Nr. 176. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertelfährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage ,, Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Beitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919. Vorwärts 11. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzetle oder beren Raum 40 Pfa., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochens tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonna und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin, Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Mittwoch, den 1. August 1894. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Arbeiter! Varteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier! Der Schneckengang der gewerb- damit einer unangenehmen Kritik aus, die fie gern ver- gegangen", heißt es im„ Reichs- Anzeiger", daß ein Belichen Sonntagsruhe. 1103 " meiden. Die neue Verordnung soll nämlich nur den dürfniß nach gesteigerter Thätigkeit, soweit nicht durch allerlegten Rest von Ausnahmen noch festlegen, Heranziehung von Hilfskräften abgeholfen werden kann, der bisher noch nicht geregelt wurde. Die Hauptsache in erster Linie zur Zuhilfenahme von UeberarbeitsIn dem Schneckenzug, den die Entwürfe des Reichs- ist schon gemacht. Den reichsten Industrien ist längst stunden an den Werktagen führen wird, und daß fanzlers zu bundesräthlichen Verordnungen über die Sonn- nicht blos für eine lumpige" Saifonzeit" im Jahre, fon- ferner gerade diese verstärkte Thätigkeit an den Werktagen tagsruhe für Industriearbeiter seit 1891 bilden, ist jetzt dern für das ganze, Liebe, lange Jahr für den infolge davon ganz besonders erholungseinmal zur Abwechslung eine anscheinend etwas weniger jede mögliche Sorte von Ausnahmsarbeiten ge- bedürftigen Arbeiter eine thunlichst unverkürzte Sonntagsmißgestaltete und häßliche Schnecke aufgetaucht: der Ent- stattet. Weil sie früher so freigebig gegenüber den ruhe geboten erscheinen läßt. Auch wird in den Erwurf einer Bekanntmachung betr. die Ausnahmen für Unternehmern war, hat die Reichsregierung jetzt gut den läuterungen des Entwurfs darauf hingewiesen, daß gegenSaifonindustrien. Langsam und bedächtig friecht ja auch Schein erwecken, als wollte sie die Sonntagsarbeit zur wärtig das zu gewissen Jahreszeiten eintretende vermehrte Ardieses gute Thierchen aus dem Reichskanzleramte daher; Saison" Wunder wie stark einschränken. Für unsere Haupt- beitsbedürfniß weniger in der Eigenart des Fabrikationses streckt behutsam seine beiden langen Fühlhörner aus, ob gewerbe ist in dieser Beziehung das ganze Jahr„ Saison", zweiges als in der Gewohnheit des Publikums, die Ertheilung die Luft rein sei, und ob sich nicht der oder jener mächtige und der nationalliberale Unternehmerpreßknecht hat in seinem von Aufträgen hinauszuschieben, seinen Grund findet, und Unternehmer nahe, der ihm mit einem Fußtritte das Lebens- Uebereifer etwas verlangt, was die kapitalmächtigsten seiner daß es nicht der Absicht des Gesetzgebers entsprechen würde, licht ausblase. Brotgeber in den bisherigen Schattenenqueten über die einer solchen Gewohnheit, die zur Ueberanstrengung der Sonntagsarbeit, die man übrigens neuerdings ganz auf Arbeiter wesentlich beiträgt, durch Zulassung von Sonntagsgegeben hat, Sonntag für Sonntag erreicht haben. Die Un- arbeit Rechnung zu tragen, während andererseits von übersehbarkeit des Papiers und der Zeit, welche schon auf der Durchführung der Sonntagsruhe eine günstige Eindiese Ausnahmebestimmungen verwendet worden sind, mögen wirkung in dieser Richtung erhofft werden dürfe." Das den kapitalistischen Federföldling entschuldigen. nennt man wohlfeile Marktwveisheit, nachdem auf grund zwar nicht desselben, aber doch des unmittelbar vorhergehenden Saßes desselben Gesetzesparagraphen Alles gethan worden ist, die„ thunlichst unverkürzte Sonntagsruhe des erholungsbedürftigen Arbeiters" zu durchlöchern. " " Nach demselben Entwurf sollen Ausnahmen von der gewerblichen Sonntagsruhe" nur" für folgende Saisonindustrien" gemacht werden: für Präferven- und Konservenfabriken ( Fabriken zum Dörren und Einmachen der Gemüse und Früchte), für Schlittschuhfabriken, für Anstalten zur Herftellung von Chokoladen- und Zuckerwaaren, Honigkuchen Die Arbeiter lassen sich nicht täuschen. Der berühmte und Bisquit, Christbaumschmuck und Spielwaaren. Das§ 105d der Gewerbeordnung, auf grund dessen jetzt an tlingt sehr radikal, und nationalliberale Blätter, die sich scheinend nur wenige Saisonindustrien fleine Ausnahmen be offenbar durch ihren Uebereifer recht offen als reine Rapi- willigt erhalten sollen, ist ja schon seit 2 Jahren die unerschöpf: talistenblätter fennzeichnen wollten, sind denn auch auf diesen liche Fundgrube für Sonntagsarbeits- Bewilligungen an die Uebrigens stehen die Ueberzeitbewilligungen für Arbeiterinnen, Raditalismus" hereingefallen; sie haben sofort eine wahre Lepo- Hütten-, Bergwerks, chemische, Zuckerindustrie und Dutzende welche die preußischen Verwaltungsbehörden den Unters relloliste von Betrieben entrollt, für welche auch eine Ausnahme" anderer Gewerbe. Sie alle hat man auf grund des nehmern bis zur Stunde aus ganz nichtssagenden Anlässen zur Zeit der Saison" gemacht werden müßte, und diese ersten Satzes von§ 105d als Betriebe, in denen Ar- nach Ausweis der amtlichen Gewerbeinspektionsberichte geLifte umfaßt nicht mehr und nicht weniger als folgende beiten vorkommen, welche ihrer Natur nach eine Unter- währen, in schneidendem Gegensatz zu dem obigen, an Vorschläge: Ausnahmen für Anlagen zur Herstellung von brechung oder einen Aufschub nicht gestatten", über scheinend so arbeiterfreundlichen Urtheil über den Mißbrauch Gold- und Silberwaaren, Metall- und Ledergalanterie- reichlich bedroht, und deshalb ist es leicht jetzt sparsam mit hinausgeschobenen Aufträgen. Das Papier des„ Neichswaaren, Portefeuille- und Phantasiewaaren, Reiseartikeln, zu sein, weil nun auf grund der der weiteren Anzeigers" ist geduldig, in Wirklichkeit richtet sich keine Kotillonartikeln und Blechwaaren, ferner Eisen- und Metall- Bestimmungen des§ 105d, nämlich für Betriebe, Behörde bis jezt nach den schönen Grundsätzen". Und gießereien für funstgewerbliche Gegenstände, Musikinstru- welche ihrer Natur nach auf bestimmte Jahreszeiten die Praxis ist die Hauptsache, nicht mehr oder weniger schöne menten, Kerzen und Posamentenfabriken, Stickereien, Hut- beschränkt sind, oder welche in gewissen Zeiten des Jahres Worte! und Buzmachereien, Fabriken für Teppiche, künstliche zu einer außergewöhnlich verstärkten Thätigkeit genöthigt Blumen, ferner der Betrieb der Maler, Anstreicher, Buch- sind",( eigentlich taum etwas zu bewilligen" übrig bleibt. drucker, Buchbinder 2c. Alle diese Branchen sind in der ,, Saison" nothleidend, der Gesetzgeber bezw. der Bundesrath muß sich ihrer erbarmen und ihnen ungemessene Sonntagsarbeit bewilligen. Nun wird der nationalliberale Unternehmerpreßknecht schon erstaunt sein zu hören, daß seinen Auftraggebern garnichts Saran liegt, wenn er nochmals solches Aufheben von den Sonntagsruhe Ausnahmen macht. In der That kann unseren Kapitalisten recht wenig darauf ankommen, daß sie mit ihren einzelnen Geschäften hier nochmals als" Saison industrie" aufgezählt werden. Im Gegentheil, sie sehen sich Feuilleton. Der Jude. Deutsches Sittengemälde aus der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Von C. Spindler. " Industrien Politische Weberlicht. Deshalb ist sogar die Scheidung zwischen Kampagne- Industrien ( auf bestimmte Jahreszeiten beschränkte") und Saisonindustrien( mit verstärkter Thätigkeit zu gewissen Zeiten des Jahres") fallen gelassen und unter der Etikette„ Saisonindustrieen" Alles zusammengeworfen, was noch mit dem letzten Rest von erlaubter Sonntagsarbeit beschenkt werden soll. Berlin, den 31. Juli. Nachwahl zum Hessischen Landtage. Uns geht aus Offenbach am Main die folgende Privatdepesche zu: Genosse Gramer wurde im 15. Hessischen LandtagsWahlbezirk nach zwei resultatlosen Wahlen durch's Loos wiedergewählt. Wenn man dies weiß, wird man sich durch die an scheinend so ruhefreundlichen Redewendungen nicht imponiren lassen, die dem neuesten Entwurf nebenbei mit auf den Weg gegeben worden sind. Man sei von der Erwägung aus- steht Alle Preußen find vor dem Gesetze gleich, das zwar in der Verfassung, muß aber dem Alte kläglich ein:" Der Schultheiß? das arme Kind... und Estherchen frei werde von Amaleks sündigen Richtern." wer war der Verräther?" Joseph, der Arzt," erwiderte Nimmermehr!" wiederholte Crescenz: Ich traue Tir Bodick leise, um die elfte Stunde kommen des Oberst nicht, ich glaube Dir nicht, Du abtrünniger Mensch, dem's richters Trabanten heraus, und wehe Dir, wenn man die mit dem wahren Glauben ebenso wenig Ernst ist, als mit 101 Dirne findet. Mir hat's gesagt der kleine Finger, und ich dem falschen. Du bist ein Gezeichneter. Mache, daß Du will holen das Estherchen und es bringen zum Vater." von hinnen kommst!" " " Bum Bater?" fragte Crescentia mißtrauisch. Faule Fische, Ein blitzendes Messer züngelte wie ein Strahl durch rothköpfiger Jude."" Ich will sprudeln Gift und Galle die Deffnung des Ladens; Crescenz gewahrte jedoch noch ein Jahr lang," betheuerte Zodick, wenn es nicht ist wahr. zu rechter Zeit des meuchelmörderischen Versuchs, sprang Ich habe herausgebracht den Alten aus dem Thurm und zurück und riß den Laden mit einer Gewalt zu, daß die ihm versprochen, weil er selber ist krank und schwach, die Klinge zerbrach. Der Mordbube fluchte draußen halblaut Tochter zu retten aus den Klauen der haarigen Böcke." über des Weibes Klugheit und den Verlust seines Gewehrs. Ei, Du unverschämtes Lügenmaul!" eiferte die Alte, Crescenz belferte ihm aber zu:" Rothhaariger Schuft, wo Du hältst mich für eine Schnattergans, daß Du solch Du nicht gleich Reißaus nimmst, rufe ich meine Lente, und Possenzeug mir weiß machen willst. Esther ist nicht hier, Dein letztes Brot ist gebacken, Du Schurke." Eilig, wie ist noch nie hier gewesen, magst Du wissen, Du schleichender ein rollender Kiesel entsprang der Bösewicht, und die Spürhund. Hier haust eine andere Jungfer, die mit Euch Hunde, wie von einem Zauberspruch betäubt, rührten sich Juden nichts gemein hat, weißt Du das? Deine Märlein nicht in ihren Hütten. von dem Oberstrichter und seinen Knechten trage nur anderwärts hin, hörst Du?" Dreizehntes Rapitel. „ Wofür? Du Schaltsgefell?" fragte Crescenz, noch immer ungläubig. Der Fremde vor dem Fenster fuhr aber fort: Man ist Ben Davids Estherchen gekommen auf die Spur, Du gutes Weiblein. Sie werden kommen, ehe vergeht eine Stunde, mit Spießen und Stangen, um die Jüdin zu fangen, und um Dich, als Hehlerin zu sehen auf den Thurm bei Wasser und Brot." Crescentias Herz klopfte heftig, denn sie konnte nicht an dem guten Wissen des Klopfen den zweifeln. Sie öffnete schen den Laden, obgleich nur halb, und beleuchtete vorsichtig Zodicks häßliches Antlig, das sich hereinbog. Wer bist denn Du, Nachtläufer?" Laßt doch das lächerliche Gedibber," versetzte Zodick D, höre doch, wie sein Donner zürnet, und welch eherne Rede von fragte sie halb erschrocken.- Kennst Du mich denn nicht, unwillig:" wer im Giebelstübchen wohnt, weiß ich gar wohl, feinem Munde ausgeht! Er stehet Memmie!" sagte Bodick entgegen: Bin ich doch gewesen so gut als der Prophet Elias. Ruf mir das Schickselchen unter allen Himmeln, und sein der Knecht, der Dir so oft gebracht hat mildthätige Beifteuer herab, und ich führe sie zum Aette, che noch die Gewalt Blitz scheinet auf die Enden der von Ben David, dem Sohne Jochai, Du mußt Dich noch kommt über Euch."" Wenn Du nicht alsobald gehst," Erde! Hiob. besinnen auf meine Gestalt."" Ach! Du bist's?" rief die erwiderte die Alte, derb: so tommt die Gewalt meiner Haue „ Ach! Die gute Crescenz hatte nichts Eiligeres zu thun, als Alte erschreckt:„ Weiche von dannen, Du Lügner, der seinen und meiner Hunde über Dich, wenn Du nicht die letzteren den Weg zur Giebelkammer zu suchen, um die holde Esther, Herrn zum Tode bringt durch seine blutige Bosheit!"- vergiftet hast, da ich keinen Laut von ihnen höre." die kaum, von Thränen und Leid erschöpft, entschlummert " Ich bin nicht derselbe," hieß es entgegen: Jener Bodick, Ohne Sorgen, Mütterlein," sagte Zodick schmeichelnd: gewesen, aus der süßen. Ruhe zu wecken. Das Mädchen Der geklagt hat in Edom, ist nicht mehr, sondern ein reuiger fie leben, die Thiere; aber thun werden sie mir nichts, fuhr erschrocken empor, und ihr Schrecken verdoppelte sich, Zodiak lebt noch, und darum will er retten die Tochter benn ich verstehe das Handwerk, und habe ihnen gegeben als ihre Pflegerin ihr ins Ohr rief:" Du bist verrathen, seines Herrn, die einer aus Ifrael verrathen hat an den Kuchen, besser als der Kuchen Levi in der Nacht des Passah. Mägdlein! auf! Dein Heil ist nur die schnellste Flucht!" wollüftigen Schultheiß." Um Gotteswillen!" fiel die Du, laß mich aber hinein, aß nicht Unglück einzieht bei Dir, Verrathen?" stammelte Esther: woher wißt Ihr...? " kleinen Sohn des»großen� Mannes, dem Herrn Wilhelm Bismarck dem jetzigen Regierungspräsidenten von Hannover nicht bekannt fem. Wenigstens werden im Amtsbereiche dieses hoffnungsvollen Herrn Welsen und Sozialdemokraten anders wie Konservative und National- liberale behandelt. Hierfür geben noch die folgenden zwei geheimen Aktenstücke, die wir dem in Hannover erscheinen- den„Volkswillen" entnehmen, einen Beleg. Dieselben lauten: „Hannover, den 6. Januar 1392. Es erscheint die Annahme gerechtfertigt, daß auch diejenigen welfischen Klubs, welche angeblich harmlose, gesellige Bestre- düngen verfolgen, politischen Interessen dienen und im Sinne des Z 3 des Vereinsgesetzes bezeichnet werden können. Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich daher ergebenst, gegen welfische Vereine im allgemeinen nach den in meinem Aus- schreiben vom 19. November v. Js.— 1 16439— entwickelten Grundsätzen einzuschreiten und mit Energie dahin zu wirken, daß Frauen, Schüler und Lehrlinge von den unter dem Deck- mantel von Lustbarkeiten beliebten Vereinsversammlwgen ferngehalten werden. Der Regierungspräsident. gez. von Bismarck. An die Herren Landräthe und i den Herren Polizeipräsidenten Hierselbst. I No. 322. «- „Hannover, den 8. April 1393. Euer Hochwohlgeboren haben dem welfischen Vereine „Invalide" die Veranstaltung einer für den 14. d. M. in Aus- ficht genommenen Festlichkeit mit Damen auf grund des§ 3 Absatz 3 des Vereinsgesetzes untersagt. Dem Vernehmen nach hat sich nunmehr aus den Kreisen dieses Vereins ein besonderes Komitee gebildet, welches jene Feier gleichwohl unter Zuziehung von Frauen abzuhalten beabsichtigt. Euer Hochwohlgeboren ersuche ich ergebenst, gefälligst zu prüfen, ob dieses Unternehmen sich nicht thatsächlich als eine Vereinsveranstaltung darselbst(soll wohl:„darstellt" heißen. Anmcrk. d. Red.) und das Komitee nicht blos(!!!) zur objektiven erkennbaren Umgehung des Gesetzes zusammengetreten ist. Indem ich bitte im Bejahungsfälle auch die in Rede stehende Festlichkeit zu verbieten(vergl. Entscheid, des Königl. Ober-Ver- waltungsgerichts vom 1. Okt. 1696 E. O. Ver. Ger. Bd. 20 Seite 432 ff. namentlich Seite 444 am Ende) will ich einem Be- richt über den Verlans der Angelegenheit seiner Zeit ergebenst entgegensehen. I. V.: Hugcr. An d. K. P. P. H. v. B. Hochw. hier 1 7158 zu I 9739.» Es giebt blos ein entweder— oder. Entweder man verbietet ohne Unterschied der Partei derartige Ver- anstaltungen, also auch patriotische Sedan-, Kaiser-Geburts- tagsfeste und dergleichen, oder man läßt Weifen und Sozial- demokraten ungeschoren.— Moritz Wiggers ist im Alter von 73 Jahren ge- starben. Nicht allznviel werden in unserer schnelllebigen Zeit sich des Mannes erinnern, der im Jahre 1381 aus dem parlamentarischen Leben geschieden ist. Er war ein Vertreter des noch nicht verkommenen Liberalismus und hat sich speziell um die politische Erwerbung der Bevölkerung des alten Feudalstaates Mecklenburg der Anerkennung werthe Verdienste erworben. Er war im Jahre 1848 der Führer der Neuerer in Mecklenburg und wurde im Revolutionsjahre zum Präsidenten des einzigen Parla- ments, der konstituirenden Versammlung, die Meckenburg je besessen hat, die aber nie eine Verfassung vereinbart hat, gewählt. Nach Auflösung derselben wurde er nach vier- jähriger Untersuchungshaft zu drei Jahren Zuchthaus ver- urtheilt. Im Reichstage stellte er in Gemeinschaft mit seinem iBrnder Julius Wiggers und Büsing den Antrag, wonach die Reichsverfassung die Einzclstaaten zur Einrichtung par- lamentarischer Körperschaften verpflichten sollte. „ Die Abzahlungsgeschäfte sind bei den heutigen Ein- lommenverhältnissen der breiten Masse der Bevölkerung nicht zu entbehren. Daß bei Geschäften, die mit den Aermsten ge, nacht werden, zahllose an Betrug streifende Uebervor- theilungen vorkommen, lehrte die Erfahrung. Wie wirkungslos Gesetze hiergegen sind, beweist das sicher wohl- gemeinte, vom letzten Reichstage angenommene Gesetz über die Abzahlungsgeschäfte. Einige kleine Schädigungen der Käufer hat es erschwert, ihr Abhängigkeitsvcrhältnißjvon den wer hat das gethan?"— Crescenz säumte nicht, so schnell als ihre Znnge es gestattete, den Auftritt mit Zodick der staunenden ZuHörerin zu berichten, die sich hierauf in Dank- sagungen gegen sie erschöpfte.—„Ei, so laß Dank und glatte Worte bei Seite!" schalt endlich die Alte:„was ich dabei gethan, ist gar keines Lobes würdig. Welcher Mensch in der Welt wird solch ein Galgengesicht gutwillig ins Haus und sich die Gurgel abschneiden lassen? Darauf hatte es der Schurke doch am Ende bei uns beiden abgesehen. Die Ge- fahr ,st jedoch nicht vorbei, sondern sie kommt erst heran. Entweder ist es wahr, was der Bursche behauptete, und der Judenarzt hat Dich an den Schultheiß verschwatzt, und in diesem Falle mnßt Du schleunig fort; oder es ist nicht wahr, und der Schandbnbe giebt selber Dich an; dann mußt Du auch fort. Darum kleide Dich, und laufe; es blutet mir mein Herz, daß ich Dich vor die Thttre stoßen muß,— aber überall wirst Du besser sein, als in den Händen des lustgierigen Schultheißen."—„Hochgelobter, gepriesener Gott!" seufzte Esther trostlos:„Kann Dein Vaterauge sehen solche Bedrängniß, ohne zn helfen? O, daß er fern sein muß, auf den ich baute, aus den ich baute wie auf einen Engel."— Crescenz hätte gerne der Klagenden den Trost gegeben, daß Dagobert nicht mehr ferne sei, allein sie bedachte noch zu rechter Seit, daß diese Kunde den Schmerz des Mädchens und ihren Widerwillen gegen die plötzliche Trennung vom Schellenhof vermehren würde, und dennoch war, ihrer Meinung nach, kein besseres Mittel vorhanden, dem nahen- den Unheil zu entgehen. Sie begnügte sich daher, der trauernden Esther aufzutragen, sich in Wald und Busch so lange verborgen zu halten, bis der nächste Abend heran- gekommen sein würde, und alsdann fein vorsichtig auf dem Hofe sich wieder zu melden. Unnachstchtlich drängte sie in- dessen jctzo zum Abschiede, denn neben der Furcht, das Mädchen selbst in der Feinde Schlingen fallen zu sehen, be- unruhigte sie das Loos gar sehr, das ihrer warten dürste, ward ihre Theilnahme an dem heimlichen Handel bekannt. — Aber so sehr sie auch drängte und trieb, so sehr Esther wucherischen Verkäufern aber vergrößert, wie folgendes Aktenstück der bekannten Nähmaschinenagentur von G. Neid- linger beweist: Form. H 186. Instruktion für meine Angestellten betreffend das Vermiethen von Maschinen auf Miethe-Vertrag-Form. 2 143Vs und H 161 bezw. H 177. Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes, betreffend die Ab- zahlungs-Geschäste kann ich— wie dies auch s. Z. in der Petition an den Reichstag hervorgehoben wurde— an unbemittelte Arbeiter und Arbeiterinnen keine Nähmaschine mehr verkaufen: ich kann sie nur vermiethen, ohne daß der Miether durch die Miethezahlung ein e�n Anspruch auf die Maschine erwirbt. Nachstehend die äußersten Bedingungen: Miete: Der Miether einer Nähmaschine verpflichtet sich, eine wöchentliche Miethe von M. 1,d0 zu zahlen und die ge- miethete Maschine schonend und sorgsam zu behandeln. Kaution: Der Miether stellt bei Unterzeichnung des Miethe- Vertrags oder beim Empfang der Maschine eine Kaution von M. 6,— für eine I'um., V. L. Ho. 2 und 3, 1, F. und 0, B. F,, sowie: M. 8,— für eine 1. 11, C. B. M., Cylinäer oder Säulen-Maschine. Die Annahme alter Maschinen ist nicht zulässig. Kündigung: Der Miethe-Vertrag wird auf unbestimmte Zeit mit gegenseitiger vierzehntägiaer Kündigung abgeschlossen. Transport und Zurückzahlung der Kaution: Bei Aufhebung des Miethe-Vertrags hat der Miether... M. für das Zu- schicken und Abholen der Maschine zu entrichten. Dieser Betrag, etwaige rückständige Miethsraten, sowie Ersatz für fehlende Apparate und Theile ist von der Kaution abzu- setzen, der Rest der Kaution wird dem Miether bei Rück- gäbe der Maschine zurückgegeben. Ordnungsmäßige Be- nützung abgerechnet, haftet der Miether für jede Be- schädigung an der gemietheten Nähmaschine auch über den Betrag der gestellten Kaution hinaus. Meine Angestellten haben dem Mieiher ausdrücklich zu er- klären, daß er die Maschine niemals käuflich erwerbeu kann, sondern daß diese stets mein Eigenthum bleibt; der Miether hat so lange Miethe zu entrichten, bis er nach ordnungsmäßig erfolgter Kündigung des Miethsverhältnisses die Maschine zurück- gegeben hat. G. N e i d l i n g e r. Die Reichskommisfion für Arbeiterstatistik ist dem begeisterten Diener des Großkapitals, dem„unentwegten" Schildknappen des Ausbeilterthnm, Eugen Richter, ein Dorn im Auge, nicht deshalb, weil sie ungenügend ist, sondern weil sie ihm noch viel zu viel die Lkreise des Ausbeuter- thums stört. In seinem letzten Leitartikel drückt er sich um die Angriffe des„Vorwärts" und schweigt ganz von jder Thätigkeit des Vertreters seiner Partei in der Kommission; er begeistert sich dasürffür den nationalliberaleu Abg. Siegle, der sich redlich bemüht hat, die Arbeiten der Kommission nicht zu praktischen Ergebnissen gedeihen zu lassen. Es ist ein Bild für Götter: Eugen Richter, der Chef der Freisinnigen Volkspartei, verleugnet den Vertreter seiner Partei in der Kommission und unterstützt den nationalliberalen Groß- kaufmann und Großfabrikanten Siegle. Geht es der Bourgeoisie auch nur in harmlosester Weise an den Geld- sack, so verleugnet Engen seine Partei und geht mit politi- schen Gegnern, wenn sie nur rücksichtslos gegen die Ar- beitcr und für die Freiheit der Ausbeutung eintreten.— Schwindel. Nach dem Krieg von 1866 wurde den preußischen Schulmeistern(die nach der famosen Legende bei Sadowa gesiegt haben) in einem königlichen Erlaß Dank ausgesprochen. Aus diesem Kollektiv-Dank macht Ahl- wardt einen Spezial-Dank, den der König von Preußen ihm, d-m künftigen Entdecker der„Judenflinten", ab- gestattet habe. Was auf gewiffe Leute, die nicht alle werden, hier und da Eindruck gemacht hat.— Mit de» Fortschritte» des Antisemitismus wird von den Anhängern dieser Partei sehr viel Wesen gemacht; doch der Schein und auch der Lärm trügt, wenigstens spricht nicht für die Wahrheit der gemachten Reklamen, daß der Böckel'sche„Reichshxrold", der Ahlwardt'sche „Bundschuh" und das Förster'sche„Freideutschland" in eine Zeitung verschmolzen werden sollen.— Ein Jahrestag. Am 31. Juli 1392 hielt der„wider- spenstige Tobte" des Sachsenwaldes auf seiner famosen Kneipreise, die ihn, beinahe das Leben gekostet hätte, in Jena eine„begeisterte„Bierrede", von der seine Anbeter erwarteten, sie würde ähnlich wirken wie die Stimme von Bileanis Esel, und zwar nicht das Deutsche Reich, aber doch dessen Kanzler umstürzen, damit der alte Dachs wieder in seinen hausmeierlichen Dachsbau zurückkehren und seinen sich beeilte, ihrem Willen folgsam zu sein, und kaum sich die Zeit nahm, die schönen Locken mit Crescentias eigenem Miedertuche vor dem gegen die Fenster schwirrenden Regen zu schützen,— so waren doch Warnung und Borsicht zu spät gekommen. Die Hunde, die sich bisher nicht geregt hatten, fuhren auf einmal niit wüthendem Toben aus ihren Siitten, und an ihrem kurz darauf folgenden erbärmlichen eschrei war bald zu merken, daß einige derbe Schläge sie zur Ruhe verwiesen. Zugleich polterten mehrere Stöße gegen die Hausthüre, und barsche Stimmen verlangten Einlaß.— „Herrgott! schütze Deine Magd!" stöhnte Crescenz, und löschte schnell die Lampe ans, die sie mit in die Kammer ge- bracht hatte.„Halte Dich ganz ruhig und still. Estherchen," flüsterte sie derselben zu, die sich, an allen Gliedern bebend, in eine Ecke des Stübleins verkroch:„bis ich hinunter- komme und Licht mache, und dem Gesindel die Thüre öffne, fällt mir vielleicht ein Nothbehelf ein, und ich rette Dich vor der Nase dieser Spürhunde."— Rasch, wie ein Mann im rüstigsten Alter, tappte die Alte die Treppen hinab, und zegann durch das Schlüsselloch mit den Bewaffneten vor dem Hause zu unterhandeln. Diese waren jedoch keines- wegs gelaunt, Scherz oder Zögerung mit sich treiben zu lassen, und drohten, Thür und Fenster in Stücken fzu hauen, wofern nicht alsogleich aufgethan würde. Da sich nun Crescenz entschuldigte mit Mangel an Licht, so erboten sich die Belagerer, ihre eigenen Laternen herzugeben, um das Haus zu durchsuchen. Wie sie dann nun immer heftiger wurden, und ohne Aufhören im Namen des Oberst- richters die Oeffnung begehrten, mich indessen das Gesinde zusammengelaufen war, und sich wunderte über den muth- willigen Verzug der Schaffncrin, so blieb der letzteren nichts übrig, als in Gottes Namen dem rohezr Söldnerhaufen Einlaß zu geben. Der Anführer der grimmigen Schaar nhr sogleich mit Donnerstimme über die Alte her:„Den Judenbalg gieb heraus, den Du in Deinem Hause versteckt hältst! heraus! ohne Widerstand und Ausflucht. Du bist ves Todes, wenn Tu nicht blitzschnell thust, was wir be- gehre»!"— Crescenz spielte die Ueberraschte, die Unwissende, Getreuen wieder aus dem Millionentopf des Reiches fette Brocken zuwerfen könne. Nun— die Hoffnung hat sich nicht erfüllt; das Biertrinken und Bierreden war nur dem Trinker und Redner gefährlich, und zum ewigen Andenken an den fürchterlichen Katzenjammer, der jenem weltgeschicht- lichen 31. Juli 1892 gefolgt ist, haben die Getreuen auf dem Marktplatz von Jena einen Brunnen errichtet, der vorgestern— also eigentlich zwei Tage zu früh— in Gegenwart„von vielen hundert"(warum nicht von vielen tausend?)„von vielen hundert Männern, Frauen und Kindern", wie der amtliche Festbericht sagt, eingeweiht wurde, und dessen kühlendes Getränk jetzt allen durstigen Seelen und namentlich den unter des Katzenjammers Tücken Leidenden Labung spenden soll. Natürlich ward auch eine Einweihungsrede gehalten, und natürlich auch von einem „Professor", der sich in diesem Fall„Götz" nennt, und wohl ein Verwandter des großen Leipziger„Döbbjen"-Götz sein dürfte. Was er geredet, das ist in vier Spalten des „Leipziger Tageblatts" zu lesen und kann von Jedem, der ein Bedürfnis verspürt und das„Leipziger Tageblatt" nicht zur Hand hat, in allen früheren Reden der Bismarck- Anbeter nachgelesen werden, die seit 1870 nur eine einzige Rede gehalten haben— freilich jedesmal eine„nationale That".- Fürchtet die Sozialdemokratie Bismarck? Diese Frage beantwortet in der in Bonn erscheinenden links- ultramontanen„Deutschen Reichszeitung" ein bekannter süddeutscher Politiker folgendermaßen: Es ist direkt eine grobe Unwahrheit, daß die Sozialdemo- kraten den Herzog„hassen", daß sie in ihm eine„furchtbare" Persönlichkeit erblicken, während er ihnen nur komisch vorkommt, da seine Angriffe auf sie immer mit ihrem Vortheile�endigte». Man kann vernünftiger Weise doch nnr den fürchten, der einem geschadet hat und im stände ist, weiter zu schaden. Unter der„Regierung" des Fürsten Bismarck sind aber die Sozial- demokraten erst in den Reichstag eingezogen und haben sich von einer Stimme(Bebel) über das„dritte Dutzend" vermehrt.— Ein täglich erscheinendes Blatt war die Waffe, die den österreichischen Arbeitern bis jetzt gefehlt hat. Da nun einige Hemmnisse der Entfaltung der unabhängigen Presse in Oesterreich weggefallen sind, wird das tägliche Erscheinen der bis nun nur zweimal wöchentlich erscheinenden Wiener„Arbeiter- Ztg." in's Auge gefaßt. Die österreichische Parteivcrtretung er- läßt einen warmen Aufruf, worin sie zur Sammlung von Geldmitteln für die Vergrößerung ihres wichtigsten Organs auffordert. Wir bedauern, daß unser Raum es nicht ge- stattet, den Aufruf wörtlich wiederzugeben, sind aber über- zeugt, daß die österreichischen Genossen in Deutschland nicht ermangeln werden, den Ausruf ihrer Parteileitung gebührend zu würdigen. Wir wünschen der österreichischen Bruderpartei, die sich so herrlich in der letzten Zeit entwickelt hat, baldiges Ge- lingen ihres neuen Unternehmens.— Seine Majestät Casimir I scheint sich in der Rolle des autokratischen Zaren oder des Verfassungsbrechers ver- suchen zu wollen. Eine Depesche des Präsidenten Casiniir Perier besagt nämlich, daß das Anarchistcngesetz auch auf Algier angewandt werden wird. Da eine hierauf hin- weisende Bestimmung im Gesetze fehlt, so genügt hierzu der Perier'sche Ukas nicht, sondern ist ein besonderes Gesetz er- forderlich. Um solche Kleinigkeiten scheren sich die Perier und Dupuy aber nicht.— Das englische Budget ist nun auch vom Oberhaus in dritter Lesung angenommen worden.— Ueber die italienischen Anarchisten meldet die „Franks. Ztg." nach dem„Corriere della Sera", daß das Ministerium des Innern den auswärtigen Regierungen die Bewegungen der zahlreichen italienischen Anarchisten mit- theilt, von denen viele, um den Bestimniungen deS neuen Anarchistengesetzes zu entgehen, ins Ausland flüchten. Dem« selben Blatte zufolge„verschicke" die Polizei angeblich zahl- reiche Anarchisten nach Brasilien. Das könnte natürlich nnr geheim geschehen. Die italienisch- brasilianische Ans- wanderungs-Gesellschaft soll 47 von der Quästur in Turin bezeichneten Anarchisten freie Ueberfahrt auf dem Dampfer „König Hnmbert" nach Brasilien gewährt haben. Die Liste der für ein Zwangsdomizil bestimmten, in Rom weilenden Anarchisten umfaßt dem„W. Fr. Bl." zufolge bei 300 Namen, darunter sind jedoch nnr zehn Römer, die anderen sind hierher zugereiste Anarchisten. Die größte Zahl von Anarchisten beherbergen, wie aus der Liste her- aber ihr linkisches Leugneil machte die Herren noch dringender, die gar nicht übel unterrichtet zu sein schienen. —„Lüge, daß Du erstickst!" schrie der Führer,„wir werden doch wissen, welch' Nestlcin wir hier auszuheben haben! Spare also Deine Winkelzüge, und freue Dich auf den Pranger, alte Kupplerin, welche Söhne von ehrlichen Bürgern verführt zur Gemeinschaft mit nichtswürdigen Jüdinnen. Mach' Dich fertig, und steige voran. Wir wollen schon finden, was unser ist." Je näher die Gefahr rückte, je trotziger wurde indessen die Alte, und hätte sich beinahe verleiten lassen, eine Bet heuerung darauf abzulegen, daß die gesuchte Jüdin sich nicht im Hofe befinde. Indem drängte sich eine neue Figur in de« Kreis, und der häßliche Zodick stand wieder frech und leibhaftig wie vor einer halben Stunde vor dem zankenden Weibe.„Glaubt nicht der Hexe!" rief er den Söldnern zu:„Die Dirne ist nicht gekommen ans dem Hause. Ganz Mokum*) will sie an der Nase führen, daß sie selbst komme davon mit ganzen Ohren. Doch ich will Euch sagen, was sie nicht will schmusen. Das Vöglcin steckt oben im Nest. So Ihr erklimmt die Stiege, hört Jhrs schon piepen und flattern." —„Der Jude hat eine Nase wie der Teufel!" schwor der Anführer der Häscher, welche lärmend gegen die Treppe vordrangen. Vergebens suchte Crescenz den grinsenden Zodick Lügen zu strafen, vergebens gegen ihn selbst eine schwerere Anklage zu richten; sie wurde nicht gehört, ihr Geschrei übertäubt, und der andringende Haufe riß sie in seinen Wirbel mit fort. Den schlagendsten Beweis, daß sie mit Ränken umgehe, schien obendrein das Erscheinen einer Dirne zu liefern, die oben aus dem ersten Treppen- absatz sich sehen ließ, gehüllt in unordentlich übergeworfene Nachtkleider, und mit ängstlicher Stimme herunter schrie: „Aber, Frau, Frau, um alles in d« Welt! Was soll das Getöse? Was gieht es denn?"— ») Die Stadt (Fortsetzung folgt.! vorgeht, die Städte: Livorno, Cesena und Jmola.— In Livorno wurde ein Anarchist Namens Franchi unter dem Verdachte verhaftet, Mitschuldiger bei der Ermordung Bandi's gewesen zu sein.— Ruhlands Finger dürften demnächst in der serbischen Politik zu bemerken sein. Der Stipendiat Rußlands und ehemaliger serbischer Ministerpräsident uud Führer der radikalen Partei, auch Sozialdemokrat a. D. Pasic ist in Belgrad eingetroffen, um an den Berathungen des radikalen Zentralausschusses theilzunehmen. Unterdessen sucht sich die serbische Regierung ihrer Feinde zu entledigen. Nach einer Meldung der„Politischen Korrespondenz" aus Belgrad ist die Untersuchung in dem Hochverraths- Prozesse gegen Cebinac beendet. Außer gegen Cebinac wird der Staatsanwalt die Anklage wegen Hochverraths er- heben gegen den ehemaligen Deputirten und Präsidenten des radikalen Skuptschinaklubs Ranko Taisitsch, den Sekretär des Kragujewatzer Kreisausschusses Sima Djakovitsch und den ehemaligen Schullehrer und Steuereinnehmer Alexander Zujovitsch.— Ueber die Cholera in Rußland schreibt man uns aus St. Petersburg: Noch sind die Folgen der vorjährigen Cholera- epidemie nicht überwunden, noch konnte man vor kaum einigen Tagen in den Zeitungen die Berichte über die Gerichtsverhand- lungen gegen die an den vorjährigen Aufruhren betheiligten Bauern lesen und� schon ist abermals in Folge der elenden Lebens» Haltung der russischen Bevölkerung mit doppelter Gewalt die Epidemie ausgebrochen. So waren am 24. Juli allein in den Petersburger Krankenhäusern vorhanden: 867 Cholerakranke, im Lause des Tages kamen weiter zu 159, als genesen sind entlassen worden 93. gestorben sind 93. Angesichts solcher Zahlen hielt es idie ganze liberale Presse Rußlands für ihre Pflicht. doch einmal den Finger in die Wunde zu legen, indem sie die wahren Ursachen der Epidemie der Oessentlichkeit bekannt machte. Sie führte aus: daß im Jahre 1893 die höchste Zahl der täglich erkrankten nur 60 betrug wogegen sie jetzt 160 beträgt; daß der größte Theil der Erkrankten aus den Vororten Petersburgs stammt; daß dort nämlich-die ärmste Bevölkerung wohnt, die sich am elendsten ernährt und den größten Theil der Nächte unter freiem Himmel zubringt! daß ein sehr großer Prozentsatz zu den Cholera-Erkrankten von den Mannschaften und Arbeitern der sich auf der Neva und den Sladtkanälen be- findenden Schiffe gestellt wird, die hauptsächlich trockene und kalte Nahrung und ungekochtes Wasser zu sich nehmen und die Nächte unter freiem Himmel, aus den Schiffen auf Holz und Misthaufen zubringen müssen. Daß auch in Petersburg, wie seiner Zeit in Haniburg, von den Aerzten beob- achtet wurde, die Kellerwohnungen die Cholera ungeheuer för- dern; daß es bis nun erwiesen ist, daß die diesjährige Cholera in keiner Verbindung mit der vorjährigen steht. Es erhelle dies auch aus der Thatsache, daß, während die Cholera im voriaen Jahre die dichtbevölkertsten Stadttheile aussuchte, in diesem Jahre, wie schon erwähnt, zumeist die Vororte und die zerstreuter bewohnten Stadttheile heimgesucht werden. Die liberale Presse erachtete es aber auch für ihre Pflicht, auf die Mittel hinzuweisen, die zur Beseitigung wenigstens der augenblick- lichcn Gefahr anzuwenden wären, und während sie von der Be. thätigung der Oeffentlichkeit auch jetzt eine Abhilfe erwartete, wie sich diese schon während der Hungersnoth gezeigt hatte, wollte die reaktionäre Presse wissen: daß diese Abhilfe nur durch die Energie der Regierung möglich sei. Ter Waghalsigkeit der liberalen Presse gegenüber konnte die Zarenregierung nicht ruhig bleiben; ihr erschien es überhaupt als ein Frevel, daß jemand von einem anderen als der Regierung eine Abhilfe erwarten könnte. Schon während der Hungersnoth prahlte sie mit den von der Oeffentlichkeit zusammengebrachten Gaben, indem sie die Getreidewagen, die nach den Hungerprovinzen abgingen, mit „Väterchens" Bild und Namen ver— zierte und so den wahren Ursprung dieser Gaben vertünchte. Auch jetzt griff sie die liberalen Blätter an. indem sie im Staatsanzeiger bekannt machte, daß die Presse nur dazu beitrage, die öffentliche Meinung zu verwirren und irre zuführen und seitdem — haben die liberalen Zeitungen in den Chor der Regierungs» reptilienpresse gezwungener Weise miteinstimmen müssen. An Verwarnungen und Strafen, wie das Entziehung des Privat- reklame- und Jnsertionsrechts. wie der Verbot des Einzelverkaufs hat es für die liberalen Blätter natürlich bei dieser Gelegenheit nicht gefehlt. Jetzt liegt nunmehr die Bekämpfung der Cholera allein in den Händen der Regierung und der Polizei, die es als ihre erste Aufgabe erachteten, stets die volle Wahrheit— zu ver» schweige». Was die eigentlichen Bekämpfungsnuttel anbetrifft, so sind diese schon so schwach genug, geschweige dennoch jetzt, da sie sich in den Händen einer russischen Behörde be- finden. Geld ist nicht mehr vorhanden, da die vorjährige Cholera und Hungersnoth alle Geldmittel erschöpft ha- be», und so bleibt nichts übrig, als der Kampf mit „geistlichen" Waffen. Auf allen Märkten und Plätzen und in allen Kirchen werden Tag für Tag Gottesdienste zur Ab- wehr der Cholera abgehalten. An Polizei-Erlassen regnet es förmlich, so werden z. B. die Schnapsstubenbesitzer aufgefordert, darauf zu achten, daß ihre Gäste nicht voll und ganz betrunken werden. Mit Verlaub der Behörde haben sich Zirkel gebildet, die der Bevölkerung die„Abstinenz" predigen sollen— was übrigens überflüssig rst, da die russische Bevölkerung so wie so „Abstinenz" üben muß. Das sind die Kampfesmittel der russischen Regierung gegen die verheerende Choleragesahr; werden sich dem gegenüber die europäischen Regierungen aus die Zarische Jnitiativerlassen oder werden sie zeitig genug selbst Mittel zur Abwehr der nahenden Gefahr ergreisen? Ueber die Cholera im Ausland liefen heute die folgenden Drnhtmeldungen ein: Warschau, 31. Juli. Für sämmtliche Gouvernements in Polen hat Generalgouverneur Gurko die Wallfahrten nach Czenstochowa angesichts der stark auftretenden Cholera verboten. Ueber die Maßregeln der deutschen Regierung gegenüber der Gefahr der Einschleppung der Cholera aus Rußland informirt die am 30. Juni ergangene Rundversügung des Oppelner Rc- gicrungspräsidenten, wonach die Beschäftigung landwirthschaft» licher Arbeiter aus Rußland nur unter folgenden Bedingungen gestattet wird: 1. Von den Arbeitern bezw. den sie begleitenden Führern ist ein Attest der zuständigen russischen Polizeibehörde vorzulegen, durch welches erwiesen wird, daß der Herkunstsort der Arbeiter cholerafrei; 2. auf Kosten der Arbeiter beziehungsweise ihres Führers . oder des Arbeitgebers ist durch einen deutschen Arzt beim Ein- tritt in das Inland festzustellen, daß ein Verdacht bezüglich der Person der Arbeiter auf Choleraerkrankung und bezüglich ihrer Sachen aus Verunreinigung durch Choleradejeltionen ausge- schloffen ist. Die Grenzzollämter wurden ersucht, die betreffenden Arbeiter- trupps nicht eher in das Inland eintreten zu lassen, als bis die erwähnte Untersuchung stattgesunden hat und nach ärztlichem Befund gegen den Eintritt Bedenken nicht obwalten, während die Prüfung der Bescheinigungen des Herkunftsortes durch die Polizeibehörde vor der Vornahme der Untersuchung zu veran- lassen ist. Bezüglich des Durchzugs russischer, für andere Re- gierungsbezirke des Inlandes bestimmte; Arbeiter findet die obige Verfügung sinngemäße Anwendung. Warum werden diese Maßregeln bloß auf Arbeiter und nicht *uch auf Nichtslhuer, wie Rentiers u. vergl. angewandt?— Aus Maroceo, einem der Wetterwinkel der Politik, liegen wieder recht bedenkliche Nachrichten vor: AuS Calagaran aus Mindanao wird gemeldet: Die spanischen Truppen griffen am 24. d. Mts. die malaischen Mohamedaner an und brachten denselben eine vollständige Niederlage bei. 250 Malaien fielen in dem Kampfe. Nach marokkanischen in Madrid eingetroffenen Mel- düngen wurde ein französisches Schiff„St. Vincent" in der Nähe von Tanger von Riffkabylen überfallen und vollständig geplündert. Das Schiff wurde erst nach dem Eingreifen des spanischen Gouverneurs freigegeben. Aus Malaga liegt hierzu die folgende Meldung vor: Die Riffkabylen nahmen eine unter französischer Flagge segelnde, von Tanger kommende Bark weg und raubten die ganze Ladung.— Ist's Krieg? Oder ist es nicht Krieg? Wir meinen den Konflikt zwischen Japan und China. Eine Kriegserklärung ist noch nicht erfolgt. Jedenfalls aber wird gehauen und geschossen. Die Japanesen, die sehr anstellige Leute sind, haben von den Europäern gelernt, daß das Völkerrecht nur dazu da ist, um gebrochen zu werden. Eine der von allen Geschichtsbüchern gepriesenen„Großthaten" Friedrich's„des Großen" war es bekanntlich, daß er seiner Zeit Oesterreich und Sachsen ohne Kriegserklärung über- fiel. Und wie in neuerer Zeit Bismarck die Kriege machte, und den Angegriffenen zwang, den Krieg formell zu erklären, das wird zwar in den Geschichtsbüchern ver- schwiegen, ist aber jedem einigermaßen Geschichtskundigen bekannt. Die Katzbalgerei zwischen den Chinesen und Japanesen kann uns an sich sehr gleichgiltig sein. Für uns von Interesse sind nur die russisch-englischen Gegen» sätze, die anläßlich dieses Konflikts zu Tage treten werden. Bei der trostlosen Finanzlage des russischen Reichs und der völligen Zerrüttung desselben ist freilich nicht zu befürchten, daß es zu einem ernsten Zusammenstoß kommen wird. Das absolutistisch-zaristische Regiment hat sich in Rußland so vollkommen unfähig erwiesen, und hat so toll die Grundlagen seiner eigenen Existenz zerstört, daß es that- sächlich für den Augenblick nicht einmal die niedrigste aller Politiken: die Raub- und Eroberungspolitik, erfolgreich zu betreiben im stände ist. Wenigstens nicht im großen Maßstabe. Denn im Kleinen raubt dieser kolossale Raubstaat mit den thönernen Füßen ja fortwährend und ununterbrochen.— Pavteiuarfiftdjlcn. Die lebte Landeskonferenz der badifchen Sozial- demokratie hatte neben den bereits bekannten Beschlüssen auch den gefaßt, den sozialdemokratischen Landtags-Abgeordneten werde zur Pflicht gemacht,„den Parteistreit weder in Versamm- lungen noch in der Presse weiter zu tragen". Die Mannheimer „Volksstimme" erklärt nun, nachdem sie den auch von uns ge- brachten Bericht des Offenburger„Volkssreunds" über die Ver- Handlungen der Konserenz, der vom Landesvorsiand herrührt, veröffentlicht hatte, in einer Anmerkung zu einem zweiten Bericht, daß der erste Bericht parteiisch abgefaßt sei, und sie sich deshalb nicht um den Beschluß kümmern werde, wonach der Streit nicht mehr inderPresse und den Versammlungen erörtert werden soll, denn der„Volksfreund' habe diesen Beschluß selber für so unter- geordnet gehalten, daß er ihn in seinem �Bericht gar nicht er- wähnte. Die„Volkestimme" begann darauf in ihrer Numnier vom 23. Juli eine Artikelserie, die den Titel„Nachklänge zur Landeskonferenz" trägt. Im ersten dieser Artikel wird an der Art und Weise der Verhandlungen der Landeskonferenz Kritik geübt; die anderen Artikel liegen uns noch nicht vor. Gegenüber diesem Verfahren ist zu bemerken, daß eine Partei wie die unsere ohne Disziplin nicht bestehen kann. Ist man mit dem Urtheil der Konferenz nicht einverstanden, so bleibt einem noch der Parteitag, um sein Stecht zu suchen. Jedenfalls liegt kein genügender Grund vor, die Fehde in der Presse fortzusetzen, Damit ist natürlich nicht gesagt, daß man auch über das rein theoretische der Frage schweigen solle. Von den übrigen Blättern unserer Partei haben einige zu der Angelegenheit insofern Stellung genommen, als sie dem Sinne nach Dr. Rüdt vorwarfen, er bringe bei der öffentlichen Thätig- keit seine atheistische Weltanschauung stärker zur Geltung, als sich mit dem Interesse unserer Partei vertrüge. Wir meinen, daß die Parteipresse gut thun wird, wenn sie bei der Besprechung der Angelegenheit die Sache von den Personen trennt. Die badischen Parteigenossen in ihrer Gesammtheit sind zweifellos ebenso wenig wie die übrigen deutschen Genossen auf die Namen von Personen eingeschworen. Vorderhand ist es ihre Pflicht, mögen sie Dreesbach oder Rüdt Recht geben, darüber streng zu wachen, daß die Beschlüsse ihrer eigenen Konferenz so lange ge- achtet werden, bis der Parteitag entschieden hat, dem die Ange- legenheit aller Wahrscheinlichkeit nach unterbreitet werden wird. AuS Lörrach in Baden wird von bürgerlichen Blättern ge- meldet, daß dort eine„sozialdemokratische" Versammlung dem von der badischen Landeskonferenz aus der Partei ausgeschlossenen Landtags-Abgeordneten S t e g m ü l l e r einstimmig ein Ver» tranensvotum ausgestellt habe, so daß dieser das Landtags- Mandat behalten werde. Das Progranim der sozialdemokratischen Partei verlangt unter Ziffer 6: Abschaffung aller Aufwendungen aus ösfent- lichen Mitteln zu kirchlichen und religiösen Zwecken. Da Stegmüller im Landtage den Bau einer Kirche aus Landesmitteln befürwortet und damit bewiesen hat, daß er nicht auf dem Boden unseres Programms steht, kann er das Vertrauensvotum nicht von Sozialdemokraten erhalten haben. � Zur Agitation wird uns geschrieben: Die außerordentliche geistige Regsamkeit, die sich in den Kreisen der Parteigenossen gellend macht, findet ihren natürlichen Ausdruck in dem Ver- langen nach einer nie erlahmenden Agitation. Jeder Partei- genösse weiß, daß stetig und unermüdlich agitirt werden muß, um den„Unverstand der Massen"— den zuverlässigsten Bundes- genossen ber bürgerlichen Gesellschaft— zu bewältigen. Zwar leistet die sozialdemokratische Presse in bezug sauf die Ausklärung der Massen Außerordentliches. Die Bernlehrung der Preßorgane und deren steigende Abonnentenzahl beweisen den guten Erfolg. Doch vollen Ersatz für die mündliche Agi- tation kann die Presse nicht bieten. Beide Formen der Agitation haben sich zu ergänzen. Der Wunsch der Parteigenossen, das belebende, anfeuernde Wort aus dem Munde der Vorkämpfer zu hören, macht sich heute noch genau so gellend, wie in den Kinderjahren der Sozialdemo. kratie. Das ist ein erfreuliches Zeichen. Es ist das Verlangen, sich an den Idealen zu begeistern, im Redner das Sprachrohr der eigenen Gefühle, des eigenen Denkens und Wollens zu sehen und zu hören, um sich zu stärken und zu stählen sür den ernsten Kampf. Um den vielen, oft sehr weitgehenden Wünschen der Partei- genossen in bezug auf die mündliche Agitation gerecht zu werden, hat die Parteileitung eine solche in verschiedenen Gegenden des Reiches vorgesehen. Wenn dabei nicht alle Gebietstheile berück- sichtigt werden konnten, so lag das an dem Umstand, daß nicht mehr Genossen, die mit dem Ehrenamt eines Reichslags-Abgeord- neun betraut sind, der Parteileitung sich zur Verfügung stellen konnten. Die in der Vorbereitung begriffene Agitation wird im Laufe des Monats August ausgeführt von den Abgeordneten Kühn in SchleSwig-Holstein, Herbert in Schle s'ien. Metzger in Thüringen und am Harz, Schumacher am linken Rheinufer, Meist in Baden und der Pfalz, Seifert in der Lausitz, Schulz in Ost« und Westpreußen und W u r m in der P r o v i n z S a ch s e n. Zur Ergänzung der gegebenen Erläuterung sei noch bemerkt, daß der Abgeordnete R e i ß h a u s gleichfalls im Auftrag der Parteileitung mit der Agitation in den beiden M e i n i n g e r Kreisen betraut ist, und die Abgeordneten Förster und Wurm längere Agitationstonren in ihren Wahl- kreisen unternommen haben. Bereits mehrere Wochen ist der Abgeordnete Dr. Schönlank in Württemberg agitatorisch thätig. Um das Bild vollständig zu zeichnen, sei daran erinnert, daß die Nachwahl in den beiden eroberten Wahlkreisen einen großen Theil der Abgeordneten stark in Anspruch nahm. Es steht nun zu erwarte», daß die Genossen allerorts für die von den Vertrauensmännern einberufenen Agitationsversammlungen das rührigste Interesse bezeugen, und mit gewohnter Energie sür einen zahlreichen Besuch Sorge tragen. Darum auf zur Agitation! Der Sozialdemokratie zu Nutz, den Gegnern zum Trutz Die Hänsiakeit der rurtheilunge» sozialdemokratischer Redakteure erklärt das„V o I k s b l a t t sür Halle" treffend damit, daß die Redakteure unserer Parteipresse bei jeder Kleinigkeit vor den Kadi gezogen werden. Es komme nicht selten vor, daß dieselben Artikel, die uns Verurtheilungen einbringen, von den bürgerlichen Zeitungen gebracht würden, o h n e daß Anklage erhoben werde. Wie niederträchtig die bürgerliche Presse gegen die Sozialdemokratie polemisirt, zeigt wieder ein Bericht der„Rhein.- Westfälischen Zeitung" über die Agitationstour unseres Genossen T h. v. W ä ch t e r. Es heißt da, Wächter wolle nur möglichst schnell viele Arbeitergroschen einheimsen, um sich dann vom Schauplatz zurückzuziehen und ein gemüthliches Leben zu führen. Hätte Wächter das wollen, so hätte er nur seine Ueberzeuguug zu verleugnen und ein Pfarramt anzutreten brauchen. Zlus Elberfeld berichtet*die„Freie Presse", daß der Bau eines großen Versammlungshauses aus dem Johannisberg, das sogenannte Stadthallen- Projett, in- folge des dankenswerthen Entgegenkommens der bisherigen Eigen- thümer. Gebr. Küpper, so gut wie beschlossene Sache sei. Die beiden Herren, Rudolf und Emil Küpper, haben nochmals ge- meinschastlich 23 000 M. gezeichnet, so daß sse jetzt aus ihre erste Preissorverung im Ganzen 50 000 M. nachgelassen haben. Sie erhalten demgemäß von der Stadt die sür das Versammlungs- haus bewilligten 400000 M. und von dem Stadthallen-Ausschuß 70 000 M., welch letztere bis auf eine verhältnißmäßig un- bedeutende Summe, wofür der Vorsitzende des Stadthallen-Aus» schusses, Stadtverordneter Schmerfeld, sich vorläufig„stark machen" wird, durch die Zeichnungen der Vereine und Privat- Personen bereits zusammengebracht sind. Zu diesen Vereinen gehört auch, wie wir schon kürzlich berichteten, der „Sozialdemokratische Volksverein", der 2000 Mark bei- gesteuert hat. Unter den Privatpersonen fehlen� bis auf verschwindende Ausnahme» so ziemlich alle Geldsäcke der Stadt! Das Versammlungshaus wird also demnächst als ein Werk der „unteren" und„mittleren" Schichten der Bevölkerung auf stolzer Bergeshöhe dastehen. � Todtenliste der Partei.* In Köln ist der bewährte Parteigenosse Faßbender an den Folgen eines Schlaganfalls verschieden. Noch vor kurzer Zeit feierte er in voller Rüstigkeit seine goldene Hochzeit. � Polizeiliches. Gerichtliches«. — Der gegen unsere Dresdener Parteigenossen Eich» Horn und F i n d e i s e n wegen„Erpressung"(verübt durch eine — Aufforderung zum Boykott!) eingeleitete Prozeß, ist vom 23. Juli auf den 22. August vertagt worden, und zwar deshalb, weil ein Zeuge, der Rechtsanwalt Gerlach, Ausstchtsrathsmit- glied der boykottirten Waldschlößchen-Brauerei, nicht erschienen war, sonder» sich„g e g e n w ä r t i g zur ik u r i n T i r o l a u f-. hält". Dieser Herr stärkt seine Gesundheit in den Alpen, und unser kranker Genosse Eichhorn muß mit Findeisen deshalb v i e r Wochen länger i» Untersuchungshast sitzen! Eichhorn hat, wie der Gefängnißarzt feststellte,„einen guten(!), alten Katarrh"— übrigens eine recht passende Ausdrucks- weise für einen Arzt!— und neben den Narben älterer Fistelgeschwüre auf der Brust ein frisches Fistelgeschwür; kurz Eichhorn ist so leidend, daß er. als ihn seine Frau besuchte, kaum noch sprechen konnte. Uebrigens ist ähnliches bereits Gradnaner widerfahren. Seine Haft wurde im voriaen Monat ebenfalls dadurch verlängert, daß«in Vertreter der Waldschlößchen-Brauerei, der Direktor Bier, bei seiner Berufung zur Zeugnißablcgung ans der Reise war und erklären ließ» er könne nicht nach Dresden kommen, weil er krank sei. Diese Vorkommnisse zu kritisiren ist überflüssig. Sie selbst kritisircn die sächsischen Verhältnisse vernichtender, als die schärfste Kritik es könnte. — Im Februar d. I. beschlagnahmte in E l b e r f e l d die Polizei bei einer Haussuchung in der Druckerei der„Freien Presse" auch drei Exemplare eines Heftes des Liederbuches„Der freie Sänger", worin das Herwegh'sche Liev„Bei' und arbeit'! ruft die Welt" abgedruckt ist. Durch Entscheidungen der Berliner und Erfurter Strafkammer sind sozialdemokratische Liederbücher, worin sich dieses Lied befand, beschlagnahmt und unbrauchbar gemacht worden, deshalb ließ die Elberfelder Staatsanwaltschafr dieser Tage das Landgericht über ihren Antrag entscheiden, daß im Verfolg jener Urlheile auch diese Nachdrücke vernichtet werden möchten. Die Belheiligten, der Siedakteur der„Freien Presse" und der Verleger des Blattes, ließen durch ihren Rcchtsbeistand auf ein Urtheil der Elberfelder Strafkammer vom 4. Slugust 1391 hinweisen, wonach der Verleger von der Anklage der Aufreizuntz, die durch Verbreitung jenes Liedes geschehen sein sollte, frei- gesprochen worden war, und beantragten Ablehnung des An- lrag-'s der Staatsanwaltschaft. Das Gericht erkannte demgemäß, indem es die Staatsanwaltschaft abwies und die Kosten des Ver- fahrens der Staatskasse auferlegte. — Polizeilich verboten, und zwar ans grund des H 1 des Vereinsgesetzes, wurde in Hamburg eine öffentliche Versammlung. wo Herr F. Lauskötter einen Vortrag halten sollte über:„Die geistige Ausbildung der nachschulpflichtlgen Jugend, mit besonderer Berücksichtigung der Hamburger Verhältnisse."— Einen Grund zu dieser polizeilichen Maßregel kann das„Hamburger Echo". dem wir diese Nachricht entnehmen, nicht entdecken. Soziale Llelreesichk: Wie griindlich die Unternehmer das Boykotte» betreiben, zeigt wieder ein vom Braunschweiger„Volksfreund" veröffentlichtes„Verzeichnih hervorragender Agi- t a t o r e n", das von dem hierin berüchtigten Verband deutscher Metallindustrieller in Berlin von Zeit zu Zeit versandt wird. Das Verzeichniß enthält Vor- und Zu- namen, Stand, Geburtsort, Geburtstag und den Namen der Fabrik, wo der mißliebig gewordene Arbeiter zuletzt in Arbeit gestanden hat, und am Schlüsse der Liste heißt es:„Vor derAnstellung der in diesem Verzeichniß Ge» nannten werden Sie hierdurch gewarnt." Boykottirt der Arbeiter eine Brauerei oder verhängt er über eine Werkstatt die Sperre, so entzieht er dem Unternehmer damit noch lange nicht die Möglichkeit der Existenz. außerdem wird ein solcher Boykott immer nur auf eine mehr oder weniger begrenzte Zeit verhängt, Giebt der Unter- � nehmer nach, so ist der Boykott erledigt. Durch die schwarzen Listen der Unternehmer dagegen wird der Arbeiter dauernd in seiner Existenz geschmälert, und das in der Regel wegen seiner politischen Ueberzeugnng oder wegen der Zugehörigkeit zu einer Arbeiterorganisation, was alles mit dem Arbeitsverhältniß an sich nichts zu thun hat, oder weil er sein und seiner Kameraden Arbeitsverhältniß zu verbessern suchte, was nach Z 152 der Gewerbeordnung sein gutes Recht ist. Außerdem prüft die Arbeiterschaft erst die Sachlage, bevor sie dem Antrag aus Boykott- Erklärung oder auf Verhängung der Sperre zustimmt. Nicht ein oder zwei, sondern mehrere Leute entscheiden darüber. Nicht so bei den Unternehmern. Soll ein Arbeiter zun, Hungern verurtheilt werden, so theilt sein sogenannter „Arbeitgeber" der Geschäftsführung des Verbandes einfach die Personalien des mißliebig gewordenen Arbeiters mit und ersucht um dessen Aufnahme in die schwarze Liste, ohne daß der Arbeiter von der Sache in Kenntniß gesetzt ist. Die schwarze Liste wird geheim gehalten, und so kann es vorkommen, daß der Arbeiter nie erfährt, warum er nirgends wieder Beschäftigung bekommt. Daß bei diesem geheimen Verfahren der niedrigsten Denunziation Thür und Thor offen steht, bedarf keines Beweises. Angesichts dieses schändlichen Gebahrens der Unternehmer bringen es die herrschenden Klassen noch fertig, vor sittlicher Entrüstung über- zuschäumen, wenn die Arbeiter einmal zum Boykott greifen, was gegenüber den fortgesetzten Provokationen verhältnißmäßig selten genug vorkommt. Die Heuchelei der herrschenden Klassen über- steigt wirklich alle Begriffe. Soldaten als Streikbrecher. Ans Vingst bei Kalk wurde der„Rheinischen Zeitung" gemeldet:„Daß man es hier wie anderwärts versteht, den freien Arbeitern durch Angehörige des Militärstandes Konkurrenz zu machen, ist auf dem Bauernhofe der Geschwister Wolf hier zu sehen. Die Arbeiter waren nicht mehr mit dem ihnen gereichten Essen zufrieden, und da sie kein besseres bekamen, stellten sie die Arbeit ein. Um Aushülfe wandten sich die Eigenthümer an die Militärbehörde und von einem der umliegenden Forts wurden ihnen auch vier Soldaten zur Verfügung gestellt. Diese besorgen jetzt an Stelle der Arbeiter deren Thätigkeit, vielleicht noch etwas billiger, und die Allmacht der Besitzer ist noch einmal gewahrt." Es ist bekannt, daß die Kommandeure von Truppentheilen schon öfter derartige Verlangen der Unternehmer abgewiesen haben. Kommt es dennoch vor, daß Soldaten zu Streikbrecher- diensten zur Verfügung gestellt werde», so läßt das darauf schließen, daß das Kriegsministerium in dieser Angelegenheit noch immer keine Verfügung getroffen hat, die dem Uebelstand ab- Hilst. Eine solche ist aber, wie das Beispiel aus Vingst zeigt, höchst nöthig. Hoffentlich wird sie nun endlich erlassen. Die Einführnng der Slrbeitslosen-Bersichernng für ihre Mitglieder hatten die evangelischen Arbeitervereine auf ihrem diesjährigen Delegirtentage in Frankfurt a. M. ins Auge gefaßt. Jeder Verein sollte, wenn er Lust dazu hatte, entsprechend für seine arbeitslosen Mitglieder sorgen. Jetzt ist im Moniteur dieser Frömmlervereine ein Statutenentwurf erschienen, der ihnen als Grundlage der Bestimmungen über die Arbeitslosenversiche- rung dienen soll. Danach hofft man, bei Zuschüssen der Stadt- lassen und der sogenannten„Arbeitgeber" und bei obligatorischer Versicherung der Mitglieder mit einem Mitgliedsbeitrag von 10 Pf. auszukommen, um den arbeitslosen Mitgliedern wöchentlich 3 M. Unterstützung zu zahlen. Daß diese Unterstützlmg zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig ist. wird höchstens ein Geistlicher bestreiten, der, im Genuß einer fetten Pfründe, nicht weiß, wie kostspielig der Lebensunterhalt ist. Indessen ist es Sache der Mitglieder der Frömmler-Vereine selbst, über die Höhe der Unterstützung zu befinden. Die Gemeinden aber haben nicht die geringste Veran- lassung, dieGründung der„Evangelischen" zu fördern. Gemeinde- gelder sind für allgemeine Zwecke, nicht für solche von Privat- gesellschaften da, und wenn die Gemeinden etwas für die Arbeits- 'osen thun wollen, so hat das so zu geschehe», daß alle Arbeits- losen davon Nutzen haben. Unterstiihtttig der Barbier- und Friseurgehilfen in Beziehung aus Verkürzung ihrer überlangen Arbeitszeit beschlossen die Arbeiter Kiels und Gaardens in einer Volksversamm- lung am 24. Juli. Die Barbierläden sollen danach Wochentags um 9 Uhr Abends, Sonntags um 4 Uhr Nachmittags geschlossen werden. Bisher betrug die Arbeitszeit der Gehilfen täglich wenigstens 15 Stunden, Freitags, Sonnabends und Sonntags 16 bis 17 Stunden. Eine beträchtliche Zahl von Barbierläden- Inhabern hat die Forderungen bereits bewilligt, die Mehrzahl jedoch leider noch nicht. Für die unaeheuere Berthenernng der Slrzneicn dnrch die Äpotheken bringt die„Pharmazeutische Zeitung" ein paar interessante Beispiele. Danach kostet z. B. je ein Kilo nach der Arzneitaxe Einkaufspreis dagegen Indischen Hanfextrakts 500 M. 12.— M. Cubebenextrakts 350„ 29,—„ Farnextrakts 200„ 9,50„ Mutterkornextrakts 300„ 23,—„ Das sind Preise für R o h Produkte. Sind diese erst in die Hände des Kranken gekommen, so ist inzwischen der Preis durch Verrechnung der ausgewandten Arbeit verdoppelt und verdreifacht. Gegen den MaximnlarbeitStag hat der nationalliberale Reichstags-Abgeordnete Siegle, Mitglied der Kommission für Arbeiterstatistik, dieser Körperschaft ein Sondcrgutachten ein- gereicht, weil er deren Verhandlungen über die Arbeitszeit in Bäckereien, Konditoreien u. f. w., wobei die Frage des Maximal- Arbeitstages aufs Tapet kam, nicht beiwohnte. Siegle meint, was man den Bäckern oder Konditoren gegenüber verordne, könne man später den Handlungsgehilfen, Müllern, Kellnern u. s. w. nicht verweigern; die Einschränkung der übermäßigen Arbeitszeiten sei unzweifelhaft wünschenswerth, aber es frage sich, ob eine gesetzlich gleichförmige Einschränkung nicht Folgen nach sich ziehe, die für die Arbeiter schlimmer seien als der jetzige Zustand. Nachdem er angeführt hat, daß auf dem Lande die Bäckereien andere Verhältnisse haben als in der Stadt, indem auf dem Lande nicht sieben, sondern ein- bis fünfmal wöchentlich gebacken wird, sagt er:„In den größten Städten hält sich eine Anzahl von Betrieben lediglich durch die individuelle Elastizität des Inhabers und seiner Arbeitskräfte, namentlich auch die der Arbeitszeit. Für die Stadt Stuttgart bei- spielsweise ist die technische Ueberlegenheit der größten Bäckerei, derjenigen des Konsumvereins mit ihren Verkaufsstellen, jetzt schon eine unbestreitbare Thatfache, obwohl sie die geringste Ar- beitszeit hat. In demselben Augenblicke, wo die Schranke der wöchentlichen, täglichen oder schichtmäßigen Maximal-Arbeitszeit für die länger arbeitenden Geschäfte errichtet wird, kann der technischen Ueberlegenheit des größeren Betriebes die individuelle Ausgleichung der übrigen nicht mehr nachkommen; mit anderen Worten: die Bäckerei als Handwerksbetrieb wird sozusagen gesetz- geberisch erschwert und auf die Errichtung von Brotfabriken und Großbäckereien eine Art Prämie gesetzt, und zwar eine um so größere, je kleiner die Arbeitszeit bemessen wird. Dabei ist zu betonen, daß nicht blos back- und ofentechnische Fragen herein- spielen, sondern ganz besonders auch die allgemeine Ueberlegenheit der Großbetriebsform, sobald die Arbeitsbedingungen gleichförmig gestaltet iverden." Wieso die Verdrängung der Zwergbäckereien durch Groß- betriebe den Arbeitern schaden soll, ist nicht einzusehen. Eine wohlverdiente Niederlage haben die Jnnungs- apostel in K ö l n erlitten. Trotzdem die kölnische Orls-Kranken- lasse sehr leistungsfähig ist. hat die Bäckerinnung die Errichtung einer Jnnungs-Krankenkaffe ins Auge gefaßt Dagegen erhob eine gut besuchte Versammlung von Bäckermeistern und Bäckergesellen energisch Widerspruch. Verantwortlicher Redakteur: i Gctvet.lt sicktttfklilhev. 'An die Schneider und Schneiderinnen k Da in letzter Zeit vielfach Klagen über Lohnabzüge bei der Agitations- kommission lgeführt wurden, wurde in der letzten Sitzung be- schloffen, am Mittwoch, den 1. Augutt, Abends SVs Uhr, bei Freygang, Schützenstr. 18/19, eine Werkstatt- und Geschäfts- Delegirten-Sitzung abzuhalten. Um das Nähere feststellen zu können, sind alle in der Maaßschneiderci beschästtgten Kollege» und Kolleginnen eingeladen. Donnerstag, den 2. August, Abends SVs Uhr, findet eine diesbezügliche Sitzung bei Augustin, Kastanien-Allee 11, statt, wozu die Schneider und Schneiderinnen der Herren-, Damen- und Knaben-Konfektion, Mäntelnäherinnen, Bügler, Stepperu. s.w. besonders eingeladen sind. Kollegen und Kolleginnen, es ist Pflicht dafür Sorge zu tragen, daß die Sitzungen recht gut besucht werden und von allen Werkstellen Personen erscheinen, um einen genauen Bericht der Verhältnisse zu geben. Die Agitationskommission der Schneider und Schneiderinnen Berlins. In München gaben die Bierbrauer-Gehilfen bekannt, daß ihre an die Brauereien gestellten Forderungen bis jetzt von der Löwen-, Spaten-, Augustiner-, Kochel- und Z a cherl-Brauerei bewilligt sind. Ferner wurde eine Schäfflerversammlung mit der Mittheilung überrascht, daß die große Pschorrbrauerei die Forderungen in den wichtigsten Punkten genehmigt habe. Die Schäffler(Küfer) ver- langten 1. wöchentlich 29 M. einschließlich 5 M. Wohnungsgcld- Zuschuß, 2. 9V» Stunden Arbeitszeit, zwischen denen 2�/4 Stunden Pause liegen, 3. doppelte Zahlung für Sonntagsarbeit, 4. Frei- trunk von gesundem Bier, 5. halbtägige Arbeitszeit am Oktober- fest- und Kirchweihmontag und am Faftnachtsdienstag. Die polizeiliche Auflösung der Zahlstelle des Verbandes derMaurer Deutschlands in Crimmitschau ist erfolgt, nachdem erst vor Kurzem die Zahlstelle desselben Verbandes in Chemnitz ausgelöst wurde. AuS Oldenburg wird der„Frankfurter Zeitung" geschrieben! Der hiesige Glasarbeiterstreik hat einen cigenthümlichen Rechtsstreit im Gefolge gehabt. Die streikenden Arbeiter, die der Glashütte gehörige Wohnungen innehaben, weigern sich, diese zu räumen. Die Arbeiter stützen sich darauf, daß ihnen die Wohnungen nicht gekündigt seien, während die Direktion sich auf den Standpunkt stellt, daß die Arbeiter mit der Kündigung ihrer Stellen in der Hütte auch auf die Wohnungen verzichtet hätten. Demgegenüber hob der Anwalt der Arbeiter hervor, daß die Lö- sung des Arbeitsverhältnisses gar nicht von den Arbeitern ausge- gangen sei, sondern von der Direktion der Glashütte, indem diese die Reduktion der Löhne beschloß. Nachdem drei Verhandlungs- termine in dieser Sache stattgefunden, hat das Gericht jetzt zu Ungunsten der Arbeiter entschieden. Diese werden also die Wohnungen räumen müssen. Im Uebrigen verläuft der Streik in voller Ruhe. Die Streikenden erhalten viele Unterstützungen, während die Hütte die Oefen bis aus einen aus- geblasen hat. Der Gemeinderath der Vorstadt Ofternburg wird sich jetzt mit der Frage der Unterbringung der obdachlosen Arbeiter beschäftigen. Hoffentlich schafft das in Aussicht stehende bürgerliche Ge- setzbuch das jetzige Recht des Unternehmers aus d«r Welt, seine Arbeiter aus den Wohnungen, die er ihnen vermiethet, saus fagon auf die Straße zu setzen. VerlÄtttmlungen. Der Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Ledergalanteriewaaren- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeilerinnen(Mitgliedschaft Berlin) hielt am 23. Juli seine ordentliche Generalversammlung ab. Zuerst wurde die Ab- rechnung der Sammlung vom 1. Mai gegeben, die eine Einnahme von 261,70 M. aufweist. Der Vorfitzendc Kollege Schmidt erstattete hierauf den Geschäftsbericht vom 2. Quartal, der von rühriger Thätigkeit Kunde giebt. Die Zahl der männlichen Mitglieder stieg von 553 auf 580, während die weiblichen Mit- glieder sich um 8 verringerten(74— 8), sodaß die Mitgliedschaft insgesammt 646 Mitglieder zählt. Der Rückgang in der Zahl der weiblichen Mitglieder gab Anlaß, dieVersammelten anzuspornen, fleißiger für die Gewinnung auch der Arbeilerinnen, die im Beruf ja viel zahlreicher vertreten sind als die Männer, zu agitiren. Nach dem Berichte des Arbeitsnachweises waren im verflossenen Quartal als arbeitslos gemeldet 300 Kollegen und 99 Kolleginnen, 51 resp. 46 waren Nichtmitglieder. Vakanzen wurden gemeldet 163 für Arbeiter und 62 für Arbeiterinnen; von elfteren wurden 126, von letzteren 29 besetzt. Die Bibliothek besteht aus 237 Bänden. Der Kassenbericht, von Kollege Christian gegeben, weist auf: Für die Zentralkaffe Einnahme 1586,35 M., Ausgabe 436,68 M., an die Hauptkaffe abgeliefert 1149,67 M. Die Lokalkaffe hatte eine Einnahme von 811,81 M., Ausgabe 422,54 M., bleibt Bestand 389,27 M. Bemerkens- werth ist. daß die von weiblichen Mitgliedern geleisteten Wochenbeiträge sich erheblich vermehrt haben, obgleich die Zahl der Arbeilerinnen sich verringerte. Die nöthig gewordenen Ersatz- wählen fielen wie folgt aus: Alex Sailer, Fruchtstr.73. Hofll.l., 1. Vorsitzender; E. W i l h e l m, 2. Vorsitzender; H. R i ch t e r, 1. Schriftführer; als Beisitzerin Frau Grauer; in die Arbeits- nachweis-Kommisston wurden die Kollegen Conrad, Faust, Görke und Wein schild gewählt. Aus der Neuwahl der Rechts- schutzkommission gingen hervor die Kollegen G. Bäseler, Christian, E i s e n h a r d t, B. I o st und T i l g n e r. Aus Antrag des Vorstandes wurden für die Brauerei- arbeiter 100 Mark und für die Gewerkschaftskommission 50 M. bewilligt. Scharf tadelnd äußerten sich die Versammelten sodann über den Kassenboten der Buchbinder-Ortskrankenkasse, Herrn Meier. Derselbe kolportirt die Unwahrheit, die Ver- emigung habe ihr Sommerfest in einem gesperrten Lokale abge- halten. Es steht diesem Herrn, wie dem Rendanten und Vor- sitzenden der Ortskrankenkaff e wohl an, sich als Hüter der Arbeiter- Prinzipien aufzuspielen, tagt doch die Kasse feit Jahren trotz Protestes der Mitglieder in einem boykottirten Lokal. Die Mit- glieder mögen daraus die Lehre ziehen, daß die Verwaltung der Krankenkasse in ihre Hände übergehen muß, damit der traurige Zustand, daß Beamte der Arbeiter gegen die Organisation wirken, endlich aushört. Für die Dachdecker und verwandten Berufsgenofsen war Sonntag Vormittag eine öffentliche Versammlung einberufen. Der Vorsitzende Rackwitz führte aus, daß die Innung, ob sie dazu autorisirt sei. müsse noch sestgestellt werden, allen Arbeit- geben« aufgegeben habe, die bei ihnen Beschäftigten bei der Jnnungskasse anzumelden. Dies sei, soweit es die Mit- glieder der freien Hilfskaffe betrifft, ungesetzlich; man solle gegen diesen Uebergriff energisch Protest einlegen und beim Oberprästdente» Beschwerde führen. Man pflichtete dem Redner in der Diskussion vollkommen bei und wählte die Kol- legen Rackwitz. Mehrlein und P e t r i, durch welche die drei hierorts bestehenden Kassen: Hilfskasse, Ortskasse und Jnnungskasse vertreten sind, mit demZAuftrage. beschwerde- führend gegen die Innung vorzugehe». Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf die mangelhaften Schutzvorrichtungen, welche sich trotz vielfacher Unglücksfälle immer wieder vorfinden. Althans berichtete, daß auf eine dahinzielende Beschwerde an das Polizeipräsidium bis jetzt noch kein Bescheid er- gangen sei. Das Subniissionsunwesen wurde ebenfalls lebhaft diskutirt und ein gemeinsames Vorgehen sämmtlicher Bauhand- werker dagegen in Aussicht gestellt. Die Stellung des Delegirten Utgo Pötzsch in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading i: zur GewerkschaftZkommission Lange. der verabsäumt hatte. Schritte zu thun, damit die Gewerkschaft Stellung zum Bier- boykott nehmen konnte, wurde von verschiedenen Rednern ge- tadelt. Der Delegirte legte sein Amt nieder, an seiner Stelle wurde Kollege Kühn gewählt. Es wurde noch beschlossen. Plakate zu den öffentlichen Versammlungen nicht mehr drucken zu lassen, sondern dieselben durch Handzettel und Inserat im„Vor- wärts" bekannt zu geben. Köpenick. Der hiesige sozialdemokratische Arbeiterverein gab in seiner letzten Versammlung am 27. Juli den Mitgliedern eine ausführliche Uebersicht der Vereinsthätigkeit im verflossenen Ge- schäftsjahre. Derselben ist zu entnehmen, daß der Verein neun Versammlungen einberufen hatte, in denen sieben Vorträge ge- halten wurden. Vom November 1893 bis Februar 1894 wurde in der Schulabtheilung unentgeltlich Unterricht ertheilt. Die Vereinsbibliothek umfaßt gegenwärtig 178 Bände und 54 Bro- schüren. Die Gesammteinnahme betrug im Jahre 667,25 M., der eine Ausgabe von 694,35 M. gegenübersteht. Bei den Ausgaben sind hervorzuheben: Für Vorträge 43,40 M., Bibliothek 86,80 M,, Schulabtheilung 70,40 M., Agitation 170 M,. Unterstützung 82,85 M. Die Mitgliederzahl ist von 113 auf 223 gestiegen. Die hierauf erfolgte Neuwahl des Vorstandes ergab folgenves Resultat: H i l l i g e s erster, H ä m e r l i n g zweiter Vorsitzender; Nieke Kassirer; Grothe Schriftführer; S t r eichhan, Beisitzer; Günther, L i et s ch e und O l m Revisoren. Die diesjährige Lassallefeier soll in Paulsborn bei Müggelschloß abgehalten werden. Detrelrhen. (Wolff'S Telegraphen-Burean.) Essen a. d. Ruhr, 30. Juli. Wie die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" mittheilt, tagten heute in Essen die Ver- treter der bedeutendsten am Dortmund- Rheinkanal interessirten Städte, Bezirke und wirthschaftlichen Körperschaften. Einstimmig wurde beschlossen, nach wie vor an der Südemscher-Linie(Pro- jekt 4) festzuhalten und in einer Denkschrift der Eingabe von Dortmund, welche sich für die Lippe-Linie ausspricht, entgegen- zutreten. Paris, 30. Juli. Die radikal-sozialistische Gruppe der Kammer veröffentlicht ein Manifest, in welchem die Radikalen sich gegen den Vorwurf verwahren, das Jnterpellationsrecht miß- braucht zu haben. Alle von ihnen vorgebrachten Interpellationen seien nothwendig gewesen. Die Kammer habe nichts zustande gebracht, da die Majorität über nichts eine bestimmte Meinung gehabt habe. In dem Manifest wird ferner das Bedauern aus- gesprochen, daß nicht einer der ältesten Diener der Demokratie der Nachfolger des Präsidenten Carnot geworden sei. Dadurch scheine sich die Lage verschlimmert zu haben. Brünn, 30. Juli. Eine in der Frage des Wahlrechts von Arbeitern einberufene und von 6000 Personen besuchte Volks- Versammlung verlief vollkommen ruhig. Eine Resolution war nicht in Aussicht genommen. Palermo» 30. Juli. Zwischen einer Brigantenbande und einer Abtheilung Landgendarmcn kam es zu einem Znsammenstoß, bei welchem sechs Briganten getödtet wurden. Mailand, 30. Juli. Als ein Bataillon Bersaglieri heute durch den Wald zwischen Gallarate und Biesto-Arsizio marschirte, schoß ein Trompeter auf drei Soldaten und einen Lieutenant und verwundete sie leicht. Sodann schoß er auf einen anderen Soldaten, den er schwer verletzte, und tödtete schließlich sich selbst mittels eines Gewehrschusses. Die That war wahrscheinlich die Folge eines Anfalls von Irrsinn. Sofia, 30. Juli. Nach den letzten Nachrichten über den Brand in Kotel sind nur 200 Häuser und eine Schule unversehrt geblieben. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Gestern fanden in mehreren Städten Munizipalwahlcn statt; überall wurden die Kandidaten der Nationalpartei gewählt. Livorno, 30. Juli. Der Anarchist Lucchest, welcher der Er- mordung des Redakteurs Bandi verdächtig ist, traf heute Abend an Bord der„Palestina" hier ein und wurde alsbald in das Gesängniß gebracht und dort vor den Untersuchungsrichter ge- sührt. London, 31. Juli. Unterhaus. Der Parlamentssekretär des Auswärtigen Grey erklärte, daß die Unterhandlungen mit Rußland betreffend Paniir einem befriedigenden Abschluß nahe und daß mit Japan innerhalb der letzten 14 Tage ein Handelsvertrag unterzeichnet sei. Die Unterhandlungen mit Frankreich bezüglich des englischen Vertrages mit dem Kongo- staate hätten noch nicht das Stadium erreicht, in dem eine Er- klärung möglich sei, doch habe die Regierung nie gezögert, auf irgend etwas, das innerhalb der von Lord Salisbury gezogenen Einflußsphäre liege, Anspruch zu erheben. Der Akoutokredit wurde darauf ohne Abstimmung bewilligt. London, 30. Juli. Der Parlamentsuntersekretär des Aus- wältigen Grey erklärte im Unterhause, daß die englische Rc- gierung eine Vermittelung zwischen China und Japan nicht an» geboten habe, sie habe nur in Uebereinstimmung mit anderen Mächten in Peking und Tokio im Interesse des Friedens freund- lichen Rath ertheilt. Der Schatzkanzler Harconrt kündigte an. er werde morgen eine Resolution zur Beschleunigung der Be- rathung des Gesetztentwurfs betreffend die ausgesetzten irischen Pächter beantragen. Warschau, 31. Juli. Das Zollamt Nieszawa ist vom Finanzminister angewiesen wordeu, bis zum 1. September d. I. neuen Stils Schiffe gegen Revers ohne besondere Sicherheus- leistung einzulassen. Stockholm, 31. Juli. Das Kommerzkollegium hat unter dem 30. d. M. Dänemark als von der Maul- und Klauenseuche befreit erklärt. Maastricht, 31. Juli. Bis gestern Abend kamen hier 13 Chvlerasälle vor, von denen 6 einen tödtlichen Ausgang hatten. (Depeschen des Bureau Herold.) Belgrad, 31. Juli. Die Untersuchung gegen Cebinac ist nunmehr beendet. Gegen denselben, sowie gegen den früheren Präsidenten des radikalen Klubs der Skuptschina, Djakovic, und den Schullehrer Zujovic wird seitens des Staatsanwalts Anklage wegen Hochverralhs erhoben werden. Sofia, 31. Juli. Die macedonischen Bulgaren beabsichti- gen den Vertretern der auswärtigen Mächte em Memorandum zu überreichen, in welchem zum letzten Male um die Durch- sührung der im Berliner Vertrage stipulirten Reformen ersucht werden soll. Warschau, 31. Juli. Die Stadt Zakroczyn ist nieder» gebrannt. Fünf Personen sind dabei ums Leben gekommen; 800 Familien sind obdachlos. Das Feuer entstand in einem Naphtalager. Rom, 31. Juli. Der Eindruck, den das im Banca Romana- Prozeß gefällte Urtheil unter der Bevölkerung hervorgerufen hat, ist sehr zu Ungunsten der früheren Minister ausgefallen. Man ist überzeugt, daß Giolitti und Genossen, wenn sie vor Gericht gestellt werden würden, keinesfalls eine Freisprechung erfahren dürften. Rom, 31. Juli. Gestern Abend reiste ein Inspektor aus dem Ministerium des Innern nach Maffaua ab, wo derselbe eine als Deportationsort sür italienische Anarchisten geeignete Ortschaft aussuchen will. London, 31. Juli. Briefe von mehreren, am Nordrande des Nyassa-Sees ansässigen Missionaren bestätigen die Meldungen, daß die Deutschen den Transport von Munition und Waffen, welche für Sklavenjäger am Tanganykasee bestimmt sind, über den Nyassa-See zulassen und unterstützen. Am 10. Mai sei eine mit Flinten und Munition ausgerüstete, etwa 300 Mann starke Karawane in der Nähe einer Missionarstation vorbeimarschirt, ohne daß sie von deutschen Beamten behelligt worden sei. l Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage."' Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 176. Mittwoch, den 1. August 1894. Arbeiter! Varteigenoffen! 11. Jahrg. Die Einigungsversuche vor dem Gewerbegerichte sind an dem Widerstande des Bier- Ringes gescheitert. Der barbarische Akt des kapitalistischen Uebermuths, die unerhörte Maßregelung der völlig schuldlosen Brauereiarbeiter ist nicht zurückgenommen worden. Die Berliner Arbeiterschaft hat den Bierprozen die einzig mögliche Antwort ertheilt. In zweiunddreißig großen Volksversammlungen ist der Vierboykott auf sämmtliche Ningbrauereien ausgedehnt worden. Arbeiter! Parteigenossen! Eure Ehrenpflicht ist es, nicht zu dulden, daß Hunderte von Klassengenossen der Unternehmer- Willkür zum Opfer fallen, daß der Brauerring in brutalster Weise seine ökonomische Macht mißbraucht. Bum Kampfe gedrängt wird die Arbeiterschaft Berlins ihre gerechte Sache mit aller Energie führen und mit rücksichtsloser Entschlossenheit diejenigen Mittel anwenden, welche den Sieg verbürgen. Arbeiter! Parteigenossen! Sorgt dafür, daß nirgends Ringbier getrunken wird. In keinem Hause, in keiner Werkstatt, bei keinem Ausfluge darf ein Tropfen Boykottbier getrunken werden. Alle Feste und Vergnügungen in Lokalen, in denen Ringbier geschänkt wird, sind zu unterlassen; alle etwa bereits getroffenen Verabredungen rückgängig zu machen. Den Gastwirthen muß klar gemacht werden, daß sie zu wählen haben zwischen der Kundschaft der Arbeiter und der Gunst der Bierproßen. Wir wollen jede Schädigung der Gastwirthe vermeiden, indem wir dieselben auffordern, sich Bier aus boykottfreien Berliner oder auswärtigen Brauereien anzuschaffen, dann werden die Arbeiter nach wie vor bei ihnen verkehren. Weder Maßregelungen noch Saalsperre schrecken uns; wir kennen keine Furcht und wissen, daß an der Solidarität der Arbeiter das Unterfangen des Brauerrings scheitern wird. Mit unbeugsamer Entschloffenheit halten wir den Boykott über lämmtliche Ringbrauereien so lange aufrecht, bis unsere gerechten Forderungen erfüllt sind. Arbeiter Berlins, thut Eure Pflicht, meidet das Ringbier und die Lokale, in denen Euch Boykottbier vorgesetzt wird. lud auch Ihr, Arbeiter und Parteigenoffen in Deutschland, helft uns, indem Ihr kein Bier aus den boykotiirten Brauereien Berlins trinkt. Der Boykott, dessen Ende nicht abzusehen, ist den Berliner Arbeitern durch einen Akt unerhörter Brutalität aufgezwungen. Wir appelliren an das Ehrgefüh aller klassenbewußten Arbeiter und wissen, daß ihre Solidarität sich stärker erweisen wird als die Zufallseinigkeit des dividendenlüsternen Unternehmerthums. Vorwärts, Arbeiter und Parteigenossen! Trinkt kein Baykottbier! Meidet die Lokale Meidet die Lokale in denen Ringbier ausgeschänkt wird! Kauft kein Flaschenbier, welches aus Ringbrauereien stammt. Lehteres empfehlen wir besonders den Frauen zur Beachtung. Hoch die Solidarität der Arbeiter! Boykottfreies Bier liefern: Brauerei Carlsberg, Friedrich Reichenkron, Charlottenburg. Brauerei Wilhelmshöhe, E. Lehmann, Berlin. Brauerei Pichelsdorf, Direktor Hoffmann. Münchener Brauhaus, Attien- Gesellschaft, Berlin. Süddeutsche Brauerei, Karl Ring u. Ko., Berlin. Brauerei Müggelschlößchen, Friedrichshagen. Nordstern- Brauerei, Berlin. Brauerei in Wusterhausen. Schloßbrauerei, Fürstenwalde. Tokales. " Die Boykottkommiffion. M [ die Bierschnüffler" und" Bierspitzel" ist das höchste Lob für| Biere aus boykottfreien Brauereien auszuschänken. Wie entgegenunsere Genossen, die sich, im Interesse der guten Sache, der kommend die Arbeiterschaft hierin ist, zeigt sich in den Fällen undankbaren aber nothwendigen Aufgabe gewidmet haben, für Elysium Sanssouci. Wie durch das Vorgehen der Bere die hermetische Wirksamkeit des Bierboykotts zu sorgen. liner Arbeiterschaft, die durch die brutalen Gewaltmaßregeln der Brauereiproken zum Handeln gezwungen waren, die freien Zum Boykott. Wir erhalten folgende Zuschrift: Menschenrechte" verlegt worden sind, vermögen wir nicht einzus Berlin, den 28. Juli 1804. sehen. Herr Müller sieht eben durch die Unternehmerbrille. Nach diesen ernsten, weitausgeholten Säßen folgt dann ein Witchen, wenigstens soll es eins sein, in dem es heißt, daß die Partei " Firlefanz" treibe. Vorstand des Deutschen Gastwirths- Verbandes. " Im Schlußsah löst nun Herr Müller in der einfachsten Weise von der Welt die Frage des Weltfeiertags. Wir begreifen den Kouponscheere, während die Arbeiter feiern. Wir werden den Schmerz des Herrn Müller. Mit blutendem Herzen muß er jeden ersten Mai, wie alle anderen Ersten arbeiten, nämlich mit der Rath des akademischen Herrn Müller" beherzigen, und in Zu tunft fordern, daß am 1. Mai auch die Kouponscheere ruht, und die Hausbesitzer feine Miethefteigerung vornehmen dürfen. Nur einen Rath möchten wir Herrn Müller, der sich so sehr für den Bierboykott intereffirt, geben, daß er, wenigstens während der Dauer desselben, den Vorwärts" abonnirt, um sich über Alles schnell und sicher zu unterrichten, damit er nicht erst wieder 8 Tage später sein Berichtigungsschreiben uns zusendet. " An die Redaktion des Vorwärts", Berlin. In einer der letzten Nummern Ihrer Zeitung beschäftigen Sie sich mit meiner Person und heben meine Thätigkeit bei der Exportbrauerei Rathenow, Niederlage bei Max Denn Erwähnung zu thun, der für den erfindungsreichen Reporter recht Saalsperre hervor, auch beliebt es Ihnen, noch eines Umstandes hardt, N.W., Hannoversche Straße 18a. gut ausfallen würde, wenn er wahr wäre. Der glückliche Späher sucht bei mir Aktien der VereinsBürgerliches Brauhaus( in Firma Müller), Frank- Brauerei, und hebt wohl darum meine Thätigkeit hervor. furt a. D. Ich verpflichte mich also, die Aftien der betr. Brauerei, Gustav Spiekermann, Weberstraße 66, Niederlage des welche ich befiße oder je besessen habe, dem Entenfabrikanten als Bürgerlichen Brauhauses Luckenwalde. Eigenthum zu überlassen. Was nun meine Thätigkeit in dem Phönig- Brauerei, C. Radon, Lichterfelde. Komitee der Gastwirthe anbelangt, so bedaure ich, mich an der Brauerei Jagdschlößchen, Eberswalde. Niederlage Stellung mir dies etwas erschwert; gebe aber zu, daß lofalen Frage nur schwach betheiligen zu können, da meine Edm. Renter, Swinemünderstr. 45. ich in jeder andern Lage sehr thätig gewesen sein würde; da Das richtige Symbol. Am 26. Juli war's, da unternahmen Brauerei Tivoli, Strausberg. Niederlage Stabernack, das Vorgehen gegen die Gastwirthe, meinen Kollegen, seitens die Vereinsbrüder der Berliner Bierverleger" von der KrausenMühlenstraße. der Sozialdemokratie ein unerhört herausforderndes genannt straße aus eine Landparthie und zwar nach der Fischerhütte. werden muß. 20 Kremser, voriges Jahr sollen es 25 gewesen sein, nahmen die Es ist den Agitatoren Jbrer Partei doch nicht unbekannt, Betheiligten auf; voran fuhr die obligate Kapelle. Die Kremser daß ein großer Theil der Gastwirthe von den Brauereien abhängig waren mit Fahnen und Guirlanden geschmückt; unter jedem der ist, und daß dieselben in finanzieller Lage nicht allzu günstig selben hingen Fäßchen mit boykottirtem oder auch boykottfreiem dastehen, der Boytott also gegen eine Menschenklasse, die ohnehin Bier( Luckenwalder Exportbier). Zum größten Theil, namentlich Die Lokalkommiffionen der einzelnen Ortschaften des durch Maßreglungen kein allzu leichtes Dasein fristen, war gilt dies vom Vorstand, schienen die Theilnehmer Boykottgegner Kreises Teltow- Charlottenburg werden hiermit aufgefordert, so grausam. Die Gastwirthe haben nothgedrungen den Kampf zu fein; den Schluß des Zuges bildete ein Laftwagen der fort die Adressen derjenigen Restaurateure einzusenden, welche aufnehmen müssen, und wären sicherlich niemals in die Lage Moabiter Brauerei, beladen mit großen Fässern. Jeden nur nicht boykottirtes Bier ausschänken; da die Annonce im gekommen, ihre vorgeschrieben neutrale Stellung zu ändern, wenn falls hat die Brauerei es vorgezogen, anstatt ihr Bier Inferatentheil der Sonnabends- Nummer' des Vorwärts" ver- fie nicht in der schamlosesten Weise behandelt worden wären, und bei der großen Hize versauern zu lassen, es lieber ihren treuen öffentlicht werden muß, bitten wir die Adressen bis Freitag zwar von jener Partei, die die freien Menschenrechte als un- Anhängern zu schenken. Am Hinterschutz dieses Bierwagens Mittag um 12 Uhr der Expedition des Vorwärts" einzusenden. antastbar hinstellt. In diesem Rampfe, den ich bitter beklage, stand ein kleiner Käfig, der durch ein mit dem Boden parallel Heinrich Bökert, Herm. Wernicke, haben Sie von den Fehlern, die die Brauereibesitzer gemacht, laufendes Brett in zwei Theile zerlegt war. Jm foberen Theil Adlershof. Charlottenburg. indem sie einem Umsichgreifen der Boykott- Seuche begegnen desselben befanden sich schneeweise Gänse, im unteren ein wollten, den Gastwirthen aber tönnen Sie nichts nachweisen. weißgewaschenes Ferkel( das Sinnbild des sinkenden Glücks). Ihr und wenn dieselben sich ihrer Haut wehrten, so ist es ja ganz Glück haben sie allerdings verfcherst, und so entsprechen auch die weißgefiederten Thierchen der Weisheit der Herren Vorstände, die natürlich.( Dieser Satz bleibt unverständlich. Red. d. Vorw.) wichtigerer Art in den Bordergrund hätten treten müssen, und dieser gelegentlich auffreffen wird. Dieselben, die seit Jahren Ich habe immer geglaubt, daß andere Sachen weit ge- es für gut fanden, sich Herrn Roesicke anzuschließen, wofür sie bas gerade 3hre Partei sich mit wichtigeren Fragen beschäftigen einen erbitterten Kampf führen gegen die Brauereien wegen 26schaffung des Flaschenbierhandels und Einführung gleichartiger Die Frage oder die Forderung, den 1. Mai als Universal- Gefäße, fie bilden sich jetzt etwas darauf ein, mit zu den Lakaien Feiertag zu bestimmen, ist leicht gelöst, nur dürfen Sie dann den des Ringes zu gehören. Allerwelts Feiertag nicht für besondere Klassen beanspruchen. Ruhe an dem Arbeiter- Freudentage für Alle, so müßte die Parole lauten, dann läge wenigstens Vernunft und Idee darin. Sie Dagegen schäntt, wie uns von Grünau gemeldet wird, der wollen also dem glücklichen Späher nur den Auftrag geben, die Destillateur Schuchholz, Ecke der Wilhelm- und Köpenicker- von ihm zitirten Aktien, deren Kours troz Boykott ganz leidlich tagtäglich 30 Tonnen Bier zu liefern hat. Das Abkommen gilt straße, Bier aus der Brauerei Böhow und ist somit von der ist, in Empfang zu nehmen. Liste der freien Lokale zu streichen. " 4. Wahlkreis Süd- Ost. Am Sonnabend, den 4. August, wird die Liste derjenigen Gastwirthe des Südostens, welche fein Boykottbier schänken, wiederum veröffentlicht. Die Parteigenoffen werden ersucht, alle Veränderungen resp. Neu- Aufnahmen dem Mitglied der Lokalkommission, Genoffen Karl Scholz, Wrangelstr. 32, bis Freitag Mittag zustellen zu wollen. Von der Rigdorfer Lokalkommission wird uns berichtigend mitgetheilt, daß der Gastwirth W. Kuppert, Rigdorf, Prinz Handjerystr. 44, schon seit Wochen nur bontott freies Bier führt, daß er nur irrthümlich in der Liste der boyfottirten Wirthe aufgeführt worden sei.. so lautet das Die Frauen und der Bierboykott. Thema von drei Volksversammlungen, welche heute Abend stattfollte, als solchen Firlefanz zu treiben. V Mit Gruß Theodor Müller, Hegelplatz 1. " bote", tommt manchen auswärtigen Brauereien sehr gelegen. So Der Bierboykott in Berlin, so schreibt Der Reichss hat eine Berliner Bier- Großhandlung mit der JagdschlößchenBrauerei zu Eberswalde einen Vertrag geschlossen, wonach diese für ein ganzes Jahr. Ist das etwa keine Wirkung des Boykotts? Unter den Prekkosacken des Herrn Rösicke ist der beUnter dieser einer der letzten Nummern" ist die Nummer fannte staatsweise Berliner Korrespondent der Frankfurter 3tg." finden. Wir wollen nicht unterlassen, die Frauen nochmals ganz vom Dienstag, den 24. Juli, gemeint, wo wir unter der Spit- einer der eifrigſten. Dieser Herr, der das Gras wachsen sieht Biele unter ihnen sind über die Ursachen sowohl als über die marke:" Die Saalverweigerer sonst und jetzt" dem Herrn Müller und die Flöhe husten hört, ist ärgerlich darüber, daß wir auf die Bedeutung dieses Rampfes noch wenig unterrichtet. Es ist die Ehre gaben, ihn als Führer der Saalverweigerer mit auf- Hoffnung der Ringbierler, wenn es ihnen beliebte, Friede mit daher Pflicht der Genossen, ihre Frauen dahin zu senden, denn zuführen. Dagegen hat er denn auch nichts einzuwenden, sondern uns zu schließen, würden wir den Brauern, die uns in diesem es tommt nicht zum wenigsten auf die Unterstützung der bedauert nur, nicht genügend mithelfen zu können. Ob Herr Kampf beifstehen, knall und fall den Stuhl vor die Thür setzen, Müller Aktien von der Vereinsbrauerei hat oder von irgend etliche Tröpfchen talten Wassers träufelten. Aber besagter Frauen an. einer anderen, oder ob er sein sauer verdientes" Geld in Herr hatte ja selbst dieser Hoffnung Ausdruck gegeben Fallstaff Richter läßt nicht von seinen Steifleinenen. Auf egyptischen Staatspapieren angelegt, ist lediglich seine Sache der löblichen Absicht, die dem Ring nicht angehörigen Brauer die Autorität der„ Berliner Presse" erzählt er heute eine Jagd- und ist für uns ziemlich nebensächlich. Den Boykott gegen eine fopfschen zu machen. Wir merkten die Absicht, und wurden geschichte, deren Pointe darin liegt, daß unsere Genossen selbst Menschenklasse( die Gastwirthe), die ohnehin durch Maßregelungen nicht verstimmt, sondern brachten die hübsche Seifenblase zum der Bierkontrolle müde geworden seien, über Vergewaltigung ge- fein all zu leichtes Dasein führen," nennt Herr Müller grau- Plagen. int flagt, und ganz regulär gegen den Bierboykott als etwas Butunfts- fa m". Welche Bezeichnung mag Herr Müller der Maßregelung Gegen den Bierboykott möchten die bedrängten Brauereis Zwangsstaatliches protestirt und rebellirt hätten. Natürlich ge- von einigen Hunderten ganz unschuldiger Brauerei- Arbeiter besitzer und Saalverweigerer, trotzdem derselbe nach ihrer Behauphören diese Steifleinenen zu derselben Kompagnie wie die zahl- geben? Oder läßt ihn sein Unternehmerinstinkt die brutale tung nicht wirkt und trotzdem sie selbst auf dem Gebiete der Verreichen" Boykottbrecher der schwach besuchten" Elysium Ver- Doppeldezimirung der Brauereiproßen gutheißen? Und wer rufserklärung wahre Virtuosen sind, den§ 153 der Gewerbefammlung.h zwang denn die Saalinhaber aus ihrer Neutralität heraus- Ordnung angewendet sehen. 3 " die Beiläufig hat Herr Eugen Richter seine Bierschnüffler" zu zutreten? Aber sie wollten ja Herr im eigenen Hause" werden. Demgegenüber führt die Münchener Allgemeine Zeitung". 3 Bierspigeln" avanziren laffen. Der getreue Eckhardt des Herrn Ganz recht, und die Berliner Arbeiterschaft thut ihnen den treffend aus, daß§ 153 der Gewerbe- Ordnung unmöglich auf te, Rösicke scheint gar nicht zu ahnen, welches Vergnügen er uns Gefallen, fie läßt die Herren ganz allein in ihrem Hause. Verrufserklärungen anwendbar sei, und erklärt dann weiter:„ Son bereitet. Zeigt doch sein wachsender Ingrimm, wie unbequem Die„ Schamlose" Behandlung der Gastwirthe seitens was uns vorerst unmöglich erscheinen will, ein deutscher Gerichtshof den Herren Bierringlern und ihren spizbubischen Helfershelfern der Arbeiter bestand darin, daß sie das Ver anderer Meinung sein, so wäre dies ein neuer Beweis dafü die scharfe Kontrolle ist, die wir ausüben. Das Geschimpfe auf langen stellte, bei Persammlungen und Festlichkeiten taß die Rechtsprechung auf dem besten Wege ist, die Grenz zwischen Gesetzgebung und RechtZübung biS zur Unkenntlichreit zu verwischen und mehr und mehr die an sich dem Gesetzgeber zukonnnende Aufgabe zu übernehmen. Die Ergänzung des Ge- setzes ist nicht Aufgabe der Rechtsauslegung, welche die Thätig- keit der Gerichte vor allem in Anspruch nimmt, auch dann nicht, wenn die Gesetzgebung hinter den Bedürfnissen der Zeit zurück. bleibt und eS unterläßt, ihre Vorschriften den veränderten Ver> bältniffen entsprechend umzuformen und anzupassen. Die deutsche Strafrechtspflege hat bereits bei der Auslegung des Unfugspara- graphen mit Deutlichkeit erkennen lassen, daß sie die alte Rechtsregel Jura criminalia sunt strictissimae interpretationis nicht mehr als giltig und bindend anerkennt, weder zum Vortheil für sie. noch zum Nutzen für Staat und Gesellschaft; denn die Kluft zwischen der Rechtspflege und der Rechtsüberzeugung wird durch solche Auslegungskünste, welche die gesetzlichen Vorschriften au' Thatbestände und Vorkommnisse anwenden, an die der Gesetz- geber nicht gedacht hat, noch hat denken können, immer tiefer. Die Rechtsprechung ist nicht dazu da, dem Gesetzgeber die Arbeit zu ersparen, welcher er sich zu unterziehen sonst wohl oder übel genöthigt wird; die erweiternde Gesetzesauslegung hat, abgesehen von anderen Nachtheilen, auch das Mißliche, daß durch sie die Mangel- und Lückenhaftigkeit des bestehenden Rechtszustandes einigermaßen verborgen bleibt. Gegen den Boykott den Unfugs- Paragraphen anzuwenden, ist rechtlich ebenso unstatthaft, wie die Beurtheilung dieses Vorganges nach den Bestimmungen über Er Pressung." � � Der Staat In Gefahr. Wegen zweier rothen Fahnen ist am Sonntag Morgen um VU Uhr eine Kremserfahrt an der Ecke der Gitschincr- und Brandenburgftraße unterbrochen worden Der Rauchklub„Tabaksduft" machte in 3 Kremsern einen Aus fing von dem Wirthshause Rachfahl in der Waldemarstraße aus nach einem Lokal in Wannsee. Die beiden ziemlich großen Fahnen steckten zu beiden Seiten an dem Musikwagen. Als der Zug an der genannten Ecke anlangte, sielen zwei Schutzmänner den Pferden in die Zügel und ordneten die Entfernung der rothen Abzeichen an.— Glückliches Berlin! Nochmals bist Du durch das schneidige Eingreifen der Polizei der Gefahr entronnen. In Ruhe können nun die Philister wieder sich der Vertilgung von Ringbier hingeben. Zeugen gesucht! Diejenigen Radfahrer vom„Klub Uckermark", welche Zeuge waren, wie ein Wirth in S ch i l d h o r n am Sonntag, den 29. Juli, einige Gäste mit Gunmüschläuchen mißhandelte, werden gebeten, ihre werthe Adresse an August Blume, Reinickendorserstr. LS, v. 4 Tr., gelangen zu lassen. Der bunte Nock muß vor dem.Zivilpack" unbedingt etwas voraus haben. Gewöhnliche Menschen werden, wenn sie Nachts auf der Straße zu singen wagen, eingelocht und erhallen ein Strafmandat wegen„ruhestörenden Lärms". Anders die Soldaten. Die Montagsnacht gegen 12 Uhr passtrte eine größere Abtheilung Soldaten die Her m a n n stra ß e in Rix d o r f in der Richtung nach Berlin. Ob die Herren Offiziere, die entweder den Gesaug befohlen oder aber doch sttllsckuveigend geduldet haben, wohl der Ansicht waren, die Rixdvrfer Arbester brauchen keine Nachtruhe? Die Beerdigung des Brauerei-Arbeiters Dwarkowsky von der Brauerei Gregory gestaltete sich zu einer kleinen Demonstration zu gunsten der ausgesperrten Brauerei-Arbeiter. An dem Leichcnbcgängniß, welches am 30. Juli Nachmittags 4 Uhr stattfand, nahm das gesammte Personal der Brauerei Gregory theil. Kurz vor Abgang des Trauerzuges erschien eine Deputation der von dieser Brauerei ausgesperrten Arbeiter, welche einen Kranz mit großer rother Schleife gespendet hatten, auf dem die Widmung stand:„Unserem lieben Kollegen und Genossen Dwarkowsky— Gewidmet von den ausgesperrten Arbeitern der Brauerei Karl Gregory". Der Umstand, daß nur dieser eine Kranz hinter dem Sarge getragen wurde, trug ganz besonders noch dazu bei, daß ihm die Aufmerksamkeit Aller zu. gewandt wurde, nicht zum wenigsten-qcn dem erschienenen Personal der Brauerei Gregory. Der Wissensdrang der Arbeiter, io«qreimch er ist, fo bewegt er sich doch häusig nach einer falschen Richtung. In Bezug auf das Erlernen der Stenographie, das jetzt auf der Tagesordnung steht, geht uns von kompetenter Seite folgendes Schreiben zu: In Nr. 170 des„Vorwärts" ersucht der Vorstand der Arbeiter- Stcnographenvereine Deutschlands(System Neu- Stolze) die Arbeiter und Parteigenossen, namentlich der größeren Städte, überall Stenographen-Vereine zu gründen. Bei dem in Arbeiterkreisen herrschenden Bildungsiriebe erscheint es nicht ver- wunderlich, wenn man die Stenographie mit ihren geheimnißvollen Schriftzügen als eine Kunst betrachtet, deren Ausübung bildend und belehrend wirken müsse. Aus diesem Grunde mag wohl im ersten Jahre des Bestehens der Arbeiter-Bildungsschule auch dort der Unterricht in der Stenographie eingeführt worden sein, der jedoch bald wieder aus dem Lehrplan beseitigt wurde. Später wurde eine fast nur von Arbeitern benutzte„Stenographieschule" errichtet, über deren Wirken wir nicht unterrichtet sind. Es ist daher angebracht, auf eine Gefahr hinzuweisen, die den Arbeitern durch die Pflege eines für sie ganz werthlosen Sports entsteht, und deren Größe jm allgemeinen noch sehr unterschätzt wird. Der Dang der Arbeiter, ihr Wissen immer mehr zu vergrößern, erfordert es, daß dieselben sich in Anbetracht der langen Arbeits zeit und der nur kurzen Zeit, welche ihnen hierzu zur Verfügung steht, sich nur dem Studium solcher Dinge hingeben, welche auch wirklich eine Vermehrung ihres Wissens herbeiführen. Das ist aber keineswegs die Stenographie. Zu einer Fertigkeit, 1S0 Silben in der Minute zu schreiben, bedarf es in jedem System fast eines Zeitraumes von einem Jahre. Diese Leistung ist aber kaum ausreichend im geschäftlichen Verkehr. Das Nachschreiben einer Rede erfordert aber eine Leistungsfähigkeit von mindestens drei- hundert Silben. Zu einer solchen Höhe bringen es aber kaum 8 pCt. aller Lernenden, zum geschäftsmäßigen Gebrauch— iso Silben in der Minute— kaum 10 pCt. Also 90 pCt. aller Lernenden haben große Opfer an Geld und noch größere Opfer an Zeit gebracht. Die vielen Vortheile, welche die Kenntniß der Stenographie den Arbeitern bringen soll, sind nicht vorhanden und existiren nur in den Köpfen der Propagandisten der ein- zelnen, sich heftig bekämpfenden Systeme, und in diesen Kampf wird jeder Anhänger seines Svstems mit hineingerissen. Für diejenigen aber, welche trotzdem Lust und Liebe zur Stenographie zeigen, sei das Folgende gesagt: Bei der außerordentlichen liehen Feinheit der stenographischen Zeichen erfordert es neben der Kenntniß der Sprache, orthographischen und grammatikalischen Richtigschreibens, vor allen Dmgen eine vollständig ausgeruhte und sichere Hand. Schwere Arbeit macht den Gebrauch der Stenographie unmöglich. Auch Kausleute und Schreiber mit schlechter und unsicherer Hand sind nicht einmal im Stande, es nur zu einer mittelmäßigen Leistungsfähigkeit zu bringen. Möge daher jeder Arbeiter, ehe er sich zur Erlernung der Stenographie entschließt, das Vorhergesagte wohl überlegen und für eine Sache keine Opfer bringen, die er im Interesse seines Wissens für andere der allgemeinen Bildung wirklich dienenden Lehrgegenstände besser und vortheilhafter verwenden kann. Zum Rector magnificus ist gestern 7 Uhr Abends für das neue Verwaltungsjahr der hiesigen Universität ein Theologe gewählt, Professor Dr. Otto Pfleiderer, Professor für neu- testamentliche Exegese. Dekan der theologischen Fakultät ist der Kirchenhistoriker Professor Dr. Adolf Harnack geworden. Dekan der juristischen Fakultät: der Vertreter des Kirchenrechts Geheimer Justizrath Professor Dr. Paul H i n s ch i u s. Dekan der Mediziner: Professor Dr. H e r t w i g, Direktor des zweiten anatomischen Instituts. Dekan der philosophischen Fakultät wurde der Geograph Geheimer Regierungsrath Professor Dr. Frhr. v. Richthosen. Die Uebergabe des Rektorats erfolgt bei dem Festakte der Gründungsseier, am 3. August, Mittags 12 Uhr, in der Aula. Eine Familienkatastrophe, die an den Fall Seeger in der Großen Hamburgerstraße erinnert, hat sich in dem Hause Swine« münderstraße 30 zugetragen. Dort wohnt im zweiten Stock die Familie des 85 Jahre allen Schlossers Mar Patschowsky, die außer der gleichaltrigenlEhefrau, geborenen Pauline Eleck, aus dem 10jährigen Knaben Karl und dem 7jährigen Albert besteht. Alle vier Personen wurden am Dienstag Vormittag um 11 Uhr in der Wohnung erhängt als Leichen aufgefunden. Am Sonnabend wurde Patschowsky zum letzten Male lebend im Hause gesehen Sonntag früh kam die in der Höchstestraße wohnende Mutter der Frau Patschowsky in das' Haus Swinemünderstraße 80, um ihre Tochter zu besuchen, erhielt aber keinen Einlaß. Vom Hofe aus sah sie nun an dem Küchenfenster ein schwarzes Tuch flattern und wurde dadurch derart beunruhigt, daß sie sich zu dem Verwalter des Hauses, dem Schutzmann Rumplasch, begab, um sich nach den Augehörigen zu erkundigen R. wußte von nichts, glaubte vielmehr, daß die Familie P. aus- gegangen sei. Dienstag früh erschien der Stiefvater der Frau wieder bei dem Schutzmann und sprach die Vermuthung aus, daß ein Unglück vorliege, beantragte auch die polizeiliche Oeffnung der Wohnung. Die aus Stube und Küche bestehenden Räumlich- leite» wurden jetzt gewaltsam geöffnet. In der Stube an einem Kleiderriegel, zwischen Ofen und Thür, hingen alle vier Insassen der Wohnung an Stricken und waren bereits in Verwesung übergegangen Auf dem Tische lagen verschlossene Briefe, einer an einen Kollegen Patschowcky's. der in den Elektrizitätswerken bcschästigt ist, außerdem ein Zettel an Frau Rumplasch mit 42 M., der di» Worte enthielt:„Anbei 42 M. Micthe für die Monate August und September 94. Betrag liegt diesem Zettel bei. Hochachtungsvoll Max Patschowcky. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Ehepaar im gemeinsamen Einverständnis erst die Kinder und dann sich selbst erhängt hat. Unheilbare Krank heit soll die Veranlassung dazu gegeben haben. Die Leichen wurden um 2 Uhr Nachmittags nach dem Schauhause abgeholt. Die verschlossenen Briefe, die vielleicht einen näheren Anhalt bieten, sind von der Polizei in Verwahrung genommen worden. Weiter wird uns noch berichtet, daß die Faniilie Patschowsky seit April d. I. die Wohnung innehatte und die Miethe pünktlich bezahlte. Zum Oktober hatte P. gekündigt, da ihm der Weg nach den Elektrizitätswerken in der Äckerstraße zu weit war. P. litt nicht blos an der Schwindsucht, sondern auch an der Wassersucht, sodaß er sein baldiges Ende voraussah. Er hat also zweifellos die That mit der Ehefrau zusaunnen begange», um die Familie nicht mittellos zurückzulassen. Vor Ausführung der That hat sich die Familie noch besonders gütlich gelhan; davon zeugen mehrere leere Weinflaschen, die auf dem Tische standen. Um nicht gestört zu werden, hatte man die Korridorthüre ver- schloffen, den Schlüssel stecken lassen und außerdem die Sicher heitskette vorgelegt. Vielleicht hat man außer der neuen starken Schnur Gift gebraucht, denn ein mit einer trüben Flüssigkeit halbgefülltes Glas wurde auf dem Tische gefunden und von der Polizei beschlagnahmt. An dem Riegel hing zu nächst der Thüre der jüngere, dann der ältere Sohn: ihm folgte der Vater und am Ofenende hing die Mutter. Die Leiche des Mannes befand sich bereits derart in der Auf- lösung, daß die abtropfende Flüssigkeit durch die Decke in die untere Wohnung drang. Es muß daher Wunder nehmen, daß man den Vorfall nicht früher an dem durchdringenden Geruch bemerkt hat, zumal da die Mutter der Frau P. schon Sonntag keinen Zugang fand. Das in der Wohnung gefundene Geld ist infolge der Ausdünstung beschlagen, ebenso est ein Kessel, der im Zimmer stand, mit Grünspan überzogen. P. war ein guter und fleißiger Arbeiter und verdiente trotz seiner Krankheit wöchentlich 24 M. Seit etwa 6 Wochen war er der Arbeitsstätte fern geblieben, um angeblich Aufnahme in einem Krankenhause zu suchen. In dieser Zeit muß der grausige Plan nach und nach zur Reise gediehen sein. Die tropische Hitze des Montags, eines der heißesten Tage dieses Sommers, hat ein Opfer gefordert. Am Vormittage uni SVe Uhr fand der Pförtner des Hauses Zionskirchstr. 53 im Flur einen Mann auf einer der untersten Treppenstufen sitzen, der auffallend abgespannt zu sein schien. Als der Pförtner ihn daraufhin anredete, erhielt er die Antwort:„Unsinn, ich schlafe nicht ein!" Kurze Zeit daraus fiel der Mann auch einem in dem Hanse wohnenden Arzt auf, lehnte aber auch diesmal jede Hilfe ab. Gegen 11 Uhr saß eine Leiche auf der Treppe, und derselbe Arzt stellte nun als Todesursache Hitzschlag fest. In dem Tobten ist später der 30 Jahre alte Schuhmacher Albert Strauch aus der Griebenowstr. 7 ermittelt worden. Ein nener Cholerafall soll sich in dem Hause Brcslauer- straße 23 zugetragen habe», und zwar einen Arbeiter P. be- treffen. Auf eine Nachfrage an zuständiger Stelle erfahren wir, daß der Sanilätskommission von einem Cholerafalle nichts be> kannt ist. Es scheint eine Verwechselung mit der Frau Fürsten- berg, geborenen Bieler aus demselben Hause vorzuliegen, die plötzlich gestorben ist, ohne daß die Todesursache festzustellen ge- wesen ist. Daher ist eine gerichtsärztliche Leichenössnung noth- wendig geworden. Poli�eibericht. Am 30. v. M. Vormittags wurden zwei Knaben, einer in der Kurfürstenstraße durch einen Geschästswagen und einer in der Wienerstraße durch eine Droschke, überfahren. In beiden Fällen sind die Kinder beim Spielen aus eigener Un- Vorsichtigkeit verunglückt.— Nachmittags wurde ein neunjähriger Knabe, der mit mehreren anderen Knabe» auf einer Ufertreppe am Waterloo-Ufer angelte, von einem derselben aus Unvorsichtig- keit ins Wasser gestoßen und ertrank.— Gegen Abend sprang ein Handwerker von der Bellcallianccbrücke ins Wasser, wurde aber alsbald wieder herausgezogen.— Jm Laufe des Tages anden vier unbedeutende Brande statt. WitternngSübersicht vom 31. Juli 18S4. Witterung in Deutschland am 31. Juli, 8 Uhr Morgen«. Bei schwachen, an der Küste nördlichen, im Binnenlande üdwestlichen Winden herrscht jetzt in ganz Deutschland trübe und m Nordwesten etwas nebelige Witterung. In Mitteldeutschland luden Regenfälle statt. Die schon gestern im Süden eingetretene Abkühlung hat sich auf Norddeutschland, wo die gestrigen Nach- mittags temperaturen sich vielfach auf 28 Grad Zelsius erhoben, heute ebenfalls ausgedehnt. Heute Morgen melden Chemnitz 13, Münster, Bamberg und München 14 Grad und nur an der Ostsee- küste erreicht das Thermometer noch 20 Grad ZelsiuS. Wetter-Prognose für Mittwoch, den 1. August 1894. Zunächst vielfach heiteres Wetter mit etwas höherer Tage?« temperatnr und schwachen südwestlichen Winden; nachher neue Trübung und Regen. Berliner Wetterbureau. Einer jener Bau- Unternehmer, welche sich an den Krankenkassen- Beiträgen bereichern, welche sie laut Geietz rhren Arbeitern vom Lohn abziehen, stand heute in der Person des Zimmermeisters Adolph August Ferdinand W e st p h a l aus Charlottenburg wegen Vergehens gegen das Krankenkassen- Gesetz vom 15. Juni 1333 und die Novelle dazu vom 10. April 1692 vor der ersten Ferien-Strafkammer am Landgericht II. Der Angeklagte hat in der Zeit vom 31. Juli bis zum 14. Oktober bezw. bis zum Dezember seinen zahlreichen Arbeitern zwar regelmäßig die Krankenkassen-Beiträge vom Lohne abgezogen, dieselben aber nicht zur Kasse abgeführt. Da er dasselbe Manöver schon früher gemacht hat und die Zwangsvollstreckung in der Sache jfruchtlos ausgefallen ist, wurde diesmal seitens der Krankenkasse Anzeige erstattet. Als die erste verantwortliche Vernehmung vor der Polizei bereits stattgefunden hatte, bezahlte Westphal zwar die Beiträge, konnte damit aber die Anklage nicht mehr abwenden. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde er zu 50 M. Geld- strafe oder 10 Tagen Gefängniß verurtheilt. Bor dem Untersuchungsrichter am Landgericht II wurden heute die Zeugen von drei Kapitalverbrechen vernommen. Zunächst wurden die Maurer Friese und Papritz noch einmal in der Schweichelschen Mordsache stundenlangen Verhören unterzogen und wiederholt mit dem des Mordes beschuldigten Maurer Thiede konfrontirt, der heute, statt der Anstaltskleidung seine eigene Gar» derobe trug, dieselbe, in welcher er den Mord begangen haben soll. Mit dem oft erwähnten schwarzbraunen Schlapphnt in der Hand fuchtelte er vergnügt blinzelnd in der Luft herum, als er aber den Maurer Papritz auf der Bank sitzen sah, verzog er sein Gesicht und warf demselben einen bitterbösen Blick zu. Assessor Wenzig, welcher de# beurlaubten Untersuchungsrichter Friedberg vertritt, ging mU Friese noch einmal jeden Schritt durch, den derselbe am Tage des Schweichel'schen Mordes mit Thiede gemacht, von der ersten Begegnung am frühen Morgen bis zur Trennung am Nachmittag, wobei auf die Feststellung der Entfernungen und die zeitliche Auseinanderfolge der einzelnen Momente besonderes Gewicht gelegt wurde. Dasselbe geschah bei Papritz. Wie schon früher, so bestritt Thiede auch heute nebensächliche Momente, auf die es gar nicht vorkommt, so z. B. bezeichnete er die Be- hauptung des Friese als unwahr, daß Friese auf Ersuchen Thiedes mehrere Male einen Groschen zu Schnaps gegeben habe den beide zusammen ausgetrunken hätten. Er will an dem Tage des Mordes überhaupt keinen Schnaps getrunken haben. Die gestrige Mittheilung der sb- Korrespondenz, daß Thiede einem anderen Gefangenen gegenüber den Mord an der Schweichel zu- gestanden habe, ist nicht korrekt. Thiede hat diese That nicht direkt zugestanden, sondern zu mehreren Mitgesangenen nur Aeußerungen gemacht, welche indirekt darauf schließen lassen, daß Thiede de» Mord begangen hat. Indessen liegt die So.che schon weit zurück und ist für den Untersuchungsrichter längst er- ledigt. Schon am 12. Juni wurden(wie wir am 13. Juni berichteten) drei Gefangene aus Plötzensee vor- geführt, um vom Untersuchungsrichter bezüglich ihrer Begegnung mit Thiede im Untersuchungsgesängniß und den Inhalt ihres Gesprächs mit demselben bezw. über den Wortlaut der betreffenden Aeuherung vernommen zu werden. Es soll aber dem Vernehmen nach auch nicht viel dabei hcrausgekommen sein. Uebrigens sollen die heutigen Vernehmungen die letzten vor dem Untersuchungsrichter sein, da die Untersuchung unmittelbar vor dem Abschluß steht. Erst dann wird seitens der Staatsanwaltschaft bezw. der Beschlußkammer eutschiedeu werden, ob die Anklage wegen Mordes erhoben oder ob dieselbe auf die beiden nach- gewiesenen Nothzuchtsfälle beschränkt wird. Im Zimmer des Untersuchungsrichters machte Thiede die Begegnung desSchlossers Krause, der am 17. des Monats auf einem Feldwege zwischen Friedenau und Wilmersdorf das in Begleitung zweier Kinder befindliche Dienstmädchen Elisabeth Noll zu vergewaltigen suchte. Die Noll und zwei Frauen, welche auf das Hilfegeschrei der ersteren herbeigeeilt waren, wurden als Zeuge» vernommen und Krause wurde vorgeführt, um mit den Zeugen konfrontirt zu werden. Schon auf dem Korridor, als der Verbrecher vorgeführt wurde, tönte es wie aus einem Munde:„Das ist er!" Endlich waren auch Zeugen in der Lange'schen Mordsache zur Ver- nehmung gelade». Der des Mordes an der Handelsfrau Bertha Lange in Schöneberg bezichttgte Schlossergeselle Rudolph Meyke wurde am Montag von» Untersuchungsrichter zum ersten Male vernommen und mit acht Zeugen konfrontirt. Heute wurden die Zeugenvernehmungen in dieser Sache fortgesetzt. Der verflossene Streik der Kuhuheim'schen Arbeiter zeitigte� ani Montag, 30. Juti, in einer Gerichtsoerhandlung vor dem Schöffengericht zu Köpenick ein Nachspiel. Angeklagt war der Buchbinder Paul Jahn aus Berlin wegen„öffenr- licher Beleidigung" des Gendarm Stein bacher aus Nieder- schönweide. Am 12. Mai d. I. fand anläßlich des Streiks der Kuhuheim'schen Arbeiter eine öffentliche Volksversamm- lung in der Borussia- Brauerei in Niederschönweide statt, in welcher Jahn, der bis dahin in allen Streikver- sammlungen gesprochen, referirte. Kurz vor der Versammlung trat der Arbeiter K. aus Britz an Jahn heran und theilte ihm mit, daß sich einer der Gendarmen in gehässiger und verleumde- rischer Weise dahin geäußert habe, daß er(Jahn) es sei, der die Kuhnheim'scheu Arbeiter aufgehetzt habe und zwar lediglich des- halb, weil er für jede Rede 6 M. erhalte, während er bei der Arbeit nur 2 M. verdienen würde u. s. w.; wenn er nicht gerade Gendarm wäre, könne er das Reden viel besser und billiger machen als Jahn., Diese Aeußerungen veranlaßten Jahn während seiner Rede, dem betreffenden Gendarm eine gehörige Abfertigung zutheil werden zu lassen. Der Anklage gemäß sollte Jahn mit einer entsprechenden Hnndbewegung und Kopfwendung nach dem Gendarm gesagt haben:„Man brauche nur hinzusehen, dann wisse man schon, wer damit geni eint sei",„der u perkluge Gendarm, der überhaupt arbeiten gelernt habe, solle lieber loses Maul zügeln und sich um Amt bekümmern!" Durch diese vermeintliche Aenßerung fühlte sich nun der Gendarm Steinbacher in seiner Ehre gekränkt und erstattete Anzeige, der er eine weitere Denunziation wegen angeblicher Majestätsbeleidigung seitens Jahns in der- selben Rede hinzufügte, die aber nach der ersten Vernehmung fallen gelassen wurde. In der Verhandlung berief sich Jahn auf Z 193 des Str.- G.-B.(Wahrnehmung berechtitgter Interessen) und beantragte, gestützt auf das Zeugniß des Arbeiters 57. Widerklage gegen den Gendarm Steinbacher, der ihn zu seiner Aeußrrung gereizt habe. Der Vorsitzende des Schöffengerichts hielt es vor Eintritt in die Verhandlung für nölhig, Jahn darauf aufmerksam zu machen, daß er sich„jeder Rede wie in einer Bolls- Versammlung enthalten möge", da er ihm sonst das Wort entziehen müßte;„den Gerichtssaal zu einer Volksversammlung herabzuwürdigen, sei st ras- bar". Dieflr Einleitung fügteer die Frage an Jahn hinzu: ob er zugebe, Sozialdemekrat zu sein?" Jahn bemerkte dem gegenüber, daß er nicht nöthig habe, auf diese Frage, die nicht in den Gerichtssaal gehöre, zu antworten, da sie mit der Anklage ebenso wenig zu thun habe, als die anderen Bemerkungen des Vorsitzenden, worauf dieser sich begnügte zuzugeben, daß er zu dieser Frage nicht be- rechtigt sei. Der als Zeuge vernommene Gendarm Steinbacher mußte während seiner Vernehmung zugeben, die beregten Aeußerungen gegen Jahn gethan zu haben. Es seien fortwährend Frauen der Streikenden zu ihm gekomnien ihn zu ersuchen, die Streikenden zur Arbeit zu schicken; Jahn sei schuld an allem, weil er in der n i e sein sein Berfammlung die Frauen beschuldigt habe, daß sie es waren, I gangen umfangreichen Beweisapparat verzichtet. Auf Antrag 1 thtetenverein atlas, Abends Uhr, Uebungsstunde, Brunnen die einen Theil der Männer veranlaßte, frühzeitig die Arbeit bei Kuhnheim wieder aufzunehmen. des Staatsanwalts wurde der Angeklagte freigesprochen und die Brauerei mit ihren vermeintlichen Ansprüchen auf den Zivilweg verwiesen. Derlammlungen. " A Die 3. Männer Abtheilung turnt feden Mittwoch und Sonnabend Abend von ftraße 154, Bokal Kontordia. Berliner Turngenoffenfchaft: von 8%-10% Uhr in der Chorinerstr. 74. Turnverein Fichte"( Mite glied des deutschen Arbeiter Turnerbundes). Die 1. Männer- Abtheilung turnt Mittwoch und Sonnabend von 8-10% Uhr Friedenstr. 37. Theater- und Vergnügungs Verein Humanitas Abends 9% Uhr bet Reed, Lothringerstraße 94. Bühnenverband Othello, Abends 9 Uhr, Restaurant Lothringerst raße 101. Theater- und Lesetlub Morgenroth, Theaterverein erges jeden Mittwoch, Abends 9 Uhr, Restaurant Lewinsti, jeden Mittwoch, Abends 9 Uhr, im Restaurant Diete, Lothringerstr. Nr. 67. Bülowstr. 45. Heimathluft, Sigung jeden Mittwoch, Abends 9 Uhr, bet S. Sange, Stromstraße 28. Theater- Gesellschaft Klaus Beneditt, Gesellschaft Philharmonie, Sigung mit Damen jeden Mittwoch, Abends Abends 9 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdenerstr. 45. Privat- Theater= 9 ühr, Manteuffelstr. 9, bet Nowac. Geselliger Vergnügungsverein Stegia, Abends 9 Uhr, im Restaurant Sommer, Grünstraße 21. Kreuzfidel, bet Gumlich. Reichenbergerftraße 149,- Fibele Brüder, bet S. Mrofé, Lachmannstr. 5.- Touristen= verein Frei Weg, Abend 9 Uhr bet Giedlutad, Manteuffels straße Nc. 86. 3itherklub Alpenglöckchen Edelweiß. uebungsabend Gipsstr. 11 bei Gollmann. Damen und Herren als Mitspieler Verein Wohlgemuth jeden Mittwoch 9% Uhr Sigung mit Damen bei Weigmann, Andreasstraße 32. Große Frankfurter= Diefen Klagen der Frauen habe er durch seine Bemerkungen über Jahn Ausdruck geben wollen. Der als Zeuge vernommene Arbeiter R. aus Brig bestätigte durch seine Aussagen die vermeintlichen Aeußerungen Jahn's im Sinne des Gendarm Steinbacher und suchte nun auf Vorhalten In der Arbeiter Bildungsschule( Südost) hielt am Jahn's seine vor jener Versammlung gemachten Mittheilungen 25. Juli Herr Rechtsanwalt Dr. Bieber einen interessanten abzuschwächen. Der weiter als Zeuge geladene Gendarm Vortrag über: Die Betheiligung des Boltes an den SchöffenHauschild wurde von Jahn abgelehnt, da seine vorgeschlagenen und Geschworenen Gerichten. Dem Vortrage folgte eine sehr Beugen gar nicht geladen waren. Der Amtsanwalt betonte in feiner Einleitung, daß beantwortet wurde. lebhafte Fragestellung, die von dem Vortragenden ausführlich Jahn als fozialdemokratischer Aufwiegler während des Streits bekannt, die Absicht hatte, den Gendarm, der durch Einen stürmischen Verlauf nahm eine von den lokalfeine Aeußerungen das Interesse der Frauen gewahrt, organisirten Schneidern einberufene öffentliche Versammlung öffentlich zu beleidigen, was schon daraus hervorgehe, daß er be- der Herren- und Knabenkonfektions- Branche, welche Protest er reits wegen Beleidigung vermittelst der Presse und der Offiziere beben sollte gegen eine, in einer öffentlichen Schneider- und willkommen. zweimal vorbestraft sei. Aus diesem Grunde sei eine hohe Schneiderinnen- Versammlung einstimmig angenommene Resolution, Strafe erforderlich und da Jahn wegen seiner Vermögenslosig- des Inhalts, daß die Neugründung von lokalen Organisationen teit mit Geldstrafen nicht zu treffen sei, beantrage er vier neben der bestehenden zentralen Organisation entschieden zu ver Wochen Gefängniß. urtheilen sei, und bei ausbrechenden Kämpfen diejenigen, die sich In seiner Gegenrede weist Jahn die vom Amtsanwalt ge. von der Allgemeinheit absondern, die Konsequenzen ihrer Hand machten Beschuldigungen zurück, da dieser gerade infolge der lungsweise selbst zu tragen haben. Schon bei der wahrheits- Rauchtlub No o chloch, Abends 9 Uhr, bei Kierstein, Admiralstr. 33. Sumoristischer Rauch flub, Abends 9 Uhr, bei A. Niemann, Aeußerung des Vorsitzenden kein Recht hatte, Jahn als sozial- widrigen Konstatirung einer Stimmenmehrheit anläßlich der Görligerstraße 42. Rauch klub Sanssouci, Boeckhstraße 51. demokratischen Agitator hervorzuheben, es scheine ihm fast, als Bureauwahl mußte zwei Mal 10 Minuten Vertagung eintreten, Rauchflub Ohne 3wang, Abends 9 Uhr bet Späth, Weinstr. 28. ob das Beispiel Brausewetter's dem Amtsanwalt vorgefchwebt bevor der Referent Schmidt zum Wort kam, dessen Vortrag sich Rauchtluh Grüne Quaste, Abends 9 Uhr, bei Gorn, Kleine Martushabe. Nach einer diesbezüglichen Bemerkung des Vorsißenden meist auf persönliche Gehässigkeiten abwesender Personen und Waldemarfir. 18. Rauchflub Golbene Duaſte, verkündete dieser nach 1/ 4- stündiger Berathung, daß Jahn zwar Verdächtigungen gegen die Agitationskommission der Schneider bei Muß, Jofinfiraße 8. Rauchflub Schmotes Werte, Röpenicker, durch die Aeußerung des Gendarmen gereizt, der§ 193 des und Schneiderinnen Berlins resp. einzelnen Mitglieder derselben traße 121a bet Schöbel. Straf Gesetzbuchs aber keine Anwendung finde, da ferner eine aufpitte. Der ohrenbetäubende Lärm, der jedesmal entstand, Geldstrafe zwecklos, eine Gefängnißstrafe von einer wenn ein Redner der zentralen Richtung Richtigstellungen gab, Woche als angemessen zu erachten sei. verhinderte, daß man die Ausführungen der Redner verstehen fonnte. Nachdem jedoch schließlich( gegen 1/22 Uhr Nachts) die Situation sich dahingehend ausprägte, daß die Annahme einer Gegenresolution gegen die oben angeführte aussichtslos erschien, schloß der Vorsitzende kurzer Hand die Versammlung. Die Geschäftsführung der früheren gräflich Reischachfchen Brauerei, die schon wiederholt zu gerichtlichen Erörterungen Anlaß geboten hat, beschäftigte wieder einmal die zweite Ferientraftammer am Landgericht II. Der Bierfahrer Karl Grandke aus Berlin war wegen Unterschlagung von 1535 M. angeklagt, um welche Summe er in den Jahren 1890-92 die Brauerei geschädigt haben sollte. Obwohl der Angeklagte in fünf Fällen fchriftliche Anerkennungen an die Brauerei gegeben hat, nach denen er Beträge von 215, 75, 148, 73 und 57 M. von den Kunden eintafsirt, aber an die Brauerei nicht abgeführt hat, betheuerte der Angeklagte seine Unschuld. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, warum er alsdann die Unterschlagungen schriftlich anerkannt habe, erwiderte er: Ja, was thut man nicht alles, wenn man seine Stellung nicht einbüßen will!" Die Beweisaufnahme gestaltete sich von vornherein so günstig für den Angeklagten, daß von 22 Beugen nur zwei vernommen zu werden brauchten, nämlich der Buchhalter Kohlhardt und Graf Reischach selbst. Die Aussagen dieser beiden Beugen gaben einen Einblick in die Thätigteit der oft viel beneideten Bierfahrer. Danach erhält der Bierfahrer früh Morgens eine sogenannte Fahrkarte, auf welcher rubrikenweise die ganzen, halben, viertel und achtel Tonnen verzeichnet sind, welche aufgeladen wurden. Er hat sich selbst überzeugen, ob die Ladung mit der Fahrkarte übereinstimmt, denn für das in der Fahrkarte verzeichnete Bier ist er persönlich haftbar. Unterwegs hat er die Fahrkarte auszufüllen, d. h. er schreibt neben die entsprechenden Gebinde die Namen der Kunden, welche das Bier erhalten haben und daneben, ob und wieviel der Kunde bezahlt hat. Das Bezahlen geschieht sehr unregelmäßig, oft wird gar nicht bezahlt, dann wieder einmal eine größere Summe. Die Fahrkarten werden in die Geschäftsbücher und die Konto's Davon au ben 1. August, Abends 8 Uhr, im Restaurant des Landsmanns H. Saß, Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Mittwoch, Markgrafenftr. 102: 3ufammenkunft der Schleswig- Holsteiner mit Frauen. Ausschant von boykottfreiem Bier. den 2. August, Abends 8% Uhr, bet kelle, Schönhauser Allee 28. Oeffentliche Versammlung der Bureauangestellten am Donnerstag, äther. 8% ühr bei G. Fischer, Beusselstr. 66. Vergnügungsverein Lustige firaße 80-81. Gesellschaft Sero, Abends 9 Uhr, Sigung Brunnenstr. 155 bet Seft. Geselliger Verein unter un 3. Jeden Mittwoch Abend um Seelen Gibung und Fidelitas jeden Mittwoch s uhr bei Heinrich, Blücherstraße 61. Vergnügungsverein Gemüthlicher Schulz. Sizung jeden Mittwoch, Abends 8% Uhr, im Botale des Herrn C. Schulz, Fennstr. 33. ſtraße Rauchklub Vultan, Abends 9 Uhr bei Rachfall, Abends 9 Uhr, Humoristische Pfeifenbrüder= Abends 9 Uhr, lofterstraße 83, beim Genoffen W. Salzwedel. Rauchtlub Rauchklub Deutsche Eiche, Abends 9 Uhr bet John, Waldemarstr. 52. ustige Brüder Abends 8% Uhr Pücklerstr. 61 bei Faulhaber. Rauchklub Arcona Abends von 9-11 Uhr bei Bernhard, Stalizerstr. 41. Granade, Abends 9 Uhr, Forsterftr. 40 bei Tuguntfe. Altdeutscher Rauchflub bei Gädecke, Münchebergerstr. 5. Rauchtlub Rothe Fahne, Mittwoch Abends& Uhr, Oppelnerfir. 44, Restaurant zur bends 8 lbr bet Tilgner, Forsterstr. 22. Rauchklub Taubenbörse. Rauchklub Sumatra Süd- Ost, Sigung alle Mittwoch, Rauchtlub Die Dampfen= Rauchklub den, Mittwochs, Abends 8 Uhr, bei Jeratsch, Bangestr. 24. bergerstraße 122.Congo 2, Gizung jeden Mittwoch, Abends 8 Uhr bei Schmidt, Wienerstr. 44. Rauchflub Arcona, Mittwoch Abends 8 Uhr, bei Brand, ReichenStraße 2. Meffalina, Mittwoch im Lofal Wuttke, Graudenzer Rauchtlub Brüderlichkeit, Mittwoch bet Rederns, Wrangel Straße 84. Nauchklub Weiße Wolfe, Abends von 9-11 Uhr, bei Halle, Bergstr. 36. Referent: Stattlub Treff, Abends 8% Uhr, bei Otto Babel, Frankfurter lee 90.Stattlub areau- bei Lange, Friedrichsberg, Wartenbergfi... e 67. Schwinimverein ord. Uebungsstunde Abends 7% Uhr im Reinicken dorfer Seebabe. Touristenverein Freiheit, Abends 9 Uhr, bei Wuttte, Ruderverein Bluinenfir. 54. Borwärts", Sigung Freitag, Abends 9 Uhr, Alte Jakobstr. 68 Restaurant Dieffenbach. English Conversational Club Shakespeare. Meeting with Ladies Guests are welcome. Große Frankfurterstr. 24. Tagesordnung: Vortrag über Antisemitismus und Raufleute. Donnerstag, den 2. August, Abends uhr, bet Fiebig, Sozialdemokratie. Vergnügungsverein Thusnelda. Mittwoch Abends 9 Uhr, Möckernftraße 120 Sum Anhaltiner", Sizung. Berliner Naturheilverein Bukunft. Mittwoch, den 1. August, abends 9 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Vortrag veg Vereinsarztes M. Canis über: Die am häufigsten vorkommenden Unterleibsfrankheiten der Frauen. Nur Damen haben Zutritt. in Richet's Restaurant, Koppenstr. 65. Verein ehem. 52er Gemeindeschüler. Sigungen jeden Mittwoch s uhr Arbeiter Bildungsschule. Mittwoch, Abends 8%-10% Uhr: Nords Schule, Müllerfir. 179 a und Südost- Schule, Waldemarſtr. 14: Geheilnehmer, Damen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. fegestunde( fpez. Arbeiterrecht). Bet allen Unterrichtsfächern werben neue Liebesfreiheit i, = " every Wednesday at 9 o'clock at Neumann's Restaurant, Rosenthalerstrasse 36. Club Uncle Sam meets at 8 o'clock, Hoher Steinweg 15, Sachs Restaurant, to celebrate the forth of July the day of independance of the United States. Guests are welcome. Dermischikes. Lese- und Diskutirklubs. Mittwoch. Johann Jacoby, bei Frih Liette, Schwebterfiraße 33. Gesundbrunnen, Abends 8% uhr, bei Cholera. Wien, 30. Juli. Cholerabulletin für Galizien: Saferland, Bellermannftr. 87. Gleichheit, Abends sy Uhr bei Stramm, Am 28. und 29. d. M. im Bezirk Balescayti 48 Erkrankungen, Ritterftraße 123.- Seine, Rigdorf Abends 8½ Uhr, Prinz- Sandjeryfir. 60, 19 Todesfälle, 4 Genesungen; Bezirk Borszcow 8 Erkrankungen, parterre. Einigkeit, Abends 8 1hr bei Beige, Triftstraße 1. im Bereinstalender find zu richten an Fried. Kortum, Manteuffelstr. 49, v. 2 Tr. Jm Bezirk Saybusch, wo die Seuche verheimlicht worden ist, Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Alle Menderungen 6 Todesfälle; Bezirk Horodenta 9 Erkrankungen, 1 Todesfall. Arbeiter- Sänger- Bund Berlins und Umgegend. Mittwoch. Uebungs- find bisher 20 Erkrankungen und 5 Todesfälle zu verzeichnen. stunde Abends 9 Uhr, Aufnahme von Mitgliedern. Andreasstr. 26, bet Wilke. Freya,( Gemischter Chor), Alte Schönhauser: Im Bezirk Buczacz, wo die Seuche ebenfalls verheimlicht worden wilte.- Deutsche Giche, Grüner Weg 29 bei Säger. straße 22-23, Bößow's Braueret. Silaritas, Hochstraße 32 a, bei ist, tamen vom 16. bis 29. d. M. 18 Grfranfungen und 2 Todes Wollantfir. 113 bei Lehmann. Eco 1 Pantow, fälle vor, und in der Bukowina, Bezirk Kozmann, 5 Erkran 2yra 1, Köpnickerstr. 127a bei Küster. and in sand 1, Mariannenstr. 31-82, bet Doberstein. Schnee fungen und 2 Todesfälle. der Kunden übertragen und müssen diese mit dem Quittungs- Glafer. glöckchen 2, Potsdam, Brandenburger Kommunitation 16, bei Unverbroffen, Abends 8% Uhr, bei Sachs, Bindowerstr. 26. Explosion. Effen a. d. R., 30. Juli. Am Sonnabend buche, welches jeder einzelne Kunde in Händen hat, übereinstimmen.- Rütli, Friedenau im Kurhaus. Lorbeertranz, Sichtenbergerstr. 21 fand auf der Zeche Neu- Effen eine Explosion schlagender Wetter In lezteres schreibt der Bierfahrer ein, wieviel Bier er abgeladen pupeli tebe, eft. ii bei geing. Unversagt 1, Manteuffel- tatt; drei Bergleute wurden getödtet. Heise. Rothe Nelte, 43, bei Siegeler. und wieviel Geld er erhalten hat. Die Kundenbücher werden oft ftraße bet Nowact. Borbeertranz 2, Drantenstraße 190 bei Ratsch. in Jahr und Tag nicht mit den Geschäftsbüchern verglichen, iedeslust in Fürstenwalde Schloßtelleret". Todesfälle. Wien, 30. Juli. Der Afritareisende Richard Sängerchor ber oder doch nur bei besonderer Veranlassung, so daß der Bier- maler, Kaiser Franz- Grenadier- Blas Nr. 7.- Freiheits Grub. Buchta ist gestern hier am Gehinschlag gestorben. Gestorben fahrer gar keine Uebersicht hat, ob Geschäfts- und Kundenbücher remmenerfiraße Str. 1 bet maitagoffnung 3, Branden ist auch Mathias. der liberale Abgeordnete und Bürgermeister von Steder Brünn, Winterholler. übereinstimmen, und entstandene Fehler tönnen sich jahrelang lufi, Adalbertstraße Nr. 21 bet Roll, oberer Saal. Freiheits= hinschleppen, so daß es unmöglich ist, die Fehler aufzudecken und länge 1." Bum eichenen Stab", Stallschreiberstraße Nr. 29. New- York, 18. Juli. In Montgomery im Staate Jllinois dann bleibt einfach der Bierfahrer haftbar. So können sich ohne Breitner. Lyra 3, Briz, Werderstr. 15. Freiheitstränge 2, Chorinerftr. 55 bei wurden vorgestern während eines Kirchenfestes 52 Personen durch Arbeitergefangverein von Brig in Briz, Bürgerstr. 4 sein Wissen Mankos zu seinem eigenen Schaden einschleichen. bei Dorn. Georginia, Admiralstr. 38 bet Schönherr. Bor= den Genuß von Eiscrême vergiftet. Eine Frau ist gestorben, Es kommt hinzu, daß auch die Mitfahrer Geld einziehen und wärts" 7 Rummelsburg, Göthe und Kantstraße Gcte bet Greinert. drei Personen befinden sich noch in großer Gefahr. An dem im Kundenbuche quittiren. Ob sie das emgfangene Geld an Seeger'scher Männerchor, Koppenstraße 47 bet Borenz. selben Tage erfolgte in Chicago bei einem Pulvertransport eine Dämmerlicht, Doppel- Quartett, Landsberger Allee 152 bei Krause. den Fahrer richtig abliefern, hängt von der Ehrlichkeit derselben elfenburg, Krautfir.& bei Rudolph.- Glühlicht( gem. Thor) Berleberger furchtbare Explosion. Vier der Soldaten, die den Transport ab. Da die Fahrer sich ihren Mitfahrer selbst engagiren müffen, fraße 28 bei Hermerschmidt.- Steinnette, Pafewalterstr. 3 bet A. Neumann. begleiteten, wurden in Stücke zerrissen und zwei so schwer vertommt die Brauerei für Veruntreuungen des Mitfahrers nicht auf. Rofenthalerstr. 11/12, Rofenthaler Klubhaus. Matengruß, Charlottenburg, Wallstr. 54 bet Reichelt.- 2 ppolonia, wundet, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Der Rest Frethett 1, Bülowstr. 65 bei In dem vorliegenden Falle wollten die Zeugen den Angeklagten Richter. Männer- Chor Süd- Ost, köpniderstr. 191 bet Foge.- Liedertafel der Mannschaften und zahlreiche Bürger, die sich in der Nähe auch für etwaige Sünden des Mitfahrers strafrechtlich verantwortlich west end, Echöneberg, Kaiser- Friedrichstr. 6 b. Henkelmann. Feldblume befanden, wurden durch umherfliegende Trümmer verlegt. machen, ihnen wurde jedoch bedeutet, daß dies unzulässig sei. und Karlfiraßen- Ecke bei Hilpert. Freundestreu( gem. Chor), SandsLübbenerfir. 30 bet Meyer. Schneeglöckchen 1, Rigdorf, HermannE3 tommt auch häufig vor, daß ein Schankwirth bei der bergerftr. 31 bei Seehausen. Allegro, Wrangelstr. 141 bei W. Schmidt. Brauerei start in der Kreide fißt. In solchen Fällen wird dem Gesangverein Süd- Ost, Faltensteinstr. 7 bei Trittelwig. Butun ft 1 Bierfahrer verboten, dem Kunden weiter zu liefern. Um nun und Biethenstraßen- Ecke bei R. Weiß. Stegliz, hornftr. 15a im Gambrinus". Arion 3 Rigdorf, Germann- Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( 8wei Buchstaben oder eine Zahl Matengruß 3, Friedrichshagen, einen Kunden nicht zu verlieren und vielleicht doch noch Geld Rundtheil, bet Lerche. Norddeutsche Schleife, Schönleinstr. 6 zu kriegen, frebitirt der Bierfahrer wohl auf eigene Faust und bei Kraaß. Männer Chor Freie Sängerfthaar, Annenstr. 9 bet schreibt das betreffende Bier unter unter dem Namen Heimathtlänge, Repenic, Rosenstr. 101 bei Troppens.. Rottbuser Harmonie, Forsterstr. 22 bei Filgner. anderen Kunden in die Fahrkarte. Folglich wird ein fremdes Ronto zu Unrecht belastet und wenn es der Bierfahrer vergißt, durch eigene Zuschüffe die Rechnung in Ordnung zu bringen, so bleibt vielleicht das Konto eines prompten Zahlers mit erheblichen Beträgen belastet, bis derselbe nach Jahr und Tag erfährt, daß er angeblich Schuldner der Brauerei ist, worauf dann freilich mit Hilfe des Kundenbuches sehr bald die Aufflärung folgt. Solche Verschiebungen kommen bei den Biers fahrern fast täglich vor, denselben liegt in der Regel eine unreelle Absicht nicht zu Grunde. Aber wie Graf Reischach sowie sein Buchhalter bekundete find die Bierfahrer, die bei allen Runden etwas verzehren müssen, Nachmittags bei der Abrechnung im Romptoir meist betrunken, sie können ihre Eintragungen auf der Fahrkarte nicht kontrolliren, geschweige denn Fehler torrigiren. Sind die Eintragungen auf der Fahrfarte falsch, so wandern die Fehler auch in die Geschäftsbücher. In bezug auf lektere ist- wie der Zeuge Rohlhardt ausdrücklich erklärte in der Reischach'schen Brauerei früher viel gesündigt worden". Da der frühere Buchhalter indessen gestorben ist, so konnte dem Gerichtshofe seitens der Brauerei nicht einmal der Beweis erbracht werden, daß die Uebertragung der Fahrkarten in die Geschäftsbücher in forretter Weise erfolgt sei, und da es überdies ganz unmöglich erschien, dem Angeklagten bei seinen unrichtigen Eintragungen eine unredliche Abficht nachzuweisen, so wurde allseitig auf den Für den Inhalt der Juierate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Mittwoch, den 1. Auguft. Bellealliance- Theater. Der Trompeter von Sättingen. Alexanderplatz- Theater. Ver botene Liebe. -GOO eines Prop. Humo= Briefkaften der Redaktion. anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. Ein alter Soldat. Senden Sie uns die Beweisstücke vorher ein. Bautenschwengel Annenstraße 16 bet Chrenberg. Verein Brüderlichteit Georgenkirchstraße 65 bei Müller. Musitverein nach, welche Preise diese fordern. Verein Rhetorit Theaterverein " Sund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend.( zu: Werth mit jedem Monate, da die neuen Auflagen des Brockhaus Lexikon. Das ist schwer zu sagen. Jedenfalls sinkt der schriften find zu richten an B. Gent, Adalbertstraße 95. Mittwoch: Pollack Klub Lustige Brüder, Manteuffelstraße 46 bei Siewald. schen und Meyer'schen Lexikons, die eben im Erscheinen begriffen Geselliger Verein Fridolin, Brunnenstraße Nr. 35 bei Wolff. Rauchtlub Eiserne Pfeife, Triftftr. i bei Hoffmann sind, den Preis der früheren Auflagen herabdrücken. Das beste ristischer Rauchflub, Görligerfiraße 42 bei Bicht. Gefelliger ist, Sie fragen in mehreren größeren Antiquariats- Buchhandlungen Naunynftr. 86 bei Bubeil Abends 8½ Uhr.- Gefelliger Verein Hoffnung der Neuen Union" zur weiteren Erörterung bringen. Frau Fehlberg. Wollen Sie bitte diese Angelegenheit in Rebuferstraße Nr. 5 bei Nemis( alle vierzehn Tage). Prinzen- Allee 10 bei Bergemann. Proletariat, Naunynftr. 88 bei Köhn. nVergnügungsverein Amor II, O. W. 48. Darüber müssen Sie sich bei der betreffenden Touriste tlub Freiheit und wohl Direktion erkundigen, weil die Bestimmungen örtlich verschieergehen, Neuenburgerstr. 87 bei Regeberg. Rauchklub Rothe & ahne, Abends 9 Uhr, Oppelnerstr. 44, Restaurant Taubenbörse. Arbeiter dene find. Bither- Verein Einigtett, Manteuffelftr. 9 bei Nowed, Abends 8½ Uhr, 2. W. 22. Weift Ihre Frau die Richtigkeit des Vorfalls Uebungsstunde.. Bergnügungsvere in Hand in hand 2, Gr. Frankfurter: nach, so müßte der freche Kerl wegen Erpressung und Freiheitsftraße 80-81 Restaurant Müller. Schafstopfflub Spar- Agnes, Abends 9 Uhr, Blumenstr. 46 bei Wendt. Geselliger Verein Alpenrose, Briger: beraubung auf Strafanzeige hin bestraft werden. Die Anzeige traße 22 bet Graf.- Brtvattheater- Gesellschaft to me Ita, Bücklerstr. 2 bei ist an die Staatsanwaltschaft zu richten. Wird sie abgewiesen, Müller.( Außerdem alle 14 Tage Sonntags.) Admiralftr. 18 c bei Möhring. Theaterverein Nora. fo geben Sie wohl Nachricht. Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Mittwody. Musik- Unwissender. Der Vertrag ist giltig. Dilettantenverein Preci ofa, Abends 8-11 Uhr Uebungsstunde in Beisler's Restaurant, Fen n- und Tegelerstraßen- Ece. Männer- Gefangverein Apollo, Abends 9 Uhr, im Restaurant Schulze, Beuthstr. 18-19. Männer- Gefangverein" Jugendfreuden" jeden Mittwoch Abend 9 bis 11 Uhr bei Meißner, Linienftr. 142. Briefkaffen der Expedition. Turnverein Hoffnung, Abends 9 Uhr, im Restaurant Schröder, Man Ich ersuche Herrn Georg Goller, Schloffer, früher wohnteuffelstr. 9.- Straftturnverein Jugendtraft, jeden Mittwoch und Sonn- haft Manteuffelstraße 65 bei Gebsch, in Arbeit gewesen bei der abend 9-11 Uhr Abends bet Labe, Beughofstr. 8. Turnverein ef und Firma G. F. Speyerer in Nixdorf, um Mittheilung seiner Adresse, in ber Turnhalle, Fretenwalderstraße 39. brunnen. Die 2. Männer- Abtheilung turnt heute von 8-10% Uhr abends Da in seiner Unfallfache Bescheid der Berufsgenossenschaft einAbends 9 Uhr Uebungsstunde bei Faustmann, Reichenbergerstraße 73a. getroffen ist. 2. Kraftturnverein Berolina, National- Theater. Castan's Bentral- ranken- u. Sterbekaſſe Große Frankfurterstraße 132. Goldelse. Schauspiel in 5 Atten nach E. Marlitt's gleichnamigem Roman von Werel. Regie: Frizz Schäfer. Rassenöffnung 51/2 Uhr. Anfang 71/2 Uhr. Im Garten: Großes Konzert. Auf der Sommerbühne Aufführung von Bossen, Lustspielen sowie Auftreten von Spezialitäten erften Ranges. Morgen: Goldelse. Unserm Genossen, dem Restaurateur F. Steuer, au seinem 45. GeburtsKanfmann's Variété. Spezialitäten tag ein donnerndes Hoch! Vorstellung. National Theater. Goldelse. Apollo Theater. SpezialitätenBorstellung. Parodie Theater. Spezialitäten19 Borstellung. Die Stammgäfte P. M., W. L., F. W., P. A., R. S., 2092b W. S., E. S., H. S. Panoptikum. Hawaiische Königs- Tänzerinnen. Das schwerste Ehepaar der Welt. Selma Vogel, Paul Flegel, Verlobte. 20965 der Tischler u. s. 1. Oertliche Verwaltung Berlin H. Danksagung. Sage hiermit dem Gesangvet ein „ Südost" meinen besten Dank für die leste Ehre, welche meiner Frau zu Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Theil geworden ist. Achtungsvoll unser Mitglied A. Lampe nebst Kindern. Karl Pflanz im Alter von 40 Jahren am 29. Juli verstorben ist. 237/3 5882 Danksagung. Für die vielen Beweise der innigsten Die Beerdigung findet am Mittwoch, Theilnahme und die reichen KranzSpenden bei der Beerdigung meines den 1. August, Abends 6 Uhr, von lieben Mannes, unseres guten Vaters, der Leichenhalle des Emmaus Kirch- fagen allen Verwandten, Kollegen und hofes aus ftatt. Bekannten unsern herzlichsten Dant. 2091b Wwe. Lüty und Kinder. Eine anft. Schlafft. ist an 1 Herrn zu vermiethen. Joachimsir. 11a 2. Ho 4 Tr. L. bei Schwarz. 2089bf Genosse Otto Müller, der foll leben!!! Er fann reifte was zum Besten geben. Um zahlreiche Betheiligung bittet Bairisch baucht's ja nicht zu sein, Die Ortsverwaltung. Herrmann schänkt auch Werdersch ein. Beste Glückwünsche: Dorf Puttbus. Theilnehmer für kl. gemüthl. Zimmer, Na! Det Aquarium tann dreifte fep. Ging., gesucht. Manteuffelstr. 44, überlaufen. 2093b 4 r. I., Knoblauch 2087b Achtung! Drei große Achtung![ Kranken- Unterstüßungs- Bund Volks- Versammlungen Schneider. am Mittwoch, den 1. August, Abends 8 Uhr, in folgenden Lokalen: Mähring, Admiralstr. 18c, Poppe, Lindenstr. 106, Kartz, Schönleinstr. 6. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Die Frauen und der Bier- Boykott. Referenten: 118/7 2. Diskussion. Genossen Georg Wagner, Dastig, G. Timm und Frau Greifenberg. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch, besonders der Frauen, ersucht Die Franen- Agitationskommission. NB. Die gestern angekündigte Versammlung in den Oranienhallen muß ausfallen, da das Lokal den polizeilichen Vorschriften nicht genügt. Schöneberg. der Versammlung am Donnerstag, den 2. August, Abends 81/2 Uhr, bei Freygang, Schützenstraße 18/19. Tages- Ordnung: Berichterstattung der Delegirten von der General- Versammlung in Braunschweig. 221/2 Die Zahlstelle der Krankentaffe, sowie die des Verbandes, sind jetzt jeden Montag Abend v. 8-10 Uhr bei Röllig, Neue Friedrichstr. 44. Kelle's Vereinshaus ( früher Ruhlmey) 28. Schönhauser Allee 28. Prachtvoller schattiger Garten. Vereinszimmer noch einige Tage frei. Donnerstag, den 2. Auguft, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Tanzsaal, Kegelbahn. S Kessner, Grunewaldstraße Nr. 110: Roh- Tabak A. Goldschmidt, 4435L grösste Auswahl! am hiesigen Plage wie bekannt Garantie für sicheren Brand. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindl. Rohtabate sind am Lager. A. Goldschmidt, Gelegenheitswaaren! Feinste braune Veilchen- Seife vorzügl. parfümirt, ftatt 50 Bf. für 10f. gr. Stücke Bete Cocosunß- Seife, ftatt 10 Bf. für 3 Pf. Padfiegellack, statt 10 f. Stange für 3 Pf., 1 Pfd. 8 Stangen für 22 Pf. Brieffiegellad, feinste Qualität, Stange 3 Pf., 1 Pfd. gleich 16 Stangen für 40 Pf. Französ. Oranienburgerstr. 2. Gornfrinterkämme, 7" lang, tatt 50 Pf. für 20 Pf. Echt japanische Goldfächer mit Malerei, Stud 7 Pf. Seidene Kravatten, Schleifens façon, Stück 6 Pf. Feinste Gloria seidene Regenschirme für Herren Photographisches Atelier Atelieren, von Carl Gräfen Damen, St. 2,10 M. Löffel, Messer und Gabeln etc. zu Spott Berlin S., Prinzenstr. 11 preisen in enormer Auswahl. Feinste hält sich den Parteigenossen zur Auf- Moschusseife, St. 10 Pf., Did. nahme von Porträts u. Gruppenbildern 1M. Beste Glanzwichle pro Schachtel bestens empfohlen. Spezialität: Vereins- statt 10 Pf. für 3 Pf. Eine Partie und Fabrik- Gruppen. 2302* hochfeiner sehr starker Gummi- Hosenträger, statt 1,20 M. für 60 Pf. pro 6 M. von 1 Duz. an. Große öffentliche Bolfsversammlung Schmiedels eftfäle Roh- Tabakozialdemokraten für Männer und Franen. Tages- Ordnung: 1. Der Bierboykott. Referent: Genosse Antric. 2. Diskussion. Bur Deckung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pf. erhoben. Die Vertrauensperson. 253/13 Oeffentliche Alte Jakobstr. 32. Empfehle meine hoch eleganten Säle ( elekt. Bel.) auch mit Bühne zur Abbalt. von Vereins- u. Privatfestlichkeiten. 4902* Wiv. E. Schmiedel. B. Nieft's Festsäle, Versammlung der Bureau- Angestellten felt ſich zu Verſanimlungen und und verw. Berufsgenossen am Donnerstag, den 2. August er., Abends 8 1hr, bei Kelle, Schönhauser Allee 28. Tages Drdnung: 1. Vortrag des Genoffen Naether. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Ver trauensmanns. 4. Verschiedenes. 95/1 Der Einberufer: Robert Kunkel. Arbeiter- Bildungs- Schule. Lehrplan für das Sommerhalbjahr Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag. ... Sonn-( 2. u. 4. im Monat) abend( 1. u. 3. im Monat) . • 1894. Nord- Schule. Müllerstr. 179a. Nationalökonomie. Volksthümliche Medizin. Gesetzestunde( spez. Arbeiterrecht). Geschichte( neuere). Deutsch( Logik u.Rethorit) Naturerkenntniß. Diskutir- Uebungen. Südost- Schule. Waldemarstr. 14. Nationalökonomie. Voltsthümliche Medizin. Gesezeskunde( spez. Arbeiterrecht). Geschichte( ältere). Deutsch( Logiku. Rethorit). Naturerkenntniß. Diskutir- Uebungen. Der Unterricht wird des Abends von 81/2 bis 101/2 Uhr ertheilt. In größeren Lokalitäten werden in bestimmten Zwischenräumen große Versammlungen abgehalten, in welchen wissenschaftliche Themata's in volksverständlicher Weise behandelt werden. Die Theilnahme an dem Unterricht steht Jedem, auch Nichtmitgliedern an einem Abend im Semester unentgeltlich frei. Für sämmtliche Lehrfächer werden zu jeder Zeit neue Theilnehmer, ( Damen und Herren) aufgenommen. 17. Weberstr. 17. Empfiehlt Vergnügungen, find noch Sonnab. Vergnügungen, find noch Sonnab. frei. Achtung! Achtung! Köpenick! Den Mitgliedern des Arbeiter: Gesang Vereins Morgenroth" zur Nachricht, daß unsere Uebungsstunde wegen der Saalsperre nicht mehr im„ Kaiserhof" zu Köpenick, sondern jeden Donnerstag Abend 8 Uhr in Adlershof, Wöllstein's Luftgarten, stattfindet. Die Mitglieder( auch die passiven) werden ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 128/10 Der Vorstand. In RohTabaken und Utensilien für Cigarren- Fabrikanten !! billigster Einkauf!! Der Mitgliedsbeitrag beträgt 25 Pf. monatlich. Das Unterrichtsgeld W. Hermann Müller beträgt monatlich für jedes Unterrichtsfach 25 Pf.; für den Sonnabends Unterricht wird fein Entgelt erhoben. Die Zahlung der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder erfolgt an endstehenden Bahlstellen, deren je eine auch in jeder Schule errichtet ist. Die Zahlstellen sind folgende: S. Schöning, Stallschreiberstr. 29. SO. Südostschule, 2aldemarstr. 14. Schulz, Admiralstr. 40 a. SW. Grube, Mariendorferstr. 10, Windhorst, Junkerstr. 1. 0. Tempel, Sangeftr. 65. 50/1 C. Drescher, Linienstr. 50. Wernau, Rosenstr. 30. N. Nordschule, Müllerstr. 179a. Gnadt, Swinemünderstr. 120. Gleinert, Müllerstr. 174. NO. Mamlock, Barnimstr. 42. NW. Vogtherr, Stephanstr. 27a. Der Vorstand. Die Bibliothek ist allabendlich geöffnet und steht jedem Mitgliede zur unentgeltlichen Benutzung zur Verfügung. Metzner's Korbwaaren- Fabrik, 1. Gesch.: Andreasstr. 23, H. pt., gegenüb. Andreaspl Berlin, 2. Gesch.: Brunnenstr. 95, gegenüb. Humboldtshain. größtes Lager Berlins. MusterKinderwagen, her gratis. Theilzahlung geencheren, be stattet. 500 Mark zahle ich Jedem, der mir nachweist, daß ich nicht das größte Kinderwagen- Eager Berlins habe. vorzügl. Künstl. Zähne, org. u. Garantie, schmerzl., Zahnschmerz beseitigt, ſchmerzloses Zahnziehen. Theilzahlung. Goldstein, Oranienstr. 123 Rohtabak 66. 66. Resterhandlung. Billig Neste zu Knaben- Anzügen von 1 M. Große Anzüge von 7 M. an bis zum feinsten Kammgarn, auch pass. Größte Auswahl, Billige Preise zu Einsegnungs- Anzügen. Große AusEmil Berstorff, 182. Brunnenstr. 182. Garantirt flotten u. sicheren Brand. Evora- Brän in vorzügl. Qualität empfiehlt in Gebinden von 17 Litern an, auch in Flaschen. Otto Linke, Lagerhof 3. Telephon Amt III Nr. 404. Klagen, Eingaben, Unfallsagen, Putzger, Stegligerſtr.65 wahl in Paletotstoffen, sowie zu Frühjahrs- und Sommermänteln, Jaquets, Plüsch, Atlas, Seide, Sammt u. Spizen. Auf Wunsch Alles zugeschnitten, auch angefertigt. Fertige Knaben- Anzüge 66. Karle, Waldemarstrasse 66. 20976 Brot, 612 Pfd. für 50 Pfennige Bäckerei Sorauerstr. 8. Rohtabak. Grösste Auswahl. Billigste Preise. Formen, Bockfaçon, wieder vorräthig. Heinrich Franck, Brunnenfr. 185, Berlin Neue Friedrich- Strasse 9. Streng reelle Bedienung. Creditgewährung Detail- Verkauf rotu, 2 Pfg. St., per Dyd. 15 Bf. Ganze Bouquets 10 Pf., Dugend 85 Pf. Vorstecknadeln mit Porträts von Lassalle Rud. Völcker& Sohn, und anderen bekannten Parteigen offen, Köpnickerstr. 45. Stück 20 Pf., Duhend 2 M. NickelSchwedenhülsen mit SozialdemaWaldstr. 1. ratenführer St. 5 Pf., Did. 50 Pf., dieselben mit Cigarrenabschneider Waldstr. I. Jungbier- Verkauf. St. 7 fg., Did. 75 Pf. meinien geeb, one day in der Nato- Gine Partie Damenſträmpfe, geehrten Kunden zur gefl. Kenntnißnahme, daß ich Straße 1, Ede der Thurmstraße, einen engl. Lange( übers Knie zu tragen), Jungbier- Verkauf errichtet habe, und garantirt echt diamantschwarz, verkaufe dort täglich von Morgens ftatt 60 Pf. für 30 Pf. Paar, Dyd. 6 Uhr bis Nachmittags 2 Uhr Weißbier( frisch) Weißbier( Ausstoß) à Liter 10 Pf. Malzbier Guten Rovent als Nachguß umsonst. Achtungsvoll 20946 Conrad Bernh. O. Deter, Weißbier- Brauerei, Berlin NW., Beusselstr. 39. Für Vereine! Juminations- Laternen empfiehlt als Spezialität in großer Auswahl billigst 5342 Wilhelm Wustrow, SW., Friedrichstraße Nr. 235. Vier Mark toften 2 Stabinetund 12 Visitbilder bei Böhme, Lindenstr. 43, gegenüber der Bimmerstraße. Achtung! Kein Laden. Kontroll- Schuhmarke. Nur eigene Fabritation, 25 Bigarren Xabate. Rippentabat 2 Pio. 60 Bis. 1 Mart. Garantie rein amerikanische 71L* Pfd. Pig. H. F. Dinslage, Paar 3 M. Ebenso prima- prima, beste Qualität statt 90 Pf. für 45 Pf. Paar, Dyd. Paar 4,80 M., verstärkte Spitze und Ferse. Gewöhnl. Schwarze Damenkniestrümpfe, Dhd. Paar 1,60 m., Paar 15 Pf. Herren- Soden, prima Qualität, Dyd. Paar 1,70 M. statt 5 M. für 3 M. per Dyd. Paar, nur so lange der Vorrath! Eine Parthie Herrenkragen, ( garantirt 4 fach Leinen) in allen Weiten. Steh- oder Umlegekragen, die sonst mit 5 bis 6 M. per Dutzend vers tauft, für nur 2,40 M. per Dyd. Beste Manschetten per Dutzend 3,50 M. Französische Wachsstreichhölzer, 5 Minuten- Brenner, statt 10 Pf. für 5 Pf., per Dyd. 50 Pf. Parthien Sonnen- und Regenschirme 7. un 2. Nachtlichte, spottbillig statt 3 Mart für 1/4 Jahr, pro Schachtel at 10 Pf. für 3 Bf. neueſter Ernte, Rottbuſerſtr. 4, Hof part. Cigarren, Sumatra efter Monatl. 10 M. liefere statt 4 M. für 2 M. 50 Pf. pro Riste Theilzahlung. Anzüge nach Maass. Tomporowsky, Schneidermeister, 473L*] Berlin C, Jüden str. 37 I. neue = 100 Stück. ,, Softègo", jedes Stück in elegantem Ring,( Habanna non plus ultra), echt ameritan. Tabat, hochfein, in eleganter an Arbeiter spottbillig Packung, 9 Etm. lang, 5 Ctm. start, G. Posten Soell auch einzeln 3. verkauf per Rifte von 50 Stüd M. 2,50. Pfandleihe, strasse Nr.13. Rifte von 100 Stück 1. 3,60. Sänge nach Uebereinkunft!! Stempel Ein Jeder mache den Versuch. Nach beendeter Inventur Vereins- Abzeichen 2c. H. Guttmann, Brunnenste. 9. Charlottenburg. * Ein gangbares Materialgeschäft Gardinen- Reste mit Schnaps und Spirituosen, 31 1-4 Fenstern passend, spottbilligst Milch und Backwaare, Borzellanin der Fabrit Grüner Weg 80, part. und Steinguthandlung, sowie Jung Eingang vom Flur. 5437 L* ВЕНГІЙ HECH R.HECHT BERLIN Stempelfabrik CG von R. Hecht BERLIN S. Oranienstr. 55 liefert schnell und billig alle Arten Stempel. für Wiederverkäufer. billigste Bezugsquelle Schützenlisl, etwas Exquifites, per 103/4 Ctm, Umfang 5/2 Etm. Elegant ausgestattet. Deliciöse frische türkische Cigaretten, hochfeine Packung, statt 3 M. für 1 M. per 100 Stück. Deutsche Cigaretten in 10er und 25er Packung, 30 Pf. per 100 Stück. Verloosungs- Gegenstände in enormer Auswahl spottbillig. Japanische Metalltablets, haltbar wie Silber, statt 50 Pf. für 25 Pf. p. St. bier- Verkauf frankheitshalber sogleich Versand nach außerhalb von 3 M. an oder zum ersten Oktober billig zu vers unter Nachnahme oder Vorherbetrag. 528L Segr. L. Brockmann, 1871. Gegr. taufen Wallstr. 6. Weißbier! Für Fabriken und Werkstätten sowie für Wiederverkäufer liefere ich mein Versand- Weißbier in unübertrefflicher Güte zum Preise von 3 Mt. für 40 halbe oder 45 4/10 oder 25 8/10 oder 20 ganze Flaschen, frei in's Haus, in Flaschen mit Patent: Kinder- verschluß, ohne Pfandberechnung. Wagen, Krankenwagen Korbwaaren, Fernsprecher Amt Schöneberg No. 92. 1871. 26 Raiser Wilhelmstr., Berlin. Kinderwagen, gebr., vt. Rottbuferstr. 13. Spandau, 518 Frobenstraße Nr. 12 sind Wohnungen von Stube, gr. Küche, Reller u. Boden, mit Wasserleitung, zum Preise von 56, 58 u. 60 Thlr. zu vera miethen. Otto Hallecker. A. Seidler, Arbeitsmarkt. Schöneberg, 214L* Dirigent sucht Arbeiter Gesangs Holzwaaren, Sedauftraße Nr. 73-75 und 82. Verein. Offerten find zu richten an C. Freese, Admiralstraße 39, Hof 2 Tr. größtes Lager Berlins, Theilzahlung gestattet, Musterbücher gratis, empfiehlt Berliner Weissbier- Brauerei. Eine alte deutsche Feuer- Vers.- Gesellschaft sucht für Berlin u. die Provinz thätige Haupt- u. Spezial- Agenten. Hohe A. W. A. W. Schulz, Sobe fortlaufende Bezüge event, auch Brunnenstr. 145 Ecke Rheinsbergerstr.), Hauptgeschäft Brunnenstrasse 95, vis- à- vis Humboldthain. Teleph.- A. 3. Nr. 1767. Nur Hüte mit Arbeiter Kontroll- Marke führt Genosse 0.Gerholdt Dresdenerstr. 2 ( am Kottbuser Platz). Neuheiten in Sonn- u. Regenschirmen. Größtes Lager festes Gehalt werden zugesichert. Offerten unter 0. P. 2 nimmt die 219L Expedition entgegen. J. Jablonsky, Naunynstr. 37 empfiehlt seinen fräftigen Mittags- u. Abendtisch zu solid. Preisen. Ausschank 2090b Schildermaler verlangt Wilhelm20956 ftraße 180. 3 tüchtige Rorbmacher a. Obstkörbe und Marktarbeit verlangt 20986 Frankfurter Allee 128. Karton- Arbeiterinnen, geübte, verl. M. Wolff, Neue Friedrichstr. 48. des Münchener Brauhauses, sowie Kaufmännischer Leiter. von ff. Weißbier u. Gräger Export. Kleiderspind, Vertikom, nußMuschelbaum: 50 Mart, Spiegelspind 23 M, Tischlerei Dranienstr. 158, III. Säle zu Versammlungen und Vereins- Feßlichkeiten. 1837b Dranienstraße 180. Für ein süddeutsches täglich erscheis nendes Parteiblatt wird ein mit Buchhaltung vollständig und dem Zeitungs wefen möglichst betrauter Genosse fofort gesucht. 5162* Offerten mit Gehaltsansprüchen und Referenzen unter S. H. 12 werden an die Expedition dieses Blattes erbeten Verantwortlicher Redakteur: Hugo Pötsch in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2,