9t.l79.3«.|«lr*|j. Ve,«aSvret«: ClertetläW. 7fl> 1R1, monafl.286 TO. frei in« pauä. voraus zahlbal. Sinzein« «ummccn 10 i-ienm«. P-ilbezug: Monollich 260 TO, ejfL Zustellung�. gebühr. Umei rtxeurbanb für Dsutich- and u. Oesterreich-Ungarn i.TB Ml. ür daS übrige Ausland S.7S i'lL bei üglich einmaliger Zufiellung 7.76 TO ijostbenellungen nehmen in Düne- muri. Holland Luxemburg. Schweden und die Schwerz. Singetragen in die Sasl-iieuungS-PrerSlifte. Der.SorwürtS'«richemi wochemügNch zweimal, soirntagr einmal. Telegramni-Ldlesi«! .Ooziald»»»tr«t«eritn�. Abend-Ausgabe. Verlinev Volksblstt. (l0pf«NNW) LlnzeigeuvreiS: Die achigeibaltrae«onbareillezeste lostei 1.20 TO..Kleine'tlnzeigeu-, das'ellgeoiuckie Sori SO'Lig.(zuiüsstg 2 ietlgedructlc Sorre). lede. weitere Wori 26 Lsg. Siellengeiuche und Echlaistellenanzeigen daS erste Wort <0 ütg., ledeS weitere Wort 20 iiig. Sorte über 15 Buchstaden zählen für zwei Sorte. leuerungSzuichiag 60°/» Familien-Anzeigen. volitiiche und gewerstchaftliche LereinS> Anzeigen 1-20 MI. die Zeile. Anzeigen iür die nächste«ummer müsten orS ä Uhr nachmittags im Haudtgeichäsl Berlin 60.88. Lindenstratze 3, abiiegeben «erden. SeSfstiei von S Uhr früh bis 6 Uhr abend», Zentralorgan der fozialdctnohrati fehen Partei Deutfcblande. ms Redaktion und Expedition: GW. HS, Lindenstr. 3. Kernivrrcher: Amt Moritzplatz. Nr.»SISV— tS>S7. Montag, den 7. April ISIS. Vorwär7s-Verlag G.m.b. h., SV. HS, Ltndenstr, 3. Arrstfprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 117 63—24. Zwei Regierungen in Bayern. Ausrufung der Räterepublik.— Gegenproklamatlon der Regierung Bjoffinann. Proklamation öes Aentralrats. München, 7. April.(Eigener Drahtbericht des„Bor- wärts".) Durch Proklamation des revolutionären Zentralrats, dir überall angcschlagen wurde, ist Bayer« seit heute morgen Räterepublik. In der Proklamation heißt es n. a.:„Die Ent die boperische Regierung tritt nicht zurück. Verlegung des Regierungssitzes nach Riiruberg. Nürnberg, 7. April. Ein Erlaß des Miuisterpräsi. deuten H o f f m a n n hat folgenden Wortlaut: Die Regie» runa des Freistaates Bayern i st u i ch t z n r ü ck g e t r e t e n; schcidung ist arsallen. Bayern ist Räterepublik!" ES wird weiter sie hat ihren Sitz von München verlegt. Die Regirrung ist. betont, daß die revolutionäre Arbeiterschaft und alle�anderen und bleibt die einzige Inhaberin der Gewalt i'/i — s. if,.Ii— /.— u-ii-i rechtswirksame Anor'o- Wcitrre Publikatiou/rn Arbeiterparteien sich einig sind. Tie DiktaturdesProle t a r i n t S ist angekündigt. Tie So.iialisiening der Presse wird durchgeführt werden. Weiterhin wird die Bildung einer Roten Armee und dir Schaffung von revolutionären Gerichten gegen jeden Anschlag, der sich gegen die Räterepublik richtet, angeordnet. Ferner heißt es, daß die bayeri'che Räterepublik die russischen uud ungarischen Volksgenossen begrüßt und sofort die brüderlichen Beziehungen mit diesen Völkern aufnimmt, dagegen jedes weitere Zusammen- arbeiten mit der„verächtlichen Regierung" Eberl, Scheide- mann, Noske, Erzbergcr ablehnt, weil diese unter der Maske einer sozialistischen Regierung nur das kapitalistische, imperialistisch« und militaristische Geschäft des zusammen- gebrochenen deutschen Kaiserreichs fortsetzten. Ten württcm- belgischen Genossen wird Gruß entboten und der heutige Tag zum Nationalfeiertag erklärt. In München selbst herrscht� Gen eralstreik. Alle Ge- kchäste, außer Lebensmittelgeschäfte, sind geschlossen; die Stra- ßeubahn verkehrt nicht. Aus dem Lande und den übrigen baye- rischen Städten liegen noch keine Nachrichten vor. Die in der vorstehenden Meldung angeführte Proklamation hat folgenden Wortlaut: An daS Volk in Bayern! Di« Entscheidung ist gefallen. Bayern ist Räterrpubltt. Da? werksägige Volk ist Herr seine» Geschick». Die revolutionäre Ar- beit.'rschaft und Bauernschaft Bayer«», darunter auch alle unsere Brüder, die Soldaten sind, von keinem Parteigesetz mehr gehemmt, sind sich nun einig, daß von nun an jegliche Ausbeutung und Unterdrückung ein Ende haben muß. Die Diktatur de» Proletariat» ist nun zur Tatsache geworden. Bezweckt ist die Benviu/ichung eines w a h'r'h a f t sozialistischen Gemeinwesens, in dem jeder arbeitende Mensch sich am öffentlichen Leben beteiligen und ist allein berechtigt, erlassen und zu erteilen. Bayer» nungen zu ersolgcn. Nürnberg, 7. April 1913. Hosfmau,�. die neuen volksbeauftragten. München, 7, April. Die„München-AugSburger Abend- zeitung" schreibt zu den neuesten Vorgängen unker anderem: Tor Schwerpunkt für die endgültige Entscheidung innerhalb der Sozialdemokratie lier/t äugen- blicklich in N ü r n b e r g, wo die sozialistische Landeskonferenz gleichzeitig mit dem Gau Nordbayern tagt. Dieser Tagung wohnt auch der Mlitärminister Schneppen» h o r st bei. In der Räterepublik Bayern sollen die bisherigen M- nister durch Volksbeauftragte ersetzt werden. Eine Liste der zukünftigen Bolksbeauftrr/gtc» befand sich am Samstag bereits im Umlauf. Die obersten Staatsämtre sind nach dieser Liste folgendermaßen besetzt: Aeußeres: Dr. Mühls n. Inneres: S e g i tz. Justiz: Dr. Böheim(Kommunist/). Finanzen: Dr. Jaffe. tandel: Simon.« ozialisierung(neu): Dr. Neuvath. Kultus: Niekisch., Landwirtschaft: Steiner. Verkehr: Frauendorffer. Militärische Angelegenheiten: Schneppen bor st. Lolksaufklärung(neu): Landauer. Soziale Fürsorge: Unterleithner Ein Gesetz für die Enteignung von Vermögen und Vermögenswerten soll nach einer Version erst in Beratung, noch anderen Mit- � r..., teilungen bereits fert ggestelll, sein. Der Inhalt des Gesetzes soll. gerecbten ,oziali>t>sch.kommuni, tischen Wirtschaft. Ter j st folgender: Jedes Vermögen(Vermögenswert) Landtog. da* unsrnchtbare Gebilde de« überwundenen kapitalistischen«über 10000 M a r k wird festgestellt. Aus dem Vermögen Z.-itaNri?. ist ausgelöst, daS von ihm eingesetzte Ministerium zurück- � soll, gestaffelt nach der Söhe. eine Vermögensabgabe pi: rot ei!. Po» de» Nöten des arbeitende» Polk-z bestellte, dem B-lk- erhoben werden. Der Nest wird dem Inhaber vom Staate Jürth für öle. Räterepublik. verantwortliche Miinner, erhalten als �B-Usbeaustroete fü� be- lmit 3 bis 4 Prozent verzinst. Das Vermögen e. �...... Staate. Kunü(kebung an öie ffrbeiterräte. 7. April. Di« Korrespondenz Hoffmann meldet stimmte Arbeitsgebiete außerordentliche Vollmachten. Ihre Gehilfen! s e s'h st g e"(j g["j J e jn werden bewährte Männer aus allen Richtungen de» revolutionären Sozialismus und KommuniZmuS sein. Die zahlreichen tüchtigen Kräfte des Beamtentums, zumal der unteren und mittleren Beamien..neiden zur tatkräftigen Mitarbeit an dem neuen Werke aufgekorderi Das System der Vureaukratie aber wird unverzüglich an*!, rrcttfi. Die Presse wird sozialisiert. Zum Schutze der banalsten Räterepublik gegen reaktionäre Versuche von außen und von tttnen wird fasert eine rote Armee gebildet. Ein R e v o l u t> o n S g e r i chst wird-jeden Anschlag auf die Räte- regierung sofort rücksichtslos ahnden. Die bayerische Röte- republik iolgi dem Beispiel der russischen und ungar'ischen Völler. Sic nimmt sofort die brüderliche Verbindung mit diesen Völkern auf, jedoch lehnt sie jedes Zusammenorbeiteu mit der ver- Lchtlichen Regierung Ebert-Scheidemann-Noske-Erzberger ab, weil sie unter der Flagge einer sozialistischen Republik das imperialistisch- kavitalistjsch- militaristische Geschäft de» schmachvoll zusammen- grbrochrnen deutschen Kaiserreiche» fortsetzt. Sie ruft alle deutschen Brüdcrvölker auf. den gleichen Weg zu gehen. Allen Proletariern. wo immer sie für Freiheit und Gerechtigkeit, wo immer sie für den revolunonären Sozialismus kämpfen, in W ü r t t e m b e r'g. im R u h r g e b i e t, in der ganzen Well, entbietet die bayerische Räte- republik ibre Grüße. Zum Zeichen der freudigen Hoffnung auf ein« glückliche Zukunft für die ganze Menschheit wird hiermit der 7. April zum Nationalfriertag ernannt. Zum Zeichen des beginnenden Ab- schiede- vom fluchwürdigen Zeitalter des Kapitalismus ruht a'm Montag, den 7. April, in ganz Bayern die Arbeit', soweit sie»ich: für da- Leben des werktägigen Volkes notwendig ist, worüber gleichzeitig nähere Bestimmungen ergehen. Es lebe das freie Bayern! Es lebe die Räterepublik! Es lebe die Welt- revolutionl München, amtlich: Telegramm an sämtliche Arbeiterräte. Da» werktätige Volk Bayerns hat seine Barteiungen überwuoiden und sich zu einem mächtigen Einheitsblock gegen jede Herrschast i»nd Au». bcutung zusammengeschlossen. Es übernimmt in den Arbeiter-, Soldaten- und Banernräten die ganze öffentliche Gewalt. Der, Landhag wirdaufgelöst. An die Stelle der Mi- nister treten die Beauftragten und Kommissare de» Volkes., In den öffentlichen Angelegenheiten herrscht voll- kommene Ordnung. Die Wirtschaft und die Verwaltung werden fortgeführt. Alle Angestellten- und Beamtenverbände de» Landes haben sich mkt den Soldaten solidarisch erklärt und ge- währleisten gemeinsam den Schutz und den Fortgang der Produktion. Die Betriebe werden durch Betriebsräte der Arbeiter und Angestellten kontrolliert und gemeinsam mit der Lei- tung verwaltet. Alle» gehört der Gemeinschaft. Darum ist jede selbständige Sozialisierung au?» geschlossen. Die Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte haben die Pflicht, überall für den Schutz der Räterepublik und für ruhige Entwicklung zu sorgen. Sie übernehmen die örtliche Gewalt und kontrollieren die Verwaltung. Si« sind dem werktätigen Volke für all« Handlungen und Unterlassungen verantwortlich. Montag, den 7. April, ist Nationalfeiertag. Die Arbeit ru?t an diesem Tage. Die Eisenbahnen- die NahrungZ-, Wasser-. Licht- und Heizbetriede versorgen da» Volk weiter. Der revolutionäre Zentralrat Bayerns. I. Nkckisch. Fürth, 7. April.(WTB.) Die Stadt Fürth hat sich der Mtevepublik angeschlossen. Um 10 Uhr fand eine Ver- Sammlung auf dem Schießanger statt, wo nach An- sprachen von verschiedenen Rednern die Räterepublik ausgerufen wurde. Oberbürgermeister Dr. Wild erklärte seinen Rücktritt, da er unter den gegenwärtigen Verhältnissen di« Verantwortung nicht übernehmen könne. Im Rathause sind sämtliche Bu» reaus geschlossen bis auf den Schuldienst. Di« Schulen sind geschlossen. Die-Arbeiter haben die Betrie be»-t>«rlassen. Zustimmung öer füöbaperischen Mehrheits- fozkalisten. München,<$. April. Ter Gautag der sozialdemokratischen Partei Südbayrrns hat mit 210 gegen 13 Stimmen beschlossen, der Gründung einer Räterepublik zuzustimmen unter der Be- dingnng, daß die unabhängige sozialdemokratische Partei und die kommunistische Partei an der Durchführung dieser Räterepublik mitwirken. Der Wirrwarr ist in Bayern auf dem Höhepunkt. Der revolutionäre Zentralrat in München verkündet die bayerische Sowjetrepublik, aber das bayerische Volk scheint nicht geneigt, dieser Parole widerstandslos zu folgen. Es wird daher die Bil- dung einer Roten Armee angekündigt, sowie die Einsetzung außerordentlicher Kriegsgerichte, um mit solchen Gewaltmitteln jeden Widerstand gegen die neue Ordnung der Dinge zu brechen. Gestern noch hat der unabhängige Minister Unterleitner in einer Mllnchener Versammlung gesagt, in Bayern würde es „keinen Noske" geben. Die junge bayerische Sowjetpolitik scheint sich aber trotzdem ganz hübsch auf„Noske" einzurichten: sie bekennt sich nämlich sofort zu dem Grundsatz, daß keine Staatsordnung ohne Machtmittel anfrechterhalten werden kann. Die Frage ist also nur, ob die Demokratie oder die Sowjetverfassung die berechtigte und richtige ist. Die außerordentliche Landeskonferenz der bayerischen So- zialdemokratie in Nürnberg hat sich am Sonntag gegen die Sowjetverfassung ausgesprochen. In auffälligem Gegensatz hierzu hat ein südbayerischcr Gautag der Mehrheitssozialisten beschlossen, das Experiment mitzumachen, wenn sich die Un- abhängigen und Kommunisten an ihm beteiligen. Der bayerische Landesbeschluß ist tapfer und grundsatzfest, der südbayerische Gantagsbeschluß ist ein Ergebnis jenes grundsatzlosen t a k t i- schen Geschaukels, das auch in Verlin von manchen Gc° nassen als letztes Heil und einzige Rettung angesehen wird. Der südbayerische Gautagsbeschluß hat nun freilich einen großen taktischen Haken. Nämlich, die Kommunisten ivollen gar nicht mitmachen: sie trauen dem mehrheitssozialistischen Land- frieden nicht, und ihr Mißtrauen ist vollkommen berechtigt, denn ein Sozialdemokrat kann unter keinen Umständen ein Gegner der Demokratie und A n- Hänger der Sowjetregie ru n g sein. Die von den Unabhängigen zusammengeschobene„Einigung des Proletariats" droht mit einem großen Krach zu enden. Was jetzt in Bayern wird, weiß kein Mensch. Aber für die bayerische Sozialdemokratie kann es jetzt nur eine Aufgabe geben: sie muß den Weg zur Demokratie zurücksuchen. Sie muß und wird hoffentlich fordern, daß die Sowjetverfassnng nicht eher in Kraft treten darf, als bis sie voin ganzen bayerischen Volk in allgemeiner, geheimer Abstimmung bestätigt ist. Vi? dahin ist die Herrschaft des Mllnchener Zcntralrats eine auf keinerlei Recht gegründete Gewaltherrschaft. Die Sozialdemokratie, innerhalb und außerhalb Bayerns, wird hoffentlich aus den Vorgängen in München weiter lernen, daß man eine Staatsordnung ohne Macht nicht aufrecht- erhalten kann. Wer das Ziel will, muß auch die Mittel wollen. Es aibt nur zweierlei: Entweder wir bitten die Herren Erich Mühsam, Herrfurth und Lewien, die Regierung des Deutschen Reiches zu übernehmen, und versvrechen, ihnen getreue Unter- tanen zu sein, oder wir entschließen uns. die Staatsordnung, die wir für die gerechte und rickstige halten, und zu der wir uns nach unserem Vrogramm bekennen, mit allen Macht- mittel« aufrechtzuerbalten. Sind wir dazu entschlossen, so können wir auch nicht wollen. daß aus Anlaß des bevorstehenden Wtekongresses in Berlin herumgevutscht wird, um hier ähnliche Ergebnisse wie in Bayern zu erzielen. Die Zeiten sind viel zu ernst, als daß wir uns den Spaß der Ausrufung einer Sowjetrepublik in Berlin auch nur für einige Tage gestatten könnten. Das Recht des ganzen Vol- keS, über sich selbst zu bestimmen, ist uns viel zu heilig, alS daß 3tr feine Untastunfl gesMte» dürften Den Mitgliedern der sozialdemotrallschen Fwktton auf dem Rätekongretz rufen wir daß sie jetzt mehr denn je aufrechte Sozialdemokraten sein müssen und nickt mit taktischen Kunststücken zwischen Spartakus und den Unabhängigen heruixkurnen dürfen. Gewiß, eS ist vieles so. daß wir wünschten, es würde besser sein. Wer deswegen dürfen wir doch nicht mit gefalteten Han- den zusehen, wie alleL schleck, ter und schlechter wird. Wir dürfen oas arbeitende Volk nicht schutzlos lassen vor den Fanatikern und Schreiern, die es immer tiefer ins Verderben hineinführen wollen. Ist diese unmittelbar drohende Gefahr abgewendet, dann können wir uns mit desto größerer Kraft auch gegen die Wider- stände von rechts wenden, die das große Erneuerungswcrk der Revolution hemmen und gefährden. Was wir brauchen? Ruhe, grundsätzliche Klarheit, unbeugsame Festigkeit und. wenn eS nicht anders geht, eiserne Entschlußkraft! Die bayerische Regierung hat beschlossen, nicht abzudanken, sondern nur ihren Sitz von München megzuverlegen. Wir be° grüßen diesen Entschluß. Wer freilich, Kitte sie sich rechtzeitig „einen Noske" angeschafft, wie sich ihn jetzt der Miinchener sjentralrat in vergrößertem Format zuzulegen beabsichtigt, so wäre sie heute nicht nnstät und flüchtig. Stnöentenrat öer Universität. Stüachen. ß. April- Der Zenlralrat geistiger Arbeiter 'Äffentkicht durch die Korrekpoudenz Hosfmann einen Erlaß, in izm es heißt: Die Studentenschaft der Universität Miinchon -.at Sonn lag nachmittag in einer Versammlung des Allgemeinsn ' Studentenausschusses der Universität beschlossen, den bisherigen Senat als enthoben zu erklären und die Verwaktung der Ikniversität einem Studentenrat zu fl, vertragen, dem ein Fachbcirat von UniverfitätSprofessoreii beigegeben wird. Hiermit ist die erste Revolution der geistigen Ar'- l> e i i« r in Bayern in die Wege geleitet. Di« SiudentenanSschüffe er recl?ni''chen Hocbschuie und der Handelshochschule in lvhüncheu, »wie der Universitär in Erlangen und Würzdurg sind vom Zentral- at geistiger Arbeiter aufgefordert, in gleicher Weise vorzugehen. Vi,- � die Reicksregiertmg auf Sem Rätekongresi. Ztuf dem Rätekongreß wird die Reichsregierung durch die drei zuständigen Ressortminister, dem Reichsarbe'ts- minister Bauer, dem Minister des ReickswirtschaftsamtS Wisse II und dem Minister des RcichsernährungsamtS Robert Schmidt vertreten sein. die Magöeburger Militärrevolte. Brandes verhaftet. Wegen des Versuchs, eine Militärredolte in Magdeburg und Umgebung und in anderen Garnisonen herbeizuführen, sind in Magdeburg mehrere Verhaftungen vorge- uommen worden. Der Hauptschuldigste von den in Hast Genommenen ist der frühere Reichstagsabgeordnete Bran- d e s, dek Mitglied ber U. S. P. D. war. Der Berliner V o l! z u g Z r a t, dem von Magdeburg aus heute morgen i iese Verhaftung gemeldet worden ist, hat beim Reichswehr- minister interveniert und ihm mitgeteilt, die Magdeburger Arbeiter hätten erklärt, sie würden solange st r e i- ken, bis Brandes wieder freigelassen wird. Darauf ist der Bescheid erteilt worden, daß Brandes unter allen Umständen der Prozeß für die Straftaten gemacht werde, deren er schuldig sei. Eine F r e i I a' s un g kä m e nicht in Betracht. Von dem gesunden Sinn der Magdeburger Arbeiterschaft, der sich so oft bewährt hat, erwarte die Regierung, daß sie sich uickst zu einem Streik mißbrauchen lasse, zugunsten eines st'annes, der mit einer unglaublich frivolen Leichtfertigkeit den Versuch gemacht hat. vas Land in einen neuen schweren Bürger- krieg zustürzen.___ der staatsbürgerliche Unterricht an Schulen. Kicht nur in der Tägcspresse der verschiedensten Richtungen, rudern auch in allen Schichten der Bevölkerung taucht jetzt immer nieder der Wunsch auf, die neue deutsche Reichsverfassung möge e nie wiederkehrende Gelegenheit benutzen, um mit einem Schlage fixr ganA Deutschland den staatsbürgerlichen Unterricht an den Tchulen anzuordnen. Der Wunsch ist vollberechtigt, denn'besonders bei den fort- ichriitlichen Veränderungen der Neuzeit tritt das bisherige ganz- che Fehlen einer planmäßigen Entwicklung der poli- fchen Anschauungen der Einzelnen immer deutlicher zutage. Nur ,urch die Aufnahme der Staatsbürgerkunde— d. h. der Lehre von m Rechten und Pflichten der Untertanen früher und der mitvcr- autwortlichen Staatsbürger jetzt— in den Unterricht aller Dil- '.mgSanftalten, auch der Fachschulen, als Lehrfach kann chlich LangvcrfäumteS in der Volkserziehung nachgeholt werden. "n den maßgebenden Steven ist die Notwendigkeit der Hebung .:nd Vertiefung der allgemeinen Volksbildung schon längst erkannt worden. Nur konnte nirgends der Schneid gefunden werden, die .'rkcnntnis in die Tat u-NAusetzen. Allein das Landesgewerbeamt, :ls die neuzeitliche und wachsame Hüterin aller technischen Mittel- chulen Preußens anter dem Minister für Handel und Gewerbe, 't bereits vor einigen Jahren dem Plan nähergetreten, für die .'l u S d i l d u n g d e r Techniker die Staatsbürgerkunde in den zehrplan der ihm unierstellten Langeivecf schulen aufzunehmen. Die Preußischen Baugcwerkschulen sind reine Fachschulen. In chnen wird den Schülern in fünf Halbjahren eine Fachausbildung e geben, durch die sie befähigt werden, als Techniker in ihrem Be- afe Tüchtiges zu leiste». Dazu erhalten die Zöglinge nocb eine Schulung der wertvollsten Charaktereigenschaften, der Pflichttreue :!nd Eetoissenhaftigkeit mit einem Schatz an Kenntnissen für das Sgliche Leben. Zur Vervollständigung dieser hohen Ziele ge- ängte die Staatsbürgerkunde bereits im Krieg«— zunächst nur versuchsweise— an der Daugewerkschule in Neukölln zur Durchführung. Diese zeilgemäße Neuordnung bewährte sich so. Saß di« Einschaltung de» so wichtigen und interessanten Faches an allen Preußischen Baugetverkschulen fortan angeordnet werden konnte, so daß vom kommenden Sommerhalbjahr an in der Tat der Unterricht cm diesen Schulen durch die eingefügte Staats- Lürgerkunde die so lange versäumte Vervollständigung erfährt. ES steht zu hoffen, daß ebenfalls in der Erkenntnis der zur Militär! stbe Besetzung öes düsielüorfer Elektrizitätswerks. DaS Garnisonkommando Düsseldorf hat heute abend das städtische Elektrizitätswerk militärisch besetzen und wieder in Betrieb setzen lasse». wie man lügt. Die van unabhängiger Seite agitatorisch verbreitete Behanp- tung, es feien gegen kommunistische und unabbängige Arbeiterräte usw. bereits„m ehr als Haftbefehle" erlassen war- den, ist amtlich auf das schärfste dem«iiiert worden. Auch die „Freiheit" muß diese Richtigstellung briiHm. Aber was macht sie daraus? Sie legt jetzt ganz willllkürlich in der amtlichen Richtig- siellung die Betonung auf das Wort„mehr" und schreibt:„?hin, 2000 genügen auch schon." ES ist natürlich eine völlige Verdrehung des amtlichen Dementis, wenn man herauslesen will, daß die Verhaftung von 2000 darin zugestanden würde. Tie Fassung der amtlichen Er- klärung rührt einfach daher, daß die bestrittene Behauptung ent- sprechend gelautet hatte, eS seinen mehr als 20 00 verbaftet worden. Die Behauptung wurde also tu der aufgestellten Form zurückgewiesen, und natürlich ist eS keinem Menschen eingefallen, damit sagen zu wollen, daß nun etwa 2000 verhaftet wären.— Aber die Berliner Parteidelegierten der S. P. D. haben am Sonntag gewußt, warum sie den AuSspru-b,„die„Freiheit" ist das größte Lügenblatt Berlins", mit stürmischem Beifall aufnahmen. Zlopd George über üen vorfrieüen. Rotterdam,?. April. f.H. N.) Die heutige Morgenausgabe des„Matin" enthält eine Unterredung mit Lloyd George, in der der«nglilche Premier u. a. sagte:„Ich.bitte mir noch zwei Wecken Geduld auS. Wir nähern uns dem Ende. Wir stimmen mit Pichen«ällig ül-crein, daß dir Borfriedensbedingun- gen vor Ostern bereit und den deutsche» Abgeord- neten Ende April oder Zlnsang Mai zur Unterzeichnung vorliegen werde n." Neber die Schadensvergütung sagte Lloyd George, daß zwischen den Unterhändlern keine Meinungsverschiedenheit bestünde, wvhl aber zwischen den Sachverständigen, nrd zwar über die Art der Zahlung wir über die Höh« der Aknva, die man ver- langen könne. Zum Schluß ermahnt« Lloyd George, die Beschlüsse abzuwar- ten, und sich nicht durch lose Gerüchte beeinflussen zu lassen, da sehr viele unricksiige Nachrichten verbreitet werden. Sozialrevolutionäre unü Solschewiki. Trotz ber triumphierenden Funksprüche ber Bolschcwiki ist ein« Annäherung zwischen ihnen und den anderen sozialistischen Par- seien: nicht zustandegekommen. Di« vor einigen Wochen angckün- dig� Ankunft von Vertretern der sozialrevolutionärcn Partei in Moskau nützte nichts; eine Verständigung wurde nicht erzielt. Be- zeichnend ist. daß, wie wir aus einem verspätet. in unser« Hände gelangten MoSkmicr Blatte ersehen, die Delegierten der zur V«r> söhnung bereiten Konstiiunnte-Mitglieder sozialrevolutionärer Par- teirichiung völlig auf eigene Verantwortung handelte. Die im Be- reiche Sowjet-RußlandS tätigen Organisationen lehnen jede Annäherung ab. Im Januar fand eine Konferenz der Ge- samtpartei der Sozialrevolutionäre statt(selbstverständlich g«- heim, denn in dem angeblich proletarischen Sowjet-Rußland be- steht keine Versammlungsfreiheit). Di« Konferenz beschloß, weder mit den Bolschewiki noch mit den bürgerlichen Gruppen und Par- ieien politische Vereinbarungen über die Bildung einer Regierung zu treffen,„solange bei dem zertrümmerten Zustand der Demo- krati« keine Möglichkeit gegeben ist, diese Vereinbarungen durch reale Kräfte der organisierten Demokratie zu stützen". Die Schaffung einer einheitlichen revolutionären Front gegen- über jeglicher Diktatur erscheint den sozialnevolutionären Organi- sationcn nur dann möglich, wenn die Grundforderungen der Demokratie innegehalten werden, als welche genannt werden: Einberufung der gesetzgebenden Versammlung, Wiederherstellung aller durch die Revolution vom März 1917 er- rängenen Freiheiten(des Wortes, der Presse, der Versamm- lung, der Agitation usw.). Desgleichen müsse als Bedingung ge- ------------------------ �--------—-------------■" Erziehung der Jugend so gtoßen Notwendigkeit die anderen all- gemein bildenden Anstalten zanz Deutschlands dem Beispiel« in der Einführung der Staatsbürgerkunde bald Folge leisten werden. Eine Volke-Gfterseler. Auf Sammelruf Bruno W i!1 e S hat sich eine Anzahl nam- hafter bürgerlicher Männer und Frauen zu einem„Volks- kraft-Bund" zusammengetan. Duse Vereinigung strebt die „Förderung der si tlichen, geistigen und wirtschaftlichen(?) Kräfte des deutschen Volkes" mittels künstlerischer Unterhaltungen an. Gestern hat nun im Opernhauses das dem Bunde für gedachten Zweck zur Verfügung gssicllt worden ist, die erste allsonntaglich ge- plante„Volkö-Untcrhaitung" stattgefunden. Die Harmonie der Töne, daZ Werk der Dichter soll, nach einer Rede des Vorsitzenden Bruno Wille, die deutsche Nation aus jeglicher Zerrüttung retten, dcr sie durch oen mörderlichsten aller Kriege verfallen sei. Das ist gewiß löbl ch und erhebend. Zugleich darf in dieser neue» Grün- dung dcr Beweis erblickt werden, daß sie allerdings Jahrzehnte zurückreichenden kunstbildneriscken Bemühungen der deutschen So- zialdcmokratie innerhalb der Arbeiterschaft endlich auch weiter hinaus bahnbrechend zu Birken beginnen. Natürlich kommt es da- bei weder auf„führende" Persönlichkeiten noch auf hochtönende ideologische Verheißungen an, sondern darauf. Saß unermüdliche und geräuschlose Maulwurfsarbeit getan wird. Aus Ankündi- gungen geht hervor, daß nur die Bundesmitglieder freien Zutritt zu de» Vorträgen haben, daß aber diese andererseits jedermann Ge- tegcnheit geben sollen, die hervorragendsten Werke der deutschen Dichtung und Musik kennen zu lernen und sich au ihssen zu er- bauen. Die erste Veranstaltung war ganz dazu angetack. Die unver- gleichliche Kapelle des Opernhauses spielte, voll Leo Blech ge- leitet, unsterbliche symphonische M.isterschöpfungen von Weber, Schubert, Liszt in weiheschöner Vollendung. Und Erntny Leisner sang, vom Orchester begleitet, Schuberts Hymnvs„Die All- macht" und Händelö wunderbares.Largo" so stimmenklcmg gewal- tig als himmelan erhebend. Bndacht ging durch den voll besetzten Raum, würdig de? Gegenstandes, und abermals bestätigte sich Wagners Ausspruch: Kunst ist Rel'.gion. est. ?n» Konfitürenlaüen. Mit kindlich- fröhlichen Worten:„Papa, bringst du mir heute auch was Schönes mit?" gibt mir mein dreijähriger Junge jeden Morgen die Hand zum Abschied. Allabendlich führt mich der Weg durch die Linkfiraße, vorbei an einem großen Konfitürengeschäft, das stets voller Käufer ist. Ich sehe da unter vielen schönen und teuren Sachen kleine Zi- garren, daS Stück zu 40 Pfennig. Um meinem Jungen den Wunsch zu erfüllen, gehe ich hinein. Zwe« junge Herren, Mitte der 20er, Wohl die Inhaber des KaufladeuS. besorge» den Handel. Auf dem Ladeutijch sieht man stell! werden: die Beendigung des Bürgerkrieges inner- halb der Demokratie. Diesen Forderungen können die Bolschewiki nicht stattgeben, denn mit deren Annahme würde ihre Herrschaft aufgehört haben zu existleren. die Lanüwirtsthast im neuen deutschlanü. Vom Reichsernährungsministerium erhalten wir folgende Zu» schritt: In Nr. ISS des„Vorwärts" vom 31. März ISIS wird von Dr. Büsselberg, Berlin, in dem Artikel„Die Landwirtschast im neue» Deutschland" die Fläche der unbebauten Moore mit etwa 2 3 Millionen Hektar und die der Haide mit ebensoviel angegeben; i» Summa also zirka 4,6 Millionen Hektar. Diese Fläche soll insgesamt ziöfa 9 Proz. der gesamten Kulturfläche Deutschlands beiragen. Nach den Berechnungen der amtlichen Statistik der landwirtschaftlichen Bodenbenutzung(VierteljahrSheft zur S'a- tistik des Deutschen Reichs 1915, Heft 4) beträgt die unkultiviert« Moorfläche im Jahrc ISIS 450 489.7 Hektar und daS sonstige Oed- und Unland 1529 464,4 Hektar, in Summa 1979SS4.1 Hektar. Von der Gesamtfläche des Deutschen Reiches, die mit 54 109 835,7 Hektar angegeben ist, sind das 3,7 Pro«. Bon dem Oed- und Un- land kommt nur ein Deik für" landwirtschaftliche Nutzung in Frage, so daß die gesamte kuilwrfähige Fläche in Wiriflichkeit nicht 3,7 Prag, beiragen dürste._ Ein Gegner öer sozialistischen Lehrer. AuS sozialistischen Jehrerkraisen wird unS geschrieben: Ein Lehrer, der für seine geistigen Erzeugnisse, wahrscheinlich ihres Höhenfluges wegen in der Fachpresse keinen Raum gefunden hatte, wählte ftch die„Deutsche TageSztg."(Nr. 169 vom 4. April). um gegen die sozialdemokcatischen Lehrer Berlins vom Teder zu ziehen. Ihm hat eS die Zahl und die Qualität ber in der sozial- iemolra tischen Lehrervereinigung zusammengeschlossenen Persönlichkeiten angetan. Daß darunter Namen sind, die über den Rah- men des � Berliner Lehrervereins hinaus einen guten Klang be- sitzen, hindert ihn icht, d»S Kegrntcrl zu behaupten- Er fürchtet nämlich, die Partei wird an diesen neuen Mitgliedern noch ihr blaues Wunder erleben, da unter ihnen sich eine ziemliche An« zahl von sogenannten Novembersozialisten befindet, die aus irgend welchen. Rücksichten ihr soziaAemokratisches Herz erst»ach der Revolution entdecki hat." Wir können jenem besorgten Eckardi der Parier zu feinem Tröste sagen, daß die Mehrzahl unserer neuen Mitglieder auS dem Kreise seiner Amtsgenossen ihr sozialdemokratisches Herz nicht erst zu entdecken brauchte, sondern daß sie sich sofort, als der frische Lufthcrnch unS umwehte, als ganze Kerle dahinstellt«, wo das Herz sie schon immer hingezogen hatte. Beklagt sich der Herr vorher— übrigens ganz ohne Grund—- darüber, daß die sozialdemokratischen Lehrer hinter verschlossenen Türen lagen, so weiß er dennoch recht Interessantes auS ihrer ersten Versammlung zu berichten. ES ist mehr, als die Teilnehmer an dieser Tagung bisher gewußt haben. Dort soll nämlich ganz often ausgesprochen worden sein,„daß nunmehr fiir di« Beiörde» rung die Prüfungen nicht mehr ausschlaggebend wären, sondern besonders die Parteizugehörigkeit." Man weiß n-icht recht, was man mehr bewundern soll, di« dialektisch« Stärk« des Verfasser?, der auS zwei sich widersprechenden Behauptungen di« gleichen Forderungen„der Mittelmäßigbe-ft der sozialdemokratischen Lehrer" zu ziehen vermag, oder feine an Dummheit grenzende Naivität, die erwartet, daß fem« Leser diese Ausführungen gläubig hinußlunew werden....... j_.. Die Delegierten der Neuner-KommWrn des Reichssoldaten, rotes. Die Delegieoten der deutschen Armeekorps haben für den Räiekongreß eine So ldatenfraktion gebildet. Zum Ersten Vorsitzenden ist Stolt-Berlin, zum Zweiten Vorsitzenden Schulz- Glogau gewählt worden. Büro Herrenhaus, Zimmer 28. Eine Vereinigung sozialistischer Lehrer ist auch für den Re. gierungsbezirk Oppeln gegründet worden. Zum ersten Vorsitzenden wurde Genosse Faulhaber-Siernianowitz gewählt. Auf dem Reichs-ErwrrbSlosenkongrrß wurde ein Telegramm verlesen wonach in Frankfurt a. M. die„weiße Garde" von Nau- heim her eingerückt sein soll. DaS Telegramm übte die erwünschte Wirkung, wahr ist an ihm, wie uns auS Frankfurt a. M. mitge- teilt wird, kein Wort.. Berge eingewickelter Bonbons, Gebäck, Schokolade in kleinen Nie- gel» und großen, etwa Vi Pfund schweren Tafeln. Einer der Verkäufer mit protziger, brillantenbesetzter Kra- waitennadel in der Größe eines Markstückes, mit klobigen golde- ncn Ringen mit Brillanten und anderen unflätige» Steinen, wühlt in den Bonbons herum. Dazwischen das Gefrage:„Was kosten die Bonbons?"—„% Pfund 3 M."—„Geben'Oie mir % Pfund, was kostet das Gebäck?"—„% Pfund 2,50 M."— Geben Sie mir 1 Pfund, was kostet die Schokolade?"—„Die große Tafel 25 Mark, die Riegel 3 50 M.—„Geben Sie mir ecke Tafel zu 25 M., was kostet das Konfekt?"—„14 Pfund 4 M." —„Geben Sie mir Vi Pfund." Zwischendurch rasselt unausjhör- lich die Kasse, und die Geldscheine fliegen hin und her, als ob sie auf der Straße herumlägen. Jetzt komme ich endlich auch heran...Man" mag mir vodl ansehen, daß ich keine Einkäufe von 50 M. machen werde. Ich verlange eine Zigarre. .Lostet 4Ü Pfennig." Ich reiche einen.ckteimarkschein, und man ouu nur„ i 0.- gurre unein gewickelt entgegen, als wollte man sie gle ch wieder zurücklegen.„Halen Sie nicht 40 Pfennig?" Ich suche meine paar eisernen Sechser zusammen, bezahle und stecke die uneingrwickelte Zigarre ein. Mein Junge springt mir vor Freude entgegen:„Vapa, hast du mir auch was Schönes mitgebracht?" Ich hole flim die Zi- garre aus der Tasche hervor. Der kleine Kerl gibt mir einen Kuß und freut sich über daS winzige Ding. Ich gönne ihm die Freude und erzähle meiner Frau: „Uneingewickelt. aber von gold- und brillantenstrotzender Hand ist mir das Tina gegeden worden." In meinen Ohren aber ilin- gen die Worte: Die große Tafel 25 M., die Riegel 3 50 M" du. Notizen. — M u s i k. Kammersänger Dr. Waldemar Staeyemonn gibt am 9. April in der Singakademie«inen Lieder- und Rezi- tatwnSabend.— Erna Schöllet und Ilse v. I Hering veranstalten am 11. April im Meistersaal einen gemeinsamen Rezi- tatsonS- und Liederabend. Rezitationen u. a. R. Dehmel: Zwei Menschen. Rilke: Die Blinde. Am Klavier: Coenraad V. Bos. — DerEntdecher der Strahlenden Materie". In London ist der Physiker William Crooke? im Alter von 87 Jahren gestorben, der geniale Forscher, der die neue Erkenntnis der Naiurkräfte, insbesondere der elektrischen Lichterscheinungen bahnbrechend erweitert hat. In seinem Schaffen zeigt sich welche Bedeutung die Phantasie für die wissenschaftliche Forschung haben kann. Aber auch die Grenzen ihrer Geltung als wissenschaftliche Hilfskraft werden an Crookes, der ein Anwalt der Spiritisten war, deutlich erkennbar. — Di« tägliche Konjugation: Ich schiebe— Du stehlst— Er hehlt— Wir schleichen— Ihr hamstert— Zi« verdiene». Znöustrie und Handel. Börse. Unter dem Eindruik der Münchener Nachrichten vermehrte die Vörse heute in sch w a ch e r Haltung. Selbst Auslands- und jlolonialwerte, die bisbcr nock) bevorzugt gemesen waren, verzeich- bieten erhebliche Kursrückgänge. Auch Schiffahrtswerte, be- 'anders Deutsch-Australier und Hansa geben S Proz. und mehr ' jch. Von Montanwerten verloren insbesondere Bochumer. Teutsch-Luxemburger. DiSmarckhütie und Oberbedarf mehrere Pro- •ent. Chemische Werte waren rast behauptet. A. E. G. gaben etwa 2. Große Berliner 5 Proz. nach Auch Rüstungswerte .--gen schwach, insbesondere Orenstein u. Koppel mit 7 Proz. und .T rnnlet mit 8 Proz. KurSeinbußen. Kaliwerte waren ebenfalls ' ickläufig. Eine leichte Befestigung, die die Börse im weiteren ..ievlauf auswies, konnte ihr Gesamtbild nur wenig beeinflussen. Kriegsanleihen waren mit 83� Prog. wenig gedrückt. GewerffchHsbewWung ?er neue Tarif im Glasergewerbe von Grost- Berlin. Aus Grund des am 5. März den Unternehmern zugesandten neu«» TarifbertragentwurfS landen am 27. März Verhandlungen i'ctit. Nach denselben hat der Tarifvertrag folgende Gestalt er- Valien: Arbeitszeit 47 Stunden, gefordert wurden 45 Stunden. l'ahn wie gefordert, pro Stunde 2,50 M.. bisher höher entlohnte "■-J Proz. Aufschlag. AnSgelernte, im l. Jahre nach Beendigung der ilchrzeit 10 Proz.weniger. Akkordarbeit ist verboten. Die Parteien vervslichten sich, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln Alkordarbeit zu verhindern. Bei Arbeiten außerhalb des Stadtbahn- rinacS ist die Fahrzeit als Arbeitszeit zu bezablen. Die Arbeits- •i p-. TT Aktien Ringhabnhof. Ter Man taoez Uschlag beträgt beim Uebernachten "an 6 M. an aufwärts. Fahrgeld Z. Klasse: auch hier gilt die Fahrzeit als Arbeitszeit. ArbeitSnachiveiS: Unorganisierte sind erst zu vermitteln, wenn organisierte Arbeitslose nicht vorhanden sind. Desgleichen sind auch die dem Verband der Glasereien und der Innung angehörenden Mitglieder bei der Zustellung von Ar- beiiSkrgsten zuerst zu berücksichtigen. DaS Inserieren nach Ar- lieitäkräften ist zu unierlassen mid darr nur im Einvernehmen mit der Oraanii'aiion der Arbeitnehmer erfolgen. Die Schutzriistunqen bei Dachkonitrukttonen sind durch den Arbeitgeber entsprechend den v? 37 mid 38 der BauunfallverhütnngSvorschriften der Nordöstlichen iidrugewerkSherufSgenossenfchaft herzustellen. Ohl« Schutzvorrich- * ung. wenn solche erforderlich, werden Glasdächer und eiserne ' snster von den Gehilfen nicht berglast. Ter Tarif hat Gültigkeit s'iZ-um 31. März 1920; die 2ohnbereinbarungen jedoch nur biS 1. Oktober 1919. Die Lohnverhälinisie bezieben sich auf sämtliche M!tgliK>er des Zentralverbandes der GVCer fZabl stelle Berlin), und war nicht nur. wenn sie in reinen GlafereibetrieSen arbeitew, 'andern auch in GlaSsKleifereien..Kunstansialisn sBilderfabriken), "'TBft in Metallbetrieben, sofern sie daselbst Glaserarbeiten der- richten. Kollegen, wi-der einmal ist ein Tarif für vnser Gewerbe "nter Dach und Fach gebracht. An Euch siegt es nun, den Inhalt .Ssclben so zu gestalten, daß auch Ihr dabei bestehen könnt. Mon- [•% den 14. April, abends IV: Ubr, findet unsere Mitgliederver- ''ammlung statt, � der Ihr Bericht über die Durchführung dieses Tarifs zu erstatten habt. Die Ortsverwaltung. ??reiwiMgcntr,chl>cn gegen Streikposten. Nach einer Meldung, die uns von der Organisationsleitung des Bundes technisch-industrieller Beamten zugeht, erschien heute morgen in SiemenSstadt ein großes Truppenaufgebot der frei- willigen. Truppen, die zum Teil in der Schule, zum Teil im SiemenSgebaude selbst untergebracht wurden. Die Streikposten wurden durch den führenden Offizier aufgefordert, auseinander zu- geben, widrigenfalls Verstärkung an Truppen herangezogen worden würde und mit einer Räumung deZ Platzes zu rechnen wäre. Die sientralstosikleitung der Siemensangestellten ist daraufhin mit dem Hauptmann in Verhandlungen eingetreten, deren Ergebnis noch aussteht. Bewahrheitet sich diese Meldung, so erscheint e? auf alle Fälle dringend geboten, daß die Reichsregierung bzw. der Goudcr- n:ur von Berlin unverzüglich«ingreift, um das KoalitionSrecht der Jndustrieangestcllten und damit auch die Freiheit der Streik- Posten gegen Uebergriffe der freiwilligen Truppen, zu sichern. DaS Streitlalal dcr AngesteMru der flfmrn I» l I u 4 P I n t t ch Micngcscllschajt befindet im Hotel.Stadtwappen' am Schlesischen Bahnhos. GroßGerlw Aus dem Betrieb de» Erwerbsloseufürsorge Groh-BerlinS, wurden heute den Vertretern der Presse lehrreiche Mitteilungen ge- macht. Der Dezernent Stadtrat Sassen dach, die bei der Zen- tralstelle tätigen Beamten Denker und Schneider und der den Berliner Arbeitsnachweis leitende Direktor Graack hielten Vor- träge. Der Betrieb der Erwerbslosenfürsorge erfordert einen um» iangreichen Verwaltungsapparat, der über 2999 Beamte und Auge- stallte beschäftigt und noch eine große Zahl ehrenamtlich mitarbeiten- der Personen heranzieht. Im Anfang hatten sich arge Schwierig- leiten daraus ergeben, daß die Arbeitslosigkeit überaus rasch zunahm und an einzelnen Tagen bis 5999 Meldungen und mehr entgegengenommen werden mußten(im Höchstfälle 5292). Die Prüfung so vieler Anträge war natürlich nicht in kürzester Frist zu bewältigen, aber inzwischen hat sich in dieser Hinsicht vieles ge- bessert. Zurückgewiesene Antrag st eller können sich mit schriftlicher Beschwerde an die Fürsorgeausschüsse wenden, die in jeder der an der Groß-Berliner Ernvrbslosenfürsorge beteiligten Gemeinden bestehen. Sie sind zusammengesetzt aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie Arbeitslosen und entscheiden endgültig. Stadtrat Sassenbach bob hervor, daß die Mitwirkung des Komitees der Arbei'-? losen sich scbr bewährt hat. Auch dorthin können Abge- wiesen« sich wenden. Herr Schneider schilderte den Kampf gegen BctrugSversuche, an denen es leider nicht fehlt. Dr. Graack, der über die Frage der ArbeitSunlust sprach, stellte fest, daß die Berliner Arbeitslosen besser als ihr Ruf sind. Die wenigen Stellen, die für das Heer der Arbeitslosen vorhanden sind, werden stets fast restlos beseht. Auch für Landarbeit finden sich genug Ar- beitSlustige, aber den Landwirten fehlt die Bereitwilligkeit zur An- lernung von Ungeübten. Die Zahl der Arbeitsschenm ist, versicherte Dr. Graack auS den Erfahrungen de? Arbeitsnachwc'scs, im Verhältnis zur Gesamtzahl der Arbeitslosen sehr gering. In den letzten Z&xhen hat übrigens die Berliner Arbeitslosenarmee slchetwaSgelichtet. hauvtsächlich infolge Abschiebung der vor .Kriegsausbruch nach Berlin Zugewanderten.— An die Sitzung schloß sich ein Rundgang durch die Räume der Zentralstelle, die jetzt iu dem alten Teil des Marstalls an der Breiten? ünter- gebracht ist._ Ein Notschrei. Von etwa Sl>99 An.vobnekn der Neuen Schöah sier Straße. W'ii,m«>ste>- und Münzstraßeiiecke wird unS folgende» Stoiicvrei zur veröffeintichuu, üveriandt: Das wlide HäuMeiUim nimmt so fürchterliche Formen an, daß' sie jedes Geichansleben völlig abschnüren und jeden Verkehr un- möglich machen. Seil Okiober>918 find wir mit»ngezäbllen Ein- aaben an alle zuständigen Behörden herangetreten! aber fle stehen den skandalösen Zuständen machtlos gegenllber. In der kurzen Neuen Schönhauser Straße werden täglich 79 bis 80 Spieltilche gezählt, die mit Einsätzen bis 59 Mark ungeheure Summen umsetzen. Die Händler bieten ihre gestohlenen. Waren, so z. B. Brillamen, öffentlich an und scheiien sich nicht, die Firma zu nennen, von der diese Brillanten byr- rühren. Schlecht gezählt sind es 4999 Menichcn, davon ein Drittel Händler und zwei Drittel ftäuter und Neugierige, die die Straße vollständig sperren und es den Passanten schwierig machen, den Bürgersteig zu benutzen. Die Ladenbesitzer sind auf das denkbar schwerste geschädigt, denn viele Leute meiden diese Straßen wegen dieses Handels. Weit über die Hälfte der Ladenbesitzer hat gekündigt. Die von Zeil zu Zeit vorgenommenen Razsien sind geradezu kläglich, denn in den nächsten fünf Minuten herrscht genau dasselbe Treiben wie zuvor. Wir verlangen in unierer größten Not, daß Ordnung» nd Sicherheit in unsrer Straße wieder hergestellt wird, damit wir in der Lage sind, unteren Geschäften nachgehen ,u kounem Nur durch eine dauernde Patrouille, die den ganzen Tag fortwährend die Straßen abläuft und stark genug ist, alle Ansammlungen zu zerstreuen oder solche erst gar nicht zu gestatten, kann uns geholfen werden. Verlängerte Polizeistunde im Kreise Niederbarnim. Infolge der neuen Anordnung des KokhlenverbandeS Groß- Berlin ist iür den Kreis Niederbarnim die Polizeistunde verlängert worden. Sie ist vom Lcmdrat für die Gemeinden Buchholz. Zrie- drichsfelde, Heinersdorf, Hohenschönhausen, Niederschönlxrusen, Pankow, ObersclMeweide, Reinickendorf, Rosonthal. Tegel, Weißen- e«, Wittenau für alle Tage auf 11 Uhr festgesetzt worden. Für ie übrigen Gemeinden des Kreises ist die Polizeistunde wochentags aus 19 Uhr, Sonn- und Festtag? auf 19>S Uhr festgesetzt. Ver- längerungen über diesen Zeitpunkt hinaus können bis höchstens 11 pj Ubr für«inen Einzelfall vom Landrat, sonst durch den Re- gierungsprästdenten gewährt werden. Anträge sind bei der Orts- Polizeibehörde anzubringen. Vereins- und GesellschaftSräume sind um IlVt Uhr zu schließen, wenn in ihnen Speisen und Getränke verabreicht werden. Achtung parteigeno/>en! Kaum, daß der Generalstreik im März mit seine« so tief beklagenswerten Begleiterscheinnogea hinter uns liegt, versucht man schon wieder erneut Stimmung für einen solchen am Tage des Zusammentritts des RätekongresseS, dem 8. April, zu machen. Die Agitation dafür wird so geheim betrieben, daß nur ein gewisser Teil der Arbeiterschaft davon unterrichtet ist. Dieser hofft, durch die Anweudnug von Ge- walt uud anderen Mitteln die Arbeiterschaft erneut in den Streik treiben zu können. Wir erwarten von unseren Partei- genossen, daß sie solchen Versuchen mit ganzer Energie entgegen treten, denn nicht die Reaktion, sondern die Arbeiterschaft ist es, die durch solche Streiks am allerschwersten betroffen wird. Nicht eine Besserung, sondern noch eine weitere Verschlechterung unserer ohnehin schon schlimmen Wirtschaftslage wird dadurch herbeigeführt. Wir ersuchen darum unsere Parteigenossen, sich nur nach den Weisungen, die von«userer Parteileitung herausgegeben werden, zu richte«. Der Bezirksvorstand und die sozialdemokratische» Betriebsvertrauensleute von Groß-Berlin. Die Abteilung für Nlekschverkorguug Nene Frkedrichstr. l wird vom Dienstag,.den 8. Npnl ab. auf einige Tage verkgt, die Geichäsie der Abisilung werden ioiange trn Bureau der Abteilung für Kartoffel- Versorgung Schicklerftr. 7 erledigt./, Selbstmord eines jungen Arztes. In einem großen Hotel in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße hat sich der 26 Jahre alte Arzt Dr. Salomon, der aus Hannover hergekommen war, gestern abend erschossen. Wer sind die Toten? AuS dem Westhafen gelandet wurde gestern die Leiche eine? unbekannten Mannes von etwa 35 bis 43 Jahnen. Der Tote ist 1,64 Meter groß, hat graumeliertes Haar und einen rotblonden Schnurrbart: er trug einen graugnittge- streiften Sornmerüberzieher und einen fchttxxrzen Jackettanzug. Sein Taschentuch ist W. W. gezeichnet, die Taschenuhr trägt die Firmen- bezeichnung Franz Wächter, Hamburg.— Im Tegeler See fand man die Leiche eines jungen Mädchens, das auch noch unbekannt ist und etwa 29 Jahre alt gewesen sein mag. Die Ertrunkene ist 1,55 Meter groß, trug einen blauen Cheviotrock, ein« dunkelrote Seidenblus« und einen langen Damenmantel. Ihr Taschentuch ist M. E. gezeichnet, ebenso die Uhr. Berttiistt wird seit dem 19. Mörz der 27 Jahre alte Bäcker Fritz Nilichke. wohnhaft in Reinickendorf.. Derfclbe machte am genannten Tage zwischen 8 und S Uhr vormittags In dem Vitzmannfchcn(Aeichaft, Berlh, Miilcnwnlder St>. 25 eine Bewegung und wollte van dort wieder nach Neüiickcndorj zurück, seitdem ist er spurlos verschwunden. Der Vcrmißle trug folgende Kleidung: Schwarze Schnüistiesel, graue Militärhole, dunkel- graue Militärhose, dunlelgrauen Ulster, schwarzen Schal und schwarzen steifen Hat. Wer Nachricht geben kann, wird gebeten, diese an A. Nische, Berlin, Memeler Str. 13 IV. i. zu richien. „Unter dem Verdachte deS versuchten Raubmordes." Zu dieser Notiz in der Nunimer vom Sonnabend, den 5. Apiil, teili uns der darin genannte Schraubendreher Scbild mit, daß er nickt wegen eines angeblichen RaubanialleS auf den Bauern Eickstädi iu Prenziau verbaftet worden fei. Seine Verhafluna sei erfolgt, weil er im März v. I. auf einen Kriminatbearnten geschossen haben soll. Inzwischen ist Schild wieder aus der Haft entlasten worden. Dle Sozialdemokraten n»d Deutschböhmen. Der„Oeslerreichisch. Deui'ck" Arbeilsailslchu»' veranstaliet Donnerstag>/,8 Uhr abends im grogen Saale„Zum Schnlthei»', Hasendeide 22— 31, eine öffentliche Berfammluug. Tagesordnung:„Die<Äe>valtherischa't der Tschechen In Deutschbödmen*. Das Hauptre crai hat her Laiideshaiipimaiin-Siell- Vertreter von Deut'chböhmen, Herr Joses Seliger(Teplitz) über- nommen. Seliger iil der Führer der i o z i a I d e m o k r a t i i ch e n Partei Deut chböhmens. Auch daS Mitglied der Deulschböhnrilchen 2andesregic:ung'H a n S H a rtl sReichenberz) wird in diejer Perlamn- lung sprechen. Alöchrlinge anS Italien. Am Donnerstag, abends 8'/, Ubr. findei in dem Berliner Logeichause, Kteislstr. 10, eine Versammlung der Fiücht« linge auS Italien statt. Ter Rcichsbund der Kriegsbeschädigten. OrtSgrunpe Neu- köll». veranstaltet am sDienslag, abends 7 Uhr, im großen Saaie des Kar lS wrlen,' KarlSgaUensti a e. eine aur.erordernliche Mitglieder Versammlung mit soigcnder Tagesordnung: l. Ersatz oablen zum Va, stand und zu den Komniiisionen. 2. Vortrag:.Unser zukünftiges NibeNzprogramm.' Resercnt: Kameiad Bader-t criin. 3. Verschiedenes.— Einrrill nur gegen Vorz-ignno der Mitgliedskarte. Reuausnahnien finden am Eingänge des SaalcS statt. Grosz-Berliner LevenSmittcl. Wikmersdvrs. Fiichwaren. maikcnsreies Weigkohlsauertrank. 125 OY mm Würzläie auf Fettla teil irr de» Biotlomiiiissionsbezii ken l, 3 und 4a. töO Olir.mnr Hoser flocken(III), 1 Plund Haser flocken(10 für U in der Im 1. und 2 Veter, Sii'bie)— ifio' amreldiii g von'i, Pinnd Hantbalis» ichotolade I. Sr II, L I, L II. C I. C II tfu Kinter im I. bis'i. Lkbeir«. jabre). 250(ftranitn(Briest(2, 3),'/a P'ui d Näbrbeie(D), 150 Gr amin itindergerste rnthl(J 32 Jugendliche), Bröl und Mehl nur aui rtebenS. milteltarle. Reukölln. Sonderve, kellung von Schokolade, Milchpnddlng und Näh.milleln an Kinder, Jugendliche und nile Perionen non Miitooch bis Sslein Nr den städliichen VertausKslr llen. Frühestens? n kreird Perkarls von bötr istrnmin Graupen oder Grütze silO, 1> t I />), i.'.' rnn Setzen grifft ober Haferfabrikate fltlS), 1, Vsim» Kunfkdrmlg(108). NSdere» wird noch bekannigegebcn. Die Fischzufuhr ist infolge deS StreilS der Hochseefischer aus ein Viertel der sonstigen rUeserrrngen zurückgegangen. Britz. 150 Gramm Haferflocken(110), 1 Kg.-Dose Gemüsekonserve» (12), V, Pfund Morgenirant sür Jugendliche(31. 32). 1 P und Zwiebeln (51 Sonderzuteilung(52— für jede Person im Aller von SO Jahren und darüber): sie baden sich vom 7. bis 14. 4. im Lebensmittel» bureau, Abt. Krankenernährung, eintragen zu lassen. AuSweiS: GeburtS» Urkunde. Sauerkohl, Tomaten in Esstg, G würzgurken. Klippfisch« für die Schlujzriumir.errr am Montag, dmm weiter 3704— 2700 Dienstag, 2699— 4800 Mittwoch. 1799—900 Donnerstag, 699—1 Freitag. Lichtenberg. 150 Gramm Teigwaren(11), 3 Suppenwürfel(31) für Jugendliche, 250 Gramm Marmelade(107), frisch» Fluß- und Seefische(332 E, J, G, K),'/, Psund R ä u ch e r- rv a r e n(328), Fisch konserven(833), Psund Heringe(84Z) ab 40. d. Frichhalle K r o» p r t n z e n str a ß e wird Mitte der Woche wieder eröffnet. Stralau. 250 Gramm Kunsthonig(106).-- Sonnabend 250 Gramm Suppen(l ll, 1), 4 Kg. Gemüseionserven>112) sür Jugendliche 2 Pack Mstchsüftipeise und eine Dose Sardinen(34, 32). KartenabschnrU« biS Mill- woch in den Gejchäilen abzugeben. RowaweÄ. Ab Mittwoch Ausgabe von lL Liter F r u ch t f i r u p.— Dienstag 8 bis 2 Ahr im Nathans, Zimmer 7, für werdende und stillende Mütter iowre für die Kinder vom 2. bis 4. Lebensiahr ein« Büchse kondensierte Milch. Futtermöhren und Runkelrüben tu jeder Menge. Bezugscheine im Rathaus. Zimmer 6. Spandau. Holländische Säuglingsnahrung(Buttermilch) in den Apo- theken gegen ärztliche Bdcheinigung. Für die gekürzten 2 Pfund Kar- tofieln Roggenmehl, 125 Gramm Nu ein, 200 Gramm Dörrgemüse. Verteilung von Fleischlonserven wird sortgesetzt.— Teigwaren 125 Gramm (Feld 229). L.chterfclde. Bis 12. b. M. 150 Gramm Haferflocken und 199 Gramm Grieß(2, 3), 200 Gramm Kartoffelmehl(21), 150 Gramm Haferflocken(2), 100 Gramm Gries,(8). 6 Pakete Milch- sützspeise auf Magermilchkartenmittelftücke von Dezember bis März am Montag, Donnerstag Nachverkauf auf die Mittelstücke der März-Milchkarten und die Magermilchkarten. Neukölln. Britz. Die Freie Trlrnerfchaft hat nun auch in der Turnballe Weserstrage ihren Xurndetrieb eröffnet. ES turnen dort DienStagS von 6-8 die 6. Schülerinnenabteiiung, Freitags von 6— 8 die 4. Schülerabteilung. Neukölln. Volkstümliche Vortrüge. Am 9. und 11. April er.' finden in der Aula der Realschule, Boddinstr. 34/41, die letzten diesjährigen Veransialtunarn statt, und zlvar am 9. April der III. Kammermusikabeitd(Mayer-Möhr). Grünfeld» Wittenberg). Werke von Haydn, Schubert und Doordik; am 11. April dev Arien- und Liederabend der Opernsängerin Elfriede Marberr vom Berliner Opernhaus, unter Mitwirkung von Prof. Mayer«Mahr. Karten sind in den durch Anschlag bekannt gemachten Geschäfren sowie im Ralhause, Zimmer 218», 2 Treppen, und an der Abendkasse erhältlich. Staaken. Die Gemeindevertretung, welche sich aus 3 U. S. P.. 4 J. P. D. und 3 Demokraten zusammensetzt, belaßte sich iu den Sitzungen vom 19. März und 4. April mrt der Einführung«ineS kollegialen Gemeindevorstandes, der Wahl von drei Schöffe« und der Besetzung der Berwaltungskommissionen. Der kollegiale Ge- meindevoriland wurde beschlossen. Zu Schöffen wurden gewählt von der U. S. P. Buhl und Eggert, von der S. P. D. Julius R o t t m a n n. Bon beiden sozialdemokratischen Frakltonen wurde verlangt, daß sowohl der noch amtierende Schöffe, al» auch samt- liche Kommiisionsmitqlieder ihre Mandate zur Verfügung stellen sollten. Die Kommiisionsmitglieder kamen dem Wunsche auch sofort nach, der Schöffe Herr Singer erst, nachdem ihm erktärt wurde, daß alle parlamernanichen Mittel angewandt werden würden, um ibn zu diesem Schrille zu zwingen. Bei der Bekeyung der Kommiistonen sollicn nach dem Wunsche der U. S. P. die Demokiaten zum Teil ausgeschaltet werden, trotzdem sie ein Fünftel der Sitze der Gemerndevertretung inne haben. Erst durch die Erklärung de» Fraktion der S. P. D., den Demokraten gemäß der Stärke ihrer Fraktion 4n 4>er Gemeindevertretung auch Srtze in den Kommissionen zubilligen zu wollen, brachte die II. S. dahin, sich wenigsten« zu einem bißchen Gerechtigkeitsgefühl aufzuschwingen. Ein Antrag der S. P., für die Gartenitaht Brunnen zu bauen, wurde dem Hauvt« ansschuß überwiesen. Em weiterer Antrag der S. P.. welcher be» zweckte, die LefrenSmitleklieserung 4üi die Gemeinde zu bessern, wurde von den U. S. dazu benutzt, gege» die jetzige Regierung loS- zuziehen. Ein Antrag der U. S.. für die Gemeiiidebearnten uiw. de» 1. Mai als Feiertag gelten zu lassen, wurde einstimmig ange- nommen. Gerichtszeitung. Die Kämpfe um das MarstallgebLude, die am 6. März entbrannt waren, bildeten die Unterlage einer gegen 75 Angehörig« der Republikanischen Sol- datenwehr gerichteten Anklage, deren Verhandlung heute vor dem Kommandanturgericht begann. Die Vorsitz führt KriegS- gerichtsrai Welt. Die Anklage bsschuldigt die Angeklagten, die der 3. und 5. Kompagnie des 12. Depots der Republikanischen Sol- datenwehr(Neukölln) angehören, sich nach dem 4. März, also unter der Geltung des Belagerungszustandes, also im Felde, sich des Aufruhr» schuldig gemacht zu haben, indem sie in offener Ge- walt und mit Waffen gemeinschaftlich die in militärischem Sicher« heitsdienst befindlichen Regierungstruppen, die sich in den Besitz des Marstalls setzen sollten, angegriffen und ihnen Widerstand leisteten. Es sind 25 Zeugen geladen, darunter mehrere Beamte des Marstalls. Die Angeklagten bestreiten ihre Schuld und be« haupten, daß sie regierungstreu seien und nicht auf die anrücken« den Regicrungsiruppen geschossen haben; auch sei van ihnen ein« Verteidigung des Marstalls niemals beabsichtigt gsvesen— Demgegenüber wird von der Anklagebehörde behauptet: Ter Marstall sei zur Verteidigung eingerichtet gewesen. Die unzuverlässige Bo- satzung des Marstalls sei zur Verteidigung planmäßig eingerichtet gewesen. Die zur Ablösung bestimmte Truppe traf am 5. Mävz, nachmittags gegen 5 Uhr, ein, die alte Wehr rückte jedoch nicht ad, blieb vielmehr mit der neuen zusammen im Marstall. Außerdem waren mehrere Angehörige der VoltSmarinedivision in den Marstall gekommen. Es war eine große Menge Munition herbeige- führt, auch Feld/eschütze waren aufgestellt.ferner Pier Moschinen. gewehr«. so daß der ganze Schloßplatz bestrichen werden konnte, außerdem war am Hause Breitestraße 36 auch ein Maschinengewehr aufgestellt. Als am 6. März, nachmittags, bald nach 3 Uhr, die 5, Kompagnie des Marineregiments über ten Schloßplatz anrück c wurde sie vom Marstall her sofort unter heftiges Feuer genommen. Die Anklag« behaupiet, daß bei der Marstallbcsatzung sich schon lange regierungSserndliche Strömungen geltend gemacht hätten und man wiederholt bestrebt gewesen fei, die Mitglieder der Reinhard- Truppe verächtlich zu machen. So seien u. a. zwei Offiziere, die am Vormittag des 6. März iilcr de» Schloßplatz kamett, sestgenom» men, zur Wache gebracht und cntwafsnet toor-den. Solveit die Feststellungen der Anklage. Nach Vernehmung der Angesagten wurden von den Berieidi- gern Einwände gegen die Zuständigkeit deS Gerichts gemacht. Ein Gericht wi« das vorliegende ordentliche Kommandanturgerscht habe lediglich gegen Angehörige deS stehenden Heeres, d. h. de? ord- mingsmäßigen Heeres, zu verhandeln. Bei der„Republikanischen Soldntenrrehr" handele es sich aber nicht um Angehörige deS Heeres, sondern um eine zu Sicherheiis�wecken für rein lokale Interesse« g' gründete private Wehr, deren Mitglieder gegen 19tägige Kündigim«,.ongcsnllt wäre» und die sich ihre Vorgesetzten seihst wählen. Dieser letztere Umstand zeige insbesondere. Jraß von einem regulären Heere keine Rede sein� könne. Der Anklagevertreter betonte, daß auS den GründnngSakten der„Republikanischen Soldoimwehr" hervorgehe, daß diese al? st ä n- dige Truppe gedacht sei, die sich auch dem D:sziplinarstrafrecht '"si hche.— DaS Gericht erklärte sich für zuständig. F � �*;hv>'""g sind drei Tage in Aussicht genomme«. / Der Neichs-Erwerbslosenkongeeß. (Schluß tagung. 1 Die Sitzung begann am Sonntag nach S Nhr morgens. H e r- f u r t h behauptete, daß es b.'kannt sei, daß ein militärisches Kam- mando beauftragt sei. die Kongreßteilnehmer zu verhaften. Dem- gegenüber erklärte der anwesende Regierungsvertreter Dr. F o r- st e r, daß der Regierung hiervon nichts bekannt sei. Nach telepho- nischer Rücksprache mit dem Rcichswehrminlster NoSle und dem Generalkommando Lüttwitz teilte er mit, daß das von Herfurth als Tatsache wiedergegeben« Gerücht jeder Grundlage entbehre. Es sei anscheinend mit der Absicht ausgestreut, die Regierung zu bis- kreditieren. Nach der Verlesung zahlreicher Anträge wurde ein ausgedehnter Gesetzentwurf über«in Reich-gesetz für die ErwerbSlosenfursorge eingehend diskutiert. Nach längerer Debatte beschloß man, den Entwurf und die dazu eingebrachten AenderungSanträge an eine Kommission zu verweisen, die ihn redigieren und einreichen solle. Nach der Mittagspause wurde der auS tk Personen bestehende Neichs-ErwerbSlosenausschuß gewählt. Sodann referierte Wendel- Berlin über die ländliche Siedeln ngSfrage. Er behandelte in eingehenden Ausführun- gen die Schaffung ländlicher Produktionsgenossenschaften auf sozia- kistischcr BasiZ. Nach einer sich au den Vortrag anschließenden Aussprache wurde eine Anzahl Entschließungen vorwiegend einstimmig angenommen. Dieselben richten sich gegen die Freikorps, fordern zur Aechtung der Werbeinscrate aufnehmenden Zeitungen und Wcrbeplakat« ausstellenden Geschäft« auf und verlangen die so for. tige Ueberführung der kapitalistischen Wirt» schaft in sozialistisch« Produktion. Auch wurde nach einer angenommenen Entschließung die sofortige Aufhebung deS Belagerungszustandes gefordert. Breiteren Raum nahm die Debatte Wer die Diäten der Ar- beitslosensekretäre, insbesondere auch der Mitglieder des ReichSauS- schusses, ein. ES wurde schließlich eine dreiköpfige Deputation be- auftragt, noch am gleichen Abend in dieser Angelegenheit mit dem RcichSminister Koeth in Verbindung zu treten. Um 7l4 Uhr schloß der Vorsitzende Schmidt den Kongreß mit einer kurzen Ansprache und bracht« ein Hoch auf das internationale Proletariat aus. SIch:!>ildervortriigc für Eiiverbslofe und Arbeiter. Montaq, 1. April: KSniqstädtischcs Realgymnasium. Elisabctbstraße bVöS<6 Her), ftrt Dr. Schotlmüller über: Deutsche Wldmerke deS Mitteln lerS.— Jnslilui ifir MecrcSiunde. l»cor.,enstras!e 34/36(5 Uhr). Dr. Bebt mann Über: Länder»nd Völker de? fernen Ostens,— Eecilicn. Lyzeum, Lichtenberg. NatbauSslrahe 8(6 Uhr), Dr, P hie über: Fahrten in Nordrunland und im Ural.— D i e n s t a>i. 8, April: Anftttut für Meereskunde so Uhr), Prot Dr, Dikls über: Pflanzenwalt und Nutzpflanzen der warmen Länder, — Mittwoch, v, April: KönigslädlischcS Realgstmnafilim(6 Ubr), Dr, Vrübl über: Die Schätze des Meeres.— Institut für Meereskunde l5 Uhr), Oberingenieur Santz über: Kleinbahnen als Kulturbrwyer.— Cecilien-Lhzeum. 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