Nr.l«z.»«.Z»I,rg. «e,n>,«vret»i «erttliasn 7L0«l. mono». 2 8# SRI trenn» Hau» oaiouä�oijibai. ftuneln» Jiurmncrn 10 oienniQ. i!oi!l>«,ug: Ikanailid).50 Ml. nfl Zustellung». gebilllt Um es.ireu'band für Deullch- and u. Oeileerelch-Ungarn..TS Ml. rür 6a»'übr;qf«u»lan6-*.75 Ml. bei iSglich einnrnligei Zuüeüun« 7.75 Ml. ■lioiibeticUunqen nefimeti in DSn«- motq Holland Cutembuta. Schweden und die Schweiz. Singelragen m dir Voil. ielMiig»-i°rer»Iilte. Der.jjorwartS' ericheint woche«uSgIich zweunal-onniag. etiunm. Abend-Ausgabe. Telegramn>Aorefse: .Eozialdemotrat Verltu' ll0p»«»nls) r Verlinev Volksblatt. �entralorgan äer foÄalclemokratil'cken Partei Deutscklanäs. Ar»,e!ftenvrelSt Die achia.idaltrae»ioiwareillezeo« Ion« 120 MI..Kleine Anzeigen-, da» leiiusoiuctir Sor. 5� Hig. lUIässtg 3 ietlaedruckir öorie). iebc- w euere Oot: 2B«Ig. Slellengemche und Schlaijlellenanzeigen da» erue Sort »0 Big.>eb«s weuere Worl 20 Lsg. Sorte über 15 Luchnaben zählen fllt zwei Worte. TeuerunqSzulchlag 50»� Aamtlien-vnzeigen, volittichr und gewerstchattliche«errln«- ilnzelgen ILO Ml. die Zeile,«lnzeigen nir die il&chlie Jiummet müssen bii 5 ihr nachmiuag» im HaubtgeichSft. L erlin SS.6S. lltndeiistrage!t, abgegeben »erben. lSeöfsnei on S Uhr früh dt» 5 Uhr abend», Reüaktion und Expedition: Sv). SS, ilindenstr.Z. »erniurecher: An» iMoriiiPlatz, Nr. t»lS0— tSlS7. Sonnabend, den Ä9. März 1919. vorwärts-verlag G. m.b. h., EW. öS, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Morinplay. Nr. 117 53—54. Hloyd George über den Völkerbund. Amsterdam, SS. März. Einer Reutermeldung zusalge ent« hält die beute erscheinende Bälkerbundausgabe des„Manchester Guardin" eine Botschaft Lloyd GeargeS über den Völkerbund, in der er schreibt, daß alle Hoffnungen, um der Welt die Wieder- holung der unermeßlichen Sintflut von 1914 zu ersparen, sich auf die Ausarbeitung praktischer �Mittel vereinen, durch die die Na» binnen der Erde in den Stand gesetzt werden, die gemeinsame« An- gelegenheitcn der Welt in freundschaftlicher Zusammenarbeit ohne eifersüchtige Nebenbuhlerschaft zu führen. An dieser Arbeit sich KU beteiligen, ist da» deutsche Boll gern bereit, es fürchtet nur, daß weder in der Stimmung noch in den politischen und sogialen Verhältnissen der Ententestaaten die Vor« bedingungen für das Gelingen des großen Werkes vorhanden find. Ohne einen stärkeren Einfluß der Arbeiterbewegung auf die inner« und äußere Politik, ohne den sozialistischen Fortschritt, ohne An- erkennung der Demokratie nicht nur im Leben der einzelnen Völker, sondern auch in ihrem Verhältnis zueinander, würde der Völker- bund nur ein Vorwand sein für die Herrschaft einer Völkergruppe über die andere. Tie Veröffentlichung des revidierten Völ- kerbundvertrages steht nun bevor. Aber als selbstverständ- lich muß es betrachtet werden, daß der Vertrag seine endgültige Gestaltung erst in Verhandlungen gewinnen kann, an denen alle künstigen Mitglieder de» Bundes als Gleichberechtigte An» teil nehmen. Cintransport üer Lebensmittel nach Deutschlanü. Amsterdam m, 28. März.„Algemcen HandelSblad" meldet aus Rotterdam: Heute beginnt der Transport der Lebens- mittel, die auS affoziierten Ländern stammen und in Rotier» dämm lagern, nach Deutschland. Es find bereits Söst 000 Listen kondensierte Milch und 0000 bis 7000 Tonnen Speck ver- laden._ die Ladung des„Weft-Carnifax". (Eigene Meldung.) Der amerikanische Dampfer West-Carnifax, der am Donnerstag im Hamburger Hafen mit der Löschung seiner Ladung begonnen hat. bracht« uns, entgegen den früheren Meldungen, lediglich 6600 To. kalifornfches Weizenmehl, aber keine Lebensmittel anderer Art. Das Mehl ist aus bestem Weizen hergestellt, niedrig ausgemahlen, von großer Weiße und nach fachmännischem Urteil von vorzüglicher Qualität; es übertrifft unser bestes Kaiserauszugsmehl bei weitem und ver» spricht eine große Backausbeute. Seiner ausgezeichneten De- schaffenheit wegen eignet es sich in hohem Matze zur Verbesserung unseres KriegSmehlS durch Mischung mit diesem, ein« nmge- kehrte Streckung, int wir uns gern gefallen lassen können. ES ist deshalb nicht sehr wahrscheinlich, daß größere Mengen unver- mischt in den Handel kommen werden, vielleicht wird ein Teil für Kranke und Kinder bestimmt, während die Hauptmenge mit unferm Hauptmehl vermischt zur Abgabe gelangen dürste. Die Löschung der Ladung, die in Säcken im Gewicht von ungefähr 4g Kilogramm gepackt ist, wird etwa 80 Menschen zehn Tage hindurch in Anspruch nehmen; sollte auch während der Noeht- stunden gearbeitet werden, was allerdings die Kosten sehr erheblich erhöhen würde, so würden nur sieben Tage erforderlich sein. Die Ladung des West-Earnisax ist für Hamburg, Altona, Berlin, Dresden, Leipzig und Magdeburg bestimmt. Der Preis steht noch nicht genau fest; dt« Tatsache, daß die Tonne AuslandSgetreide etwa 1 00 0 M. teurer ist als die In- landstonne Getreide, die 800 M. kostet, kann als Anhaltspunkt für die PreiSgestaltung'cheS Mehls dienen: voraussichtlich wird der Mehlpreis zwischen 90 Pfennigen vnd 1,05 M. liegen. ES liegt somit auf der Hand, daß wir ein großes Jwtereffe daran haben, nicht mehr als für unsere Volksernährung unbedingt geboten ist. aus dem Auslände zu beziehen. Di« Bezahlung wird teils in bar, teils durch Lieferung von Exportartikeln aller Art erfolgen, unter denen voraussichtlich Kali eine wichtige Rolle spielen wird. Ungarn und ö!e Entente. Erklärungen Bela-Kuns. Wien, 28. März.(Meldung beS Hollandsch NieutvShureau.) Der Budapester Korrespondent der.Neuen Freien Presse' hatte ein« Unterredung mit dem ungarischen Volkskommissar für au»- wältige Angelegenheiten B ela K u n. Dieser erklärte, es lasse nichts darauf schließen, daß die Entente militärische Per» fügungen gegen Ungarn getroffen habe. ES sei hier wahr- scheinlich der Wunsch der Vater deS Gedanken». Wir stehen, erklärte Bela Kun, nicht auf dem Standpunkt der territorta» len Integrität. Wir befinden un» auch nicht im Krieg»» zustand mit der Entente. Unser Verhältnis zu den neu- traten Staaten ist unverändert gut. Auf die Frage, ob Ungarn die wirtschaftlichen Grenzen gegen Rußland nun aufheben werbe, erklärt« der Volkskommissar, daß Ungarn keine wirtschaftlichen Grenzen gegen irgendein Land gezogen hätte. ES habe bereits die V e r s ch m«lz u n g der kommunistischen und sozialistischen Partei in Ungarn stattgefunden. Wir sind einstweilen erst am Anfang der sozialen Verteilung, sehen aber bereits, daß das Ernährungsprivileg der Reichen aufgehört hat und daß die ErnährungSverhältniss« sich zugunsten des Proletariats verschoben haben. Die frühere Partei der kleinen Landwirte bat sich ebenfall!» den Kommunisten angeschlossen. Die Rote Garde hat keine offensive Tendenz. Sie ist in erster Linie dazu da. um die Diktatur, die zur Sicherung der UebergangZ- zeit notwendig ist, ohne Blutvergießen zu unterstützen. Kein öünönisvorschlag Rußlands. Die Nachrichten von dem Waffenbündnisvorschlag der Sowjetrepublik sind, wie wir erfahren, gänzlich aus der Luft gegriffen._ die Lage im Ruhrgebiet. Generalstreik in Dortmund. Die Nachrichten aus dem Ruhrgebiet sind nach wie bor ungünstig, wenn auch nicht hoffnungslos. Die gewaltsame Einführung der sechs- und sieben st ündigcn die Internationale in Amsterdam. Amsterdam, 80, März. Von sozialdemokratischer Seit« wivd mitgeteilt, daß die Internationale sozialistische Konferenz in Amster- dam am 2S. April beginnen wirb. Die Führer der sozialistischen Parteien der ganzen Welt sollen daran teilnehmen. Auch die Amerikaner werden zur Konferenz erwartet. AuS Rußland wird gemeldet: Der Kongreß der Jnternatio- nalen Kommunisten hat beschlossen, ein Zentralkomitee aus Vertretern Rußlands, Oesterreich-Ungarns, Deurschlands, der Schweiz, der skandinavischen Länder und des Balkans zu bilden. Die kommunistischen Parteien dieser Länder haben ihren ständigen Vertreter im Zentralkomitee. Arbeitszeit hat noch ein wenig an Umfang zugenommen. In Dortmund streiken alle Großbetriebe und Schächte. Im ganzen Dortmund-Bochumer Gebiet sind 30 Schächte ausständig. Wenn auch die ganze Bewegung mit der spartakistischen Wühlerei zusammenhängt, so untersiegt es doch keinem Zweifel, daß die L e b e n s m i t t e l- not den günstigsten Boden für die Hetze abgibt. Darum ist eS lebhaft zu begrüßen, daß die aus dem Ausland kommenden Lebensmittel zu allererst dem rheinisch-westfäli- schen Industriegebiet zugewiesen werden sollen. DaS ist auch durchaus begründet, weil die Kohle und die mit ihrer Hilfe hergestellten sonstigen Erzeugnisse des Industriegebiets als Zahlungsmittel für die einzuführenden Lebensmittel dienen müssen._ die Treibereien gegen dr. Schücking. Protest der Deutsche« Friedensgesellschaft. Die Deutsche Fri e den»ge se llsch aft, Ortsgruppe Verlin, hat folgende Eingabe an die Deutsche Nationalversamm- lung in Weimar gerichtet: „Mit Empörung hoben wir von den Wühlereien erfahren, die der Nationalverband deutscher Offiziere gegen Herrn Professor Walter Schücking ins Werk gesetzt hat. um seine Stellung in der Delegation für die Friedenskonferenz zu er- schüttern. Nach den bitteren Erfahrungen der letzten Jahr« erscheint es uns nnfaßlich, daß diese Kreise noch immer nicht begriffen haben, daß nur solche Persönlichkeiten auf ein Vertrauen und ein Ent- gegenkommen im Ausland zu rechnen haben, die während des Welt» kriege? in keiner Weise der Verblendung der AnnexionSgelüste und der nationalistischen Kriegsverhetzung zum Opfer gefallen find. Die Treibereien gegen den auch bei unseren Gegnern allge- mein hochgeachteten Prof. Schücking erschweren nur dtc Arbeit unserer Friedensdelegation. Sie können lediglich Mißtrauen in die friedfertig«, ehrliche Gesinnung Deutsch- land» erwecken, da» llebelwollen gegen unser Land erhöhe« und dadurch der deutschen Sache Schaden bringen. Wir bitten deshalb, diesen Treibereien keine Beachtung zu schenken, vielmehr auch bei der ferneren Besetzung der Delegation nur ftilche Personen zu berücksichtigen, di« wie Schücking auch bei i Kriegsbeginn die Absatzpreise für Granatsraht unerhört unseren Gegnern als überzeugte Anhänger d«» Völker- hoch bemessen, dann schnappte mit L o h n ü b er b i e t u n g en bsndgedssk»«« bekannt und»«achtet fiaV_ I ein Werk dem andere« dt« Arbeiter weg— und dann erst der Hochverrat der Schwer- industrie. von Arthur Saternu». Die Schwerindustrie rüstet seit einiger Zeit zu neuem Kampf. Ihr ist die Gepflogenheit nicht fremd, den Stahl für Waffen an die Feinde ihres eigenes Volkes zu liefern. Millio- nengeschäste hat sie dabei im Kriege gemacht. Neue Millionen verspricht sie sich von dem Wirtschastskanipf gegen das Volks- ganze. Die Eisen Preise st eigen tnS Wahnsinnige. Die neuen Rohcisenpreise bewegen sich für die verschiedenen Sorten auf einer Höhe, die etwa das Fünf- bis Sechsfache der Friedensnotierungen beträgt. Die Stabcisen- und Halbzeug- Preise sind allein in den letzten 8 Monaten zweimal um je 100 M. pro Tonne heraufgesetzt worden und betragen da» Vierfache der Friedensnotierungen. Damit nicht genug, durchbrechen bereits einzelne Werke die KonventionSpreise der Verbände, um die Preise für Stab- eisen und Bleche noch um weitere 100—1S0 M. pro Tonne heraufzusetzen und damit das Sechsfache der Friedenspreise zu überschreiten. Welche Mehrbelastung die gesamte weiterverarbeitende Industrie durch diese Preiserhöhungen erfährt, läßt sich nur in Milliarden berechnen. Unsere Konkurrenz aus dem Aus- landsmartt ist bei solchen Preisen völlig ausgeschaltet. Tie allgemeine wirtschaftliche Notlage schreit zum Himmel— während die Abhilfe mit den steigenden Kosten von Tag zu Tag schwerer wird. Ist das notwendig? Die Frage stellen, heißt, nach den Ursachen der Preis- steigerungen fragen. So übel es ist, in dem Unrat der Kriegswirtschaft henimzuwühlen, so notwendig ist es, will man da« Treiben dieser wenigen Leute, die darin zu be- stimmen haben, gebührend kennzeichnen. Während deS Krieges hat die Schwerindustrie jede For- dcruug um höhere Preise damit begründet, daß sie durch ihre Agenten in den Reichsstellen erklären ließ, sie gehe sonst ihrem Ruin entgegen. Ein jeder weiß, daß sie ihre E r- t r ä g n i s s e aber nicht im geringsten verminderte, sie vielmehr ungeheuerlich gesteigert hat. Kurz vor dem Zu- sammenbruch der Kriegspolttik munkelte.man, daß die größeren Werke die Dividenden für die nächsten 6 Jahre bereits liegen hätten. Die Revolution hat manche Hoffnungen ver- nichtet. Als Tatsache aber bleibt bestehen, daß die Gewinne, welche die normalen Erträge zu Zeiten der Hochkonjunktur noch übersteigen, sich auf Milliarden beziffern. Es gibt schlechterdings kein Manöver, das die Schwerindustrie zur Erreichung dieses Zieles unbenutzt ließ. Wer sick) ihr entgegensetzte, wurde rücksichtslos von Ludendorffs Stützen davongejagt. So verschwand Groener, als er dem Preiswucher der Schwerindustrie entgegen- trat. So sind andere gegangen, welche Herrn Koeth und seinen Hintermännern in die Karten schautxn. Lohnerhöhungen sind nicht die Gründe für Preis- steigerungen in solchem Umfang. Sie allein würden eine erhebliche Minderung der heutigen Preise zulassen, wenn die Werke auf ihren Gewinn verzichteten. In Zeiten der Geschäftsverluste sollte auf Reservefonds zurückgegriffen werden. Heute scheut man nicht nur den Gewinnaussall. man entblödet sich nicht, die Zustände Wirt- schaftlicher Not noch zur Erzielung hoher Gewinne auszu- nutzen. Alle Werke arbeiten in Streikzeiten mit geringeren Ergebnissen, ohne darum Preise heraufzusetzen, solange Kon- kurrenz droht. Nur die deutsche Schwerindustrie und' die ihr gleichgesinmen Unternehmer Möllen auch die größte Not des Volkes ihrem Geldbeutel dienstbar machen. Nachdem schon im Kriege Hunderte von Millionen vordient worden sind, will man aus den unterbeschäftigten Werken die vollen Erträge herauSwirtschaftcn— und dabei noch nichts von dem eigenen Gewinn einbüßen. Begreift denn kein Mensch, daß das in heutiger Zeit Hochverrat ist? Die Schwerindustrie, die deutsches Eisen für französische Granaten geliefert hat, fragt danach nickt. Ihr kommt es auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch Deutschlands ebenso wenig an. wie auf den Verlust des Krieges, an dem sie na- türlich keine Schuld haben will. Ihr verdanken wir zum besten Teil die Geldentwertung. Denn sie hat zuerst bei bewegte sich die Kurve der Lebensmittelpreise auswärts. Die Schwerindustrie wirft noch heute Millionen für politische Propaganda aus— tragen soll sie das aus allen Wun« den blutende Volk. Unsere gesamte Industrie ist bedroht. Am Auslandsmarkt stehen ielbst unter Berücksichtigung des hohen MartkurscS unsere Preise noch fast doppelt so hoch wie die englischen und amerikanischen Preise. Anscheinend spekuliert man darauf, daß das Reich die zum Ausgleich notwendigen Ausfuhrprämien zahlen wird. Oder daß es wieder das Reich ist, das die Ware übernimmt, um damit die Lebensmittel zu bezahlen. So könnten die aus der Kriegszeit her gewohnten Manöver auch jetzt noch hohe Gewinne bringen, die dann der Steuer- zahler trägt. -Damit aber treiben wir dem Zusammenbruch entgegen. Keine Macht der Welt könnte uns davor schützen, wenn die Regierung selbst sich blind vor die Gefahren stellte. Der Arbeit �oeths verdanken wir, daß das Reich die Bewirtschaftung von Eisen und S�ahl vorzeitig aus der Hand gab. Der Erfolg ist, daß die Stabeisenpreise allein jetzt schon 2'/, mal so hoch sind als Ende l9l8. Die Fchgen dieser Preispolitik werden sich bald in allen Ziveigen unseres Erwerbslebens, denen das Eisen die Grundlage der Existenz ist— in der Mäschinentndustrie, der Metallindustrie, dem Eiienbahnbau usf. bis zum Bauge- werbe— fühlbar machen. Wo ist die starke Hand, die rettet und Ordnung schafft!? Warnung vor üer Gegenrevolution. Sorge vor einem militärischen Staatsstreich. In seiner Zeitschrift„Der Sozialist" schreibt Dr. Rudolf 23 r e i t sch e i d: Um der Ruhe und Ordnung willen, so versichern unS die Mchrhcitssozialisten. seien diese außewrdentKchen Maßregeln un- vermeidlich gewesen. NelMen wir nun einmal an, dem wäre so: wem kommt dann aber diese Art von Ordnungftisten zugute? Glaubt irgend jemand im Ernst, daß die Offiziere der Freiwilligenverbände sich für die Herren Ebert und Scheidemann erhitzen? Die Ordnung, die sie im Auge haben, ist eine wesentlich andere als die sozialistische, und das haben die Großkapitallsten, die den Korps und Wehren durch die mannig- faltigsten Kanäle Geld zufliehen lassen, durchaus begriffen. Zu- erst marschierte man gegen die Spartakisten, mehr und mehr wer- den schon die Unabhängigen Ziel der Bewegung. unL am Ende wird es dem Sozialismus und der Arbeiterbewe- g u n g schlechthin an den Kragen gehon. Augen auf! Mr treiiben im Strom einer gegenrevotutionSren Bewegung, und die Vechälitniss« haben sich bereits so weit«nt- wickelt, daß es zweifelhast ist, ob wir dem Versuch eines m i l i- tärischen Staatsstreichs noch vorbeugen können. Viel- leicht muß er kommen, um die Erkenntnis und den Willen großer noch immer im Halbschlummer liegender Massen des Proletariats zu wecken. Die Gefahr, von der Breitscheid spricht, läßt sich am besten dadurch beseitigen, daß man der demokratischen Regie- rung, die aus die Dauer die vorteilhafteste für das Prole- tariat ist, Gelegenheit gibt, sich zu befestigen. Ware die Ge- fahr wirklich so groß, so käme sie doch nur daher, daß die Spartakisten und ihre unabhängigen Helfer durch ihr ge- waltsames Anrennen gegen die Demokratie den Reaktionären Gelegenheit gegeben haben, sich als Schützer der Ordnung zu betätigen. Dadurch ist unverkennbar die Stimmung eines großen Teils der Bevölkerung nach rechts gedrückt und reaktionären Bestrebungen der Boden bereitet worden. Im übrigen braucht nach den Vorkommnissen der letzten Zeit nicht erst gesagt werden, daß die Sozialdemokratie auf der Hut und bereit ist. die Demokratie gegen rechts ebenso zu verteidigen wie gegen links. Nur soll man sie dabei unterstützen und ihr nicht durch Begünstigung des SpartakismuS in den Rücken fallen. GrzgebirgZsches Volk. Soll die Arbeit der Volksforschung erfolgreich fein, so muß da? Volk in weitestem Sinne als Helfer sich daran beteiligen. Das letzte Jahrhundert hat so viel alte Fluren umgepflügt, bis in die entlegenen Wohnwinkel hinein, und viel AlteS ist klanglos»er- schüttet worden. Biel Schlechtes, Elendes zweifellos, es steckte aber doch ein Stück Geschichte darin. Was winzig belanglos scheint, kann ganz wohl irgendevie für die Forschung ein sehr nützliches Merkmal fein. Daher die Rufe, von altem Volkstum zu retten, zu sammeln, was noch vergessen und unbeachtet da und dort im Verborgenen erhalten blieb. Es kann nicht darum zu tun sein, natürlich Absterbendem künstlich das Leben zu verlängern. Vieles verdient diese liebevolle Sorg« wirklich nicht. Aber wissen soll man davon, und deshalb sei vorweg die BolkSforschung auf die Erinnerungen aufmerksam gemacht, di« vor kurzem unser alter Mitkämpfer Alwin Gertsch im Verlag der Buchhandlung Vor- wärtS in dem Büchlein.EtzgebirgischeS Volk" veröffentlicht hat. Daß Gerisch unter dem Namen A. Ger iu den letzten zehn Jahren einige zu weiter Verbreitung gelangte Volkserzählungen 'herausgab, die der Arbeiterschaft aufklärend nützen sollen, ist bekannt. und auch dieses Buch ßeht unter jenem Namen hinaus, hält denselben schlichtklaren Ton ein und hat eifrig den gleichen Zweck im Auge. ES stellt sich in die Reihe der Schriften, in denen Arbeiter ihre Jngenderlebmsse mitteilen. Diese hin reichen in die sechziger Jahre zurück, und ihre Welt ist die Enge und Weltobgeschiedenheit eines erzgebirgischen WalddorfeS, das sich durch seine sozialen Zu- stände den Namen„sächsisches Sibirien" erwarb. Die Männer arbeiten auf einem Eisenhüttenwerk, die Frauen treiben mit dem Stickrahmen Heimarbeit. Dem Werkbesitzer gehört all«r Grund und Boden, auf dem die Arüciterhäuser stehen, gehört überhaupt der ganze Grund und Boden der Waldgemeinde, und die Jammer- löhne der Arbeiter bezeugen zusamt allem Schmutz und Elend in diesem Weltwinkel, wie abhängig die Bevölkerung vom Unter- nehmerwillen ist. Di« Leiber auSgestrergelt, in fteudlofer Arbeit und ewiger Armut früh verbraucht, die Hirne verrottet, hilflos, kindhaft schwerfällig, von abergläubischen Vorstellungen singe- kreist, einer lächerlichen Schule und der unbedingten Autorität beschränkter nichtiger Pfarrerseelen ausgeliefert, so leben diese Waldgebirgler in menschenunwürdigen Zuständen dahin. Der alte Patriarchalismus herrscht noch, das neue Maschinenzeitalter, das fchn stürzt, soll erst noch eindringen, und als sein« Wirkungen sich dann zeigen, fehlt den Wäldlern jeder geistige'Maßstab. Sie »blieben bei ihrer Betrachtung und Beurteilung von zufälligen 60- deutungs losen Aeußerllchkeiten Haft»; aus de« verschlossene» Gin Naubluftiger über Raub zeternü. Alldeutsche Stimme zur Enteignung des Bergbaues. Etwa ein Jahr vor Kriegsausbruch erschien das Buch eineS Herrn K u r d von Strantz, das selbst in der alldeutschen Lite- ratur durch die Unverfrorenheit seines Tons eine Ausnahmestellung einnahm. Herr Kurd v. Strantz erzählte in falschem Deutsch und mit großer Offenherzigkeit, daß dieser Krieg von Jugend auf d a S Ziel seiner Sehnsucht gewesen sei. Er feierte den Krieg als„Rachekrieg" und stellte Forderungen auf, die sich so ungefähr auf jedes Land bezogen, das irgendwann einmal mit dem alten römischen Reiche deutscher Nation zusammengehangen hatte. Seit der Revolution hat die Schreibentiz des Herrn v. Strantz mehr auf das Innere geschlagen. Er. der kühne Eroberer, sieht jetzt, wie die.meisten Alldeutschen, plötzlich seinen eigentlichen Da- seinSzweck in der Beschützung schwerindustrieller Interessen. So zetert er in einem Artikel der„Post" über den„Raub des Dergbaubesitzes". Hören wir Herrn v. Strantz per- sönlich: Die Begehrlichkeit der Menge, die feige im Hinterland durch Volksverrat dem siegreichen(Ii) Feldheer die W a f- fen aus der Hand geschlagen hat. soll durch das Ver- mögen der Besitzenden und keineswegs der Reichen belohnt, richtiger gesättigt werden. Statt die Kriegsgewinn- l e r, zu denen aucb die lohnwuchernden RüstungSarbeiter gehö- ren, steuerlich in sck'ärfster Weise heranzuziehen, belegt man den kleinsten Vermögenszuwachs des kleinsten Sparers mit einer Vermögensabgabc, und man will nunmehr da? Rückgrat jedes Grotzgewerbes und jedes Wohlstandes, den Bergbau ent- eignen. Es ist außerordentlich auffällig, ein wie feines Gewissen der ehemals mit allen alldeutschen Raubgelüsten behaftete Herr v. Strantz bekommen hat.??ur hat er sein Gewissen leider am falschen Ort. Während de? Krieges war ihm jeder Raub recht. Jetzt über Kriegsgewinnler zu schimpfen und dabei zu verschwei- gen, daß es in ganz Drutsibland keine so schlimmen KricgSgewtnn- ler gibt wie die Berggcwaltigen in Rhcinlnnd-Westfalen und Ober- schlesien, zeugt Vicht von Gewissenhaftigkeit. Klagen üer Monarchisten. Ter bedrückte Nationalverband deutscher Offiziere. Biel zu schlapp gegen Spartvkisten. viel zu schneidig gegen Monarchisten geht nach der„Deutschen Tageszeitung" die Regierumj vor. Ueber das gegen den Nationolverband deut- scher Offiziere erlassene Verbot, sich zu betätigen, klagt sie: Wenn irgendwo Arbeiter, und Soldatenräte sich als praktische Bolschewisten betätigen und die tollsten U ebergriffe begehen, so klopft, wenn'? hoch kommt, die Regierung ihnen wohl- wollend auf di« Schulter, mit dem ft«undlichen'Ersuchen, in Er- wägungen darüber eintreten zu wollen, ob sie sich vielleicht künftig- hin als Kulturmenschen aufführen sollen. Wenn ganze Parteien, wie die Unabhängigen, systematisch zum Bürgerkrieg Hetzen, so ver- bietet man ihnen, wenn's hoch kommt, eimnal für drei Tage ihr Haupthetzblatt. Aber ihre Betätigung? Wir haben doch ein Ver- eins- und Versammlungsrecht. Ein« nationale Organi« sation freilich, die ihre Propaganda nicht mit Maschinengewehren und Handgranaten betreibt, die muß ganz ander? angefaßt werden. Da muß die gepanzert« Faust her. Da muß ganze Arbeit gemacht werden. Da heißt's: was Demokratie! Und alle Handhaben des Belagerungszustandes werden benutzt. Ein Rechtsboden ist ja für das Verbot SchöpflinS nicht vorhanden, außer den besonderen Mög- lichkeiten eben, dt« ihm der Belagerungszustand bietet. Welches Glück also für die Regierung, daß er noch besteht, sonst hätte sie dieser modernen Pulververschwörung deS NationalvevbandeS nicht, einmal wirksam begegnen können. Von der anderen Seite hört man's ssewöhnlich anders. Da heißt es, die Regierung gehe gegen links vor und be- günstige die ngtionalistischen Offiziere! Da sieht man, wie schwer es ist, allen es recht zu machen! Das Jubiläum üer Großeintaufsgefellschast. 2? Jahre. Heute vor LS Jähren, am 29. März 1894, wurde in Hamburg die Großeinkaufs- Gesellschaft Deutscher Konsumver- Schweigen bei dem alten Geschlecht wurde sinnloses Geschwätz bei dem neuen". Und sie sperren sich gegen alles Neue mit hartnäckiger Scheu. Alle Vorbedinguegen, es zu begreifen, fehlen. In da? Leben dieser„Hölle", in Geist und Seele dieser Men- schen eine? zurückgebliebenen Stückes Erde leuchtet nun Gerisch hinein. Hier liegt«in Verdienst seines Buches. In zwanzig Bildern zeichnet er seine Heimat, seine Kindheit. In jedem Bilde ist er immer beide?: kritischer Kulturbetrachter und Erzähler charakteristischer Begebenheiten. Eine bunte Schar Menschcnwesen, die ein merkwürdiges Abbild ihrer Zeit und ihres Winkeldaseins sind, sammelt sich in den Blättern; in kleinen Szenen sind sie redend und handelnd in Bewegung, ernsthaft geschaut und zugleich mit Humor: mit einem beherrschenden Humor, der zur Sache ge- hört und niemals aufgedrängt wird oder aufgetragen wirkt. Aus Volkssinn stammt er und der VolkSmund hilft ihm zu ursprüng- lichem Laut. Wie dann schließlich der Verfasser selbst, als Lehr- ling einer kleinstädtischen Maschinenbauerei, ein Samenkorn des Sozialismus auffängt und in sich keimen läßt, wie er der erste aus seinem Heimotdorse wird, der zur Sozialdemokratie gelangt, und wie eine Predigt de? Pfarrers ihn zu feioer ersten ZeitungS- tat aufreizt, die für sein Torf just daS Notwendigste war, mit dieser Erzählung ist dem Ganzen der passendste Schluß gegeben. DaS Buch kann also dem Voltsforjcher dienen, kann gelten als ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Arbeiterstbast vor fünf Jahrzehnten und ist außerdem ein ernsthast unterhaltender Lese- stoft. So sei ihm allseits Beachtung gewünscht. ri. Aeitgenösiische Musik. Der Meistersaal ist so recht geeignet, intimste Stimmungen lebendig zu machen und festzuhalten. Deshalb scheinen die von Hermann Scherchen veranstalteten Abend« mit„zeitgenässi- schen" Kompositionen dort am besten aufgehoben zu sein. Sagen wir statt zeitgenössische„modernste" Tondichtungen, so ist dabei leicht an jenen kleinen Kreis von Musikern zu denken, die in De- bussy, Puccini, Busoni ihr« Meister haben. Ein neuer Ring hat sich um sie angesetzt,, und man wird schon von„Futurldmus" bc- rührt. Gestern teilten sich Eduard Erdmann(Klavier), Eis« Lanvshoff(Gesang) und der bekannte Primgeiger Nikolaus Law- bion in die heikle Aufgabe, einem erwartungsfrohen Publikum Werke einiger Haup!stern« und aufgehender Rivalen vorzuführen. Bilden sie auch in komposiiorisch-technifcher Beziehung eine Familie, so weicken sie doch merklich voneinander av. Die einen»erraten noch Zusammenhänge mit älteren Klangformatwnen. Andere hin- gegen sind ganz aus der Art geschlagen, gebärden sich vollends als neuromantische Radikalisten und suchen höchst löblich nach tzishcr fremden Ausdruckswerten. Heinz T i e i s e n. dessen seltsam schöne Totentanzmelodie für schon aus Carl Hauptmanns Drama„Die armseligen Besenbinder" eine handelSgertchtlich eingetragen. Sie hatte die Aufgabe, für die Konsumverein« den Wareneinkauf im Großen zu besorgen und allmählich zur Eigenproduktion überzugehen. Die Gründung wurde vollzogen von 47 Vereinen, die im ersten Jahr für 541 999 M. Waren aus der GroßeinkausS-Gesellschaft Deutscher Künsumver- eine bezogen. Bor Ausbruch des Krieges hatte sich der Jahres- umsatz auf 157 524 999 M. gesteigert. In der Kriegswirtschaft wurde die Großcinkaufs-Gcsellschast Deutscher Konsumvereine fast gar nicht berücksichtigt. Nach der Revolution haben mit dem damaligen Leiter des Rcichs- ernährungsamtS, Emanuel Wurm, Verhandlungen stattgefunden, die zur Folge hatten, daß die Konsumvereine von diesem Amt end- lich die ihnen gebührende Anerkennung gesunden haben. Es wur- den Richtlinien erlassen, die dafür sorgen, daß die Großeinkaufs- Gesellschaft ihre Tätigkeit wieder in umfangreicherer Weise ent- falten kann, als es in den letzten Jahren der Fall gewesen ist. Die Produktivbetriebe der GroßeinkausS-Gesellschaft Deutscher Konsumverein« haben zum Teil für die jeweils in Be- tracht kommenden behördlichen Organ« gearbeitet, andere mußten stillgelegt werden. Es seien hier nur die nennenswertesten Fa- brikwi erwähnt. Die EroßeinkaufS-Eefellschaft hat je ein« Zi- garrenfabrik in Hamburg, Hockenheim und Frankenberg, eine Kau- tabakfabrik in Laucnburg. eine Seifenfabrik in Gröba und Düffel- darf, eine Teigwarenfobrik in Gröba und eine Reihe damit im Zusammenhang stehenden Nebenbetriebe. Von großer Bodeutung ist auch die B a n k a b t e i l y 11 g der Großeinkaufs-Gesellschast Deutscher Konsumvereine, kurz, die G. E. G. hat ein« prachtvolle Entwicklung im Lause der Jahr« durchgemacht. Erwähnt sei, daß unter dem vor 25 Jahren gewählten Auf- sichtSrat sich daS damalige Vorstandsmitglied des Konsumvereins „Vorwärts". Dresden, Herr Hoppe, befand, der seit vielen Jahren daS hier in Berlin in der Heideftraße befindliche Filiallagcr der GroßeinkaufS-Gesellfchaft verwaltet. Hoppe feiert somit heute nicht nur eine schöne Erinnerung an die Gründung der Großcin- kaufS-Gesellschaft Deutscher Konsumvereine, er begeht damit aiub gleichzeitig daS 2djährige Jubiläum einer im Dienste dieser Or- ganlstrtion vollbrachten Tätigkeit. Der GroßenkaufS- Gesellschaft Deutscher Konsumverein« stehen auch im neuen Deutschland noch große Zluigaben bevor; sie wird bei der Durchführung der Sozialisierung ihre Erfahrungen in den Dienst der Sach« stellen müssen. Wertvoll« und erprobte Kon- struktionSteile liefert das Genossenschaftswesen für den Neuaufbau der Wirtschaft. Irieüensverhanülungen unü üeutfche? Kolonialbesitz. Gouverneur Schnee über Oftafrika. Der Gouverneur von Deutschostafrika, Dr. Schnee,»ertrat in einem am 27. März vor Vertretern der Berliner Presse gebal- tenen Vortrag die Anschauung, daß auf Grund deS fünften Punktes in Wilsons Programm Deutschland seine Kolonien unzweifelhaft zurückerhalten müsse. Was während de» Krieges über die Tätigkeit Deutschlands in seinen Kolonien verbreitet wurde, sei erfunden zu dem o-ssensichtlichen Zweck, uns um unsere Rechte zu betrügen; diese Verleumdungen stehen in krassem Gegensatz zu den Urteilen amerikanischer und englischer Kokanmlautoritaten. die nicht nur vor dem Kriege, sondern bis heute Deutschlands koloniale Leistungen anerkannt hätten. Wenn Wilson in einer vor wenigen Wochen gehaltenen lliede erklärte, daß vom Völkerbund nur solchen Nationen Kolonien anvertraut werden sollen, die bewiesen haben, daß sie imstande sind, ein solche? Mandat Geiste hoher Hmnnni. tät auszuüben, so fei jederzeit der Beweis zu erbringen, dgß Deutschlands koloniale Tätigkeit dem Vergleich mit der Politik jeder anderen Nation ruhigen Blutes standhalten könne. Welche großen Erfolge kultureller und wirtschaftlicher Art Deutschland in Ostafrika aufzuweisen habe, werde am besten be- wiesen durch die Tatsache, daß dieses Koloniakgebiet durch deutsche Arbeit und Verwaltung auf eine solche Höhe gebracht wurde, daß eS während der vier Kriegsjahre, von aller Welt abgeschlossen, au» eigener Kraft sich erhalten und gegen eine Uebermacht ver- teidigt habe. Wären die englischen Behauptungen wahr, so würde es unmöglich sein, daß die acht Millionen E!ngeb«rener sich von den wenigen Tausend deutscher Ostafrikabewohner(5991 mit Frau und Kinxrn) nicht nur haben weiter führen lassen, son- dern daß sie überdies bis zuletzt treu und tatkräftig an der Seite der Deutschen ausgehalten haben; sie haben sogar mit den Deut- schen schließlich ihre Heimat verlassen, als diese das Schutzgebiet geläufig ist, überraschte durch eine Naturalogie für Klavier vom Kurischen Haff und Düncnstrand. Es schioinyt darin so etwas wie oftpreußische Symbolik und lokalistische Lyrik, die. worauf ein kurzes Stimmungsmotiv hinzudeuten scheint, auf Ehopin zurückführt. Eine einsätzige Sonate von Alban Berg, desgleichen fünf kapriziöse Klavierstücke vom Pianisten des Abends versprechen mancherlei für di« Zukunft. Bei diesem namentlich ofienbart sich eine gute Dosis von EroteSkhumor und parodisticher Laun«. Hermann Sche r ch e n steuerte fünf Lieder bei, darunter drei von Heine.„Wie kannst du ruhig schlafen" war wohl de? am meisten charakteristisch gehalten« und fand starken Beifall. Ein französisches(mit obligater Violine) wurde teil» ausgezischt, teils wieder von Parteigängern de? Komponisten frenetisch beklatscht. BusoniS ABumblatt für Violine schwebte über ollem in eigener Schönheit. Den I-Punkt aber bildeten Arckold Schön- bergS sechs kleine Klavierstücke. Dieser Aphorismus ist kaum zu überbieten:— so kurz, so nichtssagend mutet er an. Wenige Takte, was sag ich. einige einspännige, einfchläsernd wirkend« Töne — und«in„Stück" ist fertig. Soviel unfreiwillige Komik mußte herzhaftes Gelächter auslösen. Aber da? Jungvolk focht es wenig an. Und mit Recht, den» es glaubt an seinen Stern. est. Notizen. — Theodor L 0 0 S sttzllte gestern im P a l« st t h« a t e r die 'ChristuSgestalt des Fuchsschen PassionSspiels dar. Er gab, worauf eS ankommt. Christus ist ihm der vollendet« Mensch der liebenden Güte. Um ihn her drängt verständnislos, unzulänglich der bruiale Egoismus der Welt, aus Gier blind, töricht, schlecht und stolz, auS Blindheit feindlich und gemein. Der Christus, den L00S in den Kreis dieser engen, irrend ihn anfallenden Leidenschaften fügte, war auS dem Willen geschaffen, höchste innenfichere Leuchtkraft ohne jede Spur überirdischen Vergöttlick-ens auszudrücken. Ein Laos hat nicht? von Theatralik. Er ging auf den Kern der Le- gende. Ziel war: das Menschliche so geben, daß es als das Heilig« wirkt, das es ist. In irdischen Zügen wurde da» Symbol still und tnehverklärt zum Tod bereiter menschlicher Märthrerschaft lebendig. Das Bild war ganz durchformt nach dem Pilatuswort: Sehet, welch ein Mensch! eck. — Vorträge. Herwarth Walben liestcdürfligkeil zu schämen. Aber zu verstehen ist doch auch die Empfindlichkeit vieler, die allmonatlich bei den Armenkommissionen ihre Unterstützung abholen müssen. Die Armendirektion sollte den Armenkommissionen wieder mal einschärfen, daß bei der Almosen. auSzahluna das Amtsgeheimnis zu wahren und daher die Oeffentkichkeit auszuschließen ist. Konflikt i« der Demokratischen Partei. AuS Kreisen der Deutschen Demokratischen Partei wird unS mitgeteilt: Die Deutsche Demotratische Partei hat, wie berichtet wurde, am letzten JSwmtag im Wahlkreise Telow-BeeSkow-Char- binziakverband seinen Parteitag ab, her jedoch von mehrere» Be» zirksvereinen, wie Charlottenburg, Neukölln und vielen anderen Ortsgruppen, nicht anerkamrt wird, weil der ZLahlkreisverband die Gründung dieses Provinzialverbcmdes nicht beschlossen hat. Sowohl Wahlkreisverband wie Provinziakverband nehnicn da? Recht für sich in Anspruch, bei Aufstellung der demokratischen Kan» didaten mitzuwirken, Parteisekretäre anzustellen und Geldmittel zu sammeln. Schwerer Kampf zwischen Polizelbeamten «nd Einbrecher«. Em Wachtmeister und zwei Einbrecher erschossen. Große Aufregung verursachte in der vergangenen Nacht ein schweres Feuergefecht zwischen zwei SchutzmannS-Wachtmcisiern und fünf Einbrechern in der Mnienstraße. In dem Hause Nr. W wurde die Buttergroßhandlung von Ernst Ladewig, Ä. Schimmel Nachf., schon wiederholt von Einbrechern heimgesucht. Di« zu- nehmende Unsicherheit verantaßte Ladcwig zu besonderen DorsichtS- maßregeln. Zuletzt ließ er seine Räume zur Nachtzeit von Polizei» Beamten der 8. Houptmannschaft ständig bewachen. In der ver- gangenen Nacht versahen diesen Dienst die Wachtmeister DierkS und Heller. Um 8 Uhr drang eine fünfiöpftge Bande auf das Grund» stück ein, um wieder die Butterhandlung auszuplündern. Als die beiden M ies, Abschnitt 10«'/, Plb. Marmelade. Abschnitt 110 150«ramm(» rieh, Abichnitt 4 der RricgSbc'chSdlglenkarte I Ps». Morgenwank. Die Brotkai ieu der kommenden Doch« lind wiedernm mrgillltg. Es gelten die Abschn. Z, 0 und 10 der Lebensmittelkarte de? Kreises RIederbarnun unter gleich- zelliger Abgabe der Brotkarte der 14. Brotkartenwoche. Es durste höchste Zeit werden, daß sich die Regierung mit dem! lottenburg ihren Parteitag abgehalten. Als Konkurrenzunter. krankhast am Alle» hastende« General beschäftigt. l nehme« hält nun am nächsten Sonntag ein Demokratischer Pro, 1 Beraniworttich für Politik«itat fiickle«. ahattottevbvrq, fürte übrigen Teil bei Blatte«: Alfred vcholz, RajfäHn; für Anzetaen Thcndoe GloDl Berlin. Berlaa! Vorwötts-Aerlaa». w». H.. Berlin. Drucke«orwürtskBucbdructeret und «eilagOanftalt Paul«iuaer«.(e. In lverttu. Linden strah« 3. H-chh-r�ch-rstNih«» wohohao» Z» Tlergartei-Vin-del mit Wohminß-n nun 3 bis 9 Zimmern, einer 10- und einer I«-gimmer-W ohnunz, elektr. Licht, Warmwasser, Slallungen und Garten ist bei sehr billißen Mieten für Mt. ZSVdaa,— zu aertaufen. Ein-? �' W die auf werden tann, ist Jtäufer zu beziehen. Nit- h-rea durch ItZK Kultus dl. vier, Leipziger Str. Ai. Zentrum IZBchSZ. 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