Pr.lM. 36.|Itr. ver.iiorwllas' erlcham wochetullglUH jmcunal soinuag». etraniu raegraniin-ildreHa . Sattalbcaatx«!®«tnir*, Morgen- Ausgabe. Vevliner Volksblntt. (l0p?snnig) � M»,«««»««», Die«inaridaltrn« 5ta>chalrMez«v« loftel 120 3X1.»Jllcin« Anzeigen-, »ufl iaigeoruckie War- 80 Pfg.(zulüsstg 2 iettgedruckle filorie), ,edei weitere Sor, 25 big. Elellengewche und Schlafslellenanzagen da» eriie So« tü Sfg., iede« weilere JSo« 20 Pig. 8o«e über 16 Buchilaben zähler. Kit poa Sorte. XeticrungSjuichlag 50% Fainilien-iinzeigen.»olitiiche und zewertlchattiiche Lerem»- iluzeigen ILO Ml. die Zeile,«nzeigen tttr dir nllchite Kummer müssen dt» 5 Uhr nachmittag» im Hauvtgachüft. Berlin KS.W. llindatlrrabe s, abgegeben werden,»cbsfnel»an» Uhr srüh dt» 8 Uhr abend», Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfcblanda. Neüaktion and Expedition: SW. 68, Ändenstr. 3. aernw recher- Ami Morinplatz, Nr. tSlSV— Iii»»7 Montag, den 14. April 1S19. vorwärts-verlag G.m.b. H., SV. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Moritzplach, Nr. 117 SS— S4. iran i—nim m w Sturz der lMnchener Rätereaieruog! Dürnberg, 13. Apnl.<5mf Meldno« de» 8. Armer. I rtaien qeyrbrn ho«-e.«ab«nlit� starker veschke�ung»ich erststv- korvs au« München licsagt: Die Garnison München hat sich mun� de»»rieg»m.ntstcriuim». Krics»uninister Ne«ri»g ist«,f aeacn den Zentral rat erhoben. Tie Garnison er- bestialische Weis« crnwvdet worden. Em« solche HandluibgÄversr richtet eine mNit arische Diktatur und tritt sür da» sondert d*«egieruna ,u scharfen Mastnahmen heran». Der Ministerium Hossmann ein. Eine Aktion für Wieder- B el»g« r n n g»» u st a n d wird proklamiert. Wir er- «skwinnunq der Hauptstadt ist cinncleitet und verlaust günstig, suchr�di« gestvm-ke t.mvohnersehaft S�r«uhr und Besonnenhett. Ter Minister des Sleustcrn der Räteregicrung Dr. L ipp wurde in eine Irrenanstalt gebracht. Dr. Lewirn soll fluchtig sr,n Tie Spitzen der Rätrrrgicrung, im ganzen lk Personen, unter ihnen Landauer, Wagner und Mühsam, sind ver> haftet worden. Weimar, 13. April Nach Meldung de« 1. Armeekorps aus München ist dir Räteregierung durch die Gar- nison gestürzt worden. Eine Wiederherstclluvg kommt nicht mehr in Frage. Ginzrlhrilrn schien. Die bayerische Regierung hat folgende Proklamation er- Di« Regierung trifft unverzüglich Mastnahmen zur Wiederher- stcllung der Ruhe und Ordnung. Einwohner Dresden»! verschärft nicht da» Elend der Gegenwart. Rot und Entbehuung hoben wir alle ertragen. Durch Ilnt>esonncnheN wird Eue« Leidendgeit verlängert.' Da» ktriegS Ministerium frei geq ehe». Dresden, lS. klpril, mittag»,(von einem P rivatko r lespmive». den.) Testern abend S llhr begab stch eine Deputation der De- monstranten zum Kultutminister V u cl, der bi« Er- füllung ihrer Kordernngen m vollem Umfang« zosagbe, da» Heidt lPeiWHaltnng der alten Löhn«, gleiche Verpflegung wie di« SicherheitStruppen und auch von nächster Zeil dasselbe Gehalt wie die Sicherheilstruppen. Dacoujhin erklärte die Deputation, lassen: An das bayerisch« Bolkl Die Münchener Garnison hat dir Gewaltherrschaft in Mün �<;,!«il chen weggefegt. DaS Kartenhaus der landfremden Gindringlinge st« mlnmehr k«>n-n Anlast mehr ha�e. d� Krieg». ist zusammengestürzt. München und ganz Bayern«tnut nl"ch. i«'«. st« r�n m b«s«dtzn halten. Kurz nach g Uhr v-r. tert aus. Die Gewalt der rechtmäßigen Regierimg Hosfmann' w' ho4 hat sich mit elementarer Kraft durchgesetzt und sich nun auch in München wiederhergestellt. Als Vertreter der Regierung ist mit weitgehenden Vollmachten der Abgeordnete Vogel ans Iürth nach München ent'andt. Seinen Weisnngev ist bis aus weiteres unbedingt Folge zn leisten. Er vereinigt in sich die gesamte Zivil- und Militärvollzu�«- g c w a l t in München. Alle bisherigen Verordnungen der Rate- '~" treu rcgierung sind außer Wirksamkeit gesetzt. Bayer« Haktet zur Regierung Hossmann, vereint alle Eure Kräfte, um die Wiederkehr der soeben oiedergeworscnen Gewaltherrschast für alle Zukunst unmöglich zu macheu und der Regierung de» Wirdmnishau des zerrütteten bayerischen Staate» zu rrmög- lichrn! N urOrdnung, indArbeitsührt zumZirl! Die Regierung des Freistaates Bayer«. Der Ministerpräsident: H o s s m a u n. Genau eine Woche nach ihrer Ausrufung ist die bayerische Rätediktatur wieder zusammengebrochen. Nur einen ganz kurzen Augenblick war es ihr gelungen, durch Ueberrumpelung und Irreführung der Oeffentlichkeit mit falschen Meldungen einige Teile der Bevölkerung mit sich fortzureißen. Kaum war das erste Staunen vorbei, da setzte sofort der allgemeine Abfall ein und die Mar Münchener Führer gerieten mit ihrer geringen Anhängerschast in völlige Isolierung. Selten ist in der Geschichte der Versuch, sich der Herrschast eines ganzen Landes zu bemächtigen, auf so unzureichender Grundloge gemacht worden. Unzureichend waren die Persönlich- kciten der Führer, der Literaten, Phantasten, Spekulanten und — Irrenhäusler(im vollen Wortsinn!), unzureichend ihre geisti- gen Mittel, unzureichend vor allem aber ihr Rückhalt in der Bevölkerung. Mit einer trotzigen Bewegung hat da? Bayernvolk dey Ver- such, seinen Nacken unter die Diktatur einer winzigen Minder- hcit zu beugen, von sich abgeschüttelt. Der Sieg der Negierung Hoffmann ist der Sieg de r D e m o k r a t i e: der Untergang der Landauer, EiSner, Lipp usw. ist eine deutliche War- n u n g für alle, die ihr Beispiel anderwärts nachahmen möchten! ließe» die Demonstranten da« KriegSminisleriirm. Den?. P. R. wert- zur Sa«« in Dre»d«» gep rächtet: Nnwr den sewalttätiDen Denionftranten. dt«»ntt» Führ«»« de» Kommunisten ftrenv«!»m Sonnabend in» KriegSmini fterinm ein- drangen, nrartx eine Reih«»«n Personen russische» Adstamurun« frftgrftekt. Di« gegenwärtige Log«« Sachsen muß schon deshalb als besonders ernst bezeichnet werben, weil am kommende» Dienstag die ersten polnischen Transporte sächsische» Gebiet, inAesimdetc Leipzig berühren Wehden. Ganz Sachsen unter öelagerungszuftanü. Dresden, 13. April. Das Gefamtministerinm hat über den gesamten Freistaat Sachsen den BelagernngSzustand verhängt. Die Ausübung der Kommandogrwalt ist dem militäri- scheu Oberbefehlshaber übertragen worden. Das Gesamt- Ministerium hat zum Oberbefehlshaber Herrn Brun« Kirchhof in Dresden bestimmt und dieser hat für die Zeit des BelagrrungS- zuftandes das Standrrcht verkündet. Kundgebungen der sächsischen Regierung. Dresden, 13. April. Wegen der stetig wachsenden Ge- fahr für die ösfentlichc Ruhe, Ordnung und Sicherheit wurde gestern über das Gebiet der Stadt Dresdeu der Belage- rungszu stand verhängt. Tnö Vereins- und Versammlungsrecht und die Presse- frcihcit ist bis auf weiteres aufgehoben. Alle weiteren Maßnahmen bleiben vorbehalte«. In einer weiteren Kundgebung verspricht das Gesamt- Ministerium den kriegsverletzten Soldaten die Aufrechterl)«!- tung der Kriegslöhnungssätze, deren Herabsetzung durch das Reick den Anlaß zu den Demonstrationen gegeben hat. In der Kundgebung heißt es weiter: »Ein verbreitetes, aber nachgewiesenermaßen falsches Gerücht, daß Minister N e u r i n g Aujtvag zum Werfen von tzcurdgro- £c0erung der Zage in Sachsen. Dresden, lS. April. Juso Ig« de» BelagerirngSzu-ftanbe» hat sich heute die Lage soweit gebessert, daß überall Verhältnis- mäßig« Ruhe eingetreten ist, jedoch durchzogen»«mittag» noch klein« Gruppen von Demonstranten die Stadt und entwaffneten einzeln auftretende Polizeiorgan«. Im Zwickau-Oel»nitz-Lugau« Kohlenrevier, wo her Streik im Abflauen begriffen ist, haben sich bei einer Abstimmung neunzig Prozent der Arbeiter gegen die Fortsetzung de» Streik« erklärt. Wie weit« mitgeteilt wird, wurden bisher in Dresden vier Personen verhaftet, die im verdacht stehen, an der Ermordung Ren- ring» beteiligt gewesen zu sein. Das Eintreffen der zur Auf- rechtechaltung der Ordnung von auswärt» entsandten Truppen steht unmittelbar bevor. der Hraunschweiger Generalstreik. Ausbruch des Bürgerstreits. v rannschweig, 11. April. Am 10. April nachmittag» hat der bürgerlich« Gegenstreik der Beamtenschaft, Serzt«. Apotheker, Lehrer usw. eingesetzt. Infolgedessen ruht der gesamt« Eisenbahn-, Post», Telegraphen- und Telephon- verkehr. Da« Rathaus ist geschlossen. Während sich die Eisen- bähnbeamten dem Proteststreik angeschlossen haben, bat sich die große Mehrheit der Eifenbahnarbeiter mit der Arboiterschaft foli» barisch erklärt. Sämtliche Kaffee» ufw. sind geschlossen, ebenso die Restaurant», mit Ausnahm« einiger Speffeftunden. Ga»., Wasser- und ElektrizitätSwerike arbeiten. In den Straßen herrscht rege» Leben, doch ist die Stadt ruhig. Ausschreitungen find nirgend» vorgekommen. Di« revolutionäre Streikleitung plant schärfst« Maßnahmen gegen den Aerzte streik. Di« Stadt ist seit 10 Uhr abends von jeder Draht- und Bahnverbindung nach auswärts abgeschnitten. Zahlreiche Ortsfremde fitzen hier fest und können nicht zurück. Die Züge fahren bis einige Stationen vor Braunschweig. Der Generalstreik der Arbeiter hat cvus Schöp- p« n st e d t übergegriffen. Der Eintritt dar Arbeiterschaft von Peine und Ilsede in den Generalstreik steht bevor. In Braunschweig selbst haben Li« Bäcker, die die Sage zu einer Lohnbewegung ausnutzen wollen, beschlossen, am 16. in den Aus- stand zu treten. Regierungstruppen gegen Sraunstbweig. B e r l i n, 13. April. General Maerker Hai vom Reichswehr.- minister den Befehl erhalten, zum Zwecke der Wirderher- st e l l u n g gesicherter Verhältnisse im Eisen- bahn-, Po st- und Telegraphcnverkehr, der seit Tagen gestört ist, sowie zurBerhinderungvonGewalt- tätigkeiten an Post- und Eiseubahnbeamten mit seinem Korps in Brannschweig einzurücken. Da» Unter- nehmen wird in den allernächste» Tage» vor sich gehe». die Lehre von dresden. Den Genossen N e u r i n g, der im Januar von der Revoln- tionswelle zum Kriegsminister der Republik Sachsen erhoben wurde, hat man außerhalb Sachsens wenig gekannt Aber so viel weiß man von ihm mit aller Bestimmtheit, daß er m der im- abhängigen und der spartakistischen Presse niemals ein Blut- Hund, ein Mörder, ein Gewaltmensch genannt worden ist Wenn man bedenkt, wie leicht eS heutzutage ist, zu solchen Ehrentiteln zu gelangen, oder wie schwer es ist. ihnen entgehen, so kommt man zu dem Schluß, daß Genosse Neuring der friedfertigste KrieaSmimster gsvesen sein muß, den die Welt jemals gekannt Hai Und so war e» in der Tat. Widerstandslos wurden in Sachsen die radikalsten Forderungen hinsichtlich des Militärs erfüllt', die Ann« wurde zum l April für aufgelöst erklärt, und es blieben nur lokale Sicherheitswehren mit allersreiester Disziplin ! und eigener Führerwahl Von diesem KriögSmmister Nenring, der von Spartakisten j in die Elbe geworfen und— sicher ist sicher— nachher noch durch Schüsse getötet wurde, sagt die„Freiheit", er sei einem Akt „grauenvoller Lynchjustiz" zum Opfer gefallen. Sie vermutet, daß„die Erbitterung der Kriegsbeschädigten durch die Weige- rung des KriegSministers, mit der Deputation zu verhandeln, gewaltig gesteigert worden ist". Sie vermutet weiter, die Masse habe nach der dumpfen Detonation nn Kriegsministerium ge- glaubt, daß zu der Ablehnung ihrer Wünsche auch noch der be- � waffncte Kampf gegen sie treten sollte. Die„Freiheit" will i natürlich nicht glauben, daß die Handgranaten, die der„un- bedachte Soldat" geworfen hat, nicht scharf gewesen seien. Soviel Worte, soviel Entschuldigungen für eine Tat. hie selbst die„Freiheit" als einen„traurigen Akt des Meuchcl- mordes"„aufS jchärffte verurteilen" muß. Die Verurteilung durch die„Freiheit" wäre wahrscheinlich noch viel schärfer und weniger entschuldigungS reich ausgefallen, wenn man im Lager der Unabhängigen den Mut hätte, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen, wenn man endlich darauf verzichten wollte, gegenüber den wüstesten Ausschreitungen deS Puffchismus eine Politik des Ver- wschens und der Beschönigung zu treiben. WaS in Dresden am Sonnabend geschehen ist. das ist n i ch t auS der Aufregung einer zufälligen Situation entstanden, son- dern nach einem vorbedachten Plan verübt worden. Es wpr ein scheußliches Theaterstück mit gestellten Szenen und gemachter Entrüstung, das ursprünglich in Berlin gespielt werden sollte, dessen Schauplatz aber nach Dresden verlegt wurde, da die Aufführung in Berlin mißlang. DaS Negiebuch hat der „Vorwärts" schon in seinem Abendblatt vom 8, April veröffentlicht in Form folgender Mitteilung: Ei» sauberer Plan ist, wie uns von verkrauenSwürblger Seite «itgeteilt wird, anlählich der Tagung des RStrkongresse» in den Köpfen einiger radikaler Drahtzieher entstanden. Auf der Such« nach einem zugkräftige« Anlah für den demnächst fälligen General- streik ist«a» auf dt« Kriegsbeschädigte« npd die Hinterbliebene« der gefallenen Kriegsteilnehmer verfalle». Sie solle«»hur ihr Wissen die Stnemkolonn« bilden, um die mangelnde Begeisternag der Arbeiterschaft für Generalftreikerei z« erzwingen. Und da« denkt man stch so: Die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen der Gefallenen sollen zu einer Demonstratio« ans gernfe« werde», um der Regierung wirtschaftlich« Fordernngrn dieser gewiß nicht auf Rose» gebetteten BolkSgenossen zu unterbreite«. Maa rechnet mit der Ablehnung der Forderungen durch die Regierung und will dann dafür sorgen, daß dir Demonstranten nun für die Beseitigung dieser Regierung aus der Straßr und vor der Reichskanzlei demonstrieren. Hierbei— so spekuliere« die den Draht ziehende» Ehrenmänner— wird eS zu Konflikten mit den Truppen kommen, und so ist dir Stimmung für den Gene- ralstreik geschaffen. Unter dem Feldgeschrei: Fort mit der Regie- rung, di« mit Gewalt gegen die Krüppel, Witwen und Waise» vorgeht, schafft man, so spekulieren die Schieber, die Grundlage für einen in weiten Kreisen populären Geueralstreik. WaS dann am 8. April in Berlin verhütet wurde, ist drei Tage später in Dresden ausgeführt worden. Zu bemerken ist nur, daß der Plan schon damals nicht mehr neu war, denn schon am 6. Januar hatte der jetzige Vorsitzende des später vom „Reichsbund" abgesplitterten„Internationalen Bvndeo'r Kriegsbcsck)ädigtcn" seine Kolonnen als Kanoneiffuttr. des Bürgerkriegs in dex SiegeSallee zu sammeln versucht, lvaS dann im„Reichsbund" zu heftigen Auseinandersetzungen Anlaß gab. Arme Kriegsbeschädigte sollten zusammengeschossen werden, da- mit man mit ihren Leichen spazierenfahren und das hetzerische Schlagwort ausgeben könnte, die mehrheitssozialistische Roche. rung lasse auf Kriegskrüppel schießdn. Der infame Streich ist mißglückt, und die moralische Ent- rüstung, die mit verlogenen Mitteln gegen die Mehrheitssozia- listen aufgepeitscht werde» sollte, muß sich heute gegen die schufti- Ken ttrheSer dsS Planes wenden. An ldnei� bewZhrt sich die alte Kriminalistenerfahrvrrg, daß die größte Duochtriebenheit und die unglaublichste Dummheit dicht nebeneinander liegen. Denn nachdem der tcufliche Plan in Berlin enthüllt und vereitelt morden war, gehörte die ungeheuerlichste Dummheit dazu, ihn anderorts doch noch zur Ausführung zu bringen. Jetzt ist über Dresden der Belagerungszustand verhängt, Freiwilligentruppen sind gegen die Ausrührer in Be- wegung gesetzt, die noch einen Tleil der Neustadt in Besitz halten. Ä erden jetzt die Unabhängigen ehrlich genug sein, zuzugeben, saß diese unwillkommenen Maßnahmen von den verruchten Drahtziehern in Dresden erzwungen worden sind? Oder wird jetzt die Hetze gegen die Rggiernng losgehen, die den Be- lagerungszustand verkündet und„Soldaten gegen das Volk" marschieren läßt? Man täusche sich doch nicht über die Stimmung der Bevölkerung. Gewiß ist es leider wahr, daß manche Schichten fanatisiert sind bis nach obenhinaus, aber nicht minder wahr ist es,' daß durch die ungeheure Mehrheit des Volkes ein Schrei der Verzweiflung geht über die grauenhaften Zustände, die üch in Deutschland enrwickeln. Will man es so weit kommen lassen, daß der Glaube an die Revolution in unzähligen Herzen vernichtet und daß schließlich die äußerste Reaktion als Retter in der Not begrüßt wird? Ist es nicht besser, daß aus den Massen des Volkes heraus das jetzt Notwendige mit fester Hand getan wird, als daß man die schließliche Wiederherstellung der Ordnung einer wirklichen Gegenrevolution überläßt? Jetzt ist es noch Zeit, die durch die Revolution errungenen Volksfreiheiten über ein notwendig gewordenes Uebergangsstadimn hinaus zu retten und die Dinge so zu wenden, daß nach dem Abebben der ipartakistischen Welle Deutschland als der freicste Staat der Welt dasteht. Aber wer weiß, wie lange noch? Die Reaktion liegt im Hinterhalt und lauert auf die Beute. Bekämpft werden kann sie nur dadurch, daß die Sozial- demokratie ihren Befähigungsnachweis als führende Partei erbringt und das Maß von Ordnung und Sicherheit wiederher- 'tellt, ohne das Leben und Wiederaufbau unmöglich sind. Mit nachts als Duldsanikeit, Liebe, Güte und Sozialisicrungseifer ist gas nicht zu erreichen. Dresden lehrt es, München, das Ruhr- revier lehren es. Minderheiten, die bis'zum Verbrechertum chana- tisiert sind, muß gezeigt werden, daß der souveräne Volkswille nicht mit sich spaßen läßt, imd daß Elemente, die von dem Gottesgnadentum alles hinnahmen, jetzt aber glauben, dem freien Volksstaat auf der Nase herumtanzen zu können, den Ernst der Zeit unterschätzt haben. Willen zeigen nach rechts und nach links! So wird es gehen. Anders geht es nicht I » Dressen, tS. April. Nach einem vom Ministerium an die Presse gegevenen amtlichen Bericht erweist-5 sich imu.er mehr, daß die gestrigen Kundgebungen der Kriegsberletzten von spartakistischen Agitatoren in verbrecherischer Weise für ihre Plane ansgennfct wurden. Entloarf der Völkerbundes veröffentlicht. Aufnahme mit Zweidrittelmehrheit. 13. April. Nach einer Reutermeldung ist der (�stklssurf ves Völkerbundes hier veröffentlicht worden. Nach dem Entwurf wird der Völkerbund gegründet, um ein inter- nationales Zusammenarbeiten z» fördern und den Frieden zu sichern. Der Völkerbund wird umfassen a) alle krieg- führenden Staaten, die in einem dem Entwurf beige- gebenen Schriftstück genannt sind; t>) alle neutralen Staaten, die ebenfalls genannt sind; c) in Zukunft jedes LandmitSelbstregierung,dessenZulassung von Zweidrrttcl derjenigen Staaten, die be- reits Mitglieder des Bilndes sind, gutge- h e i ß e n w i r d... � Ter Bund wird seine Tätigkeit ausüben durch erne Ver- stimmlung von nicht mehr als drei Vertretern eines jeden Gliedstaates, von denen der Gliedstaat jedoch nur eine Stimme hat, und einen Rat, der zunächst aus je einem Vertreter der fünf Gro hm ächte und je einem de r vier anderen Mächte gebildet ist. Dieser Rat wird vonLeit zu Zeit durch die Versammlung gewählt. Die Zahl der Mächte jeder Klasse, die im Rat vertreten sind, kann durch einstimmigen Beschluß des Rates und durch Mehrheitsbe- schluß der Versammlung erhöht werden. Andere Mächte haben das Recht, als Mitglieder des Rates bei der Erörte- rung von Angelegenheiten teilzunehmen, an denen sie be- 'anders interessiert sind. Im Rat hat wie in der Versammlung jeder Staat nur eine Stimme. Die Entschlüsse beider Körperschaften müssen einstimmig fein, außer in gewissen Fällen, die durch S t i m m e n- mehrheit entschieden werden. Der Völkerbund wird ein ständiges Sekretariat haben. Ein ständiger Gerichtshof für internationale Justiz und verschiedene ständige Kommissionen und Bnreans werden ebenfalls errichtet werden. � Die Gliedstaaten kommen«berein: a) ihre Rüstungen z« vermindern, d) sich gegenseitig über ihre gegenwärtige mili- 'nrlsche Rüstung und ihr Marine- und Heeresprogramm voll- ständig zu unterrichten, c) gegenseitig ihr Gebiet und ihre Po- li tische Unabhängigkeit zu respektieren und gegen einen frem- den Angriff zu sichern, 6) alle internationalen Streitigkeit«! entweder einem Schiedsgericht oder einer Prüfung durch den Rat zu unterbreiten und in keinem Falle zn einem Kriege zu schreiten, bevor drei Monate nach einem Urteilsspruch der- flössen sind oder eine einmütige Empfehlung erfolgt ist, und selbst dann nicht zum Kriege zu schreiten mit einem Staat, der das Urteil dieser Empfehlung annimmt, e) einem Staat, der den vorstchendni Bertrag gebrochen hat, zu betrachten, als habe er eine kriegerische Handlung gegen den Völkerbund be- gangen, alle wirtschaftlichen und anderen Beziehungen mit ihm abzubrechen und Truppen solcher Staaten, welche im Namen des Völkerbundes eine bcwassuete Macht bereitstellen, den Durchzug durch ihr Gebiet zu gewähren. Die ehemaligen deutschen Kolonien und die Gebiete des Ottvnmnischeu Reiches werden im Jutcressc der Zivilisation durch dazu ausgewählte Staaten in der Eigenschaft als Man- data« des Völkerbundes»erwaltet, der seinerseits die allgemeine Oberaufsicht führen wirdu_ Zweiter Rätekongreß. Sechster NerhandlungZtag.. Um UIO Uhr eröffnet« der Vorsitzende Hauschild die Ta- guag. Vsr Eintritt m die Tagesordnung kam es zu einer ein- mutigen Kundgebung ded Kongresses zu den letzten Vorgän- gen in Dresden. Der Vorsitzende Hauschild teilte mit, daß sowohl die Fraktion der S. P. D. wie bor U.«. P. T. die An- regung gegeben haben, der Kongreß möge seinen Abscheu über die Erworduag des sächsischen LriegSmimsters und sein« Vernrteilnng dies«« fnechibaren Stznchfnsttz zum Ausdruck bringen. Während sich alle Teilnehmer von ihren Plätzen erhoben hatten, stellte der Vorsitzende fest: Der zweite Rätekongrcß hat einmütig mit Entrüstung von der Ermordung des sächsischen Kriegsininisters N e u r i n g Kenntnis genommen. Er verurteilt solche Brutalität auf das entschiedenste und appelliert an die werktätige Bevölkerung Deutsch- lands. dafür zu sorgen, daß der Kampf um die B e f r e i u n g des Proletariats nickt durch solche Bluttaten befleckt wird. Der Kongreß nahm dann eine Erklärung einiger Mit- glieder der S.-P.-D.-Fraktion und dcr demokratischen Fraktion zur Kenntnis, die sich gegen den wilden Handel auf den Straßen Berlins wendet und behördliche Maßnahmen zur Beseitigung die- ses die Kultur und die Moral schädigenden ZustandeS ver- langt. f Lüdecke fSoldatenfraktion) berichtet über die Schritte, die gestern eine Kommission der Soldatenfraktion auf Ersuchen einer Abord- nung von Kriegsbeschädigten bei dem Kriegsminister unternom- men hat, um das Inkrafttreten einer Verordnung zu inhibieren, nach der am 11. d. M. den Lazarettinsasien nur Friedensgebühr- nisse bezahlt werden sollen, während den Kranken der Freiwilligen- korps weiterhin die bedeutend höheren Gebührnisse gewährt wer- den. Die betreffende Verordnung wird zunächst bis zum 1. Mai sistiert und dann wohl aufgehoben werden. Ein von der Soldatenfraktion gestellter DringlichkeitS- a n t r a g, unterstützt von beiden sozialistischen Fraktionen, wurde dann� angenommen. Nach ihm bleiben die Soldatenräte bei der Auflösung von Armeekorps bis zur Auflösung der Stäbe bestehen. Von der S. P. D. war folgender Ä n t r ag- eingegangen: „B's zur� Neuregelung her Bestimmungen über die Arbeiter- und Bauernrüie haben die jetzigen A.- und B.-Räte ihre jetzigen Funktionen auszuüben. Tic Regierung wird aufgefordert, dafür zu sorgen, daß von dey in Betracht kommenden Behörden die finanziellen Aufwendungen für die A.- und B.-Räte aufgebracht werden. Nunmehr wird die gestrige Debatte fortgesetzt. Jobannsen �Fraktion der Bauern- und Landarbeiterräte) der- langt für die schaffende Landbevölkerung eine beson- dere R ä te 0 r g a n is a t i 0 n, die von unten an aufgebaut sein und die in einem Reichsbauernrat enden soll. Vindcr-Bielefeld(S. P. D.j: Ein Zweikammersystem würde eine Verteuerung der Verwaltung und auch eine V e r l a n g s a m u n g der Arbeit zur Folge haben. Wenn aber dadurch eine Einigung dcr arbeitenden Bevölkerung zu errei- chen sei, müßten diese Bedenken natürlich zurückgeftellt werden. Der Redner erörtert dann die Tätigkeitsgebiete der Betriebs- und Produktionsräte(Arbeiterräte) und empfiehlt, die zum Aufbau des Rätefhstems vorliegenden verschiedenen Anträge dem neu zu wählenden Zentralrat zu überweisen. Siewers(II. S. P.) verteidigt den Antrag seiner Fraktion. Er wendet sich gegen den Reichsminister Wissel, der versucht habe, den Antrag der N. S. P. lächerlich zu machen, eine Behauptuna, die Wissel durch Zuruf bestreitet. Bredbcmann-Essen tritt für den Aufbau der Rät«- st euer auf der von' der demokratischen Fraktion vorgeschlagenen Grundlage ein und legt die Stellung der christlichen Gewerkschaften zum Rätegedanken dar. Die christlich-nationale Arbeiterschaft unterstützt das Bestreben, der Arbeit und dem Arbeiter die ihm zukommende Stellung zu geben. Die Errungenschaften der Revo- lution werden gefährdet, nicht von rechts, sondern durch das sinn- lose Wüten innerhalb der Arbeiter schast. Büchel(S. P. D.) erörtert eingebend die den Betriebs- rät«, und Arbeiterräten zuzuweisenden Aufgaden. Auf- gäbe des Kongresses müsse es sein, den Arbeiterröten auch die wirklich« ökonomische Macht zu verleihen. Den Arbeiterräien die ganze politische Gewalt zu geben, gehe nicht an. Auch in Rußland haben die Räte nicht die politische Gewakt. S. Hölleia: In wenigen Wochen wird die Entwickelnng über Sie und Ihren jetzigen Antrag binwegschreiten.(Unruhe bei der Mehrheit, Beifall bei den Unabhängigen.) Loos(T«m); Die Mehrheit ist gegen Sie und es wäre dringend zu wünschen, daß Sie immer nur mit geistigen Waffen gegen ums kämpfen. Den christlichen GeWerk- s ch a f t e n, so sagt R. Müller, sei nicht zu trauen, also müsse man sie ausschalten.(Zuruf: Nein!) Sie dürfen niemand ausschalten, der es wagt, eine andere Meinung zu haben alz Sie. (Zuruf: Nur die Kapitalisten!) Man kann sagen, in Deutschland hat nur dcr ein Recht zn wählen, der auch wirklich arbeitet. Lauterbach(S. P. D.): Die Kommunisten fordern die Diktatur des Proletariats, die wir als S 0 z i a l i jt e n aufs unbedingteste ablehnen müssen, weil wir wissen, daß, wenn die Macht auf Gewalt gegründet ist, sie nicht von langer Dauer sein kann. Die U. S. P. will durch den Zwang die' Herzen der Arbeiter gewinnen. Wir lehnen auch diesen Stand- Punkt ab, da eine Organisation auf Freiwilligkeit beruhen muß. Auch an dein Antrag der S. P. D. habe ich das Zwei- k a in ni e r s y st e m abzulehnen. Brühler(U. S. P.): Die Arbeitnehmer wollen nicht den Pro- duktionsprozeß kontrollieren, sondern mitbestimmen helfen. Dcr Zentralrat tvollte im Einverständnis mit der Re- gterung die bestehenden Arbeiterräte abwürgen. Wir fordern aber, daß die Arbeiterräte biz zur Neuregelung der Materie bestehen gelassen werden. Darauf ergriff Däumig zur Schlußbegründung daS Wort: Der Reichsminister Wissel! hat gesagt, daß es in der Re- volutionsge schichte noch nie eine Regierung gegeben habe, die es allen recht machen konnte. Das ist richtig. Jede Re- gierung, die den Mutterboden verläßt, dem sie entsprossen, wird immer schärf st e Angrisse erfahren, und stützt sie sich aus gegenrevolutionäre Elemente, so läuft sie Gefahr, daß sie von ihren eigenen Stützen gestürzt wird. Ave Dinge sind nicht von Ewigkeit und gebunden an die augenblicklichen politischen Verhältnisse. Herr Bühler kam uns vorhin mit doktrinären Argumenten.(Zitrus und Lachen des Mitgliedes Dr. Joel söhn: Sie werden die Massen schon aufpeitschen!) Däumigs bemächtigt sich eine große Er- regung und er springt auf Joelsohn zli, wobei er in höchster Er- regung ihm zuruft: Ihre Zurufe und Ihr frivoles Lachen sind eine Herausforderung ohnegleichen, die wir uns auf das entschiedenste verbitten müssen. DaS Elend unseres LedenL kann nicht durch Parlamentsbeschlüsse beseitigt ioerden. Nur eine Mitarbeit der Klassen kann uns aus diesem Chaos heraus- führen. Wir bedauern fies das unschuldige Blut, das schon gs- flössen ist und die Uebergriffe einiger rollgeioordcne: Fanatiker, die nach russischen, Muster sozialisieren wollen. Cohen(Zentralrat): Der Antrag der S. P. D. wurde von allen Seiten abgelehnt. Am wenigsten Entgegenkommen aber fand er bei der Regierung. Wir glauben, daß dieser Gedanke das deutsche Ball wiader auf die Beine stellen kann. Wenn Sie eine Diktatur des Proletariats fordern, so müssen wir dies, als mit den Prinzipien der Demokratie nicht in Einklang zu brinzeii. ablehnen. Jede Diktatur hat de» Terror zur Folge. Vom zweiten Rätekongreß aber soll man sagen, dag er den gordi- schen Knoten zerschlug und das Volk aus der tiefsten Dunkel- h e i t zur Arbeit und Ordnung führte und ihm einen Weg zeigte, an dessen Ende die Freiheit steht. Bei der Abstimmung wurde der Antrag der sozialdemo- kratischen Fraktion bezüglich!>?S Rätesvstems und ein Zusatzantrag: „Bis zur Neuregelung der Arbeiterräle die bestehenden Räte bei- zubehalten und auck ihre Funktionen festzulegen" mit allen Stimmen gegen S der Demokraten angenommen. Der Antrag laaiet: 1. Die Grundlage der sozialistischen Republik muß die s 0 z i a. I: st i s ch e Demokratie sein. Die formal-demokratische bürgerliche Demokratie wertet in ihrem Veriretersystem die Levölterung nach der bloßen Zahl. Die sozialistische Demokratie muß deren Ergänzung bringen, indem sie die Bevölkerung auf Gr-und ihrer A rbe i tS t äti g k e it zu erfassen strebt. '2. Dies kann am besten durch die Schaffung von Kammern der Arbeit geschehen, zu denen alle arbeitleistenden Deutschen, nach Berufen gegliedert, wahlberechtigt sind. Z. Zu diesem Zweck bildet jedes Gewerbe unter Berück- sichtigung aller in ihm tätigen Kategorien(einschließlich der Betriebsleiter)«inen P r 0 d u kt i 0 n s r a t, in den die einzelnen Kategorien ihre Vertreter(Räte> entsenden. Die Landwirtschaft und die freien Berufe bilden entsprechende. Vertretungen. 3s.. Die Räte gehen aus Wahlen hervor, die in den ein- zelnen Betrieben oder in den zu Berufsverbänden zu- sammrngelegten Betrieben erfolgen. 3b. Der Produktionsrat des einzolnen Gewerbezweiges der Ge- meinde wird mit dem Pradnktionsrat des gleichen Zweigs in Kreis, Provinz, Land und Reich zu einom Zentrakpro- duktionsrai verbunden. 4. Jeder Produktionsrai wählt Delegierte in die Kammer der Arbeit, die in der kleinsten Wirtschaftsein- b e i t beginnt. ö. Diese ist die Gemeinde, resp. Großgomeinde; Gemein- den, die eine Wirtschaftseinheit bilden, werden zmammen- gelegt. 6. Die Produktionsräte der Kreise, Provinzen, Länder und der Gesam-republik tun dasselbe. Ueberall besteht eine allge- meine Volkskammer u«d eine Kammer der Arbeit. 7. Jedes Gesetz bedarf der Zustimmung beider Kam» m e r n, doch erhält ein Gesetz, das in drei aufeinder 'folgenden Jahren von der Volkskammer(Gemeindevertre- tung, KreiSauSfchuß, Provinzialvertretung, Landtag, Reichstag) unverändert angenommen wind, Gesetzeskraft. 8. Jede der beiden Kammern hat das Recht, eine Volks- a b st i m m u n g zu verlangen. 9. Der Kammer der Arbeit gehen in der Regel alle Gesetz- entwürfe wirtschaftlichen Charakters(vor allem die S 0 z i a l i s i e r u n g s g e s e tz e> zuerst zu. ES liegt ihr ob, aus diesem Gebiet die Initiative zu«rgreifen. Der Volkskammer gehen in der Regel die Gesetzentwürfe allgemein polifiscken und kulturellen Charakters zuerst zu. Die Zuteilung der Delegierten auf die einzelnen Berufe wird durch besonderes Gesetz geregelt. Dsglei-cken fand ein Antrag über die Diätenfrage van allen Parteien lebhafteste Zustimmung. DaS HauS vertagte sich nach Bekanntgabe einiger geschäftlicher Mitteilungen durch den Worsitzenden auf Montagmorgen, 19 Uhr. Emigunxsversammlung. Eine von der Zentrale für die Einigung der Sozialdemokratie gestern veranstaltete öffentliche Versammlung tagte in dem über- füllten großen Saale des Lehrervcreinshauscs. Genosse Eduard Bernstein beleuchtete in einem fast zweistündigen Vortrage die polnische und wirtschaftliche Lage Deutschlands. Er wurde häufig unterbrochen durch Zwischenrufe linksgerichfeter Versammlungsteilnehmer, die wenig Neigung für den EijjigpstgSgedanlen erkennen ließen. Doch die Mehrheit der Versammlung äab unzweideutig zu erkennen, daß sie eine ruhige und sachliche Erörterung der Einigungsftage nicht stören lassen wollte. Der Referent kam zu dem Schluß: Deutschland steht vor einer Katastrophe, wie sie noch nie erlebt worden ist. Nur die Einigung der Sozialdemokratie kann Deutschland aus der gegen- wärtigen Situation retten, Die Einigung beider Richtungen würde das Vertrauen zur Sozialdemokratie in der inneren wie in. der äußeren Politik wiederherstellen. Die sacklichen Meinunas» Verschiedenheiten sind nicht so groß, daß die Einigung über ein Aktionsprogramm dadurch gehindert werden könnte. Wenn. aber die sachliche Einigung möglich ist, dann darf sie an der Personen- frage nicht scheitern. Man kann die Regelung der Personenftage der geeinten Partei überlassen. Wenn aber das Mißtrauen gegen bestimmte Personen so groß ist, daß die Einigung dadurch gehindert werden könnte, dann müssen beide Seiten in der Personenfrage Opfer bringen. Eine Bewegung, die aus den Massen heraus-- kommt, muß die Einigunpsgrundlage zu finden suchen. Dem mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine längere'Diskussion. Abwechselnd sprachen Redner beider Bar- teien für die Einigung. Ein Unabhängiger, der gegen die Eini- gung sprach, mußte auf stürmisches, fast einstimmiges Verlangen der Versammlung abtreten. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche sich für die Einigung der sozialistischen Bruderparteien ausspricht und die Versammelten verpflichtet, in ihren Organisationen für die Wiedervereinigung zu wirken. Eine Resolution, die die Aufhebung des Belagerungszustandes verlangt, wurde ebenfalls einstimmig angenommen� Ferner wurde beschlossen, dem NeichSwehrminister telegraphisch einen Protest gegen die verfügte Herabsetzung der Kriegslöhnung dcr Verwundeten von 1 M. auf 33(4 Pf. zu übermitteln. Theater. Theater der§r!eörichstadt: Eknakter-Menö. Zensur! Nur Mucker mögen sie wieder herbeiwünschen. Er» warte aber niemand von der allgemeinen Demoralisation eine Erhebung der Künste. Jetzt blüht das Geschäft; und hierauf verstehen sich alle Pseudodichter besonders. Beweis: diese vier Ein- akter. Wollte man nach ihnen die Weltlage beurteilen, gäbe es keine sozialistische Revolution. Kapitalistische Bourgoismoral herrscht nach wie vor; und das Weib wäre kein zur Freiheit be- rufener Mensch— nur GcschlechtStier. Ju Wilhelm N h i l S Sketfch(Skizze)„Der Anschlag" wird, unter Nutzbarmachung des Dovpelgänger-Mativs, von zwei Gaunern versucht, ein verliebtes Jungmäde! einem brutalen LebenSgenützler ins Garn zu jagen. Polizei greift rechtzeitig ein, Mißlungen. Schwänke sind die anderen drei: Ludwig Hirschfeld macht unS mit einer..Dame ohne Berus" bekannt. Typus: eine von jenen, die sick von der zahlenden Moral Höchstmögendcr„aus- halten" lassen. Schnurrig daran ist allenfalls zu sehen, wie ein— Steuerinspektor hinrer das Geheimnis des Einkommens der Dame zu dringen versuch:. Sein junger Hilfsbeamter muß dabei den „Köder" machen. Gewisse satirische Spitzen gegen das„alte Re- gime" sind nicht zu verkennen. „Die G' schäm ige" von August Neidhard, eine mün- chenerische Faschingsliebelei mit kleine» Widerhaken, dünkt mir daS annehmbarste Stückchen. Daß eine Dame maskiert ihrem heimlich Angebeteten aus Redouten bis in fein Quartier nachsteigt— nun, das gibt's. Hauptsache: wenn die Wcibtugend morassest am Rande jäher Abgründe wandeln kann, ohne früher, als eS der Versager beabsichtigt, hinabzugleiten. Der„Haupttreffer Nr. 33" von W. Ascher fübrt ein liebtolles Dämchen vor, das sich selber verlost und weiß dem Manne seiner stillen Neigung die Gewinnummer in die Hand zu spielen. Aber vor dem Bett mit dem Dienstmann drin reißen alle neun Musen aus, und plumpe Geschmacklosigkeit setzt sich zu Tisch... Die Darsteller bemühten sich nicht wenig, womöglich noch deut- licher zu scheinen, als schicklich und künstlerisch geboten war. In» dessen gab Erna B a st i n doch ein reizend.g'schamigS" Liesl ab. SMMffiWsbewMng Der �ngeftelltenftreik vor öem vollzugsrat. Gemäß einer in d�r am Sonnabend stattgefundenen Sitzung des Bollzugsrats getroffenen Entschließung fand am Sonntagvor» mittag 11 Uhr eine Sitzung in den Räumen des Bollzugsrats statt, n IN den Streik der Angestellten in der Metallindustrie durch eine Verhandlung beizulegen. An dieser Sitzung nahmen außer den S�rtretern der Angebellten die Arbeiterräte des A.-E.-G.-Konzerns ein Vertreter der deutschen Regierung, der£>berbürgermeister Mermuth, der Generaldirektor Brückmann, Volksbcauftragter der Stadt Berlin wrunZ und von dem Verband Berliner Metallindustrieller die .Herren Dr. Oppenheimer und Donner teil. Als Vertreter der sientralstreikleitung der Angestellten in der Metallindustrie war ••nc Kommission von 10 Mitgliedern erschienen. In mehrstündiger D-ebatte wurde auf die Entstehung und den Verlauf der Bewegung eingewiesen. Im loesentlichen handelte es sich, um das Mitbestimmungsrecht der Angestellten bei Einstellungen und Entlassungen innerhalb der Betriebe. Den Angestellten, die heute schon da? Mitbestimmungsrecht vertraglich festgelegt wissen wollen, steht der Standpunkt der Arbeit- aeber der Gesetzgebung nicht vorzugreifen, gegenüber. Im Verlaus der Sitzung wurde von den anwesenden Mit- gliedern de» Vollzugsrats folgende Erklärung abgegeben: „Der Vollzugsrat hält in Anbetracht der gegenwärtigen volitischcn und wirtschaftlichen Lage eine Einigung der beiden Parteien für erforderlich. Er ersucht die Parteien erneut, in Verhandlungen einzutreten, und empfiehlt den Arbeitgebern dringend, schon jetzt den Forderungen der Angestellten auf die Bewährung des Mitbestimmungsrechts gerecht zu werden, da es 'ich hier um eine Forderung handelt, die von der gesamten Ar- beiterschaft als berechtigt angeschen wird." Gemäß obiger Erklärung wurde der Vorschlag, nochmals zu beraten, gutgeheißen. Zu der ani Montag nochmals stattfindenden Versammlung, der getrennte Verhandlungen der Parteien vor- ausgehen, wurde solgonder Vorschlag als Verhandlungsbasis enge- boten; »Einstellung von Angestellten. Die Firmenleitung ist verpflichtet, dem AngestclltenauSschuß von seder Neueinstellung Kenntnis zu geben. Erfolgt aus Ein- '�ruch des Angestelltenausschusses keine Einigung mit der'Ge- bäftsleitung. so entscheidet ein SchlichtungSausschuß. Nur wich- ge' Gründe können für die Verweigerung der Ncueinstellung maßgebend sein, insbesondere Gründe, welckie gegen die bcrech- gten Interessen der Angestellten des Betriebes verstoßen. Kündigung und Entlassung von Angstclltcn. Kündigungen und Entlassungen von Angestellten bedürfen der vorherigen Zustimmung de? Angestelllenaus-schusseS. Kommt eine Verständigung zwischen Firmenleitung und Angestellten- ausschuß nicht zustande, so entscheidet ein Schlichwngsausschuß. Das Material zur Begründung deS Anspruchs ist bei der Beratung mit dem Arbeitgeber vorzulegen." Tie Vertreter der Arbeitgeber erklären, daß ihnen diese For- '-ulierung in einigen Punkten zu weit zu gehen scheint, wogegen die Arbeitnehmervertreter zum Ausdruck bringen, au der Ursprung- .-chkn Form des Mitbestimmungsrechts festhalten zu müssen. Eine Einigung über Entschädigung für den Ausfall der Ge- l älter während der Streiktage wurde nicht für unmöglich gehalten und soll die Erledigung dieser Frage der noch stattzufindenden Ber- Handlung vorbehalten bleiben.'- » Die Streikleitung erläßt folgenden Aufruf: jln alle Angestellten! Seit II Tagen kämpfen die gesamten Angestellten der Berliner Metallindustrie um das- Mitbestimmungsrecht. Aus unerträglicher wirtschaftlicher Notlage heraus erhoben sich alle, unbeschadet ihrer gewerkschaftlichen und politischen Anschauungen, einmütig, um gegen die unendlichen Verschleppungen der Tarifverhandlungen zu .''rotsstieren. Der Verband Berliner Medallindustrieller hat sich immer noch nicht entschließen können, der neuen Zeit auch nur die bescheidensten Konzesstonen zu machen. Anstatt die Angestellten durch eine wirkliche Beteiligung an den Interessen der Betriebe für die kommende wirtschaftliche Umwälzung zu erziehen und so den alten Standpunkt des Betriebsabsolutismus zu verlassen, setzt cr diesen darauf hinzielenden Forderungen den hartnäckigsten Widerstand entgegen. Endlich verstand er sich zu einem Zuge- ständnis, das aber anstatt eines Fortschrittes für viel« Betriebe eine erhebliche Verschlechterung deS bestehenden Znstandcs herbeiführen würde. Damit stehen wir vor der Entscheidung von Sei» oder Nichtsein unserer gesamten Zukunft. Die Regierung hat durch Kabinetts- ixi'chluß unsere Forderungen grundsätzlich anerkannt und deren gesetzliche Verwirklichung zugesagt. Das hindert aber die Unter- nehmer nicht, nach wie vor in iihrer ablehnenden Haltung zu ver- harren. ES ist offenbar, daß hier eine Machtprvbe versucht wird, die auf dem Rücken unserer gesamten Volkswirtschaft ausgefochten wer- den soll. Angesichts eines solchen unerhörten Vorgehens wird erst vollständig ersichtlich, daß die Forderung um das Mitbestimmuugs- recht in den Betrieben, welches allein dafür bürgen könnte, derartige ichw�ce Erschütterungen zu vermeiden, für alle Arbeitnehmer eine ethische Forderung von allcrgrSsster Bedentung darstellt. In Erkenntnis der ungcheursn Tragweite, im Bewußtsein der unbestreitbaren Berechtigung unserer von der Regierung aner- tannten Forderung rufen wir Euch zu, mit uns gemeinsam diese» Kampf zu führen, bis die reaktionären Anschauungen einer ver- Langcnen Epoche überwundcu sind. Kollegen und Kolleginnen! Unser Kampf ist Euer Kampf! Unser Sieg ist Euer Sieg! Ungeheure Opfer sind von den Streikenden bereits gebracht. Wer möchte da abseits stehen? Wir rufen Euch zu: Haltet Euch bereit, auf unseren Ruf sofort in den Streik um das Mitbestimmungsrecht einzutreten. Wahret die Solidarität! Die Zentral-Streikleitung. Die Obleute sämtlicher Angestelltenausschüsse Groß-Berlins, wtl'eit nicht im' Streik befindlich, werden aufgefordert, heute, Montag, abends 6 Uhr, in den M u s i k e r s ä l e n, Kaiser- Wilhelm- Straße, vollzählig zu erscheinen. Zentralausschutz der Angeftelltenausschüsse Groß-Berlins. * �28eit über 6000 Angestellte des Sicmcnskonzerns nahnccn im Zirkus Busch, nachdem eiae Anzahl Organisationsvertreter zur Streiklage gesprochen hatten, einstimmig eine Resolution an, worin sie sich mit Entrüstung gegen die ablehnende Haltung der Unter- nehmer wenden und die Streikleitung �auffordern, sofort Vorbe- reitungen für eine verschärfte Fortsetzung des Streiks zu treffen. » Die Angestellten der Mergenthaler Setzmaschincn-Fabrik G. m. b. H., Berlin N. 4, haben sich am Sonnabend dem Streik der Angestellton in der Metallindustrie angeschlossen, nachdem ein Versuck zur gütlickcn Beilegung der Differenzen an dem ab- lehnenden Standpunkt der Direktion scheiterte. Maffenversammlung der«ntSstSndkge« Bankbeamte». Etwa 5000 Bankbeamte versammelten sich gestern vormittag im Zirkus Busch, um den Bericht über den Stand der Berhand- lungen entgegenzunehmen. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Entschließung an; »Die am 13. April im Zirkus Busch versammelte Angestellten- schast der Berliner Großbanken sieht in dem Vorsitzenden des Ver- bandes Berliner Bänklciwngen, Herrn Dr. Mosler, Geschäfts- inhader der Diskonto-Gcsellsckaft, die Ursache und den Hort aller reaktionären und augestelltenfeindlichen Bestrebungen. Die Ver- sammlung ist der Ansicht, daß die herausfordernde Haltung der Bankleitungcn sowohl in der Entstehungsursache des Streiks als auch in den inzwischen geführten Verhandlungen hauptsächlich aus i h n zurückzuführen sind und verlangt, daß er von seinem Posten zurücktritt." Eine zweite Entschließung appelliert an die Solidarität der Kollegen und fordert, daß das alte Hörigkeitsverhältnis un Bank- gewerbe im ganzen Reiche abgelöst wird durch eine den modernen Zcitverhältnissen entsprechende demokratische Gewerbeverfassung. Die Regierung habe es in der Hand, die Angestellten in diesem Kampfe"zu unterstützen. Deshalb erwarten die Ausständigen, daß die Regierung dem Arbeitgebertum gegenüber von ihrem Rechte Gebrauch macht. * Am gestrigen Sonntagnachnrittag fanden unter dem Vorsitz des Ministerialdirektors Krüger neue Besprechungen statte Bei den letzten Verhandlungen war verlangt worden, daß die An- gestellten ihre Forderungen über das Mitbestimmungsrecht in den Betrieben formulieren sollten. Infolgedessen hat der Allgemeine Verband der Deutschen Bankbeamten den Entwurf für. ein Not- gesetz fertiggestellt, das bis zum Erscheinen des von der National- Versammlung zu erlassenden Gesetzes in den Bankbetrieben Gültig- keit haben soll. Nach demselben werden zur Mabrnehnmng der allemeinen und besonderen Interessen der Arbeitnehmer Betriebs- räte aus die Dauer von zwei Jahren» gewählt. Der Wirkungskreis der Betriebsräte erstreckt sich auf alle, die Gesamtheit der Arbeit- nebmer wie des einzelnen, betreffenden Fragen de? Arbeits- Vertrages. Alle Verfügungen der Betriebsleitungen bedürfen zu ihrer Rechtskraft des Einverständnisses des Betriebsrates. Wird dieses Einverständnis nickt erzielt, ist ein SchlichwngSanSschutz, der sich zur Hälfte aus Arbeitgebern, zur Hälfte aus Arbeitnehmern zusammensetzt, zuständig, zu dem daS Reichsarbeitsamt oder eine ihm untergeordnete Instanz den unparteiischen Vorsitzenden zu stellen bat. Die Entscheidung dieses SchlichtungsausschusseS ,st endgültig.,._.. Insbesondere ist daS Milbestimmungsrecht dem Betriebsrat gewährleistet für die Fragen der Einstellung Beförderung. Ver- fetzung und Kündigung der Arbeitnehmer. Dritter Tag! dl- neu- finlcihc rechnet fast 4'/«"/»'Zinsen, öarum zeichnet!....... Sparkassen und Sanken nehmen Zeichnungen an. Ttreik der BrauereiangesteNten Groh-BerlinS. Wochenlange Verhandlungen zwischen dem Verein der Brau- ereien Berlins und der Umgegend und den Angestelltenverbänden, sowie den Tarifkommissionen der Handlungsgehilfen und der� technischen Angestellten haben zu keiner Einigung gesührt. Bezüglich der GehaltSsorderung war das Verhalten des Vereins gegenüber den beiden Gruppen der Angestellten verschieden. Diejenigen der HandlungSgebilfcn wurden teilweise, jedoch in durchaus unzu» reichender Höhe, bewilligt; auf diejenigen der technischen angestellten ließ sich der Verein dagegen nicht einmal zu einem zahlen. mäßigen Gegenvorschlag herbei. Hieraus ergibt sich unverkenn- bar das Bmühen des Vereins, die Verhandlungen hinzuziehen und die beiden Gruppen der Augestellten zu trennen. Di« das Mitbe- stimmungsrecht der Ausschüsse betreffenden Forderunge» der An- gestellten wurden abgelehnt. In ausfallendem Gegensatz hierzu steht daS Ergebnis der vom Verein mit den gewerblichen Arbeitnehmern gepflogenen Tarif- Verhandlungen. Obgleich die Sätze dieses Tarifs die Gehalts- forderungen für große Gruppen der Angestellten weit übertreffen, wurden sie doch am Freitag angenommen. Um eine weitere Ver- schleppung zu vermeiden, entschlossen sich die Angestellten, bis Sonnabend, 11 Uhr, ein Ultimatum zu stellen. Das Ultimatum blieb ohne Antwort. Darauf beschlossen die am Sonntag im BZH- mischen Brauhause, Landsberger Allee, versammelten kauftnän- niscken und technischen Brauereiangestellten, etwa 1200 an der Zahl, mit überwältigender Mehrheit, die Arbeit am Montag. den 14. d. M., nicht wieder aufzunehmen und so lange im Streik zu verharren, bis das Mitbestimmungsrecht der Ausschüsse und die Gehaltsforderungen bewilligt sind. Di« Zentralstreiklcitung befindet sich im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. Alle Meldungen der einzelnen Betriebs- streikleitungen sind dorthin zu rickten. Verhandlungen dürfen nur von der Zentralstreikleitung geführt werden; Ausweise sind dort erhältlich. Die täglicke ParoleauSgabe erfolgt mittags 1 Uhr; jede Betriebsstreikleitung hat dieselbe durch Boten abholen zu lassen. Die Zentralstreikleitung: Klingberg, Goitwaldt. Drohender Streik der Landschaftsgärtner. Die Verhandlungen mit der Arbeitgeberorganisation, um einen neuen Tarif mit zeitentsprechenden Löhnen zu erzielen, haben sich zerschlagen. Die Versammlung der Vereinigung deutscher Garten- architekten und Landschaftsgärtner im Verband der Handelsgärtner bat am 10. April einstimmig beschlossen, die Forderungen der Arbeiterschaft abzulehnen. Tie freigcwerkschaftliche Or- ganisaiion, der Verband der Gärtner und Gärtncreiarheiter. hat noch einmal durch Anrufung des SchlichtungSausschusses für Groß- Berlin versucht, den Lohnstreit gütlich zu regeln. Eine am Mitt- woch, den 16. April stattfindende Gruppenversammlung wird weitere Beschlüsse fassen. Ist bis zu diesem Tage keine Einigung erzielt, so empfiehlt die Organisationsleitung für kommenden Donnerstag den Streik. Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter, Gruppe LandichaftZ» gärtner, Berlin S. 42, Luisenufer 1. Die Lohnzahlung für die Arbeiterschaft der Firma Julius Pintsch A. G., Audreasstraße 71, findet heute, Montag, vormittags 10 Uhr im Betriebe statt. Versammlungen am heutigen Montag. BrrsicherungSaugestcllte. Nachmittags ö Uhr in.der Union?- Brauerei, Hasenheide, Versammlung.„Das Mitbestimmungsrecht". Beschlußfassung. Berbandsausweis mitoringen. Deutscher Metallarbciter-Vrrband. Abends S Uhr für die Me- talldrücker Berlins und Umgegend im Reichenberger Hof, Reichen- berger Straße 147. Tagesordnung: Fortsetzung der vertagten Versammlung vom 1. und 7. April d. I. Optische Anstalt E. P. Gocrz B. Ä. 3 Uhr ini Bürgersaale des Friedenauer Rathauses Betriebsversammlung. Commerz- und Diskontobank. Vormittags 1014 Uhr im Ge- roerkschaftshaus, Engeln ser 15, Saal 1, Bot rieb �Versammlung. GrofrBerlw Montag, den 14. April, findet die juristische Sprech- stunde von 3 bis 5 Uhr statt. Soll der Zucker auch noch frei werde»? DaS„Nachrichtenblatt für das Reichsernährungsamt" schreibt: Durch die Presse gehen vielfach Nachrichten, daß der Handel mit Zucker zu einem bestimmten Teil bereits freigegeben sei. Diese Nachrichten sind unrichtig. Die Zuckerwirtschaft wirb im laufenden Wirtschaftsjahr in der bisherigen Weise unverändert weitergeführt. Offenbar gehen jene Mitteilungen auf mißverstände Acußerungen über die Gestaltung der Zuckerwirtschaft im kommenden Jahre zu- rück. Bezüglich dieser schweben allerdings Erwägungen, ob eS möglich ist, die Zuckerwirtschaft freier zu gestalten. Diese Erwä-- gungen sind indessen noch nicht abgeschlossen und können zu einem endgültigen Ergebnis überhaupt erst dann führen, wenn sich die Ernte des kommenden Jahres einigermaßen übersehen läßt. Eisenbahnunfall beim Potsdamer Bahnhos. Durch einen Zusammenstoß zweier Züge sind in der Nacht zum Sonntag auf der Strecke zwischen Potsdamer und Groß- Görschcn-Bahnhos eine größere Anzahl Fahrgäste verletzt worden, darunter 8 so schwer, daß sie in ein Krankenhaus gebracht werden mutzten. Einige von diesen Schwerverletzten dürften kaum mit dem Leben davonkommen. Das Unglück ist c>ar«uf zurückzuführen, daß ein Haltesignal in Unordnung war. Es fuhr der vom PotS- damer Bahnhof kommende Vollringzug 1900 au», ohne daß die Strecke frei war, und stieß um 1 Uhr 10 Min. auf den Vorortzug 1985 auf. von t>cm zwei Wagen durch den starken Zusammenstoß förmlich ineinandergeschoben wurden. Unter den Fahrgästen bei- der Züge entstand eine Panik, die sich noch dadurch vergrößerte. daß das Licht versagte und im ersten Augenblick sich die Folgen deS Unglücks nicht übersehen ließen. Viele der Leichtverletzten warte- ten erst gar nicht ab, bis Hilf« zur Stelle war, und begaben sich gleich auf anderem Wege nach ihren Wohnungen, so daß ihre Zahl noch nicht genau feststeht. Di« Feuerwehr brachte sodann die schwerverletzten Personen nach dem Elisabeth- und Urbankranken- hause._ SelbstbcstimmnngSrecht für Elsaß-Lothringen. Die in Berlin ansässigen Alt-Lothrinyer urte Elsässer veranstalteten gestevn im Palast-Theater eine sehr stark besuchte Protestkundgebung gegen die Vergewaltigung Elsaß-Lothringens. Stadtrat G i lg aus Colmar schilderte die Zustände seines Heimatlandes seit der französischeu Besetzung. Fast täglich werden Massen von deutschen Gewerbetreibenden, Beamten, Arbeitern und Angestellten aus dem Lande gewiesen und ihrer Vermögen beraubt. Der blühende elsässische Weinbau, der Bergbau ist vernichtet. Die sozialen Ge- setze werden zuungunsten der Arbeiter abgeschafft. Selbst alt- elsäisischc Familien, die seit Jahrhunderten im Lande ansässig find, Wersen von der Ausweisung nicht verschont. Zur Besatzung deS Elsaß sind fast ausschUeßlich farbige Truppen verwendet worden. Dj ist Pflicht deS deutschen Volkes, den Elsässern bei zu sieben und ihre Forderungen auf Erhaltung der deutschen Heimat zu unter- stützen.— Geheimrat Professor Dr. v. Waldever bestätigte cm? seinen Erfahrungen, daß die Einwohner des Elsaß in ihrer weitaus überwiegenden Mehrheit kerndeutsch seien. Der Abgeordnete Graes sSoz.) legte den Standpunkt seiner Partei, der Oberbürgermeister Dominikus den der Demokrckten in der elsaß-lothringischen Frage dar. Nach sehr stürmischer AuS- spräche wurden zwei Eulschließungen angenommen, in denen eS unter anderem heißt:.Die Versammlung erhebt Einspruch gegen die dem Friedensschluß vorgreifenden' völkerrechtSloidrigen Maß-, nahmen der französischen Regierung im besetzten Elsaß-Lothringen. Sie fordert Selbstbestimmung auch fu?das elsaß-Iothringische Volk und erklärt, daß sie nur eine solche Volksabstimmung als recht?- gültig bindend anerkennen kann, die"frei und unbeeinflußt durch Änweseniheit fremder Truppen und Staatsbehörden zum Aus- druck kommt." Korpß-Soldatenrat GardckorpS. Vollversammlung der Sol- datenräte Gardekorps Dienstag, vorm. 10 llhr, ehem. Herrenhaus. Plenarsaal. Tagesordnung: 1. Bericht deS KorpS-Soldatenrats; 2. Bericht zum Rätekongrcß. Den wilden Straßenhändlcrn und lZlücksspieler« ging auch gestern wieder das Regiment Alerander arg zu Leibe. Die Sol- baten und uniformierten Beamten der benachbarten Reviere be- gnügien sich diesmal nicht mit einer gründlichen Säuberung der Straßenzüge, sondern suchten auch die Lokale auf, in denen sich die Straßenhändler und Glücksspieler zusammenfinden. Wieder wurden über 50 Personen festgenommen und die bei ihnen vor- gefundenen Sachen, mit denen sie Handel trieben, beschlagnahmt. Aber auch diese Säuberungsaktionen haben bisher noch nicht den gewünschten Erfolg. Immer wieder tauchen neue Händler und Spielhalter auf, und so ändert sich das Gesamtbild in dieser Ge- gend nur wenig. Billige Wochenkarten nicht nur für Arbeiter werden m einer Zuschrift an uns mit dem zutreffenden Hinweis darauf gefordert, daß unzählige Angestellte aller Art ein weit geringeres Einkorn- men haben als viele Arbeiter. Bei einer Dividendenerhöhuing auf 7% Prozent muß die so erheblich verteuerte Straßenbahn zu einer solchen sozialen Maßnahme ebenso imstande sein, wie der Staat für seine Vorort- und Stadtbahnen dazu moralisch verpflichtet wäre. Also heraus damit! Groft-Bcrliner Lebensmittel. Lichtcrfelde. 250 Gramm Marmelade aus Nr. 4 der Lebensmittelkarte bis zum 19. 1 Kilogramm Gemüsekonserven aus Nr. 112. 1 Ei auf Nr. 28 der neuen Eierkarte. Ende der Woche: 250 Gramm Marmelade auf Nr. 22 der Lebensmittelkarte. 250 Gramm Graupen auf Nr. IL und 19. 200 Gramm Graupen auf Nr. 33 und 34 der Jugendlichen-Karte. Der Zucker, der vom 16. ab aus Nr. 61 der Znckcrkarte verkauft werden soll, und eben- so das AuSlandsmchl sind bis jetzt noch nicht ein getroffen. Beides wird sofort nach Ankunft zur Ausgabe gelangen. Der Nachver- kauf von Eiern auf Nr. 19 der Eierkarte findet in 3 Geschäften auch noch am Montag und Dienstag statt. Buchholz. Abschnitt 1— 3 350 Gramm Schnittnudeln(46 Pf.). Abschnitt 31 und 32 für Jugendliche 250 Gramm Grieß. Ferner erhalten Jugendliche im Amtshause 1 Apfelsine zum Preis von 55 Ps. bis zu 1 M.______ Groß-Serliner parteinachrichten. Neukölln. Heute abends 7 Uhr zwei öffentliche Frauenver- fammlungen in dar Aula des Kaiser-Frledrich-RealgymiiasiumS, Kais er-F riedrichstraße, und der Aula der Realschule Boddinstraße. Tagesordnung: Die zukünftige Ledensmittelverteilung. Referent: Die Stadv. Heitmann und Scholz. Tcmpclhvf. Dienstag, 7Z4 Uhr, Aula des Realgymnasiums, Kai- serin-Augusta-Strahc, öffentliche Volksversammlung. Genosse Heil. mann spricht über„Die politische Lage". �ugenöveranftaltungen. Verein Arbeiter-Jugend Groß-Berlin. Abteilung Südost. Jugendheim Wrangelstraße 128(Gemeindefchute) Vortrag: Von der Postkutsche zum Schnellzug.— Abteilung Weißensee: Heute Jugendheim Woelckpromenade 1(Ledigenheim) Mitgliedmwsr- sammlung� verantwortlich fitr Politik Artnr gickler. Charlotten bürg, für den übrigen Teil de» Vlatten Alfred Scholz, Neulolln: für Anzeigen Theodor Gloikc, Vertiin Verlag: Borwirts-Bertag S, m. 6. H., Berlin Druck BorwärtS-Bu»druckeret tute LerlligSanftlilt Paul Lutger u. Im, ic Botlia. SüteentfraSt 3. NW Ad Wen nli Brnl KM iWi! oeielüiltt durch Wanzentod Pseifferoi in Flaschen zu 4,.?v Mark, S.— Mark und 1,73 Mark und Mottcntod Pfcifserol(30 Pf.) überall zu haben. Hrrr Karl Schwabe, Drogerie. Perleberger Strafe �5, ichreibt:„Senden Sie mir wieder je ein Gros von den grojzen. je zwei Glos von den kleinen Packungen Wauzenkod. Meine Kundschaft ist mit Ihrem Präparat außerordentlich zufrieden."_ Mvpt- and Hnnrrrnaaer PfellTerol gegen Dnsleter für Kinder, Ulaiche 1,50 Mark und 1,60 Mark. •B«dra»lt«ii-I,liiiineiit PfellTerol gegen Ungeziefer, 2,50 Mark, 1.50 Mark. Trlereaol Pudor Plelfferol gegen Flöhe. Dose 1.35 Mark. Kiiider-Pnder Pfciflerol. beute« Blnstrenmittel für Kinder. Tollette-flaam-aaMer PfeKTerol gegen Kopfnchappen und Schinnen, ein ideale« llaarplicgeiulttei. sylaiche 3,30 Mark. ipotbsker OUo Pfeiffer sPiehler, aeä.scBBisir,!?, Lieferanten der Deutschen Armee in Fnftvfleze-, Unzezicsep und Froftmitkeln. /Vitmiralt-painsl. öslleu aus Uem LIse !7snZ!-8evue.! Paul lireao» unä Leas Xcraien. I da! elegant. Foxirotpaar. I lOisPrlazesslnv. Iraxanl.i Wer ift die Schönste? TV, U, Sonnt. 4 u. 7 U. VonDgllche Köche. 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