Lr.l27.W.ZaI>rx. LezugSvreisi EiärtBljäCrl. IfO N!» monaiU2 50 SRI jxct mä Hau» ooicmSzahlbax. Einzelne Rmnuiern Z0«jening. PoMezuZ: Moni�ich 250'XL. tjfl. RaiteHangS« gcbühx Un!« jSxeiijtani) lür Deutsch- l-iU» u. Le'terreich-Ungarn �.75 MI. für dus übrige Auslaitd S.7S M!» bei lüglich einmaliger zuitellilng 7.7S Ml. DoWeitellungelt nehmen an Däne- mart. Hollan». Luxemburg, Schwede» und die Schweiz. Eingetragen i» die Dott-ltettungZ-'LreiZllst� K er. Vorwärts' ersch eint»ochentäglich zweimal. Sonnlagt einmal. AbenvAusgabe. Telegranun-Zldrekl«:' .esztaldeutolrat Berit»'. WV H. Nerlinev Volksblatt. AnzetgeuvreiS: Dt« achtgetv alten« lallet 1.20 Mh.Kleine Anzeige»', daS iella«druckte Wo« 60 Psg.< zulässig ,2 settgedrullte Worte), tebc-J weitere Wo« 25 Psg. Stellengesuche und Echlafstellencmzeigen das«rite Wort <0 Ptg. icdeL weitere Wort 20 Psg. Worte über lö Buchstaben zählen(che zwei Worte. Teuerungszuschlag 60%, Familien-Anzeigen, volitilche und gewsrOchaMlche Vereins- Stnzeigeu 1,20 MI. die Seile. Anzerge« für die nächste Kummer müssen bis S Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW.S8. Lindenstrage Z. abgegeben werben. Geöflne» von S llhr früh btS S Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdemohrati fehen Partei Deutschlands. Hedottion und Expedition: SM. 08, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt A/oritzplay. Rr. lätSv— 1SlS7. vorwärts-verlog G.m.b. f>., SM. 68, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Rr. 117 SZ— 54» Oer Kampf um Lichtenberg. Vordringen der kegierungstruppen. Wenn auch das Blutvergießen in manchen Teilen Ber- linS noch fortdauert, so kann doch kein Zweifel daran be- stehen, daß der Kampf längst c nts ch i e de n ist. Ter sorgfältig vorbereitete Versuch, die demokratische Staatöfonn gewaltsam zu beseitigen und an ihre Stelle eine bolsche- wistischc Räterepublik nach rufsischem Muster zu setzen, ist abermals vollständig mißglückt. Deutschland ist nicht Rußland, imd es ist eine verhängnisvoll falsche Vor- stellung, daß die- Ereignisse hierzulande genau denselben Verlauf nehmen müßten wie dort. Tie ungeheure Mehrheit der Bevölkerung hat sich davon überzeugen müssen, daß nur Energie dem rasenden Selbstvcrnichtungsdrang Einhalt gebieten kann. Es ist eine Lebensfrage für den Sozialismus in Deutschland, daß es an dieser Energie nicht fehlt und daß die Regierung bei der Lö- sung ihrer Aufgabe eine feste Hand zeigt. Daß einzelne immer noch in dem Bestreben, die demokratische Staatsform gegen eine zu tnüstem Verbrechertum ausgeartete Bewegung zu schützen...Konterrevolution" sehen, ist uns bekannt. Tie klassenbewußte Urbeiterschaft aber weiß, daß das Lumpen- Proletariat, mit dem sie nicht verwechselt zu werden- wünscht und das in'der letzten Bewegung eine so verhängnisvoll große Rolle gespielt hat, nicinals wirklich revolutionär ge° Wesen ist. Für den Augenblick besteht nur der Wunsch, daß die Ge° schlag enen ihren zwecklosen Kamps einstellen upd daß das sinnlose Blutvergießen nicht wiederkehrt. Wenn die arbei- tende Bevölkerung durch demokratische Tisziplin die Aufrecht- erhaliung des inneren Friedens verbürgt, wird auch der Tag der Versöhnung kommen. Nur mit dem gemeinen Verbrechertum, das sich zu einer furchtbaren Gefahr ' für Berlin ausgewachsen hat, kann es keine Versöhnung geben, dagegen gibt es nur die gemeinsame Front! Der Angriff gegen Lichtenbeng. Fm Laufe des Vormiitags sind die Truppen weiter cm Lichten- benz herangerückt und stehen zum Teil schon aus Lichienbe ger Ge- diel. Vom Zentralviedbsf geben starke Kräfte gegen den Stadtpark vor. um von dort' aus, nachdem dieser gesäubert ist. durch die Möllen- dorfstraße va'zustoßen, die noch immer sehr stark von Spartaciden besetzt ist. Andere Kräfte drücken voll Ftrrdrichsfeldc vor um den Bahndamm der Ringbahn, an den: entlang starke Spartacid-nncsrer sich befinden. Die Spartakisten belegen-ni! ihre: Artillerie die am Ringhahnhof �frankfurter Allee gelegenen Häuser. Offenbar versuchen sie. den Bormarsch der Truppen durch das Feuer aufzuhalten, treffen jedoch auftatt auf die Promenade hartnäckig in die Häuser linein.. So wundeik am Vormittag die Gebäude Rr. 270, Rr. 91, 92.93 der Frankfurter Allee schwer beschädigt. Da die Einwohner glücklichertveise meist grflüchtci sind, irmrde nur Sachschaden ange- r' cht et. Dagegen sching eine Ganatc in die an der Ecke der Waldeyer- straße gelegene Gastwirtschaft von Ferik hinein und tötete den Gast- Ivirt und dessen Sohn. Mehrere im Lokal mtweiende Gäste wurden v rieht. Ferner wurde die in der Nähe gelegeklc Bäckerei von Wandle l i'ch eine von Lichtenberg kommend: Granate vollständig zerschmettert. Tic Kampfplätze des Dsicus. .Heute soll Lichtenberg, die Hochburg der SpariMsten und zugleich ihr lctzior Stützpuickt in Berlin, eingenommen werden. In der Nacht zu heute sind allerlei Vorbereittinaen getroffen worden. Im Schutze der Nacht schoben sich durch die srockdunkls ffrankfurter?lllce.Äolonnen mit Lastwagen vor, auf denen frische und äuSgerubte Truppen sich befinden. Es gilt vor allen Dingen, die Eiscitdahulinie der Ringbahn zu nehmen, die Ltchteube.rg mit Neukölln und Weißensee verbindet und hinter der die Spartakisten im Laufe der Nackt sich zurück- gezogen haben. Tie Nacht verlies' unter kleinen Plänkeleien. Tie Sparta- kitten sind sehr vorsichtig geworden. Sie beschränkten sich im all- gemeinen darauf, von den Dächern auS in weiter Entfernu/ig die Frankfurter Allee zu bestreichen. Auf dem Baknchof Frank- nirter Allee hatten sie Maschinenackwehre eingebe nt und schössen, fortwährend ihre Siellüng wechselnd, die Straßen entlang. In- folgedeffen gingen freiwillige, sehr starke Patrouillen mit Hand- granatesi und Leuchtraketen vor. ES gelang ihnen, vier.Sparta- kiften mit einen: leichten ZN.-G. dingfest zu machcm Zwei der Vsrhasteten bekannten sich zum„Noten Soldaten dund", die an- deren waren Burschen von 17 bis 18 Jahren, die in ihrem Leben niemals vorher ein Gewehr in der Hand gehabt haben. Sie erklärten, daß sie Kämpfer geworden se i.e n,. w e i l.j e d e m jungen Mann, der iich'fr ei willig melde, eine Prämie von 599 M. gezahli werde.«Die vier Mann waren mit allerlei Dingen veriehen, die ohne Zweifel von Plünderungen oder aus EnkbrüchAt stammen. In der PsterKburger Straß« heckte sich während der Stacht l cht M.-G. auf dem Dach>deZ Haufeö unangenehm bemerkbar gc- mach:. Eine Patrouille fand unter dem Bebte einer dortwohnenden Prostituierten ein Maschinengewehr v e r- st eckt. Nach längerem Suchen entdeckte man den-dazu gehörigen Schütze::, der in einer Kiste versteckt war. Bei dem Mädchen wurden außerdem noch größere JJchngen von Munition gefunden. Lichtenberg unter Feuer. Wie in früher Morgenstunde gemeldet wird, liegt Lichtenberg unter Feuer. Zahlreiche Granaten Magen in der Nähe der Markthalle in der Frankfurter Allee ein, wo die Svartaktsicn sich eudgemsiei haben. Dort haben sie eine starke BarriLadc aus Etsenbahnschtenen, Papierrolle::, Balken und Pflastersteinen errichtet:urd eine Art Unterstand geschaffen, um vor den Splittern der cinMagcndcn Geschosse Schutz zu finden. Die B evölk e- rung, die ans den Häufern flüchten wollte, wird von den Spartakisten gezwungen, dort zu bleiben und auszuharren. Man will so die Wirksamkeit des feind- lichen Feuers nach Möglichkeit abschwächen. Spartakistische Artillerie im Stadtpurt. Aibischen. den Baunren haben die Kommunisie« vier Geschütze eingebaut, aus denen sie unaufhörlich Schuß um Schuß heraus- jagen. Die Mündungen der Kanonen sind mit Reisig verklestwt, unr gegen Fliegenschirtz gedeckt zu sein. Zwei Lastkraftwagen mit Munition geladen stehen ttwa 500 Meter weit davon entfernt und versorgen die Artillerie mit Schnßmaterial. Dia Spartakisten Mcßen hauptsächlich nach der Möllendarfstraße hinüber, wo nach ihren Meldungen die Artillerie der Regierungstrunpen siebt. 7 Uhr morgens erschiene:: die ersten Flieger dar Regierung. Einer eutdcckte die eingebaute Artillerie der Kommmnston, nach- dem er wenige Minuten über dem Stadtpark geschwebt hatte. Er erhielt Feuer aus mehreren Maschmengewehren. Als das Feuer der RnsierungSirtchpen auf die spartakifttsche Artillerie_ niederging, räumten sie fluchtartig ihre Stellung und zogen sich kurz nach 714 Uhr in Richtung Biesdorf zurück. Etwa 19 oder 12 Mann, die schwer verwundet waren, mutzten liegen bleiben. Die Bewohner Lichtenbergs haben sich zum größten Teil in die Keller geflüchtet, um der Beschießung zu entgehen. Bemerkenswert ist, saß amb in der beutigen Nacht die Svartakisten die Ge- fchäftc, die noch unversehrt waren, wieder aus- geraubt haben. Man rechnet damit, daß die RegierungS- trnppen noch heute in Lichtenberg einrücken. Tie Vorgänge am Postamt Lichtenberg. Ein Beamter des Poste�nis Lichicnbcrg. der ein Augenzeuge der dortigen Vorgänge war, teilt uns mit: Bei den Kämpfen ums Postamt wurden 2 Soldaten von der Besatzung, die aus höchstens 19 Mann bestand, verwundet. Als die beiden Verwundeten im Sanitätsauto weggeschafft werden sollten, benuyicn d:e Angreifer die sich ihnen bietende günstige Grlegenbeit und drangen in das Postgebäude. ein. Der Offizier vo:: der Bc- satzung wurde von den Angreifern sofort niedergeschlagen und schwer verwundet. Die Soldaten wurden entwaffnet und ein- schi:eßl:ch des schwerverwundeieu Offiziers gefangen abgeführt. Noch im Postamt beschlossen, die Angreifer, von den Soldaten t> Mann auszuwählen und zu erschießen. Diese Trsehirßung erfolgte dann eine halbe Stunde später am „Schwarzen Adler" in der Möklendorsstraßc. lieber das Schicksal des übrigen gefangen abgeführten Teiles der Besatzung ist nichts mehr bekannt geworden. Im Polizeipräsidium, das mit dem Postamt während der gc- schilderten Vorgänge in Verbindung stand, sind 7 Kriminaiwachtmeister ermordet worden. Soldaten waren überhaupt mcht drin. Das Polizerpräsi- dium ist vollständig verwüstet. Waffen und Munition haben die An- greiser in reichem Maße gefunden und mitgenommen. Entgegen den bisherigen Berichten ist die Postkasse nicht ge- plündert worden. Da nach den Berichten dieses Augenzeugen„nur" dreizehn wehrlose Gefangene von den Spartakisten ermordet worden sind, darf man immer noch Hoffan, daß sich ein Teil der bereits tot Geglaubten noch am Leben befindet. Spartakistische Flieger am Friedrichshaiu. Im Laufe des gestrigen Sonnkrrgs haben spartäkstische Flieger, dt; bereits am Sonnnbewdmittag großes Unheil in der Nähe des Bülowplatzes angerichtet haben, wiederum ihr Unwesen am Fried- richsöain gerrieben. Im Laufe des Nachmtttags waren die nach dem Friedrichshain führenden Siraßen ziemlich belebt. Da in der dortigen Gegend bisher alles ruhig war und Spartakisten sich nicht gezeigt hatten, promenierten viele Anwohner der dortigen Gegend am Rande des Parks. Plötzlich erschien ein Flieger, der seine Kreise über den Straßen zog, sich dabei aber auf 6 bis 699 Meter Höhe hielt. Um so furchtbarer wurden die Spaziergänger über- rascht, als kurz nacheinapde.r drei Bomben durch die Luft pfiffen und mitten auf der Straße krepierten. Durch die umherfliegenden Splitter wurde eine Frau getötet und 13 weitere Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Der Streik der Landwirtschast. Die Revoliüion hat die ehemaligen eigentlichen Herr- scher Prcußen-Deutschlands, die preußischen Inn-- ke r, verhältnismäßig glimpflich behandelt. Es scheint in den agrarischen Kreisen die Auffassung obzuwal- tcn, als ob ihnen die Nevolution nicht galt und darum auch keinerlei Verpflichtungen auserlegt. Es dürfte in der Ge- schichte der Revolutionen einzig dastehen, daß die bisher bestgehaßte herrschende Klique nach ihrem politischen Sturz es wagen darf, eine Sprache zu führen, wie sie in den Or- gancn der preußischen Junker, der„Deutschen Tageszei- tung", der„Post" u. a. m., sich täglich äußert-. Den Vertretern des revolutionären Volkes bietet das Studium der Berichte aus der Tagung des Bundes der Landwirte vielseitigste Ausbeute. An dieser Stelle soll nur ein Bruchstück des Tagungsberichtes, das von eminenter wirtschaftlicher Bedeutung ist, behandelt werdeil.„Her mit dem K o ali t i o n s r e cht!" ruft Herr von Oldenburg,„wir wollen auch zu denen gehören, die das Streik- recht schlimmstenfalls anzutvendett gezwungen sind." Man könne ja einmal untersuchen, ob der„partielle Streik",— um Gilten Ausdruck aus der gewerkschaftlichen Praxis an- zuwenden— nicht schon des öfteren während des Krieges auch von der Landwirtschaft sehr, zum Schaden Deutschlands geübt wurde. Die Geschichte unserer Kriegs Wirt- schaft, die Nichtabliefcruug der Erzeugung durch einzelne Landwirte und der Umfang de? Schleich- Handels, auch Vorgänge der allerletzten Tage, wissen allerlei hiervon zu erzählen. Aber Herr von Oldenburg- Jannschau denkt ivohl an größere Aktionen, wenn er damit droht, daß die Landwirtschaft„Fraktur" reden kann und es tun wird. Zwar spricht er davon, daß man erst im letzten Augenblick zu den äußersten Mitteln greifen werde, aber das sagen auch die Spartakistenfiihrer, bevor sie zur Gewalt greifen, und wir wissen, wie gefährlich es ist. jetzt in der Zeit der Aufregung und Wirrnisse provokatorisch an die Massen heranzutreten. Zu den Drohungen von links fügt Herr von Oldenburg noch die Aufputschung von rechts. Nichts aber ist empfindlicher, als unsere Ernährungsorgani- sation. Es ist sicher, daß der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft unrettbar besiegelt würde, wenn die Lebensmittelbeschaffung in Deutschland durch einen organisierten Widerstand der Erzeuger noch inehr beeinträchtigt würde. /. Es bedarf eines starken Aufwandes von Rabmistik. wenn man die Lage der Agrarier hinsichtlich des Streikrechts mit derjenigen der Arbeiterschaft in eine Linie stellen will. Dem Besitzlosen ist nur dies eine Machtmittel gegeben, er kann nur mit der Verweigerung seiner Arbeitstraft einen ivirtschaftlichen oder politischen Druck ausüben. Die be- sitzenden Klassen sind in einer unvergleichbar günstigeren Lage. Insbesondere opfert der streikende Landwirt nicht seine und der Seinen Gesundheit, riskiert auch nicht seine Existenz in dem Maße, wie es der Arbeiter muß, wenn er im Streiksallc auf sein Lohne:»kommen und seine Arbeits- gelegenheit zeitweilig verzichtet. Der Landwirt, der der städtischen' Bevölkerung die Lieferung versagt, kommt während seines Streiks nicht in die Hungersgefahr, die er für das ganze Volk heraufbeschwört, tun seinen Streikzweck zu erreichen. Die Strcikdrohung Oldenburgs»stellt zu der Hungerblockade der Entente die innere Hungerblockade durch die Junker in Aussicht. Zu dem Kampf der halben Welt gegen das deutsche Volk kommt noch der Kampf der deutschen Landwirtschaft gegen die Bewohner der Städte. Schulter an Schulter haben alle Volks- genossen während des Krieges die Unmenichlicksteit Englands verurteilt, die als Kriegsmittel den Hunger der Frauen, Kinder und Greise Deutschlands rücksichtslos heraufbeschwo- eu. Hohe Töne redete auch die konservative Presse gegen die Frivolität und Brutalität der Feinde, die Seuchen und Elend heraufbeschworen, um ein Volk mürbe zu machen, das mit Waffengewalt allein nicht zu besiegen wr. Ob es politisch klug ist, dergestalt mit dem Feuer zu spielen, bleibe hier unerörtert. Die wirtschaftliche Seite der Frage ist wichtig genug. Die deutsche Landwirt- schaft hat von allen V o l k s f ch i ch t e n die Kriegszeit wirtschaftlich am besten überstanden und selbst dann,» wenn wir ihre technischen Leistungen anerkennen wollen, so müssen wir doch feststellen, daß sie recht gut dafür bezahlt WiftSi. Shnttcmb SotrS aber auch ernsthaft behaupten wollen. daß unsere Kriegswirtschaft im übrigen keine oder keine ge- Mgende Rücksicht auf die Landwirte genommen hätte. Sehr im Gegenteil. Keine Verordnung des Kriegsernährungs- amtes oder anderer Behörden ist erlassen worden, bevor man ihre Wirkung auf die Interessen der' Landwirtschaft untersuchte. �Konnte nicht allen Wünschen der Landwirt- schaft entsprochen werden, so lag es wahrlich nicht am guten Willen der maßgebenden Faktoren. Die Verbraucher haben gute Gründe zu der Anficht, daß auf ihre Interessen nicht in gleichem Maße Rücksicht genommen wurde. Daß die deutsche Landwirtschaft durch restlose Ablieferung ihrer Erzeugung und durch peinliche Befolgung der im Volksinteresse erlasse- nen Anordnungen sich ihrer Vorzugsbehandlung würdig erwiesen hätte, wird außerhalb der Landwirtschaft auch nicht behauptet werden. Selbst Landwirte geben zu, daß das„vaterländische Interesse" der Erzeuger nicht immer in entsprechenden Handlungen sich zeigte. Was würde eine Streikerklärung, der Landwirte bedeuten? Deutschland ist für die kommenden Jahre, wahrschein- lief) auf sehr viele Jahre hinaus, mehr denn, je auf seine eigene Erzeugung von Lebensmitteln angewiesen. Ein Streik der Landwirte, sowohl hinsichtlich der zeitlichen Nichtabliefe- rung, wie auch hiustchtlich der teilweisen oder gänzlichen Un- terlassung der Bestellung des Bodens, würde unberechenbare Folgen nach sich ziehen. Sie auszumalen, reicht der uns zur Verfügung stehende Raum nicht aus. Zunächst aber wäre eine Streikerklärung der Landwirte zugleich eine Kriegser- klärung zwischen Stadt und Land. Welche Formen dieser Kampf, der zugleich ein wirtschaftlicher und politischer sein würde, annehmen müßte, ist angesichts der herrschenden Wirrnisse und Gereiztheit leicht auszudenken. Die ausge- hungerten, verarmten Proletariermassen, die heute schon sich nur widerwillig oder überhaupt nicht dem Gebot ihrer Führer fügen wollen, wären nicht mehr zu holten, und der wahrend des Krieges reichlich angefanurwlte Haß gegen die fast durchweg besser, in sehr vielen Fällen recht gut genähr- ten Landwirte würde in Plünderungen, Mord und Totschlag seinen Ausdruck suchen. Anscheinend hat man auf dem Lande keine Ahnung von der Erbitterung der Städter gegen die- jenigen, die während des Krieges nicht gehungert, wohl aber in den meisten Fällen ihre materielle Lage erheblich verbessert haben. Man möge sich diese Folgen ausmalen, bevor man m einer frivolen Fehdeansage den vorhandenen Haß zur Siedehitze steigert. Die Arbeiter haben bisber bei allen großen Streiks die Parole ausgegeben, daß die Lebensmittelversor- g u n g ihren Gang gehen müsse, das ist im großen ganzen auch gehalten worden. Wenn das deutsche Junkertum jetzt eine Machtprobe ankündigt, und den Streik der deutschen landwirtschaftlichen Lebensmittelerzeuger propagiert, also den Aushungerungskrieg gegen die nichtagrariM Bevölke- rung predigt, so spielt es m gefährlicher Weise mit den: Feuer. Man hat schon während der Kriegsjahre von den „Engländern im Lande" gesprochen, wenn eigennützige unF wuchensche Ländwirte und Händler gekennzeichnet werden sollten. Will Herr von Oldenburg erneut auf die Volks- feinde im Lande aufmerksam machen? Die deutschen Arbeiter hoben sich leider in den letzten Monaten zu ihrem Schaden im eigenen Hause befehdet und ihre Kraft unnützer- weise im Bruderkampf vergeudet..Herr von Oldenburg und seine Sippe konnten die Arbeiterschaft zur Eini- gunI bringen und ihre Kampffront dorthin richten, wo noch immer der alle Feind allen Fortschritts steht: gegen das selbstsüchtige reaktionäre Junkertum? * 2» unserer Nottz w Nr. 1k« vom 27. Februar teklt unS das LandwirtschaftSmÄristerium mit, daß unverzüglich Ermitte. l u n g e n eingeleitet Morden sind; auf Grund des Ergebnisse« dieser Ermittelungen ist das LandratSamt in Anklam vom LandwirtfchaftS- Ministerium ermächtigt worden, den Grafen Schwerin anzuhalten. den Verkauf des lebenden und toten Inventars nicht zur Aus- führung zu bringen und die Aufhebung des Verkaufs- GeÜanken See Vorbereitung. Bon Hermann Kesfec. Der JJküpng sprengt, um sich Platz zu machen, niemals den Wnter nnt Dynamit in die Luft. Er bemächtigt sich des Bodens. Eine» TageS sind alle winterlichen Institutionen verschwunden. Wenn die Winde auS allen Richtungen blasen, wird Staub aufaewirbelt und senkt sich wieder. Der reinigende Luftstrom kommt auS einer Himmelsgegend. llnechte Begeisterung hat die Eigenschaften der kalten Wollust r sie wird gefräßig, ausschweifend und vernichtend. Die wahre Er- griffenhelt ist«rschöpferifch. Die Forderung nach»hinreißenden sideen" wurde bisher immer von denen erhoben, die weder hingerissen sein noch Idee» haben wollten, ja sich sogar selbst für etwa» Hinreißendes hielten. Di« Fortschrittlichen denken an einen Weg. die Rückständige» an einen Ausweg. Auch eine Beziehung zum Licht: Jene, die weder alte Laternen ausblasen, noch neue anzünden, gelüstet es, wenigstens Ausbläser umd Anzünder an den Laternen aufzuhängen. Die Tage öes Zluches. Unser« durchdröhnten Tage schichten schwere Atasie» neuen Geschehens trennend gegen die Jahre des Kriege». Das grauenvoll Gewesene weicht hinter unS zurück. Aber nur scheinbar entfernt e» sich. ES bleibt unS unheimlich nahe, eine Wunde an unserem Leibe, die immer wieber aufbricht. Dies ist das Los der Lebenden. Sie hatten die Stimme der Schrecken im Obr und sie sollen sie höien. Die Rachwelt braucht dies grausame Erbe. ES ist eingebaut in das Fundament-ihrer neuen Mauern, ein Opfer, desien Stöhnen und Anklagen wieder und wieder heraufhallt. Davor ivicd alles klein und stumm, was sonst nach Kriegen als lauter Ruhm nachlebend sich spreizte. Do» andere aber behält Gewalt, und mit harter Willigkeit werden wir es dulden, denn es wird helfen, unsere Mauern und Räume zu sichern. Deshalb soll jedes Zeugnis, darin die qualenvolle Rot jener Blutzeit seelisch lebt, von uns erhoben werden als ein ernstes Vermächtnis. Vom Krieg eifchlagencr Geist steigt aus dem Grabe und schreit«« in die Wett. Gedichte de« französischen Sozialisten M a r e« l Martinet, au» Zerrissenheit und Empörung auf« geflammt im Erleben der ersten Mordjahrs, verboten in Frankreich »od dam» als Buch gedruckt im' Aiyl der Schweiz, sind jetzt der« »deutscht im Züricher Vexlag von Rascher erschienen:„Die Tage t»«« Fluch»«", vom Jouve-Uebersetzer Felix Berao in unser« herübergeholt. Daß sie vorweg est» französische» Dokument terBrnZ tn sienseköen Fe: düngen, In Seeteri fernerzeit die disS- bezüglichen Bekanntmachungen ergingen, zu veröffentlichen. Sollte der Graf Schwerin dieser Aufforderung nicht nachkommen, so ist das Landratsamt zu Anklam weiter ermächtigt, seinerseits die Auf- Hebung des Verkaufs öffentlich bekannt zu machen und die zur Sichc- rung der Ackerbestellung erforderlichen weiteren Schritte sofort in die Wege zu leiten. Die Straßenkämpfe. Neukölln ist ruhig. Am Sonnabendabend hatten sich die Spartakisten auf dem Richovdplatz gesammelt, um einen Sturm auf die Schule am Herz- bergplatz zu wagen. Die Mitteilung, daß die Regierungslruppen aber inzwischen Verstärkung erhalten hatten, ließ sie von ihrem Vorhaben abstehen. Am gestrigen Sonntag blieb ebenfalls alles ruhig. Heute hatten die Kinder schulfrei, da Angriffe auf die Re- gierungStruppen bevorständen. Bis zur Stunde sind solche nicht erfolgt. Inzwischen find bererts im Laufe des heutigen Vprmittags neue Verstärkungen an Regierungstruppen eingezogen. Tie Säuberung der einzelnen Stadtviertel hielt auch während der Nacht noch an. Gegen 10 Uhr abend« er- folgte ein jpartakistifcher Angriff auf das 2. Garde-Regiment in der Fneitrichstraße, wo Spartakisten sich in den gegenüberliegenden Häusern festgesetzt hatten und von dort aus in die nach der Straße zu gelegenen Fenster mit Maschinengewehren hineinschosien. Eine Kompagnie Reinhavdscher Truppen durchsuchte die Häuser und nahm einige verdächtige Personen, die sich nicht ausweisen konnten, fest. Auch in de: Brunnenstraße fanden Ansammlungen statt, die gegen die dort aufgestellten Postenketten tätlich vorgingen. Die Straße wurde gesäubert. Die Brigade Reinhard mußte weiterhin in der Beußel- und Turmstraße eingreifen, wo Zusammenstoße zwischen Koimnunisten und Angehörigen der Brigade stattfanden. Es wurden etwa 20 Personen verhaftet, die im Besitz von Waisen waren. Am Gesundbrunnen kam es am Sonntagabend zu Zu- sammenstößen zwischen einer großen Rotte junger Burschen und Re- gierungStruppen. Ein Lastautomobil, auf dem sich Brot und Fleisch befand, wollte nach der Frankfurter Allee zu fahren, um die dort stehenden Kampftruppen zu verpflegen. Der Kraftwagen wurde von der Metig« angehalten, die Besatzung heruntergeholt und schwer miß- handelP Nachdem die LebenSmittelvorrätc von den Umstehenden beiseite geschleppt worden waren, stützten die Plünderer den Last- wagen um und verbrannten ihn. Ebenso erging es drei Feldtücken, die etwa eine halbe Stunde später dort vorbeikamen. Das Essen auS den Kesseln wurde an die Menge verteilt und die Gefährte dann demoliert. Ein Küche,«wagen wurde in dl« Panke geworfen und mußte von der Feuerwehr später geborgen werden. Die Wiederaufnahme der Arbeit. Bekanntlich waren fast nur'die größeren Fabrikbetriebe in den Generalstreik eingetreten, die nach dem am Sonnabend ge- faßten Beschluß der Streikleitung am heutigen Montag die Ar- beit wieder aufnehmen sollten. Diesem Beschluß sind nach den einlaufenden Nachrichten nicht alle Ausstündigen nachgekommen. So erklärten die zahlreichen Arbeiter der Nationalen Auto- mobil. Gesellschaft in Ob e rsch ö n e w e i de,-daß sie so- lange streiken würden, bi» die FreiwilligenkorpZ zurückgezogen seien. Im Kabelwerk Oberspree hielten am heutigen Morgen die Avbei-ter eine Betric-bsversamm- lung ab, in der gleichfalls die Forderung der Zurückziehung der Truppen aufgestellt wurde. Ein Teil der Arbeiter erklärte sich dereit, die Arbeit wieber auszunehmen. Die Arbeiter der Schwartzkopsf scheu Fabriken streiken unfrei- willig weiter. Sie konnten die zu 10 Uhr morgens angesetzte Betriebsversammlung nicht abhalten, da die Chausseestraße wegen der gegenwärtig dort herrschenden Unruhen vom Militär besetzt ist. das niemanden passieren läßt. Die Borsigwerke in Tegel arbeiten seit heute früh. Di« Beamten dieses Betriebes sind dagegen wegen Gehaltaforderungen in den Ausstand gerire- ten. Di« Anbei ier der B e rl in. A nhalt i sch« n Mafchi- nendau A.-G. haben gleichfalls heute morgen die Arbeit wieder aufgenommen. Di« Arbeiter des Glühlampenwerks der Firma Siemen» u. Halsk« sind vollzählig zur Arbeit ange- treten, und auch in den Sicmens-Schuckeriwerken wird teilweise gearbeitet. Ebenso ist es bei verschiedenen Flugzeugwerken ia Johannisthal und Adlershof der Fall. Bei der sind, sperrt ihnen die weitere Geltung nicht. Denn das Leid, dp« sie durchzuckt, war allgemeines Leid, und der Zorn, der sie cnt- band, wird begriffen im Proletariat der Welt. Sie wird geboren au« der großen Pein der Enttäusckung, daß der Krieg, die Arbeiter- Massen zweier Länder, die brüderlich aufeinander schauten, in seine Wirbel reißen konnte, wie Sklaven, die ohne Wehren dem barba« rücken Willen ihrer Unterdrücker sich hingeben. Martinet gcbört zu den Sozialisten, die nichts als die Internationale gellen lassen wollen, und so bluien seine Strophen in Verbitterung. Dies ist der zeitgeschichtliche Teil ihres Wertes: sie geben ein Bild der Piyte derer, die nne dieser Dichter zu den, Erleben der ersten KriegSjavre standen. Sie sahen eine entlarvte Menschheit voll Heuchelei und Lüge und ruien alle» Entsetzen der KriegSichlächterei gegen st- aus. Im Gefühl furchtbarer Vereinsamung werden sie redende, rufende Ankläger, und e» wird die Rettung ihrer gemarterten Seele, daß sie, inmitten der Wüstenei Schreie des Wecken« aussenden! Martinet litt das Schicksal der Hcimgebliebenen. Da? machte ihn vollends einsam. Diese Menschen rangen gebunden in ärgster Gefangenschaft. Ihr Fühlen und Denken irrte gehetzt hinaus zur kämpsenden Front und jagte doch nur in«in schauderndes Aufbäumen hinein, allen Siachelpeitschen des grellsten Wider- sptuch» zwischen Zeit und Menschlichkeit auSgelieiert, und im eigenen innersten Aufruhr wuchs ihnen der Glaube an hie Nol- wendiakeit deS Aufruhrs der Massen gegen den Krieg. Die« ist auch Martinet» Halt und Evangelium. Seine Rhythmen aber waren Vorläufer jener Meuterei, die im französischen Heere»ach der fehlschlagenden Aprsloffenfive 1917 ausbrach. So liegt e« nahe. von der Gefühlsbewegung Martinrts auf die Psychologie dieses SoldatenauftuhrS zu schließen. Die Stimmungen, die sich dort in Versen entluden, lagen auch im französischen Heere angehäuft und kehrten sich gegen das maßlose Opferfordern General Rivelle». für den damals bezeichnend der Name Bluisäuicr geschaffen wurde. Der Glaube, daß Frankreich den Krieg bestehen werde, hatte in jenen«ntscheidungSlosen ersten Kriegsjahren den Andrang berghoher Zweifel gegen sich; der Krieg fällte nur immer neue Hekatomben von Menschen, bejahrte Männer und Jugend. jüngste Jugend, dort hingerafft durch hagelndeS Eisen und überall lief im Land schleichend gemordet durch den Hunger der Massen, er zerfraß Rechte, z-rbrach Freiheiten, brachte die schlammigste, verbrecherischste Moral obenauf und immer nur da« und in Sicht lein Ende. Martinet« Gedickte haben die seelischen Wirkungen dieser Lage in sich.»Groß ist die Trauer in Frankreichs Landen.� Auf den Proletarier siel die schwerst« Last de« Krieges und zu Proletarieln wollte Martinet sprechen..Ewig ergebenes Heer. Heer ewig in Aufruhr, ewig ge- opferte» Heer." Er beickNvor die Revolution, die Mutter derer, die leiden, derer die weinen, derer die im Aufruhr Tränen trockneten; leidenschaftlich rief er.da» groß« Heer der Armen" auf. den .großen Schläfer"' an die Opfer der Revolutionen gemahnend: Einmal erbebt sich dein Tag. o Rache der Totem Schläfer, ich glaube an dich— p Tote, e» tagen lieber der Welt in Staunen Sur« Icbentat Leichen, angehäuft In de Geschichte, SL G. G.«Weitet f«S G l Ä h 1 a Ä p e v w' e r k wieder•ntti vollzähliger Mannschaft, in der Fabrik in der Brunnenstraße und'in der Turbinenfabrik wird teilweise gearbeitet. Dagegen streiken die Arbeiter der Apparatefabrik und diejenigen der Hennigsdorfer Werke dürften wohl Weiler im Ausstand beharren. In den mittleren und kleineren Betrieben sind die Arbeiter heut morgen vollzählig in Ken Werkstätten erschienen, nachdem sie k-eroits seit Freüag die Arbeit daselbst wieder aufgenolnmen hatten. Bei Siemens u. Halske findet sich folgender Anschlag: Laut Beschluß der Vollversammluna der A,. und S.-Rän! Groß-Berlins ist der Genralstreik ausghoden. Tie Arbeit beginnt Dienstag früh 7 Uhr. Der Arbeiierrat: Richter, Blockwerk Siemens u. Halske. Tie Lichtenberger Unabhängigen gegen die Kommunisten Die„SS. a. M.' schreibt: Die in Lichtenberg wohnenden Un- abhängigen veranstialteten am gestrigen Sonntagnachmittag mehrere stark besuchte Protestversammlungen, in denen alle Redner schärfste Kritik an dem Vorgehen der Kommunisten übten. Es wurde aus- drücklich betont, daß die Mittel der Kommunisten verwerflich seien und daß die llnabhängigen in keiner Weise mit den Spartakisten sich in diesem Vorgehen identifizieren wollen, Tie Redner betonten weiter, daß zwischen ihnen und den Kommunisten eine scharfe Trennung gemacht werden müsse. Es wurde eine Rssolution an- genommen, in welcher die Versammlungen ihren Abscheu über das Vorgehen der Kommunisten ausdrücken. Die Lebensmittel für Deutfihlanö. Anist erd am, 9. März. Rroter meldet ans Pari«: Ter Oberste Rat nahm Borschlöge an, die via» für annehmbar für die Deutschen hält, um die in Spa unterbrochenen Bcrhandlungrn in Brüssel wieder aufzunehmen. I» diesen Borschlögen wird voigesehe», daß zuglei� mit der AnKlieferiWg der deutschen Schiffe dir Versorgung Deutschlands b i S zur nächsten Ernte mit Lebensmittrk» im Werte von 109 Millionen Pfund Sterling erfolgt, die teil« in Sohle, Kai» usw., teils mit den deutsche» Gutbaden in nentralc,! Ländern und teils mit ausländischen Wert« papieren im Besitze Deutschlands bezahlt werden. Eine Erklärung Pichons. Haag, IV. Würz. Meldung'des Hollandsch RienwSlmreauSri Aus Paris wi?t> gemeldet: In einer Unterhaltung mit mehreren Entente-Journelistcn hat sich Pichon gestern über«ehrer« wichtige Fragen geäußert. Er erklärte, baß die Arbeite» der Frie- deuSkonfcrenz in der jüngsten Tagung soweit fortgeschritten sind, daß der Abschluß deS PräliminarftiidenS wahrscheinlich diel schneller erfolgen könne, alS man vor zwei Wochen für möglich gehalten hat. Die oft erwähnte Bereinigung Deutsch- Oesterreichs mit Deutschland könne nicht statt finden, wenn sich der Rat der Zehn nicht. damit einverstanden erkläre. Pichon war der Ansicht, daß sich der Zehnerrat wahrfchrin- sich gegen dies« Vereinigung aussprechen werde. Der Rat der Zehn hat dem Plan Lloyd George? zugestimmt, der darauf hin- ausläuft, für Deutschland er« Freiwilligrnheer, zusammen- gesetzt auS Leuten, die sich zu längerer Dienstzeit verpflichten, vor- zuschreiben. Die dringende Notwendigkeit, Deutschland mit Lebensmitteln zu versrheu, sei von d«« Alliierten an er- kann« worden, da sie überzeugt seien, daß Hunger und Not ledig. lich N n r u h e n hervorrufen könnten. DieS läge nicht im In- teresfe der Alliierte», die sich unmöglich der Stimme der Menschlichkeit verschließe« können. Maa hat sich entschlossen, Nahrungsmittel zu sende«, doch sei dieS unmöglich, weun in Teutschland«icht gearbeitet werde»ub wenn Deutschland nicht in der Lage sei. dies« Hilfeleistung mit feinen Erzeugnissen zu bezahle«. Berwendet Deutschland die ihm zur Verfügung stehende« Geldmittel für dies« Zwecke, bau» ist ide Bezahlung der Entschädigung«icht gewährleistet. Die Deutsche» wüßte« sich weiter de« Bedingungen de» Waffenstillstandes unter. werfe« und' die Schiffe auSliefer». Erst bau« wäre e»«ög- lich, Bestimmungen zu treffen, die für alle Parteien befriedigend sind, und dann zur Regelung der Lebensmittelfrage zu schreite». Die Bolksmarinedivision ist aufgelöst. Jeder frühere Ange- hörige dieser Division, der mit der Waffe in der Hand betroffen wird, wird nach KriegSrecht behandelt. Und lcidenichafillck, über die trennenden Kriegsfronren hinweg, ruft Marlinet die»Dichter Deutschlands, die ungekannten Brüder', an. Bei den Toten in den KriegSgräbern! Die Stimmen dieser Dören steigen machtvoll auf; der Dichter verkündet, ihr Ruf werde die Jünglinge Deutschlands und Frankreich» einen, er werde zur Tor erwachen durch den Schmerz. Todtrotzend zwinge er als Losung»- wort voran: Voran ins Leben uyd das Leven Roch«' Voran, voran, noch überS Grab hinaus! Wir hören wieder Goethes Wort, Doch dumpfer, bitlerer im Ton. Empörungsschrei und doch«in LiebeSfchrer, Löst er sick auch von schon erstarrten Lippe«, So glühender er sich ins Herz uns brennt. Das Dokument dieser Gedichte darf als wertvoll also gelten für die Geschichl« der ersten Kriegsjahre. Da» erschütternde Bewegen dieser Zeit leidet, klagt, ringt, stürmt darin. Das entsetzlichste Martyrium, daS jemals menschlichen Seeleu aufgeladen ward zu endloser Pein, hier steht es aufgezeichnet in der Wahrheit des leben- digen Augenblicks.-__ lrd. Notizen. — D ie Volksbühne und die Straßeukämpf«. Die Direktion der Volksbühne gibt folgondes bekannt: .Die Nachricht, die Volksbühne fei bei den Kämpfen am Bülowplatz in schwerer Weis« beschädigt worden, beruht auf einem Irrtum. Es sind nur zwei Türen durch Handgranaten«nge. schlagen worden. Die Volksbühne ist zwar durchsucht, aber von keiner Partei besetzt worden." Die nächste Erstaufführung der Volksbühne wird Nikolai Gogols Komödie.Die Heirat, Eine ganz unglaubliche Begebenheit in drei Bildern", sciir." — Vorträge. In der Urania in der Taubenstraß« Prof. Dr. Schwcchn:„Die Geschichte der Urwelt", heute, Dienstag und sonna-bend; Mittwoch: Prof. Dr. Donath mit Experimenten und kinematographischen Vorführungen über.Hochspannungsleitung elektrischer Energie"; im Hörsaal, Mittwoch. Dr. 28. Berndt: Brutpflege und Mernfürsocge"; Donnerstag, Dr. Brieger:»Die Alchemie"; Freitag, Prof. Dr. Kessner:„Eisen und Metallgießerei; Sonnabend, Pros. Dr. Donath:»Elektrisches Licht". — M u>» k. Die Reicksregierung hat zur Fortsetzung der Nachmittag»-Sinsonie» Konzerte des Blüthner- Orchesters für Soldaten und Arbeiter unter Leitung feine» Dirigenten Paul Scheinpflug eine weitere Subvention zur Ver« fügung gestellt. Das nächste Konzert findet Mittwoch. 12. März. nachmittags Uhr. im Blüthnerioal statt.— DoL Konzert der K a m me r m u fit- B e r eini g un g der Berliner Oper findet bestimmt am 11. März, yji Uhr. In der Singakademie statt, — Di« Aphorismen von Hermann Kesser, dl« unser heutiges Feuilleton einleiten, sind den? ausgezeichneten, im HiGsrfchen Verlag In' Frauenfsld hcrausgekodbrsnen Buche.Bor- Herrituna" entnommen, das eine Reihe Aufsätze zusammenfaßt, die für die. polirisch-gristrge Bewegung der Gegenwart bezeichnend find. Vle dczfolfficrung« Auszug aus dem Bericht der TozialiNerungKtommisfiou. Der Bericht geht von der Erwägung au-, daß über die tech- nrsch bedingte Bedeutung der Kohle für die Volkswirtschaft binsus der deutsche Kohlenbergbau durch leine Organisation zu einem M o n o v o l gemacht worden ist. Gestützt und gestärkt wird dieses Monopol durch die Tatsache, datz au! geologischen Gründen sede Erweiterung der Produktion nur zu steigenden Kosten, also mit sinkendem Ertrage, vor sich gehen kann. Dieses Monopol muß auf alle frälle gebrochen werden. Die nächstliegende Form oer Toz-alisterung, an die in der Oesfcntlichkeit auch fast ausschließlich gedacht wird, ist die llebcrfüh rung in den Staatsbetrieb, zumal ja der Staat bereit! über einen großen Bergwerk!l"sitz verfüg:. Die Kommission hat jedoch diese Lösung e i n ft i m m i g verworfen. Zwar haben ihre umfangreichen Erhebungen nicht ergeben, daß, wie dielfach bebauptet wind,'die Leistung der Arbeiter'auf den Staatsgruben geringer sei alZ auf d-en Vrivatgrubcn. Dennoch steht die wirtschaftliche Unterlcgenhsit des Staatsbetriebes gegenüber dem Privatbetrieb außer sedem Aweifel suio erklärt sich aus der Herrschaft des knlreaukratischcn Prinzip!, welches durch seine zahlreichen Kontrollen die freie Bc- wcgung. aller expansiven Kräfte unmwglich macht, ja den Geist der Initiative völlig erstickt, sodaß selbst die Tüchtigkeit und Arbeits- freudig! ei: der Bergbramten die organisatorischen Mängel nicht auszugleichen vermochte. Auch ist die Besoldung dieser Beamten, wiederum aus bureaukratischcn Gründen, im Verhältnis zu den entsprechenden Ziffern der Privatindustrie geradezu lächerlich. Die Kommission hat es daher für nötig gehalten, ander« Weg« der Sozialisterung emzuschlagen. In bezug auf den Grad der Sozialisierung und int Art der zu schaffenden Organisation wurde llebereinstimmung in der Kommission nicht erzielt, sodaß die Mehrheit und die Minder- her: ihre jeweilige Auffafsung über diesen Punkt gesondert nieder- gelegt haben, wobei die Mehrheit sich-rnS den Herren Ballot, Cunow, Hilferding, Lederer, Schumpeter. Um breit und Äilbrandi, die Minderheit aus den Herren Francke und Vogel- stein zusammengesetzte, während die Herren Hue und Kautslh an den entscheidenden Beratungen nicht teilnehmen konnten. Di« Mehrheit glaubt, daß die Rückkehr zur kapitalistischen Pro- ducktiinzweise. welche in technischer»nd organisatorischer Hinsicht rüi den Wiedcrauflmn der Volkswirtschaft zweifellos Hervorragen- de! leisten könnte, aus psdchologilchen Gründen unmöglich ist. Dia Stimmung der Arbcilerschaft ist«in« solche, daß niemand daran denken kann, sie zur Rückkehr in daS Joch des KapitaliS- mus, in die Arbeit für den Gewinn der Unternehmer zu deren- lassen. Auch eine zweite sich bietende Möglichkeit, nämlich eine zivangsweise Kartellierung der Volkswirtschaft unter weilgehender Kontrolle und Beteiligung des Staates kommt bot dem Stande der volttischen und psvchologischen Entwicklung nicht mehr in Frage. So bleibt als einzige Lösung eine straffe Sozialisierung übrig, bei deren Einrichtung auf �:e Erhaltung und Hebung der Pro- d u k t i v i t ä t in erster Reihe Bedacht genommen werden müßte. Jede andere Lösung jedes Kompromiß mit den Privatwirt- schaftlichen Prinzipien würden gerade den wichtigsten Vorzug dieses Wirtschaftest) stein!, die private Initiative, an ihrem Nerv treffen, ohne andererseits die Vorzüge des gemein wirtschaitlichen Prnzips, die Möglichkeit der Nationalisierung, voll ausnutzen zu können. Daher bringt"die Mehrheit der Kommission in Vorschlag, den g e- samten deutschen Kohlenbergbau zu einem leistungsfähigen WirtschaftSihörper(Deutsche Kohlewgemeinschaft) umzuformen. .zu dessen Gunsten sämtliche bisherigen vctrieb«, die private« wie die staatlichen, enteignet werden sollen. Durch die Errichtung eines solchem WirtschaftskörperS mit Eigener juristischer Persönlichkeit würde auch gewissen außen- politischen Bedenken gegen die Sozialisierung die Spitze ab- ged rochen, da ein feindlicher Zugriff auf seinen Besitz juristisch nicht leichter zu begründen wäre, als auf jede« Privatbesitz. So- lange die Volkswirt schart nicht als Ganze« sozialisiert ist, muß die Varfügungsgswali der deutschen Kohlengemeinichaft in der Form VerfügungsgZwalt der deutschen Kohlengemeinschaft in der Form des privatrechtlichen Eigentums konstruiert weiden, ohne de! bisherigen kapitalistischen Monopols ein Monopol der Ange- stellten und Arbeiter errichtet würde. Au? diesen Gründen er- fährt die Eigentumsgew alt der deutschen Kohlengemeinschaft ge- wisse Einschränkungen zugunsten doS Reiches, dem erstens die Tarifhoheit wenigstens im allgomoinen Rahmen zusteht, und ohne dessen Genehmigung zweitens dauernde Belastungen, namentlich Verpfändungen des Gemeinschaftsbesitzes, nicht erfolgen dürfen. Drittens sind die Ueberschußziffern der Kohlcngemein- schaft in den Etat einzustellen, wiewohl eS gerade besonders wichtig in finanzieller Hinsicht ist, der Kohlengsmeinschaft volle Be° toeaungsfreiheit zu sichern, ihr z. B. das Recht zu freier Kredit- nähme zu gewähren und sie überhaupt in jeder Weife ähnlich zu stellen wie eine unabhäng-ge Aktiengesellschaft. Maßgebend für die Organisation des Betriebes wären zwei Gesichtspunkte: ein- mal die Einrichtung der Betriebs. Demokratie, d. h. der Heranziehung der Arbeiterschaf: zur Mit- Wirkung und Kontrolle, und zweitens dir Ausstattung der Betriebsleitung mit möglichst großer Macht- fülle. DaS letztgenannte Erfordernis entspricht in keiner Weise den allgemeinen demokratischen Grundsätzen;- solange die Lenung das Vertrauen dar Geführten besitzt, soll sie kraftvoll ar- besten können. DaS oberste Organ der deutschen Kohlengemeinschaft ist der Kshlenvat, der sich auö je 25 Vertretern der A rbeiterschaft. der Be- triebsleiter, der Konsumenten(Industriellen, Weiterverarbeiter, .Konsumelstenorganisationen usw.) und schließlich des Reiches zusammensetzt. Bon den 2S Vertretern de« Reiche« sollen 10 durch das Parlament, der Rest durch den Reichskanzler persönlich be- stimmt werden und zwar soll höchstens% von ihnen aus der Be- «ntenschaft entnommen werden. Dem Kohlenrat obliegt die all- gemeine Leitung der Produktion, die Festsetzung der Föroermengs, der Stillegungen und Zusammenlegungen, die Schaffung geeig- «eter BetriebSeiicheiten usw. Die Exekutive soll bei«inem fünfköpfigen , Kohlendirektorium ruhen, da« vom Kohlenrat, jedoch nicht notwendig aus seiner Mitte gewählt wird. Der Präsident de? Kohlendirektoriums wird eigcnS als solcher gewählt urch bedarf der Bestätigung durch den Reichskanzler. DaS Direktorium und namentlich oer Präsident sollen mit aller Verfügungsgewalt ausgestattet sein, welche die Fülle ihrer Aufgaben und namentlich die Anpassung an den internationalen Markt erfordert. Der Kohlenrat errichtet nach den Vorschlägen deS Direktoriums 20 bis 2b in sich abgerundete Bezirke mit je einem vom Direkto- Sozialöemokratisther Wahlsieg in öremen. Bremen, S.Mörz. Bei den Wahle» zur Bremer Rational- Versammlung erhielten: die M e hrh r i t» s», i a l i st r» 40 3 6 7» die Unabhängiger Sozialiste« 24872» die Kommunisten 70 739. die Demokraten 24 774» LandeSwahlveriand 1» 037. Christ- kich« ÄolkSpertei 256Z, Kleinhandel SS88, Berufsangeflellte 1343, kaufmännische Angestellte 864 Stuumru. Die Ergedaiss« an« de» Landgedistea steh« noch an». [es Kohlenbergbaus. tum zu benennenden Generaldirektor an der Spitze. Die Direktoren der einzelnen Zechen sollen ebenfalls vom Kohlend rrekto- rium ernannt werden. Da unter den heutigen psychologischen Be- dingmigen und in der Konkurrenz mit den Privatinduftrien, die in vielen Wirtschaftszweigen fortbestehen werden, der free Spielraum für die Krafteistfaltung kein genügender Anreiz zur Heranziehung der besten Kräfte ist, muß den leitenden Persönlichkeiten eine Eni- lohnung geboten werden, die der in der privaten Industrie üb- lichen Entlohnung entspricht, llellrigens ist eL auch mit den Grundsätzen des Sozialismus durchcms vereinbar, daß daß die höhere Leistung höher entlohnt wird.* Das Tätigkeitsgebiet der Kohlengemeinschafl muß so abgegrenzt werden, daß einersestS keine zu großen Komplikationen entstehen, andererseits doch ein umfassende?, in sich zusammen- Hängendes Feld geschaffen wird. Es soll daher d?e Verkokung und die Gewinnung der Nebenprodukte daraus einbegreifen, die chemische Weiterverarbeitung dieser Produkte ausschließen. Bei der außerordentlich weitgehenden Verflechtung mancher Unterneh- mungen bis in die Fert'gsabrikatiou hinein wird die geplante Her- auslösung derjenigen Betriebszweige fallen, welche in daS Gebiet der Kohlengemeinschaft fallen, nickst immer leicht erfolgen können. Immerhn kommt dieser zugute, daß die einzelnen Betriebe eines umfassenden llniernebmenS organisatorisch und buchhalterisch völlig gimtut zu arbeiten pflegen. In der vorgeschlagenen Organisation ist für ein« Funktion de» private« Kapitals kein Raum, wie ja übrigens schon bei dem heutigen hohen Grad der prwatwust- schaftlichen Entwicklung Eigentum und Betriebsleitung völlig aus- einanderfallen. Daher soll daS Privatkapital enteignet werden, ebenso, wie bereftS erwähnt, der Staat. Da die Sozio- lisierung des Kohlenbergbaues als eine isolierte Maßnahme erfolgt, müssen die bisherigen Eigentümer entschädigt werden. Der Absatz der Kohle ist! bekanntlich durch bw großen Kartelle schon wertgehend organisiert worden. Immerhin können noch überflüssige Z wischenge Winne, namentlich von früheren In. Habern von Kohlenowchäften, welche jetzt von den Kartellen eine Rente beziehen, ausgeschaltet werden. Eine eigentliche Groß- Handelstätigkeit wird schon heut« nicht mehr ausgeübt. Soweit der Groschandel die Funktion des Kreditgebers erfüllt, kann diese von den Banken übernommen Zierden. Aus diesem Grunde beantragt die Kommissionsmchrheft eine radikale Sozialisierung auch l>e! Handels durch Nebergaug auf die Deutsche Kohlengemeinschaft. Dabei solk'eS den Gemeinden als den VerteilungSsiellen über- lassen bleiben ob sie die Zuführung an den Konsum selbständig oder durch.Heranziehung des Kleinhandels bewerkstelligen wollen. Die an sich sehr schwierige Frage deS S x p o r t S vereinfacht sich in der gegenwartigen Lage dadurch, daß die Kohle auf lange hinaus das vornehmste Kompensattonsobjekt deS Reiches bilden, auf jeden Falle also der freien Verfügung freier Kaufleute entzogen fein wird. Es bleibt der Koblemgemeinschaft überlassen, sich in ge- eigneten Fällen kaufmännischer Vermittlung zu bedienen. Die Minderheit will mit Rilcksicht auf die Fülle der bestehenden technischen Aufgaben daS Privatkapital nicht ganz aus- schalten, da sie der Meinung ist. daß die Machtvollkommenheit und Gewinnbeteiligung der Betriebsleiter, wie sie im Antrag« der Mehrheit vorgesehen sind, nicht ausreichen, um die Privatinitiative völlig zu erhalten. Es erscheint her Minderheit fraglich, ob sich die führenden Industriellen in ein noch so glänzendes A n g e- stelltenverbältniS begeben werden, und ob sie aus die Mög- lichkeit deS Kapitalgewinnes über i-iejenige einer hohen Entlohnung hinaus verzichten wollen.(ES dürste ihnen nicht« anderes übrig bleiben. Red. d. VI Auch muh erst abgewartet werden, bis zu welchem Grads die Umgestaltung der Staatsbetriebe zum Erfolge führt. Die Minderheit der Kommission hält die von ihr vorgeschla- genen Maßregeln, namentlich die Aiu S s ch a l t u n« aller Mono- polgewinne, für einen so scharfen Eingriff in die bisherigen Zustände, daß eS ihr gefährlich erscheint, w einem isolierten Wirtschaftszweige noch weiterzugehen, solange andere Wirtschaft?- zweige in der bisherigen Form belassen sind. Ueber die Gestaltung de»«rbeitSver«Llt»i?e». und der Entlohnung ist die Kommission zu einem einheitlichem Votum gelangst Die A r b- i t« r werden nach chten; Antrage weitgehend zur Fest- stellungderArbeitSordnung, der Sicherhetts- Vorschriften ustv. herangezogen. Andererseits bleibt die technische Leitung bei den Beamten, die nicht von den Arbeitern gewählt werden, da ei nicht angeht, nur den zufälligen Arbestern, die untex einem bestimmten Gesichtspunkt interessiert sind,«inen so entfcheübcnden Einfluß auf Angelegenheiten einzuräumen, von denen datz Wohl und Webe der Allgemein- hest in hohem Grade abhängt. UsbrigenS haben die Vertreter der Arbestersck-ift dabingehende Forderungen auch nicht erhoben. Daß nichts gegen die Interessen der Arbeiter- s ck, a f t geschieht, tst durch ihre Vertretung im Kohlenrat in Ber- bindtxng mit dem Einfluß der Kozisumenten und der StaatZver- treter auf diesen verbürgst Die Demokratie in den Betrieben ergibt sich in vierfacher Stufenleiter nach dem Muster der Vorschriften vom 19. Januar, welche von allen Beteiligten gutgeheißen worden sind. In den einzelnen Steigerevizren werden SteigrrrevierrLte gebildet, welche die Gedinge der einzelnen Arbeiter festsetzen, den Abbau und die Einhaltung der Polizeilichen Vorschriften zu über- wachen haben. Die Steigerrevisrräte einer Zech« wählen, nicht not- wendig aus ihrer Miste, den Zeche.nrat, in welchen auch die kaufmännischen und technischen Angestellten Vertreter entsenden; er fungiert als Beschwerdeinstanz, setzt die Nebenabreden deS Arbeitsvertrages fest und erhält auf Verlangen Einblick in alle betrieblichen. Vorgänge. Die Zechenräte eine« Bezirke» wählen. nicht notwendig aus ihrer Miste, den Regionalrat, der die Beschlüsse deS Kohlenrates durchzuführen und im Interesse eines einheitlichen Vorgehens der Zechenräte allgemeine Richtlinien für diesen festzusetzen hast Auch ihm gehöre» Vertreter der Angestellten an. Aus den Wahlen der Regionalräte, doch nicht notwendig auS ihrer Mitte, gehen die 2 Vertreter der Arbeiterschaft im Kohlenrat hervor. Die Entlohnung erfolgt möglichst nach der i n � V i d u- eilen Leistung, wobei Gewinnbeteiligung und Prämien für Erfindungen vorzusehen sind. Jedoch sollen die Gedinge auf«De Fälle«in gesschjerteS Lebe« rrmSgliche». Bei der Entlohnung der Angestellten werden die Prämien eine groß« Rolle spielen können, und speziell bei den Direktoren und Generaldirektoren wird die Tantieme di« Gesamtsumme aus die in der Privatindustrie übliche Höhe heben. Falls die Mitglieder des Köhlendirektor i um« auf Tantieme angestellt tverdeu sollten, muß diese jedenfalls unabhängig von der Preisbemessung festgesetzt werden. Die Verluste des gestrigen TageS. Die Kämpfe des gestrigen Sonntags haben-wieder zoiblreiche Opfer gefordert. Da« städtische Nettungswesen gewährte Sb Männern, 12 Frauen und 7 Kindern die erst« Hilfe. In da» Krankenhaus Friedrichshain wurden nicht weniger al» TS Männer und 10 Frauen eingeliefert, die Schußperletzungea erlitten hatten. Wieviel Personen sich in Privaibc Handlung begeben haben, läßt sich auch wicht annähernd feststellen. Auch die übrigen Kranken- Häuser verlin» wessen sehr hohe BelegungSzahlen mit Veavun- bete» auf. der tzerö öes �ufstanöes. Eine Aktion des..Rote« Soldatettbmtdes*. Bon militärischer Seite wird uns mitgeteilt: Sowohl die Unabhängigen wie die Führer der Kommunisten hielten die Lage für ihre Absichten jetzt noch nicht für gekommen. Der Berliner Aufrühr ist wider ihren Willen vom Roten Sol- datenbuvd ausgegangen. Er wurde hervorgerufen von bewaffneten Kreisen, die nach vielen Tausenden zählen. Nach aufgefundenen OrggnifationSpläncn bestand die Absicht bei den verbrecherischen Elementen, da! Polt- z e i p r ä s i d» u m, die Reichs b an!, die Reichsdruckerei und eins Reihe von Bahnhöfen in ihre Gewalt zu bringen und nach den entsprechenden weiteren Erfolgen die Räte- r e p ü b Ii k auszurufen. Es gebang. den Angriff auf das Polizei- Präsidium abzuwehren, während die ganz« Umgebung de» Polizei- Präsidiums in der Gewali der Aufrührer blieb, so daß die Be- satzung von Zufuhr jeder Art abgeschnitten war. Hiife konnte, nur von einer Seite, der Spree her, gebracht werden, weil die Waffen- und Munitionsquelle in Spandau verstopft werden mußte, was im »ollen Umfange gelungen ist. Mit Hilfe von 25 Minen und au- deren militärischen Hilfsmitteln konnten die Massen, die die ganze Umgebung des Alexanderplatzes'besetzt hielten.'in der Richtung aus den Fridrichshain und Schlesischen Bahnhof verdrängt werden. Der 7., 8. und 9. März gingen damit hin. nach Südosten, Osten und Nordosten wefter vorzudrücken. Der Widerstand ist nach den Er- gebnissen von gestern' und heute nacht im Nachlassen begriffen. Die Tausende, die bei dem Angriff auf daS Polizeipräsidium unter geschlossener Führung gestanden, hoben sich in eine große Zahl kleiner Bande» aufgelöst, die weiter in der angegebenen Richtung anSettwntxx- strömen. Wie der heute ergangene Befehl, jede« mit de« Waffe in der Hand Angetroffene» staudrechtlich zu erschießen, wirken wirb, muß abgewartet werden. In LilMenberg sind etwa 150 Leute erschossen worden. Alle im dortige« Polizeipräsrbmm gefundenen Soldaten und Beamten sind restlos- ermordet worden. Es tft wahrscheinlich, daß einer oder mehrere spartakistische Flieger über Berlin waren und Bomben abgeworfen haben, doch ist diese Angelegenheit noch ungeklärt. Die VolkSmacinedivifion hatte ursprünglich ftn Mmstall mehrere Panz-wautoS und sechs Geschütze, die vor dem AuSzug auf Lastwagen mit anderen Waffen und Mu- mtionSvo träten in daS neue Domizil geschafft worden lvaren. Die eigentlichen Führer des Aufruhrs find zweifellos Intel- lektuellc sowie einige frühere Offiziere. GroßSerün Tie Räuberbande von Weihensee verhaftet. ©er Raub Überfall in Weißensee, über den wir berichteten, hat jesjt auch seine Aufklärung gesunden. Als Räuber wurden zwei SichersieitSsoldaten entlarvt, die in Verbindung eines dritte« Mannes in Zivil-den Raub vorbereitet und ausgeführt hatten. Die Sicherheitssoldaten Richard Beyer und Kurt Schneider hatten während ihre? Dienste! auf dem Polizeipräsidium Bor- ladungsformulare gestohlen und diese dazu benutzt, den Bäcker- meister Boll aus der Friesickestr. 37 zu Weißensee. mit seiner Frau nach dem Polizeipräsidium zu bestellen. Als die Eheleute dann ihre Wohnung verlasse« hatten, um der Vorladung nachzukommen, dran- gen die beiden Sicherbeitsfoldaten mit dem Kutscher Friedrich Nphnke in die Wohnung ein und setzten dem allein anwesenden Sohn ihre Dienstwaffen auf die Brust. Bei der Durchsuchung derl Wohnung nahmen sie 20 000 M. bare» Geld und für 10 000 M Wertpapiere an sich. Dann erklärten sie den Sohu für verhaftet und forderten ihn auf, ihnen zu folgen. Sie riefen eine Krast- drosch!« herbei und fuhren mit dieser nach der Ebarloitenburger Chaussee. Hier versuckten sie zunächst den jungen Mann aus dem in voller Fahrt befindlichen Kraftwagen zu stoßen. Dieser hielt sich aber krampfhaft fest und jetzt ließen die Räuber das Auwmobil etwas langsamer fahren und zwangen den jungen Boll durch Vor- Haltung der Pistole, auszusteigen. Dann fuhr da» Automobil in schnellem Tempo davon und entkam auch. Die Ermittelungen er- gaben, daß die Räuber mit der Beute nach einem Lokal gefahren waren, wo ein gewisser Teichert. der ebenfalls bei dem lleberfall feine Hand im Spiele hatte, auf sie wartete. Alle vier begaben sich nun in die Wohnung Nohnke» in der Londwehrstraße, teilten hier die Beute und begaben sich damit in em Lokal in der llfedom- siraße, um da» Gelingen des UebcrfalleS zu feiern. Hierbei waren sie bereits einem Kriminalbeamten.aufgefallen, der Raubüberfall jedoch noch nicht entdeckt und zur Anzeige gelangt. Nachträglich ent- iann sich jetzt der Beamte der beiden Sicherheitssoldaten und ihrer beiden Begleiter, nnd die wetteren Ermssielungen ergaben, daß das tatsächlich die Räuber waren. Jetzt ist es gelungen, alle vier dingfest zu machen und einen Teil des geraubten Gute» wieder horbeiz»- schaffen._______ Tie bestialische Ermordung eineP Regieruugösoldate«, Ueber diesen schon oberflächlich berichteten Fall wird un» von f einem Augenzeugen berichtet: Am Freitag, mittag» l'/, Uhr, wurde ein RegicrungSsoldat in Jägeruniform, der auf einem Fahrrad die Große Frankfurter Straße entlang fem, von Spartakisten, darunter auch Matrosen,� vom Rade heruntergeholt und i« bestialischer Art geschlagen. Während er zu Boden geschlagen wurde, riß ihm die Menge die Stiefel von den Füßen»nd verschwand. Dann wurden ihm sämtliche Sachen heruntergerissen.- Bi» auf da» Hemd entkleidet, wurde er bor eine Schaufensterscheibe des Schuhwarenhause» Stiller, Gr. Frankfurter Str. 123, gestellt und ihm auch noch da» Hemd heruntergerissen«nd um die Hafte« gebunden. Während dieser I' Handlung hat dieser unglückliche Menfch vor seinen Mördern go- standen und mit den Hände» gebeten, ihm sein Lebe» zn lassen, er hätte noch eine Mutter und Schwester. Auch Fronen»ab Männer, die weinend«nd schreiend baten, ihm sein Leben z» lasse», wurden von dieser drwaffneten Menge mit den Worten fortgejagt:„Macht ihr Hunde, daß ihr fortkommt, sonst geht'S rnch ebenso." Nachdem alles zurückgegangen war und der Soldat nackend am Schaufeuster stand. gingen die Spartakisten auf die Promenade nnd warfen eine Handgranate dem Soldaten vor die Füße. Der Soldat sank, von nnzählige» Splittern der Handgranate und der zerschmetterten Schaufenster scheide getroffen, mit aufgeriffene« Leib zu Bode». Gleich darauf stürzten wieder die Frauen heraus,«m ihm Hilfe zn leisten, da er noch schwache Lebenszeichen von sich gab- aber mit vorgrhaltriir« Gewehre» wurden diese abermals zurückgejagt. Später wurde der Unglückliche in einem Laken nach der Unfallstation. Koppenstraße, Ecke Große Frankfurter Straße, gebracht und dann von der Feuer« webr als Leiche abgeholt. Bemerken will ich noch, daß der Soldat nicht geschossen hat, sonder» ruhig seines Wege» gefahren kam. Er scheint sich verirrt zu haben. '>"/ Wichtige Lorortangrlegenheiten, auch Berichte über Gemeinde- dertretungssitziingen usw. haben wir in letzter Zeit wegen de» un- geheuren Stoffandrang»» an sür die Allgemeinheit wichtigen Dingen zurückstellen müssen. Wer den un» durch die Papiernot usw. autgezwungenen geringen Umfang unseres Blatte» bedenkt, wird da» einsehen. Sowie e» damit besser wird, werden auch die Bor- orte zu ihre« voll« Stecht kommen. Eitnges zur Arbeitslose, muterftutzung. ?LähreuS bisher die Kommunen in Kragen der Erwerbslosen� fiuiorge eine autonome Stellung innehatten, ist jetzt durch eine Verordnung über Erwerbslosenfürsorg« durch daS DemobtlmachungZ- amt eine einheitliche Regelung für das Reich er- folgt. In erster Linie ist eine Festsetzung von Höchstsätzen nach OrtZtlaffen durchgeführt, die spätestens mit dem t. 4. in Kraft treten müssen. In Berlin werden diese Höchstsätze für männliche und weibliche Personen über 31 Jahre M. 6,— bezlv. Zti. 0,60 betragen. Für die Ehefrau wird außerdem M. 1,60 und für jedes sonstige unterstützungSbercchtigte'Fointlicnglied Wl. 1,— gezahlt. .Für Erwerbslose, die zur Verstcherung in einer Krankenkasse berechtigt sind, hat die Gemeinde die vollen Derfichennchsbciträge zu leiskil. Im KranlheitSsall werden dann neben Krankengeld oder tiiankenhanspflege nur die Zuschläge für Familienglieder als Erwerbslosenunterstutzung gewährt. Anderen Erwerbslosen wird während der Erkrankung die volle Unterstützung weitergezahlt. ll-n zu vrrhinderu, daß die vielen während deS Krieges nach dcn Zentren der Kriegsindustrie zugezogenen Arbeiter jetzt diesen Städten zur Last fallen, sollen Arbeitnehmer im allgemeinen die Gemeinde, in der ste bei Kriegsausbruch gewohnt haben, mitunter- stütz, mg in Anspruch nehmen. Jede Gen, einde ist daher berechtigt, den von auswärts zugezogenen Er- ioerbslosen die Unterstützung zu entziehen. Eine Beschränkung tritt jedock für diejenigen ein, die m»t ihrer Familie einen gemeinschaftlichen Hausstand sühren, da diesen im allgemeinen die Uiiierstützulig nicht entzogen werden soll und dann nicht entzogen werden darf, wenn die Rückkehr in den früher«, Wohn- oit undurchführbar ist iElsaß-Lothriugen, Posen). Hierzu muß u. E. auch die Tatsache zählen, daß viele Erwerbslose dir Mitnahme der Möbel infolge der Höhe der Umzugskosten nicht bestreiten können. und daß eine Unterstellung in gewerbliche Speicher auch an der Kostenfrage scheitert. Eine Klarstellung dieser Frage von amtlicher Stelle ist notwendig. Dem Vernehmen nach ist eine Unterstellung der Möbel in städtische Speicher prinzipiell zugesagt, doch ist dre Frage der Hastung für die Aufbewahrung noch in der Schwebe. geeigneiste Lösung wäre, es, bisher unterstützten Familien, die nach auswärts verziehen wollen, nach Vorlage der polizeilichen Abmeldung und der Bescheinigung der Eisen- bahudtrekuon, daß das UmzugSgul befordeit wird, unter Prüfung von Fall zu Fall durch Abschlagzahlung einer ineljr» wöchigen UnterstützungSsiimme den Umzug zu ermöglichen. Andern- falls wäre die Rückkehr in den früheren Wohnort als tatsächlich un- durchführbar anzusehen, und die Gemeinde zur Weiterzahlung der Unterstützung verpflichtet. Kehren Erwerbslose in ihren früheren Wohnor: zurück, so steht ihnen sofort— nüter Wegfall der Warte- zeit— die ErwerbSI os en»n lersiützung der dortigen Gemeinde zu. Weigert sich.ein Arbeitnehmer unbegründet, eine ihm zugewiesene Arbeit anzünehmeu, so soll ihm die Unterstützung entzogen werden. Als gültiger Weigerungkgrund gilt jedoch,.wenn ihm für die noch- gewiesene Arbeit nichr ein ortsüblicher Lohn gezahlt werden soll oder wenn dadurch bei Verheiratelen eine genügende Versorgung der Familie in Frage gestellt ist. Könne» Acrzte irren? Sonderbare Frage! Fast jeder von uns hat cS doch schon am eigenen Leibe spüren müsien, daß leider auch Aerzie manchmal sehr irre» können. Das sagte sich auch der Vater eine? jungen Menschen, der in der SpartakuZwoche durch eine verirrte Kugel am Fuß vcr- wunde» worden war und im Elisabeth- Krankenhaus auf .Heilung wartete. Als nach mehreren Wochen der Bater nach den Aussichten au? den noch fehlenden Erfolg der SehÄndlukch fraget, ließ, antwortete der Arzt dem Kranken:„Wenn Ihr Vater eS besser versteht, kann er Sie ja selber behandeln". Das tat der nun zwar nicht, aber er nahm den bisher auf Kosten der Krankenkasse behandelten Sohn auS dem Krankenhaus heraus und gab ihn zu Hause aus eigene Kosten in die Behandlnng eines anderen Arzt.es. Dieser äußerte sich dann sehr abfällig über den Zustand der Wunde, der nach seiner Meinung zu einer ernsten Getahr hätte werden können, und schrieb die Schuld dem Arzt des Krankenhauses zu. SBaS der Vater und sei» Sohn unS sonst noch über Mängel der An- stalt berichten, erklärt sich zum Teil wohl daraus, daß sie mit un- zulänglichen Mitteln arbeitet. Hie Sliftd-Krankenhäuser, zu denen ja auch das Elisabelh-Kronkeuhaus gehört, verfüge» längst nicht melfc über volle Geldbeutel, wie man das stüher von ihnen sagen kounie. Unentschuldbar ist freilich, daß z, B. an einem Kranken, dem ein Bein amputiert worden war, eine Eiteransammlimg unter Aar- kofe im Krankensaal vor den Zügen der anderen Pfleglinge und während des Mlttageffens beseitigt wurde. Perl in braucht Geld. Bis Ende 1018 häufte Berlin eine schwebende Schuld von rund 383 Millionen Mark an, die Haupt- sächlich zur vorläuflgcn Deckung der Kriegsausgaben verwendet worden waren. Darin stecken auch rund L00 Millionen, die für Familienunterstützungen dem Reich vorgeschoffen wurden und von ihm zuriickeistaltet werden sollen, ferner über 200 Millionen für KriegZwohlfabrtnuSgabcn, die Berlin gleichfalls von Reich und Staat ganz oder zeilweise zurückzuerhalten hofft, weiter etwa IVO Millioneu, die in LebenSmittelverwaltuiige» der Stadt arbeiten und später wieder stei werden. Nach Abzug dieser 600 Millionen würde mit de» durch Anleihe zu beschaffenden 400 Millionen der Rest der schwebenden Schuld mehr als gedeckt sein, so daß noch etwas für sonstige» Geldbedarf drüberbliebe. Bon dem künftigen Uebergewicht der Sozialdemokraten in der Stodtvcrwaltrmg er- wartet der Stadtkämmerer eine Mehrung der städtischen Werke schon deshalb, weil sie zur Deckung des Stadthaus- halimigSbedars-Z nötig ist. Deckung durch erhebliche Mehrung der Steuern würde, sagte er, besonders bei der Arbeiterbevölkerung bald auf Widerstand stoßen, weil infolge»Abbaues" der hohen Einkommen der Steuerdruck künftig auch die geringeren Einkommen treffen würde.___ Studicmnatrrial für Kr«nke»h««särzte? Gegen das Krankenhaus Moabit erhebt die Wiiwe eines dort verstorbenen ArbeiierS B. den Vorwurf, daß die Leicke geöffnet wurde, bkme daß man zuvor die Familie von diesem Vor- habe» in Kenntnis gesetzt und um ihre Einwilligung gebeten hatte. Die- Eutscheid, mg darüber, ob ein« Leichenöffnung zuzulassen ist, wird nicht innner den Hinterbliebene» anbeimgestellt werden können, z. B, dann nicht, wenn nach den Vorschriften der SanitätSvolizei bei Verdacht einer ansteckenden Kranihei,(Cholera u'w.) hierüber Gewißheit erlangt werden muß. In de,» Fall B. handelt es sich aber schwerlich um diesen Grund, wenigstens hat man der Witwe, wie ste auf daö Bestimmteste versichert, nichts der- ariigeS gesagt. Es liegt die Vermutung nahe, daß die Leiche zu dem Zweck geöffnet wurde, sie als Studien- Material zu benutzen. Gewiß'bedürfen nicht nur Medizinstudierends, sondern auch praktizirende Aerzte immer wieder der Vereicherung ihres WisslüS und Könnens durch Erfahrungen am Krankenbett und am Seziertisch, Zum Wohl aller Leidenden kann man wünschen, daß durch Gesetz sogar der Zwang eingeführt würde, jede Leiche als Studie imaterial herzugeben, wobei natürlich auch zwischen den in einem Krankenhaus und den in ihrer Wohnung Gestorbenen kein Unterschied gemacht werden dürfte. So lange aber dieser Zwang nicht besteht, muß gegen die Eigen- Mächtigkeit, eine Leiche ohne Zustimmung der Hinterbliebenen zu Studienz wecken zu benutzen, entichiedenster Einspruch erhoben werden. Auch wer für sich und seine Angehörigen»nichts dabei finden kann", wird doch die Empfindung derjenigen verstehen, die sich durch solchen Miß- brauch verletzt kühlen.__ Kreisarbeiterräte in der Provinz Brandenburg, achtet auf die Festsetzung der Tagesordnung für die nächsten KreiS- tage. Trotz dcn, neuen Gsmeindcwahlrecht setzen viele Landräte eine ungewöhnlich umfangreiche Tagesordnung für die Kreistage fest. Das müsse natürlich weitgehende Unzufriedenheit ,n den bis jetzt noch von jeglicher direkten Einwirkung au! die Kreis- und Pro- vinzialverwaltung ausgeschlossenen Voilskreisen erregen. Schnelle? Eingreifen der Regierung lut not. will sie nicht neue Zündstoffherde zu den vielen schon vorhandenen schaffen lasten. Die Kreisarbeiterräle werden ersucht, alle ähnlichen Versuche wie die oben geschilderten ichncllsiens zur KennlniS der Zentralstelle der A.- u. S.-Räte in der Provinz Brandenburg, Charlotienbiirg, Witzlebenstr. 6(Reichs-MlilärgerichH, Fernspr.: Amt Wilhelm 1832, zu bringen, damit wir am geeigneten Ort auf Abstellung dringen können.'_ Tpartakistrsche Jngendverführnng. Ter 17jährige Arbeiter Paul Wüst war am 1l. Januar bei einem Bmnmelgang an dem B 2x en st e in- Hausevorbeigekommen. Dort sah er einen Bekannten mit einem Gewehr Posten stehen und ließ sich von diesem leicht überreden, an der„Verteidigung" teilzu- nehmen. Er gab sich dabei der später allerdings qetäuschien Hoff- nung hin. daß er täglich 20 Mark verdienen würde. Er mußte Posten stehen und hat sich auch am Barrikadenbau beteiligt. Er wurde von einen, Soldaten der Regiernngstrupve festgenommen und da er zufällig keine Strumpfe und Schuhe anhatte, wurde an- genommen, daß er vom Dach bcruntergekommen sei und ein dort stehendes Maschinengewehr auf die Pnstanten abAstuert habe. Es sollte deshalb zunächst das Verfahren wegen versuchten Mordes gegen ihn eingeleitet werden. Dieser Verdacht war jedoch nicht haltbar. Bei seiner Festnahme wurde er durch einen Stteifschuß an der rechten Schiäse verletzt. Davon ist ihm eine Narbe an der Schläfe verblieben. Der Angeklagte, dcr noch gar keine politische Meinung hat, wurde zu drei Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 7 Wocden Nntersuchungshaft verurteilt.— Auch guf dem Schlesischen Bahnhof, in dessen llni- gebung so toll geplünderr wurde, nahm man fünf junge Leute fest. Einer wurde zu 1 Jahr, ein anderer zu 10 Monaten, der dritte zu 1 Jahr 2 Monaten Gefängnis verurteilt; der vierte erhielt 3 Mo- nate Gesangiiis, der fünfte wurde freigesprochen.— Unter den sieben Angeklogien, die bei der Erstürmung des„Vorwärts"« Gebäudes festgenommen worden sittd und gestern vor der 3. Strafkammer standen, befanden sich überwiegend verheiratete Männer, von.denen der eine Vater von 11 Kindern ist. Das Urteil lautete gegen drei Augellagte auf je zehn Monate. gegen einen auf u aun, einen anderen aus g ch i. gegen zwei auf je sieben Monats Gefängnis unter Anrechnung der Untersirchungshafi.' v' k-IIilii HanS- ».egon(eiet Art, Holirirdee. "tÖ tme br, tznn?sttt°e; ist. ««rinnst sthr i-Mg fast »-»« Teppich-, DUtvorstHee, ruserftr-ir. Gard'.Nin,«t». res,'tzsriiecen, Diwaadw-a, !: f., Dilta:, lstdertetten, .•.«•jpHrfen. Tmlbettderlcn, '.ei«», PeluzeultraK« 84 II ■ Äpn ri�Piat).__" *! taadleitzan», Heemami- pietz ti MlilstiuuioivLhII Prlj fiifttn!(Elunfoftesen. Sfnnlo- iuiiffm, SNaiitrfnchf«, Zt,t> F-g in* arfchtiUel Siähinpichiucl! ju verkauken, c itfj Trilzichtinig grilirttri. tzap'.i, ßrenzl-iuerstraße 99. ;«»Bt.n,(Aaoeitiidmr'tn, «,»««««>.Hl«,«cht» Bronze- lronni. ieUonc Eüstsenlielts- laust»gen«elchäftsaus- ««ibe. Tchroeder.©«IjfiasJt Berianfszeit I1-C._ 43/11* chetegenheiUtmf, Ttt'.iich«, "«rsinkn, Starts, Portieren, oiii-Unr»!«.«, echslbenöarti" ..tK. RauWergoroinen neu ■«rtapst zu ffltcs villi»«» " reist» EchLnhorn, PScr- >! 7»-« mim.___ mj-r Kiv.�trdaHiin, Adler-Phiinir, ~'nfdj'- Knorlloch■ Malchin« ■ it tSicntl mtgen Uinzuns b'/lifl verMuslich. 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