N» 87. lig.Zalirg. VezngSvret», Aecteljihrl.�Is Ml. iilonalUZ.B»l. kenn» baut. Daraus zahlbar. Einzeln« Kümmern 10«fermig. io'ibfjtig: itonaii.aj iU25 3KL. rrll. zusiebungt- gebühr. llmer«reuidand Mr Deutich- anb u. CcfimeuSj-Unfloot öJO tkL, für da» übrige Sluslcnb ä50 Mb. bei iSglich einmaliger �uuellung l.K Ml. Poltbeuellunaen nebmen an Dün»- marr. Holland lluxemdur?. Schweden und die Schwer,. Eingetragen m du Sott- iettuncJ- tteielifte. Der.Sorwart»' eocheml wochembglich zweunat. Samuagr einmal. Delegramm-Sdreffn »Sozialdemokrat«erlt«", Morgen Ansgabe. »> � wt f. Berliner VolKsblnti. (lO Pfennig) AazetqenvretS» Di« achlgewaUene iianvareillezeil» kollel bv«tg.»Klein« Anzeigen-, da» leitoedruche Äori«v Ptg.(zuläMg S tettgedrultte Lionel, lebet weitere vor, 20 Lsg. Stelle ngeiuche mit SchlaNtellen anzeigen da» etile LoN SO Stg., ,ede« wettere Sorl lb Psz. Worte über lb Suchiiaben ziihlen iür zwei SoNr. ieuerungSzuichiag7a°l» FamUien-Anzetgen, volitiiche und gewerlichattliche lSeretn»- ilnzetgen SO Big, sie Seite, einzeigen ffit die nüchlte Nummer mflften bis 5 Uhr nachmittag» im HauvtgeichSft. Berlin SV. ab. iiinoenstrake-i. abgegebett werden. Geöftnet oon S Uhr jrüh bis S Uhr abends- Tentralorgan der fozialdcmokrati fehen parte» Deutrd)landd. Reöaktion und Expedition: EW. öS, Lindenstr. Z. iherusprechrr: Amt MortNPlatz, Str. tSlvv— lSlS7. Montag, den 17. Februar IV 19. vorwartseverlag G.m.b. h., EW. öS, Lindenstr.Z. Fernsprecher! Amt Morttzplatz. Rr. U7 53—54. Annahme der Slaffenltillftandsbedingungen. Die Reichsregierung hat sich unter dem Zwange der Um- stände entschlossen, die von Marschall Foch neuerdings ge- stellten Wafsenstillstairdsbedingungen anzunehmen. Sie trat gestern um Vfell Uhr zu einer Sitzung zusammen, in der sie zunächst zu dem Ergebnis gelangte, daß angesichts der schwer- wiegenden Bedeutung der Angelegenheit eine Entscheidung durch die Nationalversammlung selbst angebracht sei. Da es aber nicht mehr möglich>var, das Parlament einzuberufen, wurden die Fraktionsführer eingeladen, die auch mit Ausnahme der Unabhängigen und der Deutschnationalen, die technisch, nicht politisch vorhindert waren, erschienen. Das Ergebnis der Sitzung war, daß unter den gegebenen Umständen nichts anderes übrig bleibe, als die Bedingungen unter entschiedenstem Protest— anzunehmen. Der Negierung erschien die Annahme der neuen drücken- den Bedingungen immer noch als das kleinere Uebel gegen- über einem Abbruch des Waffenstillstandes, der das entwaff- nete Deutschland jeder Willkür des Siegers aussetzt. Es gibt im deutschen Volke wohl nur eine Stimme über den„Sieg der Gerechtigkeit", wie sie sich durch den Säbel des Marschalls Foch repräsentiert. Man erinnert sich auch deutlich daran, wie tapfer die Ententesozialisten schmälen konnten, daß die deutsche Sozialdemokratie gegen das Treiben des preußischen Militarismus in Brest-Litowsk nicht scharf tind erfolgreich genug protestiert«. Aber wir fügen uns i« das unvermeidlich Gewordene und erwarten keine Mundet! Der öeutsche protcft. Weimar, 16. Februar. Die SirichSregiervng hat an den Reichsminister Erzberger, WaffenstillstandÄommission in Trier, folgende Mitteilung gelangen lassen: Bitte Abkommen unterzeichnen, aber vorher Marschall Foch folgende schriftliche Erklärung übergeben: Die deutsche Regierung ist sich der Schwere der Folgen de- wüßt, die sowohl die Annahme wie die Ablehnung de» Abkommen« nach sich ziehen müßte. Wenn sie ihre Delegierten angewiesen hat, zu unterzeichnen, so geschah dies in der Ueberzeuguna� daß die alliierten und assoziierten Regierungen jetzt ernstlich destrebt sind, innerhalb der kurzen Frist, für di« sie den Waffenstillstand»er- längect haben, der Welt den ersehnten Frieden wiederzugeben. Die deutsche Regierung ist aber genötigt, ihren Standpunkt zu den drei Bedingungen des Abkommens durch folgende Bemerkungen klar- zustellen: 1. Das Abkommen ignoriert die aus dem Bolkswillen in ge- ordneten Formen hervorgegangene deutsche Regierung. ES legt den Deutschen* in Form schroffer vesrhl» und Verbote zugunsten der aufständischen Polen die Pflicht auf. eine Anzahl wichtiger Plätze, darunter Birnbaum und Benischen, ohne weiteres zu räumen. Diese Plätze sind in deutscher Hand, überwiegend deutsch besiedelt und von wesentlicher Be- deutung für den Verkehr mit dem deutschen Osten. Dabei leisten die alliierten und astoziierten Mächte nicht einmal die Gewähr dafür, daß die Polen es ihrerseits unterlassen, neue Angriffe zu unternehmen oder vorzubereiten, daß sie die deutsche Bevölkerung. aus deren Schuh wir verzichten sollen, menschenwürdig behandeln. daß sie die deutschen Geiseln freigeben, deren Festhaltung jetzt jeden Sinn verliert, und daß sie den bisherigen Lebensmittelverkehr nach dem Westen hin aufrechterhalten. Wenn wir auch bereit sind, jede militärische Angriffshandlung in Posen und anderen Gebieten ein- zustellen und die gegenwärtige militärische Lage dort als Basis anzuerkennen, so muffen wir doch erwarten, daß auch die auf- ständischen Polen die Demarkationslinien einhalten: anderenfalls müssen wir befugt fein, ttn» mit Waffengewalt zur Wehr zu sehe«. 2. Teutschland darf daraus hinweisen, daß es sich bis zu? völligen Erschöpfung seiner wirtschastlichen Kräfte und bis zur Fer- rüttung seiner VerkebrSverhältniffe bemüht hat, den Waffenstill- standsbedingungen� nachzukommen. EZ will auch jetzt versprechen, die Punkte zu erfüllen, in denen ihm die Durchführung bisher nicht gelungen ist. Dabei darf es aber annehmen, daß seine Derpflich- tunpen nicht in einer Weife ausgelegt werden, die mit den beider- stitZ anerkannten Grundsätzen deS Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika unvereinbar ist und den Gedanken des RechtSfrieden» im voraus zunichte macht. Ob wir die in Aussicht gestellten Wei- sungen der alliierten obersten Heeresleitung in vollem Umfange zu befolgen in der Lage sind, muffen mir abwarten. 3. Wenn Deutschland jetzt an Stelle bestimmter Fristen für den Waffenstillstand, die eS gestalteten, sich auf die Erfüllung der Be- dingungen einzurichten, nur eine kurze unbestimmte Frist mit einseitiger dreitögizer Kündigung gewährt wird, die geeignet ist, die Ruhe und Ordnung in Deutsch- land in hohem Maße zu gefährden, so bedeutet da» eine ungerecht- fertigte Erschwerung unserer Loge. Wir vermögen die Hoffnung nicht auszugeben, daß dte alliierten und affoziierten Regierungen eZ für, tunlich halten, unter Verlängerung de» Waffenstillstandes bis zum Präliminarfrieden in Verhandlungen über die deutschen Gegendarstellungen einzutreten. Scheidemann. Der Gang der Verhanölunoen. AuS einer längeren Darstellung der Trierer Verbandlungen durch WTB. ist ersichtlich,' daß Erzberger lebhafteste Vorstellun- gen gegen die Kürze der ihm zur Beantwortung gestellten Frist erhob, die aber von Foch abgelehnt wurden. Nach längeren AuZ- einandersctzungen erklärte sich Foch bereit, die Frage zu prüfen, ob die verhafteten Werkdirektoren, die maschinelle Einrichtungen au» dem befetzten Gebiet erworben hatten, wirklich unschuldig seien. Die Verhandlungen kamen dann auf die Frage der Kriegsgefangene«. ES entspann sich folgender Dialog: Erzberger: Ich komme nun zur Antwort auf meinen Brief über die deutschen Kriegsgefangenen. Da habe ich nur zwei Worte: Trauer und Entrüstung. Herr Marschall: von 800 000 deutschen Kriegsgefangene» geben Sie dem deutschen Volk ganze 4000 kranke und fchwerverwuadete zurück. Eine solche nieder- drückende Antwort hätte auch der schlimmste Pessimist in Deutsch- land nicht vorauszusagen gewagt. F o ch: Ich formuliere nur den Beschluß der alliierten Regie» rungen. Erzberger: Für da» deutsche Volk ist eS ganz gleichgültig, auf wessen Beschluß diese Antwort beruht. DaS deutsche Polt fragt nicht danach, wer die Verantwortung für diese Barbarei trägt. Ich erwarte auf da» allerbestimmtest«, daß mit der Rückkehr dieser 4000 Allerelendesten unserer Kriegsgefangenen die Rückgabe nicht beendet ist. Sie können und dürfen sich nicht auf diese 4000 beschränken. Ich erkläre, ich sehe di« Mckkehr dieser 4000 nur als einen bescheidenen Anfang an. Fach schweigt. gu» Schluß erklärt« Foch: vi» Sonntagmittag 12 Uhr muß ich die Autwart habe»!" Unterzeichtmug deS Abkommens. Trier, 16. Frbruar. DaS Abkommen über die Verlängerung de» Waffenstillstände» ist gestern abend 6 Uhr 30 Minuten im Salonwagen dr« Marschall» Foch unterzeichnet worden. Die endgültig angenommene unb unterzeichnet« Fassung weist folgend« Veränderungen auf: Oberschlefien, der Netzedi st rikt und Bromderg fallen westlich der Demarkationslinie und sind daher durch die von den Alliierten ausdrücklich übernommenen Garantien vor den Einfällen polnischer Banden gesichert. Leider fällt Birnbaum östlich der Demarkationslinie. Der Bahnhof Bentschen erhält deutsche Besatzung. Den Schutz der Deutschen östlich der Demarkationslinie über- nimmt die interalliierte Kommission in Warschau. Ihr Verbin» dungSorgan mit der deutschen Regierung ist der französische Ge- neral Dupont in Berlin. Zu Artikel ll. in welchem bestimmt ist. daß die Verlängerung de» WafsenstillstandSabkommen�tuf.kurze Zeit" erfolgt, fragt- Reichsminister Erzberger. waru«.kurze Frist' vorgeschlagen sei und ob dieser Vorschlag etwa mit der Möglichkeit eines baldigen Präliminarfrieden» in Zusammenhang stehe. Marschall Foch ant- worket«: Ich vermute e». Ter Artikel III erhält dieselbe Formulierung wie in den frühe- ren Abkommen vom Dezember und Januar. Marschall Foch betonte ausdrücklich:.Bezüglich der Durch» führung bleibt alles beim alten.' Dann verlas Reichsminister Erzberger die vom Ministerprä- sidenten Scheidemann unterzeichnete Erklärung der Reichsregie- rung, in welcher sie der Unterzeichnung de» Abkommens zustimmt, aber ihren Standpunkt im einzelnen präzisiert. AuS dem Verlauf der Aussprache ist vorläufig noch folgende» hervorzuheben: Marschall Foch fragte, warum unsere Handels- stfriffe zur Lebensmittelversorgung noch nicht auslaufen, und er machte dann den Vorschlag, die Sachverständigen sollten sofort in Spaa wieder zusammenkommen, um die Verhandlungen über alle Einzelheiten fortzusetzen. RcichSminister Erzberger betont« noch einmal: Die drei wirtschaftlichen Abkommen(SchiffahrtSabkom- men, Ernährungöabkommen und Finanzabkommen) sind ein ein- heitliche« unzertrennliches Ganzes. Marschall Foch stimmte dieser Auffassung bei.___ V. Frankreich als Sklavenhalter. V e r n, 15. Februar. Im frauzSsischen Senat erklärte der Minister für dir verheerten Gebiete L e b r u n: Bis Ende März weiden 170000 deutsche Kriegsgefattgene in den verheerten Gebieten arbeiten. Sie werden zu K o m- pa guten organisiert und unter Führung von Svczialisten arbci- ten und von franzSstichen Soldaten, die aus der Kriegsaefangen- fchaft in Deutschland zurückgekehrt sind, überwacht werden. Tie 2200 von Teutschland gelieferten Lastautos werden für dir ver. pflcgung der verheerten Gebiete verwendet werden. Frankreich werde auch verlangen, daß Teutschland die 950 000 Stück Rind. viel», die vor der Besetzung in diesem Gebiete vorhanden waren, zum grSßtrn Teil z u r ü ck e r st a t t e t. Ter Senat nahm cm- stimmig eine Tagesordnung an, in der die Regierung ausgefordert . wird, für die Wiederherstellung der verheerte» Gebiete«ach Wäg- 1 lichkeit Sorge zn tragen. Völkerbund der Sieger. von Friedrich Stampfer. Fn dem Augenblick, in dem unS Marschall Fach letzrl, wie den Russen in Brest-Litowsk zumute gewesen ist, und uns zeigt, daß der noch lebende französische Militarismus sich hinter dem toten deutschen wahrlich nicht zu verstecken braucht, sind wir vielleicht nicht ganz in der Stimmung, mit un- befangener Sachlichkeit das Dokument zu prüfen, das die französische Havas-Agenwr gestern als„Entwurf eines Völkerbundvertrages' in die Welt hinaus- gesandt hat. Nicht, daß wir nicht aus vollem Herzen jede Abmachung gutheißen wollten, die uns das Ende aller Kriege zu bringen verspricht. Wir wissen zu genau, daß der Krieg ein furcht- bares Uebel ist, daß er niemals, trotz aller lauten Beteuerungen von beiden Seiten, der Gerechtigkeit, sondern daß er immer nur der Brutalität zum Siege verhilft, und daß in ihm der Appell an die höchsten Ideale der Menschheit nur das Ausfluchtsmittel der Staaten gewesen ist, die die Niederlage und ihre Folgen fürchten. Wir würden also trotz alledem einen Völkerbundsvertrag desto lauter begrüßen, je mehr er ein geeignetes Instrument darstellte seinen Zweck, die Vermeidung künftiger Kriege, zu verwirklichen. Da aber setzen die Zweifel und Befürchtungen ein. Der Völkerbund soll gegründet werden und wird, de» Gesetzen der Macht zufolge, gegründet werden als ein Bund der Staaten, die im Weltkrieg siegreich geblieben sind: sie besetzen in seinem„Ausführenden Rat' sofort fünf Stellen, während vier weitere durch eine Delcgiertenwahl der übrigen Bundcsmitglicder ausgefüllt werden sollen. Das Recht der Teilnahme am Bunde soll aber nur der Staat haben, der von der Telegiertenversammlung mit Zweidrittelmehrheit zugelassen wird. Dadurch erhält der Völkerbund sofort einen trustartrgcn Charakter. Die fünf großen Siegerstaaten betätigen sich als seine Gründer, wobei das Uebergewicht England-AmerikaS augenscheinlich ist, die anderen werden als Außenseiter be- bandelt und müssen sich das Recht der Zulassung erst durch das Wohlwollen der Gründer erwerben. ES entsteht sofort die Frage, wovon dieses Wohlwollen abhängig gemacht werden soll, und was die einzelnen hinzu- tretenden Staaten als Eintrittsgeld zu bezahlen haben. So- weit diese Frage das deutsche Volk angeht, wird sie wohl erst auf der Friedenskonferenz ihre Beantwortung finden. Die Größe der Wehrmacht, die jeder Staat unter- halten darf, soll durch den Völkerbund auf das Maß heruntergebracht werden, das mit seiner nationalen Sicherheit der- träglich ist, wobtzi die geographische Lage und die all- gemeinen Umstände eines jeden Landes besonders be- rücksichtigt werden sollen. Man vermißt eine Sicherung dagegen, daß bei der Abmessung der gegebenen Not- wendigkeiten Gunst und Mißgunst eine Rolle spielen und daß die Gründerstaaten sich selbst und ihre nächsten Schutzbefohlenen nicht besser bedenken als die anderen. Wenn man sehr mißtrauisch sein will, kann man sogar sagen, diese Bestimmung laufe darauf hinaus, die jetzt Mächtigen dauernd an �er Macht, die jetzt Ohnmächtigen dauernd in der Ohn- macht zu erhalten. Indes wird eS dabei auf den Geist der Ausführung und andere jetzt noch nicht übersehbare Umstände ankommen.... r* Einverstanden erklären kann man sich und muß man sich dagegen als Sozialist mit dem Prinzip der i n t e r n a r i o> nalen Schiedsgerichtsbarkeit. Es gebort � zwar ein starker Glauben dazu, zu erwarten, der Schiedsspruch werde immer im Sinne reinster internationaler Gerechtigkeit aussallen, aber die Anerkennung deS Mehrbeitsprinzips bei der Entscheidung internationaler Streitigkeiten bedeutet des- halb einen Fortschritt der Vernunft, weil er eine unblutig« Entscheidung in demselben Sinne ermöglicht, in dem voraus- sick'tlich auch die blutige fallen würde. Hätte der Kaiser von Oesterreich im Juli 1914 den Streitfall mit Serbien einem internationalen Schiedsgericht unterbreitet, so wäre der Spruch wahrscheinlich nicht ganz zu seiner Befriedigung ausgefallen, aber wer zweifelt daran, daß die loyale Unterwerfung unter eine nicht ganz einwandfreie Gerechtigkeit den Völkern der Mittelmächte besser bekommen wäre, als der wahnsinnige Ver- such, acgen eine ganze Welt anzurennen? Die internationale Schiedsgerichtsbarkeit wird die Ri- valität der Mächte nicht beseitigen, sie wird sie aber auf eine. höhere Stufe hqhcn, genau so wie etwa die Wahlen zur Na- tionalversammlung eine höhere Stufe der Zivili- s a t i o n darstellen gegenüber einem Straßenkampf zwischen Spartakisten und RegierungStnippen. Die Mcsirbeit ist nicht die immanente Wahrheit und Gerechtigkeit, aber fte ist die rechtmäßige Mcicht, die man vernünftigerweise anerkennt.f ohne daß sie erst durch ihre Umsetzung zu blutiger Gewalt den fühlbaren Beweis ihrer Stärke zu geben braucht. Es ist selbstverständlich, daß bei einem solchen unblutigen Machtausgleich die wirtschaftlichen Verhältnisse eine bedeutende Nolle spielen werden. Die kapitalistische Welt ist ja von Nawr nicht kriegerisch— an der Börse ohrfeigt man sich höchstens, aber man duelliert sich nicht—, der Krieg ist ein Ueberbleibsel aus barbarischer Zeit, und dieser letzte wird zugutcrletzt für die Kapitalistenklasse keines Landes ein gutes Geschäft gewesen sein. Ist es also auch o n Fortschritt, wenn man sich auf den friedlichen Charakter des Wettbewerbs zurückbesinnt, so liegt in ihm noch keine Gewähr dauernder Besserung. Der kapitalistische Geist, der diesen Völkerbund- vertrag durchweht, ist allzu deutlich fühlbar, am fühlbarsten in dem einen kurzen Artikel, der sich mit den Arbeiter» fragen besaßt, über die er nicht mehr und nicht weniger zu sagen weiß als folgendes: z 20. Die Mächte werden sich bemühen, billige, menschliche Arbeitsbedingungen für Männer, Frauen und Kinder ihrer Länder herzustellen und aufrechtzuerhalten. Sie werden eine dauernde Geschäftsstelle für Arbeiterfragen einrichten, welche einen Bestandteil der Verwaltung des Völkerbundes bilden wird. Man erinnert sich unwillkürlich an die alte Geschichte von einer liberalen Versammlung in den sechziger Jahren, in der ein Sozialist die große Bedeutung der Arbeiterklasse hervor- hob. Der Vorsitzende sagte dann zum Schluß, auch er sei von der Erkenntnis dieser Bedeutung durchdrungen und darum fordere er die Versammlung auf, sich zu Ehren der Arbeiter- klaffe von den Plätzen zu erheben. Und also geschah es. Der Artikel 20 des Völkerbundvertrags ist eine Derbeu- gring vor der Arbeiterklasse, vollzogen von Leuten, denen Sinn und Bedeutung der Sache vollkommen fremd sind. WaS heißt das, man werde sich bemühen usw.? Es heißt weniger als irichtZ, es heißt, daß alles beim alten bleiben soll, es heißt, daß die Forderungen von Leeds und Bern ebensowenig Aussicht haben vor den Augen des Völkerbundes Gnade zu finden, wie der ausführliche soziälpolitische Entwurf, den die deutsche Regierung für die Friedenskonferenz vor- bereitet hat. Man fragt erstaunt, welche Achtung die Arbeiterklasse in den Ententeländern genießen muß, wenn es dort noch mög- lich ist, ihre Forderungen in solcher Weise zu bchandeln! Und es muß festgestellt werden, daß die gegenwärtige deutsche Negierung für die Forderungen der e n g l i s ch e n, a m e r i- ra nischen und französischen Arbeiter hundertmal mehr Verständnis besitzt, als die Ententehäuptiinge und Völkerbnndgründer, die glauben, an allen Nöten, Sorgen und Wünschen des Proletariats mit einer höflich-höhnischen Geste vorbeischreiten zu dürfen. Dabei handelt es sich weder in den Beschlüssen von Leeds und Bern noch in dem Vor- schlag der deutschen Negierung um„umstürzlerischen" Sozia-, lismus, sondern nur um Forderungen einer fortschreitenden Sozialresorm, die— wenigstens bei uns in Deutschland— d-e volle Billigung auch bürgerlicher Sozialpolitiker finden. Die Gründer scheinen übersehen zu haben, daß die Zu- kunft des Völkerbundes nicht abhängt von dem Gang der kapi- talistischeu Geschäfte, sondern von dem Wohl st and der arbeitenden Völker. Hier waltet ein grundsätzlicher Gegensatz zwischen den drüben noch herrschenden und den hier schon zum Durchbruch gelangten Anschauungen, der beim Werden und in der Zukunft des Völkerbundes noch eine bedeu- tungsvolle Rolle zu spielen berufen ist. Wilson über üen völterbimü. :eji über den Entwurf deutlich erkennen. In einer Rede von ohcm Gedankenschwung legte Wilson zuerst den Zweck, die Einrichtung und die Anwendung des Völker- bundeS dar,„der dazu geschaffen wird, um jede Art von Zweifel über den gemeinsamen Willen der Nationen für die Aufrechterhal- lung des Friedens auf der Grundlage allseitiger Ehre und der Unuerletzlichkeit internationaler Verpflichtungen zu beseitigen." Weiler sagte Wilson:.Wir glauben nicht, daß irgendeine Macht der Erde diesem Bunde widerstehen könnte, noch daß irgendein Volk eS wagen dürs«. ihm zu widerstehen. Ter Völkerbund wird nicht nur sllr dir Aufrechterhaltung des Friedens zwischen den Nationen ein- treten, sondern auch für ihr Zusammenarbeiten bei allen großen Fragen von intrrnationalrm Interesse bei NechtSverlehunge» und bei Einverleibung wehrloser Böller durch ihre Besscger." C e c i l und Orlando brachten sodann die vorbehaltlos« Zustimmung de» britischen Reiches und Jtalv-nS zu dem Entwurf. Leon Bourgeois seinerseits stellte die lieber- einstimmung aller derjenigen fest, die für das Recht gekämpft haben, eS stets verteidigen zu wollen und versicherte die Konferenz des besonders hingebenden Beistandes Frankreichs für die Sache des Friedens. Aber als Vertreter des Landes, welche? den schwer- sten Kriegstribut bezahlt habe, habe er die Pflicht, besonders die Gefahr ins Licht zu stellen, welche Frankreich durchgemacht habe, und welche gewisse Länder, wie Frankreich, Belgien und Serbien bedrohe, die dagegen offizielle Garantien forderten. Daher sei es zu begrüßen, daß Artikel S des Entwurfes eine Herab- setzung der Rüstungen vorsehe und der besonderen geo- graphischen Lage eines jeden Landes und seiner Umstände als für die Entscheidung matzgebend Rechnung trage. Leon Bourgeois sprach den Wunsch auS, es möge ein dauernder Organismus geschaffen werden, um die militärischen und marinetechnischen Mittel vorzu- sehen und vorzubereiten zur Ausführung der Verpflichtungen, welche das borliegende Uebereinkommen den vertragschließenden Mächten auferlegt, und um deren sofortig« Wirksamkeit in allen dringenden Fällen zu gewährleisten. Der englische Arbeitsminister Barne» unterstützte die Auffassung de» französischen Delegierten hinsichtlich des Punktes, welcher übrigens zur Erörterung kommen wird. Denn der Entwurf des Ausschusses wird später vor der gan- zen Konferenz erörtert werden; aber schon jetzt jand der vorliegende Entwurf ein st immige Annahme. Wilson sagte ferner. eS handele sich um einen Bund, der für die Zusammenarbeit bei ollen internationalen Angelegen. heiten benutzt werden kann..DaS ist die Bedeutung der Bestim- mungen über die Arbeiterfragen. Darunter befindet sich eine Menge von Verbesserungen der Arbeiterverhältnisse, die sich durch Konferenzen und öfsentlich« Er- örterungen herbeiführen lassen. Ich nehme an, daß von sehr großem Nutzen daS beabsichtigte ÄrbeitSbureau fem wird, das der Völkerbund aufstellen wird. Während die Regierungen ein wachsames Auge auf die gegenseitigen Schachzüge richteten, während die Staatsmänner an Verfi»ssungSfragen und große kommerzielle und finanzielle Maßnahmen gedacht haben, kommt nun. wenn ich die Zeiche» recht deute, die große Masse der arbeitenden Bevölkerung in der Welt in den Bordergrund, die Männer, Frauen und Kinder, auf die die große Last der Deckung de« LebenöbederfS der Welt von Tag zu Tag fällt. Ob wir wollen oder nicht, eS handelt sich um die Leute, dir zu Bett gehen und aufwachen ohne den Anreiz lebendiger Hoffnung." Wilson abgereist. Brest, 15. Februar.„George Washington" mit W i l s« u an Bord, ist um 11,15 Uhr vormittags inSeesegaugeu. Spartakusputsch in Nürnberg. Paris, 15. Februar.(HavaS.) Die dritte Vollsitzung der Friedenskonferenz, noch feierlicher als die vorhergehen- den, war ausschließlich der Gründung des Völkerbundes gewidmet, die, er idealen Vereinigung der Völker, die von hoch- herzigen Denkern oft erträumt und noch niemals verwirklicht wo» den ist. DieseSmal gewann der Gedanke Gestalt durch den Antrieb\ jetzt Gebäude Nürnberg, 1K. Februar. Nach Abschluß der gestrigen De- monstration von Soldaten der Garnison Nürnberg gegen das Verbleiben Roßhaupters in seinem Amte fanden im Laufe de? Nachmittags an verschiedenen Stellen der innere« Stadt An- sammlungcn von Menschcnmassea statt, wobei Reden gehalten und die Vorgänge der letzten Stunden erörtert wurden. Allgemein ist unter den Soldaten die Mißbilligung gegen die AuSführungsbesiim. mungen RoßhaupterS über die Neuorganisation der bayerischen Armee. Heute Sonntag vormittag setzte dir Gegenbewcgung erneut ein. Aus dem Egidienplatz fand eine Versammlung unter freiem Himmel als Protest gegen die sogenannte weiße Garde und die Minister Rotzhan pter und Auer statt, wobei eine Reso- � lution angenommen wurde, die sich mit diesem Thema befaßte. j Nach Schluß der Versammlung zogen die Demonstranten durch da» Stadtinnere. Als der TemonstmioaSzug die DeotschhanSkasrrnr. de» Generalkommandos des 3. bayerischen Armee- und die persönliche Hartnäckigkeit Wilsons, dem daran lag, nach korps, passierte, fielen angeblich einige Schüsse in die Menge, Amerika ein erstes greifbares Ergebnis der Pariser Konferenz wodurch— wie verlautet— zwei Soldaten getötet und vier verletzt heimzubringen. Die Reden ließen die Einmütigkeit der Gesinmin-> worden seien. Die Menge stürmte da» Generalkim, mando. Neber dem EingangStor hangt seitdem Plakat mit der Aufschrift:„Besetzt von den Spartakisten und Un, abhängigen." Tic Fenstei des Generalkommandos im ersten Stock sind mit Maschinengewehren bespickt und Bücher zum Schutze der Bedienungsmannschaften aufgeschichtet. Ter die Straße und den Platz vor dem Gcneralkommandogebäude beherrschrnde weiße Turm erhielt gleichfalls Besetzung mit Maschinengewehren. Tie Straße zum Generalkommando sind mit Wachtposten bestellt, die zunächst damit beauftragt sind, den Berkchr aufrecht zu erhalten, der infolge Ansammlung von Neugierigen sich nur schwerfällig vollzieht. Auch in der Korolinriistraße, woselbst die dort bcfindlichen Telephon- und Telegrnphcnämtcr ebenfalls von der Roten Garde besetzt sind, werden Abfperrnngsmahnahmcn getroffen. Soldaten mit geschnltcrten, aber ungesicherten Gewehren, ebenso Abwilungrii mit Maschinengewehren, die nach den mitgefühlten Hölzkästen zu schließen, reichlich mit Munition versehen sind, durchqueren die Straßen, um an den Ihnen zugewiesenen Posten Aufstellung zu nehmen. Hier und da rattern große Lastautos durch die Straßen, auf denen Maschinengewehre aufgebaut sind. Brr- cinzclt erblickt man auch Ha n d g r a n a t e n in den Händen der Soldaten. Bei der Erstürmung des Generalkommandos wurde von Handgranaten Gebrauch gemacht. Auch der„Fränkische Kurier" iLrgan der Deutschen Demokratischen Partei) und unser Partei- organ, dir„Fränkische T a g e S p o st", sind mit B e s a tz u n. gen und Maschinengewehren versehen worden. Ter gesamte Drahtverkehr innerhalb der Stadt wie auch nach außerhalb war bi» 4 Uhr nachmittags stillgelegt. Der Zugverkehr sowie der Verkehr am Hauptbahnhos gebt seinen normalen Gang. Tie schon seit Beginn der Revolution tätige SichcrheitSwache, welche zur.Hüffte ans MchrheitSsozialisten und zur anderen Hälfte aus llnabhängigcn gebildet ist, versieht nach wie vor den Dienst, ebenso wie auf dem benachbarten Bahnpostamt. Wie lange der jetzige Zustand noch andauern wird, läßt sich zurzeit noch ni ch t übersehen. Im Generalkommando finden zwischen den de- sozialdemokratischen Gruppen noch Verhandlungen statt. �Zus üer Gppositionspre�e. Wahrheitsliebe rechts«ud links. In Weimar hat Sckeidemann in ergreifender Waise gc- schildert, wie das deutsche Volk sich vier Jahre lang über das ihm bestimmte Schicksal täuschen mußte, um nicht vor den, Bilde der Wahrheit zusammenzubrechen. Daraus macht ein Alldeutscher namens Hüttig in den„Verl. Neuesten Nachr." folgendes: Aus den Worten Philipp Scheidemanns spricht diabolische Genugtuung darüber, daß es so gekommen ist, daß Deutsch- land so tief darniedergebeugt wurde. und ein paar Zeilen später: Sagen wir doch nur rund heraus: Herr Scheidemann und seine Freund« haben die Niederlag« Deutsch- landS gewünscht, denn daß unser Volk zu dieser Niederlage bestimmt gewesen wäre, ist eine Behauptung, die schon rein äußer- bich durch Teutschlands Verhalten in fast viereinhalb KriegSjahren auf das glänzendste widerlegt wird. Zweites Bild. Wir haben unfern Lesern gestern das ge- samte Material zum Fall Liebknecht-Luxembuvg unterbreitet. aus dem für jeden ruhig Urteilenden hervorgeht, daß die Regierung bemüht ist, Licht in die Sache zu bringen— wozu hätte sie sonst Rusch. Wegmann, Struve und Haaie zur Untersuchung delegiert—. daß sie aber bei der Militärjustiz. dir sich mit dem Drahtzaun einer formalen Gesetzlichkeit umgibt, auf pass ve Resistenz stößt. Was macht die„Freiheit" dar- aus? Folgendes: Für die Regierung der Weimarer Herren ist dieser neu« Mili taviSmuS ein Pflänzchen R ü hr-m ich-n icht-an. Sie duldet ebenso den Meudtefonvrfc wie dir Meuchelmörder, denen sie verbunden ist. And sie behütet sorgsam die Dunkelkammern der Militärgericht»- barkeit» um nur ja nicht Anstoß»u erregen bei den Herren, denen sie ihre Existenz verdankt. Ist es möglich, in weniger Worte mehr Lüge und Ver- leumdung zusammenzupressen? Die Rogierung verdankt ihre Existenz niemand anders als dem Volk und seiner recht- mäßigen Vertretung, die in ihrer ungeheuren Mehrheit zu ihr stehen, und sie hat mit Meuckzelmördern mindestens ebensowenig zu hin, wie die Redaktion der„Freiheit" mit den Verbrechern, die gefangene Regierungssoldaten niedergeknallt und im ,.Vorwärts"-Hause Geldschränke geknackt haben. Vom alldeutschen Verleumder unterscheidet sich der„unabhängige" dadurch, daß der erste wenigstens den Mut hat. mit seinem Namen hervorzutreten, während sich der zweite feig in dm Die Gesetze ües Büngerns. Von R. H. France. Weimglestb zu oft getäuschte Hoffnung eS kaum mehr glauben will, so wird doch der Tag kommen, an dem wir nicht mehr daS essen werden, was Gemeindesürsorge oder daS Glück eine?.Zufalls" auf den Tisch bringen, sondern infreier Wahl zur früher gewohnten Lebensweise zurückkehren können— wenn wir es noch wollen. Aber erst dann werden wir bemerken, daß der Krieg auch an unserer ..Körperlichkeit" nicht ohne tiefe Spuren vorübergegangen ist, und daß dann, nach fast fünf Jahren der anderen Einstellungen wirk- lich eine neue Menschheit unser Land bewohnt. Schon heute wird jeder an seinem eigenen Körverbefiniden Aendrrungen gcg>:n früher wahrgcnoinmen haben, die, nur selten er- frenlicder Natur, ihm gewöhnlich den schwächsten Punkt seine» Or- wlnismuS anzeigen. Der eine merkt es an vermehrter Nervenreiz- oarkeit, der andere am Herzen, der dritte an einem anderen der inneren Organe, da? nicht mehr in der Weise den Dienst verrichtet, wie eS in vergangenen Kahren gewohnte Alltäglichkeit war. Denn wir alle sind, heute kann man e» ja ungesckeut sagen, längst über daS erste Stadium eine? hungernden Organismus hinaus, da nur mchr die Fettreserven guter Tage der VergangeNdeit angegriffen wurden, sondern müssen der chronisch gewordenen Unterernährung bereits auch der Bestand lebenswichtiger Organe zum Opfer bringen. Die Naturforscher haben diesen Prozeß längst an Tieren in allen Einzelheiten bcolbachtet, wie wenn sie vorgeahnt hätten, mit welcher grausigen Praxis sie ihre theoretisch erworbenen Kenntnisse einst fruchtbar machen werden. Und sie haben bemerkt, daß der Hunger den Organismus n-uh einem ganz bestimmten Plan angreift. Er wählt vorsorglich aus zwischen dem Notwendigen und nur Nützlichen (direkt Unnützliches gibt c» ja im lebsnden Körper eigentlich gar nichts und schont das Kostbare bis zuletzt. Nur dort, wo ein Organ weniger lebenstüchtig ist, da wird diese? Gesetz merkwürdigerweise durchbrochen. Wie wenn die Natur da? grausam-weise Wort Nietzsches rechtfertigen wollte: Was fällt, das soll man noch stoßen. Man bat sich das io zurechtgelegt, daß alle Organe gegen die Selbstverzcbruug des Körpers, also gegen die Abmagerung gewisse Schutzstoffe ausscheiden, nur die ohnedies geschwächten sind dazu nicht imstande' und fallen den angreifenden Zellen zum Ovfer. Darum sind dann die Lungen bei einem hungernden Lungenkranken, die Nerven bei einem Nenrasthcniker. das Herz bei einem Herz- leidenden ohne genügende Nahrung einem besonders intensiven Schädigungsprr�eß ausgesetzt. Diese Orte de? geringsten Wider- üandes sind dann immer zu verhängnisvollen Verschlimmerungen ihres ZustandeS geneigt. Hauptsächlich dem find die 800 000 Opfer der Hungerblockade zuzuschreiben. Sie waren Kranke, denen der Tod vorzeitig den Abschied gebot. Aber ein Volk besteht nicht nur auS Millionen Einzekhürgern. gewissermaßen Zellen deS Ganzen, sondern ist selbst ein Organi«. muS, gleich allen anderen Lebenden, das den Hunger dann auch als Ganzes spürt. Und cS ist wunderbar und crichülternd zugleich. wenn uns die neue„objektive Vi-Ikskunde" die gleichen Gesetze. die an Tier und Mensch letzt so leicht beobachtbar und verständlich geworden sind, auch am Voltskörper aufzeigt. Um so erschüttern- der, wenn man dabei erkennt, wie so manche beklagte und unvcr- ständliche, als leicht durch Peroibnung.'n zu beseitigend geglaubte Erscheinung des trüben Heute snst als notwendige, unabweisbare Folge der großen Entbehrungen enthüllt. Man hat in den letzten Jahren von vielen Seiten auS da» Hungern der Tiere in bezug auf ihr innere» Verhalten studiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß dabei stets folgende Er- scheinungen auftreten: Zuerst zeigt sich eine allgemein« Zunahme der Energie in gesteigerter Tätigkeit, Erregungszuständen, ver- mehrter Bewcglickkeit. Sehr bald aber wird sie bei länger dauern- der Unterernährung von einer allgemeinen und sich auf immer weitere Kreise erstreckenden Arbeitsunlust der Organe und Teil- nehmer am Organismus abgelöst. In diesem Stadium kommt e» zu jenem Wettbewerb der einzelnen Organe, bei denen die vorhin erwähnten Orte de» geringsten Widerstandes angegriffen werden und die leichieren Erkvanrungen ihre verhängnisvolle Wendung nehmen. Die Depression der unterernährten Organismen zeigt sich vornehmlich darin, daß weder richtig, noch genügend gearbeitet wird. Zugleich gehl damit Hand in Hand eine Verschiebung der harmonischen LcbenSprozcsse nach der Seite de» sexuellen LebcnS. Alles hungert und feiert, nur in der Sphäre der Geschlechtlichkeit herrscht rege? Treiben und Ucppigkcit. Aber auch das gehl vor- über. Der hungernde Organismus tritt nun in sein Endstadium. Eine allgemeine Reduktion tritt ein: eine Vercinsochnng de» gan- zen komplizierten Getriebes, daS aus längst überwundene Stadien seiner Entwicklung zurückkehrt und auf ihnen verharrt, bis bessere Zustände eintreten oder bei weiterem Hunger der Tod allen Rück- entwicklnngen und Leiden ein Ziel seht. Diese Tatsachen sind von Nußbaum, E. Schultz. Ver- n i n g c r und von anderen bereits so oft beobachtet worden, daß sie sich zu einem allgemeinen Gesetz über die Vorgänge in hun- gernden Organismen oerdicktet haben. Ihre Ilebereinstimmung mit den Erlebnissen de» Tage» springt so in die Augen, daß sich jede Beweisführung erübrigt, um darzulegen. wie berechtigt die Uebcröagung solcher biologischer Ge- letze auf den VokkSorpaniSmuS ist. der den gleichen mechanische« Gesetzen unterliegt, wie sede lebende Vielheit. Längst haben wir den ersten Energieaufschwung de» deutschen Volke» unter dem Einfluß der ihm vom»riege aufgezwungenen Einschränkungen überwunden und sind mitten darin in der er- schreckendsten Depression, die je einem Volk, vielleicht mit AuS- nähme des russischen, beschieden war. Der Kamps oller Schichten gegen alle, der grobmaterielle Wettbewerb im Schieber- und Wuchcrerwcsen, ist ebenso zum Erlebnis geworden, wie die be- ängstigende Apathie, die Arbeitsunlust weiter Krxise deS Volke? und der VergnügunaSlaumel der anderen. Erscheiniingen, vor denen dr Soziologe der alten Schule verftänbnisko», nur mit der inhaltslosen, höchstens die Tatsachen beschreibenden, nicht aber sie erklärenden Phrase von dem.seelischen Rückschlag" stand, haben nun auf einmal ihre Wurzel in einer tiefliegenden, gemeinsamen Ursache. Nicht mit der Rhetorik des Moralisten, sondern mit dem liefen, gütigen Verständnis des Arzte» steht ihm die neue Ein- ficht gegenüber und weiß Beruhigung zu schöpfen und zu vc» breiten durch die Ueberzeugung. daß alle diese bedrohlichen S» sckeinunoen kein« Entartung deS deutschen Volke», keine Krankbeit, weder.Absinken aus schiefer Bahn", noch.gesunkene Moralität" bedeuten, wie man sie allerorten zu deuten sucht. Sie sind viel- mehr bloß bedauerliche, aber auch unvermeidbare, in Natur- gesehen begründete Folgen der ungeheuren Entbehrungen, denen da» deutsch« Volk durch Jabre hindurch ausgesetzt war und noch ist, und sie werden ebenso naturgemäß von dem Tage an sich rück. bilden und spurlos verschwinden, an dem diesem geschwächten und verelendeten Volkskörper wieder genügende Nahrung zugeführr werden wird. --\ Notizen. — Theater. Als nächste Neueinstudierung der Oper geht am Freitag NtthulS.Joseph in Aegypten" mit den Aczita- tiven von Z enger in Szene.— In den Kammerspielen wird zurzeit Rittners Ton Juan-Drama.Unterwegs" V-» bereitet. — Musik. Helene Siegfried wird in ihrem ersten dies- jährigen Kammerkonzert am 22. Februar u. a. Szenen au» Orseo von Monteverde(16. Jahrhundert) für Alt, Ouartetl. Orgel, Harfe und Klavier zum ersten Male vortragen. — Vorträge. Margarete WallvNe und Actur van Cweh veranstalten am 21. Januar im Schuberlsaal erncn Goethe Abend. — Der Luftomnibu»..Goliath" hat setzt seine erste Fahrt von Paris nach London und zurück gemacht. Der.Goliath". der Führer. Maschinisten und zwölf Fahrgaste an Bord hatte, ging vormittags ll Uhr lv von Toussyle-Noble ab und kam 8 Uhr 50 nachmittags nach einer guten Reise in London an. Am folgenden Tag kehrte der Lufiomnibiis zurück. Er flog>2 Uhr 23 nachmittags von London ob und kam 8 Uhr 31 in Pari» an. — D e r F l u g ü beiden Atlantik. Draußen in den Ge- wässern der Newark Bav bei New Jersey sind ein Dutzend Mecha- niker beschäftigt, modern« Motoren in daS große Wasserflugzeug z einzubauen, mit dem der schwedische Flieger Sundstedt hofft, in diesem Monat den Preis der.Daily Mail von 10 000 Pfund für den ersten Flug über den Atlantischen Ozean zu gewinnen. Da« Flugzeug bat zwei SechSzyIinder-Motoren. die 440 Pferdestärken entwickeln sollen. Tie obere Tragfläche bat 100 Fuß Spannweite, die untere 71 sj Fuß. Der Oelbehälter faßt zwei Tonnen Motoröl, womit Sundstedt auszureichen hofft. Der Flug soll von Newart Bay nach St. John» auf Neufundland und von dort quer über den Atlantischen Ozean führen. Mantel der Anonymität hüllt. Wir wären wirklich begierig, ihn kennen zu lernen, um ihm ins Gesicht zu sagen, daß er ein durch und durch gewissenloser Bursche ist, der die Sache, die er zu vertreten vorgibt, schändet. Ist es denn um die Oppositionellen von rechts und links, den Alldeutschen und den Unabhängigen, so schlecht bestellt, daß sie nicht mit ehrlichen Waffen kämpfen können? Der Jobber üer Republik. Das Konterfei eines RevolutionsgewinnlerS. Kurz nach der Revolution erschien in Berlin eine neue Zeitung:„Tie Republik". Als Chefredakteur ließ Herr Wilhelm Herzog seinen Namen mit großen Lettern in den Kopf der Zeitung setzen, deren Wahlspruch lautete:„Für die Sicherung der Revolution! Für die Internationale! Für lllkenschlichkeit!" Das ist sehr gut und sehr schön und welchem aSozialisten lachte dabei nicht das Herz? Eine andere Forde- rung Herzogs war, daß nur ganz reine und ganz unkompromit- tierte Männer die äußeren und inneren Geschäfte der neuen Republik führen. Auch darin könnte man dem Apostel der Stubenreinheit berpflichten, wenn nur der. der diese Forde- rung erhebt— nicht selbst ein politischer Schmutzfink ist. Wer aber Herzog ist, das kann jeder aus der Würdigung erfahren, die Herzog in der nächsten Nummer der„Welt- Kühne" von Siegfried Jacobs ohn und Alphons Gold- s ch m i d t(der letztere war bisher Wirtschaftsredak- t e u r der„Republik") zuteil wird. Jacobsohn weist an Hand der EntWickelung dieser Zierde des Journalismus die ganze Charakterlosigkeit Herzogs nach. «Er konnte schreiben rechts und konnte schreiben link?." Jacobsohn fährt fort: Und dann lam der Krieg. Hei, da? war«ine Lust, zu leben, . zu sterben I„Die Jnternatiinale ist zertrümmert. In Ewigkeit. ES gibt keinen Frieden. Kann keinen Frieden geben. Und eS wird immer Kriege geben müssen... Wir, Freunde de» Frieden» und Kllndcr einer neuen Ethik, melden nn» a!» Krjegssreiwilllge. Wir wollen töten wie die andern." Diese» gerufen, begab man sich munter auf den KriegSausschutz für Oele und Fette und bat, einen freundlichst zu reklamieren. Wenn aber da» Ende der Re- klamationSfrist drohte und zweifelhaft war, ob wiederum die Er- Neuerung verhängt werden würde, dann kroch man in ein pik- feine»«anatorium und bog sich für einige Zeit eine Krank- heit bei... lieber Herzogs Rolle in der Revolution schreibt AlphonS Goldschmidt aus nächster Kennwis noch u. a.: Man hatte mich vor diesem Herzog gewarnt. Gutmeinende, Rufbesorgte hatten mich gewarnt. Aber ich wollte nicht auf fremde Warnung verurteilen, ich wollte mitkämpfen und im Kampfe sehen, oo der Hauptstreiter die Menschlichkeit, die Gerechtigkeit, die Revolution, die Internationale wollte oder seine Tasche, leinen Magen, wie die Rufbesorgien behaupteten. Die Rufbesorg. ten lpben recht behalten. Die Sache wurde beschmutzt. Luch muß daher warnen. Ersten»: Dieser Herzog ist kein ArbeitSmann. Er »ersteht Arbeitsleute ranzuholen, Leute, bie bis tief in die Nächte für ihn schuften müssen. Aber selbst arbeitet er n i ck> t. Er dirigiert nicht selbst, er arbeitet nicht selbst, er ist ein Pettmännchcn. ein ArbcitSzerfahrencr, ein Weichling. Er der- kündet den Sozialismus, die Lehr« von der Arbeit, die hohe Lehre von der ArbeitLverantwortung, aber selbst arbeitet er nicht. Zweitens: Dieser Herzog ist ein Unternehmer. Gr ist kein kapitalistischer Unternehmer gewöhnlicher Art. Der kapita- listilche Unternehmer gewöhnlichster Art ist«in Risiko-Unternehmer. Er läßt Andere für sich arbeiten, aber er trägt das Risiko. Her- zog läßt nicht nurandere für sich arbeiten: er läßt andere auch das Risiko für sich tragen. Er holt nicht nur Arbeitsleute heran: er holt auch Geld- leute heran. Geld und Geist arbeiten für ihn. Er ist der Rentner von Geld und Geist der andern. Mit dem Verlag der„Republik" und mit einem anderen Verlage schloh er Verträge, die ihm Ge- hälter von 42 000 Mark im ersten, 54 000 Mark im zweiten und dritten Jahr sschertcn. Außerdem irgendwelche 00 000 Mark, außerdem Anteile jeder Art und sonst noch erheblich« Einnahmen. Alle« das ohne AvbeitSgegenwert, ohne ArbcitSäquivalent. Er redet also für den SozraliSmuS, aber er ist ein kapitalistischer Rentenmann, ein Ricsengehältlcr. Er ist sozusagen ein Mär- ihrer mit PralineeS.ein Märtyrer im Klubsessel, ein Wedekind-Objekt. Sozialist ist er nicht. Denn der Sozialist lebt von eigener Arbeit, der Sozialist arbeitet mit andern, aber er läßt nicht andere für sich arbeiten. Dritten?: Herzog ist kein mutiger Mann. Wer für die Sicherung der Revolution, für die Internationale, für Mensch. lickkeit kämpfen will, muß ein mutiger Mann sein. Er muß sterben können für sein Kampfziel. Herzog will nicht sterben für sein Kampfziel. Er will sich nicht einmal dafür verhasten lassen. In den Krisentagen, den Maschinrngewehr-Tagen. den DerhastungStogen zeigt« er eine vombenangst. einv Kinderongst. aber keinen Kämpfermut. Ich Habs ein« derartige Vombenangst nie zuvor �gesebem So siebt ein Märtyrer de» Sozialismus, ein Strci'er für die Sicherung der Revolution, für die Internationa!» und kür Menschlichkeit aus Viertens: Herzog hat kein Sozial herz. Er ist ein Ab» siandsfummenmensch, ein geschickter vergleicher. Mit seiner ver- glnchsroritine hat er großes Geld reingebolt. Tie.Republik" gehört heute, nachdem der Geldgeber sich zurückgezogen hat. ihm. Herzog, allein. Kaum gehörte die.Republik" ihm allein, kaum war ihm das große Geld gesichert: da hatten die Redak- teure die Kündigung auf vier Wochen. RaiiS- geworfen sollten sie werden, die stir ihn gearbeitet hatten, vom ersten Augenblick an bis dahin Tag und Nacht für ihn gearbeitet hatten Die Rechtsansprüche wurden nicht anerkannt, abruvt wurde gekündigt, obwohl da» oroß, Abstandsgeld nach der Abstckt des Geldgebers auch der Vefriedigung längerfristiger Re- dakleiirSanivrücbe dienen sollte. Tie kurzfristigen.Kündigungen wurden erst aus Einspruch zurückgenommen. Ich hatte meine Mit- arbeit an der Zeitung misgeküntzigt..für sofort" aufgekündigt. alS ich von der unerhörten Spe'envrellrrri des Herzag erstibr. der in kurzer Zeit 2500 Mark od-r darüber kür Auto'ahrten und an. der? ilnkontroklierbare Ausgaben verlangt, erbosten und dann noch mebr gc'orüert hatte, und al« ich den tapferen Antreiber in Tode». angst ba'te schlottern seben. AlS sich aber gar berauSstellte. daß der Mann ohne Sozialherz ist. entschloß ick mich, öffentlich vor ihm zu warnen. ES darf nickt sein, daß einer, der in dieler Zeit sozialistischer Aktivität, in dieser Probe- und Prüszeil den Sozia- stSmus predigt, unverurteilt bleibt, wenn er kein Sozialberz bat. Wenn er ein bemiemer. kapitalistischer Renten, und Sickwrung»- mann ist, ,in AbstandSgelderrnonn ahne Saziakberz. Tielem actranan Abbilde eine? Manne? dem eine Re- volnfjon gerade gut genug ist.»m. von Pbrgsen gedeckt kornivtive Geschäfte zu machen, braucht nicht viel zugefügt zu werden. Nur das eine: Tiefer Mann bat Arbeiter z» den Waffen gern'en»nd zu Handsungen anlgrveitscht.»nd wäbrend viel- leicht einer seiner Leier blutend auf der Straße lag, hat er Kassenscheine gezablt und die Hosen gewecktsclt. Paul Hug, Zivilgouvernrur in WilhelmShauen. Die Reichs- leitung bat den Genossen Paul Hug an» Rüstrmw'n zum beigeordneten Zivilgouverneur dcS StationSckefS der Nordsecstation der Marine in WilhelmSbaven ernannt. Genosse Hug nimmt gegen- wärtig als Abgeordneter an den Verhandlungen der Weimarer Nationalversammlung teil, wird aber bald sein neue» Amt an- treten. GeweekiiWsbewMng Der Streik im tzanüelsgewerbe. Die Inhaber der vom Streik betroffenen Geschäfte hielten am Sonntag eine von ihrem Arbeitgeberverband einberufene Versammlung in der Handelshocksschule ab. Eine Resolution wurde angenommen, die dem Verhalten des ZentralverbandcS der Hand- lungSgehilfen die Schuld dafür beimißt, daß der Streik noch nicht beendet werden könnte. Daß diese Behauptung nicht zutrifft, haben wir in der Sonn- tagSnummer des.Vorwärt»" nachgewiesen. Wenn es den Arbeit- gcbern an der Beendigung de» Streiks gelegen war, hätten sie den vom Zentralvcrband der Handlungsgehilfen gemachten Borschlag über die Form der Verhandlung annehmen können. Aber nach den in der Versammlung gemachten Ausführungen handelt es sich für die Arbeitgeber nicht um eine Formfrage, sondern um eine Geldsrag«. Sie glauben hinsichtlich der Gehaltsbewilligung billiger davonzukommen, wenn sie den Gewerkschaftsbund zu den Verhand- lungen heranziehen. Auch diese Annahme halten wir für irrig. Nach Lage der Sache hat doch schließlich das Einigungsamt die Höhe der zu be- willigenden Gehälter festzusetzen. Da sich der Z e n t r a l v e r- band bereit erklärt hat, einen Schiedsspruch bei EinigungSamtS ohne Vorbehalt anzunehmen, so ist doch nicht zu fürchten, daß die Arbeitgeber durch gesonderte Ver- Handlungen mit den beiden Angesiclltcnorganisationen schlechter wegkommen, al» wenn sie mit beiden Organisationen gemeinsam verhandeln. ES scheint, daß e» der Arbeitgeberverband auf ein« Machtprobe ankommen lassen will, daß eS sich nicht nur um einen Kampf in Berlin, sondern in ganz Deutschland, handele. TaS.terroristische Vorgehen" dcS Zentralverbandes der Handlungsgehilfen müsse zu- rückgewiesen werden. Der Arbeitgeberverband will zunächst gütlich, nötigenfall» aber auch mit anderen Mitteln gegen diejenigen Ge- schäftSinhaber vorgehen, die durch Anschlag bekanntgeben, daß sie die Forderungen bewilligt haben._ Streik der Versicherungsangestellten. An der Streiklage bat sich nicht? geändert. Am Montag ver- handeln die Parteien vor dem EinigungSamt. das von den Unter- nehmern angerufen worden ist. Am Dienstag vormittag findet«ine Versammlung aller Strei- kewden statt. Nähere» im Zentral-Streikburcau, Linkstr. 2, Nestau- rant Psefferbcrg._ Angestellte der Elektroindustrie. waren am Sonntag im Zirku» Busch versammelt. Der Fünfer- auSschuß für die Fachgruppe der Elektroindustrie im ZentralauS- schuh der Angestellten hatte Dr. Breitscheid um«in Referat über.Die Revolution und die Ange st eilten" gebeten. Durch Brief zog Dr. Breitscheid die gegebene Zusage zurück mit der Begründung, seine Parteigenossen im Zentralverband der Hand- lungSgehilfen hätten ernste Bedenken dagegen, daß er in dieser Versammlung spräche. Der Obmann des FünferauSschusse» Dr. Kotz, der als Referent«insprang, beklagte, daß Versuche der An- gestelltenauSschüsse. einen Anschluß an die freien Gewerkschaften herbeizuführen, bei diesen wenig Entgegenkommen gefunden hätten. Dir Revolution habe viele Angestellten erkennen lassen, daß Hand» und Kopfarbeiter zusammengehören.(Lebhafte Zu- stimmung.)'Redner erörterte dann die Frage des M i t b e st i m» munySrcchteS der Angestellten, die befriedigende Lösung for- dert. Den Vertretungen der Angestellten müsse durch vertragliche Festlegung der gebührende Einfluß aus Einstellung und Entlassung. auf Gehaltsregclungen usw. gesichert werden. Der Vorstand deS Verbandes Berliner Mctallindustriellcr habe schon beschlossen, diese Forderung auch unter dem Druck eines Streiks nicht zu bewilligen. Gegenüber dem Unternehmertum sei Einmütigkeit und Geschlossen. heit nötig. Kollege Klein referierte über»Abschluß der Kollektivverträge durch die Gewerkschaften". Er forderte Mitwirkung der Branchengruppen durch die Angestellten. auSschüsse, deren Vorarbeit die Arbeit der Gewerkschaften beschleu- nigen werde. Den Vorwurf der ZersplitterunpSabsicht müsse er zu- rückweisen. Nahezu einstimmig wurde eine lange Resolution angenommen, die fast gleichiauiend mit der vor acht Tagen in einer Versammlung der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände beschlossen ist. Der LrbeitSauSschust der städtischen Beamten-, Angestellten, und Lehrrrvereine Berlins hatte am Sonnabend in der Sophienschule mit den Vertrauensmännern der einzelnen Verwaltungsstellen eine gemeinsame Sitzung, um über die mit dem Magistrat gepflo- genen Verhandlungen wegen der GchaltSab- schlagSregulierung Stellung zu nehmen. Da die laufenden und einmaligen Teuerungszulagen und die Kriegsbeihilfen nicht im entferntesten mit der tatsächlichen Teuerung Schritt gehalten haben, hatte der Arbeitsausschuß unter dem 22. Ja» nuar an den Magistrat ein Gesuch zweck» Aufbesserung der-�ehälter und Erhöhung der Teuerungszulagen gerichtet. Da nun nach Mitteilung des Arbeitsausschusses die gestellten Forderungen, welche unter Berücksichtigung der jetzigen Verhältnisse außerordentlich bescheiden gehalten waren, trotzdem nicht in voller Höbe bewilligt werden sollten, kam eS zu sehr erregten Debatten, wobei die große Unzufriedenheit der Beamten, Lehrer und Ange- stellten in beredten Worten zum Ausdruck gebracht wurde. Zum Schluß einigte man sich auf eine Resolution, welche beute dem Ma- giftrat überreicht werden soll. Danach verbleibt der Ausschuß und die hinter ihm stehenden 500 Vertrauensleute in der dringendsten Form bei der Forderung von 125 Mark monatlicher Gehalts- abschlagSregulierung mit Rückwirkung vom 1 Januar 1019 ab und zahlbar spätestens Aniang März. Diese Erhöhung soll rubcgehaltS- berechtigt in voller Höhe, und zwar kür alle Beamten.. Lehrer- und Angeftelltenklassen in gleicher Weile neben allen bisherigen Tcue- rungSzulagen sein. Zur Vermeidung drohender Unruhe wird rest- lose Erfüllung dieser Forderungen erwartet, auch wenn Reich und Staat diese Zulagen in geringerer Form geben sollten. Wenn die in der Resolution gestellte, auf das äußerste herab- geletzte Forderung nicht restlos erfüllt wird, soll zunächst von den gesamten Beamten. Lebrern und Angestellten, mit Ausnahme der» jenipen, welche die Betriebe aulrecht zu erkalten haben, ein großer Demonftrationizug eine Stunde lang um das Rathaus stattfinden. Groß'-tolln Aushebung des Noten SoldatenbundeS. Eine Perl»» getötet. Für den gestrigen Sonntag waren, wie schon berichtet, größere spartokistiscke Putsche in Groß-Bcrlin geplant. Die Vorbereitungen hierzu waren jedoch der Regierung vorzeitig zur Kenntnis ge- kommen und so loben sich d-ie Fübrer der Kommunisten genötigt, ihre beschlossenen Pläne aufzugeben oder in anderer Weise durch- zuführen. Zu diesem Zweck berief der Rote Soltatenbuud seine Führer Sonnabend abend zu einer Gebeimversammlung nach dem Lokal von Boeker. Weberstraße. Aber auch diese Zusammenkunft blieb nicht unbekannt. Polizeibeamte, unterstützt durch Truppen der Brigade Reinbord erschienen vor dem Versammlungslokal und sperrten die Ausgänge, ebenso einen Teil der Waßmann- und der Gr. Frankfurter Straße. Alle Versammlunpsteiluebmer ungefähr ICO Mann, wurckeri. weil sich unter ihnen eine ganze Reihe solcher Spartakisten befanden, die bei den Nnruben beteiligt waren, für verhastet erklärt. Tie Ueberraschten ließen sich ohne Widerstand abführen. Mit Lastkraftwagen wurden sie nach dem UntersuchungS- gefängniS Moabit gebracht. Unter ihnen befindet sich auch der Führer Fröhlich deS Roten ColdatenbundeS. Während sich die Abführung der Versammlungsteilnehmer ohne Zwischenfälle ab- spielte, nahmen Z u s ch a u e r, die sich infolge der Absperrung ein- gefunden hatten, an verschiedenen Stellen eine drohende Haltung gegen die RcgicrungStruppen an. In der Weberstraße schoß ein Soldat, der tätlich angcgrisfen wurde, auf den Zivilisten und tr a f ihn am Halse so schwer, daß er bereit? auf dem Wege nach der Hilfswache in der Landsbergerstraße der Verwundung erlag. Die Persönlichkeit dcS Toten, der keinerlei Papiere bei sich hatte, ließ sich noch nicht feststellen. ES ist ein Mann von etwa 35 bis 40 Iahren, 1,75 Meter groß, mit dunkelblondem Haar und rötlichblondem Schnurrbart. Er hat ein volle» Gesicht, braune Augen und lückenhafte Zähne und trug eine braune Manchesterhose, graue Joppe, schwarze Weste und Schaftstiesel. Auf dem rechten Arm hat er eine Schlange eintätowiert, aus dem rechten Hand- gelcnk ein Armband und ein vierblätterige» Kleeblatt und auf dem linken Unterarm einen Frauenkopf. Die Putsche, die die Spartakisten für den gestrigen Sonntag geplant hatten, waren von diesen in allen Einzelheiten auSgrar» beitet. So hatten sie u. a. auch vor. dem Polizeipräsidium einen Besuch abzustatten. Sie hatten beschlossen, auf dem Lichthofe de» Polizei-Präsidium» eine TemonstrationSversammlung abzuhalten und zu dieser mit Gewehren zu erscheinen. E» war bestimmt wor- den, daß die Gewehre ungeladen sein sollten, doch sollten sie, für den Fall, daß eS zu Zusammenstößen kommen werde, Patronen in den Taschen bei sich tragen. Die Maßnahm« in der Weberstraße hat anscheinend alle diese Vorbereitungen zerschlagen, denn der gestrige Sonntag verlief überall ruhig. Der verband ehemaliger Schutzhaftgefangener veranstalletr gestern eine gut besuchte Versammlung im.Rheingold", in der Herr Weber-Robine referierte. Er geißelte vor allem die Form, in der die Schutzhaftgesangenen behanvelt wurden, die aller Mensch, lichkeit Hohn sprach: Ernährung wie Räumlichkeit ließen alle» zu wünschen übrig. Ebenso ist e» zu verwerfen, daß die Gefangenen in Einzelhast oder mit Dirnen und Verbrechern zusammen oder gar in» Irrenhaus gesteckt wurden. Ehepaare wurden jahrelang getrennt in Schutzhaft gehalten, ohne daß der eine vom andern wußte, oh der andere überhaupt noch am Leben sei. Auch da» Schutzhastsystem war eine der Ursachen, die zum Zusammenbruch der alten Regie- rung führten. Al» zweiter sprach Justizrat Dr. Werthauer: Die Schutz- haftgefangenen wurden vom alten System der Militärgewalt unter- stellt, weil die militärischen Richter für etwaige Ungerechtigkeiten nie zur Rechenschaft gezogen werden konnten. Gcgen diese» Svstem gab eS weder Schutz noch Recht. Dagegen schützte nur Protettion, man konnte nur um sein Recht bitten und betteln. In Schutzhast kamen nicht die, die etwa» getan halten, auch nicht die. die ver- dächtig waren,«twaS getan zu haben, sondern nur die. bei denen die Möglichkeit vorlag, daß sie etwas tun könnten. Die Entschädigungs- Paragraphen des Schutzhaftgesetzes sind durchaus ungenügend. Doch gibt das Bürgerliche Gesetzbuch die Mösssichkeit. liegen die Beamten vorzugehen, die einen anderen an Freiheit und Vermögen unbe- rechtigt geschädigt haben. Dann brachte Schwester Arendt einige Zahlen und sehr inter- essante Ausführungen über ihre Fürsorgetätigreit zugunsten der un- ehelichen Kinder und ehemaligen Gefangenen. Al» Dank für diese Arbeiten zum Wohl de» deutschen Volkes wurde sie später in Schutz- hast genommen. Als der nächste Redner, Oberst Gacdke, sprechen wollte, ver- suchten verschiedene der Anwesenden, ihn am Sprechen zu hindern. Nur mit Mühe gelang es die Ruhe wiederherzustellen. Gacdke sprach vor allem gegen den Militarismus. Er schloß mit dem Hinweis, daß die Schutzhäftlinge nur durch eine Linderung der Gesetze zu ihrem Recht kommen können. Für die Auslandsdeutschen sprach Herr Zeki Bey über die preu- ßische Ochrana. Er forderte Abschaffung der Geheimalten und Be- strasung der Schuldigen. Nach einer sehr ledhaften Debatte mußte die Versammlung wegen der vorgerückten Zeit abgebrochen werden. Drei gefährliche Knacker wurden von der Kriminalpolizei auf frischer Tat festgenommen. Zu ihnen gehört auch jener Wilhelm ScharnowSkki. der mit seinem Bruder Hermann die Spartakus« wirren benutzte, um sich der Kasse der Reichsdruckerei zu bemäch- tigen. Mit den besten Werkzeugen, u. a. einem Sauerstoffgebläse, dem auch der stärlste Panzer nicht widersteht, ausgerüstet, schlichen sich die beiden Knacker mit den Spartakusleuten in die Reichs- druckerei ein und machten sich gleich über die Geldschränke und Tresor? her. Sparlakisten, die sie dabei überraschten, nahmen sie fest. Sie kamen daraus nach dem Gefängnis des Polizeipräsidiums. Ein Spartakistenputsch aber verschaffte ihnen bald die Freiheit wieder. Bei einer gewaltsamen Oeffnung des PolUeigefängnisseS entschlüpften sie. Seitdem..arbciteien" die beiden Brüder wieder eifrig weiter, bi? fetzt Wikhelm Scharnowski in der Schulstraße von Kriminalbeamten bei einem neuen Einbruch ertappt und wie- der festgenommen wunde.— In der Wallstraße wurde der berüch- tigte Knacker Fritz Muelke mit einem Spießgesellen Großmann dingfest getnacht. Beide haben der Kriminalpolizei schon viel zu schaffen gemacht. Studenten, und Akademikcrversammlung. Dienstag. 18. Fe- bruar. 7 Uhr. im Kaiscr-Friedrich-Gymnasium. Knesebeckstr. 25, Dr. Han» Neichenbach: Die Sozialistische Studentenpartei und .ihre Ziele: Otto Jenssen: Technik und Sozialismus: Stud. Beck: Ingenieur und Sozialismus: Freie Aussprache. Sozialistische Studentenpartci, Gruppe: Technische Hochschule. Geschäftsstelle: Holfteiner Ufer 10. Prafesiar Grotjahn Direktor dcS Heilstättriramt». Der Magi- strat wählte dep Vorsteher de« lozial-hygienischen Abteilung deS Medizinalamte». Professor Dr. Grotjahn, zum ärztlichen Direktor de» neugebildeten Heilstättenamt». Professor Dr. Alfred Grotjahn genießt als Vertreter der sozialen Hygiene in der wissenschaftlichen Welt einen guten Ruf._ Groh-Berliner Lebensmittel. vuchholz. Abschnitt 88 Heringe(60 Pf.). 2 Kartenäbschnitte l Hering, S— V Abschnitte 2 Heringe, 6 und mehr Abschnitte 3 Heringe. Groß-Serliner partelnachrlchten. Gemeindewahlversammlungen. Heute. Montag: 20. Abteilung. 7� Uhr. Aula der Gemeindeschule Shaßmann» straße 6: Vortrag de? Genossen Schräder. Mariendorf.S ödende. 7Vb ttbr: Schultheiß. Süd ende. Lichter- selder Straße l7. Referent: Genosse Lii bemann. Morgen, DienStag: AdlerShof: 7 Uhr: Gemeindeturnhalle Hackenbergstraße: Refe- rent: Genosse W u tz k v- Neukölln. Steglitz lBezirk k). 714 Uhr: Jung. Fichte- Ecke Ahornstraße. Buchholz. 714 Uhr: Restaurant Nossack. Hauptstr. 71. Referent: Genosse S ch ö n b e r g. Stralau. 5>4 Uhr: Flugblattverbreitung von Carl May, Alt-Siralau 12, au»._ BorauSsschtliche» Wetter bi» T!en»tcrzmittag. Ziemlich trübe und nebelig, besonder» im Süden an vielen Orten meistens Schnee» fälle, langsame weitere Abkühlung. Auch die sauberste Mutter ist der Gefahr ausgesetzt, daß ihr Kind aus der Schule gelegentlich Ungeziefer mitbringt. Sie kann es aber— Ungeziefer nebst Nissen— sofort durch Kopf» und Äaarwasse? Pfeifferol radikal beseitigen. Dabei schäumt unser Haarwasser prächtig, reinigt die Kopfhaut von Schinnen, befördert den Saarwuchs und macht das Saar voll und locker. ?slascbe 1,50 Mark und 2,50 Mark, überall zu haben. Parastten-Siniment Pkeifferol, Masch« 1,50 M, ttnh S,5C SR, Tricr«>ol>Puder Pseiffrrol psgtn Flöh«. Dose lLö K. Kroiwreme Pfeiffrrol 125 M. Wanzentod l;fctfferot. 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Heute Uhr in den Comeniussälen,' Memeler Str. 67. Roferent: Paul Slifln. Tagesordnung in allen Versantmlungeu i „Tie Sozialdemokratie und die Stadtverordnctenwahlen." Jeder Wühler ist z» diese» Dersanimlungeu eingeladen. Pflicht der Parteigenosse» ist es, vollzS.Ug and pünltlich zu crfchcmen. m Ii vor BorflanS. Oerliner Äsylvereln fit Obdacliiose. Tanz."WF SewWk ibmds wt Skenmamnn. Die am IS. Februar lölS fällig gewordenen Steuern für Januar/März lAS und ferner die noch für Aprii/Dezcmder ISIS riiafUindigrn Steuern sind spätesten, bi» zum 25. Fe- bruar ISIS Ablauf dieser kosteupflichtige______ Eine desondere Mahnung durch Srrs-uduog von Mahn- zetteln findet nicht mehr siott. lÄUD Die Steuerzahllarte ist bei der Zahlung vorzulegen. Berlin-Schönebrrg, den tö. Februar ISlv. Im Etuversiändnis mit den BoikSbeanftragten: Der Magistrat. Berlin»Wilmersdorf, den 1ö. Februar 1S1V. Der Magistrat. Marmelade. Semäst Z 5 der Derordnnng über Lebensmittestarten noni L. Oitobec IvlS wird siir den tLeiueiitdebeziri der Stadt Berlin deftlumit: 1. Auf die Abschnitte Tic. 05 und 04 der Cebens. saifteUurie Vor Siedl Berlw entfallen 1« 250(Brumm Atarmelade. Der stieinhandeish-chltpreis beträgt I M. für ein Pfund, für 25» Gramm also UP» M. Ewe lleberschrritung df Hächstpreisee ist ftrafbnr. 2. Die Abschnitte Nr. W und St find rm: in den durch»in flsuehängefchUd: „Berkauf von Marmelade aufLebeusmittel- karten der Stadt Berlin" gekennzeichneten Geschäften gegen Empfangsbescheinigung ab. zuliefsrn, und zwar Montag, den 17., Dienetag, den IL., und Mittwoch, den IS. Februar ISIS. Nochträgiiche Anmeldung findet nicht statt. E» ist ittizuILssig, die startenobschnitte in Geschälten abzugeben, in denen uicht da. omo Maglftrat aue- aegevene Auohaugefchtld angebracht ist. Geschäften, die nicht im Bisttze des Aushängeschildes find, ist die Annahme von ltartenabschnittcn verboten. 2. Di« ltteinhandel�rschäfte haben dl« von ihnen angi- nvmmenen Sartcnabschnitte an ewen der ihnen bekannt- gegebenen Großhändler bi« zum Freitag, den 21. Februar ISIS einschließlich abzuliefern. Jeder Klewhaodler muß, sobald die Ware zur Stille ist, mit dam Perrauf beginne» und die. durch At.,ch'ag anzeigen. De die Marmeladefadrileu häufig nicht in der Lage find, die vollen Mengen auf einmal zu liefern, ist es möglich, daß in einzelnen stleinhandelsgeschäftea sich der Bertaus der Marmelade hinauszögert. Auch bei«wer solche»«erzögermig der Lieferung ist jedoch eine Richtbeliefermig ftlnesfofl« zu befürchten. Berlin, den 15. Februar ISIS. Freitag, den 28, Februar 1919, abends 8 Uhr: Oldeutl. Zlerkills- lGtktrch-Vtrsammlllug im Saal 55 des Rathauses. Tagesordnung: ahresberichi. Berichterstatter: Herr Geheimer Sanitittsrat Dr. I. Stern. 2. Bericht über die Asyle und über die Kasse. Berichterstatter: tcrren Loeb und Pincus, Frau May. ericht der Rechnungsprüfer und Antrag derselben auf Ent- lastting. Berichterstatter: Herr Dir. Wartcnberger. 4. Wahlen der ausscheidenden Mitglieder de» Berwaltungsrats. 5. Bereinsangelegcnheiteil. 21/7 Berlin, Februar 1919. Der Borfiand., Georg JtoaO. Otto Schnaok. Henriette Btaij. Dr. foul Sltona. Geh. Souildlnrai Cr. Julius Stern. Or. Albert Sübrinai. Otto Cecö. Theodor �ineue. :&M KW KNK Kameraden des ZkM-SliieW'Zl!s.-AMkillsN.M Mitkämpfer Grubo«, e«»,. Irievrilhstndt, Zntobstndt, Sumdnlen, wlnterbero, Ghnnipazne, Kluuderusthlacht,«rrus, der Somme und der maus, Tonnenberg. Warschau. Mnsnrlschen Seen, Zatabsladt,"''—' uf ruf! Nach ruhmvollem Kampfe auf ostprcußlschem Boden, in Rugland, wette» Gefilde», auf sralieus eisigen Bergen und Frankreich» granatrndurchpMgter Erde. sind die Yorck*. eben Jäger in die Heimat znrück gekehrt. iikZD Neue Gefahren türmen sich seht Im Osten unseres schwergeprüsteu Vaterluude» auf»»> drohen uns zu erdrücken. Heut ergeht daher der Bus zu den Waffen jan alle nuterlandsliobenden AlSuner. gnnt ehrenvollen Andenke» an den eisernen Yorck, dessen«amen das Bataillon mtt Stolz tragt, wird das Jäger-Bataillon I ei» Vsnvi« Freikorps errichten. G, gilt, eine neu« Truppe ,» schaff«!, beleett> von altem Yorck'.cbem zägeraei>t, würdig der Helden von Orlnu-ledae, der Tomba-Sturmer und See Cambrai-| Kämpfer. Meldungen schriftllch oder persönllch beim Jäger-Bntaillon t, Onelebarg I. Westpr. Miiiärpayiere(Eutiassungsscheiu) sind beizulegen dezw,! mitzubringen. Einstellung nach den bekannton Bedingungen. Jäger-Bataillon Graf Yorck von Wartenimrg (Octpr.) Mr. 1 gez. Qercke, Hauptmann und BataillonffOhrer. Bemerkung: Die f. Z, in der„Deutschen Tagessig." erschienene Notiz über Bildung eines Yorrk'schen Korps| vom BataMon I nicht ausgegangen. Eine Werbe- " für diese Fonnatl"» befindet sich beim Bat!, n i ch t WMm ) wir brauchen Euch! Es gilt, das Regiment neu aufzustellen. Es gilt, unsere bedrohte Heimat zu schützen. Es gilt, unser herrliches Gut, die Marienburg, zu verteidigen. Ihr werdet Im Regiment die Offizier« und Kameraden, mtt denen Ihr Schulter an Schulter gekämpft habt, wiederfinden. In festem gegenseitigen Berirauen wird auch dieses schwer» Werk gelingen. Unser Beroslichttingsschein lautet: Ich verpflichte mich zum ireiwilligen Dienst zum Schutze der deutschen Ostarenze auf einen Mona:. Eine Künd:guna muß in 14 Tagen vor Abiaus dieser Frist am 1. oder 15. d. Bits, erfolgen. Wird das Kündiaungsrecht nicht ausgeübt, so gilt die Berpfltchtting als um einen Monat verlängert. Ich erkenne die Vorgesetzten des Truppenteils, dem ich zugeteilt werde, -----•'—------------'!em Gehör- rbeits dienst deutsche Oftgrenze bedrohenden Feind mtt Einsatz meines lieben»� kämpfen. Ich verpflichte mich, meinen Vorgesetzten im Dienst die schuldigen Ehren- bozeuqungen zu erweisen. Ich verpflichte mich. Ordnung und Disziplin hoch- zuhalten und die mir anvertrauten Waffen, Kleidung»- und Ausrüstung»- stücke in Ordnung zu hatten und zu schützen. Ich erkenne an. daß ich als Freiwilliger meine übernommenen Pflichten unbedingt erfüllen muß, und daß Vergehen gegen diese Disziplin entsprechend der Disziplinarstrafordnung und dem Militürtlraigeseybuch ge- ahndet werden. Außerdem kann ich de: schweren Bersehiungen jederzeit und ohne Entschädigung aus meinem Verbände entlassen werden.(Heber die Entlassung ensicheivei der Bataillonssührer mtt dem Beirat.) Erfahrene Unteroffiziere sind UN» besonder» willkommen. Anmeldungen sind telegraphisch oder schriftlich mit genauer Adressen- angade an das Siegimentsgeschästszimmer nach Marienburg zu richten. Nach erfolgter Anmeldung wird vom Regiment ein Annahmeschein üdersandt werden. 1172D' Auf Grund de» Annahmeschein» erhaltet Ihr bei der nächsten Militärbehörde den Fahrschein. Wer einen Annahmeschetn erhallen hat, hat damtt die Verpflichtung anerkannt. Mobile Löhnung und Berpflegnng. 5 M. tägliche Zulage. Kameraden, wir brauchen Euch! veutfch'Grüens-Inf.- Regiment Nr. 152 Marienbveg (westprentzen). Magistrat. Abteilung für Obst- und Gemüseversorgung. Rune TS». Nr. 4309«em/IS. ige. Zu verkaukea: mumm M'Ml von veredelten Landschweinen, g— 10 Wochen all, hervorragend edle Raffe, spottbillig, wegen Stallumbau, zu verkaufen. Gutsbesitzer Lowrek, Werder bei Rehfelde(Qstbahn). (L Station hiitter Borort Sttausderg.) 1SZ/15' fkellvillige jür das Jeldartillerie-Bepient Kr. 83. Ehemalige Angehörige des Regiments und auch ge« I diente geldaitiflerilten aller Jahrgänge anderer Siegt«' tnenter, die bereit sind, die Heimat zn schützen und Rüde| und Ordnung zu halten, wollen sich zwecks Bildung: einer sreiwilligen Batterie beim unterzeichneten ilom-! mando meiden. ltii7D', Dir Freiwilligeu erhalten Verpflegung. Ouariier,! Bekleidung, Löhnung mindestens 30 M., augerdem ö A. Zulage pro Tag. Berpflichiung auf strenge Disziplin, ehrliche» Ver- hallen gegen die LandeSeinwohner und die Kameraden Achlung des prioalen und mililärischen Eigentums. FreiWiUige vor! 3. Rheinisches Feldartillerie-Ressiment Nr. 83 z. Z. L o h u e bei Vechta(Oldenburg). Ctnistiani, Major. Fahrscheine find bell» Regiment»der nächste» Bezirk». konunaodo anzufordern. Postnugzeuge (Stahlkonstruktion) haben sich im Dienst der„Deutschen Luftreederei" auf der Strecke Berlin— Leipzig— Weimar bestens bewährt Schnell Große Tragfähigkeit Wetterbeständig Nähere Angaben über Preise, Liefertermine usw. erteilt: Allgemeine Elektrizitäts- Gesellschaft Abteilung Flugzeugbau Berlin, Friedrich-Karl-Ufer 2-4 Deutfcher } tlictallarbeiter-Oerband I Berwaltuugssielle Berlin, s Es starben: ttRINgsls! KlgUS Dreher, Staaken, Delbrück- straße 23,-am 12. b. M. Die Beerdigung findet heute, Montag, den 17. Fi» bruar, nachmittags 2'/« Uhr, I von der LeichenhoUe des l Gemeinde- Friedhofes in k Spandau, tu den Kisssl» aus statt. W\M\r Kunert Dreher, Neukölln, Stein- metzftr. 102, am!S. d. M. Die Beerdigung findet 1 heute, Montag, den 17. j bruar, nachmittags 2'/» Uhr, I von der Leichenhalle des I Garnison-Kirchho'es in der! Hasenhaide aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. STnchraf. Fenrer starb: Gustav Borcwskl fformer, Carmen- Sylva- vtraß« 7, am 10 d. M. Shre Ihrem«ndsnkenk l DI» Orksverwulwng.! Zentral-Uranlieü. unck Zlekdessaiie der tapezierer. Flllnle SchSvetxrg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mit- ' Slla krlem am lt. d. Mt». plätzlich ver- schieden ist. Die Einäscherung findet am Montag, den 17. d. All«. im Krematorium, Gericht- straße, statt. Ehr» seinem Andenk»» l Der Borstand. Krampfadern, Vtasneniztiadanff. fmditBoUentn Beinen, otrdidifm ana etAwadk m CmUmtm ist mein mnmomisdi fcrbeiUUr nski' leaer GummUfimmpf 9J ikerty" mnmntbthrütA t'eröa. Ukh urd aod» maßetsi dmnerhoft Fester, ohes wo�Uuender HoJt Erficht terperiieAe LeistminfUigleeit: besedtgt oder oermijuiert»r. Schmidt Sühne, Leipziger Str. 112, Ecke Manerftraß«. Zentrum!Z»o— Z. ssluo Ordrss in sämtlichen Drucksachen wie Prospekte, I Äf Kata_l_o_g0_» Et ike 1 1 en� Re chnun£cn_!__Ge s chäf t shücher� Durchs ehr eibe-"bü_c_her_, 22°®« au�zxlseben.•••• Bei Bedarf bitte Offerte einzuholen. In Berlin Vertreterbesuch empfohlen,«====«=» L. M. BARSCHALL, Aste Jakob-Strasse 11-12, BERLIN SW. 68 MlilMIIIMiülillSiiililllMillMIMIlilllillUNtzMäMil Biitmiuiuimiiaimuinnmiit!»niunim!niniammiiininiii:miimiiniiminfflirainuiunn)umiuiiiiinnmRiiiiinuniuiiinii:u)minii!niniiuimiiiramimmHi«niKii!uiiiniini Fernspr.; Moritzplatz 9011, 9012 u. 3948 Buch- und Steindruckerei, Buchbinderei, Ge s chäf t sbücher f abrik, Liniler-Anstalt c IffiHHHUHi