Itt.lOL �6. Iaifritz. Äezugsvreis: Sierlclfäftrl 6.75 dRl. monntl 225 Mi. Fitiin« vau- aotmi-�atiJKii Siir,clnk Rummern 10 Sfernno. Polchs, ug: Pdonail.di"22c 201, cxfl ZuitellunqS- zebühr, ttnici«reu-band'fti Deulich« ans u. Leüerreich-Unaarn-i,6C Sit. rät Sa» übrar ätuSlanS 0.50 MO. bei -äzlich eimnalign liuiieDuna 7.60 äRt t'oitbeiieliunara nsbmer m Dänemari vsOans üurcmbnta. Sdnotben uns sie Zchwei» Singetraaeii m Sie Lall» eüunas-Preielisie, Der.LarwartS' sricheim wochemügltch zweimal Lmmraa» euima» Oeleaiauio.-UvieHe' .Soziaibemokrai Äer tn� Abend-Ansgabe. Oerliner Oolksbleitt. ( 10 pksnnis) �l«,ctqenvretS: Die achtgechaurä« Ronbarelllezeil« iofi« 50 läffl..Kleine ilnudaen", baS fttaebnitöc Sari 40 Pfg, iznläfftg 2 fettgesruille Warle). ledee wettere Sari 20 Oig, Stellengemche und SchlaMellenanzeigen saS erile Wart 50"Lig.. lebeS wettere Sari 15 Ptg. Warle über 15 Buchnaben zählen iür zwei Sorte, leuerung-zulchlaa 70°,». Famttien-Nnzeiaen. valiliichr und gewerNchaitttche Lereins- Stnzeige» 80 Pia. Sie iieile. Anzeigen iür sie Ilächiie Kummer müiien dii ä tthr itlichmttlage un vaubigeichäit£ et Un 6».'18. liinsenittagt a. obaeaeben werben, ficbftnei don i> Oht früh bi4 S Uhr asenbb. Zcntralorgan der fozialdcmohratircheti parte» Deutfchlanda. Redaktion und Expedition: EW. 68, Lindenstr. Z. «ernim ertier; Ami Morivvlav, Sir. I'i 1 DO- I•> I!>7 Montag, den 24. Februar IV 19. vorwärts-verlag G.m.b. h., Ew. 68, Lindenstr. Z. Fernivrecher: Amt Moriiiplaq. Sir.»!7Sa— S4. Va5 Spättäkitten-Iittentät auf Auer. Der bekannt- aber in f reibeit. Em aus München zu uusrrer Information hcrüberge- reister Genosse in führender Stellung gibt uns über den Mordansdilag aus Auer und die anderen sozialist». scheu Minister folgende Ausklärung, die nicht geriu- ges Aufsehen hervorrufen dürste: Die Unabhängigen und Spartakisten, die in München die gesamte Presse, auch unsere„Münchener Post" unter- drückt haben, bemühen sich krampfhaft» den Mordanschlag aus Auer zu verdunkeln und über den Mord an Eisncr zurücktreten zu lassen. Sie stellen es sogar so dar, als habe der Täter im Landtag im Einverständnis mit dem Grafen Arco gehandelt. All das ist Schwindel. Wahrheit ist, daß das Atten- tat aus Auer von dem ganz unter unabhängigen und spartakistischcn Einfluh stehenden söge- nannten„rcvolutionen Arbeiterrat" verübt worden ist. Der Täter ist Mitglied deS revolutio- närcn ArbeiterrateS, er hciszt AlopS Lindner, ist Metzger und wohnt He st st raste 27. Lindner brüstet sich selber allenthalben mit seiner Tat. Trotzdem befindet er sich in Freiheit und nie- mand denkt daran ihn festzunehmen, was viel- leicht für„Tie Rote Fahne" und die„Freiheit" von Jnter- esse sein wird, wenn sie sich darüber aufregen, dast der flüchtige Mörder Liebknechts noch nicht verhaftet ist. Charakteristisch ist, dast Lindner bei seiner Tat durch den Eingang der Abgeordneten in den Sibungssaal hereinkam, die Landtagswache hat ihn also durchgelassen. Diese, von der Republikanischen Schutzwache gestellt, stand überhaupt mit dem Täter durchaus im Konnex. Sie erklärte den Abgeordneten sofort: AustcrAuermüstten «och Timm und RostHaupter daran glauben. Lindncr hat sich in der Tat, nachdem er Auer nieder- peschosicn hatte, nach RostHaupter umgesehen. Als er ihn nicht fand, knallte er blindlings in den Saal, wobei der ZeutrnmSabgeordnrte Ose! verletzt wurde, der dann starb. Während der Tat waren die ganzen Tribünen von Mitgliedern und Anhängern des revolutio uären Arbeiterrates besetzt, die mit Hand granaten und Revolvern bewaffnet waren. Der Vorsitzende des Arbeiterrats, Hagemeister, rief, nachdem die Schüsse gefallen waren, von der Tribüne her- unter:„Das i st die Rache des Proletariats". Ein deutliches Zeichen, dast er und seine Genossen über die Tat Lindncrs und ihre Motive im voraus orientiert waren. Bezeichnend ist auch, dast der Sanitäter der Rcpu- blikanischen Schutzwachc de' i in seinem Blute liegenden Auer erklärte:„Verdient hast du es nicht, daß ich dir helfe, ich tue es nur als Mensch". Als Auer um einen Kognak bat, lehnte das der Sanitäter mit den grsühl- vollen Worten ab:„Du gehst ja doch gleich drauf". Tie Minister Timm und Hosfmann sind aus München verschwunden nnd halten sich verborgen. Der revolutionäre Arbeitrrrat bildete die Hauptstütze Eisners; in der letzten Zeit war er durch den Einfluß der Anarchisten Landauer, Lewien und Mühsam noch bcdeiUend radikalisiert worden. Das neue baperisthe Nlinisten'um. München, 24. Februar.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Durch eine Sitzung des ZcntralratS, an der die noch anwesenden Minister Frauendorsfcr, Jaffs und Nntcrleitncr teilnahmen, ist gestern abend daS neue Mini- sterium gebildet worden. Ministerpräsident und Minister deS Aensteren ist Pro- fcssor Förster; für Auer übernimmt Srgitz das Mini- sterium deS Innern, für RostHaupter übernimmt Schmidt das Kriegsministerium. I a f f 6 bleibt Finanzminister, Kultusminister wird H o s f m a n n, falls er ablehnt, Ri(fisch; Fustizminister Timm, falls er ablehnt, Sü st- heim; LandwirEchastsminister wird Dürr(Bauernbunb). Sämtlichen Ministerien werden paritätisch je ein Unter- staatssckretär von den Unabhängigen und der MehrheitS- Partei beiargcben. Tie Spartakisten Lewien und Hagemeister, die auS dem Zentralrat ausgetreten waren, haben erklärt, daß ihre Aus- trittscrklärunn eine rein versvnlichc war, die sie wieder zu- rückziehen, weil der revolutionäre Arbeitrrrat aus ihrem Ver- bleiben im Zentralrat bestehe. Sie gehöre« also wieder dem Zentralrat an. öeschleum'gung üer Zrieöensverhanülungen Scparatverhandlungen mit den Mittelmäebten. Haag, 23. Fefauat.( Meldung des Hollandsch Nisuwsbureau.) AuS Washington wird gemeldet: Die„Urnteb Preß" erfährt aus PariS: Da der Waffenstillftand automatisch fortdauert und man sich mit neuen Bestimmungen über die Verlängerung des bostvhen- den Mckommens nicht gu bekümmern braucht, kann die Konferenz sich jetzt vollständig den Fragen der Grenäsrstsetzung, Entschädi- gung und den militärischen und wirtschaftlichen Problemen widmen. Die definitive Lösung dieser Frage kann also den Deutschen gleichzeitig mit dem Präliminar- srie densvertrag statt erst nach dessen Abschluß vorgelegt werden. ES besteht noch immer der Plan, den Frieden mit Deutsch- land, Oesterreich-Nagarn und der Türkei separat zu behandeln, damit auch in großem Angelegenheiten schnell vorgegangen werden kann. Lvieüeraufnahme üer Arbeit im Ruhrrevier. Bildung von Zechenschuhwehren. Bochum, 24. Februar.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Der Generalstreik ist jetzt völlig geschei- t e r t. Auf alle» Zechen, mit Ausnahme im Revier Bottrop, Mülheim und Duisburg, ist die Arbeit heute wieder aufgenommen worden. Die Zechen habe« zum Schutze gegen spartakistischc Uebergriffe überall Zechen- schutzwchren gebildet. Die Arbeiter- und Sol- datenräte sind von den unsicheren Elementen g e- säubert worden. Tie Unabhängigen sind aufgefordert worden, 1. die jetzige Regierung anzuerkennen und 2. von den Spartakisten abzurücken. Wo sie diesen Forderungen nicht nachgekommen sind, sind sie aus dem Sicherheitsdienst ent- fernt worden.» Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, dast im rheinisch-wrstfälischen Industriegebiet wieder Ruhe eintritt. Die Kohlenverladung ist insofern nicht be- sonders beeinträchtigt worden, da noch große Lagerbestäude vorhanden waren. Sesetzung von Sterkraöe. Sterkrabe, 24. Februar. Nach einer Meldung der»Sterkrader Bolkszeitung" gelang es heute morgen den Regierungstruppen, die hiesigen Spartakisten durch kühnen Handstreich zu Überrum- p e l n. Dabei wurde ein Spartakist getütet, einer verwundet. Der Hauptsührer Thiele wurde ebenfalls festgenommen und dabei von der Balksmenge übel zugerichtet. Zahlreiche Gewehre und Munition wurden erbeutet. Die Mannheimer Unruhen. Schlvere Ausschreitungen.— Kampf um die Volks- stimme.— Dte Räterepublik rückgängig gemacht. Mannheim, 24. Februar.(Eigener Drahtbericht deS „Vorwärts".) Die Unruhen, die hier im Anschluß an eine Drauerdemonstration der Unabhängigen und Spartakisten für Eisner am Sonnabend einsetzt«!!, nahmen folgende Entwicklung: Zunächst kam es zu schweren Ausschreitungen. Me Ge- fängnisse wurden gestürmt und zahlreiche Verbrecher freigelassen. Das GerichtSgefängniS am Schloß wurde ebenfalls gestürmt und die Akten verbrannt. Alle im Gefängnis befindlichen etwa 350 Gefangenen wurden befreit. Plünderungen, Raub und Brandstiftung wurden verübt. Um 0 Uhr abends brannte das alte Gefängnis ab. Spartakisten und Unabhängige haben alle äfstutlichen Gebäude besetzt. Infolge der Vorgänge fanden am Sonnt agvorm i ttag Ver- Handlungen zwischen de« MehrheitSsozialisten und den Unab- hängigen statt. Di« Spartakisten haben in der Nacht zum Sonntag daS.Bollsstimmen'-Gebäude besetzt, wurden aber am Sonntag- mittag von den.MeheheitSsoztalisten durch über- raschenden Angriff wieder daraus vertrieben. Um 3 Uhr nachmittags machten die Spartakisten«inen abermaligen Angriff auf das Gebäude wurden a-ber abgeschlagen. Der Angriff kostete 1 Toten und 3 Schwerverletzte. Heute vormittag fanden Verhandlungen zwischen U n- abhängigen und Mehrheitssozialiste« statt, die doz« führten, daß die bürgerlichen Zeitungen freigegeben wurden. Sie können seit heut« wieder erscheinen. Die Ausrufung der Räte- republik, die am Sonnabend stattfand, wurde rückgSngig gemacht. Ueber Rannheim ist der Belagerungszustand vorhängt. S« soll ein neuer Arbeiterrat gegründet werden, in dem fünf MohrheitSsozailisten, drei Unabhängige und ein Spartakist vertreten sind. Augenblicklich herrscht vollkommene Ruhe und Orb- n u n g in d« Stadt, auch der Verkehr wickelt sich in gewohnter Weise oft. der Neu'/lufbau unserer Vehr- macht. Von Richard Gädk«. Ich würde mich am meisten freuen, wenn die in Bern gefaßten Beschlüsse auf allgemeine, vollständige Abrüstung beim Friedensvertrage zur Durchführung gelangen würden. Nur ein auf Gerechtigkeit und Abrüstung, auf tatsächliche Freiheit der Meere gegründeter Völkerbund hat Aussicht aus Wirksamkeit und Dauer. Jeder andere würde nur eine Zwangsanstalt gegen Deutschland bedeuten. Käme eine Abrüstung zustande, dann brauchten wir nur eine Polizeimacht, nennen wir sie V o l k s w e h r, zur Ver- fügung der obersten Reichsgewalt, wie es in Frankreich die Gendarmerie und die republikanische Garde ist. Sie bestände neben der Gcmeindepolizei und würde für gewöhnlich über die großen Städte des Reiches verteilt werden. Natürlich würde sie auf freiwilliger Dienswerpflichtung beruhen. Vorläufig aber scheint es nicht, als ob uns der Friedens- vertrag einen so hochwillkommenen Fortschritt bringen sollte. Die Franzosen scheinen unter allen Umständen ein starkes Landheer beibehalten, die Engländer ihre Flotte keineswegs vermindern zu wollen, und Wilson hat soeben Auftrag ge- geben, vom Kongreß zehn neue Großkampfschiffe zu fordern. Er mutz doch wohl übersehen könuen, wie die Aussichten aus allgemeine Abrüstung stehen. Ist es so schlimm um die nächste Gegenwart bestellt, dann müssen auch wir Deutschen an den Neuaufbau unserer Wehrmacht deuten, soweit der Friedensvertrag uns darin keine Beschränkungen auferlegen wird. Daß wir das augenblicklich noch in der Bildung begriffene Frei- willigenheer nicht dauernd werden beibehalten können, be- darf keines Beweises. Es ist außerordentlich teuer. Deutsch- land aber ist ein armes Land und wird täglich ärmer. Wir werden außerdem im Wege der Freiwilligkeit nie die gesamte Volkskraft auch nur annähernd für die Verteidigung unseres Bodens und unserer Freiheit nutzbar machen können. Sie aber erst im Bedarfsfalle zu organisieren, ist in unserer Lage selbstredend ausgeschlossen. Das konnten sich die Vereinigten Staaten leisten, deren Grenzen vor unmittelbarem Angriff geschützt waren, und denen Franzosen und Engländer dm Zeit verschafften, ein Heer auszubtlden und doch noch recht- zeitig zum Entscheidungskampf in Europa zu erscheinen. Wir können aber auch kein Heerwesen brauchen, wie es bis zum Ausbruche des Weltkrieges bestand, halb Berufs- Heer, halb Volksheer, ein Zwitterding. Mit seiner im Jahre 1913 ereichten Höchststärke von 899 090 Mann im Frieden, dazu viele hunderttausende von Mannschaften des Beurlaub- tenstandes zu längeren oder kürzeren Uebungen eingezogen, würde es immer noch viel zu kostspielig sein. Und selbst dieses Heer hat nicht die Gesamtheit der dienstfähigen Ju- gend in seinen Schoß aufnehmen können. Es war eine der Beschränktheiten und politischen Rückständigkeiten des ge- stürzten Regierungssystems, daß es sich nicht zu einer Ver- kürzung der Dien st zeit hatte entschließen können. Amerikaner und Engländer haben bewiesen, daß man unter weniger günstigen Verhältnissen als bei uns vorliegen, in einen; Jahre kampfesfähige Truppen ausbilden kann. Mr konnten, bei geringerer Ausgabe, stärker in den Weltkrieg eintreten, wenn wir dem Gedanken eines wahren Bolksheeres größere Zugeständnisse gemacht hätten. Gegenwärtig nun verlangen nicht nur die finanziellen Verhältnisse, sondern auch wirtschaftliche Rücksich- t e n und die ganze demokratische Struktur unseres Staates, daß wir die Dienstverpflichtung deS einzelnen aufs äußerste zulässige Maß beschränken und ihn überhcküpt nicht mehr zum Soldaten im früheren Sinne ausbilden, der durch ein« Kluft vom übrigen Volke getrennt ist, sonder« zum bcwaff- neten Bürger, der imstande ist. sein Baterland zu verteidigen. DaS Heer als solches wird überhaupt nur zum Kriege auf- geboten werden dürfen, oder wenn die Reichsregierung Teile von ihm zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Anspruch nehmen muß. Damit kämen wir also zum System des reinen Milizheeres, aber eine« ans das gründlichste und festeste durchgebildeten und organisierten. Dazu gehört, daß die eigentliche Ausbildung nicht im Rahmen eines stehenden Heeres, sondern in den Schulen erfolgt, zunächst innerhalb der allgemeinen Schulzeit, sodann durch besondere Rekruten- schulen. Die Ausbildung während der Schulzeit bis einschließlich hs% 16. SebenSjahreS wird sich auf Bescntdere Pflege der körperlichen AuSdUdung beschräi.ken. Auf diesem Gebiete muß mehr«ls bisher gesä>shen, ihm muß eine größere Zeit ge- widinet werden. Die zweite Stufe erscheint vom vollendeten fünfzehnten bis zum Beginn des zwanzigslen Lebensjahres. Der Unter- richt Wird hier am besten dem der Fortbildungsschulen ange- gliedert: auf den höheren Schulen findet er vom Eintritt in die Sekunda ab statt. Mindestens ein Nachmittag in der Woche und zwei Sonntage im Monat müssen ihm gewidmet sein. Zu den Turnübungen, die nunmehr die militärischen Gesichtspunkte mehr hervortreten lassen, treten besonders Marschübungsn. Ihre Dauer ist allmählich auszudehnen, auch kann leichtes Gepäck angelegt werden: sie find— was besonders für die städtische Jugend wichtig ist— mit Unterweisung über die Bodenformen und Bodenbedeutung sowie mit Aufklärungsübungen zu verbinden. Außerdem aber sollte in dieser Zeitpcriodc bereits der Gebrauch des Gewehrs gelehrt imd Schießübungen abgehalten werden. Man wird es hier wohl zunächst bei der Freiwilligkeit bewenden lassen müssen, die man aber durch Unterstützungen und Prämien, sowie durch Begünstigungen während der späteren Zeit an- spornen sollte. Besondere Schießvereine sind möglichst zahl- reich einzurichten. 'Die dritte Stufe«udsich bilden die eigentlichen R c- krutenschulen. Der Unterricht wird auf ihnen durch Berufsoffiziere und Berufsunteroffiziere erteilt, jedoch mit Heranziehilng von Milizoffizieren, aus denen sich mit wem- gen Ausnahmen das gesamte OffizisrkorPS des Heeres zu- fammensetzt. ES handelt sich also um Bürgeroffiziere. Uebcr ihre Ausbildung wird ein späterer Aufsatz handeln. Mit dem Jahre, in dem er dos zwanzigste Lebensjahr vollendet, tritt jeder dienstfähige junge Mann in eine Rekrutenschule ein, die nicht Dienstfähigen werden m anderer Weise für den Staat nutzbar gemacht. Die Rekrutensch n le ist kein Vestandtefl des Miliz- Heeres; der junge Mann, der in sie aufgenommen ist, gehört ihm noch mcht an. Sie bildet eine Organisation für sich und ist eine Vorbereitm-gsanstalt für das Heer. Wir werden nun zu untersuchen haben, wie lange die Ausbildnngszeit in ihr dauern soll. Zunächst genügt es, den Grundsatz zu wiederholen, daß der junge Mann nicht länger als unbedingt erforderlich, dem wirtschaftlichen Leben ent- zogen werden s»ll. Gebäude für Rekrutenschrilen werden uns in den bish�rissn Kasernen in reichem Maße zur Verfügung stehen._ Mbeltslesigkeit in Ser Schzvsiz. HuS Basel wrrd A«s aeschr�sben: Nie ArbeitSlofstckeit in den ßtohen sckwelzerisckson industriellen tiebieten ttLmmi vsn Dag zu Tag m ganz unheimlicher Weise zu. Nur noch ivsnige Tage, so muß die gesamte schtveizerische Seiden- industrie, die»n?gesa«ii etwa 50 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt, die Betriebe einstellen aus Mangel an Rohseide, deren Zusendung von der Entente täglich versvrschen wird, aber ein- getroffen ist nech nichts. Di« Eisen- und Metallindustrie, die mit neu«, und alten Aufträgen geradezu überhäuft wäre, klagt über die mcm�elnSe Eisen- unid Kohlenzufuhr. Di« Entente hatte versprachen, di« Schwei, aus dem Ssarrevier auSgiebch mit Kohlen zu versehen, aber die Eingänge an Kohlen aus dem Saargebiet sind kaum nennonSN'"?t. Wenn die Kohlenreserven aufgebraucht sind, was m einigen Wichen schon der Fuß ist, werden auch die Metall- industriellen ihre Werkstätten und Fabriken schließen müssen, wo- durch etwa 80 OOS bis 100 000 Arbeit« imD Angestellte verdien ffloS würden. Di einzelnen Gemeinden werden setzt schon s a st unter her Last der ArbeitSlosensürsorg« er. drückt._ Die fluftettmig öes Lanöbesitze� w Ungarn. Budapest, L. Feibrnar. Gestern hat in GödSllö und Kerspes im Sinne des VsltSgefetzeS über die Besitzreform die Bodenveretilunig in de« ehemaligen Krondamänen begonnen. Bauern und gswssen« Zroutsoldaten erhalten je 3 Joch Ackerboden zugewiesen. Zront-Zrieöen. Eon Kurt JuliuSburg'er. W ylbt in der deutschen Sprache nacht noch einmal zwei Be- griffe, die sich derart gegenüberstechen, sich geradezu ms Gesicht Misgou wie die tieiden Worte Front und Frieden. Und dearnoch, Kimneraden, will ich Euch daran erinnern, daß Ihr selbst von diesem Front-Frieden gekostet habt.— Nur gemach, meine lieben Freunde— ich verstehe, daß Ihr jetzt protestieren wollt; aber laßt mach zur Sache lammen. Nichts liegt mir ferner, als auch nur mit einem Worte die Eindrücke, die dieser«vahnfinnige, entsetzliche Krieg in den Gemü- wen der Hchamts» kultivierten Welt unch besonders bei den Set- dat-en Hintor lassen hat, verwischen zu wollen. R-oim— eS ist unsere bitterernste Pflicht, in die Seelen unserer Kinder und Kindesrinder den tiefsten Msscheu gegen solchen Aus. brach kamst: ich entfesselter Vörkerleidenschaften einzupflanzen. Nie mehr �darf«S geschehen, daß einem Kinde in der Schule Begriffe vom„E-rbseind" und vom„frischstrühlichen" Krieg wie todbningen- ldes Mft eingeanchst werden. lind dsnnoch Front-Frieden? Ich weiß wohl, daß der Frontsoldat im Banne'der um ihn her krepierenden Granaten öterhcrupt keine Empfindungen haben kann, als den natürlichen Selbsterhaltungstrieb, der ihn aus dem Chrasseegraben hinter irgerld einen Erdhügel aus einem Granat- loch in das andeoc jagt. Wer es gab ja auch Tage, wo man einige Kilometer hinter der Front lag, zur Ruhe, in Reserve oder Bereitschaft. Ich denke da an eine? der Hunderte einsamer von den Be- toohnern verlassener Dörfchen. Wo sonst das friedliche Landleben seinen gedeihlichem Lauf nahm, teilt sich jetzt eine Kompagnie Sol- baten in di« noch nicht zerschossenen Gebäude. Awei oder drei Mann in jedem Häuschen. Wenn es der Gegner gnädig macht und am Abend den Ort mit seinen Granaten verschont, fetzen sie sich mit quaimend-r Pfeif« in iwn Garten unter den großen Birnbaum, freuen sich, daß sie heute noch leben, denken an die ehemaligen Besitzer, die nun heimatlos in der Welt umherirren und— denken an die Heimat. Oder«in andeves Bild. Im Groben.— Fraervause.— Noch gellt«8 in den Ohren von dem betäubenden Krachen der lichten Rinen.- Nu» aber ist Ruhe, Ruhe. Nicht ein Gewehrschuß. Rühe.— Ach, es ist ja eigentlich Frühling! Die erste warine Sanne! Gnädig sendet sie ihre belebe I. den Strahlen auch zu UNS hevunter zwlscken dse dehmwände. Wir sind sehr, sehr nachdenklich. Da«'.chestt sich dicht am Grabe nrand ein kleines KviP««hen im ?tslien mobUksiert xsgen?ugoslaW!en. Die Tragödie von Jstrien soll erst beginnen. Die Italiener behaupten, daß dort die italienische Nation natürliche Ansprüche habe und die Jugoslawen behaupten das gleiche. Tos Volk selbst wird darum überhaupt nicht befragt. Der Kampf um das Volk er- folgt über seinen Kopf hinweg. Die unseligen Zeiten wahnsinniger Ländergier sind eben noch nicht vorbei. Italien beginnt nun sich militärisch zum Kampfe um Jstrien zu rüsten. Wie aus F i u m e berichtet wird, erließ Italien einen Mobilmachungsbefehl für einige ältere Jahrgänge. In den Ententekreisen in Fiume herrscht wegen dieser Verfügung groß« Erbitterung, weil Italien damit offen bekundet, daß es seine imperialistischen Ziele gegen di« Jugoslawen mit bewaffneter Hand durchsetzen will. DaS nennt man dann.SelbstbestimmungZrecht der Völker",... KsmMkmfteKpuLsch In Ouüapeft. Meldung des Hollandsch NieuwSburcouS.) Aus Budapest wird vom 21. 2. gemeldet: Das ruhestörende Treiben der Budapsster Kommunisten, die die Bevölkerung seit Wochen in Aufregung halten, erreichte gestern abend ihren Höhepunkt. Von den Kam- m.unistensübrera aufgehetzt, unternahmen mehrere hundert V e- wasfnete, zumeist stellungslose Arbeiter, einen nächtlichen An- griff aegen daS Organ der gemäßigten Sozialisten Napazewer, wollten sich des RedaktionSgebäudes bemächtigen und das Blatt in Besitz nehmen. Die ausgerückte Polizei und die Volkswehr verstellte ihnen den Weg, wobei«S zu schweren Zusammenstößen kam. Die Kommunisten schössen von den Dächern der Häuser auf die Polizisten und warfen Handgranaten. Bei dem Zu- sammenstoß fielen vier Polizisten und drei Zivilpassanten zum Opfer. Heber 50 Psrsanen wurden verwundet. Der Ministerrat beschloß, dem Treiben der Kommunisten ein Ende zu bereiten und beauftragte den Oberstadtbauvtmann Dietz, die energischsten Maß- nahmen gegen die Kommunisienführer zu ergreisen. In der Re- daktion des KommunistenblatteS wurde eine Haussuchung vorgenommen und Manuskripte beschlagnahmt. Im Schutzhause nahmen die Polizisten an dein Kommimistenführcr K u n s i Rache wegen Tötung der vier Polizisten beim nächtlichen Zusammenstoß. Sie setzten beim irnpizierenden Polizeibeamten durch, daß Kunfi vorgeführt wurde, worauf die Polizisten unter Schmährufen mit Gewehrkolben aus ihn losschlugen, bis er bewußtlos blutüberströmt zusammenbrach. Der Stadthauptmann Szentkiravi beschwor die Pölizisten, von Kunfi zu lassen, da er doch der Strafe der Gerechtigkeit übergeben werde. Die aufgeregten Polizisten liehen sich jedoch nicht zurückhalten und schlugen weiter aus Kunfi loZ, der augenblicklich schwer krank daniederliegt. Kunfi bat, als er das Bewußtsein wieder erlangte, die Polizeibeamler., man möge ihn am Leben lassen, tr werde nie mehr an einer kommunistischen Agitation teil- nehmen._ Ds? mißlungene Hanauer putfth. Schnellbacher verhaftet.— Grosier Waffenfund. Die„Frauksturier Zeitung" meldet aus Hanau: Durch An- gaben von Verhafteten hat man ermittelt, daß di« Regierungs- trrrppen im BrachMeller Wald überfallen werden sollten. Man wollte hierzu Spartakisten aus den rnirfiegenfecn Orten und aus Fran furt heremzieben. Ech nel Ibacher, den man als dem gevsbigen Urheber des llebersallplanes bezeichnet, flüchtete, wurde atber in Dörnigheim verhaftet. Man ermittelt« auch vier Maschinengewehre, die für den Ueberfall verwendet werden sollten, in einem Keller. ES wurde überhaupt sine große Menge von Waffen und Munition durch Haussuchungen zutage gefördert, unter anderem bei einer Fvau 25 Patronen, die z u Dumdum-Geschossen umgearbeitet worden waren. In einer Privatwehn ung fand man eine ganze Kiste mit Hand- granatcn. Auch von gaplü nderten Lebensmitteln sind große Mengen wieder herbeigeschafft worden. Bisher sind 60 Verhaftungen, namentlich von Plünderern, Männern und Frauen, vovgenonianen worden. Di» erste Fraktionssitznng der sozialdemokratischen Abgeord- neien zur preußischen Nationalversammlung findet am 2. März 1N1S, vormittags 10 Msr, im A bgeordne ten hau se. Saal 8, statt. die Luft. Emsige Flügelchen schlagen iübermütig auf und nieder und anS einer winzigen Kehl« entströmt ein jauchzendes Lied der Freud«, Zufriedenheit und kebonslust.— Di« erste Lerche! In dem harten Kriegerherz guillt e? warm auf und ein fokd- gvauer Nockärmel w-tscht über die Augen— Front frieden.-- Wie war es doch möglich, daß wir Frieden empfinden konnten; trotz Blut uwd Tod— Frieden? Wir hatten eine Ausgabe! Wenn auch vieles anders war, als man eS uns sagt«, im tiefen Grande unseres Herzens fühlten wir uns als Schützer der Heimat, von Fvau und Kind. Wir hatten eine Aufgabe für die Allgemeinihsit zu erfüllen, wir durften a I s ein GlieddeS großen Ganzen wirken. Darum war ein solch tiefes seelisches Friedensgefuhl in uns. Kameradon, Mitmensch««, fühlt Ihr diesen inneren Frieden auch heute?-- /lus Sonntagskoazerten. Schaven Vergnügungssüchtiger, die nichts treibt, als flüchtigen Fveudon nachzujagen! Dächt und handelte so eine ganze Städter- schaft, eS wäre schlimm bestellt. Aber ein Blick in die Theater und Konzertsäle kann allen chaotischen Zuständen zum Trotz immer noch einem Teil den" Glauben«n den Sieg des Guten und Edlen retten. Derer, die«s nach Aufrichtung, nach Erquickung vom kaftalischen Quell der Kunst verlangt, sinfc viel und werden immer mehr. Mas man auch gegen mittägliche Veranstaltungen irgend- wie künstlerischer Art Triftiges geltend zu machen fände: Sitz um Sitz von andächtigra Lauscher,! erfüllte Räume scheinen jegliche Zweifel zu beschwichtigen. Das gestrige fünfte MittagS-Konzert im Schiller- Theater zu Charlottenburg zeigte ein dichtgedrängt besetztes HauS. Dieser langjährigen Einrichtung hohes Verdienst um wahr- hafte Musisizflcge ist offenhar. Jetzt bat Bernhard Dessau die Leitung der Kammerkonzerte. Mit seinen Getreuen bot er in fein künstlerischer Weise ein Beethobenfche» Trio in C.-Moll für Klavier, Violine, Pioloncell sowie ein Ouartett für Stveichinstramente von Hast du. Das Mutelstück bildeten Lieder von Mozart und Schubert. Hertha Stolzenberg, das geschätzte Mitglied des Deutschen Opernhauses, rang ihnen mit Gluck ihre schwebend grazile Äeichtig- keit ab und erntete einmütigen Erfolg. Auch die abendlichen Sonntags- Sinfonie-Kon- zerte d«S Blüthner-Orchester» zählen zu den ständigen Einrichtungen. Sie sind sie!« stark besucht und bieten meist geholt- volle, abwccksslungsreiche Programme(klassische, romantische und madernste Musik durcheinander), bei deren Ausführung außer dem Ortlester verschiedene Dirigenten, sowie Instrumental- und Ge- sangSsolisten beteiligt zu sein pflegen. Eduard M o e r i k e, der erste Kapellmeister am Deutschen Opernhaus, erweist sich auch im Konzertsaal als ebenso kenntnisreicher Musiker wie gewiegter Orchesterleiter, dem jedes Ztzunstzeitalter und jeder Stil vertraut ist. Tie erste Vortragsfolge verzeichnete Beethovens Sinfonie No. 1 C-Dur und Webers Freischütz-Ouvertüre, die, in den Ein- de? Gerkchtsherr. Ei» Beitrag zum Fall Liebkuecht-Suxemburg. Ein Militärrichter schreibt uns: Die auf das tote Gleis geratene Untersuchung zu den Mord- fällen Liebknecht-Luxemburg hat die Augen der brei- ten Oefsentlichkeit mal wieder auf eine wunde Stelle in unserem Justizwesen, nämlich die dem militärgerichilichen Sonderverfabren archsstenden Mängel, gelenkt. Es ist sogar der Ruf laut geworden: Fort mit der Militärgerichtsbarkeit! Ich möchte in diesen Ruf nicht einstimmen, da die Ar! des miliiärschen Dienstes eine Eigenart des Verfahrens— zu erinnern wäre nur an das Verfahren im Felde—• erfordert. Aber um so deutlicher und vernehmbarer ist immer und immer wieder die Forderung zu erheben: Fort mit den Mängeln dieses Verfahrens! Und der Hauptmangel ist— das beweist der Fall Liebknccht-Luxemburg—. das vorsintflutliche Institut des„G e r i ch! s h e r rn". Wer ist dieser Gerichtsherr? Ein General, nämlich der Divisionskommandeur. Und was hat er zu bedeuten? Er ist der Leiter, der Träger, das A und O des gan- zcn militärgerichtlichen Versahrens; er ist derjenige, der das Ver- fahren nach seinem Ermessen einleiten oder unterdrücken, der den KriegsgerichtSrat in seinen Handlungen treiben und bremsen kann. Kaum ein einziger Paragraph ist in der ganzen Militärftras- gerichtsovdiUliig, der nicht den„Gerichtsherrn" mit Rechten gegenüber dem ihm beigegebenen KriegSgerichtSrat ausstattet. Zwar ist der KriegSgerichtSrat, der Jurist, der einzige Kenner des Unter- suchungsmaterialS; daS verschlägt aber nichts, daß er in dem ganzen Verfahren s» gut wie nichts zu sagen hat. Der.Gerichtsherr", also der General, entscheidet, ob er das Ermittelungsverfahren anordnen will oder ob er die Untersuchung von vornherein ablehnen oder auf bestimmte Taten oder Täter beschränken will. Der..Gerichtsherr", also der General entscheidet, ob der Beschuldigte in Untersuchungs- hast zu nehmen ist; der KriegSgerichtSrat darf, wie der§ 175 der MilitärstrafgerichtSordnung ausdrücklich bestimmt, nicht einmal den Haftbefehl mit unterzeichnen— und dabei ist doch der Jurist der einzige, der daS Belastungsmaterial übersieht, der Schuld oder Nicht- schuld beurteilen kann. Der Gerichtsherr verfügt die Anklage. Aber es kommt noch besser; der Gerichtsherr entscheide! nach freiem Ermessen, ob ein Rechtsmittel eingelegt werden soll oder ob eS bei dem steifprechend-n Urteile fein Bewenden haben soll. Davon kann mancher Militärjurist erzählen, wie es mit der Handhabung dieses Rechtsmittelrechtes steht— wie so ganz anders die Entschei- dung de» Gerichtsherrn fällt, wenn eS sich um einen freigesprochenen Soldaten oder einen freigesprochenen Kameraden des Generals, um einen Offizier, handelt. Im ersteren Falle muß meistens Bevufung eingelegt werden, ja sogar, wenn der Soldat verurteilt ist, oft noch zur Erreichung einer härteren Strafe. Im letzteren Falle findet der Gerichtsherr Tausende von Bedenken, di« ihn trotz gegenteiligen Vortrages seines juristischen Beraters veranlassen, von der Einlegung der Berufung gegen den Offizier abzusehen. Der Gerichtsherr will da« Recht nicht beugen; er kann nach seinen An- sichten von Kameradschaft nicht anders. Die KriegSgerichtsräte aber haben nach Z S7 der Militärstrafgerichtsordnung den„Weisungen" des„GerichtSherrtt". also de« juristisch nicht geschulten, über den Fall nicht unterrichteten Generals, Folge zu leisten. Eine Weigerung oder schon die Aeutzerung von Bedenken könnte für den armen KriegSgerichtSrat, der alS„bloßer" Militärbcamter(mit 8000 M. Gehalt) hinter dem Offizier überhaupt und wieviel mehr noch hinter dem Divisronsgeneral, einem so hohen Offizier(mit zehnfachem Gebalt), zurücksteht, bei der Qualifikation, dem Er- holnngSurlaub, Bersetzungswünschen usw. d i.eübelstenFolgen haben. Man frage die im Kriege gereisten Militärjuristen, was sie von dem Institut des GcrichtSherrn denken; die größere Mehr- zahl wird ohne Zaudern antworten: Fort mit dem Gerichtsherrn au» der unparteiischen RechtSpslegel Bayern hatte ihn auch in der Verordnung über die vorläufige Regelung der MilitärgerichtSharker: vom 21. Noveorber 1213,§ 10, beseitigt mit den einzig zutreffenden Worten:„Die gerichtsherrlichen Befugnisse-kommen in Wegfall" und hatte ihn durch eine unparteiische „Beschlußkommission", bestehend auS einem richterlichen Militär- justizbeamten und zwei Laienrichtern, einem Offizier und einem Angehörigen des MannschastSstandeS, ähnlich der beschließenden Strafkammer der bürgerlichen Gerichte, sehr glücklich ersetzt. In Lail..llL«I I. J I,.......... I gang»tak!en sehr langsam, beinah allzu zögernd genommen, dann bis zum Schluß stürmisch gesteigert, von mächtiger, auch nicht durch weniger delikate Einsätze der Waldhörner beeinträchtigter Wirkung war. Straußen?„Tod und Verklärung", im zweiten Teil, wurden mit respektabler Könnerschaft bewältigt. Als Klaviristin ließ sich Luise Gm einer mit Lifzt's Dante- Sonate hören. Anschlag. Spieltechnik, Von! rag verrat«!»rnsteS Streb«, nach hohen Zielen._ ck. Notizen. — Der Zeichner G u st av Brandt, der seit 1380 am Kladderadatsch qoarbsitet hat, ist in Berlin gestorben. Er war ein politischer Karikaturist ersten Ranges Die Porträtlarjkatur war seine oberste Kvaft. Seine Bilder waren intensiv bewegt, durch wuchtigen, bestimm!«,, kernig eleganten Strich zum Leben gebracht. Unmittelbar aus der Wirklichkeit schienen seine Spottbildnisse auf- zuschnellen. — Musik. Ein Beethoven-Wagner-Strauß» Konzert mit dem Blüthner-Orcheer, Dirigent Paul Echeinpflug. Solist Heinrich Schlußniis, findet Sonnabend, den 1. März, im Blüthnersaale statt. Zur Aufführung gelangt Don Juan, sin» fowische Dickstung von Strauß, Szenen ans dem 3. Akt der Meister- singer und Beethovens 5. Sinfonie.— Im Dom veranstaltet Walter Fischer v« kommenden Donnerstag, 8 Uhr. ein Orgel- k o n z e r t, bei welchem Frau Frieda Siewcrt-M-ichels(Sopran), Fräulein Hertha Jahn(Alt) und Herr Hesnz Beyer(Cello) mit» wi-rten. Der Eintritt ist frei gegen Entnahme eines Programms. — Eist Volkskunst haus in Leipzig. In Leipzig hat sich soeben eine Akn enges ellschaft„Bau für VolkSkunsthauS" mit einem Grundkapital von einer Million Mark gebildet, die einen großen Neubau errichten will, in dem eine Anzahl der künstlerischen Volksbildung dienenden Unternehmen zweckdienlich vereinigt wer- den sollen. Zunächst soll ein Theater mit 1300 Plätzen gebaut werden, da» dem im Dezember vorigen Jahres gegründeten Ver- ein Leipziger Bolksbühnen für«rstklassftge billige Vorstellungen zur Verfügung gestellt wird. Daneben wird vine große, zweigeschossige Ausstellungshalle für bildende Kunst errichtet, die mit dem Theater durch Wandelgänge in Verbindung steht und jedem Theaterbesucher freien Eintritt in die Kunstausstellungen gewährt. Schließlich soll im Pooderhaus« ein« VolkSakade- m i e nach dem Muster der Berliner Humboldt-Aladerwie untsr- gebrachi werden. — Paul Baders Soziali st engesetz-Drama. be- titelt„DaS Seietz", soll deinnä«bst vor den Mitgliedern der Nationalversammlung aufgeführt werden. In Magdeburg er« leble das Stück unlängst die Urausfüvrimg. Die Sbauspieler des, Magdeburger Stadi-Theaters wollen es nunmehr in Weimar geben. Ueber 40 Bühnen nahmen eS bisher an. — Neue Fliegerschnelligkeit.„Matin" meldet: Das Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Rateau, hat eine Erfindung gemacht, die eS Flugzeugen ermöglicht, mit bisher un- bekannter Geschwindigkeit in bis heute unmöglichen Höhen zu stiegen. Dadurch konnte die Reise von Pari» nach Algier in 5«nü noch Kairo in ,il Stunden zurückgelegt werden. Asthma u. L&ingenlelden Herr Hzuptlehrer Hiller aus Bislau schreibt:| Seit mehr als 12 Jahren IM ich an Atemnot, j Dies wurde immer schlimmer, so da8 ich ein Uiniienleiden nefürchtete. ich mußte den größ- I lenTeil der Nacht sitzend im Bette zubringen, j Husten und Nachtschweiß machten mich so i matt, daß ich kaum meine Glieder schleppen; konnte. Al'e mögliehen Mittel wurden versucht— aber helfen konnte mir keines,— Da wandte ich mich an Sie. ich führte die Kur so gut ich konnte durch und erzielte bald Besserung, die immer weitere Fortschritte machte-- I bis ich Jetzt vollständig geheilt bin. Ich bin| ein neuer, gesunder Mensch geworden und] spreche Ihnen mei: en m rzlichsten Dank aus. j Leiden Sie»n Schnupfen, Hals- schtnerzen, Heiserkeit, Husten. Atemnot, Auswarf zähan Schleimes, Stechen nuf Brust und Rücken, Nachtschweiß. kalten Händen und Füßen. Blutspucken, pfeifenden u. sonnurrenden Geräusohon in der Brust oft heftigem, unregfel- I mäßigrem Herzschlag', starkem Angst- j gefühl, mangelhaftem Schlaf, schlechter Verdauung etc., so verlangen Sie sofort! meine neueste, mit Vorwort eines als Kreisphysikus geprüften Arztes versehene Broschüre. Sie wird Ihnen vcSlstlndi� gratis gegen Einsendung d. Portos zugesandt Kurdirektor Wackwitz, Kötzschenbroda Sa..Sctiiiei5fac!i 29 Sprechstunden täglich 9— 12 Uhr. r Die persönliche Schuld Wilhelms II Ein zeitgemäßer Rückblick. Preis 1,20 Mark(Porto extra). Jeder Deutsche sollte dieses Büchlein lesen! Man bestelle sofort bei: A. Kraus, Berlin NO 55, kotd» Lippehner Straße 8. Dr. med. Dammann für Geschlechistrank«. 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Die Offizierrichter in den erkennenden Gerichten find durch die Verordnung der Reichsregierung vom 6. Dezember 191S, Ziffer V, beseitigt— mit kl us nahm« des Reichsmilitärgerichts, wo die Befei- tigung der Ofsizierrichter konsequenterweise folgen muh und wird. Jetzt gilt es für die ReichSregierung: Beseitigung des G e< richtSherrn! Verfolgen wir die Denkschrift der VollzugsratS- Mitglieder zu dem Verfahren Liebknecht-Luxemburg, so begegnet uns auf Schritt und Tritt alsHinderniS nur der.Gerichts- herr": besonder« fällt dies in die Augen, wenn die mftveröffent- lichten Schreiben und Bescheide de? KriegSgerichtSrats JornS einer näheren Prüfung unterzogen werden. Warum wurde nicht vom Gerichtsberrn im Interesse einer einheitlichen schleunigen Unter- suchung vom§ t der Militärstrafgerichtsordnung Gebrauch gemacht, der es bei Zuwiderhandlungen gegen die allgemeinen Strasgesetze (z, B. Mord) ermöglicht, im Falle der Mitbeteiligung von Personen, die der bürgerlichen Gerichtsbarkeit unterstellt sind, auch die de- teiligten Militärpersonen dem bürgerlichen Ge- richte zur Untersuchung und Aburteilung des Falles zu übergeben? Wer lehnt« die Verhaftung ab? Wer entschied über Ausdehnung des Verfahrens, wer über die Zulassung der Angehörigen des Verletzten und der Rechtsbeistände? Der Gerichtiherr, Die Beseitigung der Einrichtung des Gerichts- Herrn ist«in drii�zendeS Gebot der Stunde Verschwindet der Gericht Sperr auS dem Bl nähren, so werden die Vorwürfe gegen die Militärgerichtsbarkeit oerstummen. Die Republikanische Schuiztruppe teilt unS den Wortlaut einer Berichiigung mit, die sie an die„Rote Fahne" als Entgegnung ar.f deren Artikel„Kuttners Diebesgewecbe" gesandt hat. Die !nepr?b*-.kciu|ch« Ewutztruppe stellt darin fest, daß die in der.Rosta" bsrgeft Eimenen T isbstächle nicht durch Angehörige der Truppe ausgeführt wurden sind. Es wird streng daraus geachtet, dotz die Msiinschaftin der Republikanischen Schatztruppe sich keine Versrhlungkn zuichukden kommen lassen. Sollten dennoch Un- rv�elmä>'igtciien oorksminen, so ioerden die Täter durch die Ge- Wwisabtei.img der Truppe sofort dem zuständigen Richter oder der»toatSanwalischaft zugeführt.— Ferner bestätigt die Berichtigung unsere Feststellung, dag unser Redaktionsmitglied Kuttner mit der Leitung der Organisation der Schutztruppe nichts zutun Hut. GemeinökwahZergebnlsse. Das Gefamtrefultat von öedin. Es haben erhalten: S. P, D........ 233 927(47 Sitze). 11, E, P, D....... 235 356( 47.) Temolr......... 106 528(20,) Ebriftl By,...... 83 828( 7.) Teurfwe vp....... 40 860(8,) D«!.:ich.iat, BP...... 77 670(16.) gliailottenburg. Doz. 38 857, Unabk, 26 041, Neu« Milte'standS- p«rt-i 8545, Demokraten 26 340, verbundene Listen der Bürgerlichen 4! 38L Stimoien. Es erhalten Sitze: Mehrh. Soz. 22, Unabh. 15, Mittelftand 4, Teirotr, 14. Ver, Bi raerl 28, RenlSll». S, B, D. 51932(31 Sitzei, N, S, P, D. 42 319 (25 Sitz«), Demokr, 11 646(7 Sitze), Bereinigte Dcutschnat., deutsch? und christl, VoriSp. 12 040(7 Sitze), Kommunale Partei 2385 (2 Eitze). SÄtncbcrg. S. P. D. 25 275<10 Sitze), U. S, P. D. 0187 H S'tze), Demolr, 17 069(15 S.tze). Deutschnat. 16048(13 Sitze), Deutsche volt-p. 7280>5 Eitz.). Christl, Polksp. 4865(3 Sitze). Wirj'chafrSvereinig. 47v7(3 Sitze). Wilmersdorf. iRorläusigeS Ergebnis.) S. P. D. 17 OSO, 11. S. P, D. 4721, Bürgerlicher Block 30 637, Hausagrarier 2861. Ben den 66 Etadtverordnetensitzen würden demnach erhalten: C, I. D. 26, U, S. P, D. 6, bürgerlicher Block 37 und die Haus- aarorier Z Sitze. vi-l.tcnb-rg. S. P. D. 28 591, 11. S. P. D. 18 215. Bürgenbund 13 2-5. iieinickendorf:«. P. D. 5371, U. S. P. D. 9580. Büvgerliche 4037. Di« 11, S P. D. hat allein 19 Verircter von 36. Trcptow-Paumschulenwcg: S. P. D. 6347, U. S. P. D. 4563. Demokr. 28s?0, Bürgerlieber Block 2970. Britz. S.?. D. 8 Vertreter(2473), U. S. P. D. 7 Vertreter (1950), Bürge rparteien 5 Vertreter(1616). Johannisthal. S. P. D. 6 Vertreter(049), U. S, P. D. 7 Ver- treter(1010) Demokr. 3 Vertreter(497), Zentrum, D. Vp., Deui'ckmrt. Bp(verbundene Listen) 2 Vertreter(275). Eberschöncn, ide: S. P. D. 6 Vertreter(3005). U. S. P. D. 13 Vertreter!b7SS>, D?n-okr. 8(1325), Zentrum, Dcutschnat. Vp., D. Bp.(verb. Listen) 1 Vertreter(740). NiedersckSnewcide: S. P. D. 3(1668). U. S. P. D. 3(1720). Demokr 4 Vertrese«(930), Zentrum, D. Vp.. Deutschnat. Vp., 4 Vertreter(860). AdlerShof: S. P. D. 5 Vertreter(1428). U. S. P. D. 10 Ver- treter(2661), Temok». Aürgerausschutz 4 Vertreter(1113), D. VP. 2 Vertreter(541). Zehlendorf. E. P. D. 2440, II. S. P. D. 639, Bürgerlicher Block 4407, Demokr. 1540, Hausbesitzer 702. Es erhalten S. P. D. 7, II. S. P. D. 2, Block 14. Temokr. 5 und Hausbesitzer 2 Sitze. Rowa-orS. S. P. D. 3145, U. S. P. D. 4287. Denwlr. 1749. Kons. 1485, Ehrist. 333. Pankow. Sozialdemokraten 14 Sitze, llnabhängig«<3, Demo- traten 3. Di« übrigen Parteien erhielten zusammen 13 Sitze. Köpenick. NlehrheitSsozialiiten 15 Sitze, Unabhängige 14 und die Bür�rliib«! 12. Weißens«.®. V. D. 7 Sitze, U. S. P. D. 11. Büvgerliche 4. Dermsdorf. S. P. D. 941(3 Sitze), U. S. P. D. 834(3 Sitze). Bürgerliche 2156(9 Sitze). Stralau. S. P. T>. 001<4 Sitze), U. S. P. D. 1132(6 Sitze), Bürgerliche 542(2 Sitze). RiedcrschLnbaufcn. S. P. D. 3110(7 Sitze). N. S. P. D. 18Ä (4 Sitz«), Dewotr. 1635(4 Sitze), Christl. und D. Vp. 1166(3 Sitze), Deutschnat. Vp. 1255(3 Sitze). T-mpelhof. S. P. D. 6024(9 Sitze), II. S. P. D. 2781(4 Sitze). T«,nokr. 3145(4 Sib:). Zrntm-m 952(1 Sitz), D. Bp. 2828(4 Sitze). Deutschnat. 1412(2 Sitze). FricdrichSfelde-Karlshorst. E. P. D. 2684(6 Sitze), U. S. P. D. 302»(7). Demokr. 1726(4 Sitze). Bürgerliche Mischmasch 3206 (7 Sitz-!. Friedrichshagen. S. P. D. 2515(7 Sitze), kl. S. P. D. 2108 (st Sitz«), Bürgerparteien 3430(0 Eitze). Die GemeiNÜewahlen im Reich. Hannover, 24. Februar. Nach der gestrigen Gemeindewahl in der Stadt Hannover verteilen sich die Sitze auf die einzelnen Parteien wie folgt: MehrheitZsozialiftcn 35, Unabhängig« 2, Hauswirte und Gewerbetreibende 6, Angestellte 2, demokratische Partei 8, deutsch-hannoversche Partei und Zentrum 20, Gastwirte 1, Wahl- Vorschlag Tramm 1(Etadtdiroktor a. D. Tramm), Bürgerbund 0. DaS Wahlergebnis aus Linien liegt noch nicht vor, doch dürften, soweit bi» jetzt bekannt ist, die sozialistischen Parteien die Mehr- heit errungen haben, GLMchchMeVElmg Tarifabschlnft im Schtverfuhrtverksgewerbe Gross-Berlins Der Transportarbeiterverband hat mit der Kriegswirtschaft- lichen Vereinigung Groh-Berliner SpeditionS- und Fuhrbetriebe der Fuhrherreninnung und dem Deutschen Arbeitgeberoerband für die Handels-, Transport- und Verkehrsbetriebe ftir die Kutscher und Arbeiter dieser Beirieü« mit Wirkung vom 1. Februar einen Lohn- tarifvertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag bringt den beteiligten Arbeiinehmern eine wesentliche Aufbesserung der Löhne. Die bis- hcriaen Wochcnlöhn« ftir Kutscher betrugen im allgemeinen 65 bis 70 M. Nur in einzelnen Betrieben wurden etwas höhere Löhne bis 86 M. gezahlt. Nach dem Tariflohn erhalten nunmehr die SchwerfuhrwerkSkutscher pro Woche 66 Vt. Grundlohn und einen Teuerungszuscklag von 26 M. Diejenigen Kutscher, welche über«in Jahr in den Betrieben tätig lind, erhalten neben dem Grundlohn von 60 M. einen Teuerun�zuschlag von 30 M., zusammenalso 90 M. pro Woche. In Betrieben mit gemischtem Fuhrwerk, Svrengwagen, Fegrmasch-nen und sonstioen leichten Gespannen er- halten die K-utscher einen wöchentlichen Grundlohn von 50 M. nebst einer Teuerung sgulagc von 20 M., also zusammen 70 M. pro Wo de. Diejenigen Kutscher, welche über ein Jahr tätig sind, er- halten neben dem Grundlohn von 50 M. einen Teuerungszuschlag von 2 M., zusammen also 75 M. pro Woche. Jugendliche Kutscher im Alter von 16 bis 18 Jahren, welche ZeitungS- oder Altentvage« fahren, erhalten einen Grundlohn von 42 M. nebst Te-ucrungSzulag« von 8 M. Die Arbeitszeit beträgt 8 Stuben innerhalb 10 Stunden. Beginn der Arbeit morgens 7 bzw. 8 Uhr. Beendigung nachmittags 5 bzw. 6 Uhr. Ueberstunden vor Beginn ui»d nach Beendigung der Arbeitszeit werden je mit 2 M. bezahlt. Driigemde Fuhren, welche Sonntags vormittags zu leisten sind, werden pro Stunde mit 100 Proz. Zuschlag zum regu- lären Lohne vergütigt. Stallwachen und Pferdeftittern an Sonn- und Feiertagen nachmittags werden pro Spunde mit 2 M. bezahlt. Jeden zweiten Sonntag haben die Kutscher völlig dienstfrei. Außerdem ist in dem Vortrage für die Arbeitnehmer auch Sommerurlaub, je nach der Dauer ihrer Beschäftigung von 4 bis zu 16 Tagen unter Fortzahlung de? Lohnes voraesehen. Ferner ist im Vertrage die Auslegung de?§ 616 B.K.B, bezüglich der ver- hältnismätzig kurzen Zeit der unverschuldeten ArbeitZverhinderung geregelt. Danach wird der Lohn weiter gezahlt. Nach einer Be- schäftigung-sdauer vnn einem Holben Jahre für 3 Tage, nach einem Jabve 1 Woibe, nach 3 Jabren 2 Wochen und nach 4 Jahren 3 Wochen. Austerdem ficht der Vertrag noch Beitimmungen vor in bezug auf sanitäre Siurickäunoen. Arbciterwusschüsse usw. Ter Geltungsbereich des Vertrages ist Grost-Berlin. Der Ver- trag soll von Heiden Vartcicn durch Antrag beim RcichZarbeitSamt in» Tarifregister zur Eintragung gelangen. Heber die wirtschaftliche Lage der NnwaltSaugefkellten wurde in einer vom Berlxrnd der Dureauangestelltcn rinberufenen Versammlung beraten. Der Vorsitzende erstattete Bericht über die Schritte der Verbaudileitung zur Herbeiführung besserer Arbeits- bedinzungen. Aus der Mitte der Versammlung kamen lebhafte, auch leider nur zu berechtigte Klagen über die ganz ungemein ge- ringe Bezahlung der AnwaltSangcstellten zum Ausdruck. Di« in der vorbergehenden Versemlung dieser Angestellten gefastten Be- schlüfie, die festgesetzten Mindestlolme dem Berliner Anwaltverein zu ülbevrcichen, sind auch zur ArKsüh ung gekommen und«in« Entscheidung deS Schiedsgericht» soll nach Uebereinkunft beider Teil« anperu!»» werden. Die Gehälter der Anoestellten sind noch öuße st niedrig. Ein vorbei rateter Bureouvorsleher arbeitet noch ftir 250 bis 275 M.. eine Stenoihpistin noch für 100 bis 120 M. Di« AmvaltSangestellten haben leider noch nicht erkannt, dast der einzelne Angestellte zur Besserung seiner Lag« gcK nickrtS vermag. Unsere jetzige wirtsch-irsftiche Lage bat ibncn jedoch hoffentlich ge« zeigt, dast nur durch Zusammenschluß etivai erreicht werden kann. Die Ve Handlungen mit dem Schlichtiingsausschust des Anwalt- verein» werden vorouSfichrlich nächste Woche stattfinden, so dost erst iu einiger Zeit eure Klärung der Lage eintrete« kann. GroßGerün Besciti-t die Llltersbestimuiungen k Einer der auch daS Unglück hat, zu früh geboren zu fein, schreibt unS: Auf dem Artzeitsnachwei» Wusterlxru jener Str. wurden in der vorigen Woche von der A. E. G. Schlosser verlangt, die nicht über 30 und nicht unler 22 Jahre alt sein durften. Vor dem Kriege verlangte die Firma Leute bis zu 40 Jahren. E« ist nur zu berechiigt, wenn sich der Arbeiterschaft Empö- rung heniächlizt über derart i�e Älter. sbollchriften. Wie bitter müssen ein derartiges Verhalten die alten Landsturinleute empfin- d:n, die vor dem Feinde nicht zu alt waren, um Leben und Gesund- beit einzusetzen und jetzt, wo sie arbeiten wollen, derartig vor den Kops gestosten werden Arbeilet l ArbeiietI so tönt es immer wieder. Und wer dann arbeiten will darf sich eilt einem hochnotpeinlichen Verfahren unterziehen, ob er nickt zu alt ist. schließlich noch gerade Vene, vonchnftsmästig- Nase und eventuell auch noch die notwendige drbvt« Gesiirirung besitzt. Im übrigen existieren diese Altersbestimmungen nicht nur bei Privatunternehmern, sondern auch bei verschiedenen Behörden, wie au» den mehriachen Klagen hervorgeht. Deshalb ergeht an die llmtern-hmer und Behörden die Auffovdcning! Beseitigt i'« Alters- bestimmuagen I Für sie ist heut kein Platz mehr. Spät kommt sie, doch sie kommt— nämllich die Antwort auf ein Gesuch um Anstellung, da? ein M i< i t ä r a n w ö r t e r bei der LandeSversscherungsanfiall Bran- denburg eingereicht hatte. Am 10. Februar 1919 wurde ihm ge- schrieben, dast nächsten» Neu«inl>«ruiungen für den Kanzleidienst erforderlich werden. Er solle mitteilen, ob er gegebenenfalls einer Einberufung unter den vorgeschriebenen Bedingungen folgen würde. Im Oftober 1910 war er nach zwölfjährigem Militär- dienst wovon er neun Johr« bei der Schutztruppe abgeleistet hatte, mit ZivilversorgungSschein entlaffen worden. Im Januar oder Februar 1911. vor jetzt acht Jahren, meldete er sich bei der LandeSversicherungsanstalt und seitdem stand er in ihrer Be- werberliste. Jetzt endlich blüht dem Beglückten zwar noch keine Zusage tatsächlicher Einberufung, aber immerhin schon die An- frage, ob er seine Bewerbung aufrecht erhält. Zu den Anstellung?» bedingunoon gehören z. B.- dreimonatiger Probedienst gegen monat- sich 90 Mk.. daran anschließend diätarische Beschäftigung gegen mouallich 120 Mk. nebst üblichen Teuerungszulagen, bei vier- wöchiger Kündigung und ohne Anspruch aus lebenslängliche An- stellung. Inzwischen ist der Mann 40 Jahre alt geworden und hat sich in verschiedenen schlecht besoldeten Stellen umbergedrückt — und nun erbält er al» Lohn für zwölf Jahre Militärdienst und acht Jahr« Wartezeit ein solche? Angebot! Er fragt, wie alt man wohl werden soll, um jemals eine besser de« soldete Stelle und in ihr das Höchstgehall zu erlangen. „ftfv'dwiHige" Geldspenden der Schulkinder werden in der Berliner 287. Gemeind«sckuT«(M>cmes«r Strasse) eingesammelt. Sie sollen dazu verwendet werden,»in« Gedeultafel für die im Kriege gefallenen Lehrer der Schule anzu- schaften. Alle, die durch ,iifen Krieg hingem»ckd«t wurden, ver- dienen ficherlickj, däss wir fi- in«h'vnde« Andenken bebalten. ES lässt sich auch»erstehen, dass die Schul« zu dauerndem GodächiniS «ine fichLnrre Eivung dw®*faBen-en wünscht, und gewiss wird manche» Kinld sich an der Kostswd?chung beteiligen. Wir müssen aber da« Perftchren, die Kosten dur-b Geldsammlung unter den Kindern aufzubringen gruwdsätzlich verwerfen. Di« „Freiwillig letzt" der Beteiligung ist immor zweiselhaft. wenn Lehrer rnrter Schulkindern oder Vorgesetzte unter Beamten usw. sammeln. Man soll Schulkinder oder ihre Eltern nicht in die Lage bringen, zu glauben, dass sie geten müssen, aber dieser Irrtum kann trotz allen Hinweisen auf die..Freiwilligkeit" nur zu leichit entstehen� Mit Recht tadalit der mit Glücksgütern nicht gesegnete Pater eines KindcS in einer Zuschrift an uns die in der 287. Ge- mrndeschule betriebene Geldsammlung und die wiederholten Mah- nungen de» RckwrS und der Lehrerin. Sonderbar berühri es, dass die Lichrerim den Kindern aufgab, cin« Seite voll zu schreiben mit dem immer wiederholen Sitz:„Ich soll für die gefallenen Herren an unserer Schule Geld mitbringen". So» viel wir wissen, stimmt auch die Schiuldeputation unferm grund- sätzlichen Widerspruch gigen svicbe Geldsommlunpen bei. Vor Jcchren wurlen sie übeihairpt für die Berliner Gemeindeschulen verboten, und wir glauben nicht, doss jenes Veböot«ustahoden worden ist._ Ter Entlassung?anzuq. Von verschiedenen aus dem Heeresdienst heimgekehrten Sol» baten sind uns ausführlich« Schilderungen und bit'"z Klagen darüber zugegangen, dass sie bei ihren?lnträgen auf Likjerung eine? EntlassungZanzugeS den ärgsten Scherereien ausgesetzt sind. Sic werden von einer Stelle zur anderen geschickt, müssen sich am frühen Morgen mit Hunderten zusammen„anstellen" und können nach stundenlangem Warten unverrichteter Sache nach Hause gehen, um an einem anderen Tage wiederzukommen und ähnliches zu erleben. Wir haben bereits vor etwa 14 Tagen auf diese Wirt» schaft hingewiesen, aber eS scheint nötjg. nochmals daraus einzugehen. Einige der Zuschriften regen an. dass der Soldatenrat sich mat die Zeit nimmt, sich um diese für die Kameraden immerhin wichtigen Dinge zu kümmern und auf Acnderung zu dringen. Wir verstehen in der Tat nicht, warum nicht wenigstens sollte verhütet werden können, dass die Heeresentlassenen um ihren EntlassungSanzug f o viele unnötige Laufereien machen müssen. Mancher, der glücklicherweise schon Arbeit gesunden hat, virsäumt einen halben Tag. erleidet einen sehr unangenehmen Lohnausfall und legt noch daS Fahrgeld drauf. Und das kann ihm, wie schon gesagt, mehrere Male hintereinander blühen. Mitunter wird ein Antragsteller auf einen so späten Zeitpunkt vertröstet, dass bis zur Lieferung seines Anzuges der Sommer bcrankäme. Wie wenn nicht gerade jetzt im Winter der Mangel an 5ileidung am bittersten empfunden würde! Die Zuschriften lassen durchgängig den tiefen Verdruß erkennen. den dies« Zustände bei den HecreSentIass«nen erregen. Vom„Rittergut deS kleinen MonneZ". Den Wert der Laubenkolonien hat erst der Krieg recht gezeigt. Bei den CrnährungSschwierigkeiten konnten sie manches zur Linderung des Mangel» beilragen. Was der Fleiss des Lauben» kolonisten stftafst, darüber berichte!« dieser Tage Herr Stein- weg- Neukölln, der Geschäftsführer des Gross-Derliner Verband«» der Laubenkolonisien. der onlässlich eine» von der LandwirtschastS- kam wer veranstalteten VortragslehrgangeS den„Kleingarten- bauimDienstedervolkSernährung" behandelte. Eine für den Sommer 1916 vorgenommene Schätzung der Kartoffel-, Gemüse- und Obsterträge aller Laubenparzellen Gross-Berlins ev- gibt, wenn man ihren Wert nur zu den billigen Preisen der Friedenszeit einsetzt, für über 0 Millionen Mark Rah- rungSmiftel. Aus einer gleichzeitigen Tagung de» Vereins zur Förderung des Obst, und Gcmüseverbrauch» sprach Gortendircktor Boese- Forst i. L. über:„Die zukünftige Bewirtschaftung der Kleingärten". Er glaubt, dass noch auf längere Zeit hinau» Gemüjeknappheft bestehen und der Kleingarten wird aus» helfen müssen. Den Kleingartenbcwirtschastern werde jetzt die Ein- führung des achtstündigen Arbeitstage» die Möglichkeit geben, mehr Zeit auf ihre Parzelle zu verwenden. Redner empfahl Gemein- samkcft bei Einkaufs von BedarsSartikeln für den Kleingarten, auch gemeinsames Porgehen bei der Schädlingsbekümpsung. der Parzellenbewässcrung, der Bewachung usw. Den Kleingarten- bewirtschaftern sei übcrhaupi cin rechter Zusammenschluß etwaaufgcnossenschaftlich erGrundlage anzuraten Man solle da».Rittergut des kleinen Manne S' schützen und bei Tomänenausteilungen sogleich für Kleingärten sorgen. Einen eigenartigen Beitrag zu diesem„Schutz" lieferte in der Diskussion ein Laubmkolonift. Aus dem Berliner Nieselgut OS- dock hat mau Klcingartenpächtern die Pacht pro Quadratmeter von bisher 3s4 Pf. gesteigert auf 5 Pf. bei einjähriger Pach- tung und 6 Pf. bei dreijähriger Pachtung. Unter den davon be- trofsenen etwa 150 Pächtern, die sämtlich Einwohner von Gross- Berlin sind, herrscht starke Erregung. So schützt der Der- liner Magistrat das„Rittergut des kleinen Mannes"! DaS soziale Gewissen der Gemeinde». UnS wird geschrieben: Im städtischen Rwdolf Virchow-Kranken» Haus« wurde ein Schlächer, der vor dam Kriege 2 Iah« dort als Schlächter besetxiftigt war. nachdem er aus dem Felde zurück war, nicht als Schlächter, sondern als Hofarbeiter angestellt, und zwar zum Anfangslohn, der für diese Arbeiter festgesetzt ist. Die Ver» bandsleilung stellte da» Verlangen, diesen Schlächter in der Küche zu beschäftigen, wo jetzt nur Frauen und Mädchen beschäftigt wer- den. damit er eine für seinen Beruf einschlägige Arbeit verrichten bann. Desgleichen Wunde verlangt, dem Schlächter mindesten? den Lohn auszuzahlen, den er vor dem Kriege bezogen hat, inkl. der Teuerungszulage. In der ablehnenden Anftvort sagt die Direktion» dass in der Kochlüche nur drei Köchinnen und 66 Küchenmädchen be» schaftigt werden, männliche Kräfte überhaupt nicht. Also in der Küche werden 69 Frauen weiterbeschästigt, während der Schlächter den Hof säubert. Gchgihlt werden 7,95 M. pro Tag. Will man so di« Arbeitslust der Arbeiter fördern? 200 900 Mark DiebeSbeute. Für 200 000 M. Beute machten Einbrecher in dem KonsektionSgeschäst von David Spieckere in der Beulhstrasse 4. Sie brachen die Türen zu den Geschäftsräumen im dritten Stock mit Gewalt auf und stahlen einfarbene und schottische Seidenblusen, Erepe de Thine-Sei>dc, weisse und schwarz« Seiden- garne usw. Auf die Wieder.beschcrffung de» gestohlenen Gutes ist eine Belohnung von 10 Poz. de» Wert«» ausgesetzt.— Auch die Kleide rfabrik von Bcrsing, au» der Boxhngencr Str. 15, die auf dem Grundstück Sonnenburger Str. 14 liegt, wurde von Einbrechern heiin- gesucht. Hier fielen ihnen für 20 000 M. fertig« und zugeschnittene Herrenulster, marengofarben, fertige und unfertige Militärhosen. Drillstoff« und Nähgarn in die Hände. Im VerfolfliingSwahn aus dem Fenster gesprungen ist gestern mif dem Grundstück Bnmnncnstr. 15 die 74 Jahre alte Witwe Berta Streich, die dort im dritten Stockwerk d«S Qucrgebäudes wohnte. Die Frau war sofort tot. Boisdam. Dienstag, abend» 6 Mr. WirtSbau» Sanssouci � O e I i e n I l i ch e VolkSveriammlung. Tbema: Beamtentum und die Kommnnalniablen. Ret.: Stadttekreiär Hen'mann. Berlin.— Miliwoch, den 26. Februar, abend» 8 Uhr. bei Becker Lindenstr. 20: Mitglieder- versammlung. Neue Mitglieder werden ausgenommen. )?us aiisr Wskt. Ein wildgcwordener Schleichhändler. Thorn. In Brie'en iWeftvreuhe») wurde im Schalterraum de? Posiamie« bei der Revision von Postpa'eten der Revisor Zuckermann vom S-vleichbänMer S k a n i« ck>. dessen Sendungen beschlagnahmt werden sollten, mit einem Dolchmesier gelötet und der Gendarmerie« Wachtmeister Pressier am Kopse gefährlich verletzt. Der Täler ist verhafiet. Verantwortlich kür Politik Artur gickler,