vorwärts-verlag G. m.b. H., EW. öS, Linöenstr. Z. Fernsprecher: Auit Moripplatz, Nr. 117 SZ— S1. zlr.S48�1«.I->,rg. «ezuqSvreiS: LierteljShrl. 7L0 M. nwnaU�ko Mi. [teiin« paus, vorauszahlbai. Einzeln« ihtnunetn 10 i;icnmo. Postbezug: liionatl'.ct) iBO Ml. ex kl. Zuslellungs. gebühr, llnier Krcuiband für Deutsch- nnd u. Oeilerreich-Ungarn ä.7S Ml, >ür das übrige Ausland 9,75 Ml, bei lüglich einmaliger Zustellung 7.76 Ml. Poftdeliellungen nehmen n> Düne- mart. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Bost-ZetwngS-Preislnte. Der.Lorwürts' ericheiiu wocheiuüglich zweimal. Sonnlage einmal. Morgen-Ansgabe. lelegramm-Adrelse: »Sozialdemokrat Berlin�. (Z° Vevlinev VolKsblatt. Anzeigeuprels: Die achtgcibaltene Nonvareillezeil« lostei 1,20 Ml.»Kleine Anzeigen", das fetlgednillie ffior; 50 Pfg.(zulässig 2 settgedructle Sorte). ledee weitere Wori 26 Pfg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort 40 Vtg, ,edes weitere Wort 20 Psg. Sorte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 60°/» Zamilien-Anzeigen, volitische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 1,20 Ml. die Zeile. Anzeigen für die nächste Siummer müssen bis ä Uhr nachmittags im vauvtgeichäst. Berlw SSB.IS. Listdenstratze 3.-oregeber: werden. GeSfsnel oon 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktion und Expedition: SW. 6$, Lindenstr. Z. Fernsprecher: Amt Moritzplap. Nr. 13190—13197. Freitag, den 16. Mai 1919. Die Entente gegen die Clemenceaus Antwort. Arbeiterkonferenz nach Versailles nicht für nötig erachtet. Berlin, 13. Mai. Der deutschen Friedensdelegatiou in B e r s a i l l e s ist am 14. Mai nachfolgende Antwortnote über- geben worden: Bersaille», 14. Mai 1919. Herr Präsident! Ich habe die Ehre, Ihnen den Empfang Ihres Briefes vom 19. Mai zu bestätigen, der sich auf die nationale Arbeiter- gesetzgebung bezieht, sowie Ihres Entwurfes eines Abkommens über internationales Arbeiterrccht. Die Antwort der alliierten und assoziierten Regierungen lautet wie folgt: 1. Sie nehmen Kenntnis von der Erklärung der deutschen Delegierten, daß der innere Friede und der Fortschritt der Mensch- heit von der Lösung der Arbeiterfragen abhängt, und sie sind überzeugt, daß in Zukunft solche Lösungen leichter erreicht werden, wenn das. Gemüt der Menschen von dem Druck der Angst vor dem Kriege, wenn die Industrie von der Last der Rüstungen befreit sein wird, die der deutsche Militarismus ihr auferlegte. Teil XIII des Entwurfs der Fricdensbedingungen sieht die Mittel vor, durch die diese Lösungen erreicht werden können, und der zweite Abschnitt des gleichen Teiles setzt die Grundsätze aus- einander, die fortschreitend die internationale Arbeiterorganisation und den Bölkerbund leiten werden. Arttkel 427 legt klar Zeugnis darüber ab, daß die Aufzählungen der vorgeschlagenen Grundsätze nicht abgeschlossen ist. Der Zweck der geschaffenen Organisation ist die ständige Entwicklung der internationalen Arbetterordnung. 2. Das Arbcitcrabkommen ist in den Friedensvertrag aufgc- nommen. Deutschland wird also aufgefordert werden, es zu unter- schreiben. In Zukunft wird Ihrem Lande das Recht, an der intcr- nationalen Arbeiterorganisatton teilzunehmen, sicher zustehen, so- bald es gemäß Artikel 1 des Vertrages in den Bölkerbund aufgc. nommen sein wird. 3. Es ist nicht für nötig erachtet worden, eine Arbciterkonferenz nach Versailles einzuberufen. Die Beschlüsse der Gewerkschaftskonferenz in Bern, die in Ihrem Entwurf eines Abkommens über internationales Arbekterrecht ent- halten sind, und auf die sich der Z 1 Ihres Briefes vom 19. d. M.' bezieht, sind bereits mit der sorgfältigsten Aufmerksamkeit geprüft worden. Vertreter der Gewerkschaften sind an der Aus- arbeitung der Artikel der Fricdensbedingungen beteiligt, die auf die Arbeiter Bezug haben. Wie aus dem Anhang zum zweiten Ab- schnitt des Teiles XIII, Seite 299, hervorgeht, umfaßt daz Pro- gramm der ersten Sitzung der internationalen Arbcitcrkonfcrenz, die nächsten Oktober in Washington tagen soll, die- wichtigsten Fra- gen, die auf der Gcwerkschastskonferenz in Bern verhandelt wurden. Die Gewerkschaften werden aufgefordert werden, an der Konferenz in Washington teilzunehmen, und sie wird nach bestimmten Ge- fetzen abgehalten werden» die die Fortsetzung ihrer Beschlüsse voraussehen, jedoch unter Voraussetzung der Zustimmung der zuständigen Behörden der vertretenen Länder. 4. Der Entwurf des Abkommens über das internationale Ar- beittrrecht, den die deutsche Regierung vorbereitet hat, weist eine Lücke auf; er enthält keine Bestimmung, die die Vertretung der Arbeiter auf der internationalen Konferenz vorsieht, die er in sei- ncm Artikel VII vorschlägt. Er steht auch in folgenden Punkten den Bestimmungen des Teils XIII der Friedensbcdingungsn nach: a) Fünf Jahre werden als größter Zeltraum zwischen je zwei Sitzungen festgesetzt(Artikel VII). Die Friedensbcdingungen schla- gen ein Jahr vor(Artikel 389). b) Jedes Land verfügt über eine Stimme(Artikel VII). Die Friedensbedingungen sprechen jedem Delegierten eine Stimme zu, gleichviel, ob er eine Regierung, die Arbeitgeber»der die Lohn- arbeiter vertritt(Artikel 399). ' c) Die Beschlüsse sind nur dann bindend, wenn sie von einer Majorität angenommen sind, die% der an der Abstimmung teil- nehmenden Länder umfaßt(Artikel VII). In den Friedensbedin- gungcn ist nur eine Majorität von � der bei der endgültigen Ab- stimmung abgegebenen Stimmen zur Annahme eines Vorschlages oder eines Entwurfs durch die Konferenz nötig(Artikel 493). Die alliierten und assoziierten Regierungen sind daher der Mei- nung, daß iCe Entscheidungen der Sorge Rechnung tragen, die die deutsche Delegation hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit äußert, und daß diese Entscheidungen die Gewähr sind für die Ber» wirklichung von Rxformen, auf die die Arbeiterklasse mehr denn je ein Recht hat nach der harten Prüfung, dir der Welt während der letzten fünf Jahre auferlegt worden ist.— Genehmigen Sie, Herr Präsident, bfe Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. (gez.) Clemenceau. Frankreich kennt üie Zrieüensbeöingungen noch nicht! Ei« Stuck aus dem Tollhaus. Versailles, 13. Mai.(GHg. Drahtbe vicht des„Vorwärts".) Im der heutigen„Humanite" wird sowohl von Sem bat wie auch von C a ch i n eine unglaubliche Datsache aufgedeckt, die allerdings für die Beurteilung der bisherigen Haltung der französischen So- zialisten wesentlich ist, nämlich daß der Friedensvertrag im Wort- laut noch immer von der französischen Regierung geheimgehalten wird! C achin schreibt:„Journalisten mit guten Beziehungen zur Regierung erhielten Exemplare des Fviedensentwurfes, Atta- ches der Ministevien gehen damit spazieren,«wer die Bolksvertteter, welche berufen sind, dem Frieden zuzustimmen, sind auf Auszüge angewiesen, die Herr T a r d i e u versaßt hat." S e m b a t schreibt: „Finden Sie es nicht eigenartig, daß die französischen De- putierten den vollen Wortlaut des Friedensver- träges noch nicht in Händen haben, während sämtliche deutschen Abgeordneten ihn erhielten?"„ Sowohl Cachin wie Sembat berichten in ihren Artikeln über die gestrige erste Sitzung der Sozialistenfraktion. Sie heben mit Genugtuung eine gewisse Einmütigkeit im Willen hervor, daß man sich nicht durch Worte foppen lassen, keine Keime zu neuen Kriegen in den Friedensvertrag aufnehmen lassen dürfe.. Es ist immerhin möglich, daH die Kenntnis des vollen Wortlautes der Friedens- bedingungen, namentlich jener Anhänge, in denen der imperial!- stisch-kapitalistische Geist des Vertrages besonders zum Ausdruck kommt, auch die Rechtssozialisten stutzig machen wird; jedenfalls ist dieser Umstand bezeichnend für die G e h e i m d i p l o m a t i e der Alliierten, die nicht nur die Friedensbedlngungen unter Ausschluß aller Oeffentlichkeit ausarbeiteten, sondern sogar das Ergebnis ihrer Arbeit ihren eigenen Völkern vorenthalten! Versailles, 13. Mai. Nach de» sozialistischen Blätter» hat die sozialistische Parlamentsgruppe gestern 19 Mitglieder gewählt, die mit 16 von dem geschäftsführcndcn Ausschuß der Partei be- stimmten Mitglieder» den Friedensvertrag prüfen sollen, darunter Cachin, Mayeras, Lafont, Barennc, Co mpere- Morel und Raffiu-DugeuS. Cachin teilt in der„ Humanitö" mit, daß von der Parteileitung und der vorcri�ähnte gemcinschaft- lichc Ausschuß ein Manifest erwägt, da die Partei dem Lande gegen- über eine große Berautwortung trage. Cachin betont scharf, daß die französischen Sozialisten auf nationalem Boden stünden; der Legende, daß die Anhänger eines gerechten Friedens eine E n t l a st u n g Deutschlands bei seinen Verpflichtungen und Schulden Frankreich gegenüber erstrebten, sei kein Glaube zu schenken. Wenn wir alle, erklärt Cachin, im Wunsche nach einem gc- rechten Frieden einig sind, dann sind wir cS in der Uebcrzcugung, daß dieser Friede unserm Laude und seiner Zukunft g ü n st i g ist und auch dar Lage Europas Rechnung�trägt. Schwere Unruhen in Stettin. Stettin, 15. Mai.(WTB) Zum Schutze eines Herings- dampfers, der am Selbhausbollwerk löscht uud der gestern und vorgestern seines Inhalts teilweis« beraubt worden war, war eine militärische Schutzwache aufgestellt worden. Aus der arideren Seit« der Oder sammelte sich heut« vormittag eine erregte Menge. Als die Wachmannschaft abgelöst wurde, der- suchte man ihr die Gewehre zu entreißen. Die Soldaten feuerten, wobei ein Ibjähriger Junge durch einen Bauchschuß tödlich verletzt wurde. Der Menge bemächtigte sich nun große Erregung. Ein über die Hansabrücke fahrendes Militär- automobil, das halten mußte, weil die Brücke hochgezogen war, wurde seines Inhalts, Militärgewehre, beraubt. Andere Leute holten sich von der Schncckentorkaserne Waffen und Muni- t i o n. Gegen 3 Uhr rückte die Wache ab, auf der Brücke löste sie sich auf, die Soldaten warfen die Gewehr« weg und liefen davon. Die Menge griff dir Gewehre auf und feuerte hinter den Soldaten drein. Dann wurden die in der Nähe der Hansabrücke liegenden Häuser nach geflüchteten Sol- baten durchsucht, von denen auch einzelne gefunden und abgeführt wurden.• Gegen 4 Uhr nachmittags kamen von der Oberstadt Negierungstruppen und säuberten die Straßen unter fortwährendem Feuern. Ein Mann, der auf die Truppen schoß und auf Anruf:„Hände hoch!" nicht hörte, wurde nieder- geschossen. Dann wurden Verhandlungen eingeleitet, als deren Ergebnis die Soldaten die Zöaffen nieder- legte« und abrückten. In der Oberstadt soll es ebenfalls zu schweren Straßenkämpfen gekommen sein, doch sind nähere Einzelheiten noch nicht bekannt. Augenblicklich— 9 Uhr abends— wird die Grenadierkaserne beschossen; das Feuer wird von innen erwidert. Die Unterstadt ist zurzeit ruhig. die Absage an die Arbeiter. Clemenceau hat auf die Note Brockdorff-Rantzaus, in der sich Deutschland zunk Anwalt der internationalen Ar- beiterrechtsforderungen erklärt, geantwortet. Tie Antwort ist so ausgefallen, wie man sie erwarten mußte. Sie ist die Absage an die Forderungen der Arbeiter für ihren Schlitz, für ihre Gleichberechtigung— sie schleudert in diplomatisch. geschliffenen Formen das brutale Nein! heraus. Die deutsche Vertretung in Versailles hat den der- änderten sozialen Machlverhältnissen in Deutschland ent- sprechend, dem sozialistischen Hauptzug der Bewegung der Kräfte folgend, die internationalen Arbeiterforderungen der Berner Gewerkfchaftskonferenz aufgenommen und von den Machthabern des Ententekapitalismus ein offenes Bekenntnis zu den Wünschen der Arbeiter verlangt. Statt dessen be- kommt sie einen knifflichen, dem Kern der Sache ausweichenden diplomatischen Eiertanz aufgeführt. Die Arbeiterschaft- Deutschlands und die der ganzen Welt, die bei der Einreichung der deutschen Forderungen aufgehorcht hat und mit Span- nung und voller Hoffnung auf beginnende Verhandlungen mit dem Resultat eines klaren Bekenntnisses unserer Feinde für den Schutz der Arbeit und für die Rechte der. Arbeiter ge- wartet hat, ist b l u t i g e n t t ä u f ch t. Die deutschen Forde- rungen entsprachen klar dem internationalen Arbcitspro- gramm. Sie waren in warmer, gerader Sprache vorgetragen. Und nun eine solche Antwot! Es ist eine glatte Ber- höhnung des internationalen Proletariats durch den G-rößenwahnsinn, der in Paris ain Werke ist, nicht nur Deutschland allein, sondern die arbeitende Masse der ganzen Welt zu Boden zu drücken. Diese Antwort wird der ganzen Welt die Augen öffnen und wird ihr sagen, daß das, was in dem Dokumentder Schande und Gewalt, das sich Friedensvertrag nennt, nichts anderes ist, als ein hohles P h r a s e n g e k l i n g e l, mit dem man die Wünsche und Hoffnungen des Arbeiter- Volkes auf Befreiung von dem unerträglichen Druck einseitiger Kapitalherrschaft begraben will. Dem internationalen Proletariat wird jetzt klar, daß der Imperialismus und der Kapitalismus seinen letzten Triumph auskosten will. Scheinheilig sagt Clemenceau, daß der Per- trag in einzelnen Punkten über das hinausgeht, was die deutsche Regierung im Namen des Proletariats fordert. Da- mit soll den Arbeitern Sand in die Augen gestreut werden. Die von. den Gegnern geplante Arbeiterkonferenz— wenn sie überhaupt durchgeführt'wird— würde das Proletariat dauernd in Ohnmacht halten. Die Arbeiter sollen nur ein Viertel der Stimmen in jenem Konzilium erhalten, das über die Wünsche der Arbeiter entscheiden soll. Glaubt ein Mensch in der Welt daran, daß auf dieser Basis etwas für die Arbeiter Ersprießliches entstehen kann? Die Clemenceau, Wilson und Lloyd George beharren hinsichtlich des internationalen Arbeiterschutzes auf ihrem Diktat. Sie lassen die Regierung des freiesten der Völker, das in Versailles vertreten ist, über diesen Punkt nicht zu Per- Handlungen zu. Es ist die A n g st vor dem Sozialismus, die Angst vor deni Erwachen des Proletariats, die in dem Diktat lebt. Weil von Deutschland der starke Strom einer neuen sozialistischen Bewegung über die ganze Welt auszustrahlen droht, soll Deutschland zertrümmert und seines Volkes Selb- ständigkeit vernichtet werden. Mit der Zermalmung. Deutsch- lands will man die Hoffnungen des Weltproletariats auf seine Befreiung aus den Fesseln des Kapitalismus ein für alle Mal ausrotten. In Paris wird zur Stunde nicht allein der Kampf um das Selbstbestimmnngsrecht Deutschlands, sondern auch der Kampf gegen die Freiheitsbe- strebungen der internationalen Arbeiter- s ch a f t kiusgefochten. Der Entente-Kapitalismus hofft auf der ganzen iLnie zu siegen. Wilson, Clemenceau und Lloyd George sind seine Heerführer. Die uns angesonnenen Friodcnsbedingungcn müssen das Gebäude der deutschen Sozialgesetzgebung voll- kommen in Trümmer schlagen. Die Invaliden, die In- dustrie- und Kriegskrllphel. die Witwen und Waisen und alle der sozialen Fürsorge Bedürftigen sollen in Deutschland keinen Pfennig bekommen dürfen. Sie sollen brutal dem Hungertods entgegengetrieben werden, und aus deni Elend, das damit in Deutschland vorherrschend werden soll, glaubt man ein billiges Argument gegen die weitergehenden Forderungen der Arbeiter in den übrigen Ländern der Wetzt ziehen zu können. Erst wird das deutsche Volk versklavt, und wenn der Versuch geglückt ist. dann wird die Peitsche für die Arbeiter der anderen Länder kommen- r SerfoiTTeS w?rZ zu einem Wen'Sepmtft tn Her Memotto- ttaleii sozialistischen Beilegung. Siegt dort die Willkür des Geldsacks, dann wird auf Jahre hinaus alles entzwei geschlagen, was die Arbeiterorganisationen bisher aufge- baut haben. Dazu darf es aber nicht kommen! Wir dürfen überzeugt sein, daß wir von Stmü>e an in dem Widerstand gegen die Drohungen, die für Deutschland dort ausgesprochen worden sind, Bundesgenossen unter dem Proletariat in allen Ländern finden. Die ganze Internationale wird erkennen, daß der Kampf des deutschen Volkes der Kampf des Prole- tariats der Welt ist, daß am Grabe des deutschen Volkes auch alle Hoffnungen hinsinken, die in der Internationale für den Aufstieg der Arbeiterklasse lebendig sind. Für das deutsche Arbeitervolk gilt es jetzt, alle Kräfte wach zu halten, um den Widerstand gegen das Todes- urteil, das Deutschland und damit den ganzen internatio- nalen Sozialisinus bedroht, aufs ä u ß e r st e zu stärken. Es scheint, daß uns die geschichtliche Mission zugewiesen ist, die Verteidigung der Interessen des internationalen Proletaraits gegenüber den Gewaltmenschen, die eine neue Despotie über die Welt aufrichten wollen, in die Hand zu nehmen. Es wird ein eitles Unternchmen, die gewaltigen Strö- mungen, die in der Menschheit wach sind, in Versailles durch einen Fetzen Papier aufhalten oder dirigieren zu wollen. Mag die Entscheidung in Versailles fallen, wie sie will: die Ge- knechteten auf dieser Erde werden sich mcht erneut willenlos der Ausbeutung und Unterdrückung ausliefern lassen, sie werden erkennen, daß die in Paris geplante Vergewaltigung des deutschen Volkes eine V e r g e w a l t i g u n g der Wünsche der internationalen Arbeiterschaft in sich schließt. Stoatshäupter der alliierten Mächte haben den Völker- krieg gewonnen, und der Machtrausch verleitet sie, den Kampf gegen die Forderungen der Sozialisten aufzunehinen.' Sie fühlen sich stark genug, auch in diesem Kampf den Sieg davonzutragen. In Teutschland ist dem Kapitalismus die Allein- Herrschaft entwunden worden. Kein klassenbewußter Arbeiter in der ganzen Welt wird nach der Antwort Clemenceaus noch daran glauben können, daß es einen Feind jenseits der Landes- grenzen gibt. Die durch den Völkerkrieg entflammten natio- nalen Leidenschaften sind abgekühlt: die Arbesterschaft wird zu der alten Erkenntnis zurückkehren, daß nicht Völker frein- der Zunge für sie Feinde sein können, sondern daß der internationaleKapitalismusderrn geschlossener Front aufgestellte Todfeind der aufstrebenden Arbeiter- schaft in allen Ländern ist. Das geht aus der Note Clemenceaus deutlich hervor. Das ist das Gute an ihr, lnpß sie'dein internationalen Proletariat die brutale Wahrheit enthüllt, und daß sie die gewaltigen Kräfte, die in thm vorhanden sind, zu sammenschiveißt zur gemeinsamen Abwehr des Vernichtun�skampfes, der in Paris gegen das internationale Proletariat organisiert worden ist.» Sekenntnis öer Glieüftaaten zur Reichs- einheit. Wiederholung des„Unaunehmbar" durch Dr. Preust. In französischen amtlichen Kreisen rechnet man bestimmt mit einem Absall der süddeutschen Staaten vom Deutschen Reiche. Alan spricht jetzt bereits von der Wiedererrichtung des Rheinbundes und seiner ihm demnächst zu gebenden Verfassung. Die Hoffnung auf den Zerfall des deutschen Reiches kommt auch in der Einleitung zu den Friedensbedingungen zum Ausdruck. Dort werden die deutschen Unterhändler nicht nur als Vertreter des Deutschen Reiches bezeichnet, sondern auch jedes einzelnen der dcut- schen Gliedstaaten, die man gegeneinander auszuspielen hofft. Den Verfassern der Friedensbedingungen ist augenscheinlich der Eni- Wurf der neuen Reichsverfassung, wie er im wesentlichen bereits von der deutschen Nationalversammlung angenommen worden ist, nicht bekannt gewesen. Nach Artikel 4 der neuen deut- Mmin T. Wegner. Musik der Zelt. Krieg, Revolution, Versöhnung. Versöhnung! Mordende Höllennacht der letztvergangenen Jahre, befreierisch sühnendes Gc- waltempören der Gegenwart, Lrüderlich-menschlicheS Sehnen, das seherisch hinschweift zu den letzten Erlösungen und Reinigungen der Zukunft. In drei Stufen und Weltzeitschichten stieg so einpor, was Armin T, Wcgner im Harmoniumsaal als„Musik der Zeit" aus dem dichterischen Schaffen seiner letzten Jahre vortragend baute. Unsere Jahre waren das, nicht nur seine. Unser Buch des Erlebens, unmittelbar nah, und von ihm nur mit neuen Bildern und Farben durchsät. Aber als das letzte wünschende Schauen vorüber war. ein visionäres Hindrängen zur Verwirklichung des Zieles, das alle Welt in der Heiligung der Mutter empfindet, sprang eine finstere Kluft in furchtbar drohender Breite auf. Jensett verwehte das Zukunftsbild und diesseit stand höhnisch der lebendige nächtige Tag, in dessen Acker die giftbergenden Körner neuer Weltzerwürfnisse gesenkt werden sollen. Wie wird die Dichtung diesen Alp, der ein Koloß sein wird, besteh»? Ihn wegzuschlcudern, muß sie selber ein Koloß werden. Und das wird sie sein. Die Zeichen sind deutlich da. Sie wird nicht romantisch träumen. Das ungeheuerste Feuer hat ihre Glieder stählern gehärtet. Auch Armin Wegners Dichtung hat die Wucht dieses Feuers erfahren. Schon vor dem Kriege wurzelte sie in den Wirklichkeiten der zeitgegebenen Kulturwelt. Bewegungsreich lebt fie in dem da- mals entstandenen, vor Jahresfrist veröffentlichten Buch.Das Antlitz der Städte". Dies Buch gab Großstadtlhrik, in Stimmun- gen flutend, massenrhythmisch durchpulst, Dinge und Geschehen mit brünstig kämpfender Sinnlichkeit empfangen, durchfühlt, beseelt, in Liebe und Haß geduldet, verworfen. Der Krieg riß den Dichter über die Stadt hinaus. Die Wirklichkeit entlegener Zonen wurde ihm Ereignis. Aber nicht in ihren ungestört hinlebenden Formen und Farben umgab sie ihn. Der Griff der Vergewaltigung hielt fie gepackt und zwang ihr Schrecken der Schändung und Verwüstung auf. Wcgner, der Kämpfer gegen die Brutalität der bürgerlichen Kultur, sah das Ziel seines Hasse? zu grauenhafter Furchtbarkeit aufgedunsen um sich her, und er selber war als Soldat in den Fron- dienst der Gehaßten eingespannt. So hat denn auch der Krieg den Kultursinn seines Dichtens nicht dem Wesen nach verändern können. Verändert hat sich nur daS Ausmaß der kämpfenden Leidenschaft: alles was die Kraft seiner Lyrik bisher ausmachte, steigerte sich aus innerstem Gären zu einer Wucht, die bisher noch nicht erreicht war. So erscheint es aber auch fast natürlich, daß die Gedichte der Gruppe .Krieg", die Wegner vortrug, als das Bedeutendste de» Abends wirkten. Diese Gedichte, empfangen in Polen, Kleinafien, Bagdad, sind neue Beweise, daß das während des Krieges entstandene Bild dsitjcher Kriegsdichtung ganz»ndolljtändig und falsch gewesen ist. schen ReichZverfaffung sind die Beziehungen zu den auswärtige« Staaten ausschlieUich Sache des Reichs. Das Reich wird Völker- rechtlich ausschließlich durch den Reichspräsidenten und seine Organe vertreten. Di» Gliedstaaten sind hierzu nach dem souveränen Willen der deutschen Nationalversammlung in keiner Weise legitimiert. Hat die Entente tatsächlich Informationen erhalten, auf Grund deren sie die Hoffnung auf den Zerfall des deutschen Reiches ge- gründet hat, so wird sie die Ausnahme der FriedenSbedingungcn durch die Reichsregierung und die Regierung der Einzelftaaten eines Besseren belehrt haben. Die Einzelstaaten, insbesondere die süddeutschen Staaten, haben der deutschen Reichsregierung ihre volle Zustimmung zu der Erklärung abgegeben, daß der FriedenLenttvurf in vorliegender Fassung völlig unaimehmbar sei und sich geschlossen hinter die Reichsregierung gestellt. Wie wir von zuständiger Seite hören, hat auch der Reichs» minister Dr. Preuß noch einmal betont, daß die Reichsregie- rung den Friedensvertrag in der vorliegenden Form unter keinen Umständen unterzeichnen werde. Dr. Preuß rechnet im Falle des Scheiterns der Friedens- Verhandlungen mit einer verschärften Hungerblockade und damit auch mit Wiedereinsetzen größerer Unruhen. Werde aber der Per- trag in der vorliegenden Fassung unterzeichnet, so erklärt« Dr. Preuß, würde ein noch viel größeres EhaoS ent- stehen, da Millionen Deutscher infolg« Ruinierung von In- dustrie und Handel brotlos würden. Die Wirkungen im Falle der Unterzeichnung der Bedingungen würden also nicht anders sein, wie im Falle der NichtUnterzeichnung. Tie Unterzeichnung böte aber den großen Nachteil, daß durch sie dem Deutschen Reiche die Hände gegenüber der Entente gebunden würden, während im an- deren Falle Verpflichtungen nicht übernommen würden. Die Hoff- nungen der Entente auf die Unabhängigen seien Seifenblasen. Kämen die Unabhängigen ans Ruder, so komme damit auch das EhaoS und der Bolschewismus nach Deutschland. Damit sei der Entente auch nicht gedient, denn einmal würden die Unruhen vor ihren Grenzen nicht Halt machen, und sodann würde sie von einem chaotischen Deutschland irgendwelche Kriegsentschädigungen nicht zu erwarten haben. Im wohlverstandenen Interesse der Entente liege eS daher auch, daß. die jetzige Regierung am Ruder bleibe. Diese werde aber nur dann die Geschäfte weiterführen, wenn die Entente zum Wilsonschen Programm zurückkehre und den Friedensvertrag so gestalte, daß er den deutschen Lebens- bedingungen gerecht werde. RuMche Stimmen zum Zrieüensvertrag. Ein„Funkspruch an alle". HelfingforS, 13. Mai. In einem M-Skauer Funk- fpruch an alle heißt eS:„Der Brest er Frieden ist, wenn man ihn mit dem Friedensvertrag vergleicht, der den Deutschen von der Entente aufgezwungen werde» soll, nur ein unschuldiger Scherz. Deutschland wird von allen Seite» beschnitten und von de» alten Grenzen zurückgedrängt und noch mit einer Kontribution von ISO Milliarden bestraft. Jedoch die Hauptsache ist die, daß Deutsch- lond genötigt wird, Bedingungen zu unterschreiben, die noch gar nicht feststehen. Also muß Deutschland einen Blankowechsel unterzeichnen, welche» die Verbündeten dann nach ihrem Belieben miSfülleu werden! Solch einen brutalen imperialistischen Raub hat die Geschichte noch nicht ge- taunt!" In der, I S w e st i f a" schreibt der Kommissar Kerchenzew: .Dieses Ultimatum ist eine unbarmherzige, grausame Rechnung der Entente, welche den räuberischen, unersättlichen Avpetit der Entente klar zu Tage treten läßt. Die Verbündeten bc- rauben Deutichland nicht nur ganzer Länderstrecken, sondern nehmen auch noch die reichsten Kohlenbergwerke des Saargebiets fort, wodurch sie der deutschen Industrie einen schweren Schlag versetzen. Ferner legen sie dem Besiegten aufgebauschte Rech- nungen vor, um ihn auch finanziell vollständig zu der- nichten." Wegners Strophen gestern gingen bis ins zweite Jahr des blutigen Ringens zurück. Sie sind aus starkem Blut erwachsen. Unverblendet sehen sie daS Grauen der Wirklichkeit, jeder Ton ibres Empfindens hat dieses Wachsein. WaS sie durchrinnt und bewegt, ist Weltschmerz des Kriegers, der die Straße, auf die ihn das Schicksal zwang, ruch- los nennt. Die Gedichte lösen sich auS gräßlichster Tragik. Aus Zerstörungen von Menschen, von Menschenmassen, aus verstümmel- tem Weiterleben. Am Rande der anatolischen Wüste erlebt der Dichter den Verbanntenzug der Armenier; sein Gedicht heißt:«Die Austreibung der Menschheit". Hohn, Verbitterung, Ekel wüten in seiner Seele. Er wird zum Jeremias auf Trümmern der Kultur. Und dies ist sein Kriegsertrag: ein letztes unerbittliches Abrechnen mit den Herrschenden und der Schrei nach der Revolution, die den Weg zum Menschenrechte freimachen wird. In großen Rhythmen dröhnt ein Fluchlied dem Golde:„Fluch dir, daß die Welt eine Wüste geworden ist!" Ein Fluch den Verderbern:„Ihr sollt'mit den Schatten des Krieges schlafen." Wilden Haß lodert ein Ge- dicht:„Der Bourgeois." Der Dichter fordert die Herrschaft der Güte:„Barmherzigkeit ist der Geist aller Revolution."„Solange die Liebe lebt, wird die Stimme deS Aufruhrs schallen. Ewige Revolutionäre!" Und dann jene Schlußgruppe: Versöhnung. Walt WhitmanS demokratische Hymnen, immer mehr eine Macht in der deutschen Lyrik geworden, wirkten auch auf Wcgner. Sein„Funkspruch ,n die Welt", bald nach' der Revolution zuerst im„Vorwärts" gedruckt, ist ein jubelnder Traum der ZLelteinigung. Ein Gedicht„Der Drei- klang" feiert die ordnenden Erlösungen des Achtstundentages. Der Rausch des Siege? reißt alle Schleusen deS Zukunftfühlens auf. Die Gedichte loerden ein rhapsodisches breites Strömen.- Des Dich- terS Stimme formte sie mit tönender Kraft. Sie werden utopische Verkündigungen und sind doch volle Atemzüge der Wochen, die aus der Revolution stammten. Stärkstes Hoffen, starkes Wollen. Auf- atmende Stimmungen nach abgeschütteltem Blutalp. Freudiges Ausschaun.»Und die Straßen an allen Enden wandern hinaus in den Frühling der Welt." Nun tönt das in Tage neuer Bedrückt- heit. Aber dieser Gegensatz soll daS Urteil über den Dichter nicht verzerren. Für ihn gelte, was er für den Menschen fordert: „Nur daS Beste in ihm lieben: Seinen Glauben an die Zukunft." rck. Neue Vege öer volksgesunöheitspflege. Ein Reichsamt für Volksgesundheitspflege wurde am Mittwoch in einer im Künstlerhause tagenden Ver- sammlung gefordert- Alle Redner— Dr. W. Winsch, Paul Schirmeister, Dr. Magnus Hirschfcld, Stadtverordneter Karl Braun, Prof. P. Förster u. a. verlangten einmütig, daß neue Wege in der Volksgesundheitspflege beschritten werden. Ein Beschluß der Versammlung, der den zuständigen Stellen der Rc- gierung und der LandeSversammlung übermittelt werden soll, Nach dem Noröprozeß Liebknecht- Luxemburg. „Klassenjustiz". Kapitänleutnant v. Pflugk-Harwng, dessen Brüder Hauptmann v. Pflugk-Hartung. die Leutnants v. Rittgen, Stiege, Schnitze und der zu 6 Monaten verurteilte Liepmann sind auf Grund einer Vorschrift der Militärstrafprozeßordnung durch den Gerichsherrn aus der Haft entlassen worden. Die Arbeiter der Firma Stock in Marienfelde sind in einen Proteststreik wegen des Urteils eingetreten, lassen also die ganze Volkswirtschaft dafür leiden. Uebrigens mißbraucht man auch diesen Prozeß wieder, um den„Vorwärts" einer Mitschuld an der Ermordung Liebknechts und Luxemburgs verleumderisch zu bezichtigen. DaS Wesen der heutigen Rechtsprechung als K l a s s e n j u st i z gekennzeichnet zu haben, war bisher der Sozialdemokratie vor- behalten. Plötzlich besinnt sich die„Deutsche Zeitung" und gibt gleichfalls die Möglichkeit einer solchen zu. Während aber die Sozialdemokratie die heutige Justiz verwirft, weil sie ihrem System nach Klassenurteile schaffen muß, indem ein einer be- stimmten GesellschaftSflasse angehörendes Gericht über alle Klassen urteilen läßt, beschwert sich die„Deutsche Zeitung" in nicht weiter verwunderlicher Unkenntnis der soziologischen Zu- saminenhänge und Ursachen deS Verbrechens nur über Klassen» justiz, wenn einmal ein Urteil über einen Angehörigen ihrer eigenen Klasse gefällt wird. In dem Urteil im Liebknecht-Prozeß mm gar, das zum mindesten als unbefriedigend bezeichnet werden muß. ein Siick Klassenjustiz zu entdecken, blieb dem Scharfsinn der „Deutschen Zeitung" überlassen. Billigen wir ihr„infolge man- gelnder Kenntnis der zum Wesen der Klassenjustiz erforderlichen Tarbestandsmcrkmale" die mildernden Umstände zu, für die sie zloar im Fnetresse von Offizieren plädiert, die sie aber Arbeitern gegenüber anzuwenden nur zu gern vergißt. Protest öer französischen Völkerrechts- gelehrten. Jß. P. N." wird aus Versailles gedrahtet: Der„TempL" brachte gestern einen Bericht über eine Sitzung des„Institut International pour le Droit de» Gens", in der folgender Beschluß gcfaß wurde: „Die unterzeichneten Mitglieder und absolvierten Schüler des Instituts für internationales Recht, in Paris zu außerordentlicher Session noch einem Kriege versammelt, der die Grundlagen des internationale,! Rechts erschüttert hat. halten es für ihre Pflicht, folgende individuelle und öffentliche Erklärung abzugeben: Sie verurteilen mit aller Kraft die vorbedachte Ver- letzung der feierlichen Verträge betreffend die Neutralität Belgiens und Luxemburgs, sowie der Verträge betreffend die Kriegführung und die Gesetze der Menschlichkeit. Sie verurteilen nicht minder energisch die Theorie der Notwendig- keit, mit der diese Taten zu rechtfertigen behauptet werden. Aber sie sind überzeugt, daß die Wiederherstellung und winen- schafliche Fortentwicklung des internationalen Rechts in einer loyalen Mitarbeit von RechtSlehrcrn fortgesetzt werden sollte, die verpflichtet sind, Verträge zn beachten und auf- richtig entschlossen sind, keine Entschuldigung als Begründung der Verletzung des gegebenen Wortes zuzulassen." Unterzeichnet ist die Erklärung von 21 Rechtslehrern von internationalem Ruf. Protest des Reichsstäötebunöes. Berlin, 16. Mai. Der Reichs st ädtebund hat folgende? Telegramm an den Reichspräsidenten gerichtet: Im Namen von 940 deutschen Städtenmit vielen Millionen deutscher Staatsbürger erheben wir den Schrei der Empörung über die vernichtenden Friedensbedingungen der Feinde. 259 Slädie mit 2 3S7 00O Einwohnern und unser Gut und Habe sollen räch- süchligen Feinden geopfert werden, wir selbst entehrt, entrechtet und gekncchte, werden. Wir erheben dagegen energischen Protest Reichsstädlebund. Dr. Belign, Erster Bürgermeister— Egenburg. Die Not der Zeit und die Sorg« für Deutschlands Zukunft fordert die umfassend« Pflege der Volksgesundheit als eine der wichtigsten Aufgaben des Staates und der Gemeinden. Diese ist aber nur im Zusammenwirken der freiwilligen Wohlfahrtspflege mit den amtlichen Berufen fähig, ihre fchtoere Aufgabe zu lösen; deshalb fordern wir, daß an Stelle gesundheitspelizeilicher Be- vormundung viel mehr als bisher Volkse rziehcrische Arbeit ge- leistet wird. Nur so können alle Kräfte des Selbstschutzes und der Selbsthilf« geweckt werden; ohne Mitwirkung des Einzelnen ist ein durchgreifender Schutz vor Krankheiten nicht durckssührbar. Sollen aber alle Volkskreise zu dieser Mitarbeit herangezogen und mit dem notwendigen Vertrauen zu den Maßnahmen der Behör- den ersüllt werden, so ist«ine allseitige Berufung derer zur ver- antwortlichen Mitarbeit dringend notwendig, die guten Willens sind und die bereits in der Volksgesundheitspflege nützlich gear- beitet haben. Diese freiwillige Arbeit nach dem Grundsätze des Mitbestimmungsrechts wird für die Zukunft die behördlichen Maßnahmen zu beeinflussen, ihre Durchführung zu gewährleisten und neue gesundheitliche Einrichtungen aufßuibauen und zu er- halten haben. Vom ReichswohlfahrtS- nd Gesundheitsamt fordert daher die Versammlung, daß die verantwortlichen Vertreter der zahlreichen Verbände für gesundheitliche Wohlfahrtsarbeit zur Mitwirkung an allen gesundhettspolitischen Aufgaben untierzüglich berufen werden, Aufgaben, für welibe der Deutsche Bund für natur- gemäße Lebens, nd Heilweise in Gemeinschaft mit zahlreichen gesinnungSverNmudten Verbanden feine Forderungen der Ge- sundheitspvlitik mit Begründung bereits ausgestellt und den Reichs«, Landes- und Gemeindeverwaltungen eingereicht hat. Notizen. — Der Verband der Freien Volksbühnen veran- ' staltet sein letzte? Konzert am Dienstag, den 3. Juni, in der Phil- Harmonie. Zur Aufführung gelangt die 3. Symphonie von Gustav Mahler unter Leitung von Hermann Scherchen. — Theater. Im Lessing theater wird in Abände- rung des Spielplans am Montag.Liebe" gegeben. — Dichterabend. Resi Langer spricht am 22. Mai im Lessingmuseum Frank Wedekind. Dr. A. H. Kober wird den Abend einleiten. — Orchestermusi? unter gefilmten Dirigcn- t« n. Am 20. Mai wird in der Charlottenburger Hochschule für Musik daS Blüthner Orchester einige Sinfonien und Ouvertüren spielen unter der Leitung von Wein�artner. Nikisch und Schuch, die dabei nicht, in Person(Schuch ist bekanntlich seit einigen Jahren tot), sondern nur im Filmbild dirigieren. Die Vorführung soll nur als Versuch gelten. Hoffentlich bleibtS dabei. — D i« Universität als Turnlehr st ätte. An der Universität Frankfurt kann fortan die Befähigung für das Turn- lehrfach erworben werden. Ein staatlicher Kurs ist eingerichtet worden, der zwei SoMestcr währt und leichtathletische llsbungen und Spiele sowie eine methodische Ausbildung besonders im eigent- lich«, Turnen umfatzt. Auch das Schwimmen miit Abschlußprüfung tob das Echaaejchuhlauj» werden in de».Lehrgang aufcouauncn. Nr. 24S»ZS. Jahrgang Heilage öes Vorwärts —— S—— P— W——— MBW Irettag, lö.MailHIch Staötverorönetenversammlung. Kindcrhcilstätten.— Mieterschutz.— Beamtenfragcn. Der Ma�istralsvorschlag, den Bermmmlungsmitchiedern Diäten in Höhe von 6 M. für die Plenar- und Deputationssitzungen, sowie Straßenbadnfabrt zu ermäßigten Preisen zu gewähren, geht nach kurzer Erörterung an einen Ausschuß. Die Anfrage der Bürgerlichen Vereinigung an den Magistrat, welche schritte er zu unterncdmen gedenkt, um in diesem Jahre recht viele Kinder auf dem L a n d e, an der See und in Halb- kolonicn unterzubringen, wird, nachdem Frau Rötger ihn begründet bat, von Stadtichulrat Dr. Fischer beantwortet, der auf die bisberigen Bemühungen und ihre Erfolge verweist und tunlichste Berücksichtigung der berechtigten Wünsche der Berliner Bevölkerung verspricht. Frau Dr. Wehl(U. Soz.) plädiert für die Errichtung von Kindererholungshrimen an der See und im ©ebirge und für die endliche Bereitstellung des Heims auf der Insel Scharfenberg im Tegeler See. Auch für die Mütter müpe mehr geschehen. Mit der Rechten gerät die Rednerin, als sie sie für die Fortdauer der Hungerblockade insofern verantwortlich macht, als die politischen Parteien der Reckten jetzt wieder drauf und dran seien, einen neuen nationalistischen Taumel zu ent- sacken, wiederholt in heftigem Konflikt.— Stadtmedizinalrat Weber teilt mit, daß zum 1. Juni ein Genesungsheim eröffnet werden wird, welches 600 kranke und schwächliche Kinder aufnehmen kann. In Buch werde ein Tube'rkulosekrankenhaus hoffentlich baldigst fertiggestellt werden. Dr Weinberg(Ii. Soz.) berichtet über die Ausschußverhandlun- gen zum Antrage der Sozialdemokraten betr. Erweiterung des Mieterschutzes. Der Ausschuß befürwortet, unbeschadet der in- zwischen erfolgten Erklärung von Berlin als Notstsndsbezirk, das Verlangen einer erheblichen Erweiterung der Kompetenzen der Mieteinigung sämter und der Unterstellung des Mietwuchers unter die Bundesratsverordnung gegen Preis- treiberei. In längerer.Ausführung legt Ritter(Soz.s die dringende Notwendigkeit der Ergänzung der bestebenden Mieter- schutzvfrordnung dar. Insbesondere müsse die Wahl der Beisitzer zu den Mieteinigungsämtern analog den Wablen zu den Gewerbe- gerichten erfolgen."Dem Mietwucher und der Praxis der Haus- besitzcr, alles auf die Mieter abzubürden, müsse mit der größten Energie entgegengetreten werden. Tie Mieteinigungsämter sollten als Einrichtung, die dem sozialen Fortschritt dienen, beibehalten werden.— Die Au-schußanträge gelangen zur Annahme. Fortsetzung der Etatberatung. Fu den Ausgaben für Personalbesoldung liegt ein Ansschußantrag vor, eine Prüfung der Gehaltsverhält- nisse der Beamten, Angestellten und Lehrer unter Zuziehung der Beamtenausschüsse«intreten zu lassen.— Oberbürgermeister Wermuth: Der Magistrat bat beschlossen, die Frage der Beamten- gebälter mit den Groß-Berline Gemeinden zusammen zu erörtern, und zwar von vornherein im Einvernehmen mit der Versammlung, die baldigst Teilnehmer für diese Konferenzen benennen möge.— Eine Reihe von Anträgen des Ausschusses, die auf Erhöhung der Bezüge städtischer Beamter und Unterbeamter gerichtet sind, wird angenommen, ebenso ein Antrag auf Ausgestaltung des städtischen Nachrichtenwesens. Zu den„A ufwendungen für gemein- n ü tz i g e Z!v c ck e" wird von mehreren Seiten eine Subventio- nierung des Blüthner-Orchesters warm befürwortet. Zum S t e ii e r e t a t ist im Ausschuß der Antrag, auf Er- böhung der Einkommcnsgrenze für die Kommunalsteuerfreihcit auf 2-100 M. hinzuwirken, einstimmig, derjenige auf erhöhte und steigende Progression bei den Einkommen über 10 000 M. mit Mehrheit angenommen worden. Stadtv. Mommscn(Dem.) gibt den Bedenken seiner Freunde gegen beide Anträge Ausdruck. Für die- selben, besonders für den zweiten, tritt wiederum Wege sBg. Vgg.) mit großer Lebhaftigkeit ein; ev. will er ein Existenzminimum von 1500 M. kommunalsteuerfrei lassen. Beide Anträge werden ange- nommen. Der Etat balanziert mit 719 988 050 M. Zuschlag zur Staatseinkommensteuer 200 Proz. Einkommen unter 900 M. blci- den steuerfrei. Wassergeld wird von 17)4 auf 20 Pf. pro Kubikmeter erhöht. Nachdem Leid für die U. Soz. die Zustimmung zum Etat ausgesprochen, wird dieser einstimmig festgestellt. Kämmerer Böss weist noch darauf hin, daß fiir die infolge des Spruches des SchlichtungsauSschusses den Hilfskräften zugebillig- ten 14 Millionen Mark im Etat Deckung einstweilen nicht vorhan- den ist.— Auch Koch lBg. Vgg.) bestreitet die Kompetenz des Ma- gistratS, der durch Zustimmung zur Bestellung zweier gleichberech- tigter Stadtverordnetenborsteher sich über die Städteordnung hin- weggesetzt habe. Ter Oberbürgermeister weist den Vor- Wurf, seine Gesinnung nach den veränderten politischen Verhält- nissen geändert zu haben, zurück.— Die Neuwahl der beiden Vor- stehcr wird auf die nächste Tagesordnung gesetzt tverden. Schluß nach MIO Uhr. Großiberlw Keine Zerreißung der Gesaugvereine. Der Vorsitzeude des Deutschen Arbeiler-Sänger-Bundes, Gau Berlin u. U., Gen. Wilhelm Bolz, ichreibl uns: „Der Vorstand nebst dem gesamten Ausschuß steht auf dem Boden, jede Politik zu vermeiden, um die Interessen des Gesanges zu fördern." So selbstverständlich das ist, so begrüßen wir es doch. Wir wünschen nur im Interesse der Sache des Proletariats, daß diesem Standpunkt der durch das allgemeine Vcriraucn eingesetzten Gau- leitung auch überall Rechnung getragen würde. In dem von uns zur Warnung'rnitgeteilten Falle war das leider nicht geschehen. Arbeitslosenversammlungen. Einstellung der Mictezahlung.— Naturalunterstützung. Die Arbeitslosen Groß-Derlins hielten Donnerstag mehrere Versammlungen ab. Im Gewerkschaftshaus sprach Stadwerord- neter Alexander Wurm(H. S. P.): Die der Regierung über- mittelten Forderungen der Arbeitslosen sind keiner Antwort ge- würdigt worden, obgleich Beantwortung bis zum 3. Mai verlangt war. Auf direkte Anfrage der Arbeitslosenräte bei den Reichs- ministern Bauer und Schmidt erhielt man die Antwort, daß jetzt nichts im Sinne der Arbeitslosensorderungen geschehen könne. Es mutz daher zur Selbsthilfe geschritten und einheitlich die Verweigerung aller Miels- und Steuerzahlun- gen vorgenommen werden. Um nicht nur negativ, sondern auch in sozialistischem Sinne vorwärtstreibend zu wirken, muß verlangt werden, daß alle notwendigen Lebensmittel, Brennmaterialien usw. von der Stadt an Stelle der Unterstützungen geliefert und nur noch ein kleiner Barbetrag gezahlt wird. Es wurde sodann fast einstimmig eine Entschließung an- genommen, die desagt, daß die Erwerbslosen dem Magistrat er- klären, wegen der Steigerung der Kosten der Lebenshaltung nicht mehr ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können uno >daher vom 1. Juni an die Zahlung der Wohnungsmicten verweigern müssen. Ferner erklären sie, in ernster Erkenntnis der Wirtschaft- lichen Notlage des Reiches, die Konsequenz einer vollkommen neuen Gestaltung der LebenssrisWng ziehen zu wollen und schlagen daher vor, zukünftig auf die Unterstützung, in Geld zu verzichten, wenn der notwendig« Bedarf an Gütern, also Lebensmitteln, Klei- dung, Hetzungs- und Beleuchtungsmitteln sowie Schulbüchern kostenfrei in natura geliefert wird, zuzuüglich eines kleinen Geldbetrages für persönliche Ausgaben. Zur Regelung der Ange- legenheiten wivd vorgeschlagen, daß der Magistrat sich mit dem Arbeitslosenrat ins Benehmen setzen möge. � Außerdem wurde noch eine zweite Entschließung gegen wenige Stimmen angenommen, nach der die Erwerbslosen erklären, nicht früher Arbeit in der Landwirtschaft und den Kohlenbergwerken an- nehmen zu wollen, als die Angehörigen der Freiwilligen- t r u p p e n in ihre Zivilberufe, insbesondere in den beiden ange- führten Erwerbsgebieten, restlos zurückgekehrt sind. Teutschnationale gegen Kriegsbeschädigte. Zu dem in Nr. 244 des„Vorwärts" veröffentlichten Bericht über Erlebnisse von Kriegsbeschädigtem in einer Bersamm- luiig der Deutschnattonalen schickt uns der Leiter jener Versammlung folgende Berichtigung. 1. Es ist unwahr, daß Herr Fuhrmann in der öffentlichen Ber- sammlung der Deutschnationalen Volkspartei im Lyzeum in Steglitz gesagt hat, Deutschland müsse es auf einen neuen Krieg ankommen lassen. Der Lärm erhob sich, als der Referent Angaben über die Einwohnerzabl von Elsoß-Lothringen machte. 2. Es ist unwahr, daß die Versammlungsteilnehmer über die Kriegsbeschädigten her- gefallen sind, denn a) ist durch Aussagen von Lazarettbeamten festgestellt, daß die Insassen des Lazaretts Sachsenwaldstraße bereits am Vormittage den Plan der Sprengung der Versammlung erörtert haben, b) erhob sich der Lärm auf ein aus den Reihen der Kriegsbeschädigten ausgegebenes Stichwort, c) hat keiner der„Kriegsbe- schädigten"(von denen die Mehrzahl schwere Stöcke und Stühle mühelos schwingen konnten) eine Verletzung davongetragen, wäh- rend drei Mitglieder der Ortsgruppe blutüberströmt aus dem Saale geführt wurden. 3. Es ist unwahr, daß ttze im Bericht vom „Vorwärts" Nr 244 ausgestoßeueu Schimpstvorie und Redensarten gegen die Kriegsbeschädigten gefallen sind, dagen ist von Seiten der Kriegsbeschädigten in nicht wiederzugebender Weise geschimpft worden. Dr. Ulrich Kahrstedt. Dem be r ichti gu nqsei frigen Deutschnationalen haben wir zu erwidern, daß die Gegenseite ihre Darstellung aufrecht er- hält und die seinerseits aufgestellten Behauptungen zurückweist. Zur Kennzeichnung seiner Antwort sei nur darauf hingewiesen. daß er die Kriegsbeschädigten in Gänsefüßchen setzt und den meisten besondere Kräfte nachrühmt, während er selber an anderer Stelle der Zuschrift sie als Lazarettinsassen bezeichnen muß. Er hätte übrigens ganz und gar nicht nötig gehabt, sein Ersuchen um Aus-' nähme der„Berichtigung" durch einen Hinweis aus§ 11 des Pressegesetzes zu unterstützen. Uns kann es nur recht sein, wenn unsere Leser und die Kriegsbeschädigten, die an der Versammlung teilgenommen haben, ihn in dieser' Erwiderung genau kennen lernen. Das Urteil über ihn und seine Leute überlassen wir den Kriegsbeschädigten selber.— Landestrauer ist und täglich erhalten wir Protestbriefe der Gc- schädigten, insbesondere der Musiker. Ist es da nicht ein Trost in diesem Elend, Regierungstruppen mit schmettern» der Militärmusik durch die Straßen ziehen zu sehen?... Arbeiterräte, kommnnale Arbeiterräte und Betriebsräte der S. P. T. Montag 18. Mai 7 Uhr, Festsaal des Herrenhauses: Zweiter Vortrag des Genossen Dr. Slriemer über Geld, Kapnal, Kredit. Um rege Beteiligung wird gebeten. MiigltedSbuch legitimiert. Der Vorstand des Bezirksverbandes Groß-Berlin S. P. D. Heute findet die Juristische Sprechstunde von 3 bis 6 Uhr statt. Politik in der Schule. In der 2. Klasse des OberlyzeumS Tempelhos ist dem Schülerinnen folgendes Aufsatz-Thonia gestellt: „Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigun g." Trotz wiederholter Vorstellungen, daß der Aussatz ja die reinste politische Abhandlung wenden müßte, besteht der Oberlehrer auf seinem Willen. Die Aiifgabestellung beweist oie Absicht, nationalistische Acußerun- gen hervorzurufen. Sonst hätte das Thema ja richtiger und wahrer lauten können:„Deutschland in seiner tiefsten Not." Wenn von Erniedrigung geredet werden soll, könnte es geschehen, daß Be- trachtungen herauskommen, wer Deutschland in den Krieg gegen die ganze Welt geführt hat! Schuhwerk ohne Bezugsschein ist in der K l c i de r V e r W er- tu n g s ges e ll scha f t, Kommandantenstr. 80/81, genügend zu recht billigen Preisen in allen Größen vorhanden. Bis zum Pfingst- fest sind die Verkaufsräume von 9— 6 Uhr geöffnet; zugelassen werden nur Käufer die in Groß-Berlin wohnen. Der Rückgang des Fettgehalts der Milch ist nicht auf Futter- mangel, sondern eher ganz allein auf Verfälschung zurückzuführen. Zahllose Untersuchungen des Fettgehaltes der aus Angermünde angelieferten»Milch haben nur in ganz wenigen Fällen und bei ganz wenigen Kühen einen besonders niedrigen Fettgehalt ergeben. Di Kreisfcttstelle Agermünde ist überzeugt, daß. sobald die Unter- suchung von der Mischmilch mehrerer Mhe erfolgt, ein ausreichender Fettgehalt sich überall noch ergeben� müsse,- wo keine Verfäl- schung vorliegt. Verlogenheit oder nur Beschränktheit? Unsere in Nr. 243 veröffentlichte Mitteilung über die angeblich„standrechlliche" Erschießung des 19jähriqen Jllwin N e h s e aus Neukölln wird von der„Freiheit" wiedergegeben. Dabei möchte sie ihren Lesern einreden, der von uns gebrauchte Ausdruck„vom Leben zum Tode befördert" sei eine„halbhumoristische Art" zu berichten. Unbe- sangene Leser können aus-dem ganzen Ton unserer Mitteilung nur d n Eindruck empfangen haben, daß eine Stimmung ganz anderer Art uns angesichts des beklageuslverten Schicksals dieses jungen Manne und seiner Eltern erfüllte. Will die„Freiheil" den Sinn, den w i r in die bitteren Worte„vom Leben zum Tode befördert" hineinlegten, in sein Gegenteil umfälschen? Oder fehlt es bei ihr mir an dem bißchen Intelligenz ihn zu begreifen? s, Die Verbreitung öes Wortes. Von Ludwig Barta. Aua dem Ungarischen von Stefan I. Klein. Der Gemeindediener begab sich ins Haus, nach hinten in die Küche; dort kochten weißschürzige Weiber an einem großen Feuer das Mittagessen. „Also, Tant Margit!"— sagte der Gemeindediener— »Euer Mann ist da. Ist per Schub aus Pest gekommen." Margit Kun stürzte binaus auf die Straße, um zu sehen, ob es tatsächlich zutreffe, daß ihr Mann, der vor zehn Jahren fortgegangen war, heimgekommen sei. Die Tochter, die verehc- lichte Zsuzsa Takacs lief ebenfalls hinaus, desgleichen die übrigen Weiber. Sie liefen hinaus, drängten sich in der Oesfnung des kleinen Tores, man konnte ihretwegen weder vor noch zurück. Gegenüber, unter den Nußbäumen, saß auf einem Steinhaufen, wie ein Gespenst, wie sein eigener, kranker Schatten lÄindor Török, der vor langer Zeit mitsamt dem ganzen Geld fort- gegangen war. „Man hat ihm ein Bein abgeschnitten I Hat ihm ein Bein abgeschnitten!"— flüsterten die Weiber. „Wozu bist Du hergekommen. Du Schwein!"— schrie ihn Margit Kun an. .„Habt Ihr nicht in Pest verfaulen Rinnen!"— schrie Zsuzsa Takacs. „Hast auch dort gelebt wie hier; der Knochenfraß hat Dir das Bein zerfressen!" „Dreckfink, Schwein! Kommt, bringt Schmach und Schande über uns." Der Gemeindediener ging zu Takacs in die Scheune, wo um die Maschine herum die Arbeit lohte. Der große Lärm lockte die Leute aus den Höfen, aus den Scheunen auf die Straße; die Maschinen blieben stehen: manche. denen von der Sonnenglut der Kopf flammte, das Blut kochte, deren Augen vor Hitze rot waren, kamen herbeigelaufen; blieben in Gruppen unter den Toren stehen: sprachen kurze Sätze; diese Sätze bewegten die Gruppen, zerrten an ihnen; sie wogten, zuckten, brodelten, wie wenn in einem Gefäß Wasser siedet. „Schaut! Der Sandor Török ist da!" „Ist per Schub gekommen!" „Wurde von Pest gebracht!" -„Hat dort ein Bein verloren!" „Ach, schaut er aber schlecht aus!" „Tie tun einander eine schöne Ehre an!" „Schau, schaut! Der Sandor Török!" „Hat ein Bein verloren!" „Wurde per Schub gebracht!" „Ah, der Sandor Török!" „Kommt von Pest!" „Wurde von Pest gebracht!" „Hat dort ein Bein verloren!"... „Was willst du von uns?"— brüllte Margit Kun. „Hundling hat sein Teil versoffen!"— kreischte Zsusa. Feri Takacs stürzte durch dos große Tor der Scheune auf den Hof hinaus: die übrigen ihm nach: sein Herz ging un» gestüm, seine entsetzten Augen weiteten sich, auf seiner Stirne schwollen die Adern an, wie wenn ihn der Schlagfluß bedroht hätte: Nun ist die große Gefahr da! Ist die große Schande da! Jetzt muß man ihm wieder ein Anteil vom Besitztum geben! Nein, das bei Gott nicht! Sandor Török stand auf, schrie unter dem Baum hervor: „Besuchst du noch die Herren, mein Engel, mein Weib Margit? Ich Hab gehört, in letzter Zeit hast du beim Kreis- arzt verkehrt!" Die Leute in den fremden Toren horchten auf. „Laßt mich zu dem Hundling, zu dem Schuft!"— brüllte Takacs: doch vermochte er sich keinen Weg durch die Menge zu bahnen. „Auch die Zsuzsa— so Hab ich in Pest gehört— bist den Herren für ein Fläschchen riechendes Wasser!"... Feri Takacs rannte ins Haus, von dort aus den Hof, er- klomm einen hoben Haufen Reisig, ein doppelläufiges ge- ladenes Gewehr in der Hand. Von dort aus schoß er zwei- mal auf Török, traf ihn aber nicht. Sandor Török räkelte sich auf, warf sich in die Brust: „Schieß doch! Sch'eß doch, du Hrind!" Die Leute liefen in die Höfe hinein, denn niemand wünschte Zeuge zu sein; Feri Takacs fiel ohnmächtig von dem -Haufen. eS dauerte lange, bis er mit kaltem Wasser, mit Essig zum Bewußtsein gebracht wurde. Am Nachmittag begab sich der Schübling zum Notar; dieser sagte ibm: „Herr Török! Ihre Frau hat bei mir zweihundert Gul- den deponiert: die können Sie von mir gegen eine schriftliche Erklärung übernehmen. Diese lautet, daß Sie nach Pest zurückfahren, keinen Skandal machen, noch mit dem Abendzug fortfahren. Sie werden gut tun, fortzufahren! Wrr können> hier im Dorf keine solche Eiterbeule, keinen solchen Giftpilz, wie Sie sind, brauchen!" Bald darauf saß Sandor Török auf dem breiten Erker des stockhohen Wirtshauses und zahlte Wein; der Erker des Wirtshauses führte nach der Landstraße, über die Häuser hinweg nach der Ebene, nach dem Himmel, in die Unendlich- keit. Heruntergekonnnene Leute saßen um ihn herum, die, derweil er fort geweseu, ebenfalls aus dem Grundbuch ge- raten, doch als Tagelöhner, Bettler hier geblieben waren, als Hungerleider, Schmarotzer, Glotzäugige, die vor Wunsch, vor Verlangen fieberten. Sie saßen da,>vvrtetcn auch jetzt aus ein, zwei Glas Gratistvein; hockten an der Kante des Tisches wie die Fliegen auf dem Rand der Gläser und lauschten mit schalen Blicken, was da Sandor Török voll kecken Stolzes er- zählte: „Was glaubt Ihr denn, der Mensch sei auf der Welt, um wie ein Zugtier den Boden aufzuwühlen, vom Frühling bis Herbst, daß ihm die Sehnen reißen? Weshalb denn? Ich Hab in Pest ein Zelt! Ein schönes, weißes Zelt. Trage eine weiße Schürze, Hab einen Gesellen... Es kommen die Damen! Küß' die Hand, gnädige Frau! Na, Herr Török, was bekommen wir Schönes, Herr Török? Von diesen feinen Pfirsichen, lieber Herr Török! Von diesen frischen!...— Zlvei ein Sechserl, teuere Gnädiges— Das ist nebensächlich, Herr Török!... Feiner, frischer Mais! O, sehr gerne, schöne Gnädige... Ein feines Stück Nierenbraten, Herr Török!... Ein Kilo Wels!... Hinein in die gelbe Wag- schale... Dann drück ich mit dem kleinen Finger drauf: Hai) schon zehn Deka Nutzen. Und so geht es immer! Keine Sor- gen, keine Scherereien-I Lieber Herr Török! Guter Herr Török! Teuerste Gnädige... Immer in weißer Schürze; und im Winter in der Markthalle... nicht so wie Ihr, die Ahr fast für eine lumpige Krone krepiert, die Ihr verdwnt... immer eine weiße Schürze, Milch und Honig... ginge es mir wie Euch, ich würde mich lieber aufhängen... das ist ja kein Leben.. Ihr seid ja keine Menschen... seid nur Zugtiere, schäbige Tiere!"— Er schaute auf die Leute hinab, warf den Kopf zurück, und niemand wagte ein Wort zu ent- gegnen,' niemand wollte sich den Gratiswein entgehen lassen. Die Erbitterung krallte ihnen in der Kehle und sie spülten ihre Wut mit einen, Glas Wein hinunter und lachten laut, derweil sie an Beleidigungen fast erstickten und sagten: »Du, Sandor! Bestell noch einen Liter!" (Forts, solgt) Die Fahndung auf leere Wohaungeu würde dem Berliner Wohnungsamt erleichtert, wenn die Be- völkerung jede Nachricht, daß irgendwo seit längerer Zeit eine Wohnung leer steht und der Benutzung entzogen bleibt, sogleich dem Ämt meldete. Diese Bitte spricht das Ami in einer Zuschrift aus, die es uns zu unserer in Nr. 237 veröffentlichten Mitteilung über leerstehende Wohnungen schickt. DaS Schreiben sagt:„Da es ohne Mitwirkung des Publikums unmöglich ist, dah uns alle .lade, in denen wir ein'chreiten könnten, bekannt werden, bitten wir die Oeffentlichkeit, uns durch Anzeigen an das Wohnungs- a m t zu unterstützen." Das von uns erwähnte Gebäude der A. E. G. an der Brunnen- und Voltastraste wird bereits durch das Wohnungsamt instand gesetzt und soll an Wohnungslose vermietet werden. Bei dem gleichfalls von uns genannten Haus iu der Dennewitz- stratze hält das Wohnungsamt eine Instandsetzung vor Ausiührung des Hochbahnbaues(über dessen Beginn es schweigt und wohl i elber nichts weist) nicht für empfehlenswert. Es verspricht, dost nach der Bauausführung d e dann in dem Hause noch übrig ge- bliebenen Wohnungen wieder instand gesetzt werden sollen. Den von uns aus dem Hause Turmstr. 37 mitgeteilten Fall einer nicht zu rechtfertigenden WobnungSzusammenleaung will das Wohnungs- amt untersuchen Wir wollen eS bei dieser Gelegenheit noch auf ein paar andere Grundstücke aufmerk'am machen. Leer steht jetzt da« HauS Viktoriastr. 33. da? zuin Berkauf ausgeboten wird. Ebenso steht am Prenzlauer Tor daS alre Gutshaiis der Familie Bötzow leer und zwar schon seit sehr langer Zeit. Bisher bat das Berliner Wohnungsamt rund 3000 vorher unbenutzbare Wobnungen sowie Läden und andere Geschäftsräume zu Wohnungen ausgebaut und der Benutzung zugeführt._ Der Raubmord am Kurfürstendamm. Der Generalvertreter Wendelstadt war in- den Kreisen� der Händler und Sammler sehr bekannt und besah wegen seiner Socki- künde einen besonderen Ruf. Man sprach schon länger davon, dah W. fürchtete, Banditen möchten ihm bei einem Ueberfall seine Sammlung rauben oder zerstören. Er plane deshalb, die wert- wollsten Sachen in einer Geheimkammer zu verstecken. Eine solche Kammer ist bisher noch nicht entdeckt worden. Wohl aber hatte W. besondere Borstchtsmahregeln anderer Art tatsächlich getroffen, Sicherheitsschlösser, Tnrnegel usw. Es ist möglich, dah der Raub- mörder ihm irgend einen wertvollen Gegenstand für seine Samm- lung anbot. Er mag zur Verhandlung darüber unter irgend einem Vorwande auch die späte Nachtzeit bestimmt haben. In dem Bilder- zimmer mit dem Waffen schrank muh W. mit seinem Mörder ge- iessen haben. Der Handel scheint zum Abschluß gekommen zu sein. W. hat sich dann nach dem hinteren Ballonzimmer begeben, um Geld aus dem Sekretär zu holen. Nur er kann das Geheimfach geöffnet baben. Der Mörder hätte ohne Zweifel alle Fächer ge- öffnet und untersucht, auch das, in dem die wertvollen Schmuck- fachen lagen. Er hat sicher nur auf den Augenblick gelauert, in dem 28. dos Geld aus dem Sekretär nahm, um sich des ganzen BorrateZ zu bemächtigen._ Einer der gefährlichsten und bcrüchtigflen Ein- und Ausbrecher Groh-Bcrlins, der sich während der Unruhen auch als Banden- führer hervorragend betätiote, wurde�von der Neuköllner Kriminal- Polizei zum zehntenmal festgenommen. Hermann Pothenick wurde achtmal fahnenflüchtig. Nach jeder Verhaftung brach er sofort wieder aus und bis zur nächsten verübte er allein und mit Spießgesellen Einbruch auf Einbruch. Im Oktober erbeutete er u. a. mit einem Helfershelfer Dürdel bei der Brotkommission Weisestrahe 30 000 Brot- und Lebensmittelkarten. Während der Neuköllner Unruhen stand Pothenick an der Spitze einer Bande, die u. a. das Amtsgerichtsgefängnis stürmte und die Gefangenen befreite. Während ein Teil dieser Bande nach kurzer Zeit dingfest gemacht wurde, brachen Pothenick und Dürdel, beide schwer be- waffnet, weiter ein, zuletzt, nach der Festnahme Dürdels. Pothenick allein. Schlachtfeld Berlin. Vor dem Haufe Grenadierstrahe Nr. 2 stand ein Wagen einer SpeditlonSsirwa. In dieser Straße hatten sich Leute angesammelt, um einom Jungen, der mit Brotkarten handelt«, das Handwerk zu legem Die Menge schosi(?!) nach dem fliehenden Jungen, traf aber unglücklicherweife den auf dem Bock ützenden Kutscher derart, dah dieser sofort tot herunterfiel. Der Erschössene wurde nach der Unfallstation in der Lothringerstrahe gebracht. vehandlung heimkehrender Gefangener. Auf dem Bahnhof Magdeburg ereignete sich bei dem am 12. Mai, abends 8,47 Uhr in Berlin(Potsdamer Bahnhof) eintreffenden Zuge folgender skandalöse Vorfall: Zwei aus französischer Kriegsgefangenschaft ausgetauschte deutsche Soldaten, dem einen war das Bein bis zur Hälfte ampu- tiert. der andere hatte ein vollkommen lahmes Bein, kamen aus Konstanz. Nach der langen Reise Konstanz—Magdeburg nahmen die beiden Kriegsinvaliden in M�zdeburg in einem Abteil 2. Klasse Platz. Aber der Zugführer veranlahte die beiden armen Menschen in schnoddrigem Ton, die 2. Klasse zu verlassen, was auch unter großer Empörung der Mitreisenden geschah. Da die 3. Klasse besetzt war, muhten die Bedauernswerten in einem Abteil 4. Klasse zwischen Kisten und Kasten ihre Reise fortsetzen. Die Abteile der 2. Klasse waren nur schwach besetzt. Bon falschen Kriminalbeamten verhaftet, ausgeplündert und schwer mißhandelt wurd� der Milchhändler Theodor Schumann, Wittstockerstrahe 4. Die„Beamten" erklärten bei ihm wegen Schleichhandels eine Durchsuchung vornehmen zu müssen, beschlag- nahrnten 11 000 M. und erklärten Sch. für verhaftet. Sie brachten ihn in einem Kraftwagen, der auf der Straße bereitstand,„nach dem Untersuchungsgefängnis", fuhren aber mit ihm den Sparcdauer Schiffahrtskanal entlang, mißhandelten ihn an einer abge- legenon Stelle, Ivarfen ihn aus dem Wagen hinaus und fuhren dann davon. Einer der Gauner ist 40 bis 45 Jahre alt, mittel- groß, kräftig gebaut, hat schwarzes Haar, kurzen Schnurrbart, frisches rundes Gesicht, einen blauen JakettanM und schwarzen, steifen Hut. Der zweite 35 bis 30 Jahre alt, schlank, dunkelblondes Haar, kurzen rötlich-blonden Schnurrbart, dunkelblauen Jakett- anzug..grauen weichen Hut. Urhehet ist wahrscheinlich ein 27 Jahre alter Arthur Teichert, der wegen Ausplünderung der Wohnung des Bäckermeisters Boy in Weihensee schon gesucht wird. Auf seine Ergreifung sind 1000 M. Belohnung ausgesetzt. Die Vereiniaung der Tckiwimmvercine.VorNnirts-'. Berlin I8i>7,»ind der Arbeiter- Schwimmverein„Berlin" wird morgen Sonnabend, abends st.8 Uhr. in Lichtenberg, Hauvtstr. 0, beraten werd-n. Die zwei Vereine stellen je süns Delegierte. Sollte später ein Zusammen- schlich ans Grund dieser Sitzung erzielt werden, so wird der.Vorwärts" wieder Mitglied des Arbeiter-Wasserjport-Verband es(Arbeiter-Schwimmerbund) sein. M ag istratshilsskräfte. Der Kollege Marx von der Erwerbslosen« sürsorge, Geschästsstelle 8. ist am 12. Mai De» starben. Da er keine Ange. böripcn bat, haben sämtliche HillSlräite für den Verstorbenen eine würdige Beerdigung veranstaltet. Sie sindet beute Freitaa. nachmiitags 4'/, Uhr, auf dem Friedhos der Simonsgemcmde, Temvelboser Weg. statt. Die Kollegen und Kollecinncu werden gebeten, dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Ein jeder erscheine, so wie er zum Dienst gebt. Drcptow-Sternwarte. Oessentliche gemeinverständliche Vortröge der Treptow-Sternwartc: Sonnabend 5 Uhr:„Vom Monte Rosa zur asrikani- scheu Küste"(Filme). Sonntag 8 Ubr:.Christoph Kolumbus"(Filme); 5 Uhr:„Sitten und Gebräuche i'remder Völker"(Filme); 7 Uhr:.Polar- jagdcn, Seelöwen, Renntiere und Elche"(Filme). Dienstag 7 Uhr: „Merkur und Venus"(Lichtbildervortrag von Dir. Dr. Archenhold). Mit dem großen Fernrohr werden jetzt am Tage Venus und Sonn«, am Abend Jupiter und Saturn mit ihren Monden gezeigt. Die Kreistagswahlen in der Mark. Die.Kreistagswahlen haben in der Mehrzahl der Kreise, in denen bisher nur sehr wenig oder gar keine Sozialdemokraten ver- treten waren, zu erheblichen sozialistischen Minderheiten geführt. ES wurden gewählt: im Kreise L e b u s 22 Bürgerliche und 17 Soz., im Kreise Lübben 20 Bürgerliche und 18 Soz., Im Kreise Temp lin 16 Bürgerliche und 14 Soz. und im Kreise P r e n z- l a u 17 Bürgerliche und 11 Soz. Neukölln. Dringlichkritsscheinr Schuhbedarf können hei -dem schweren Mangel nur erteilt!r- wenn ein Slrzt bescheinigt, dah die betreffende Person aus Gnundheitsrück sichten nicht in der Lage ist, Stiefel nrit Holzsohlen zu tragen oder wenn ein behördlicher Nachweis erbracht worden ist, darüber, daß das gesamte Schuhzeug gestohlen worden ist. Groh-Berliner Lebensmittel. Berlin. Aus Kartoffelkarte Kartofselwalsmehl, Kartofielgrieß und Gerüengraupcn, und zwar cmsallen aus 20 d 100 Gramm Kartofsclwalz- mehl, aus 20 d 100 Gramm Kaitofselgrieg und aus beide Abschnitte 20 e je 100 Gramm Graupen. Tcmprlhof. Ausgabe von AuSIandS-Spcck von morgen Sonnabend, bis Mittwoch. Mariendorf. 450 Gramm Graupen(18. 19, 20). Abtrennung der Abschnitte spätestens heute Freitag beim Händler oder Gemeindeladen. Bis IS. Mai 250 Gramm Amerikaniehl(13). CI wird mit 16. Mai ungültig. Anstelle von Amerikamchl nach Wabl inländisches Weizenmehl. Eövenick. Kondensmilch jär werdende Mütter im 5., 6. und 7. Monat. Bescheinigungen für Anträge im Krankencrnährungs-Bbreau, Schloßftr. 28, stellen die hiesigen Hebcaminen ans. Pankow. Da Frischfleisch nicht ausreicht, auch Blutwurstkonserven. Spandau. Heute bis Mittwoch 70 Gramm slädt. Bulter aus 2. 250 Gramm Grauven(243). Macht von der Fischkarte Gebrauch! Psd, Heringe i245). Militärurlauber gegen Abstempelung der LebcusmiiieUarte, Bimieuschiffer gegen Abstempelung ihrer Ausweile in der Fischballe. In zahlreichen Gejchäitcn noch Marmelade(342). Ab Sonnabend Nestbestände an Maimeladc markenirei. Erstklassiger Trockenspinat und Raps-pinal von der Stadt 3 M. das Psund. Kausberechtigungsscheine Zimmer 408 des Rathauses. Hroß-Serliner parteinachrichten. Sozialdemokratischer Verein für Berlin. Morgen Sonnabend, pünktlidi 5 Uhr. im großen Sitzungssaal des ehem. Herrenhauses Generalversammlung, i. Der Parteitag in Weimar. 2. Wahl der Delegierten. Berlin. BortragskursuS für die 42., 43., 46., 47. und 48. Abteilung. Tie Entwicklung des Sozialismus. Rcserent;„Voiwärts"- Redakteur Mermuth. 1. Von der Natural- zur Feldwirtschaft 2. Die aufkommende Grohindustrie. 3. Die große sran-önsche Re- volution und der utopiiche Sozialismus. 4. Der wisien'chaffliche Sozialismus und der Klasienkampk de« Proletariats. 5. Weltkrieg und Revolution. 6. DaS>ozial'st>sche Wersen. Montags, den 19.. 26. Mai, 2., 16., 23., 80. Juni, abends 7 Ubr, in der Aula der Ge- meindeichule Ostender Str. 37/39. Mitgliedsbuch legitimiert. Achtung, Genossinnen! Besuch der Erziehungsanstalt Lichtenberg sllr die Genossinnen der 2., 6., 7.. 8. und t3. Abteilung: Sonntag, den 18. Mai. Linie 70 oder 04 bis Bahnhof Friedrichsselde. Treffpunkt um 3 Uhr Gudrun- Ecke der Hagenftraße. Die Zentralstelle für Einigung der Sozialdemokratie hat den von Entil Unaer wöchentlich herausgegebenen„Buntschuh" als Organ übernommen. Nr. 22 erscheint heule(15 Ps.). Bezirk Südosten, heute, abends 7 Uhr, Schulaula, Dresdener Straße l13. öjjentliche Verjammlung. Zur Deckung der Unkosten 20 Ps. Eüitrittsgetd. Gerichtszeitung. Der Fall des Rektors Bock hat ssinerzeit gewaltiges Aufsehen erregt. Es handelte sich um Sittlichkeitsverbrechen an Schulkindern. Bock hat sich andauernd um seine Rehabilitierung bemüht und jetzt durch eine gegen den Kriminalkommissar Toussaint gerichtete Flugschrift eine Anklage erzwungen, über die das Landgericht am 17. Mai verhandelt. vereine unü Versammlungen. Arbeitee- Douristenverein Die Naturfreunde(neutrale Gruppe). Sonntag: Wandersahrt(KönigS-Wuster bauscn- Gussow— Zierisee—Kräpel. sec— Köiiigs-Wlisterhausai). Absahrt 8 Uhr Görlitzer Bahnbos. 8" Bahnhof Niederschöneweide.— Arbeiter< Radfahrer- Berctn Groß. Berlin. Sonntag, nachmittags 1 Uhr. Hohcn-Neuendors(zur Enthüllung des Denk- mais des Genossen Hermann), nachdem Bhlenwerder(Restaur. Fazan).— „Freier Wanderbnnd." Arn 18. Mai: I. Sirausberg— Aima-Tal— Lötz. see— Strausberg. Abfahrt: 6°» Echtes. Bahnhos. II. Birkenwcrder— Briese —Lehnitz. Abjahrt: b" Stettiner Bahnhof. Srieffaflen der RedaPffon. Heute findet die Juristische Sprechstunde von 3 bis v Uhr statt. Jeder für den Vrickkastea destimmle» Anfrage Mge man einen BuSNaben und-ine Nummer bei. Briefliche Auskunsi wird nicht erteilt Eilige An- wagen trage man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. S. 8. Hof links. 4 treppen, 4 bis 7, Eonnaliends 8 bis S Uhr nachmittags vor. Echriklsiücke und Berlräge find milsubrinaen. LR. BZ. 21. Fragen Sie bei der Schneidcr-Fnnung, Wilhelmstr. 15, wn.— M- I. 05)9. Mannheim.— F. B. 8. Chariiö, Luisenftraße.— S?* o4*, K'wftnet von 10-6 Uhr.—®. G. 1. Wenden Sie sich an öt« Gencral-Komm. d. Gewerksch., Berlin. Engeinser 15.— Heeresant. Erfahren Sie beim Zcntralvcrband der Handlungsgebllsen. Berlin. Miinz- straft« 20.— B. 10. Näheres darüber rriabreu Sie beim Polizei. Prä- sidiuni.— F. M. 13« Die Liste ist in allen Lottcriegeschäsleii einzusehen.— An die Arbeit »iuS das deutsche Volk. Allel Männer und Frauen müssen danach trachten, ihre Kräfte und ihre Fähig- lz:". durch die Arbeit die Schäden und die Wunden des Krieges zu heilen. Das beste Mittel, sein Wissen zu erweitern und damit seine Lage zu verbessern, bietet eine umfassende Allgemein- und fachliche Bildung. Rasch und gründlich führt die Methode „Rustin"(5 Direktoren häherer Lehranstalten, 22 Pro- lessoren als Mitarbeiter) jeden Vorwärtsstr' benden ohne Lehrer durch Selbstunterricht unter energischer Förderung des einzelnen durch den persönlichen Fernunterricht. Wissensch, geb. Mann, Wissensch, geb Frau, Geb. Kaufmann, Die geb Handlungsgehilfin, Bankbeamte, Einj.-Freiw.- Prüfg., Abit-Examen, Gymn., Realgymn., Oberrenlscliule, Lyzeum, Oberlyzeum. Mittelschullehrcrprüfg., Zweite Lehrerprüf., Handelswissenschalten, Landwirtschaitsschule, Acker- bauschttle, Präparand., Konservatorium. 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Thalia-Theater 7t/. U.-------- Tis. am N'ollendnrfTsIat« 7 uhr: Drei alte Schachteln. Theater des Westens s uz Wo die Liebe hiniälll Sonntag 3 Uhr: Rlgoletto. Theater d. Prfedrlchstadt 7>/,Uhr: Hatmacher Seiner Durchlaucht. Wallnor-Theater 7Vs Uhr:(jOlStia. Stg. 3V,: Graf T. LuicDtburg NaGonat-Thenter. 71/j: Die Grille. Ab Sonnabend: Kinoptippe. Potsdamer Str. 38 Turmstr. 12 Verlorene Töchter. IL Teil Opfer der fSehmacli von W. Kahn« Alexandcrplatz-Passagc. Friedenau, Rhcinstr. 14 i Eine Junjare Dame von Welt. . Schauspiel in 5 Akten | von Fcdor v. Zobeltitz. Münchener Roman von Robert Heymann. Hauptrollen; Slarija IjcIUo Hans Albers. MvAu/Suh/an/t ,. öeheimjusvuU» VjVAi Sfuct/"/ jcmst/Ze/cAer am Bbf. Friedrichstr. Schleifenbahn Figttr-8-Bahn Berg- und Talbabn Taifun-Rad IBippota-Noblesse! Werktags ab 4, Sonnt. 3 U. Siehtenhainer Friedrich- straße 94. 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Mai 1311' ihr 25>ah.§, « riges Jubilili'm bei der W (t, Weberei(i Dunkel.® ® Berlin O. 27� Andreas- Ä. ® straße 32.-'270S W Z Es war der A-rma � iL möglich der treu» n Arbei- � Ä.«'»fp nn« rz Verband der Brauerei' und lililblenarbeiter- und verwandter Be- rufsgenoflen. (Zahlstelle Berlin). Den Mstalirdern zur Nachricht, dag unser Mit- glied, der Flaschenkcller- arbeiter 43/10 Emst Bentze am 10. Mai gestorben ist.| Die Beerdigung findet i am Freilag, den IS. Mai, I nachm. 4 Uhr, von der Halle I des Gethsemane- Kirchhofs! in Nordend aus statt. Ehre seinem Andenken l Um rege Beteiligung ersucht{ Die Ortsverwaltnng. Am 13. Mai verschied nach langem Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater, der Tischler BottMsd Noack im 57. Lebensjahre.[21476 Im Namen der Hinter- bliebenen gcaa jtoad. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17.Mai, mittags 12',« Uhr, von der Halle des Ileutöllner Ge- meindeftiedhofs aus statt. Danksagung. Filr die vielen Beweise in- Niger Teilnahme bei dem Hin- scheiden meiner lieben Frau, unserer guten Tochter.Schwester, Slliwiegertochter, Schwägerin und Tante k�ieela Eckert geb. RehlAnder sagen wir auf diesem Wege allen lieben Verwandten, Freun- den und Bekannten unfern innigsten Dank. Joses Eckert. Familie Rehlander. I- it Dr. med. Golemann, Friedriclislp.ill-92,E,cÄ.rr0' Sprechst. 10— 1 und 4—7 Uhr. Erfogreiche Behandlung. Haut- ii. Harnarzt Dr. med. Haedicke, Friedriühstraße 187-88 an der Mobrenstralle. 1t— 1, 5— 7. Sonnt. 11— 1. Spezialarzt Qeschlecbts-, Haut-, Frauenleiden. Behandl. schmerzlos ohne Berufsstörung. Blutuntersuchung. Teilzahlung. Separates Damenzimmer. WDWlsWW Sanitatsrat Dr. Müller, FriedriElistFaße 190 11, Eingang Kronenstratie.* Spr. 11— I, 5—7, Sonnt. II— 1. Ertolgreiche Heileriolge. ßr. mctl. WoGksnluS, FriedflchslF. IZStSÄr. Spr. 11— 1, 6-7. 123/7« Erfolgreiche Behandlung. Baut-uHamarzt. Erfolgreiche Behandlung. 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Dienststelle Ng. 1 Dr. 2 Dr. 3 Fr. 1 Fr. 2 Ng. 2 K. 6 Ng. 7 Or. 2 Rp. 2 Lu 1 B. 18 T. 13 Hs. 2 Ng. 3 B. 5 K. 17 Wz. 1 Or. 1 Rp. 1 Ng. 5 An. von 11 bis 12 Uhr • von 12 bis 1 Uhr Lu. 2 Ng. 6 K. 21 Zd. 1 Ng. 8 Hs. 1 T. 4 Arbeiter-Bureau Wz. 2 Dr. 1 Ng. 55 T. 15 Ng. 9 Arbeitsbureau männlich Lagerbureau Arbeitsbureau weiblich Es wird zur Vermeidung von nachträglichen Auszahlungen dringend ersucht, die angegebene Zeit genau Innezuhalten.— Die Lohnzahlbeamien melden sich S® Uhr vormittags in der Kasse zum Geldempfang. Wegen des Mangels an Kleingeld«owie zur glatten Abwicklung des Zahlungsgeschäftes wäre es erwünscht, wenn sich Jeder mit I0-. 5-. 2- und l-Pfennigstücken versehen würde, bevor er zur Lohnzahlung kommt. Spandau, den 15. Mai 1919. 2283D* Artilleriewerkstatt- Süd. Zeit der Zahlung von 9 bis 10 Uhr von 10 bis II Uhr Artillerie-Werkstatt Nord. Die Aasgabe der Entlassnngspapiere findet in der Zeit von Montag, den 19. bis Freitag, den SS. Mai, in der Zeit von 8 Uhr vorm. biö 2 Uhr nochmittogS statt und zwar in nachstehender Rethenfolge: Fllr die Arbeiter und Arbeiterinnen mit den Anfangsbuchstaben A. B, C, v. E und G TÄIaiVr k, H, J, l und N"ÄÄr K, 0, und R um Mittwoch, d-a 2k. Mai tsis. M, P, Sch und T ÄÄSÄ S, St, ü, V, W nnd Z Spandnn, den 14. Mai 1919. Die Direktion. gez. Rille. Pieper. 227635» Tiiwctonffigrlati Margraf&Co.bf rtanonienstr'. 9-BePlin-Tauentzfenstnlfla 1 habe ich 1 kleines, modernes Wohnhaus mit nur 4 Wohnnungen a 6 Zimmer und 2 kleinen Läden, Warmwaffer, Ofen- Heizung, extra Atelier- gebäude mZentralheizuug. bestehend aus 2 Etagen und anschließendem»arten filr 205 060 IN. zu vrrtaufeu. Die 6-Zimmerwohnung des Besitzer» und das Atelirr- zebäude können auf Wunsch bezogen werden. Näheres durch JoBas M. Bier, Leipziger Straße 26, Zentrum 12250/53. XopakvSpeziar' hat laufend größere u. kleinere Mengen preiswert abzugeben. Gassmann, Charlottendg., Spllndauer Str. 20, Privatweg. 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M. 9Ö0 nnd hat sich nicht vrv mehrt und nickt vermindert. Das G e schiiftsguthaben da Genosse» behäg! am 31. Mag 1918 M. 300 und hat sich nich vermehrt und nicht vermindert Beriin-Reinicken d orf. den 15. Mai 1313 Orr Oarstaud. Robert Engel. Karl Marsche! Karl Höpsner. 106, Si MMe SmmM. BolDeiMtg i. SN Infolge Wahl des jetzigen Redasteurs als besoldeter Stadtra suchen wir zum baldigen Antritt einen «MW MM. Wir reflektieren auf einen gewandten, erfahreren Journalisten Gehalt nach der Bedingung des Bereins Arbeitervresse. Bewerbungen sind zu richten an Ernst kSrüItver, Bov sitzender der Preßkommiffion, Waldenburg L SchL, Sand straße l._ 261/4' ■—Kastenmachen und Kastenhelfer für Kutschwagen» und Karosseriebau zum baldigen Eintritt gesucht. 36/9* 1 Ludwig Käthe& Sohn,""sf' Fahrzeug- und Karosserie-Fabrik. Tüchtige Verkäufer für zugelassenen Artikel z. Vcrka uf auf Bahnhöfen g e 8 n c h t. 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Ein Herankommen an das Reichstagsyebäude gänzlich ausge- schloffen.. Auf den obersten Stufen wehte sonderbarerweise die schwarzgelbe Habsburger Fahne! In ihrer Näbe sah man ein Plakat: Nieder mit dem Höllenfrieden. Die Musik klang ge- dämpft herüber von hier und da. Das Niederländische Gebet er- schallte bei- dem Noondenkmal. JD Strasburg, du wunderschöne Stadt" war in dieser Stunde ergreifend. Trotziger klang„Stblcs- weg-Holstein stammverwandt". Flieger warfen Proiestflug- blätter ab. Oben auf der Nordeinfassung der Freitreppe zum Reichstag sprach Naumann. Der Grundgedanke feiner Rede ging dahin: Dieser Friede ist unerträglich, unerfüllbar und des- halb unannehmbar. Seine Ausführungen wurden oft von leb- hafter Zustimmung unterbrochen. Auf dem Sockel am Bismarckdenkmal führte Genosse Heil- mann aus: Dieser Friedensvorschlag ist das Todesurteil Deutschlands, seine Durchführung bedeutet Versklavung des deutschen Volkes auf Generationen. Um das Geschick des Reiches zu ändern, müssen wir verhandeln. Die Ausführungen klmigcn aus ru ein Hoch auf Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit. Am Hindenburg sprach ein Vertreter von SchlcswigHolstein. Di« Zuhörer stimmten ein:„Schleswig-Holstein mecrumschlun- gen. deutscher Sitte hohe Wacht". Am Moltkedenkmal fanden sich etliche Dutzend schwarz-weiy- roter Fahnen zusammen. Dorthin waren mehrere Haufen Schul- kinder in geordneten: Zuge marschiert. Am lebhaftesten ging es am Noondenkmal zu. Dort sprach zunächst ein Vertreter des Saargebiets. Auf einem Last- wagen hatten sich mell eicht anderthalb Dutzend jüngerer Mensch«, aufgestellt. Einer von ihnen versuchte eine Ansprache zu halten, kam aber nicht über die ersten Sätze hinaus. Da sprangen alle vom Wagen und nahmen mit Hochrufen aus die Weltrovolution die Richtung zum Reichstag. Die ganze Zahl dieser ,Demon- stranten" betrug höchstens 25— 30. Etwa um sechs Uhr war überall der Redeprotest zu Ende, die Entschließungen angenommen, die Menge begann nach allen Sei- ten abzufließen. Nur die Schuljugend bewegte sich vom Mottle- denkmal zum Brandenburger Tor. Die Demonstration machte durch die Masse der Ersefrienenen einen gewaltigen Eindruck. Wenn die Redner die Gedanken auch unter den Gesichtspunkten ihrer Partei verschieden zum Ausdruck brachten, so waren doch all« einig in der Forderung: Auf dieser Grundlage darf der Friede nicht geschlossen werden, wenn Deutsch- »and ein Staat bleiben und in der Gemeinschaft der Volker gleüh� «rechtigt dastehen will. Dem Protest gegen den Geivallfriedcn schloß sich die ungeheure Volksmasse an. In diesen Protest stimmten auch die Gruppen der„Pfälzer", ,Mcheinländer",„Schle- sier".„Westpreußen",„Saarländer" u.«l. m. ein. * Es kann nicht unerwähnt bleiben, daß der erste Versailler Entwurf, wie er ja nun jetzt heißt, den Nationalisten Wind in die Segel getrieben hat. Nicht eine einzige rote Fahne war über dem Ddcnschenmeer zu sehen, und als ein mehrheitssozialistischcr Jugendlicher sich darüber aufhielt, wurde er denunziert,.die NoSke- garde beschimpft zu haben". Darauf wurde er von Freikorpssol- daten ergriffen, schwer mißhandelt und abgeführt. Wir sind neu- gierig, wie man diese Roheit verteidige» wirdl • Ansprache einer Amerikanerin. Von einer der zahlreichen Tribünen sprach auch die Amerika- nerin Miß Rah Beveridge, wohl die erste„feindliche" Aus. länderiu, die seit dem Ausbruch de? KrnegeS in einer deutschen Ver- sammlung das Wort ergriff. Sie sagte: „Ich bin keine Deutschamerikanerin, sondern eine Vollblut- Amerikanerin, die cS mit dem Gebot der Menschenliebe ernst nimmt. Hunderttausende von Deutschamerikanern, aber auch Hun- derttausende von Vollblutamerikanern haben auf Wilson ge- rechnet. Nur ein gerechter Frieden ist möglich, ein anderer ist eine Entehrung für die ganze Menschheit. Wenn die Männer in Ver- sailles dielen gerechten Frieden nicht schaffen können, so rechne ich aus die Massen der Proletarier, was die Intelligenz nicht zustande brachte, müssen die Arbeiter der ganzen Welt voll- bringen: Frieden, Freiheit, Brüderlichkeit. Das erste dazu ist, daß Deutschland einig und deutsch bleibt." öem Kömgsplatz. Die in gutem Deutsch mit leichtem englischen Akzent vorgetra- gene Ansprache wurde mit brausendem Beifall aufgenommen. * Ten Abordnungen der bedrohten Reichsteile erklärte Minister- Präsident Scheidemann: „Friedensverhandlungen, nicht llebergabe! Das ist das Recht des neuen Deutschlands, auf dem die Reichsregierung bis zuletzt bestehen wird. Jede Kundgebung aus dem Volke heraus wird uns in diesem Festhalten an unserem Recht, im Rechte überhaupt be- stärken und Verhandlungen näherbringen. Handeln und Ver- h a n d e l n, das ist daS Gebot der Stunde. Entschlossenes Handeln und bereit zum Handeln. Leihen Sie dieser Parole Ihre Unter- stützung. Tragen Sie sie hinaus aufs Land und ins Volk. Helfen Sie die Einigkeit für diese Parole schaffen und kräftigen. Sie ist die Parole der besonnenen und darum allein hilfreichen Vater- landsliebe." Im Laufe des späten Nachmittags sammelten sich vor der Reichslanzlei immer wieder neue gewaltige Massen. Als die Menge auf viele Tausende angewachsen war und immer lebhafter nach dem Ministerpräsidenten verlangte, führte Scheidemann u. a. aus: Was dieser Gewaltfrieden für das deutsche Volk bedeuten würde, wenn er Gesetz werden sollt«, vermag in dieser Stunde kein Mensch bis in alle Konsequenzen zu übersehen. Wem toill uns Lasten aufbürden, die zu übernehmen kein Volk der Erde imstande ist. Man stellt Forderungen, die zu erfüllen ein Ding absolute? Unmög- lichkeit ist. Dagegen wehren wir uns. Wir hoben diesen Krieg, den wir nicht gewollt, gegen den wir unS gesträubt habrn, verloren. Weil wir uns während des ganzen Kriegs dagegen gesträubt haben, daß man andere Völker vergewaltige, verlangten wir einen Frieden der Verständigung: deshalb können wir mit Fug und Recht fordern, daß man nun unser Volk nicht vergewaltige, daß man auch dem deutschen 70-MillionenvoIk nicht die Lust nimmt, die es zum Leben gebraucht. Die Männer der Regierung sind sich ihrer Pflicht voll bewußt. Wir können als ehrliche Männer nur einen Frieden annehmen, von dem wir überzeugt sind, daß wir seine Bedingungen erfüllen können. Wir müssen zu Bedingungen kommen, die es uns ermöglichen zu leben, zu arbeiten, damit auch unser Volk, das doch für die.Kultur Großes getan hat. nicht zcr- malmt wird. Unsere Unterhändler in Versailles werden um so besser arbeiten können, je mehr überzeugt sie sein dürfen, daß das ganze deutsche Volk geschlossen hinter ihnen steht. Unser Unglück- lichcs, aber so schönes, geliebtes Vaterland, dem wir eine glück- lichere Zukunft schaffen wollen, Deutschland lebe hoch! Die versammelten Tausende stimmten begeistert in diesen Ruf ein. » Eine Ansprache Eberts. Der Reichspräsideut sagte der Abordnung des Grenzmarken- schutzvereinS: Die Reichsregierung schöpft aus diesen machtvollen.Kund- gebumgen des deutschen Volkes doppelte Kraft. Einmal die Uober- zeugung, in ihrem Vorgehen die Gesamtheit oder doch die er- drückende Mebtheit der Bevölkerung hinter sich zu haben und als wirkliche Volksrcgieneng die Ziele und Gedanken aller zu ver- treten. Ferner aber das Bervußtsein, daß in unserem so schwer ge- troffen«» Volk« trotz aller Sckwächung durch die KnegSjahre c i n stark er Wille zur nationalen Selbstbehauvtung, ein mächtiger Strom der Zusammengehörigkeit und der Beg eiste- rung für unser Volkstum lebt In den kommenden schweren Tagen muß dieses Gekühl uns alle erfüllen. Es ist für alle Bürger der bedrohten Ost- und Westmar! unseres Landes der starke Hort und der machi volle Trost, daß ihr De u t s ch t u m n i e untergehen wird. Gestützt aus diese einheitliche Geschlossenheit wird die Reichsregierung mit allen Mitteln gegen die Vergewaltigung unserer Volksgenossen und gegm die Versuche unserer wirtschaftlich«» Ver- sklavung kämpfen. « Sonntags-Kundgebnngen. Nhr(Arbeitsgemeinschaft für staatsbürgerliche und Wirt- schastliche Bildung) Volksversammlungen mit Rednern aller Par- teien. Mi Uhr, Beethovensaal, Köthener Straße. 82. Redner: G i e S- berts, Legten, Professor Brentano- München, Genossin Juchäcz und Professor Man es. M öle organisierten Arbeiter aller Länöer. Die Konferenz der Vertreter der Verbandsvorständ« beschloß, zu den Friedensbedingungen der Entente diesen Aufruf an die organisierten Arbeiter aller Länder zu erlassen: Arbeiter l Genossen! Die am 13. und 14. Mai in Berlin versammelten Bor- stände der Gewerkschaften Deutschlands haben init Abscheu Kenntnis genommen von der brutalen Erdrosse- lung des deutschen Volkes, die der Imperialismus der Westmächte durch seine jetzt bekanntgegebenen„Frie- dens"bedingungen herbeizuführen entschlossen ist. Die deutschen Gewerkschaften erkennen durchaus an, daß die durch den Krieg angerichteten Verwüstungen in Belgien und Nordfrankreich wieder gutgemacht iverden müssen, und Deutschland hat längst seine Bereitwilligkeit erklärt, nach besten Kräften daran mitzuwirken. Das deutsche Volk hat nicht die Absicht, sich diesen Verpflichtungen zu ent- ziehen. Aber diese Friedensbedingungen der Entente stellen einen imperialistischen Gewaltfrieden schlimmster Art dar. An Stelle des versprochenen Rechtsfriedens, der die Versöhnung der Völker und das Ende aller blutigen Kriege bringen sollte, wird hier ein Volk von 70 Millicrnen zu Heloten und Sklaven des alliierten und assoziierten Kapitals der Weststaaten gemacht. Deutschland soll seiner besten Wirtschaftsgebiete beraubt werden. Franzosen, Belgier und Polen wollen wichtige Teile unserer landwirtschaftlichen und industriellen Produk- tion an sich reißen. Ein Viertel unseres Ernährung s- landes, das ohnehin für unsere Volksernährung bei wei- tem nickst ausreicht, 3!> Proz. unserer Kohlengebiete und mehrere der wichtigsten Erzlager werden gewaltsam von Deutschland abgetrennt. Die deritschen Kolonien werden annektiert. Unsere Handelsflotte, die vor dem Kriege die zweite der Welt war, wird an die 10. Stelle herabgedrückt, sobald der durch den Gewaltfriedensvertrag begründete Raub der deutschen Handelsschifft erfolgt sein wird. Die finanziellen Verpflichtungen, die uns in der Form unermeßlicher und noch nicht endgültig festgesetzter Kriegsentschädigungen atiferlegt werden sollen, machen ans wenigstens 50 Jahre das deutsche Volk, insbe- sondere seine Arbeiter, zu Lohnsklaven der Kapitaliste» der Weststaatrn. Für die nächsten fünf Jahre allein sollen wir neben den von der Entente selbstherrlich festzusetzenden Milliarden an Bar- Zahlungen jährlich etwa 40 Millionen Tonnen Kohle an Frankreich, Belgien und Italien liefern, während unsere Kohlenausfuhr überhaupt vor dem Kriege nach Abrechnung von 10,38 Millionen Tonnen Einfuhr nur etwa 20 Millionen Tonnen betrug. Dadurch sowie durch die sonstigen geradezu unerhörten wirtschaftlichen Fesseli» wird unsere ganze In- dustrie lahmgelegt und die deutschen Arbeiter werden zu Arbeitslosigkeit, Not, Elend und Auswanderung verurteilt. Das ist der„Frieden", den die Staatsmänner der feind- lichen Mächte dem deutschen Volke auferlegen wollen, nach- dem es im Vertrauen auf den versprochenen und von allen Krieafübrenden anaenommenen Rechtsfrieden des Präsiden- ten Wilson die Waffen niedergelegt hatte und in der R c- v o l u t i o n unter Führung der deutschen Sozialdemokratie an die Verwirklichung des Sozialismus heck- anzugehen entschlossen war. Dieser„Frieden" ist nicht nur eine mit anderen Mitteln bewerkstelligte Fortsetzung des Krieges gegen das deutsche Volk, sondern er bedeutet zugleich ei« Attentat des vereinigten Kapitals gegen den Sozialismus. Davon zeugt auch das Kapitel des Velstragsentwurfs über das inter»rationale Arbeitsrecht. Nicht eine der von den Gewerkschaften aller Länder in Leeds 1910. Bern 1917 und 1919 erhobenen Forderungen zum Schutze der Arbeiter aller Länder gegen die kapitalistische Ausbeutung wird verpirklicht. Lediglich eine neue Organisation der früheren Arbeiterschutzkonferenzen soll durchgeführt werden, aber in einer Forin, die alle Entschei- dung in die Hände der Bureankraten und Unternebnier legt und dann noch den einzelnen Staaten das Recht gibt, einen mit zwei Dritteln gefaßten Mehrheitsbeschluß ab- z u l e h n e n. Da der neue Völkerbund zunächst weder Ruß- land noch Deuts�nd oder die im Kriege neutralen Staaten einschliegr, werbet die Arbeiterrecht« von dem internatio- nalen Großkapitalismus und den kulturell und in- dustriell rückständigen Staaten der Welt bestimmt werden. Das ist nichts als eine Verhöhnung der gewerkschaftlichen organisierten Arbeiter aller Länder und ein Trittzbllndnis gegen den internationalen Arbeiter- schütz. So präseirtiert sich dieser„Friedensvertrag" der En- tentestaatsmänner als ein Schlag gegen das Prole- tariat der Welt. Wie vor über 100 Jahren die feudale Reaktion Europas sich gegen die Republik der großen französischen Revolution zur Rettung der Moyarchien vereinigte, so erleben wir jetzt unter Führung der Westinächte eine Verschtvörung des internationalen Kapita- lismns gegen den Sozialis»uns und die soziale Revolution des Proletariats. Gegen diese Vergelvaltigung erheben die Gewerkschaften Teutschlands Protest. Sie dürfen für sich in Anspruch nehmen, in der Bekundung der internationalen So- l i d a r i t ä t der Arbeiterklasse nie zurückgestanden zu habe;», und sie glauben daher an die Arbeiter aller Län- der appellieren zu dürfen, sich diesem Protest gegen die Per- gewaltigung durch das internationale Kapital anzuschließen. Falschmelbtinzen. Van der angeblich aus Süddeutschland ge- meldeten Verdoppelung der Grenzschutztruppen und der vorläufigen Verschiebung der Auflösung des Großen HaupquartierSist den amtlichen Stellen nichts bekannt. Derartige Pläne sind auch nicht erörtert tovrdeu. Hapern für die Einigkeit öes Reiches. Kein Sonderfrieden Bayerns. Bamberg, 15. Mai. I« der heutigen aatioaalen Protestkundgebung des bayerischen Landtages im Kaisersaal der Residenz führte de» Ministerpräsident Hossmann in seiner Rede den Abgeordneten eindringlich die Schwere der ein- zelnen Bedingungen des Entenle-FriedensverlrageS vor Bugen. Er führte unter anderem aus: Die vorgelegten Bedingungen haben Hoffnung und Mauben jäh und grausam zerstört. Die Gebiets- enteignungen, darunter auch die beabsichtigte frernde Verwaltung der Pfalz, sind nichts anderes als eine schlecht verhüllter Annexion. Wir fühlen uns mit unseren Pfälzer Brüdern eins. Wie bisher, so werden sie auch in der Zukunft allen Lockungen der Franzosen widerstehen. Deutsch ist die Pfalz und deutsch>vird sie bleiben. Unsere Brüder in D e u t s ch ö st e r r e i ch halten uns auch im Nn- glück die Treue. Sie wollen zum Deutschen Reich zurück. Die En- tente will und kann es verhindern, aber nicht kann sie verhindern, daß über dir Grenzen herüber sie die Hände reichen und dir Herzen schlagen. Jahrtausend alte Bande gleichen Blutes trnd gleicher Sprache sind mächtiger als alle Artikel und Paragraphen. In seinen Darlegungen wies der Ministerpräsident auf die Wirtschaft- lich und finanziell überaus drückenden Bedingungen hin, die der Friedensvertrag enthält. Die Entente wolle mit alledem ein förmliches Protektorat über Teutschland errichten. Es bedeutet die vollendete poli- tische und wirtschaftliche Sklaverei Deutschlands auf Jahr- zehnte hinaus. Unsere unschuldigen Kinder und Säuglinge werden durch die Forderung auf Ablieferung der Ziegen und Milchkühe aufs grausamste getroffen. Mit erhobener Stimme schloß der Ministerpräsident: Nationale Per- gewaltigung und wirtschaftliche Erdrosselung, das ist die Signatur der Friedensbedingungen. Keine Rücksicht darauf, daß das deutfihe Volk sich erst die Frei- heit der Demokratie geschaffen hat. Es war noch immer so in der Welt: die Böller büßen dir Sünden ihrer Herrscher. Der dem Deut- sche» Reich angebotene Friede ist ein G e w a l t f r i e d e n: er ist ein Unglück nicht nur für Deutschland, sondern fürdieWelt.Jn ihm stecken Keime zu neuen Konflikten und zu neuen Kriegen. Als Deutschland auf der Höhe seiner militärischen Macht den Beestcr Frieden diktierte, habe ich den Gewaltfmdrn abgelehnt, und so lehne ich auch heute den Gewaltfrieden ab, den man meinem Baterland in Versailles diktieren will. Baterland! Das Wort hat jetzt auch für den Arbeiter, den Sozialdemokraten einen ganz besonderen Klang. Wir stehen fest und treu zu ihm in den Tagen des großen Unglücks»ad der tiefste» Trau«, Diese» Friede» kann keine deutsche Regierung, kann kein deutscher Sozialdemokrat unterschrei- bcn. ES ist ein Friede gegen die deutschen Arbeiter. Jetzt, wo sie die Hoftnung hatten, des Kapitalismus im eigeoeu Lande Herr zu werden, sollten sie auf Jahrzehnte hinaus die Knechte der französischen, englischen und ameri- konischen Kapitalisten werden. Nach unseren heißen Wün- scheu sollte dar Krieg mit dem Bölkerb»»nd und dem Bölkerfrieden abschließen. Jetzt aber ist Deutschlaird ausgeschlossen aus dem Völkerbund, ausgestoßen aus der Völkergemeinschaft, geächtet unter den Nationen der Welt. Dieser Friede ist kein Friede. Hunger und Elend auf Jahrzehnte hinaus erträgt nicht das deutsche Boll und nicht der deutsche Arbeiter. Wir wollen den Frieden und sind zu Nntcrhandlung«» bereit. Aber es muß ein Friede sein, d«e«nS Luft zum Atmen und Licht zum Leben läßt. In der Nationalversammlung in Berlin hat das ganze deutsche Boll pro- testiert. Heute protestiert ohne Unterschied drS Standes und der Partei daS ganze bayerische Volk. Wie ein Mann steht es zum Deutschen Reich. ES lehnt jeden Gedanke» eines bayerischeuSonderfriedenS ab. Wir Bayern leben mit unsere» deutschen Brüdern oder wir gehen unter mit ihnen. Heute, in der schwersten Stunde unseres Volkes, schwören wir Treue dem Reich, Treue unseren deutschen Brüdern: ein Lump, wer jetzt sein Volk und Baterland verrät. So mag die Entente, so mag die Welt es hören: Wir wollen sein ein einig Boll von Brüdern, in keiner Rot unS trennen und Gefahr. Di« Red« des Ministerpräsidenten löste allseitigen Bei- fall aus, worauf die bereits gemeldete Resolution ein- stimmige Annahme fand. Sie ist eine deutliche Absage an die Entente, wenn diese durch Maßnahmen irgeirdmelcher Art eine Trennung und Süddeutschland nur einen Sonderfrieden erwirken will. wie Lügen entstehen. Die inzwischen amtlich als unwahr gekennzeichnete Nachricht, daß der Generalstabschef einen Plan zur bewaffneten Erhebung des deutschen Volke? ausgearbeitet habe, ist— wie nachträglich festgestellt sein möge— von dem unabhängigen Sozial- bemokrateu Gruschwitz in der Breslauer Sladtverord- netenveriammlung aufgebrach» worden. Die.Freiheit" hat die Quelle der erlogenen Nachricht vorsichtiger Weise verschwiegen; es hätte ihr ein Leichtes sein müssen, die Unwahrhaftigkeit der auf- reizenden Meldung festzustellen. Dieser Umstand dürfte die Taklik der.Freiheit", der diese Tartarennachricht für ihre parteipolitischen Zwecke sehr vUllomme» gewesen zu sei» scheint, gebührend kenn- zeichne«. GewerWPsbewesung Konferenz öer Vertreter öer Verbanösvorftänöe. In der am 13. und 14. Mai stattgefundenen Vorständekonferenz der Gewerkschaften wurde u. a. auch Stellung zur Regelung des Lehrlingswesens genommen. Sasfenbach schlägt für jedes Gewerbe paritätische Zentralkommissionen vor, die über Zahl der Lehrlinge, Art der Aus- bildung, Arbeitszeit, Dauer der Lehrzeit usw. Bestimmungen aus- zuarbeiten haben. Ferner möchten für jeden Stadt- und Landkreis paritätische Bezirkskommissionen eingesetzt werden, die die Durch- führung der Vorschriften überwachen, sowie darüber entscheiden, welche Arbeitgeber Lehrlinge halten dürfen. Die Dauer der Lehr- zeit soll im allgemeinen drei Jahre nicht über st eigen, müsse sich aber nach den Bedürfnissen des Gewerbes richten. Die systematische Ausbildung der Lehrlinge müsse durch Lehrpläne ge- regelt und deren Durchführung durch Zwischenprüfungen überwacht werden. Bei ungenügender Ausbildung müssen die Lehrlinge in einem anderen Betrieb auf Kosten des bisherigen Lehrmeisters oder des Gesamtgewerbes untergebracht werden. Heimarbeitern ist die Ausbildung der Lehrlinge grundsätzlich zu verweigern.. Der Fach- und Fortbildungsschulunterricht müsse in die übliche Arbeitsdauer fallen. Die Zentralkommissionen haben auch ein einheitliches Kost- geld festzusetzen. Auch die Großindustrie müsse verpflichtet werden, Lehrstellen in ihren Betrieben einzurichten. Lehrwerkstätten seien nur im Anschluß an praktische Betriebe einzurichten. Durch Sam- mellehrwcrkstätten könne die Werkstattlehre der Kleinbetriebe er- gänzt und besonders begabten jungen Leuten Gelegenheit zur Weiterbildung geboten werden. Ferner seien geeignete Maßnahmen für Prüfung der Berufseignung, sowie für Berufsberatung getrof- fcn werden, woran sich die Lehrstellenvermittlung anzuschließen habe. Die Frage der weiblichen Lehrlinge sei durch die Zentral- kommissionen zu regeln. Ten jungen ungelernten Arbeltern sei Ge- legenheit zu fachtechnischer Ausbildung zu geben. In der Aus- spräche wurde auf die tarifliche Regelung des Lehrlingswesens hin- gewiesen und weiterhin verlangt, daß die gesetzlichen Bestimmungen über das Lehrlingswesen geändert werden durch Ausschaltung der Handwerkskammern und Innungen und Uebertragung der Lehr- lingserziehung auf die Organisation der Arbeitgeber und Arbeiter. Ueber die Beranstalwng gewerkschaftlicher ttnterrichtSkurse referierte Umbreit, daß das gewaltige Wachstum der Gewerk- schaften die Heranbildung einer breiten Mittelschicht von Getoerk- schaftSvertretern, vor allem in den Betrieben notwendig mache, die imstande sind, den großen Aufgaben der Gewerkschaften in bezug auf Wiederaufbau des Wirtschaftslebens, Arbeitsgemeinschaft, Be- triebsdemokratie und Arbeitekvertretung, sowie Vorbereitung der Sozialisierung zu genügen. Diese Kurse sollen in den Bezirken, und zwar zunächst in den Groß- und Mittelstädten über SO 000 Einwohner veranstaltet werden, Abendkurse sein und etwa vier Wochen dauern. Als Unterrichtsgegenstände sind in Aussicht zu nehmen: Tarif- und Schlichtungswesen, Arbeitervcrtrctung und gegnerische Gewerkschaften und Angestelltenverbände. Als Lehrer kommen die Gauleiter, Acbeitersekretäre und Teilnehmer früherer Unterrichtskurse in Frage. In der Aussprache wird auf die Not- wendigkeit von Kursen für Sozialisierung und öffentliche Verwal- tung hingewiesen. Die Konferenz stimmte den Vorschlägen zu und ersuchte die Generalkommission, bis zur nächsten Konferenz über die Kostenregelung Vorschläge zu machen. Das ReichswirtschaftS-Ministerium teilt der Generalkommission mit, daß für die Karten der R e i ch S a r be i t s lo se n st a t i st i k die Portokosten vom Reich gedeckt werden sollen. Mit dem Reichs- statistischen Amt soll über eine Vereinfachung dieser Statistik und über Verlängerung der Berichtstermine verhandelt werden. Die von der letzten Konserenz beschlossene Herausgabe der Ver- Handlungen über die Arbeiter-Räte als Agitationsschrift soll den Vorständen in gewünschter Zahl zur Verfügung gestellt werden, ebenso die Protokolle der Vorständekonferenzen, die während des Krieges stattgefunden haben. Eine Resolution, des. Holzarbeiierverbandes, die eine Herabsetzung der Lebensmittelpreise fordert, gibt dem Reichscrnährungsminister Schmidt Anlaß zu erklären, daß in absehbarer Zeit an eine Herabsetzung der Höchstpreise der wichtigsten Lebensmittel gar nicht zu den- k e n, sondern im Gegenteil mit weiteren Steigerungen zu rechnen sei, da die Produktionskosten gestiegen seien. Erst wenn die letzteren sinken, oder wenn ein starkes auswärtiges An- gebot von auswärtigen Lebensmitteln zu erwarten sei, könne eine Herabsetzung der Höchstpreise in Frage kommen. Die hohen Schleichhandelspteise könnten dagegen durch bessere Organisation der Lebensmittelerfassung auf dem Lande bekämpft werden.� Leider habe» die Landarbeiter- und Bauernräte dabei völlig versagt und seien zu einem großen Teil sogar Träger des Schleichhandels ge- worden. Es müsse daher der ländliche Beamtcnapparat reorgani- siert und durch städtische Arbeiterräte die Kontrolle auf dem Lande ersetzt werden. Der Minister hofft, daß wir mit den Getreidevor- räten bis zur neuen Ernte auskommen und die Brotration aufrecht- erhalten können. Schlechter sehe es mit Kartoffeln und Fleisch aus. Kartoffeln seien vom Ausland zu sehr hohen Preisen(SO M. pro Zentner) zu bekommen. Das Reich will Zuschüsse leisten, um der Gemeinde Kartoffeln zu erträglichen Preisen zur Verfügung zu stellen. Hinsichtlich der Fleischversorgung könne für die nächste Ze,t keine Sicherheit für die Lieferung der bisherigen' Rationen über- nommen werden, da rücksichtslose Eingriffe in die Viehhaltung nicht bloß den Widerspruch, sondern auch den Widerstand der Landbevöl- kerung hervorrufen würde. Die Einfuhr fremder Lebensmittel � sei ttirt möglich durch Erhöhung unserer Ausfuhr. Es sind deshalb wesentliche Ausfuhrerleichtcrungen für industrielle Er zeugnisse in Aussicht genommen. Es sind bereits namhafte Ab. schlüsse für Lebensmittel erzielt, die indes, auf SO Millionen Ver- forgungsberechtigte verteilt, recht geringe Quanten ergeben. In erster Linie sollen die Bergarbeiter und Jndustriebezirke sowie die Großstädte mit fremden Lebensmitteln versorgt werden. Bei der Einfuhr soll die Zentralisation durch stärkere Beteiligung des freien Handels ersetzt werden. In der Aussprache war Leipart der lieber- zeugung, daß der Schleichhandel wirksamer bekämpft werden könne, wenn der Käufer nicht selbst strafbar gemacht werde. Im übrigen wurde über sehr ungleiche Erfassung des Viehes und über große Kartoffelvorräte in manchen Dörfern berichtet. Der Reichsernäh- rungsminister erwiderte, daß nach der gegenwärtigen Rechtslage der Käufer nicht strafbar sei. Leider unterstützt das Publikum trotzdem die Bekämpfung noch viel zu wenig. Die Konferenz faßt das Ergebnis der Aussprache in der Entschließung zusammen, daß sie von der Regierung sofort schärfste Maßnahmen gegen Preiswucher und Schleichhandel fordert, weil diese die Ursache seien, daß die Arbeiterschaft immer höhere Lohnforde- rungen stellen müsse. » Einleitend gab L e g i e n einen Bericht über die gegenwär- tige Situation angesichts des von der Entente uns angebote- nen Friedensvertrags, der an Schwere alles übertrifft, was das deutsche Volk während des Krieges durchleben mußte. Die Ausführungen Legiens decken sich im wesentlichen mit den Leit- gedanken des Aufrufs, den wir an anderer Stelle wiedergeben. Schiedsspruch im Gcoß-Serliner öaugewerbe. Nachdem die Bauarbeiter die Annabme des Schiedsspruches, den der SchlichtunqSauZschuß Groß-Berlin im April geiällt bat, ab- gelehnt hatten, haben Arbeiter und Arbeitgeber die Vermittlung des Wohnungsverbandes Groß» Berlin angerufen. Zu diesem Zweck fand beute im SitzungSsaale des WohnungSverbandeS eine Sitzung der Verbände der Baugeschäfte und der Bauarbeiter statt, die über alle strittigen Punkte zu einer Einigung geführt bat. Danach soll der Lohn für Maurer und Zimmerer vom 17. d. M. ab auf M. 2,75 und vom 1. Juni ab auf M. 2,80 erhöht werden, für die anderen Bauarbeiter entsprechend. Wenn beide Parteien den Vergleich ge« nehmigen, so dürfte damit der Friede im Berliner Baugewerbe ge- sichert sein. Einheitsverband der Techniker. Die seit Januar d. Js. im Gang befindlichen EinigungSver- Handlungen zwischen dem Bund der technisch-industri- ellen Beamten und dem Deutschen Techniker-Ver- band haben zu einer vollen Verständigung geführt. Nach dem von den beiden Vorständen angenommenen Satzungseniwurf soll der kommende Einheitsverband alle Angestellten und Beamten beider- lei Geschlechts die technische Arbeit leisten, umfassen. Zur Ver- besserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sollen grund- sätzlich alle gewerkschaftlichen Kampfmittel einschließlich des Streiks in Anspruch genommen werden. Die innere Verfassung des Ein- heitsverbandes soll nach dem Satzungsentwurf streng demokratisch sein. Die bisherige parteipolitische Neutralität der beiden Technikerverbände soll auch im künftigen Einheitsvecband beibehalten werden. Zur endgültigen Beratung und Beschlußfassung über die Aus- lösung der bestehenden Organisationen und die Gründung des Einheitsverbandes finden in der Zeit vom 25. bis 27. Mai in den Kammersälen zu Berlin der Jndustriebeamtentag des B. t.-i B. und der Verbandstag des D. T. V. statt. Nach Abschluß der beiden Delegiertenversammlungen werden die Delegierten zu einer gemeinsamen Tagung zusammentreten, in der der Gründungsakt des Einhettsverbandes vollzogen wird. Die Einheitsgewerkschaft der deutschen Ingenieure, Architekten, Chemiker, Techniker, Gruben- beamten usw. wird mit etwa 80000 Mitgliedern ins Leben treten. Ter erste Reichstarif für Angestellte. Die Bewegung der Versicherungsangestellten zur Erlangung besserer Gehalts- und Arbeitsverhältnisse hat durch Abschluß eines Reichstarifvertrages für die Angestellten der privaten BersicherungK- Unternehmungen zwischen dem Arbeitgeberverband deutscher Ver- sicherungSunternehmungen und den kartellierten Verbänden, Ver« band der Bureanangestellten, Verband der deutschen Versichern, rgs- beamten und Zentralverband der Handlungsgehilfen ihren Ab- schluß gefunden. Der bv" den genannten Verbänden erreichte Rcichstarifvertrag übertrifft den Entwurf der Arbeitgeber in den Gehaltssätzen um rund 80 Proz. und bringt über die Regelung deS Dienstverhältnisses die sozial fortgeschrittensten Bestimmungen, die für eine Angestelltenschicht in Deutschland zurzeit Geltung haben. Die Gehaltssätze werden der ungenügenden wirtschaftlichen Lage der Versicherungsangestellten entsprechend dem Werdegang unseres Wirtschaftslebens ein Ende bereiten. Nur die Einheit der organi- sierten Versicherungsangestellten in freigcwerkschaftlicher Arbeit konnte diesen sozialen Fortschritt erreichen, der geeignet ist, für die deutsche Angestelltenbewegung bahnbrechend zu wirken. Diese Ein- best und die entwickelte gewerkschaftliche Ueberzeugung der Ver- sicherungsangestellten machten es möglich, daß Störungsvcrsuchc von feiten des gelben Gcwcrkschaftsbundes kaufmännischer Angestellten- verbände sowie des Reichsverban�es deutscher Angestellter«m den verschiedensten Orden von den Versicherungsangestellten in öffent» liche» Versammlungen abgelehnt wurden. Der Arbeitgeberverband hat in seiner Generalversammlung dem Tarif zugestimmt. Die Grotz-Berlincr Angestellten haben, trotzdem sie nicht voll befriedigt sind, mit großer Mehrheit den Tarif angenommen._ Streik der Elektron« onteure in Stettin. Stettin, den 16. Mai.(Privattelegramm des„Vorwärts�. Hier streiken die Elektomontrure. Es wird versucht, Berliner Monteure nach hier zu bringen. Wir bitten daher, Zuzug nach Stettin streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Verwaltungsstelle Stettin. Offener Brief eines Portiers an die Haus- und Geschäftshausbesitzer. Daß auch den Portiers der Geduldsfaden zu reißen beginnt» entnehnun wir einem offenen Brief eines Portiers an die Haus« und Geschästsbesitzer. Es heißt in demselben: Wie Sie, meine Herren Hauspaschas, fett langem fest organi- siert sind, so sind es nunmehr auch Ihre Portiers, Fahrstuhlführer und Wächter. Nach Aufstellung unserer Forderungen hätte man nun annehmen sollen, daß Sie Ihren Portiers ein Entgegenkommen zeigen würden; es scheint indessen, als ob Sie ganz den konserva- tiden Herrenstandnpunkt beibehalten wollen, zu Ihrem doppelt und dreifachen Schaden. Ihre Portiers, die in den Jahren schwerer Kriegszeit nicht verzagten, sondern in ihrer Arbeit Stand hielten und bewundernswert jede Hungerkur geduldig ertrugen, sind jetzt am Ende und ihrem wirtschaftlichen Untergange nabe. Sie können sich nicht durch Mietserhöhung schadlos halten. Unsere mäßige Lohnforderung aber wollen Sie nicht verstehen, trotzdem die Portiers es Ihnen hundertfach einbringen. Denken Sie, wie oft haben Sie den Herrenstandpunkt verlassen und ganz freundschaftlich den Portier gebeten:„Ach Müllerchen, sparen Sie doch nur mit der Feuerung an Koks, es kostet ja alles so viel." Einsichtsvoll bat Portier Müller oder Schulze Ihr Interesse gewahrt und den Prügelknaben gespielt gegenüber den Mietern.... In hundert anderen Fällen brauchen Sie den Portier. Ueber die ach so ge- ringen Forderungenn der Portiers sollten Sie in Anbetracht der gewaltigen Teuerung überhaupt nicht diskutieren, sondern mn- sichtsvoll bewilligen. Dann ernten Sie bei gütiger Auseinander- setzung die größten Vorteile. Wie können Sie überbaupt erwarten, daß ein bettelmäßig entlohnter Arbeiter Ihr Interesse wahrnehmen and vertreten soll. Sorgen Sie für anständige Wohnung und Eni- lohnung des Portiers, dann wird derselbe auch fernerhin mit Lust und Liebe leine ganze Kraft in Jbren Dienst stellen. Den Ver- Walter können Sie missen, aber den Portier nicht. Der Wurm, der getreten wird, krümmt sich, und versuchen Sie nicht unnütz, den Portier zu treten, denn die Schuld rächt sich manchmal bitier. Lassen Sie es sich gesagt sein: wir stehen auf dem Standpunkt der Einigung und Aussprache, aber«vollen Sie uns den Krieg er- klären, von dem wir alle genug haben, nun, dann wird es kommen» wie es kommen muß. Sie finden den Portier nicht schütz- und trutzloS, sondern gestärkt durch sein« Organffation. Kollektivvertrag in der Teigwarenindustrie. Am 7. Mai wurde nach langen. Unterhandlungen ein allge» meiner Tarif vereinbart, der sich auf die gesamte Teig- Warenindustrie einschließlich der Teigwarenabteilungen in den gemischten Betrieben erstreckt. Die Entlohnung ist nach Grund- löhnen zuzüglich von Ortszuschlägen, die von dem Bezirks- bzw. dem Zentralausschuß festgesetzt lverden, geregelt. Die Löhne be- tragen pro Stunde für Facharbeiter 1,45 Ml, für Hilfsarbeiter 1,27 Mk. und für Arbeiterinnen OLI Ml und sind wiederum nach Altersklassen abgestuft bis zu 1,18 Mk., 0,63 Ml bzw. 0,53 Mk. Vorarbeiter und Vorarbeiterinnen erhalten wöchentlich 5 Mk. mehr als die Facharbeiter bzw. die ältesten Arbeiterinnen. Die Mindest- zulagon betragen pro Woche für die Facharbeiter 10 Mk., für die Hilfsarbeiter 7,50 Ml und für die Arbeiterinnen 5 Mk. Ueber- stunden wevden mit einem Auffchlag von 25 Proz. und die Sonn- tagsacbeit mit 50 Proz. bezahlt. Bei Akkordarbeit erfolgt auf die Grundlohns einschließlich der Ortszuschläge ein Aufschlag von 10 Prozent. Die Ferien betragen je nach der BsschäftigungSdauer 3 bis 12 Tage; für diese Zeit wird der Lohn tveiterbezahlt. Den Vertrauensleuten der vertragschließenden Arbeiterorganisation steht das Rcht zu, im Betriebe ihre Verbandstätigkeit zu vollziehen. In Frage kommen 418 Betriebe mit ungefähr 6000 beschäftigten Per- sonen. In normalen Zeiten bei genügenden Rohprodukten er- höhen sich diese Zahlen ganz bedeutend. Berband der Bureauangestellten Deutschlands(vrtsgrupv- Graft-Berlin), Sektion Industriearbeiter. Heute, Freitag, abends 7 Uhr im großen saal der Bötzow-Brauerei am Prenzlauer Tor Versamm- lung der im Verbände der Bureauangcstelltcn organilierten Industrie- angestellten. Tagesordnung: 1. Ziäteiystcm und Gewerkschaften. Referent Herr A u s b ä u s e r. 2. NeuwabI der Branchenleitung. 3. Verbands- angelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. t Die Branchenleftung. I. A.: R a d e r. Spaiidauer Heereswe rkstätten. Heute nachmittag 4 Uhr findet im Sportpalast, Potsdamer Str. 72», eine Vollverlammlung sämtlicher Arbeiter und Angestellten der Staatsbetriebe statt. Bericht der Dreier-Kommisfion. Eichler. Metier. Doms. Gruppe 13. Sämtlich- Obleute der Angestclltenauslchüsse im Werk- zeugbau, Maschinenbau und Schausenstcrarchitcktur Versammlung am 2l. Mat abends ö Uhr Havcrlands Festsäle, Neue Friedrichstr. 35. Wichtige Besprechung. „.Berbaud der Sattler»»d P ortefeuiller. Vortescuilles- und Reiscartjtelbranche. Heute, Freitag, abends 7 Uhr, bei Graumann, Naunynstr. 27. Branchenveriammlung. Tagesordnung: Bericht von den Verhandlungen mit den Fabrikanten Ritflet,«harlottenbur«. für den Übrigen Teil de» ? S®»'!, Neukölln: jür Anzeigen' Theodor Glocke, Berlin. Verlag: LorwartS-Verlag®. m. b. H., Berlin. Druck. VorwärlS-Buckdruckerei und Verlags anftall Paul Singer u. Co. In Berlin. Lindcnstrabe 3. Hierzu 1 Beilage. Aergern Sie sich nicht über Jbr Augenglas, es lohnt sich nicht. Sicher ist es manchmal zum Rasendwerden, wenn ein Kneifer alle Augenblicke rutscht oder abiällt oder wenn er schief fitzt, noch mehr aber, wenn Sie trotz Anstrengungen nicht deutlich sehen können, und dies letzlere ist sogar schädlich. eS macht Sie nervös. Aber ärgern Sie sich nicht! Kommen Sie vertrauensvoll zu uns, wir werden Sie zuftiedenstellen, ja. wir müssen Sie sogar zufriedenstellen, denn wir garantieren Ihnen ausdrücklich Zu- sriedenbeit. und wenn wir Ihnen Gläser und Fassung noch so oft umtauschen müßten, wir halten Wort, also überlassen Sie den Lerger mit Augengläsern ganz und gar uns. Wir sind darauf ein« gerichtet, Ihnen zu helfen I Kostenlos prüfen wir Augen und Sehkraft mit Sorg- fall und garantieren für passende Gläser sowie für Haltbarkeit aller Fassungen von 8.50 M. an. 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