Ur. 126. 36.Ia!frK. Morgen-Ausgabe. «trtrljiW. TJ» J«. monafl. 2 88 SDR. fld ins Haus oorauSzuhldar. Einzel« Siuinmern 10•Sfeamg. Postbezug: MonaiNq 280 221, exkl. FuslellungS- gedithr. Ilm-l«reu, band iür Deutsch- Änb u. ceiterrcich-Uugarn �.78 WR. fir ha' übrige AuSIanb 9.75 MI» bei lü�ich eimnalig« Zuflellung 7.78 TR. Postbeslellungen nehmen an Düne- muri. Holland. Luxembura. Schweben und die Schweiz. Eingetragen in die Vo-t-.letrungS-PreiSIiste. Sa.SorwürtS- erscheint wochentSgllch zweimlU. Sonntagt einmal. rcleqramni.itdress«: .«oztaldemotra, Berit»-, (ivpkonnl») P> Verlinev Volksblatt. «« achlg-tdatt»«» ioN« IM»«l..»»et»«&»»•*««»■•, da« irtirfCdaich» San 60 Psg.(MMg 2 I-vgcdruckte«ortet ied«s wettere Wori 28 Psg. Stellengesuch« und CchiatlleUen anzeigen das erile«ort t» Lsg.. ledeS weiter« Lorl 20 Ls» «ort« über 16 Suchliaten zühiin für zwei«orte. reuerungSzuschl-g 50«/«. ganltlien-Nnzrtgen, volttisch« und gewerklchaiUtche Lerein«- Rnzetge» 1,20 MI. di« sielt«. Anzeigen iür die nachiie Kummer müssen bis& llhr »achminag« an Hauptgetchüst. Octlui E2B.I38. llindensrrage X ad reg eben »erden, chcöftno oon 6 Übt srüch 6U « Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfcblands. Redottion und Expedition: SV. 6$, Lindenstr. 3. i freinftiredjeri Amt Mor,«platz, Nr. R.rl Sv—»SR Ä?. � vorwärts-verlag E.m.b. y.» EW. 08, tlindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Mortyplatz. Str. U7 53— 5i. DerXichtenberger Gefangenenmord. Vas Standrecht in Berlin verhängt. Wir hoben cm dieser Stelle die Politik des Spartakus-[ geschritten. bundes stets leidenschaftlich bekämpft, aber wir haben bisher w e g u n g dem Gegner die menschliche Achtung nicht versagt. Trotz allen Blutes, das die Sparkistcnbeweguug in Berlin auf ihrem Gewitscht hat, haben wir uns gehütet, nach Art der „Roten Jahne- über Mord und Mörder zu schreien. Wir betrachteten die Politik des Spartakusbundes wohl als ein verbrechen, aber als ein politisches Verbrechen, d. h. »vir erkannten an, daß oplitische Beweggründe hinter Taten standen, die. als solche nicht zu billigen waren. Aber was am Sonnabend in Lichtenberg und irti Omni- busdepol der Warschauer Straße- geschehen ist, das ist kein po- litisches Verbrechen, sondern ein gemeiner Massen- und Meuchelmord. Die Feder sträubt sich, wenn sie die grauseuerregenden Handlungen nochmals bejchreihen soll, die bier von spartakistischen Haufen an wehrlosen Gefangenen verübt worden sind. Sechzig Polizeibeamte und einige Dutzend Regier ungssoldaten sind wie Tiere abgeschlachtet worden wegen keines oudern Verbrechens, als daß sie ihre eidlich gelobte.Pflicht taten. Man muß fast glauben, daß die Nähe des Zentral- schlackthofes auf die Phantasie der Mörder erregend ein- gewirrt hat. Entsetzen packt jeden Menschen, den der Krieg Die Untat belastet die gesamte Be- nichts wäscht dieses Blut ab. Zumal sie keine vereinzelte Erscheinung ist. Sie reiht sich an die bestialische Ermordung des Ober- leutnants Kllübcr in Hall«, den man fchwerverwundet ins Wasser warf und dem man die Hände abhackte, als er sich ertrinkend anklammern wollte. Sie reiht sich an did entsetzliche Zu-Tode-Marterung einzelner Soldaten in Berlin, die uns mit ällen schaurigen Einzelheiten von Augenzeugen berichtet wurde. Entsetzt'ragt man sich: Wie wollen Leute, die vor solchen bestialischen Schlächtereien nicht zurückschrecken, noch weiterhin behauvten, sie hätten den Krieg— aus Abscheu vor dem Blutvergießen bekämpft?! Der Massenmord in der Warschauer Straße sieht wahrlich nicht nach Leuten aus, denen das Morden ein Ekel ist!— Tic Regierung hat auf diese Mordtaten mit der Ver- hängung des Stand rechts geantwortet. Es muß hier ausdrücklich festgestellt werden, daß trotz einer vollen Woche erbittersten Kampfes bisher von dieser Maßregel a b g e- sehen wurde. Die gefangenen Spartakisten wurden in Gewahrsam abgeführt, selbst beim Plündern abgefaßte Personen wurden bis auf wenige Ausnahmen der geordneten noch nicht völlig verroht hat, tvenn er die Schilderung liest, � Aburteilung überwiesen. Die mehr als tausend Gefangenen »nie vier fünf Mann unter rohesten Mißhandlungen das schreiende und verzweifelt sich sträubende Opfer festhallen. während ein sechster ihm gelassen den Revolver zwischen die Augen setzt.... Man entschuldige diese Taten nicht mit Erregung. Wenn die Rezierungswuppen zwei Spartakisten an die Wand stell- ten, die eben dabei ge'aßt worden waren, als sie einem »ueuäftings Überfallenen Soldaten von hinten die Kehle durchschnitten, so läßt sich das als Ausfluß der Erregung und der Empörung begreifen, wenn wir es auch nicht billigen. Aber bei der Mordtat im Osten lag gar kein Grund zu be- sondcrer Erregung vor. Die ermordeten Regierungssoldaten waren bei Lebensmittel- und ähnlichen Transporten i! de.'fallen und gesangen genommen worden, sie wärest nicht einmal dazu gekommen, ihre Waffen auch nur zur Verteidi- gung zu gebrauchen. Un ddi« Lichtenbcrger- PoUzeibeamten, die man bis auf den letzten Plann massakrierte, hatten weiter nichts verbrochen— als daß sie Polizeibeamte waren! Es bliebe allo nur die allgemeine Erregung. Wollte man die aber als Entschuldigungsgrund gelten lassen, so könnte und würde es im Kriege überhaupt keine Ge- s a n g e n c n mehr gebSn. Denn Erregung herrscht schließ- lich in jeder kämpfenden Truppe. Solleu wir daran er- innern, daß neben unserer Pami gerade die U nab- bängigen und Spartakisten stets mit besonderer Schärte verlangt haben, daß auch nur Mißhan dlung oder Beschimpfung feindlicher Gefangener durch deutsche Soldaten rücksichtslos geahndet werde?! Haben sie sich nicht stets neben uns besonders warm f ü r gute G e- sangeneubehaudlung eingesetzt? Da werdvi sie sich wohl selber schäinen, die Erregung als Milderungsgrund für bestialijche Taten b c i s i ch s e l b e r in Anspruch zu nehmen, nachdem sie vier Jahre lang stets auf dem richtigen Stand- Punkt gestanden haben, daß es unbedingte Pflicht ? e g l i ch e n Führers ist, die Gftangeuen vor solchen Ausbrüchen der Erregung zu schützen. Beschämend im hoch- slcn Grade bleibt es immerhin, daß eine Partei, die mit W o r- t e u stets für die größte Menschlichkeit in der Kriegführung eingetreten sind, jetzt, wo sie selber Krieg führen, Brutali- täten verüben, die alles in den Schatten stellen, woswegen sie andere augeklagt, haben. Tie Lichtenberger Bluttat wird als ewiges S ch a n dm a l. in der Spartakisteubcwcgung bestehen bleiben, denn sie war durch nichts provoziert, hatte kernen Zweck, sondern sie Kellt sich dar als Ausfluß nie- d e r st c r Mo r d l u st, Rachsucht und Blutgier. Jetzt mag mau die Tat auf„Gesindel" schiebe»,— bisher waren die Spartakisten sehr empfindlich gegen den Vorwurf, daß zahlreiches Gesindel in ihren Reihen kämpft. Das ist freilich ein sehr bequemes Verfahren: Erst be» waft'net man das Lumpenproletariat Berlins wahllos bis an die Zähne, erst befreit man die Schwerverbrecher aus der Stadtvogtei— darunter zehn Jahre Zuchthaus schtuere Jungen— erst lockt man durch Plünderung der Läden alles Gesindel der Großstadt an, und dann— lehnt man die Verantwortung ab. Nein, Spartakus hat Leu Ver- brechen» und Zuchthäuslern nicht nur Gewehre gegeben, seine Truppen haben auch zugesehen und dabeigestanden, wie ljer Gesangenenmord verübt wurde.— und sie sind» i ch t em- in Regierungshänden sind der beste Beweis hierfür. Ersb die Spartakisten haben dieses menschliche Verfahren unmög- lich gemacht, indem sie ihre Gefangenen, nicht nur einzelne, sondern nahezu hundert au,f einmal erbarmungs- los niederschostcn. Die Folgen dieser Tat kommen wie die Tat selber auf ihr schuldiges Haupt.> � Der Kampf gegen üie Massenmörder. Das Lichtenbcrgr Polizeipräsidium und Poftomt von den Mord- bchicn gestiirmt, viele Beamte« und Soldaten laltblütig hinge- mordet.— Standrecht�gcgcn die Helfer der Bestien.— Das Bordringen der Rcgierungstruppcn. Mit Einbruch der DuuMheii begann am Sonnabendabend in Lichtenberg der Sturm aus da» Polizetpräsiviuin. das Postamt, das Fernsprechamt. Das Präsiduim in der Mfrcbstratze hatte einen Schutz von Regierungstruppen erhalten. Die Bedeckung erwies sich gegenüber dem tviassensturm als ku schwach. Nach heftigem zweistündigem Kamps drangen die Angreifer in das Ge- bände ein. Nach Auskunft der Leitung der RegiernngStrupyen wurden' etwa sechzig im Präsidium gefangengenommene Beamte erschossen, teils indem man sie lause» hieß und sie hinterrücks erschoß» trilS indem man sie im.Hof des Präsidiums hinrichtete. Der Präsident und seine Frau konnten flüchten. Auch di« Besatzung des Postamts Lichtenberg, ei» Offizier und 54 Mann sind nach ihrer Ueberwöltigung hingrmordet worden. Endlich scheinen auch im Omnibusdrpot in der Dolziger Straße eine Anzahl von Berpflegungsautos heruntergerissener Regicrungs- soldatcn erschossen- worden zu sei». SeDsiverstzändlich wurde das Dichtcnlberger Postamt radikal ausgeraubt. Die Postkasse mit 60— 80000 M. Inhalt inbegriffen. Eine Lokalkorrespondenz meldet aus der FranLfurter Allee:. Am Sonntagvormiftag wurden zwei Mann der RegierungS- truppen� die auf Patrouille bis zum Rw-gbahnhsf vorgedrungen waren, von Bewaffneten festgenommen unid mit Kolben ge- schlagen, vis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gaben. Ein ün NekenhauS wohnender Mann von fast 70 Jahren versuchte für die Unglücklichen einige gute Worte einzulegen. Er wurde durch einen Revolverschuß getötet. Nacht für Nacht dringen Spartakisten in die Wohnungen und Läden ein, plündern und rauben, wie es ihnen gefällt. Wer nur den geringsten Widerstand leistet, muß für fein Leben fürchten. Der Vormarsch der Nestiernngstmppcn gegen Lichtenberg begann So im tagnachmi t tag gegen 4 Uhr. In der Höhe der Warschauer Straße wurde Artillerie aufgebaut, um die Barrikaden am Verbinder gründlichst zu zerstören. Die Beschießung dauerte bis gegen e'A Uhr. Das Geschützseuer wurde von Fliegern geleitet. Ein Trupp Spartakisten in der Maellendorfstrahe und cruf dem Güterbahnhof wurde durch Fliegerbomten auseinandergesprengt. Der Lichtcnberger Güterbahnhof ist von Plünderern im Laufe des Sonntags völlig ausgeraubt worden. Senntagnachmlltag gegen 3 Uhr Wurden die Häuser ZionSkirch- strafe 26— 28 durch Artillerie sauer beschädigt. Mehrere Personen wurden verletzt. Die amtlichen FeMeTungen ergaben, daß die Beschießung nicht durch Regierungstruppen er- folgt ist, daß es sich vielmehr-um Spartakistenfeuer handelt. Die Fliegerbombe, die am Bülotvplatz so verheerende Folgen gehabt hat, ist, wie amtlich festgestellt wurde, nicht vo» er»em NsgUruagSflieger abgeworfen worden. Keine Gnade den Mördern J Infolge der Grausamkeit und Bestialität, mit.der die Spar- � takisten gegen dir in ihre Hände gefallenen NegierungStruppr» vorgehen, hat sich der Oberbefehlshaber in den Marken, R» s k e, ,gu < folgender Ankündigung veranlaßt gesehen:„Wer vo» jetzt ab mit der Waffe in der Hand gegen SicgierungStruppe» kämpfend angetroffen wird, ist auf drr Stelle zu erschießen." Am Sonnabend nachmittags wurden auf dein Hofe eines Hauses Kraut- Ecke Gr. Frankfurter Straße fünf Sparta- k i st e n, die nachgewiesenermaßen auf die Soldaten dar dort vor- rückenden Marinvbrigad: geschossen hatten, standrechtlich er- schössen. Die Lage am Sonntagabend. Die Garde- Kavallerie-Schützen-Division teilt mit: Die beutige Nacht verlief im allgemeinen ruhig. In der Ge- gend der B e us s e l- und T u r m st r a tz e fanden ständig An- sammlungen von Spartakisten statt, die durch energisches Zugreifen der Freiwilligen des Regiments Reinhardt, unterstützt durch e:jje Rcvolverkanonenbatterie, sofort wieder zerstreut wurden. Auch In Neukölln kamen Zusammenrottungen bewaffneter Zivilisten vor, die durch Freiwillige des DetachementS Neuville sowie Reserve-Jnf� Reg. 64 zerstreut wurden. Die systematische Säuberung des Ostens schreitet plan- mäßig fort. Die Spartakisten im Gefühl ihrer Ohnmacht lassen sich zu bestialischen Nohheiten gegen di« Regierungstruppen hinreißen. Ein mit bewaffnete» Soldaten besetztes Auto des DetachementS Küntzel wurde von Spar» takisten in der Warschauer Straße überfallen, die Besatzung von 7 Mann erschlagen. Ebenso wurde' in der Gegend der Großen Frankfurts Allee ein Lastauto des freiwilligen Marine-Regiments überfallen. Mit dem Tode der elf Mann Besatzung muß leider ge- rechnet werden. Gestern wurde ein« Spartaks st in verhaftet. di« nach dem Zeugnis einwandfreier Zivilpersonen an der Tötung von mindestens 20 Soldaten aktiv beteiligt gewesen ist. Flugzeuge der s p a r i a k i st> s ch gesinnten Fkiegerabtei- lung rn KottbuS haben außerhalb der im Kampf befindlichen Stadtgegenden Bomben auf Ansammlungen von Zivilisten abge- worfen und erhebliche Verluste verursacht. Die Garde-Kavallerie- wchützen-Division und ihre Freiwilligen und sonstige ihr unterstellten Verbände werden sich durch dieses Treiben der Spartakisten in ihrem zielbewußten Vorgehen kiicht irremachen lassen. Sie müssen nur di« Schuld weit vK» sich weisen, wenn auf diese Weise die Kämpfe immer brutalere Formen annehmen. Bon feiten der Führung wird alles getan, um die nur zu verständliche Erregung der Freiwillige« gegen ihr« unmenschlichen Gegner niederzuhalten. Die Ziachricht. daß der Friedrichshain besetzt sei, entspricht nicht den Tatsachen. Die Schwierigkeiten der RegierungStruppen gegen- über den Spartakisten bestehen im wesentlichen darin, daß diese jetzt in kleinen aufgelösten Verbänden kämpfen und daher leicht Gelegenheit haben, zu entschlüpfen. Leider wurden mehre« Anwohner dadurch verletzt, daß sie, ent- gegen den ständigen Ausforderungen der Truppen, die Straßen zu meiden, sich in unmittelbarer Nähe des Kampfplatzes aufhielten und so von Sprengstücken der Granaten getroffen wurden. Tie Be- wohner des Teutoburger Platzes wurden aufgefordert, ihre Häuser zu räumen, da dort starke Svartatistenbanden auftraten, die' zu energischen Kampfhandlungen Veranlassung gaben. In das HauS Kantzowftraßc 6 schlug eine verirrte Granate ein und deckte das Dach ab. Die binzugcrufene Feuerwehr war längere Zeit mit den Löscharbeiten beschäftigt. Die Gardc-Kavalleric-Schützen-Division hat sich auf den Straßen Spree— Gr. Fvancksurter Str.— Landsbevger Str.— Neue Äönigstr.— Prenzlauer Str.— Schöichauser Str.— Rosen- thaler Str. zu vorwärts bewegt und den Abschnitt Lothringar Str.— Jostystr.— Palisadenitr.— Strausberger Str.— Are- dreasvlatz— Andrea sstr.— Spree erreicht und befestigt. Die Truppen hatten geringe Verluste. Schreckensszene«, wie sie sich jetzt Dank Spartakus jeden Augenbtfck ereignen, schildert folgende Zuschrift uns: „Ich befand mich am Donnerstag gegen 3 llhc nachmittags auf dem Wege zum Hausvogteiplatz und sah an der Schloßbrücke zu, wie das Freüvilligcnkorps Lüttwitz nach dem Aleranderplatz marschierte. Plötzlich ivurde von Mannschaften der„Republikanischen Soldatcnwehr", die sich im M a r st a l l verschanzt harten, ein hef- tigcs Gewehr- und Maschinengewehrfeuer eröffnet. Alles stob in Entsetzen auseinander. Die Truppen setzten sich zur Wehr, und es entstand ein Feuergefecht. Wir rannten über die Schloßfreiheit dem Lustgarten zu. Ta am Dom auch Truppen stationiert waren« sausten die Gewehrkugeln an uns vorbei, und zuweilen wurde« wir durch Handgranatenexplosionen und Artillericeinschläg« ev- schreckt. Frauen und Kinder wurden ohnmächtig oder bekamen Weinkrämpfe. Alle Brücken wurden gesperrt. Wir fanden keii-cn anderen Ausweg als über die Eiserne Brück« nach dem Kupfei> graben zu fliehen. Von hier aus gelangte ich«ach der Oravie», das Polizeipräsidium wurden müsieloS, durch die Frorrtfoldaien abgeschlagen. Die G-schützbedienungSmannsckastcn der Angreiser wunden durch wohlgczieltcs Feuer mehrfach außer Gefecht gesetzt. Die Verteidiger� die übrigens die anwohnende Bevölkerung dadurch schonten, daß sie nur schössen, wenn sie ein Ziel vor sich hatten, während die Gegenpartei w-üst hernmknatterte, hatten gut gedeckt auf dem Dache des Präsidiums einen leichten Minenwerfer auf- gestellt, mit dem sie nur d Echuß abgaben, odwoihl sie über mehr als bst Schuß derfügtcy. Durch einen Minenvolltrefser erledigte» sie einen an der PMlglaucr Straße aufgestellten leichten Minen- weofer der Spartakisten samt der Bckdicnung. Nachdem die Entsetzung dcS Viertels am Freitag erfolgt war, sah cS wüst um den Alexanderplatz aus. Besonders das Polizei- Präsidium selbst zeigte viele Spuren der heftigen Artillerie- beschießung. lieber öO Artillerie- und Mincntreffer haben seine große Front und die Türmchen durchlöchert. Besonders die an den Platz an- stoßende Front weist zahlreiche Treffer auf. Einer unserer Mit- arbciter, der am Freitagmorgcn daß Haus besichtigte, mußt« in- dessen feststellen, daß in seinem Innern der Schaden verblüffend gering ist. Zwar find einige Außenräume demoliert, doch ist nichts derart mitgenommen, daß es nicht zu verteidigen gewesen wäre. Im Innern des NiesenbaueS ist überhaupt nichts beschädigt. Nur ein Toter, fünf Schwerverletzte und einige Leichtverwundete sind die Verluste der Verteidiger. Die leider unvermeidbare Beschießung'durch die angreifenden RcgierungStruppen hat die Gegend um den Alexanderplasj» ebenso schwer beschädigt, wie die, Belagerung". Das Eckhaus Alexander- platz Ecke Prenzlauer Straße ist durch den Treffer einer schweren Mine zum großen Teil zerstört. Ein HauS in.der nahen Alten Schützenstraße ist in der gleichen Weise völlig in'Trümmer gelegt. Die Georgenkirche hat duxch Artillerietreffer sehr schwer gelitten. Ein? ihrer Ecktürmcken ist völlig abges&ossen. U eberall in den um- liegenden Straßen sieht man ähnliche Trümmerstätten. Wie wenig die die umwohnende Bevölkerung himmelschreiend terronsieren�ßn Spartakisten überhaupt Menschen genannt zu wer» den verdienen, zeigt der Ilmstand, daß sie Gasgeschvsie verwandten. Zum Himmel schreit es aber, daß diese menschlichen Bestien die zwei Sanitätssoldaten, die aus dem Präsidium kamen, um schwerverwundet davor liegende Astgreiser zu verbinden, nieder. schlugen. Unsinnig ist eS, zu glauben, die über der Stadt kreisenden Flieger hätten das Präsidium mit Bomben beworfen. In Wahr- heit waren die Bomben nur Säcke voll Lebensmitteln. Die Kämpfe im Osten der Stadt haben größere Opfer unter der unbeteiligten Bevölkerung gefordert. Di« Spartakisten hatten im Frankfurter und Stralauer Viertel nach dem Rezepte Kramer(stehe Nr. 63 des.Vorwärts") Bandenkämpfe in Szene gesetzt, die die Verwendung von Artillerie und Minen zu ihrer Niederkämpfung nötig machte. Wegen der nicht genau maß. geblichen Stadtplane wurden die Entfernungen ungenau geschätzt und dadurch bedauerliche �F e h l t r e f f e r erzielt. DaZ Haus Vlumenstraße 68 wurde durch ein« schwere Mine in.semer oberen Hälfte zerstört. Eine zweit« schwere Mine schlug auf den Straßen- dämm der gleichen Straße, ungefähr 66 Meter von der ersten Ein» schlagstelle entfernt, und richtete ebenfalls großen Schaden an. Dieser Geschoßeinschlag vernichtete auch vier von sechs zur Hilfe. leistung herbeigeeilten Feuerwehrfahrzeugen und eine Batterie, die für die Regicrungßtruppen dort in Reserve stand. Ein HauS in der Fricdrichsfelder Straße, dicht am Sirausbergsr Platz, wurde durch Volltreffer in seiner Vorderfront buchstäblich von oben bis unten zerspalten. Naturgemäß haben diese Geschoß- einschlage ein« Reihe von Opfern gekostet. TaS Note Kreuz und die Feuerwehr hatten außerordentlich schwere Arbeit zu verrichten. ES ist nach Aussage von kriegserfahrenen Augenzeugen sehr wahr-, scheinlich, daß die Schüsse von der Spartakusartillerie abgegeben waren. Gegen die Dachschützenpest gehen seit Donnerstag die Infan- terieflicger mit großer Wirksamkeit vor. AuS geringer Höh- be. streichen sie mit Maschinengewehrfeuer die Dächer. Die außer- ordentlich radikale Wirkung de? FlicgerfeucrS, die den an der Front gewesenen Leuten sehr wohl bekannt ist, hat sich in der neuen Form des Kampfes abermals deutlichst gezeigt. M Ken Kampfftätten öeellns. Das Hau» Mexanderplatz Ecke Prenzlauer Straße hat unter der Beschießung am meisten gelitten. Eine schwere Mine durch- schlug den Dachstuhl glatt bi» zur zweiten Etage und riß die Vor- derwand des Hauses vollkommen ab, so daß man von der Straße au§ die rieseichaften Verwüstungen im Innern sehen kann. Das Polizeipräsidium und die angrenzenden Straßenzüge sind noch immor in weitem Umkreis abgesperrt. Das Königftädtische Real- gymnasium in der Elisabethstraße sowie die angrenzende Gemeinde- schule in der Kleinen Frankfurter Straße haben am meisten ge- litten. Die schweren eisernen Türflügel sind durch Handgranawu und Maschinengewehre wie ein Sieb durchlöchert worden, und durch die zerschossenen Fenster sieht man die grauenvollen Verwüsluaacn in den Zimmern. Di« Leitungsdrähte der Straßenbahn und 5eS Telephons liegen auf dem Pflaster und machen ebenso wie die umherliegenden Pflastersteine ein Passieren ver Straße fast zur Unmöglichkeit. Der ganze östliche Stadtteil ist von der Außenwelt durch oas Regiment Rvnchard abgesperrt worden, und jeder ein- zelne straßenzug wird nach Spartakusleuten eingehend abgesucht. Geschütze stehen vor dem Kaufhaus Jandon in der Frankfurter Allee und auf dem Lndreasplatz. Ter Schlesische Bahnhof ist von den Freikorps schwer befestigt worden. Etwa 36 Geschütze richten chre Mündungen drohend nach allen Seiten, und außerdem suchen die Truppen in Panzerautos und bewaffneten Lastwagen die Um- gegewd nach Aufständischen ab. Verhaftungen von Spartakisten und Plünderern. Am Sonntag wurden dem Berliner Polizeipräsidium 7g Per- sonen eingcllcsert. Unter diesen befanden sich eine ganze Reihe Angehöriger der ehemaligen Sicherheitswehr und der Republilani- schen Soldatenwehr. In dem Kleinkrieg wupde ebenfalls eine ganze Anzahl Personen feftgenommcn. So erhielten die Posten vor Um Haupt-Telegraphenamt in der Oranienburger Straße von der Krausnickstraße her plötzlich Gswehrfmer. Bei Absuchung ver Dächer wurden mehrere Leute gefunden und abgeführt. In der Dragonerstraße erhielt eine. Pairouille Feuer aus dem Hause Nr. 45. Hier wurden drei Burschen herausgeholt, die im Be- .sitz von Waffen waren. In der Kleinen Awdreasstraße 28, wo ebenfalls auf Soldaten geschossen worden war, fanden die Truppen bei einer Durchsuchung des HauseS zwei MäMier, die nicht in da» HauS gehörten und ein leichtes Maschinengewehr mit führten. Weitere LS Personen wurden verhaftet, weil man Was- se'n bei ihnen vorgefunden hatte. Am Sonnabendabend kam in der ldaiserstraße ein Matrose aus einem Hause heraus und lief mit erhobenen Händen und den Rufen„nicht schießen, nicht schießen" aus die RegierungSsoldaten zu. Während dann die Patrouille sich dem Matrosen näherte, stürmten plötzlich mehrere Männer auS dem Hause hervor, fielen in Gemeinschaft mit dem' Matrosen über die RegierungStruppen her und entrissen ihnen die Waffen. Der Borgang war jedoch auf dem Polizeipräsidium beobachtet worden und sogleich eilten weitere Tra'ppcn hinzu, denen eS auch gelang, die Spartakisten zu überwältigen und Amen die Waffen wieder zu entreißen. Ter Mairose, der als«in Arbeiter Kupianak sestgestellt wurde, wurde von den Soldaten sogleich �andrech:- lich erschossen. Die Volksbühne am Bü/owplatz ist glücklichenvene nur unwesentlich beschädigt, wenigstens bisher, und wird die Vorstellungen wieder ausnehmen, sobald Nordost- Berlin nicht mehr ein Cchlachtseld ist. Die Direktion erklärt ctz auch als imrichiig, daß Rebellen das Haus besetzt gehabt hätten. Hiervon hätten sich die Regievung�truppen auch SberzeuHt. In den östlichen Vororten. Lichtenberg ist völlig abgeschnitten. Di« Spartakisten haben Eisenbahn, Telephon und Telegraph uabtauchbar gemacht. Sonnabend abends gegen 16 Uhr oersuchten Spartakisten über FriedrichSfelde in Karlshorst einzudringen. Die Soldaten töteten durch Gewehrschüsse drei der Spartakisten, während die anderen flüchteten. In Rahnsdorf drangen mehrere Spartakisten vlöhlich in die SchrÄbstub« einer Batterie ein. die mit wenigen Soldaten dort zurückgeblieben war, während die übrigen zur Nisderkämpfung der Unruhen in Berlin eingerückt sind, entwaffneten die Soldaten�und schleppten die Gewehre und die Munition nach dem Gemeindeamt. Infanterie aus FriedvichShagen, die auf diesen Ueverfall hin nach Rahnsdorf beordert wunde, holte die Waffen wieder zurück. Die Ermittelungen führten zur Verhaftung von vier Personen. Auch die einem Trupp RegierungSsoldaten in Friedrichsoagen durch Spartakisten entwendeten Waffen konnten wieder herbeigeschafft und mehrere Personen dingfest gemacht werden. Der Bahnhof Köpenick, den Spartakisten mehrere Tage besetzt und mit Maschinengewehren verteidigt batten, konnte durch RogierirngStruppen entsetzt werden. Infolgedessen wurde berettS am gestrigen Sonntag der Vorortverkehr zwischen KarlShorst und Erkner wieder aufgenommen. gmß Straße. Aber auch hier konnte ich nicht durch, da der mbijouplatz abgesperrt war. In den Querstraßen begannen tzlich Gefechte, da aus den Häusern geschossen wurde. r wollten in den Häusern Schutz suchen, aber sämtliche Türen '.reu fest verschlossen. Ein Herr hatte den Mut, in einer irtierwohnung die Fensterscheiben einzuschlagen, und 166 bis -6 Personen strömten in den kleinen Raum. Als das Feuer nach- eß, versuchte ich durchzukommen, was mir nicht gelang. Endlich, lS ssch mehrere Personen angesammelt hatten, die auch in abge- >errten Vierteln wohnen, gelangte ich untoc Bewachung eines chwerbeivafsneien Soldaten zu meiner Wohnung und war froh, -aß ich diesmal noch mit heiler Haut davongekommen bin." Wer hat begonnen! Die ersten Strastenfchlachten. Gegenüber den zur Irreführung der G roß-Bevliner besttmmten Darstellungen geben wir folgenden ans Augenschein und genauen Erkundigungen fußenden Bericht: Wohl noch nie ist in Berlin Wer Geschehnisse ei« so großer Wust von Unwahrheiten verbreitet worden, wie in den letzten Tagen. Es ist daher dringend notwendig, festzustcllen, was sich in WirkPichteit zugetragen hat. Hierbei muß mit den Ereignissen deS oerhänHniSvollen MittwochnachmittagS begonnen werben. An diesem Tage herrschte nach den vorange- gangenen Zusammenstößen eine röcht geladene Atmosphäre. Di« im Gewerkschaftshause tagenden Arbeiterräte aller Parteien— auch der K. P.— hatten nachdrücklich jede Gemeinschaft mit den putsch- und raubsüchtigen Demonstrantcui abgelehnt und den Streikenden dringend angeraten, sich an keinerlei Aktionen zu beteiligen, sich möglichst in ihren Wohnungen aufzuhalten und unter allen Um- ständen den Alexanderplatz zu meiden. Am Mittwoch war das bereits stark bedrohte Polizeipräsildium durch das aktive lothringische Infanterieregiment Nr. 174(rund 266 Mann) und 2 Kompagnien der Augustancr(rund. 76 Mann) besetzt. Gegen beide Farmationen wurde im Puhlikum'eine wahnsinnige Hetze betrieben und durch Leute des Roten Soldatenhundes zur Erstürmung deS Hauses aufgefordert. An dem verhängnisvollen Nachmitwge erhielt die„populäre" Volksmarinedivision von der Kommandantur den Auftrag, die Ord- nung auf dem Platze wiederherzustellen. Ein Kommando dieser Truppe rückte auf den Paltz. Auelst klappt« es einigermaßen. Die Matrosen nahmen M Leute, die plündernd in das Warenhaus Tietz eingedrungen wären, fest und lieferten sie ins Polizeipräsidium ein. Bald alber schien ihnen das Ordnungmachen nicht mehr zu passen. Sie mischten sich unter die sich gegen das Präsidium immer drohender gebärdende Menge und, statt sich auf da» HauS zurück- zuziehen, halfen sie Ivacker mit. Die Soldaten gaben schließlich ein« Anzahl Schreckschüsse in die Lust ab. Di« Matrosen rieten dem Pöbel, sich darum nicht zu kümmern.„Die wagen nicht, auf uns zu schießen, kümmert Euch nicht um die Schreckschüsse der feigen Hunde," riefen einig« von ihnen laut. Da trat das entscheidende Ereignis ein. Ein Zivilist, der gedeckt hinter der An- fchlagsäule an der Ecke, in der sich die Aschinger- Konditorei befindet, stand, gab aus einer Selbstladepistole mehrere Schüsse auf die auS de« Fenstern sehenden Soldaten ab und verwundete hierdurch einen S a n i tä t S u n te ro f f i z ie r des Re- gimentS Nr. 174 schwer durch H als schuß. Erst hieraus tourde von der Dssatzungstruppe das Feuer eröffnet. DaS Unglück wollt« eS, daß hierdurch auch einige Matrosen, darunter der Füh- rer des Kommandos schwer verwundet wurden. Sosort erklärten die Matrosen den Kriegszustand und toten unter der Behauptung, die Soldaten hätten ihre Parlamentäre erschossen(eine frech« ten- denziös« Lüge) die ganze VoUsmaruiedivision ans, um das Polizei- Präsidium zu stürmen. Mit Hilf« des„Roten SokdatenbundeS" alarmierten sie streikende Apbefter. Diese brachten große Mengen Gewehre. Maschinengewehre und Munition sowie mchrer« Ka> «onen und Minenwerfer(cmS Spandau gestohlenes Kriegsgcvät) ouS ihren Schlupfwinkeln mit. Die Depots der R. S. W. wurden gleichzeitig von ihnen telephonisch um Hilfe angegangen. Während die meisten Depots(14) diese nicht vom Kommando angeordnete Hilfeleistung versagten, konnten die Depotführer von 8 Depots ihre Leute nicht halten. Diese Leute bewogen wiederum viele dienst- freien und aus Wachen bcfiriMichen Mannschaften ihrer Truppe, sich der Aktion anzuschließen. So kam eS, daß am MittGoch gegen 11 Uhr abends gegen 3666 bis an die Zähne betvaffnete Männer das Präsidium belagerten. Um 12 Uhr nachts setzte die Beschießung«im Alle Angriff« auf Verantwortung des Proletariats. Bon Maxim Gorki. Vieles von dem, was Gorki in der„Nowaja Gchtsn" in Tagen haßvoller Parteizerrissenheit an vi« Prole- tarier seines Lande« richtete, bleibt eine dauernde und immer wieder nützliche Mahnung. Im Dezember 1617 schrieb Gorki folgende Satze:, Die Arbeiterklasse hat unter Aufwand kolossaler Energie auch ihre gebildete Schicht geschaffen— lauter kleine Bebels, denen die Rolle der wahren Führer der Arbeiterklasse und der echten Vertreter von deren materiellen und geistigen Interessen zukommt. Die Arbetterintelligenz hatte e» selbst unter den schwere» Be- dingungen des PolizeistnatcZ verstanden, ohne sich zu schonen und täglich ihr« persönliche Freiheit auf» Spiel setzend, mit Ehr« und Erfolg für den Endsieg ihrer Ideen zu kämpfen, indem sie in dir dunkle Arbettermasse das Licht de? sozialen Selbstbewußtsein« trug und ihr die Wege zur Freiheit und Kultur zeigte. Einst wird die leidenschaftslose Stimme der Geschichte der Welt verkünden, wie groß, vi« heldenhaft und wie erfolgreich die Arbeit der proletarischen Intelligenz seit den neunziger Jahren bis zum Beginn des Weltkrieges war. Der verdammte Krieg hat Zehntausend« der besten Arbeiter ge- Ltet und ste in den Werkstätten durch Leute ersetzt, di« zur„Muni- tion" gegangen sind, nur um sich der Wehrpflicht zu entziehen. E» sind politisch unreife Menschen, denen die Psyche des Proletariats und das dem echten Proletarier innewohnende Bestreben, eine neue Kul- tur zu schaffen, fremd sind. Sie sind nur von dem einen spieß- bürgerlichen Wunsche beseelt, um joden Preis und sobald ÄS mög- lich ein persönliches Wohlleben zu erringen. Diese Menschen sind organisch unfähig, die Ideen d«S reinen Sozialismus aufzunehmen und im Leben zu verwirklichen. Der Rest der vom Weltkrieg und Bürgerkrieg verschonten Ar- betterintelligenz ist nun tn den engen Ring einer Mass« von ihnen psychisch fremden Lsittschen geraten, von Menschen, die zwar die Sprache des Proletariers sprechen, aber nicht wie die Proletarier fühlen; von Menschen, deren Stimmungen, Bestrebungen und Hand- lungen die beste obere Schicht der Arbeiterklasse der Schande und der Vernichtung preisgeben. Die aufgepeitschten Instinkte dieser finsteren Masse haben in den Verkündern eines rein zoologischen Anarchismus ihr Sprachrohr gefunden. Diese Führer eines toll gewordenen Spießbürgertums verwirklichen nun, wie wir sehen, die dürftige Lehre ProudhonS und nicht die Ideen von Marx, verbreiten den Geist des Pugatfchow- «ufitandeS(einer blutigen Erhebung gegen Gutsbesitzer. Beamte und Geistliche, geleitet von dem Räuber Pugatschow 1776) und nicht den Sozialismus- und wollen alles auf ein moralisch und materiell gleich dürftiges Niveau herabsetzen. ES ist schwer und schmerzlich, darüber zu sprechen, man muß«S oder(agoi, weil für den Unfug und die Sünden» die von einer de» klassenbewußten Proletariat fremden Gewalt verübt werden, dieses selbe Proletariat sich zu verantworten haben wird. ver Mahlgang. Der Mahlgang ist jener Teil der ivtühle, in dem die tanzenden Körner zerrieben werden, wie der Mahlgang de« Kriege« wahllos Menschen, Tiere und Eisen zermalmt- Edgar Habnewalv bat den blusigen Tanz dieses Mahlganges aus eigenem Ecleben kennen gelernt und belitelt so sein jüngst erschienenes neues No- vellenbuch(Verlag Egon Fletschsl& Co., Berlin, 3.50 M). Nicht tn kleinere» harmonisch umrsssene Episoden ausgelöst, wie sein novellistisches Erstlingsbuch„Trümmer", kommt es daher, sondern drei schwere, gleicknisbaft angelegt« Glücke geben ibm Gewicht. In dem einen mahlt die Schlacht mit unbarmherzigen, höllisch-objektivem Gleichmaß. Was weiß das Werk vonchem einzelnen Körnchen?I Im andern Stück belommr der Kriegswahnwitz durch eine Bermisckumg von Wirtlichkeit und Traumleben die irren Konturen eine« Narren- tanres und FaschingSspnkes, der fich aus dem Leichentuch russischer Schneefläche ausrast. Torsohaft umrissen steckt hier der Wuri einer bitteren Groteske, die vom Pferdefuß de« Kriegsteufels tragikomisch aezintt ist. Da« wuchtigste, in den Gestallen ans altüberkommene Sinnbilder gestellte Stück, ist das Schattenspiel vom Krieg, vom Hunger und vom Tode. In der Form eines dramatischen Dialog« geraten die drei MenschheiiSgeißeln aneinander. Hunger und Tod sägen dem sinnlosesten aller Würger die Gefolgschatt auf. und im Hintergrunde murrt die Revolution. Prophetisch kündet der Dichter den Zusammenbruch einer morschen Welt an..> Schars heben sich die Farbep diese« Buche? voneinander ab: die realistisch« des Sblachteugemäldes. die visionäre des Tranm- ipielS, die dramatisch-allegorsiche des Schattenspiel« und zum Schluß die satirische einer Weihnachtsfeier im Granatenfeuer. Hghnewald tritt mit dem neuen Buche tn der Form weniger harmonisch aus als im Trümmerbändchen. aber tn den Mitteln reicher; tn den Ausmaßen grotzliniger. ES gehört in die Reihe jener Bücher, die der Nachwelt das Profil der traurigsten aller Menschhettskalastrophen überliefern werden._' Robert Grötzsch. Eine neue Zeitschrift für Erziehung. Im demokratischen und sozialistischen Gemeinwesen wird die Erziehung der neuen Generationen die wichtigste Aufgäbe sein. Alle Umänderungen der äußeren Einrichtungen können allein die neuen Menschen nicht schaffen. Schon der Weg der Demokratie ist müh- sam und dornenvoll, er setzt manches voraus, was gar vielen beute noch abgeht. Die Sc�iaiisierung vollends erfordert einen Grad von Mitvsrantnwrtung und Selbstdiszrplinisnntg jedes einzelnen, die unter der Herrschast deS Kapitalismus sich unmöglich entwickeln konnte. Selbste rziehung und die harte Lohre der Erfahrung wird bier helfen müssen. Aber die heranwachsende Jugend soll gleich in einer nicht bloß technisch und organisatorisch neuen Schule die sta> ken Gefi'chle und lebendigen Anschauungen mitbekommen, die der demokratische Sozialismus braucht. Die Schul« soll die Pflanz- statte de» neuen Geiste» werden. Daneben wird«ich die Well der Erwachsenen an Kunst und Wissenschaft ihren vollen Anteil haben wollen. Und wieder wird di« Erziehung(nicht im landläufigen pedantischen Sinne) hier freilich ein entscheidend Wart-zu sprechen haben.»* Für all diese drängenden Aufgaben und Probleme bestand in Deutschland bisher keine Zeitschrift, die die vielen in Betracht kom- Menden Gebiete zusammenfaßte und sie vom Boden der Demokratie und de» Sozialismus aus behandelte. Unter der Leitung de» UnterstaatSsekretärS im preußischen Mirnstorium für Wissenschaft. Kunst und-Volksbildung Dr. Baege erscheint nunmehr die neue Erziehung, eine sozialistische pädagogisch«/ Zweiwochenschrift (Verlag Gesellschaft und Erziehung, Berlin, Preis bierteljährliid 6 M.). Es liegen bereits zwei Heft« vor» Di« Aufgaben einer sozio- listischen Pädagogik werden im EröfftiungSartikel- knapp und doch umfassend dargelegt. Bewährte Fachleute und bekannte Reformer. sozialistische Lehrsr und Professorale Spezialisten entwickeln Programme und legen Fundamesite für i>aS Kommende. Unser Schweizer Ge- nosse Rod. Seidel untersucht die Frage: Erziehung fürs Vaterland odsr für die Menschheit. Ein Plan einer freien Hochschulgemeinde für Proletarier wird entwickelt. Lehrfreiheit fordert Fritz Gans- borg im Sinne der Toleranz für jede GeisteSrichtung. �Wilh. Ost- wald, der als Forscher und Organisator berufen ist. Wertvolles zu sagen, gibt Grundsätzliches zur ErzichungSreform. Wir notieren weiter: Ludwig Gurlftt. Heinrich Scharrelmann und manchen andern. Besonders gepflegt wird nach dem Muster der„Sozia- listischen Monatshefte" die Rundschau, in der Uebsrblicke über die einzelnen Gebiete geboten werden. Die Zeitschrift soll nicht bloß den Fachleuten dienen. Da besteht denn die Gefahr, daß ste abschweift auf Gebiete, die mit ihrem Ziel nicht in Verbindung gebracht sind lwas soll z. B. ein allge- meiner Kunsibericht darin?) oder sich inS Leitartikelmäßige ver- flüchtigt. Die andere Gefahr liegt in der uferlosen Teilreforuwrei und spezjalistifchen Fachsimpel«. Nur auf der BasiZ fester Gntufc« lag-.'n und sozialistischer Ziele kann die Zeitschrift ihre fruchtbare Ausgabe erfüllen. Der Herausgeber bürgt uns dafür, daß sie diesen Weg einsdsiagen, wird._ Nstizen. — Theater. Im Theater in der Königgrätzer Straße geht Gerhart Hauptmanns Dieb�skomödie„Der Bideopelz" Mm- woch zum ersten Male in Szene. Else Lehmann stellt die Mutter Wolff dar. — D i e neue Kunst. Am 16. bzw. 11. Mär? beginnt Dr. Adolf Behne zwei Vorlesungen„Die neue Kunst" und eine„Einführung in die Kunst" mit Lichtbildern im Rahmen der„Freien, Hochschule Humboldt-Akademie". Am Sonnjag, den 16. März, beginnt Behne eine„Führung durch da« Kaiser-Friedrich- Museum", 10— UM Uhr vormittag. — Heine-Abend. Etznen Heine-Abenb vercmstaltet Maria Schipfmann, die auch in Arbeiierkveisen gut bekannt ist, am koknmendcn Sonntag, den 16 März, jm Mcistersaal, Kötbener Straße 38, abends 7M Uhr, unter Mitwirkung von Eilly Stoeckel, die Lieder von Heinrich Heine singen wird. Dem Programm ist«ine Gruppe beißender polsiischer Satiren Heines eingefügt. Karten vek Werlheim. Svartakistenputsche in Weistensee. In der Nacht zum Sonntag haben Weihenseer Kommunisten versucht, sich in den Besitz d«Z Rathaus«? zu setzen. Gegen Uhr nacht? drangen gröhere Trupp? Bewafsneter gegen da? Stadlhau? vor und forderten die Besatzung, Mannschaften der Republilanischen Soldntenwehr, arff. sich zu ergeben, ihre Waffen abzuliefern und da? Rathaus auszuliefern. Die Soldaten beantworteten diese fror. derungen durch Maschinengewehrfeuer, und so mußten sich die An- greiser unter Verlusten zurückziehen. Kurz nach 1 Uhr wiederholte sich der Angriff und ebenso wurde em dritter Stunn gegen 2>i Uhr nacht? versucht. Da? Weißcnseer Rathaus wurde jedoch von seiner Besatzung gehalten.— Offenbar um sich für den mißlungenen Putsch zu entschädigen, wurden Geschäfte am Antonplatz au?ge- plündert. Am Sonntag war in der Großen Frankfurter Straße an der Eck« der ÄndreaSstraßc ein Langrohr-Feldgeschütz ausge- stellt, da? auf erhebliche Entfernung die in Lichtenberg und Fried- richsseffide befindlichen Barrikaden der Spartaliste« beschoß. Die Strastcnkämpfe in Neukölln haben, soweit sich bisher feststellen ließ, nur wenige Opfer gefor- dem. In der Hauptfeuemvoche liegen fünf Leichen, im Polizei- Präsidium eine. Hie.zu dürsten noch einige Tote lommen, die von den Spartakisten mitgeschleppt worden sind. Die Regierung?» truppen sollen keine Todesopfer auf ihrer Seite z« beklagen haben. Der Sonntagvormittag verlief in Neukölln vorhältnipmäßig ruhig. Kurz vor 12 Uhr mittags erfolgte an der Ecke der Berlin« und Fuldastraße ein« heftige Txplofton. deren Uvsache sich nicht lest» stellen ließ. Da gerade mehrere Flieg« über Neukölln kreisten, hieß es, daß eine Fliagerbolnbe abgeworfen sei. Da ab« keinerlei Sachschaden entstanden ist und auch niemand verletzt wurde, so ist wohl eher anzunehmen, daß«» sich um ein«, rohen Buben- streich handelt, der der Hetze gegen die Regjerungstruppen dienen soll. Wie im Norden und Osten Berlins, treibt e? da? Raub« gesindel auch in Neukölln ärger als je zuvor.' Die Untergrundbahn nicht zerschoffen. Entgegen den Meldungen, daß die Decke d« UrNevgrorfBvhn an der Haltestelle„Klchteritwße" durch ein« schwere Min« durch- schlagen sei, wird festgestellt, daß dir? nicht der- Fall ist. Nene Kämpfe am Schönhauser Tor. Im Lause de? Sonntag? nachmittag? kam es am Schönhaus« Tor wieder zu Kämpfen. ES bildeten sich dort starke Meeschen- auflaufe, die die Aufforderung, auseinanderzugehen, mißachteten. Di« Truppen gaben schließlich Feuer und zorstreuten die Lirsamm- lungen. Daraufhin wurde von den Dächer»«ruf die Regie- rurigStruppcn Feuer gegüben, da» diese s roiderten. Um die Straß« zu säubern, wurden A rti llevi e-Sch oeck schü sie abgefeuert. In der Gr. Frankfurt« Straß« wurden am Sonntag domtit- tag? drei Plünderer von NegiorungStruppen abgefaßt, ak? die Räuber ein K-on-fekttonSgeschäft ausrauben wollten. Sie wurden soforr standrechtlich erschossen. Vom Verkehrspersonal. Am Sonntagabend wurde bei un? folgende«mgebliche Eni- fchließung von Vertrauensleuten d« Straßenbahnen: Große Ber- liner, Siemen? und Haiske, Städtische, der OmnibuSgesellsrhaft und des»tanalbahnhof?, abgegeben, die keinen Stempel od« son- st ig« Beglaubigung trug und deren Richtigkeit wir nicht nachprüfen konnten: Die Arbeit wird nur nnt« folgenden Bediugui�en«rufgenom- mc?,: 1. Sozialisierung de? gesamten Verkehrswesens; SL Zahlung der Streiktage; 3. sofortige Zurücknahme d« Kündigung eine? Mit- gliede? de? Arheitcrratc? der Gr. B. Str.; 4. sofortige Freilassung der au? Anlaß de? Streiks Verhafteten d« gesamten Verkehr». betriebe; 6. sofortige Zurückziehung der Regi«ungStruppen in ihre Quartiere. Totenschau. Loder hundert Opfer der letzten Tage besiuden sich i» Leichen- schauhause. Davon find 82 noch nicht erkannt. Die fürchterliche» Wunden der Opftr kennt jeder, d« an d« Front gewesen ist. Hnn» derte stellen sich an. die nach vermißten Angehörigen suchen. Fast die Hälfte der eingelieferte» Opfer find etwa im Mer von 18 vi? 20 Jahren. Luch einige Männ« gesetzt««» Alter» find darunter und auch einzeln« Frauen liegen in der Reche d« Opfer. Viele sind ausgesprochene Typen jener, wie man sie in den Reihen bei auf Verelendung aufbauenden Spartakusbunde« nur zu häufig findet. Noch im Tode steht ihnen Wut, Haß und Verzweiflung auf den Gesichtern geschrieben. Die Organisation deS Schauhauses ist nicht gut bestellt. Aus- künfte üb« die bereit» identifizi«ten Leiche«, insbesondere wegen che« Ausweispapiere, sind nicht zu«langen. Ein einzeln« üb«. last«« Beamter versieht den Verwaltungsdienst. Sollte e» wirklich so schwer sein, ihm einige Helfer zur Unterstützung beizugeben. Das EingangStor wird zu der durch Aushang angegebenen Stunde mit bureaukratifcher Pünktlichkeit geschlossen, wenn auch noch zahlreich« P«so,i«n. die Angehörige suchen, vor dem Hause angestellt warten. Am heutigen Montag bleibt da? Schauhau« geschlossen. Zeitungsverbote. Die.Freiheit", die.Republik" und die.verktner Reue" find vorläufig verboten worden. Zweck diese? verbot» ist, zu verhüten, daß die diesen Zeitungen zugänglichen Teil« der D»- völkerung zu gewalttätigen Handlungen gegen die RegierungS- truppen verleitet werden und dadurch da? Blutdergießen vermehrt wird. Selbstverständlich ist nicht beckbsichtigt. diese Blätter dauernd zu unterdrücken, sie werden sofort wieder fteigegeben werden, sobald die Gefahr, daß durch ihr Verhalten weitere Verluste an Menschen- leben herbeigeführt werden könnten, beseitigt ist. deutschlanös Versorgung mit Lebensmitteln. Bevorstehende Einigung? Amsterdam, V. März.(T. ll.) Au? Pari» wird berichtet: D« Oberst« KricgZrat setzte am Freitag die Besprechungen SKw die Frage von Spaa b,» 8 Uhr abend» fest. ES wurde darauf die Mit- teilung bekanntgegeben, daß eine Uebereinsttmmung«. zielt worden sei. Der Oberste wirtschaftliche Rat sprach sich für so- fortige llebergabe der deutschen Handelsflotte au?. Die Alliier- t e n haben die Verpflichtting übernommen. Deutschland mit Leben». Mitteln zu versorgen. Rotterdam, 8. März. Nach Jnsormation«, von unterrichtet« Seite sind die Vorbereitungen für die Versorgung Deutschland» mit Lebensmitteln beendet, so daß man damit anfangen kann, sobald Deutschland die Bedingungen an- genommen hat, die ihm im Interesse der Sicherheit d« Alliierten gestellt wurden. Mn ist unter den Bevollmächtigten auf d« Frie- denskonlerenz einer Meinung darüber, daß die Versorgung der deutschen Bevölkerung ein« dringende An- gelegenheit ist, wenn man'Deutschland vor dem Chao» retten will. Haag, g. März. Au? Pari? wird dem H. 51. gemeldet: Die Alliierten.werden gegen sofortige Auslieferung der Handelsflotte die Verpflichtung übernehmen, Deutschland Le- benSmittel zu liefern. Sie werden dies« Verpflichtung auck» strikte nachkommen, werden aber keinesfalls auf irgendwelche Fdrderungen bezüglich der Art und Weise d« vnprodiantierung eingehen. Gestern obendSUhristmauiuSpaazuetzuer Vereinbarung gekomme». Paris, v. März. lReuter.) D« Oberst« Kriegsrat h? l ie fe ruug der Flotte Bedingun- g« n zu stelle». Rücktransport öeutfcher Gefangener aus Engianü. Wiederbegin« am 17. MSrz.- Berlin, 9. März. Die englisch« Regierung hat am 8. März der deutschen WafienstillstandSkommission in Spaa in ein« Rote die Mitteiin�ug zugehen lassen, daß die Heimbefördernng der in englischer Gefangens chaft befindlichen schwerverletzten deutschen Heeresangehörigen demnächst wieder beginnen werde. Der erste Zug mit deutschen Kriegsgefangenen au» England werde am 17. d. M., ein zweiter Zug am 19. d. M. in Köln eintreffen. d!e Streiklage in Gberschlesien. Tpartakistische Ausschreitunge«. Breslau, 8. März Ter Volksrat in Breslau leM mit: Im oberschlesischen Hüttenbezirk schlössen sich heute zehn Gruben d« Streikbewegung an; insgesamt sind 17 Gruben am Streik beteiligt. Anfdem Bor- Iigwerk ist d« Gennalstveik verkündet worden.--Di« Beamten e» Hütten bezirk? wurden tätlich angegriffen and mißhandelt, d« Oberingenieur de« Swhbverks est schäver verletzt woiden; sämtliche Beamten flüchteten. Ja Laurahütt««zwange» die Sparta- Mer fthießt öea Vogel ab?— Der berliner Staütanleihe von 1�19 zeichnet. kisten tue» Läuden d« Glocken und da» Blase» da Dauipfll reuen. Die Bewegung nimmt einen bedrohlichen Ehavakt« an. 5t««Hof wurde von den Spartalisten gestürmt und eingenommen. Die Spartakisten bemächtigten sich sämtliche« Waffe». Ei« Gr genbewegung ist eingeleitet worden. Beuthen, 9. März Die Streikkag« hat sich noch der schärst. Heut« nachmittag finden Vewhcuwlungrn zwischen den Ardeitervertreter»«ck> den Gcwerllschafte» t» KatWwitz statt. Der Streik im Ruhrbezirt. Äv vvv Streikende. Bochum, 9. März Der Ausstand auf de» Zechenaniagen .Deutscher Kais«" und Zeche.Lothringen' dauert fort. Auf deu Zeche»-W ilhelmin« Viktoria" 1 bis 4 in Gekfen» klvchen und. d« Zeche»Admiral" in Hörde bei Dortmund haben die Arbeit« gestern die Arbeit niedovgelegt. Di« Gesamt- zahl de« Streikend«» beträgt jetzt 29099. Thpsien öroht mit Stillegung. Ter Höhepunkt kapitalistischer Eigensucht. Das Berlin« Großagraricrovgan, die �Deutsche Tagetzzeibung?, veröffentlicht auLgugStveise ein«» 5!otschroi des bekannten Groß- industriellen August Thyssen. Dieser wendet sich a» die Beleg. schafte» dr Zechn.Deutsche Kaiser",„Rhein" und»Loreley" und foldevt die Arbeiterschaft zur sofortigen Ausnahme der Arbeit aus, da sonst sämtliche Zechenbetrieb« wahrscheinlich dauernd stillgelegt werden würden. He« Thyssen, dessen Kriegsverdienst« in die Hundert« von Millionen gehen, maßt sich also da» Sicht an, eigenmächtig die Kohlenprvduktion des Volkes einzuschränken. Die Dreistigkeit, mit d« dies« Riesenvamphr iSwr das Valkkvermögen verfügt, wiSt besonder» niederträchtig in dem Augenblick, wo d« Gen«alstreik beendet ist. und die Sozialisierung deS Bergbaue» bearbeitet wird. Thyssen» Zechen find dauernd d« Mittelpunft der Ruhrstreildewegung und e» wäre einmal gründ- lich zu untersuchen, woher da» kommt. Vielleicht beschäftigt sich da? Reichearbeitsamt einmal mit diesem Pestherd der Ruhrstreiksi von Unternehmern, die als Gegenmaßnahme gegen Streik» nett Still- keyung ihr« Betriebe drohen, wo ohnehin da Sgcmze Volk em Kohlenmangel leibet, ist kein Verständnis für die Notlage d« Wirt- schalst zu«werten. Ihren Rtchterspruch hätte«t»« E»teig»»n»g»kommissv« z« fälie»t Das Programm öer Nationalversammlung. Die Jnterpellatio» d« MehrheitSparteie« üb« die SebenS- mitt«lv«sorgong wird heute vom Demokraten Dr. Petersen- Hamburg begründet uwrden. Di« Jnterpellatio» d« Rechten üb« den Arbeiter- und Düngemittelmangel begründet Abg. Geh. Regte- rungsrat Dr. S e m m I e r- Breslau. Deantworte« wird die Jnter» pellationen d« ReichSernährungSminist« Robert Schmidt. In d« Diskussion w«den nur Zentrum und Unabhängig« zum Worte kom- men. Da» Schlußwort für die Interpellanten wird nur ein So- zialdemokrat und«in Deutschvolkspartcil« haben. Auf dies« Weise hofft man die Ernährungsdebatte am Montag zu Ende führen zu können. Am Dienstag soll dann daS Sozialisierung»- gesetz und am Mittwoch da» Kohlengesetz in zweit« Lesung erledigt werden. Am Donnerstag will di« Nationalversammlung beide Gesetz« w dritt« Lesung»«abschiede» und dann bi» Montag üb« 8 Tage di« Vollsitzungen aussetze». was ist revolutionär! Ein Aufruf der Unabhängige«. Das Zentralkomitee der Nnabhängigen, das sich jetzt ouS CriSpien, Dittmann, Hoase, Laukant, MoseS, Anna Nemitz und Luise Zietz zusammensetzt, erläßt einen Aufruf, der. wie es der Verlauf des Parteitags nicht anders erwarten ließ. ein kümmerliches Kompromiß darstellt. Zum Schluß wird gesagt: Diese Scharen gilt es zu sammeln unt« dem Bann« de» r e- oolutionär e n. internationalen Sozialismus, da? di« U. S. P. D. aufgepflanzt hat. So muß«s. so wird e» zur Geschlossenheit deS gesamten klassenbewußten Proletariats kommen. Ge- nassen und Genossinnen! An» Werk mit revolutionärer Kraft! Das Wort.revolutionär" wird hier mit Bedacht m sei- oem Doppelsinn gebraucht. Versteht mau unter Revolution� eine Unttvalzung der Wirtschasts- und Gesellschaftsordnung von Grund auf, so gibt es auch heut« keinen Sozialdemo- »traten, der nicht revolutionär ist. Versteht man unter ihr ' aber den gewaltsamen Umsturz der Staatsverfassung, die jetzt in Deutschland rein demokratisch ist. so kann m diesem Sinn kein Sozialdemokrat.revolutionär" sein, denn er könnte durch den Umsturz mir die Verwirklichung seiner eigenen Programmforderungen zunichte machen. Die Unäb- hängigen lassen jede Klarheit darüber vermissen, ob sie mit der Sozialdemokratie die. Demokratie anerkennen und auf ihrem Boden ohne Anwendung von Gewalt für die friedliche Wirtsckiaftsrevolution arbeiten oder ob sie mit Spartakus die Demokratie geioaltfam beseitigen wollen. In demselben Ausruf wird gesagt:»Sie(die lt. S. P. D.).verwirft planlose Gewalttätigkeiten." Hier ist wie- der dieselbe Unklarheit— werden etwa planmäßige Gewalt- tätigkeiten gebilligt?' Der gegenwärtigen Negierimg wird vorgeworfen, sie betriebe..eine blutige Gewaltpolitik, wie sie in Deutschland nicht in den Zeiten der ärgsten Reaktion erlebt worden ist." Offen bleibt die Frage, was eine vom Volk bestimmte Re- gierung gegenüber mehr oder minder planlosen Gewalttätig- leiten, die sich bis zur Massenplünderung und bis zum Massenmord an wehrlosen Gefangenen steigern, eigentlich tun soll. So bleibt dte Politik der Unabhängigen schielend, hin- kend, innerlich unwahr wie bisher. Die Sozialdemokratie will dagegen klar und entschieden die Umwälzung der Wirt- schast zum Sozialismus auf dem unblutigen Wege der De- mokratie, deren bluttgen Umsturz zu dulden sie in keiner Weise gesonnen ist. Sie geht ihren Weg mit Festigkeit und zweifelt keinen Augenblick daran, daß ihre Politik eines Tages noch gesegnet werden wird von denen, die sie fetzt verfluchen... �'_ „ftafttale' Tppen. Was alle? bei Spartakus endet! .Das sind die Radikalen!" Dies« Stuf wurde selbst auf dem Parteitag d« Unadbängigen laut, als d« gewiß nicht gemäßigte Bock feststellen mußte, daß d« Radikal« Gottschling, der frühere Präsident de» Groß-Verlin« Soldatenrrrtl, ein Mann ist. d« dar 9 Jahre» wegen ehrenrührig« Handlungen aus der Par- tei ausgeschlossen»«den mußte. Er hatte de» Genosse« Rollwagen fälschlich wegen Meineid» denunziert! Gottschling ist keine Einzelerscheinung. Da ist der geschaßte Leutnant Do ren dach, der als ehemalig« Führer der Volks- Marinedivision zw Liebknechts engsten Vertrauten heim Januar- Putsch gehört« und schon damals di« Volks-Marinedivssion zu den Spartakisten hinüberziehen sollt«. Ihm muß es jetzt passieren, im radikalen Braunschweig als Mittäter bei einem Raububerfall »«haftet zu werden.— Nicht weft von diesem Typ steht der 11«. abhängige Oberleutnant Walz, d« in den Tagen der Revolution ein Hauptmach« der Radikalen, wenige Tage später von seinen eigenen Gesinnungsgenossen überführt wird, vor d« Revolution dem Oberkommanda tu den Marke» Spitzeldienste geleistet zu haben. Ist es ei» Zufall, deß Spartakus gerade in jenen Betrieben festsitzt, in denen e» früher die wenigsten Organisierten und die meisten Gelbe« gab? Im Groß-Berlin« Arbeitervnt macht sich jetzt d« Kommunist Karl Tiedt geltend. Tiedt war früh« Gau- leiter der Herlin« Kriegsbeschädigten. Wenn«um ihn al» solchen nach fein« Parteizugehörigkeit fragte, s» atttwortete et stets ausweichend. Er fei in dir II. S. P. D. hineingeraten, weil fein Wahlverein als ganz« während fen« milttärischen Abwesenheit zu? U. S. P. D. übergetreten fest« volle sich die Sache ab« noch überlegen, vi»« eine« Tage» mit Hilfe einig« ander« Radikal« die Organisation sprengte und einen internationalen Krieg»- beschädi gten-Bund auf kommunistisch-spartakistisch« GnirtMage gründete. Sein Haupthels« war übrigen» dabei ein ehmaliger Gelb«, jetzt gleichfall» Kommunist, namens Markgraf. Inzwischen hat man' etwa» näh« in Tiedt» Vergangenheit hineingeleuchtet und festgestellt, daß dies« Erz�partakist sich, auch vor dem Kriege politisch tetäjjgt hat— al» W anderpedner de» Reich»- v k erbande» z» r Bekämpfung der Sozialdemo- ratiel' Was fo alle» bei Spartak«» endet? Die Entscheidung llb« eine» fezialdemokrotischen Parteitag soll noch im Lauft diese? Monat« in«in« gemeinsamen Sitzung de» Parteiausschusses und der SlattonalversammlungSfraUiom gefällt werden. Der»»»«» hat de« flellverweiende» Borsch im HauptetlSschuß der Nationalversammlung niedergelegt. An seine Stelle tritt Pach. nicke(Dem.)......... GroßSerlw- Wear« noch nicht aufgeklärter Differeaez« mit unserem RotationSdruckcrprrsonal konnte»in geringer Teil unserer SonntagSanflage nuht geliefert werde». Nehmt Nücksicht auf die Kriegsbeschädigten! Folgende Zuschrift.«halten wir:.Da ich durch ein« schwere Granatverletzimg mein linke» Bein verloren habe, versuchte ich, um zu mein« ArboitSstell« zu kommen, da» Dienstabteil zu benutzen. mußte mich jedoch belehren lassen, daß eine solche Verfügung noch nicht erlassen bezw. noch nicht zur Kenntnis der be» teiligten Beamten gebracht worden fei." Wann wird dos geschehen 7 Erwerbslose. Infolge d« VerkehrSsKrnngen müssen die Er- werbsloseu die Konirollstempel erst vom Mittwochs dm iL. März, ab Wied« beiboingen._____ Grost-Berliner Lebensmittel. »erst». Für di« ausgefallen« Fteischmeng« wird durch Nährmittel Ersatz gegeben werden.— Infolge der anarchistischen Störung der Milchzufiihr werden von morgen. Dicht»- tag, ab folgende Milchinengen ausgegeben: auf AI 1 Liter, All % Liter. LI% siiler, LII Vi Liter. Gl und CII Karten für 4 Tage eine Büchse Kondensmilch. Krankenkarten, Sonderlarten und Be- zugSsckxine werden voll beliefert. Wilmersdorf. Fischwaren aus S und f), Weitzkohksauerkraut marken ftei 500 Gramm Marmelade auf 104, 150 Gramm Gries auf 102 und auf(J) 30 für Jugendliche, 250 Gramm Dörr-Mohr- rüben od«-Weifikvhl auf A und 150 Gramm Dörrobst auf B. Voranmeldung für Streichholz« auf 17. Wetterbericht, vi» Dienstagmittag ziemlich mild, veränderlich. überwiegend bewölkt, mit wiederholten leichten Regen fällen und schwachen, vorherrschend südwestlichen Winden./ ___________ i- i n.jj-i----------- l------ u---- 1------- 1---------- u�ara» Bercmtwortltck» fNr Pollttt Artne glSl», Tharlottcubora, Nr den Ilbrtgeil Teil de» Sg-UluZ eilfrcb eitoli,«eutSlln: wr«lnzetgev' Tdrodor Weit, Berlin. Bering: BorwärtS-Betlag B. m d. e>.. Berlin Druck S>>rwSrt«-?uck>t>ruckeret«ld v«rloa»a»ltaU paal Stag« a.»». t» vcrtt«, Ltadealttatze L. Wrt»nTfl«,«rfrw Wirtschaft !9 Margen groß, gelegen im SMartebruef), Bahn im Ort?, zu verkaufen. Offerten zu nrfiten an ZHoodor Mittler. Planitz, Paft L�ockwiniz!, Are» Laubn- derg a. 33�___ JitMS) Aus dem{'eld« zurOck! Dl Emst Steiner prakt. Arzt u. Wundarzt sowie Spsaialarzt fOr)rraucnleidcn u. Gcburtshille. Berl.-WUmersd.; Nassauische Straße 16a, 188a Sprechst. wochent. 8-9','3, 4-6. F e rnspr.: Uhiand 668. 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März, 12 Uhr mittags, in der Kirche der ehemaligen .Russische« Botschaft, Unter den Linden 7, eine Seelenmesse für den ukrainischen Dichter Taras Schewtschenko siattündcn wird. ßekarnitmadumg. Mit Jiüctjjcht auf die durch die Unruhen ein» getretene Behinderung im Viehtransport läßt sich die Belieferung der Bevölkerung mit Fleisch in dieser Wocke nickt restlos durchführen. Teajenigcn Inhab.-rn von Fleischkarten, welch« infolgedessen in der Woche vom 3. bis ö. März kein Fleisch erhalten konnten, soll in der folgcnsen Woche ein Ersah durch Verabsolgung von Nähr» Mitteln in gleicher Menge nach noch näher zu treffender Bestimmung gegeben werden. Berlin, den 7. März ISIS. Magistrat. Mermuth. J.-Nr. 154 V.?. la. 19.__ WM Große I Zigarren reinem Tabak Spe£la!ar»zt Di*, med. Hasch«, FfiedFlc)tstr.885tabÄt. fiirSyphilis.Hnrn-.Frauenlcld., < kk: chron. sflllle. Schmerzlose. ! ir.iesto Behanhlg. ohne Bcrufo- störniig. Biuniritcrsuchg. Miisi. Broli-. Teilzahlung. Spr. 10—1 ».n*..8—8. 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Die 4 weißen grün gekreuzten Abschnitte Ilk und 11g der Karwffelkarte werden für ungültig erklärt, hierauf dürfen keine Kartoffeln verabfolgt werden, auch nicht in Gast-, Schank- und Speifcwirtfchafken, Einrichtungen der Volksspei- sung, Kantinrn gewerblicher Betriebe oder anderen wohltätigen Spciseeinrichtungen.. III. In gemeinnützigen Speisi-anfialteti, Kantinen gewerblicher Betriebe sind für die Woche vom 13. bis 16. März 1910 bei Entnahme einer ganzen Portion vier der für diese Woche gültig erklärten Abschnitte und bei Entnahme einer halben Portion zwei solcher Abschnitte abzutrennen. In Einrichtungen der Volksspeisung sind für genannte Woche sieben Abschnitte bei Entnahme einer ganzen und 314 Abschnitte bei Entnahme einer halben Portion abzutrennen. Berlin, den 8. März 1919. Magistrat. Mermuth. Tgb.-?!r. 178 Kart. 19. MC»II1BM■■■■»rr..............»Mi I Mmnlf- MMThTHty 1 1; sMsd.Whe'Mi»klWiMl.Z! .. Hilfe: Engen Mit Bildern von Nonhoff. Nüppers- Sonncnderg. Miiden, Ar. 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