und als Ver- treter der Entente Henderson zu Vorsitzenden ernannt. B r a n t i n g nahm die Wahl zum Präsiocntcn als Beweis der Anerkennung für die von neutraler Seite, besonders von Schweden, während des Krieges unternommenen Schritte zugunsten der Internationale an. Er verbreitete sich sodann über die poli» tische Lag« und über die Aufgaben der Konferenz. B r a n t i n g führte in seiner Rede u. a. folgendes aus: Der Krieg, der die Welt verheert hat, war nur möglich innerhalb einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung, welche immer bestrebt war, die Internationale abzuschaffen. Tie Versuche, welch« bis zum letzten Moment gemacht wurden, die Internationale zum gemein- samen Widerstand gegen den Krieg zu vereinigen, sind vollständig gescheitert. Es mutz jetzt an uns die Reihe fein, mit Bestimmtheit gegen de» Annexionismus, von welcher Seite er auch kommen mag. aufzutreten, im Namen der gesamten sozialistischen Demokraten in Europa und einstimmig Friedenbedingungen zu fordern für die neuen Republiken, welltse auS den Ruinen der alten Kaiserreiche entstanden sind. Schon die Londoner Konferenz der Ententesoziallsten im Februar 1215 ha! betont, daß der Krieg nur gegen die deutsche Regierung und nichg gegen das deutsche Volk geführt werde. Es wäre unfair, wenn jetzt die Arbeiterklasse wegen der von ihr begangenen Verbrechen ganz verbluten müßte, und es wäre mit der Zivilisation urwerein- bar. wenn die Arbeiterklasse sogar zu schwerer Arbeit verurteilt würde. Für den Sieger ebensowohl wie für den Besiegten muß alz einzige dauerhafte Grundlage gelten dos Selbstbestimmungsrecht der Rationen. Wilson hat eS unternommen, mit leinen 14 Punkten inmitten der Staatsmänner und Politiker der kapitalistischen Welt gewisser- maßen ein« Revolution herbeizuführen und hat statt deS Rechts des Einzelnen einfach da? Recht der aller proklamiert. Wie Paris jetzt zum Sammelpunkt der herrschenden Klassen geworden ist. so kann auch Bern als Sammelpunkt der Arbeiterklassen Geltung be- kommen. Bern muß die Kontrollftation der Arbeiterklasse werden, um einer möglichen Verfälschung des Wilsonschen Pro- grammS entgegenzuarbeiten. Hier in Bern werden wir auch unser Programm für den Vö l k« r b u n d aufstellen. (Fortsetzung S. Seite.) Arbeitslosenunterstützung. Allgemeines. Diese Tage gehen schwanger mit einer Neuregelung der Arbeitslosenunterstützung. Man raunt und flüstert allerlei dummes Zeug herum und beunruh' gt durch aufregende Ge- rüchte die Arbeiterschaft, die von der Arbeitslosigkeit betreffen worden ist. Sicherlich ist von diesen Gerüchten ein gut Teil agitatorische Erfindung. An dem ganzen Schwall dieser Redereien ist dabei doch nur soviel wahr, daß man sich bei uns über die Arbeitsnot an amtlichen Stellen noch sehr viel Kopfzerbrechen macht. Diese Gerüchte lassen es aber angemessen erscheinen, über die Frage der Erwerbslosenunter- stützung einiges Grundsätzliches zu sagen: Arbeitslosenfrage und Arbcitsnot sind die beiden großen Worte, die am Eingänge zur Zukunft Deutschlands stehen. Von der Art ihrer Behandlung, von der Lösung dieses Pro- blemS, daS sie darstellen, hängt für unsere Wirtschaft und für das Leben unseres Volkes ungeheuer viel— hängt alles ab. Wir haben zweierlei zu tun: Neue Werte müssen ge- schaffen, um aus unserer Anuut herauszukommen und Sicherheiten müssen wir für die Existenz jedes einzelnen gewähren. Die Arbeitslosen sind wieder ge- regelter, nützlicher Arbeit zuzuführen, um unsere Produktion mit ihrer Kraft auf allen Gebieten zu heben. Soweit das nicht möglich ist, muß ihnen, auch ohne daß sie eine Beschäfti- gung ausüben, genügender Lebensunterhalt gegeben werden. In der großen Familie des Volkes haben alle für die Lebensmöglichkeit aller einzustehen. Es haben aber auch alle, die dazu fähig sind, für das Leben aller zu arbeiten. Wer fähig ist zu arbeiten und wem Arbe't nackgewiesen wer- den kann, der mnß arbeiten, wenn er essen will. Wer ober nicht arbeiten kann, wer krank oder wer zu schwach ist oder wem es nicht gelingt, Arbeit zu finden, der hat ebenso ein Anrecht auf Lebensunterhalt, wie alle übrigen. Alle Verhältnisse im Staate beruhen auf Gegenseitig- keit. Die Gesamheit vermag nichts zu geben, wenn nicht die Summe der einzelnen für die Gesamtheit schafft. Gesamt- ho't ohne Solidarität ist nichts als ein wüster Menschenhaufen. Die Leistungen des Staates hängen immer mit den Leistun- gen der einzelnen zusammen. Je größer deren Leistungen, desto höher steigt der Wohlstand des Staates, und je ge- festigter dieser Wohlstand ist. desto größer werden die Vor- teile sein, d'e jeder einzelne daraus ziehen kann. Grundsätzlich muß Produktionsleistung des einzelnen gefordert werden, damit der Staat in der Lage ist, die Gegenleistungen, den gerechten Ausgleich, in genügendem Umfange zu gewähren. Die Geldunterstützung der Arbe'tslosen soll das letzte Hilfsmittel sein, sie soll aber nicht, wie es in diesen Tagen, mitverschuldet durch un- genügende Vorbereitungen von Arbeitsgelegenheiten ge- worden ist, die fast ausschließliche Form der Arbeitslosen- Hilfe sein. Die Pflicht des Staates, die Existenz jede? einzelnen zu schützen, schließt die Pflicht jedes einzelnen in sich, produktive Arbeit in möglichst großem Umfange zu leisten. Der Staat ist nichts anderes als die Summe aller Menschen, die auf dem von ihm bedeckten Gebiete wohnen. WaS der Staat leistet, leisten alle Volksgenossen gemeinsam, und wer den Staat zu unproduktiven Ausgaben zwingt, schädigt alle Volksgenossen. Det Staat'st das Volk, und im Volke sollen alle mithelfen, alle zu ernähren. Es muß nach Möglichkeit vermieden werden, daß einzelne sich von den anderen, ohne nützlich tätig zu fein, miternähren lassen. Natürlich bat der einzelne im organisserten Staatsleben nicht die Möglichkeit, ungehemmt frei und noch Gutdünken sich Erwerbsquellen ohne Rücksicht auf andere aufzuschließen. Und darum muß der Staat in den Zeiten, wo eS ihm nicht möglich ist, zu verhindern, daß Riesenmengen von arbeits- fähigen Menschen auS dem Produktionsprozeß hcransac- schleudert werden, Sorge treffen, daß diesen Menschen rasche- stcns anderwärts die Möglichkeit zu produktiver Arbeit ge- geben wird. Der Staat darf dann auch verlangen, daß diese von ihm bereitgestellte Arbeit angenommen wird. Und er hat ein Recht, denen, die sich der Verpflichtung entz'ehen. für den Unterhalt ihres Lebens selbst produktiv mitzuwirken, eine Geldunterstützung zu versagen. Nicht die Geldunterstützung ist das Primäre, sondern der Arbeitslohn. Wem die Möglichkeit. Arbeitslohn zu erwerben, gegeben wird und wer dieser bezahlten Arbeit aus dein Wege gebt, Hot eS sich selbst zuzuschreiben, wenn seine Existenz i« Gefahr kämmt. Wir haben in fruljnm Fnbustriekriien, als der Ber» mögensübcri'chuß unseres Voltes außerordentlich groß war und wir uns leicht unvrodukdive?lusgaben gestatten konnten, die Pflicht zur Arbcitsannahmc davon abhängig machen/ können, daß die Arbeit in der Nähe deS Wohnortes des Ar- beitslosen zu leisten war und so beschaffen war, daß sie einigermaßen der beruflichen Vorbildung des Arbeitslosen entsprach. Heute ist daS nicht mehr möglich, heute sind wir so arm geworden, daß jede Hand, die sich regen kann, feder Arm. der kräftig genug ist. um schaffen zu können, zur Ar- beit verpflichtet werden muß. Wo die physische Mög- lschkoit besteht, irgendeine Arbeit zu leisten, da ist auch die Pflicht zur Arbeit gegeben. Wer sich um diese Pflicht drückt, schädigt unsere Wirtschaft, schädigt unser Volk, schädigt unsere Zukunft, vergrößert noch mehr unsere wirtschaftliche Not und der hat kein Anrecht darauf, vom Staate' irgendwelche Rück- sichten.zu erfahren. Dagegen muß denen, die trotz der Bere'tunlligkeit zu arbeUcn, nicht in der Lage sind, Arbeit und Lohn zu finden, und denan. die aus anderen gewichtigen Gründen produktive Arbeit nicht annehmen können, vom Staate das Maß von Geld- oder Naturolunterstützung gewährt werden, das für die Erhaltung seines Lebens notwendig ist. In diesen Fällen kann auch die Arbeitslosenunterstützung nicht Nur iür eine besrimmte Frist bemessen Werder?. Sie muß vielmehr. so lange bezahlt werden, bis es gelungen ist, Arbeitslohn dafür an- zuweisen. Die Aicheitslosemmterstützung soll so reichlich sein, daß das Leben des Nutznießers geschützt ist. Sie' darf aber schon aus moralischen Gründen nicht so hoch oder gar noch hoher sein als der Arbeitslohn. Die Arbeitslosenunterstützung muß so bemessen sein, daß der Arbeitslose sortgesetzt angespornt bleibt, sich ein besseres Einkommen durch Arbeit zu. beschaffen. Die Pflicht, Arbeit anzunebmen. beschränkt sich nicht nur auf Arbeit am Wohnorte des Arbeitslosen, sie muß überall angenommen werden. Darum muß, wenn verheiratete Ar-. bester auswärts Arbeit aunebmen sollen, für eine gewisse U n t c r st ütz u n g der zurückbleibenden Familie gesorgt werden. Denn die Lohne sind nicht so hoch, daß damit zwei' Haushaltungen versorgt werden können. Es ist aber gleichzeitig nötig, um diesen abgewanderten Arbeitern die Bc- quemlichkeit und Freude des Familienlebens rasch wieder zu beschaffen, den Familien abgewanderter Arbeiter alle Er- leich'erungen für den Umzug zu gewähren. Es sind Ver- günstigungen eiienbahntariflickrer Natur zu gewähren und für die nachkommenden Familien mit ihrem Hausgrät sind Transportbevorzugimgn festzusetzen. Es ist dringend nötig, dgß die Frage der Arbeitslosen- sürsorge mit weitestem sozialen Verständnis behandelt wird. Es ist aber ebenso nötig, daß das, was unter Berücksichtigung aller sozialen und wirtschaftlichen Interessen für notwendig erkannt worden ist, m't entschiedener Hand und Energie und ohne Aengstlichkeit durchaefübrt wird: Wem Arbeit zugewiesen wird, für den besteht die Pflicht zur Arbeit! Wer Arbeit nicht erhalten kann, hat das Recht auf Unterstützung: aber nur dieser! Die Kampfe in Portugal. ' Royalisten oder Republikaner obenauf? Lenden, 3.' Februar. Reuter meldet auS Oporto': Die R o y a- ! l i st e n stellen die Berichte au'Z Lissabon, denen zufolge sie dort eine Niederlage. erlltten..hoben sollen, offiziell in Abreve. In Oporto ist daZ Leben wieder' normal. Die Preise der Lebensmittel sind aiif die Hälfte herabgesetzt. Die Toldaien und bürgerlichen Be° amten werden'ordnungsgemäß bezahlt. Der Vormarsch der Roya- listen nach Süden wird durch strömende Regengüsse behindert. sind aber trotzdem schon in Bacra eingerückt. ' moderner Staatsauffassung, daß sie das Gesamt Volk als i Träger des Staatswillens erkannt hat, nur der demokratische Staat liefert ein tragfähiges Fundament für die szoial-stischo Wirtschaftsordnung.„Bcrussständiscbe Wahlen" bedeuten Zersplitterung, Desorganisationen, Anarchie, Mittelalter, Reaktion, alles nur nicht Sozialismus!. leu wachsende Anarchie in stallen. Bitudcutreiben. Lugon», 3. Frbruar. sMeldllng der Pelegropken-Kompagni«".) FiMen. scheu Blätlcrn zufolge entwickeln sich infolge der winichait- liwen Knie in Oberitalien Zustände, die sich in' keiner Wciie von rmstichen Berhälinchen ünterichetden. Es hoben sich bewaffnele Banden gcb?Idct. die d e Lebensmiittltranspone auf?reier Siiecke nnhalis?! und atlwlündern. ohne daß es den Bedöiden gelungen ist, dieiem Treiben Einhal? zu gebieten. Dein»Coniere dello Sera" tnfplge sind in der ersten Jonnarhäifte allein fünfbundert- s ü n? u n d v i e r z i g Waggons ausgeraubt ivorden. Die Er n ä&■ r u n g de? Landes verschlrck>ie?t sich von Tag zu Tag. Die größeren Slädic Lberilalieirs sind seil einer Woche gänzlich ohne Fleisch. Ausschaltung Japans in üer Süüfse. Genf, 3. Februar. lT.K.) Wie aus Paris gemeldet wird. hat die Haltung dcS Präsidenten Wilson in den kolonialen Fragen eine Eindämmung der japanischen Expansion»- b'c strebungen in der Südsce zum Ziel. In der letzten Sitzung des Zehexrrats trat Präsident Wilson m-it Nachdruck da- für ein, daß die Verwaltung der deutschen Besitzun- g'e n im Stillen Ozean sowohl nördlich wie südlich des AequatorS Australien und Neuseeland übertragen werden, während die japa- ms che Einflußsphäre auf Konzessionen in Kiautschau und Wirt- schaftlickc Vergünstigungen in Sibirien beschränkt werden soll. Diese Stellungnahme der Vercinigien Staaten ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die amerikanische Regierung in einer Erweite- rmtg des. japanischen Machtbereichs im Stillen Ozean eine indirekte Bedrohung der amerikanischen Herrschaft aus den Philippinen und am Panamokanal erblicken müßte und darum gezwungen ist, sich aus das entschiedenste gegen die Angliederung des deutschen Süd- seebcsitzcs an Japan einzusetzen. Die ZrieAenskonferenz. - Tie Ansprüche Gricchenlanps. London, 3. Februar. Reuter berichtet über die Friedens- konferenz: Der Präsident der Vereinigten Staaten, die Ersten Minister und Minister des Auswärtigen der alliierten und assoziier- ten Mächte und die japanischen Vertreter hatten heute von Ii bis i Uhr eine Sitzung am Ouay d'Orsay. Sie nahmen eine Erklärung von WeniseloS über die Ansprüche Griechenlands ent- gegen. Die Besprechung wird morgen fortgesetzt werden. Nachher wird mit den tschccho-slowakischen Delegierten»erhandelt werden. Die Ansprüche GriechnilandS gehen auf den NordepiruS biZ erheblich ins albanische Gebiet hinein, aus Konsianiinopcl, aus die Inseln im Aegäischen und im Marmarameer und auf alle die fruchtbaren und von vielen Griechen mitbevölkcrten westlichen Küstenstriche Kleinasiens. Rätespstem und berufsftänöische Wahlen. Schon kuiederholt haben wir auf die verdächtige Aehn- tichkeit zwisc[)en dem russischen Sowjctsystem und dem„be- rufsstandischen- Wahlsystem", dem Ideal der Reaktionäre, h'n- gewiesen.-. Jetzt bringt die neue von linksiinabhängzger Sette begründete Zeitschrift„Der Arbeiterrat" das fröhli&e Geständnis, daß es sich wirklich um nichts anderes handelt als um die Verwirklichung des reaktionären Ideals von der anderen Seite der. Tos Blatt erklärt in seinem program- matt'chen Einführungsartikel: Die proletarische BctriebSniacht darf nicht zur Pariei-Ohnmach! verurteilt werden. Die Fortsetzung des Arbeiterrats ist nicht der Parteirat. Dem Arbeiterrat folgt vielmehr der V e r w a l t u n g s. rat. Wenn die Betriebe mit sozialistischem Geiste erfüllt sind, muß er auch in die Verwaltung Einzug hatten, um den Kapitalismus jeglicher Herrschermacht, zu«mtklaidem Berufkständische Wahlen bis oben hinauf: Die Aübsiterräte wählen den Gemei-nderat, die Gcmeinderäte den Landrat. die Land- räte den Provinzialrat,• die Provinzialrate den Staatsrat, die Staatsräte., den Zentxalrgt.... DaS ist proletarische Machtpolitikl Do nur gelgitgen. wir zu einer wirklichen sozialistischon Republik! Di«, gegeben« VcreimgungSform für das Räie-Shstem ist somit nicht die Partei, sondern das Kartell. In diesem Si'nne erstrebt der..Arbeiter-Rat" ein„Deutsches sozialistisches Kartell"(D. S K.. DeSka). Nur da» D.S.K: kann dem Gesamtwillen der Arbeiter: und Vermal tungsräte Deutschlands machtvollen Ausdruck verleihen. Tie„berufsftändi schon Wahlen" sind ein mittelalterliches Ideal, mit ihnen würde der alte Ge st des Ständewcsens wieder seinen Einzug halten. Das ist der größte Fortschritt Sozialisierung, verfasiung unö �rbeiterräte Vorschläge der Sozialisrerungtzkommisstvn. Die Sozialisierungskommission hat am 30. Januar unter Hinzuziehung des Rcchtslchrers Professors R a d b r u ch über den Verfassungsentwurf unter dem Gesichtspunkt beraten, die Sozialisierung in ollen ihren Formen versa ssungs- mäßig zu ermöglick'en und zu sichern. Nach ihrem Vorschlag sollen der Kompetenz des Retches unterliegen t§ 4 Nr 6):„Tie Vergesellschaftung von Naturschätzen, Wi rtschaftsbetr leben und Grundbesitz, der - Unternehmungen eines Wirtschaftszweiges mit dem Zwecke einer einheitlichen Regelung der Güiererzeugung und der Preise und die Regelung des Einschlusses der Arbeiter, der Verbraucher und des Gemeinwesens in den Wirtschasts- betrieben." Di? Aumahme einer solchen Besttnrmnn-g in die Ver» fassung würde die Sozialisierung im eigentlichen Sinne, das heißt, die Ueberführung in das Gemeineigentum, der Kompe» tenz des Reiches vorbehalten und würde außerdem dem Reiche die Befugnis geben, Stellung und Aufgabe der Arbciterräte gesetzlich zu regcln.-Sollte die Verfassung im Sinne diese? Antrages ergänzt werden, so würde damit der§ 28, der die Fragen der Randsiedlung gesondert behandelt, überflüssig werden. Die Vorschläge der Sozialisicrnngskommissson scheinen uns in hohem Grade beachtenswert, weil sie zwischen den Kompetenzen der demokratischen öffentlichen Gcnwlten und denen der Arbeiterräte den allein richtigen Ausgleich schaffen. Gesetze zu erlassen, ist die Aurnabe der Volksvertretungen, in ihrem Nahmen für. das Werden der neuen Wirtschaftsordnung zu wirken, die Aufgabe der Arbeilerräte. Das setzt freilich eine ganz andere Einstellung der Ar» beiterräte voraus,, als sie von linkSunabhängig-ipartakistisck'er Seite immer gepredigt wird. Tie Ärbe-terräte müssen sich aus ihre eigentliche A uf g a b e, die am dem Boden ihres Betriebs, ihres Berufs und der gesamten Wirtschaft liegt, konzeritreren. und sie müssen auch ihrer eigentlichen Ausgabe entsprechend ausgewählt werden. Hier eröffnet sich für unsere Genossen in den Betireben eine große Ausgabe: sie rnüssen ihren minder ausgcklärten Kollegen klar machen, daß es nicht darauf ankommt, die Vordringlichsten und Lautesten in den Arbesterrat zu wählen, sondern die- jen'gen, die für eine sachliche Vertretung der Arbeiter- interessen die besten Voraussetzungen mitbringen.. Tie Arüeiterräte können nur dadurch ihre Existenz- berechtissung erweisen, daß sie sich in die demokratische Ord- .lung emnigen und praktische Arbeit im Sinne der. Soziali- sserung leisten. Verkennen ste diese Aufgabe, dann begeben üe sich in einen tragischen Konflikt, der nicht nur mit ihrer Niederlage, sondern auch mit einer schweren Schädigung der ihnen anvertrauten Arbeiterintecessen enden muß. ReichokonferenI ösr Korpssolüatenräte Deutsch lanös. Der Zcntralrat der sozialistischen Republik Deutschlands hatte die sämtlichen Korpssoldatenräte Deutschlands zu einer Reichs- konferenz für heute vormittag 10 Uhr nach dem Sitzungssaal deS Herrenhauses geladen. Vor Eintritt in die Verhandlung fand eine endlose GcschästSordnungsdebatte statt, die zu.sehr lebhasten AuSein- andcrsctzungsn führte, da der Zentxakrat die ReichSkonscrenz in eine Besprechung umwandeln wollte. Die Delegierten sträubten sich mit aller Macht dagegen, vor allen Dingen aber auch gegen den Anfangs beabsichtigten Ausschluß der Presse. Bei Schluß.diese? Berichts ist eine Einigung über diesen Antrag des Zentralrats Noch nicht erfolgt, ebenso sind die Pressevertreter noch nicht zugelassen.. Die Laöentür. Von Han» Reimann. Ich muß beim Kaufmann etwas besorgen. Seit die geehrte Kaufmannswelt ihre Läden ,cher Neuzeit ent- .sprechend" umbauen und mit großen GlaSschausenstcrn hat versehen lassen, stößt man allenthalben aus Ladentüren, die immer anderi' aufgehen, als man denkt. Meist steht ein kleine» Schild an der Tür„Drücken"— oder „Ziehen". Man zieht aber instinktiv, wo man hätte drücken sollen, und drückt, wo gezogen werden muß. Wären keine Schilder da, ginge eZ genau so gut. Die Schilder führen einen bloß irre. Es sollte einheitliche Schilder geben: da, wo gedrückt wer- den mutz. Türen, die zum Ziehen find, dürften keine Schilder haben. Damit man. wenn ein Schild angebracht ist, von vorn- cherein weiß:„Aha, drücken!" Verwechslungen würden trotzdem vorkommen. Während mir diese» alle» durch den Kopf schoß, nahm:ch die .Klinke in die Hand und wollt« die Tür aufziehen. Ein Schild war nicht dran. Im letzten Augenblick durchzuckt es mich: Hai Die» ist eine von jenen Türen, die allemal anders aufgehen, als man denk: I Ich drücke infolgedessen. Das war selbstverständlich auch falsch. Einer Tür, die alle- .mal anders aufgeht, kommt man nicht bei. Tie Tür mußte— ausnahmsweise— gezogen werden. Hätte ich gezogen, so wäre sie sicherlich zum Drücken gewesen. CS ist verwickelt— mit den Türen. Drückt man. ist es falsch.— Zieht man, ist eS falsch.— Ich habe mir folgende Methode zurechtgelegt, an deren Hand ich mit den Türen verfahre: Ich drücke, wenn ich annehme, eS muß gezogen werden, und ich drücke, wenn ich annehm«, eS muß gedrückt werden. Diese Methode hat da« Großartige für sich, daß man in Glücks- fällen die Tür tatsächlich aufdrücken kann. Wen» man nämlich sich sagt-„Wenn Du ziehst, ist eS falsch!", so drückt man. um eS richtig z» machen; was aber falsch ist. indem die Tür gewißlich zum Ziehen ist. Wenn man sich dagegen sagt:„Wenn Du drücksi, so ist eS falsch!', und man drückt wirklich— eben, weil man weiß, eS ist falsch—, so kann man, wenn eS falsch war, sich lobe« und damit trösten, daß Man ei im vorau» gewußt hat. Es kommt auch vor, daß ich drücke, wenn ich mal sage: „Wenn Du zieh st, ist eZ r i ch t i gl"— ich drücke in solchen Fällen aus dem Bestreben heraus, das, was mich zum Narren halten will, meinerseits zu verulken. Mitunter handele ich.sogar van allem Anfang an im Gegensatz zu meiner ursprünglichen Absickst— ich ziehe also, wenn ich drücken«oll!«— und ändere dieses Vor- haben— das Ziehen— in der allerletzten Sekunde ins Gegenteil, das heißt in den Ursprung— und drücke. Aber damit trifft man auch nicht den Nagel auf den..Kopf. Hinter das Geheimnis der„verkehrt herum" aufgehenden Laden- tür zu kommen, ist platterdings unmöglich. Am schlauesten fährt man, wie gesagt, wenn man konsequent d r L ck t. ob nun die Tür zum Ziehen ist oder zum Drücken.— Erfinder dieser Laden türen ist der Ernst de» Lebens. Er verschmäht kein. Mittel,- uns vor Augen zu führen, wie wenig wir ihm gewachsen sind. Nick Carter unö Spartakus. Zu der Gehirnbenebclung. die in den SpartakuSvutschen ihren Ausdruck findet, bat zweiielloS auch die Nachwirkung der„Helden- literatur" der Straß« beigetragen. Mancher der unverantwort- lichen Jugendlichen, die jüngst sich hierbei austabicn. bat feine Be- gekfterung kür die Gewalttaten au? dem trüben Fusel der blut- künftigen Graschenhefte gesogen. Nicht das Kommunistisch« Moni- nst sondern die namenlose Schundliteratur hat den Nährboden für das Aufkeimen polilischcr Phantastereien geschassen. Ter Äapitalii- muS vergiftet noch weiter diese RckrutierungSscharcn dcS SozialiS- mus mit seinen aufpeitschenden Trönklein. Immer noch blüht, bescheiden und verborgen die 10-Pf.-Aben- teuer-Liicratur. Heldentum und Totschlag find zwar, dem all- gemeinen PreiZbildungSgesetz folgend, auch um IM Proz. gestiegen. und eine heroische Verbrecherlaufbahn kostet jetzt 20 Pf. Aber die Jungen? verschlingen nach wie vor mit wahrem Heißhunger all die Nick-Earter-Hette: verschlingen sie um so gieriger, als der SpartakuSterror der Straße ihre Phantasie in eine dopvelt und drei- fach auknabmefähige Stimmung versetzt hat. Dieses gedruckte Iugendgift bedarf nicht erst der Anpreisung, eZ empfiehlt sich von Mund zu Mund und die unterkchiedlie' en Greuclgefek-ichten. die seit Generationen verrohend gewirkt haben, werden nach wie vor mit beiden Augen gelesen. Noch immer wird es au! grell hinneklerten Titelbildern als erstrebenswertes Ziel hingestellt:„Er schlug mit dem Bootshaken aus den Schädel des Feindes ein. bis dieser blut- überströmt in den Fluten verank." Jetzt, da die Revolten und Straßenkämpke in den jugendlichen Gerzen nachhallen, da ihre über- hitzten Köpfe voll sind des Echos wilder Gewalttaien, wäre eS auch doppelt an der Zeit, diese gedruckte Gewallpropiianda auszurotten. Aber gerade das Gegenteil ist der Fall. Die Schundliteratur der Straße, die bisb.er sich auf Judianerdsstrikte, kerne Goldkükien und amerikanische Phantasicländer beschränkie. erobert sich den Tag und die Stunde. In den kleinen Straßenbuchbandlungen und bei den Zettung'verschleißern liegt ein 20-Pf-Büchelchen guS.daZ sich seinen Platz an der Sonne erobern will.„Will, der junge Revolutionär", steht in schreienden Buchstaben auf dem bunt bemalten Titekbisd, daS einen fanatischen Knaben darstellt, der gerade ein Maschinen- gowehr auf seine liehen Mitmenschen richtet. Nnd als Unterschritt unter dieser erbaulichen Tätigkeit liest man:„Will hielt als letzter an seinem Maschinengewehr auS." Die heranwachsende Jugend vor dieser Raubromanttk zu be- wahren, ist eine Aufgabe, die kein Verantwortlicher von sich weikon kann. Notizen. — Musik. Kegpierabend von Bruno EsSner am 0. Februar, abends 3 Uhr, im Beethovenfam: Werke von Beethoven, Schumann, Liszt, William Bhrd, Eouperin, Rameau, Scarlatti- Tausig. — Vorträge. 0. Februar, abends 8 Uhr, lieft Unruh zum Besten des Schutzverbandes' Deutscher Schriftsteller im Oberl'cht- saal der Philbarmonie seine Dichtung„Vor der Entscheidung". DaS im Oktober 1914 entstandene Werk war ein Op'er der Zenkur. — Gegen den- Krebs! Für hervorragend« wissenüfatt- lichc Leistungen in Ersorschung und Bekämpsung der KrebSk-ank» bei!?» wird auch in diesem Iabre auS der Martin Bninnerichen. Stiftung-n Nürnberg eine Gerbe von ungefähr 1500 M. verteilt. — Die werbewisfenschaftlichcn Zeitfragen 1014— 1019 werden in einer Vortragsreihe im Ingenieurbause vom V. Februar bis 27. März jeden Donnerstag abend von 6 bis 7 Uhr behandelt. — Die Filmindustriellen und da? Filmdezer- n at. Tie„Vereiiiiglen Verbände der Deutschen Filmindustrie" haben in einem Telegramm an den Rat der VolkSbeaustragfen, an das ReichSw-rtschaftSamt und an das ReichSamt de? Innern Einspruch dagegen erhoben, daß die Besetzung des Filmdezernats bei der Prcsseabteilung der Reichskanzlei ohne jede Fühlungnahm« mit der organisierten Industrie erfolgt fei. Zum Letter des Film» dezernatz ist der Schriftsteller Rudolf Kurtz ernannt worden. — Neue polnische Briefmarken. Die Polen babe« schon mehrere neue Ausgaben von Briefmarfen. E'ne. die in Warschau erschien, besteht zunächst au? vier Werten von 3 bis 50 Pf. Es sind verschiedene Bilddaritelliinoen mit der Iabre», abl 1916 und dem schwarzen Aufdruck„Poetto PolSka" S-e war von der Warschauer Stadtvost damals zur Ausgabe vorbereitet geweken, wurde aber von den deutschen BeienungSbebörden e-naestellt. Auch die deutschen Postkarten für das Generalgouvernement Warschau wurden nun mit demselben schwarzen Aufdruck versehen wie diese Marken. Die Internationale in Sern. (Fortsetzung der Rede Brantings.) WaS die territorialen Frage», die die Welt beun- ruhigen, anbetrifft, so ist auch hier im Rahmen der Richtlinien, die die Arbeiter aufgeitellt haben, ein Ausgleich ohne Bitterkeit möglich. Wilson hat auf Grund seiner 14 Punkte dagegen protestier:, dafz Völker und Provinzen von Oberherrschaft zu Oberherrfchaft ver° schachert werden können. Die sozialistischen Arbeiter erheben ene» gischen Protest gegen derartige Versuche. Ich warne die Sieger davor, den Sieg zu mißbrauchen und dadurch neue Äonfliktc her- vorzurufen. Ich warne die jungen Nationen davor, in ihrem erpen Rausch weiter zu gehen als billig ist, und ich erwarte von dem Völkerbund, daß die berechtigte Entwickclung der Nationalitäten in allen Staaten durch dos Selbstbestimmungsrecht gesichert ist. Branting betonte, dah in dem Friedensvertrag auch die all- gemeine Arbeitergcfctzgebung einbegriffen fein müsse und fuhr fori: Unter Mißbrauch des Wortes von der Diktatur des Proletariats wird die Herrschaft für einen Miudcrheitstcrrvr verlangt, der das Gegenteil des Sozialismus erstrebt. Wir, die wir hier versammelt stnd, lehnen energisch jede Entartung ab, die nur der Arbeiterklasse schaden und den Sozialismus kompromittieren könnte. Unsere Berner Konferenz steht unter dem Zeichen der Vorbe- reilung. Wir werden nach Abschluß der Wcltkatqstrophe die Ver- biydung mit den anderen Ländern wieder aufnehmen. Branting schloß mit der Anregung, eine Kornmissicm zur Vorberoitung einer großen Konferenz zu bilden, damit die Internationale endgültig ihre Arbeit aufnehmen kimne. Rede von WelS. Zn Xr Abendsitziong der Lerner Konferenz ergriff zunächst der tranzöstfche Abgeordnete Mistral das Wort. Die Hauptfache sei, daß die heutige Konserenz sich mit dem Inhalt des zukünftigen Friedens befasse und gleichzeitig auch ein Wort des Grußes für die aus dem revolutionären Zustand in Deutschland, Oesterreich und Rußland hervorgegangenen Staaten sende. Für ine deutschem Mehrheitssozialisten erwiderte sodann der Abgeordnete Wels auf die Angrifft: Thomas' gegen die Politik der deutschen Mehrhoitssozialisien. Er rechtfertigte die Politik der deutschen MchrheitSfoIialisten während des Krieges und führte den Sozialisten der Entente vor Augen, wie oft gerade ssc versagt hätten, wo cS sich um die Sache des Friedens uiid der Menschlichkeit gc- handelt habe. Wels erftärte es für unklug, wenn Thomas die Thoud mar lang und den- Ausschluß der deutschen Mehrheitssazia- ftsteu fordere. Wenn der Aufbau der Internationale komm«, so komme er nur unter Mitwirkung der deutschen Sozialisten, hinter denen die Mehrheit des deutschen Volkes stehe. Thomas habe daraus hingewiesen, daß in Paris imperialistische Strömungen am Werke seien, es sei deshalb Pflicht der Sozialdemokratie, vorwärts und nicht rückwärts zu schauen. Die deurjchcm Sozialisten hätten verwirklicht, was die imteruattonalen Kongresse vor dem Kriege gefordert hätten, sie hätten dem sozialistischen Staat aufgebaut und kämen nicht mehr als Vertreter des absoluten Dentfchland, fondern als Vertreter der sozialistischen Revublik, die mit dem Achtstunden- tag und mit dem freiesten Wahlrecht der Welt die Hauptforderungen der Soziuldtüiolratie verwirklicht habe. Die Gefahr für die Sozialisten bestehe im Bolschewismus und den Bewegungen unter den Linksparteien, die zu denken geben sollten. Die deutschen Sozialiston hätten das Ultimatum an Serbien bekämpft. Als alles versagt habe, und der Krieg ausbrach, habe chie deutsche Sozialdemokratie sich zu ihrem Volke ge- stellt. Sie habe ihr Land verteidigen wollen und immer mehr die Berechtigung ihres Standpunktes eingesehen, je mchr vor der russischen Invasion dis Scharen der deutschen Flüchtlinge aus Ost- prutzen in das Land geströmt seien. Die deutschen Sozialisten woll- ten dort, wo Unrecht geschehen sei, doS Unrecht gern anerkennen; der Einbruch in Belgien sei ein Vertragsbruch gewesen und müsse feine Sühne iinden. Das erkläre er feierlichst vor der ganzen Internationale. Dann brachte WelS seine Anklagen gegen die En- tcntc vor, ihren Hungerkrieg gegen deutsche Frauen, Greise und Kinder, der 700000 Tote gekostet habe, und deren Kriegführung den deutschen Mehrheitssozialisten zum großen Teil die Trümpfe aus der Hand geschlagen habe, die sie gegen den U-Boot-Krieg be- laßen. ThomaS habe darauf hingewiesen, daß die deutschen Mehr- Heftssozialisten mitschuldig am Frieden von Brest-Litowst seien. Er müsse ThomaS fragen, wo denn die französischen Sozia- listen gewesen seien, als die Friedensverhandlungen um acht Tage verschoben wurden, damit die ganze Welt am Frieden ieilnehme. Damals, als die französischen Sozialisten nicht ge- komm.n waren, damals halfen sie, oen Frieden von Brest-Litowsk bilden, den hernach die deutschen Sozialisten bekämpften. Wenn ThomaS frage, wo die deutschen Sozialisten bei Brest-Litowsk gewesen seien, so müsse er fragen, wo die französischen Sozialisten bei der Festsetzung der Waffen still st ondsbedin- g u n g e n geblieben seien, die härter seien als der härteste Friedensvertrag, der jemals einem Volke aufgezwungen worden sei. Das deutsche Volk wolle eine» Rrchtssrieden schließen und erwarte die Durchführung dieses RrchiSfricden« von der Macht des Proletariats. ES werde aber iii seinem Glauben an die Macht des Sozialismus getäuscht werden, wenn der R chtS- frieden sich in einen Machtfrieden verwandeln sollte, der den Keim zu neuen Kriegen legen würde. Die deutschen Mehrheitssozia- listen lehnten die Verantwortung dafür ab. Sie sehnten sich nach de.r Zusammenarbeit mit ihren Freunden in den Ent nteländern. Die Ententegcnossen möchten der deutschen Sozialdemokratie helfen, daß sie in ihrem Lande weiter wirken könnte für den Sozialismus, im Geiste der Menschlichkeit und Brüderlichkeit. Wels erinnert an das Buch Sembats„Vor dem K'isge" und an EachenZ Artikel über JaurcS Tod. I a u r es sprach damals von Vasallentum Frankreichs gegenüber Ruß- l a n d. WaS eine feindliche Invasion in Deutschland bedeutete, zeigte der Einsall in Ostpreußen. Wir haben die Methoden der Kriegführung Preußen niemals gebilligt(Zurufe: auch nicht be- kgmpsii. Die Richtigkeit unserer Politik wird bewiesen durch die richtige Enschätzung der Kräfte. In Deutschland haben zw« Gruppen an den Gewaltkrieg geglaubt, die Alldeutschen Stnd die Unabhängigen. Die Nuhe in tveimor gesichert. Bezüglich Weimars ist man, wie wir erfahren, an zu- ständiger Stelle überzeugt, daß die unbedeutenden Störungen der ersten Tage noch vor Zusammentritt der Nationalver- sammlung völlig unterbunden sein werden. Der Schutz des in Betracht kommenden Tbiiringer Landes ist derart ge- sichert, daß Widerstand aussichtslos erscheint. Die Gemeinöewahlen. Die Gemeindewahlen für Berlin sind auf Sonntag, den 23. Februar, ausgeschrieben. Ihr Verlauf wird eine Probe sein für die sozialistische Reife der Berliner Arbeiterschaft. Wer immerzu von Sozialisier ung redet und dabei an die Gemeindewahlen nicht denkt, der. sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die nächsten, wichtigsten Aufgaben des Sozialismus sind auf dem Gebiet der Gcmeindepolitik zu leisten, und da hier der Bildung sozialistische? Mehrheiten nichts im Wege steht, ergibt sich für unser positives Schaffen für eine neue Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung freie Bahn. Das erhöht unsere Verantwortung gegenüber dem©an- zen des Sozialismus und der Arbeiterklasse. Für unklares Schwärmertum ist hier kein Platz, die wägende Vernunft, die den Erfolg aller Matznahmen voraussieht, mutz den Ausschlag geben. Fehlgeschlagene Experimente, die den bür» gerlichen Gegnern Gelegenheit geben, von„sozialistischer Miß- Wirtschaft" zu reden und damit neuen Anhang zu werben, würden die Aussichten des Sozialismus im ganzen Reiche verschlechtern. Wir brauchen eine zielklare, praktisch rechnende, organi- satorisch aufbauende sozialistische Gemeindepolitik, wie sie nur von der alten Sozialdemokratis che n Partei ge» leistet werden kann. Möge darum jeder in seinem Kreise dafür sorgen, daß der 23. Februar zu einem Ehrentag für die Sozialdemokratie Grotz-Berlins wird. Letzte Ausrede. Wer ist es gewesen? Wie der ertappte Schulbube nur immer heulend zu versichern weiß, er sei's nickt gewesen, so erinnert jetzt auch die Spartakus- presse, Spartakus habe den Putsch vom ö. Januar gar nicht ange- fangen. Wäre es gelungen, wie stolz hätte man hinterher sich in die Brust geworf:„Wir waren es mal wieder, die die Revolution gemacht haben." Nun es aber mißlungen ist, will es keiner ge- Wesen sein. Die„Rote Fahne" preßt sich folgende„Feststellung" ab: Die Ebsrt-Regierung hat die Januarkämpfe planmäßig, bewußt provoziert! Sie befand sich nicht in der Verteidigung sie war im Angriff. Großartig! Offenbar hat die Regierung selber die Besetzung des„Vorwärts" und der übrigen ZeitungSgsbäud«' am Sonntag- nachmittag durch bewaffnete Haufen veranlaßt! Sie hat selber am Montag die Reichskanzlei angreifen lagen, von dem großen Drange gequält, ihrer eigenen Existenz ein Ende zu machen! Wahrhaftig, bisher konnte man noch Achtung vor Leuten haben, die— wenn auch für eine verkehrte Sache— ihr Leben gewagt haben. Aber jetzt— wer soll Menschen achten, die ihre mißlungene Tat in so seiger Weise verleugnen, wie dies die»Rote Fahne" tut! » In der gleichen Nummer verwahrt sich die„Rote Fahne" da- gegen, daß für alle Exzesse Spartakus verantwortlich gemacht werde. Wir bitten nur, um künftig keinen Lapsus' mehr zu begehen, höslich um Beantwortung folgender Frage: Welche Leute waren es, die während der.,VorwärtS"-Besetzung voxn S. bis 12. Januar die im Vorwärtsgebäude eingerichteten Privtafirmen um Warenbestände (Stoffe, Damen-Konfcktwn, Wollwaren. Wein und Zigarren, Bar- geld, Gold- und Silbersachen usw.) im Werte- von mehralsdrei- malhunderttausend Mark erleichterten? War das auch nicht Spartakus? GroWerlw Spatakus-prozesie. Heute standen zwei Anklagesachen zur Verhandlung vor der 0. Strafkammer des Landgerichts I unter Borsitz de? Landgerichts- direktors M o ck s an. Der erste Angeklagte war der 20jährige Schlosser Hans Krämer. Vor ftExitritt:n die Behandlung bat Rechtsamrolt Dr. R o s e n f e l d den Vorsitzenden, doch veranlassen zu wollen, daß dex Zuiritt zu dem VerhanhlungSzimmer nicht geräde zu sehr erschwert werde. Tie Absperrung durch das Militär werde doch etwas zu streng gehandhabt und es gehe doch zu weit, wenn dieselben Personen bei ihrem Ab- und Zugang von denselben Wach- mannscbafien, die sie schon einmal.au i Waffen' untersucht haben. immer noch einmal daraus bin untersucht werden, wie es bei dem Vater des Angeklagten geschehen ist Ter Vorsitzende sagte zu, däS Nötige veranlassen zu wollen.— Der Angeklagte ist seinerzeit im Polizeipräsidium bewaffnet und zunächst nack dem„Vorwärts" und .von da am 7. Januar mit 20 Mann nack dem Mosse-Hause geschickt worden. Er war Mi iglied de» SpartakuS-BundeS, hatte keine Arbeit und sich durch die in Aussicht gestellte Löhnung von 30 bis 50 Mark ver- leiten lassen, sich an der Sache zu beteiligen. Tatsächlich habe er aber für die Zeit vom 7. bis 1l. Ja nuar nur 10 Mark Löhnung erhalten. Die sämtlichen 20 Mann waren bewaffnet. Er will sich an irgendwelchen Gewaltättigkeiten nicht beteiligt, son« dern nur ab und zu Posten gestanden und Lumeist geschlafen haben. Wenn er auch zu den SpartatuS-Leuten gehöre, so habe er sich doch um Politik noch nicht recht bekümmert. Ob bei den Kämpfen auch Minen in Anwendung gekommen, weiß er nicht, jedenfalls habe er sich an der Schießerei nicht beteiligt. Der Verteidiger widerHoll auch beute seinen in anderer Sache schon gestern gestellten Antrag, das Verfahren einzustellen, weil der Mosse-Besatzung Straffreiheit seitens der Regierung bei ihrer Ileberpabe zugesichert worden sei und dies einer Amnestie gleichkomme. Auch diesmal widersprach der Staatsanwalt. Bei den Verhandlungen über den Abzug der Besatzung de? Mosse-Hauses habe eS sich nur um die tatsächliche Frage gehandelt ob hie Auf- rubrer, Nnrubestifier und Plünderer an oie Wand gestellt und er- schössen, oder pelhncht werden oder das weitere den ordentlichen Ge- richten überlassen werden soll. Wenn den 2 elften eine Amnestie gewährt»erden sollte, so hätte dies auch in der Form der Verkün- dung im Reichsgesetzblatt aeschehen müssen. Evtl könne eine hierauf bzügliche ganz klare Erklärung der VolkSbeauftragten Eberl und Scheidemann vorgelegt werden. Ter Verteidiger widerivrach dem Staatsanwalt und beantragte die Verlesung dieser Erklärung.— Das Gericht lehnte die' Anträge der Verteidigung au- denselben Gründen, wie eS gestern geschehen, als recktlich unerheblich ab..— Der tSaatsanwalt bcantraate. den Angeklagten wegen Aufruhrs, qualifizierten Hausfriedensbruchs und Landfriedensbrucks zu einem Jahre Gefängnis zu verurteilen. Eine strenge Strafe sei durchaus geboten denn es handle sich hier darum, daß die ganze Bewegvng außerordentlich gefährlich ist, wie die in den Zei- iunoen fast täglich wiedcrkebrenven-Berickte über svartakistiscke Putsche beweisen. Leider ünd überwiegend nur Ju-'endlicks aefaßt worden, die nun für die Taten der anderen mitbüßcn müssen.— RecktSanwalt Dr. Rotemeld beantragte aus recktlicken Gründen die Freispreckung deS� Angeklagten, der auck nicht das Bewußtsein der RecklSwhrigkeit seines aHndelnS gebabt bab« TaS Urteil lautete «nf 0 Monate Gefängnis wegen Aufruhr, Auftauf nnb Land- frirdenSbruch.__ Die t-age deS NrbeitSmarkteS. Die Zahl der ArbertSlofen ist noch im««r i« Stet, gen begriffen. Tie für den Braunkohlentagebau benötigten Ar- bettskröste— Annahmeburemi: Dorotheenstr, SS— konnten bisher nur in ganz unzureichendem Umfange beschafft werden. Die Bevöllerung ist sich über die drohenden Folgen der Äohlenknapp- heit noch immer nicht genügend klar. Aus Guben wird gemeldet, daß. falls die Kohlenknappheit nicht baldigst behoben wird, die Tuch- fabntation eingestellt werden muß. Die gleichen Folgen sind auch für die übrigen Industrien zu befürchten. Tie Lage in der Groß-Derliner Industrie und im Handel ist zurzeit derart, daß mit der Einstellung neuer Arbeitskräfte vorerst nicht gerechnet werden kann. In der Provinz werden teilweise gewerbliche Arbeiter verlangt, Berliner Arbeitskräfte sind aber wegen dcS niedrigeren Lohnes nur schwer zu beschaffen, wobei immer wieder vergessen wird, daß die Ausgaben für Wohnung und Lebensunterhalt in der Provinz entsprechend niedriger sind. In der Landwirt» s ch a f t werden dauernd Arbeitskräfte verlangt. Allmählich beginnt die Abneigung der Groß-Berliner Bevölkerung gegen die Land- arbeit etwas zu schwinden, so daß das Angebot von Arbeitskräften reger geworden und die Zahl der Vermittlungen gestiegen ist. Die Annahme von Altkleidung in Grosz-Berlin erfolgt nur noch in der Zentrale der ÄleiderverwertungSgesellschaft, Kommandantenstr. 80�81. Für jeden abgelieferten Gegenstand er». teilt die Äleiderderwsrtungsgescllschaft eine Abgabebescheinigung, welche zur Empfangnahme cirnS Bezugscheines berechtigt. Eine Neueinrichtung der Kleiderverwertungsgesellschaft besteht darin, daß sie nunmehr berechtigt ist, getragene Kleidungsstücke an- zunehmen und für diese einen Bezugschein für ein wiederherge» pelltcS gleichwertiges Äleidunasstuck auszustellen. Auch denkend- lassenen Feldgrauen ist eS hierdurch möglich, die feldgraue Uniform beim Kauf eines Zivilanzuges mit in Zahlung zu geben. Unverbesserlich ist der heilige BureaukratismiiS. Nichts kann den AmiSscktii.nicl auf dcu Trab bringen. Uns ickreibi ein t>e» dauernswenes Ovftr der Paragraphen:„Arn 31. Januar lam Meine Frau mit unserem ltmonattgeii Kind hier an. Ich eitle uir Kohienst-lle in der Linkstraste. die die voinebnre Bureau von 0 bis 12 llar tat, und veitang!« meine Zuweisung an einen Koolcn- händler, damil meine Familie ein waimes Zimmer vorfände Aber gar n cktS half, stait> o f o r t Koh e». sollte ich in 8—10 Tilgen Bescheid belommcn. Nur der Güte fremder Menschen, d�e mir Bulette leihen. Bei baute ich es. daß Frau und Kinv nicht bei einer Kälte von— 10" im ungeheizlen Zimmer sitzen müssen. Fachschulärzte. Der Magistrat hat beschlossen, vom 1. Äpril ab 20 Dchulschwestsrn und je 1 Facharzt für Augen-, Ohren- und Nerven- leiden zur schulärztlichen Fürsorg« in den Gemeindeschulen einzustellen. Die Klage der Schulärzte, dost die von ihnen an- geordneien Maßnahmen von den Eltern der Kinder nicht a u S» geführt werden, hat zu diesem Beschlüsse geführt. Zum Beispiel verschlimmern sich Miftelohrleiden und Rückenwirbelsö ilen- Verkrümmungen, wenn sie nicht rechtzeitig zur dauernden BeHand- lung gelangen, und werden dauernd, obwohl sie an sich heilbar sind. Tie Schulschwestern sollen die technischen Hilfsorgane der schulärzt- lichen Fürsorge werden und die Verbindung herstellen zwisckcn Schule, Familie, Schularzt und Behandlungsstättcn. Sie sollen ambulante Tätigkeit in den Wohnungen der sckulärztlich bczeich- neten Kinder ausüben, um die Anordnungen des Schularztes dort sicher zu stellen und die Kinder, welche wegen der häuslichen Ver- Hältnisse nicht entsprechend versorgt werden können, einer Poliklinik zuführen. Sie sollen ferner den Schularzt bei Untersuchungen und schulhygienischen Maßnahmen unterstützen. Auch Rektoren und Lehrer werden sich mit Nutzen der Schulschwcstern bedienen können, die verkümmerte oder schlecht aussehende Kinder durch sie dem Schularzt zuführen lassen werden._ ES ist zu erhoffen, daß diese Einrichtung der Vernachlässigung von chronisch erkrankten und mit Fehlern behafteten Kindern er- solgreich entgegen wirken wird. Körperliche Rüstigkeit und AuS- bildung als Kranken, oder SäuglingSfürsorgefchwester ist für die Einstellung Vorbedingung. Der Magistrat wird der Stadtverord- neienversammlung alsbald eine entsprechende Vorlage zugehen lassen. G�oße Embrüche kielchnft'gen wieder die Kr'mina'polizei. In der Pol-tamer Tti. 106b drangen Einb.eckcr in die Räume deS Teppickspeualbaii'eS von Therese Leievre ein. indem sie die Tür mit«uwalt erbrachen, und stöhlen für 75 000 M. eckte Per'er- t'chpichip Gardinen. T>'ch- tind Diioandecken. Auf die Wieder» bcsckassnrg dcS gestohlenen Guies ist eine Bclobnnng von 10 Proz. des Wertes ausgesetzt.— In Potsdam erbciitcien Eiiibtecker bei einem Ge'ckSitsmann 36 000 M. in 29 Tauleiidmai lickeinen und kleineren Geld'cheinen, außerd.m noch verschiedene Tchinuckmchen.< Eine schwere Gasvergiftung wird anS der Wadteckfiraße ge« melden Torr stieg in einem Hotel in dem Hause Nr. 17 18 der 26 Jahre alre SicherhcilSsoldal Georg Kiefeit und seine Brom ab. Gestern abend wurden Angefüllte druck einen GaSgcruv ani da? Ziinmer des Paares ausmerksam. Man sah nack und fand beide Gäste in dem mit GaS angefüllien Ranine regungslos liegen. ES gelang, das Mädcke» in« Lebe» zuiiickzurrftc». Der junge Mgnn war dagegen rot; alle Wieder belebriliaeversackc blieben ei folglos. Nach den Ermittelungen der Revierpolizer liegt ein Unglück vor. Ein falscher Ossizier wurde gestern am Aleran�ervlotz als SckwinSler»estg-nonmterr. Tori wohnie in mrbre' e» Horel« immer nur für lur,e Zeit e>n junger Mann, der sich für einen O.ifiz'cr ausgab, meistens auch OssizieiS nii'ornr mir dem E>'ei»en Kreuz I. Klasse irng und bald die'en, bald jenen Namen iübUe. Er erzählte, daß er augenblicklich ohne Geld sei, jeden Tag aber von seinem Barer aris Potsdam einen größeren Beirag erwaile. Deie Aussicht besräiigie dann auck ein heimlicher Heliershel'er. Unter dem Namen des Barers rief abends der Svietz-- geirlle bei der Holelverwaliung an. er habe seinem Sohne die v,r» iprochenen 3000 M. noch nickt zustellen lömien, w U seine Bank bereits ge cklossen fei. Daran'hm stnndele man dem Gane Wohnung und Kost und sab ihm auck noch ein Darlehen. So.'ann ver» schwand der Ossizier und snckle cm andires Hoiel ans. um den Tchwmdel zu wiederholen. Im letzlen Hotel aber war man vor- sichitger. Man etkinidrgie sich nach dein Vater, eifnbr. daß man eS mit einem Tchwindier zu tun hat und ließ den Gast seiinebmen. Die Kiinunalpolizei erkannte ihn als einen Mnskeiier Karl Ärauie, der mich ftitbet ichon wegen Hotelbetrügereien bestiaft in. Sie pfeifen...„Und wir pfeiftn nach wie vor auf des„Vor- wärt?" Mehrheitsprinzip, und das erwackgende Proleiorät wird nicht zur Feststellung von MehrheitSprinzipien an die be- rühmte Wahlurne schreiten, sondern wird and rc Wege finden, fernen Willen und den Sozialismus zur Herrschaft zu bringen." So schreibt das Blatt der Antidemoloaten, die„Rote Fahne". Wie wird sich Graf Rsventlow freuen, wenn er sieht, wie ihm von hier Hilfe in einem Kampf gegen das MehchütZprinzip kommt. Groß- berliner partemachMiten. Bernau. Mittwock. den ö. Februar, abends 7'/, Uhr: Miigliederver sammlung bei Temmler, Ballsir. 2. Friedrichehage». Miltwoch abend 8 Nbr Mitgliederver- sammlung in der Slrila de? Real hnmallnmS To e oidining: Aus- stcllung d»r Kandidalen zuc Krmcintevcrtrclung. Verschiedenes. 30 BHeiluiig. Mittwoch, den 5. Fcbirwr abends 7'/, lUr. m der Aula des H»n.bold:-/»st Sonniog» V,ll—!. GESCHLECHTSKRANKHEITEN *** Utew.-Pref. Dr.}$ ettha ff t— Preis geb. 3 Mark Das ausfuhr I cJmtt und sachJfcKste Buch über aJh einschlägigen Fragen Tai ttsitken durch eJJ« ßuc�JxcndJunffcrx addr direkt vom WiX BESSES VERLAG. BERLIK W 15, LietscrJ,ur*rS*.M Der Arbeiter Dat. Wochenschrist für prattischr« LozialiSmuk. „Der Arbeiter-Dat� Wachenschrfsi der ilrbeUerrat« venkschland», erscheint wiZchentlich und ist zum Preise van 50 Ps. i» Slrahenhandel, durch die Post und in jeder Puchhandlung I erhältlich. Redaktion und Verlag: Zurzeit: Borgstr. lO. Für Spezialarzt Sr.med. WocktnfuO Frißurielistr.l25.0raTnor.nb Sprechst. 11-1, S>.,-7. Syphilis. Harn u. Frauenl, Blutant Schnelle, sich, schmerz!. Heit. d ne Berufsstör. Teilzahlung. Speiislarzt[* Br.medeColeman Friedrichsir. dl/stia. C. Üoro- fligenstr Syphilis,(laut-, Harn-, Caschlechis-, Fraoealeiden, Comb.n-Salv. rsan-Kuren. sei. K urasthenie. 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