Nr.83. 36. Jahrg. Abend Ansgabe. MOPfeimis) Telegramm-Adresse: , Eoztaldemokrar Berlin�« Berliner VolKsblalt.. Tentralorgan äer to�ialäemokrati fcken Partei Oeutseklanä rmlvmrilag« un Hauptgeliynfl. Bcrlui SW.6S. Lwdensrratze s, adgsgem-u «erden. Sieössne! von Slibr irüd v.- r> Uhr abends. 6. mki— ijjLlL'JLJ____________ mmmjMi. Reüaktion und Expedition: SA). b8, tiindenstr.?. Fernsprecher: Amt Morwplan, Nr. 1Z1SO— I.Z1 37. vorwärts-verlag G.m.b. H., SW. H«. Lindenft?. 5. Fernsprecher: Amt Morikplatt. Nr. IlT.'slt-Zt. je neuen AafsenMMantls-Ketlin Sine VemarKationslinie im Stten. Trier, 14. Februr. Marschall Foch übergab dem Reichsminister Erzbcrger heute nachmittag 3 Uhr folgende Vorschläge zum Zusatzabkommen über die Verlängerung des Waffen st ill st andes. 1. Tie Tcutschcn müssen unverzüglich alle Offensiv- bewegungen gegen die Polen in dem Gebiet von Posen oder in jedem anderen Gebiet aufgeben. Zu diesem Zweck wird ihnen untersagt folgende Linien durch ihre Truppen überschreiten zu lassen: Gegen Süden die Linie: die e h c m a l i g c G r e n c O st- u n d W e st p r e u st e n s gegen Rustlaud bis zur Weichsel, dann westlich der Weichsel die Linie, die über P o d g o r z(südlich von Thorn), B r z o z a, S ch u b i n, E x i n, L i p i n, S a nl o t s ch i n, C h o d z i c s e n, (Kolmar), C z a r n i k a u, M i a l a und Birnbaum läuft. Gegen Osten die Linie B e n t s ch e n, W o l l st e i n, P r i- ni e n t, Lissa, B o j u n o w o, R a>v i t s ch, Trachten- berg, Werndorf, Grost-Briese und Drosch kau; von Troschkau an die Linie, die über N o l d a u, Tom- b r o w w k a und Ä u p p läuft und die Oder beim Zusammen- slust der Malapnne crcicht und von diesem Zusammenflüsse an die Oder(grüne Linie aus beigefügter Karte). Aus Grund einer Aussprache, die im Auftrage des Neichsministcrs Grzbcrger und Marschalls Foch zwischen Generalmajor Hammerstein und Gcncralstabschcf Wepgand stattfand, erhielt der Artikel 1 folgende endgültige Fassung: Die Demarkationslinie vcrläuf folgendermastcn nach der Lagenkare der Obersten Hecrslcitung vom K. Februar: Von der russischen Grenze bei Luisenfclde ans einer Linie, die über westlich� Luisenfelde, westlich Grost-Ncudorf, südlich Vrzoza, nördlich Schnbin, nördlich Exin, südlich Samvtschin, südlich Ghvdzirscn(Kolmar), nördlich Gzarnikau, westlich Miala, wcstl. Birnbaum, wcstl. Bentschcn, wcstl. Wöllstein, nördlich Lissa, nördlich Rawitsch, südlich.Krotoschin, westlich Adelnau, westlich Schildberg und nördlich Nicrnchow(Eichen- bronn) bis zur schlesisch-rnssischen Grenze. AI s o bleibt Ost- und O b e r s ch l c s i e n wie heute in n n s e r e r Htnd. Tic Regierung in dem so umschriebenen Gebiet wird in den Woffciistillstandsbcdingungcn nicht vcr- einbart. Diese Frage bleibt offen, da tatsächlich festgestellt ist, dast es sich hier nur um eine provisorische Ab» m a ch u n g handelt, welche dem Friedensvertrag in keiner Weise vorgreift. Ter Schutz d er D e u t s ch e n, in diesem Gebiet wird von der interalliierten Äom- Mission in Warschan garanteirt. 2. Der durch die Abkommen vom 13. Dezember 1918 und vom 19. Januar 1919 bis 17. Februar 1919 verlängerte Waffenstillstand vom 11. November 1918 wird neuerdings für eiue kurze unbefristete Zeitdauer verlängert, wobei die alliierten und assozierten Mächte sich das Recht vorbehalten, mit einer Frist von drei Tagen zukündigen. 3. Die Ausführung der Bestimmungen des Abkommens vom 11. November und der Zusatzabkommen vom 13. Tczem- ber 1918 nnd 16. Januar 1919, soweit dieselben derzeit noch u n v o l l st ä n d i g verwirklicht sind, wird f o r t g e- setzt und in der Zeit der Verlängerung des Waffenstillstandes zu de» von der internationnlen permanenten Wasscnstill- standskvmmissino nach den Weisungen des Oberkommandos der Alliierten festgesetzten E i n z c l b c st i m m n n g cn zum Abschluß geführt werden. Seratungen in Weimar. Weimax, 15. Februar. kEi gener Drahtbericht des„Vor- würts".) Tas Kabinett befaßt sich heute mit den neuen Wafsenstillstandsbcdinguugcn. lieber die Beratungen selbst liegt uns ein Bericht noch nicht vor. Es ist aber sicher, daß sich die Beratungen im Rahmen der Rede des Grafen Brockdorff-Rantzau halten werden. Tie Rede Erzbergcrs. Trier. R Februar. ReichSmimster Erzberger sagte bei den �affenstillstandsverhandlunen u. a.: Unser Boll Hai den Eindruck. baß die BerlliiMrunen des Waffenstillstandes mir den Zweck haben. und neue schwere Bedingungen aufzuerlegen und dem Frieden vor- jugreifen. So wird der Waffenstillstand eine Quelle des Miß- trauen?, des Völkcrbasses, ja der Verzweiflung. Damit aber ebnen die Alliierten dem Bolschewismus den Weg. Das deutsche Volk hat den Waffenstillstand und dessen bis- herige Verlängerungen mit ungeheuren Opfern erkaufen müssen. Riesige Werte hat es Ihnen übergeben. Deutsches Kriegsgerät im Werte von weit über eine halbe Milliarde Mar! haben Sie er- halten. Der Wert der ausgelieferten Kriegsschiffe stellt sich auf mehr als l'A Milliarde Mark. In der Ablieferung des Vcr- k c h r s m a t e r i a l s ist Deutschlernd über die Grenze seiner Leistungsfähigkeit hinausgegangen. Tie D c m o b i l m a ch u n g des Heere? ist durchgeführt. Von den Mannschaften werden bis Ende Februar alle Jahrgänge bis auf einen entlassen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zum Schutz der Grenzen müssen daher Freiwillige aufgerufen werden. Die Ge° samtstärke der vorhandenen Verbände ist so gering, dcch ein Miß- brauch dieser Macht schon wegen ihrer Kleinheit ausgeschlossen ist. Es sind unter der Hinzurechnung der in Aufstellung begriffenen Freiwilligenverbänide insgesamt uerioendbar rund 200 000 Mann, d. h. ein Viertel des alten deutschen Fricdcnsheeres. Die für die beschleunigte Rückgabe der Werte und Dokumente nach Artikel 10 eingerichtete Zentralstelle der Waffenstillstands- kommisston hat seit den letzten Verhandlungen erfolgreich gearbeitet. So sind außer den bisherigen Werten übergeben worden 778 348 237,12»tat! und 4171165 Frank. So hat sich Deutschland nach allen Kräften bemüht, den au! den Verträgen erwachsenen Verpflichtungen nachzukommen. Dies trifft auch zu für die im Abkommen vom 16. Januar zugesagte Bedingung der Lieferung landwirtschaftlicher Ma- s ch i n e n. Durch die lausende Abgabe von Lokomotiven ist der Bc° stand der betriebsfähigen Lokomotiven auf den Staatsbahnen so gesunken, daß die notdürftigste Aufrechierhaltung des Wirtschafts- lebens gefährdet ist. Bei weiterer Abgabe von Lokomotiven ist ein baldiger Stillstand der gesamten Transportmaschine in sicherer Aussicht. Die Folgen sind nicht abzusehen. Daher kann in Deutschland für eiue weitere Abgabe von Lokomotiven kein Mensch die Veraniwormuig übernehmen. Dabei versagen Sie uns die Binnenschiffabrt auf der Nord- nnd Ostsee, die wir zur Entlastuirg der Eisenbahn dringciw benotigen, und Sie halten an der Blockade fest. Infolgedessen sind wir ohne die nötigen Roh- stoffc für die Reparaturen. Es fehlen noch sechs- bis sieben- hundert Lokoinotiven. Ich erkläre mich bereit, Ihnen dafür nach näherer Vereinbarung Eisenbahnwagen zur Verfügung zu stellen. Die Rückgabe von Maschinen und Material an Belgien und Frankreich ging plamnäßig in Spaa weiter. Admiral Browning hat neuerdings seine Forderungen für die Rückgabe der U-Boote präzisiert. Die Verpflichtung wird, soweit es möglich ist, erfüllt iverden. Lille nicht abgelieferten II-Boote einschließlich der Neu- bauten werden vollkommen demontiert. Deutschland nnterutnnnt also die höchsten Anstrengungen, um in loyaler Weise den Beweis zu erbringen, daß eS seinen Friedens- Verhandlungen die schwersten Opfer bringen will. Um so mehr beidauere ich, erneut vor aller Welt feststellen zu müssen, daß das Verhalten der alliierten Regierungen den Geist der Friedens- zukunft noch immer widerspricht. Der Abtransport der alliierten Kriegsgefangenen nach dem Westen war zur Zeit der letzten Wafsenstillstandsver- Handlungen in Trier bereits durchgeführt, der nach Serbien und Rumänien steht unmittelbar vor dem Abschluß. Unsere Gefangenen dagegen schmachten immer noch in der Gtwalt der Alliierten. Seit Beginn der Verhandlungen über den Waffenstillstand ist von mir immer und immer wieder gefordert worden, die Rückgabe der Kriegsgefangenen müsse eine gegenseitige sein. Sie haben das Uebcrgewicht der Macht dazu benutzt, uns zu zwingen, Ihre Gefangenen herauszugeben, während Sic die irnserigen behalten. Auf mein dringliches Verlangen haben Sie sich wohl bereit er- klärt, die Frage der Rückkehr unserer Gefangenen beim Abschluß des P r ä I i m i n a r f r i e d e n s zu regeln. Ihre Gefangenen sind nun längst wieder zu Hause, sie sind bei ihren Familien und können inmitten ihrer Lieben ibrcr bürgerlichen Beschäftigung nachgehen. Das natürliche menschliche Gefühl empsindct es als Barbarei, daß Sie erst sich selbst Ihre Kriegsgefangenen schon im Waffen- stillstand sichern, dann aber die Anwendung derselben Auffassung auf unsere Gefangenen ablehnen und sie als spätere Sorge auf den Frieden abwälzen. Wann werden Sie endlich die Stimme der Menschlichkeit sprechen lasse�i? Zusagen haben Sie uns genug ge- macht. Wir haben allmählich den Glauben an solche Zusagen ver- loren. Wir wollen Taten sehen. Das deutsche Volk befindet sich über keinen der Punkte, die mit dem Waffenstillstand zusammen- hängen, in so fieberhafter Erregung, wie über die Ge- sangenenfrage. Ein Sturm der Entrüstung und der V er- zweiflung geht durch das ganze Land. Aus den kleinsten Dör- fern aus Ost und West, Nord und Süd des deutschen Vaterlandes erhalte ich täglich zahlreiche Zuschriften und Depeschen von Ange- hörigen von Gefangenen, die ihrem verzwei selten Herzen in bewegten, oft erschütternden Worten Luft machen. Unser Volk sagt sich mit Recht: Es ist sinnlos, jetzt, wo es dem Frieden zugeht, eine Maßnahme aufrechtzuerhalten, die mir für den Krieg bestimmt ist. (Fortsetzung auf der 3. Seite.) die Grenze» unseres Wirtschaft- lichen Könnens. Das alte Regime hat Kriegsschulden in H o h e von rund 1 7 0 M i l l i a r d e n bei Reich, Staaten und Gemeinden hinterlassen. Unter dem neuen Regime sind die Schulden zwar nicht in gleichem Maße angewachsen wie in den letzten Jahren, weil ein Waffenstillstand natürlich bil liger ist als ein Krieg. Da aber das alte Rcginie mit seiner unsoliden Finanzpolitik den Zinsendienst für die Kriegs schulden nicht durch Steuern sichergestellt hatte, sondern immer wieder ueue Schulden machte, um daraus die Zinsen auf die alten Anleihen zu zahlen, so ist selbst bei sparsamstem Wirt- schaften ein weiteres Anwachsen der Schulden in der Gegenwart und für die nächste Zukunft unvermeidlich. Man wird also damit rechnen müssen, daß unsere Kriegs- schulden einschließlich der Kosten für die Nahrungsmittel, die wir noch in diesem Erntejahr einzuführen genötigt sind, und einschließlich der Kosten für den Wiederaufbau von Belgien und?kvrdfrankreich 250 Milliarden erreichen werden. Bei Kriegsausbruch betrug das Vermögen der Privatwirt- schaften(nach Helfferich) 285 Milliarden, das Vermögen von Reich, Staaten und Gemeinden(abzüglich Schulden) 25 Mit- liarden, das gesamte deutsche Volksvermögen mithin 310 Mil- liarden. Bei Friedensschluß sind bestenfalls anzusetzen: für das Vermögen der Privatwirtschaften 3.50 Milliarden, für das „Vermögen" von Reich, Staaten und Gemeinden 25 minus 250 Milliarden— minus 225 Milliarden. Das deiusche Volksvermögen wäre somit von 310 Milliarden auf 350 minus 225 Milliarden— 125 Milliarden gesunken. Bei Abtretung von Elsaß-Lothringen würde sich das Volksvermögen weiter auf 115 Milliarden verringern. Und von diesen 115 Milliarden wird die Hälfte dazu verwendet werden müssen, die Renten für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen herauszuwirtschaften. Eine Annullierung der inneren Kriegsschulden würde den Gesamtbetrag des deutschen Volksvermögens selbstverständlich nicht verändern. Was das Reich gewinnen würde, würden die Privatwirtschaften verlieren. Das gleiche gilt für die im Entwurf vorliegenden neuen Kriegssteuern und für die zu erwartende große V e r m ö g e n s a b g a b e. Nimmt man an, daß hierdurch die Kriegsschulden um 100 Milliarden vermindert werden können, so würden sie immer noch 150 Milliarden betragen. Sie würden für Verzinsung 71/2 Milliarden jährlich beanspruchen. Dazu kämen etwa 3iH Milliarden für die Renten an Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene. Für den sonstigen Bedarf von Reich, Staaten und Gemeinden wird man mindestens 5 Milliarden ansetzen müssen, d. h. ebensoviel, wie vor dem Kriege: denn die Ersparnisse iin Etat von Heer und Marine werden durch die Mehraufwendungen infolge der allgemeinen Teuerung ausgeglichen werden. Ter gesamte Jahrtesbedarf w i r d a l s 0 r u n d 1 6 M i ll i a r d e n b e t r a g c in Das bedeutet etwa die Hälfte des noch, Entrichtung der großen Vermögensabgabe und nach Abtretung von Elsaß-Lothringen verbleibenden Volkseinkommens. Ist es nun überhaupt möglich, auf irgendeine Weise die Hälfte des Volkseinkommens in die öffentlichen Kassen zu leiten? Gewiß, man kann leicht sagen: wir stufen die direkten und die indirekten Steuern derart ab, daß die Familie mit 00 000 M. Einkommen 30 000 M.. die Familie mit 1500 M. Einkommen 750 M. zu zahlen bat. Man kann auch wirklnb ein Steuersystem ausklügeln, das der der Familie mit 1500 Sl Einkommen eine Einkommensteuer von 250 M. und Ver- brauchs- und Umsatzsteuern auf die uotwendioften Nabrungs- mittel, Koülen, Kleidung usw. in Höbe von 500 M. abpreßt. Aber wird diese Familie nickst dann ihrerseits die öffentliVen. Gewalten finanziell in Anspruch nehmen? Werden die Beamten und die Angestellten und Arbeiter bei Behörden nicht böberes Gebalt, böberen Lobn fordern? Und die Reichs- rentner? Nehmen wir einmal an. die unbemittelten Kricas- besck'ädigten und Kricasbinterbliebenen hätten einschließlich ihrer Rente von 3 Milliarden ein Einkommen von 5 Mil- liarden. Will man ibnen davon 2l4.Milliarden fortnebmen, so müßte man ibre Renten mindestens um 11� Milliarden erhöhen. Wie würden auöb die Armen lasten wachienl Dann aber würde der � öffentliche Bedarf noch größer werden, nnd die durckschniftliche Steuerguote würde von 50 auf vielleicht 55 Proz. steigen. Wollte man sie wieder gleich- inatztg anwenden, so müßte die Familie mit 1500 M. Einkommen statt 750 M. etwa 825 M. aufbringen, und das Spiel würde von neueni beginnen. Dazu kommen die Volkswirt- tchaftlichen Folgen einer derart scharfen Heranziehung der Minderbemittelten: Unterernährung mit geringer Arbeits- leistung und häufiger Krankheit oder höhere Löhne und Kon- kurrenzunfähigkeit der Industrie. Eine gleichmäßige Zier- teilung so hoher Lasten nach dem Einkommen ist also aus fi- nanziellen, volkswirtschaftlichen und sozialen Gründen uii- durchführbar. Wenn jeder durchschnittlich die Hälfte seines Einkommens abzugeben hat, so muß der Manu mit einem großen Einkommen weit mehr als die Hälfte, der Mann mit einem kleinen Einkommen weit weniger als die Hälfte zahlen. Nach den Berechnungen des Preußischen Statistischen Landes- amts entfielen vor dem Kriege zwei Drittel des Gesamtein- kommens aller physischen Personen auf die Einkommen bis zu 3300 M. Will man von diesen zwei Dritteln auch nur ein Drittel fortsteuern— und das wäre doch sehr viell—, so müßten die Bezieher der Einkommen über 3300 M. zum Aus- aleich durchschnittlich fünf Sechstel ihres Einkommens an den Steuerfiskus abführen I Nehmen wir aber einmal an, eine solche Besteuerung wäre technisch durchführbar. Was wären aber die Wirtschaft- lichen Folgen für Verbrauch und Gütererzeugung des deutschen Volkes? Vor dem Kriege machten die Steuer- zahler mit einem Einkommen über 10 000 M. einschließlich ihrer Angehörigen nur 1 Proz. der Gesamtbevölkerung aus. Selbst dieses eine Prozent würde aber nach Entrichtung der großen Vermögensabgabe kaum Luxusausgaben bestreiten können, wenn es fünf Sechstel seines Einkommens an die öf- (entliehen Kassen abführen soll. Die übrigen 39 Proz. könnten nicht einmal die bar st e Notdurft be- friedigen. Nach den Berechnungen des Reichsernäh- runsamtgs kostete schon vor einem Jahre die Wochenration einer vierköpfigen Familie(die zu ihrer auskömmlichen Er- nährung selbstverständlich nicht ausreichte) durchschnittlich 16,17 M. Das bedeutet für die Jahresration 813 M. und für 12 Millionen versorgungsberechtigte Familien 10,1 Mil- liarden. Machdn wir einen Abzug für die schon damals be- stehenden Verbrauchs- und Verkehrssteuern, so verbleiben etwa 91/2 Milliarden Mark. Die 12 Millionen versorgungs- berechtigten Familien mögen nach Entrichtung der Ver- mögensabgabe ein Einkommen von 25 Milliarden haben Geht davon die.Hälfte in die öffentlichen Kassen, so verbleiben ihnen Illf/z Milliarden. Sollten sie davon 3� Milliarden für ra- tionierte Nahrungsmittel ausgeben— und wir wollen ein- mal annehmen, daß die Rationen künftig ausreichen werden, um die Bevölkerung voll arbeitsfähig zu erhalten— so hätten sie nur 3 Milliarden für Miete, Kleidung und alle anderen Bedürfnisse übrig. Die Folge wäre, daß der Verbrauch der städtischen Bevölkerung an gewerblichen Erzeugnissen so ge- ring würde, daß unsere wichtigsten Industrien überhaupt nicht mehr lebensfähig wäre/r. Dann aber würden große Massen arbeitslos, die Hungersnot würde alles übersteigen, was wir im Kriege erlebt haben, und es wäre schließlich doch unmöglich, gleichzeitig unsere inländischen und unsere ausländischen Verpflichtungen zu erfüllen. Selbstverständlich würden wir dann zunächst versuchen, die Zahlungen an unsere Feinde weiter zu leisten. Wie aber könnten wir den sonstigen Bedarf des Reiches einschränken? Ein Staatsbankrott hätte wenig Zweck. Denn da die große Masse der Staatsgläubiger durchschnitlich fünf Sechstel ihres Einkommens in die öffenlichen Kassen abzuführen hat, würde eine Einstellung der Zinsenzahlung die Einnahmen des Reiches fast ebenso stark vermindern wie die Ausgaben. Eine Kürzung der Renten an die Kriegsbeschädigten und Kriegs- Hinterbliebenen würde aber die Armenlasten steigern: eine Kürzung der Gehälter und Löhne der Beamten und der öf- fentlichen Angestellten und Arbeiter würde ähnliche Wirkun- gen zeitigen, und eine Schließung von Schulen und dergleichen würde finanziell auch nicht viel nützen. Der Augenblick würde dann doch früher oder später kommen, in dem wir auch unseren Zahlungsverpflich- der Kriegsgefangene singt! Ole t-irfr webt bübl von JVorden, dort fang die bluttcr mir von goldner Cage Zier... sinn bin tcb Knecht geworden im fremden Hand. Zwei Kindlein spielten munter in meiner Rande Rut, mein Weib war sanft und gut, Sie zlie find hinunter in* dunkle Raus. hlit vielen Weggcnoffen marschiert ich Cag und flacht der Cod hielt scharfe Wacht. Die Brüder find zerfchoffcn, > midi fing der feind. In Schmach bin ick gebunden, ein hilflos wundes Zier, ich trug nicht Schuld noch Gier. Und wer den Krieg erfunden, der fei verflucht. Jeh werde morgen sterben, das ift kein großes Heid, zum Schlafen wird mir Zeit. 80 muß ick denn verderben— Gs ift genug! Heinrich Goer eS. Theaterkultur. Von Ferdinand von Hornstein. Ich hatte bei einer Berliner Theaterdirekfion, einer Doppel- firma. ein Stück liegen, das wollte ich im letzten Hebst nach io/jj Jahren wieder abholen. Leider Gottes. Denn als ich es zurückhaben wollte, las man eS, und zum Unglück gefiel es gleich dem ersten LeNor so gut, daß eS fünf hintereinander lasen. Aber im letzten Akt hängten sie sich ein. Da war ein Umschlag in der Stimmung, da ginge das Pubtikum nicht mil. sagten sie. Sie mußten eS ja wissen. Denn am Theater täuscht man sich nie— nur andere. Jetzt war wieder die Hölle los. da? wußte ich. Eine Um- arbeiluiig hieß für mich alle peinlichen Erinnerungen aufwühlen, alle seelischen Erregungen und letzten LebenShoffnungen wecken, es hieß eine größere Arbeil und Studien anderer Art, denen der Winter galt. unterbrochen, es hieß schließlich, wenn e« auch nur eine Arbeit von vier bis sechs Wochen war, mit allem, was drum und dran hing, kungen gegenüber den Feinden Nicki! medr nachkommen können. Wasdann? Unsere Lage wäre sicher furchtbar: aber sie wäre nicht verzweifelter, als sie es heute ohnehin ist. Wir haben uns durch Annahme der 11 Punkte von Wilson zu Zah- lungen gegenüber der Entente verpflichtet, und wir müssen im eigensten Interesse alles aufbieten, um diese Verpflichtun- gen loyal zu erfüllen. Gelingt es uns nicht, so bleiben der Entente zwei Wege: sie ermäßigt ihre Forderungen, oder sie sucht selbst aus unserer Volkswirtschaft mehr herauszuholen, als uns gelungen ist. Das würde für uns eine entsetzliche Bedrückung bedeuten: der Entente aber würde eS wenig nützen. Sie könnte unsere Bahnen, unsere Post, unsere Berg- werke beschlagnahmen. Indes der Wert aller dieser Aulagen zusammengenommen ist geringer als der Wert des städtischen Grund und Bodens(ohne Gebäude). Und der Wert des städtischen Bodens würde sich in einem unfreien und durch Not entvölkerten Deutschland allmählich dem Nullpunkt nähern. Er würde immer weniger Erträge bringen, und auch die Einnahmen aus den Eisenbahnen und der Post wür- den in einem solchen Deutschland allmählich dahinschwinden. Die Kontributionen, die uns die Entente auferlegen könnte, würden immer kleiner werden. Die Arbeitsleistungen aber, die sie durch Zwang von uns erpressen könnte, würden wenig ergiebig sein, denn Sklavenarbeit ist teurer, als freie Arbeit. Ueber kürz oder lang würde die Entente erkennen, daß sie besser dabei fährt, wenn sie unS unsere Wirt- schaftliche Freiheit läßt. Eine Folgerung also müssen wir unbedingt aus den Tatsachen ziehen. Wir haben die Grenze der finan- ziellen Verpflichtungen, die wir auf uns nehmen können, erreicht, wenn nicht schon überschritten. Es wäre illoyal gegenüber unseren Feinden, wenn wir ihnen weitere Zusagen machen würden. Stellen sie solche Forderungen in dem Friedensvertrage, so dürfen wir ihn nicht unterschreiben. Wir sind keine Kinder, und wir können uns, wenn wir wortbrüchig werden müssen, nicht damit herausreden, wir seien in einer Zwangslage ge- Wesen oder wir hätten uns verrechnet. Es gibt keine Zwangslage, in der ein mündiges Volk be- wüßt mehr versprechen darf, als es halten kann, und unsere Regierung muß sachkundige Männer finden, die ihr nüchtern und selbst. los die Grenzen unseres wirtschaftlichen Könnens zeigen! Ein HlückwunsÄ) aus Oesterreich. Telegvmuiwechsel zwischen Renner und ESert. Wien» 14. Februar. Staatskanzler Renner richtete an den Präsidenten der deutschen Republik Eberl folgende Depesche: Mit inniger Freude begrüße ich Sie auch als unseren Präsiden- ten und beglückwünsche das Reich und uns zu dieser Wahl. Deutschösterreichischer Staatskanzler Dr. Renner. Darauf traf folgende Antwortdepesche ein: Herzlichen Dank für die Glückwünsche zu; Präsidentenwahl, die diesmal noch mit nur reichsdeutschen Stimmen stattgefunden hat. Ich hoffe auf unsere gemeinsame Zukunft: Nicht Nibelungentreue nach außen, sondern Brudertreue nach, innen. Eberl, Reichspräsident. Das Preußenparlament. Am 4. März. Der Zentralrat hat mit der prentzischen Regierung die Wahlordnung für die Kreistage beraten. Nach dieser Verordnung werden die Kreistage aufgelöst: die neuen Wahlen sind bis 15. Aprff vorzunehmen. Die Kreisausschüsse sollen ebenfalls aufgelöst werden und ihre Neuwahl durch die neugewählten Kreistagsmitglieder geschehen. Für die Qualifikation der Land- r ä t e sind erleichterte Bestimmungen beraten worden. Die preußische Landesversammlung soll bis zum 4. März ein- berufen werden. Zugestimmt wurde dem von der Regierung vor- ein halbe? Jadr meines nidit mehr jungen Lebens verlieren, von den materiellen Verlusten gar nickl zu reden. Das id-rieb i» dem Theater alles uiid man bestärkte mich trotzdem i» dem Emschluß. So lar ich schließlich, was man von mir verlangt, und reiste noch eigens der Sache wegen nach Berlin. Dort erfuhr ich im Bureau einer großen Theateragentur. daß die Theaterouefiion das S>ück— zurückgewiesen habe. Vom Dramaturgen borte ich»nr noch die Be- stätigung, von der Tbeatetdireklion überhaupt nichts. Mau riet mir sogar ab. sie auszusuchen. Die Umarbeiiung war gut. Denn der sehr geschättslundige und angesehene Drer-MaSken-Verlag nahm sie in Verlrieb. Aber dem Tbeaierdirektor sagte sie nicht zu. ES Idar bereits der zweite Direktor und die dritte Umarbeitung. Ein Direktor läßt eben für sich arbeiten, Hunderle, Tausende. Einige davon verdienen ihm Millionen, ohne daß er elwaS dazu tut. Den anderen nimmt er Hahre, Lebens- und Schaffenskraft, obne sich darum zu kümmern. Was wollte ich machen? Da ich schon in Berlin war, ging ich für die Sommermonate ins Seebad Binz auf Rügen... Gott sei Dank kein Tbeater mehr. Als ich es gerade wieder dachte, traf ich auf der Promenade eine» bekannten Schauspieler. den Vorgänger des Direktors, dem ich mein Stück eingereicht Halle. Er mußte bei einem Film im Frellrchltbeater mitwirken und erhielt tür ein paar Kapriole», die er ichnilt, 800 M. im Tag. Das Thenier verschaffte sich ein volles HauS, indem es die Filmaufnahme als SeniaiionSnumnier vor die Nachmiltagsvorstellimg setzte, und dos kam wieder dem Filmregisseur zu guie, der auf diese Weise das Geld für ein Slanstenpublilum sparte. .Aber wie komnist denn Du hierher fragte mich der Schau- fpieler, den ich von Jugend auf kanuie. Ich erzählte ihm mein letztes Thealererlebnis. .Und was tust Du jetzt?" fragte er ruhig, da ihm das soeben Vernommene ganz selbstverständlich schien. .Jetzt arbeite ich vom Morgen bis zum Abend, um die unter- brochene Winterarbeit foitzusctzen" Er überlegte einen Augenblick und sagte dann:.Ach was, so wirst Du es" nie zu was bringen. Man muß auch den festen Willen haben, etwas zu erreichen. Man muß dem Schicksal die Tür öffnen.' .DaS habe ich schon vor 18 Jahren getan,' gab ich ruhig zur Antwort,.und zwar an demselben Theater, als es noch ein guter Bekannter meines Schwagers Leubach hatte. Das damalige Siück stand sogar schon auf dem Spielplan. Dann>rot der Direfor von der Leitung der Bühne zurück, und meine mehrjährigen Bemühungen waren vergebe»«." .Har denn Dein Schwager nichts machen können?* »Die Sache ging gar nicht durch ihn. Buch haue er den Direllor schon früher gratis gemalt", sagte ich,.und der Direktor baue sich durch den Verkaus seines Bilde« soeben von seinen dlückendsten Verpflichiunge» befreit. Sollte er sich da gleich wieder neue auf- erlegen und mir einen Kontrakt machen? Worte tun's ja auch." .Und in München?" fragte meist Begleiter. »Haben sie mir's vor vier Jahren gerade iv gemacht wie jetzl in Berlin, nur noch rücksichlSloser und verletzender. Aber bleiben gelegten Entwurf einer Notverfassunz, der dem Landtag borgrtegt werden soll. Ueber den endgültigen Verfassungsentwurf soll in einer späteren Sitzung beraten werden. Eine längere Beratung ergab sich noch über die Ersetzung von Beamten, die den neuen Ver- hältnissen nicht Rechnung tragen. Die Entschäöisung an Daimler. Kriegs« und Redolutionsgewinnler. Die an die Daimler-Moioren-A.-G. zu bezahlende Entschädi- gung für fertiggestellte Kriegsaufträge, die nicht abgenommen wor- dM sind, beschästigen sehr stark die Oeffentlichkeit. Es ist ja nicht das erstemal, daß diese Firma vor die Oeffentlichkeit kommt. Nach den amtlichen Mitteilungen hat die �'rma einen formalen Rechtsanspruch auf Entschädigung für diese Arbeiten, und auch für andere Unternehmungen soll für gleiche Fälle die Entschädigung ge- leistet werden. Es ist notwendig, daß die Forderungen dieser Firmen mit aller Vorsicht und ohne alle Bequemlichkeit geprüft werddn, um unnütze GeldauSgaben zu vermeiden. Eö ist auch zu betonen, daß die Eni- schädigungSftage nicht lediglich nach juristischen Gesichtspunkten be- handelt wird. Dem großen Zuge der Zeit, den veränderten Etim- mungen, dem neuen Geiste, der neuen Situation unseres wirt- schastlichen Lebens muß dabei in weitgehendem Maße entgegen. gekommen werden. Wenn es wahr ist, was die„Freiheit" behauptet, daß die Daimler-Gesellschaft während der Revolution den Kurs ihrer Aktien um mehr als 100 Proz. erhöhen konnte, und wenn daran etwas Wahres ist, daß bei dieser Geschäftslage des Unternehmens die Entschädigungen fast 58 Millionen Mark betragen sollen, dann muß eine Mißstimmung lautester Art bei den Arbeitern Platz greifen. Wenn natürlich auch ohne-juristische Grundsätze ein Staat nicht auskommen kann, so geht es doch zu weit, wenn dadurch «ine flagrante Schädigung der allgemeinen Interessen bewirkt wird. Auch juristische Grundsätze dürfen nicht unberührt bleiben von der starten inneren Umstellung Deutschlands durch die Revolution. DergesundeMenschenverstand sträubt sich gegen die Anerkennung der Daimlerforderungen, und diesem gesunden Menschenverstand muß Rechnung getragen werden. Es ist darum viel besser, die Prüfung derartiger Dinge mitten im Leben stehendezl praktischen Technikern als Juristen anzuvertrauen. Kriegsgewinnler darf es im neuen Deutschland nicht stiehr geben, Revolutionsgewinnler erst recht nicht!/ Es wirö fortgewurstelt. Noch immer geistliche Schulanfsicht. Ein Lehrer schreibt uns: Zur Reform der Schule im nsuen Preußen gehört vor allen Tingen die Beseitigung der g e i st. lichen Kreis- und Ortsschulaufiicht. War eS schon ein schwerer, von der gesamten Lehrerschaft mißgebilligter Fehler, daß der Erlaß rfegten Aufhebung der geistlichen Orrsschulaufficht rückgängig gemacht wurde, so müßte doch mindestens bis zur endgültigen Auf- Hebung der geistlichen Schulaufficht, die unbedingt kommen muß, einer weiteren Ausstellung dieser„Krummstabherren" als Hemm- schuhe der freien Entwicklung der VoltSjchule entgegengetreten wer» den. und zwar mit aller Entschiedenheit. Im Amtlichen Schulblatt des Regierungsbezirks Stettin vom 1. Februar 1019 kann man noch friedlich lesen, daß ein Pastor Bahr in Königsmüyl zum Kreis schulinspektor von Cammin II ernannt wor- den ist. Man muß den Herren im Hinterlande stramm auf die Finger sehen. > Genosse Hug Regierungskommissar in Wilhelmshaven. Die Reichsleitung ernannte den Genossen Paul Hug, Mitglied der Na- ' tionälversammlung und der oldenburgischen'Regierung, zum Bei- geordneten des Chefs der Nordseestation in Wilhelmshaven. Ge- nosse Hug wird das Amt eines RegierungSlommissarS in den Jade» städten verwalten. Wie uns weiter aus Wilhelmshaven gemeldet wird, sind dort einige Mitglieder deS Soldatenrats in Haft genommen wor» den, weil sie unter dem Verdacht stehen, den dortigen Kommunisten- putsch gefördert zu haben. Die Verhaftungen stützen sich auf die Aussagen gefangener Kommunisten. wir beim gleiweii Tdenierl Ich bin ja noch nicht fertig. Jeyt lornrnt noch die dritte Tür. Nach kurzer ZeO wurde durch eine ueue glückliche Fügung ein Jugendireund von mir Direktor des TheoterS. Der gab mir gute Ratschläge und sagte, ich solle mir mein Hoioslop hellen lassen." „Das feg' ich auch beute noch", gab mir mein Begleiter obne jede Verlegenheit zur Antwort.»Wenn eS nicht in Deinen Sternen steht, kannst Du machen, was Du willst."--- Durch einen Tbeate>coiip des Zufalls traten wir später auch noch mit dem Direktor zusammen, vo» dem ich mich hier erholen wollie und an dem mein Begleiter durch ein geschickieS Manöver ein glänzendes Geschärt gemacht halte. Ehe sich der Diieitor ober unserem Tische nähene, war ich ausgesvrungen und atmete erst auf. al� ich mich wieder in reiner Luft befand. Der Ectauipieler war wütend. alS er mich kurz darauf traf. »Soll ich mir auch den Sommer noch»ebmen lassen, vielleicht noch eine vierte Umarbeitung machen?" rief ich. »Ja und noch zehn andere, wenn er es von Dir verlangt. Wenn man etwas erreichen will, muß man durch alle... röhren kriechen!" Nachschrift der Redaktion: Der Verfasser zeigt an einem krassen Beispiel, wie Bübncnschriftsieller in Deutschland be- handelt wurden. Bei der Tkeoterre'orm. die an Houpl und Gliedern erforderlich ist, sollte man auch dieses Kapitel nicht ver- gössen. Notizen. — Volksbühne. Die Erstaufführung von Georg Kaisers „G a S" in der Volksbühne findet DienStag, den 25. Febr., statt.' — K u n st a b e n d. Bei dem K a r l- L ö w e- A b e n d, der am Sonntag, 8 Uhr. im Schillersaal Cbarlottcnlburg statlnndet, wir- ken mit Martha Stapelfeldt und Kammersänger I. v. Raatz-Brock- mann. Den einleitenden Vortrag hält Dr. Leopold Schmidt. — In der Humboldt-Hochschule spricht Sonnabend, den 15. Februar,'8 Uhr, Niedcrwallstr. 12, Dr. R. Baerwald über das Thema:„Seelische Kräfte zur Ueberwindung des Leids". Ein- tritt unentgeltlich. — Der zahnärztliche Doktor. Eine Berliner Ver- sammlung von Studierenden der Zahnheilkuude beschloß, an den Kultusminister ein Gesuch um Gewährung der PromotionSberechti- gung mit dem Titel Dr. med. derrt. zu richten. — Seit wann gibt es ein Feuilleton Fast alle Zeitungen der Welt besitzen, heute ein Feuilleton. Zum erstenmal erschien ein solches vom Abbe Geoffroy eingeführt, im Jahre 1800 im„Journal des DebatS". Dort war eS die strenge Zensur unter Napoleon, die es erzwang. Wenn ein politischer Artikel gestrichen wurde, mußte man schnell etwas haben, um ihn zu ersetzen, und so griff man zum Feuilleton. Erst später jedoch erhielt eS seinen Platz unter dem Strich und im Jahre 1830 sing man an, ssort- laufende Romane zu veröffentlichen. Das erste Feuilleton dieser Art waren..Die Geheimnisse von Paris", die unerhörte? Auf- sehe« erweckten. V!e Waffenstillstands» Verhandlungen. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Wrr hoben genug Zeugnisse, daß eine große Zahl unserer®& fangen en kSrverlichrr und geistiger Zerrüttung entgegengeht. Ich frage Sie: Woher nehmen Sie das moralische Recht, Tausende deutscher Männer auch jetzt noch ins Verderben zu jagen? Woher nehmen Sie das Recht, jetzt, wo die Welt einen Rechtsfrieden aufbauen will, wo es heißt, das Macht- Prinzip solle aus dem Zusammenleben der Völker ausgeschaltet sein. Tausende von Männern, Frauen und Kindern von ihren menschlichen Beziehungen fernzuhalten? Die Alliierten müssen sich darüber klar sein: Auf diese We ise wird der menschenversöhnende Geist nicbt gefördert. Das deutsche Volk empsindet dieses barbarische Zwangsmittel olS einen Schlag ins Gesicht. Wenn Sie glauben, Sie können dem deutschen Volk diese Schmach ohne Gegenwirkung antun, so irren Sie sich. ToS Uebergewicht an Macht ist zurzeit bei Ihnen. Trotzdem werden Sie eines Tages mit dem deutschen Volke zusammenarbeiten müssen, wenn der Friede der Welt Dauer haben soll. Daher sordere ich noch einmal die rettende Tat: Geben Sie unsere Ge- sangcnen sofort zurück, entlassen Sie sie noch heute! Erlösen Sie die zermürbte» Geister, erwecke« Sie sie zu neuem Leben! Wen» Sie es nicht der Männer wegen tun, tun Sie eS um der Kinder willen, von denen so siele ihren Bater nicht mehr kenneu. Tun>sie es für die Frauen, damit sie sich wieder der Familie widmen lön- nen, wenn der Vater den Schutz und Unterhalt der Familien wieder übernimmt! Selbst die Anträge auf eine Verbesserung des Loses der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen wurden abgelehnt. Geben Sie daher den Befehl zur Entlassung der deutschen Kriegs- und Zivilgcfangenen auS allen alliierten Ländern! Senden Sic zuerst alle Verwundeten und Kranken, die Zivilinterniertsn und die über achtzehn Monate in Feindesland befindlichen Kriegs- gerangenen zurück, insbesondere alle Familienväter! Marschall Foch selbst hat diese Kategorien als so>ck>e bezeichnet, die am meisten Teilnahme einflößen. Bis zur Beendigung des Abtransportes gewähren Sie allen Kriegs- und Zivilgefangenen eine E r l e i ch t e- r u n g ihrer Lage. Geben Sie ihnen erweiterte Bewegungsfreiheit außer- halb ihrer Lager bis zur Tunkelheirl Entlohnen Sie ihre Arbeit genau so wie die Tätigkeit Ihrer eigenen Arbeiter. Bc- scitigcn Sie die Postzensur und die Licgefrist für die Postsendun- gen, für die keinerlei militärische Gründe mehr bestehenl Er- weitern Sie die Schreibbefugnisse! Veranlassen Sie die unmittel- bar- Beorderung jeder Post durch die besetzten Gebiete und die Durchführung plombierter Wagen mit Paketen von Deutsch- lond bis in die Lagerl Gewähren Sie ihnen die gleiche Beköstigung wie Ihrer eigenen Bevölkerung! Geben Sie ihnen Gelegenheit zum freien Ankauf von Lebensmitteln, verbessern Sie ihre Bekleidung und befreien Sie sie von der grünen Zuchthäuslcruniform und von dem Stigma des P. G.(Prisonnier de guerre) Mildern Sie die Disziplinarstrafen für die bis zum Tags der er- neuten Verlängerung des Waffenstillstandes begangenen Straftaten! Die deutsche Nationalversammlung hat eine R e s o I u- t i o n gefaßt, die gleichen Inhalts ist. Ich kann mich weder mit der Antwort begnügen, daß Erwägungen über diese Frage bei den Alliierten stattfinden, noch mit der Zusage des Marschalls Foch. daß er uns in dieser Frage bei den alliierten Regierungen seine Unterstützung leiht. Ich muß die Zusage bekomme», daß mit dem Abtransport der deutsche» Kricgsgefanzene» alsbald begonnen wird. Reichsminister Erzbcrger wandte sich sodann energisch gegen die Unterdrückung alles deutschen Wesens in Elsaß-Lothriage» und geze» die Ermutigung der polnische« Ervberunzsgelüste durch die Entente: Teutschland hat die vierzehn Punkte Wilsons angenommen, aber auch die Alliierten. Punkt elf von ihnen aber besagt nicht, daß Teutschland die Verpflichtung übernommen hätte, tatenlos beiseite zu stehen, wenn die Polen Teile des deutschen Gebietes an sich zu reißen versuchen. Punkt elf gibt auch den Alliierten nicht das Aecht, dem deutschen Volke die Abwehr solcher Ueberpriffe zu verbieten. An das Gewissen Amerikas appelliert Erzberger, indem er, zum Schüfahrts- und Lebensmittelabkommen überleitend, Amerika an die amerikanischen Lebensmittclnöte der Jahre 1362/65 erinnert. Damals war es Deutschland, welches den Ver- einigten Staaten in ihrer Not unter die Arme griff, ihnen nicht allein Geld, sondern auch Kleidung. Schuhe, Maschinen lieferte und die wirtschaftliche Erholung ermöglichte. Heute, nach fünfzig Jahren, ist es umgekehrt. Teutschland braucht von Amerika Weizen, Fett, Fleisch, Petroleum, Baum- wolle, Kupfer. Und seine Valuta steht tief. Wenn Amerika heute ebenso Deutschland beistände wie Teutschland vor fünfzig Jahren den Bereinigten Staaten, könnte Amerika Lebensmittel und Nohstofsc gegen vcutschc Anleihe geben und dadurch Deutschland helfen, sich herauszuarbeiten. Wir wollen die Lebensmittel, die wir brauchen, nicht g e- schenkt haben, wir wollen sie kaufen. Trotzdem wird die Be- liefcrung immer wieder hinausgezogen. Wir leiden Hunger! Will uns die Entente vernichten, so soll sie nicht verlangen, daß wir uns das eigene Grab schaufeln. Die> Aerzte haben die Zahlen� der Opfer mitgeteilt, die durch die Hungerblockade ge- Ollen sind. Diese Zahlen waren während des Krieges der Oeffent- lichlcit geheimgehalten; sie gehen in die Hundert- tau sende! Weit über eine halbe Million Männer, Frauen und Kinder sind an Entkräftmig oder an den Folgen geringer Wider- standsfähigkeit gestorben. Als vor fast 48 Jahren der deutsch-französische Waffenstillstand geschlossen war, legte Jules Favre— es war am 29. Januar 1871 — die von ihm bisher sorgsam verschwiegene Ernährungslage von Paris Bismarck offen dar: Paris hatte nur mehr für einige Tage Brot. Bismarck war sichtlich bewegt. Er gewährte sofort alle er- denkbaren Erleichterungen kür den Abtransport und bot Favre aus den deutschen Beständen all? iroendwie verfügbaren Lebens- mittel an. Favre erkannte dies dankbar an und äußerte: Wenn uns die Preußen kein Mehl gegeben hätten, wären wir Hungers gestorben. Damals hatten wir die Uebermacht. jetzt ruht sie bei Ihnen. Gebrauchen Sie sie so. daß Sie nach einem Abstände von einigen Geschlechtern noch vor dem Weltgewissen bestehen können. Bedenken Sie. daß der Hunger die Brutstätte verheeren- der Keime ist. Bedenken Sie, daß. wenn diese Keime sich ent- wickeln und ausbrechen, auch sür Ihre Völker die größte« Gefahren entstehen. Verzweiflung ist die Mutter des VolschewiSmus; er ist eine lerbluh« und geistige Hun.erkrankh-.'it. Sie haben dasselbe Inter- esse �wie wir. die Welt über die Hungerkrankheit möglichst un- gefährdet binwegzubringen. Veranlassen Sie daher, daß das deutsche Volk endlich an der W e l t v e r s o r g u n g. die Sie in der Hand haben, wirkl-ch teilnimmt. Geben Sie uns ferner unser unveräußerliches und auch von Ihnen verbürgte? Recht auf einen Frieden der Versöhnung. Wer heute Bölkerhaß sät, erntet Bolschewismus. Wieder ist der Ruf des deutschen Volkes nach Abschluß des Friedens vhne Echo geblieben. Vier Jahr« und länger hat die Welt unter einer ungeheuren Belastung der seelischen und materiellen Trag- kraft der Völker gelebt. Sie wollen Ruhe und Arbeit. Wenn sich bei uns der Drang nach dem Frieden stärker und intensiver äußert, so liegt das in der ungeheuren Ausschöpfung der Kräfte unseres Volkes begründet. Wollen Sie die völlige Auszehrung des deutschen Volkes, das eben jetzt mit seiner neuen Taseinsform in die Reihe der Demokratien eingetreten ist? Verlassen Sie Ihre Politik der rücksichtslosen Ausnutzung der Macht! Seien Sie sich bewußt, daß wie im Einzelleben auch im Leben der Völker die Gewaltpolitik sich bitter rächt. VollversaMmlung üer Groß-Ssrttnee Soiöatenräte. Rücktritt des Präsidiums. Di« für Freitag auf 1 Uhr angesetzte Bollversammlung der Soldatenräte wurde durch den Vorsitzenden R i ch n o w verspätet eröffnet, da drei Mitglieder des fünfköpfigen Bureaus abwesend waren. Es entspann sich hierüber sogleich eine Debatte, in der Selig söhn ein Mißtrauensvotum gegen das Bureau beantragte. Das aus den Kameraden R i ch n o w und V i e tz bestehende Präsidium trat hierauf zurück. Pietz teilt mit, man habe einstimmig im Bureau beschlossen, zurückzutreten, er könne aber die beabsichtitge Erklärung wegen des Fehlens der Kameraden nicht in deren Namen abgeben. Der Wort- laut der Erklärung, die er lediglich zur Kenntnis gebe, sei: Als am 9. November gemeinsam von den Arbeitern und Soldaten das alte Regime gestürzt wurde, vereinigten sich die Arbeiter- und Soldatenräte zu einer gemeinsamen Körverschaft. Trotz aller Anfeindungen muß hier ausgesprochen werden, daß in dieser Körperschaft positive Arbeit geleistet worden ist, denn durch sie wurde zunächst eine arbeitsfähige Volks- regierung eingesetzt. Hiermit wurde der Grundstein zur deutschen s oziali st i scheu Republik gelegt. Nach- dem das alte Regime gestürzt und die Freiheit gesichert war, hat der von den Arbeiter- und Soldatenräten eingesetzte Rat der Volksbeauftragten eine Neuregelung der Kommando- gewalt vorgenommen. Tie Hauptaufgabe der Arbeiter- und Soldatenräte war die politische Uebenvachung der Uebcrbleibsel des alten Regimes. Durch die Nationalversammlung ist ein« neue, vom deutschen Volk bestätigte?tegierung eingesetzt. Ander- seits sind die Befugnisse der Soldatenräte durch die berufenen Organe neu geregelt. Nach Auffassung des gesamten Präsidiums hat die Bollversammlung der Groß-Berliner Soldatenräte nun- mehr kein Arbeitsgebiet und keine Arbeitsberechtigung. Es treten an ihre Stelle jetzt der Garnison-Soldatenrat und die KorpS-Soldatenräte. In Anbetracht dessen st e l l t das Bureau seine Tätigkeit hiermit ein. Dankt gleich- zeitig allen Kameraden für des bisher auch bei den schwersten Kämpfen und Meinungsverschiedenheiten entgegengöbrachte Vertrauen. Das Bureau hat nur noch den Wunsch, daß der sozio- listische deutsche Freistaat im geplanten Völkerbund dne Stellung einnehmen möge, die dem deutschen Volke entspricht, zum Segen des Sozialismus. Schließlich wird nach endloser Debatte das Mißtrauensvotum mit allen gegen sechb Stimmen angenommen. Das Bureau wird sodann in die Hände der beiden Frak- tionsvor sitzenden Arndt(S. P. D.) und Petersdors (ll. SP) gelegt. Zu Punkt 2 hielt nunmehr der Vorsitzende des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kamerad Kuttuer, einen Vortrag über die Versorgung der Kriegsbeschädigten unter besonderer Berücksichtigung' der Unterschiede&er MannschaftS- Versorgunz und der Offiziers- Versorgung. Der Redner ver- langte eine Versorgung, die ohne Berücksichtigung des militärischen DieiistgradeS den wirklichen Schaden ersetzt, den der Kriegs- bekchirdigle durch verminderte Erwerbsunfähigkeit erleidet.(Stür- Mischer Beifall.) Am Schluß der Sitzung wunde bezüglich des Bureaus ein von Alb recht gestellter Antrag mit 64 gegen 41 Stimmen ange- nommcn, wonach den miltiärischen Mitgliedern des B�llzugSratcs zusünstig die Geschäftsführung übertragen wird. Geplante Demokstrationea gegen Raüeks Verhaftung. Ernsthafte Warnung der Regierung. WTB meldet: Aus Anlaß der Verhaftung Radeks werden von spartakistischer Seite für SonntagDemon st ratio nen geplant. An ihnen sollen dem Vernehmen nach auch b e- waffnete Soldaten teilnehmen. Die Regierung macht darauf aufmerksam, daß das Verbot von A n s a m m l u n- gen und D e m o n st r a t i o n e n für Berlin noch iinmer besteht. Gegen eine Uebertretung dieses Verbots wird die Regierung mit allen Mitteln cinschrei- t e n. Die Bevölkerung wird ernsthaft gewarnt, sich an Demonstrationen von gekennzeichneter Art zu beteiligen. UnabhängigkeitZforderuug des OranfefreistaateS. Neuler zufolge fordert Hertzog die Unabhängigkeit des OranjcfreistaateS. Königreich Earzig-Gollin. Es gibt doch noch ein Königreich in Deutschland! Denn in der„Deutschen Tageszeitung" inseriert ein Mann nach tziner unbedingt tüchtigen Wirtschafterin, der sich be» zeichnet als: Thilo, Kgl. Oberamtmann, Earzig-Gollin, KreiS Soldin— Danach hat Earzig-Gollin noch einen König. Gesucht wird nur die Königin— pardon— Wirtschafterini GewerffchoflsbeuMMs Ter Warenhausstrcik. In der hent vormittag abgehaltenen VeriiauenSmännerver- fammlung der Streikenden wurde mitgeteilt, daß sich der Streik petzt auch auf die kleineren Spezialgeschäfte aus- gedehnt hat. Eine Reihe von Firmen Kaben sich mit der Streik- leitung dahin verständigt, daß sie das llebergangsprovi« ' o r i u m des Zentral Verbandes der Handlungs» e h i l fe n anerkannt haben und die Arbeit in diesen Betrieben wieder aufgenommen wird. Die Zahl der Firmen, die auf diese Weise Frieden mit den Angestellten geschlossen haben, mehrt sich ständig. In Uebereinftiwmung mit ihren Ver- tretern beim Einigungsamt bekundete die Versammlung volle Stzm- pathie aller am Streik beteiligten BcrufSgruppen. Es wurde be- schloffen, eine schärfere Kampsesweise anzuwenden, wenn nicht beute noch eine Einigung erzielt wer» den sollte, die auch den Zentralverband der Handlungsgehilfen befriedigt._ Beendiguug des Rollkutscherstreiks. Die Rollkutscher und Speditionsarbeiter hoben heute früh die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem eine Sitzung ihrer Ver- trauenSmänner dem am Freitagabend vom Einigungsamt gefällten Schiedsspruch zugestimmt hatte. Groft-Berlins Zukunft und die Sozialdemokratie. Heber die Zukunft von Groß-Berlin sprach gestern in S ch ö n e» bsrg der Oberbürgermeister Dominicus in einer von der Deutschdemokratischen Partei einberufenen ösfentlichen Versamm- lung. Er einwickelte den bekannten Plan des Bürgerausschusses Groß-Berlin, die seit Jahrzehnten geforderte Eingemeindung der Vororte nach Berlin zu ersetzen durch Schaffung einer mit Lösung der gemeinsamen Ausgaben zu betrauenden Gesamt- gemeinde Groß-Berlin und den beteiligten Einzel- gemeinden für ihre besonderen Aufgaben die Selbständigkeit zu belassen. Eigentlicher Zweck der Versammlung war, zu den Stadtverordnetenwahlen für die Teutschdemokratische Partei zu werben, und das besorgte dann Frl. Alice Salomon. Wenn in den Gemeinden die"Sozialdemokraten zur Herrschaft kommen, werde— sagte sie— vieles anders werden, aber nicht besser. Ja, das glauben wir ihr, daß dem liberalen Bürgertum die Beibehaltung der bisherigen Wirtschaft in den Gemeinden lieber wäre. Aber die Masse der werktätigen Bebölke- r u n g weiß, daß erst die Sozialdemokratie die Gemeinden zu dem machen wird, was sie sein sollen. In der Diskussion sprach unter anderem der Stadtverordnete I a tz o w, der zu den Kandi- daten einer angeblich„unpolitischen" Liste gehört. Er warnte, eine Gesamt gh mein de Groß-Berlin werde in ihrem Parlament sicher eine sozialdemokratische Mehrheit haben. Ter Mann hat recht, aber er darf sich beruhigen: auch Groß-Berlin wird bei der Sozialdemokratie am besten aufgehoben sein. Doch einstweilen gilt es, in den Einzelgemeinden bei den Ge- meindewahlen am 23. Februar eine sozialdemokratische Mehrheit zu erlangen. Und dieses Ziel mutz auch in den westlichen Po r o r t e n angestrebt werden, die das Bürgertum als letzte Schlupfwinkel behaupten zu können hofft. Ter Wucher mit Pferdefleisch. Nachdem einige Zeit der Handel mit Pferdefleisch einigermaßen glatt vonstaticn ging, spotten die Zustände, die sich in letzter Zeit entwickelt haben, zeder Beschreibung. Die Noßschlachter machen teil- weise gar nicht wehr auf, sondern verkaufen das Fleisch gleich fuhren. weise an die Gastwirte. Tort sind sie ja auch an keine Höchstpreise gebunden. In den meisten Gastwirtschaften sieht man jetzt Wurst in Hülle und Fülle. Und außerdem� ist beinahe in_ jedem sechsten Haus eine Wursthandlung. In vielerlei.Geschäften und bei Straßenhändlern ist Pserdewurst und-fleisch genug zu haben, die „Portion"— etwa 100 Gramm— für 1 Mark und noch teurer. Das Fleisch wird meistens in der Nacht an den Mann gebracht, und wenn dann am nächsten Morgen die ärmere Bevölkerung sich anstellen will, prangt das Schild am Ein- gang: Heute kein Berkaui! Es ist die alte Erfahrung, die Behörden beobachten ganz genau, daß das Fleisch uifolge Höchstpreisen� von hintenherum verschoben wird, tun aber nichts, um diesen Uebelstand zu meistern. Wenn es wieder durchaus nicht anders geht, muß die Gemeinde auch hier eingreisen und den Verkauf selbst in die Hand nehmen. In Treptow hat man bereits die Absicht, auf diesem Wege vorzugehen. Hoffentlich folgen andere Gemeinden dann nach. Es wird dringend nötig, daß behördlicherseits Schritte unternommen werden, um diese neueste Form des Wuchers zu beseitigen. Das Wahlaltcr. Der Druckfehlerteufel hat in unserer heutigen Morgennummer die zwischen 29 und 21 Jahren Stehenden ihres Wahlrechts zur Kommune beraubt. Wir weisen darauf hin, daß es best der bisherigen Verordnung bleibt, wonach vom 29. Fahre an gewählt wird. 24 909 Mar! bei der Firma Piutsch erbeutet. Am gestrigen Abend gegen'ch? Uhr drangen zwei maskierte Räuber in feldgrauer Uniform in da» Kassenzimmer der bekannten Firma Pintsch in Fürstenwalde und zwangen unter Borhaltung von Revolvern den im Kaffenraum allein noch anwesenden Rendanten Jaguemar, den Geldschrank zu öffnen. Sie nahmen den vorhandenen Bestand von 24 999 Mar! in Kassenscheinen und flüchteten. ES gelang den Räubern, die mit den örtlichen Verhältnissen vertraut gewesen fern müssen, zu entkommen. f Zur Theatervorstellung der Bezirksorganisation Groß-Berlin am Sonntag, den 16. Februar, nachm. 3 Uhr. im Zentraltheater, Kommandantenstraße, sind noch Einlaßkarten an der Kasse von %3 Uhr an zu haben. Zur Aufführung gelangt„Die-Erziehung zur Ehe" von O. E. Hartleben. Jugendweihe Ostern 1919. Allen Arbeiiereliern. die ihre Kinder nicht kirchlich konfirmieren lassen wollen, ist Gelegenheit gegeben, dieselben an unserer Jugendweihe teilnehmen zu lassen. Irgendein gesetzlicher Zwang zur Konfirmation besteht nicht. Bei vielen Eltern, die sich innerlich von der Kirche losgesagt haben, besteht der begreistichs Wunsch, ihren Kindern beim Eintritt in» Leben eine würdige Feier zu bereiten. DaS ist unsere Jugendweihe für alle, die wünschen, ihre Kinder in unserer Weltanschauung zu erziehen. Anmeldungen zur Jugendweihe nehmen an Jugendsekretariat Berlin SW. 68, Lindenstr. 114. v. I. r.. Walter Rüdiger. N. 58. Lhchencr Sir. 127(2—8), Adolf Joseph,. NW. 21. Wilhelmshavener Straße 48(Laden). Hans Seckmann, W. 57. Großgörschenftr. 32. Herbert Berger. E. 2., Gr. Präsidcnicnstr. 19, Herbert Wöllstein, NO. 18. Lietzmannstr. ö. v. III r., Viktor Haß, Treptow, Harzer Straße 117(3— 8). Geschoben wird noch immer im großen. Nach wie vor weiß kein Mensch, wo die von Soldaten und Gendarmen auf der Eisen- bahn bescklagnabinten Lcbensmiltel bleiben. Wohl aber ist uns ein Anickilag des'LebenSmiltelausschusseS einer großen Berliner Vcrkchrsbehörde vorgelegt worden, worin de, Berkauf von F-tt, Builer und Fleisch zu Gehcimrats- aber nicht Anshelserpreiseu an- gezeigt wird. Auch war es recht neckisch, letzibin ein Telephon- gelpröch anzuhören, durchs daS die Bedenken über die Güte an« gebotener Schleickware damit zerstreut wurden, daß sie aus Beicklag- nabmebestönden der Heeresverwaltung stammten, und was daher komme, sei gut. Indessen fallen ehrliche Arbeiisipenschen vor Hunger zusammen. Der Berliner Arbeiter-Schachklub veranstaltet ein Könlgs-Gambit- Turnier. Beginn desielben am Sonntag. Gcipielt itnrd Sonntags von 9—13 Ubr vormittags und Mittwochs von 61/,— 9'/, Nhr abtndi bei Mert- mann, Große Franksurter Str. 16. Gäste willkommen. Beranstaltnngen für GrwerbSlole. Montag: Institut für Mee'.eikunde, GcorgenNr. 34-36. Prof. Dr. Merz: Bosporus und Dar- daneilen.— Slcalgtjmnnsium ffilij ibcthstr. 57158. J»g. Donünck: Die Wunder der Teleqrapbie und Telepdanic.— Dienstag: 93emmei"ci> straße 15. Prof. Dr. MactowZky: Berlin zur Schinkel, eit.— Institut für Meereskunde. Pros. Dr. Spemann: Aus dem Leben der Ameisen. Milsikalifche K o m ö d i e A: Dienstag. GewerkschastS- Haus, Engcluser 1ö.___ Letzte Nackrickten. drohsnöer Ssrgarbeiterftreik in Englanö. Amsterdam, 15. Februar.(DU.) Die Verhandlungen zwischen den englischen Gewerkschaften und den RegierungSvertretern sind bisher ergebnislos verlaufen, weil Forderungen und Zuge- steindnisse soweit auseinandergehen, daß eine Verständigung un- möglich erscheint. Falls eine gütliche Einigung nicht erreicht wird, muß mit einem Ausstand der Bergarbeiter ge- rechnet werden. Verantwortlich kör Politit Artnr giSlrr, Sharlottcninrg, wr den übrigen Teil de» Blattes;«Ute»«dwU, Neukölln: für Anzeigen Sbcobot Glocke, Berlin, ver lagt Borwörts-Veriag G. m b. S>.. Berlin. Druck; vorwSrtS-Buwdruckerei und Verlags anktall Paul Sing««. So. in Berlin, Ltndenstrab»& Zigarren-, Zigaretten- OroglhsniSiung Paul Pritsche Lindenstraße 109(nahe Belle-Alliance-PI.) Neu»Eröffnung 1316b heute, Sonnabend, den 15. Februar. (Mimt Nähe Prenzlauer Allee, sofort zu vermieten. Einrichtung kann eventuell läu stich übernommen werden. Offerten sub. B. 10 Expedition des„Vorwärts". Lpiraldohrsr W.& S.-Stcchl, nur neue Ware, und andere Werkzeuge kauft jeden Posten. 28/12 Sorauo«. Berlin-Treptow Am Treptower Park A (nahe Karpfenteich). Blutarme, Hervenschwaclic, Schwerkranke, lieberarheltete ünd Wöchnerinnen nehmen Meßferol-Pillen! Fabrikant: Chemische Fabrik Apolh. Job. Fritz Neu haus, Ottweiler(Bez. Trier) Preis In allen Apotheken zu haben! Wo nicht erhält)icli, Versand portofrei durch Adler-Apotheke, Otiweiier(Bez. Trier) Wh fit mt- miiü R. SM. Ebenholzartig durchgefärbte Sviz-Majsenartikel, gefräst oder sonstwie dearbeitet. liefern in oorzitglidicr Ausführung \H. Bolsn&Cß., G.ni.lj.H., Abt. Uolzbeerbeituni;swerke, WentfiG-Rulir, 25,aG. 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