}tr.l05.36. fnHtg. Äczuqövreiö: Eieue!;ä6rl. 0,75 ÄL monali.2.25 SKt rccitn» Hau», vorauszahwal. Einzelne ?iuimnern 10 �lenniji. Poslbezug: ÜVunaiI>ch 2.25 2'il.. exll. ZuslcllungK- gebühr. Uiiier Kren-band lür Dculsch- and u. Ociterreich-Ungarn ö.SV Mk. für da» übrige Änsiand S.bv M., bei lüglich sinmaiigel.Suüeüung 7.50 DL. Poiibencllunqcn nehmen an Dänemari. Holland Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Eingmagen in die Loil. zeiiunoS-dreiblisle. Der.Lonväris' ericheuU wochemägüch zweimai. Sonniag» einiaui. Telegranun-Ldreüe: »Soziaidemokra! Verün Abend-Ansgalre. (10 Pfennig) r>� f BcfHitcr Nollislilstt. Zcntralorgan der rozialdcmokrati fehen Partei DcutfchtandQ. AuzetgeuprciS: Die achtgestiaueiie bionvareillezeiie lolic! 80 Pfg..ktleine llliizrigeu-, daS'ettgedruckle Lori 40 Pfg.(zulässig 2 fettgednulie Lones,>edec weucre War! 80 Lsg. Siellengcsuche und Echlafstellenanzeigen da» erste Won SO Lsg.. lede? weitere Won lb Lsg. Wone über>5 Buchstaben zählen für zwei Sonc. 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Daß die bayerische Arbeiterschaft in ihrer ungeheuren Masse sozialdemokratisch denkt, kann nicht bestritten werden. Der bayerische Rätekongreß muß also, wenn er den Anschauungen der Arbeiterschaft auch nur einigermaßen ent- spricht, eine erdrückend« sozialdemokratische Mehr» h e r t haben. Rätekongrcsse sind aber, wie wir alle wissen, keine nach irgendwelchen festen und gerechten Regeln gewählte Volksvertretungen. Gelingt es den Minderheit hier, durch allerhand Praktiken stärker zu erscheinen, als sie in Wirklichkeit ist, so muß außerdem noch eine gMickte Mache Um ail � den Druck auf die Mehrhert verstarken. 2. as Mittel dazu lst Stellung zu nehmen. Etwa 200 Delegierte waren anwesend. die Ausiprengung unkontrollierbarer Geruchte und die Be- � elnfrUfc0- ic?. Kongresses durch„D e P u t a t i 0 n e n" die � � daß die Studenten von ih«r Putschtätigkett ablass-«. in den �aal dringen und nur die Beschlüsse Der Velägerirngs�u stand werde crunxMerhalten. LandeSksvldatenrat' des Kongresse- einen Druck auszuüben versuchen. Sauber forderte. Kotz am Stelle des Heeres die Arbeiterwehr trete. Wir haben das in Berkin erlebt, und'ähnlich war es auch Arbeiterrat Landauer verlangte, daß auch auf dem Lande die in München. Tie Spartakisten wußten ganz genau, daß der i Räte die bürgerliche Presse unter Aufsicht des Aentralrotes Kongreß aus eigener freier Entschließung niemals die„Räte- � kontrollieren sollten. Schließlich forderte Redner unter sttirinischem republik" ausrufen, würde, also ließen sie einige der Ihren Beifall, daß von vornherein festgestellt werde, daß die Versammlung als„Deputation" im Saale erscheinen, um die sofortige � den provisorischen Nationalrat bilde. Arbeiterrat P r e h m schlug I Fasching,„Jugend" und„Simplicissimus". Wie kang� wohl, glauben die Gelshrtcn des bayerischen Bolschewismus, könnte sich in München dieser Schwindel holten? Vierundzwanzig Stunden oder acht Tage? Das arbeitende Volk von Bayern und ganz Deutschland ist zu gut dazu, um sich als Objekt für die Experimente von politisch unreifen Literaten herzugeben, die sich durch die „zweite Revolution" einen angenehmen Nervenkitzel ver- schaffen wollen. Wir zweifeln nicht daran, daß das arbeitende Volk Bayerns sehr bald mit ihnen fertig werden wird. Aber auch daran zweifeln wir nicht, daß diese fortwährenden krampfhaften Erschütterungen des Volkskörpers ein Unheil sind und den Erfolg der Revolution gefährden. Je rascher Bayern wieder auf die gesunden Bahnen der Demokratie zurückkehrt, desto besser wird es für ganz Teutschland seinl München, 25. Februar.(WTB.) Heute nachmittag tagte im Landtag der Kongreß der Landes. Arbeiter-, Sol° baten- und Bauernräte, um zu den polnischen Ereignissen Ar- heiterrat Eröpelin hcrichtete, daß die inhaftierten Geisel« dafür Ausrufung der Räterepublik zu ertrotzen. Ter Landtag, so dekretiert die Deputation, die behauptet im Namen von 3000 SU sprechen, die aber niemand gezählt hat— d«r Landtag dürfe niemals wieder zusammentreten. Eine Spartakisten- Versammlung spricht dem bayerischen Volk einfach sein Selbst- bestimmungsrecht ab. Tarauf folgt eine noch viel wüstere Szene. Tie Sparta- killen lassen zwei ihrer Leute halbnackt im Saal er- scheinen und zeigen die Spuren der Mißhckndlungen, die sie im Kampf mit der Bahnhofswache erlitten haben. Wer kann in diesem Augenblick kontrollieren, auf welche Weise die beiden Leute zu ihren Verletzungen gekommen sind? Würden die Sozialdemokraten mit denselben Mitteln arbeiten, so hätten sie etwa den halbtoten Auer auf der Bahre in den Saal tragen können. Mit solchen Mitteln kann man Augenblicks- stimmungen erzeugen, aber in solchen Stimmungen kann nicht ein endgültiger Beschluß über das Schicksal eines ganzen Volke gefaßt werden, eines Volkes, das zum bloßen Zuschauer dieses Schauspiels gemacht, von der Ent- scheidung aber selber ausgeschlossen ist! Ob dies« Svartokustaktik. die VernSnft mit allen Rütteln totzuschlagen, Aussicht aus Erfolg hat, läßt der Bericht der gestrigen Sitzung noch nicht erkennen. Deutlich treten nur die beiden Richtungen der Linken hervor in Dr. Levien, der sofort und endgültig zum vollen Bolschewismus über gehen will, und dem Vorsitzenden des Soldatenrats Sauber, der vorsichtig erklärt, der Landtag werde erst wieder zu- sammentreten. wenn„die Verhältnisse es gestatten." Wir wünschen dringend, daß umgehend wieder solche Ver- Hältnisse hergestellt werden, die den ungehinderten Zu- sammentritt der schimpflich auseinandergejagten recht- mäßigen Volksvertretung ermöglichen. Die Sprengung der rechtmäßigen bayerischen Volksvertretung durch die Spartakisten ist keine Ruhmestat, sondern ein Schandfleck der Revolution. Ein-Schmdfleck ist die Fest- nähme von Unschuldigen, deren Unschuld niemand bestreitet, als Geiseln. Ein Schandfleck ist schließlich auch die BeHand- lung der Presse durch den spartakistischen Terror. Jeder Soz'aldemokrat muß von solchen Erscheinungen mit Ekel und Abscheu abrücken. Was die Münchener Spartakisten treiben, ist nicht Revolution, sondern Entartung der Revolution. Durch keine Verleumdung wird man uns davon abhalten können, solche Schändlichkeiten zu bekämpfen. Man hat uns nachgesagt, wir wollten das Reich gegen Bayern mobilisieren. Adi nein, wir wünschen und erwarten nur, daß das bayerische Volk seine von Spartakus bedrohten freiheitlichen Grundrechte so rasch wie möglich wiederherstellt. ES ist e-ne Lüge zu behaupten, daß auch nur ein Zehntel des bayerischen Volkes die„Räterepublik" will. Die„Räte- repnblik" will weder das bayerische Volk noch die Münchener Bevölkenlna, noch die Münchener Arbeiterschaft im besonderen. Die Idee, gerade aus Bayern eine Sowsetrepublik machen zu wollen ist grotesk. So traurig und blutigevnst die Dinge sonst sind, denkt man dabei unwillkürlich an Münchener . die Einsetzung einer Kvarmisswn vor, die die Verstaatlichung des JnseraisUvesenS sofort in Angriff nehmen soll. Soldatenrat Levien meinte, daß man bürgerliche Zeitungen überhaupt nicht brauche., Eine im Hause Erschienene Abordnung berichtete, daß eine Versammlung von fünftausend Arbeitern u. a. gefordert habe, daß die Räterepublik sofort ausgerufen werde und daß der Landtag nie wieder zusammentvete. Die Abordnung verlangte die Absetzung verschiedene: Persönlichkeiten, die Besetzung wichtiger Punkte in der Stadt, die sofortige Verbindung mit Rußland und die Besetzung der russischen Gesandtschaft durch Vertreter der russischen Sowjetrepublik, außerdem Annullierung der Staatsschulden und Absetzung des Münchcner Stadtkommandanten. Ter Präsident erklärte hierauf, er werde zu diesen Forderungen Stellung nehmen. Nach weiterer teilweise erregter Debatte teilt« Präsident Niekisch mit, daß der ehemalige Volksbeauftragte Barth erschienen sei. Barth sprach namens des gesamten Berliner und des deutschen Proletariats sein tiefes Bedauern über die Ermordung EiSnerS aus, ermahnte aber, ruhiges Biut und kalte Nerven zu bewähren. Sodann wurde die Weiterbcratung airf Donnerstag vormittag vertagt.• In der Vers-cunmlmig gab Levien der„Voss. Ztg." zu- folge bekannt, daß der Mörder Eisners, Graf Arco, noch lebe un-d vernommen worden sei. Er behaupte, keine Mitver- schivorenen zu haben. Auf den Zuruf:„Wo ist der Mann, der Auer erschossen hat?", antwortete der Führer des Spar- takusbundes:„Der Mann ist kein Kommunist, er ist Mit- glied des redolutionäreu Arbeiterrats." Die Seerüigung Eisners. Die Beisetzung Kurt E i s n e r s vollzog sich heute in München bei vollkommener ArbeitSruhe. Die Arbeiterschaft Münchens beteiligte sich mit einem ungeheuren Aufgebot. Die Beisetzung erfolgte ohne jede Störung. die Unruhen in Süüüeutschlanö. Belagerungszustand in Slschaffenburg.— Ter Schaden in Mannheim. Aschaffenburg, 25. Februar. Der Arbeiter- und Sokdatenrat von Aslvaffenbiirg hat den Belagerungszustand über Stadt und Land Rlchaffenburg und die Borzensur über die TageS- zeitungen verhängt. Mannheim, 25. Februar. Der bei den Vorgängen am Sonn» tag an den Getöngnisien und am GerichtSgebände angerichtete Sibaden wird auf etwa 300 000 Mark geswätzt. Es wurden 400 Gefangene, darunter Schwerverbrecher, be- freit. Infolge der Bernicht nng von GerichtSakten und des Mangels an persönlicher Sicherheit erklären die Gerichts- b.eamten, vorläufig ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben zu können. Der politische Streit in Nittelüeutschlanö. Halle und Leipzig.. Wie die einlausenden Meldungen ergeben, trägt der Streik im mitteldeutschen Braunlohlenrevier bei Halle durchaus polrti- s ch e n, keinen wirtschaftlichen Charakter. ES wird gestreift, um den Sturz der Regierung und die Beseitigung der Nationalversammlung zu erreichen. Der Streik im Braunkohlen- revier wird kein anderes Ergebnis haben, als das, gerade die ärm- sten Bcvölkerungskreise dieser Gegend den schwersten Folgen einer Kohlennot auszusetzen und in einigen Tagen auch der Hungersnot auszuliefern. Im Lau sitz er Drauntohlenrevier wird dagegen nicht gestreift; die gestrige Meldung hierüber beruhte auf einer Verwechslung. Aus Leipzig wird gemeldet: Der hiesige A.° und S.-Rot gibt folgende Entschließung bekannt: Die Versammlung der Arbeiterräte, ArbeiterauSschüffe und Betriebsvertrauensleute empfiehlt der gesamten Arbeiterschaft, den politischen Streik als Kampfmittel anzuwenden, um die Forderungen der Bezirks- konkerenz in Halle in allen Punkten zu unterstützen.» Sie beauftragt den Leipziger Arbeiterrat, in Gemeinschaft mit den Be- triebSvertrauenSlcutcn die Streikleitung zu übern eh- m en und in Verbindung mit der Streikleitung in Halle zu treten. Sie erklärt, daß die Entscheidung über den Streik der Arbeicerschaft in den Betrieben zusteht, sprich! der Arbeiterschaft der Räte- republik Bayern ihre Sympathie aus und fordert die Ar- bciterschaft Leipzig« und Sachsens auf, die bayerischen Arbeiter bei ihrem Kampf gegen die Reaktion zu unterstützen. Halle, 26. Februar. Zum Protest gegen den spartakistischen Ei-senbahn-rstrcik haben die Telegraphen, und Fernsprechamter, die übrigen Behörden und auch die A e r z t e ihre Tätigkeit ein- gestellt. Die Hauptstraßen der Stadt werden von großen Menschen- maffen durchzogen; zu irgendwelchen Gewalttätigkeiten war cS aber bis gegen die Mittagsstunde nirgends gekommen. Ebenso hat die Vereinigung der Beamten und Angestellten de? mitteltM-tschen Bergbaues als Protest gegen den politischen Streik und di �Gefährdung der Betriebe durch gefahrbringend« Eingriff- die Einstellung der Arbeit erklärt. Windau genommen. L i b a«, 25. Februar. Die Stadt Windau wurde durch cinen gleichzeitigen Angriff von der Land- und Sceseite, in dem reichsdcutsche Truppeu und deutsch- baltische Landeswrhrformationru beteiligt waren, nach heftigem Kampfe genommen. Die Irlänüer Amerikas mobilisieren. Amsterdam, 26. Februar.(Erz. Drochilbericht des Vovwarts.) In einer großen Versemnnteng der amerikan-is-che-n Iren in Philadelphia ist, wie die.„Times" aus Washington erfahre, cimeS ResoWü-o» des Kardinals GibemS owgenommen wvltden, die energisch das EelbstbestimmungSrecht für Irland-erlangt. Irland besinde sich noch immer im Kriegszustand mit England und dieser Zustand de» DvuekeS müsse durch die Freiheit Irlands ob- yelöst werdon. Die Versammelten haSen sich zu einer regen Geldsamm- lung verpflichtet. Für die Freiheit Frfends wurden von Daniel Cohalan sofert 250 000 Pfund Sterlmy(5 Millionen Marks über- gelben._ Englischer flrbeiter-Dreibunö. London, 25. Februar. Am NachmWaz wurde in London von dem sogenannten Arbeiter-Dreibund(Beog-arHeiter, Eisen- "bahnet und Transportarbeiter) eine Versammlung abgehalten, dte vie leicht einen entscheidenden Faktor in der in» dustrielten Krise bilden wird. Dte Versammlung befaßte sich mit der Frage, db eine gemeinsame Aktion zu unternehme« sei, um die Forderungen der Bergarbeiter zu unterstützen-. Die Versammlung beschloß, sich zu vertagen, bis jeder der drei verbündeten Verbände zu weiteren Verhandln uzen Cteleg-enheit ge- habt haben würde. Ferner wurde beschlossen, daß kein Teil des Dreibundes irgend einem Abkommen zustimmen würde, ebe die nächste Konferenz zustandegekommen sei. Ein-e solche Versam-m- lung sei rajch vor dem 15. März(dem beabsichligien Ze-it- punft des Generalstreiks) abzuhalten. Die Demarkationslinie im(Dsten. Weimar, 26. Februar. sEigenor Drah�bericht des„VorwärkS".) Zurzeit finden Verhandlungen Mischen der Obersten Heeres- leitung und dem General D u p 0 n t als Vertreter der Alliierte« über die Demarkationslinie im Osten statt. Es steht jetzt schon fest, daß die Stadt Birnbaum deutsch bleibt und daß die beiderseitigen Truppen, im Gegensatz zu den bisherigen Bestimmungen, dmch gehen bleiben können, v» sie fich jetzt aufholten. Relchsverwertungsamt unö Sozkalisierung. Der Reichömiiiister Gothein wird vorauösichilick die Leit«ng des ReichSverwcrtungsamles übernehmen- ES trifft otcht zu, daß dieses Amr mir der Durchführung der Sozialisier» ng belraut werden soll. Die Sozialisiermig ge« hört zu dein Bereich de« NeichSwirtschafrsamreS, dem ReichswirtschaffSminister W i s s r l l vorsteht. Es ist hinlänglich be» kannt, daß gerade Wlffell sei! zeher der Sozialisiermig nicht«ur ein umfangreiches Verständnis, sondern auch einen entschluß« kräftige« Willen entgegenbrachte. Das Aeichsverwertungö» amt wird im wesentlichen die Verwaltung der soziaiisierleu Betriebe zu Ldernehmeu habe». SoZialÜemokratifch-üemokeatische Regierung in Preußen! D«s Zentrum fürchtet Ausschluß. Die„Germania", das Berliner Zentrumsblalt, schreibt: „In Weimar haben in diesen Tagen Verbandlungen ztmschew Vertretern der vorläufigen.preußischen Regierung und den demokratische» Mitgliedern der preußischen Ncmonalver- sammlung Cassel und Otto stattgefunden. Die Frage der Regierungsbildung in Preußen dürfte bei diesen Verhandlungen im Vordergründe gestanden Hobe«. Wie der Wei- marer Vertreter der C. P. C. zuverlässig hört, find Bestrebungen im Gange, möglich st ohne das Zentrum die Regie« rung in Preußen zu bilden. Um da? zu ermöglichen, haben die Abgeordnete Cassel und Otto in Weimar mit der sozialdemokratischen Partei verhandelt, um eine Einigung der beiden Parteien der Linien in der Kirchen« und S ch u l s r a g e herbeizuführen. Wen» die Link« ihre Zeil gekomme« glaubt, ihr kirchen» und schulfeindlicheS Programm verwirklichen zu können, so möge sie immerhin den Versuch machen. Das Zentrum geizt freilich nicht darnach, in die Regierung einzutreten. Ohne Einwirkung auf die Lage würde ein solches Vorgehen der Linksparteien aber wohl kaum bleiben können. Wie wir ferner höre», ist am DienStagmitlag, einer Aufforderung der preußischen Regierung Folge leistend, der Führer der preußische» ZemrunlSsraktion Geh. Rat Dr. Porsch in Weimar eingetroffen. Es ist nicht zu verkennen, daß ein Zusammenarbeiten zwischen den Parteien der Linken und dem Zentrum in Preußen auf weit größere sachliche Schwierigkeiten stoßen muß als im Reich. Die größten sachlichen Gegensätze zwischen der Linken und dem Zentrum liegen auf dem Gebiet der stultur- und Schulpolitik, die zum allergrößten Teil Landes-, nicht Reichs fache ist. Aus den Worten der„Germania" klingt die Ankündigung herau», daß das Zentrum im Falle seiner Ansschaltnng in Preußen auch der Reichsregierunz den Rücke« kehren werde. Spartakistische Sefreiungstat in Nürnberg. Bei dem letzten Nürnberger Spartakusputsch wurden auf Veranlassung des Vorsitzende» dcS Zentralverbandcs der Handlungsgehilfen Nürnberg, gleichzeitig Vorsitzender der un- abhängigen Partei Nürnberg. Erhard Bauer» einige sehr gefäisrliche Lebcnsmittelschieber, von denen zwei der unabhängigen Partei angehörten, unter Zuhilfc- nähme von zwölf Bewaffneten aus dem Gefängnis befreit. Die erste Tat dieser befreiten Revolutionsgewinnler war die Vernichtung ihrer Akten. Der die Untersuchung leitende Richter hat nunmehr unserm Nürnberger Parteiblatt eine authentische Mitteilung zugehen laffen. die folgenden Wortlaut hat: Beschwerde eines Richters na das Volk. Außergewöhnlich« geilumstände«rsordern außergewöhnliche Mittel. Deshalb unterbreite ich der Allgemeinheit folgendes: Am 14. Februar 19lS habe ich den Kaufman« Ferdinand Gorlicke, Mitglied des VollzugSausschusie« deS Arbeiterrats(!, und den Kaulmaun Hanö T r ö ft e r, beide au« Nürnberg, auf Grund einer Anzeige des Kommando« S. A.-K. in NniersuchnngShaft genommen. Beide find dringend verdäckligt, in Gemeinschaft mit den Mitgliedern des Vollzugsausschusses des Eoldatenrat». Leutnant d. R. Best und Ge« freiter Breitenbach, mit dem Vorgeben, der Soldatenrat Grafcnwöhr benöligr Waren im Geiamtaniatz von 49 LOY M., die Jillendanuir 8. A.-K. zur Hergabe von 250 Kisten Likör, 250 Kisten Schnaps, 13 Seck Zucker, 19 Kiste» Perstl, 20000 Zigaretten, 3200 Liter Wei» gegen Bezablung bestimmt z� haben. Hiervon gingen nach Giafeuwöbr lediglich 302 Liter Wein und 20 000 Zigaretten. Den übrigen Wein, sämtlichen Likör und Schnaps erhielt die Firma Georg u. Joseph M e i e.r»ür 08 724 M. Der ver- bleib der übrigen Waren ist teilweise nicht'cstgestellt. Von dem Gewinn erbielien Tröster etwa 10000 M., Breitenbach 3000 M.. Best 6000 M., Gorlicke 4890 M. und dsr Geldgeber, der Kartoffel- großbändler Huber, Schwiegervater de» Bruder» de? Gorlicke S200 M. Auf Grund dieieS Sachverhaltes waren die Beschuldigten eine» Vergehens des Betruges und eines Vergehens der Preistreiberei durch unlautere Machenschaften dringend verdächtig. Am Sonntag, 16. Februar 19lS, nachmittags, erschien bei dem UntersuchungSge'ängniS eine Zivilperson mit 12 bewaffnete» Sol- baten und verlangte auf Grund eines auf den Namen Grafhauser ausgestellten, mit Bauer unterfertigten AuSweiieS des Arbeiter» und Soldatettrat« Nürnberg die sofortige Freigabe der Hüft- l i n g e. Der Gefängnisinspektor fügte sich der Gewalt und ließ die Beschuldigten frei. Wegen dieses Eingriffes in die richterliche Unabhängigkeit in einer nichlpolitischen Sache erhebe ich öffentlichen Protest. da der Schutz der richterlichen Gewalt durch die öffentlichen Be« Hörden nicht gewährleistet ist. C. S a ch«. Ermittlungsrichter am Amtsgericht in Nürnberg. die unabhängige Geschichtslüge. Ueber die Münchener Blutiatcn hotte die.Sozialistische Korre- spondenz" am Tage der Tat geschrieben: Ein junger Student au» ältestem AdelSgtichlecht, ein Graf Arco, hat heut« in München Kurt EiSncr erschossen. Eine Stund« darauf haben die Spartakisten den Landlag gestürmt und eine Reihe sozialdemokratischer und Zentrumsabgeordneten getötet.- Ueber diese Darstellung, die zwar nicht ganz genau, aber im wesentlichen richng ist, ist die„Leipziger Volkszeitung" ganz aus dem Häuschen. Unter reichlicher Aufwendung von Schünpfworten wie„Berufsmäßige Lügner' usw. schreibt fie: Lügen haben in diesem Falle wirklich kurze Beine! Nicht Spartakisten haben die blutigen Ercigniffe verursacht, sondern feudale Offizierskreise. DaS ist die Höhe I Der Metzger AloyS Lindner, Mit» glied deS Münchener revolutionären Arbeiterratsj der Auer niederschoß, war also ein feudaler Offizier! Der Vorsitzende des revolutionären ArbeiterralS, Hagemeister, der mit seinen Kumpanen schwer be« waffnet die Tribüne besetzt hielt und herunterbrüllte:„das ist die Rache d«S ProlelariatS!" ist wahrscheinlich ein Vetter des Grafen Arco!! Mit aller Verzweiflang suchen die Unabhängigen ihre Ge« schichtslüge zu retten, als en> stamme der Mordanschlag auf Auer denselben Kreisen wie der Mord an EiSner. Sie wiffen warum! §ehlt es öer Partei an Kräften! Kritik an uns selbst. Ein Genoffe schreibt uns: In der Besprechung de» Resultats der Gemeindewahlen in Nr. 102 des.Vorwärt»" vom 2S. 2. 19 wird auf die Gefahr hingewiesen, die darin besteht, daß unsere Partei durch den plötzliche» starken Uebergang ihrer Leiter in die öffrnt« lichen VerwaltungSarveiten entkräftet wird. Mit anderen Worten heißt da«, unserer Partei fehle der Nachwuchs an begeisterten und tähigen Leuten, die tatkräftig und über» zeugend in Wort und Schrift für unser« Sache werben. Ich bestreite das. Es gibt genügend fähige Köpfe unter unseren Mitgliedern, die für di« Partei Großes leisten Volksbühne: �Gas*. «-»aus viel von Georg Kaiser. »i'' Der Schrei nach dem Menschen, nach dem von allen Kouven« Honen und Gebmrdenhoiten dcö heutigen Daseins entfesselten Men- schen gibt unserer jüngsten dramatischen Literatur Kraft und Be» deutung. Auch in Georg Kaisers neuem Schauspiel ist die Sehnsucht mach dem neuen Menschen Triebkraft und Ziel. Die Sklaven des Kapitalismus haben Sinn und Wert des rein Menschlichen der- loren, sie find bloß noch Mittel de« Betriebs, sie haben sogar kein GcHihl mehr dafür, daß der Mensch Selbstzweck sei. Schon in dem Zwischenspiel einer dramatrschen Produktion„Von Morgen bis Mitternacht tritt diese Tendenz bei Kaiser auf, aber sie war ver- deckt und überwuchert von einer ebenso geschickten wie sensationellen Theatermaöhe. Reiner und größer steigt fi« in dem neuen Drama auf, fvei von Schlacken, aber dafür auch abstrakt und untörper» licher. Im Endpunkt treffen sich berbe Dramen wieber. Der Schrei verhallt, die Sehnsucht bleibt unerfüllt. Fouriers Traum scheint vertoirklicht. Der Millionär, der die utopistischon Ziele verwirklichen soll, ist gefunden, nur ist es bei Kaiser schon ein Milliardär, der die Mettichhsit ins neue Reich führen will. Das„GoS" hat feilten übrläufet in der in Berlin noch nicht gsspielten„Koralle", mit der zusammen e-5 eine höhere Einheit einer Tragödie de« Kapitalismus bildet. Die„Koralle" ist das kapitaliftischc Fmiriliendrama, in dem der Kampf zwischen Vater und Sohn zum AuSttag kommt Der Vater hat den Aufstieg auS der Armut zur kapitalistischen Dhuastte vollzogen. Gepeitscht von der Angst vor der Not. die nach Shaw» Wort daö größte Verbrechen ist, will er seinem Sohn die Berührung mit der Wirklichkeit wehren und ihm ein schöneres und reinere» Leben gewiihrkeiften. Aber der Sohn findet den Weg zu den Ausgebeuteten und will ihnen Retter welchen. Hiermit setzt das zweite Drama ein. Der technische Fort» schritt soll die Menschen befreien mä Hilfe eines raffinierten Ge. winnbeteiliglnngssustems, das allen Lohn in all« Hände bringt, wich di« höchste Spannung der Leistung erzielt. Das Kapital hat auf seinen ewinnst verzichter und hat gleichfalls nur noch ein Ziel: die technische Leistung auf die Spitze zu treiben. Ein neues Gas, die konzentriertest« Form der Energie beherrscht die Welt der Technik. In dem Betrieb de? Milliardärs gibt es feine Armut mehr. keine Trägheit, kein Streik hemmt den technischen Prozeß, der— ein Abbild der zuletzt inreichten kapitalistischen Stufe— zum Selbstzweck geworden ist. Ein« ungeheure Hetzjagd peitscht die Menschen. Die Raserei der Arbsit hat alle anderen Ziel« verdrängt. Tie Arbeit geschieht um der Arbeit willen, die Versklavung ist vollendet. Ein Zwischenfall bringt die ganze Maschinerie ins Stocken.' Das Gaswerk fliegt infolge einer Ervlosion, der«» Zeug« wir werden. in die Luit. Taufende von Acbeitern wevden ihr Opfer. Das ist für den Milliardär das Signal zur Umkehr. Er sieht schaudernd, daß sein Weg ein falscher war. und daß die Rettung nur von einer Ausgabe de» System» komm«, kann. Baut er di« Fabrik wieder auf, so geht di« aste Sklaverei wieder lo< und neue Explosionen werden von Zeit zu Zeit neue Katastrophen herbeiführen, denn di« technische Formel ist richtig keine menschliche Macht kann diesen höchsten Triumph des erfindenden menschlichen Geistes bändigen. Der Mensch ist der Sklave seine» Werkes geworden, dem er opfern muß. Der Milliardär will seine Arbeiter in freie Siedler verwandeln, die in dem einfachen Leben in und mit der Natur wiader sin menschenwürdiges Leben führen sollen. Die Arbeiter verlangen die Entlassung des Ingenieurs, der das Gas erfunden hat. In ihrer Kurzsichtigkoit sehen sie nicht, daß er schuldlos ist, weil eben die Technik dem Menschen über den Kops gewachsen ist. Auch die anderen Inidustriemagnaten verlangen seine Entlassung, weil ihre Arbeiter in den Sympathiestreik getreten sind. Der Milliardär beugt sich nickt, weil er den Ingenieur ffir feine weiteren Ziele braucht und Willen gegen SBillen setzen will. Der 4. Akt bringt den Höhepunkt de» Konflikts und gibt die stärkste dramatische Steiger �ng. In einer machtvollen Streikver- sammlung erheben zu Tvpen abstrahierte Vertreter der Arbeiter- schaft ihre Klagen und hier wird di« Stimme des Dichter» zum grandiosen Cborus. Die Schwester, die Mutter, die Frau stimmen die Klage cm über oaZ aualvolle Leben de» Arbeiters, der zu einem auSwechselbaoen Stück der Mgsch.ne geworden ist. für den kein Tag mebr Morgen und Mittag und Rächt ist. Vergebens treibt der Milliardär sie>r«iter und ruft sie auf, wieder Menschen zu werden und der Fabrisfladerei den Rücken zu kehren. Sie folgen dem eben nock) verketzerten Ingenieur, als er ihnen den HhmnuS der welierobernden Industrie anstimmt und sie von neuem in die In- dustrie führen will. Sie folgen ihm, obwohl neue Sklaverei und neue Hekatomben an Menschenopfern drohen, getrieben von Ge- wintzgier, zu Automaten gewordene Be trieb« tiere, die ohne ihre gewohnte Arbeit nicht mehr leben können. Der Milliardär sperrt seinen Arbeitern daS Werk, das vom Militär besetzt wirb: er will ihnen sein Ideal aufzwingen. Da greift die Regierung ein, weil durch seine Weiterung, die Gasherstellung wieder aufzmichmen, die Rüstungsindustrie Hodroht ist(das Drama ist vor der Revolution geschrieben?). Sie übernimmt daS Gas in StimtsreFe und öffnet den Arbeitern die Tore. Der Milliardär bleibt allein zurück,„wie jeder, der sich mit allen vermischen wollte". Wehmütig erhebt er den Ruf: wo ist der Mensch?? Seine Tochter, denen Gatte, ein Offizier, sich erschossen hat. weil ihm der Milliardär Mittel zur Zahlung seiner Spielschulden lveigern mußte, tröstet ihn: ich will ihn gebären. Die sozialistische Kritik wird diesem Drama des Sozial- veformers und— Propheten, abgesehen von seinem phantastisch- utopistischen Charakter vor allem entgegenhalten, daß es die Ar- bciter nur als Objekte der Regierung kennt und nicht als aktive Schöpfer ihres Schicksals. Sett den Tagen des Kommunistischen Manisest« steht es fest, daß die Befreiung der Arbeiter nur ihr eigenes Werk sein kann. Soviel Kaiser sonst vom Sozialismus in seiner Anklage gegen die BersklavungStendenzen des Kapitals her» übernimmt, er verrennt sich in die kapitalistische Sackgasse, aus der freilich keine Erlösung sinkt. Die neue Meuschhest kann ihre Urständ nur feiern, wenn das Proletariat selber sie heraufführt. Die edelste Schwärmerei selbst millionenschwerster Einzelner kann nie können und wollen, aber unser ParteibureaukratiSmuS behindert sie und, was noch schtimmer ist, er vetdirbt ihnen die Freude an der Partei. Ein Beispiel. Nach meiner Entlassung auS dem Heeresdienst meldete icki mich Milte Dezember auf dem Palteibureau, da unsere Organiiaiion ja. während des Krieges arg geichwäckit worden war. Ich stellte mich für jede propagandistische Arbeil zur Bor- tügung, und waS wurde mir zur Auiwort:„Geben Sie man nach der Kronenbrauerei, da werden Sie erfahren, von welchen Stellen au» Flugblätter verteilt werden." Nun. Flugblätter babe ich schon vor 8 Jahren verteilt. Wenn man aber in den RevolunonStagen eine iübrende Rolle gripielt, iür unsere Sache wiederbolt feine ganze Peisvn eingetetzi bar und nun mit Feuer« e>fer sich für unsere Partei betätigen will, dann wirkt e» er- nüchternd. wenn man den totgeglaubten BureaukratiSmns wieder vor sich sieht. Wenn unier organisatorischer Apparat zu den künftigen Wahlen aus der Höhe stehen soll, dann muß sich die Parteileitung an olle Genossen wenden und die sich meldenden auf den Play der Agitation stellen, zu welchem sie sich selbst bestimmen. DaS SelbstbestimmungS- recht des einzelnen Genossen zur Arbeit iür unsere Sache führt der Partei neues Blut zu, und das haben wir bitter nölig. _ Hermann Mehner. Meöereknbürgerung öeutscher �anösleute. AuS der Schweiz wird uns geschrieben: Die neue deutsche ReichÄ>erfassung soll die freiest« der Welt werden, individuelle Freiheit ist proklamiert, eine bedingte Amnestie für Deserteure und Refraktäre ist erlassen, aber warum gibt man nicht auch denjenigen Deutschen, die sich ununterbrochen 10 Jahre und mehr im Ausland aufgehalten» es aber versäumt oder unter- lassen haben, sich während dieser Zeit in eine Matrikel eines deut- schen Konsulats eintragen zu lassen und dadurch ihrer Staats- angehörigkeit verlustig gegangen, eben diese ihre früher« Reichsangehörigkeit wieder zurück? Manche von diesen— Frauen sowie Männer— haben erst bei Ausbruch des Krieges entdeckt, daß sie laut Gesetz keine Deutsche mehr waren. Die wirklich freien Länder(Italien, Frankreich) verlangten vor dem Kriege von ihren Gästen keine Papiere, und ein ruhig lebender, das Gastrecht re- spektierender Bürger wurde don keiner Polizei aus diesem Grunds belästigt. So dachten viele weder an Heimatschein noch Konsulat und die Jahr« flössen dahin. Die meisten von diesen sind ja heute ältere Leute; selbst wenn auch bei den in Betracht kommenden Männern eine Hinterziehung deS Militärdienste» in ihrer Jugend vorgelegen hätte, so ist die? doch oft längst verjährt und in ihrem Innern sind sie doch Deutsche geblieben, was sie heute vielleicht mehr als je empfinden. Der größere Teil von ihnen hat sich im Ausland Existenzen gegründet, dort Wurzel gefaßt und gedenkt, falls sie bei Kriegsausbruch ein neutrales Land aufgesucht, nach Friedcusschluß wieder dahin zurück- zukehren, was dem deutschen Außenhandel doch nur von Nutzen sein kann. All diese sehen sich heute vor die Notwendigkeit' gestellt, eine fremde Staatsangehörigkeit annehmen zu müssen, was ihnen wohl meistens leichter gelingen wird, als den§ 31 des Gesetze? vom 1. Juni 1870. sowie'die deutsche bureaukratische Barriere zu über- winden. Warum kommt für diese Kategorie Deutscher kerne Amnestie? Warum sucht da« neue Deutschland diese größtenteils ernsten Ele- menie sich nicht zu erhalten, indem eS ihnen ihre StaatSangehörig» kett zurückgibt?_ „NoSkeS Spitzel." Eine Spitzelgesibichte tischt die„Leipziger VolkSzeitunq" auf und die„Freiheit" druckt sie nach. Gewürzt wird die Räubergeschichle durch die Ueberfchrift„NotkeS Spitzel entlarvt". Die.Freiheit" baut sofort vor. indem sie schreibt, NoSke werde erklären, er kenne die Menschen nicht, die angeblich als Spitzel entlarvt sind. So ist es. NoSke kennt die Leute nicht und eS ist selbstverständlich, daß er weder zur Spitzelei Auftrag erteilt hat. noch Spitzel- tätigkeit billigt. Nach der„Freibeit" nützt ihm eine solche Erklärnng allerding» nichiS, denn periönliche Veninglimp'ung und Gebä'sigkeit gehört zurzeit zu den vornehmsten Waffen in dem Kampf der Unabhängigen gegen die sozialistischen Minister. zum Ziel führen. Aber deshalb am Ziele verzweifeln, heißt das Problem überhaupt nicht erkannt haben. Mit verjährter Romantik und Utopisterei kommt man ihm nicht bei. Die Auffühkung war unter der Leitung Paul Legbands ge- flissentlich davauf aus, den abstrakten und aufs Typische eingestellten Chaoaiter des Dramas scharf auszuprägen. DaS unpersönliche Fluidum, daS alle lenkt und beherrscht, die Uebermacht der Technik. kam stark zur Geltung. Besonders im ersten Akt, da die Halluei- nation eines Schreibers den weißen Schrecken der Explosion vorweg- erlebt. Die Massenvegi« feierte ihren Triumph im vierten Akt in der von wilder Rhetorik und ergreifender Anklage erfüllten und höchst lebendig gestalteten Streikversammlung. DaS Symbolische wurde durchweg deutlich. Au» die fiebrige, im Telegrammstil gehaltene Sprache Kaisers, in der der giemlose Rhythmus der Maschinen häm- mert, hatte gelehrige Schüler gefunden. TaS ganze Drama war durchpulst von dem Schrei nach dem allmächtigen WaS. Die Einzel- leistungen traten naturgemäß zurück. Die Menschen sind nicht individuell ausgestaltet, sie sind Verkörperungen von Ideen und Schick- lalSm ächten— Köpfe großer Wellenbewegungen. Aber Stahl- Nachbauers menschcm'uchender Milliardär hatte alle Züge eines innerlich Ergriffenen und der Ingenieur Lettingers bot in feiner Rede Momente leidenschaftlichen FartreißenS. Der Erfolg? Acußerlich zweifellos ein starker. Ob aber Kaisers konstruierende und abstrahierende Art, seine gewaltsame Sprachtechnik, die fehlerhafte Problemstellung und der nach so hitzi- gen Anläufen in? Nichts verlaufend« Schluß ein« wirkliche innere Befriedigung ermöglichen? Dem Sozialisten dürfte als wertvolles Erlebnis nur die Klage über di« Maschin«nskl land gemacht wurden und die vielleicht damals sehr berechtigt waren, heute, wo sie keine Existenzberechtigung mehr haben, noch lustig weiter bestehen. Uns ist Material dafür zur Verfügung gestellt worden, daß die Hemmnisse behördlicher Natur sind. Ein Geschäftsmann wollte ein Metallhalbfabikat, da« in Deutschland nur so lange ge» braucht wurde, als Granaten hergestellt worden sind, nach der Schweiz ausführen, mndagegen japanisches Kupf-er, da« wir in Deutschland dringend benötigen und in der Schweiz in aus» reichender Menge lagert, eintauschen. Er suchte bei der zuständigen Sektion der Zentrale für Ein- und AuSfuhrbewilli» g u n g der Stahl- und Eisenindustrie um die Ausfuhr- genehmigung nach. Daraufhin wurde von ihm der Nachweis ge- forde. t, daß er vom Liefeuwerfe da« Material auch tatsächlich zum Zwecke der Ausfuhr gekauft habe. Er wandte sich an das Werk und dieses antwortete ihm, daß das in Frage kommende Metall pro 100 Kilo 66,15 Mark gekostet habe und nur zur Verarbeitung im Inland bestimmt gewesen sei. Wen» er da? Metall in« Ausland ausführen wolle, so habe er für 100 Kit» de» Preis von 102 Mark zu bezahlen. Diese gewaltige Spannung im Preise hat es ihm unmöglich gemacht, die War« nis Ausland auszuführen. Uns liegen eine ganze Reihe von Ziffern vor über die kolossalen Preis- unterschiede, die die Werke zwischen inländischer und Ausfuhrware machen. Zum Beispiel kostet eine bestimmte Art von Blech 420 M. 99 Pf. pro Tonne für den Inlandsmarkt. Wenn eS aber der Kauf- mann ins AnSland führen will, so muß er 1300 Frank sich berechnen laiken, das ist bei dem gegenwärtigen Kurs ein Preis von etwa 2250 Mark, also mehr als daSFünffache. ES heißt zwar daß der Frank zum Kurse von 0L0 M. berechnet werden soll. Die Werke aber verlangen Rotierungen in Frank, und wenn die Wechsel bei den Banken präsentiert werden, so kommt natürlich der wirk- liche Tageskurs zur Anrechnung. Bei solch verrücktem Preismanipulationen ist eS natürlich aus- geschlossen, mit dem Ausland wieder in Verkehr zu kommen. UnS /regt der Brief eine» schweizerischen Vertreter» einer deutschen Firma vor. in dem dieser sagt, daß mit solcher Preispolitik auf dem schweizerischen Markte überhaupt nichts anzufangen sei. Der Schweizer Handel erkläre solche Preise für absolut verrückt und für eine glatte Unverschämtheit. Der Revolution fehlt eben immer noch der eiserne Besen, mn den ganzen verderblichen Mist au» gewissen Amtsstuben hinaus- zufegen. Wenn man nicht bald die Notwendigkeit einsieht, mit der ganzen Fülle von irrsinnigen oder wenigstens heute wahnsinnig wirkenden Bestimmungen in den verschiedenen Aemtern und bei den Unteinehmervereinigungen aufzuräumen, dann besteht die Ge- fahr, baß wir noch lange das Elend unserer Isolierung vom Au«- lande ertragen müssen und daß wir sogar den rechtzeitigen Anschluß an die neu? internationale Wirtschaftsentwicklung verpassen.— deutsche Lebensmittelforöerung. Eine Note an die Entente. Mit Rücksicht auf die außerordentliche Fettnot in Teutschland und de» Mangel an Milch für Kinder und Mütter hat die deutsche Regierung die Alliierten und assoziierten Regierungen in einer Note vom 25. Februar bringend gebeten, ihre Zustimmung dazu zu gebe», daß die in den Abmachungen über das Lebensmittel- abkommen in Spa vom 8. Februar und in Trier vom 16. Februar vorgesehene unverzügliche Lieferung von etwa 300 00 Tonnen Schweinefleisch und Fett sowie 250000 Kisten kondensierter Milch sofort zur Ausführung g«. lange, ohne den Abschluß deS Schiffahrtsabkommens abzuwarte». Die deutsche Regierung betont in der Rott besonders, daß dir Zahlungen, die für diese Lebensmittel bereit» vereinbart waren. schon in der nächsten Zeit fällig seien und weift darauf hin, daß für die in Betracht kommenden Waren ei» nennenswerter Schiff- tranSport nicht in Frage komme, da, wie mitgeteilt worde» fei, die betreffenden Lebensmittel in überwiegendem Teil m Ratter. dam lagern. AngrsichtS der in erschreckendem Maße zunehmende» Sterblichkeit der Kinder hat die deutsche Regierung die Alliierten ferner ersucht, die Zufuhr von 20 Tonueu Lebertran zu gestatten und ihre Verschiffung»ach Deutschland schnellstens iu die Wege leiten zu wolle». Vemonftration vor öem sächststhen llanötag. Dresden, 26. Februar. sEigener Drahtberichl de«„Vor- wärts".) Heute vormittag fand hier ein Umzug statt, dessen Te-lnehmerzahl schäßungstveise zwischen 1566 und 6006 schwankend angegeben wird. Der Zug ist gegenwärtig von Neustadt aus auf dem Wege zum Landtagsgebäude, das hin- reichend durch Bewaffnet« geschützt wird. Wer will �intervenierend Weimar, 26. Februa-(Eigener Drahtbericht de?.�Vorwärts'.) Tie gegenwärtigen Machthaber in München haben sich an die Reichsregierung mit dem E suchen gewendet, von einer Jrrter- vention in Bayern abzusehen und insbesondere keine eisernen Divisionen zu entsenden Wie wix hören, denkt die ReichS- regierung gar nicht an ein solche» Eingreifen; sie ist überzeugt, daß die Bayern v y n s i ch a u S baldigst wieder zu ge- regelten BerhAtniffen kommen werden. Hingegen scheint eS, daß man von Bayern aus nach Norddeutschland zu.intervenieren" ge- denkt. Denn auf dem Rätekongreß hat der Arbcitcrrat Sauber erklärt, von Bayern aus werde die zweite Revoluncn stattfinden. Die Teuerungszulagen der Pfarrer und die Hungcrlöhn« der Angestellten. Zu dieser Notiz schreibt die Stadtsynode, daß den Pfarrern lediglich die Differenzen zwischen den von der.Kirchen- bcbörds sestgeievten Teuerungszulagen und den Teuerungszulagen der Staatsbeamten nachgezoblt werden soll, ei« Betrag, der sich im Durchschnitt aus einmal'« 375 M. belauft. Die Lohnforderungen der im Bureau der Berliner Stadtsanode beschäftigten Hilfskräfte waren bereits am 13. Februar rückwirkend ab 1. Februar erfüllt. Am 17. Februar ist die Nachzahlung vom 1. Januar ab verfügt worden. KrirzSgkwiiinfteoer in Amerika. Amsterdam. LS. Februar. Da« Reutersche Bureau meldet au« Washington, daß W i l i o n die GesetzeSvorlag«, durch die den Kriegs» ge winnlern eine Steuer von sech« Milliarde» Dollar auferlegt wird, unterzeichnet hat. Ein Monarchist über Wilhelm II. Obersiachlich, frivol, barschikos, eitel, feige. Graf Hoensbroech, bekanntlich während deS Krieges ein alldeutscher Haupthetzer und Führer der„Ad- loniter-Berfchwörung", veröffentlicht eine Schrift über„Wil- helmS II. Abdankung und Flucht". In dieser bekennt er sich nach wie vor als„k a i s e r», k ö n i g s- und hohen- zollerntreu", was ihn aber nicht hini�rt, Wilhelm II. als„Totengräber Deutschlands" zu verftuchen. Als Mon- archist hält es Hoensbroech für feine Pflicht,„daß verfaulte Reis am Hohenzollernstamm zu knicken", damit dieser recht bald wieder wachse und blühe. Hören wir, wie dieser Monarchist über Wilhelm den Letzten urteilt: Oberflächlich, frivol, burschikos, citri, selbstherrlich, prunk- süchtig, geldstolz, ohne Ernst, ganz aufS Aeußere gestellt, menfchenverachtcnd, frcundichaftsloS, nachkragrnd. Neinlicher Au- beter seiac» Ncinlichen JchS, ohne großen Zug, Pofeur und Schauspieler, und dabei— mit das Schlimmste für einen Herrscher— Feigling ohne persönlichen Mut. Das ist Wildelm II. Zum Beweise seines Urteils erwähnt Hoensbroech eine Anzahl Begebenheiten, von denen wir nur eine hier wiedergeben: Da« Herren-hauSmitglred Gras Karl Finkensiein-Madlitz erzählte mir als Augen- und Ohrenzeuge, Wilhelm II. habe bei einer Frühstückstafel dem General von H., der Salz nicht vertrug, ein Salzfaß in den Suppenteller ge- stülpt mit den Worten:„Da, H., schluck' da»." Und der mit so„gnädigem" Scherz Deglückte schluckte eS!" Man weiß nicht, wen man mehr bewundern soll: den „witzigen" Monarchen, den„tapferen" Genera!— oder den Grafen Hoensbroech, der unentwegt Monarchist bleibt, obwohl es doch das Wesen der Monarchie ist, daß sie Wahl- loS solche Menschen an die Spitze des Staates befördert. Vollversammlung öer fi.- unö S.-Näte Grvß-Serlms. Im LehrervereinShaus« wurde heute vormittag um 1014 Uhr die Vollversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte Groß-BerlinS eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete Richard Müller dem ermordeten Kurt Eisner einen ehrenden Nach- ruf, den die Versammlung stehend anhörte. Eine von der Fraktion der U. D. P. beantragte, die Bestrebungen Eisners billigende Re- olution wurde fast einstimmig angenommen. Ueber die Fest- etzung der Tagesordnung entspann sich eine G e» schäftSordnungSdebatte. Ein Antrag der Unab- h a n g i g e n verlangt, daß die Neuwahl des Vollzugs- r a t s auf die Tagesordnung gesetzt werde, da der VollzugSrat sein« Pflicht, ein« ReichSkonfekenz der A.» und S.-Räte einzuberufen, nicht erfüllt habe. Di« Abstimmung durch Handaufheben blieb zweifelhaft. Beantragt wurde deshalb namentliche Abstimmung. Gegen die Vornahme derselben wurden technische Schwierigkeiten geltend gemacht, weil eine Namensliste der Stimmberechtigten nicht zur Stelle war. Richard Müller schlug vor, die Zeit bis zur Herbeischaffung der Liste mit dem Eintritt in den ersten Punkt der Tagesordnung: Einberufung eines Rätekongresses für Deutschland, einzutreten. Gegen diesen Vorschlag wurde Widerspruch erboben. Auch in diesem Falle blieb die Abstimmung durch Handaufheben zweifelhaft. Nun wurden Vorschläge gemacht, wie man durch einen anderen AbstimmungSmoduö die namentliche Abstimmung dermei- den könne. Auch dieie Vorsckläae sti?l-en auf Widerspruch. Schließ- lich erklärte der Vorsitzende Rich. Müller:«Ich lasse mich jetzt auf nicht» mehr ein, die Versammlung wird vertagt, bi« wir die namentlich« Abstimmung vornehmen kännen." Um SL1L wurde die Versammlung wieder eröffnet und fol» gende Resolution einstimmig angenommen: Die Brrsammlung bedauert und verurteilt aufS schärfste den Mord im bayerische» Landtag. Sie erklärt: Wir verabscheuen jede« gewaltsame Borgehen zur Beseitigung politischer Gegner und lehnen jede Gemeinsamkeit mit den Urhebern der Attentate in Mönchen ab. Dir Versammlung fordert sofortige Fesi'''«ne der mutmaß. lichen Mörder und ihrer Hrlferßhclfer. Sie crwartet, daß da» ge- richtliche Verfahren mit aller Beschleunigung durchgeführt werde. Hierauf wurde die namentlich« Abstimmung vorgenommen. Sie war bei Schluß dcS Berichts noch nicht beendet. W GroßSeelln Die �ozialifierung des Zentral-Vieh» uud Schlachthofs. Im Börsensaal des Viehhofs tagte am gestrigen Abend eine außerordentlich stark besuchte Versammlung von Arbeitern und An» gestellten diese» Betriebes. Ingenieur Duve referierte über die So> zialisierung de» Betriebe» und führte au», daß der Zentral-Bieh- und Schlachthof in jeder Beziehung für die Sozialisierung reif ser. ES fei eine bekannte Tatsache, daß gerade die Biehkommissionäre sowie die EngroS- Schlächter Niesenverdienst'.' eingesteckt � haben und noch beziehen, obaleich ihre Leistungen gleich Null sind. Bei der Soziclisierung müsse alles verschwinden, was unproduktiv arboite und sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichere. Herr Will« berichtete über da» außerordentlich rückständige Ver- halten der Schlachthofberwalwng. sowie der auf dem Vieh, und Schlachthof ansässigen Firmen, bezüglich der Behandlung und Be- zahlung ihrer Angestellten. Es wurde sodann nach eingehender Debatte einstimmig«ine Entschließung angenommen, nach welcher die baldigste Sozialisierung de» Zentral-Vieh- und Schlachthofes mit eingehender Angabe prak- tischer Vorschläge von der neu gewählten Gemeindevertretung ge- fordert wird. Zum"Zweck der baldigen Einseiffing der Angelegen- beit wurde eine Kommission, bestehend au» 7 Angestellten und Ar- heitern des Zentral-Vieh- und Schlachthofes gebildet, die beauf- tragt ist, das gesamt« für die Sozialisierung vorliegende Material zu bearbeiten und gleichzeitig mit den Stadtvecordneton in Fühlung zu treten. In Anbetracht de? IlmstandeS, daß nunmehr eine sozialdemo- kratische Mehrheit im Stadtparlament vorbanden ist. und daß tat- sächlich der Betrieb des Zentral-Vieh. und Schlachthofes als reif für eine Verssadtlichung angesehen werden kann, ist zu hoffen, daß. diese Sozialisierung in absehbarer Zeit zur Tatsache wird. Handel mit Pferdefleisch. Die Prov'nziatffei'ckisielle bai wraen Verrneb von Pferdessesscki angeordnet, daß böwstens der fsin't- Teil deS SchlachtgewstvtS zur Mnrst verarbeitet werten darf Da« sibriae Fleisch ist in robein Zustande an die Bevölkerung über den Lodemifch zu verkaufen. Hauefchtdckiffinaen von Pferden lind verboten: jede» unerlaubt ge- schlachtete P'erd ist zu bekchlaanabmen. Herstellung und Vertrieb jeglicher Dauerware auS Pferdefleisch ist ebenfalls verboten. Zuwiderbandlungen werden mit Gefängnis bis zu 1 Jahr und mit Gtldstrake bi» zu 10 000 M. bedrobt. Dem Schwindel iiji Handel mit Pferdefleisch und Wurfl wird am besten durch Kommnnolisierung de» EinkouiS. der Schlachtung und des Vertriebs unter durchgreifender Kontrolle begegnet. Wem nütze« die Mieteinigungsämter? Gegen die Entscheidungen der MieleinigungSSmter macht sich in Mieterkreisen ein« wachsende Mitzstrmmung bemerkbar. Ja vielen Zuschriften an un« wird die immer wiederkehrende Frage ausgeworfen, wem eigentlich die MieteinigunpSämter nützen. Auf- 'ällig oft find un« in letzier Zeit au« Eharlottenburg Klagen über da« MieteinigunaSamt zugegangen. Dort trägt an- icheineud auch die Form der Verbandlung dazu bei, manchmal von vrnnhetein da» Mißtrauen der Mieter zu wecken. Für eine feit «pril 1913 von zwei Familien gemeinsam benutzt« Wohnung zum Presse von 1250 M. wurde ab April 1919 die Miete um 350 M.(LS Proz.) aus 1600 M. ge- steigert. Beim MwteinigungSamt belehrte der Borstyende ven Mieter, die au» vier Zimmern. Küche. Badestube uiw. bestehende Wohnung iri damal».wohl reichlich billig" vermietet worden. Da« bei baite der Wirt schon damals den itüberen Preis um 100 M. gesteigert, ohne daß er für den neuen Meier an der ausbesserungS- bedürftigen Wohnung etwas machen ließ. Da« EinigungSamt hielt jetzt eine weiier« Steigerung für berechtigt und letzte die Miete auf 1500 M. fest, so daß sich immer noch ein Mehr von 250 M.<20 Piozent) ergab. Bei- demselben MieieinigungSamt mußte ein anderer Mieter sich vom Vorsitzenden sagen lassen, wenn ihm die Miete zu hoch sei. so lönne er ja ziehen. DaZ wußte er selber, aber bisher hatte der Mieter geglaubt, daß die EtnigungSämler auch Umzüge möglichst verbüien tollen. Der Borsitzend« er» zählte, er sei früher Hauswirt gewesen und wisse, waS ein« solche Wohnung wert sei. Die Wirtin hatte dem eben vom Militär entlassenen Mieter die Miete für die aus zwei Zimmern, Küche, Bad u'w. bestehende Wohnung ab April 1919 von 41 M. um 14 M.«über 34 Pro,.) aus 55 M. oesteigert und dabei angekündigt, von Oktober ab müsse dieie Woh- nung sogar 60 M. bringen. In den zweimaligen Berhandlunaen vor dem MieieinigungSamt bemerkte der Mieter nicht viel von Ber« suchen, die Wirtin zur Einschränkung ihrer Mehrforderung zu nötigen. Et mußte wenigstens in eine Steigerung um 11 M.(fast 27 Proz.) auf 52 M. einwilligen und sich halbjährigen Vertrag gefallen lassen, so daß zum Oktober schon wieder gesteigert werden kann. Da« sind zwei Proben der Enttäuschungen, die mancher Mieter fich beim Miel- «inigungSami holt. Einer saßt sein Urteil dahin zusammen: Zahlen oder ziehen!_ Forderungen a«S Anlatz des SpartakuSputsches. An Schäden aller Art bei den spartakistischen Tumulten in Berlin sind bisher über 4000 angemeldet worden. Die bcan- spruchten Ersatzforderungen belaufen sich bereit» auf weit über 40 Millionen Mark, und täglich laufen neue au» allen Stadt- gegenden ein._ Eine bewaffnete Räuberbande ist gestern in der Schröderstraße wieder aufgetreten. Dort wohnt im zweiten Stock de» Vorderhauses Nr. 12 ein Kraftwagenführer Hermann. Dieser stand im Begriff, ein Geschäft zu kaufen und hatte zu diesem Zweck 6500 M. zuhause liegen. Wahrend er nun gestern seinem Berufe nochging, erschienen bei seiner Frau ein Zivilist, der sich für einen Kriminalbeamten ausgab, ein Matrose und«in Soldat, die beide in Uniform und bewaffnet waren. Der Kriminalbeamte, der da» Wort führte, er. klärte, daß er beauftragt sei. mit seinem Kommanvo die Wohnung nach Watten zu durchsuchen. Die Frau, die allein anwesend war, mußte stch da» in ihrer Angst gefallen lassen. Die Bande fand weder Waffen noch sonst etwa» Verdächtige», nahm dagegen heimlich die Brieftasche Hartmann» mit den 6800 M. mit. Die Frau entdeckte den Diebstahl erst, al» die Bande schon wieder weg war. Oer „Kriminalbeamte" ist etwa 1,80 Meter groß, hat blonde» Haar und ein bartloses Gesicht und trug einen dunkelgrauen Frühjahrsmantel und einen hellgrauen Hut. Der Matrose und der Soldat trugen beide eine rote Armbinde. 5000 M. velohnnng. Ein großer Einbruch wurde in der der- gangenen Nacht in der Budapester Str. 2-3 verübt. Die unbekannten Täter erbrachen dort die Tür zu den Geschäfteräumen der Damen» konsektion von Max Stein und stahlen für 50 000 M. fertige Klei- der, Seide, Pelze und wertvolle Modelle. Auf die Wiederbschaffung de« gestohlenen Gute» ist eine Belohnung von 10 Proz. seine» Werte» ausgesetzt. Noch keine Besetzung be» Kommandoposten». Die K o m m a n» da n t ur teilt mit. daß der Abgeordnete Schöpflin entgegen andcr« lautenden Blättcrmeldungen noch nicht zum Kommandanten von Berlin ernannt worden ist. Wie stch die Neuordnung der Kvm- mandogetvalt in ud um Berlin gestatten wird, dürfte erst eine in den nächsten Tagen stattfindende LuSsprach« zwischen den beteilig- ten Stellen ergeben. Kein« Elnzirbnng ber Rickeimsinze«. Di« im Juni Ivin ange- ordnet« Einziehung der Ntckelmönzen durch die staatlichen Kassen ist nun- wehr aufgehoben worden. Der ReichiminINer bat demgemäß an dt« ihm unterstellten Poftd enststellen die«nweitung ergehen lassen, daß Nickel- münzen nicht mehr zurückzuhalten, sondern wieder in den Berkehr zu bringen sind. Die Lnnnenbessftätte«rabowse«. die vor dem Kriege Tausenden von Lungeniranten Ausnahme«währt und während des Kriege« hingen- trank- Soldaten gepflegt hat. wird am I.März ihr« FttehenStättqkelt wieder aul'-ebmen. Dt« geradezu erichreckende Zunahme der Sterblichkeit an Lungentuberkulose hat dt« Behärden veranlagt, die Räumung der Lunaen- hellstätten, loweit sie BereinSIazarette find, in Anregung zu bringen. Diese stehen nunmehr wieder ssir den Arbeiter und die nicht oersickette Vevälte- rung ossen, während man die lungenkranken HeereSangehörigen in be- sonder» eingerichteten Reservelazaretten(MUitärhcilanstalten) unterzubringen bemüht Ist. Di« Hesistätt««rabowse« wird stch künftig nicht mehr ans die Ausnahme nur Letchtkranler beschränken, fondern hat Einrichtungen auch zm Pflege solcher Kranken tn belchränkter Zahl ge- troffen, deren Leiden Wetter vorgefchritten ist. Neuere Forschungen über da» Geschlechtsleben der Mensche«. Ueber diese« Thema spricht am Sonnabend, abend» Tl, Ubr, in der Arbeite!-Hochschule, Aula der Frledrich-Werderschen Obeirca, schule. Nieder- wallitraße lL. SanititSrat Magnus Hirschseld. Eintritt 20 Ps. jür Mitglieder, Gäste 40 Ps. Die«utoomnibuSlinie Unter be« Liuben— Halenie«. dl« mit Beginn de« Kriege« wegen der Beichiagnabme der Fahrzeuge>ür Krieg«- zwecke eingestellt wurde, wird voraussichtlich am I. März in äduticher Weis» alS Torwagrnbetrieb wieder autgcnommen werden. Im MarmorhanS. Kursllrstendamm. gelangt morgen 8'/, Uhr .SIegertn Weib", dl« Seichlchle einer ZtrkuSreiterin, zur Aufführung. Vor- her wird»Dte Kleptomanie" gezeigt. Fußball. Der Arbeller-Iurn« und Sportverein Stralau I schlug am 28. d. M. den Fußballklub Lperber-Neutölln I nach hochtulereffantem Kampf mll 4: 2. Hnmantftische«emrinbe. Arn Sonntag, nachm. 5 Uhr. In der Aula der Fiirdii« Wert eri che» Lbeirratzchul«. Nirderwallitr. 12, Vortrag de» Herrn Dr. R. P enzig über: ,D>e neue Vaterlandsliebe".— Gäste will» lommen. Eharlvttenburg. Schwangcrcnfürsorge. Der Magistvat hat den Hauspflegeverein ermächtigt, minderbemittelten Schwangeren für die Dauer von etwa 4 Wochen vor der Entbindung und für die Zeit des Wochenbettes Beihilfen zu gewähren. Die regelmäßige Form dafür ist die Berabfolguna eines kräftigen Mittagessens. Anmeldungen haben DienStagS und Freitags zwischen 10 und 11 Uhr vormittags, möglichst 6 Wochen vor der zu erwartenden Entbindung. bi der ErnährungSabterlung de» HauSpflegevereinS im Cecilien- hau«, Berlinerstr. 137, zu erfolgen. Grost-Berliuer Lebensmittel. Buchholz. Abschnitt 38'I, Pfd. Sirup(Pfd. 85 Pfg.) oder Frucht- Itrup tPsd t.40 M>. Abichnill 9l ff, Vid Haier flocken fll Pfg.) oder ff, Pfd. Nudeln<23 Psa.). Bei den Flelitfieni aus Abschnitt 90 irische Fische.— Am Mittwoch sind im AmtShause Strümpfe(Person 1 Paar) er- bätltich. Berantwortlich kür PoNtik Art»« sslAler, eb»rl»tte»burg. für den übrigen Teil be» blatte««Nrrd Aaiol». Aeutzlln. für Unzeigen rbe»d»r ütlsiie. Berlin. Verlag: Borwirts-Berlag» m b 5 Berlin Druck?arwärt»-?u>vvrucker«i and «erlagSanstaU Paul Singer n. To. in Berlin, Lindenftratz» 8 Ein Freuden tag Waschtag , der f mit dem patentierten, vollkommen dbsttätiq arbeitenden„Lieblgs" Dampf»Wasch- Automaten, der dauernd Arbeitszeit, Arbeits lo'.in, Seife und Feuerung er- S'art und in jedem Raum für Oes- und KOchenherd benutzbar ist, ohne jede Bedienung, grülto Schonung der Wäsche, ab sc:bst mit den markenfreien HM Se lenersatzniitteln, wpvon wir das Bestbewähtte auf Wunsch liefern. Die Anschaffung wird evtl. auch durch bequeme Zahlungs- weise erleichtert. 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