Ur?6.Ialfrg. Se,uqSvretSi Äerteljährl TJSO-fL inonatl.2 50 MI. ?relln§ Haus ooiauszahlbai.ElNjtln» �tummern 10 tiieimig. i!oilbe,ug: Monalll« Ml. e,a. ZuilellungS» zebühr. Uruei>>reu,baiU>>ür Deutsch- and u. Cciierreich-Unqair.75 MI. ■Qt das übrige Stuslani H75 ML. bti täglich emmaliaet'.uueOunq 7 75 ML l'oftbeücüungen nebmen in Däne- muri. Holland Uuiemouta. Schweden und die Schweiz �eingetragen m die Lau. eliunaS-L-reislisle. Der.Lorwans' encheint wochentügllch zweimal, rol.niag. euunal. leleqramni-Ldrctle: .Sozialdemokrat Uerltn�. Morgen-Ausgabe. 4 berliner Oollisbleltt. (l0p»«nnis) AttzeiqcnprelSi Die achiqelvaltcne»lonvarelllezeil« to'iel 1.20 MI.»Kletn« Anzeigen», das ietiaooiullle Äori 50 PIg. iznlässig 2 ietlaeoruitle Wortes ledec weitere Sor> 25 l'tg. Stelle ngemch« und Schlafttellenanzeigen das er>>e Wort <0 Liz.. ledeS weitere Wort 20 big. Karte über 15 Luchilaben zählen für zwei Äorlr. Icuerungszulchlag 50«/» i�amlllen-Anzeigen,»olitilche und gewerkichattllche Serems- tluzelgen 1,20 MI. die Zeile. Anzeigen für die nochite Summer müssen bis 5 Uhr nachniillag« im HauvtgeichäfL Berlin SK.6S. llindeniirage a. adacgeben »erden. Aeölwei- on S Uhr srüh bis 5 Uhr abend».. �entralorgan der foztaldcmokrati feben Partei Deutschlands. Neöaktion und Expedition: EW. b8» Lindenstr. Z. aernivrecher! Am, Morinplay. Nr. l.'»l»0— 151»7. Freitag, den Ä3 Mai 1V19. vorwärts-verlag G.m.b. H., SW. b8, Kindenstr.?. Fernsprecher: Amt MoriNplati, Nr. 117 53—51. Mündliche Verhandlungen? Rotterdam, 22. Mai. Dem Nieuwe Rotterdam- scheu Courant zufolge meldet der Daily Expresi aus Paris, Brockdorff werde einen letzten Appell an die Alliierten richten, worin er mündliche Beratungen zwischen den Deutschen und den Alliierten vorschlagen werde. Es kann sein, das? Wilson darauf eingehen wird. Ter Präsident tritt für einen mündlichen Gedanken- austausch ein und werde in diesem Vorhaben von einem ein- flusircichcn Staatsmann aus. den Dominions unterstützt. In gut eingeweihten Kreisen der �riedenskonfe- renz rechnet man ernstlich mit der Möglichkeit, das;, bevor der Friedensvertrag unterzeichnet werden wird, radikale Veränderungen an verschiedenen wichtigen Bestimmun- gen vorgenommen werden. C l e m e n c e a u ist der einzige, der an dem Buchstaben des jetzigen Vertrages festhält. Man vcrinutct, das, der eigentliche Grund, weshalb der Wortlaut des Vertrages nicht in Frankreich und England veröffentlicht worden ist, der ist, daß man solche Veränderungen am Ver- trage vorgesehen hatte._ Verhandlungen in Spa. Schlufxredaktiou der deutschen Gegenvorschläge. Berlin, 22. Mai. Der Ministerpräsident Scheidemann hat sich heute, begleitet von den Reichsministern Dernburg und Erzb erger und dem Vorsitzenden der Geschäftsstelle für die Friedensverhandlungen, dem. Grafen Bernstorf f, nach Spa be- g:ben. Die deutsche Delegation wird von Versailles gleichfalls nach Spa rcisen. Dort wird am Freitag die endgültige Redaktion der deutschen Gegenvorschläge stattfinden. Diese Zusammenkunft in Spa ist notwendig geworden, weil der Berkehr zwischen Berlin und Versailles technisch außerordentlich erschwert war, andererseits ctier die Reichsregierung fest entschlos- sen ist. dem deutschen Volke so schnell wie irgend möglich Klarheit über die deutschen Gegenvorschläge und damit zugleich über die Friedensaussichten zu geben. Der Reichskolonialminister Bell nimmt an der Reise nach Spa gleichfalls teil Versailles, 22. Mai. Die deutschen Friedcnsdelegierten Reichsminister des Auswärtigen Graf Brock dors-Rantzan, Reichsjustizminister Dr. Landsberg, Reichspostminister Gies- b e r t s, Präsident Oberbürgermeister L e i n e r t, Professor Dr. Schücking und Dr. Melchior begeben sich heute abend nach Spa, um dort selbst mit Mitgliedern der Reichsvegierung die dem- nächst in der Fri-'denssrage abzugebende Erklärung zu besprechen und deren endgültige Fassung zu beschließen. Tic Internationale wird nicht empfangen. Bersaitlech 22. Mai.(Eigener Drahlberichi de».Vorwärts'.) Ter.Popnlaire' melret in seiner heutigen Abendausgabe, daß Henderion als Vertreter des FriedenSkomilees der sozialistische» Internationale ein Schreiben vom Sekretariat der britischen FriedenSdelegalion erhallen habe, in dem ihm mitgeteilt wird, daß der ober sie Rat der Alliierten e« ablchut, eine Teputatio» der sozialistischen Internationale zu empfange», um mit ihr den FrikdeiiSverirag zu bechrcchen. Der.Populaire' bemerkt dazu, nckil die kapiialistiichen Regierungen, sondern die Völker seien die Adresse, an die sich die Jniernationale we» den müsse. Die.Daily NewS' ichreiben beute srüh, w">,n die Friedenskonkelenz unverändert an den gegenwäriiaen Bedingungen festhält, ist der Sturz der deutschen Regierung gewiß und die Lag« in Deutschland wird sich rapid verschlechtern. Wenn aber die Konferenz die Gefahren bedenkt, die kommen, wenn Deutschland in den Abgrund stürzt, dann wird sie diese Bedingun- gen vollkommen abändern. Die Friedensbcdingungen für Oesterreich werden voraussichilicki in der kommenden Woche überreicht. H ute abend reift die deutsche FriedenSdelegation nach Spa, nm mit einem Teil des Kabinetts unter der Führung Schcidemanns zusammen zuircaea. Zum eriienmal seil lvI3 demonstrieren am kommenden Sonn- taa die Proleiarier von Pari» an der Mauer de» Föderierten auf dcm Friedbose F�-ro Lachaise zu Ehren der im Jahre 1871 ge« fallenen Kommunekämpfer._ Die Dualahäuptlmge wollen nicht französisch werden. Berlin, 22. Mai. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren. tr- llen die Dualahäuptlrnge nicht französisch werden. Die Franzoien die von Kamerun bekanntlich den Löwenanteil für sich beanspruchen, hoben von den Tualahäuptlingen eine schriftliche Erklärung verlangt, daß sie französisch werden wollen. Die Häupt- linge haben di.'seS einstimmig abgelehnt. die Krise in der amerikanischen Delegation. Auch Wilson miftgeftimmt. Rotterdam, 22. Mai. Dem„Nieuwe Rotterdamschen Eou- rant" zufolge meldet der„Daily Herald" aus Paris, daß so gut wie alle Mitglieder der amerikanischen Delegation in Paris über den Friedensvertrag entrüstet und enttäuscht sind.„Daily Herald" meldet weiter: Der Vorsitzende deS amerikanischen Auskunstsdienstes hat sein Rücktritt Sgesuch ein- gereicht. Auch N o u n g, der Hauptsachverständige in wirtschaftlichen Angelegenheiten der amerikanischen Kommission ist zurückgetreten, ebenso Bowman, der Hauptsachverständige auf dem Gebiet der territorialen Fragen. Noch fechö andere chochgrstellte Mitglieder der amerikanischen Delegation haben ihre Entlassung eingereicht. Sie fühlen— und das ist auch die all- gemeine Auffassung der Delegation—, daß sie irregeführt worden sind, und sie nehmen dem Rat der Bier seine geheime und autokratische Methode, seine Weigerung, auf Kritik zu hören und die geringschätzige Weise, mit der er die Wünsche der betroffenen Völker mißachtet, übel. Auch bei noch hLhergestclltcn amerikanischen Ver- tretern, ja sogar bei dem„Haupt der Delegation" herrscht dieselbe tiefgehende Mißstimmung. Die Pariser Ausgabe des„Newyork Herald" dementiert die Meldung, nach der neun Mitglieder amerikanischer Ausschüsse infolge Verstimmung über den Friedensvertrag ihr Amt nicdcrge- legt hätten. Nur ein Mitglied des Ausschusses für russische Ange- legcnhcitcn, Bullitt, habe demissioniert, da er die Anerkennung der Sowjctregicrung für notwendig'halte und dir Entcntepolitik gegen- über Rußland nicht billige. Noch keine Regelung der ßiume-Jrage. Paris, 22. Mai. Im diplomatischen Lagebericht heißt es: Entgegen anders lautenden Meldungen ist eine Lösung be- treffend D a l m a t i e n nnd F i u m e noch nicht erzielt. Auch das Schicksal der Türkei ist noch nicht endgültig geregelt. polnische Schwierigkeiten. Schwere Sorten in Paris. A m st e r d a m, 22. Mai. Wir„Daily Herald" ans Paris meldet, ist die Ankündigung vom Rücktritt Padercws- > kis auf der Friedenskonferenz wie eine Bombe eingeschlagen: sie bedeutet, daß die polnischen Imperialisten, die von der Entente ermutigt werden, nicht die geringste Neigung haben, ihren Schutzherrcn zu gehorchen. Man fragt sich, was der Rat der Vier tun wird, wenn sich die polnischen Im- p e r i a li st�e n feinest Anordnungen nicht fügen und die An- griffe gegen die Ukraine sortsührcn. Der Rat der Vier be- findet sich in einem Dilemma, denn wenn er den Polen nach. gibt, treibt er die Ukraine den Bolschcwisten in die Arme. Wenn er sich dagegen Polen gegenüber unnachgiebig zeigt, macht er sich die Polen zum Feind und damit sein„Boll- werk" wirkungslos._ Deutsches und polnisches aus Posen. Vorfälle aus letzter Zeit lassen erkennen, daß die Mißstimmung in Posen gegen die Polen in stän- digem Wachsen ist und daß es weite Bevölkerungskreise, und zwar auch solche polnischer Zunge, gibt, die sich nach der deutschen Herrschaft zurücksehnen. Im Schulwesen beispielsweise herrscht infolge der brutalen Entlassung beut- scher Lehrer großer Mangel an Lehrkräften. Die polnische Schul- Verwaltung hat daher polnische Postschaffner, Hand- lungsgehilfen und solche junge Mädchen, die eine Mittel- schule oder ein Lyzeum besucht haben, zur unterrichtlichen Der- sorgung herangczosen! An einer Schule mit 2ö Klassen sind nur lg Lehrkräfte vorhanden; davon sind nur 8 ordungnsmäßig vor- gebildet. Daß unter solchen Verhältnissen die polnische Voltsbil- dnng zurückgehen muß. liegt klar auf der Hand, und der Zeitpunkt dürste nicht fern sein, wo m der unter der preußische» Regierung so sorgsam geförderien Provinz Posen gali zische Kultur- zustände platzgegriffcn haben. Am meisten zu leiden hat natur- gemäß unter.polnischer Herrschaft die Arbeiterschaft, und so kann man in Posen und Kongrcßpolcn wachsende Deutsch- freundlichkeit unter der Arbeiterschaft bemerken. So fand vor kurzem in Posen ein Umzug von 35 008 Soldaten statt, die laut zum Ausdruck brachten, daß es ihnen unter den Deutschen gut gegangen sei, daß die polnische Mißwirtschaft jedoch bald alles zugrunde richten wird. Auch in der Zivilbevölkerung hört man vielfach Aeußerungen, daß«s unter der deutschen Regierung besser gewesen ist. Keine wirtschaftliche Zremd- Herrschast! Von Arthur SaternuS. Mit der Fristverlängerung für die Ueberreichung der deutschen Antwort hat der Vielverband uns ein gewisses Maß von Verhandlungsrecht zugesichert. Leider ist der In- halt der Gegenvorschläge, die die Regierung in Versailles zu machen gedenkt, bisher nicht bekannt. Schon jetzt dürfte es aber außer Zweifel stehen, daß das Schwergewicht der deutschen Forderungen auf dem Punkte liegen muß, den auch die Entente in ihrem Entwurf in den Vordergrund gestellt hat. Das ist die Frage, wie Deutschland feiner Pflicht der Wiedergutmachung der im Feindes- land angerichteten' Schäden nachkommen soll. In den Erörterungen des Friedensvertrages hat der Grundcharakter der wirtschaftlichen Forderungen längst nicht die Würdigung erfahren, die er verdient. Man spricht so viel von einer Versklavung Deutschlands und in einem Atem von den Gebietsabtretungen, von Naturallieferungen, von Milliardenzahlungen, die uns, auch wenn wir eine Volksab- stimmung erwirken und das Maß der von uns zu zahlenden Summen zurückschrauben, doch nicht ganz erspart bleiben können. Wir werden uns jedoch in jedem Falle darauf gefaßt machen müssen, erhebliche Beträge in barem Gelde oder in Naturalien dem Feinde zu zahlen. Haben wir doch gemäß den 14 Punkten Wilsons unsere Pflicht, diejenigen Schäden, die durch unser Verschulden entstanden sind, wieder gutzu- machen, vorbehaltlos anerkannt. Ohne Frage gehen die Forderungen der Entente ja auch in diesem Punkte weit über alles Ziel hinaus. Heute, wo die Pariser Presse mit unverhüllter Spannung daran her- umdeutelt, ob wir wohl annehmen oder ablehnen werden, kann man getrost die Vermutung aussprechen, daß die Friedensbedingungcn in dieser Hinsicht schon darauf zu- geschnitten waren, um über sie feilschen zu können. Umso mehr müssen wir uns hüten, diejenigen Momente zu ver- kennen, welche für Deutschland die Grundfragen seiner Existenz bedeuten. Da ist zunächst zu fordern, daß uns die Entente von vornherein genau dieHLhedcrvon unszuzahlen- den Beträge angibt. Gänzlich unhaltbar ist es, daß man uns erst KX) Milliarden auferlegt und die Festsetzung der übrigen Anspriiclze bis zum Mai 1921 aufschiebt. Das be- ! deutete nichts anderes, als eine Strafe auf die Erhöhung ! unserer Leistungsfähigkeit in den nächsten zwei Jahren : setzen. Denn wozu hebt inan sich sonst die Festsetzung der Entscklädigungssnmme für später auf, wenn man nicht hofft, � daß eine aufstrebende deutsche Wirtschaft dem ausländischen Kapitalismus eine erhöhte Möglichkeit der Ausbeutung geben ! wird? In der Frage der Kohlenlieferungen an Frankreich hat man den richtigen Weg beschritten, von vornherein Höchstmengen der Lieferungen festzusetzen. Warum sollte das für die Kriegsentschädigungssumme nicht möglich sein? Es ist bezeichnend, daß man die Verhandlungen der Wiedergutmachungskommission in dem Ententevorschlag grundsätzlich als geheim behandeln will. Gerechtfertigte An- spräche brauchen nicht hinter verschlossenen Türen ausgeheckt zu werden! Man ersieht daraus aber, wie sehr der Entente daran liegt, die Knebel, die sie uns in den vorliegenden Be- dingnngen zugedacht hat, auch in Zukunft voll ausnützen zu können. Ueberhaupt muß uns der Vielverband das Recht znge- stehen, für die Durchführung der Bestimmungen selbst zu sorgen. Der Artikel 241, der uns die Pflicht auserlegt, unsere gesamte Gesetzgebung auf den Willen des feindlichen Kapita- lismus einzustellen, ist ein Unding. Wohl werden wir der Wiederg ntmach» ngskommission weitgehende Kontrollrechte einräumen müssen. Daß wir aber unsere Zu- stimmung zu einer ententistiscken Wirtschafts- d i k t a t u r geben, kann kein Mensch von uns verlangen. Man nenne uns Bedingungen, die wir erfüllen können, dann werden wir keine Minute lang zögern, auch schwere Verpflich- tungen auf uns zu nehmen und sie voll und ganz zu erfüllen, soweit es nur in unseren Kräten steht. Geben wir uns keinen Täuschungen darüber hin, daß etwa die Verpflichtun- gen gering ie'n werden. Aber wir selbst haben das größte Interesse daran, uns ihrer so rasch als nur möglich zu ent- ledigen, wollen wir an unseren eigenen Aufbau denken. Absichtlich habe ich es bisher vermieden, auf die Materiallieferungen einzugehen. Wer den Aufstieg der deutschen Volkswirtschaft in den letzten drei Jahrzehnten verfolgt, findet, daß z. B. unsere Kohlenförderung sich in der Zeit stwv vervrerfaTt hat. Es wohnt auch noN 8er Fn- dustrie, die uns nach den Gebietsabtretungen verbleibt, ge- nug Auftriebskraft inne, um ihre Leistungen erheblich zu steigern. Wenn nun ein großer Teil der Industrie Austräge :m Werte von Milliarden erbält, deren Lieferung von der Entente kontrolliert wird, so kann das ein bedeutender An- ivorn für die Unternehmungslust werden, die wieder eine Erhöhung unserer Produktion herbeiführen muß. Natür- lich dürfen die uns auferlegten Materiallieferungen auch nicht die Grenze des Möglichen übersteigen. Bestimmtes läßt sich jedoch darüber erst sagen, wenn über die Frage der Abtretung Oberschlesiens und des Saarrcviers endgültig entschieden ist. Ueberhaupt kommt es darauf in allererster Linie an, das fein ausgeklügelte System der wirtschastlichcn Erdrosse- lung Deutschlands von Grund auf auszuschalten. Soviel Recht über die Festsetzung der Zölle muß uns wenigstens bleiben, um verhindern zu können, daß unnötige Produkte des Auslandes zu uns hereinkommen und mit ihren niedrigeren �Preisen unsere eigene Halbzeug- und Fertig- industrie ruinieren. Um zusammenzufasien: In dem Friedensvertragsentwurf der Entente fordert man von uns, das Recht unsererwirtschaftlichen Selbstbestimmung im eigenen Lande aufzubeben. Das wäre, wie man an der Seine sehr Wohl weiß, der Tod des deutschen Sozialismus. Demgegenüber haben wir zu be- tonen, daß wir bei aller Bereitwilligkeit, die Schäden wieder gut zu machen, darauf bestehen müssen, Herr unseres Hauses zu sein. Andernfalls bleibt uns nur die Möglichkeit a b z u I e h- n e n— oder aber einen Frieden zu unterzeichnen, den wir im Geiste und mit der Tat sabotieren müssen, einen Frieden der.Heuchelei, der bewußten Unehrlichkeit. passive Resistenz öer Sergarbdter im mitteiöeutschen Kohlenrevier. Halle o. S., 22. Mai. lEig. Drahtbericht deS»Vorwärts�.) Der Bezirksarbeiterrat beim Obervergamt Halle, der vom Ober- bcrgamt wegen seiner politischen Tätigkeit gegen die Regierung auf die Straße gesetzt wurde, hatte für Mittwoch eine Betriesräte-Kon- serenz des mitteldeutschen Bergbaureviers nach Halle einberufen, zu der etwa t20 Gruben ihre Vertrauensleute gesandt hatten. Auf der Tagung ging es ziemlich lebhaft zn. An das Referat deS unabhängigen Abgeordneten K o e n e n schloß sich eine lebhafte Aussprache, in der gegen die Beseitigung des Bezirksbergarbeiter- ratS protestiert und sofortige Wiedereuifetzuiig gefordert wurde. Schließlich wurde eine Entschließung angenommen, in der die Beseitigung des BezirksbergardeiterratS als politische Maßregelung hingestellt wird,'deren Aufhebung man verlange. Dann heißt es in der Entschließung weiter: .Die Bergarbeiter sind enlichlo'ssen, für diese Forderung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln einzutreten, um ihre auf revolutionärem Grunde entstandene Vertretung sicherzustellen. Wenn heute noch von einem Streilbeschluß abgesehen' wird, so geschieht dies nur aus t a k t i s ch e n R ü rk s i ch t e n, aber die Vergeltung kommt. Aufgeschoben ist nicht aufgeboben. Die Zlonferen, erwamt von der Regierung, daß sie dieser tiefgebenden Erregung Rechnung trägt und das Kontrollrechl der Arveiterräle auf dem Oberbergamt ficheritelll. Inzwischen werden die Konseren, teiluehmer die Bergarbeiter in Versammlungen zu der reaktionären Maßregelung Stellung nehmen lasten, um die notwendigsten Aktionen einzuliiten". Mit allen gegen eine Stimme wurde noch folgender Zusatz angenommen:„Da uns die angenommene Reso ution noch nicht weit genug geht, beantragen wir ,u beschließen: Dir Bergarbeiter Mitteldeutschland« treten bis zur Wiedereinsetzung des Bezirks- bergarbeiterrat« sofort in die passive Resistenz." was sie nicht berichten. Aus de»» Rede» der Unabhängigen im Lnstgarten. Die.Freiheit" ist sehr erzürnt, daß die Demonstration der Un- abhängigen im Lustgarten in der Prrsie nicht die gebührende Wür- digung gefunden habe. Vergeblich aber haben wir in den beiden Ausgaben der.Freiheit" vom 22. d. Mts. auch nur ein Wort über SaS gesucht, was die unabhängigen Redner auf hem Schloßplatz eigentlich gesagt haben. Wir gestehen zu, daß die.Freiheit" allen Grund zum Schweigen hat. ES wird ihr sicherlich un- angenehm sein, zu berichten, daß ein Redner unter anderem sagte: Wenn dieser Friede Wirklichkeit wird, dann befinden wir uns als Arbeiter in derselben Lage, in der sich ein Strafgefangener befindet, der für seinen Lebensunterhalt arbeiten muß. Die deutschen Arbeiter werden dann auch nicht mehr arbeiten, als unbedingt zur Erhaltung ihres Lebens notwendig ist.(Stürmischer Beifall.) Man erkennt also an, daß der Friedensvertrag uns die Rolle eines Strafgefangenen zuweist, will ihn aber unterschreiben. Dann soll der deutsche Arbeiter nur soviel arbeiten als notwendig ist. In die Praxis umgesetzt heißt das, daß die deutsche Arbeiterschaft dauernd aus eigenenr Antrieb aus der niedrigsten Stufe der Lebenshaltung bleiben soll: Die Entente bekommt wohl nichls, aber auch der deutsche Arbeiter muß sich damit begnügen, in äußerster Dürftigkeit zu vegetieren, denn was er darüber erarbeitet, wird ihm weg- genommen. Jetzt begreift man allerdings den Stoßseufzer der .Freiheil", die am Donnerstag mitten in Triumphgesängen über den schönen Verlauf der Demonstration schreibt:»Für einen schlechten Frieden haben wir heute demonstrieren müssen." Eine schöne Demonstration für einen schlechten Frieden. Auch ein Trost I Noch dem»B. T." hat Haas« folgendes erklärt: »Wir haben zunächst die Pflicht, durch Verhandlungen alles herauszuholen, was irgend herausgeholt werden kann Erst wenn wir alles aufgeboten haben, um den Verlrag zu verändern, dann bleibt nicht anderes übrig, als zu unter- zeichnen." Aber wie gedenkt Haase durch Verhandlungen etwa« heraus- zuholen, wenn er im voraus erklärt, daß er auch dann unter- schreiben werde, wenn nichts herausgeholt wird?! Das ist doch geradezu eine Aufforderung an die Gegner, keine Kon- zessionen zu machen. Man denke sich den Gewerkschaftsführer, .der mit den Arbeitgebern über die Verbesserung eines Tarifver- träges verhandeln soll und zu Beginn der Verhandlung erklärt: .Uebrigens werden wir Arbeiler den Tarifvertrag auch annehmen, wenn nicht« darin Verbeffert wird."— Ein solcher Mann würde von den Unternehmern einfach ausgelacht merden— und mit Recht I Sollen stich die deutschen Unterhändler ebenso auslache» lassen? » Zu unserem-Bericht über die Mißhandlung eines Soldaten schreibt die.Freiheit", die Arbeiter, die gestern im Lustgarten ver- sammelt waren, hätte» etwas beffcreS zu tun gehabt, als einen NoSkegardisten zu verprügeln. In der Tat, da« hatten sie! Es mußte auch noch auf der Mitte des Schloßplatzes ein Haufen Flug- blätler verbrannt werden, d:e über den Inhalt des FriedenSent- wurfs aufklärten. Tie Unabhängigen verlangen von ihren An- hängern etwa dasselbe wie Clemenceau von seinen Deputierten: Sie sollen den Vertrag annehmen, möglichst ohne seinen Inhalt zu kennen. Ein frecher Raubzug. Ausplünderung der Kriegsbeschädigten durch die Kriegsgewinner. Man schreibt un§: Im Lause des vorigen Jahres ist zugunsten der Kriegsbeschädigten unter dem Namen„Ludendorff- Spende" eine große Sammlung in ganz Teutschland veranstaltet worden, die ein Gesamtergebnis von 150— 160 Millionen Mark ge- Ossener Snef an ösn Dichter pau! Zürich. Mitte Mai 1919. Lieber Freund! Sie erleben mit uns allen in diesen Tagen einen letzten, schreck- lichen Akt in der Menschheitstragödie dieser fünf KrieMahre: nach dem Ueberfall Belgiens, der Hungerblockade, dem Unterseebootkrieg. der unaussprechlichen Verzweiflung der Konzentrationslager usw. kommt nun der alle diese vorangegangenen Ungeheuerlichkerten würdig abschließende Endeffekt des in sein Gegenteil verzerrten VölkerfricdcnS. Sie, mein Freund, sind und waren Optimist, haben in schöner Eintracht mit allen anständigen Leuten neutraler Observanz die Schuld an diesem Kriege ausschließlich auf das Konto alldeutscher und militaristischer Machtgelüst? gesetzt und sich voller Zuversicht an die Überwindung dieser temporären Orgien der Un- gerechtigkeit und Brutalitäten durch einen ewigen Frieden der Gerechtigkeit und der Versöhnlichkeit geglaubt. Obwohl und weil Sie Dichter deutscher Zunge sind, mit dem Anspruch, allzeit Mehrcr deutschen Kulturreichs zu sein, haben Sie in den verflossenen Kriegsjahren nie aufgehört, in edelster Menschlichkeit die Fehler und Unzulänglichkeiten deS deutschen Charakters aufzuzeigen, die dcut- schon Sünden gegen den heiligen Geist einer Völkerverbrüderung festzustellen-, dabei Ihren unbedingten Glauben an die den West- lichen Demokratien reservieten Ideale der Freiheit usw. zu be- tonen und schließlich Ihre unerschütterliche Zuversicht auszusprechen, daß eS nur der Beseitigung der einsichtslosen und bru- mlen Machthaber eines mißleiteten, großen Volkes bedürfe, um diesen ewigen Ideen der Menschheit allerseits, auch zugunsten der im Schatten finsterer Autokratien lebenden Völker zum Durch- bruch zu verhelfen.—. � n- Sie haben zur literarischen Propaganda Ihrer Auffassung an- gemessen beigetragen.— Sic haben die verflossenen Kämpfe im Sinne der Niederringuag reaktionärer Machtfaktoren, speziell des Militarismus deutscher Prägung als für Deutschland und dre Menschheit nutzbringend gewürdigt, und Sie haben auch von Fall zu Fall laut und öffentlich mitprotestiert, wo eS galt, die Leistungen eines überlebten Systems zu verdammen und sich zu den Ver- heißungen deS besseren und erleuchteteren Teils der Völkerfamilie zu bekennen. So habe ich neben den Stimmen vieler � anderer auter Leute deutscher und fremder Zungen auch Ihre Stimme in Sachen Reims. Löwen, Brest-Litowsk usw. vernommen. Obwohl mit Ihnen in der Einschätzung der Fakten und in der Verteilung vm Licht und Schatten auf die streikenden Parteien nicht immer einig, habe icb doch stets Ihren schönen Glauben an die hohen Ziele der kämpfenden Demokratien und Ihren tiefen Abscheu vor Ge- Walt und Unrecht, die Sie auf der Ssite des undemokratlschen Teutschlands erblickten, von ganzem Herzen, in Verleugnung«ige- ner nationaler Vorurteile, bewundert.— Und nun ist am 7. Mai der bestürzten Mitwelt das unmittel- barste Zeugnis gegnerischer Recht?- und GerechtigkeitSauffassung bekannt geworden— der Er'olg hat— endlich!— die letzten Masken fallen und die wirklichen Ziele demokratucher Weltbe- glückung und Völkerbesreiung enthüllen lassen. Der FriedenSver- irag als historischstes Dokument jener Kviegspartei, die auch nach Ihrer Ueberzeugung den Kampf allein für Freiheit und Gerechtig. keit zu führen unternahm, läßt auch nicht mehr den geringsten Zweifel offen, daß diese? Kampfes wirkliches Ziel himmelweit ver- schieden war von dem, einer willigen Welt und gutgläubigen Leuten vorgetäuschten: an dem Inhalt dieses Vertrages gemessen, steht nun- mehr dieses wirkliche Ziel fest als unbeugsamster Wille,«ins immerhin dem europäischen Kulturkreis auf Grund gewisser Meriten (vielleicht unverdienter?) angchörigeS große? Volk dauernd seines Lichtes und seines Lebens zu berauben, ihm lebenSlänglicb das Sigma deS Parias aufzudrücken. Hat nun noch ein denkender Mensch daS Recht, den Verfassern und Bürgen dieses ErwürgungS-Doku- mentes den guten Glcmbcn, für Ideale gekämpft zu haben, zuzu. billigen, den hinter den Verfassern stehenden Volksgenossen den Bor- zug" demokratischen BrudersinneS zuzusprechen? Und wenn e§ Ihnen und den andern Gutgesinnten neutraler Observanz Ernst war mit Ihrer Auffassung und Ihrem Urteil über bi« von deuschen GelegenheitSsündern begangenen Delikte an der Menschheit— ich habe nie an diesem Ernst gezweifelt— mußte nicht d�r Bekannt- gäbe dieses sooenannten FriehenSvertagcS sofort ein elementarer Aufschrei der Geprellten, eben dieser gutgesinnten und guten Leute folgen, als Ausdruck unaebsuerster Enttäuschung, al? Protest gegen perfideste und systematischste Irreführung? Denn hier wird nicht nur daS Recht, sondern auch der Glaube, nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft gefebändet, totgetreten, die Gewalt und die Ungereditigkeit au? dem Tatbezirk der Gelegenheitserscheinung in die Sphäre der dauernden Institution erhoben! Seit dem 7. Mai warte icki. warten mit mir viele, die früber Ihre Stimme gebört haben, auf diesen Aufschrei, diesen Protest. Vergeben?! Dem Schrei aus der Tiefe einer der Vernichtung preis- gegebener Nation antwortet kaum ein Ruf aus der Höhe über- nationaler Neutralität— selbst in dem schüchternen Gemurmel be- russmäßiger Pazifisten fehlt Ihr und der anderen guten Leute früher so kräftige? Stimmorgvn. Mein Freund. Sie schweigen heute, wo Sie zu schreien ver- pflichtet wären— wie all die andern, die gestern noch die Mücken seigten. heute aber die Kamele schlucken. Wollen Sie. Dichter deut- scher Zunge. Protestler von Reims, Löwen, Brest-Litowss usw. auf den Anspruch verzichten, Repräsentant der ewigen Ideen, in Menschkeitsfragen Führer im deutschen Kulturbezirk zu sein? R. H. Kor n. das Lkchtbilö!m dienste ües Unterrichts. Zu einer Mustervorführung wistenickiaftlilber und belehrender Filme in der Urania halte die Knltiirabteilung der Univerlum-Film- A.-G.(Ufa) gemeinsam mit der Betriebsstelle deS Biiderbühnen- bundeS Deutsckier Städte eingeladen. In seinem BegrüßungSwort wie? Ernst Krieger, der Leiter der Kiiltmabteilung, auf den Wert »nd die Bedeutung deS beweglichen Lichtbildes für den Unterricht in allen Arten von Schulen sowie für wisieiischaflliche Vereine aller Art bin. Der Film soll die zur Erfassung von BewegnngSvorgängen geeigneten Gebiete der Medizin, der Naturwissenschast. der Land- wirtsckiaft und Tedjnik, der Erd- und Völkerkunde, vielleickit sogar der Geschichte und Kulturgeschichte, ferner die körverliche Ausbildung im Turnen, Sport, Spiel und Tan, veranichaulichen. Die Aufnahme und die Bearbeitung dieser Filme eriolgt durch Fachwissenschaftler. Jeder Lehrfilm wird durch stehende Lichtbilder zeitigt hat. Der Name der Sammlung ist wie populär gewesen, weil sich um die Person LudendorffS schon damals die parteipolitischen Kämpfe gruppierten. Weite Spender kreise, namentlich Arbeiter und Angestellte, haben eS mit Freude begrüßt, als die Regierung nach dem 9. November 1918 die Fortsetzung der Sammlung unter dem völlig neutralen Namen„Volks spende für Kriegsbeschädigte" ermöglichte. Sieben Monate lang hat kein Mensch in Deutschland an dieser Tatsache Anstoß genommen. Auffälligerweife erst jetzt, kurze Zeit nach der Heimkehr des ehemaligen allmäcki- tigen Ludendorff hat man plötzlich entdeckt, daß die Um- nennung in den Kreil«» der Spender„lebhafte Miß st im- m u n g" erregt haben soll. In Wahrheit handelt es sich um einen raffiniert ausgeklügelten, unverschämten Raubzug auf die Mittel der KriegSbeschädigtenfürsorge, wie folgende, von der reaktionären Presse mit schmatzendem Behagen weiterverbreitete Notiz in Nr. 33 der Mitteilungen des Deutschen Kriegerbundes vom. 18. Mai 1919 bcwotft. „Auflösung der Bolksspende(Ludendorffspende)? Wie aus Nachrichten in den Tageszeitungen hervorgeht, bat die Maß- nähme der Regierung, die Ludendorffspende in„Bolkssvende" um- zunenncn. in den Kreisen der Spender lebhafte Mißstimmung erregt. So sollen z. B. Stifter, die der Ludendorffspende bedeu- tendes Kapital zur Verfügung stellten, wie der„Hannoversche Kurier" meldet, die Absicht geäußert haben, chve namhaften Be- träge zurückzuziehen, da sie diese lediglich für die L u d e n- dorffspende bestimmt haben. Wir hoffen im Interesse un- screr Kriegsbeschädigten wicht, daß dieses schaverwtegonde Vor- haben zur Dusführung gelangt. Sollte dies aber dennoch der Fall sein, so glauben wir, den Stiftern der Ludendorffspende für ihre Wohlfahrlsbetättgung den Weg weifen zu können, ihre Gaben dem amtlich genehmigten„Reichs-Krieger-Tank iBerlin W. 50) zufließen zu lassen. Der»Reichs-.Krieger-Tank" bezweckt die Unterstützung solcher Kriegsteilnehmer, die zwar nicht kriegsbeschädigt sind, bei denen sich ein Unterstützungs- bedürfniS aber später herausstellt." Wer ist dieser„ReichS-Krieger-Tank"? Eine Schöpfung de? Kyffliäuser-Vundcs der deutschen Kricgervcreine! Unter dieser Firma sollte den Kriegervereinen, die sich bei den Kriegsteilnehmern einer wachsenden Unbeliebtheit erfreuen, ein Millionenfond? in die Hände gespielt werden, mit dessen Gaben man die deutschen Kriegsteilnehmer politisch zu korrumpieren und dauernd an die Kriegervcreine zu fesseln suchte. Das saubere Plänchen fand namentlich einflußreiche Gönner im ReichSamtdeS Innern. wo sie zum Teil jetzt noch fitzen und gegen sozialpolitische Fort- schritte intrigieren. Bestand doch, wie der„Vorwärts" bereits in seiner Nr. 170 vom 23. Juwi 1918 zutreffend feststellte, unter dem alten Regime die Abficht, den Kriegerpereinen dreihundert Millionen Mark zur Gründung deS Reichs-Krieger-Dank aus Rcichs- mitteln unter Ausschluß aller anderen Kricgstcilnehmrrorgani- sationen zur Bcrfügung zu stellen. Noch zwei Wochen vor Ausbruch der Revolution hat sich daS Reichsamt des Innern nicht entblödet, in einem Runderlatz den bundesstaatlichen Regierungen die nach- drück lich sie Förderung dieses Korruptionsfonds zu emp- fehlen! Wie durch so manchen reaktionären Plan hat die Revolution auch durch dieses Projekt zum größten Schmerz der Kriegervereins- Patrioten einen dicken Strich gemacht. Jetzt vermeinen die Krieger verein« plötzlich eine Gelegenheit zu sehen, ihre wie Idee auf Kosten der Kriegsbeschädigten wieder zu galvanisieren, in- dem sie unter der heuchlerischen Maske de? Bedauerns für die Kriegsbeschädigten Geldmittel, die für die letzteren gespendet wur- den, durch raffinierte Zeitungsnotizen ihrem Korruptions- fond zuzuführen versuchen! Und diese Organisationen geben neuerdings vor, auch die Interessen der Kriegsbeschädigten zu ver- treten. Pfui üter die Heuchler! Wenn es tarsächlich Spender geben sollte, die nach dem Krieger- Vereins rezept handeln, so müßte von der amtlichen KriegSbeschädig- tenfürsorge rücksichtslos deren Nanwnnennung in der Oeffentlichkeit gefordert werden. Die Kriegsbeschädigten werden es sich nicht nehmen lassen, sowohl mit diesen edlen Menschenfreunden als auch mit der skandalösen Schädigung der KriegZbcschädigtenfürsorgc durch die Kriegemreme gründlich abzurechnen. und Tack�ickimingen ergänzt und mit einem Begleiworirag verleben. Der„Adrema- S t i l I st a n d s a p p a r a l" ermöglich! jederzeit da? Licklbitd anzuhalten, und längere Erläuicrungen daran zu knüpfen. Eine Reihe von LchrfilmauSsSnitten mit entimechenven Beoleit- vorträgen diente zur Verliiiichaulickmng diei'er anregenden Unier- richlsmethode. Es wird besonder? Gewicht ans die wissen ickoft- licde und pädagogische AiiSgestoliung gelegt(die aber von den Bor- tragenden durchaus nicht immer erreicht wurde). Dem Großstadt« linde, daS weder mit der Naiur noch den geiverbiichen Prozessen Beiührung hat. werden Lehrfilme wie»Milch und M'.Im- verw rtun g" oder»Der Sprcewald' grw ß Be ehruiig und Genuß verschaffen.' Vorzüglich auf dem Geniel? der Nalnr- wissenicha'len ist die'e Vereinigung von Worl und Bild von höchsten Reiz»nd fruchtbarster Eindringlichleit. Man iah da— nachdem der ehrwürdige Ernst Höckel»m K nobilde diese Sektion gewiffermaßen eröffnet harte— ein Kleinlebewe'en den Wasierfloh, in seinen Lebensoorgängcn(Vergrößerung bis zu 10 000!) Mit den raifinienen Zeitraffer- und Zeiitupenalifnahmen gelingt eS, die Zeit zu verdichlen und zu verdünnen. In zwei M nuten erblüht vor uns eine Rose, und andererieits wird ein Hürdeiiiprung eines edle» Rosics so ausgedehnt, daß wir olle dieie doch io raichen Bewegungen bis in? einzelne beobachien und und äilbetnch genießen können. Den Beschluß machte die Voifübrung eines Anillärungs- silmS über Geschlechtskrankheiten und eine Filmanleitung zur Säug- liiigSvflege. Es ioll nicht verschwiegen werden, daß die französische Film« industiie zum Teil noch vollendetere und schönere nalurwisienschait- liche Filme geichaffen bat. Aber w:r fangen nun endlich ernstbait an. den Fi m in den Dienst der mannigsachen Kulturauigabe» zu stellen, für die er berufest ist, und so wollen wir uns des bereils Geletsteten freuen. �_ Notizen. — Hermann Oppenheim, der hervorragende Berliner Nervenarzt, ist im 61. Lebensjahre gestorben. I» der Leltnng seiner eigenen Polillinil entfaltete er als Lehrer wie Forscher eine weil- hin anerlannie Tätigkeit. Eine Profesior bekam er aber nicht. Sein »Lebrbuch der Nervenkrankheiten", worin er seine Ersahrungen und Beobachtungen gesammelt, erlebte sechs Auflagen. — I m Apollo-Theater wird das Herrnfeld-Theater zn einem Gastspiel einziehen. — Vortrag. Am Sonntag, vormittag« 11 Uhr, findet in der Philharmonie ein Borlrag des Hauptmanns von Beer« selbe über daS Thema»Um Deutschlands Schicksal" statt. — Ausstellungen. Die FrühjahrkauSflellung der Freien Sezession am Kursürfbendamm wird am Sonntagvormittag vor einem geladenen Publikum eröffnet und im Anschluß daran allge- mein zugänglich sein.— Bei Nicolai, Vittoriastr. 26a, wird am Sonnabend eine umfassende Ausstellung von Gemälden von Lud- w i g K a i n e r eröffnet. — Immer b o b e r. Der Fliegerleutnant Prack schlug, wie auS Turin gemeldet wird, den Höbenreloid, indem er mit drei Passagieren in eine Höhe von 7160 Metern in 40 Minuten aufstieg. Nr. 261 ♦ Jahrgang Seilage öes Vorwärts Zreitag, 23. Mai 1619 Prozeß Leöebour. Oberleumant Graf Westalp, der am ll. November die mil>lärl>chen Lpeiaiiouen gepen dae besetzte»Vorwärts-Gebäude peleilet bat, macbi Angaben über die Duia>iiihn»ig der militärischen Mahnahmen. Na» der Einnahme deS Gebäudes seien lv bis 12 Ma�ännengeivevie in Stellung innerhalb des Gebäudes sowie viele Gewehre, Pistolen und Handgraiialeu gefunden worden. Aus Seite der Stuimli Uppen i'eien S bis 6 Mann geiallen und mehrere der- wundel worden. Nachdem die Beichiehung des Gebäudes gewirkt halte, seien 7 Parlamentärs beranSgekommen. Einen derselben habe er zurückgeschickt mit der Wei'uiig: bedingungslose Uebergabe. Die anderen iechs habe er abführen lassen.— RechlSanw. R o s e n f e l d: Woher wuhte der Zeuge, das; es Parlamentäre waren?— Zeuge: T'e gaben sich durch Schwenkung von weinen Lappen oder weiszem Papier als Pai lameniäre zu erkennen.— Rechteanw. Rosenfeld: Weih der Zeuge, dah die Parlamentäre, die er abführen lieh, später er» schössen würden?— Zeuge: Davon weih ich nichiS.— R.chisanw. Roienfeld: Haben Sie es nicht gehört?— Zeuge: Ich kann nicht sagen, doh ich etwas davon oebört habe. � Rechlsanw R o s e n f e l d: Haben Sie gehört, dah 200 bis 300 Gegangene, die nach der Dragonerkaserne geführt wurden, dort mihhandeli ivorden sind?— Zeuge: Davon ist mir nichts be» wühl.— Rechrsanw. R o s e n t e l d: Weih der Zeuge, dah die Ge- fangeiren am Eingang der Kaierne von Soldaten mit Peuschen und ähnlichen Ziistrurnenien geichlagen wurden?— Zeuge: Ich habe nichlS davon geieben.— Auf weitere Fragen der Verteidiger gibt der.�'ge an: Es war der Befehl gegeben, den.Vorwärts' in der stacht vom v. zum 10. November anzugreifen. Dieser Befehl wurde aber zurückgezogen. Der Angriff erfolgte 24 Stunden später. Der Grund zur Zurückziehung deS Befehls soll der gewesen sein, dah eine Abordnung von MrhrhcitS- sozialisten mit der Besatzung des„Vorwärts' verhandeln wollte wegen Räumung des Gebäudes.— Rechlsanw. Roienfeld: Wie konnten Sie den» Parlamentäre gefangen nehmen lassen?— Zeuge: Es stand Ihnen ja frei, in das Gebäude zurück zukehren. Das taten Sie ober nicht. Sie liehen sich widerstandslos festnehmen, s?!)— Verteidiger: Den bewaffneten Soldaten konnten sie doch keinen Wider« stand leisten.— Zeuge: Sie Härten doch in das Gebäude zurück- gehen können. Das taten sie nicht, also haben sie sich ergeben. Ich glaube nicht, dah ich die Anordnung gegeben habe, die Lcure abzuführen. Hätten sie gegen ihre Festnahme Widerspruch erhoben, dann hätte ich sie in daS Gebäude it u r ü ck lehren lassen.— Verteidiger: Haben Sie, als die Gefangenen nach der Kaserne abgeführt wurden, melden lassen, dah eS Parlamentäre waren?— Zeuge: Nein, sie find ohne Meldung eiiigelieirrt worden.— Rechtsanwalt Liebknecht: Alto keine Meldung, dah es Parlamentäre sind, keine Meldung. dah sie ohne Waffen und dah sie nicht kämpfend betroffen wurden. — Zeuge' Eine Meldung wurde nicht gemacht.— Auf weitere Fragen antwortet der Zeuge, er wisse nicht, dah in der Kaserne Ge'angeue erschossen worden seien, er kenne die Mannschaften nicht, welche die Gefangenen transportierten, er habe auch keinen Führer für diese Mannschaften bestimmt. Eugen F e r n b a ch soll auh Antrag der Verteidigung darüber gehört werden, welche Ermittelungen er über den Tod seines Sohnes angestellt bat, der einer von den erschoffenen Parlamentären war.— Der Staatsanwalt widerspricht der Vernehmung des Zeugen, weil seine Aussage mit der Anklage nichts zu tun habe.— Rechtsanw. Rosenfeld: Die Verteidigung hat schon öfter gesagt, dah die Besetzung deS.Vorwärts' mit der Anklage gegen Ledebour nicht« zu tun habe. Wenn es aber die Staatsanwaltschaft für nötig hält. Beweis zu erheben über alles, was sich bei der Be- ietz-ing, was sich innerhalb deS besetzten Gebäudes und nach seiner Euiuabme abgespielt hat, dann halten wir es für geboten, dah auch dieser Zeuge vernommen wird, der auf Grund seiner vielen Be- mühungen den Tod seines SohneS aufklären kann.— DaS Gericht be« fchliehr. die nach dieser Richtung gehenden Fragen der Berteidi« gung nicht zuzulaffcn, da sie mit den der Anklage zugrunde liegenden Tatsachen in keinem Zusammenhang stehen, denn die Fragen be- zögen sich auf Vorgänge, die nach der Einnahme deS.Vorwärts' staitkanden.— Rechlsanw. Liebknecht: Die Beiteidigung steht auf dem Standpunkt, wenn wieder über die Vorgänge im.Bot' wärtS' verhandelt wird, dann geböien dazu auch die Vorgänge, die sich nach der Einnahme des.Vorwärts' in der Dragoner- und in der Alexander kaserne abgespielt haben. Karl Haaker gehörte zui Besatzung des.Vorwärts' und ist deshalb ivegcii Ausrudr zu iecks Monaten Gcsänanis verurte'It worden. Er sagt aus, die nach der Einnahme erschossenen Fehrcn- dach und Möller haben in der Zeit, wo der.Vorwärts' besetzt war. in der Redaktion gearbeitet, wählend der ganzen Zeit keine Waffen gekührl und sich an den Kämpfen nicht beteiligt. Allen leitenden Personen der.VorwärtS'-Besatziing war seit DonneiStag, den S. Januar, bekannt, dah Ledebour wegen Beilegung des Kon- flickt« mii der Regierung verhandelte. Infolgedessen erwartete die Besatzung einen friedlichen Ausgleich. Zu Kämpfen ist es nur des- halb gekommen, weil der.Vorwärts' beschoffen wurde. Hans Mohr, Angestellter einer Militär. Konservenfabrik in der Andreasstrahe bekunder, dah ein Matrose und ein Gefreiter sich aus dem Sager der Fabrik 25 Kisten mit Fleischkonserven für den .Vorwärts' und für den Marstall angeeignet baden. Friedrich Wille, damals Lditer der militärischen Sammel- stelle für Ausrüstungsgeaent'iände, sagt: Als ich am Moigcu deS 9. Januar zum Dienst kain. sab ich. dag in der vergangenen Nacht eingebrochen war' und die Räume geplündert waren. Es waren Kleidungsstücke, Waffen(etwa 600 Gewehre) und MtUlilioii geraubt. Meine Leute tagten mir, die peraubien Sachen seien nach dem.Vorwärts' gebracht. Ich ging nach dem.Vorwärts', wo sich mir einer als Führer der Spartakisten vorstellte. Ich fragte ihn, w>e denn seine Leute zu solchem Einbiuchsdiebstahl kämen. Der Führer antwortete, das sei kein EinbruchSdiedstahl. sondern eine Reguifition. Aus mein Verlangen sollte ich von dem Führer Tags daraus«ine Bescheinigung über die uns fortgenoinmenen Sacken erhalten.— Auf Fragen des Angeklagten und der Verleidignng be« merkt der Zeuge, durck die Bescheinigung habe er sich feiner Behörde gegenüber decken wollen, auch habe er geglaubt, auf Grund der Bescheinigung würde Schadenersatz zu bekommen sein.— Angekl. Ledebour: Unter diesen Umständen können Sie doch nicht an einen Einbruchsdiebstahl geglaubt haben.— Weiter gibt der Zeuge an. der Führer der Spartakisten im.Vorwärts' habe auf den Vor Wurf wegen der geraubten Sachen geantwortet, schlechte Elemente gebe es überall. G ckmidke, Mitinhaber der Druckerei von Petzold Nachf. in der Neueuburger Strohe gibt an: Donnerstag nachmittags kamen 30 Spartakisten vom.Vorwärts' zu uns. Sie nahmen die ganze Auflage eines eben gedruckten Flugblattes der Demokratische» Partei fort und verboten uns das weitere Drucken unter Androhung des Erschieße»?. Die fortgenoinmenen Flugblätter sind wahrscheinlich vor dem .Vorwärts' verbrannt worden. Oberpostaisistent Schwanebeck vom Postamt am Schlesischen Bahnhof: In der Milte der fraglichen Januarwoche abends um 8 Ubr börte ick Schritte auf dem Flur. Gleichzeitig rief meine Frau: .Die Spartakisten kommen'. Ich Hörle, dah drauhen jemand sagte: „Fünf Minute» Bedenkzeit, sonst sind sie eine Leiche". Dann kamen 30—40 bewaffnete Sparkatisten herein und ver« langten Geld. Mir blieb nichts übrig, als mich der Gewalt zu fügen. Ich schloh den Geldschrank auf. Die Leute wollten daS Geld heraus- nehmen, aber ich sagte, so geht das nicht. Wieviel wollen Sie den» haben?— Die Leute verlangte» alles. Sie habe» 150000 M. mitgenommen, worüber ich mir eine Quittung ausstellen lieh. Sie sagten, sie seien von der Besatzung des Schlesischen Bahnhofs und brauchten das Geld zur Auszahlung der Löhnung. Franz Gädrcke, Inspektor im Wolffschen Telegraphen- bureau>: Am Sonntagabend wui de unser Bureau besetzt. Am Montag erhielt die Besetzung eine erhebliche Verstärkung durch ein auS Leipzig gekommenes Regiment. Jetzt wurden alle unsere Räume besetzt. zahlreiche Maschinengewehre aufgestellt und Barrikaden aus Papier errichtet. Leute von d�m Leipziger Regiment eigneten sich Sachen an, die dem Diiekior gehönen. Da sagte ich zu den Leuten, ob sie denn hergekommen seien, um zu stehlen. Sie sagten, sie stehlen nickt Dann ging ich zu dem Führer und sagte zu ihm:„Das sind wohl Srne Ideale, dah Ihr uns bestehlt". Er'agte:.Wer stiehlt denn?'— Ich aniwoliete:.Spartakus'. Da sagte der Fühler: „Ich bin Spartakus, wir stchlrn nicht.' Dann habe ich ihin die Leute gezeigt, die Papier, Brieibogen usw. aus des Direllors Z murer gestohlen ballen. Der Führer und eine Frau, die ebenfalls eine führende Rolle halte, sagten z» den Leuten:.Wenu hier nochmal einer stiebli, dann kommt er»ach dein Polizeipräsidium oder er wird an die Wand gestellt'— Trotzdem wurde wieder gestohlen. Wir haben uns bei dem Führer beschwert. Der hielr dann auf dem Hoie einen richtigen militärischen Apvell wie hei den alten Soldaten ab und'agle zu den Leuten:.Ihr wihl dock, wo wir sind. Wenn wir hier stehle», dann wird das in alle Well hiiiauslelearaphieit. Wie stehcu ivir• oaun da. Wollt Ihr de»» das?'— Da rief die gairze Mannichafl: .Nein!'— Während der ganzen Zeil konnte ich ungehindert aus- und eingeheii. Niemand>it mir unaiistäudig elitgegenaelommen. An unserei' Geldschrank Hai der Führer eme Wache geflelll, damit nichts gestohlen wird. Es ist dann auch nichts mehr gestohlen und nicht versucht worden, einzubrechen. Als am Sonnabend das Geseckl in Aussicht stand, eriilchie mich der Führer, das Haus zu verlasien, da er nickl für niein Leben garantiere» lönne. Als ich nach der Räumung des Hauies zurücktehrle. waren die Schränke er- brocken. Von wem, kann ich nicht tagen. Am heutigen Freitag wird die Zeugenvernehmung fortgesetzt. preußische Lanöesversammlung. 22. Sitzung Pom Donnerstag, 22. Mai 1919. Am Regierungstisch: Hirsch, Am Zehnhoff, Fisch- beck, Haenisch, Stegerwald. Vizepräsident Dr. Frentzel eröffnet die Sitzung um 12� Uhr. Gemäß dem Antrag des WahlprüfungSausschuffes wird der Abg. Stößel sSoz.) als rechtsgültiger Inhaber des Mandats für den 8. Wahlkreis(Posen) erklärt. Zur ersten Beratung steht der Nachtrag zum Entwurf des Staatshaushaltsplans für 1919, der die Ausgaben für das neu zu errichtende Ministerium für Volkswohlfahrt an- fordert. Abg. Frau Hanna(Soz.): Die sozialdemokratische Partei begrüßt mit freudiger Zustim« mung die Errichtung des Ministeriums für Volkswohlfahrt. Wenn wir auch die Ausgaben auf das Notwendigste beschränken müssen. so sind doch die Ausgaben für die Wohlfahrtspflege ganz besonders dringend, zumal wenn sie verwendet werden für vorbeugende?Naß- nahmen. Die Ausgaben des neuen Amts werden in erster Linie der Gesundheitspflege zu widmen sein. Dahin gehört vor allen Dingen die Bekämpfung der Bolksseuchcn, Geschlechtskrankheiten und der Tuberkulose. Beide sind namentlich Krankheiten der ärmeren Bevölkerung. Der Gesundheitszustand unserer Bevölkerung ist jetzt geradezu er- schreckend; nur 5 Proz. der Bevölkerung können als vollkommen gewachsen den Aufgaben der Gegenwart und Zukunft angesehen werden. 40 000 geschlechtstranke Personen befinden sich in Preu- ßen in ärztlicher Behandlung, jährlich werden 100 000_nme Erkrankungen an Geschlechtskrankheiten in den Krankenhäusern ge- zählt. Die Unterernährung ist die Hauptursache für die große Ver- bvsitung der Infektionskrankheiten, namentlich der Tu- berkulose und der Rachitis, ebenso wie der Säuglingsstcrb- lichkeit. Eine großzügige Wohnungsreform würde wesent- lich zur Voltsgesundheit beitragen. Die Wohnungsreform ist nicht nur für die Großstadt, sondern auch für das Land notwendig.(Sehr wahr!)» Unser einziger Reichtum ist der Mensch. Wenn das Volkswohlfahrtsamt ernstlich zu seiner Förderung arbei- ten will, kann es der tatkräftigen Unterstützung der Sozialdemo. kratie stets sicher sein.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Minister für Volkswohlfahrt Strgcrwald: Der Gedanke der Gründung eines BolkSwohlfahrtSamts, an dessen Spitze ich gestellt ivorden bin, ist nicht neu. Leider ist er erst 9s Die Verbreitung öes Wortes. Von Ludwig Barta. Aus dem Ungarischen von Stefan I. Klein. (Schluß.) Doch siel eS ihm nicht ein. Da machte sich Andras Blind auf den Weg und ging ins andere Dorf hinüber, dort gab es einen wirklichen Lehrer. Den fragte Ändras, wie denn der Buchstabe heiße, dessen Name ihm ganz und gar mch: einfallen wollte. Und am nächsten Tage hieß er die Kinoer zu sich kommen und sagte: „Dieser Buchstabe heißt„g"."_ Oft noch ging Andras wegen eines Buchstabens zu dem anderen Lehrer, dessen Dorf eine halbe Tagereise entfernt lag; je öfter er aber hinging, um so größer ward die Ver- wirrnng in seinem Kopfe, wo sich alsbald die Buchstaben verwischten, einen tollen Tanz aufführten; er vermochte ihr fremdes Antlitz nach zwei Tagen nicht mehr zu unterscheiden. Er gelangte aber auch niemals über dos„i", das„n", das „b". das„a". das„g" und das„c" hinaus. Die Kinder kamen trotzdem jeden Tag in seinen.Hof und brachten ihre Bücher mit. Andras Blind blieb bis an sein Lebensende Lehrer, die Kinder wuchsen zu militärpflichtigen Männern, zu mann- baren Mädcben heran, doch niemand von ihnen konnte schrei- den oder lesen. Der Staat gab ihnen keine Schule, nahm aber von ihnen Steuer und Soldaten: das Koniitat gab ihnen keine Schule, beanspruchte aber ihre Kraft zu öffentlichen Arbeiten und tssemeindestenern: der Bischof gab ihnen keine Schule, nahm ihnen aber für seine Kirchen Äeld ab. Längst logen da schon jenieits hei.Theiß Tausende von Erdarbeiterkarren übereinander. Die Karren entfielen den Händen der Erdarbeiter, die Schaufeln rosteten ein, die Leute aber standen knurrenden Magens umher und schauten einander an. Sie lungerten in den Straßen der Städte und in den Straßen der Dörfer, vor ihren kaltherdigen Hütten »"d rotteten nch oft-nsamnien. sie muteten wie eine dunkle W'lke an.?-ohre bindi-rcki wuchs diese W>'Ike und türmte sich l'�ch bis dann i'rvlösi'icb aus idr der Nur bervo.'b'itzte: „Ei"? andere W'lt muß kommen! Brot und Rechte'' Jln n-on-dscheinigen Nölbten bellen einander die Köter fremder Dörfer zir verwandte. Bekoonte brechen in rerucn Geger-den aus und finden einander. Tos Getreide kindet in die Mühlen; das Geld wandert in die Banken; Schiffe be- fördern die Leute über unermeßliche Meere; von den gegen- über liegenden Ufern der Ozeane dringen die Nachrichten herüber. Oben in der Luft, über Schneebergen, fliegen Menschen. Auf den unsichtbaren Wegen des Gedankens ziehen un- sichtbar die Ideen daher... � Da kam im Winter, in Frost, in Schneegestöber ein Mann ins Siedlungsdorf. Er kam vom anderen Ufer der Theiß; die müßig liegenden Karren sandten ihn, denn zu jenen war bereits das Wort gedrungen. Dieser Mann kam und sprach: „Wißt Ihr denn noch nicht, daß auf die Erde ein neuer Prophet gekommen? Daß dies die Zeit, da das Wort Fleisch wird! Könnt Ihr schreiben, lesen?" „Wir können nicht"— sagten verzagt die armen Leute. „Dann will ich Euch schreiben und lesen lehren. Ich j bleib den Winter über bei Euch und werde Euch Schule halten. Denn dies ist das Allererste! Bloß aus den Büchern könnt Ihr das Wort in seiner Wahrheit kennen lernen. Doch sehe ich, Eure Stirne ist düster, Eure Schläfen sind blaß. Eure Augen eingefallen: tierische Angst blitzt aus Euren Blicken! Ihr hungert ja! Mich hat eine große Organisation herge- schickt, damit ich Euch einweihe; sie heißt: Internationale . Sozialdemokratie! Sie schickt Euch Hilfe. Geld und Brot. ■ Im Frühling werdet Fhr schon mit anderen Augen die Welt � betrachten I" Still lag im von Wölfen durchheulten Winter das Sied- lungsdorf, die Stürme rissen die schwachen Schilfzäune aus dem Boden, die Schneegestöber begruben es fast. Doch glühte bereits Feuer unter dem Schnee und die Lehren des neuen Katechismus lobten in den Köpfen auf. Dieser Katechismus sprach nicht von dem im Jenseits, sondern von dem auf dieser Welt erreichbaren Glück. Als der Schnee schmolz, als die Gräser ans dem Boden i sprossen, konnte jeder schreiben und lesen, seder kannte den ! neuen Katechismus: jeder wußte, man dürfe ihm den Weg i nicht mit ungerechten Gesetzen, mit Gewalt, mit Tyrannei verrammeln, denn sonst zertrümmert die redliche Gewalt des emvörten Rechtes die Tore. Wo einst nnf der W'ese aus den �litten der Ansiedler ein Dorf erwachsen, dort schlug nun Feuer ans der Erde. Ein große? Gut'og aus ienes Ebene' ochtbnndert berr- schast�ckr Morgen in einem Stück. Dorthin ans''enes Gut war dos Augenmerk der erweckten Arbeiter g'richtet und sie sagte": „Wir Erdarbeiter sind iedes Auskommens beraubt. Auch � wir sind auf der Welt, wir leben, wollen schaffen." Es war- dies kein verirrtes Wort auf den Urgefilden: als Lebensweisheit war unter dem Schnee hervor das Wort auf- gekeimt. Die Pluderhosen versammelten sich und erklärten: ]„Wir anerkennen weder Staat, noch Priester, noch Notar, ! noch Arzt, bauen keine Straßen, rühren keine Schaufel an, ' zahlen keinen G.roschen Steuer, bevor wir nicht von jenem Land Grund und Boden bekommen. Wir wollen Pacht zahlen, wollen pflügen, säen, ernten! Wir können uns nicht mit Weib und Kind in der Drau ersäufen." „Aufstand!"— rief jetzt der Vizegespan, und bajonett- bewaffnete Gendarmen umringten das Dorf. Die glänzenden Gendarmenbajonette blickten funkelnd I gen Himmel und aus ihnen flammte, wie aus einem Silber- bechcr, das Wort empor. Die Arbeiter lasen ihren neuen � Katechismus wie die Bibel. Entbrannten zu empörtem Zorn unj) schrien: „Wir sind keine Sklaven; sind freie Bürger eines freien Staates. Wir sind geboren worden und wollen nun auch leben. Wer uns das Leben rauben will, dem nehmen wir das Blut, bevor er uns das Blut nimmt I Wir wollen Freiheit und Land!" Hauen und Schaufeln zuckten in die Luft, sanken aber wieder hinab. Gendarmengewehre knatterten und viele Be- kenner des neuen Glaubens stürzten tot nieder. Rot wurde die unberührte Erde von diesem Blut. Die Leute zogen sich' in die niedrigen Hütten zurück, doch folgte ihnen das Wort auch unter die Strohdächer. Es blieb mit ihnen dort; wird sie nie wieder verlassen: harrt bloß eines besseren Frühlings. Epilog. Der viele tausend Jahre alte und prächtige Landstrich liegt im T-i der Dran, auf der strahlenden Ebene. Hoch wölbt sich über ihm das himmlische Bsinn die Luft scheint von mächtigem Frieden erfüllt: kein Zeichen blinkt auf dem Himmel: noch fegt njjht mit lautem Dröhnen, in allgemeinem Ansturm die Kraft der Zeiten über den latifnndienbesetzten, verheißungsvollen Landstrich dahin: doch hat ihn das Wort bereits in vielen Formen aiifgesitckst und seine Samen ansge- strei't keine M�cbt vermag ni-br die den Seelen einaepränten Zeickie" anszulöschen... W'e ein stilles, grasi-s Kind liegt dieser Ordftnefi da: bloß wer die u' fiefstWen Zeicb-n zu den- zu lese" dw da ffftc w'e die Flammenschrift ans VelsazarS mitte'—ächtiger Zeltwand: „Meria. mp-e, tekel npharsin! König, deines Reiches Ende naht!,.." infolge des Weltkrieges berwirkliHt worden. Daß neu« Mini- fteriy m wird aus den? Abteilungen für V o I k s g e s u n d h e i t, für Wohnungs- und Siedlungswesen und für Jugend- pflege und allgemeine Fürsorge bestehen. In den nächsten Jahrzehnten mutz der Erweiterung des Nahrungsmittel- spielraunls besondere Aufmerksamkeit zugeneandt werden, da wir auch nach Friedensschlutz noch mit schweren Hindernissen in der Volksernährung zu kämpfen haben werden. Die gesundheitliche Not hat einen ungeheuren Umfang angenommen. Zu ihrer Beseitigung ist friel geriet worden, aber nichts ge- fchehen. was nötig gewesen wäre. Das gilt besonders für die Woh- nungSfrage. die bereits vor dem Kriege nicht mit der nötigen Tat- kraft gefördert worden ist.(Lebhaftes Sehr richtig!) Noch fehlt es an Wohngelegenheiten für den Teil der städtischen Bevölkerung, der geneigt ist, auf das Land zurückzukehren. Durch ausge- dehnten Vau von Ein- und Zweifamilienhäusern und Verbilligung des Bauwesens unter starker Berücksichtigung erprob- ter Ersatzbaustoffe hoffen wir der Lösung der uns hier gestellten Riesenanfgabe näherkommen zu können. Arbeit ist notwendig. Wir dürfen in dieser dunklen Schicksalsstunde nicht verzweifeln und den Glauben an unser Volk nicht verlieren.(Lebh. Beifall.) Abg. Faßbendcr(Z.): ES ist ein eigentümliches Zusammen- treffen, daß wir in dem Augenblick, wo die Feinde uns vernichten wollen, daran denken, die Volkswohlfahrt in Preußen in neue Bahnen zu leiten. Obwohl wir ein armes Volk find, darf bei den WohlfahrrSauSgaben die Geldfrage nicht die erste Rolle spielen. Der Redner verweist auf die Wahlfahrtsbcstrebungen in Oe st erreich, Polen und England. Bei der Entbindung sterben immer noch sehr viel-Kinder, man sollte daher die Frauen in der Klinik entbinden lassen und sie schon am nächsten Tage wieder nach Hause entlassen. Ter Redner fordert eine Kino» z e n s u r. Eine Zentralstelle gegen Schutz in Wort und Bild sollte dem Wohlfährtsministerium angegliedert> Verden. Wg. Frau Dönhoff(Dem.): Wir bcgrützen die Vorlage. Zur Wahlfahrtspflege gehört auch die Regelung der Prostitution: die Siiienpolizci mutz als eine Angelegenheit der Wohlfahrtspflege angesehen werden. Meine Fraktion behält sich vor, her der Ausgestaltung der Wohlfahrtspflege dem Ministerium An- regungcn zu geben. Unter den jetzigen Verhältnissen ist ein stärkeres Zurückfluten der Bevölkerung auf das Land ,511 erwarten. Dieses Zurückfluten mutz planmähig unterstützt wer» den durch die Wohlfahrtspflege auf dem Lande. Es ist zu wün- ichen, datz da das neue Ministerium wirksam einsetzt mit einer Wohlfahrtspflege im modernen und sozialen Sinne.(Beifall.) Abg. Dr. Negenborn(Dt.-nail.): Wenn wir in dieser Stunde mutig für die B-völkeruugsPoliiik eintreten, so bekunden wir da- mit, datz wir für unsere Jugend kämpfen wollen. Was wir an äußerer Kraf verlieren, müssen wir durch Zusammenfassung der inneren Kräfte wiedergewinnen. (Sehr richtig! rechts.) Ich habe den Optimismus, datz wir tro der überstürzten Entwicklung doch nicht so weit gekommen sind, da. ivir ein altes und krankes Geschlecht sind. Leider hat der Geburten- rückgar.g nicht nur die Städte, sondern auch schon weite Striche des glatten Landes erfaßt. Wir müssen deshalb eine gesunde ' i s ch ü ng der Bevölkerung in Stadt und Land durchs die Sied- ingspolitik herbeiführen. An der Entsittlichung des Volkes haben die Spielklubs erheblichen Anteil. ist Zeit, datz sie endlich beseitigt werden. Abg. Lanzrr-Oberhauscn(D. V-): Auf Grund meiner Ersah- rung empfehle ich dem Minister besonders, sich der Mitarbeit dei st r a n k e n t a s s e n b e a m t e n zu bedienen. In der Wobnungs» �rage möge der Minister besonders den Wohnungen oer schlecht bezahlten Arbeiter seine Aufmerksam- feit widmen. Besondere Aufgaben des neuen Ministeriums er- blicken wir in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, dadurch, datz es neue Arbeitswöglichkeiten schafft. Abg. Holtmann(U. Soz.): Wir können in die Begrüßung des neuen Ministeriums nicht einstimmen. Wenn man daS Woh« nungtelend bekämpfen will, soll man endlich zur Auftei- lung der Wohnungen schreiten. In den sog. Fürsorge- erziehungSanstalien wird die Jugend erst zum Verbrechertum vor- bereitet. Die Gleichberechtigung der Frau muß voll dürchgeführt werben. Zur Hebung der Bevölkerungszahl könnte man durch Aufhebung des Zölibats der katholischen Priester beitragen. (Heiterkeit.) Die Prostitution ist eine Pestbeule an dem uirch und durch verseuchten Körper des kapitalistischen Staates. Man beschwert sich darüber, datz die Empfängnisverhütung in Arbeiterkreisen so weite Verbreitung gefunden hat. Die eigent. iche Schuld an diesem Uebelstand tragen die Kreise, die an den erbärmlichen wirtschaftlichen Zuständen schuld sind. Sie(zur Aechten) verlangen von den Arbeitern Kinder, weil Sie Kanonen- l u t t e r für drn nächsten Krieg brauchen. Auch wir wollen, datz sie Arbeiter schaffen, aber sie sollen auch die Früchte ihrer Arbeit .renietzen. Wenn die Riesenfumme von Mlliorden, die für den trieg draufgegangen sind, dazu verwandt worden wären, Kultur- werte zu schaffen, dann wären wir das erste Volt der Erde ge- > orden. ES lebe die Weltrevolution I(Große Unruhe rechts. Leb- fter Beifall bei den U. Soz) Danach vertagt sich das Hau? auf Freitag, 23. Mai, mittags Uhr.(Kleine Anfragen, Anträge.) Schluß esh Uhr._ 5 GroßSerlm Tie Wohnungsnot. Im Ministerium der öffenltlchen Arbeiten machte der DobnunaS- tlmmissar Beheimrat Sweidl in einer Besprechung mit Presse- �c'.reteru gestern Mitieilungen über den s t a n v des Bau- m a r k l s u ivd der 23 0 h 11 u n g s i ü r s 0 r g e. Eine planmäßige ind großstigiae WobmingSiürorge müßte, führle er aus, baupl- uichlirv in V.r Herstellung von Neubauten belieben, aber die ist durch die Kricgtverhäl'.niss« erl'ckweri und fast unmöglich pemawl wo- dm. Schon vor vem Kriege bauen wir in vielen Orlen eti'en ZSobNiingSmangel. zum Teil' sogar schon WohnnngS- neu»nd der KricgSausbrnch brachte tann die Bautätigkeit iofott uts Wanke»,>0 daß bereits lSIb nur noch etwa ein Neuntel der noim.ilen Bau'en tahl auSgelübrt wurde. Die Schwier gleiten ver- wärtien sich im Laute des Krieges immer mehi, weil Mangel an 'airtoffm und nn AibeitSkräfien die Wiedreausnahme der �outatiotekl hinderten. Stadiverwaltungen gingen zu Not- -aßregeln über, zur Mchrung der Ileinen Wohnungen durch Teilung grin cr»r, durch Austau von Dachwobnnngen und Umbau von Geschnltsräiimen. aber die Wirkung im ganzen war gering. Da? Reich stellte 600 Millionen Mark für die BautZiigkeii zur Ver, sügung, doch waren damit die Hindernisse, die ihrer Wiederbelebung im Wege standen, nicht beseitigt. Der Waffenstillstand und die Demobilisierung steigerten die TranSportschwierigkeiten und die K 0 h le n k n a p p h eit, so daß die Beschaffung und Beförderung von Bau st offen weiter erschwert wurden, und Streiks trugen zur Verschärfung- deS Mangels an Koble niid Tran-sportmitteln bei. Wenn der Friedensvertrao unsere Kohlenvorräte noch ärger schmälert, so ist nickt abzusehen, wie eine Belieferung der Ziegeleien möglich werden soll. Reich und Bundesstaaten haben durch die Gesetzgebung die Wohnungsfüriorge zu fördern gesucht, z.B durch die Verordnungen über Hergabe von Siedlnngsland. über Einsetzung von BesirkswohnungZ« kommisiaren, sie waren aber machtlos gegenüber den Hindernissen, die den Wohnungsbau biSouf weiteres unmöglich machten. Scheidt erwähnte auch die Lobnsteigerungen. denen ein Rückgang der Arbeitsleistungen gegenüberstehe, und behauptete, daß die Baukosten jetzt etwa das Vierfache des früheren und in manchen Gegenden Deutschlands noch sehr viel mehr betragen. Da zur Zeit die Kohlennot nicht zu befestigen sei, so müsse zur Verwendung von Ziegeln, die ohne Kohlen hergestellt sind, über« gegangen werden. Wir müssen nnS einstweilen zu dem Notbehelf des Lehmbaues entschließen, der dann zum Verzicht auf Hobe Mietskasernen nötigt und die ohnedies wünschenswerte Flack« bauweise begünstigt. Der Wohnungskommiffar erwähnte auch die Maßregeln zur besserer Ausnutzung vorhandener Wohnräume, im besonderen die in Wohnungen hineinzulegende.Zwangsein- g u a r t i e r u tt g*. Sie werde schon durch§ 3 der Verordnung über den Wohnungsmangel ermöglicht, worauf er durch Erlaß an die NegteningSpräsideitten noch ausdrücklich hinweisen wolle. Der geschäftsillbrends ühisichuß de? Wvbnungsverbaitdes Groß- Berlin bewilligte Baukostenzuschüsse für die Erbauung von lZOO neuen Wohnungen. Das diesjäbrige Bmiprogramm sieht die Subventionierung von insgesamt 5600 Wohnungen vor, van denen mehr als drei Viertel im Flachbau Soweit Hochbauten im WohnungZverband subventioniert worden- sind, hat er diese Projekte bei seiner Gründung übernehmen müssen und sind in gesundheitlich einwandfreier Weise umgestaltet. Ab- gesehen von diesen Projekten ist lediglich Flachbau zur Anwendung gekommen und zwar vorwiegend als Einfamilienhaus mit größerem Garten. Der Staatskommissar hat die weitere Sübventionierung von Hochbauten als Regel abgelehnt, was vom Ausschuß gebilligt worden ist. Für diese 5600 Wohnungen werden 80 Millionen Mark bereit- gestellt: infolge der wesentlich erhöhten Brniarbeiterlöhne erhöht sich dieie Summe auf rund l20 Millionen Mark. Hiervon entfallen l0 Millionen auf den WohnungZverband und 30 Millionen auf Reich und Staat. Mit dieten Mitteln hofft der Wohnungsverband den dringenden Bedarf an Neubauten für dieses Jahr befriedigen zu können. Schwere Sorge bereitet aber die Baustofffrage, die wieder entscheidend von der Kohlensörderiing abhängt. So lange ffch letztere nicht wesentlich hebt, wird nur ein Teil der subventionierten Wohnungen in diesem Jahr tatsächlich gebaut werden können. Außer mehreren hundert Einzelhäusern sieht das Bauprogramizr 77 Bau- unternehniungen vor, darunter 23 größere geschlossene KleinhauS- siedlungen. Das Bauprogramm umfaßt auch die vom Fiskus an den Wohnnngsverband verkauften Ländereien, auf welchen große geschlossene Siedlungen in der Errichtung begriffen sind. Verleumder. WaS würde die„Freiheit' drum geben, wenn sie RoskeS perföu« liche Ebrenhastigkeit anzweifeln könnte— aber sie kann es nicht. Wir aber weil wir die meisten der uns in den Aufstandstagen zu« gekommenen Beschwerden gegen RegierungStruppen Roske unter Nichivertchweigung de? Beschwerdeführers zur Untersuchung zugeschickt haben, sollen Denunzianten sein. Das Blatt weiß so gut wie wir/ daß man Anklagen nickt nachgeben kann, wenn man den Geschädigten nicht vernehmen kann: es weiß auch, daß Denunzianten bei uns unmöglich wären. Seine Behauptung ist also eine bewußte Brrlcumdnng und da wir unseren Raum für die Interessen de» ArbeitervolkeS brauchen, werden wir uns mit bewußten Berlruwder« nicht weiter abgeben._ Der berufene Partrikritiker. Ein Genosse der 1. Meilung teilt uns mit: Es scheint notwendig, doch ein paar Worte über den Gen. Herbert Berger zu sagen, der seinen Beruf darin sieht, in einer Versammlung der Zentralstelle für Einigung die eigene Parier in unerhörter Weise herunterzureißen. Wer ist �dieser be- rufene Parteikriiiker? Ein junger neunzehnjähriger Mann, der eben von seinem Äudäum kommend gerade ein paar Monate in das Parteileben hereingerochen hat. Für die ihm übertragenen Parteiarbeiten wie Flijgblattvcrteilen usw. war er nicht zu haben, denn„er muß reden', seinen Auftrag, bei der Wahl Liste zu führen, hat er in nachlässigster Weise erfüllt, und so mit allem. Sollten solche unerfahren« und uncrprobten jungen Leute wirklich die sein, die über die Haltung der Partei vor ernst- haften Arbeitern das große Wort führen dürfen?! Ter Verein der fest Angestellten der städtische» Waftlfuhrts- onstalten weist zu der in Nr..224 enthaltenen Aufstellung der Wünsch« und Beschwerden de: Beamten und Angestellten des Ma° gistratS darauf hin, daß diese Aufwendungen für die. Beamten und Angestellten unbedingt notwendig sind, wenn sie nicht ganz und gar verelenden sollen. Ein großer Teil der Beamten, die ihr Gebalt vierteljährlich bezieben, haben ihr« Einkünfte jetzt schon nach 1)4 Mo. naten vollständia aufgeörauebt, um bloß die zum Leben notwendigen Nahrungsmittel für sich und ihre Familie hcranzufchaffen. Noch schlimmer stehen die Angestellten da. 1500 Mark Belohnung sind zur Aiifklärung der drei Ranbüber- fälle, Landsberger Str. 108. Weberstr. 50 und Petersburger Str. 50 ausgesetzt. Alle Mitteilungen an Kiiminalkommiffar Lehnerdt, Zimmer 80 des Polizeipräsid'iimS. Für LsiffOOO Mark Kognak in 8 großen Fässern wurden in der letzten Nacht niff dem Anballer Gükerbahnbof gestohlen Für 80 000 Mark Seidenstoff? und fertige Blul-n erbeuteten Einbrecher Beuthstr. 4, Bluierisabrik Kaufmann, für 8000 Mark Zigaretten am Tempelbofer Uler Id. Beper. Hentr findet die juristische Sprechstunde von 3 bis 5 Uhr statt. Kriegsl'r'chädigte. Kriegsteilnehmer und Hinterbliebene der Heereswerkftütten morgen. Sonnob-nd. 2 Ubr. im Öirftgarten. grode DemonittationKveisammliing. Am 28. Mai in Erfurt Reichs konfe- r e n z der Arbeiter der Kriegsbeschädigten der Reichs- und Staatsbetriebe. An'ragcn sind an Augut Flache, Gewehrfabrik, Etfurt, ,n richten. Ter grobe Preis von Berlin auf der Olsimplatiark-Radrenn- badu. Am Sonntag finden die zweiten Rennen auf der neusten Berliner Radrennbahn statt. 10 Daucrlabrcr bmter Motoren werden an diesem Tag« um Sieg und Rubm streiten und sich in niec verschiedenen Dauer- rennen, großer Pre S von?c Ii", großer RreiS von Chart'Uenburg. üb.-r die Mesomtstrecke von zirka 150 Kilometern Vinter Motoren, für weiche zirka 20 000 W. an Vrciien ausgelebt sind gegeuübertreten. Sportpark Treptow. Die gestrigen Rad'rennen brachten die Entscheidung im„Goldenen Rad' Bauer gewann das besonders Wertboll« Renne« leichf Vom Start bis durchs Ziel bor SaKow. In den Fliegerrennen kam es zu recht spannenden Kämpfen, die Lorenz dennoch leicht zu seinen Gunsten entschied. Ergebnisse. 2lrmbinderennen, 1800 Meter: 1. Lorenz 3 Mi». 27 Sek., 2. Abraham, 8. Walter Sawall, 4. Packcbusch.— Mal« fahren über drei Runden: 1. Lorenz 1 Min. 55 Sek.. 2. Hiepel, 3. Packebusch, 4. Wegener.—„Das goldene Rad', Entscheidung-- lauf über eine Stunde: 1. Bauer 63 Kilometer 070 Meter, 2. Sal- dow 2460, 8. Pawke 6310, 4. Thomas 8660 Meter zurück.— Vorgabefahren. 1500 Vdeter: 1. E. Sawall(130), 2. Dahnke(1201, 3. Stolz(80), 4. Zimmermann(160 Meter Vorgabe); Zeit: 1 Min. 61 Sek.— Sntschädigungsfahren, 1500 Meter: 1. Ärahner, 2. Häus- ler, 8. Müller. Sonntag großes Programm. Die Dauerfahrer bestreiten ein 3S-Kilo- meter-Remien und ein Rennen über 10 deutsche Meilen. Fast die gesamte deutsche Fliegerklaffe ist am Start. Zeugen, welche gelecen. wie am Sonnabend an der Dragoner« kaserue. Selle-Alliance-Straße, mebreri Handgranaten geworfen wurden, werden gebeten, sich bei Klaus, Bergmannstr. l7, zu melden. Zum Besten de? Deutschen Hilfswerks für die Kriegs- und Zivilgefangeneu: Elite-Sängcr iin Theater am Kottbuter Tor heute Freitag Plohlt ätsglettsoorstellung. Wilmersdorf. Alfred Riedel gestorben. Eine empfindliche Lücke hat der Tod in unsere Wilmersdorfer Parteiorganisation und Stadt- Verordnekenfraktion durch da» Ableben des Genossen Riedel gcripen. Von Beruf Difchler, hat er durch unermüdliche, selbstlose Tätigkeit in der Arbeiterbewegung Stettin? und Grotz-Berlins und durch Selbststudium sein Wissen und Können vervollkommnet. Sein HaupttvirkungskreiS war seit vielen Jahren, zunächst als Vor- standSmitglied, di« moderne Ausgestaltung der Allgemeinen Orts- krankenkasse in Wilmersdorf. 1311 wurde Riedel alz 1. vcrwal- tungSbeamter angestellt. Hier trat seine, auch von den politischen bestfundierten ist und außerordentlich segensreiche soziale Einrichtungen besitzt. Er war so wenig auf sich bedacht, daß selbst ein jahrelange?, schweres Kehlkopsleiden nur vorübergehende, als lästig empfundene Pausen erzwingen konnte in seiner rastlosen Tätigkeit. Im wahrsten Sinne des Wortes hat Riedel sein Leben dem Wohle der Allgenteinheit geopfert. Fern der Heimat und seinen Lieben- in Davos(Schweiz), wo er die Linderung seine? Leidens erhoff!«, ereilte ihn ffn Alter von 43 Jahren der Tod. Er war ein ganzer, herzensguter und pflichigetreuer Mensch. Wir werden den Braven schmerzlich vermissen. Sein Bild wird in unseren Herzen fortlebe» und uns stets ein reger Ansporn sein in unserem schweren Kamps für die hehren Ideale unserer Weltanschauung. — Proteststreik der MagistrotSbilfsarbciter. In der Stadt' vervrdnctenversammlung am Mittwoch stand die Durchbercatung der Hilfsarbeiterbesoldung auf der Tagesordnung. Nach Perab- schiedung der ersten zwei Punkte wurde von bürgerlicher Seite Ber- tagung beantragt. Stadtv. Lüdcmann sprach dagegen mit dem Hinweis, daß noch dringende Punkte, z. B. die Besoldung, aus der Tagesordnung stehen, aber die beiden sozialdemokratischen Frak- tionen wurden überstimmt. Auf Grund dieser Verschleppung fand am Dcmnerstagnachmit- tag eine Vollversammlung von zirka 700 Personen statt, welche unter großer Entrüstung die Handlungsweise der bürgerlich?« Par- teien mißbilligte und einstimmig einen Beschluß faßte, dar das Borgehen der RathauSmehrheit feststellt und weiter sagt:..Tatsache ist. datz Herr Stadtverordnetenvorfteher Fabian sämtlich« Mit- glteder der Versammlung um 8 Uhr zu einem Bierabend im Restaurant„Augustahof" eingeladen hatte. Die HtlfSarbetter erblicken in der von den bürgerlichen Parteien bewiesenen Sorglostg- leit eine severe Verletzung ihrer Recht«, sprechen ibr tiefstes Be- dauern auS und legen zum Protest am Freitag die Arbeit nieder.' Die angeschlossenen Handarbeiter haben ihr« volle Sympathie aus- gesprochen._ Groß-Serliaer parteknachrichten. Zentrale für die Einigung der Sozialdetwokratie. Bezirk Osten. Heute, Freitag, 7 Uhr, Mitgliederversammlung bei Rosien, Gubener Straße IS. Charlottenburg. Fortsetzung der Diskussion nicht im BolkShau», sondern in Schulz Feftsälen, Kaiser-Friedrichstr. 24, S 0 n n t a g, vormittags 10 Ubr. Nenköllu. Sonntag.>/,10 Ubr, Aula des Realgymnasiums, Kaifer-Friedrichstraße, große öffentliche Versammlung: „Die proletarische Einheitsfront'. Referenten: Ströbel(U. S. P. D.) und Ed. Bernstein?etöw'ien» kennen. Die Kurse, zu denen keine BorkeniNniffc nötig sind, sollen bi?rzu Odele ten. bell bieten.— Sltdeiter-Nadfayrerveretn Grost-Berltn. Sonnia itiih 6 Udr: Luckenwalde, nachmittag» 1 Ubr: Rroßdeeben tFtchtenwätdch n). Start: Maiiannenotah.— Dr. Urung Wille an je vier Abenden 7 Uhr: Montag»(Beginn uö. Ma), Nieder, va itr. 12, nabe Sotttelm rtt. Feier- stunden mit d e u I i q e n Dichter» iCpaaiy'jo bi» Lenaus• Mittwoch»(Beginn 28 Mai) F a n si II, Reichstuotuser tz tvahnlios Friedrich- tiratze).— Arbeiter. Samariter-ilund, Kolonne Grosi-BerUn. Sama-iter-Genossen, welche irgend ablomtnen können, werden dringend eriucht, am Sonnabend, reu 24, Mai. oiiitag» 1 Ilde, am Dom im Lust- garten, zum Dien« zu ersch inen, Bezirk Süden: Die Wabt der BezirkStellung sindct am Montag, den 25. Mai. abenc» S Ubr, nach dem Bot trag« Metchiorstr. lö statt. 1. Abteilung: Heute Freitag/ Tj, Ubr Usedomilr. 33, Vortrag und Ncbungskiunde. Mittwoch, Punkt 7 Uvr: Fortsetzung der Tenevail>crsamm.ung vom 4. Mai. Melchwrltiatze 15.— oUkck!''>«ekll iicisvrtrchstr. ISS. Ecke Anler». ctndaa lMUlll) fiSti", k-agenüb. d. vittorla.E-ks. Zentrum 10») 1-STirferriltlrftfcPtlf** � WilhcIfN*. Kfrcdbacli LuSugcriliilbral perr z. sprechen Potsdamer Str. IIS. iLützovstr.) Langjahr Et.ahr. Zuverlfiss. Rectusneistand in che-, Alimenten- u. Vertraue.issach, Gesuche,Verirä)5e, Er- mitteiungen.— Biobachtungen. Tel. Lützow2434. Achtung. Mit der Dr. v Kirchbach G. m. b. U, Alexanders». 45, habe 'ch Keine Verbindung. 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Maie: SergnteKuf Schauspiel von Sudermann. Sbd.>/z4 Uhr: Rotkäppchen. Sonntag 4 U.: Aschenprüdel. Residenz-Theater. Untergrundb. Kiosterstraße. Ausgang Stralauer Straße. 4 Täglich 8 Uhr: Das lere IM Schauspiel von Sudermann. _Regie: Allred Rotter. Walhalla-Theater. 7V, übr: Die kleine Sklavin. Rose-Theater. Größter Laeherfolgi l1!* Uhr: Ehe- trlanb. O'perette von Jean Gilbert Casino-Tlieater. SolHrin«. Str. 37. TiigL«/.«llHr: Die Berliner Posie Ter selige HollschinSki. Dazu erstflasfide SpeGciiliiten. Zoumag Zb.: Du ahuft e» nicht. Df»_____ Direktion: Victor Barnowsky 7 Uhr: PeerQynt. Sonnabend: Der Blaulucbs. Sonntag; Liebe. Deutsches Künstler- Theater. Allabendlich TV. Uhr: Das Schloü am Wauasee. SdiswzialteSilei. Linstsptelhaus Cen tra 1-Th eater Kommandantenstraße 57. uhrV Die Seitßnste»on/i3]sfi. f>eBtsclioe Opernhaus 7 Uhr: Die lustigen Weiber von Whidsor. FrieöF.-WiMisl Dealer T'/eUhr�asDreiffiSfleHliaiis I. Teil. Kleines Theater. p/, uhr: Itoielbialtelm Komische Oper VI,''"""" Uhr: uhr4: öie spaniselie Fliese. Metropol-Theater. t uhr io: Die Faseäiflgslee. Sonnt. 3 Uhr: Wiener Bfut. Ttcnes Operettenhaos uhr; Die keasefee Susame. Palast-Theater TV» Uhr: Die Q'schamlge. Die Prau ohne Berul. Haupttreffer 33. D. Einbrecher. Schiller The» t, Charl. V/, Uhr: Thalia 7-/.U.- ZofiiiiicD Eünunei Th. am Ziell endorfplata Zum L Male: DIB Theater des Kesten« 8 ua Wo öle Liebe MBL Stg. 3 U.: Barbier von Sevilla. Theater d. Friedrichstadt 7Va Uhr: AMkA. Wallner-Thcater v/, uhr; Geisha. Stg. 3V, U: Graft. Lutembu rg i Vi"* r; KiSflis Eranse. talla-Theater IT kriierMbden.' JPJULM.S' Die vrennrnsdiene Pn'rtz�esfin ZuStrpJeJin J Akten von ßühOcctz HauptTo//en■ £va Afes.y Jo/btnnea Ricmann ieopM r Zec/ajiu.' S&thAiffiiAnmf DvSpukim/ü'jfe desPrafessosj Studts/ BüZAf' £in si Aejicfiar %y • MatlonaUTbeater. 7Vj Die Kinopuppe Laisea-Theater. 712 uhr: Jugend. S8: Rißt ü. NM. Stg. 3; IRat.a ShiQöoleaa. öennt V),: EintnaL Aufführe M ißsse Sillj Mi. Mier». KolldllMU ffr. Sanssouci Xottd.Str�) Abends 70, a. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Slite Sanger 9 knemal. Mitglied, d. Stettioer Sänoer Biüthgen- Konzert. Beginn 7 Uhr. Vorvckauf II-I Uhr. Sonnt nachm. ermäß. Pr. nfem Clrcue« I Bus�tS; Ein Fest n. d. Stiergefecbf. präz. Rloger-Wet« Urbach= Naber Sfromski— Pa-vlowicz Stalllng- Hansca-Escn Entscheidungskampl; HIntze— Strenge. Winter- Galten Tätlich 7V, Uhr: Das vollständige ___ humoristlscbv- Variete-Spielplan Rauchen gestattet! APOLLO Theater. Dir.: James Klein rnednehstraße 218 j 1*1, Mai»•/. Sonntags 3'/, u. 7% I (jus. spiei Ferdinand j Bonn | in seinen klassische Meisterszenen Klein- Kosa I Wiens läjähr. Soud i lOukrain.Tanzsternel 4EtliOP8iksarrieIeheS 1 Uonlta Ueroi d. Sjähr Spitz.-Tänz.! i SoiereipÄ� f Jricniani-TriomAul � Uhr Sonntags 3-u. 7 Uhr Die neuen Ballette Ito Gos�oslersetiloD Wiener Walzer außerdem > Tanr-ReYU"- dniirals'tiiuo. 1 3. Rätsel d. 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Tor) Alexanders tr.» fbeim Pol. Pr.) Disconto-Qesellschaft, Berlin. Der Qewinnanteilschein Nr. 93 unserer Kommandit-Anteile wird mit Mk. 54,— für die Stücke von 600 Mark, „ 108,— für die Stücke von 1200 Mark vom SS. Mai 1819 an in Berlin bei unserer Kuponkasse, W, Behrenstr. 42, und bei unseren Niederlassungen in Aschersleben. Bad Omhausen, Bielefeld, Bochum, Braunschwelg, Bremen, Burg H/M., Coblenz, Cöpenlcb, Göthen l A., Cüstrin, Donzig, Dessau, Detmold, Basen, Frankfurt a. M-, Frankfurt a. O., Gießen. Gronau 1/WM Balherstadt, Hannover, Hattingen, ' Lemgo, Lübeck, Th., Mülheim WK s,S., Nordhausen. Oftenbacfa e. M., Peine, Posen, Potsdam, Rheine j/W., Saarbrücken, Solzwedcl, Stendal, Stettin, Tilsit, Trier, Wiesbaden, „ Cöln bei dem A. Scbauffhausen'schen Bankverein A�O. und bei dessen Nieder. losanngen in Acfaen, Beuel. Bonn, Cleve, CBln-Mülbelm, Crefeld, Dinslaken. Duisburg, Dülken, Düren, Düsseldorf, Eratr.erich, Berg»Gladbach, Godesberg, Grevenbroich, Hamborn, Meiderlcb, Mürs, NeuS, Neuwied, Odenkirchen. Rheydt, Ruhrort, Siegen, Viersen, Wesel, , Hamburg bei der Norddeutschen Bank in Hamburg und bei deren Niederlassungen in Altona und Barburg a. E., in den Vormittagsstunden von 9 bis 12 Uhr bezahlt Die Auszahlung erfolgt ferner vom 22. Mai bis zum 30. Juni 1979 auch noch bei folgenden weiteren Stellen: in Augsburg bei der Bayerischen Disconte» and Wechsel-Bank A..CL. „ Barmen bei dem Barmer Bank-Verein Hinsberg, Flacher& Comp.. , Breslau bei dem Bankhause B. Heimann, bei dem Bankhause G. v. Pachaly's JBnkeL „ Cassel bei dem Bankhause L. Pfeiffer, , Cöln bei dem A. Scbaatthausen'schen Bankverein A-G.(siehe oben). bei dem Bank hause A. Levy, -, Sei. Oppenhelm|r.& Clt., , Dresden bei der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt, Abteilung Dresden» bei dem Bankhause Philipp Blimeyer, „ Elberfeld bei dem Bankhause von der Hcydt-Kersten Ä Sühne, „ Fraoklurt a. M. bei der Deutschen Effecten» und Wechse8»Bank. „ Halle a. S. bei dem Halleschen Bank-Verein von Kulis ch, Kaetnpi& Co.. „ bei dem Bankhause Reinhold Steckner, Hamburg bei der Norddeutschen Bank in Hamburg(siebe oben), bei der Vereinsbank In Hamburg, „ Hannover bei dem Bankhause Hermann Bartels, bei der Hannoverschen Bohk. „ dem Bankhause Ephraim Meyer A Sohn, „ Karlsruhe' t. B. bei der Sfidileufschen�DiscontO'CeseUseliBft A.-G-, bei dem Bankhause Veit L, Homburger, „„„ Straus Sc Co., „ Leipzig bei der Allgemeinen Deutschen Credit-AastaH und bei deren Abteilung Becker Sc Co., „ Magdeburg bei dem Bankhause P. A» Neubauer, „ Mannbelm bei der Süddeutschen Disconto.Qesellschaft A.»G� „ Meiningen bei der Bank für Thüringen vormals B. M. Strupp, Akf.-Ges., „ München bei der Bayerischen Hypotheken» und Wechselbaak, bei der Bayerischen Vereinsbank, „ Nürnberg bei der Bayerischen Dlsconto» und Wechsel-Bank A.»Q� bei dem Bankhause Anton Kofan, _ Stuttgart bei der Stahl SC Federer A. G., bei der Königlich Württembergischen Holbank, G.in.b.B» Berlin, den 21. Mai 1919. Direction der Disconto-Gesellschaft, 3o!dfUllfeder iSIchertieitS' ! Halter Ü i15 cm le.35ink. 112«Vocfien Um-| Reparaturen Ia��o! a".r Systeme Prospekt yna?«veS«i« Gratis Echt Gold.la Dlanian� Iridium-Spitze FINK Berl'n, rlctsetr. T4 ,'6 und 133/6 # Bote»la Meuz-ÄM- Lotterie Ziehung 4„ 5.,«. 7.. 8». 9», 1». Joul 1919. 17851 Geidgewinne» 809 000 IN. Hauptgewinn 100000 M. bar« 1 nea nni» fi KU AI Porto und Liste SO Pf. mehr. �UdC lull O.ÜU IH. Versenden gegen Nach. lahme oder Voreinsendong SntU Kaase tz Co. Berlin Si. Bredowstr. Eigene Berilner Filialen: Kttnlgutr. 55 and 57, Wallstr, 1, Hosonthaler Str. 71�3lttllcpntr. Sh. 9. ünoMlBt Ale feiet Des JStiöitlS"! 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Samariter' A-S.B. 1 Bund KoloniicflroB- Berlin. Am 18. Mal starb unser Nitqlie!, vttg AltenM. Die Slniischerring findet am Freitag, den 23. Mal, nachmittags 2 Uhr, im stre matorlum Derichtstr. statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 2&2il 2 refipuntt zur BegleiNlng des Banners nachmittags VI, Ui>r im Restaurant Ruheplatzstraste Ecke de- richtstraste. Der Zentralvorstand Ernst VuB, 1. Versitzender, W. 57, Dennewltzstr. 8. Direction der Disconto-Gesellschaft in Berlin. Bilanz am ZI. Derember 1918.") Aktiva. Kasse, fremde Oeldsonen, Kupons und Guthaben bei Noten- und Abrechnungsbanken..... Wechsel und unverilnsllche Schafzanwelsuntzen a) Wechsel u. unverzinsliche Schatzanweisungen des Reichs und der Bundesstaaten M. I 975 117 263.04 b) eigene Accpte......— c) eiöene Ziebungei»....,—r- d) Solawechsel der Kunden an die Order der Bank....— Nostroguthaben hei Banken und Benkfitmen.. Reports und Lombrtds gegen börsengängige Wertpapiere.................. Vorschösse auf Waren und Warenverschiffungen. davon am Bilanztage gedeckt a) durch Waren, Fracht- oder Lagerscheine M. 2 247 185,15 b) durch andere Sicherheiten..„'5 rgg zng.g? Onluefirtislt ik' freien OolHsbüt/iK. 18, Mai perstark I unser �ngsiihriger Kollege � Wllkcim Mz (Obmann de> 7. Abteilung). Ehre sefneuf.Andenken 1 Di' Beerdigh.ug sindet am Freitag, den 23. Mai, nachmittags 5 Uhr, dsn der Leichenhalle derIerUsaiems- chemeinde, Neukiill», Her- mannftr. 84—99, statt. Vorstand u. Ordnersebaft der Freien Volltsbühne.| Eigene Wernpapiere............. a) Anleihen und verzinsliche Schatzanweisungen des Reichs Uder Bundes- taaten 54. 8Z 848 160.79 d) sonstige bei der Reichsbank u. anderen Zentral-Notenbanken hrlelhbare Wertpapiere..., 3 824 746�8 c) sonstige börsengängige Wert- nuplere.......... 6 024 812,75 d) sonstige JVertpapiere..... 2 692 328.68 JSpezlalarzt DoiJlrfl Geschlechts-, Haut-, Frauenleiden. Behandl. schmerzlos ohne Berufsstörung. Mut- Untersuchung. Teilzahlung. Separates Uamenzimmer. PfialrielistF.liUpri»!'.� t- ßp. ineil. WockenM, Frisdrichstf. IZSbSfSÄ. Spr, II— I, fr— 8. Sonnt. II— fe Erfolgreiche Behandlung HaQt-"ßarnarzt. Erfolgreiche Behandlung. Königstr. 34/36 Alexanderp lau. 10— 1, 5—8, Sonnt. 10—1. »»e med. Haschfr, FrieiSriehslr.SöstÄnToi. Spr. 1(1—1 u. 5—8, Sonnt. 11— I. Enolgreicfce Behandlung.• ' Dr. Scottl Eant- u. Harn-Arzt Erfolgreiche Bchandlunß Rosenliialer Strafte 69—70 in Beil-Anstalt., Loser I«-l, 5—8, Sonntags>»->. IFZl t- it Konsortialbetefligungen........... Beteiligung bei der Norddeutschen Bank in Hamburg Beteiligung hei dem A. Schaaffbausenschen Bankverein A-O................ Dauernde Beteiligungen bei»n deren Banken und Bankfirmen................ Schuldner in laufender Rechnung....... a) gedeckte 54. 727 427 323,70 davon durch börsengängige Wertpapiere gedeckt 54. 265 333' 0 ,50 b) ungedeckte„ 159 459 200,41 AuSerdem Aval- und Burg Schafts- Schuldner.. M. 362 649 525,62 Forderungen an das Reich oder die Reichsbank au« für Rechnung derselben übernommenen Verpflichtungen............... Wertpapier-Bestände der Pensionskasse und der Stiftungen................ Einrichtung................ .Bankgebäude in Berlin und bei den Zweig-NIeder- lassungen......... 54. 36 547 891,75 Abzüglich Hypothek auf Grundstücke Unter den Linden 33/34, Lindengasse u. Chariottenstr. 37/38, 5 OOfl 000,— Unter den Linden 32...., 1 000 000,— Köhlens.......... 220 000,— Stettin.......... 75 000.— Sonstige Liegenschaften: Orundstücke Bchrenstr. 21/22 und Französische StraSe 53/56 zu Berlin, sowie in Bielefeld, Essen, 54Ulheim, 540rster und Trier..... 54. 204 948 349 1 975 117 263 Pf 407 048 665 299 294 401 18 026 400 96 390 048 54 48017 097 68 60 000 000- 100 000 000 61 647 641 586 836 326 119 737 402 6 218 786 30 252 891 7 665 702 73 45 14 Passiva. Eingezahlte Kommandlt-Ameile Allcemeinc f gesetzliche) Reserve............ Besondere Reserve................. lilä ibiger..................... a) Nostroverpflichtnngen....... 54. 24 706 893,93 b) seitens der Kundschaft bei Dritten benutzte Kredite.......... c) OiitraKen deutscher Banken und Rankfirmen........... d) Einlagen auf provisi�nsfrelerRechnung L innerhalb 7 Tagen fällig..... 54.1 092 428 052,99 2. da-Dber hinaus 29 854 484,53 453 539 8023" 466 248 039,88 3.4'' 081 555,62 54. 1 120 986 916,99 1 910 757 648,49 81 678 476,31 17 779 811.24. 1»n 445 204.54 54 385 972.73 13 866 52'.93 362 649 5/5.62 1 976518,15 1976 518,15 bis zu 3 54onaten fällig..... 3. nach 3 Monaten fällig....._ e) sonstige Gläubiger' 1. innerhalb 7 Tagen fällig..... 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten 'ällig..... 3. nach 3 Monaten fällig...... Accepte und Schecks..... a> Accepte.......... b) noch nicht eingelöste Schesks Außerdem Aval- u. Bürgschafts- Verpflichtungen.. 51 Eigene Ziehungen,„ davon fDrRechnung Dritter....„ Welterbcgebene Solawechsel der Kunden»n die Order der Bank..— ,— Für Rechnung des Reichs oder der Reichsbank übernommene Verpflichtungen.................. Wohttahrtseinrichtungen: David Hansemannsche Pensionskasse.. 54. hierzu Ueberwei- sung aus d. Gewinn» u. Verlust- Rechnung v. 1918, Adolf von Hansemann-Stiftung SchoeMer-Stlftung......... Dr. Arthur Saiomonsohn-Stiftung.. Dr. P. D. Fischer-Stiftung...... Sonstige Stiftungen für die Angestellten der Gesellschaft.......... Noch nicht abgehobene Gewinnanteile der früheren Jahre Rückstellung für Talonsteuer..... 54. 885 020,— hierzu Ueberweisung aus der Gewinn- und Verlust-Rechnung von 1918._ 310 00",— 9 Proz. Gewinnanteil auf 54. 310 000 000 Kommandit- Anteile Gewinnbeteiligung des AulSlchtsrats.......... Gewinnbeteiligung der Geschäftsinhaber........ Uebertrag auf neue Rechnung............. 4 929 729,92 400 000.- 54. 5 329 729,92 466 037,10 273 467.79 62 076,10 49 457,90 742 668,03 _________ 4 321 261 179 *) Die nachstehende Bilanz enthält nicht den Vermögensstand unserer Londoner und Metzer Niederlassungen. _" Gewinn- and Veriasf-Rechnang 1918.*) 51 310 MIO 000 109 000 000 25 000 000 i 649 304 035 68 252 797 119 737 402 36 66 98 Soll. Verwaltungskosten einschl. Gewinnbeteiligung der Angestellten...»........... Steuern................. Zu verteilender Reingewinn......... 54. 33 803 792 6 ZA 675 32 016 131 Pf 24 13 30 72 116 398 67 Haben. Vortrag aus 1917.................. Coupons...................... Verfallene Gewinnanteilscheine............ Provision..................... Wechsel und Zinsen................. Beteiligung bei der Norddeutschen Bank In Hamburg... Beteiligung b. d. A. Schaaffbausenschen Bankverein A.-G.. Dauerode Beteiligung bei anderen Banken und Bankfirmen 54.! PI 292 619 47 1 076 9i2: 32 14 529 036' 49 40 877 187 69 4 600 00 I— 7 000 IX»!— Z 540 51? 70 72 116 598, 6/ *) Die nachstehende Gewinn- und Verlust-Rechnung enthält nicht das Erträgnis unserer Londoner und Metzer Niederlassungen. Sanltfitarnt Dr. Müller. Frieörichstraße ISO 11 Eingang Kroncnstraüe.* Spr. It-1, 5-7, Sonnt. 11— I. Erfolgreiche Reilerfolge. Piano kauft Ase er,(flenebutgec Dtraste L F-tntfpz.: Maabtt 7310.* aatienawcrte Läger, Auswahl in 4 ä.tagan wie im Frieden Gediegene Schlafzimmer Speisezknmer* Herrenzimmer Farbige„ Irgünzungs- KOchen* Möbel Für Brautleute heseaders empfehleoa- wert.— Auf Wuaaeb Telltahlnnirl Möbel- Haus A. DACH ITT Kueißaln Str. W-W i Rll nsti III. Haut- u. Harnarzl Dr. med. Haedicke, FriedrichstraBe 187-88 an der Mohrer.siratte. 11-1,5-7. Sonnt. 1 1-1. Holzbildhauerei welche für auswärtige graste Mäbelsabrif laufend Edinitzc» refen ausführen kann, gesucht. Offerten nnter E 23 an die®o schäsisstelle d. Blatte»-rdetett. Dr. med. 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Ob sie zum Grenzschutz gehörten, wird nicht gesagt, man muh es aber vermuten.— Nachdem dies schon der zweite derartige Fall ist, verlangen wir die schärfsten Maßnahmen, daß solchem gemeingefährlichen Treiben sofort ein Ende gemacht wird. Das Rötefpstem bei öer preußisch-hesststhen Staatseifenbahn. Eine Erwiderung. Das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten schreibt uns: „Die im Abendblatt des„Vorwärts" vom 21. Mar unter dieser Ueberschrist erschienene Erklärung des Zentralrats der Eis enbab ii arbeite rräte und des Deutschen Eisen- bahnerverbandes enthält in wesentlichen Punkten tatsächlich unrichtige Angaben, zu deren Berichtigung wir folgendes erklären: 1. Es ist u n r i ch t i g. daß zwischen dem Eisenbahnministerium und dem provisorischen Zentralrat Verhandlungen hierüber stattgesunden haben. Nicht nur das Eisenbahnministerium, sondern die preußische Staatsregierung hat vielmehr die Anerkennung des ZeMralrats ausdrücklich abgelehnt, weil er nicki aus allge- meinen Wahlen der Eisenbahnarbeiter hervorgegangen ist und nur eine Klasse der Eisenbahnarbeiter vertritt. Der Zentrolrat ist daher auch zu den Verhandlungen im Ministerium nicht zugelassen worden, vielmehr sind lediglich einige seiner Mitglieder, die zu- gleich Mitglieder des Deutschen Eisenbahnerverbandes find, als Vertreter des Verbandes in eine schon tagende Kommission entwndt worden, welche die neuen Bestimmungen über die Arbeiter- Vertretungen beraten sollte. 2. Das Eisenbahnministelium hat bei Beginn der VerHand- lungen erklärt, daß es der reiSSgesctzlichen Regelung der Betriebsräte als Staatsverwaltung nicht vorgreifen dürfe, und daß es jetzt zunächst auf die Schaffung der durch das Gesetz vom 23. Dezember 1918 vorgeschriebenen Arbeitervertretungen ankomme. Dieser Auffassung haben sich alle Verbände, auch der D. E. V., angeschlossen, und auch die als dessen Vertreter erschienenen Mitglieder des Zentralrats haben erklärt, die sogenannten Frankfurter Richtlinien bis zur gesetzlichen Regelung der Betriebs- rate zurückstellen zu wollen. 3. ES ist unrichtig, daß die den Arbeitervertretungen zugestan- denen Rechte nur unbedeutender Natur sind. 8 2 der Be- stimmungen, der sich fast wörtlichandenvomD. E. V. vorgelegten Entwurf anschließt, lautet: „Tie Arbeitervertretungen sind die berufene Vertretung der Arbeiterschaft in allen aus dem Arbeitsverhältnis sich ergebenden Fragen, und haben als solche haS wirtschaftliche Interesse der Arbeiter Wahltunehmen,.insbesondere bei der Regelung und Durchführung der Lohn- und sonstigen Arbeitsbedingungen mitzu- wirken und initzuciitscheiden. Sie haben das gute Einvernehmen innerhalb der Arbeiterschaft sowie zwischen ihr und der Berwal- tung zu sördern und die Verwaltuiig bei der Bekämpfung der Unfall- und Gesundheilsgefahren und aus dem Gebiete des WohlsabrtswesenS durch Anregungen, Beratung und Auskunft zu unterstützen.' Dieser Bestimmung haben alle Verbände, auch der D. E. V. und die als seine Vertreter erschienenen Mitglieder des Zentralrats zugestimmt. Alle Vertreter deS D. E. V. haben in den vom 12.— 19. Mai stattgefundenen au-sgedehnten Sitzungen tätig mitgewirkt, und erst als die Verhandlungen kurz vor dem Abickluß standen, die Forderung erhoben, daß neben den neu zu schaffenden Arbeitervertretungen die bei den Direktionen bestehende», vielfach nicht aus Wahlen bervorgegangenen Arbeiterräre in Wirksamkeit bleiben sollten. Dieser Forderung, der die anderen Aibeilerveibändc geschlossen widersprachen, konnte auch das Ministerium nicht zustimmen. Die sofortige Einführung der Vertretungen für die Arbeiter- schakt der Eisenbatnverwaltung ist lediglich durch diese Forderung verhindert worden._ Das Sstätlgunssfelö öes neuen Ministeriums für Volkswohifahrt. Das Staatsministerium hat das Arbeitsgebiet des neuen Ministeriums für Volkswohlfahrt wie folgt umgrenzt: Das Ministerium gliedert sich in d r e i A b t e i l u n g e n, Abteilung für V o l k S g e s u n d h e i t, Abteilung für W o h- nungS- und Siedlungswesen, Abteilung für Jugend- pflege und allgemeine Fürsorge. Die Ministerien des Innern, für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, für Handel und Gewerbe, für Landwirtschaft, Domänen und Forsten treten alle ein- schlägigen Gebiete cm das neue Ministerium ab. Das neue Mi- nijterium umsaßt in Zukunft also: GesundheitSpvlizei, Haltekinder- Wesen, Proftitutionswesen, ärztliche und zahnärztliche Vorprüfung, gesundheitspolizeiliche Aufsicht über die Universitäiskliniken, Beauf- sichtigung der Schulärzte, Gewerbehhgiene, sozialhhgienische Ar- Heiterfürsorge, Volksernährung, Schul- und Schülerfürsorge, Ge- sundheitsunierricht in den Schulen, Veterinärpolizer, Hygiene des Bergbaus, Vcrkehrshygiene, das gesamte WchmingS- und SiedlungS- wesen, ländliche Wohlfahrtspflege, Berufsberatung für die schul- entlassen« Jugend, Kleinkindersürsorge, die Jugendpflege an der schulentlassenen Jugend, Säuglings- und Mutterschutz, Fürsorge für die gefährdete und verwahrloste Jugend, Kindervolksküchen, Ferien- kolonien, Landaufenlchalt von Stadtkindern, Kreiswohlfahrtsärnter, Frauenschulen und Wohlfahrtsschulen, Anstalten zur Ausbildung von Gemeindeschwestern und Pflegerinnen, Kriegsbeschädigten für- sorge, Armenpflege, Wanderarmenwesen, Wanderarbeitsstätten, Walsenpflege, Berufsvormundschaft, Erwerbslosemmterstützung. Staötverorönetenverfammlung. Die Sitzung begann mit einer scharfen Erklärung deS Oberbürgermeisters Mermuth gegen den sogenaunten B ü r g e r r a t. der ihm— wie im„Vorwärts" berichtet wurde— einen Rüffel erteilen zu sollen geglaubt hat. Herrn Mermuths Abwehr wurde von der- Bürgerlichen Vereinigung und auch von den Demokraten mit Schweigen, von beiden sozialistischen Fraktionen mit Beifallskund- gedungen aufgenommen.— Bei der V o r st a n d s w a h l kam es zu einem Streik der Dcniokratie. Weil sie die Wahl gleichberechtigter Vorsteher fjjr einen Verstoß gegen die Städteordnung halten, gaben sie weiße Zettel ab, und wollten auch bei der Stellvertrcterwahl keinen der Ihren gewählt sehen. Herr Cassel, den man mal„König von Berlin" genannt hat, zog die Konsequenz aus der Kaltstellung des Kommunalfreisinns und setzte sich in den Schmollwinkel. Die Bürgerliche Vereinigung schloß sich der lächerlichen De- monstration nicht an, obwohl auch sie daran festhielt, daß diese Regelung der VorstandSzusammensetznng„ungesetzlich" sei. Gewählt wurden zu Vorstehern H e i ni a n n sSoz.) und Wehl(11 Soz.). Die Stellvertreterwohl wurde vertagt, weil nun über die Verteilung der beiden Aemter neue Fest- setzungen getroffen werden sollen. Oberbürgermeister Mermuth kommt auf die wtederhokten An- griffe des„Bürgerrots von Groß-Berlin" gegen ihn zurück. Er be- dauert aufs Lebhafteste, daß gerade in dieser dunkelsten und ernstesten aller Zeiten ein solcher persönlicher Hader hervorgetreten ist. Der Magistrat habe am 19. Mc.i eine Kundgebung zu den Friedensbedingungen veröffentlicht; der Biirgerrat habe diese, unklar aus welchem Grunde, mit aller Getvalt vor aller Welt abzu- schwächen versucht. Der Biirgerrat sei nicht berufen, den Mit- gliedern der städtischen Bebörden daL Vertrauen der Bürgerschaft zu bewilligen oder zu entziehen tZustimmnng). Der Magistrat sei nicht geneigt, sich als Vertrauensrräger einer einzelnen Vereinigung zu betrachten; er sRedner) würde es als schwere Pflichtverletzung ansehen, ivenn er nicht allen Mitbürgern sich gleich verantwort« lich fühlte, wenn er das aufrichtige Streben, den Nöten, Sorgen und Interessen dieser Mitbürger nach Kräften gerecht zu werden. nicht gegen Alle in ganz gleichem Maße und ohne jeden Unter- schied wallen ließe.(Lebhafter Beifall und Händeklatscben bei den Soz. und U.-Soz.)— Im Anschluß hieran bringt Vorsteher Dr. Wetzl eine Erklärung der Arbeitsgemeinschasl der Arbeiterräte des Magistrats der Stadt Berlin zur Kenntnis, wonach das Vorgeben des" Bürgerrats aufs Schäiffte verurteilt und dem Oberbürger- meister das Vertrauen ausgesprochen wird.(Wiederholter lebhafter Beifall.) Die Leistung-von Berzütuugen von je 3 Mar? an die Stadtverordneten für die Teilnahm« an den Ptenar-, Lüsschnß«, Deputolions- und'Kommissionssitzungsn, sowie die Gewährung freier Fahrt auf der Siraßen-, Hoch- und Unter- grund-, Stadt- und Ringbahn für dieselben empfiehlt Dr. Roseuscld namenS der Ansschußmehrheit. Rosenvw(Dem.) protestiert nochmals gegen die Verleugnung des ehrenamtlichen Charakters der Tätigkeit der Bersammlungsmiiglieder, die übrigens mit nur 0 Mark doch ganz bedenklich untersckätzt werde; auch der zweite Teil der Aus- ichußvorschläge geht ihm zu weit. Zvbeil fll. Soz.) und Kobleuzsr (Soz.) plaidieren für die beantragie bescheidene Aufwandsenlschädi- gung wie für die Freifahrt, für deren Dnrchsetzung der Magistrat sich elnuisetzeii haben würde. Die Ausschußvorschläge erlangen eine große Mehrheit; auch ein großer Teil der Bg. Vgg. stinimt dafür.— Hierauf soll zur Wahl der beiden Vorsteher und ihrer Stellvertreter geschritten werden.— Cassel(Dem.) lehnt tiir seine Partei die Teilnahme an dem Mahlgang und eine Ver- tretung im Vorstand ab. Koch lBg. Vgg.) bekennt sich abermals zum Prinzip der Verteilung der Borstandsämter nach der Fraktions- stärke. Hintze(U. S.) beantragt, die Wahl der Stellvertreter zu vertagen, und schlägt als Vorsteher Heimann und Dr, Wehl vor. Gewühlt werden Dr. W e y l mit 98, H e i m a n n mit 88 Stimmen; 21 Zettel sind weiß. Der Antrag der Demokraten betr. Einrichtung eines städtischen Pflegeamts für sittlich gefährdete Mädchen und Frauen wird von Frau Freudcnthal begründet, die gegen die Sittenpolizei nud das Kontrollsystem sowie gegen die Reglementierung der Prostitution zu Felde zieht. Sladtmedizinalrat Dr. Weber ist voller Sympathie für den Antrag, hält aber den jetzigen Zeit- punit zur Durch'übrung für nicht geeignet; das Pflegeamt könnle zurzeit nur der Sittenpolizei beratend zur Seite stehen. An der Erörteruns beteiligtensich Fron Wurin(U.S.). Frl. Schmidt(Bg. Vgg). Cassel, Frau Dr. Wigodzynski(Soz.), detaillierte Vorschläge für die Ausgestaltung des PflegeamteS und für die von ihm � zu befolgende Methode machen. Die Sozialdemokraten beantragen auch, um die Urbcrnahme der Sittenpolizei auf die Stadt � bei der Landesver- sammlung zu petitionieren. Sämtliche Anträge gehen an einen Ausschuß. Ebenso ohne Debatte die Anträge Weyl-Barnowski beir. Erhöhung des Zusch'ags zu den Unterstützungen an Familien der Gefangenen und in Lazaretten Befindlichen um 199 Proz. Den Antrag der U. Soz. und Soz. wegen Bildung von Beiräten in Strafanstalten begründet Weinberg(U. Soz.), der sich auch über die Ausschreitungen von Militärs gegen politische Gefangene verbreitet. wobei die U. Soz. in stürmisch- Pfuirufe gegen Mitglieder der bürgerlichen Fraktion ausbrechen, die bei jenen Anführungen gelackt staben. Dr. Salzgeber(Bürgerl. Vgg.) spricht sich für den �Antrag aus. der nicht nur die beschleunigte Ausführung des bezüglichen justizministcriellen Erlasses vom 22. Februar, sondern auch dessen Ausdehnung auf die Untersuchungsgefängnisse fordert. Gegen die letztere Erweiterung macht Tovc(Dem.) Bedenken geltend. Da Antrag gelangt in beiden Teilen zur Annahme.— Die Offenlegung der Personalakten und die Beseitigung der Geheimakten verlangt ein Antrag Barkowski(Soz.), der nach kurzer Erörterung an einen Ausschuß geht. � Nachträglich ruft der oBrsteher Dr. Weyl den Stadtv. Streiter(Bürgerl. Vgg.) zur Ordnung, Werl dieser Beifallsäutzerungen der Tribüne zu den Ausführungen Weinbergs mit dem Zuruf charakterisiert hat:„Das sind wohl Zuchthäusler!" Hieran schließen sich erneute Proteste der Bürgerl. Vgg(durch Pastor Koch) und der Demokraten(durch Cassel und Dove)— gegen die von Dr. Weyl neu eingeführte Praxis gegenüber Meirnrngsäußaungen der Tribüne besondere Landmut zu bewähren. Heimann richtet an die Tribüne die Msh nung, sich jeder Störung zu enthalten. Dr. Roscnfeld: Wir to/a. eben nicht in regulären Zeiten und haben zu dem die Pflicht, mo dernen Anschauungen auch in dieser Richtung Bahn zu brechen; frühere Gepflogenheiten sind für uns durchaus nicht maßgebend. Die Vorlage wegen Gewährung besonderer K i n d e r z u- schlage neben dem Gchaltszuschlag wird noch um 9li19 Uhr in Beratung genommen, sie geht ebenfalls an einen Ausschuß. LeSte NachnÄten. Sn mMtärisiher Uebergriff! VersammlungSsprengung und wildes Geschicsse i» Schöneberg. Wie uns i» vorgerückter Stunde mitgeteilt wird, wurde in Schöneberg eine Bersaminlung, in der Hauptmann v. Beer, f c l d e sprechen wollte, von militärischer Seite aufgelöst. ES wurden wiederholt Schüsse abgegeben, worüber die Teilnehmer in große Erregung gerieten. Es gelang»nS bisher nicht, an amtlicher Stelle über die tatsächlichen Borgänge Klarheit zu erhalte«; wir behalten uns deshalb vor, auf den Borfall zurückzukommen. Knapp vor Schluß des Blattes erfahren wir noch: Während die Soldaten oben die Versammlung sprengten, stand unten schon ein Auto, dessen Maschinengewehr das Publikum bedrohte. Als die Versammlungsbesucher m größter Aufregung herunterkamen, raste dieses Auto wieder daher, vollgepackt mit Soldaten, die ihre Gewehre drohend auf das Publikum richteten. Auf einmal ging von den Soldaten ein wildcS Geschieße los, das zur Stunde— 11 Uhr nachts— in erhöhtem Maße andauert. Die unbewaffneten Zivillflen konnten sich kaum retten. Ob Opfer zu beklagen sind, ist noch unbekannt. Der Offizier gab auf die Frage nach dem Grund« dieses, wie es scheint, wahnwitzigen GcwaltstreichS nur unklare und auS- weichende Antworten, die sich auf irgendeinen nicht näher bezeich- ncten höheren Befehl beriefen. Wir fordern sofortige Aufklärung und augenblickliche Süspendierung aller Beteiligten vom Dienst, aber Sicherstellung ihrer Personen zur Verfügung des Gerichts. SewerffchaflsbewMng Aehntee Kongreß der Hewertschosten Deutschlands. Montan, dc» 30. Juni 1919, in Nürnberg im Taaibau des Industrie- und KulturvereinS, Fraueniorciraben 49. Als T a n e S o r d n u n q ist vorläufig vorgeieken: 1. Erledinunq der nelcbäitlicven Annelenenheiten.(Wahl der ilomm�sioncn. Pnuung der Mandate.) 2. Rccdenscvaitsbericht der Geneiallommission. Berichterstatter! l5 L e a' e n- Berlin. S. Rxtillinien iür d>e künftige Wirlsamkeit der Gewerkscha'ten. Die Benimmunaen über die Aufgaben der Betriebsräte. Benet'icrstalter: Tb. L e i v a r t- Berlin. 4. Die Arbeitsgemeinscbaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands. Berichterstatter: A. Cohen- Berlin. V. Die Satzungen des„Allgemeinen deutschen Gewerkschafts- bundeS". Berichteistailer: Tb. L e i p a r t- Berlin. 0. Gewertschaiilichc Unlerrichlskurse. Bcrichteistatler: I. Sassen- bach-Berlin. 7. Tie Soiialisierung der Industrie. Berichterstatter: P. Um- b r e i I- Berün. tlandwirischastliche Piodriktion und Anfied- hing. Berichrerstatier: G. Schmidt- Berlin. 8. Regelung des Lehrlingswcsens. Berichterstatter: I. Sassen- b a ch- Berlin. 9. Beratung der nicht unter den vorstehenden Punkten erledigten Anträge. Der Kongreß wird am 89. Juni 1919, vormittags 9 Uhr, eröffner und wird bis einschließlich 5. Julr tagen, Berlin, den 18 Mai 1919. Die Gcncralkommisfion der Gewerkschaften Deutschland?. C. Legicn, 80 13. Engelufer Ib. Die Adresse dos Lokalkomiiees ist: G. Bohl, Breitrgasse 22/27, Nürnberg. chuertreibereiben im Mitbestimmungsrecht. Die Verein i'gung von Oberbeamten im Bank- g e w c r b e hat der Rcichsregicruirg eine Denkschrift mit einem Entwurf eines Gesetzes über das Mitbestimmungsrecht eingereicht, deren sonderbarer Charakter nicht unkommentiert bleiben darf. In dem Entwurf werden die Angestellten in zwei Gruppen gegliedert, und zwar eine Gruppe mit den höheren, eine zweite mit allen irbrigen Angestellten. Jede Llngestelltengruppe soll einen Ausschutz für sich wählen; Angelegenheiten, welche nur eine Gruppe der An- gestellten betreffen, sollen nicht der Mitwirkung des Angestellten- ausschusscs der anderen Gruppe unterliegen. Auf diese Art und Weise verspricht man sich anscheinend das Günstlingswesen auch in ein verschleiSrtes Mitbestimmungsrecht Hinüberzurettcn. Anders läßt es sich nicht erklären, daß man sogar innerhalb der Betriebe noch Zweikammer-Parlamente schaffen will, in denen jede Kammer nach Belieben Eigenbrötelei treiben darf. Die unteren Angestellten werden für diese Art des Mitbestimmungsrechtes sicherlich nicht zu haben sein. Ter Herstellung eines Vertrauensverhältnisses aber zwischen den beiden Angestelltengruppen, welche die Oberbeamten im Angestelltenausschuß getrennt haben wollen, haben die weisen Väter des Entwurfes mit dieser Quertreiberei einen schlechten Dienst getan.__ Die Lohnbewegun-l der Stukkateure. Die Stukkateure Berlins und Umgebung waren zum 1. April an die Arbeitgeber mit der Forderung einer Teuerungszulage von 69 Proz. herangetreten, weil ihre Löhne während des Krieges hinter denjenigen anderer Berufe zurückgeblieben waren. Der bisherige Mindcstlohn für Bausiulkateure betrug 2,2S M. pro Stunde und sollte auf 3.69 M. erhöht werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Stukkateure in anbetracht der großen Arbeitslosigkeit nur 7 Stunden arbeiten. In zwei Verhandlungen, am 8. und 11 April, kam«s zu keiner Einigung der beiden Parteien, die Arbeitgeber machten ein Angebot von 2,ö9 M. Mindestlohn bis zum Höchstlohn von 2,75 M. In ihrer Versammlung am 22. April lehnten die Stukkateure dieses Angebot als ungenügend ab und beschlossen, sich an den Schlicküungsausschuß zu wenden in der Hoffnung, durch dessen Vcrmittclung eine Einigung zu erzielen. Die Verhandlung vor dem Schlichtungsausschuß fmii auf Ersuchen der Arbeitnehmer unter Leitung des Vorsitzenden der Schlichtungskommission im Stuckgewerbe, Herrn Magistratsrat Dr. Wölbling, statt. Nach eingehender Begründung durch beide Parteien und mehrstündiger Be- ratung verkündete der Vorsitzende dann folgenden Schiedsspruch: „Pom 26. April 1919 ab sind folgende Mindestlohne zu zahlen: Für BaustuMaleure 2,85 M.. für Gießer 2,65 M., für Former, Zieher und Modellarbeiter 2,79 M. pro Stunde.— Tie Akkord- mindestlöhne werden um 25 Proz. zu den jetzt bestehenden Akkord- preisen erhöht.— Tie Auslösung für auswärtige Arbeiten wird auf 7 M pro Tag festgesetzt:— Diese Festsetzungen sollen gelten für 6» Monate bis 31. Oktober 1919. Eine Erklärung über An- nähme oder Ablehnung des Schiedsspruches ist bis zum 29. Mai 1919 abzugeben. Unterwerfen sich nicht beide Parteien dem Schieds- spruch. so kann denselben auf Antrag der einen Partei der Demo- bilmachungskommissar für die Zeit der wirtschaftlichen Demobil- machiing als verbindlich erklären." Eine stark besuchte Versammlung der Stukkateure bei Wille, Sebastianstr. 39. nahm nun zu oem Schiedsspruch Stellung. Der Sektionsleiter Scheck berichtete über den Verlauf der Verhandlungen und kam zu dem Schluß, daß der Schiedsspruch leider nicht den Erwartungen entspreche, die wohl die meisten Kollegen geheot hatten, die Sektionsleiwna ober trotzdem in anbe- trackt der tatsächlichen voraussichtlich noch längere Zeit anhaltenden ungünstigen Lage im Beruf die Annahme empfehlen wolle. Nach eingebender Diskussion wurde denn auch der Schiedsspruch gegen 25 Stimmen und folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung nimmt mit Bedauern Kenirtnis von dem Er- gebn's der Verhandlungen im Schlichtungsausschuß und konstatiert, daß der Schiedsspruch der Verteuerung der Lebenshaltung nicht in genügender Weise entspricht. Die Annahme des Schiedsspruches erfolgt nur in der Erwägung, daß die gebotenen Löhne Minimal- ?ütze darstellen und es den Kollegen unbenommen bleibt, ihre Ar- beitskraft gegebenenfalls höher zu verwerten." « Ter Bericht hat sich um einige Tage verzögert, weil die Arbeit- geber den Schiedsspruch ebenfalls nicht ohne jede Einschränkung anerkannt haben. Sie erklärten sich mit allen Punkten einverstanden, ausgenommen die Festsetzung von 7 M. Auslösung bei auswärtiger Arbeit, welche als unannehmbar bezeichnet und der bisherige Satz für ausreichend erklärt wurde.— Wir fordern die Kollegen auf, die Besonnenheit zu bewahren, am Sonnabend den ja auch von den Arbeitgebern anerkannten Lohn rückwirkend vom 26. April 1919 zu verlangen und in der am Montag, den 26. Mai, nachmittags 4 Uhr, im Gewerkschaftshausc. Saal I, stattfindenden Mitgliederversamm- lung zur weiteren Beschlußfassung Mann für Mann zu erscheinen. Die Sektionsleitung. I. A.: Carl Scheck. In einer Massenversammlung nahmen die Transport-, Lagerarbeiter, Packer usw. aus den Groß- Berliner Metall- und Elektrobetrieben in vier Sälen und dem geräumigen Hof des Gewerkschaftkhauscs den Bericht der Verhandlungskommission zu dem neuen Kollektivabkommen ent- gegen. Die Berichte wurden von den.Vertretern des Transport- arbeiterverbandcs Fromke, Klose, Mertens und Bock er- stattet. Von den Berichterstattern wurde einleitend darauf hinge- wiesen, daß das erste Kollektivabkommen eine Reihe Mängel auf- zuweisen habe, die von den Kollegen im Laufe der Vertragsdaucr schwer empfunden worden sei. Dazu gehöre auch die bisher be- standene Einteilung der Berufskollegen in drei Lohngruppen. Diese Grupveneinteilung habe zu mancherlei MißHelligkeiten geführt und der Wunsch aller Berufskollegen sei, daß diese Einteilung für die Zukunft zu verschwinden habe. Von diesem Gedanken haben sich auch die Kollegen der Kommission, die den neuen Vertragsentwurf ausarbeiteten, leiten lassen. Der neue Entwurf verlangt denn auch die Aufhebung der Gruppen- und an deren Stelle einheitliche Grundlöhne. An Grundlohn wird verlangt für männliche Arbeiter im Alter von 14— 15 Jahren 1,25 M. pro Stunde, von 15— 16 Jahren 1,59 M., von 16-17 Jahren 1,76 M.. von 17—18 Jahren 2 M.. über 18 Jahre 2,75 M.; weibliche Arbeiter im Alter von 14— 15 Jahren erhalten 1 M., von 15— 16 Jahren 1,25 M., von 16—17 Jahren 1,50 M.. von 17—19 Jahren 1.75 M.. über 13 Jahre 2,25 M Für Arbeiter im Wochenlohn sollen dia vorstehenden Sätze entsprechend auf den Wochenlohn in Umrechnung gebracht werden. Die erste Verhandlung mit den Arbeitgebern des Verbandes Ber- liner MetaÜindustriellen am Montag, den 12. Mai, hatte das Er- gebnis, daß die Arbeitgeber von der früheren Grupveneinteilung iiicht ablassen wollen. Schließlich gelang es, eine Verständigung zu erzielen, daß an Stelle der früher bestandenen drei Gruppen in Zukunft zwei Lohngruppen treten. Von den Referenten wurde die neue Gruppierung, die man den Verhältnissen entsprechend habe in Kauf nehmen müssen, als ein wesentlicher Erfolg dargestellt. Da- gegen sei das Entgegenkommen der Arbeitgeber in bezug auf Neu- veg'elung des Lohnes als durchaus ungünstig zu betrachten. Für Gruppe 1 soll der Einstellunaslohn 1,89 M. und nach t-jähiiger Tätigkeit 1,99 M. betragen und für Gruppe 2 ein Einstellunaslohn von 1,99 M., nach sh Jahr 2 M. und nach einjähriger Tätigkeit 2,19 M. pro Stunde betragen. Für bereits Berufskundige' der Grupvc 2 soll ein Einstellungslohn von 2 M. und nach H Jahr 2,10 M. pro Stunde gelten. SD sammlung am 20. Mai den Angestellten eine zweitägige Fristver- längerung empfohlen. Liegt bis dahin keine Antwort vor, so ist anzunehmen, daß die Arbeitgeber den Kampf wollen und es wird alsdann der Streik in dieser Branche nicht mehr zu vermeiden sein. Die Arbeitgeber haben zwar im November geschworen, gelbe Organ:- sationen nicht mshr zu beachten, aber was sind den. Arbeitgebern heute noch solche Schwüre. M Die Angestellten der Schlesischen Dampfer-Comvagnie Berliner Lloyd Akt.-Ges. befinden sich seit Tienstagnachmittaq im Streik. Da diese Betriebe über mehrere hundert Schiffe verfügen, so wird durch diesen Streik Handel und Industrie sowie auch ein Teil der Lebensmittelversorgung stark berührt. Aus geradezu frivole Art ist dieser Streik von dem Unternehmertum provoziert worden. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen hatte wegen Regelung der Arbeitsverhältnisse am 27. April nachgesucht; die Direktion zog ihre Stellungnahme hin. Ztacb energischem Trängen erhielt der Zentral- verband der Handlungsgehilfen die lakonische Mitteilung, daß man bereits mit dem Angestelltenaus scbutz einen Tarifvertrag abge- schlössen habe. Als die Gehaltszahlung erfolgte, mußten die An- gestellten sehen, daß selbst dieser Vertrag nickt eingehalten wurde, indem weit niedrigere Löhne ausgezahlt wurden, als der Ausschuß vereinbart hatte. Die Angestellten bestanden nach wie vor darauf, daß die Direktion mit dem Zentralverband der Handlungsgehilfen vertragliche Abmachungen eingehen solle, was jedoch abgelehnt wurde. Die Folge war der Streik._ Der Holzarbeiter-Verbandstag findet nickt, wie ursprünglich geplant, am 2Z. Mai in Hamburg, sondern vom 15. bi S 21. I Ii n i i m Berliner GewerkscknstSbau? statt. Diele Verschiebung ist inkolge de? überall? langsamen Pöst- Verkehrs, wodurck sick die Vorbereitimaen erheblick verzögerten, ferner durch mancherlei andere Umstände nöiig geworden. Mitglieder des Tentscheu Buchbinderverbandes! Die in den letzien Monaien auck in unserem Verbände zutage getretene Unduldsamkeit und das Bestreben, auf anderem polmicken Boden Stehende auSzusckalten, sowie die Verbälinisle in unterem Verbände überhaupt, mackeu e§ notwendig, Abwehrmatz- nahmen zu besg, ecken. Wir bitten daher olle aus dem Boden der S. P. D. siebende Kollegen und Kolleginnen. am Freilag abend 7 Ubr im Lokale von Wölk- schläger. Adalbertstr. 2l, püiiktlick zu erickrinen. Ver« bandsbuck und Mitgliedsbuch derS. P. D. bitten wir als Ausweis mitzubringen und vorzuzeigen. Mehrere alte Verbanvsmiialieder. Berantivortlich für Politik Artur Satern>!», Bln.»Friedenau, für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodsr Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts. Verlao G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts» Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstr. Z. Hlcrzu l Beilage. Wichtige Mitteilung für alle Kefer des „Uorniärts Alle Leser des„Vorwärts" erhalte» gegen Einsendung des nebenstehenden Sutsckcins ein Gratis-Probcheft der rühmlichst be» lanntcn illustrierten Zeitschrift„well und wissen-. Dieselbe bringt von ersten Schritt st ellern gemeinverständliche Abhandlungen ans allen Wissenschaften. Jedes? est enthält eo.LYArtIleI,z.B.:DcrMcnlch in der Pfahlbauzcit.— Wenn die Erde erzittert.— Wie erhalte Ich mich gesund.— Der Wille und dessen Gymnastik.— Das Leben unter Wasser.— ffrrnphotographte.— Liebe und Che bei den Natur- Völkern.— Der Mensch und die Geisterwelt.— Flüssige Lust.— Einssub der Lebensweise auf das Menschenalier.— Berschwunden» Städte in der Sahara.— Eine Fahrt tm Unterseeboot usw. Außerdem erhält I-der Abonnent eine große illvWette Sausbivliokhek gwfls und zwar zu jedem Jahrgang drei Werk«. � Leser daraus abonnieren kann, ist der Preis auf nur M Pf. pro Heft seltgeseßt. Gutschein V An den Verlag„Welt und„Wissen" Berlin-Schäneberg, Am Park iL Ich bestelle hiermit»in Probeheft tostenlo« Name: Ort: Wie arbeitet Ihr Gedächtnis? Ist eS nock wie fiüher odyL tälli Ihnen lroy Nachdenkens maiichmal dies oder jenes iiichr mehr ein? Wissen Sie, welchen Einfluß Ermüdung darauf hat und wie bäufig diese durch schwache Augen vorzeitig veranlaßt wird? Doch auch jeder Gegenstand, der Sie intor- essiert, jede Zeile, die Sie lesen, jede Arbeil. die Sie vorhaben, prägl sich Ihrem GedächlniS ickärser und dauer- haiter ein. wenn Sie klar und dcmiich _ sehen können. Wie unangenehm aber m es. wenn man sich lanae vergeblich auf etwas Wichtiges besinn! und dennoch nicht daraus komml. Sie werden schneller und besser arbeiieii und mehr Fieudc von Ihrer Täiigk.it empfinden, und der Kopf pleibl tlarer, wenn Ihre Augen Ihnen leineilei Beichwerden mehr verursachen. Tragen Sie richtig an» gevaßie Sanoskop-Gläier. und Sie weiden 'ühlen. daß Ihre Augen Ihnen das wieder leisten, was Sie diesen vielleicht seil Jahren nicht mehr zuirauen konnten. Sie werden in normalen Grenzen leien, schreiben und arbeiten können, ohne Ermüdung zu spüren, kein lästiges Brennen der Auge», kein vorzeiliges Ermüdungsgefühl wird Sie befallen. Sie bleiben frisch und arbeitsfrendig, werden als Folge davon wahrscheinlich auch mit Genng'uung lest- stellen können, daß Jdr Grdächlnis noch nicht geiitien bat, loiidern daß nur der Zustand Jb-ei Augen oder ichlechie Gläser Sie dies glauben machte». Lind's die An?en, geh* zn Rnhnkel Verlangen Sie nach außerhalb kostenlos unseren Optometer z. Selbst. bestimmen pas- sender G ä ser nebst Bcrsand- :: Ufte.:: > V Optiker Ruhnke S,«ottbuser Damm 10, nah» Warenhaus Jandon diauliälln« Bergstr. 4. gegenüber Richardstv. Spandau, Dreite Straß« 18. �.Splttelmarkt, Ecke Wallstr. Am Alezauderplatz, neben Aichniger iO, Oranienstr. 44, nahe Oranienpiah W, Leipziger Str. 113, Ecke Mauerilraße Ltntstr. 1, Ecke Potsdamer Str. Friedrichstr.>9Za, Ecke Leipziger Straße Friedrtch'tr. 100, Ecke Ziegelstr si, Chau"eestr. 72 frledenoi)! Znoalidenstr. 164, Ecke Brunnenstr. Rhein'ir. 18. Ecke Kirchstr. OIW, Friedrtchstr. 150, E. Dorvtheenstr. gegenüber der Zkaiier-Eiche Sevonederg: Wilmersdorf; Hauptstr. 21, am Aaiser-Wilhelni-PIas B-rllaer Str. 1Z2 3. an der Uhiandstr. x>ii: SW, Bell». Astianre-Straße 4, am Salleicken Tor ?i, Schönhauser Allre 81, Hoch» bahn-Stalion Nordring. cliarlottendarg: Zauentzirajtr. 15, Ecke Mar. kurzer Straße. Zaachlmsthaler Strotz« 2, am Bahnkoi Zoo.