Nr.247.86.Ia!srs. BezugspretS: Sterfcliä�rl. 7,50 M. monaü, 2,5058. srciins Hau- voraus zahlbar. Einzelne Siuinmcrn lv Piennig. Poilbezug: ivionaillch 2.50 Mb. etil Zusiellungs. gebühr. Unter üreuibanb für Deutschend u. Ocilerreich-Ungarn 5.75 MI, für das übrige Ausland 9.75 Mi. bei täglich einmaliger fiuitellung 7.75 MI. Poilbeuellungen nehmen an Däne- Marl Holland. Lutemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in dl« Losl-lelrunaS-Brelslisle. Der.Larwärts' erlcheinl wochenüiglich zweimal Sonrnag- etnmai Telegramm-Adresse: .Sozialdemelrai Berlin» Abend-Ausgabe. Nevlinev Volksblstt. (�10 Pfennig) A»,elftenprelSi Die»chlgesvalteae Siennareilezeil« loiiei l.20 MI..Kleine«»,»»«>-, das'ellaeoruckleSeriöOvig. l zulässig 2 ietigedruill« Körles. ,ed«s«ellere Kort 25 Lsg. Slellengeiuche und EchlalslellenenzeigeN das eri!« isort «0 VIg., i«des weuere Verl 20 Gig. Vörie über Ii Buchsiaben zäilen Mr zwei Dorre. Teuerungszuichlag 50»/» shamilien-Anzeigen. velilssche und zewerllchaitliche Vereins- Anzeigen 1,20 MI. die Zeile. Anzeigen iür die nächste Summer müssen bis» Uhr »achininegs im Hauptgeichüsl Serltn •33.58. Andensirasze 5.»„egebev werden. GeSIfnel von» Uhr früh bis i Uhr adends, Zcntralorgan der fozialdcmokratl f eben Partei Deutfcblands. Neöaktion unö Expedition: SM. öS, Lindenstr. 2. ..ernivrecher! Amt Moriuplay- Nr. lälil?. Donnerstag, den 13. Mai 1S1A. vorwärts-verlag E.m.b. y., SV. öS, Linöenstr.Z. Fernsprecher: Am» Morivplats, Nr. II? i>Z—!»t. Die Gefterreicher in St.-Hermain. Haag. 15. Mai. AuS Paris wird gemeldet: Gestern Mittwoch abend, sind die österreichischen Delegierten zur F r i e- dcnskonferenz in Et. Ecrmain eingetroffen. Der Entscl>eiöung zu. Am nächsten Mittwoch laust die Frist ab. die der deut- scheu Delegation gegeben ist, um gegen die Friedensbedin- gungen der Entente ihre Einwendungen zu machen. Was ist nach ihrem Ablauf zu erwarten? Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Entente, sei es auch nur um die Form zu wahren, den Versuch machen, auf diese Einwendungen sach- lich zu erwidern, wozu sie wenigstens einige Tage Zeit brauchen dürste. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie bei der Negetung der W i r t s ch a f t s f r a g e n in mehr oder wem- ger unbedeutenden Einzelheiten Abänderungen vorschlagen wird. Ziwleich mit der Erstattung ihrer Antwort dürfte sie eine Frist sehen, innerhalb welcher sich die deutsche Tele- gation entscheiden muß, ob sie unterzeichnen will oder nicht. Es ist anzunehmen, daß Mse zweite Frist sehr kurz bemessen sein wird. Wird nicht unterzeichnet, so sind die Friedensverhand- lnngon und ist auch der W a f s e n st i l l st a n d vorläufig be- endet. Zwischen Teutschland und den siebenundzwanzig Verbündeten tritt formell wieder der K r i e g s z u st a n d ein. Beide Teile sind dann wieder zu allen Maßnahmen der Kriegführung gegeneinander berechtigt. Es ist notwendig, dem sich daraus ergebenden Zustand ohne Illusionen entgegenzusehen. Selbst wenn man mit unvorhergesehenen Möglichkeiten rechnet, die auf Seiten unserer Gegner ein- treten könnten, bleibt ihre ungeheure militärische Uebermacht Sapern gegen öen Gewaltfrkeüen. Bamberg. 15. Mai.(Eigcncr Drahtbericht des„Vorwärts".) �Heilte morgen fand hier eine Tagung des bayerischen Lanv- tag es statt, auf der einstimmig eine Resolution beschlossen wurde, die- erklärt, daß der von den Gegnern Deutschlands angr- botenc Gewaltfriede nicht unterzeichne» werde unv daß von einem Sonderfr»edensschluß Bayer nS nicht die Rcde fein könne. Auch der Magistrat München hat in einer heute abg»- haltcncn Sitzung„mit allen deutschen Stämmen gegen de,, Schmach- und Gcwaltsricdrn" protestiert und Neitkisregiming und Nationalversammlung gebeten, in ihrer ablehnrndcn Haltung zu beharre». Aufhebung Ser Slockaüe be! Jrieöensfchluß. Haag, 15. Mai. Aus Paris wird gemeldet: Der Oberste Kriegsrat teilt mit, daß Maßnahmen getroffen sind, um die Blockade von Deutschland, sofort nacktem das Friedcnsabkomnien unterzeichnet ist, rückgängig zu machen. Die Haltung öer franzosistben Sozialisten. Darf man die TVahrhcit sagen? Versailles, 15. Mai,(Eig. D.rahtbcricht des„Vorwärts".) Die „Freiheit" beschuldigt in ihrer MoutagabcndauSgabe die Versaillcr Berichterstattung des„Vorwärts" der Brunnenvergiftung, weil sie auch diejenigen Stimmen sozialistischer Blätter wie„France l i b r e",„Lch eure" usw. dem deutschen Proletariat mitteilen zu müssen glaubte, die dem Elaborat der alliierten Regierungen B c fall spendeten oder gar die Bedingungen als zu milde bezeich unbestreitbar. Da die' polnische und die tschechoslowakische!"tten. Talsächlich wäre es Betrug am deutschen Volke, wenn man .Republik in die Reihe unserer Gegner mit eintreten, ist M w m die Deutschland diesmal, nach seiner fast vollständigen Entwaff nung, hnchstäblich auf allen Seiten von Feinden mpeben. Es steht dann in einem„Krieg", den es mit militärischen Machtmitteln nicht gewinnen kann. Daraus geht hervor, daß die„Kriegführung" Deutsch- lands, sowe't von einer solchen noch die Rsde sein kann, im Kern eine politisch-moralische sein muß. Das „Kriegsziel" kann nun und nimmer eine gewaltsame Ueber- Windung der Gagner sein, sondern nur eine Abänderung der Friedensbedingnngen in e'ner Weise, die sie dem deutschen Volk erträglich und erstiillbar macht. Es darf kein Zweifel daran bestehen, daß wir nicht um den militärischen Sieg kämpfen, sondern mir um Gerechtigkeit und Vernunft, um das Selbstbestimmungsrecht auch unseres Volkes und um ewe Form der von uns zugesagten Wiederherstellungen, die tatsächlich ausführbar ist. Weder wollen wir fremde Volks- teile zwingen, im unserem Staatsverbande zu bleiben, noch wollen wir uns gewaltsam von Verpflichtungen befreien, die wir grundsätzlich bereits anerkannt haben. Unser Ziel ist und bleibt, mit den Gegnern in Verhandlungen ein- zuweten. ans denen ein dauernder Frieden im Sinne der 11 Pnnste Wilsons werden kann. Nichts ist uns heute gefährl'cher, als die Verwischung dieses unseres klaren Standpunk!s. die falsche Einschätzung geaebener Kräfteverhältnisse, die Nahrung falscher Hoffmin» gen, denen die Enttäuschung notwendig folgen muß. Wir haben keine andere Waffe als unser Recht, und keine andere Kraft als die. über uns verhängte Leiden zu ertragen. Diese Kraft muß so lange vorhalten, b's die einstweilen noch ge- seblossenc Front dos feindlichen Jniperialismus an ihren inneren� Gegensätzen und Widersprüchen zerbricht. Hier ist die einzige Hoffnung auf Rettung, und wer dem Volk andere Ziele weist, der führt es in die Irrel Ik. Lt. Di? DenMlanös. Par'S, 14. Mai. Ter Rai der Minister des Auswärtigen der- handelte heute über die Autrechtcrhaltung der Ordnung in ScMeswig während der Volksabstimmungen. Mehrere Sach- verständige haben einen Plan zur Entsendung einer gemischten französiscki-britisch-omerikanischen Truppe und ciniaer Knegsschiste nach Flensburg uorbereitet. Es wurde auch voroescblagen drei bis vier Bataillone Fiuanterie im Lande zu halten. Es ist bereits besblossen. die russischen KriegSae- fangenen in Deutsckckond nach Rußland zurückzuschicken. Der Rat wird sich mit der Frage befassen, auf welche Weise das zu ge'ckeben hat. Polen verlangt einen Teil der beut- scben Handelsflotte. Tiefes Ansuchen wird in Betracht ge-ogcn werden. Der Rat besprach ferner das Verfahren zur Rc- Vision des beleisch-holländ siben Vertrages von 183g. Die Kom- Mission wird ihre erste Sitzung am 2g. Mai abhalten. Holland wurde eingeladen, einen Delegierten zu entsenden. sich auf die Wiedergabc der mutigen Aeußcrungen des„Populairc und der„Humanite" beschränkte. Tie Rechte bildet in der fran- zösischen Kammerfraktion noch immer eine starke Minderheit von etwa vier Zehnteln. Es hieße Vogelftraußpolitit treiben, würde man ihren Einfluß außer acht lassen. Daß diese Veröffent- lichungen den Unabhängigen sehr ungelegen kommen, die uns im- mer alles Heil nach der Niederlage von der siegreichen Entschlossen- heit der westlichen Demokratien versprachen, wird niemand wundern können. Heute noch versucht in„France l i b r e" Artur N o z i e r nachzuweisen, daß zwischen dem Manifest des Bcrner Aktionsausschusses und der Ansicht derjenigen, die den Friedensvertrag Clc- menccaus glatt ablehnten, ein Abgrund liege. Er vertritt den Standpunkt, daß der vorläufige Ausschluß Deutschlands aus dem Völkerbund berechtigt sei, weil dieses noch im Militarismus vcr- funken(I), von Disziplin und Autoritätsprinzip trunken sei. Da- her sei es nicht in der Lage, mit vollen Rcchwn und ohne demokra- tische Lehr- und Vcrsuchszeit in hie Gesellschaft der freien Nationen einzutreten. So spricht ein„S o z i a l i st" über das Land, dessen Arbeiterbewegung und Arbeitergesetzgebung schon vor dem Kriege der ganzen Welt vorbildlich erschien und das seit der Revolution das Frauenwahlrecht, den Achtstundentag und weitgehende Soziali- sicrungen einführte. Sollten wir-vielleicht diese Tatsache, daß ein sozialistisches Blatt den Ausschluß Deutschlands aus dem Völker- bund und die Pariastellüng des deutschen Volkes in der Welt befür- wartet, verschweigen, nur um den Unabhängigen genehm zu sein? Oder darf etwa die deutsche Arbeiterklasse nicht wissen, daß die Hetz- kampagne der Unabhängigen gegen uns immer wieder als Propa- gandamatcrial jenen Solialisten dient, die dem Friedensentwurf zustimmen wollen? So wärmt Henry F a b r e im heutigen„I o u r. n a I du P e u p l e" die alte Lüge auf, daß„die Scheidemänner" dem schmachvollest Frieden, der den Russen auferlegt wurde, Beifall geklatscht Hütten. Den mutigen Stimmen der Linkssozialisten sci alle Ehre ge- geben. Man mutz aber doch darauf hinweisen, daß weder»P o p u- l a i r e" noch„Humanite" bisher in irgend einer Weise uns rieten, den Frieden, den sie selbst als schmachvoll bekämpfen, abzu- lehnen. Sie haben auch keine Antwort auf die Frage: Was werden die Linkssozialisten tun, wenn nach NichtUnterzeichnung deS Frie- dens der militärische Vormarsch und die Verhängung der Hunger- blockade wieder als Zwangsmittel zur Erpressung der Unterschrift angewendet werden sollen? Täglich sind die bürgerlichen Plätter mit ausführlichen Schil- derungen dieser geplanten Matznahmen erfüllt. Weder „Humanite' noch„Populaire" sagten bisher, welche Haltung die französischen Sozialisten in diesem Falle einnehmen würden. Amsterdam, 14. Mai. Wie das Mgemeen HandelSblad Pa r i S meldet, schreiben die französischen Blätter zu dem aus Politik und Recht. Zum Urteil im Myrdprozeft Liebk«echt'L»»xemburg. Der Totaleindruck des Urteils im Liebknecht-Luxem- burg-Prozeß ist: unbefriedigend! Zwar ist es eine bewußte Demagogie, wie die„Freiheit" immer nur von „Freisprechung" zu reden, denn zwei Täter sind zu immer- hin nicht unerheblichen Gefängnisstrafen, Ehrverlust und Dienstentlassung bzw. Entfernung auS dem Heer verurteilt worden. Jedoch befriedigen diese Strafen das Nechtsgefühl nicht, namentlich da fünf weitere Angeklagte, deren unmittelbare Täterschaft bei der Tötung Liebknechts mehr oder weniger feststand, vollkommen frei ausgingen. Eine gerechte Sühne für die Ermordung Liebknechts und Rosa Luxemburgs hat nicht nur deren Parteianhänger- schuft, sondern die gesamte Kulturwelt verlangt, nicht zuletzt die politischen Gegner der Getöteten. So sehr wir die Po- litik Liebknechts und Rosa Luxemburgs und namentlich ihr Vorgehen in den kritischen Januartagen sachlich verurteilen mußten, so wenig haben wir je aus unserem Abscheu über die VlSttat ein Hehl gemacht. Sobald sich herausstellte, daß die beiden Getöteten nicht, wie zuerst gemeldet wurde, von eii»er anonymen Volksmenge gelyncht worden waren, baben wir ohne jedes-Zögern strenge Bestrafung der Täter gefordert und dürfen daher mit vollem Reckst erklären, daß auch unser Nechtsgefühl und daS weiter Kpeise, die sachlich von den Getöteten weit entfernt standen, durch das Urteil in keiner Weise befriedigt wird. Dennoch ist es falsch, die Schuld daran.einseitig dem Gericht zuzutck-ieben. So einwandfrei war der Tatbestand keineswegs festaestellt, daß man hier ohne weiteres von einer frivolen Rechtsverletzung reden könnte! Das Gericht kann nicht urteilen, wie die politische Leidenschaft, die unter allen Umständen Sühne fiir die Tat verlangt, sondern es bat gleickneitia darüber zu wackien. daß auch mir die wirk- l i ck> e Schuld bestrast wird.. Es darf nicht irgendein Ber- dächtiger, dessen Uebcrführung nicht gelungen ist, einfach als Opfer hingeworfen werden. Rohe Instinkte pflegen sich be- kanntl'ch damit zu begnügen, wenn überhauvt mir irgendwer bestraft wird und fragen nicht, ob der Bestrafte auch der Täter war. Ein Beispiel sokckvr rohen Justiz haben unS die M ü n- chener Svartakisten geaeben. Wegen irgendwelcher Vorfälle in Starenberg ba�en sie kurzei-hand zebn Mün- chener Geiseln erschossen, obwohl diese mit den Vorfällen in Starenberg nicht da? mindeste zu t n n hatten, ia, nicht' einmal davon wußten. Nur ein primitiv barbarisch"? Rechtsgestibl kann die Abschlachtung Unschuld!- aer als Sülms und Vergeltung empfinden, jedes veredelte Rechtsempfinden wendet sich schaudernd von solcher „Justiz" ab. Wie sag nun die Socke im Fall Liebknecht? Die An« geklagten leugneten. Wir. die wir sie für schuldig Dal» ten, sprechen offen ans, daß wir ibr Verhalten auf der An- stagebank als feige empfunden baben. Sie hatten sich ibr Entlastungsnlänchen zurecht aemacht, hielten dicht zu« sammen und nahen nichts zn. DaS ganze war ein wenig erbebender Aubstck und was die Tat am ebesten noch hätte entscknldiaen können, daß sie ein politisches Verbrechen aewesen sei, daS fiel nun weg. denn ein politisches' Ver- brechen bat zur Voraussetzung, daß der Täter sich offen zu ihm bekennt. Aber leider ist es ein uraltes Recht jedes Angeklagjen, zu lügen und e-benso ist es ein uralter Grundsatz der Justiz, daß nickst der Ang?iyagte seine Unschuld, sondern der An- kläaer delferi Schuld zu beweisen hat. Verurteilt werden darf ein Augeksc-gter nickt, weil er verdächtia. selbst nicht, w-il er driuaeud verdäcktig. sondern nur weil er über» f ii b r t ist. Die lieberfübrnng aber scheiterte in diesem Falle an dem hartnäckigen Leugnen der Angeklagten. Die ,.Freib"it" beba„vt?t. daß ein Revol'itionstribuual Licht über den Mard hätte brinaen können. Aber wie. wenn das Tr'l'i'ngj„nck Reckst�ammdlätzen und nicht nack politischer stmdeasckWt urteilen wollte? Dr-r entscheidende Vorgang Im Tipramten sviaste i-ck niir«miscken dem Getöteten und den A-iflpstaestPN ab W"t»rp vpnnen geh eS nickt. Auch em N>»nos"tion»trckunol Höste die Angesagten nicht zwinge» können., ein G'ckstmdnis abzulegen. Es laaew zwar noch schreiben die französischen Blätter zu dem V r o«! Cfridisten aller Art vor die für ein varhereitetes Komplott lest der Internationale gegen die Friedensbedin- suchen aber diese Fndiü-n waren nickst eindeutig und teil« gungen. daß die Delegierten der alliierten und assoziiertem g�s,, widersneechend. z. B. kannte eine abstcksticke Herbei- Machte keineswegs die Absicht haben könnten, einen sozio« �r Vnnne nickt bewiesen werden. Aber überhaupt listijchen Frieden zu schließen. jjst jstx Verurteilung auf einen Jndizienbewei» hin«üvai» i'eSr mißliches unf» gerade die moderne Re'chtsschnlö hat sie stets verwarfen. Auch ein Revolutionstribunal hätte seinem Urteil die Erzählung der Angeklagten zu Grunde legen müssen, ni'cht weil es sie glaubte, sondern weil kein anderer erwiesener Tatbestand da war. Es hätte allerdings diesen Tatbestand rechtlich anders würdigen können und müssen, aber dabei wäre es auch nicht zu einer Verurteilung wegen Mordes, sondern höchstens wegen Körper- Verletzung mit tödlichem Ausgang gelangt. Man muß sich überhaupt hüten— und hier liegt die drin- gende Gefahr des politischen Pro�eßeinschlages—, Rechtsgrundsätze, auf deren Vertretung man bisher stolz gewesen ist, einfach über Bord zu werfen, weil sie ein- mal dem politischen Gegner zugute kommen. Tie Sozialdemokratie hat stets die Ergebnisse der mo- dernenStrasrechtswissenschaft unterstützt. Unter diesem Gesichtspunkt halten wir es für blamabel, wenn die „Freiheit" auf einmal das Urteil gegen den geistig voll- kommen minderwertigen Runge als zu milde be- kämpft, während bisher die Sozialdemokratie stets bestrebt war, einen gesetzlichen Zwang zur Berücksichtigung der geistigen Minderwertigkeit in das Strafgesetzbuch hineinzubringen.— Wer ferner stets das Urteil des Reichsgerichts im Falle des„Versuchs mit untauglichen Mitteln" für Blödsinn erklärt Hot, durch das bekanntlich ein« nichtschwangere Frau wegen versuchter A b t r e i- b u n g bestraft wurde, der kann fetzt nicht plötzlich umlernen und in dem Schuß auf eine tote Frau einen versuchten Mord sehen(daß Rosa Luxenchurg im Augenblick des Schusses des Lberleuwant Vogel schon tot war, ist zwar nicht völlig ein- wandfrei erwiesen, mutz aber nach dem Grundsatz tu dubio pro reo zu seinen Gunsten angenommen Vierden), Vor allen Dingen aber darf man nicht plötzlich den Grundsatz über Bord werfen, der stets ein Paladium jeder FreiheitSbewegrmg war, wonach niemand seinem ordentlichen Richter entzogen werden darf. Das von der„Freiheit" ver- langte Revolutionstrrbunal hätte einfach einen Rechts- bruch bedeutet, dem sich die Angeklagten nicht zu fügen d auchten. Auch der letzte Mann, auch der politische Gegner, auch der angeklagte Ossizier, hat Anspruch auf seinen gesetzmäßigen Richter, und läßt man diesen Grund- Kitz fallen, dann öffnet man allerdings Erscheinungen, wie der Abschlachtuug der Münchener Geiseln TorundTür. Weil die Regierung eine Kontrolle der Vorunter- f u ch u n g zuließ, glaubte der Verteidiger der Angeklagten schon, ihr Rechtsbeugung und Beeinflussung der Rechtspflege zuungunsten der Angeklagten vorwerfen zu können. Sicher zu Unrecht: aber dieser Angriff zeigt doch, laß die Regierung w ihrem Bestreben, die Tat aufzuhellen, so weit gegangen ist, wie sie irgend gehen konnte, ohne die geltenden Gesetze zu verletzen. Entweder man will PolitischeRache oder man will Justiz. Wenn man nur das e r st e r e will, da habe man auch den Mut, es zu s a g e n. Die„Freiheit" zieht schließlich noch eine Parallele mit der Freisprechung des Mörders von Jaurtzs, V i l l a i n. Der Vergleich ist schief. Denn Villain war geständig, seine Tat vollkommen aufgeklärt, trotzdem wurde er freigesprochen. Im Fall Liebknecht dagegen konnte das über der Tat schwebende Dunkel nicht zerstreut werden, im Fall Luxemburg istAVer- nrleilung und Bestrafung erfolgt. Die Richter im Falle AillSin haben das Recht einfach ins Gesicht verhöhnt, während die Richter im Mordprozeß Liebknecht- Luxemburg der Vorwurf trifft, daß sie zweifelhafte Tatbestände und zweisel- hafte Rechtsfragen allzu einseitig zugunsten der Ange- klagton ausgelegt haben. So sehr wir das bedauern und ver- urteilen, auf einer Stufe mit glattem R?'l l rnch st'ht dies Verhalten nicht. « Heber die RecktAkoge nach der Urteilsfällung teilt esne hiesige Korrespondenz mit: Das Urteil im Liebknccht-Luxemburg Prozeß bedarf, um rschtSwirfstint zu werden noch der Bestätigung. Ls entsteht jetzt jedoch die Frage, wer für das außerordentliche Kriegsgericht zuständig ist. Bekanntlich war für die Bestätigung vmt Urteilen der Feldkri-egsgericht« bischer bei Konkingentschett, in diesem Falle also der König von Preußen zuständig. Nach der Revolution wurden die betreffenden Verordnungen dahtn abge- ändert, daß die Bestätigung dieser Urteil« durch«ine vom Rat der Volks beauftragten zu bestimmende Persönlichkeit be- stätigt werden. Da der Rat der Volksbeauftragten als solcher nicht mehr besteht, dürfte also die Preußische Landesversammlung zu- ständig fein und die Bestätigung des Urteils durch den P r e u- tzischen Ministerpräsidenten erfolgen. Das Gericht wird jedoch, um in diesem Falle volle Klarheit zu haben, die Entscheidung des Ka binetts einholen. Die Verurteil- ten bleiben bis zur Vollstreckung des Urteils in Haft. Gegen das Urteil deS außerordentlichen Kriegsgericktes gibt es keine Be- rufung, doch wäre es immerhin möglich, daß bei einer Nicht- beftätigung deS Urteils durch die Regierung eine Wiederauf- nahm« d«S Verfahr«nS erfolgen würde. vom internationalen§rauenkongreß. Forderungen für den Friedensvertrag. Zürich, 14. Mai.(Schweizerische Depeschen-Agentur.) Der Internationale Frauenkongretz fordert« bei der heutigen Nachmittags-Sitzung, daß die Friedenskonferenz folgende Forde- rungen in den Friedensvertrag aufnehme: Die Frau erhält das Stimmrecht und die Anerkennung ihrer G l e i chst e l ln n g mit den Männern in den nationalen und internationalen Körperschaften der Gesetzgebung und Verwaltung. Die Frau untersteht wie der Mann dem Schutze des Gesetzes gege» die Sklaverei. Die Ehefrau besitzt ihr« vollen persönlichen und bürgerlichen Rechte, einschließlich des VerfügnngSrechteS über ihren Verdien, und die Entscheidung über ihr Eigentum frei von jeder Bevormundung durch ihren Mann. Der Mutter steht da? gleiche Recht für Vormundschaft über ihre Kinder zu wie dem Vater.' Die verheiratete Frau hat das gleiche Recht ihre Nationalität zu behalten oder zu vertauschen wie der Mann. Alle Erziehungsmöglichkeiten stehen beiden Geschlechtern offen. Die Frau soll jede Gelegenheit haben, sich für Berufe und Gewerbe auszubilden wie der Mann. Die Re- glementierung der Prostitution wird abgeschafft, der Mäd- chenhandel verboten und eine gleiche Moral für Mann und Frau geschaffen._ die Lage üer deutschen in Mittelamerita. Keine wesentlichen Beschräntunge».- Berlin, Ib. Mai. An amtlicher Stelle find Bericht« über die Behandlung der deutschen Staatsangehörigen in Mittelamerika ei». gegangen. Danach liegen bisher keine Klage« deutscher Staatsangehöriger oder Unternehmungen über Konfiskation deut- scheu Eigentums vor; nur in Guatemala scheint die Elektrizi- tätsgescllschaft der Hauptstadt von der Regierung beschlagnahmt worden zu sein. In ihrer Bewegungsfreiheit find die in Guatemala sich aufhaltenden Deutschen nur insoweit beschränkt, als sie das Land nicht verlassen dürfen. In Costarica sind Eigen- tum und Person der Deutschen bisher überhaupt.keinen Beschrän- kungen unterworfen worden. die Säuberung üer preußischen Verwaltung. Es wird Licht. SK Allmählich wird doch aufgeräumt. Wie wir dem Stet- tiner„Volksboten" entnehmen, find in Pommern dt« Landräte von Eiscnhart-Rothe in Bublitz. von Hertzberg in Ncustettin, v. d. Marwitz in Stolp und v.' Gcrlach in Kolberg in diesen letzten Wochen einstweilig in den Ruhe st and versetzt worden. Fhre Nachfolger sind Männer, die im Geiste der neuen Zeit zu arbeiten gewillt sind. Es wird Licht, sogar in den pommerschen Landrats- stube». Cin Münchener Kommuniftenführer verhastet. Wien, 15. Mai. In der Nähe von Innsbruck ist gestern der Münchener Spartakistenführer A x e I r o d verhaftet worden. Er war in Begleitung eines Mannes und einer Frau über die bayerische proseßor Troüsch. Von HanS Gathmann. Er hieß beileibe nicht„Trodsch", vielmehr höchst ernsthaft Professor Dr. Trodschimsky. Diese Verkürzung seines Namens hatten sein« Schüler erfunden, und oft war ihm schon höhnend, spottend, verächtlich das Wort.Tro— odsch" zugeflogen, und die bösen Rufer waren hinter der nächsten Ecke verschwunden. Er lächelte mitleidig über solche Bidbenstreiche, ohne aber sich je zu fragen, warum er der Jugenid lächerlich erschein«. Er fand aus dem strenggeschlossenen Kreise' seines Alltagslebens nicht mehr heraus. Vierzigjähriger Verkehr mit Gram- matik, griechischen und lateinischen Vokabeln, den zum Ekel oft gelesenen Reden. Geschicht�chilberungen, Gedichten, Epen der Alten hatte seinen Geist eingeebnet, hatte jeden Sinn für die Forderungen der Gegenwart und Zukunft, alles Verständnis für das stürmische Drängen der Fugend nach Neuem und Lebens- frischem in ihm ertötet. Sein Geist bewegte sich nur noch in den engen Bahnen des Jahrespensums, und mit aufteilender Pedan- terie erklärte er zum hundertsten Male die regelmäßige Verba. Trampelte seine Klasse vor Ungeduld und Langeweile, sah er em- puct über die goldenen Brillenränder, und die Strenge, die zu verwirklichen ihm nicht gelang, weil er sich stets dieser frechen Ju- gend unterlegen fühlte, machte ihn nur erregter. Er lebte be- ständig im Kampfe ant dieser Jugend, die ihm und seinem guten Willen geradezu feindselig gegenübertrat. Er fühlte und wußte: keines Jungen Herz geborte ihm, er guälte ihre Hirne, sie lernten unter seinem und der Eltern Zwang, nicht aus Freud«, Wissens- dürft, er beunruhigte sie mit schwierigen Klassenarbeiten, schlech- ten Zensuren, die seine einzige Rache waren. Ost empfand er Sehnsucht, die Herzen dieser eigenwilligen Jugend zu gewinnen. und er legt« sich eine Rede zurecht, die er ihnen ernst und feierlich halten wollte. Aber jedesmal erstarb sein guter Vorsatz, ein« Ver- sohnung herbeizuführen, vor der unerbittlichen Feindschaft, die ihm die Jugend entgegenbrachte. Er hätte es nicht überstanden, wenn sie auch seine Versöhnungsrede verhöhnt und niedergetrampelt hätte. Deshalb hielt er sie nie. Wohl manchmal fühlte er in- stinktiv, daß diese Jugend nichts mit ihm gemeinsam hatte. � Sie lebte in unbändigem Drange nach allen Wundern der Welt jedem neuen Tage entgegen, und er ging, hoffnungSarm und allen Pro- blemen und Fragen der jungen Gegenwart abgestorben, eingekerkert in das Gehäuse seiner auswendig gelernten Weisheit, zu Bett, ohne Unruhe, aber auch ohne Freude. Jene wollten Verkünder des Leben», Männer vielleicht, die das Tote lebendig zu machen wußten. Konnte er das nicht? Es schien nicht so, Es kam sich oft lächerlich arm vor, und wenn er abends in seinem Studierzimmer saß, sah er manchmal wie von einem Gipfel seiner Seele herab sein eigenes Leben. Er hatte totes Wissen im Hirn aufgenommen und lnt totes Wissen ab. Und zum Dank da- für lachte ihn die Jugend aus und haßte ihn wahrscheinlich. Da- zwischen waren Schulfeiern, in denen er hin mid wieder streng nach Regel» de» deutschen Granunoftk etwa eine Red« zum Ge- burtstag« der„unvergeßlichen" Königin Luise oder gar deS Kaisers selbst hielt, die immer in Hurra ausklang. Das mar der Moment, wo alle» mit ihm die Hand erhob und mitrief. Dann stieg er feierlich vom Rednerpult,' das vor der umkränzten Kaiserbüste stand, herunter. Das waren so die Höhepunkte seines Lebens. Sonst gab nichts seinem Dasein Inhalt, und er lebte und redete streng nach den Regeln der Grammatik und der Syntax. Eines Tages hörte er durch Zufall das Gespräch zweier Schüler, die so verliest in ihre Unterhaltung auf dem Schulhof« waren, daß sie gar nicht merkten, in welcher Nähe er stand. An- scheinend sprachen sie über den großstädtischen Barietekünstler, der am Abend vorher in der kleinen Stadt gastiert hatte. „FamoS! sage ich dir" rief dex eine,.diese» Lieb von der Bajadere, die der indiscke Radjah'seinem Gaste zur Verfügung stellt, damit er sie„too's de, wennst«, wiest« kannst genießt"! Gebrüllt habe ich bei der Stelle!„Hinterndien, Vorderindien! Auf der Brust zwei schmale Ketten vorn und hinten zwei Servietten� — und diese Bewegungen der Bein« und des Körpers dazu— einfach zum Schreien! Schade, daß der Trodsch nicht da war, da hätte er mal gesehen, was Leben' ist, diese Mumie!" Und der andere:„Wahrhaftig! Aber da weiß ja auch jeder dreckige Spatz mehr vom Leben als der!" Und sich schüttelnd vor Lachen gingen die beiden weiter. In der Stunde bekamen die beiden Schüier«ine Vier, worauf sie ganz verdutzt waren. Der Trodsch war so aufgeregt, ohne Grund, und sein« Lippen zitterten. Er empfand eS wie eine sckwere Wunde nach diesem Gespräch, daß ihn von der Jugend eine. Kluft trennt«, die er nie überbrücken konnte.„Sie zählen mich zu den toten Dingen", dachte er.„Ich bin ihren nichts, weniger als«in Spatz!" Dieses Eingeständnis knickte ihn nieder. Sick pensionieren lassen? Er fürchtete sich fast aus dem geraden Gleise seines Lebens herauszutreten und ein andere« zu suchen. Er war an die Gewohnheit gekettet und sein eigener Sklave. Nachmittags ging er an diesem Tage in die alte Bibliothek des GywasiuwS, das früher ein Kloster gewesen und schöne Bücher- schätze barg. Da lag noch ein hoher Haufen sehr alter Bücher, die er ordnen wollte. Die hohe Rega?« mrt den dicken Lederbänden und der dumpfe Geruch bedrückten" ihn. Und er löste die straffen Scharniere eines staubbedeckten Bandes, und die dicke schwarze Schrift sprang ihm böse entgegen. Er las und kroch dabei in sich zusammen, daß er greisenhaft, verschrumpelt und steif aussah wie em Ueberbleibsel aus vergangenen Jahrhunderten. Während des Lesens aber tanzte plötzlich die Bajadere, von der die Schüler gesprochen, nackt vor seinen Augen, so daß er mit zitternder Hand über seine Brill« fuhr. Aber dos Bild wich nicht. Er sah die prallen braunen Schenkel und die silbernen Kettchen über den steilen Brüsten. Und das Weib tanzte einen wahnsinni- gen Tanz der Lebensfreude und Luft vor seinen alten Augen. Plötzlich aber griff er auffahrend nach seinem Herzen und sank gleich daraus leise stöhnend in sich zwfawmen. Da« schwere Puch entfiel seinen blutleeren Händen. Grenze' gekommen. Venu Abstieg verkette sich der Begleiter so, daß die drei nicht weiter konnten und schließlich einem Gendarmen tu die Hände sielen. Lxelrad und die beiden anderen Personen wurden nach Bayern ausgeliefert, da das ita'ienische Kommando in Innsbruck dieses Verlangen stellte. Entschließung üer Dresüner Preßekonferenz Dresden, lO Mai. In der heute nachmittag im Ministerium des Innern stattgehabten Pressekonferenz wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen und dem Präsidenten des Reichsministeriums Scheidemann telegraphisch übermittelt: „Die Pressekonferenz sächsischer Redakteur«, in der alle Parteien mrd Weltanschauungen vertreten sind, spricht ihr« einmütige Zu- st i m m u n g zu dem„Unannehmbar' deS Ministerpräsidenten Scheidemann aus in der Hoffnung und sicheren Erwartung, daß sei« Wort sich gegen den Geist der uns zugedachten Friedens- beding ungen richtet. Sie sind schmachvoll für den, der sie erdacht hat, und für den, der sie annimmt. Vor allem aber erheben wir lauten Einspruch gegen die bewußte Zeitlüg«, daß Deutschland der Urheber dieses Krieges gewesen ist. Der große Weltbetrug aber, der mit den 14 Punkten Wilsons geübt worden ist, muß bon allen Menschen verurteilt werden, die in der Erhaltung von Treu und Glauben das Grundelement jeder Art von menschlicher Gc- wemschaft sehen." Sitte mehr Sckam! Die„deutsche Burschenschast' hat an die Nationalversammlung eine Protestkundgebung gegen den Frieden der Entente gerichtet, die mit den Worten endet: Sollte aber der Friede eines habgierigen Hasses dennoch zur Wirklichkeit werden, so würde er in unserer Seele und in der Seele unseres Nachwuchses nur Raum übrig lassen für ein leiden- schaftlicheS Vorherrschen dreier Gefühle: Scham, Rachsucht und Haß. Wenn die farbentragende Studentenschaft, die während des Krieges ganz im alldentschen Fahrwasser segelte, sich schämen will. daß sie einst Sehnliches gewollt hat wie unsere Feinde jetzt tun. so ist dagegen nichts einzuwenden. Ebenso darf sie sich schämen, daß sie niedrige Gefühle wie Rachsucht und Haß propagieren will. Für „Gebildete" in der Tat beschämend. . Die Heimkehr üer üeutfchen Kriegs- gefangenen. verlm, 14. Mai. Die im Friedensverträge borge- sehen« Heimführung der 700 000 bis 800 000 beul, schen Kriegsgefangenen aus den alliierten Ländern stellt uns angesichts der zerrütteten Verkehrsverhältnisse und der inneren wirtschaftlichen Lage Deutschlands vor ein« schwere Aufgabe. Sie kann nur durch die Zusammenarbeit mit den Alliierten gespst werden. Die deutsche Unterkommission für Kriegsgefangene in Spa hatte sich daher an General Nudant mit der Anregung gewandi» in unverbindliche Besprechungen über die Rückführung der deutschen Kriegsgefangenen einzutreten, um einen reibungslosen und gv- ordneten Heimtransport zu ermöglichen, Hierauf teilte Nudant am 13. Mai in einer Note mit, diese Frage könne in Deutschland scheu jetzt studiert werden. Eine direkte Fühlungnahme der beiverfitigen Delegierten soll« aber erst später stattfinden. Dahingehende Instruktionen würden zu geeigneter Zeit erkeilt werden. Damit sino also die Bemühungen der deutschen Unterkom- Mission für Kriegsgefangene, den Abtransport unserer Gefangenen lwrzubereiten, bis auf weiteres lahmgelegr. Schirbuu«? Dem Vernehmen nach soll Herr Haberland, bevorzugter Vertreter des spekulativen Baukapitals und Verfechter der Mietlasern«, als Sachverständiger für die Frage des Wieder- ausbaue nach Frankreich und Belgien herangezogen werden. Es ist unverständlich, daß dieser Mann überall seine Hand dazwischen haben muß, und ganz besonders in dieser Aufgabe, die nur im vollsten Pertrauen der Arbeiterschaft unter sachgemäßen Ge- sichtspunkten gelöst werden kann. Am Morgen fand ihn der Schuldiener tot in dem kalten, muffigen Räume, wo die Gelehrsamkeit vergangener Zeiten in hohen Regalen aufgestapelt stand. Draußen aber stürmte im Lichte eines wunderbaren Frühlingstages die Jugend lachend und froh- lief) über die knarrenden Treppen. Die Ausstellung ehemals feldgraue? Künstler. Fünfhundert Berliner Moler, Bildhauer und Architekten— zwei kriegsstarke Kompagnien— waren im Felde. Eine ganze An- zahl find gefallen, viel« sind verwundet, einigen ist sogar der rech:« Arm zerschossen worden und sie versuchen nun zum Teil mit leiv- lichem Erfolg ihre linke Hand zu künstlerischer Arbeit zu erziehen. Alle Altersklassen waren beteiligt, alte LandsiArmleute. die als Künstler schon bekannt, zum Teil berühmt sind, und junge Soldaten, deren Talent sich erst noch entfallen soll. Und dann kamen sie zurück, um ihre Fricdensarbeit wieder aux- zunehmen Aber sie fanden hier Verhältnisse vor, die das häufig ganz unmöglich machten. Ihre Aleliers waren besetzt, Kinu- operateure und alle möglichen Leute hausen zum Teil darin. Dii Maler bekommen kaum noch Leinewo-nd; Oel und Terpentin unp viele andere notwendigen Dinge, die man früher für ein paar Pfennige kaufen konnte, sind nur noch für teures Geld durch Per- mittlung der Kriegsgesellschaften nach unendlichen Plackereien zu bekommen. All« diese Umstände drängten die Zurückgekehrten zum Zu- sammenschlust. Sie schlössen sich dem Wirtschaftlichen Verband bildender Künstler an und haben dort einen Arbeitsausschuß ehe- mali« Feldgrauer gebildet. Hans Baluschek, der bekannte Schilderrr des Arbeiterlebens, ist ihr Vorsitzender. Jetzt haben sie eine Aus- stellung porberettet, die vom 1. Juni bis zum 1ö. Juli im Valai» deS Prinzen Leopold am Wilhelmsplatz stottfinden soll. Ministerien sowie die Stadt Berlin haben die Ausstellung in dankenswerter Weise gefördert._ Notizen. — Das Junge D e u t s ch l-a n d bereitet eine Aufführung von Oskar Kokoschkas Dramen„Hiob" und„Der brennenve Dornenbusch" vor. — Zur Feininger-AuS stellung. Wir werden daraus aufmerksam gemacht, daß Arbeiten dieses Künstlers schon sniber wiederholt im„Sturm" zu sehen waren, wo er u. a. im Herbst IN/ mit einer größeren Kollektion vertreten war. — Das Märkisch« Wandertheater, die älteste noch bestehende künstlerische Wanderbühne Deutschlands) Geschäftsstelle Berlin NW. 52, Lüneburger Str. 21), hat in seiner eben beendeten 8. Spielzeit seit dem 1. Oktober 1018, durch Krieg, Revolution und schlechte Verkehrsmöglichkeiten behindert, nur 141 Vorstellungen ge- geben, die sich auf die Provinzen Brandenburg, Pommern, Sachsen, Hannover und Schlesien verteilen. Neben etioa 55 Aufführungen klassischer Dramen(darunter Ibsen» tzedda Gabler zehnmal) stehen 8b Aufführungen leichter guterhaltungSstücke. Das Urteil im Liebtnecht-Luxemburg- Prozeß. Die Frage der Bestätigung. Mm« schreibt utiä; Die„Freiheit" bringt eS fertig, das Urteil im Liebknecht- Prozeß mit den Friedensverhandlungen in Beziehung zu setzen und schreibt dabei:„Wie wird dieses Urteil auf den Verlauf der Friedensverhandlungen wirken. Das Proletariat in den Entente- ländern wird mit Entsetzen sehen, daß der Mord an Rosa Luxem- bürg und Karl Liebknecht ungesühnt bleiben soll, jener beiden, die nicht nur der deutschen Arbeiterklasse, die der Arbeiterklasse der ganzen Welt angehört haben. Die Bourgeoisie der Alliierten aber wird behtupten Ennen, daß der deutsche Militarismus frecher als je sich gebärdet und daß darum dem deutschen Volk die har- testen Bedingungen auferlegt werden müssen." Es verdient festgestellt zu werden, daß noch nie eine deutsche Zeitung den Gegnern schamloser Argumente nahegelegt hat, als die„Freiheit". Sie liefert der Bourgeoisie der Alliierten Wasen gegen da§ eigene Volk. Dazu Waffen, deren lügenhafter Charakter"ihr aufs genaueste bekannt ist und alles, um inner- politisch ihr Geschäft zu machen. Die Regierung hat dem Lieb- knecht-Prozeß seinen vllen gesetzmäßigen Lauf gelassen, ohne auch nur im geringsten für oder wider Stellung ,511 nehmen. Ihr liegt nur"die verfassungsmäßig« Aufgab« ob, das gesprochene Urteil zu bestätigen oder nicht zu bestätigen. Falls sie sich zu einer Verweigerung der Be- statigung entschließen sollte, liegt der Grund nicht darin, daß bei dem Zustandekommen des Urteils etwas Unrechtmäßiges mitgewirkt hat. sondern weil sie jede Möglichkeit ausgenutzt sehen will, noch .Ungeklärtes zu klären und noch nicht festgestellte Schuld festzustellen. Auflösung ües obersten polnischen Volksrats. Militärische Grcnzverstärkuugen. K a t t» w i tz, 15. Mai. Von der Pressestelle des Staatsko: missariatS für Oberfchlesien ttnrd gefchncben: Laut Bekanntmacliu des Kommandierenden Generals des S. Armeekorps und des Stm kommissariats für den Regierungsbezirk Oppeln wird der ober polnische Volksrat lvnterkommissariat für Echlesse«) Veuthen auf Grund der gesetzliche« Bestimmungen über VelagerungSzustand aufgelöst. Dir volkshetzerischen unwahre«„Bekanntmachungen" deS Justizrats C z a p l a, deS rers dieses»bersten BolkSrots habe« In der Bevölkerung eine artige Beunruhigung gztragen, baß die Behörden sich zwungen sahen, diesem gemeingefährlichen Treiben ein Sude fetzen. Außerdem zeige» sich auch direkte Spure» von Ho-q- verrat. Auf besondere Anfrage« erklärt da? StaatSkommissariat noch, dost deutscherseits alle Vorkehrungen getroffen sind, um die Grenze zu halte«. Es sind militärische Berstärtungen zum Teil bereits eingetrofse», zvjn Teil im Anrollen. Unter französischer Herrschaft. Zahlreiche Austveisunge«. Heidelberg, 14. Mai. Montag früh wurden in den Orten Saarlouis, Di Hingen und Umgebung 20 Deutsch« von den französischen Behörden ohne Angabe eines Grund«? verhaf- t e t und nach etwa 30 Minuten ohne jede Rücksicht nach dem Ge- rangenenlager in Worms abgeführt. Dort wurden sie zwei Tage festgehalten und ausi Rücksichtsloseste behandelt. Heut«, Mittwoch früh, über den Rhein abgeschoben, befinden sich die Ausgetviesenen nunmehr in Heidelberg. Es handelt sich um folgende Persönlich- ketten: Landrat Dr. Scheller, Bürgermeister Dr. GilleS, Direktor Beiße, Oberlohrer Dr. Müller, Postdirektor Heckmann, Schulrat Schiefer, Pater Peter, alle aus Saarlouis, Direktor Dr. Siepman«, Direktor Kunz, Direktor Schlapper, Direktor Weiland, Dr. Windel- band, Hegels, Gymnasialdirektor Dr. Fischer, Oberlehrerin Reck- tenwalt, alle ans Dillingcn-Saar; Direktor Hoffmann aus Waller- sargen, Bergrat Lwowski aus Luisenthal, Pfarrer Diedrich auS Rehlingen und zwei Bergleute. Unabhängige für Ablehnung ües ßrieüens- Vertrages. In«iner Volksversammlung in Golbap, an der Männer und Frauen aller Parteien teilnahmen, wurde die Regierung auf- gefordert, daß sie die Unterzeichnung deS Friedensvertrages der- Weigere. Ein Telegramm, das in diesem Sinne an den Reichs- Präsidenten gerichtet wurde, trägt auch di« Unterschrift deS Vorsitzenden der Ortsgruppe Goldap der unabhängigen Sozialdemokratie, Brockmann. Hieraus geht hervor, daß der oft- preußische Vertreter der unabhängigen Sozialdemokratie, Hugo Haasc, wegen seiner Haltung in der Friedensfrage i« seinen eigenen Reihen Widerspruch findet.* Auch die Vertreter der unabhängigen Sozialdemokratie in Bernburg haben in einer Kundgebung, die ebenfalls an den Reichspräsidenten gerichtet war, erklärt, daß sie mit dem ganzen Volke in dieser schweren Zeit brüderlich zusammenstehen wollen. Der Sunüestongreß üer Eisenbahner gegen üen Gewaltfrieüen. Pari?, 14. Mai. sHavaS.) Der heute eröffnete Bundes- kongretz der Eisenbahner hat eine Tagesordnung ange- nommn, in her all« in der Revolution begriffenen Völker begrüßt werden, die für die soziale Weltbefreiung kämpfen. Die Tages- ordnüng mißbilligt jedes militärische und diplo, matische Vorgehen gegen diese Völker und erklärt sich gegen die Haltung der Regierung. Znöustrie und Handel. Börse. • Bei stillem Geschäft eröffnete die Börse in etwa» festerer Haltung. Schiffahrtsaktien und Montanwerte setzten vereinzelt höher ein, auch für Rüstungspapiere bestanj zunächst gute Meinung. Kolonialwerte eröffneten auf letztem Schlußniveau. K a na d a setzten fest ein, schwächten sich aber später ab. Aehnlich gestaltete sich die Tendenz am Rentenmarkt, wo Kriegsanleihen mit 78'/, Prozent eröffneten und schließlich auf 77% Prozent zurückgingen. Im weiteren Verlauf überwog Abgabeneigung. Am Einheitsmarkt zetgte sich für die Aktien solche-. Gesellschaften Kaufbcgehr. hie im besetzten Gebiet lieg«. 1 GewerkschHÄetveguns Zur zukünftigen Gestaltung der Heereswerkstätten. Wir werden um Aufnahme folgender Anregungen ersucht: Am 30. April dieses Jahres Hätz wie bekannt, der Haushai- tungsansschuß der Naiionalversammlung in Weimar den Beschluß gefaßt, daß alle gewerblichen Betriebe des Reichs ohne Verzug einer zivilen Verwaltung beim Reichsschatzministerium(Hauptverwaltung der Reichsbetriebe) unterstellt werden sollen, mit Ausnahme ein- zelner Betriebs, welche, da sie ausschließlich für den Bedarf des Heeres und der Marine arbeiten, in der Verwaltung des Heeres und der Marine verbleiben können. lieber diesen letzten Punkt ist das letzte Wort noch nicht ge- sprachen. Deshalb soll hier noch in letzter Stunde die Auffassung von Arbeitern, Angestellten und Beamten, die seit Jahrzehnten in den Heereswerkstätten tätig sind und somit in erster Linie zu einem sachverständigen Urteil berufen erscheinen, zum Ausdruck gebracht werden. Diese Auffassung geht dahin: Unter keinen Umständen Abtrennung einzelner Werkstätten und ihre Unterhaltung unter die Heeresverwaltung! Alle Werkstätten ohne Ausnahme unter die, Zivilverwaltung! Das wohlverstandene Staatsinteresse gebietet es. Andernfalls ist das Eintreten aller der oft erörterten Mißstände unvetmeidlich, die die einseitige militärische Leitung in den Jahren vor dem Kriege und selbst während desselben zur Folge gehabt Hätz Auch jetzt noch besteht der Umstand, daß bei wichtigen zur Entschei- dung stehenden Fragen keiner der Sachverständigen, die die Ver- bältnisse bei den Heereswerkstätten aus eigener langjähriger An- schauung von Grund aus kennen, von den Reichsbehörden zu Rate gezogen werden. Besonders hervorgehoben sei noch der Umstand, daß die Aufträge auf Heeresgerät und Munition auch künftig star- ken Sötoanknngen unterworfen sein werden. Die dadurch früher oft plötzlich notwendig gewordenen Arbeitsentlassungen und Ar- beitereinstellungen, die sich immer höchst störend geltend gemacht hatten, würden bei den unter der Heeresverwaltung verbleibenden Werkstätten weiter bestehen bleiben. Sie werden aber ausbleiben, nenn alle Heereswerkstätten unter die zivile Verwaltung gestellt tnd dann nicht allein zur Erledigung ihrer künftigen Hmiptanf- aben, sondern auch daneben zur Herstellung von Heeresgerät und tunition herangezogen werden. Eine Umstellung zur erhöhten 'rtigung der einen oder der anderen Fabrikate kann dann ohne «vierigkeit und ohne Arbeiterentlassungen oder-einstellungcn lgen. Auf einen weiteren Umstand, der gegen die Trennung 't, ist vor einigen Tagen schon von anderer Seite hingewiesen m: die Wirtschaftlichkeit. Es kann keinem Zweifel unter- daß die Werkstätten, die bei der Heeresverwaltung verblei- ürden, in höchstem Grade unwirtschaftlich arbeiten würden. genug, um eine Trennung der Heereswerkstätten als eine un�veckmäßige, jg als eine geradezu schädlich« Maßnahme erschei- nen zu lassen. ES ist dringend zu wünschen, daß die Nationalver- sammlung diejenige Entscheidung treffen möge, die hiernach mit Rücksicht auf das Staatsinteresse nicht zweifelhaft sein kann. Die Wirtschaftlichkeit der ungetrennten Heereswerfftätten ist zu erwar- ten, wenn sotvohl die gesamte Arbeiterschaft als auch alle diejenigen Reichsstcllen, auf deren verständnisvoll-eS Mitwirken unbedingt ge- rechnet werden muh, m vollem Maße ihre Schuldigkeit tun. DeS- balb darf auch unter keinen Umständen der Gedanke aufkommen, die Heereswerkstätten der Privatindustrie auszuliefern, was einer Verschleuderung enormer Werte des Volksvermögens gleichkommen würde. Pulverfabrik Spandau. DI« Lohnzahlung der Arbeiter des �-Werkes findet am Freitag morgen von 8 Uhr, die der anderen Gewerkc von 10 Uhr an fiatt. Nach der Lohnzahlung Betriebsversammlung bei Weidner, Stern- selbe bei Hasclhorst._ GroMerlm Arbeiterrate! Betriebsräte! Funktionäre aller Brauchen? Der angekündigte Kursus des Genossen Schröder über du- historische Entwicklung der Rä-te muß leider vorläufig noch ver- schoben werden. Der Kursus der Elektrizitätswerke findet Dienstag, den 20. M a i. 7 U h r a b e n d s, im Vollzugsrat, In den Zelten 23, statt. Vollzuqsrat: I. A. Däumig. Freie Hochschulgemsmde für Proletarier: F ist e r. Schwab. Schießereien mit Einbrecher««nd Tiebe«. Die Einbrüche und Dierbstähle in Berlin nehmen noch immer mehr zu und mit ihnen die Gewalttaten der Verbvecher gegen die Sicherheitsbeamten. Heute früh um 4 U>hr wurden an der Ecke der Warschauer und Rudolfstraße drei Fuhrwerksdiebe angehalten. Statt Rede und Amtwort zu stehen, griffen die Diebe zu den Waffen und erschossen den Polizeiwachtmeister Bade. Alle drei, ein un- gefähr 26 Jahre alter Zivilist als Führer und zwei Soldaten mit Eicheltlaübabzoichen als Begleiter, ergriffen dann die Flucht und entkamen mit deni gestohlenen Fuhrwerk, einem unbelahenen Schtächterwagen mit braunem Pferde, in der Richtung nach dem Rudolfplatz zu.— Fast zur selben Zeit wurden in der Bellsalliance» straße Einbrecher, die das Geschäft von Schulz auf dem Grundstück Nr. 15» heimgesucht hatten, überrascht, als sie ihre Beute im Werte von 30 000 M. wegschafsen wollten. Auch sie widersetzten sich Es kam zu einem Feuergeftcht, in dem einer der Einbrecher von Be- amten des 31. Reviers durch Bauch- und Streifschuß schwer verwundet wurde, daß er nach dem Krankenhaus am Urban gebracht werden mußt«. Die Beamten kamen ohne Verletzung davon. Der verwundete Einbrecher wurde festgestellt als ein 20 Jahre alter aus Eberswalde gebürtiger Dreher Erich Schröder, der hier in der Schillerstraße 3 wohnte. Auf ein Konfektionsgeschäft am Spittelmarkt wurde schon vor einigen Tagen ein nächtlicher Anschlag vcrübtz Der Verwalter des Hauses, ein Oberwachtmeister des 1. Polizeireviers, überraschte die Einbrecher und verscheuchte sie. Sie liefen mit der Drohung da? von, daß sie am nächsten Tage wiederkommen würden und entzogen sich der Verfolgung durch mehrere Schüsse, von denen einer den Be- amten schwer traf Die Drohung veranlaßt« die Kriminalpolizei, das Grundstück durch eine besondere Patrouille bewachen zu lassen. Die Einbrecher kamen denn auch gestern wieder, jetzt 7 Mann stark. Als die Beamten sie überraschten, ergriffen sie die Flucht und schössen auf die Verfolger. Diese schössen wieder und verletzten einen der Verbrecher so schwer, daß er nach dem Virchowkrankenhause ge- bracht werde« mußte. Die Beamten blieben unversehrtz— In der Großen Frankfurier Straße überraschte eine Militärstreife drei Mann bei einem Einbruch auf dem Grundstück Nr. 133 und nahmen sie fest. Auf dem Wege nach der Wache des 44. Reviers rissen sich die Verhafteten los, um zu entfliehen. Tie Soldaten gaben Feuer und verwundeten einen der Einbrecher namens Hecht schwer. Seine beiden Helfershelfer wurden ebenfalls wieder ergriffen und der Polizei übergebe«. Es sind„Arbeiter" namens Karl Ratajtzcki und Kasimir Januscheck._ Für die Herausgabe unserer Gefangene« demonstriert« gestern abend eine vom Deutschen Hilfswerk für die Kriegs- und Zivil.- gefangenen und dem Volksbund zum Schutze der deutschen Krieg»- und Ztvilgefangenen einberufen« Versammlung im Marmorsaal des Zoologischen Gartens. Nachdem Generalmajor v. Lettow-Vorbeck und der Blockadebrecher, Kapitänleutnant Christiansen, über ihre Kriegstaten berichtet hatten, sprach Genosse Stückle n unv Major v. Pabst-Chain über d'.e Gefangenenfürsorge. Stücklen teilt«. unter allgemeiner Entrüstung mit, daß nach den Friedensbedingun. gm uns«« Gefangenen mach Unterzeichnung des Frieden» zwar an'SgeKeferk Kerken sollen, daß aber zur Auslieferung der aus den! besetzten Gebieten stammende« Gefangenen das besondere Einver« ständnis sämtlicher Alliierten erforderlich sein solle. Die Protestkundgebung gegen den Gewaltfrieden und den Rrnrss der Grenzmarken, die heute nachmittag, 5 Uhr, auf dem Königsplag stattfindet, veranstaltet vom Reichsvecband Ostschutz, dem Hiftsbuno für die Elsaß-Lothringer, dem Saargebietschutz, dsrn Rheinländel- ausfchuß, dem Berein für Pfälzer und dem Ausschutz der Deutschen in Schleswig, wird um 414 Uhr eingeleitet durch das Geläut aller Glocken Grotz-BerlinS. Um 4% Uhr beginnen auf-dem Platz fünf Kapellen zu spielen. Um 5 Uhr fangen gleichzeitig eine große An- zahl von Rednern an zu sprechen, darunter die Abgeordneten Frio- rich Naumann, H e i I m a n n, Dr. Pfeiffer, Herschrl (Breslau), Prof. Hermann(Posen). Wald stein und Blun ck, Donnevert(Metz), Rechtsanwalt Stadtrat Gilg(Kalmar i. E.?. Schriftleiter Emmel(Mülhausen i. E.), Eisenbahnarbeiter O. tu- mer t(Saarbrücken), Pfarrer de Haas(SaarlouiS), Pfarrer Luther(Charlottenburg) usw. Für die Augehörigen der sinzelmu Grenzmarken sind besondere Standorte vorgesehen, die durch Tafetn deutlich gemacht werden. Gedenkfeier. Am Sonntagnachmittag 2 Uhr findet für den im Jahre 1SV6 durch den Gendarm Jude erschossenen Genossen Adolf Hermann eine Gedächtnisfeier statt, Die Feier be- ginnt im Dorf Stolpe mit Chorgesang deS Arbeitersängerbundes, Gedächtnisvortrag des Gen.'Dr. Bendiner. Von dort aus formiert sich der Dcmonstrationszug nach dem Friedhof zur Be- sichtigtlng deS nunmehr in feiner ersten Inschrift hergestellten Denksteines. Den Genossen von Eroß-Berlin, die daran teilnehmen, emp- fehlen wir, wegen dem eingeschränkten Zugderkchr sich schon früh- zeitig auf den Weg zu machen. Nieberbarnim. Nach dem erst gestern veröffentlichten Resultat in vier Landgemeindebezirken wurden bsi der Kreistagswahl ins Genossen K ren e r- Fredersdorf und Breitinger- Dahlwitz gewählt. Der dritte Sitz fiel dem vereinigten Rechtsblock zu, währeno Demokratien und Unabhängige leer ausgingen. � Lichtspiele»Nene Philharmonie". Cöpenicker Str. 06(97. vom 18, bis 22. Mai das große Filmwerk.Charlotte Corday'. Hierzu gelangt das Filmstück»Ter Dornenweg", eine Tragödie aus dem Leben, zur Aus- sührung. Wilmersdorf. Wir hoffen auf Rückkehr de? Klassenwahlrechts. In der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch wurde von sozialdemokratischer und demokratischer Seite mit nicht mißzuver- stehenden Worten auf die Taktlosigkeit hingewiesen, daß die von der früheren reaktionären Stadtverordnetenversammlung gewählten Delegierten zum Zwockverbcmd, nämlich der Deutschnationale Dr. Leidig und der Hausbesitzer Dröse, sich bisher weigern, ihre Man- date zum Zweckverband niederzulegen. Die beiden Harren erklärten daraufhin aufs neue und des mit großer Mehrheit angenommenen Antrags zum Trotz, an ihren Mandaten kleben zu wollen, und Herr Leidig meinte, die auf Grund des allgemeinen Wahl- rechts gewählte Stadtverordnetenversammlung sei ja doch nur eine revolutionäre Einrichtung, von der man nicht wisse, wie lange sie nochbe- stehe« bleibt. Gleich darauf schwenkten die Demokraten aber wieder zu den Deutschnationalen hinüber, als es sich darum ha:.. delte, feierlichen Protest dagegen einzulegen, daß der kommunale Arbeiterrat am 1. Mai auf dem Wilmersdorfcr Rathaus die rou. Fahne aufgezogen hatte. Der Bürgerblock ließ sich auch nicht be- ruhigen durch die Magistratserklärung, daß künstig über Dekorationen am Rathaus nur Magistratsbeschlüsse verfügen werden. Der Arbeiterrat habe im Wilmersdorfer Rathaus überhaupt keine Ex. stenzberechtigung mehr, fort mit dem Arbeiterrat!(Dr. Breitscheid: Her mit der Bürgerwehrl Heiterkeit.) Der Bürgcrstolz vor Königsthronen ging(jetzt, nach dem 0. Ass,. vember) sogar so weit, daß der Deutschnationale Dr. Leidig rief, der Minister könne uns sonst was, als vyii sozialdemokratischer Seite auf die ministerielle Verfügung hinge. wiesen wurde, daß die kommunalen Arbeiterräte bis auf weitere.. zu Recht beständen, und schließlich stimmt« der gesamte Bücgerblyck für Streichung her Mittel für den Arbeiterrat aus dem städtischen Etat. Groh-Berliner Lebensmittel. Buchholz. Auf Lebenemittelkart« Nr. 20 von Sonnabend ab 200 Gramm Nudeln<28 Pf) Verlaus bei denjenigen Kaujleuten, wo letzthin Kunsthonig bezogen wurde. Friedrichsielde. Vom 12. b!S 18. Mai 2SS Gramm AuSlandsmehl aus Abschnitt J 3 der Sinsuhrzusatzkarte. Lichtenberg. Der Magistrat macht bekannt, daß die Zutuhren von irischen Fischen jetzt reichlicher sind und in der städtischen Fischhalie zum Verlaus gelangen. Pankow, vom Freitag aus Fusatzzuckerkarteu für jedes Kind vier VäSchcn Milchpudding>30 Ps.), Heute 125 Gramm amerikanische Schweine- sseischprodulle aus Abschnitt G 3 der Einsuhrzuiatzkarie. Tteglth. Vom 15. bis 18. aus Abjchnilt 17 der Steglitzer rosa Lebens- miiteilmie l50 Gramm Pnddiiigvulver(1,35 M.>. Verlaus von Nähr- mittein siir Kinder im bis 6. Lebensjahre vom 15. bis 18. d. MtS.— Kranke, welche insolge ärztlicher Veroidnung Anspruch aus Eier haben, er- halten solche in den Gcschäsien von Kerstcn, Zimme.mannstr. 3 und Faesch, Albrechtstr. 103. Feder Kranke erhält die aus Bezugschein angegebene Menge Eier b:s Fre.Iag, den 16. Mai. vereine unü Versammlungen. Neichsbund der Kriegsbeschädigte». KriegSteilurhmer und Kriegshinterbliebenen. Bezirk Norden. Grojze öffeiiilich« Ver- sammlung Freitag, 16. Mai, abends 7'/, Uhr. in BütlnerS Festsälen. Schwedterstr. 23/24. Tagesordnung: Das Recht der Kriegsbeschädigleu, KnegMeiinebmcr und Knegshinterbliebeuen. Res.: Kam. Psaendtnci. — lieber»Die neue Kunst" wird Dr Adols Bedne am Sonnabend, abends 8 Uhr. in der Aula des Französische« Gymnasiums, ReichSiags- ufer 6, einen Vortrag halten._ Groß-öerliner parteinachrichten. 14. Slb.'cilung. Heute 8 Uhr bei Silke, Sebaftianstr. 39. ReftrenG Genosse Müller, Hannover. Drepiow-Baunischulenweg. Heute 8 Uhr: Kr. össentl. Volks- Versammlung im.Sprcegarten"(Treplow). Genosse Schöpjän ipnchl über: Der Gewalts rieben und das deutsche Volk. Erscheint tn Massen I Oberschöneweide. Morgen Freitag, 7 Uhr, Aula de» Ghmnafiums! Grosse öffentliche Protest Versammlung gegen den Gewaiistieden- Reserent: Redakteur E r: ch K u i t n e r. 91. W. R. Spandau. Vertrauensleute der S. P. D. Versammlung morgen Freitag, de« 16., 1 Uhr im»Patzenhoser», Brüderstr. 5: Wichlige Besprechung._ ?ugenüveranstaltungen. Junglozialtstische Vereinigung. Heute'l-ß Ubr im Jugendheim, Lindeustr. 3, 2. Hos iinks, 3 Treppen, Vortrag! Wilhelm W e i t l i n g. Parteigenossen und.VorwartsGejer im Alter von 18—24 Jahre« sino hierzu eingeladen. Mus alier Weit. Fischdampfer in die Luft ffefloge«. Helgoland, Ib. Mai. Der Altona« Fischdampfer Hansa ist 35 Meilen westlich von Helgoland auf eine Mine gestoßen und in die Lust geflogen. Die Besatzung ist außer S Heizern uns» einem Netzmachcr gerettet. Ve-antwortlich silr Politik«rt»r giltl-r, Charloticabueg, für b«» übrige» Teil de, Blattes: Ujred Scholz, Neulölla: tür Anzeigen: Tycodor GloZe, Verllil. verlaa: LorwärtS-Verlag S. m. d. H., Verlin. Druck.«orwärts-Vuchdruckerei ond »erlagSanstall Paul Singer u. So. tu Berit«, vtndeastrasse S. Männer«nd Frauen von Grotz-Berlin! Erscheint in Massen zu der Protestkundgebung aller Kreise der Bebölkerum; von Groh-B-rlin gegen den uns angeionnenen Gcwailfrieden, gegen den Raub großem unpvei''elhast deutscher Gebiete und gegen die Vergewaltiaung deS SelbstbestimmungSrechtS heute Donnerstag, den 13. Mas, nachmittags 5 Uhr,««f dem Königplatz dem Reichstag. Eine grohe Aniahl von Rednern aller Parteien und Vertreter aller bedrohten Loudesieile werden sprechen, u.a. die Abgeordneten Friedrich Naumann,.Heilmann, Dr. Pieiffcr(Breslaus, Professor Hoetzsch, Professor Hermann(Posen), Hörschel(Breslau), Waldstcin und Blnnck, ferner Oberbürgermeister Dominicus(Schönebcrg). RechlZanwalt Douncvert(Metz), Stadtrat Gilg (Kolmar i. E.), Swrifileiler Emmel(Mülhausen i. E.), Eisenarbeiter Ommert(Saarbrücken), Pfarrer de Haas(Saarlouis) und Pfarrer Luther(Charlotienburg) usw. Zum Zeichen der Teilnahme der geiamlen Einwohnerschaft wird die Kundgebung durch das Geläut aller Glocken von Uhr eingeleitet. Um 43/4 Uhr beginnen 5 Musikkapellen dem Ernsr und der Bedeutung der Stunde entsprechende Weisen ,ri spielen. �ür die Angehörige» der einzelnen Grenzmarlen sind besondere Standorte vorgesehen, die durch Tafeln kenntlich gemacht sind. Wer einen Platz unter seinen Landsleuten haben will, erscheine frühzeitig!........ Männer und Frauen! Deutsche Jugend I Protestiert durch Euer Erscheinen in gewaltiger Masse gegen jeden Rache- und Raubsrieden und tretet ein für einen Frieden deS RechtS und der Gerecht�gkerl! Re:chsverba«i> Ostschutz,(Bund aller Vereine zu- gunsten der Oftprovinzen), Potsdamer Str. 75. SaarKcbictsl'chtt!;, Zimmerstr. 72 74. Verein der Pfälzer, Südende, Potsdamer Str. 83. Hilfsbund für die Elafs-Lothringcr im Reiche, Wilhelmstr. 72. Ausschuft der Rtzeinläuder. Ansschntz der Deutschen in Schleswig, Burg- straße 39. -i*:-iw' Soz;«ideMlk. Semn ZrexkszsZMNsHNlkWeg ÜdPfO Milg Iii 8 Mr. MM spreeMn. imm Delfeitl ZgllssklsMMg Ar GMWikhkß m WS WiiWk Bult. Befneiit: Semise MoWi. »5« ms Setifa, MM i»«en! -WM*'**: O M SilgiaeileSSnze Rauchende» Schincln- chen mit walb.endcm So'noSrvckicn. edensoHinter. lader-Mäunchen, kornplett mit je 12 Pillen und gizaretten<0 Pf., ncdt ver» schiedcne Sortrn Llldrief«, Stück 20...',ilitselbuch 20 Pf., Rieh-, und Inckpulncr, Stint- bomben. 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