J!r.90. 36« Iaisrg. Bezugspreis: LierteIjährl.k75M� inonall�W Ml. frei in- Hau» vorauszahlliar. Einzeln« Wummern 10 iicnmri. Poiibezug: Wonaillch 2.25 MI, exkl. ZusiellungS- gebühr. Unter Kreuzband Mr Deulsch- land u. Oesierreich-Unganl 5.50 Ml. für das übrige Ausland 9.60 MI, bei lüglich einmaliger Zuiiellung 7.60 MI. Poilbeileüungen nehmen an Düne« marl. Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Poll-.ZeuungS-ihrelslisle. Der�orwürlS" erlcheiiil wochenlüglich zweimal. Soiuuags einmal, Telegramm-Adreffe: .Sozialdemokrat Berlin", Abenv-Ansgabe. Vevlinev Volksblatt. (l0pf«nnls) Anzeigenpreis: Die achigespaliene Nonvareillezei!« loftcl 90 Psg.„Kleine ülnzeigeu*, daS fctfgebrutfte Sort 40 Pfg.(zuläfstg 2 fetlgedrurlte Worte), jedes weitere Won 20 Psg. Stellengesuche ifttt» Schlafsielleilanzeigen das erste Werl SO Psg., icdeS weitere Wort 16 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Deuernngszilschlag 70%. Familien-Anzeigen, politische und gewcrlschaftliche Vereins- Anzeigen K0 Psg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis» Uhr nachmittags im Haupigeschäsi. Berlin EW. SS, Lindenslratze 8, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis S Uhr abends, �entvalorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfehlands. Reüaktion und Expedition: SW. bS, Ändenstr. Z. �erusprrchcr: Amt Moritzplatf, Nr. ISIS«— ISIS?. vorwärts-verlag G.m.b. h., SW. HS, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moriisplaii, Nr. 117 SZ— S1. verlchSrfuvg der Lage in evglavd. Bor dem Generalstreik im englischen Bergbau. R o t t e r d a m, 18. Februar.vir uns, wie wir finanziell weiterkommen. Wir haben uns bisher mit der Anleiheaufnahme und der Noten- presse geholfen. Beide Mittel sind nicht mehr lange anwend- bar. Für Inlandsanleihen fehlt es in den nächsten Mo- naten, wenn unsere Wirtschaft sich wieder auf die Friedens- arbeit rüsten, Rohstoffe beschassen, die völlig geleerten Lager langsam wieder füllen soll, an den nötigen flüssigen Mitteln. Das Ausland wird uns so lange nichls leihen, als lvir noch keinen geregelten Wirtschaftsverkehr haben. Tie Notenpresse aber kann unmöglich stärker angetrieben werden, wenn wir nicht binnen ganz kurzer Frist in aller Form den Bankerott anmelden wollen. Der Notenumlauf deS Reiches ist von 2 Milliarden im Jahre 1914 auf 34.5 Milliarden Mitte Februar 1919 gestiegen. Ungerechnet die Noten der Gemeinden, die auch auf diesem Gebiet in einen Wettlauf mit dem Reich eingetreten sind. Schon die unbedingte Notwendigkeit, eine Senkung der Warenpreise herbeizuführen, erfordert eine Ver- langsamung des Arbeitstempos der Notenpresse. Deikn je größer die Papiergeldftut, desto geringer die Kaustrast des Geldes. Die größte Schwierigkeft erwächst dem Reichsfinanz- minister in der nächsten Zukunft aus der Verpflichtung, die schwebende Schuld von 23 Milliarden zu decken. Alle Schatz- ielretäre der Kriegszeit haben sich viel darauf zugute getan, daß wir eine gute„Anleihepolitik" trieben. Sie waren stolz darauf, daß es uns gelungen sei, unseren Geldbedarf fast völlig durch langfristige konsolidierte Anleihen zu decken, während England und Frankreich einen großen Teil chres Geldbedarfs für Kriegszwecke durch kurzfristige schwebende Schulden bestritten. Von der Sozialdemokratie ist gegen die selbstgefällige Betrachtung unserer Kriegsfinanzierung in steigendem Maße Widerspruch erhoben worden. Nun, da es. zu spät ist, hat auch Herr Schiffer die deutsche DeckungSmcthode als völlig verfehlt preis- gegeben. jSie hat uns alle die großen Nachteile gebracht, die mit der Schonung der Steuerkraft des Besitzes verbunden waren, ohne die vielgerühmten Vorteile zu bieten. Die >trieg3ausgaben, die sich von 49,6 Millionen im Tagesdurchschnitt des Jahres 1914 auf 135 Millionen im Tagesdurch- schnitt 1918 steigerten, eilten den Anlecheerträgen immer weiter voraus, und die Folge war, daß trotz der guten An- leihepolitik der ungedeckte Rest, der auf die schwebende Schuld genommen werden mußte, rapid anwuchs. So sind wir dahin- gekommen, daß zurzeit von der kontrahierten Rcichsschuld im Gesamtbetrag von 166 Milliarden knapfr98 Milliarden auf langfristige Anleihen und 58 Milliarden, also mehr als ein Drittel, auf die schwebende Schutdcntfällt.' Die Reichspolitik muß nun darauf eingestellt werden, die Gläubiger dieser kurzfristigen Schuld in Bälde-zu be- friedigen. Das Wirtschaftsleben hat das Bedürfnis, diese Mittel zurückzusaugen. Die einzige Möglichkeit, diesem Be- dürfnis zu genügen, liegt in der allgemeinen Ver- mögensabgabe, die natürlich auf die Eristenzbedin- guugen der kleinen Vermögensbesitzer die gebührende Rück- sich: nehmen, die großen Vermögen aber in noch viel schär- frrcm Maße heranziehen muß als bisher angenommen wurde. Eine andere Rettung gibt es nicht.— Auf die übrigen Steuern(schärfste Erfassung der Kriegsgewinne, Mehreinkommen, Erbschaftssteuer) kann natürlich nicht ver- zichtet werden. Für den laufenden Bedarf werden sie. bis zum letzten Pfennig nötig sein und bei weitem noch nicht ausreichen. Die erste große Aufgabe aber ist: Abbiirdung der schwebenden Schuld� durch eine einmalige allgemeine Vermögens- abgäbe.-_ Das Schicksal öer öeutschen Seewehr. Pari», 17. Februar.(Reuter.) ES ist so gut wie sicher, daß «ridgÄl'igen FricdenSbodinrnrngen Uittcfff der deutschen Flotte folgende Punkte unifäsien werden: Zerstörung aller Forts auf Helgoland und der Befesttgungsqnlagen am Kieler Kanal sowie Oeffnung deS Kanals für den ge- wöhnliöben Verkehr. Man wird Teutschland nur eine Flotte be- lassen, die für BerteidigungSzwecke genügt. Cht deutscher Gedenktag. 1915: Beginn deS U Bootkriegs. Heute vor vier Jahren wurde der U-Bootkrieg gegen die feindliche Handelsschiffahrt eröffnet. Er hat dann in mancherlei dramatischen Konflikten seinen Charakter als.U-Bootkreuze r- krieg" und„unbeschränkter" gewechselt, schließlich mit der Pünktlichkeit, die von uns vorausgesagt wurde, sein Ziel ver- fehlt, uns Amerika auf den Hals gebracht und zur Katastrophe zesjihrt. Es ist interessant, heute in den Papieren zu blättern, auf denen um diese Schicksalsfrage gestritten worden ist. An, 12. Februar 1916 überreichte der Admiralstab der Marine dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg eine geheime Denk- schrist, er der es hieß: ... Kurz, die lediglich zum Zwecke der Veranschaulichuug ge- wählte Vorstellung einer Verdreifachung der vorjährigen Wirkung und die Hemmung auf militärischem Gebiet führt zu der'gewissen '.'lnuahme, daß ein neuer U-Bootkrieg, dem die Kriegszone ohne jede Einschränkung zur Berfllgung gestellt wird, im Laufe längstens Der Kriegsgott. Ta liegt er erzgcpanzert, hingestreckt in schrecklichem Berderben. Tie Böller stehn un, ihn herum und starr» entseht in dieses fette vertierte Mörderangcsicht und auf die Trümmerstädte, die seine grimmen Fäuste schlugen, die nun sterben. BZaS blieb von seinem wilden, bcutegicrgcn Trosse? Es floh der ordenSfrohen Könige betörte Schar; auf furchtbar angetriebenem, gepeitschtem Rosse entfliehen Wahn und Knechtschaft, das verruchte Paar. Seht ihn euch an, ihr Böller, den ihr göttergleich verehrtet: Wo diese Augen hinsahn, die jetzt Lider, scheusjliche bedecken, brach Leid auf, Haft, blutgierge Wut, für Mensch und Tier Bcrreckcn: Seht ihn euch an, ihr Böller, den ihr göttcrgleich verehrtet l Er hat nicht Menschenangcsicht, nicht Menschenhänden Seht ihr die Götzenfratze, zähnefletschend, die inS Menschenherz geschlagenen Raubtierkrallen?: Bor seinem Schritt zerreißt der Acker und die Länder fallen verpestet in verruchte» Blutgeruch und Elend ohne Ende. Roch atmet seine Vrust in zitternd schweren Zügen! Und seine Fäuste gieren noch nach unversehrtem Land und Wiesen: ?br Böller! Grabt vereint ein tiefes Grab für diesen �schlftmen Menschenschänder und bestellt die Erde über ihm mit tausend blanke« Pflügen! HanS Gothmann. Zranz tzerczeg: Der Slausuchs. Lessingthcatcr. Unter den ungarischen Salon- und Ehebruchskomödien, d:e jetzt den Pariser Fabrikaten deS Genres erfolgreich Konkurrenz machen, nimmt der vom Lesfingtheater in den Spielplan wieder eingesetzte Blaufuchs Herczegs einen gewissen Rang ein. Tie einmal zu den Requisiten solcher Stücke gehörenden Frivolitäten sind hier mit einem nicht gewöhnlichen Aufwand von Verve und spöttischer Laune arrangiert.'Situationen wie Figuren behaupten, wenn man nicht genauer hinsieht, einen Schein d«S Menschenmöglichen. Die Eifer- ,ucht des müßiagängerischen melancholisch-skeptischen Hausfreundes und di« olympisch heitere Ruhe des Gemahls blieben witzige Kon- traste und kamen in dem Spiel wie in der körperlichen Gegensätz. lichkeik der beiden Darsteller, der schlanken träumerischen Eleganz von Theodor Laos und in Heinz SalfnerS gutmütig selbstsicherer Riesenhaftipkeit mit eindrucksvoller Drollerie heraus. Eine fernere Nuance erhält die Ironie dadurch, daß der Hau«- freund zu jener Sorte Libertins geböri, die sich in einem Hinter- stiLbchen ihrer Seele noch einen Rest von Schamgefühl und eine Art von sentimentaler Verehrung für die.wahre" Weiblichkeit be- wahrt haben, als deren Repräsentanten fein« Phantasie in eigen- eines halben Jahres zu dem Erfolge führen würde, England auf dem Wege der Unterbindung des Seeverkehr« zum Frieden zu zwingen. Da haben wir die berühmten sechs Monate des Herrn v. Heydebrand. Es war damals— man staune— Herr H e l ff e r i ch, der in einer höchst sachlichen Antwort die Windbeuteleien des AdmiralstabS zerpflückte. Helfferich warf die interessante Frage auf: Welches sind die Rückwirkungen eines rückficbtSlosen U-Boot« kriegö auf Deutschland und seine Verbündeten, insbesondere in de« wahrscheinlichen Falle, daß die Union gegen unS in den Krieg eintritt...?> Und er kam zn dem Schluß: Die Gefahr, daß der Rückschlag des neuen U-BootkriegS aus Deutschland für unS verhängnisvoller sein müsse als die denkbar stärkste Schädigung Englands, bleibt bestehen. Schlechtes Deutsch, aber guter Verstand. Später blieb unS das schlechte Deutsch und der gute Verstand ging zum Teufel. Leider nicht er allein!_ Gin Aufruf an Alle! Wir werden um Veröffentlichung des folgenden Ausrns« gebeten: An Allel Diejenigen, denen die Wiederherstellung der alle Völler ver- einigenden Künste und Wissenschaften eine Notwendigkeit ist, find diese Worte gerichtet. Die, die reine Wissenschaft und Kunst pflegen sollten, find auch am Weltelcnd mit verantwortlich; sie sind auch imstande, die Menschheit wieder zu vereinigen, durch Worte und Taten. In- tcllektuelle aller Länder, Ihr müßt die Völker versöhnen, schließt Euch zusammen zu einer Macht. Erhebt alle Eure Stimme gegen ungerechte Forderungen, die dem Völkerhatz neue Nahrung brin« gen und neue Kriege verursachen. Künstler, Gelehrte aller Länder, werfet die Bevormundung durch die regierenden Minderheiten, die Euer unwürdig ist, ab. Organisiert Euch. Im praktischen Leben arbeitende Intellektuelle aller Länder, laßt Euch nicht mißbrauchen, organisiert Euch! Studenten aller Länder, helft mit. eine glückliche Zukunft für alle Völker auszubauen. Organisiert Euch! Versammelt Euch, werbet, redet, schreibet überall. Wissen- schaftliche und kulturelle Körperschaften, Vereine und Blätter, tretet in den Dienst der Menschlichkeit. Erhebt Euch alle über die gewöhn- liche Politik, denn die Zeit der Ideale ist gekommen, die brutale Gewalt muß machtlos werden, der Völkerhatz muß verschwinden, iveil es auch Intellektuelle waren, die die Völker aufeinander gehetzt' haben. Die Massen werden sich allein überlassen sein und sich ver- söhnen, denn sie sind und waren immer friedliebend. Alle diejenigen, für die die Versöhnung der Völker eine Not- wendigkeit ist, alle die Blätter, die diese Versöhnung wollen, werden diese Worte in alle Länder verbreiten. Parallel mit dem Weltkongreß der politischen Machthaber, parallel mit dem Weltkongreß' der Arbeiter soll ein Weilkongreß der Intellektuellen zusammentreten, die ihren Zusammenschluß in einen Weltbund bedeutet. Berlin, den S. Februar 1919. Gustav Groß, Studierender der Technik. Eduard Bernstein, Joseph Bloch, Geh Reg. Prof. Brix, Frau Minna Cauer, Geg. Reg. Prof. Franz Helluiuth v. Gcrlach, HanS Heinrich, Leutnant, Prof. Dr. Jäckh, Käthe Äollwitz, Dr. Elisabeth Kotten, Leiterin der Hilfsstelle für Ausländer in Deutschland, Kurt Kroner, Alexander Moissi, Prof. G. F. Nicolai, cand. ing. Paul Weiner, Dr. A. Pinkermeil, Prof. Dr. ing. Reißner, Dr. Helene Stöcker, Wally Zcpler. Die vestzung deS ReichSmarincamtes. Der frühere Staats. sekretär der Reichkmarine.-Admiral Ritter von Mann, ist in den Ruhestand getreten. Unter dem Reichswehrminister NoSke führt Vizeadmiral Kogge, ein Sohn des bekannten Berliner Hafprebi- gerS, die Geschäfte deS eichSmairneamteS. Er besitzt aber keine Stimme im Kabinett. sinniger Verblendung just das ungeeignetste Objekt, die Frau des Kameraden, erkor. Ein Ritter Toggenburg hat er die ganze Zeit vor ihr im Geist gekniet. Seine Empörung, als er die Entdeckung macht, daß sie, der dieses Spiel zu lang gedauert, mit einem blöden Lassen angebändelt, dünkt ihr nur belustigend, etne Parade großer Worte, hinter der sich bloß gekränkter Egoismus birgt. Leopoldine Konstantin in der Gestalt des abgebrühten, in der Kunst der Koketterie und Lüge virtuosen Kokottenweibchens, das keinen Augenblick daran zweifelt, mit ihrem Reize über alle ethischen oder doch ethisch kostümierten Bedenken von Männern ob- zusiegen, war von sprühender Lebendigkeit und entschied den Ge- samterfolg. Weibliche Verschlagenheit triumphiert auf der ganzen Linie. Sie kapert sich nach ihrer Scheidung den Entrüsteten; und der Gatte, kaum von ihr befreit, läuft einer Dame nab verwandten Schlages in die Netze. Die Nachfolgerin und der Lasse lagen bei Charlotte Schultz und Kurt Götz in geschickten Händen. Ter Applaus, in erstem Reihe für Frau Konstantin gelieud,.war stark,._ ät. Molo-Abenö. Walto von Molo las gestern an» seinen Worden im Künstle» hauS vor amet zahlreichen Hörerschaft aus Buch'mndlerkveisen. Man wsiß, dieser Dichter will ein Erzieher sein. Er nimmt den Berus, den das Talent ihm wies, aks ein bedeutendes Voltsamt. Menschlich bilden, ist sein Ziel. So ist eS ganz natürlich* daß die Geisteskultur, der TatidealiSmuS unserer Humanitätsdenker aus seinen Werken leuchtet. Schiller! lind Fichte! Was Molo gestern las, war mit voller Betonung dieses Zieles gewählt. Man wird diesem ernsten Schaffer nur gerecht, wem: man sich gewöhnt, die Gestalten deutscher Vergangenheit, die er in die Milte großer Romanwerke gestellt hat, nicht als EbenbUder ihrer geschichtlichen Modelle, sondern durchaus als sammelnde Brennpunkte seines Bildungsziel«« anzuschauen. Nach Abschnitten aus dem Schiller- und dann dem Friedrich- Roman gab Molo gestern cruZ einer neuen Dichtung die Szene eines preußischen Koiegsrats nach der Katastrophe von Jena. Hier wird Stein sein Held, und der spricht energisch auf den unent- schlossen-schwachen vreußischen König ein. Ta» Wort fällt:.Geben Sie dem Boll die Richtung nach oben!" Bemerkenswert- für MoloS dichtendes Denken erschien nun da ein in den weiteren Text gespann- ter Satz, der SteinS demorkatisch vtorstohcnde Mahnung ausgab als eine Wiederholung dessen, was schon in Friedrichs II. Absolutismus gelebt habe; woran sich dann die Wendung schloß:»Dieser Ab- lolutismuS stirbt nie." Aber wann hat solcher Absolutisinus je ge- lebt? Wie gesagt, man soll di« Romane Molos nicht für Bücher der Geschichte halten. Ihr Gutes ist der Wille, der auf ethiscke Arbeit ausgeht und der in diesem Tun auch de» Gestalten als faßlichen Svmbolcn Bau und Herzschlag gibt. Vom Wesen dieses Ethos zeugte auch die letzte Gabe des Abends, die vewegungsneiche kurze Erzählung von einer Brücke. die irgendwo in den Traden vollendet wird. Der Baumeister sieht eine gelbe Sandspinue zu seinen Füßen i» Tätigkeit: auch sie eine Brücke, sie ganz allotp. Als ein lautes Fest gu feinen Neue GefeHentwürfe an die Netionai- Versammlung. In der am 17. Februar unter dem Vorsitz des ReichSministerS des Innern Dr. Preuß abgehaltenen Lollsitzung des Staaten- ausschusies erklärte sich der Staatenausschutz auf Grund des Ge- setzeS über die vorläufige Reichsgewalt vom 19. Februar 1919 damit einverstanden, daß folgende Gesetzentwürfe der National. Versammlung vorgelegt werden. 1. Der Entwurf eines Gesetzes zur Ueberleitung der verfassungsrechtlichen Vorschriften. 2. Der Entwurf eines Gesetzes über die Gewährung einer Entschädigung an die Mitglieder der verfassunggebender deutschen Nationalversammlung. 3. Der Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung der Derart- nung über die Rückgabe ber in Frankreich und Belgien weg- genommenen BetriebSeinri.chtungen vom 1. Februar 1919. „Arbeiterrat Mühsam". In München hat er rgespochen, der Arbeiterrat Erich Mühsam. in der Versammlung der A.» und S.-Räte. Unabhängig und »Hikal. WolffS Telographetrbuveau meldet«S der Welt. Wer ist Arbeiterrat Mühsam? Ein Arbeiter? Nicht gai�, lieber Leser. In Berlin hat man ihn gekannt. Im Cafe des Westens war er vor dem Kriege häufig und bis in die frühesten Morgenstunden zu sehen. Ja, er war zu sehen, er bildete mit seinem Tisch sozusagen die Sehenswürdigkeit de? Lokals. Nachtschwärmer auS der Provinz drängten sich um ihn, denen der Hotelportier verwaten hatte, daß im Eafe des Westens die letzten lebenden ÄohemienS zu sehen seien. Und da staunten denn Herr und Frau Pieske ans Neuruppin über die Jünglinge mit langen Mäbnen, wehenden Schlipsen und knallgelben Hasen. Erich Mühsam aber war der Interessanteste, denn niemand wallte glauben, adß ein Mensch— na sagen wir— so wenig geivaschen und gekämmt sein konnte!, Aber Erich Mühsam hat gearbeitet, sonst wäre er ja nicht „Arbeit errat". Zwischen der vierten Tasse Kaffee und dem fünften Absinth(meist auf Kredit) öffnete der Rätselhafte die Lippen und dann wurde die deutsche Literatur um einen jener unsterblichen Schüttelreime bereichert wie: Sie würden mir eine große Freude bereiten, Wenn Sie meinen Hund von der Räude befreiten. Auch d-n Reim»Heirat— Zwetrad" verdanken wir ihm.— Die Münchener Arbeiter haben nun Erich Mübsam eine große Freude bereitet. Daß es ihnen gelungen fein sollte, Mühsam? Hund von der Räude zu befreien, bezweifeln wir allerdings. Aber sie haben ihn— natürlich Mühsam— zum Arbeiterrat gewählt, wir nehmen an als Sprecher der Artbeitslosen. Warum auch nicht — im Reiche Kurt EiSnerS! Des Pastors Schmerz. In einer Versammlung der»Deutschen Volkspartei", die am Sonnabend iin Meistersaal(Köthener Str.) stattfand und die übri- genS nur schwach besucht war, äußerte ein Pastor namens Freitag als Redner, wie uns berichtet wird, etwa folgende würdige G„- dankengänge zur Wahl EbertS: Es sei eine Schande, daß ein Sattler und seine Frau repräsentativ wirken sollten, wenn uns vie!« leicht einmal Wilson besuchen würde(!). und daß wohl kein w sich danach drang«, sie zu sehen bei festlichen Gele- e n h e i t e n, wie eS früher der Fall gewesen sei bei dem aiserpaar! Er machte ferner den Vorschlag, dem Exkaiser wie- der di« Schlösser in Potsdam als Wohnsitz anzu- bieten!— Wir können den Schmerz des Wackeren verstehen, müssen ihm aber doch sagen, daß füx unsere Auffassung da« bißchen»Repräsen- tation" Wilhelms II. mit einem verlorenen Weltkrieg, zwei Mil- lionen Toten und 16ü Milliarden Kriegsschulden etwas teuer bezahlt war! Ehren beginnt, hält immer noch die Sandspinn« sein Auge fest, und da löst sich in ihm mit schwerer Wucht die Frage loS:»Wer— feto: — sie?" Größtes Tun als selbstverständliches Aeußeru des Lebens I Kaiair mahnt. Das Programm war also bis zuleyl innerlich gefügt. ES sollte deS Dichters Art bezeugen, und dir Augenblicke der Sichtung, die das am klarsten konnten, traten auch im Vortrag als die ergriffenen und plastisch formenden herau--. _ � Notizen. — Dichtungen de S Weltgewissens. Gertrud Ehsoldt und Dr. Max Hochdors veranstalten am 28. Februar in den Räumen der Berliner Sezession einen Vortragsabend, in dessen Programm Pichiungen des WeltgcwinenZ ausgetxrmmeti Wörde!'. sind. Von Jean Paul geht über Gottfried Keller und Ernst Stadler eine zeitlose Menschenliebe bis zu Wolt Whitmann, Leonid Anbrejew und Henri Bavbusse. Diesem GcfiihlSIreise, der alle nationalen Gegensätze überbrückt, wollen die Vortragenden nach- geben. Max Hochdorf wird die besondere GeisteSart dieses inte:- nationalen Tichterbundes charakicrisieren. — Theater. Die llraufführung des Rosenbahn- schen EinakterzhkluZ von»Salto mortale" im Kleinen Theater findet erst am Freitag, den 21. Februar, abends 7>j Uhr, statt.— Im Deutschen Theater geht am Freitag nach längerer Pause Georg Büchners Drama»D a n t o n s Tod" m Szene. �-Vorträge. In der Urania in der Taubenstrahe trägt Mittwoch und Sonnabend, abends 8 Uhr, Prof. Dr. schwahn mit zahlreichen farbigen Bildern über»Die Geschichte der Urwelt" vor. — Führer des Volkes. In dieser Schriftenreihe des Berliner Verlans von Schwetichke u. Sohn, die mir einem von Franz Diederich verfaßten Charatierbiide Fritz EbertS begann, wird Ludo Hartinann über Viktor Adler, Philipp Scheidemann über Ludwig Frank schreiben. Jedes Heft kostet 60 Pfennig- — Deutsche Studenten an Henri Barbusse. Die sozialistische Gruppe der Universität Heidelberg hat auf den Aufruf»An die Internationale des Geistes" von Henri Barbusse folgendes Antwortschreiben gerichtet: »AIS eine Mreiende Tat begrüßen wir Ihren Aufruf an die Internationale des Geistes. Es ist uns eine ehrenvolle Pilicht, Ihnen, dem unentwegten Kämpfer für Recht und Menschenliebe, Tank und Zustimmung auszusprechen. Unsere böchste Aufgabe wird eS bleiben, in unserer Heimat die Jugend im Geiste der Menschlichkeit zu sammeln, so daß die Erinnerung an die Schrecken und das Elend des Kriege? den Chauvinismus, in welcher Form er auch empor. wuchern möge, im Keime ersticken wird. Mit diesem Gelöbnis reichen wir Ihnen die Hand." — Kohlen in Grönland. Der däuiiibe Minister des Innern hat eri-ärt, daß man auf Grönland reiche Liger ausgezeich- neler Noble angelrossen habe. Man kann erwarten, daß die grön- ländische Kable in Zukunft für die Versorzung Täncmarlö von größter Bedeutung sein wird. Der fall Prinz vor Gericht. Vor dem Schwurgericht des Laadgerichts I begann heute die Verhandlung gegen den ehemaligen Leiter des Ber- liner Sicherheitsdienstes, den 27jährigen Maler Erich Vrinz wegen versuchten Totschlages, begangen gegen- über dem Zugführer Voß von der 14. Kompagnie des SicherheitS- dienstes. Ten Lorfitz im Gerichtshof führt Landgerichtsrat W e i- g e r t> die Anllage wird von Staatsanwalt R o g e r u m vertreten, als Berteidiger des Angerlagten fungieren die Rechtsanwälte R i e» bald und Dr. Esch. Der Angeklagte Prinz macht einen sehr jugendlichekt Eindruck, er ist am 26. Juni 1ö91 in Cöln-Mülheim geboren und hat trotz seiner Jugend schon eine recht bewegte und abenteuerliche Ver- gangenheit hinter sich: Zlach Entlassung aus der Schule besuchte der Angeklagte die Maleratademie in Düsseldorf. Als damals Sechs- zehnjähriger ging P. dann nach Pari?, um dort die Kunstschule zu besuchen. Er kam dann später nach Ä.gier und machte den marok- kanischen Feldzug mit. Wegen Krankheit entlassen, ging Prinz erst nach Südamerika und war in einer Fleischextraktfabrik beschäf- tigt, ehe er nach Deutschland zurückkehrte und hier seiner Militär- pslicht genügte. Es brach dann der Krieg aus. Schon in den ersten Monaten erhielt er das Eiserne Kreuz und wurde zum Ge- freiten befördert, weil er belgische Offiziere als Spione entlarvt hatte. Später zum Unteroffizier befördert, beging er eine Urlaubs- Überschreitung und will von einem jungen Leutnant dann ungerecht behandelt und tätlich angegriffen worden sein. Im höchsten Masse gereizt, habe er sich dann an dem Offizier vergriffen. Tie gegen ihn verhängte Strafe von 6 Monaten Gefängnis sei ihm durch Gnadenerlass am 27. Januar erlassen worden. Der Angeklagte äusserte sich auf die verschiedenen Fragen und Vorhaltungen des Vorsitzenden etwa dahin: Er sei wegen seines Nervenleidens, das er sich beim Militär zugezogen, zu einem längeren Lazarettaufenthalt gezwungen gewesen. Als er am ä. Oktober 1L18 nach Berlin beurlaubt worden, habe er sich in seinem Beruf als Maler beschäftigt. AIS er am 9. November zum Polizeipräsidium gekommen, das schon erstürmt war, habe er ge- sehen, dass junge Burschen die Waffen an sich nahmen, alles demo- lierten und stahlen, waS sie erhalten konnten. Um den Burschen die Waffen abzunehmen, habe er etwa 169 Soldaten zusam- mengerufen und habe einen Wachtdienst für das Gebäude selb st organisiert. Verschiedentlich sei tele- phänisch töilfe erbeten worden, weil in der Stadt geplündert wurde. Er habe sich deshalb mit dem Reichstag in Verbindung gesetzt und den Bescheid erhalten, dass ein Mitglied der Regierung nach dem Polizeipräsidium kommen und das nötige anordnen würde. Da aber inzwischen die ÄiIieri"V f;c6 häuften babe er nach Rücksprache mit seinen Kameraden beschlossen, den Wachtdienst auf die Strasse auszudehnen. Präsident Eichhorn sei nicht zu , sprechen gewesen und habe vorläufig für die öffentliche Sicherheit auch nichts veranlasst. Am 11. November seien die damaligen Mitglieder des Vullzugsrats, S t r o b e l und Bergmann, ins Präsidium gekommen und Kütten mit ihm und mehreren Kaineraden beraten, wie der Sicherheitsdienst zu organi- sieren sei. Ein von ihm entworfener Plan sei angenommen und er fei von Eichhorn beauftragt worden, diesen Sicherheitsdienst zu »rganificren. Am 12. November babe Eichhorn ihn E b e r t vorge- stellt und dieser ihn mit der Bildung einer militari- schen Sicherheitswehr in Stärke von 3606 Mann beauf- tragt. Er formiert« dann IS Kompagnien aus den sich freiwillig meldenden Soldaten und sei von den Truppen einstimmigzum Leiter gewählt worden. Da die Mannschaften aus Auszahlung ihrer Löhnung drängten und den einzelnen Kompagnien nicht Zeit liehen, ibre Listen aufzustellen, habe er am 16. November jedem Mann 36 M. Vorchuss gezahlt, wobei er vom gesamten Soldatenrat unterstützt und kontrolliert worden sei. Diejenigen, die am 16. November auf Wache waren, hätten ihr Geld am 17. und 18. erhalten. Einige Tage später habe ihm Eichhorn eröffnet, dass zur Koutrolle der einzelnen Reviere in fedem Revier ein Ber- trauensmann der Ungbhängigea Partei bestellt sei. die von ihrem Obmann Braun geführt würden. Eichhorn habe gleichzeitig gewünscht, dass unter den Leuten des Sicherheitsdienstes für die U-S. P. Pro« . paganda gemacht würde. die Ernährung im besetzten Gebiet. Man schreibt uns vom Rhein: Im Innern Deutschlands begegnet man beinahe überall der irrigen Auffassung, in den von der Entente besetzten rheinischen Gebieten sei eö mit der Lebensmittelnot zu Ende, die Rationierung sei aufgehoben und die Preise seien stark gesunken. In Wirklich- keit ist die Lebensmittelnot im Westen mindestens so gross wie im übrigen Deutschland. Die K a r t o f s e l r a t i o n ist in den grösse- rcn Städten auf 2 bis 4 Pfund die Woche herabgesetzt. In einigen Wochen ist man mit den Kartoffeln ganz zu Ende. Die Herstellung von Brot ist nur noch für wenige Wochen gesichert. Die von Berlin aus verfügte Erhöhung der Aleischration konnte aus Mangel an Schlachttieren nicht durchgeführt werden. Milch gibt es bei- spielsweise in Köln nur noch für Kinder bis zu zwei Jahren. Die ungeheure Sterblichkeit an Tuberkulose ist noch gewachsen. Trotzdem berichten manche Ententejournalisten märchenhaste Tinge über die Ernährung in den besetzten Gebieten an ihre Heimatblätter. Die Herren schliessen von der zu enormen Preisen noch leidlichen Hotel- Verpflegung auf die Lebenslage der Massen. In der Arbeiterschaft ist gegen diese irreführende gefährliche Berichterstattung eine Protest- bewegung im Gange. � Was die Ententesoldatcn umer der Hand an die Bevölkerung, und zwar zu sehr hohen Preisen, verkaufen, kommt für die Gesamt- ernährung nicht In Betracht. Ausserdem sind diese geringen Lebens- mittclvcrkäuf: für Soldaten und Zivilisten mit hohen Strafen bedroht. Das von den Städtern früher zum Ausgleich beliebte„Ham- stern' ist so gut wie unmöglich, weil Reisepässe nur schwer zu er- halten sind. So erwartet man denn gerade im besetzten Gebiet mit Sehnsucht Lebensmittel von der Entente. . Außerordentlicher Parteitag der U. S. P. D. Tie.Freiheit' veröffentlitch eine Einladung, wonach btr ausserordentliche Parteitag der U. S. P. D. nunmehr am Sonntag, den 2. März. mittags 2 Uhr. im Sitzungssaal deS Herrenhauses stattfindet. Die Tagesordnung enthält die Punkte: 1. Die Aufgaben der Partei. fResevent Hugo Haase.) 2. Die internationale Konferenz in Bern. fReftrent Kurt E i S n e r.) 3. Geschäftsbericht der Zcn- tralleitung.(Referentin Luise Z i e tz.) 4. Bericht der Kontroll- kommission.(Referent Wilh. B o ck.) S. Di« Organisation der Partei.(Referent Wilh. D i t t m a n n.) 6. Wahl der zentralen Parteiinstanzen. Gewerffchajisbewegung Ter Streik iu de« Waceu- und Kaufhäusern. Heute mittag fand im Lustgarten wieder eine von vielen Tau- senden besuchte Versammlung der Streikenden statt. Dies habe aber gegen die von der Regierung genehmigten Grundsätze verstoßen, und so habe er sich dem widersetzt. Bon diesem Tage an sei er von Eichhorn unfreundlich behandelt worden, allerlei Verleumdungen wurden über ihn ausgesprengt, und Ende November sei er plötzlich von Eichhorn verhaftet worden unter der Behauptung, dass er bei der Vorschußzahlung 36 660 M. unterschlagen habe. Da sich dies sofort als unwahr herausgestellt habe, fei er am nach st en Tage wieder aus der Haft entlassen und dann durch einstimmigen Beschlutz der Vertrauensmänner wieder zum Leiter bestellt worden. Er habe immer den Standpunkt vertreten. daß der Sicherheitsdienst keine politische Truppe sein dürfe, son- dern nur zur Aufrechterhalinng von Ruhe und Ordnung bestimmt sei. Von dieser Zeit an habe er fortwährenö Streit mit Eichhorn gehabt und sich dessen Unwillen und Haß zugezogen. Vom 9. November bis Anfang Dezember sei er von Eichhorn fünfmal verhastet worden. Die Konflikte seien immer stärker geworden; es kam wiederholt zur Auslösung des Sicherheitsdienstes, aber dann wieder zu seiner Neueinsetzung als Leiter auf Grund der Beschlüsse der Mann- schaften. Es seien wiederholt Klagen über Eichhorn laut geworden, ebenso über den von Eichborn ein- gesetzten Leiter der Beschlagnahme-Abteilung Grün, dem man grosse Schiebungen mit Lebensmitteln nachsagte. Eichhorn bestand immer darauf, daß anstelle der Tichrrheits- Mannschaften die Arbeiter bewaffnet werden mühten. Die Revolution müsse auf alle Fälle gesichert und die Wahlen zur Nationalversammlung verhindert werden. Dazu brauche man Leute, die schon jahrelang in der Bewegung stehen. In einer Unterredimg mit Eichhorn habe er oiescm gesagt, dass er Beweise dafür habe, daß er die Regierung stürzen wolle, und dass er beabsichtige, da« gesamte Material der Regierung zu übergebe m Bei einer anderen Gelegenheit habe ihm der Volksbeauftragte Barth gesagt, er solle die Finger vom Sicherheitsdienst lassen, denn die Regierung habe die Bewaffnung der Arbeiter angeordnet, denn es fei eine zweite Revolution»numgänglich notwendig. Nachdem mehrere Haftbefehle gegen ihn wieder aufgehoben worden waren, habe er die ganze Sache mit dem Sicherheitsdienst dick gebabt, zumal er sich immer wieder gegen neue Verleumdungen wehren mußte. Er habe deshalb Berlin gänzlich verlassen wollen, nachdem der Kommandant des Dienstes Vetter ihm sein Ehren- wort gegeben habe, dass er nicht verhaftet werden würde. Als er dann aufs Polizeipräsidium gekommen, um sich einen Urlaubsschein zu besorgen, habe ihn derselbe Vetter für verhaftet erklärt, „weil er die Mannschaften des Sicherheitsdienstes aujzuwiegenl versuche". Er sei dann zu Eichhorn gegangen und habe sich, um sich vor Ueberrumpelungen zu schützen, den Revolver in die Hosentasche gesteckt. Eichhorn habe denn den Haftbefehl wieder aufgehoben Als er das Polizeipräsidium verlassen wollte, habe er von einigen Kameraden des Sicherheitsdienstes gehört, daß der Zugführer Boß es fei, der alle Verleumdungen über ihn verbreite. In grosser nervöser Aufregung habe er dann Voss gesucht, und als er ihn zufällig im Vorzimmer der Leitung gesehen, habe er ihn aufgefordert, heraus- zukommen, um eine'Rücksprache mit ihm zu halten. Da Voss es ablehnte, habe er ihn am Handgelenk ge- vackt und herauszuziehen versucht� er sträubte sich aber und da habe er seinen, übrigens ge- sicherten Revolver aus der Tasche gezogen und damit gedroht--Auf die Hilferufe des Boss feien einige seiner Kameraden auf ihn loSgefprungen, es fei zu einer Katzbalgerei gekommen und bei dieser habe sich die Waffe entladen und ein Schuß sei in die Decke gegangen.— Der Angeklagte bestritt entschieden, die Absicht gehabt zu haben, den Voss niederzuschießen, er habe ihn eventl. nur verprügeln wollen. Der Referent Felix teilte mit, dass auf Veranlassung der Unter- nehmer heute abend eine Sitzung bei-m Demobil- machungSkommissar stattfindet. Dort soll die Frage be- handelt werden, ob der Zentralverband mit dem als gelb bezeichneten Gewerkschaftsbund gemein- >am verhandeln soll. Auch die Berliner GeWerk» schaftökommission beschäftigt sich mit dieser Frage. Ihre Sitzung war, als der Referent diese Mitteilungen machte, noch nicht zu Ende. Er hält es jedoch für sicher, dass es dem Zentralverband nicht zugemutet wird, mit gelben GeWerk- schaften zu verhandeln. Bon den Organisationen, die dem Ge- werkschaftSbund der kaufmännischen Angestellten angeschlossen sind. könne nur eine in Frage kommen, die nicht als gelb zu bezeichnen sei. Ter Zentralverband der Handlungsgehilfen wird unter keinen Umständen mit gelben Gewerkschaften verhandeln. Die Arbeitgeber versuchen vergeblich, Streikbrecher zu bekommen. Andererseits hat sich die Zahl der Firmen, welche die Forderungen anerkannten, vermehrt. Ferner sagte der Referent, die Unternehmer haben bei diesem Streik bewiesen, dass sie kein Verständnis für die In- teressen der Angestelltenschast haben. Tie meisten ihrer Be- triebe seien reif für die S o z i a l i s i e r u n g, sie mutzten deshalb sozialisiert werden. 25000 kauf- männische Angestellte sind in den grossen Kaufhäusern Gross-Berlin beschäftigt. Nur in sozialisierten Betrieben, wo sie ein Mitbestim- mungSrecht haben, können ihre Verhältnisse durchgreifend gebessert werden. Die Versammelten geloben aufs neue, int Streik aus- zuhalten, bis ein befriedigendes Resultat erreicht ist. Die Bersicherungsangestellten für Streikbcendigung. Heerte vormittag 10 Uhr versammelten sich 6000 strsikeiide Versicher ungSan gestellte im Lustgarten. Genosse Schmidt vom Zentralverband der Ha nd lu ng sgehU fen gab den Schiedsspruch deS EinigemgsamteS bekannt. Er betonte, dass zwar die Forderungen der Angestellten nicht in der Form, wie sie gestellt' worden sind, durch den Schiedsspruch bewilligt seien, dass jedoch der Schiedsspruch die Angestellten zufriedenstellen kann. Er empfahl iirfolgeocssen die Amiahme durch die Streikenden, wies aber darauf bin, daß die Arbeitgeber ihrerseits erst heute nachmittag 3 Uhr zuirn Schiedsspruch Stellung nehmen werden und dass eine Wiederaufnahme der Arbeit erst nach einer Anerkennung von seitvn der Arbeitgeber er- folgen dürste. Er machte die Versammelten darauf aufmerksam, daß die Parole zur Wiederaufnahme der Arbeit in der nächste« Morgen- nummer des„Vorwärts" erscheinen würde. Sollten die Arbeit- geber den Schiedsspruch nicht anerkennen, so müßte der Streik weiter andauern. Es wurde über di« Annahme des Schiedsspruchs abgestimmt und stimmte die übergroße Mehrzahl der Anwesenden für sein« Annahme. Nur ungefähr 30 Personen stimmten dagegen. ES hängt als» nuumehr lediglich von den Arbeitgebern ab, ob der Streik weiter andauern wird. Sollten diese so hartnäckig sein und sich dem Schiedsspruch widersetzen, so find die Folgen dieser Handlung auf keinen Fall auf das Konto der Angestellten zu setzen. GroßSerlin Gebt mehr Milch für die Kinder. Die Fetistelle Gross-Berlin hat an den Staatssekretär des Reichsernährungsamts wegen d«S starken Rückganges der Milch- zufuhr ein Schreiben gerichtet, worin sie Massnahmen fordert, um dem wetteren Sinken der Belieferung besonders der fünf- und sechsjährigen Kinder mit Frischmilch vorzu- beugen. Kohlenmangel und Stockungen im Eifenbahndienst reichen nicht aus, um den erschreckenden Rückgang zu erklären. Die Voll- milchlieferung nach Berlin ist seit dem August 1916 von 469 000 Liter auf 180 000 Liter täglich gesunken. Noch vor einem Jahre betrug sie 275 000 Liter täglich. Der Rückgang allein� seit Mitte Januar beläuft sich aus 20 000 Liter täglich. Tie Fettstelle Gross-Berlin hat bereits selbst mit lebhafter Weobetätigkoft ein- gegriffen, um neu« Milchguellen zu erschliessen. Die Reu- erwerbungen an Milchlieserungen belaufen sich auch immerhin aus 40 000 Liter am Tage. Ohne das selbsttätige Ein- greifen der Fettstelle wären der Grotz-Berliner Milchversorgung daher grosse Mengen ent- gangen. Die sinkende Kurve der Milchlieferung läßt ein immer bedrohlicher werdendes Nachlassen, wenn nicht gar Versagen� der Milchlieferung befürchten. Durchgreifende Massnahmen müsset: erfolgen, wenn die ordnungsmässige Milchvcrsorgung Groß-Berlins überhaupt nicht zusammenbrechen soll. Stellenlose Angestellte sämtlicher technischen Berufe. Kollegen l Donnerstag, 2 Uhr, grosse Versammlung aller stellenlosen Kollegen in der Aula der Friedrich-Werderschen O Herrealschule, Niederwall. stratze 12. Der Ausschutz wird über die bisherigen Verhandlungen mit den Behörden Bericht erstahen. Bringt Blaterial zur Ver- Wertung bei Eingaben mit. Nur schriftliche Angaben können ver- wertet werden. Laszt die Oefen reparieren. Aus Mangel au' Arbeitskräftsn und Baustoffen und auch wegen der steigenden Teuerung auf wirtschaftlichem Gebiete sind die Ausbesserungen der Feuerungsanlagen in Wohnhäusern ent- weder mangelhaft oder gar nicht ausgeführt worden. � Zahlreiche Oefen und Kochmaschinen sind baufällig. Hieraus ergibt sich ein Verbrauch grosser Brennstoffmengeii, mit denen aber äusserst spar- sam umgegangen werden soll. Ausserdem entsteht vielfach erhebliche FeuerSgcsahr. AesonoerL aber geht die durch den Brand er- zeugte Wärme zum grossen Teil wirkungslos durch die Schornsteina ab. OrdnungSmähiger Zustand der Heiz- und Kochöfon ist mehr wie je nötig. Dia Hauseigentümer sollten daher verpflichtet wer- den. sämtliche Feuerstätten auf ihren Grundstücken sovgfältig nach- sehen und nötigenfalls ausbessern zu lassen. Dadurch w'.rd� nicht nur an Brennstoffen gespart, sondern auch vermieden, daß die Feuerungsanlagen ftüber als nötig umgesetzt oder neu hergestellt werden müssen. Nachdem jetzt der frühere Mangel an Arbeitskräften behoben ist, kann nirr dringend empfohlen werden, alle bis- her unterbliebenen Töpferarbeiten schlsunigst nachholen zu lassen. BetricbS-Arbeiterräte! BetriebS-Arbeiterriite, die auf dem Boden der T. P. D. stehe», werden gebeten, am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, im SitzungS- faal deS Herrenhauses zu erscheinen. Organisationsausweis und Legitimation sind mitzubringen. Zu dem Raubmord in der Friedrichstrahe wird mitgeteilt: In den letzten Tagen stand Frau G. nach ihren Aeutzerungen wieder vor einem grossen Abschluß. In Verbindung damit erzählte sie. dass sie Ende der Woche verreisen müsse. Am Sonntag war sie noch in ihrem Laden. Erst am Sonntag, nicht schon am Sonnabend, wurde das Verbrechen verübt. TaS Geld zu dem neuen Handel, rund 80 000 M., hob die GeschäitSinhaberin am Sonnabend von einer Bank ab. Ob diese Summe geraubt worden ist, steht aber deshalb noch nicht fest. Es ist immerhin möglich, dass die Ermordete, weil die Reise und der Geschäftsabschluß sich hinauszogen, das Geld doch noch irgendwo anders niedergelegt hat. Nach Bekundung d?r Schwester aber hatte die Ermordete, von dieser grossen Summe abgesehen, ausserdem noch rund 6000 M. bei sich. Diese fehlen. Zwei Portemonnaies, die man in ihrer Handtasche fand, waren leer. Ein aufregender Borfall spielte sich gestern abend um 6 Uhr an der Liechtsnsteinbrücke ab. Dort sprang eine unbekannte Frau vor den Augen der Stratzengänger in den Landwehrkanal, ging sofort unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Man bemühte sich um ihre Rettung, alle Versuche blieben jedoch erfolglos. Die Leiche ist noch nicht geborgen. Tie Unbekannte hinterließ am Ufer ein schwarzes Samtjackett, eine braune Federboa. einen grauen Filz- Hut mit schwarzem Schleier, einen seidenen Handbeutel mit einem A. M. gezeichneten Taschentuch uud ein Paar Lederhausschuhe. Die Firma Jordan, M a r! a r a f e n st r a ß«, hat die Forberung ber Angellellien bewilligt und den Schiedsspruch«nertantit. TaS Geschäft st daher geöffnet.__ Grosi-Berliner Lebensmittel. Tegel. In den K l e i n d a n d e l S g e Ich ä s t« n aus Abichuitt 100 3 Suppcnwürsel a tv Ps. auf Abschnitt 104 500 Gramm Marmelade(1 M.. In der Gemeindevertaussstelle aus Rdscknilt L2 Sonderlebens- miltelkarte für Kinder bis zu 2 Jahren und aus Abschnitt 17 für allere Einwobner über 70 Jahre 250 Gramm Haferslocken(88 Ps). Kinder und ältere Einwohner erhalten die Ware am Mittwoch. Groß-Serliner parteinachrichten. Parteiversammlunge«. Mittwoch: Achtung, 28. Abteilung! Die Versammlung findet nicht heut« abend, sondern morgen Mittwoch in der Turnhalle Oderberger Strasse 57/SS statt. Treptow Vaumschulenweg. Don 4>/, Uhr an Flugblattverbreitung von folgenden Lokalen: OrtSteil Treptow: ö. Bez. Hugo Meyer. Park-, Ecke Puderstrage: S. Bez.: Hundert mark. Ellen- strafte 110; 8, Bez.: Horn. Kiesbolzktr. 13! 9. Bez.: Lieb«. Boucka- strasse 73, Ecke Graeystrasse: 10. Bez.: Banse, Kiesholz-, Eck« KrullS. itrasse; 11. u. 12. Bez.: Eberl, Graetzstr. 1.— OrtSteilBauvr. ichulenweg: 1. u. 2. Bez.: Erbe, Baumschulenftr. 14: 2.«. 4.Bez.: Haß, Baumschulenftr. 72. NenkoU». Heute 6'/, Uhr: Flugblattverbreitung. Niederschänhause». Heute nalbmittog von 4 Uhr an Flugblatt- Verbreitung vom Lokal Greth, Linden-, Ecke Btsmarckstrasse auS. Weistensec. Mitgliederversammlung in der.Alpemose', Berliner Allee 00. FriedrichSstagen. Mitglieder der koziakdemokratischeil MebrheitSvartei! In der.Niederb. Ztg.' vom Montag erschie» von seilen der U. S. P. D. ein Aufruf zu einer gemeinsamen Vers omni- luug. Dei selbe ist ohne uicker Dissen ergongen. Wir begrüßen jeden ehr- lichen Versuch zu einer Einigung und haben selber erst vor kurzem ein Zusammengehe« bei der Kvmmunalwahl angeboten. Dieses Angebot wurde aber schroff avgetehnt wie olle srüber von uns angebotenen EinigungS- veriuchc. Die von der U. S. P. D. für beute angesetzte Versammlung tan» bei dieser Sachlage nur als ein Manöver betrachtet werden, um die Spul- tung noch mebr zu vertiefen. Wir iöimen deshalb unseren Mitglieder» de» Besuch dicier Versammlung»ich: empseblen. Der Borsiand. — Mittwoch 71/, Übt GesellichostSbouS(Passow), Friedrichs». 03. Beamtcnveriammlung, in der Genosse L ü d e m a nn über„Beamtenschast und Sozialdemoiralie" spricht._ Gemeiudewahlversammlunge«. Staaken. 7 Uhr bei Dols, Spandauer Strasse. Rescrentin: Genossin Matschte. Derantworttich für Politik«rtnr gialee, ahoelotieaburg, für den übrigen Teil de» i-latui. auittB eo-oi», Neukölln: tür Lnzeigen Tb codor Glocke, Berlin. Verlag: DorwäriS-Verlag G. m b. Berlin. Druck. SorwLrlS.?uck>brucker«i und Lylogtanstall Paul Sinzer u. To. w Berlin. Lwdenstrab« 3. 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