Nr. 83. 36. Jahrg. Ve,ug«pr-i»t nioitfllUlÄ Ifle Min« Hau«, voran« zahlbar. Sinztin« Nummern 10 Pfenmg. P-IIbezug: Momullch 2.2b MI> exll. Zustellung«- gebühr, llmer«reu, band Illr Deutsch- ianb u. Otsterreich-Ungarn ö.w Ml. sür da« übrige Lusland 9.S0 Ml. bei lügllch einmaliger Zulrellung 7.50 Ml. Poltbellellungen nehmen an Däne- Marl. Hollanb. Luxemburg, Schweden und die Schwerz. Eingetragen in die Lokt-Zeuungb-Vreigliste. Der.Borwürt«' erichemt wochenlügslch zweimal. Sormlagr elnmal. Abend-Ansgabe. Zelegiamm-ildresse: ,S»,taldemokrar verlin". P> berliner VolKsblatt. �lopksnnig) AnzeiflenprciS: Die achtgespaltene Nonvareillezeile kaNel«) Lsg.„Kleine Anzeigen-, da» tettgedruckte Worr 40 Psg.(zulässig 2 settgedrullle Worres, lebe« weitere Worr 20'Lsg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da« erile Wort 30'Lsg., lebe« wertere Wort lb Psg. Worte über lb Buchilaben zählen sür zwei Worte. Tsuerungszuschlag 70%, Familien-Anzeigen, volitiiche und gewerlschartliche Berein«- Anzeigen 30 Psg. die Zeile. Anzeigen iür die nächste Nummer müssen bis ä llhe nachmittag« rm vauptgelchäft. Berlin SW.bS. Ltnd.enstratze 3. ad ergeben «erden.«eSfsnet von L Uhr früh bt« 6 Uhr abend«, Zcntralorgan der rozialdcmohrati fchen Partei Deutfchlands. Reüaktion und Expedition: EW. 68, Lindenftr. Z. Fcrnivrecher: Amt Morivpiatz. Nr. t.>I SO— läl iI7. Freitag, den 14. Februar 1V19. vorwärts-verlag G.m.b. h., SM. 68, Lindenftr.Z. Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. 117 SS— S1. Die letzten Mablen für Meimar. Zwei fozialdemoftratifcbc Soldaten abgeordnete. Ultimatum an deutschlanö. Die Ausführung der Waffenstillstandsbcdingungen. Genf, 14. Februar.(T.K.) Pariser Meldungen zufolge ist die Note der Alliierten über die Einstellung der deutschen Offensive gegen Polen der deutschen Negierung übermittelt worden. Wie der Vertreter der Telegraphen-Kompagnie er- fährt, ist der Inhalt der Note kategorisch und in drohendem Tone gehalten. die neuen Bedingungen üer Alliierten. Genf» 14. Februar. Wie aus Paris berichtet wird, sieht der neue Waffenstillstandsvertrag einerseits die Entwaffnung Deutsch- landS vor, andererseits aber�wird er die V e r s o r g wn g D e u t s ch- land» mit Rohstoffes und Lebensmitteln gestatten. Die Versorgung wird auf Grund von Schätzungen erfolgen, die rcn der Wirtschaftskommission der Alliierten vorgenommen werden. Der„Petit Parisien" bemerkt hierzu, daß Marschall Fvch am Mitt- wach nach Trier abgereift ist. Am Dienstag wurden in den De- batten des Obersten Kriegsrats die Richtlinien für die neuen WaffenstillstandSHedingungen endgültig festgelegt. Tie Unterhandlungen werden sich in zwei Etappen abwickeln. Zunächst werden die deutschen Vertreter aufgefordert werden, folgende Ver- pflichtungen einzugehen: 1. Nestlose Ausführung der Abrüstung und zweitens Einstellung jeder Offensive gegen Polen. Nur wenn die deutschen Vertreter diese Verpflichtungen übernehmen werden, wird Foch in die abermalige begrenzte Verlängerung deS Waffeust'll. standes einwilligen. Deutschland stehe es frei, den Waffenstillsjond innerhalb 72 Stunden zu kündigen. Entente unü polenfrage. Kategorische Note an Teutschland. Genf» 14: Februar. gültig 369. Aswählt sind die zwei Kandidaten der sozial- demokratischen Partei Paul Rodemann und Peter Kronen. Trotz der bedauerlich geringen Wahlbeteiligung bietet der Wahlausfall eine interessante Stichprobe. Auffallend ist die minimale Zahl der Stimmen, die für die Rechte abge- geben wurden, sie stammen offenbar fast ausschließlich von Offizieren. Die Stärke der soz'aldemokratischen Fraktion in der Nationalversammlung zu Weimar steigt mit diesem letzten Wahlergebnis auf 165. Solschewistenousweifung aus Amerika unü England. Amsterdam, 14. Februar.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Nach Meldungen der„Times" beginnt die amerikanische Regierung wirksame Maßnahmen gegen die Ele- mente zu ergreifen. dieBolschewismusundAnarchie .in Amerika einzuführen und das Land in Erschütterung zu stürzen beabsichtigen. Die Regierung habe deswegen be- schlössen, das Land von franden bolschewistischen Elementen, die kürzlich erst angekgmmen sind, zu säubern. Es werden zunächst 57 Fremde weggeschickt. Auch in England scheint man gleich wie in Amerika kräftigere Saiten gegen anarchistische Agitatoren aufzuziehen. Tie in L o n d o n sich aufhaltenden 8666 Anarchisten sollen in kürzester Zeit in ihre Heimat abgeschoben werden. Selgier besetzen Duisburg. Folge spartakistischer Unruhen. Duisburg, 14. Februar. In der vergangenen Nacht rückten hier auf Anordnung deS belgiscken AbschniitSkommandeurs infolge der Vorkommnisse am Mittwoch belgische Truppen mit Maschincngc- wehren ein, um weitere Unruhen zu verhüten. ES ist eine Kompagnie eingerückt, der zwei weitere folgen sollen. Die Truppen kamen gerade vor dem Rathause an, als* dort drei Ha m bo r n e r Spartakistenführer vorgefahren waren, um von dem Oberbürgermeister die Herausgabe von beschlagnahm- ten Gewehren zu erzwingen. Die Belgier hielten das Auto an. Die Spartakisten versuchten zu entkommen und eine Handgranate. gegen die Belgier zu werfen, was jedoch vereitelt wurde. Die drei Spartakusleute wurden schwer verletzt und mußten in das Kranken» Haus gebracht werden. Die Belgier besetzten zum Schutz der Ver- waltung das Rathaus. Soweit ist es also gekommen I Belgier rücken ein, um Deutsche daran zu verhindern, oaß sie sich gegenseitig die Hälse abschneiden I Der völkerbunüentwurf fertig. Veröffentlichung in Kürze. Paris, 14. Februar.(Havas.) Die zweite Lesung des Bölkerbundentwurfs begann am Donnerstag vormittag. Die 86 Artikel wurden nach einer eingehenden Erörterung, die keinen Punkt unklar ließ, angenommen. Der Eni- Wurf wird veröffentlicht werden, sobald er von Wilson de? Konferenz vorgelegt sein wird, die am Freitag um 3 Uhr zu einer Vollsitzung zusammentreten wird. In dieser Voll- sttzuag wird Wilson den Zweck des Völkerbundes auseinandersetze». polnische Aufruhrer vor dem Kriegsgericht. Zuchthaus und Festungsstrafe. Bromberg, 14. Februar.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Wegen Hochverrats und Widerstands gegen die bewaffnete Macht hatten sich vor dem Kriegsgericht des Belagerungszustandes elf i Polen zu verantworten, die in den Kämpfen bei Grüntal und 1 Hopfengarten gefangen genommen worden waven. Drei wurden zu je 12 Jahren Festung, fünf zu je IS Jahren, zwei zu je 12, sin Angeklagter zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie behaupteten, mit Gewalt für das polnische Heer angeworben und zum Kampf gegen die Deutschen gezwungen worden zu sein._ Kriegstoften werden gefordert. Mitteilungen Bonar Salus. London, 13. Februar.(Reuter.) Im Unterhause erklärte Bonar Law auf eine Reihe von Fragen bezüglich der Zurück. erstattung der Kriegskosten, die britischen Delegierten seien end- gültig angewiesen warben, eine Entschädigung zu fordern, die so- wohl die K r i e g S k o st e n als auch den tatsächlich angerich. teten Schaden umfassen.__ Die preußische Nationalversammlung soll nach ewer Zeitung». Meldung am 4. März zusamentreten; die Wahl eines besondren preußischen Staatspräsidenten soll geplant sein.— Wir erfahren dazu, daß endgültige Beschlüsse über diese beiden Angelegenheiten erst in einer Sitzung de» vreußischen StaatsministeriumS am nächsten Mpntag gefaßt werden sollen. Richtig ist nur, daß der Zentralrat wünscht, die preußische Nationalversammlung nicht vor dem 4. März beginnen zu lassen. Sozialpolitik in den Gemeinden. Von Adolf Ritter. Gelegentlich einer sozialpolitischen Debatte im Reichs- tage hat Bismarck einmal das Wort geprägt:„Ohne die Sozialdemokratie wären wir in Deutschland aus dem Gebiet der Sozialpolitik noch nicht so weit, wie wir heute sind." Die Sozialdemokratie war zu jener Zeit in den Rathäusern noch nicht vertreten. Heute kann auch gesagt werden: Ohne die Sozialdemokratie wären wir in sozialpolitischen Einrich- tungcn in den Gemeinden nicht so weit, wie dies gegen- wärftg bereits der Fall ist. Die Voraussetzung für gemeindliche Sozialpolitik war die Inbetriebnahme von Unternehmungen, die in den Hän- den der Privatwirtschaft zwar für die allgemeinen Bedürf- nisse der Einwohner bestimmt waren und den Unternehmern zwar mühelos Gewinne verschafften, für die Arbeiter indeS kaum angemessenen Verdienst brachten. Die UebernaHme solcher Unternehmungen, wie Gas-, Wasser-, ElektrizitätS- werke, das Verkehrswesen in städtische Regie ist in den meisten i Fällen nur unter dem h e f t i g st e n Widerstand der bs- ' treffenden Jnteressentengruppen, die das Dreiklassenwahl- recht bevorrechtete, möglich gewesen. Die Verfechter der Aufrechterhaltung deS Privatbetriebes wendeten ein, daß in städtischer Regie„zu teuer" produz' evt i werde. In der Tat hat es Vorgänge gegeben, die eine solche � Behauptung scheinbar rechtfertigen. Der Unterschied liegt in der Tendenz. Die kapitalistische Privatwirtschaft hat das Bestreben, möglichst viel Mehrwert für den oder die Unternehmer herauszuschlagen, die Gemeinwirtschaft das entgegengesetzte� dem Gemeinwohl aller zu dienen. Die So- zialdemokratie vertritt den Standpunkt, daß dem Arbeiter der volle Ertrag seiner Arbeit zuteil werde. Von diesem Gesichtspunkt aus ist und wird auch in Zukunft ihre kommunalpolitische Tätigkeit geleitet werden. Nach den sozialdemokratischen Grundsätzen in der Ge- meindeverwaltung wird mit mäßigen Uebarschüssen aus den Anlagen gerechnet. In den verflossenen Kriegsjahren mit ihren abnormen Verhältnissen konnte hiervon in den meisten Fällen keine Rode sein. Von Gegnern städtischer'Eigenbe- triebe wird darum der Privatwirtschaft das Wort geredet. Das ist in der heutigen Zeit der Sozialisierungsbestrebung�r kein Wunder. DaS Prvatkapital wehi� sich gegen seine Aus- schaltung. Für den Sozialdemokraten gibt es in diesen Fragen jedoch keinen Rückschritt oder Stillstand, sondern nur ein Vorwärts. Wer das Prinzip der G e m e i n w i r t s ch a f t in der Kommune hochhalten und ausbauen will, kann deshalb am 23. Februar nur der sozialdemokratischen Liste seine Stimme geben I Eine Gemeindeverwaltimg hat nach der sozialdemokrat>- schen Auffassung die Pflicht, den in ihrem Gemeinwesen tätigen Arbeitern nicht nur einen auskömmlichen Lohn zu zahlen, sondern auch für die Zeit zu sorgen, in welcher er später wegen hohen Alters oder eintretender Unglücksfälle zur Leistung von Arbeit nicht mehr imstande ist. Das gleiche gilt für die Witwen- und Hinterbliebenenfürsorge. Seit dem Jahre 1968 besteht bereits für Berlin eine solche Einrichtung, die des weiteren Ausbaues bedarf. Bei der zu erwartenden Regelung des kommunalen Versorgungs- Wesens in Preußen wäre diese Materie in ihren Grundzügen eventuell von der staatlichen Gesetzgebung zu ordnen. Die Arbeiterschaft weiß, daß e» in der Hauptsache nicht darauf anko'mmt, wieviel Geld der einzelne in der Tasche hat, sondern daraus, was er mit diesem Gelde auf dem gegen- wärftgen Wirtschaftsmarkt kaufen kann. Deshalb kann die Sozialdemokratie in deu Jammer über die„unerchört hohen" Löhne nicht einstimmen. Die Arbeiterschaft hat sich vor dem Kriege mit der Hälft« des»heutigen Lohnes und weniger um vieles besser gestanden, als gegenwärtig bei den ungeheuren Preisen für alles. Eine zukünftige Lohnpolitik ,rn den Gemeinden wird in ihren Abmachungen und Durchführungsbestimmungen darauf achten müssen, in Ergänzung bisherger Grundsätze. Löhne für bestimmte Zeiten festzulegen, aber� im Falle großer Ver- änderungen auf dem Warenmarkt, die Löhne einer weiteren Revision zu unterziehen. Sollen sich diese Absichten in Ruhe und Ordnung voll- ziehen, ohne daß große Betriebe, wie beispielsweise der Stadt Berlin, zu schädigen, so müssen Vorkehrungen weiterer sozial, wlitischer Art getroffen werden, um sporadische A r b e it s> lieber legungen zu verhüten. Ein städtisches Arbeitsamt würde die Zusammenfassung rkles bisher auf dem Gebiete der kommunalen Sozialpolitik bereits Bestehenden bedeuten. Es weiter auszubauen in dem oben angedeuteten Sinne ist auch eine der Aufgaben zukünf- tiger sozialdemokratischer Gemeindevertreter. Tie Arbeitslosenfürsorge des Reiches, Staates und der Gemeinden hat gegenwärtig die Probe auf das Exempel zu machen. Einige privatkapitalistische Heißsporne meinen, dos Erempel sei mißlungen. Wer aber die Volkspsyche kennt, weiß, daß Männer, die jahrelang vom Militarismus dazu angehalten waren, Vagabondismus zu treiben— das Wort in gutem Sinne gemeint erst einer gewissen U e b e r- g a n g S f r i st bedürfen, um im zivilen Leben wieder zu- recht zu finden. Deshalb wäre es sehr ungerecht, in jedem Arbeitslosen einen unrettbar verlorenen Bummler zu sehen. Schlechte Element«, die durch den unheilvollen Krieg noch weiter demoralisiert worden sind, werden sehr bald von den guten abgesondert werden. Deshalb wird die Arbeitslosen- untergstützung, über deren Durchführung sich besonders die- jenigen aufhalten, die am allerwenigsten dazu legitimiert sind, bestehen bleiben. Ohne Sozialdemokratie keine Sozialpolitik! Daher ist am 23. Februar die Liste der sozialdemokratischen Kandidaten zu wählen._ "tzumamts" gegen Ententeimperialismus. Die Friedenskonfereuz kein Tummelplatz für anucxionistische Begehrlichkeiten. Berlin, 13. Februar. Die„H u m a n i t s" vom 0. d. M. geißelt Kampagne der französischen Kapitalistenpresse gegen Deutschland, dem Wiederaufnahme der Feindseligkeiten unterstellt Nnrd. Durch diese Kampagne, deren Uebertreibung in die Augen springt, wünschen unsere Regierenden, so schreibt „Humanite", dem Präsidenten Wilson seine Zustimmung zu neuen Zwangsmaßregeln, wie Ausdehnung der deutschen Okku- pation, Verstärkung der militärischen Kontrolle usw. zu entreißen. Wir hoffen, daß der Präsident Widerstand leisten wird, denn auf diesem Wege kann eine Lösung deS Problems nicht gefunden werden. ES sei ein Unbehagen vorhanden, aber dieses rühre ledig« lich von dem Imperialismus der Alliierten her. Seit dem ersten Tage sei die Friedenskonferenz ein Tummelplatz für annexionistisch« Begehrlichkeiten geworden. Da» durch hätten sich die Erörterungen verlängert. Man müsse offen auf eine imperialistische Politik verzichten und die Friedens- Präliminarien beschleunigen. Di«.Humanitt" gibt hiermit ganz die Auffassung wieder, die das ganze Ausland üb« die Treibereien in Pari« erlangt hat. ttoch kein Abtransport üer rnßifihen Kriegsgefangenen. Tie Entente hat den Abtransport in die Hände genommen. Während all« Kriegsgefangenen der uns feindlichen verbün« deten Mächte nunmehr in Erfüllung der Waffenstillftandsbedin- gungen mit Ausnahm« der wenigen zurzeit nicht transportfähigen Kranken und Verwundeten den deutschen Bicken verlassen haben und in ihre Heimat abtransportiert worden sind, verbleiben die russischen Kriegsgefangenen zunächst noch in Deutschland. Diese Maßnahme gründet sich auf Artikel 4 der UaffenstillstandSbediNHUngen vom 16. Januar ISIS, wonach die Entente die Fürsorge und Heimbeförderung der russischen Kriegs. gefangenen für sich in Anspruch genommen und vorläufig jaden wei. teren Abtransport untersagt hat. In Anbetracht der ungeklärten Lage im Innern, deS Mangels an Transportmitteln und der großen Hungersnot in Rußland sind die Vertreter der Entente der Anficht, daß die Russen beim Heim- pwinSport bei dem jetzigen strengen Winterwctter den größten Be- fahren für ihr Leben ausgesetzt seien. DieEntentewillda- her di« Abtransportfrag« selbst in die Hand nih. m e n. Den russischen Kriegsgefangenen wird durch die Entente bis zum Abtransport eine bessere Verpflegung in Aussicht gestellt, als die deutsche Regierung infolge deS in Deutschland herrschenden Mangels an Nahrungsmitteln geben kann. Auch sollen den rufst- schen Kriegsgefangenen möglichst weitgehende Erlecchterun- gen in ihren Lagern zugestanden werden, unter der Voraus- setzung, daß sie sich verpflichten, unter sich selbst für Ruhe und Drd. nung zu sorgen und jegliche Ausschreitung in den Lagern w.e außerhalb derselben zu vermeiden. die Konferenz auf üen prinzenin'eln pesichert. Genf, 18. Februar.(Meldung der„Telcgraphen-Kompagnie".) Nach Meldungen nuS Paris gilt die Konferenz auf den Prinzen- Inseln als völlig gesichert, nachdem sich auch die in Paris weilenden Vertreter der übrigen russischen Regierungen prinzipiell zu Verhandlungen mit den Sowjets bereiterklärt haben. die revolutionäre Bewegung in Rumänien. Genf, 13. Februar.(TU.) Nach hierher gelangten Blätter- Meldungen nimmt die revolutionäre Bewegung in Rumänien immer größeren Umfang an. Zahlreiche Familien sind be- reits auf der Flucht begriffen. Nach weiteren Meldungen soll auch die rumänische KönigSfamilie geflohen fein. Militär unü Justiz. Anklagen der Rote» Fahne. Die.Rote Fahne" behauptet, daß der Jäger R u n g e. den sie al» Haupttäter der an Liebknecht und Rosa Luxemburg verübten Morde bezeichnet, nach einem andern Truppenteil abgeschoben worden sei und sich noch in Freiheit befindet. Dasselbe behauptet sie von den Offizieren, die nach ihrer Darstellung als Mit- täter in Frage lommen. Gegen den LberkriegSgerichtSrat Jörns, der die Untersuchung leitet, erhebt sie in diesem Zusammenhang schwere Anschuldigungen. Weiter veröffentlicht sie eine Zuschrift deS Verteidigers R a d e k», dcS Rechtsanwalts Dr. S. Weinberg, in der behauptet wird, es sei ihm auf Befehl des Obersten Reinhard verboten war- den, mit seinem Klienten zu sprechen, obwohl er die dazu erforder- liche Genehmigung des zuständigen Richters besaß. Rädel liege im Untersuchungsgefängnis in schweren eisernen Ketten. Wie weit diese Behauptungen den Tatsachen entsprechen, ent- zieht sich unserer Kenntnis. Selbstverständlich aber mutz eS sein. daß der Richter nichts anderes kennen darf al» das Gesetz, und daß da» Gesetz über allen Staatsbürgern, auch über den Offizieren, steht. E» liegen auch keine menschlichen Gründe vor, die Strenge de» Gesetze» zu mildern, denn Leute, die wehrlos« Gefangene töten oder mißhandeln, verdienen keinerlei Schonung. Sicherungen für üie Merbestellung. Gut gemeint und schwach angeordnet. Die Sorg« um die volle Ausnutzung des deutschen Fruchtlandes hat nun zwei neue Verordnngen entstehen lassen, die sich entschieden gegen diejenigen wenden, die leichtfcrtigerweis« unterlassen, das zur Lebensmittelerzeugung wertvolle Acker» und Garßen- lan d ordnungsgemäß intensiv zu bewirtschaften. Nach diesen Verordnungen ist die untere Verwaltungsbehörde nach näherer Anordnung der LandeSzentralbehördz befugt, die Nutzungsberechtigten von Landgütern uno landwirtschaftlichen Grundstücken mit kurzer Frist zu einer Erklärung darüber aufzu- fordern, ob oder wie sie ihr« gesamte Ackerfläche bestellen wollen oder welche Stücke davon unbestellt bleiben sollen. Tie Möglichkeit der in Aussicht genommenen Bestellung ist auf Erfordern glaub- hast zu machen. ' Soweit der Nutzungsberechtigte die Bestellung nicht übernimmt oder die Möglichkeit der Bestellung nicht glanbliakt macht oder die Bestellung in unwirtschaftlicher Weise verzögert oder im letzte« Wirtschaftsjahre die Bestellung so mangelhaft ausgeführt hat, daß! das Grundstück einen unverhältnismäßig geringen Ertrag gebracht I Oer Lehrer. Aon Ludwig Hermann Borgwardt. kr war ein Jahr im Amt gewesen, al» der Krieg ausbrach! die «assenbegeistcrung de» August vierzehn hatte ihn zu den Fahnen getrieben. Durch Verwundungen und Nervenkrisen, die das Aufbäumen seine» innersten Ich« gegen den Kriegswahnsinn begleite. ten, hatte er fein Leben in den Frieden gerettet. Heute sollte er wieder vor der Klasse stehen, die er vor vier- einhalb Jahren verlassen hatte mit den Worten:„Wohl sehr glück- lich ist, w»r zu sterben weiß für Gott und da? teure Vaterland."— Er lehnte im dämmerigen Lehrerzimmer am Fenster und sah auf den Schuleingang. Tie Sck'üler eilten kaum erwacht aus allen Richtungen herbei. Am Tor staute sich der Haufe; er fand Ge- legenheit, die Knaben zu beobachten. Tann und wann zuckte«s durch sein Hirn, den Jungen mutzt du kennnen. Aber viereinhalb Jahre waren vergangen— Jungens von vierzehn Jahren muhten doch blühender aussehen al» Jungens von zehn. Ein langaufgeschossener Knabe mit bleichem Gesicht stand einige Sekunden im Lichtkegel der Torlampe. Da» war doch der Meißner, der'damals, als er den Erlkönig vorlas, um seine Wirkung auf die Zehnjährigen zu erkunden, mit tiefen, weinenden Augen in» Un- denkbare gestarrt hatte. Damals rot— voll— gesund——— Der Lehrer trat in da» Halbdunkel de» Zimmer» zurück und faßte sich an die Stirn: Krieg draußen— und daheim Hunger. Not, Sorge, Kummer.— Ihm stand sein Abschied von der Klasse vor Augen. Vor sich sah et die jubelnden, schreienden Gesichter.„Glauben müßt ihr an un»; wir schaffen eucki ein freies Deutschland, das al» leuchtende» Vorbild über aller Welt steht." Und die Jungen jauchzten: „Deutschland. Teutschland Wer alle»!" Heute sollte er wieder vor die Klaffe treten--- und heut« waren die Worte, die er im August vierzehn begeistert gerufen hatte, durch di» grausame Wahrheit zertreten worden. Al» Lügner muhte er in dreißig tiefliegende Kinderaugen schauen, in Augen, die Not und Elend gesehen hatten. Sollte er den vierzehnjährigen Jungen sagen: ich habe euch«inst belogen, ich wußte et selbst nicht besser— fallt« er über alle» Geschehene hinwegschreiten und da» breittreten, »a» der Lehrplan forderte. Er sah ein Gesicht in Erlkönigtiefen schauen. Wa» diese Augen von ih« fordern würden--— Er hatte sein Ziel stet« darin gesehen, di« verborgensten Qua» len der Kinder zu erkennen und zu lindern. Sollte er die größte Ovfal. die je auf Kinderherzen gelastet hatte, überschreiten, wie man über eine Rose im Rinnstein schreitet, di« bei sorgsamer Pflege blühen und duften würde?. Die Schulglocke läutete. Die Lehrer verliehen das Zimmer und traten auf den Korridor; er als letzter langsam hinterher.— Er kam in die Klasse. Tie Schüler sprangen auf; erwartung«. voll hingen dreißig Augenpaare an ihm. Ein große» Perzagen überfiel ihn,'als er die Kinder ansah. Tie Not der Jugend schrie in abgemagerten Körpern, bleichen Gesichtern zu ihm auf. Er ließ die Kinder sich setzen. Um etwa? zu sagen, fragte er, wer vor vier Jabren schon in der Klasse gewesen, fragte nach einigen, die er nicht mehr vorfand. Die Kinder wurden lebhaft in ihren Antworten und Zurufen. Er merkte, daß der Schrecken der Zeit ihnen selbstverständlich geworden war. Auf die Frage nach einem Jungen wurde ihm geantwortet: der ist verhungert; bei einem andern: er ist seiner Mutter weggenommen worden, weil sie sich her- umgetrieben hat; bei einem dritten: er hat gestohlen, sitzt im Ge- fängniS. Die Grausamkeit der Zeit hat ihnen jeden Vergleich mit früher verwischt. Wieder ein wurmender Zweifel: Darf ich in ten Kindern die erloschene Erinnerung an di« frohen Tage vor dem Krieg« wecken?— Nein, nein, mahnte eS in ihm. AuS den Tiefen seelischer Zerrissenheit sollst du sie in die neue Zeit der Arbeit und des Ver- trauenS führen. Er sprach mit den Kindern. Gräßliche Bilder standen vor seiner Seele. Und sein Herz klopfte und fragte: Wo soll ich einsetzen? Wo darf ich weiterbauen? Ist alle? zerstört, wa» einst gut und wahr und rein? Worte tauchten auf. die die Kinder von den Eltern über Revo- lution und TtaatSumwälzung gehört hatten, falschverstanden, un- reife, unklare Worte. Worte de» Hasses und Worte der Verzwcif- lung, gesprochen von Kinderlippen, die nur Lachen und Freude kennen sollten. Sein Gefühl blutete; er fand den Ausweg nicht. Immer höher türmten sich die Klagen um ihn, die eine ge- brochene Menschheit aus Kinderherzen stammelte. Er sprach kaum mehr. Einer der Jungen suchte eS dem andern vorzutun im Erzählen von Unglück und Not. War denn kein Licht, kein Strahl in diese Finsternis gefallen? Sein Blick sucht« den, der einst in bangem Staunen den Erl- könig locken sah.»Und Du. Du sagst gar nicht»?" Wie Klang aus andern Welten kam die Antwort:«Herr Lehrer, können wir nicht wieder einmal wie früher in den Wald geben? Sie haben un» so viel erzählt, wie die Menschen einst ge- fischt und gejagt haben, wie sie den Acker bebauten— und dann Häuser— und Maschinen— ich weiß noch viel davon. Wenn ich im Wald war, dachte ich immer an Sie." Die Klasse war still geworden; dann jubelt« sie:„Ja, Herr Lehrer, noch heute!" Er stand still im Bitten und Wünschen. Wie ein Schlag hatte e» ihn durchzuckt: dort kannst du veiterbauen. hat und zu erwarten ist, baß die Neubestellung ebenso inangclhnf' ausgeführt wird, oder wenn der Nutzungsberechtigte die Aufforderung unbeantwortet läßt oder nicht erreicht werden kann, ist dir untere Verwaltungsbehörde nach Anhörung des Bauern- und LandarbeiterratS befugt, die Nutzung deS Grundstücks mit Zubehör ganz»der zum Teil auf längstens sechs Jahre dem Berechtigten zu entziehen und dem Kommunalverband oder einer Gemeinde zu übertragen. Der Kommunalverband und die Gemeinde haben bei der Nutzung deS Grundstücks nach den Regeln einer ordnungsmäßigen Wirtschaft zu verfahren. Der Nutzen der beiden Verordnungen liegt auf der Hand. Wir können jedoch die unglückselige Schwachheit und Zaghaftigkeit nicht begreifen, die aus ihnen durch das Wörtlein„b.e fugt" spricht. Warum„befugt"? Man sollte doch in so wichtigen Dingen nicht bloß den Mund spitzen, sondern wirklich pfeifen. Wenn die unteren Verwaltungsbehörden nur befugt— also berechtigt sind, etwas zu tun, so wird in vielen Fällen eben nichts getan werden. Da- für haben wir wahrhaftig genug Erfahrungen. Man muß die Behörden verpflichten und sie mit aller Schärfe überwachen, ob sie diese Pflicht auch erfüllen. Das ist heutzutage nötig. Ein Geheimunternehmen gegen Sozialisierung. Spekulation auf die Angst. Folgendes Schreiben wird unS zur Verfügung gestellt: Correspondenz für Politik und Volkswirtschaft Berlin SW.48, Wilhelmstr. 14. Verlag: Herausgeber: Rudolf Schulze u. Co. Dr. Siegfried Seelig, Berlin. Berlin SW. 43, den Februar 1919. Streng vertraultchl An die Direktion..... Um sich gegen die„Vergesellschaftung der pri. vaten Produktionsmittel" zu wehren, ist auf An- regung einer Reihe größerer Betriebe unsere ZeitungScorre- spondenz gegründet worden, welche die gesamte bürgerliche Presse Deutschlands mit Artikeln, die sich gegen eine solche Ent- eignung richten, versorgt. Um eine derartige Abwehr so erfolgreich wie möglich zu gestalten, ist eS jedoch wünschenswert, daß möglichst alle Werke, di« von der geplanten„Vergesellschaftung" betroffen werden könnten, sich diesem Unternehmen anschließen. Eile ist dringend geboten! Nähere Auskünfte wollen Sie von dem Unterzeichneten ein- fordern. Mit vorzüglicher Hochachtung Correspondenz für Politik und Volkswirtschaft Dr. Siegfried Seelig. Es wird dringend gebeten, diese» Schrei- den al» streng vertraulich zu betrachten. Der betriebsame Herr Seelig will die Angst der Unter- nehmcr vor der Sozialisierung in seiner Art gewinnbringend ausnützen. Dagegen wäre nun nichts einzuwenden, wenn sein Unternehmen nicht den getneingefährlichen Charakter der Geheimbündelei trüge. Herr Seelig will— scheinbar natürlich nur im Allgemeinintercsse — die Presse mit„volkswirtschaftlichen" Leistungen ver- seuchcn, die von Interessenten bezahlt sind. Dadurch setzt er alle gleichgerichteten Unternehmungen dem— oft wohl nicht unbegründeten— Verdacht aus, auch sie benützten die Firnis des Gemeinwohls nur zur Besorgung ihrer Privatgeschäfte. Die Folge davon ist, daß die Oeffenlichkeit alle die Sache des Kapitalismus verfecli'.endc.n Presseaußerungen mit der aller- größten Vorsicht genießen muß. Hrinze und Strcscmaim. Di-.Nationalliberale Korreiponten," legt Wer: auf die Feststellung, daß die Wabl Dr. HenneS zum Vorsitzenten der Fraktion der.Dmt'chcn VoftSpoilei' sich nicht gegen ZUeiemann richle Slrekemaun bobe Heiiue selber vorgeswlag-n. nachdem ibm der Vv'.ntz der Frallion liierst angeboien war. er ibn aber wegen anderer Arbeiten abgelcbnr batre. Herrn Sircieniann« Ebrgeiz befriedigt es offenbar nrchr, Vorsitzender einer bedeutung»- losen Partei zn trn... Die Klaffe umringte ihn. „Herr Lehrer, heute, diesen Nachmittag. Wir haben Turnen. do könnten wir spazieren gehen." Er holte tief Atem. „Ja, Jungen», heute gehen wir in den Wald. Da will ich euch erzählen, wie die Menschen arbeiten lernten und dabei glücklich und froh wurden und nicht mehr an Not und Sorge zu denken brauchten. Doch jetzt setzt euch hin. Wir wollen auch arbeiten!" Nctizkn. — Kunstausstellungen. Die Berliner Sezession eröffnet am 19. Februar eine Gedächtnisausstellung ihres kürzlich verstorbenen Mitgliedes, des Malers Hugo Kray«.— Die Kunsthandlung Fritz Gurlitt(Potsdamer Ttr. 113 Villa I/II) zeigt vom 16. Februar ab altröm,sche Mosaiken und einige Mosaikarbeitcn moderner Künstler. — Musik. Da« fünfte Sonntag-MittagS-Konzert im Schiller-Theatcr Charlottenburg findet unter Mit- Wirkung von Hertha Stolzenberg und Zlaver Scbarwenka am 23. Februar, mittags Punkt 12 Uhr. statt. Eintrittskarten 1,69 M. — Zur B e r l i«> c r Revnlution's geschickte hat der Bedazet-Buckwerlag ein mit Bildern versehenes Heft„D i e Volk'Smarine in Berlin" veröfsentlicht. ES geht von den Vorgängen am Tage vor Weihnachten aus, die den Herausgeber E. Lleecke-Schlornbach veranlaßien, den Matrosen im Schloß sich anzunähern. Der Ertrag seiner Unterredungen 9tid die Lebensläufe von zwölf führenden Mitgliedern der Volk». marinedivision. Sie irwcken nun den Inhalt des HesteZ aus. da» manche Einzelheit zur Auffüllung de» Bilde» der Kieler Revo- lutionSbeweguna beisteuert. Der Wert der LebenSskizzen reicht aber darüber binau». Sie liefern nämlich Beiträge zum Werdegang und zur Pivchologie de» deutschen Proletariers letzter Generation, den Jugend Wiff nsdrang und Brotzwang in der Welt umtrciben, bis seine Wanderjahre in den Krieg einmünden, der ihn dann bereit werden läßt, Gewalt revolutionär gegen Gewalt zu setzen. — Theodor H r g e n, den man den Entdecker der male- rischcn Reize der Landschaft von Weimar nennen kann, ist 77 Jadr« alt gestorben. Ein halbe» Jahrhundert fast hat dieser Künstler der Jlmstadt angehört. Er zählt zu den Malern, deren Bilder durch Raumgefühl und Lichtfreude innerste Beseelung enivsannen. die auch da? Kleine der Natur zur Bedeutung wachsen läßt. Von Düsseldorf al» ein schon in jungen Jabren Umworbener auf Le- bcnSzeit nach Weimar berufen, bat Hägen sick auch al» tüchtiger Lehrer, der Kräfte nack ibrer Eioenart z» entfalten wußte, bewäbrt. — Der ungarische Dichter Endre Ady ist gestarben. Er wird von link» als der größte Lvriker seine» Lande» nach Pe» töfi eingeschätzt, von recht» her wurde er„unkultiviert" und„ordi, när" genannt. Deutsche Uebersetzungen seiner Werk« fehlen noch. In der„Wiener Arbeiterzeitung" werden sie al» eine gewaltige bittere Anklage gegen die heutige Gesellschaftsordnung, gegen die Barbarei und' Schablonisierung unserer Zeit charakterisiert. Sozialüemokratl'e und Regierung. Sie Stellung der Sozialisten im neue« Kabinett. Nach dem Urteil der linken Opposition ist die Sozial- demokratie in der Regierung überhaupt bedeutungslos und die Regierung selbst bürgerlich. Die rechte Opposition fin- det dagegen, daß die Regierung einseitig sozialistisch und ihr bürgerlicher Anhang nur fünftes Rad am Wagen ist. Die ..Kreuzzeitung" schreibt höhnisch: Philipp Schcidemcmn Hit sein Kabinett gebildet. Es entspricht bei geringen Verschiebungen den Erwartungen. Die bürgerliche Demolratie hat es nun verbrieft, daß sie mitarbeiten darf in dem vorwiegend sozialistischen Kabinett. Die„Deutsche Tageszeitung" findet das Kabinett durch- aus homogen, innerlich gleichartig, und sozialistisch. Sie meint: Wenn der Abgeordnete Gröber davon sprach, man müsse statt von einem sozialistischen von einem Koalitionsministerium sprechen, so müssen wir sagen, daß das im wesentlichen eine ks?cm de parier (Redensart) ist. Tatsächlich ist doch die Koalition etwas sehr einseittg ausgefallen. Selbst wenn unter Hinzuziehung de»«neutralisierten" Auswärtigen Amtes die bürgerlichen Minister- Posten den sozialdemokratischen ziffernmäßig die Wage halten, so ist doch der dominierende Einfluß der Sozialdemokratie sofort klar, sobald man sich die Verteilung selbst ansieht. Die wich. tigeren, vor allem die eigentlich politischen Posten sind in so- zialdemokratischen Händen: Präsidium, WirtschaftSamt, Wehramt, Justizamt; und wa» übrig bleibt, ist mit Demclraten besetzt, die, wie Herr Schiffer und Herr Preuß, während der Revelunon ihre unbedingt zuverlässige Gefolgschaft der So- zialdemokratie bewiesen haben. Tie Beteiligung des Jen- trum» beschränkt sich auf Herrn Erzberger ohne Portefeuille, und auf die Herren GieSbcrtS und Bell in den-ernen Wachposten fccS ReichZpost- und ReichskolonalamteS, von denen insbesondere tem letzteren keine überwältigende Einflutzmöglichkeit w:rd zugesprochen werden können. Tatsächlich steht Herr Scheidcmann also an der Spitze einer reichlich homogenen sozialistischen Ncgierung. ES ist ohne weiteres zuzugeben, daß die Darstellung der r e ch't c n Opposition von parteipolitischen Absichten bcein- flußl ist. Genau dasselbe gilt aber auch von jener der lin- k e n Opposition, die einfach eine lächerliche Karikatur liefert, indem sie die neue Regierung als vorwiegend bürgerlich hin- stellt. Die Wahrheit ist doch einfach die, daß die Sozialdemo- kratie den bürgerlichen Einfluß auS der Regierung nicht aus- schalten konnte, weil die Wahlen zur Nationalversammlung inimer noch eine, wenn auch knappe bürgerliche Mehrheit er- geben hatten, daß aber gerade durch die Art der Kabinettbil- dung die führende Stellung der Sozialdemokratie anerkannt worden ist. Wenn dennoch der Einfluß der Sozial- demokratie in der Regierung zu gering erscheint, dann muß man alle Kräfte anspannen, daß die Sozialdemokratie bei den nächsten Wahlen die Mehrheit bekommt. Oder weiß jemand einen andern vernünftigen Weg? lieber Dcheidemann und seine gestrige Rede schreibt die.Vossische Zeitung": Er hat nie stärker, zwingender gewirkt als heute. Die ganze Rede hatte stormat und Ausmaß. Der erste Ministerpräsident, der »u» dem Mehrheitswillen der freigcwählten deutschen VolkSver- tretung hervorgegangen ist, ist kein unbeschriebenes Blatt. Man kennt seine Vorzüge und sein« Mängel, seine Eigenheiten und seine Stärke, aber man hatte heute den Eindruck daß er m i t d e r .Größe der Aufgaben wächst und daß dieser Mann aus dem einfachen Arbeiterstand sich mindesten» so gut an aufragender Stelle ausnimmt als so mancher von den Herren, die in den letzten Jahren da? Zivilkabinett vorgeschlagen hatte. Glänzend geprägt waren die Wendungen, die Ser äußeren Politik galten.* Wenn in diese? schwersten Zeit des deutschen Volkes so- ticildemokratisch? Arbeitcrminister, an die Spitze des Staates gestellt, sich auf solche Weise die Anerkennung auch der bürger- liwen Welt erzwingen, so hat da? für das Ganze der Ar- beiterklaffe schließlich d»ch eine Bedeutung, die nur ein Blin- der verkennen kannl_ Die Unabhängigen und Dr. David. Die„Freiheit">Nr. 78 vom 13. Februar) zählt in einer Bc- trachtung über die Derner Konferenz Dr. David zu den„kompromittierten Persönlichkeiten" und sie macht den„Rechtssozia- listen" zum Borwurf, daß sie verhindert hätten, daß die kompro- mittierten Personen auS dem Vordergrunde verschwinden; die RechtSsozialisten seien eS. die„Herrn Dr. David, der stets die Beth- mannpolitik in allen Stücken gedeckt und unterstützt hat, i n S Auswärtige Amt gerufen und jetzt wieder in den Vorder- grund geschoben haben". Ohne auf die saloppe und wahrheitswidrige Art dieser Pau- schalbcschuldigungen ßepen Dr. David näher einzugchen, stellen wir lediglich fest, daß»s der Führer der Unabhängigen, Hugo Haase, gewesen ist. der als damaliger Volksbeauftragter für die äußere Politik Genossen David zum Unter st aatS- fekretär im Auswärtigen Amt ernannte und ihn «m liebsten zu« GtaatSsekretär de? Aeußeren gemacht hätte. Die Sezüge der flrbeiterräte. Eine Entgegnung. Im»uftrage der sozioldeniokratischen Fraktion deS Voll- zugSrat« wird uns geschrieben: I» der Morzenautgatze de»„Vorwärts" vom Miltwoch. den 18. Februar 1?I8, befindet flw Olli ter dritten Seile des Haupt« bloiit« eine tzan tl. V. kegeitnete Nonz mit der Uebelswrift„Felle Piründen", zu der die iogiaidemolralische Flak'.ion des VollzugSralS Gle folgendes»u erwidern biitel l ES beißt in der Aoli, zu Aniong:„Das Weiterbestehen und der»»«bau der Arbeiierräl« wird in energischer Weise namenilick tz»» den Unobdängigen trn» den SparlakuSleulen gefoideri." Wir weisen hierbei darauf hin: Die Bedeutung und da« durckiou» nüy- liche Wirlen der A- itntz E.-Räte. von einzelnen Ausnahmen ob- gesehen, währen» der BetzalationSze't wird auch in unserer Partei allgemein gewkrdigt. Di» groß» Mebr-ahl der sozioldemokralischen Srvoilerräl«. iowi, die s»li«ldemokraliiche>i Mitglieder de« VollnigS- rate» stehen«ut dem Glaudpunkr, daß auf wirlschaftlichem Gebier»»i« I-Nät« noch nicht erledigt sind. Es heißl tn der Aoll< weiter:»Daß man wohl verstehen kann, wenn diejenigen, denen iolck» Gehälter gezahlt werden, sich diese „selieii P'rftndon* erholten möctlen." Hierzu bemerken Wir: Die sozial»motratiichen Witglifher de« vollzugSratrS sind durch da« Serlrauen ihrer Kollegen und Kameraden als Arberier- bezw. Goldotenräte, und ol« solche dann IN den VollrugSrat gewählt worden, sie können doher«uch nichl eher ihre Funktionen nieder- legen,»he sie von ihren Mandatgebern oder durch gesetzliche Ver- ordnung abgerufen worden. Wir müssen deshalb mit Entrüstung den Vorwurf zurückweisen, daß wir nur auS materiellen Gründen in unseren„Pfründen" sitzen und diese deshalb erhallen möchren. � AIS politisch wie gewerkichaftlich organisierte Arbeiter können wir eS nichl verstehen, wenn der„Vor war ls" genau m der Form reaktionärer Blätter über unsere und der Angestellten Bezüge Lamento erhebt Ist denn dem„Vorwärts" nicht bekaunt, daß bei ver- schiedenen Behörden. KriegSge'ellschafreii usw Gehälter von LCXZOO M.. 30 000 M. und darüber gezahlt werden, ohne daß dafür eine der unseren nur im.eulferniesten ähnliche Arbeitsleistung gegenübersteht. warum wird in solchen Fällen keine Kritik erhoben? Mit Material stehen wir sehr gern zur Verfügung. Von dem Berliner Magistrat, der ja unter unserer Kontrolle stehen soll, unS diktieren zu lassen, welche Gehälter wir und unsere Angestellten beziehen sollen, lehnen wir ab. Ebenso die nicht mehr zeitgemäße Bezahlung der städtischen Angestellren. Dazu haben wir zu bemerken, daß es in keiner Weise in unserer Absicht lag, durch Veröffentlrchung jener Notiz die sozialdemokratischen Mitglieder des Vollzugsrats persönlich zu treffen. Wir sind vielniehr überzeugt, daß sie die ersten sein werden, Maßnahmen zu vertreten, die sich aus der Not- wendigkert. sparsam mit öffentlichen Mitteln umzugchen, er- geben können. Selagerungszuftand in Vilhelmsburg und Hamburg. Standrechtliche Erschießung von Waffenträger« und Plünderern. Der A.. und S.-Rat WrlhelmSburg erläßt eine Bekannt- machung, wonach er sich infolge der großen Beraubungen der Eisenbahn durch bewaffnete Banden gezwungen sieht, über Wil- helmSburg den Belagerungszustand zu verhängen. Alle Personen, avelche ohne Erlaubnis Waffen tragen oder beim Plündern und Rauben angetroffen werden und am Aufruhr sich beteiligen, werden standrechtlich erschossen. Für Hamburg wurde seitens des Siebener-AuSschusseS des Soldatenrats der Belagerungszustand dahin verschärft, daß keinerlei Demonstrationen stattfinden dürfen, sowie daß größere politische Versammlungen nach 6 Uhr abends verboten sind. Hewerkschoflsbewegung Ter Streik in den Kauf- und Warenhäuser«. Die bürgerliche Presse verbreitet Berichte, die den Streikenden Gewalttätigkeiten nachsagen. ES heißt da, dal kaufmännisch» Personal sei von den Arbeitern zum Teil mit Gewalt gezwungen worden, sich dem Streik anzuschlieißen. Alle derartigen Behaust- tungen sind unwahr. Die lausmännischen Angestellten haben sich dem Streik auS freiem Willen angeschlossen. In erster Linie auS Solidarität mit den Handelsarbeitern. Dann aber auch, um bei dieser Gelegenheit ihre eigenen Forderungen durchzudrücken. Einer gewaltsamen Einwirkung aus die Handlungsgehilfen bedurfte es also gar nicht. Wo es nötig war, sind Angestellte, die von der Sach- läge auch nicht unterrichtet waren und zu gewohnter Zeit zur Arbeit gingen, von Streikposten aufgeklärt worden, und zum An- schluß an den Streik angeregt worden, was auch fast ohne AuS- nähme gelang. Die Zahl der Streikenden und der Geschäfte, die wegen des Streiks geschlossen wurden, haben sich infolgedessen von Tag zu Tag.vermehrt. Weiter wird in der bürgerlichen Presse behauptet, gestern sei es in der Leipziger Straße zu AuSschreitun- gen gekommen, wobei Sck'aufenster zerschlagen und Waren gestohlen worden seien. Dazu erklärt die Streikleitung, sie garantiere, daß die Streikenden keine-lei A"Ss/*«-?>■«"-"n be�'naen baben und auch nicht begehen werden. Der Streikleitung sind Ausschreitungen überhaupt nicht bekannt geworden. Sollten solche vorgekommen sein, so könnten sie nur von unlauteren Elementen begangen sein, die sich bei solchen Gelegenheiten immer anzufinden pflegen, die aber mit dem Streik und den Streikenden in keinerlei Beziehung stehen. Die Streikleitung ist stets bereit, alle? zu tun. um un- nötige Härten, die der Streik mit sich bringen könnte, zu vermeiden. So hat sie die Ansehung von Nachtwachen in den Kauf- und Warenhäusern freigegeben. Der Firma Wertheim sind auf ihr Ansuchen Arbeitskräfte frei- gegeben worden zur Bedienung der Eismaschinen zwecks Kons«- vierung von Lebensmitteln. In einer heute vormittag abgehaltenen Vertrauensmänner- Versammlung der Streikenden wurde festgestellt, daß sich der Streik jetzt auch auf die VerkaufSgeschäste der Schuhwarcnbranche aus- gedehnt hat. Die Versammlung erklärte sich mit der Haltung ihr« Vertreter bei den gestrigen Einigungsverhandlungen einverstanden und beschloß, daß bei den weiteren Verhandlungen die unver- änderte Anerkennung deS bekannten Schiedsspruchs gefordert wer» den soll. Wenn bis Sonnabend eine Einigung nicht zustandekommt, dann soll der Streik auf sämtliche Geschäfte Groß-BcrlinS auSge- dehnt werden."_ Tarifverhandkungen mit den Gemeindcarbeitern. Im Berliner Rathaus haben die Perhandlungen der Groß-Ber- liner Gemeinden mit dem Verband der Gemeinde- ünd Staats- arbeiter und den übrigen beteiligten Arbeitnehmcrorganisationen über den Abschluß eines KollektivarbeitsvcrtrageS ihren Anfang gc° nommen._ Kein Streik in der AEK. Wie die A.E.G. mitteilt entbehrt die von ein« Korrespondenz verbreitete Meldung, daß in der Turbinenfabrik der LEG. infolge von Differenzen zwischen dem Arbeiterrat und der Fabrikleitung ein Streik ausgebrochen sei, jeder Begründung. Das Verhältnis zwischen Arbeiterschaft und Fabrikleitung ist durch keinerlei Vor- gänge getrübt worden._ GroßSerlln. Die Stadtverordnetenwahlen. Komniuiial-Freisinn— Kommunal-,.Temokraten". In ein« Anfang dieses Monais von dem Bürgerrat Groß. Berlin einberusenen Versammlung wurde eine Resolution ange- nommen, die von den bürgerlichen Parteien ein einheitlich«» Zu- sammengehen bei den Ttadtverordnetenwahlen fordert„zur möglichst weitgehenden(I)Sicherung d« wirtschaftlichen und steuer- l iche n(1) Interessen desÄürgertumS vor seiner einseitigen Allein- belastung". Nach dem Willen der in der Versammlung vereinigten konservativen, natienalliberalen, zentrümlrchen und„fortschritt- lichen" Reaktionäre soll«uch in Zukunft die„Masse"(der Besitzlosen) eS bringen. Die„Deutschdemokratischc" Partei war in d« Persammlung offiziell nicht vertreten. Daß der in«anz Deutschland berüchtigte weiland Kommunal-Freisinn, der auch in der Folge die Berlin« Kommunal-..Temolratie" verkörpern wird, mit von d« Partie sein werde, kann nicht dem gelindesten Zweifel unterliegen. Beweis: die„demokratische" Kandidatenliste. Lassen wir zu ihrer Kennzeichnung cinige wirklich demokratisch« Berliner Stimmen sprechen. Dr. Paul Nathan, den das„Buk. Tagebl." einen der der- dientesten Gemeindepolitiker Berlin? nennt, hat die..Ehre" abge- lehnt mit der Begründung:„weil unter den Ausgestellten sich Per- sönlichkeiien an hervorragender Stelle befinden, mit denen gemeinsam zu kandidieren für mich als Demokrat aus- geschlossen wäre". In Nr. 63 beschuldigt da?„Berl. Tagebl." die Mitglieder deS Wahlausschüsse» daß sie sich gegenseitig die Kandidaturen zugeteilt haben; dann heißt eS:„Infolgedessen spiegelt die Kandidatenliste durchweg die bekannte Berliner Raihausschattrerung der Fort- schrittlichen Volkspartei und verrätkaumineinemNamen, daß sich doch auch in Berlin so etwas wie eine republikanisch-demo- kratische Partei gebildet hat. Eine solche Liste mag das Ideal der Machthaber deS alten S.adtparlamentS crsüllen: sie genügt nicht den Interessen der Stadt Berlin und den Forderungen der zahl- reichen neuen demokratischen Wähler, die republikanisch empfindende Persönlichkeiten mit sozialpolitischer Prägung an der Spitze d« neuen Fraktion zu sehen wünschen." In Nr. 64 de?„Berl. Tagebl." sagt Dr. Michaelis, daß„die demokratische Liste von der neuen Zeit kaum einen Hauch verspüren läßt." Bis auf ganz wenige Ausnahmen, so schreibt er,„sind an diejenigen Plätze, die für die Wahl ernstlich in Betracht kommen, nur solche Persönlichkeiten gestellt worden, die entweder bisher als typische Vertreter des Berliner KommunalfreisinnZ an- gesehen werden mutzten, oder die geradezu das HauSagra- riertum in Reinkultur darstellten. Ja, man wird im ein- zelncn Falle die Frage auswerfen müssen, ob ein aussichtsreicher Kandidat auch nur Gewähr dafür bietet, daß« a n t i s e m i t i- schen Regungen unzugänglich sei. Wir finden in der Liste an hervorragender Stelle einen„Lehrer", der wohl kaum als Lehrer angesprochen werden kann, in jedem Falle aber mit der Organisation der Berliner Lehrer nicbtS zu tun-hat, während der berufene Vertreter der Berlin« Lehrerschaft unbcücksichtigt ge- blieben ist." Stadtverordneter Eckard hat die Wiedevaufstellung wegen der„seltsamen und wenig demokratischen Vorgänge" bei der Fabri. kation der Kandidatenliste abgelehnt. Als Zugpferd, zum Zwecke plumpsten Stimmensanas will man Dr. Naumann an die Spitze der Liste setzen. Die Zustimmung steht indes noch aus. In dem gleichen„Berl. Tagebl.", das in so schonungslos« Art die Kommunal-Dcmokratie brandmarkt, schrieb aber Else LüderS vor wenigen Tagen in einem Artikel an die Frauen:„Wählt die Listen der deutschdemokratischen Partei, dann sickert Ihr Euch und Euren Kindern Freiheit(l) und Fortschritt(!) und wahre(I) Demokratie ohne sozialistisd'e Vergewaltigung." Tie Antwort auf diese Zumutung werden die Berliner Frauen am übernächsten Sonntag bei den Stadtverordnetenwahlcn durch massenhafte Stimmabgabc für dir sozialdemokratische Liste(List« Heimann) erteilen. Billiges Schuhwerk und Besohlinaterial für Minderbemittelte.' Die versorgu«« d« BebSlkerung mit Gtgenftä«»«««ult Leb«, insbesondere mit»illigem Schuhwerk und Bes»hl«at«rial am- Altleder, wel«he< der minderbemittelten Bevölkerung durch die Kommunen auf Anfordern bei der Reichsstell» für echuhversorguu� zugeführt wird, macht bei der andauernden ungünstigen Lag« de« Ledermarktes eine restlose Ausnutzung der durch die De'mobil- machung des Heeres freiwerdendcn und durch die Beschlagnahme der Reicksstelle für Cchuhversorgung erfaßten, Altledermengen im volkswirtschaftlichen Interesse zur gebieterischen Notwendigkeit. Die Altleder-verwertungSstelle, GeiSbergstr. 41, hat die Aufgabe, die Verwertung von Altleder, wie sie bisher durch die Kriegs- wirtschaftS-Aktiengesellschaft geschah, fortzuführen und weiter auS- zubauen. Es wird beabsichtigt, gegebenenfalls in den größeren Bundesstaaten Zweigniederlassungen zu errichten. DaS Reichsverwertungsamt hat der A. B.©. alles fr» i werdende. Altleder und auch anderweitig nicht verwendbare neue AuS- rüstungSstücke aus Heereibeständen übertragen. Die gewonnenen Materialien sollen in erster Linie der Schuhversorguug dienen; weiter sind die Anfälle auch zur Versorgung des Sattlergewerbes, der Lederwarenindustrie und der anderen BcdarfSkreise, die Alt- leder verarbeiten, bestimmt. Ein aus diesen Kreisen zusammen- gesetzter Beirat überwacht die gerechte und wirtschaftliche Verwr- tung der Anfälle. Die A. V. S. verfolgt die gemeinnützige Aufgabe, die Altleder- an'älle volkswirtschaftlich zu verwerten und namentlich den Ar- beitern und der minderbemittelten Bevölkerung billiges und halt- bares Schuhwerk zu liefern und der Not an Flickleder zu steuern. Zu diesem BeHufe muß die Beschlagnahme von getragenem Schuhwerk, Altleder und gebrauchten Gegenständen aus Leder aufrechterhalten bleiben. Vor privaten Ankäufen wird dringend gewarnt, da im Interesse des Allgemeinwob!? Ueb-rtrehingeu strenge verfolgt werden müssen. Begrüßungsfeier für die KriegSteilne?)«>er der Sieniens-Werkc. Uns wird berichtet: In der Flugzeughalle der Siemenswerse fand am DimnerSlag vormittag eine von zirka 4000 aus dem Felde zurückgekehrten Arbeitern und Angestellten besuchte Begrüßungsfeier statt. Musik« Vorträge leiteten die Feier ein. Dann folgten Ansprachen der Direktoren. Die Feier sollte nach den Bekundungen d« Direktion verhindern, daß die Kriegsteilnehmer sang- und klanglos an die Arbeit zurückkehren, ohne daß ihnen ein Wort der Bogrüßung und Bewillkommnung entgegengebracht worden fei. Leider wurde die Feier durch die Unfähigkeit eines der Direktoren, sich in die Ge- fühlswelt der Arbeit« zu versetzen,— gestört. Mißfallens- und Protestrufc unterbrachen ihn und belehrten ihn, daß er sich nicht in einer Alldoutschenversammlung befand. Auch die Taktlosigscit, die Feier mit einem an den Haaren herbeigezogenen Tusch und dem Lied:„Deutschland, Deutschland über a-icS" zu schließen, veran» laßt« starke Mißstimmung, die in drastischen Gegenrusen sich Lust machte. Allgemein wurde, in anbetracht d« Vorbereitungen, die der Feier vorausgingen und der Aufwendungen für die geschmack- volle Dekoration der Festhalle die Frage aufgeworfen, cb nicht durck die Hinzuziehung von berufenen Vertretern auS den Angestellten- und Arbeiterkreisen die Feier zu einer würdigeren und ein ein- drucksvolleren zu gestalten gewesen wäre. E? scheint aber, daß ge- wisse Kreise noch immer nicht genügend Sachlichkeit aufbringen können, um nicht nur mit Worten, sondern in der Tat mit oen Arbeitnehmern Hand in Hand zu arbeiten. Allgemein wurde ve» dauert, daß das Bestreben, im vorgenannten Sinne zu verfahren, verpaßt worden ist.__ Lankwitz ohne Gcmeindeobcrhaupt. Der vom Arbeiterrat an der Ausübung seines Amte? Le- hinderte Bürgermeister Dr. Beyendorfs hnt dem Gemeinde- vorstand sein Amt zur Verfügung gestellt, um der neuen Ge-- meindevertcetung die anderweit« Bcsetzun, de» Posten» zu«mög- lichen. Zugleich hat der bisherige stellvertretende Gemeindevor» steh« Schöffe Generalkonsul Pein sein Antt niedergelogt; auch ihm sind in der letzten Zeit von de« Arbeiterrat«Heblid?« Schwierigkeiten bei der Ausübung feine? Amte» gemacht«»rde«. D« Landrat de» Kreise» Teltow hat nun mit Zustimmung de» KreiSauSschusseS den schon seit einer Reihe von Jahren in der Lankwitz« Gemeindeverwaltung tätigen Rechtsanwalt SieverS zum kommissarischen Gemeindevorsteh« ernannt. > �______________ i. i......._.........■ ii- i>>■— venmtwortlich für Politik Artur gidlet, Sharlottcnbur-r, für den Lbriqen Seil de, Matte?: Alircd Sidol«, Neukölln, tür Lnzetgen rkieodor Blocke, Berlin. Verleg l VorwörtS-Verlag(*. m b. H.. Berlin. Druck VorwSrlS-Buckidruckerci und LerlagSanstall Paul Sing« o. Co. in Berlin, Lindenstratz« 3. ZgzwWWMl Bereii 31« Abteilung. Hente Freitag, den 14.' Februar, abends 7 Uhr» in der Schulaula Schön- flieher Straße 7; WWei'Wßmlm. Tagesordnung: 1. Unsere Stadtverordnetenwahlen. Ref.: Dr. Kollwitz. 2. Diskussion. gadlrcichen Besuch erwartet Die Abkeilungeleitung. WeiOei vei Riiiie! Tie Polengefahr zwingt uns, auch Euch zu den Waffen zu rufen. 3m Osten hak sich»Ine k�rehv. Marine=Division Sebilde», welche ober noch zu schwach Ist, um den Ingrifsen der polen zu irotzen. IlkivD ylls'>1 g nd haben die Polen für jeden Matrosen, den sie rue fllulli fangen, ausgefegt.— Darum eilf Eueren Kameraden zu Hilfe, inu denen ihr über vier Jahre gegen eine Welt von Feinden gekämpft habt. Rettet unsere Ostmark! meldet m ffic den GrenzsW U zur\m. nifirtnc-Siöifiön öit'Biontöeig. Auskunft stelle: Berlin, Priedrlciistr. 112 II. sm Aufrufs Nack j ruhmvollem Kampfe auf oftpreukifchem Boden, l in Ruhlands weiten Gefilden, auf Iratien» eisigen Bergen und Frankreich» aranatendurchpflligter Erde, find dirVorcle'scbeu Jage rht die Heimat zurück- ■*' llkM im Offen auf und gekehrt. Neue Gefahren türmen sich seht | unseres schwergeprüflea vateriaudea drohen uns zu erdrücken. Heul ergeht daher der Uns zu den Waffen Jan olle vaterlandsliebend eu Männer. Zum ehrenvollen Andenken an den eisernen Y o r c k, dessen Namen das Bataillon mit Stolz trägt, wird das ckSger-Batolllon l ein Yorck'8che8 Freikorps errichten. Es gilt, eine neue Truppe z« schaffen, beseelt |»an altem Yorck'schem JS�ergeist, würdig der Helden | von Orlau-Lehne, der Tomba-Stürmer und der Cambrai- " lfCt- ilostpr» 1 beizulegen bezw. raitzubringeiu Einstellung nach den bekannten Bedingungen. Jäger-öllisilloa vtai Vorcli voa iVstteodurz svstpr.f dir. l gti. Oercke, Hauptmann und Bataillonsführer. Bemerkung: Di« f.*. in der„Deutschen Tageszig.» erschienene Nottz über Bildung eine« Borckfichen Koro, ist vom Bataillon 1 nicht ausgegangen. Eine Werbe- I stelle für diese Formation befindet sich beim Batl. n i Gebr. Scherk, Köpenicker Straße 108. Amt Moritzpl. Nr. S4SI, 3482, 3483. 1 62/14* Technische Abteilung stellt noch Ingenieure, Techniker, Werkmeister usw. als Freiwillige ein. Mobile Löhnung, 5,— Mk. tägliche Zulage bei freier Verpflegung und Unterkunft. Meldungen bei der Werbestelle Nürnberger Str. 70(Künstler-Theater). Auswärtige erhalten Fahrschein. Militärpapiere mitbringen PaniermutKen für Karneval u. Bockbier, viele Sorten, Dtzd. l, bis 6 M. Lampions, rilcber, Nasen, Konfetti, Papierschlang., Knallbonbons, ucatn.»UV QrSSte Auswahl In Scherzartikeln, Preisliste ratis. A. Maas& Co., Berlinds, arkgrafenftr. 84, a.b.Lindenftr. Mietshäus,<"n Hermannstraße mit großem Garten, billige Mieten, erbteiiungshalber zu verkaufen. Anzahlung 20000 M. Adressen unter H. C. 120„Borw." iiiaie Neukölln, Siegfried- atze 28,29. 101a* -Arzt r. Üscottl. f. Haut-, Harn- u. Geschlechtsleiden, speziell veraltete, hartnäckige Ausflüsse, Mannes- schwäche. Geg. Syphilis erpr. Heilmethodeverb. m. Salvarsan- kuren. Biutunterfuch. im ersten u. ältest. Äur-Instttut„Löser". Nur Rosentbaler Str. 69—70, Rosenthaler Platz, Ecke Linienstr. BehandIungsz.9-1, 4-9, Sonnt. 9-1. Separates Damenzimmer. Grammophonplatten». auch Bru�! kaust höchstzahlend. Lasse abholen. Vogt, Neukölln. Lenaustr. 26.* Qngcdicntc Leute auch ältere Schüler, werden sofort im Sturm- Lehr- Bataillon der Me-SWWHMHWW zur Ausbildung eingestellt.' Bedingungen: M Mark monatliche Löhnung. M. 5,— Tageszulage, Verpflegung, Unterkunft. Bekleidung, Familienunterstützung. Schriftliche oder mündliche Meldungen an die Aelivilngeli-ZeiMe. Berlin, Bötnöetget Slrnße 70. �iasfava- Ersatz- Besen in der Provinz an 25 ovo Stück zu a 8,50 verkaust, sind um- ständehalber für 1.SSM. sofort abzugeben. 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