Ur. SS. 36.1*6. Bezugspreis: Lierteljährl. 6�75 monaü.�SK DU. sreiinS Haus. vorauSjahwar. einzeln» Kümmern lv«fenmg. Poilbezug: W-naU.ch 126 2RL. exll. Zuitelwng». gebiihr. llmer Kren, band für Deutsch- «nd u. Oestcrreich-Ungarn S.SV Mt. für das übrige Ausland 9.60 Mi> bei täglich einmaliger Zustellung 7.60 Ml. Postbeilellungen nehmen an Däne- mar». Holland. Luremburg. Schweden und die Schweiz Eingetragen in die Posl-Ze»rungS- Preisliste. Der.Sorwärts' erscheiM wochemägNch zweimal. Sonmagr einmal. Telegramm-ildresie: .Sozialdemokrat Berltu", Abend-Attsgube. Vevlinev Volksblskt. ( 10 Pfennig) Auzeigenprets: Die achtgespallene lllonparelllezeU« kostet 60 Bfg..Meine Anzeigen-, da« lettgedruckte fflon»0 Pfg.(zulässig 3 lettgedruckte Sorte), iedeS weitere Wort 20 Psg. Stellengesuche und Schlafstellen anzeigen das erste Wort S0 Pfg.. iedeS weitere Wort 16 Pfg. Worte über 16 Buchslaben zählen für zwei Worte. TeuerungSzuschlag 70°/» gamillen-ilnzeigen, volitische und gewertschaMiche LereinS- Anzeige» so Psg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Kummer müssen bis S Uhr nachmittags im Hauptgelchäst. Berlin SW.SS. lündenstratze 3. abzcgeben «erden, SeSssnet von S Uhr früh bis S Uhr abends. Tentralorgan äer fo�ialäemokrati fcken Partei Veuttcklanäs. Neüaktion unü Expedition: SV). öS, Linöenstr.?. Fernsprecher: Amt Mortvplatz. Nr. I.SlS0— tSRS?. Mittwoch, den 19. Fehruar 1919. Vonvärts-Verlag G.m.b. y., SW. öS, Linöenstr. Z. Fernsprecher: Amt Morttzplak, Rr. 117 63— S4. Herabsetzung der deutschen Militärmacht. Haag, 19. Februar.(Hollandsch Nicuwsbureau.) AuS Paris wird gemeldet: Die Waffenstillstandskommission hat heute im Bureau lion Marschall Foch eine Beratung ab- gehalten. Aus der Tagesordnung stand die Herabsetzung der deutschen Militärmacht. Man wünschte eine allgemeine Feststellung bezüglich der Heeresstärke für ganz Europa. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages sollen alle alliierten Heere allmählich auf die festgesetzte Basis herabgesetzt werden. Von feiten Teutschlands muß dies jedoch zuerst ge- schehen. Gleichzeitig mit der Herabsetzung der HeercSstärke muß die deutsche Erzeugung an Artillerie, Mu- nition und anderem Kriegsmaterial redu- ziert werden, so daß bestimmte Teile der Wafscnindustrie in Deutschland ausgeschaltet sind. Die Alliierten wünschen weiter gewisse deutsche Provinzen zu demilitarisieren. DaS bedeutet, daß es Deutschland verboten sein wird, dort Trup- Pen beizubehalten. Diese Anordnung wird besonders für das linke Rheinufcr zutreffen. Man erwarte, daß die Vorschläge der Waffenstillstandskommission anfangs nächster Woche fest- f esetzt werden, so daß sie Teutschland unterbreitet werden ö onnen. verzweifelte Lage in Petersburg. Das Volk sehnt sich nach einer Intervention. London, 18. Fsbruar. Reuter gibt über die Lage m Ruh- land noch EinzeTheitm beicmirt: Di-e Lage der Arbeiter ist unter der bolschewistischen Regierung verzweifelt, und die Er- nährungsfrage in Petersburg gestaltet sich immer schwieriger. Die gegenwärtige BcvSlkerung zählt wenig über 500 000 Köpfe. Di« Bolschewisten können sich nicht aus Unterstützung irgendeiner Klasse verlassen, wenn eine Intervention einsetzen würde, die eine Verbesserung der VerpslegungSverhältnisse zum Ziele hätte. ES ist bei den Arbeitern kein revolutionäres Ge- fühl mehr vorhanden, das von den Bolschewisten gegen die Alliierten ausgenützt werden könnte. Die Bolschewisten selbst können nicht dauernd die Macht behalten und die Aussichten sind so, daß sich das Volk nach einer Jelt e rv e n t io n der Alliierten s« h n t, als dem einzigen Ausweg aus den augenblicklichen Schivie- rigkeiten. Amsterdam, 18. Febrnar. Der„Times" wird aus HessingforS gemeldet, daß T r o tz k i Befehl gegeben hat, dah das bolschewistische Heer in Estland und Livland auf der ganzen Linie Narwa— Pskow — Wolmar zum Angriff übergeht. Dieses Heer verfügt über 40 000 Mannschaften, mehr als 100 Geschütze und mehrere Panzerzüge und Flugzeuge. Der Angriffsbefehl war daS Ergebnis eines An- träges, der am vorigen Mittwoch auf einer geheimen Versamm- lung des Sowjet in Petersburg angenommen wurde. Trotzki hatte erklärt, daß die Besetzung Petersburgs durch die Weiße Garde das Ende der bolschewistischen Re- volution bedeuten würde. Der Kampf, der am Sonn- abend auf der ganzen Front sehr hartnäckig geführt wurde, dauert an. Auf beiden Seiten sind die Verluste schwer. vie internationalen Irauen gegen öen f)iingerkrieg. Bern, 18. Februar. Die Internationale Frauenkonferenz in Bern sandte an die Pariser Konferenz die telegraphische Bitte, die Blockade so- fort aufheben zri lassen, weil die Fortdauer des gegenwärtigen Znstandes Anarchie erzeuge und den Grund- sätzen von Freiheit und Frieden widerspreche, für die der Krieg, wie überall erklärt worden sei, geführt wurde. Haag, 18. Februar. Eine Versammlung des � n t e r n a t i o- nalen Frauenbundes in Westminster nahm laut „Manchester Guardian" folgende Entschließung an: Ter Völkerbund Wilsons kann nicht auf einem Kontinent ein- gerichtet werden, der Qualen der Entbehrungen leidet. Wir verlangen daher aufs Eindringlichste, daß die Blockade so- fort gemildert und allen notleidenden Völkern Europa? auf jede mögliche Weise geholfen wird, um ihr normales Leben wieder aufzunehmen. Die polen stellen üie Kämpfe nicht ein. Hinterhältige Artillcrieangriffe. Bromberg, 19. Februar. Trotz der völligen Einstel- lung der Feindseligkeiten unsererseits haben die Polen im Lauf« des gestrigen Tages an verfchiodenen Stellen de» Alöschnittes in hinterhältiger Weise unsere Linien mit Jntanleri«. und Artilleriefeuer belegt. Auch die Stadt Rakel wurde von gegnerischer Artillerie beschossen. Virtschastsverhanülungen mit öer Entente. Berlin, 19. Februar. Die drei a l l i e r t e n Unterkam- Missionen für dir Schiffahrts-', Lebensmittel- und Fiuanzfragen werden, wie die Gegner am 18. Februar in Spaa mitteilten, wahrscheinlich am 21. Februar dort eintreffen.' Dir drei deutschen Kommissionen, die über die obengenannten Fro- gen verhandeln sollen, werden infolge des Zusammenhangs der drei zu treffenden Abkommen gleichzeitig und an demselben Orte zu- sammentrcten müssen. Die Zahl der deutschen Delegierten, unter denen sich Vertreter fast aller Interessentenkreise befinden, wiritz mehr als 60 betragen. Dazu kommen noch die Sachverständigen für die Ausfuhrartikel, die Teutschland zu Berkauf anbietet. Da außerordentlich schwierig sein wird, diese große Zahl von Tele- gierten in Spaa unterzubringen, hat die deutsche Waffenstillstand?» kommisfion vorgeschlagen, die Kommissionen für das SchiffahrtS- abkommen und daS Finanzabkommen an einem anderen, auch für die gegnerischen Vertreter geeignet liegenden O r t'e, eventuell im neutralen Ausland tagen zu lassen? Um die Einheitlichkeit in der Arbeit der Kommissionen sicherzustellen, sind die drei deutschen Kommissionen unter einem Borsitzenden, und zwar unter Dr. M e l'ch i o r, Prokurist der Firma Warburg in Hamburg, der- einigt worden. Di« deutsche Kommission hat bei de» Alliierten angeregt, auch den Borsitz in ihren Kommissionen ein und derselben Persönlichkeit zu übertrage». Dir Antwort des Brrbandrs auf die deutscheu Borschläge steht noch auS. Hmüenburg unö Scheiüemann. Der Hasardeur Ludendorff. Da in der Presse mchrfach die Veröffentlichung des Briefes des Generalseldmarschalls v. Hindenburg an den 1 Reichsministerpräsidenten Scheidemann gewünscht wurde, er- folgt sie hier zugleich mit dem Antwortschreiben Scheide- manns: « Großes Hauptquartier, den 16. Februar 1919. Euer Exzellenz haben in der Sitzung der Nationalversammlung den General Ludendorff als„Hazardeur" bezeichnet. Mich und vielen an- deren, die dem General Ludendorff treu ergeben sind, hat dieses Wort— von verantwortlicher höchster Reichsstell« gesprochen— sehr verletzt. General Ludendorff ist ein glühender Pa- triot und hat nur das beste für das deutsche Volk in seiner kraft- vollen Art erstrebt. Das gewissenlose oder leichtfertige Wesen eineS HazavdeurS lieyt ihm ganz fern«. Ich kann nicht an- nehmen, daß Euer Exzellenz meinem treuen Mitarbeiter in schwerer Kriegszeit, für dessen Tun ich mitverantwortlich war, das reine und ernste Wirken für des Vaterlandes Wohl ab- sprechen wollen. Mit der Versicherung meiner Hochachtung habe Ich die Ehre zu sein Euer Exzellenz ergebener Generalfeldmarschall v. Hindenburg. Darauf anttvortete Scheidemann: Zurzeit Weimar, den 19. Februar 1919. Euer Exzellenz darf ich mein Bedauern darüber aussprechen, daß meine Aeuße- rung über den General Ludendorff Euer Exzellenz verletzt hat. In der Sache selb st, kann ich aber von meinem Wort« nicht abgehen. Hazardeur nenne ich einen Mann, der alles auf«ine Karte setzt, ohne die Folgen zu be- denken, die ein Versagen dieser Karte nach sich zieht. Daß der General Ludendorff in dieser Weise gehandelt lMt, davon habe ich mich als Parlamentarier und erst recht als Mitglied des Kabinetts des Prinzen Max überzeugen können. Ich durfte auch um so mehr von einem„genialen Hazardeur"' sprechen, als General Ludendorff, wie aktenmäßig feststeht, am 1. Oktober 1918 selbst arklärt hat:„Ich komme mir bor wie ein Ha- zardspieler." Ich bleibe mit der Versicherung meiner Hochachtung Euer Exzellenz ganz ergebener Philipp Schcidemann." Finanzielle Ansprüche eines ehemaligen Großherzogs. Man schreibt uns au« Oldenburg: Der in den Revolutionstagen ent- lhronte Grotzherzog Friedrich Aug» st von Olden- bürg hat jetzt der oldenburgischen Volksvertrelung gegenüber finanzielle Ansprüche stellt. Der durch den Geheimen KabineltSrat de? Fürsten vorgelegte Antrag fordert eint j ä b r- liche Rente von 150 Tausend Mark für die großherzog- licke Familie, zahlbar für eine Dauer von fünfzig Fahren. In dem Antrage wird die Vermögenslage des GroßberzogS eine„erbärmliche" genannt. Dabei besitzt der Herr ein B e r« mögen von mehreren Millionen. Die Angelegenheit wird den neuen Landtag beschäftigen. Die sozialdemokratische raltion ist entschlossen, die gänzlich unberechtigten niprüche abzulehnen. sHöchsten« dürfte man ihnen— die staatliche Arbeitslosenunterstützung gewähren. Red. d. Sozialdemokratie, Gemeinde� arbeitet und Gemeindebeamte. Von Emil Dittmer. Berlin muß ein soziales Gemeinwesen werden! Das ist die entscheidende Frage, vor das die Wähler am 23. Februar gestellt sind. Bis zu den Tagen der Revolution konnte sich die Stadt- Verwaltung noch immer nicht entschließen, auf denr Wege geordneter tariflicher Vertragsabschlüsse die An- stellungs- und Arbeitsverhältnisse zu regeln. Wohl wurde „inoffiziell" mit den Organisationsvertretern seit Jahren in Einzelfällen verhandelt, zu einer rechtlichen Anerkennung konnte man sich jedoch nicht aufschwingen I Vielleicht hätte der Berliner Magistrat schon eher den seit Jahren an ihn gestellten Forderungen nachgegeben, wenn— nicht die bürgerlichen Parteien peinlichst darüber gewacht hätten, daß nur ja kein„böses Beispiel" für die Privat- industrie geschaffen werde, obwohl doch gerade in Bertin der Sitz der meisten großen Tarifbehörden(Buchdrucker, Holz- arbeiter usw.) ist. Aehnlich lagen die Verhältnisse bezüglich der gesamten sozialen Bedingungen für die Angestellten und Arbeiter. Iah und andauernd mußten die gewerkschaftlichen Organi- sationen jahrelang darum kämpfen, auch nur ein kleines über den Marktwert der Ware Arbeitskraft hinauszukommen. Hinweise auf die leichte Ersetzbarkeit des einzelnen waren bis zum Kriegsausbruch nur zuoft beliebt und mancher über- eifrige Vorgesetzte, der sehr wohl wußte, was man weiter oben gern sah, bewies eine so unsoziale Gesinnung, wie es sonst nur in den östlichen Gefilden Deutschlands üblich war. Gewiß hat die erste Phase der Revolution bereits mit manchem aufgeräumt, das ehedem so echt„fortschrittlich" an- mutete. Aber nun soll neu aufgebaut werden I Da bekommt es mancher Gemeindeangestellte und Beamte mit der Angst zu tun und er läßt sich von den bürgerlichen Wahl- flugblättern irreführen, die ihm erzählen, die Sozialisten wollen„laut Erfurter Programm die Pensionen und Ruhe- gehälter abschaffen und alle Beamten jeweils neu wählen". Die Neuwahl der Behörden, also der höchsten verantwortlichen Stellen(in den Gemeinden die Bürger- meister) wird dreist in eine„Neuwahl der Beamten" um- gefälscht. Dagegen haben zwar wieberholt die früheren Volks- beauftragten E b e r t und H a a s e sich ausgesprochen, aber bei jeder Wahl taucht der gleiche Schwindel wieder auf und es gibt unter den Gemeindebeamten auch immer wieder solche, die darauf hineinfallen. Der Sozialismus will gerade für alle Staatsbürger eine größere Sicherung ihres Arbeitsverhältnisses. Umfangreiche Kommunalisierung vieler privatwirtschaftlicher Betriebe soll den Arbeitern und Beaniten ein stabileres, dauerndes Arbeitsverhältnis gewährleisten. Die pedantische Unterscheidung der Beamtenklassen nach dem bisherigen Protektions- und Prüfungs- s y st e m wollen wir allerdings nicht dauernd aufrechterhalten! Es muß auch den begabten„untere n" Beamten der Aufstieg ermöglicht werden. Die Fortbildung aller Ar- beiter und Beamten der Gemeinde muß durch planmäßigen Unterricht angestrebt werden. Damit wächst nicht nur das Interesse am Betriebe, sondern die Stadt gewinnt damit auch die geeigneten Kräfte für die verantwortlichen Stellen. Auf diesem Gebiete ist wohl bisher am meisten gesündigt worden und allein die Erleichterung des sozialen A u f st i e g s mußte jeden tieferdenkenden Gememdearbeiter und-beamten bestimnien, für die Sozialdemokratie bei den Wahlen einzutreten. Der Privilegienwirtschast sagt die Sozialdemokratie allerdings grimmige Fehde an und niemand kann sie dabei so sachdienlich beraten, als just die Gemeindeangestellten, denen so manches zu Ohren und vor Augen gekomnien ist, das ausgemerzt werden muß. Die bürgerliche Stadtverwaltung Berlins hat vieles mitverschuldet in früheren Jahren, was heute zu riefen- großen Kalamitäten geführt hat. Gewiß, der Ktieg tat ein übriges, um die Verkehrsnöte, die Wohnungs- misere und vieles andere so riesengroß werden zu lassen. Dennoch verbleibt ein redliches Schuldkonto bei den bürgerlichen Parteien, und nur zuoft waren die Gemeindearbeiter und-beamten diefentgen, die infolge der finanziellen Schwierig» ketten fortdauernd darunter zu leiden hatten. Wird der Sozialismus all diese Schäden schnell auS» merzen können? Werden die sozialisierten Gemeindebetriebe! ehr wahrhaftes Musterbeispiel sozialer Fürsorge und Zweckmäßigkeit sein? So schwer es gegenwärtig ist, ein scharf umrissenes Bild zu entwerfen von den Einzelheiten der Kommunalisierung, eins steht doch fest: Von den Gemeindsarbeitern und-beamten wird die frühere Zeit gewiß nicht wieder herbeigesehntl In dem Maße, als sich die gesamte deutsche Politik befestigt und sich nach innen wie außen wieder stärker zur Geltung bringt, wächst auch das Ansehen und die wirtschaftliche Kraft der Gemeinden. Berlin mit allen seinen Vororten bedarf dringend der durchgreifenden Umgestaltung im Sinne des Gemeinde- sozialismus. An allen Enden liegen die Dinge zum großen Teil dadurch im argen, weil keine Einheitlichkeit und soziale Großzügigkeit vorhanden ist. Die Ge- meindearbeiter und-beamten müssen bei den Wahlen die Vertreter der Sozialdemokratie bevorzugen gegenüber allen bürgerlichen Parteien, weil nur so ein lichter Weg aufwärts kührt aus dem wirtschaftlichen Chaos dieser trostlosen Ueber- gangswirtschast._ Eintreffen der ersten Lebensmitteltransport- öampfer in New Zork! Amsterdam, 18. Febiuar.(Telunion.) Nach einer Meldung au§ New Dort sind an, Sonnabend die ersten fünf deuifchen Lebens« mitleirranSportschiffe in Hobolen eingelaufen. Wie weiter mitgeteilt wird, soll ihre Befrachtung innerhalb aehn Tagen erfolgen. Angeblich soll der deutschen Schiffsbesatzung verboten worden sein, das Hafengebiet zu verlassen Churchill verlangt Abschaffung öer Dienst- Pflicht. Haag, 18. Februar. Hollandich NieuwSbureau meldet aus London: Winston C b u r ch i l l reicht im Unter Hause ein« Bor- läge ein, die die Wiedereinsührung des Frelwilltgen-HeereS verlangt._ Japanische Arbeiterführer in Parks. Genf, t8. Februar(Meldung der Telegraphen-Kompagnie) Wie Pariser Blätter berichten, ist der Führer der japanischen GewerkschafkSorganisationen. Szanuli, in der französischen Hauptstadt eingetroffen. Er hat mit Henderson und den anderen dort anwesenden Arbeiterführern Fühlung ge- nommen und erklärt, daß die japanische Arbeiterschaft gewillt ist, mit den Arbeitern Europas bei der iniernolionaien Regelung der Arbeiterfragen auf der Friedenskonferenz mitzuwirken. Der Spartakistenstrei? im Nuhrgebiet. Vergewaltigung der Bergleute. AuS Esten wirb über die Lage im Bergarbeitergebiet ge- meldet: Es tritt immer deutlicher zutage, daß die Berg- arbeiter von den Bestrebungen der Spartakisten und dem von ihnen geplanten Generalstreik nichts wissen wollen. Be- merkenswert sind in dieser Hinsicht die Vorgänge, die sich heute auf den Zechen..Prinzregent" und„Fulms Philipp" in Bochum abgespielt haben. Die Belegschaften waren heute morgen durch bewaffnete Spartakisten an der Einfahrt der- hindert worden. Darauf wurde eine Belegschaftsver- sammlung abgehalten, in der von der Belegschaft der Zeche �Prinzrsgent" 967Bergleute gegen und37 für und von der Zeche„Julius Philipp" 196 g« ge n und 4 für den Ausstand stimmten. Die Arbeft soll morgen wieder auf- genommen werden. Zwei der Hauptredner, von denen einer nicht zu der Belegschaft gehörte, sind von den erbosten Berg- leuten derart verhauen worden, daß sie im Bergmannsheil in Bochum untergebracht werden mußten. Sl.- und S.-Nats-Konfereuz.— Vorgehaltene Gewehre als Zwangsmittel. Essen, 18. Februar. Eine KonferenzderA.» und S.-RSte des 7. Armeekorps, an der auch Vertreter der politischen Parteien und Gowerffchaften teilnahmen, sollt« sich heute mit der Von öen Jungen unö öen Ilten. Von Ernst Friedrich. Wer trägt die Last unseres Zusammenbruchs? Sind e» die Jungen oder die Mten? v Man hat so viel während de? Kriege» davon gesprochen, wie- viel unsere Jugend entbehren müßte, unk» man ist zu leicht bereit. ihr auch jetzt wieder da« Höchstmaß an Opfern zuzusprechen, mit denen die unerhört« Niederlage da» deutsche Volk überschüttet hat. Ist dem in der Tat so? Göwiß: die Jugend hat llsbermenschlicheS geleistet. Sie hat im Kriege ihren„Mann" gestellt, hat kühn um ihr Leben gewürfelt, o!ls wenn eS nicht zu verspielen gswssen wäre. Aber hat sie darum die Hauptlast des Krieges getragen? Die Hauptlast des Krieges haben doch die Millionen erwachse- ner Männer— unsere Landfwrmmänner— getragen, die aus Beruf und aufftigendem Wirken herausgerissen und in die Ouä- lerei des FellstoldatentumS hineingezwungen wurden. Wieviel Bitterkeit«und persönliche Not haben sie heruntergeschluckt, wieviel unerträgliche Gedanken zogen sie heimwärts! Und doch haben sie am treuesten die Wacht gestanden am Grabe de» deutschen Frie- dens. Und doch stehen sie auch heute am treuesten die Wacht am Grave der deutschen Weltgeltung. Denn auch heute sind s»e wieder die Leidtragenden und müssen die Opferwilligen sein, die da» gange Ausmaß de» nationalen Unglück» aus ihre Schultern nehmen sollen. Wer ist heute dem unermeßlichen Geschehen gegenüber noch mtt der Kraft und dem Willen gewappnet, es in natürliche und geordnete Bahnen zu leiten» wenn eS nicht unsere Familienväter sind, die in des Volke» Trauer die eigene Trauer, in de» Volkes Not die eigene Not verspüren.„DaS Volk— das sind wir": wer könnte mit mehr Recht diesen Ausspruch tun als unsere Männer. Unsere Mten wedden älter und älter unter dem Grauenvollen dieser kürzesten Vergangenheit und ehesten Zukunft. Ihr Arm erlahmt, ihr Sinn steht still: sie sind nickst mehr fähig, ein« Bresche in den Panzer der tausend Nöte zu reißen, die uns schwer auf. liegen, bald wohl wie einem Toten feine Last Erde aufliegen mag. Unsere Alten und Leltesten sterben noch im Geist der hiugemorde- ten Epoche, von der sie ein Stück gewesen sind. Unsere Jungen und Jüngsten aber sind noch nicht reis genug. um ganz die Wucht des Heute und Morgen mit ihren Sinnen um- greisen und mit ihren Händen festhalten und meistern zu können. Unsere Jüngsten wachsen in die neue Zeit wie grün?» Korn in den Sommer hinein. Sie reifen von selbst. Das sind unsere Jüngsten: Saat, die zum Reifen kommt. And unser« Jungen tragen auch den Mantel der Werdenden Frage des Generalstreiks und der Zurückziehung der RcgierungStruppen aus dem Jndustriebezirk beschäftigen. Die' mehrheitSsozidlistischen Mitglieder der Konferenz, welche die Mehrheit der Versammlung darstellten, gaben vor Eintritt in die Tagesordnung eine Erklärung ab, die als Grundlage der Verhandlungen angenommen werden müsse, wenn auf.ihre Beteili- gung an den Verhandlungen Wert gelegt werde. Di« Erklärung lautetet Di« Konferenz verurteilt aus das schärfste die hinter- listige Einberufung der Mülheimer Konferenz unter Ausschaltung des größten Teile» der berechtigten Vertreter der A. und S.-Räte, der Parteien und der Gewerkschaften. Sie spricht den in Mülheim versammelt gewesenen Leuten das Recht ab, im Namen weiterer Kreisse der Arbeiterschaft zu reden. Sie wendet sich mit Entrüstung gegen die gemeingefährlichen Beschlüsse dieser Konferenz und fordert die A.» und S.-Räte aus, die bewaffneten Banden, die auf eigene Faust zur Durchsetzung der Mülheimer Beschlüsse die Belegschaften von der Arbeit abhalten, mit allen Mitteln' unschädlich zu machen. Sie weist alle A.« und S.-Räte dringend darauf hin. daß die Durchführung der Mül- heimer Beschlüsse die furchtbarste Gefahr für unser Wirtschasts- leben darstellt und daß ein Vorgehen der A.- und S.-Räte in dieser Hinsicht den unerwünschten Einmarsch auswärtiger Truppen im Gefolge haben muß. Die Vertreter der sozialistischen Partei und der freien Gewerkschaften weisen jede Verantwortung für die aus d»«sem Beschlüsse entstehenden Folgen ab. In der Debatte über diese Erklärung entstand ein fürchterlicher Lärm. Bewaffnete Trupps suchten unter Borhalten von Gewehren und Revolvern die MehrheitSsozialisirn am verlassen des Lokale zu hindern. Sie verließen trotzdem das Lokal und hielten eine neue Konferenz ab. Zu einer Einigung ist es bisher nicht gekommen. LanÜeskonferenz üer baperisthen Sozialüemokratie. München, 19. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vor- warts".) Am heutigen Vormittag ist hier unter allgemeiner Spannung d'e Landeskonferenz der bayerischen Sozialdemo- kratie zusammengetreten, die zu den brennenden politischen Fragen und zur Regierungskrise Stellung nehmen wird. Die Stadt ist vollständig ruhig, irgendwelche Zwischen- fälle nicht zu verzeichnen. Ueber den Verlauf der Konferenz selbst läßt sich noch nichts sagen. Doch werden die Vcrhanb- lungen heute kaum zum Abschluß kommen, so daß ein enl- scheidender Beschluß vor morgen nicht zu erwarten ist. Zu der am vergangenen Sonntag stattgefundenen spar- takistischen Demonstration ist noch nachzutragen, daß die in einigen Zeitungen angegebene Teilnehmerzahl von 156 666 maßlos übertrieben ist. Es haben sich etwa 9—16 666 Per- sonen beteiligt._ wo bleiben üie Daugenoflenschasten? Man schreibt unS: Unter dieser Ueber schrfft war in Nr. 78 des „Vorwärts" vom 11. Februar ein Artikel enthalten, in dem dar- über geklagt wurde, daß in der neuen Verordnung zur Beschaffung von landwirtschaftlichem Siedlungs lande nur von SickdlungSunter- nehmungen, dagegen nicht von Baugenossenschaften und-vereinen die Rede sei. Dabei wurde der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß bei dem großen SicdlungSwerf die Mitwirkung dieser mit warmherzigem JdaalismuS arbeitenden gemeinnützigen Genossen« fchafden ausgeschaltet werden solle. Demyegenülder sei darauf hin- gewiesen, daß die neu« Verordnung ausschließlich die ländliche Anfiedlung betrifft. Für die Förderung des ländlichen Wohnung»- Wesens kommt jedoch die Tätigkeit gemeinnütziger Bau vereine und Baugenossenschaften bisher schon deshalb nicht in Frage, weil hier solche nicht bestehen; daS ländliche SiedlungSgeschäft hat bislang in der Hand von großen SiedlungSgesellschaften gelegen, weil eS immerhin eine nicht unerhebliche Kapitalkraft und für die Zwischen. Wirtschaft auch oft eine größere Anzahl geschulter Laxdwirie braucht. Di« Genossenschaften sind daher in der Regel nur in Städten, zur Förderung deö städtischon KleinwohnunaSbaueS, be- gründet worden. Daß aber der in den gemeinnützigen Baugenossen- und Jünger noch auf ihren Schultern. Sie nehmen sich aus zedem Tay das Stückchen Sonnenschein, ob viel— ob wenig, da» sich vom Himmel auf die Erde senkt. Ja, sie entbehren nicht, weil iie für s i ch entbehren. Sie bauen auf uttd werden alt und älter nach anderem Gesetz und neuer Pflicht. Dort wo sie einmal herrschen sollten, sind sie schon jetzt ins volle Wirken«ingetreten. Was man für sie als Last empfand, wo man nur Armut sah, ist ja in Wirk- lichkeit für unsere Jugend Reichtum. Sie breiter sich, sie wertet sich. Ihr LoS ist Weltgeschick, sie selbst ist Schicksal. Die Tragik unserer Zeit liegt auf den Männern, den Gatten und Vätern. Sie sind, schon durch den Kriey aus den Gleisen ruhiger Arbeit und EntWickelung geworfen, durch diese letzte Folge der Verwirrungen und Verstrickungen ganz auf die abschüssige Bahn de» Leben» geraten. Gewiß, wir sind mit Leidenschast dabei, den deutschen Staat in neu« Form zu gießen. Dach sogt euch, ftagt euch selbst: wieviele denn sind mit der Seele nicht abseits! Wer dächte nicht im Strom und Sturm d«S Tages heimlich an den Abend, wenn er sein liebes Weib, sein Kind für sich hat. Für sie entschlossen sein und stark, da? ist nicht schwer; doch das heißt WcchnsinnSschmerzen fühlen, mit Weib und Kind verlorenen Frühling suchen, wenn Herbst und Winter vor der Türe stehen. Und da» ist doch die Lage unserer Männer. EineS Alters, durch dieselbe Not verbunden und von der gleichen starren Schickialshandx geschlagen, teilen sie die Gemein- samkeit der dumpfen Gegenwart und dunklen Zukunft, wo immer sie heute Kämpfer sind. Gemeinsame Last aber schafft gemeinsame Träger. So wachse daraus gemeinsamer Widerstand gegen das Altern im Elend! Ihr Männer, arbeitet Euch durch den eisernen Vorhang hindurch, der uns vom glückhasten Leben trennt. Ar- bettet und überwindet! Roßtäuscher-Kritik. Es ist natürlich, daß Leute, deren Politi? auf Fälschung und Betrug beruht, sehr leicht in Versuchung kommen, auch die Lite- ratur für ihre Zwecke zu verfälschen. Man kennt das Wort: „Ueber den Geschmack läßt sich nicht streiten". Man weiß, daß trotz dem täglich und stündlich von ungezählten Krittkern über den Geschmack in Kunst- und Literaturdingen gestritten wird. Aber jede Kritik mutz eine Grenze kennen. Die liegt da, wo die fach- liche Polemik aufhört und Lüge und Verleumdung ihr Gift um sich spritzen. Uns wird geschrieben: Die„Deutsche Tagcszeinrng" bringt in Nr. 77 unter der Spitz- marke„Potpouri" eine Kritik der sehr verbreiteten Broschüre „Aufruf zum Sozialismus".'Abgesehen davon, daß dem Kritiker jedes Verständnis füb den Geist dieses sozialistischen Manifestes und der Gedichte, also die Voraussetzung zu einer Kritik völlig fehlt, unterstellr er Künstlern wie Werfet, Hasenclever und Zech ebenso unsinnig wie gewissenlos, sie begleiteten„den Triumph. bogen der Revolution mit Purzelbäumen und dithyrambischem .'-Haften verkörperte Wille zur SekSsthikfe im sozialen Interesse auch. | künftig in jeder Weise gefördert werden soll, ist erst kürzlich in einem Erlaß des Staatskommissars für das Wohnungswesen zum Ausdruck gebracht worden, wo es ausdrücklich heißt, daß die vor- i handenen Paugenossenschasten möglichst zur Mitarbeit in dem Wirkungskreis der gemeinnützigen Sied- lungsunternehmungen herangezogen werden sollen und daß ihnen auch die Unterstützung der Gemeinden oder anderer w Betracht kommenden Stellen zuteil werden ,oll. Die vorläuflge Verfaflung für Sachsen. Der am 25. d. M. zusammentretenden Volkskammer soll der im Gesvmtminrstcrium beschlossene Entwurf eines vorläuft. gen Grundgesetzes für den Freistaat Sachsen vorgelegt werden, der heute im Wortlaut veröffentlicht wird. Der Entwurf zerfällt in drei Hauptabschnitte: Volkskammer, Staatspräsident und Gesamtminifterium. Aus dem Inhalt des Grundgesetzes sei folgendes mitgeteilt: Die auf Grund des LandeSwahlgefetzeS vom 27. Dezember 1918 einberufen« Volkskammer übt vorbehaltlich der in Paragraph 15 vorgesehenen Volksabstimmung'(Referendum) die gesetzgetende Gewalt aus und überwacht die Durchführupg der Gesetze. Gesetz- entwürfe werden vom Gesamtminifterium bei der Volkskammer eingebracht oder von der Volkskammer dem Gasamtministerium überwiesen. Den ihm überwiesenen Entwurf hat das Gesamt- Ministerium zu prüfen und abgeändert oder unverändert der Volks- kammer zur endgültigen Beschlußfassung wiedervorzulegen. Der , Staatspräsident löst die Volkskammer auf, wenn sie daS bei An- weseicheit von mindestens zwei Dritteln der Zahl ihrer Mitglie- der durch Mehrheitsbeschluß verlangt, sonst spätesten? mit Ablauf deS Jahre» 1826. Di« Volkskammer wählt mit absoluter Stimmenmehrheit den Staatspräsidenten. Sein Amt dauert bis zum Amts- arttritt des auf Grund der künftigen Verfassung gewählten Präsi- deuten. Der Staatspräsident ernennt den Ministerpräsidenten und auf seinen Vorschlag die erforderliche Zahl von Mmiftern. Der Staatspräsident hat das von der Volkskammer oder durch Volksabstimmung beschlossene Gesetz auszufertigen und zu ver- künden. Alle im Namen de» Freistaates ergehenden Anordnungen und Verfügungen des Staatspräsidenten bedürfen zu ihrer Gültig. keit der Gegenzeichnung d«S Ministerpräsidenten oder eines Mi- nisterS, der dadurch die Verantwortung übernimmt. Der Staatspräsident hat das Recht, über Gesetze, die von der Volkskammer beschlossen sind, binnen eines Monats die Volks- abstimmung anzuordnen. Die Volksabstimmung ist binnen zwei Monaten nach der Anordnung vorzunehmen. Sie kann nur auf ja oder nein lauten. Entscheidet die Volksabstimmung gegen die Volkskammer, so ist diese vom Staatspräsidenten aufzulösen. Sie muß binnen drei Monaten neu gewählt werden und wieder zusammentreten. Die Volkskammer kann mit Zweidrtttel-Mehr- Heft beantragen, daß der Staatspräsident vor Ablauf der Zeit, für die er gewählt ist, abgefetzt wird. Der Antrag ist binnen zwei Monaten zur Volksabstimmung zu bringen. Die Volkskammer kann durch ausdrücklichen Beschluß die Entlassung des Ministerpräsidenten oder einzelner Minister fordern. Wird der Minister- Präsident entlassen, so ist da» Gesamtminifterium neu zu bilden. Posen erhöht die Drotration. a.nS geht auf unsere Rechnung. Ein Privartelegramm au« Thon, teilt uns mit, daß das Po'ener ErnährungSomt angeordnet hat, da? Brotgetreide ,ur Ver- besserung deS Brote« fortan auf 75, statt wie bisher auf S4 Pro,,, auSzumahIen. Tie Brotstreckung durch Kartoffeln fällt weg. Die Wocheniopfmenge ist von 1926 Gramm auf 262ö Gramm erhöhl worden. Posen ist die bedeutendste Getreideüberschußprovinz Deutsch- land». Jetzt ist Posen vom Reiche gelrennt. Der Getreide« Überschuß, der sonst auch uns zugute kam, bleibt jetzt in der Pro- vinz. Dadurch ist eS möglich, die Brotration erheblich zu erböhen. Aber uns anderen im Reiche fehlt da«, was die Posener Bevölke- rung jetzt an Brot mebr erbält. Radschlagen". Hätte er nur ein klein wenig in das Manifest von Kurt Erich Mcurer hineingesehen, so wäre ihm oftenbar geworden. daß die betreffenden Gedichte bereits lange vor der Revolutirm entstanden sind. Allerdings, dies« Gedichte atmen revolutionären Geist und revolutionäre Ekstase. Das muß jeder bekennen, der sie lieft. Selbst der anonyme Kritikus der..Deutschen Tageszeitung" entgeht diesem Bekenntnis nicht, obwohl er sie unverständlich findet. Aber weshalb soll ein Reaktionär Verständnis für revolutionäre Lyrik aufbringen? Da» kann man von ihm schlechterdings nicht verlangen. Wohl aber kann man von ihm fordern, daß er wie jeder halbwegs anständige Mensch Zitate richtig wiedergibt. Was tut jedoch der Anonymus der„Deutschen Tage-zsitung"? Er zittert au« dem Gedicht„Der Tag" von Alfred Wolfenstein die zweite Strophe, schiebt dann,— man weiß nicht, ob es eigene? Gewächs ist oder einem Reimlerikon entstammt—, eine fremde Strophe ein, fährt darauf mit der dritten Strophe des Wolfen- steinschen Gedichts fori und bringt zum Schluß in wüstem Durch- einander abwechselnd je eine fremde und eine Wolfen steinlae Zeile. Alles in allem Roßtäufcherpraktiken, wie sie sobald noch nicht dagewesen sind. Die Kritikaster nennt diese gemein« Echan- dung obendrein noch„leicht stilisiert". Hier handelt eS sich bereits um fein« Selbstkritik. Er endet:»Jede Revolution hat die Dichter, die sie verdient". Mit Verlaub! Es muß heißen:.Jede Reaktion hat die Fälscher, die sie verdient!" dl. Notizen. � — Vorträge. Donnerstag. 7 Uhr, spricht im Monistenbund (Lützowplatz 3) Dr. Magnus Hirschfeld jiber Fragen und Ant- wortenausdemGebietederSexualwissenschaft." — Der Blumenzüchter Karl Förster behandelt am 24. im Klind- worth-Scharwenkasaal das Thema: NeueS Blühen in deut- schen Gärten. — Napoleon in Weimar. Im Jahre 1868 hielt sich Napoleon auf seinen KriegSzügen durch Europa auch eine Zeitlang in Weimar auf. Anläßlich seiner Anwesenheit in Jlm-Ajhen gab Großherzog Karl August große Feste, die sich durch einen Kreis hervorragender Geister besonders glänzend gestalteten. Den Reigen eröffnete eine prächtige Jagd, und ihr schloß sich eine Galatafel an. Am Abend fand im Tbeater eine Festvorftelluna statt, bei der die Schauspieler der„Eomsdie fronyaise" mitwirkten. Man gab„La mort de Cesar"(der Tod EäsarS), wobei der berühmte Talma Triumphe feierte. Napoleon ließ sich Wieland, den„deutschen Bol« tatte" vorstellen und unterhielt sich lang« mit ihm. Auch Goethe. den er bereit» kannte, zog er in ein längere» Gespräch. — Mag netisch« Ausrüstung AmundsenS.' Eine vollständige magneiiickie Ausrüstung wurde durch daS Carneace- Institut in Washinglou Roald Ainimdien überwieien. DaS Institut entwarf gleichzeitig einen Arbeitsplan für magnetische Unieriuchungen, noch dem während de« ganzen Aufenthalts AmundsenS in arktischen Gegenden gearbeitet werden soll, August an die Iront! Auch eine Kriegseriunerung. Aus Dresden schreibt man uns: Es war Anfang Oktober t914. Unsere Heere im Westen gingen zurück. Ganz Deutsch- tand hielt den Atem an. Besorgnis wechselte ab mit Hoff- nung. In Dresden aber hatte man weit wichtigere Sorgen. Tort schrieb am 4. Oktober 1914 der Minister des Hnnern Graf Vitzthum von Eckstädt an den Kriegs- minister e'nen vier Seiten langen Brief: „Euere Exzellenz wollen mir die Bemerkung gestatten, daß >: Augenblick gekommen sein dürfte, wo entweder Seine Majestät >er König Seinen beabsichtigten Besuch der sächs:- schen Truppen ausführen oder die Oeffentli chreit darüber unterrichtet werden muß. warum der Besuch unter- bleibt... Es heißt dann weiter, daß schon die„wildesten Gerüchte" entstünden und man das Unterbleiben des Besuches„teils auf Jntereffenlosigkeit des Allerhöchsten Herrn, teils auf Ver- immungen zwischen den Allerhöchsten Herrschaften zurück- rühre". Es sei zu erwägen, ob man die besorgte Oeffentlich- keit in der Presse nicht aufklären solle.„Aber," so heißt es dann weiter,„die Abfassung wird sehr schwierig sein, da eine vorsichtige Formulierung das Publikum nicht über- zeugt und ausführliche Mitteilungen vielleicht Anstoß er- regen werden, da sie wie eine Beschwerde über mangelndes Entgegenkommen des Hauptquartiers wirken würde." Dann aber— man atmet auf— winkt ein Ausweg aus dieser entsetzlichen Situation: „Am besten wäre es m. E.. wenn S. M. abreist, ohne Rücksicht darauf, ob sich zurzeit ein Besuch der Truppen ermöglichen läßt oder ob er nicht im Hauptquartier genehm ist.... Ist dann S. M.... der König dort, so wird sich schon ein kurzer Besuch bei den Truppen ermöglichen lassen... So schwer war es, einen Monarchen an die Front zu bringen, während Millionen Staatsbürger einfach mußten I_ Das verschwundene»?nventarienftück*. Was ein ostpreuszischer Schulrat sich erlaubt. Ein ostpreußischer Lebrer schreibt uns:.Am ö. Februar d. Js. war der Dezernent der Schulabteilung der Regierung in Gumbinnen, Geheimer Regieruiias« und Schulrat Reddmer in Heydekrug anwesend. Von diesem wurde ich vorgeladen. Die Untmedung war iir der hiesigen Lesehalle. Zugegen waren noch Reltor Brunck und Kreisichulinspektor Anders, Heydekrug. Der RegierungSral fragte mich, ob ich ein Inden« tarienoerzeichnis der Gegenstände meiner Klane hätte, was ich bejahte. Darauf e> klärte er mir, daß doch in letzter Zeit von diesen Gegenständen einer verschwuiidcn sei. Ich wußte nicht, was der Herr damit meinte und erklärte, daß mir vom Verichwinden eines Gegenstandes nicht« bekannt wäre� Daraus sagte der Tezernenr, es handle sich um ein Bild. Ich gab zu, das Kaiser- büd au« meiner Klasse eiilfernt zu haben. sKliider trugen dasselbe nach dem Lebrmiitelzimmer hinauf.) Der Schulrat sraqte mich, ob ich zur Entferiumg de« Bildes die Genehmigung de« Leiters der Schule(II) nachgeiuchr hätte.(Meinem Rektor halte-ich das aesagt und er halle nicht« dazu bemerkt. Deswegen bat mich jetzt der Gebeimrai in erregtem Zustande her- unterge'chlmpit. er nannte u. a. meine Handlung„eine Unverschämtheit". �.Wenn er daran denke, so schnüre sich ihm die Kehle zu.' Der Herr RegierungSral fußte darauf, daß ich da« Btld ohne Kenebmigung des Rektors habe entfernen lassen, sagte aber,.daß er über die tieferen Gründe schweigen wolle'.— Ich bin der Ansichr, daß meine vor- gesetzt» Behörde erfahren hat, daß ich mich der sozialdemokratischen Parier angeschlossen bade, und e« scheint mir. daß man jetzt be- g'nn«, mich zu schikanieren. In meinen 29 Dienstjabren habe ich mir nichts zuichulden kommen lassen. Nun kann ich mich aul ähn- liche Schikane durch die Herren reaktionären Borgesetztelt gefaßt machen. An das Ministerium habe ich auch einen Beschwerdebmj gegen Reddmer abgeschickt.' Wir erwarten vom Kultusministerium, daß es sich dieses f alles ganz energisch annimmt. Wenn der Lehrer das aiserbild entfernte, nachdem wir in Deutschland die Republik haben, so war das in so hohem Maße selb stverständ- I i ch. daß es dazu einer besonderen Erlaubnis sicher nicht bedurfte. Im Gegenteil bat der Schulrat Reddmer eine Vor- pesetztcnstcllunq in so infamer Weise mißbraucht, daß seine schleunige Versetzung dahin angezeigt scheint, wohin er ge- hört.— in den R u h e st a n d. „KuttnrrS DirbeSgardc". Unter dieser Ueberschrift beschuldigt .Die Rote Fahne" mich bzw. von mir befehligte RegierungStruppen, das Bureau der russischen Telegraphen-Agentur.Rosta" ausgeraubt zu haben. Ich kann zu den Behauptungen der.Roten Fahne' über Torgänge in der Rosta schon deshalb keine Stellung nehmen, weil ich noch nicht einmal weiß, wo das Bureau der..Rosta' liegt, g e» schweige denn jemals darin gewesen bin. DaS» selbe trifft auf den kleinen Trupp von Partei» anhängern zu, den ich in der Berliner Revolu- tionSwoche zum Schutze der Regierung gesammelt habe. Dieser hat in der kritischen Zeit lediglich zwei Aufgaben erfüllt: die Besetzung dcS Brandenburger Tor« und die Bewachung des.TorwärtSgebäudeS' nach dessen Einnahme durch andere Re- gierungStruppen. Im Bureau der.Rosta' ist auch nicht ein ein- ziger Mann von meiner Abteilung gewesen. Erich Kuttner. Serbische Nationalversammlung. Velgrad, 19. Februar. Die Nationalversammlung ist zum 1. März einberufen»orften. GMerffchllflzbewWng Friedensschluß im �andelsgewerbe. Zwölfftündige Nachtsitzung des Schlichtongsausschnfses. In der Streitfrage, ob der Gewerkschaftsbund der kaufmänni- schen Angestelltenverbände an den Tetzhandlungen vor dem Schlich- tunxSausschuß teilnehmen solle, gab« die Vertreter der freien Gewerkschaften am TinStagabend zu später Stunde folgende Er- klärung ab: »Unter Aufrechterhaltung unseres grundsätzlichen Standpunktes erklären wir uns bereit, in der Weise in die sachliche Verhandlung der Differenzen einzutreten, daß jede in B e tracht kom- mende Vereinigung von kaufmännischen Amae» stellten das Recht hat. ihre Forderungen vor dem S ch l i ch t u n g z a u S s ch u ß z u v e r t r e t e n. Der SchlichtungZ- ausschuß wird ersucht, nach Anhörung aller Vertretungen einen für alle Teile gleichartigen SchiedSsrpuch zu fällen. Diese Erklärung wird abgegeben unter Voraussetzung.daß über die Forderungen aller am Streik beteiligten Gruppen eine Verständigung erzielt, evtl. ein Schiedsspruch gefällt wird." Hieraus erklärten die Arbeitgeber, auch sie würden sich einem Schiedsspruch des SchlichtungsauS- s ch u s s e S unterwerfen. Inzwischen war die Zeit nahe an die Mitternachtsstunde her- angerückt. Nun wurde die Frage aufgeworfen, ob man sogleich in die sachlichen Verhandlungen eintreten, oder diese bis zm heutigen' Mittwoch vertagen und ob die Arbeit sofort wieder aufgenommen werden könne, auch wenn die Verhandlungen noch nicht mit allen der beteiligten Arbeitergruppen beendet sein sollten. ES sind näm- lich außer den Handelsarbeitern und den kaufmännischen Ange- stellten jetzt alle in den Waren- und Kaufhäusern beschäftigten Hand- werker beteiligt: Metallarbeiter, Maschinisten, Heizer, Schneider, Tapezierer. Pbotcgraphen, Maler, Tischler.— Tie Vertreter der freien Gewerkschaften erklärten: „Wir sind bereit, fürdie Wiederaufnahme der Arbxit einzutreten, wenn sich die Arbeitgeber bereit erklärten, die bisher ausgesprochenen bzw. Entlassungen zurückzunebmen, Maßrege- lungen jeder Art wegen Durchführung der Bewe- gung nicht stattfinden zu lassen und die Streik- tage für alle am Streik Beteiligten zu bezahlen. Unter diesen Voraussetzungen kann die Arbeit frühestens Mittwoch- nachmittag, bestimmt aber Donnerstag früh ausgenommen werden. Die Verhandlung über das Provisorium der Handlungsgehilfen soll beute noch erledigt werden. Die Verhandlung mit den übrigen Gruppen innerbalb der nächsten Tage, so daß spätestens in acht Tagen ein Schiedsspruch gefällt werden muß, und zwar mit rück- wirkende Kraft ab 1. aJnuar. Soweit Kollektivverträge in Be» tracht kommen, müssen sie bis 15. März abgeschlossen sein." Die Arbeitgeber stimmten dieser Erklärung zu, lebnten aber die Bezahlung der Streiktage grundsätzlich ab und wollen daS Provisorium vom 1. Februarabbewilligen und die Kollektivverträge bis zum öl. März zum Abschluß bringen.— Tie Ar- beitnebmer versicherten. eS sei ihnen ganz unmöglich, die Streiken- den zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen, wenn die Streiktage nicht bezahlt werden. Diese Forderung sei auch deswegen berechtigt, weil die Sckiuld am Streik lediglich auf feiten der Arbeitaeber liege.— Der SchlichtungsauSschuß entschied, daß die zu bewilligenden Zuge- ständnisse vom 1. aJnuar ab zu zablrn, die tarislichen Abmachungen bis zum 31. März beendet sein müssen und die Streikposten heute (Mittwoch) zurückgezogen werden. Hiermit waren die Vorfragen erledigt. Um%4 Uhr nachts begannen die Brrhandlungc« über die materiellen Forderungen. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen fordert für die Monate Januar, Februar und März eine monatliche Zulage von 199 M. auf Gekälter bis 259 M...7 3 M. auf G e- hälter bis 499 M.. 59 M. auf Gehälter bis 999 M.. jedoch soll das Mindestgehalt in der ersten Stufe 359 M., in der zweiten Stufe 4 7 5 M. betragen. Am 1. April soll der ab» zuschließende Tarifvertrag in Kraft treten.— Die Forderunaen des Gewerkschaftsbundes sind im wesentlichen die gleichen.— Die Arbeitgeber zeigten sich nicht geneigt, eine vorläufige GehaltSrege» lung in dieser Form eintreten zu lassen. Fie machte Vorschläge, die von den Forderungen der Angestellten sehr erheblich abwichen. Um>44 Uhr nacbtS zog sich der CchlichtungSauSschuß zur Be- ratung zurück. Zwischendurch gab eS Sonderbesprechungen mit den Vertretern der Parteien. Auf allen Seiten erwartete man einen Schiedsspruch, der das Ende des Streiks bedeuten würde. Die Arbeitgeber setzten ein Inserat für ein MittagSblatt auf, wodurch die Oefmung der Geschäfte beute nachmittag um 4 Uhr angezeigt wird. Die Streikleitung händigte den Arbeitgebern Zettel aus, welche die Zurückzirbung der Streikposten anordnen. Morgens um 146 Uhr verkündete der Vorsitzende v. B o'r s i g, der SchlichtungSausschuß sei nicht zu einem Schied S'spruch gekommen, weil sich die B e i s i tz e r der Arbeitgeber und der Arbeitnebmer geschlossen gegenübe'r standen.— Diese Mitteilung rief eine gsdrückte Stimmung auf allen Seiten hervor. Rechtsanwalt Scholz über- nahm nun im Auftrag' des DemobilmachungSkom- missars den Borsitz. Die Verbandlungen begannen aufS neue. Die Parteien waren sichtlich erfüllt von dem Willen, zu einem Friedensschluß zu kommen, aber die Differenz zwischen den ermäßigten Forderungen der Angestewen und dem Angebot der Arbeitgeber war zu groß. Mit einer oewissen Wärme nn Ton suchte man sich geaenseitia zu weiterem Entgegenkommen zu bewe- gen. Doch der Erfolg blieb aus. Schließlich brachte S ch m'i d t vom Zentralverband der HandlunaSgehilien wieder«inen leiden» schastlichen Ton in die Debatte. Er versicherte, unter diesen Um! ständen sei an«ine Beilsmmg des Streiks nicht zu denken, jetzt gehe es hart auf hart.— Die Arbeitgeber gaben die Zettel, welche die Aufhebung der Streikposten anordnen, auf Erfordern zurück und erwiderten kühl und bestimmt, dann müsse eben der Kampf fortgesetzt werden.— Werner vom Transportarbeiterverband versicherte, die Handelsarbeiter würden auch volle Solidaität mit den Handlungsgehilfen bekunden.— Den Bemühungen de? Schlich» tungsauSschusseS gelang eS, die Arbeitgeber noch zu einem weiteren geringen Entgegenkommen zu bewegen. Um 7 Uhr morgens verkündete der Vorsitzende den Schied!- fpruch: Lehrpersonen und Jugendliche bis 17 Jahre ohue Unterschied des Geschlechts erhalten im ersten Jahre 69 M., im zweiten Jahre 75 M-, im dritten Jahre 100 M. monietliche VergilMtg. Gehälter bis 399 M. werden um 50 M., Gehälter über 3W 600 M. um 40 M. erhöht, daS Mindestgehalt soll nicht unter 350 TO. betragen. Die Zulagen haben rückwirkende Kraft vom L Januar all und gelten bis 31. März. Die Arbeitgeber gaben die Erklärung ab, das) sie de« Schiedsspruch annehmen. S ch'm i d t vom Zentralverband der Handlungsgehilfen er- klärte, er fühle sich— nicht aus Ueberzeugung, sondern mit schwe- rem Herzen— verpflichtet, seinen Kollegen die Ausnahme der Ar- beit zu empfehlen. Werner gab ein« inhaltlich gleiche Erklärung für den Transportarbeiterverband und Thieme eine solche für den Gewerkschaftsbund kaufmännischer Angestelltenverbände ab. GroßSerün Tie Liste der Kommunal-„Temokrateu". Eine„deuffch demokratische' Partei hätte die Pflicht, bei der Aufftellung ihrer Kandidaten darauf zu achtem, daß alle Klassen und Berufe nach Möglichkeit enffprechenid ihrer Zahl und Beden» tung zwr Geltung kommen. Sehen wir uns daraufhin die demo- kratisch« Liste an. Sie enthält: 11 Kanfleute, 19 Fabrikbesitzer, 2 Fabrikanten, einen Fabrikdivektor, 2 Bankiers, 2 Bankdivektoren, 2 Syndici, 3 Justizräte, 2 Handelsrichter. 2 Dchuldireltoren, 4 In» genieure, 2 Handwerksmeister, 2 Lehne r. 1 Architekt(führender Hausagrarier). 1 Reichsbankchberkalkulator(führender HauSagra- rier), 1 Arzt, 2 Zahnärzte, 4 Lberpostschaffnar und je 1 Schrift- steller, VerbandSvorsitzende, Verbandsrnne hatten und in ihrer damaligen Wohnung anders wirtschafteten, so daß die Vergleichsmöglichkeit fehlt. Wir halten die Abschneidung der Gaszufuhr überhaupt für bedenklich und besonders in dieiem Fall das Vorgehen gegeu die Mieier für sehr anfechtbar. Hoffentlich wird die über sie verhängte ZwangSmaßregel schleunigst aufgehoben._ Umgestaltung der Erwerbslosenfürsorge. Die Sachverständigcnkonferenz der Groß-Derliner Erwerb«- losenfürsorge verhandelte heute vormittag über die Forderung, jetzt endlich eine Erwerbslos enversichernng zu schaffen. Wie der Vorsitzende Stadtrat S a s s e n b a ch hervorhob, bat die R e i ch ö- regierung eine dahingehende Absicht. Er empfahl, an st« den Antrag zu richten, daß die Einführung baldigst erfolgt. Nach einem von den Gewerkschaften ausgearbeiteten Entwurf wären die ErioerbSlosenversicherungsbeiträge Durch Zuschläge zu den Jnva- lidenvcrsicherungsbeiträgen aufzubringen. Geheimrat Dr. Freund, der Direktor der Landesversicherungsanstalt Berlin. verspricht sich von dem Verfahren, die Erwerbslosenversicherung auf der Invalidenversicherung aufzubauen, eine Vereinfachung und sieht darin den Anfang zu einer Zentralisation. Er hält aber für nötig, die ErweribSlosenversicheruNg auch in eine möglich st nahe Verbindung mit eine r-v ollkommeneren Or- ganisation der Arbeitsnachweise zu bringen.� Stadt» verordneter Brückner will, daß BezirkSardeitSämter mit der Aufgabe betraut werden, die Arbeitsnachweise so zu ver- vollkommnen, daß sie Hand in Hand mit der Erwerbslos enversiche- rung arbeiten können. Di« Konferenz erklärte sich damit«inver- ftaroen, daß in einem zu begründenden Antrag an die Reich»- vegierung angeregt wird, nach rm Laufe de« diesjährigen Sommers die Erwerbslosenfürsorge in eine Er» w e r b Sl o send e r s ich e r u n g überzuleiten.— In derselben Sitzimg wurde der Vorschlag erörtert, die Erwerbs- losenunterstützung so zu bemessen, daß nickt mehr als sieben Zehntel des Betrages gezahlt wenden, den der jetzt EvwerbSloie in den letzten drei Monaten vor Einführung der Gr- werbSlosenfürsorge vevdient« oder noch der Art seiner Beschäftigung jetzt verdienen könnte. Bedenken hiergegen äußerten besonders die Vertreter des AvbeitSlosenrateS. weil eS ungerecht sei, die schlechter Verdienenden nun auch noch bei der ErwerbSlosenunt-rsrüyung schlechter zu stellen. Eine Kommission wird sich näher mit der Frage beschäftigen._ Großer Einbruch. IS'OCO M. Belohnung. Kletteveinbrecher suchten in der vergangenen Nacht das Kleiverswffgeschäft von Wo» mann, TarnowSki und Lichtenstaedt in der Königsrraße 49 heim. Sie stiegen am Fahrstuhlgerüst bis zum 2. Stock empor, durck- schnitten die Klingellcitung. drückten eine Fensterscheibe ein und verschafften sich so Zutritt in die Geschäftsräume. Dort stahlen sie für 159 999 M. Seidenstoffe sowie wollen« Kleider. Auf die Wiederbeschaffting des gestohlenen Gutes ist eine Belohnung von 19 Proz. seines Wertes ausgesetzt. Deutsche Soldotr« auS der Schweiz. Für die au« der Schwei, nach Teulschlond getowmencn Soldaien, die nun zu ihren dorligen Familien zurückkehren wollen, sind mit dem 1. Fedeuar nelle Berord» nuvgrn über die Einreise aetioficn worden.— Ein ausführliches Merk- blatt, das Ausschlüsse über die FonnalitSten gibt, ist«rbältlich durch die Abjertigungsftelle des GenerallommanboS 14. Armee-KorpS m Singen a. H.__ Grost-Berliner Lebensmittel. Buchbol». Abschnitt St'/, Psd. Marmelade(50 Pf). Abschnitt SZ >/, Psd Grieß(13 Pf.). Aus Abwnttt SO kann bei den Fleiichern Fisch- war- entnommen werden. Slns die weiße(Buchholzer) Lebinsmittellarte werden Nährsuppen, Knowsuppen im AmtShause verausgabt. Grsß-Serliner partewachrkchten. Marirudorf. Die Liste unserer Parteigeuossrn beginnt nicht mit dem Name» Weber, sondern Wald he im. Wählerversammlung Donnerstag: Johannisthal. 7'), Uhr Restaurant.Zum Lujwcrkehr'. Redner Genosse Moeglich. Stchtenberg. Mittwoch und Freitag nachmittag F l n g b l a t t v e r« b r c i l u n g von den bekannten Lolaken au». flus aller Welt. Schwerer Eifenbahnunfall in Trieft. 150 Tote und Berwundte. Trieft. Am 15. Februar ereignete sickaufdem hiesigen Südbahnhof ein schwerer Eisenbahnunfall. Auf dem Bahnhos von Rabrenna stieß ein Zug aus eine Anzahl leerer Waggon«, die gegen sieben von italienischen Sotdalen besetzie Waggons geschleudert wurden. Infolge des SloßeS kamen die sieben Waggons in« Rollen und be» wegten sich mit netS steigender Geschwindigkeit gegen Trieft hinab. Mit rasender Schnelligkeit kamen die Waggon« auf dem Triester Bahnhof an und stießen hier mit einem leeren Zug zusammen. Sämtlich- sieben Waggon» wurden vollständig zertrümmert. ES werden 159 Tote und Verletzte gezählt. verantwortlich für Politik«rtar zicklcr, Chsclattcntatg, für de» Übrigen Teil de« Blatte» l ellieed SSol»,»«ukdün: tür Seueigen Tdeodor Glocke, Berlin. Berlag: Lonvärts-Verlag ch. NI b. b.. Perlt». Druck: Sorwärts-Pnckidrnckerei nah »erloaSonstalt Paul Vings u. To. tu Beritn. Stadenftraß» S. f Möbel-Oolin im osten: Große Frankfurter Str. 58 (5 Minuten vom Alexandcrplatz) im Norden: gSllZtrSßö 47/48 Möbel auf Kredit! an jedermann. Geringste Anzahlung— kleinste Abzahlung. Spezlaliät i Moderne Vobnungseinricbtongen schon für BOO SlßclPEC Anzahlung. Einzelne Möbel, farbige Küchen. Riesen-Auswahi— BIlllKSte Preise. 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