Pr.IN. 36. Jahrg. SeHUgSprei»: BterteWrl 7« Kl. maRafi.»U9ä fxeitne{»an«. ootaufljaWbat. Ctnjeb» -kümmern 10«ftimm. Loltbep»«: M-m-lli» 2.S0«t. erfl. SufttEung«. gebühr. Uran»muttnb Hh DeiÄch< kmb u. Oeüerreüh-llxgarn n.75 SSf, für da« übrige»llSIond S.Tb MI. bei lüglich eunnalig« Zuilellmia 7.78 Ml. Poilbeüellnngen nehmen an Däne- Marl. Holland. Lnremdura. Schweden and dt« Schwei,. Singetragen m die PaÜ-»!eMt»g»-Pre>«I'Ite. D«r.Sor>närti' erlchemt wocheniägSch lOtimal Sonntag,, finma» tele gramm-Sd reff«! ,«o,ialde»otra,«eeltn�, Abend'Ansgabe. Verlinev Volksblcltt. (iv Pfennig) AuHeigeuPreiSt Di« achtgewaltene Ronvareillezev« iofl« ILO MI..Kleine«n, eigen", da« fettgedmate Sorl 50 Pfg.(znlässtd S fettgedruckle Sorten i-de« wettere' Wori ZV«fg. Stellengewche und Echlafsl-llcnanzeigen da« erile Wort «0 Pfg. ,edeS wettere Wort 20 Pfg. Sorte über 15 Buchstaben zählen für zwei Sorte. Deuerungszufchlag 50%. Aamllien-Pn zeigen,»olittlch« und gewerllchatlliche Berein«» tlnzeigen ILO Ml. die Zeil«. Anzeigen iür die nächite«Ummer müfjen bi« k Uhr uachmttlag« im HauvtgefchSft. verlin EW. SS. Lindenitratze s. abgegeben «erden,»cbffnei eon 9 Uhr früh bi» S Uhr abend«. 2entralorgan cker fozialäemokratifcben Partei Deutfchtandd. Redaktion und Expedition: EW. bS, Lindenstr. Z. Zhernivrecher:«Ml MorittiUttz. Str. 15190— 1S1 97. G» Vorwärts-Veriag G.m.b. H., Ew. öS, Linüenstr. Z. Fernfprecher: Amt Moritzplatz. Str. 117 SZ— 54. Der preussisclK Uerfassunasentwurf. Der Entwurf eine? Gesetze? zur vorläufigen Ordnung der Staatsgewalt in Preußen hat durch die letzten Beschlüsse des preußischen Staatsministe- riums folgende Gestalt erhalten: K 1. Die verfass unggebende preußische Landesversammlung hat die künstige Verfassung Verluste auf beiden Seiten, ehe der Irrtum cmfgeMrt wurde, Laufe der Nacht hat sich der Truppencina um Lichtenberg lückenlos geschlossen. Um~ Uhr morgens erfolgte der Einmarsch Der öst« lichfte Teil der Stadt wurde von den Regimentern 70 und 166 be- setzt, die sofort eine grostgügige Sänberunqöaktion vornahmen. In militärischen Kreisen rechnet man damit, daß spätestens bis Donner»- tagmittag Lichtenberg vollkommen von den Spartakisten geräumt der Republik Preußen als Staates der deutschen Republik und die einäelnen Nester ausgehoben sind. Gegen den Bahlchof festzustellen, sowie Gesetze, die keinen Aufschub sfcankfurter Allee und die Kommunistenstellungen am Verbinder ist dulden, zu erlassen. § 2. Auf die verfassunggebende Landesversammlung finden die Artikel 21. 22, Absatz 1, 23 und 26 bis 32 der bis- herigen Verfassung des Deutschen Reiches entsprechende An- Wendung. s 3. Der Präsident der verfassunggeben- den preußischen Landesversammlung be- ruft die Regierung. 8 4. Die Regierung ist eine kollegiale Behörde und besteht aus sämtlichen DtaatSministern. Der Minister- Präsident führt den Vorsitz und gibt bei Stimmengleichheit den Ausschlag. Die Regierung regelt die Verteilung der Geschäfte unter ihre Mitglieder selbständig. 8 5. Feder Staatsminister bedarf zu seiner AmtSfüh- rung des Vertrauens der verfassunggebenden Landes- Versammlung und ist ihr für seine Amtsführung verantwort- sich. Die Verantwortlichkeit deS Kriegsmini st erß gegenüber der Volksvertretung im Reiche wird dadurch nicht berührt» 8 6. Die vollziehende Gewalt steht der Regie- rung zu. Fhr sind sämtliche Staatsbehörden unterstellt. Die Regierung ist verpflichtet, die von der verfasiung- gehenden Landesversammlung beschlosiene Verfassung und die gemäß 8 1 zustandegekommenen Gesetze in der Gesetzessammlung zu verkünden. 8 7.Die Staatsminister und ihre Beauftragten haben da» Recht, den Verhandlungen der verfassunggebenden Sandesversammlung beizuwohnen und jederzest gehört zu werden. Die StaatSminister sind verpflichtet, auf verlangen der verfassunggebenden Londesversammluisg zu erscheinen und Auskunft zu erteilen oder den Grund anzugeben. warum eine Auskunst nicht erteilt werden kann. 8 8. Dieses Gesetz tritt mit seiner Annahme durch die Landesversammlung in Kraft. Der öürgerkrieg in Serlin. Gegen die letzten Stellungen, Der Kmpf gegen die letzte» Stellunge» der Spartakisten in der Frankfurter All« und an der Warschauer Brücke wurde im Lause des gestrigen Abends und der heutigen Stacht mit aller Energie geführt. �n der Frankfurter Allee ist die Lag« im großen und ganzen unter- ändert geblieben. Es ist hier ungeheuer schwer, die Kommunisten an» ihren Posttüme» zn vertreiben, ehe mckr. im Rücken der Kämpfen- den der Truppe irr mg vollkommen geschloffen ist. Denn man will die Aufruhrer nicht einfach weiter zurückdrängen, um dann wieder tagelang in neuen Vierteln kämpfen zu müssen, sondern man ist bestrebt, sie konzentrisch einHuschließen und von allen Zufuhren abzu- schneiden. Lu« diesem Grunde wird da» ganze Viertel am Frank- furter Ringbahnhos mit seinem Gewirr kleiner Straßen und nnbe- banter Grundstücke immer dichter eingekreist, um die Spartakisten ausnehme» zu kSnnen. An Hand der poli»eilichen Listen soll dann jeder, der in de« Kampsviertel aufgegriffen wird, festgestellt werden. isteieS Alibi nachzuweisen, so muß Gelingt e» ihm nicht, ein einwand «t sich vor de« Kriegsgericht darüber verantworten, was er an den Kampfstätten ,n tun gehabt hat.— Der Ri All« lag heute nacht unter schünerste« Artilleriefeuer. ingbahnhof Frankfurter Auf dem feuerten auch vom Büsching- und StrauSbeiger Platz nach Lichten« berg hinüher. Noch heftiger kämpfte man in der Warschauer Straße, wohin die Spartakisten ihre besten und diszipliniertesten Kräfte ge- zogen haben. Ostenbar ve-suchen sie hier durchzubrechen, nachdem ihnen der Rückzug durch Lichtenberg verlegt worden ist. Hier tobte auch während der ganzen Nacht der Dächerkrieg. Zwei Dacbschützen in der MarkuSft-aße ereilte heute nacht da» Geschick. Ein ans dem Dach befindlicher Posten bemerkte zwei Spar- inengewehr in Stellung brachten und ihm, anaie -erlisten, die ein leichte» damit die Straße in beiden Richtungen bestrichen. sich an die Segner heranzuschleichen und sie mit einer unschädlich zu machen. Die Entscheidung der Kämpfe. Im Laust der letzten Rächt kam e» in den Straßen Lichten- bergS hinter dem Bahnhof Frankfurter Allee zu heftigen und sehr scharfen Kämpfen. Di« Spartakisten besetzten da» Rumpler-Hau» und befestigien a» sehr stark. Bon dort an» bestrichen sie da« im Süden gelegene Lcrabeitgelände. wo Truppen ausgestellt waren. Da- bei kam e» zu einer Schi-efieroi zwischen zwei Spartat stentruppS. tzrn« starke Abteilung der Kmnmumiteii überfiel das Rumpler-Aau» in der Annahme, dich dort RegierungStruppeu sich aufhielt«». Ss gab ebenfalls seit heute früh ein« großzügige Aktion im Gange. Man hofft, bis heute abend die Verbindung zwischen Berlin und Lichten. berg freigemacht zu haben. Di« Bahnstrecke wird starken militäri- schon Schutz erhalte», um mich den Berkehr schnellstens wieder in Gang zu bringen. � Säuberung der Warschauer Strafte. Der Kampf gegen Spartakus scheint nun endlich zu Ende zu gehen. Am heutigen Vormittag gegen 3 Uhr setzte eine energische SäubrnrngSaktion ein, die von vollem Erialg begleitet war. Um die genannte Zeit wurden sämtliche zur Warschauer Straße küh- renden Nebenstraßen durch Kompagnien einzelner Korps besetzt, die durch Schrapnellseuer und Minen die Warschauer Straß« unter Feuer nahmen niid so den dort sitzenden Spartakisten von alle« Seiten zu Leibe gingen. Jmzerhalb einer Stunde mußten die Aufrührer sich an allen St e lleastzu rückziehen. Die Truppen stießen vor und machten zahlreiche Gesangen«. Ferner wurde ein den Spartakisten gehörige» Geschütz an der Boxhagener Straße sowie zahlreiche Maschinengewehre und Flinten erbeutet. Di« gesamte Warschauer Straße bis zur Boxhagener Straße ist nunmehr frei. Die Besetzung Lichtenbergs vollzog sich am heutigen Vormittag fast kampflos. Das Truppen- aufgebot, da» die Einkreisung der Stadt vornahm, war außer. ordentlich stark. Bei der Irrenanstalt fand man zwei schwere Ma- schinengewehre uirlT einen Wagen voll Munition und Handgranaten, welche die geflüchteten Kommunisten haben stehen lassen. Auch sonst wurden zahlreiche Waffen gefunden. Die Truppen greifen fortwährend verdächtige Personen auf. die sich nicht legitimieren können. Alle Gefangenen wurden unter sicherer Bedeckung nach dem Berliner Polizeipräsidium gebracht. Um 2 Uhr mittag» haben sämtliche einrückende Truppe» den Befehl, sich am Rathaus m Lichtenberg zu vereinen. Der Bahnhof Fraukfurter Allee geuomme«. Im Verlauf der heutigen Operationen ist der Verbinder und der Ringbahnhof Frankfurter Allee von Regierungstruppen ge- nommen worden. Mehrer« Gruppen Spartakisten wurden gefangen genommen. Die RegiecungStruppen haben das gcmze Gelände be- fetzt und gehen jetzt an die Säuberung der einzelnen Häuserblock». Die Truppen wurden von den verängstigten Bewohnern mit lautem Jubel empfangen. Haussuchungen in der Hutten- und Beusselstraße förderten große Waffenmengen zutage. Bei Durchsuchungen in den besetzten Stadtteilen wurden heute nacht 4 Spartakisten, die bewaffneten Widerstand leisteten, festgenommen und standrechtlich erschossen. Bei Aushebung eines Spartakistennestes in der Gegend Mich des Alexanderplatzes wurden 20 Polen gefangen genommen:.Heute früh hat der planmäßige Angrist gegen Lichtenberg begonnen. Wastenfuche i« Berlin ffl und 0. Seit dem heutigen Morgen findet eine riefeichafte � Durch- suchung de» gesamten Osten« und Nordens nach Waffen durch die Brigade Roinhard stat�. Di« Danziger. Elbinger und Peters- und~ burger Straß«, die Bernauer« Bruunenstratz« sowie die Lothringer-, Iosttz- und Barnfinstraß« sind hermetisch abgesperrt. Niemand kann die abgegrenzten Häuserblock» verlassen. Selbst die in den Kirchen angesagten Einsegnungen mußten ausfallen.' Angriff auf die Kaserne des 3. Garde-Regiments. In der vergangenen Nacht gegen 12 Uhr wurde auf die Kaserne bei S. Garde re�iments in der Wrangelstraße von den Dächern der umliegenden Hauser ein Angrist mit schweren Maschinengewehren gemachr. Die sofort alarmierten Mannsthosten schlugen den Angriff mit Maschinengewehren und Granatseuer ab. Das Regiment h« sofort die Durchsuchung der Häuser nach den Schützen vorgenommen. Der Soldatenrat versichert, daß wenn sich ähnliche Angriste wieder- holen sollten, die Angreifer sich auf einen ähnlichen Empfang ge- jcstff machen können. Die Wiederanfnahme des Eisenbahnverkehrs. Di« Wiederaufnahme de» Stadtbcchnverkehrs dürste, wenn die Gleisanlagen auf dem Bahnhof Frankfurter Allee nicht allzu schwer beschädigt find, wie die Eisanbahnbirektion mitteilt, noch im Laufe des heutigen Tage» erfolgen. Damit würde auch der Zugverkehr nach Strausberg und Kaulsdorf möglich sein. Die Bahnstrecke wirb militärisch stark gesichert werden, um die Hernr�ringung von Lebensmitteln, die gegenwärtig nur bis Strausberg erfolgen konnie. sicherzustellen. Man kann auch damit rechnen, daß nach der Wieder- aufnahm« de» Betriebes in Lichtenberg die nach Küstrin fahrenden Züge umgebend wieder eingesetzt werden. Die Störungen' des Eisenbahnbetriebes in der letzten Woche haben auch die Kohlenkalamfiät noch wesentlich vergrößert. Es war fast unmöglich die au« der Lausitz kommenden Kohlenzüge heran- zuführen. Auch daS Kohlenlager aus dem'Lichtenberger Güter bahn- Hof war durch die Unruhen natürlich wicht erreichbar und so tritt ewe weiter« nicht unwesentliche Verzögerung« der Belieferung der Verbraucher mit Hausbrand an. Die preußische Lanöesversammlung. Zu ihrem Zusammentritt am IS. März. Viel schärfer als der Zusammentritt der Deutschen Na- tionolversammlung zeigt die Eröffnung der preußischen Landesversammlung den ungeheuren Wandel der Zeit. Denn im Reich bestand schon vor der Revolution ein annähernd gleiches Wahlrecht, das zivar verbesserungsbedürftig war, aber seinen demokratischen Grundcharakter nicht verleugnete. Darum hat man auch, nicht zur allge- meinen Freude, eine weitgehende Aehnlichifeit der Nationalversammlung m Weimar mit dem verflossenen Deutschen Reichstag feststellen können. Schon der alte Reichstag lieferte ein ziemlich getreues Spiegelbild der deutschen Volksmeinung, jetzt ist der Spiegel verbessert, das Bild hat sich aber wenig geändert. Ganz anders in Preußen. Hier hat dir weiland„Volks- Vertretung" den Volkswillen nur in greulicher Verzerrung ge- zeigt. Das Dreiklassenwahlrecht war das stärkste Bollwerk, das sich dem Aufstieg der deutschen Arbeiterklasse entgegen- türmte. Diese seine Bedeutung hat schon Ferdinand L a s s a l l e erkannt. Die Gründung deS Kaiserreichs und die Einführung des gleichen Reichstagswahlrechts lieferte zwar die Mögllchkeit, die Junkerfcste strategisch zu umgehen, sticht aber sie zu nehmen. Zu Beginn des neuen Jahrhun- derts begann die deutsche Sozialdemokratie immer klarer ein- zusehen, daß auf dem Felde der preußischen Verfassung die Entscheidungsschlacht im Klassenkampf geschlagen werden müsse. Kurt E i S n e r. Eduard Bernstein und ebenso der jetzige preußische Ministerpräsident Genosse Paul Hirsch haben sich um diese Erkenntnis in hohem Grade verdieist gemacht. ES kam die Aero der erbitterten Wahlrechtskampfe, der Straßendemonstrationen und der Debatten über den p o l i- tischen Massenstreik. Leider vermochte sich aber die Arbeiterschaft nicht zu der Erkenntnis aufzuraffen, daß der Gewinn des höchsten staatsbürgerlichen Rechts den Verlust des Arbestslohnes einer Woche wert sei. Heute ist eS klar, daß eine entscheidende Wendung Deutschlands zur Demo- kratie vor dem Kriege die Weltlage aufs nachhaltigste be- einflußt und dem Verlauf der Dinge in der Auswärtigen Politik eine ganz andere Wendung gegeben hätte. Aber eS hat keMN Zweck, über ewig Verlorenes nachzugrübeln. Ätz' die Spitze derer, die den Massenstreik für Greußen wollten, stellte sich Ludwig Frank mit seiner faszinierenden Beredsamkeit. Die Enttäuschung über den Mißerfolg seiner Bestrebungen gehörte zu den Hauptursachen, die ihn als Freiwilligen ins Feld und in den Tod, trieben. Keinen Augenblick verlor Frank daS Ziel aus dem Aw«: die Demokratisierung Deutschlands, die allein dem Sozialismus die Bahn brechen konnte. Nachdem die Massen versagt hatten und der Krieg als unerbittliche Tatsache über Europa ge- kommen war, sah Frank keinen anderen Weg mehr vor sich als den der Landesverteidigung. Ein Gedanke, den später Scheidemann sehr schön in die Worte gekleidet hat, die Arbeiterklasse müsse Deutschland verteidigen, um eS für sich zu erobern. Führt man all die? in seine Erinnerung zurück, so wird es einem schwer zu fassen, daß ein Test der Arbesterklasse heute den Zusammentritt der nach steiem Wahlrecht ge- wählten prcußiscken Volksvertretung mit einer Art stumpfer Gleichgültigkeit entgegensieht, und fast möchte man glauben, der konservative Spötter Kreth habe recht ge- habt, als er in einer der zahlreichen Wahlrechtsdebatten, die den ganzen Krieg begleiteten, die höhnische Bemerkung machte, den Arbestern sei eine Wurst lieber als daS preußische Wahlrecht. Wir erkennen zugleich den dumpfen Unverstand derer. gegen die wir die eroberte Demokratie in Preußen und Deutschland heute verteidigen müssen. EL find Leute, die unsere Kämpfe nicht mitgekämpft, unsere Leiden nicht mitgelitten haben, unsere Erinnerungen nicht teilen. Es ist der„Unverstand der Massen", von denen wir einst im Liede sangen, dah er der Feind ist, den wir am tiefsten hassen.„Das gleiche Wahlrecht ist das Zeichen, in dem wir fiegen", hieß es in dem gleichen Liede. Das gleiche Wahl- recht und nicht die russisch-bolschewistische Räterepublik. gleiche» er- I. � west- aus stärkste Partei, diesmal auch in Deutzen noch nicht die Mchrhest gewonnen hat. Wie zum deutschen, so hegen wir auch zum Volke Preuhetts das Vertrauen, daß es nach allen Irrungen und Wirrungen dieser stürmischen Zeit über die Demokratie zum So�lismvs emporsteigen wird unter Füh- rung der alten Sozialdemokratischen Partei, die ihm. stets die Fahne de5 KtahlrechtSkanipfes vorangetragen hat und die nch heute auf den Trümmern der Junkbrbastille als Sieger sühlen darf. *- Die Demokratisierung Preußens bedeutet für diS weitere Entwicklung Deutschlands zunächst freilich eftoas Negatives: die Hinwegräuntung eines Hindernisses. Eine Reihe der allergrößten Ausgahen wird damit zugleich auf das Reich übergehen. Die bergbauliche Urproduktion und das Verkehrswesen bilden das wirtschaftliche Rückgrat des Staats, es kann aber heute schon als ausgemacht gelten, daß die großen Aufgaben der sozialen Umgestaltung, die hier zu losen sind, nicht von Preußen, sondern von der deutschen Gesamtrepublik zu leisten sein werden. Damit hört Preußen auf zu sein, was es war. Und feie sich auf wirtschaftlichem Gebiet die Zentrali- sation mit unerbittlicher Notwendigkeit durchsetzt, so auf politischem die Dezentralisation. Preußen war pokitisch nur als Adels- und Militärmonarchie möglich, durch sein Dreiklassenwahlrecht erhielt es innerhalb des Reichs sein besonderes Gepräge, die Verwaltuma war gleichförmig bureau- k�atisiert und der Oberpräsident jeder einzelnen Provinz eigentlich nur der Statthalter des Königs von Preußen. Ein freier Staat wird diese gottgewollten Abhängigkeiten nicht aufrechterhalten können, er wird die Provinzialvemxiltung auf demokratische Grundlage stellen und ihre Spitze tpird uyht mehr in dem Maße wie bisher von Berlin abhängig lein, sondern im Vertrauen der Provinzialbevölkerunß, des Stammes seine feste Grundlage finden. Es ist zweifellos das Verdienst des Staatssekretärs Dr. P r e u-ß, dieie notwendige Entwicklung klar vorausgeschaut und ihr Ziel in 'einem Entwurf einer deutschen Reichsverfassung ausgezeigt zu haben. Wir müssen uns davor hüten, auf diesem Gebiet konservativen Tendenzen zu huldigen und aus Gefühls- gründen vor■Unerbittlichen Tatsachen die Äugest zu schließen. Vreußen ist nicht mehr und kann nie wieder'�zrden, was es ivar. Es wird vielleicht eine Zeitlang noch als ein besonderer Verband demokratischer Halbstaaten innerhalb des Reiches fortbestehen, aber die Hauptgrundlagen seiner Sonder- stellung hat es unwiederbringlich verloren. Die preußische Landesversammlung hat zunächst die Aufgabe, eine Regierung einzusetzen, die auf dem Willen der Volksvertretung beruht und eine provisorische Verfassung zu schaffeil. Der Charakter des Provisorischen, des Vor- läufigen kann hier gar nicht scharf genug betont werden, man muß sich davor hüten. Tatsachen zu schaffen, die mit der notwendigen Entwicklung nicht in Uebereinstiinmung stehen und über kurz oder lang doch von ihr'wieder hinweg- geräumt würden..„Preußen rn Deutschland voran", konnte nur gelten, so lla«ge der Vordersatz galt:„Der König in Preußen voran." nySDeritschland in der Welt voran!" möge immer bleiben. dW nicht im alten monarchisch-preußischen Sinne kriegerischer Weltbeherrschrrng, sondern rm Sinne un» ermüdlicher Pionierarbeit für den sozialen, kiilturellen, geistigen Fortschritt der ganzen Welt. DieTagungöeö3nternationalenvölkerbunK- kongrejles. Das Welkarbeitsrecht. Veen, 11. März. In det heutigen zweiten Sitzung des In- t'er nationale» Völkerbund kongresses wurde eine Entschließung angenommen, nach der von den neutralen Mitglie- Hern verlangt wird, daß die noch i» den Händen der feindlichen Mächt«' befindlschen Kriegsgefangenen ungesäumt Meigelassen werden sollen. Ferner wurde eine Entschließung üver die internationale A r be i t« rgese tz g ebu ng, die ein der internattonalcht Regelung des Arbeitergesetzes die Aufgab« Sücherei nnö Volks Hochschule. � Von Dr. Pi eth- Charlotten&urg. In dem Streit für die Verwirklichung der Einheitsschule, die den gemeinsamen Unterbau für die VoltSbildung schafwn soll, werden die Vorkämpfer der Einheitsbücherei(der allMtteinen öffentlichen Bücherei) und der Voltzhochschule. die beide Mmein- sam aus dem Fundament der Schulbildung den eigentlichen Bau aufführen werden, besondere Erwartungen an dir allernäckHe Zeit knüpfen können. ES geht ja dabei längst nicht mehr um Dinge, dir nur die Zunstkrihse berühren, sondern um daS zielbewußt« Be- schreiten einesaWeges, der mit zur Einheit der geistigen Entwick- lung de? ÄolWmzen führt. Die neuen Volksvertretungen wer- den vor allem diesem für die Kulture�iwicklung außerordentlich wichtigen doppelten Problem ihr- besondere Aufmerksamleit zu schenken haben, um die so lange zugunsten einer kleinen Minderheit planmäßig betriebene Verschiebung des Gleichgewichts aufzuheben. Die ösfeniliche Bücherei ftzi alle Mitglieder des Gemeinwesens und die öffentliche Hochschule sind die berufenen Vermittler der Volks- bildung und Unterweisung für die gesamte erwachsene Bevölkerung. Wir stehen mit den bestehenden Instituten in der Deutscher! Rrxu- blit erst im Anfange der kulturnotwendigen Bewegung. Viel freu- böge und sruchtbare Arbeit wurde in ihnen für da? Volksgaklze bereits geleistet, aber ihre Bedeutung war durch Hemmnisse örtlich meist stark begrenzt und. an den reich ausgestatteten rein wissen- schaftlichen Staats- und Gemeindeinstituten gemessen, in der Regel nicht entfernt so ausschlaggebend, wie ihre hohe Zielsetzung eS erforderte. Und innerhalb ihreS Kreises gab eS wiSderum Spal- tpngen, die im Wettstreit einen Ansporn in sich bargen uird zu einzelnen Verbesserungen führten, aber von dem größeren Ge- danken ablenkten, eine Gemeinsamkeit der Arbeit zwischen öffentlicher Bücherei und öffentlicher Hochschule herbeizuführen. Beide Institute haben gleichgerichtete Ziele: Kennwisse zu »»rmehren und die Bildung zu fördern. Beide Institute sind dabei aufeinander angewesen. Im Streite der Meinungen hat man dies wenig beachtet.' Ter Ausleihschalter der allgemeinen tzfent- lichen Bücherei ist kein Katheder; wohl muh in einer solchen Bücherei- der AuSleihbeamte auf seinen Beruf allgemeinwissenschaftlich so- zialpädagogisch und büchereitechnisch gründlich auch für den mitt- leren Dienst vorgebildet sein, um Rat und Hilfe erteilen zu können. Die wichtige Mitarbeit d-r öffentlichen Hochschule aber kann die Bücherei letzten Endes nicht entbehren und es wäre eine unheil- volle Verschiebung der Gewichtsverteilung, wollte man jetzt, wo die Möglichkeit einer wechselseitigen Verbindung beider Institute gegeben ist. diesen Weg nicht beschreiten.— Die Vorträge der chu ök tobest den Grundstein an legen für die Erreichung des Doppekieles: Kenntnisse zu vermitteln und die Bildung zu fördern. Der öffentlichen Bücherei aber bleibt ,eS vorbehalten, diese An- v«MMge» durch planmäßige Vermittlung ihrer geeignete» Bücher» des Völkerbundes sieht und in der praktischen Anwendung der Ge- setzgebung sich auf die Beschüsse der Berner internationalen Ge- werkschaftswnferenz stützt, angenommen. Ein Zusatzantrag be- stimmt, daß die Frauen für gleiche Arbeit wie die Männer gleiche Löhnung erhalten sollen. Ein weiterer Zusatzantrag» der Berücksichtigung der Arbeiter- und Sol- datenrät« verlangt, wurde von Einstein tDeutschland) unter. stützt. Longwy tVereinigte Staaten) machte auf die gefährlichen Folgen aufmerksam, die sich bei einer solchen Berücksichtigung des RäteshstemS für die Alliierten ergeben würden. Eine Entschließung über die K o l o u i a l f r a g e, die Dr. Erich �Schweiz) mit dem Bemerken einbrachte, daß für alle Völker, gleiches Recht für die Kolonien gelten müsse, gelangte einstimmig zur Annahm«. Di« Entschließung steht auf dem Boden der Wilsonschen Punkte über das Koloniplproblem und verlangt ein besonderes Amt für die internationale Ueberwachung der Verwaltung aller Kolonien, die kein« Selbstverwaltung besitzen. Die vor der Errichtung des Völ, kerbundcs gegen die Verwaltung eines Kolonialstaates �erhobenen Anklagen sollten yerechterweise nur von einem unparteiischen neu- iralen Gerichtshof beurteilt werden.> Der Zeitpunkt ües Zmöensfthwffes. frühestens Mitte April. Amsterdam, tS. März. Wie Reuter auS Paris mekdet, er- klärt« L an sing in einer Unterredung mit Vertretern de: Presse, daß so rasch wie möglich Frieden geschlossen und Schifte mit Lebensmitteln nach Deutschland geschickt werden müssen, um die Welt vor Anarchie zu bewahren. Paris, 11. März.(Reuter.) Trotz aller gegenteiligen Erftä- rungen wird von autoritativer Seite die Ansicht ausgesprochen, daß der vorläufige Friedensvertrag frühestens Mitte April ge- schlössen werden kann. Wilson auf üer§ahrt nach Europa. New Aork, 11. März.(Reuter.) Präsident Wilson ist er- kältet und hält sich auf Anraten des Arztes den größten Teil das Tages in der Kabine auf. Man erwartet, daß der Dampfer George Washington am" tZ. März in Best ankommen wird. Wilson fährt sofort nach Paris welter. Auf drahtlosem Wege wurde abgemacht, daß am 14. März eine Sitzung der Friedens- konferenz stcrttsinden fall. Hetzereien öes Nsichsmarineamtes. Beleitziguug deS ReichStvehrministerS. Das Nachrichtenbureau des Reichsmarineamts versendet Mit- teilungen an die Presse, die als Aeußerungen einer amtliche»� Stelle stärkste? Befremden erregen müssen.■ Da ist u. a. eine ZuscMft des Kapitänleuinant v. Müller, der gl-mbt, die Marineang hörigen gegen den„Vci'wuriklder Urheberschaft der Revolution in Schutz nehmen zu müssen,«as geschieht in recht eigenartiger Weise. So schreibt Hetr v. Müller zum Beispiel: Es ist doch eigentlich jetzt genügend bekannt(k) und gerade dtirch Zeugnis'se auS�dem revolutionären Lager belegt(!1), von wcM und wie die Revolution in Deutschland seit Illlv planmäßig vorbereitet worden ist. Die Früchte dieser mit englischem und russischem Geldc unterstützten Wühlarbeit wuchsen nicht nur in der Marine, sondern auch in der Armee. An anderer Stelle heißt eS: Uebcrall gibt es eine Anzahl ü h l e r E l« m en t e; die Revo» lution hat gerade diese in den Vordergrund geschoben. DäS ist doch ienn eine ziemliche Portion Unverschämtheit. Der ReichswehrMinistcr Noske hätte danach allen Anl»ß, die ihm unter- gegebene Stelle des Reichsmarinsamt�iebst dessen Pressechef Kapitän» leutnant-v on NoblinSki zu fragen, ob sie ihn vielleicht auch zu den„üblen Elementen" rechnen, die die Revolution in den Vorder- grund geschoben hat. Wir gestatten uns die Anfrage, ob das ReichSmarineamt der jetzigen Regierung untersteht oder ein dentschnationales Propaganda- institijt für sich bildet. bestä««� zu wirklichen Kenntnissen und Erkenntnissen auszubauen. Das eigen« Arbeiten an der Erfassung deS behandelten Stoffes an Hand geeigneter Biiäher, das selbsttätige Studium, bringt erst dem Hörer als geistigen Arbeiter den ganzen Ertrag des Aufgenom- menen. Neue Fragen werden dabei auftauchen und so die Wechsel- Wirkung herstellen, die zwischen Bücherei und Hochschule in stetem Flusse bleiben muß. So wird vor allem auch das Wenbewußlsein entstehen und gestärkt, das die erste Vorbedingung für den Bücher- benutzer sein muß. wenn er zu setner Bildung lesen will. Die allgemeinen öffentlichen Hochschulen haben einen wfsent- lichen Vorspruna nach dieser Richtung vor den Universitäten: sie kennen keine PrüsungS- und BerechtigungSsragen. Sie werden darum d�n altgemeinen grundlegenden, den grundwissenschaftlichev Fragen mehr Pflege ängcdethen lassen zu können, als das in der Zeit des Bratstudiums sonst meist der Fall ist. Nicht ausschließ- liches Fachwissen, sondern auch Grundwissenschaft tut in erster Linie heute not. Sie ist nicht lebensfremd, sondern lebenbefruch- tend; sie entspringt dem Leben und stützt sich auf das Leben und zeigt sein« tieferen Zusammenhänge; sie ist. nicht SpezialWissen, sondern Wissen vom Allgemeinsten; sie bereitet allem Fachwissen erst den Boden und ist sich dieser bedeutenden Ausgabe gerade für die Zeit spezialisiertesten Wissens wohl bewußt. Tiefe und Gründ- lichkeit, keine Halbheit! Das ist ihr Mahnruf. Darum müssen unsere volkstümlichen öfsentlichet, Bibliotheken auch in den wissen. schaftlichen Beständen die grundlegenden Werk« aufweisen, damit ihre Benutzer auch zu den� Quellen hinabsteigen können. Da aber fehlt eS noch häufig auf Schritt und Tritt. Ts muß in jeder be- deutenden Stadt— auch in jedem größeren Berliner Vorort— eine Zentraldücherei(Stadt bücherei) bestehen, die dieses wissen- schaftliche und belehrende Rüstzeug jedem ernstlich Suchenben ohne Unterschied zur Verfügung stellt und mit sich«inen Kreis von weigbüchertien fBücher- und Lesehallen) eng verbindet, die als ilialest in den Stadtvierteln untergebracht sind und neben einem eigenen Bücherbestand allgemeinbelehrender und schöner Literatur stete unmittelbare Verbindung mit der Stadtbücherei(Zentral- büchetsi) haben, um auS den dortigen Beständen da» Gewünschte herbeizuschaffen. Dieser Weg hat sich als der beste praktisch er. wiesen. Die Siadtbücherei(Zentrale) und die öffentliche städtische Sochscbule aber sollten auch räumlich«Inander angegliedert sein. AIS gleicbtfertTge Institute haben sie in steter Wechselwirkung eist einheitliches Ziel. In Chariottenburg und anderen Orten fänden, solange Neubauten für diesen Zweck noch nicht errichtet werden können, ehemalig königliche Schloßgebäude dafür sicherlich die beste Verwendung. Die Volksbildungsinteressen erheischen ganze Ar» beit auch in der Raumfrage: die beute längst unzulänglich ge- wovdene Unterbringung von Büchereien, die täglich von Tausenden i« drangvoller Enge aufgesucht werden, widerstkeitet der Zielsetzung und der Bedeutung der Anstalt, Von dauernden Flickwerken aber sollte man gerade bei solchen wichtigen Instituten, die dem Volks- ganzen dienen, endlich abaeben, will man ibre Zukunft und ihr« volksbildnerischc ArbeitSentsaltung nicht ernstlich schädige», viele Lebensmittel für öen InSuftriebeMk. AuS Duisburg wird gemeldet: Mit einem Dampfer der Rhein- und Secschiffahrt-Gesellschaft Köln traf heute hier der erste Lebensmittel transp ort für den hiesigen Jndustriebczrrk ein. Es handelt sich um etwa SSstll Sack W e i z e n m e hl. Eine Schwalbe, die freilich noch keinen Sommer Macht. vereitelter putstb versuch zu Srestau. Berliner Spartakisten alS Mhrer. Der VolkSrat gibt bekannt, daß Mittwoch früh die wichtig- sten öffentlichen Gebäude Breslaus durch schlesische Trup- Pen auf Befehl de« Generalkommandos im. Einvernehmen mit dem Zentralrat uns mit dem Zentralfoldaien- rat für Schlesien besetzt wurden. Man hatte einen verbreche- rischen Anschlag entdeckt. Berüchtigt« Berliner Sparta- kistenfü-hrer waren in Breslau eingetrosien�um die öffeniliche» Gebäude zu besetzen und Hann Breslau der Plünderung preiszu- geben. Der Plan war in- ollen Einzelheiten durchgearbeitet. Durch seine Aufdeckung konnte im letzten Augenblicke unabsehbares Unglück von Nreslau abgewandt werden. Zur Verhsstung öerLiebknechttransporteüre Schon vor Ausbruch der Unruhen erfolgt. Die„Freiheit" hat gestern behauchtet, die Verhaftung her aus vier Oftizieren bestehenden Begleitmannschaft, bei dem Verhängnis- vollen Transport Liebknechts, fei erst infolge des Generalstreiks geschehen. Demgegenüber wird von zuständiger Stelle rklärt, daß die Vrhaftung in keinerlei Zusammenhang mit dem Streik steht, auch gar nicht stehen konnte, da sie bereits cim 1. März von dem Kriegsgerichtsrat Jörns bei der Regierung i-n Weimar als vollzogen angezeigt worden ist. Der Generalstreik begann aber erst einioe Tage später. Die Verhaftung sei in dem Augenblick erfolgt, als sie sich auS dem orbnungs mäßigen Gang des Gerichtsverfahrens ergab. öürgerkmg und preßfreiheit. Die„Freiheit" fordert uns auf, noch kräftiger als wie es bis- her getan, für die Aufrechterhaltuug der Preßfmiheit einzutreten.. Sie fordert, nachdem das Verbot gegen sie sehr rasch wieder aufge- hoben worden ist, auch die Wiederfreigabe der„Republik", und wir stehen keinsn Augenblick an, uns diesem Wunsche nachdrücklich anzuschließen. Hoffentlich wir) nun aber auch die„Freiheit" sich dazu aufraffen, die systematische Unterbindung der PreßsreGeit durch die Spartakisten entschieden zü verurteilen. In dee Spartakus-Woche des Januar haben wir in der„Freiheit" vergebens ein Wort gegen die gewaltsam« Besetzung des„Vorwärts" gesucht, und den Wünsch nach seiner Freigabe, die zugleich die Rettung zahl- reicher Menschenleben bedeutet hätte, jauch nicht entfernt angedeutet gefunden. Die Grenzfeftftellung in Westpreußen. Tanzig- Neufohrwasser ein polnischer Hafen. Verls, 11. März.(Reuter.) Der F r i«Ae n« r a t behandelte die Frage der d e u t sch« n G r e n z e n. Es besteht Grund anzu- nehmen, daß der Rat der Forderung Polens nach AuShändi- gckng von Danzig- Neufahrwasser und deS Land- streifens längs d« S Weichseltal e'S, der die neuen pol» nischen Häsen mit Polen verbindet, stattgeben wird. tzekmketze See Deutfthen aus ött Türkei. Der Abtransport unserer bisher noch i-n Haidar-Pafcha bei Konstanttnopel internierten Truppen— 18S0V Mann— ist nach den Mitteilungen m der Waffenstillstantzskominission in vollem Gange. Eine Reihe von Schiften mit insgesamt S00 Mann sind bereits von Konstantinopel abgefahren. Der Rest soll folgen. Bei den von Hatdar-Pascho abzutronsporkierenden Deutschen handelt cs sich um Truppen; die deutschen Zivilpersonen sollen be- reitS über Italien abtransportiert worden sein. Groß Berliner Gemeinden haben zwar prächtige Schulen, abeB nur dürftige oder gar keine öffentlichen Büchereien: ein Zeichen dafür, wie gering vielorts noch das Perständnis für die Einrichtung ist. die im Mittelpunkt« des geistigen Lebens ihren Platz hat. Die neue Zeit wird hier gründlich Remedur zu schaffen haben, Notiien. — Ludwig Hardt spricht morgen, Donnerstag, 8 Uhr, Meistersoal, zu»-: größere Prosastücke von Jean- Paul:„Rede d-S toten Christus vom Weltgebäich« herab, daß rein Gott sei" und»on Wsdekind: Rabbi Esra": dazu Verse von Goethe, Claudius. Trakl, Li-T»i-Pe, Karl Kraus Worte in Versen I— IV>.— Sonntag. 16. März, gibt er im Bechsteinsaal einen„Frohen Abend": Wied. Reuter, Morgenstern. Märchen, zwölf„Porträts" Berliner Schauspieler. — Revolutionsdichtungen. Oskar Ludwig B r a n'b t pnd Margaret« Ja c o by geben am Dienstag, den 18. März. f-iS llhr, einen Revokutiondabend im Meistersaal. Die Vortrags- folge, die der im VorwäriS-Verlage erschienenen Sammlung„Von unten aus" entnommen ist, enthält unter dem Titel..Licktdrang, Kampf, Aufschwung" Divbtungen von Goethe, Ada Neari. Arno Holz, Dehmel, Heine, Ibsen, Lassalle, Freiligratb/ Veranaer, Jmmermann, Renner u. a. Karten bei Wertheim, Bote u. Bock und an der Abendkasse. — Sturm-Aus st ellung. Expressiontstische Gemälde Und Plastiken von William W a u e r sind auf der März Ausstellung de? Sturm ausgestellt, unter anderem zwei neu« Porträtbüsten von Albert Baffermann und Rudolf Blümer. — Die Vorlesungen der Humboldt- Hochschule in ver Georgenftr. 36/31 sind wieder«ufgenommen worden.' Dia Vorlesungen aus dem französischen Gymnasium ReichStagSufer 6 werden nach der Georgenftr. 36/31 verlegt. — Die erste deutsche UniversitälSdozentin. Di« Medizinerin Dr. Adele Hartmann, die auf Grund einer Arbeit aus dem Gebiete morphologischer Wissenschaft in München habitiliert wopden ist, bestreitet in einer Zuschrift an»ns daß die Revclufion dte erst« Pripatdozentin in Deutschland geschaften habe. Diese Möglichkeit sei„schon lange vorher" gegeben gewesen. Ihre Arbeit habe mehrere Jahre Intensiver Tätigkeit gefordert und sei im Einverständnis ihre» CbefS unternommen wo den, in der Ab» ficht, sie der medizinischen Fakultät zwecks Zulassung zur HabilU tation einzureichen.„Ich habe die Arbeit Ende des IahreS ISIS begonnen, dieselbe der Fakultät vorgelegt im Mai 1613. Die Fa- kultät entschied für Annahm« am 21. Juni 1618, der HabilitationZ- akt war am 26. November 1618 zu Ende. Di« Revolutwn ist nicht au» blauer Lust hereingebrochen. Die» selben Ursachen aber, die den 6, November reif werden ließen� haben«nch mchgetrirkt, der weiHlichen Dozentenschaft in Deuiich- lant> endlich die Hindernisse aus dem Weg« zu räumen, di,e bisher unüberwindlich waren. Was Adele Harimann erreichte, ist nicht eine Folge de» 6, November, abckr ein Revolutionszeichen bleibt es. und darauf kommt es an. / Die Seri�terftattung öes„vorwärts�. Ter Lichteuberger s�all. In der Vollversammlung der sozialdemokratischen Ver- trauensleute von gestern sagte Genosse Brolat nach dem vorliegenden Bericht: Früher waren wir stofz darauf, daß der„Vorwärts" m der Berichterstattung durchaus zuvcrtässtg war, wenn er auch manchmal,,,. hinter der bürgerlichen Preß« herhinkte. Jehl ist da» leider anders �'r®'Ie*J-1 geworden. In her Lichtenberg e-r Angelegenheit hat der„Vorwärts einen unwahren Bericht gebracht. GeWerffchLflsbMWMg Lshnbewegutlg der Kriegshilfökräfte tkVilmersdorsS. Seit Januar d. I. haben die beim Magistrat Wilmersdorf b«» schädigten KriegShil-Skrüste— vertreten durch den Verband der Eur auangestellten und den Fentralverband der.Handlungsgehilfen sich veteMgt«. Die Arbeit erfr an bat ihr« dvr» GiMSg« und Krähe» »nljlandenen Verletzungen durch einen Arzt bestbernigen lasseit und gegen den Sohlen hätidler einen Strasantrag eingereicht. An der historischen Bemerkung des Genossen Brolat ist i wium, von 40 Vroz. ZuschlA zu den jetzt grzahtten Tagegeldern nur die ersZe.Hälfte richtig, daß nämlich der..Vorwärts" � früher In der Ber chterstattung hinter der bürgerlichen Presse, ,s. Wr,�'. ,% ang�ei«n'unKr Magistrat«lei!«eitig unter Hi.� herhinkie, �rrtumer und ihm aber auch damals mcht erspart weis auf die bittere Not unter den mit Tagegeldern entlohnten /T n � l r-3 fw,>, Yvr»r» am. ,3 nm 1�. v»*4- a aV»-» avSam am 1 Ätctö.;....... e. r!. r. c._____ r r.i___. f t t_ Das Fleckfieber. In der Wache vom 27. Februar bis 6. März wurden in Deutsch, ;_______ D________... land 169 Fleckfiebererkraniungen mit acht Todesfällen, davon tch Lohnfo.dernngcn eingereicht, ohne daß ihnen bisher auch nur in � B e r l! n 23 Erkrankungen, sowi« 151 Pocken erkrankungen mit endeiner Weise entgegengekommen wäre, drei Todesfällen, davon in Berlin«in« Erkrankung gemeldet. Infolge dieser nick>tcich!cnden Art der Behandlung ihrer Eingab« verschiedentlich werden Flecksiebererkrankungen alS Influenza .........~*----- angesehen, lrahdem die Erkrankten erst vor kurzem aus dem Osteu nach Deutschland gekommen waren. Fieberhaste Erkrankungen bei ! Personen, die aus Rußland, der Ukraine und Polen komme», müssen stets den Verdacht auf Fleckfieber hervorrufen. haben die Hilfsarbeiter in einer Vollversammlung am 2S, 2. d. I j einstimmig beschlossen, den Magistrat um Bewill'gunq eines P wvl» geblieben, wie an manchem berühmt gewordenen Fall leicht zu enveisen wäre. Der Bericht von der Erschießung der ISll ist von der ganzen Berliner Presse gebracht Worten, auch der„Vor- wärts" konnte ihn daher seinen Lesern nicht vorenthalten. Wenn er sich nachher als übertrieben herausgestellt hat, so steht doch leider fest, daß auf.spartakistischer Seite vor Ver- hängung deS Standrechts grauenhafte Mißhandlungen und Ermordungen von Gefangenen vorgekommen sind. Die Nachricht von der Massenerschießung erschien daher von vorn- herein nickst als unwahrscheinlich. Wenn die bekannten Feststellungen des Vollzugsrats dem„Vorwärts" verschwiegen, dagegen der„Frei- h-it" zur tendenziösen Ausschlochtung gegen den„Vor- wärt»" übergeben wurden, so ist daS Spiel, daS hier von einer bestimmten Richtung im VollzugSrat getneben wurde. sehr durchsichtig. Parteigenossen täten besser, es nicht zu unterstützen. Redaktion des„Vorwärts". vollvstsammlung öe? unö S.-Näte. Berlin, 12. März 1919. Die beute vormittag um 11 Uhr im Germaniaiaal eröffnete Vollversammlung der Arbeite-- und.Toldaienräte Groß-BerlinS nahm den Bericht der Kommisston des VollzugSratS über die letzten Vorgänge entgegen. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragte Hcrrfurt(Kom- munist), die Vertreter der bürgerlichen Presse einschließlich des„Vor- toä.iS* auszuschließen, tveil diese Presse durch lügenhafte Nach- richten daS Pubsiknm gegen die Linksradikalen aufgehetzt habe. Richard Mittler stimmte dem Antragsteller in ver Verurteilung der Schreibtveifc der bürgerlichen Blätter urtd des„Vorwärts" zu, forderte aber die Zulassung der Berichterstatter, damit sie hören und berichten können, was hier gegen die betreffeitden Blätter gesagt werde. Der Antrag Herrfurt wurde gegen eine starke Minderheit abge- lehnt. Nachdem die Tagesordnung festgesetzt war, erstattete Alalzah« den Bericht der Kommission, die wegen Freilassung der auS Anlaß des Streik» Inhaftierten und wegen der ZeitungSverbote mit RoZke verhandeln sollte, aber nur mit einem Stellvertreter NoSkeS, dem Major Gilsa, verhandeln konnte. Der Redner sagte, der Major habe alle GdhaÜd an den oegenwärtigen Unruhen den Unabhängige» und Koinmiinisten zugeschoben, wogegen diese sich entschieden«er- trahrten. Die Kommission bade festgestellt, daß der ganze Sicher- heitvdienst in Berlin m den Händen von Offizieren liege, die einen fanatischen Haß gegen die Radikalen haben. Major Hammerstein habe bei den Verhandlungen gesagt, diesmal wü den die Spar» takisten rücksichtslos niedergeschlagen, auch wenn lln'chuldige dabei leiden müßten. Die letztere Bemerkung habt der Major nach einem Vorbalt de» Redner» abzuschwächen gesucht. MS der Major sagte, die Unabhängigen seien schuld an den Unruhen, da habe da» Kam- «rifstonSmitglied Neue CS. B. D.l bemerkt, da» hätten seine Benoffcti den Unabhängigen auch schon gesagt. Der Redne- verurteilte diese Bemerkung Reue». Hinsichtlich Freilassung der Inhaftiert«» habe die Kommission nicht« weiter erreicht, als daß ihr gestattet werde, die Listen der Staat»anu>altfchaft einzusehen.— Der Retrner hat bei den Verhandlungen den Eind-uck erhalten, daß die Offiziere .durch ihr vorgeben zeigen wollten, daß eine möqrtichsi starke Militärmacht erhalten werde, waS so für die Offiziere eine Existenzfrage fei. _ Büchel(©. P. D.i berichtete über die Verhandlungen de: Kam- Mission betreffend die BiUning einer kommunalen Arbeiterwehr, Die Verhandlungen hatten ktzfn weiteres Ergebnis, als daß der Kommission mitgeteilt wurde, ver Reich«weh'minister könne die An- gtleg-nheit vorläufig nur dilatorisch behandeln. Wegmann sU.(5. P.) gab den Bericht der Kommission, die weaen Zurückziehung der Trnvven auS den besetzten Betrieben und Ge- bieten verhandelt bat. Der Redner besprach die Feststellungen der Kommission in Lichtenberg, die bereit« im„Vorwärts" mitgeteilt sind. ES sei nicht wahr, daß da» Postgebäude durch eine Mine be- schädigt worden sei. sZuruf:.Die ist im Kops de»..Vorwärt»"- Redaktenr» geplatzt.) Im Polizeipräsidium seien nur Lebensmittel mitgenommen worden. ES fei feftaestellk, daß auch au» dem Fnnern des Polizeipräsidiums geschossen worden. Standrechtlich «rschossen sei niemand. Unier den Gefangenen befänden sich zwei Mfiofieder d«r Reinhardtrupve. die von ihren Kameraden wegen Gehorsamverweiaeruno eingeliefert seien.— Her Redner besprach die bekannten Borschläge, die zur Einstellung des Kampfes in Lichtenberg gemacht worden find. No»k« Hab« dem Bürgermeister Ziethen telephonisch erklärt, er sei einversianden mit der Bildung einer Büroerwehr, aber sie dürfe nicht nur au» Arbeitern be- stehen. lZurnf: Der Arbeiter Roske.) Schließlich habe No«ke di« Verbandlungen abgebrochen mit de: Bemerkung: ße gibt keine fiViirjf unpen mehr, sondern nur bedingungslos? Unterwerfung. Ein Offizier in der Umgebung NoSke» habe erklärt, setzt gäbe e« keinen Pardon, die Bande werd« niedergeschlagen.— Der Redner hat den Eindruck, daß die svartakiftrschen Kämpf« kein« Organr- sation baben. Es fei ein Kampf um die Futterkrippe zwischen den_ verschiedenen Truppen Horpe r». Ans spartakistischer Seite kämpfen viele Htzdifferent«. Es sei' nicht der richtige Weg, diesen Kamps mit Gewalt zu Ende zu führen. NoSke steht auf dem Stand. Punkt der Gewält. Da« iderd? ihn einmal wegschwemmen. NoSk» fei nur ein« Drahtpuppe in der Hand deS MasorS Gilsa. Auch die Mitglieder der 3. P. D. sollten sich im Interesse deZ SozialiStnuS gegen d!« Gewaltpolitik wenden. lDeifall.) Hilfsarbeitern ernstlich darauf hingewiesen, daß die Hilfsarbeiter sonst zu Maßnahmen gezwungen sind, welche dem Ansehen der Ver» »paltung Erschütterungen nickt ersparen. Die Forderung deS Pro- vKorfinn» von 40 Proz. Zuschlag gilt für diesenigen männlichen und wrib''ckv»— auch verheiratete» Hilfsarbeiter, welckc Tagegelder von 2.50 bi» 7,50 M. erhalten. Hiervon kommen noch Ve sicherungS- beitrage usw. in Abzug. U eberstunden müssen unbegrenzt ohne jede Bezahlung geleistet werden. Die HiMnrbeiter stehen alle solidarisch zusammen und wenden sich in ihrer bitteren Notlage an den Ge'echfigkeitsssnn aller arbe!» tenden erwerbstätigen Klassen, ihnen zur Durchführung ihrer be- sckeidanen Forderungen zur Vermeidung weiterer Ausbeutung und Eruwarfimg ihrer Arbeitskraft die Sympathien mcht zu versagen. Groß'Jkrlln An unscre�Leser! Durch die Nnrnben sind wir nicht in der Lage, die regekmShlg« Zustellung deS„Vorwärts" an unsere Abonnenten im Osten zu ga» rantirren. Wir bitten unsere Abonnenten, da» eventuelle Ausbleiben deS vlatteS zu entschuldigen. Dir Geschäftsleitung. Mehr Riickficht ans die Bevölkerung bei den militärischen Maßnahmen. Daß bei den gegenwärtigen militärischen Maßnahmen Harten nicht zu vermeiden sind, wird jeder eins oben. Man kann aber ver- langen, daß wenigstens auf die in den betroffenen Stadtvierteln wahnende Bevölkerung die notwendige Rücksicht genommen wird. Daß diese Rücksi cht» ahme aber zuweilen in geradezu unerträglicher Weis« außer acht gelassen wird, beweise folgender Fall: Alle über den Landwebrkanal nach Neukölln führenden Brücken, Kottbuser-, Hebrechtck rücke usw.. sind militärisch besetzt. Am gestrigen Abend gegen 5 Uhr wurde nun dort ein Schild ausgehangen, daß dies« Brücken von 8 Uhr abends bis V Uhr morgens für jeden, also auch Fußgängerverkehr, gesperrt sind. Viele Leute, die wie z. B. im Zeitungsgewerbe Abenddienst hatten oder sonstwie in Berlin beschäftigt waren, konnten natürlich von dieser Hals über Kopf vorgenommenen strengen Absperrung nichts wissen und wurden, als sie die Brücken nach 8 Uhr abends passieren wollten, rücksichtslos zurückgewiesen. Alle Ausweise Halfan nichts. Die Posten erklärten einfach» sie hätten strikten Befehl, niemand durchzulassen. DaS erregt- natürlich unter den zahlreich»« Passanten, die �»ach Neukölln wollten und sich � auch ausweifen konnten, daß sie dort wohnen, starke Erbitternng. Auch der Schreiber dieser Zeilen hatte die gleichen Schwierigkeiten, obgleich er einen von der Kommandantur ausgestellten Ausweis vor- zeigte. Erst nachdem er den befehlenden Vorgesetzten interpelliert hatte, wurde er durchgelassen. Auf seden Fall muß man verlangen. �daß friedliche Passanten, die nach ihrer Wohnung wollen und sich' ausweisen können, durch die Absperrungen durchgelassen werden. Denn man kann doch schließlich niemandem zumuten, auf der Straße zu übernachten. Wenn aber solch strenge Maßnahmen auch dort, wo sich die«igent- lichen Kämpfe nicht abspielen, notwendig sind, dann muß dies recht- zeitig vorher und öffentlich— am. bchten durch die Presse— b�nntgemacht werden, damit jeder sich danach richten und gcge- benensallS äugle, gab er ihr die Antwort, zunächst solle sie ihm Speck und Schinken liefern, damit er sich stärken könne. Dann werd« st«, versprach er, auch ihr» Kohlen»rballen, und er werde ibr die Last iogar in die Wobnung hinauftragen. D e Frau sagte sick. daß Speck und Schinken, wenn sie solche Ge- nüsse be'chasfen könnte, ibr selber nötiger wären ol» dem keines- wegS schwächlich aussehenden Koblenbändler. Nachdem sie wieder mal Wochen bindlirch auf Kohlen gewartet baue, erneuert« sie am vorigen Sonnabend ibre Mahnung, aber da kam sie bös« an. Be> dem Woriwechsel, der zwischen ihr und der Frau de« Händler« enisiand, brachte die sich benachteiligt glaubende Kundin in Gegen- wart anderer Kundinnen zur Sprache, mit welchen Morien sich der Händler über seine Vorl'ebe fiir Speck und Schinken geäußert hatte. Das schlug ein wie eine Bombe, aber den Angriff parierte die Keaenrart-i mit der Eillärung, daS sei damals nur Spaß gewesen. Auf nnhendl'che Wort« folgten Tätlichkeiten, Mit denen die Frau de« Händlers begann und an denen er selber— nicht im Spaß—, Keine Stedtverertznetenverfirmmlung. Wege» der für größere Zusammcniünst« noch immer bestehe rtden Schwierigkeiten fällt die Verpflichtung und Einführung der neu gewählten Berliner Staidd- verordneten morge» Donnerstag au». Die umfen»reich«« Räubereien und Plünderungen, die in de» letzten Tagen während der Unruhen verübt worden sind, komme« erst jetzt nach und nach zur Kenntnis der Kriminalpolizei, der die Bearbeitung der vielen Anzeigen fast unmöglich ist. Do die Räuber und Plünderer von einem Geschäft zum anderen gezogen sind. um sie zu erbreche» und auszurauben oder den Inhaber oder Wächter mit der Waffe in der Hand zur Oeffnung der Räume und Herausgabe der Warenvorräte und de» baren Geldes zu zwing««, fällt es schwer, den bereits verhafteten die einzelnen Verbrechen, an denen sie beteiligt waren, nachzuweisen. Ein« ganze Menge Diebesgut, besonders Goldwaren und Uhren, konnte den Plünde» rcrn wieder abgenommen werden, ohije daß man bisher feststellen konnte, auS welchem Geschäft eS herrührt. Diese Sachen sind im Zimmer 80 bxS Berliner Polizeipräsidiums untergestellt, wo sie von den beraubten Geschäftsleuten bei geeigneter Zeit angesehen werden können.— Mehrere Matrosen drangen in der Besse!» straße in ein Vergnügungslokal ein, al« sich die Gäste entfernt hat» ten. sprangen dem Besitzer an die Kehle und raubten ihm die Brief» tasche mit mehreren tausend Mark. Der Kellner, der durch einen HinterauSgang das Hau« verlassen wollte, um Hilf« herbeizuholen, wurde an der Tür von Spießgesellen der Räuber gepackt und eben- falls feiner Barschaft beraubte In einer Weinhandlung in der Markgrafenstraße erschienen mtzhrere Zivilisten und Soldaten, leg- ten die Waffen auf die beiden allein anwesenden Personen, den Inhaber und den Buchhalter, an und raubten di« Kasse. Vor dem Hause Elßholzstraße 11 wurde der Kaufmann Otto TenmeS aus der Neuen Winterfeldtstrcche 32 von einem Burschen mit dem Revolver schwer verwundet, als«r sich weigerte, sein Geld herauszugeben. Ter Verwundete wurde nach dem Elisabethkrankenhause gebrachi, wo die Aerzte die Kugel entfernen konnten. In der Dessauer Straße 30 drangen drei unbekannt geblieben« Soldaten in die Geschäftsräume de« Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozial- dernokratie ein, banden den Kassenrendanten Sehdel an«inen Etuhl fest und raubten 40 000 M. bares Geld. Die kOUfmSnniiche« Schulen der Korporation der Kaufmann- schal» von Berlin eröffnen ihr Sommerhalbjahr am t. April, Anmeldungen für die verlchiedenen Ablrilungen werden M den Schulen während de» Onterrichls entgegengenommen. Auskunst wlrd ertellt im Bureau der kausmäimischen Schulen, vurgffr. LS ll, von 0—S Uhr. 2 Abendschule» Iflr Angestellte. Jnlelstr. L/5, Kl öfters, r. 74. abend» 7-10 Ubr. 7 Fachschulen für die obügatdrischen Schüler:. Augilftstr Li, Scbasttanstr. S«, Jnlelstr. 2iS, glffabethstr. 67/58, Gartenftr. 85, Derfflingerstr. 18a, Sophien- ltraßi 18(VormitlagSunterricht); Bei sicherungssachlchnle, Dorolhrenftr. IL: FachkurfnS für Knaben lft,»Jabre«.Kursus, 80 Wocheiiitunden. Sophien» slraz« 18: Handelsschulen für Mädchen und Selekten■ Weinmeillerstr. 15/17, W lhelmthavener Str. 2/6, Wilmersdorf, Weimarische Str. 21/84(Bor- miltagsunterricht), Scharnweicrslr. 19; Fachtlassen für Mädchen, welche vom Beiuch der slädlischen Mädchenpssichlschuien bcslilen: Wemme'jlei» straße 16/17: Schreibmaschinelljchute: Neue Friedrich str. 66/67. Nachtfitzung der Schöneberger Stadtverordneten. In stebenftündiger Sitzung, die sich bi» nacht? 1 Uhr hinzog. erledigten die Schöneberger Stadtverordneten eine umfangreiche. Tagesordnung. Bei allen Abstimmungen über wesentliche: Punkt« der Tagesordnung standen die beiden bürgerlichen Fraktionen de»' Sozialdemokraten gegenüber. Auf ein« vom Gen. F c i tz sch begründete Anfrage wegen der Da r i fv erha nd l u nge n Mit dem Gemeinde- und Staats- arbeiterverband antwortete Oberbürgermeister Dominicas, daß die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und den Groß-Berliner Geineinden in den wesentlichsten Fragen zum Abschluß gelangt sind und daß der Magistrat in etwa acht Tagen in der Lage sein werde. da» umfangreiche Werk der Versammlung bekannt zu geben. Der. Vertrag werde der Gemeinde bedeutende neue finanzielle Lasten aufbürden. Eine ausgedehnte Arbeitslosendebatte veranlaßte die Vorlage d«Z Magistrats auf Versicherung der Erwerbs» losen aus Mitteln der Erwerbslosen fürsarg«. Stadtv. K u n �ie (Fr. Fr.) beantragte, im DemobilmachungSaiAschuß Groß-Berlin vorzuschlagen, bei der Reichsregierung vorstellig zu werden, daß für Erwerbslose der allgemein« Arbeitszwang bei Schaffung eine» Reichsgesetze» für ErwerbSlosenunterstützung einzuführen sei. Stadt- ve-ordn�er Freier(Soz.) wie» darauf hin, daß man bei dem Daniederliegen der Volkswirtschaft und der ungeheuren Arbeit»- losigkeit in den Großstädten stA damit abfinNm könne, die Zahlung von Unterstützung von gewissen Bedingungen, die eine Beschränkung der Freizügigkeit darstellen, abhängig zu machen. Aber unter ge- regelien Produktionsverhältnissen bedeute, solange die kapitalistische. Wirtschaftsweise bestehe, die Freizügigkeit für die Arbeiterklasse da« unentbehrliche Korvelat. Komm« man zur sozialistischen Produk» tion. so könne«in gewisser ArbeitSzwang für alle Erwerbsfähigen, also auch für die Bevölkerunastreis«, die Herr Kunze vertrete, er- wägen»wert sein. Ein Reichsgesetz werde für die Zukunft ge- schaffen und dürfe kein« Ausnahmebestimmungen gegen die Ar- beiterschaft enthalten. Gen. Küter gab dem Stadtv. Kunze noch den Rat, et selber mit der Arbeit auf dem Lande zu versuchen.— Der Magistratsantrag wurde angenomtften. der Antrag de» Stadtv. Kunze mit den bürgerlichen Stimmen dem Magistrat al» Materiol überwiesen. Die Frage einer BesoldungSAulage hatte schon die letzte Stadtverordnetenversammlung beschäftigt. Auf Antrag der sozial- demokratischen Fraktion war beschlossen, die als außerordentliche, Teuerungszulage ab L Januar d. I. gezahlten Gehaltszuschläge von 80 bzw. 45 M. mvnatlich nicht zur Anrechnung zu bringen. Der Magistrat bestand auf unveränderter Annahme seiner Vorlage, wo- nach ab 1. März ein pensionZfähiger Zuschlag von 1200 M. ge.>ahlt wich. Di« bürgerliche Mehrheit trat den Rückzug an und beschloß demgemäß. Bei den Wahlen zu den Deputationen erhoben unsere Genoffen Einspruch, über den in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt wurde, ebenso über Enteignungsvotlagen de» Magistrats Grofi-Berliner Lebensmittel. Bankow. A»k Abschnitt lO» 100 Gramm lote Suppen. Ans die W» schnitt« 29 und ZOsaryuzenbllche je 100 Gramm Haferflocken. Groß-Serllnee Parteinachrichten. Artebrnai». Heut«. 7V, pbr, wi SeseksschastSztmm« de» Rathau». Restaurants, M i t g lted er o e r s a m m I u n g. Vriefkasten üer Keöaktion. F.<0. Anonyme Einsendungen werde» nicht berücksichtigt. Manuskript liegten Ihrer V-rsilgnn«. »ortlich ftr PoNtS litn fliSlee, ftzr den lldetoen Teil de» ftftet«chol«. 9>euwBn: für Btunoni nnHwr fWorft. O»rlin Wetlasi tt-Pnlat« rn i. Berlin. Druck Borwärts-Bulddruckerei und Verantwvrtl Blatte, LorwSetS-Berlaa..WM DerlagSlinstall Paul Swga o. So. w Bali«, ütadeaftrab« 3, Bekanntmachung. Magermilch. �4« Maarrwilchkarten für ti« Monat« AprN/Zunl 1819 mm in im zur Flttftill« SroK.««iUn(Milch) g«h»,«nden eind«, w d«, nSchften ragen N. Marz ISIZ »ezeWynele Stagcc- m lur«»»»ade. Für jede« in der Kit vom I. Spril 1811 61« geborene JMnd wird eine tote m» I»ez«i«h mtlcMart« veinnegadt. Die MaaermUchrarten find für die Kit vom SS. Mi bis A. Juni ISIS au»gef>»llt. llmn-eidungen während der Güitdäkeitodauer de- fiartmr find nur bei einem Nvhnungs- wechfet gefinitet. Inhaber der Maaermilchiartrn haben bis Ztarten hi» ixxm»1.»Arj 1*19 einschließlich dem Milch. ISIS er bat die Kontrollabschnitte abzufchneiden z unten) ist von Ihm anfand»»»� „fiontrolladschnitt für er vi» zum Berlin Milch ciitawfnöeit die ibzuschneii «■fimt, Setifielle- leite" hat »«rz». Z. einschließlich der gettftrlle Groß- Abteituns Magermilch, Berlin L. 2, Poftstr. S, soll, soweit die, � den mSalich ist, wi Mager- oder Buttermilch dezirksweise abgi infolge ungrnllgrnder Bestände ein Liter nicht verabfolgt . de» zur llich je ein gegeben werben. unarnllarnder Bestände ew Liter nicht verabfolgt lamt, wird die zur Verausgabung gelangende Menge ein entsprechendes Plakat an der Singangstür de» aefchäft bekanntgegeben. Är MilchhSttdler zu welchem Bezirk und.. welchem Waäientage et Mager- oder Buttermilch erhält Die Magermilchkarten dürfen von den Händlern»ich« In Gewahrsam genommen werden, sondern verbleiben in Händen der Bezugoberechtiglen. Die Milchiarten sind allwöchentlich beim Bezug von M avermilch vorzulegen. Beim jedesmoligen> Bezüge hat der Milchhändier den gültige» Wochenabschnitt ob- zutrenneu und an sich zu nehmen. BerNn. den«. März ISIS. Fettstelle Groß- Berlin(Milch). Die Magermilchkarien für die Monate April, Mai und i stnd in der 3«i» vom MIltwo gegdbei t hat auf jede Milchkart« zu vermerken, od Unterdeziri der stunde gehört und an -- ltermklch er sn Hänsleci Die einfach»«elbfihersteZlnng v. Briketts aus brennbaren Abfä vergebe entweder f. den verbrauch, inst, einer»i preffe. für 50Ü SR., oder zweck« aewerb-mäßiger, begrenzter Allowherftellung nach Berein- baruna. Proip. gratis, s Lizenz- vermittler gesucht). ife ß A. Boebelen, Münch««, SchoMugskr. 91. 9mm As»*r, Flensdurgel Straße 1. Fernftir.! Moabit T816.• . AMkiW. ji-den» Breisiagen, hat lgeben. Angebote«. 14 � Czpedition S.„Scnrürt«". toaBari-fSaloo. groß, erftkl. Ariedensardett(Etti SssruKsrzeisIAsri.Vsi-wslelieil» ereedaia»mal M«gb«»ttieb. 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S, ÄiUfsWt; aptk G«l«(»ketiikt. Weine, tjlöre. Frueiittäkted .■wtgoSeliag ftOFftfoUn i» tH. Btadt teil. w. MA'teo. Act.. Ge». Win Freudentag£]. Waschtag Zentrum l u. 8066.1 DM , IS. mat�l919«ln« den 12. MSrz bis »iiehilch von den Brot» komwiistoLen atsuhalen. Do« Alter de» für den Bezug lu Betracht kommenden Hin de» ist erforderlichenfalls durch Bor» legung einer omllichen Urkunde nachzuweisen.. Verl in. den». März ISIS. rgd. iv/«. f. mi. Mashiftrat._ Bekanntmachung. Infolge der ollsettigen Etöruna de» Bahn verkehr, war die Zufuhr von Vieh nach Berlin in dieser Woche sehr deschräntt. Die großen Unruhen in allen Stadtgegenden ließen es nicht zu. die vorhandenen Reserven an Fleisch den ewzctnen Laben- ficischer, zuzuführen, da deren Sefpanne vielfach cmgehotten gnd umgestürzt worden find und da» Fleisch gewaltsam fort- zenoumien wurde. Es fall nunmehr in erster Linie eine Belieferung derjenigen stunden erfolgen, die in der Boche vom Z. bis S. März kein Fleisch erhalten haben. Da die vorhandenen Mengen an Fleisch und Gefrierfleisch hierzu nicht ausreichen, werden außer- dem auf Fleischkarte Nwdfietfch-, Blut- und Leberwurft» konserven, f« nach Vorhandensein, zur Verteilung gelangen. deren Verausgabung in voller Höhe de» Martenwerte» er- folgen soll. E» läßt sich noch nicht voraussehen, ob sich bei den noch bSvchenden Echwierigletten in dieser Woche eine restlose Be- le'erung wird ermögstchcn lassen. Jedoch sind alle ersorder- iichen Maßnahmen getrosten, um die« zu erreichen, sollte ungeachtet dessen ein« DolldeNeferung in diesem Umsang» nicht möglich sein, so wird Erfuß durch Berobfolguna von Nähr- Mitteln im Laufe der nächsten Boche geleistet wenden. verlin» den 10. MS» ISIS. Magistrat» Wermu th. Z. Nr. IST V. S. fa. 19. lsSMM mit Hof u. Schuppen, möglichst W Eharlotienbg., Schwaigen- darf, Halcnfee nfw. sofort zu mieten gesucht. Ca. 4— 500 □m. monoijoi Potsdamer Straße IIS. , äer ! e,„ Teile, wöchentl. t hl. Plomben lAa Ooldtn /Plinp n"• krönen I8M. 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