ZIr.S4S»S.Z-Iirs. BehugSvreiS» N«rt«lftbrc 1JS0 IXL monaü.i&ttd frei ins HauS voraus zahidar� Einzelne SUurunern>0 iiienmg. rioildezn� Moniil!ch 2.W IRL exü. Zustellung�- gebühr. Uniei�skreurband für Deutsch- icmb a. Oesterreich-Ungarn 5,TB M!. für daS übrige ÄuSland 9.T& Ml. bei lüglich einmaliger Zustellung 7.'» Ml. Voilbeilelluugen nehmen an Düne- man. Holland Luremburg, Schweden und dt» Schwei,. Eingetragen» die Loit-.ieuungS-chrelSllite. Der.BorwürtS' ertcheint wocheniügllch zweimal. Sonntag,, einmal. Zelegrcmm-Kd reffe .Sozialdemotear öetitn". Abend Ausgabe. BcHiitct VolKsblstt. ( 10 Pfennig) An?eit,e«preiS: Die achlgcidaltc ae Slonbareiüe teile lollel l,lL Ml.»Klein« Anzeigen". das'citgsdrrichteWorlSllMg.fzuiü."!- - fettgebruchte Wortes, itbe� weitere Kon 25 Lsg. Stellengtiuche illi» vchlafslellenanz-iger! daS eriie Z-orr <>? Pfg., sebeS setiere lSor: 20 Bs?. Lorie über 15 Buiüiioben zä�ieit iür ,wel Worte. Teuerungszuschlag 5"»» -fiamilien-Zlnzeigen, zolitische uu? gewersichaitltche Verein«» Sinzelgr'., 1.20 Ml. die Zeile,«nzetgen lür v-., aüchfte illummer müssen diS S Uhr nachmittags im Haiwtgeichüjt. Serlui SS. 58. Lindenftrase ii. avgegebeit »erbeii.®cdffntl son 9 Uhr stich b>l 5 Uhr abends. Zentvalorgan der rozialdemokratifd�eii parte» DeutfcblandQ. Reöaktion und Expedition: SW. öS» Lindenstr. Z. Fernsprecher: A«t Morittplav, Nr. R�R SO— RSI V7. > HI m»» WHI—M III'lWIWI! IN�k.nM il i■<■!■■—IKWWiM■! T Mittwoch, den 14. Mai 1919. vorwärts-verlag G.m.b. h., EW. öS» Lindenstr. 5. Fernsprecher: Amt MortUPlah. Nr. T17SZ— S». Neue Noten Sro ÜUB* Versailles, 13. Mai. ReichSminiltcr Graf von Drolkdorff- 51antzau hat heute an den Präsidenten der FriedenskonserenH Clenicnceau solgende drei Noten gerichtet: Versailles, den 13. Mai 1919. Herr Präsident! Entsprechend der Ankündigung in meiner Note vom 9. Mai d. I. überreiche ich die nachsolgende Aeutzerung der Volks- wirtschaftlichen Kommission, die beaustragi ist, die Rückwirkung der in. Aussicht genommenen FriedenSbedingungen auf die Lage der deutschen Bevölkerung zu begutachten: „Deutschland war im Lauf« der letzten beiden Generationen vom Agrarstaat zum Industriestaat übergegangen. Ms Agrar- staat konn'e Teutschland 49 Millionen Menschen ernähren. MS Industriestaat war eS in der Lag«, die Ernährung einer Be- völkerurg von 67 Millionen fich-erz, istellen. Tie Einfubr von Lebensmitteln betrug un Jahre 1913 rund 12 Millionen Tonnen. Vor dem Kriege lebten in Deutschland vom auswärtigen.Handel und der Schiffahrt— entweder direkt oder indirekt durch die Ver» arbeiiung auswärtiger Rohstoffe— rund 13 Millionen Mensche«. Nach den Bestimmungen des Friedensvertrages soll Deutsch- land seine für«den lleberseehandel taugliche Han- delztonnage und S ch if fs n e u b a u ten auLlefern. Auch sollen die Werkten in den nächsten fünf Jahren in erster Linie kür die alliierten und asioziierten Regierungen bauen. Deutschland büßt ferner sein« Kolonien«in; die Gesamtheit seines Besitztums, seiner Jnteresien und TitÄ in den alliierten und asiogiierten Ländern, in deren Kolonien. Dominien und Protektoraten soll— zur teivversen Deckung der Entschädi- gungsansprüche— der Liguidation unterliegen und jeder anderen wirtschaftlichen Kriegsmastndhme ausgesetzt sein, welche die alli. ierten und assoziierien Mächte in der Friedensgeit aufrechtzuer- halten oder neu einzuführen beschließen mögen. Bei Ausführung der territorialen Bestimmungen des Frieden»- Vertrages würden im Osten die wichtigsten Produktionsgebiete für Getreide und Kartoffeln verloren gehen; das wäre gleichbedeutend mit einem Ausfall von 21 Proz. der Gefamterutc in diesen Lebensmitteln. UeberdieS würde unsere landwirtschaftliche Produktion in ihrer Intensität stark zurückgehen. Einmal wäre die Zufuhr von bestimmten Rohstoffen für die deutsche Düngemittelindustrie. wie Pbosphaten, erschwert, sodann würde diese, wie iede andere Industrie, unter Kohlenmangel leiden, denn der Friedensvertrag sieht vor. daß wir fast ein Drittel unserer Kohlenproduktio» bevlieren; außerdem werden unS für die ersten 10 Jahr« unge- heure Lieferungen an Kohle an bestimmt« alliierte Länder auf- erlegt. Weiter soll Deutschland nach dem Vertrage fast drei Viertel seiner Eisenerzproduktion und mehr als drei Fünftel seiner Produktion an Zink zugunsten seiner Nachbarn abtreten. Nach dieser Einbuße an eigener Produktion, nach der Wirt- schwilichen Lahmlegung durch den Verlust der Kolonien, der Han- delSstlotte und der auSirärtigen Besitztümer, wäre Deutschland nicht mehr in der Lage, genügend Rohstoffe au« dem Auslände zu beziehen. Die deutsche Industrie müßt« daher in e'ncm gewaltigen Umfange erlöschen. Gleichzeitig würde der Bedarf an LehenSmitieleinfubren erheblich steigen, während die Möglichkeit. üSn zu befriedigen, außerordentlich sinken müßte. DeuhWcnd Ware habet in kurzer Zeit außer Stande, den vielen Millionen auf Schiffahrt und-stau de l angewiesenen Man- scheu Arbeit und Brat-u gewähren. Diese Menschen müßten anS Deutschland auswandern: das ist aber technisch unmöglich, zumal sich viele der wichtigsten Länder der Welt gerade aegen die deutsche Einwanderung sperren würden. Außerdem würden hunderttausende ausgewiesener Deut- scher aus den Gebieten der mit Deutschland Krieg führenden Staaten sowie aus den o betretenden deutschen Territorien und Kolonien nach dem übrig bleibenden deuffchen Gebiet einströmen. Werden d'e Frieden Sbedingunaen durchgeführt, so bedeutet das einfach den viele Millionen Menschen in Deutschland zu Grunde gehen müssen. Dieser Prozeß würde sich rasch entwickeln, da durch die Blockade während des Krieges und deren Verschärfung während des KrieaeS und deren Verschärfung während des Waffenstillstandes die Polksgenindbeit gebrochen ist. Kein Hilfswerk, nach so groß und langfristig angelegt. könnte diesem Massensterben Einhalt tum Ter Friede würde von Deutschland ein Mehrfaches der Mcn- schenopfer fordern, die der mereinbalbjährige Krieg verschlang (1% Millionen im Feld« gefallen, fast 1 Million Opfer der Blockade). Wir wissen nicht und möchten»S bezweifeln, ob die Delegierten der alliierten und assoziierten Mächte sich über die Konsequenzen DieStrafanträge im Oebknecht-lluxemburg- Prozeß. I« der heutigen Verhandlung bei Lievknccht-Luxemburg-Pro- zesseS stellte der Anklagevertreter folgende Strasanträge: Gegen Sapitünloutnant Pflog-Sartung, Leutnant Stiege, Leutnant L i t t m a» n, Oberleutnant Rittoen Todesstrafe wegen vollendeten Mordes. Gegen Oberleutnant Bogel 3 Jahr 1 Monat Zuchthaus wegen versuchten Mordes, austerdrm ü Woche« Hast wegen Erstattung einer falsche« Meldung» dt« durch die UntrrsuchungS- Haft als verbüßt angesehen werde» solle«. Gegen Runge 3 Jahre S Monate Gefängnis wegen ver. suchten Todschlages unter Zubillioung mildernder Umstände, Ab- i erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 4 Jahre, außerdem 2 Wochen Haft wege» Wachtvergehens. Gegen Hauptmann Weiler 3 Monate Gefängnis wegen Begünstigung. Gegen Hauptmann Pflug-Hartung und geoe« Leutnant Schulze Freispreckmng. im Klaren find, wie sie unvermeidlich eintreten würden, wenn Deutschland, soeben noch ein dichtbevölkerter, mit der ganzen Welt- Wirtschaft verknüpfter, auf gewaltige Rohstoff, und Lebensmittel- einfuhr angewiesener Industriestaat, plötzlich auf eine Entwick- lungSstuie zurückgestoßen wird, die seiner ökonomischen Konstruk- tion und seiner BerölkeaungSziffer von vor einem halben Jahrhundert entspricht. Wex diese« Friedensvertrag unterzeichnet, spricht damit das Todesurteil über viele Millionen deutscher Männer, Frauen und Kinder aus." Ich habe ei für mein« Pflicht gehalten, vor Ueberreichung weiterer Einzelheiten diese allgemeine Aeußcrung über die Wirkung -de« Friedensvertrags auf das deutsch« BcvölkerungSproblem zur Kenntnis der alliierten und assoziierten FriedenSdelcgation zu bringen. Di« statistischen Nachweise stehen auf Wunsch zur Ver- fügung. Genehmigen Sie. Herr Präsident, die Versicherung meiner aus- gezeichneten Hochachtung. gez. Brockdorff-Räntzau. Versailles, den 13. Mai 1919. Herr Präsident! In dem den deutschen Delegierten vorgelegten Entwurf eines Friedensvertrages wird der Vlll. Teil, betreffend die Wiedergut- machung, mit dem Artikel 231 eingeleitet, welcher lautet: „Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und alle Schäden verantwortlich sind, welche die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staats- angehürigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten habe».' Deutschland bat die Verpflichtung zur Wiedergrtmachung über- nommen auf Grund der Note des Staatsfekreärs Lansing vom 3. No- vember 1918, unabhängig von der Frage der Schuld am Kriege. Dir deutsche Delegation vermag nicht anzuerkennen, daß aus einer Schuld der früheren deutschen Regierung an der Entstehung des Weltkrieges ein Recht oder Anspruch der alliierten oder assoziierte» Mächte auf Entschädigung durch Deutschland für dir durch den Krieg erlittenen Verlustr abgeleitet werden könne. Die Vertreter der alliierten und assoziierten Staaten haben zudem wiederholt erklärt, daß das deutsche Volk nicht für die Fehler seiner Regierung verarn- wortlich gemacht werden solle DaS deutsche Volk hat den Krieg nicht gewollt und würde einen Angriffskrieg niemals unternommen haben. Im Bewußtsein des deutschen Volkes ist dieser Krieg stets ein Verteidigungskrieg gewesen. Auch die Auffassung der alliierten und assoziierten Regierungen darüber, wer als Urheber des Krieges zu beschuldigen ist. wird von den deutschen Delegierten nicht geteilt. Sie vermögen der früheren deutschen Regierung nicht die alleinige oder hauptsächliche Schuld an diesem Kriege zuzusprechen. In dem vorgelegten Entwurf eines Friedensvertrages findet sich nichts, was jene Auffassung tatsächlich begründet. Keinerlei Beweise werden für sie beigebracht. Tie deutschen Delegierten bitten daher um Mitteilung des Berichts der twn den alliierten und assoziierten Regierungen eingesetzten Kam- Mission zur Prüfung der Verantwortlichkeit der Urheber des Krieges. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner aus- gezeichneten Hochachtung. gez. Brockdorff-Rantzau. (Fortsetzung folgt.) Nichtige Lragestellung. O.«alifizicrtes oder««qualifiziertes Nein. Von Eduard Bernstein. Bei allen Entscheidungen, welcher Art sie auch sei. kommt außerordentlich viel darauf an. wie die zu beantwor tende Frage gestellt wird. Eine falsche Fragestellung keuui mit geradezu zwingender Notwendigkeit eine falsche Antwort zur Folge haben. Das ist denn auch mit der Frage der Fall, wie sich dir deutsche Sozialdemokratie zur Frage der Friedensbedingur. gen der alliierten Mächte stellen, beziehungsweise für welche Antwort Deutschland auf ste sie sich erklären soll. Stellte man sie auf Annehmen oder Ablehnen, toie es„Vorwärts und„Freiheit" im ersten Augenblick in Uebereinstiinmu- r mit der großen Mehrzahl der deutschen Blätter getan Hab?". io mutzte man notwendigerweise zu einer falschen Antwort kommen. Annehmen wie ablehnen hat beides Konsegurn- zen, die kein gewissenhafter Politiker verantworten iarr.. D i e Friedensbedingungen enthalten Bestimmungen, die ich als internationaler So z i a l i st nicht unterzeichnen könnte, ohne mich i-- den Grundsätzen der Internationale über das Recht l r Völker, wie sie fetzt erst wieder von der Berner interaat" nalen Sozialistenkonferenz bekräftigt worden sind, grobl'ch zu versündigen. Und diese wie andere Bestimmungen{-v- ich als Deutscher nicht unterzeichnen, ohne berechti.'-' Lebensinteressen einer großen Anzahl meiner Lands!.' ln? elend zu verraten. Ein Ja kam also diesen Bedingung?.' gegenüber, wenn es hieß, sie bis auf den I-Punkt zu unt-: schreiben, für mich ganz außer Betracht. Es konnte sich d< meines Erachtcns zunächst nur um ein Nein Handel Sollte, durfte es aber ein Nein sein, wie man es in ein?:-' Teil der Presse sofort marktschreierisch proklamierte und im großen bürgerlichen Publikum gläubig nachbetete? Gewiß, wir können das Dokument, das der deutschei' Friedensdelegation In Versailles dorgete.zt ivorden ist, mi: allen seinen jetzigen Bestimmungen nicht unterschreiben. Aber unser Nein kann kein unbedingtes Nein sein, denn d a s meiste wird, so hart es unS ankommt, schließlich doch irnier schrieben werden müssen. ES bat ieder das Necht. für seil:? Person so heroisch zu sein, wie es ihm angezeigt erschein- Niemand aber ist berechtigt, von„komme, was da wolle" zu reden, wo das Wohl und Wehe eines ganzen Volkes in B? tracht kommt. Unser Nein ist ein qualifiziertes Nein, kann nur ein qualifiziertes Nein lein. Wir müssen alles aufbieten, von der anderen Seite Em- treten in Erörterung der Einzelheiten ibr"? Vorlage zu erlangen. Es ist vieles an ilu' unklar, in unb? stimmten Wendungen ausgedn'ickt und mag infolgedessen beim ersten Lesen schlimmer erscheinen als beabsichtigt. Do;- dürfte unter anderem von einer Anzahl Bestimmungen zu- treffen, die sich ans die finanziellen Regelungen bezieben. Anderes ist widerspruchsvoll und bedarf deskmlb der A:ui klärnng. Wieder anderes wird kaum aufrechterhalten wer den können, wenn von deutscher Seite klargelegt wird, daß es Konsequenzen in sich birgt, die den Verfassern der V«>'. läge wahrscheinlich in ihrer Schwere nicht zum Bewußtsein gekommen sind und auch, weil ihnen die Dinge fern liege' kaum zum Bewußtsein kommen konnten. Nehmen wir z. B. die Bestimmung der deutschen O st grenze. Es ist schwer ersichtlich, von welchen Gesichtspunkten die Alliierten sich bei Ziehung der Grenze zwischen Deutschland und dem neuen Polen haben lenken lasse-' -Haben sie das Polen wieder herstellen wollen, wie es vor dm' ersten Teilung(1772) beschaffen war? Das würde sdwn mit den Grundsätzen der sozialistischen Internationale in Widerspruch sieben, deren in Bern gefaßte Resolution andrücklich die gewaltsamen oder verschleierten Annerionon an' Grund sogenannter historischer Ansprüche oder an gor. sicher ökonomischer Notwendigkeiten verwirft und fflr Gebietsänderungen die Willenserklärung der B>' Völker ung fordert. Immerhin wäre es, so sebr es d' Ansprüche der lebenden Generation ganzer Bezirke ignorier wenigstens ein in sich einheitlicher Gesichtsvunkt. Mer br Bestimmung der Grenze Oberschlestens wird er plötzlich ver, lassen. Es ist zwar mebr als abgeschmackt, wenn deutsch- Blätter ibren Lesern erzäblen, Oberichlesten gehöre seit med, als 700 Jahren zu Deutschland. Durch solche Drehung ge- schichtsicher Tatsachen wird die deuffche Sache nur geschadigt. Ganz Oberschlesien war mit vorübergehenden Ausnahmen den größten Teil des Mittelalters ein Teil des polnischen Staatswesens, kam im 14. Jahrhundert unter böhmisch- tschechische Herrschaft, woher die pvlnisch-tschechischen Strei- tigkeiten um gewisse Gebiete herrühren, und wurde nach Zerstörung des böhmischen Staatswesens im 17. Jahrhundert mit dem übrigen Schlesien unmittelbares Verwaltungsgebiet des habsburgischen Reiches, bis im 18. Jahrhundert(1748 bis 42) Friedrich II. von Preußen unter Ausnutzung einer Notlage der Kaiserin Maria Theresia mit anderen Teilen Schlesrens auch dieses für Preußen erpberte. Man kann also, wenn man daS so zusammengewürfelte Habsburgische Reich durchaus als deutsch gelten lassen will, weil die Dynastie und ihre Erblande deutsch waren, allenfalls sagen, daß Ober- 'chlesien seit zweiundeinhalb Jahrhunderten deutscher Besitz cht, aber mit dem Gerede von sieben oder gar acht Jahrhun- derten soll man gefälligst aufhören. Richtig ist nur, daß es auch schon zur Zeit der ersten Teilung Polens nicht mehr zu diesem gehörte. Die Polen haben denn auch, und das ist ein viel wichtigeres Moment, bei keiner ihrer nationalen Er- Hebungen Anspruch auf Oberschlesien geltend gemacht, weder im 18. Jahrhundert, noch 1838, noch 1846, noch 1863, sondern im Gegenteil wiederholt ausdrücklich erklärt, daß ihre Be- strebungcn auf Wiederherstellung Polens dieses Gebiet nicht umfassen. Ebenso haben die einen polnischen Dialekt s.wasserpolnisch") sprechenden Oberschlesier noch den größten Teil des 18. Jahrhunderts kein Verlangen nach Verbindung mit dem alten Polen an den Tag gelegt. Die national- polnische Bewegung ist dort keine drei Jahrzehnte alt. Kann um auch die Jugend der Bewegung kein Grund sein, sie zu ignorieren, so kann sie doch trotz der Stärke, die sie erlangt bat, ebenso wenig ein Grund sein, um ihretwillen oll die anderen Entwickelnngen, die sich im Laufe der zwei Jahr» hunderte in Oberschlesien vollzogen haben, kurzerhand als nicht existierend beiseite zu lassen und die dortigen deutschen Kulturzentren obne Rücksicht auf ihren Wunsch und Willen -iner Fremdherrschaft auszuliefern. Der Entwurf der Alliierten sieht im Gebiet des n ö r d- iichen Schleswig, dort, wo nicht die Bevölkerung ganz überwiegend dänisch ist. die Bestimmung der Nationalität nach Gemeinden vor. Warum soll aber, was in Schleswig �echt ist, nicht in Oberschlesien, Posen und Westpreußen billig »ein? Dem modernen� demokratischen RechtSgedanken ent» spricht es. die nationale Zugehörigkeit vom Willen der leben- aen Bevölkerung abhängig zu machen— unmittelbar Hinzu- gemgene natürlich ausgenommen. Es kommen bei Los- rsistung von Gebieten ans ibrem bisherigen staatlichen Ver- - band auch noch andere Rücksichten in Betracht, deren Be- Handlung hier zu weit führen würde. Betont mutz aber werden, daß eine befriedigende Lösung des deutsch-polnischen Problems auf dem Wege einer Verständigung unter Zu- arundelegung bestimmter einheitlicher Richtlinien gesucht werden muß und bei gutem Willen auch gefunden werden kann. Durch ein Diktat von oben herab, bei dem Willkür das entscheidende Wort gesprochen bat, wird sie nicht erziel! werden. Auch wir Sozialdemokraten, die friedliche Verstän- digung mit dem polnischen Volk erstreben, müssen gegen ver- schieden? der Bestimmungen, die sich auf die deutsch-polnische Frage beziehen, entschiedenen Einspruch erheben. In Sachen deS Saargebiets ist eines mit Auer- htzNMrpq festzustellen: der Entwurf bestimmt, daß bei der nach Ablauf von 1k> Jahren vorzunehmenden Volksbefragung "ws Recht der Abstimmung ollen über 28 Jahre alten Per- wnen.ohne Unterschied des Geschlechts zustehen soll, die das Gebiet„zur Zeit der Zeichnung des Vertrage?" bewohnt haben. Womit also Fälschung der Abstimmung durch nach- iräglich Zugezogene auSgeschlosien wäre und zeitweilig Ab- gewanderte ihr Stimmrecht behielten. So weit, so gut. Aber die Bestimmungen über die Verwaltung des Gebiets reichen nicht ans, eine völlig freie Selbstregierung der Bevölkerung -u gewährleisten— ganz abgesehen davon/ daß. selbst den Anspruch auf den Verkauf des ganzen Kohlenbeckens als be- -echtigt zugegeben, dies noch nicht dazu nötigt, durch die dauernde militärische Besetzung und die Unterstellung der Verwaltung unter fremde Oberherrschaft als gerechtfertigt anzuerkennen. Wird sie durch das Mißtrauen in den ehr- lichen Friedenswillen des deutschen Volkes begründet, so gibt es andere Möglickikeiten. diesen zu verbüraen. Zu ibnen gehört eine hei aller Kritik obiektive Behandlung der Forderungen der Alliierten. Gewiß, vieles davon trifft uns Deutsche' sehr hart. Aber wenn wir nach der Ursache dieser Forderungen forschen, werden wir finden, daß üe zumeist einer sachlichen Begründung nicht entbehren. Deutschland hat viele Verwüstungen, viele Konfiskationen und Vernichtungen gut zu machen. DaS Schlimmste, daß es zwar ohne allzu große Schwierigkeiten hätte gutmachen können, als eS noch„das reiche Deiitfchland" war, aber heute, wo es nicht nur daS finanziell, sondern auch ökonomisch ver- armt? Deutschland ist, nicht durchgängig gutmachen kann, ollne das darbende Deutschland zu werden. Unser Ein- wruch muß frei bleiben von jedem nationalistischen Beige- schmack. Es hat aus ihm alleS fortzubleiben, was nicht unter dexn GesichtSvunkt deS demokratischen RechtS, der Gerechtig- keit und Menschlichkeit verkündigt werden kann. Unser nar bald darauf aus dem Heeresdienst ausge- schieden und hatte mit seinem Burschen Frösche! in der Möckern- straße ein Speditirnsgeschäft gegründet. Dort wurde er verhaftet. Er b e st r e i te t, mft dem Millioncnraub etwas zu tun zu haben. doch sind dte Nachforschungen unverzüglich in dte Wege geleite t worden. Sein früherer Bursche und jetzige Kvmpagnon kesindet sich zurzeit aus Reisen. Es wird vermutet, daß auch Mngel und Frösche! versuchten, die Tausendleinoten bei den Banken umzu- wechseln und bei dem Charlottenburger Spielklub umsetzten. Es sind sofort Schritte eingeleitet worden, um den Verhafteten� mit den Bankangestellten und den Personen des Spielklubs gegenüber» zustellen. Es wird vermutet, daß Bingel und Frösche! noch alles oder aber den größten Teil'des geraubten Geldes versteckt halten. Es liegt auch nahe, daß sie das Speditirmszeschäft nur ge- gründet haben, um Beziehungen zum Ausland zu erhalten. * Zu dem Spandauer Millionenraub teilen wir mit, daß Leut- nant Bingel sofort wieder auf freien Fuß gesetzt worden ist, da der gegen ihn ausgesprochene Verdacht sich als unbegründet er- wiesen"hat. Der Verdacht gegen seinen früheren Burschen Frösche! bat sich dagegen noch verstärkt. Der Bcrfolgte ist gerade seit dem Tage verschwunden, als die erste Nachricht von dem Millionen- raub in die Oeffcnilichkeit kam. Mord am Kurfüistendamm. Ein Mord wurde heut- früh in dem Hause am Kurfürsten- dämm Nr. 188/8S verübt. Hier wurde der Generalvertreter Han» WendÄssadt aus dem Flu: seiner Wohnung hinter der Tür in einer Blutlache tot ausgeftinden. Die Umstände lassen darauf schließen. daß er nach einem Kampfe ermordet worden ist. Polizeileutnanr Schmitt macht« die ersten Feststellungen und benachrichtigte-sofort die Charlottenburger Kriminalpolizei. Zur DiStenfrage in Gemcindeparlamenten. Bei der Umae- staltung der Gemeindeparlamente ist durch Verordnung auch die Möglichkeit geschaffen worden, AnwesenbeiiSgekder für Stadt- und Gemendeverordnete und AufwandSentsckädigungen für unbesoldete Stadträte und Schöffen festzusetzen. Darausbin beantragten in Schöneberg die sozialdemokratischen Stadtverordneten, dep Magistrat um Beratung dieser Frage in gemischtem Ausschuß zu ersuchen. In dieser Sitzung lehnten die bürgerliche!: Fraktionen diesen Antrag ab und ersuchten ihrerseits den Magistrat, auf Beseitigung jener Verordnung hinzuwirken. Dieselbe Angelegenheit dürfte demnächst in verschiedenen Semeind- Parlamenten Groß-Berlin» erörtert werden, voraussichtlich mit andrem Erfolg als in Schöneberg. Pakete an deutsche Gefangene in englischer Gewalt auf belgt» schein und französischem Boden werden fortan unmittelbar� über Köln an ihre Bestimmung geleitet, wenn sie keine Bücher enihalten. Pakete mit Büchern sowie alle anderen Arten von Postsendungen für diese Gefangenen nehmen nach wie vor den zeitraubenden Umweg über Holland und England. Um sich die schnelle Beförderung der keine Bücher enthaltenden Pakete an dies« Gefangenen zu sichern, haben die Absender auf den Paketen und dn Paketkarten zu vermerken:„Enthält keine Bücher und keine schriftlichen Mitteilungen." Tauentzlen-Valast t.Lola Monte, 17.- Seilte F-eitag. Außerdem Nenaufführu'ng de» D-tettivfilm»»Die geheimnisvolle Villa-. Kriegsbeschädigte, KriegSbiiiterbliebene de? TiemenSkon, erns. Versammlung. Donnerstag, 15. Mai, nachmittags 5 Uhr, BollShau», ijhar- lottenburg, Ztofinenstraße. Krirgsteffiiebmer, welche in den Krieg»organ!sat!onen titig sind. Bersammiung D onnerStag nach», t'/, Uhr im Hervenhause, Zimmer 20. Nrbeiter.Snmariter-Vund Groß-Berlin. ArSelier-Tamariter, welch« nicht dienstlich verbindert sind, werden dringend ersucht, sich Donner»- tag. 1». Mai, nachmtitgq» 4 Ubr. aui den KSnitSviah am eisernen Hinden- bürg beim Kolonnenüibrer Gustav Dietrich zu m stden. Auch werden die Samariier eimcht. die Sekannigemachte« Vcrsamm. lungen zu besuchen, indem nicht jeder einzelne oeladen werden kann. Sonnabend abend» VI, llhr 31. Stiftungsfest in All- Herlin, Blsmenstr. 10. Groft-Berliner Lebensmittel. Hennigsdorf. Di« Arot-, Butter- und Karivffelkarie««erben«i« folgt ausgegeben: Donnerstag, den 15. Mai, Berg» und Ratheneu, strafte von 8—10. Neuendori und prieddaistrahr von 10—11, Söpowivaft». 11— t, Hauptstrafte 2—». Freitag Berliner Strafte 8—11. Bahndosstr. 45, Aiisd-ni 11-1, ffekd» und Aontanestrgfte 2— t, Sonnabend Burg- und ssabtikitrafte 8-tt, Seileritrafte 11—1. Die Kartenansaabe ei folgt diesmal dirett an dte HauSbaltungen. Am 15. Mai wird auf die Fettkarte Butter verabfolgt. Bankow. tinsoige der beiden Witterung sind grofte Mengen M Ich in Mtflourem Zustande eingegangen. G» können desbalb die>/«-Llter>Kran- k-nko>Ien vom 13. bi» 15 Mai einschl. nicht rn t Milch beliefert werden. Im übrigen bleibt die Belteserung zunächst wie bisher. GroA-Serliner parteknachrichtea. PotSdi�u. Sozilaldemolratische Kundaebuna gegen den Dewaltsrieden, Donnerstag, abend» 8 Ubr, im Lokal FriedrichSgarten sBabnbof Cvailottenbos). Resereut: Abgeordneter der preutz LandeSver« sammlung Emil Schubert. Sozialistische Lehrer und Lehrerinnen. Sonnabend. 7 Ubr. Lebrei vereinShau», PertraucnSmünnerfitzuug. Auch Genossen und Ge- noisitmen. die aufterhalb der regelmäßigen Vereins sitzungen Zeit und Krait opfern wollen, sind geladen._ Sriefkasten der Neöaktioa. Krau 81. Bitte lo'ort um Angab« fthrer Adresse Verantwortlich für Dolitit flthtt gitflet, Charlettegbarg, für den Qbtifltn Sdfl de» Blatte» iUittv Sdiol»,«eutelln; lür An, eigen rstübar Wiuir. Berlin. Verlag: Vorwärt S-Verlag St rn. b. H.. Berlin. Druck BorwüriS'Blllndruckaret und Verlagsanstall Paul Singer u. So. in Perl«, Linvenswab« S, \/orfr/aför• Agenturen für Lebensmittel G. m. b. H, 3 ru. � c.j. i id 8&: Curt Beuermann, Berlin W 15; Rudolf Carlus. Berlin NW 52; V cl II Clci. Dalibor«i Möhring, Berlin C 2* Johann Detrmann, Bln.-Vvilniersiorf, Landhausstr. 31; Franz Josef Gfrörer, Berlin W 50; H. fflack- .—'* �_ ii__*T" � I C Da«-1 1.' a■■ i' r" A a 1< L« f*\ ♦•ix.■ v»X f D n• 1 3 m K' C C• a a Vx X 1 K— I i 3»X A KT\17. V'....... i__•__ ierlin N; Otto hanlte. Berlin-Terrpelhof, Berliner ttraäe 145; Otto Herois. Berlin NO 55; .V 30; Wilhelm Krantz. Bfl'in NW, Paulstraße 23; Gcorit Kievitt, Berlin s 61, Bärwaldrtraße 10; e, Berlin N 5t; Heinrich Lofmann, Berlin 5W. Hagelberger Straße 29; Fritz Manasse, Charlotten Gerhard Hinschlng, NW: Ludwig Kanter, Walte�Rösler, Berlin- Wilmersdorf: August darth, Berlin Berlin W................WWWWW�HW W,__ A. Runge, Berlin N 5t; Heinrich Lofmann, Berlin SW. Hagelberger Straße 29; Fritz Manasse, Charlottenburg; FranzPasch. Berlin SW 29 GneHenau- straße 114; H. Passcck, Berlin W 50, Naoi odstr. 24; Eugen Riei, Berlin W 57; Salo Rubin, Berlin NW 23; Wilhelm Runge, Berlin C 2; Eugen Szanii, Berlin W 30; Aurust Schönebeck, Berlin N 58. Treskowstraße 47; Reinhard Schwarz, Berlin WS7; J. Sternberg, Berlin-Schöneberg, Berchtesgadener Straße 14; Wilh. Willgerodt, Berlin-Wilmersdorf; W.Wolfes, Berlin W, Kuriürstendamm 114; Herzberg& Co., Charlottenburg; Gustav Heynemann, Berlin NW 50, Drakestr. 11. ni-i-tRh ärirllor• Max Schneider, Cöpenick, Mßggeiheimer Straß«; J. Gesowsky, Magazinstr. 17(Berlin); Wilhelm Goebel, Große Frankfurter LJf UUllallUICl. Straße 37; Max Häusler& Co., Berl n N 4, Bergstr. 34; Verein für Volksktichen. B.-Wilmersdorf; Gebr. Weigert, Berlin SW 68; Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, Lichtenberg, Ritterguistraße 16; Werner Eberiein, Berlin, Stralsunder Str. 14; R. Schröter, Berlin SO 16, Adalbertstr. 53; Gebr. Hajesch, BeHin O, Weidenweg 24; Gebr. Groh, Berlin SO 16, Schmidstr. 5; Verein für Volksküchen, Berlin-Schöneberg; Miller i Braun, Berlin N 54, Lothringer Straße 43; Gebr. Ganse. Berlin C, Briiderstr. 7: C. Buchholz, Beriin-Cöpenick; Ernst Hoffmann, Berlin- Cöpenick, Kaiser-Wilhelm-Straße; Einkaufsgenossenschaft Cöpenicker Kolonialwarenhändler in Cöpenick- Otto Schoening& Co., Berlin-Friedenau, Lauterstraße 16; Paul Brand, Beriin-Cöpenick; Einkaufsgenossenschaft Pankower Lebensmittelhänrker, Pankow; Wilhem Northe, Berlin; Albert Mßüer, Berlin, Petersburger Straße; Wilhelm Hankein, Schöneberg; August Adalbert Kunze. Berlin N 54, Lothringer Str. 8; Robert L. Liebrecht Nacht., Berlin N. 54, Lothringer Str. F 6; Wilhelm Salzwedel, Berlin O 112, Knorrpromenade; Albert HerFtz, Berlin NO. 18, Waßmannstraße 15: Richard Retziafi, Beriin-Cöpenick E. Kosmaila, Neukölln; Marcuse& Orbach, Berlin; Albert Schenk, Berlin-Reinickendorf; H. W. Bahlmann, Berlin NW 52 Klrchstr 15. rNervöse Schlaflosigkeit wird behoben durch (Extr. 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