fit* 262» Zß.Hichrs. Bezugspreis! Sierlcljäßrl. 7JÖ0 IRL monafl.2M m. freiins Haus, oor-ulszahlbai. einzelne Nummern 10 Pfennig. Poilbezug: WonaUich 2L0 IRL etfL ZuiIellungK. gebühr, llmei üreuibnnd iür Deutich- laub u. Leilerrcich-Ungarn i.TS SM, für boä übrige Ausland».75 Mb. bei täglich einmaliger �unellung 7.75 Ml. Poitbeiieüungen nehmen an Däne- Marl. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz, eingetragen in die Volt-iieitunas» Preisliste. Der.BorwärtS' ericheint wochemäglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Ad reffe: »Sozialdemokrat Berlin�, Abend-Ausgabe. � 4 Vevlinev VolKsblslt. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis! Die achtgeivaltcae Ztonbareillezeve loilet 1,20 Ml.»Kleine üln, zeigen-, das icltgedruckte Wort 50 Pfg. izuläsfig L tettgedruckle Worlel, ledes weitere Werl 25 Pfg. Stellengesuche und Echlafslellenanzeige» das eritc Wort tü Pfg., ledeS weitere Wort 20 Vig. Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Worrc. rcuerungszuschlag S0°> Familien-Anzeigen, volitilche und gewerlichaiUiche Vereins- Anzeigen 1,20 MI. die Zeile. Anzeigen tür die nächste Rümmer müssen bis 5 Uhr nachmittags im vauvtgeichüst. Berlüi GW.6S. Lindenstratzc 5. adgegcben werdet!. Geöffnet oon S Uhr jrüh bis S ilhr abend--, Zentralorgan der fozialdcmokratirchen Partei Deutfchlands. Ueüaktion und Expedition: SV). öS, Lindenstr.S. Fernsprecher: Amt Morinplay, Str. 1.-1 90— 151 37. Freitag, den 23. Mai ISIS. vorwärts-verlag G.m.b.H., EW. öS, Lindenstr.Z. Fernsprecher: Amt Morit»Platz, Nr. 117 53—51. Elemenceau üb« unsere Kriegsgefangenen Versailles, 22. Mai. Dem Vorsitzenden der deutschen gehSrig verpflegt und angemessen behandelt, nach Frieden«. Frieoensdelegation Reichsminister Grafen Brockdorff Rantzau ist heute folgende Antwort Clemenceaus auf die Note von Ist. d. M. betreffend Kriegsgefangene zugegangen: P a r i s, den 20. Mai 1919. Herr Präsident! Die. Vertreter der alliierten und assoziierten Mächte haben die Rote der deutschen Fri-densdelegation vom 19. Mai 1919, bc- treffend Heimbeförderung der deutschen Kriegsgefangenen, einer Prüfung unterzogen. Sic legen Wert darauf, in Erwiderung auf diese Note die Erklärung abzugeben, daß sie die Befreiung der Kriegs- und Zivilgcfangcnen, welche sich Verbrechen oder Vergehe» haben zuschulden kommen lassen, nicht zustimmen können. Diese Verbrechen und diese Bergchen sind auf dem all:- ierten Hoheitsgebiete begangen worden, und die rechtlich eingescb- tcn Behörde» sind dagegen eingeschritten, ohne die Tatfache zu be- rüdsichtigen daß der Missetäter ein deutscher und nicht ei« alliierter Bürger war. So war ein gewisser deutscher Gefangener nachts durch Einbruch in das Haus eines Landwirts eingedrungen, in dessen Wirtschaft er arbeitete, und hatte den Landwirt und seine Frau mit einem Gartenmesser kaltblütig ermordet. Wege» seines Doppelmordes wurde dieser Gefangene am 11. Juni 1918 von einem regelrecht eingesebteu Kriegsgericht zum Tode verurteilt. In Gemätzheit des Berner Abkommens ist iudessen die Bollstreckung des Urteils bis zur vuterzeichnmrg des Friedens ausgesetzt wor- den. Es würde gewiß nicht recht sein,' daß der Bertrag zur Folgt hätte, diesen Mörder zu begnadigen. Aus diesen Gründen können s ch l u ß heimzubcfördcrn. Sie bedauern indessen, daß die Menge der ihren eigenen Heeren zur Verfügung stehenden BeNeidungs» gegenstände noch völlig unzureichend ist und daß eS keinen anderen Vorrat gibt, dem man das Nötige entnehmen könnte, um die deut- scheu Kriegsgcfanacne« neu ausznftatteir.• Was endlich die Ernennung einer Kommission betrifft, die sich mit der Heimbeförderung der Kriegsgefangenen zu befassen hätte, so erden die Vertreter der alliierten und assoziierten Mächte mit höchster Bereitwilligkeit Kommissionen dieser Art einseben, sobald der Friede unterzeichnet ist. Sie bedauern indessen, an ihre Einsetzung nicht denken zu können, solange sie nicht benach- richtigt worden sind, daß die Bevollmächtigten des Deutschen Reiches den Frieden zu unterzeichnen beabsichtigen.> Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner aus- gezeichneten Hochachtung. G. Clcmcncrau. Dieser Note Clemenceaus ist ein Bericht des französi- schen Kriegsministerium beigegeben, wonach die deutschen Gefangenen im großen ganzen allsreichend mit Kleidung' und Unterkleidung versehen sind. Zu dieser Antwortnote bemerkt die zuständige Stelle: Die alliierten und assoziierten Regierungen führen zur Be- gründung ihrer Ablehnung der Freilassung derjenigen Kriegs- und Zivilgcfangenen, hie sich wegxu anderer als disziPlinarer Vergehen in llntersuchungs. oder Strafhaft befinden, einen anscheinend be- sondere krassen Fall an, wo sich ein deutscher Kriegsgefan- gener nach der Gefangennahme eines Morde« geg�n den Unter- nehmer. bei dem er arbeitete, und dessen Frau schuldig gemacht die alliierten und assoziierten Mächte ein« Abänderung der Ve..hat. Die alliierten und assoziierten Regierungen' werden wohl dingungen des Friedensvertragsentwurfes, welche sich auf d-e eines Verbrechens oder eines Vergehens schuldigen Kriegsgefangenen beziehen, nicht annehmen. Was die zweite Frage angeht, so bringt die deutsche Friedens- belegatio» keine bestimmte Anregung in Vorschlag, hin- sichtlich dessen, was sich aus die Milderung bezieht, die sie in dem Geschick der Kriegsgefangenen und der Zivilintcrnierten zwisiben dem Zeitpunkt der Unterzeichnung des Friedens und dem ihrer Heimbefördcrung eintreten zu lassen vorschlagen möchte. Dir alli- ierten und assoziierten Mächte wissen nicht, welche Milderung gc- währt werden könnte, denn sie haben sich mit peinlichster Gewissen- haftigkeit bemüht, die Kriegsgcsetze zu beobachten und den Forderungen der Menschlichkeit in der Behandlung, welche sie den Kriegsgesangeuen gewährt haben, Genüge zu leisten. Heber- dies ist cS gemäß den Borschriften des Artikels 218 letzter Abschnitt im Interesse aller wesentlich, daß die Kriegsgefangenen und Zivil- internierten bis zum Eintritt der ihnen in Aussicht gestellten Heim- besördcrung einer gewissen Disziplin und Beaufsichtigung unter- worfen bleiben. Die deutsche Friedcusdelcgatio» kann sicher sein, daß die alliierten und assoziierten Mächte ihre Kriegsgefangenen in der Zeitspanne, die zwischen der Unterzeichnung des Vertrages und ihrer Heimbeförderung verfließen wird, mit Völler Berück- selbst nicht behaupten wollen, daß unier den früher in deutscher Hand befindlichen ihnen angehörigen Kriegsgefangenen keine Fälle dieser Art sich ereignet hätten. Im Gegenteil, es sind nur allzu viel Fälle vorgekommen, wo Kriegsgefangene in Deutschland schwere Verbrechen begangen haben, namentlich Noizuchi, Brandstiftung, Mord usw. Das hat die alliierten und assoziierten Regierungen seinerzeit beim Waffenstillstand nicht abgehalten, die be d i n g.u ngslose Rückgabe auch-solcher Gesäuge- n e n zu verlangen,'die wegen derartiger Vergehen und Verbrechen verurteilt waren. Es ist nicht einzusehen, warum in dieser De Ziehung die deutschen Gefangeneu in der Hand der alliiertci! und assoziierten Regierungen anders behandelt werden solle», als die in deutscher Hand befindlichen feindlichen Gefangenen. Die Nachrichten, die fortgesetzt über die Behandlung der na- mcntlich noch in französischer Hand befindlichen Kriegsgefangenen der deutschen Regierung zugegangen sind. lassen es als unbedingt erforderlich erscheinen, für sie jetzt endlich eine bessere Behanbluug durchzusetzen. Gerade die Herbeiführung einer Berstäiidigung über die Einzelheiten sollte' der Zweck der vovgeschlagenen münd lichcn Beratungen sein. Es hätte, wenn sich die feindlichen Regie- rungen von dem Gefühle der Billigkeit hätten leiten lassen,'elbst sichtigung ihres Gefühlslebens und ihrer Bedürfnisse zu behandeln verständlich sein müssen, daß die noch in seindlicher Gefangenschaft TipiTfiftkfitlftP.tt.....-* vr• �.....--f■»____ n;_____ beabsichtigen. Die Wiedererstattung ihres persönliche» Eigentums an die Kriegsgefangenen ist ei» gesetzlich festgelegtes Recht, welches zu achten die alliierten und assoziierten Mächte durchaus beabsich- tigen. Bezüglich der Auskünfte über die Vermißten haben sich die alliierten und assoziierten Mächte ständig bemüht, der deutschen Regierung alle Informationen, hie sie über diesen Gegenstand besa- ßen, zugehen zu lassen, und sie werden nach der Unterzeichnung des Friedens gewiß damit fortfahren. Was die Erhaltung der Grabstätten anbetrifft, so machen sie darauf aufmerksam, daß ihnen die Artikel 225 und 229 dem deutschen Volke eine Bürg- schast dafür zu gebe« scheinen, daß die Gräber seiner StaatSauge- hörigen werden geachtet und gehörig gepflegt werden und daß, soweit die Klausel 225 eS zulassen wird, die Leichen der Soldaten und Seeleute in ihr Heimatland werden übergeführt werden können. In Erwiderung auf die deutsche Forderung bezüglich einer uneingeschränkten Gegenseitigkeit müssen die Vertreter der alliierten und assoziierten Mächte die Er- klärung abgeben, daß sie eS für erforderlich gehalten haben, den Artikel 222 einzufügen wegen der Behandlung, welche ihre eigene» in Deutschland während des Krieges internierten Staatsangehöri- gen zu erleiden gehabt haben. Da keinerlei Vergleich zwischen der Behandlung drr Kriegsgefangenen durch die deutsche Regierung einerseits und durch die alliierten und assoziierte« Mächte anderer- seits möglich ist, so kann in dieser Hinsicht keine Gegenseitigkeit gefordert werden. WaS die dritte Frage angeht, so sind die Vertreter der alli- irrten und assoziierten Mächt« bereit, alles irgendwie Mögliche zu tun, um die deutsche« Kriegsgefangenen und ZivUinternierte», zurückgebliebenen Kriegsgefangenen dieselbe» Veogünst'gun�n hätten genießen müssen, wie sie den Angehörigen dkr alliierten und assoziierten Mächte beim Abschluß des Waffenstillstandes in Deutschland zugestanden worden sind. Die deutsche Regierung kann nach diesen Vorgängen durchaus nicht sicher sein, daß die deutschen Kriegsgefangenen bis zu ihrer Heimschaffung mit voller Berücksichtigung ihres Gefühlslebens und ihrer Bedürfnisse behandelt werden. Wenn im übrigen die alliierten und assoziierten Regierun- gen behaupten, daß sie hinsichtlich. der Nachforschung nach den Ver- mißten und der Pflege der Grabstätten alle billigen Wünsche er- füllt hätten und zu erfüllen gewillt sind, so ist nicht einzusehen, warum sie sich weigern, in den Vertrag Bestimmungen aufzuneh- mcn, die auch ihrerseits vollständige Gegenseitigkeit gewährleisten. Die Behauptung der alliierten und assoziierten Regierungen, daß keinerlei Vergleich zwischen- der Behandlung der Keiegsgefan- gencn durch Deutschland einerseits und durch die alliierten und assoziierten Regierungen andererseits möglich sei, ist geradezu un- gehenerlich; sie wird widerlegt durch unzählige eidliche Aussagen deutslber Kriegsgefangener, die namentlich in Frankreich das hör- teste LoS zu erdulden hatten. Die Welt mag auf Grund dieser Aussagen urteilen, auf welcher Seite das Unrecht zu suchen'.st. Englistbe Vorbereitungen. Haag, 22. Mai s»H. N.*.) Reuter meldet aus London: Der engliilbe Obeekikommandierende Lord Robertson besuchte die Be- sahungSarmeen in Koblenz und konferierte mit dem belgischen Armeetommando. Es ist kein Geheimnis, daß die alliierten Truppen überall bereit sind, den Aufmarsch zu beginnen, sobald dies nötig sein wird. Neue Schwierigkeiten der Krieüens- konferenz. Polnische Angriffsabsichten. Berlin, 22. Mai. Ein amerikanischer Funkspruch auS Lyon vom 20. d. M. meldet: Der Friedenskonferenz erwachsen einige Schwierigkeiten durch Polen, den Krieg zu beewden. Paderewski verhan'delte stundenlang mit Wilson und Oberst House, um Amerika« Zustimmung für einen Krieg Polens zu erlangen. Die' heimliche Hoffnung des polriifchen Premier- Ministers schien zu sein, daß Deutschland sich der Ausführung der FriedenSbedingungen für den Osten widersetzen möge, was den Polen die Möglichkeit gäbe, dem verstümmelten PrMrtzen den endgültigen großen Schlag zu versetzen. Die Theorie der polnischen Führer ist einfach, zu kämpfen und einen Krieg gegen irgend, jemand zu gewinnen. Es erforderte den drößten Druck auf Paderewski, um ihn zu bewegen, in die Einstellung der Feindseligkeiten zu willigen. Polen glaubt honte, die stärkste Armee im Osten zu besitzen, und betrachtet diese Armee als wichtigstes Im- strument. Die Führer erklären, daß eine Hoffnung auf Werter- bestehen der Nation, die zwischen feindlichen Mächten eingeschlossen ist, besteht, und man müsse zeigen, daß man über eine genügend starke Militärmacht verfüge, um den Platz in der Welt zu behaupten. Dieser amerikanische Funkspruch ist ein erneuter Be wei« für die sogenannte und oft behauptete Friedfertigkeit und Aufrichtigkeit der Polen. Zranzösische Stimmen zur Zriftverlängeruag Drohungen gegen Vatikan und Amerika. Versailles, 22. Mai.„Matin" erklärt, daß die Fristverlängerung um acht Tage die letzte Frist bedeute. Di« Alliierten würden 4— ö Tage zur Prüfung de: deutschen Gegenvorschläge benötigen und dann eine sehr kurze Frist zur end- gültigen Unterzeichnung des Friedens stellen. Laut„SKatin" könnte die Unterzeichnung etwa am 7. oder S., laut„Echo d e Pari s" zwischen dem 19. und l5. Juni erfolgen. Laut„Petit Pari- sie«- wird die der deutschen Delegation zu gewährende letzte Frist nach Prüfung der deutschen Gegenvorschläge durch die Alliierten 48 oder höchsten? 72 Stunde» betragen. „Hamme Libre" fragt, ob die deutsche Delegation die V«- längerung der Frist wirklich beantragt habe, weil sie mit ihren Ar- besten nicht habe fertig werden können, oder ob eS sich nicht vielmehr darum gehandelt habe, der S ch e i d e m a n n s ch e n Regier'»» g dadurch die Herbeiführung einer Einigung in Deutschland über ihre Haltung gegenüber dem Friedensvertrage zu ermöglichen, und andererseits den Freunden Deutschlands noch Zeit zum Eingreifen zugunsten Deutschlands zu geben; habe doch der P a p st dem F ü r st- b i s ch o f von Breslau schon mitgeteilt, daß er sich um Mil« derung der Bedingungen bemühe; mau wisse auch, daß deutsch- freundliche Kreise in Amerika aus dasselbe Ziel Hinarbesten. Man brauche wohl nicht zu sagen, daß die Entente keinerlei Einmischung sti die Verhandlungen, woher sie auch komme, dulden werde, so wenig von Amerikanern, die gegen Wilson Opposition trieben, als vom Vatikan, welcher während des gan- kzen Krieges nur für Deutschland Günstiges getan und niemals gegen deutsche Greuel protestiert habe. Wenn der Papst sich heut« zum Verteidiger von Frauen- und Kindermördern, Kirchen- schändern. Brandstiftern und Verletzern aller Verträge und Gesetze mache, so zeige er seine P a r t e i l i öh k e i t so sehr, daß sein Urteil auch nicht die geringste Aussicht aus Berücksichtigung habe. Die Alliierten wüßten, wie sie den Frieden herbeizuführen hätten, und würden sich von ihren Richtlinien nicht abbringen lassen. Optimismus öer pariser prejle. Genf, 22. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) Di« Pariser Presse verzeichnet weitvrlün ihren Optimismus de- züglich der Unterzeichnung des Friedensvertrages und veröfseu sticht bereits das detaillierte Zeremoniell der weltgeschichtlichen Aktion, die in der Spiegelgalerie stattfinden soll. So schreibt„Journal des Tebats":„In den Kreisen der Friedenskonferenz wird man, was den Ausgang der Verhandlungen anbetrifft, immer o p t'i m i st i- scher, und mau glaubt salbst, daß die Deutschen unterzeich- n e n werden. Aber es ist nicht zu verkennen, daß trotz des krampf- haften Beteuerns, sie werden unterzeichnen, doch Zweifel sich zu regen begiimen. Sie ergehen sich in immer heftiger wiederkehrenden Drobungen für den Fall einer Nichtunterzeichnuno. Während das „Echo des Paris" nicht an der Unterzeichnung zwei felL fragt es sich doch besorgt, ob sie ohne Hintergedanken unterzeichnen wer- den. Es fei Sache der alliierten Mächte, Vorkehrungen zu treffen, daß Deutschland diesen Bertrag nicht ebenso behandelt wie den belgischen' Neutralitätsvertrag. ruljtg. Gegtn"WH llhr aSendS fuhren, aus welchem Grunde ist ßtj jetzt noch nicht festgestellt vier Autos, gefüllt mit Soldaten, die Hauptstraste entlang nach dem Kaiscr-W'lhelm-Platz und säu> berten die Straßen, auf denen sich nur wenige Passanlen befanden. Plötzlich fielen mehrere Schüsse und ,n wilder Hast flüchtete alles in die Häuser. Um%12 Uhr wiederholte f i ch dieselbe Ausfahrt von Militärautos. Patrouillen der Bürgerwehr mar- schierten durch die Hauptstraßen SchönebsrgS, und wiederum wurde eine Anzahl von Personen verhaftet. Es mutz jedoch festgestellt werden, daß nach Aussage zahlreicher Zeugen die Einwohnerschaft Schönebergö nicht den' geringsten Anlaß z u dem mili. tärischcn Ueberfall gegeben hat. Das wird uns von vielen Augenzeugen, die entschiedene Gegner der radi- k a l e n Parteien sind, bestätigt. Im Reichswehrministerium ist der Befehl zu einer solchen Attacke nicht erteilt worden. Es scheint sich also bei dieser sehr bedauerlichen Schießerei, bei der glücklicherweise Verwundete oder Tote nicht vorgekommen sind, um den Uebcreifer irgendeines Kommandeurs der Negierungstruppen gehandelt zu haben.(Dieser spätere Borfall ist allerdings auf- klärungsbcdürftig. Red. d.„Vorw.*.) Wie wir erfahren, ist die Versammlung, die ursprünglich als ö f f e n t l i ch e geplant war, wegen nicht rechtzeitiger A n- Meldung verboten worden. Die Veranstalter verjuchten sie nunmehr als Mitgliederversammlung abzu- halten. Trotzdem wurde sie verboten. Dieses Verbot erfolgte u. E. z u U n r e ch t. Ganz energisch muh aber gegen die Art der Auflösung protestiert werden. Selbst wenn man wirklich die Versammlung für unberechtigt hielt, so wäre es auf jeden Fell vernünftiger gewesen, sie tagen zu l a s s e n, als durch einen. solchenApparateineganze Stadt in Unruhe zu bringen. Zumal da der Referent Hauptmann v. Beerfelde war, ein Mann, der mit einem religiös zu nennenden Fanatismus jede Gewalttätig- k e i t(auch der Radikalen) verwirft, so würde das Statt- finden dieser Versammlung wirklich niemandem geschadet haben. Ein derartiges Vorgehen kann nur verbitternd wirken._ Gegen öas Urteil im Liebknecht-Luxemburg- Prozeß. Demonstration in Kiel. Kiel, 28. Mai.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts'.) Gestern mittag um 1 Uhr veranstaltete die Arbeiterschaft von Groß-Kiel eine machtvoll« Kundgebung gegen das Urteil im Lieb- knecht-Luxemburgprogcß. Punkt 12 Uhr mittags verließen die Arbeiter sämtlicher Betriebe geschlossen die Arbeit und zogen nach dem großen WilhclmSplatz, wo Redner aller drei sozialistischen Parteien Ansprachen hielten. Etwa 10 000 Personen nahmen an dieser Demonstration teil. Eine gemeinsame Entschlie- ß u n g unserer Partei und der Unabhängigen, worin gegen das Urteil protestiert, die Abschaffung der MilitärgerichtSbar- keit gefordert und die Einigung des Proletariats gefor- dert wurde, fand einstimmige Annahme. Die Kommunisten, die auf demselben Platze etwas abseits tagten, hielten massiv« Reden gegen die Regierung Ebert-Scheidemann, proklamierten die Dik- 'tatur des Proletariats und lehnten Einigungsbestre- bungen ab. Die Bcvanstaltung verlief ohne Zwischenfälle. preußlsihe Lanöesverfammlung. (23. Sitzung, stveitag, den 23. Mai, mittags 12 Uhr.) In der Preußischen Landesversammlung standen am streitag zunächst kleine Anfragen auf der Tagesordnung. Eine An- frage Klmgmann betr. die Ausweisungen aus dem Saargebiet beantwortet ein Regierungsvertreter dahin, daß Protest eingelegt. aber unbeanwortet geblieben fei. Eine Anfrage oberfchlesifcher Abgeordneter vom Zentrum über Kircheneinbrüch« in Oberfchlesisn und Unterprabung der öffentlichen Sicherheit'daselbst, beantwortet Minister des Innern Heine dahin, daß, infolge der von den Polen vielfach betriebenen Hetze traurige SicherheitSzu stände eingetreten feien. Die Anzahl der Truppen und Gendarmerie soll vermehrt werden und eine Zentralstelle zur Bekämp- f u n g d e S Verkjrecheriuitt'S eingerichtet werden. Die übrigen Anfragen werden demnächst beantwortet werden. Hierauf begründet Abg. Prof. Dr Abderhalden-Dortmund einige hvgienifche Anträge des Ausschusses für Bevölkerungspolitik. Minister Haenifch sagt ihre Erfüllung, soweit es die traurigen Finanzver- Hältnisse zulassen, zu. Die Anträge werden angenommen. Darauf wird die gestrige Debatte über das Volkswohlfahrsministermm fortgesetzt._ Glnigunsbeftreblmgen. Die Zentralstelle für Einigung erläht folgenden Aufruf an die Genossen': Ueber die Notwendigkeit der Einigung ist genug geredet. Laßt unS handeln! Vom 2t. Juni ab findet in Berlin ein Sozialisten- Kongreß aller sozialistischen Parteien statt. Dort muß die Einigkeit geschmiedet werden. Jede Dladt, jeder Kreis muß Delegierte senden! Näheres in einigen Tagen. Seid bereit! Zuschriften sind zu richten an daö Kongretz-Bureau de« Deutschen SoziaUstenlages, Berlin SB. 56, Oberwallstr, 1. Solange sich die Unabhängigen in wüsten Beschimpfungen der sozialdemokratischen Partei ergehen und von ihr die Preis- gäbe ihrer demokratischen Grundsätze verlangen, steht es mit den Aussichten der Einigung höchst trübe. Auf solcher Grund- läge ist die Einigung für Sozialdemokraten schon aus Gründen der Selbstachtung ausgeschlossen. « An den Vorsitzenden der Zentralstelle für Einigung der So- zialdemokratie haben eine Anzahl Parteigenossen folgendes Protest- schreiben gerichtet: Die unterzeichneten Mitglieder der Z. f. E. legen entschieden Verwahrung ein gegen die Art und Weise, wie von einigen Rednern der Zentralstelle der Einigungsgedanke propagiert wird. Ist es schon nicht besonder? erbaulich, wenn Referenten, die knapp das 19. Lebensjahr überschritten, und kaum drei Monate der Parter angehören, als offizielle Redner fungieren, so muß es geradezu erbitternd wirken, wenn in der jetzigen Zeit des Auf- baues unserer Partei,«in so frisches Mitglied wie der Genosse Berger, statt einigend zu wirken, den Spalt noch tiefer treibt. Sollte der Vorstand feine Redner nicht mit bestimm- te n Richtlinien versehen, die wirklich der Einigung dienen, so halten die unterzeichneten Mitglieder der Zentralstelle ihre wei- tere Tätigkeit dortselbst für eine Kräftevergeudung. Vogel ins �luslanü entkommen? Tie Pässe des Leutnants Lindemann. Die Annahme, daß Oberleutnant Vogel mit Hilfe falscher Pässe, die von Leutnant Lindemann beschafft worden sind, das Ausland erreicht hat, gewinnt immer mehr an Wahrscheinlichkeit. Lindemann, der als Kassierer wegen seiner Verfehlungen bei der Graphitstelle Strafverfolgung zu erwarten hatte, befand sich im Besitz von falschen Ausweisen, um im gegebenen Augenblick sich durch Flucht seiner drohenden Bestrafung zu entziehen. Lindemann hat offenbar sehr gute Beziehungen zu der Paßstelle des Berliner Polizeipräsidiums unterhalten. DaZ Polizeipräsidium Berlin hat zwar mitgeteilt, daß offiziell keine Pässe an Lindemann ausgestellt sind, doch ist es sehr wahrfchrin» lich, daß der ehemalige Kassierer Freunde in der Paßstelle besaß, die ihm behilflich waren. Lindemann hat zu seinen ehe- maligen Bekannten bei der Graphitstelle wiederholt geäußert, daß sein Bruder in der Patzstelle deZ Polizeipräsidiums beschäftigt sei und daß er infolgedessen jeden gewünschten Paß haben könne. Nach unseren Ermittlungen ist nun allerdings ein Beamter namens Lindemann bei den Polizeiöerwaltungen von Berlin, Charlotten- bürg, Lichtenberg und Neukölln nicht beschäftigt, auch in den letzten Monaten nicht angestellt gewesen. Dagegen ist es sehr wahrscheinlich, daß Lindemann nur deshalb die Behauptung verbreitet hat, sein Bruder sei bei einem Paßbureau beschäftigt. um später Spuren zu verwischen. Es ist vielmehr anzu- nehmen, daß Lindemann zu irgendeiner derartigen Stelle«We» ziehungen unterhalten hat, die ihm die Ausstellung falscher Aus» weise ermöglichte. Gm Sozialöemokrat Gürgermeifter von Wien. Bekenntnis zur deutschen Republik. Wien, 22. Mai. Der heute zusaniniengetretene neue Genieinderat wählte mit 110 gegen 52 Stimmen Jakob R e u ni a n n, Sozialdemokrat, zum Bürgermeister von Wien. In der Rede, mit der Reumann die Wahl annahm, be- tonte er unter stürmischem Beifall, daß die Bevölkerung, möge auch der Fliedensvcrtrag jetzt die Verwirklichung deS Selbst- bestimmungSrechts verivehren, den festen Willen habe, daß Wien die zweite Ha.uptstadt der deutschen Republik werde. Die Marine gegen öen Gewaltfrieöen. Kiel, 23. Mai.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts'.) Auf einem der größten Plätze der Swdt Kiel fand gestern eine Kund- gebung der Marine statt, wo sich Offiziere, Deckofftziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Garnisonen aus Kiel und FricdvichSort zu Tausenden versammelt hatten. Mehrere Redner erklärten die Friedensbedingungen für unannehmbar. Eine Eni- schließung in diesem Sinne an den Chef deS AdmiralstabeS und den Reichswehrminister wurde einstimmig angenommen. Die Ent- schließung klang darin ans, daß die Marine mit allen Kräften hinter der Regierung Ebert-Scheidemann stehe. Die Vorfälle in Schöneberg. Nur Schreckschüsse. Au unserem heutigen Bericht über die Auflösung einer kom- munistischen Versmnmlung in Schönebcrg, Hauptstraße 144, wird uns von zuständiger Stelle folgendes mitgeteilt: Die Auflösung der Versammlung fand auf Ansuchen des Poli- zeipräsidiums Berlin statt. Kommandiert waren hierzu 1 Ossi- zier und 50 Mann auf zwei AutoS. Nachdem die Versammlung aufgelöst war, versuchten die Teil- nehmer, eine ebenfalls in der Hauptstraße, Ecke Belzigcr Straß«, stattfindende demokratische Versammlung zu sprengen. Das eine der beiden Autos übernahm den Schutz dieser Versammlung, kam hierbei aber stark ins Gedräng«, so daß die gesamte Alarmbereitschaft aus dem Kruninalgericht Moabit herbeigeholt werden mußte.' Die zahlreich« und stark erregte ValkSmenge wollte nicht gut- willig auseinander gehen. Die Mannschaften waren genötigt, Schreckschüsse abzugeben, besonders weil aus der Menge heraus und aus den Häusern auf die Truppe geschossen wurde, wobei ein Offizier durch Schuß in die Hand verwundet wurde. Es gelang schließlich, die Menge zu zerstreuen. Neun Personen wurden festgenomnwn. Es wird ausdrücklich bemerkt, daß seitens der Truppe nur Schreckschüsse abgegeben und nicht in die Menge hineingeschossen wurde.,> « Teilweise im Gegensatz zu dieser Darsielluna schildert eine Lokalkorrcspondenz die Vorgänge nach Auflösung der ersten Ver- sammlung folgendermaßen: Die Anwesenden gingen in. größter Ruhe auseinander, und zwar nicht im geschlossenen Zuge, sondern sie begaben sich in kleinen Trupvs auf die Straße hinaus. Etwa 80 bis 100 jugendliche Personen scharten sich nun in der Hauptstraße zusammen und zogen nach der Hohenzollernschule in der Belziger� Straße, wo in einer Bürgervcrsammlung Oberbürgermeister DominicuS über den Gewaltfrieden sprach. Unter den Rufen:«Hat man uns die Ver- samiulung gesprengt, dann dürft Ihr hier auch nicht reden!" dran- gen die Burschen in den Saal und versuchten durch Johlen und Zwischenrufen den Verlauf der Versammlung zu stören. Die Schöneberger Bürgerwehr und Regierungstrupvcn wurden tele- phonisch herbeigerufen. Beim Eintreffen der Truppen flüchteten die Störenfriede, deren Zahl natürlich sich d u r ch N e u g i e r i g e sehr vermehrt hatte. Hie und da setzte sich ein Trupp zur Wehr und es fanden Verhaftungen statt. Dann aber wurde eS Cm MWeg. Frühlingsbetrachtung von Emilie BaldamuS. Frühling war eS nun endlich geworden. Nach langem, trotzigem Zaudern war der Frühling nun bock, endlich zu uns boffnungs- armen Menschen gekommen. Ter Amsel, ui, so stark, sicher und siegesbewußt, rief mich hinaus in Feld und Wald. Sehen wollte icki. was der Frühling geschaffen, und genießen ein stilles, frohes Glück! Etwa« Schöne?, Beglückendes wollte ich seben und den trüben Alltag auf Stunden vergessen. Freude sollte sprengen die dumpfe, bedrückende Enge, die ei» langer Winier ge- schaffen, der unS schier unempfindlich und grämlich ge- macbt. Das Aufheiternde des strahlendichöne» FrühlingSiageS wollte ich wie ein seltenes Glück genießen. Bald war ich allein und sog mich fest an dem goldenen Sonnengesunkel, und die Augen hingen mit Inbrunst an de», saftigen, weichen Grün der Bäume. Der Blumen prangende Farben beseligten mich, und der Sonne be- lebende Mack die ringsumher taukndfacki neues Leben schuf, ent«. fesselte auch i.. mir neues Leben, neues Strömen, neue Kraft. Von sehnsüchtigem Rhythmus beschwing,, eilte ich soriwä>ts, den ganzen Frühling wollte ich sehen, den hellen, schimmernden Tag in mich trinken... Hinter mir lag die Stadt, lag der Alltag, da? Elend, die Sorge, die Not. Vor mir die Hoffming. die Kraft, das junge, neue Licht! Da vor mir am Waldrand sah ich einen Vater mit seinem Kind. Er führte es an der Hand und zeigte ihm mir beglückender Freude im Blick das Wiinder, die Wiedergeburt in der Natur. E- nahm mit liebevoller Bebulsamteit die Zweiglein und Aestlein.in die Hand und ertlärte seinem Kinde die wnnderzarien Gebilde und Nam' und Art vom Baum und St» auch. Dann lauschten beide den Waldvögeln, und ich snh, der Vater war stolz und frob in seiner Beglückerrolle, seinem Kinde den Frühling offenbaren zu können. Jäh stand meine eigene Kindheit vor mir auf. Wie eine dunkle Wolkeiiwand schob sich das Erinnern vor den sonnigen Frühlingstag und umdüsterte mir die soeben noch so heilere Stimmung. Da war keiner, der mi» mit liebender Fürsorge an die Hand genommen und mich in den Frühling geführt harte. Keiner, der sich um da? Sehnen deS Kindes geliiminert, wenn die Soiuie höher stieg, und das Elend der steinernen Höfe und die glanzlose Leere der grauen. dumpfen Häuser doppelt quälend auf den Gemütern log. Keiner. der ihm Baum und Strauch, Blumen und Vögel in stolzer Be- glückung gezeigt und ihm das neue, iunge, keimende Leben offen» dart halte. Die Herrlichkeit und der Glanz der sonnigen Frühlings- tage blieben ihm verschloffen. Das Stadllind wußte nur. daß da draußen, wo die Stadt zu Ende ging, man nach längerem Wandern, da« aber in den ewig schweren Stieieln und den Sommer und Winter stets gleich- bleibenden Kleidern sehr ermüdete, in einen Wald kam, wo Bäume und Slräncher grünten, die eS ober nicht kannte, wo Blumen in bunter Mannigfaltigkeit blübren. und Vögel Lieder sangen, so schön, wie es kein Mensch konnte. Und das Kind pflückte dann wohl wahllos die bunten Blumen und die grünen Reiser. Die Mutler hatte aber keine Zett, die vielen Fragen ihres Kindes zu bemnwortcn, die Kie nen schrieen immer dazwischen. und sie wußte wohl auch selber nicht, auf die vielen Fragen ihres Kindes Antwort zu geben. An den Vater getrauie sich da« Kind selten heran, wenn er abends müde, abgehetzt und miirriicb von der Arbeil kam. Dann wollte auch meist die Sonne schon zu Seite gehen und das Plappeinmulchen war müde geworden. Ehe dann der Lehrer in der nächsten Naiurgeilbichtsstuiide die Blumen und Reiie». erklärte, da waren sie verwelkt, verdorrt und fahl geworden, hatten keinen Glanz mehr und ihre Aehnlickileit mit ihren Brüdern und Schwestern draußen in der Natur war verloren gegangen. Das Stadllind lernte die Natur nur aus bunten Tafeln oder farblosen Zeichnungen kennen, die ihm der Lehrer mit dem Rohr- stock erklärte. Bitter stieg eS in mir auf. und ich sah fast mit Neid auf die Gruppe dort am WaldeSrand. Tiefes sonnige Kinderland voll Glück. Verstehen, voll gläubiger Andacht und Offenbarung war mir verschlosien gewesen, war mir lange,/ lange noch darüber hinaus verschlossen geblieben, bis, ja bis ein Befreier kam, der alles Drückende, alles Knechiende und alles Erniedrigende von mir nahm und mich zum Menschen machte, mir die Empfindungs- läbigkeit, die Empiänglichteit für alles Schöne und Gute wieder- gab. nein,(ie erst in voller Größe eiweckte, sie pflegte und groß- zog... Wie sah ich in meiner Jugend den Frühling und wo sah ick? ihn! In einem großen, griin angestrichenen' Hause, das inmitien anderer Häuser stand, sonnenleer. Im Vorderbanie wohnten zwöti Mieier und im Hinlerhause die gleiche Anzahl Mieter. Wenn dann der Frühling kam. dann malle er an die Hausiront, im Hausflur und an allen gestiichenen Wänden mit dunklen Sirilben wunderliche Bogen und zerllnftete Zacken. Meine Phantasie versuchte Sinn und Leben hineinzulegen, und meine Augen sahen wild zertlüslete Gebirge, und die Löcher, die durch die ab- gebröckelten- Kaltstncke enlsianden waren, bildeten die Seen in de» Landichasien. Meine Mutter sagt« jedoch, jetzt schwitzt das alle klobige Hau» die Winlerkälle aus und nahm in der Stube die Bilder von den Wänden, damit sie nicht kraus und stockfleckig wurden. In der Slube und Kammer roch eS, wenn eS draußen Frühling wurde, dumpf und muifig. Das blieb so trotz allen SchimpfenS meiner Mutter, bis eS Sommer wurde, und die Sommerhitze das Wasser vollends au§ den Wänden sog. An diesen Zeichen im Haus erkannte ich jahrelang den Frühling. Und dann kam eine Zeil, da iah ich von dem Frühling jahrelang gar nichts und merkte nur. wenn es wärmer wurde, daß eine andere Jahreszeit die Hcrischaft in der Natur angetreten hatte. Das war die dunkelste und schwerste Zeil in meinem Leben, da ich um ein Stückchen Brot, um das Noiwendigste»um Leben zu haben, bis in die Nacht binein arbeiten mußte und Sonntags z» müde und ab» gestumpft war, um in die Natur zu wandern und den Frühling zu suchen. Ein Schreck überkam mich, und ich horchte in mich hinein. So- lange war ich unfrei und gefeffelt gewesen, gebunl�n an Elend, Sorge und Not, an Alltag. Enge und Kleinlichkeit, solange ein Ge- »angener meines eigene» Unvermögens zu erkennen! Solange aus- gejchloflen vom Glück, von der Freude I..... Und meine Seele antwortete mir:� solange war ich gefesselt, war geknechtet, war unempfindlich, stumpf, säst tot, war beschmutzt und zertreten durv die tägliche Fron, war unglücklich und unzu- sriede» zugleich, bungerte nach etwas, was doch da sein mußte, um glücklich sein zu können: bis ich sie fand, die menschhei'.Sbejreiende, die menschheiisbeglückeiide Religion: dich Sozialismus! Da begann ich zu lämpsen, da wurde ick fiei, da begann ich zu suchen und fand Beglückung. Da öffneten sich mir die Tore deS ErkennenS, da faiid ich den Frühling in mir und iah meinen Weg vor mir, den ich zu gehen Halle. Da« wirkliche Leben nahm mich in iein» Arme und ich fand eS jetzt begehrenswert zu leben! Be- glückt, gefunden zu haben, beglückt, beglücken zu können! Notizen. — Ein russisches Pantheon de r Weltliteratur. Ein aus Petersburg eingetroffener Kadettenführer in Kopenhagen berichtet, daß der Rat der Volkskommissare auf Anregung von Lu- natscharsky 40 Millionen Rubel für die Gründung eines«Pantheon der Weltliteratur' ausgeworfen hat. Diese Summe wurde in ihrem aanzen Umfcknge Maxim Gorki zur Verfügung gestellt. An die Herausgabe des«Pantheon" ist allecinngs vorderhand wegen technischer Schwierigkeiten nicht zu denken, doch sollen die Manuskripte fertiggestellt und geordnet werden. Das Unternehmen ist zugleich eine Notakt-ion für die furchtbar notleidenden Dichter und Literatur- schriftsteller: der Druckbogen fall ihnen mit 1000 Rubel honooiert werden. — Theater. Die nächske Erstaufführung der Volksbühne wird Anzen grubers Schwank«'S I u n g f e r n g i f t' sein. Regie: Paul Legband. Bühnenbilder�: Karl Jakob Hirsch. — Kunstchronik. Außer Lionel Feininger ist jetzt auch der Maler Johannes Jttew, ein Schüler Adolf Holzels, der iil den Ausstellungen deS„Sturm' bekanntgeworden ist, und der junge Bildhauer Gerhard Marcks an die Weimarer Akademie be- rufen worden. — Bolschewistische Literatur. Einen„Führer durch die bolschewistische und antibolschewistische Literatur" gibt da§ ..Generalsekretariat zum Studium des Bolschewismus., heraus. Ueber 350 Titel von Büchern, Zeitschriften- und Zeitungsartikeln sind darin zusammengetragen. Auf einigermaßen« Vollständigkeit kann diese Sammlung jedoch keinen Anspruch machen. So z. B. fehlen ganze Erscheinungsgruppen. Man vermißt vor allem die deutschveröffentlichten Publikationen der bolschewistischen Front- Propaganda mit ihren Zeitungen, Zeitschriften, Protestnoten und Aufrufen von Stockholm, Petersburg. Moskau usw. aus, neben einigen schweizerischen Erscheinungen. Ebensowenig findet man darin die wichtigen Artikel aus der«Leipziger Volkszeitung', der Arbeitervolitik". de?.Sozialdemokrat'(Stuttgart), wie überhaupt die sozialdemokratische Presse in der Sammlung sehr zu kurz ge- kommen ist.«ck- — BolkSbildugSschulamt für Groß-Berlin. In dem Vietbiche» Aufsatz in Nr. 253 hat ein Druckfehler am Schluß der ersten Spalte einen Fachmann in Kaufmann verdreht. Es muß dort richtig heißen:«Wir steben bei mebreien Vororten jetzt vor der Frag« von Ncugründungen(von Büche>eien) und ver- missen nicht selten daS rechie Beiständni« für die Schwierigkeiten, die nur der F a ch« a u n kennen kann.' Prozeß I Nachdem vis heutige Sitzung des Schwurgerichts eröffnet war, stellte Rechtsanwalt N o s e n f e l d den Antrag, den Angeklagten Ledcdonr aus der Haft zu entlassen. Zur Begründung des An- träges führte der Verteidiger aus: Ter Angeklagte wurde seiner- zeit verhaftet, ohne daß ein Haftbefehl vorlag. Erst nach mehreren Tagen wurde der Haftbefehl erlassen. L. wurde verhaftet in dem Augenblick, als er'sich mitten in Vergleichverhandlungen befand, durch ein schwerer Konflikt zwischen zwei Parteien beigelegt werden sollte. Durch die Verhaftung- ist dem Angeklagten schweres Unrecht geschehen. Noch nie ist in höherem Matze die Verhaftung als Mittel zur Bekämpfung eines politischen Gegners angewandt wordOn wie rn diesem Falle. Kollissionsgefahr kommt nicht in Frage, denn der Angeklagte hat mit rücksichtsloser Offenheit über alles, was sich auf diesen Prozetz bezieht, ausgelassen. Von Fluchtverdacht kann keine Rede sein. Es ist undenkbar, datz ein Mann, der sich so ver- tcidigt, wie es Ledebour hier tut, auf den Gedanken kommen sollte, sich dem Verfahren gegen ihn durch die Flucht zu entziehen. Der Angeklagte Ledebour hat ja hier gesagt, datz die Negierung ihn freilassen würde, wenn sie wützte, er würde fliehen. Ja, so ist es, die Regierung fürchtet Ledebour wegen seiner pcktftischen Tätigkeit. Deshalb wünschr sie, datz er in Hast bleibt. Aber das Gericht wird sich doch nur leiten lassen durch die Gesichtspunkte, die in dieser Verhandlung zutage getreten sind, �lnd die ergeben nichts, was die Aufrechterhaltung der Hast begründen könnte. Es ist auch zu bedenken, datz Täuinig, der auf Grund desselben Materials wie Ledebour angeklagt ist, auf freiem Futz belassen wurde. So wenrg wie genüber Täumig ist gegenüber Ledebour die Hast begründet. Wenn man den Angeklagten Ledebour trotzdem in Haft behält, so geschieht ibm schweres Unrecht. Staotsanwaltschastsrat G y sa e: Von einem Unrecht gegen den Angeklagten kann in keiner Weise die Rede sein. Ich bitte, den Antrag der Verteidigung abzulehnen, er ist durch nichts be. gründet. Warum wird der Antrag gerade in diesem Augenblick gestellt- Er ist schon vor der Hauptverbandlung wiederholt ge- stellt worden, sowohl bei den Gerichtsbehörden wie bei den polt- tischen Körperschaften der neuen Zeit. Die Stimme, die sich für die Entlssung aus der Haft erhoben hat, ist doch nur von einem sehr kleinen Teil des Volkes und der Arbeiterschaft laut geworden. Die Mehrheit hat bekundet, datz sie für Beibehaltung der Haft ist. Es ist daraus hingetpiesen, daß der Angeklagte mitten in Ver- gleichsverhandlungen verhaftet wurde. Aber über den Inhalt dieser Verhandlungen, der doch von größter Bedeutung ist, wissen wir außer den eigenen Angaben des Angeklagten noch nichts. Der Fluchtverdacht wird durch die politischen Zeitumstände begrün- det. Tatsachen beweisen, datz eine Reihe mitbeteiligter Personen, so Herr Scholze, unauflindbar sind. Wenn der Angeklagte auch nicht über den Ozean fliehen kann, so hat er doch' Gelegenheit. sich mit Hilfe seiner Freunde in nächster Nähe verborgen zu halten. Die Rechtsanwälte Herzfeld und O b u ch begründeten den Antrag ihres Mitberteidigcrs in demselben Sinne wie dieser. Rechtsanwalt Herzfeld bemerkte, eine Mehrheit für die Bei- beHaltung der Haft Ledebours habe sich nirgends gezeigt, im Ge- genteil, die Mehrheit der Arbeiterschaft sei für die Hastentlassung. — Rechtsanwalt O b ü ch bezeichnete die Verhaftung Ledebours als einen politischen Skandal. Der Vorsitzende rügt diesen Ausdruck. Lecdbour: Es wurde erwähnt, datz sich manche meiner poli- tischen Freunde dem Verfahren gegen sie durch Flucht entzogen haben. Ich halte es nicht für die Pflicht revolu- tionärer Kämpfer', sich unter allen Um. ständn ihren Häschern zu stellen. Es könnten sich Um- stände ergeben haben, wo auch ich so gehandelt hätet, wie es andere meiner politischen Freunde getan haben. Da? nehme ich auch für meinen Freund Scholze in Anspruch. Datz ich nicht geflohen bin und nicht fliehen werde, das liegt an d e n b e s o n d e r e n U m st ä n d e n. Ich befinde mich in der revolutionären'Bewegung in derselben Situation wie ein Soldat oder Kommandant auf einem äußersten Vorposten, der unter Eiu- fetzung der ganzen Persönlichkeit und des Lebens bis zum bitteren Ende gehalten werden muß. Dieser Aufgabe bin ich mir bewußt Inöustrie unö hanöel. Börse. Die Haltung der Börse kennzeichnete sich zunächst als un- einheitlich Montan- und Farbwerte eröffneten schwach, dagegen setzte sich die Steigerung der Kriegs- a n l e i h e n in raschem Tempo fort. Sie eröffneten mit etwa 76»/, Prozent und gewannen im Verlaufe ein weiteres Prozent. Da- durch wurde der Gesamtmarkt günstig beeinflußt, so datz auch auf den übrigen Gebieten die anfangs eingetretenen Kurs- Verluste wieder eingeholt werden konnten. Das Heschäft hielt sich aber im allgemeinen bis zum Schluß in recht engen Grenzen. GroßBerün Zusammenbruch der Berliner Milchversorgung. Vom Retchsernährungs-Ministerium wird uns geschrieben: Die Feiistelle Grotz-Berlin(Milch) veröffentlicht in der Presse eine dringliche Eingabe an das ReichsernährungSministerrum. in der die Schuld an der ungenügenden Milchverssrgung Grotz-Berlins auf eine mangelhafte Tätigkeit der Reichsfettstelle geschoben wird. Diese Tarstellung ist geeignet, Beunruhigung in der Berliner Be- völkerung h-rvorzurufen. Tatsächlich liegt die Schuld an dem Milchmangel in den traurigen, durch die lange Dauer des Krieges hervorgerufenen Verhältnissen. Die umfangreichen Enteignungen auch an Mslchvieh, klägliche Futterverhältnisse und der geringe Ernährungszustand unserer Viehbestände, sowie die erheblichen Differenzen zwischen den Preisen für Zuchtvieh und Schlachtvieh wirken dahin zusammen, daß weit weniger Milch nach Berlin kommt, als für die Bevölkerung notwendig wäre. Der zunehmende Mangel an behördlicher Autorität gegenüber dem Schleichhandel und der schwer zu kontrollierende Verbrauch der Selbstversorger .kommt erschwerend hinzu. Daß das Reick�SernährungSministerium gewillt ist, den Kampf gegen den Schleichhandel energisch zu füh- ren.-st u. a. durch die Verordnung über Hinzuziehung von Ar- beitern und Verbrauchervertretern als PolizeihilfZorgane erwiesen. Auch die Rcichsfettstelle hat sich bemüht, ein Kontrollshstem zu schaffen, das eine bessere Erfassung gewährleistet. Tie Milchkala- mität hat sich trotzdem in allen Großstädten, auch in solchen mit hervorragend guter Organisation, forlgesetzt verschärft. Daß ein erheblicher Teil der Milch-n saurem Zustande ein- käust, kann der Reichsbehörde nicht zum Vorwurf gemacht werden. Schlechtes Ersatzkannenmaterial, Mangel an Soda und Seih- tüchcrn. schlechte Bürsten und Schrubber sowie verzögerte TranS- parte tragen zum schnellen Säuern der Milch bei Die Verant- woriung für die Reinigung der Kannen trifft in erster Linie den Milchlieferer. Die Fettstelle Groß-Berltn hat die Möglichkeit, diesem für_ die Lieferung einwandfreier Milch Prämien zu gewah- ren und für die Lieferung saurer Milch Abzüge zu machen. Eine erhebliche Besserung in den Zuständen würde eintreten, wenn Berlin dafür sorgt, daß eine sachgemäße Vorreinigung der Kannen in Berlin selbst stattftndet. Im übrigen ist das Auftreten saurer Milch erfahrungsgemäß jedes Jahr in der Zeit des Uebergangcs von der kälteren zur wärmeren Jahreszeit besonders stark und und werde Ihr gerecht werden. Wenn das Gericht den Antrag meiner Verteidiger annimmt, so werde ich unter keinen Umständen fliehen. Ich werde am Montag hier pünktlich zur Stelle sein, denn ich betrachte es als meine Ausgabe, an dieser Stelle, die jetzt zum Brennpunkt des revolutionären Kampfes geworden ist, meine Pflicht gegenüber der revolutionären Arbeiterschaft Deutschlands und der Internationale zu erfüllen. ES würde Verrat an der Sache der revolutionären Arbeiterschaft sein, wenn ich meine Freiheit benutzen würde, um zu fliehen. Es ist hier auch erwähnt worden, meine politischen Freunde könnten den Versuch machen, mich zu befreien. Ich richte, da ich keine andere Möglichkeit habe, von dieser Stelle den Appell an meine Freunde, an die revolutionäre Arbeiterschaft Berlins, datz ich sie dringend warne, für den Fall, datz meine Haftentlassung abgelehnt werden sollte, keinen Bcfreiungsversuch zu machen. Abgeschen davon, datz er unter den tatsächlichen Umständen das Gegenteil von dem er- reichen würde, was meine Freunde wünschen, erwarte ich, datz ein Befreiungsversuch unterbleibt. Ich bitte meine Freunde, sich nicht durch Lockspitzel zu einem Befreiungsversuch verleiten zu lasse». Für den Fall nMner Freilassung richte ich aber an das Edenhote! die Bitte, seine Häscher und Revolverleutnants nicht auf meine Spur zu betzen. Vors. Landg.-Dir. M a c c o bemerkt, die letztere Aeutzerung befinde sich nicht mehr im Rahmen dieses Prozesies. Nach einer t)4stündigen Berarung des Gerichts verkündet der Borsitzende den Beschlutz: Der Antrag aus Auflicbung der Untersuchungshaft wird abgelehnt. Der Antrag ist verfrüht. Der dringende Tatverdacht ist bisher nicht beseitigt. Die Möglichkeit einer Bestrafung ist nicht auSge- schlössen. Die Untersuchungshaft soll nicht nur der geordneten Durchführung des Verfahrens, sondern auch der Durchführung der Strafvollstreckung dienen. Das Gericht glaubt dem Angekl-igten, datz er sich dem Gerichtsverfahren nicht durch die Flucht entziehen wird. Aber für den Fall der- Verurteilung ist der Fluchtverdacht nicht beseitigt, denn nach einer etwaigen Verurteilung würde der Angeklagte vor der Wahl stehen, entweder seiner revolutionären Tätigkeit für längere Zeit entzogen zu sein oder sie von einem ver- borgenen Ort weiter zu betreiben. Wenn auch die Haft den An- geklagten schwer trifft, so kann sie doch nicht aufgehoben werden. Rechtsanwalt Liebknecht beantragt nunmehr, die Haft für die Dauer des Verfahrens aufzuheben und er st nach seiner Verurteilung den Angeklagten wieder in Haft zu nehmen. Dieser Antrag ergebe sich auS der Begründung des Ablehnungsbeschlusses, denn das Gericht sage ja selber, datz der Fluchtverdacht für die Dauer des Prozesses nicht bestehe. Angekl. Ledebour schließt sich dem Antrag cm und bemerkt, er sei bereit, sich an dem Tage, wo das Urteil' gefällt werde, noch vor der Urteilsverkündung wieder zur Haft zu stellen. Damit sei also auch die Annahme, datz er un Falle einer Verurteilung fliehen würde, hinfällig. Es kommt zu Erörterungen zwischen den Verteidigern und den Rechtsanwälten über die rechtliche Zulässigkeit des Antrages Lieb- knecht.— Rechtsanw. Liebknecht sagt, jetzt werde die Haft nicht mehr aus Gründe» des Strafprozesses aufrechterhalten, sondern sie sei eine rein politische Maßnahme. Der Vorsitzende rügt diesen Ausdruck. StaatSanw. Zum- broich beantragt, den Rechtsanwalt Liebknecht wegen dieser Bo- merkung in eine Ungebührstrafe von 166 MZ. zu nehmen. Nach einhalbstündiger Beratung des Gerichts perkündet der Vorsitzende: NechtSanwalt Liebknecht hat dem Gericht den Lorwurf der Rechtsbeugung aus politischen Gründen gemacht. DaS ist eine Ber- letzung der Würde des Gerichts. Rechtsanwalt Liebknecht wird des» halb in eine Ungebührstrafe vvn 166 Mark genommen. Ter Beschlutz über den erneuten Antrag der Verteidigung über die Haftentlassung des Angeklagten wird erst nach der Mittagspause gefaßt.. wird auch diesmal, sobald die Vorsichtsmatzregeln wieder einge- spielt sind, wesentlich in der Menge zurückgehen. Die Reichsstelle ist bemüht, die Milchhxlieferung Grotz-Berlins dadurch zu bessern, daß zie der Fettstelle Groß-Berlin recht erhebliche Mengen Kon- densmilch überwiesen hat, was die Feitstelle Grotz-Berlin uner- wähnt läßt. Im weiteren sind Vorarbeiten zur Umstellung einer größeren Menge von Butterlieferungen in Milchlicferungen abge- schlössen und bei Durchführung dieser Maßnahme ist eine Steige- rung der Milchzufuhr voraussichtlich zu erwarten. Weitgehende Hoffnungen der grotzstädtischen Bevölkerung auf eine erheblich bessere Milchversorgung werden sich allerdings so lange kaum er- füllen können, bis wir wieder normale Produktionsverhältnisse baben und vor allem bis Milchkraftfutter wieder zur Verfügung steht._ Reiche Fischzufuhreu für Berli«. Im Laufe des gestrigen TageS ist eine große Sendung dänischer Seefische in Berlin eingetroffen, welche hier zum Verkauf gelangen. Ter FisSkommissar hat von dänischen Firmen ein Quantum von etwa 126 666 Zentnern Seefischen, Kabeljau, Schollen und— allerdings nur ein geringes Quantum— Seezungen angekauft. Die Fische kamen in annährend 166 Waggons aus dem dänischen Haupt» fischhafen Ejsbergo hier an und sind den Fisch-Kleinhändlern zu- geführt worden._ Ein neuer Mord. In der Lothringer Straße 73 ist der Besitzer des Obst- und Eis- geschäfis, ein Jlaticner nainenS Sacke, im Geschäft ermordet aus« gefunden worden. Die Mordkommission ist unterwegs. Tilgnng der MietSschuiden der Kriegsteilnehmer. Der Mieterbund Grotz Berlin hat an die Gemeindeverwaltun- gen eine Eingabe gerichtet, in welcher er die Tilgung der während deS Krieges aufgelaufenen Mietschulden der Kriegsteilnehmer und ihrer Hinterbliebenen in folgender Weise vorschlägt: Die Ge- meinde soll ein Drittel übernehmen, der Vermieter soll ein Drittel erlassen und der Mieter soll ein Drittel selbst zahlen. Dadurch kommt der. Vermieter zu zwei Dritteln seiner Außenstände, und der Mieter kann seine wirtschaftliche Lage wieder ins Gleich- gewicht bringen. Mit je 16 M Barzahlung des Mieters sollen also 36 M. Mietschuld getilgt sein. Ausstellung„Einfacher HauSrat". Die vom Deutschen Werk- bund, der Generalkammissirm der Gewerkschaften Deutschlands und dem Berliner Kunstgewerbemuseum aus Anregung des preußischen Kulusministeriums veranstaltete Ausstellung„Einfacher Hausrat" im Kunstgewerbemuseum. Prinz-Akbrecht-Straße 8. ist bis zum 31. Mai verlängert worden. Sie ist täglich, außer Montag, von 6— 3 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 6— 8 Uhr geöffnet. Micterräte sind in einer Reihe von Groß-Derliner Orten ge- bildet oder in der Entstehung begriffen, so in Steglitz. Wilmersdorf, Charlottenburg. Berlin, Treptow, Neukölln usw. Der Mieter- bund hat hierzu in einer Reih- von Versammlungen Stellung genommen und ist bemüht, die Mieterräte innerhalb seiner Organi- salion nach einheitlichem Plan in Wirksamkert treten zu lassen. Der Borsitzende des Bundes der. Berliner Grundbesitzervereine hat sich auf Befragen grundsätzlich zustimmend geäußert; eS wird geplant, die Mwterrüte in dem zwischen den Hausbesitzerorganisaho- neu und dem Mieterbund zu vereinbarenden Mietvertrag zu verankern. Bei soliden Hausbesitzern wird der Mietcrrat aus- gleichend wirken, den unsoliden gegenüber wird er die Stellung der Mieterschaft stärken. Ein Mitbestimmungsrecht der Mieterräw. bei allen Hausangelegenheiten und ihre Mitwirkung beim Miet- einigungsamt ist in Aussicht genommen. Unbekannte Leiche. Am 17.. wurde aus der Spree an der Rennbahn Ruhleben die Leiche eines 55— 66 Jahre alten Mannes gelandet. Derselbe hat graumeliertes blondes Haar und war mü gvaugestreifter Hose und Wieste, weißem Umlegekragen und grünem Binde schlips sowie dunklem Jackett bekleidet. Die Leiche wurde nach dem Schauhause Charlottenburg überführt und kann dort bcsichtlgt werden. Nachrichten über die Person deS Toten erbittet der Amis- Vorstand in Ruhleben bei Spandau. Sportpark Treptow- Ringkampf-Match Schwarz. Weber. Die Direktion bat sich nach Betannlwndcn der Anssorderung des neue» MeifterringevS von Deutschland. Hans Schmarz, an den Weltmeillerringer Heinrich Weber erbaten, den Sportplatz iür die Austragung dieses zurzeit größten ringsvortlichen Ereignisses zur Verfügung zu stelle». Beide, Weber svtnohl wie Schwarz sind aus diesen Vorschlag eingegangen, und so durste dieses Zusammentressen voraussichtlich Ansang nächster Woche statstmde» Areircligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Ubr Klosterkirche. Klosterstr. 7Sa, Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille: Selbsterteble Religion. — Gäste willtommcn. Lichtspiele.Neue Philharmonie". Vom 25. Mai ab .Menschen, die das Glück verachten", hierzu.Bahn- W ärters L e n e', ein Mädchenschicksal. Cöpenick. Stadtverordnetenversammlung. In der letzten Sitzung wurde der Gaspreis erhöht, und zwar ab 1. Mai von 46 aus 56 Pf. pro Kubikmeter für Leucht-, Koch- und Jndustriegas; für Auw- matengas von 42 Pf. auf 52 Pf. Der Magistrat hatte die Erhöhung de?.Au-omatengases auf 55 Pf. borgeschlagen, ein Antrag unserer Genossen zeitigte aber den erwähnten Beschl-iß.� Wetter wurde die Einssibrung des Berliner Tarifs für ElektvizttätSabnehmer be- schlössen. Die Regelung der Gehälter und Löhne für Beamte und Angestellte wurde noch einmal vertagt und an die Kommission zurück- verwiesen. Eine Magistratsvorlage behandelt die Errichtung s:nes Wohlfahrtsamts. Die Vorlage wurde einer besonderen Kommission überwiesen, die Ausschreibung, Gehaltsfestsetzung usw. regeln soll. Unsere Fraktion delegierte die Genossen Meyer und Heidbeck. Be- schlössen wurde, die Badeanstalt im Wendestschloß in städtische Regie zu übernehmen. Ein Dringlichkeitsantrag der Unabhängigen be- treffend eines Aufrufes des Magistrats für Liebesgaben an die heimkehrenden Krieger wurde, durch Beantwortung des Bürger- meisterS erledigt. Spanbau. Oberbürgermeister Dr. Woelck. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wurde Stadtrat Tr. Woelck mit 56 von 58 abgegebenen Stimmen zum Oberbürger- meister gewählt._ Grosz-Bcrliner Lebensmiktel. Tempelhof. Einwohner, die in der Woche vom 12. bis 18. auf die Abschnitte 26 a.— s und in der Woche vom 19. bis 25. ans die Abschnitte 21 a— o der Kartoffcltarte Kartoffeln nicht erboltcn konnten, erbalten vom Sonnabend bis DicuStag pro Abschnitt 56 Gramm Hülsenfrrichtmcbl. (Pfund 76 Pf.s Die Abschnitte 26 und 21 bcrechtiaen nur noch bis ein- schließlich morgen zum Bezüge von Kartoffeln.— In der Woche vom 25. ab wieder 5 Psv. Karioffein. 566 Gramm Marmelade aus Abschnitt 24 der Kreis karte, seiner sür Jugendliche aui die Abschnitte 33 und 34 je 100 Gramm Grieß(Anmeldung vom Sonnabend bis Diensiag). auf Abschnitt iL der Kreiskarte 156 Gramm Graupen und auf 21 266 Gramm Hafernäbrmittel oder Suppen oder Ktteß(Anmeldmig Sonnabend bis Dienstag). Aus Abschnitt 4L der Emsuhr-Zusatzkarle 256 Gramm ausländisches oder in« wNdischeS Weizenmehl. Maviendorf. Als Ersatz sür fehlende Kartoffeln 266 Gramm Gersten- flippen. Aus ZIs Kartoffelmehl. An Kinder vom S.— 12. Lebensjahr aui Magermilchkaiten und an werdende Mütter im sünsten bis siebenten Monat je zwei Büchsen londensieite Milch. SM. die Büchse. Die Kinder vom 6. bis 12. LebenSjabr, die noch nicht im Besitz einer Magermilchkorte sind, erhalte» gegen Geburtsurkunde morgen Sonnabend auf der Brotkommiision eine Mager- milchkarte, die nur zum Bezugs von je zwei Büchsen kondensierter Milch be- rechtigen. Werdende Mü.tcr im sünsten biS siebenten Monat erhalten gsg?» die Bescheinigung eines Arztes oder einer Hebamme im RalhauS, Zimmer 23, den Bezugtchein Verkauf der Kondensmilch in de» Ge- meindeläden. Braune Lebensmittelkarte mit vorzulegen. Britz. Ab 26. Mai zunächst 3 Pfd. Kartoffeln. Als Ersatz sür die fehlenden' 2 Pfd. wird neben Kartoffelmehl, worüber noch Bekanntmachung erfolgt, vorerst abgegeben 2' 6 Gramm Wei zengrieß oder Haferflocken nach Maßgabe der velsügbaren Bestände auf die Abschnitte 226 und s. Nähr- mittel werden ab Montag nur in der Gemeiude-Vertaussslelle abgegeben. Frtedrichsfcldc. Ausgabe von Krankenmehl sür Personen über 76 Jabre unter Vorlegung der HausbaltungSliste und gegen Abgabe der entsprechenden Anzabl Brotkarten am Freitag und Sonnabend jeder Woche, desgl. sür Kinder unter Vorlegung der Milchkarte sür Monat Juni. Pankow. Da nur eine geringe Wenge frisches Fleisch zur Verfügung ftebt. gelangen von den 256 Gramm Fleisch zum größten Teil Fleisch- und Wurstkonserven mit zur Ausgabe. 166 Gramm Flerjchkouserve» S5 Pf, IOC Gramm Blutwurstkonseroen 70 Pf. Tvanda». Gegen Abschnitt 245 sind noch Heringe zu baben. Zu allen Verlängerungen von Kraukenernäbrungsscheinen und bei Einreichung neuer ärztlicher Atteste sind bis auf werteres alle im Besitz der Familie befindlichen Scheine dieser Art einzureichen. Die Schlächter haben vielfach die Knochen vorber gespalten, das Mark entfernt und letzteres 'ür sich verwertet. Es wird daraus auimerksam gemacht, daß dies absolut unzulässig ist und dag!m Wredcrhotungssall Bestrajung ein- treten w>rd. K. Spandau. Heute abend aus Feld 248 der Lebensmittelkarte 300 Gramm Maimelade(1,30 M. je Psimd). Vom Sonnabend br» Donnerstag Berkaus von 56 Gramm Auslandsschmalz(66 Ps) auf Ab- schnitt 13 der Emsuhr-Zujatzkarte. Frische Fische und Flschkonserve» werden sreihändig abgegeben._ Grsß-6erllne? parteinachrichten. Iüd. Soziald. Arb.-Partei»Ponle Zkon�(Kulturverein Borochow). Linlenslr. 159. Sonnabend 3 U r Vortragszyklus von Redatteur Jabr- blum über das Thema: Palästina, die Ausgaben des jüdischen Sozialismus. Freunde und Gäste willtommen. GewtckschoflsbewMng Achtung! Fleischer! In der Fleischkonservenfabrik Faubel u. Haaks. Britz, Tempelhofer Weg, ssnd die Beschäftigten in den AuS- stand getreten: auch in den Kühlhallen. Trebbiner Straße, haben sich die Kollegen der Firma dem Ausstand angeschlossen. Die Firma wird vemichen. Arbeitswillige zu bekomme», an der Ge- schlossenheit der Arbeiter wird ihre Absicht zerschellen. Deutscher Metallirrbeiter-Verband. Bettammlung der Mechaniker sowie aller m der Schreibmaschinen- und Bureaumaschinenbranche beschästigten Kollegen und Kolleginnen am Sonn- abend, den 24. Mai. nachmittags 31/, Ubr. im Lokal Wegener, Schdelftr. 80. Tagesordnung: Unsere Zustimmung zu dem Abkommen mit den Unter- nehmet n. Abends 5 Ubr findet eine Bettammkung sämtlicher Betriebsrohr- leger'und Heiser Kcoß-Berli»» im GewerkschafiSbanS. Engelufer 15, Saal 4. statt. Tagesordnung: 1. v'richl der VerhandlungStommission 2. Diskussion, Beschtußsassung. Am Montag, den LS. Mai, abends 7 Uhr, in den Pharussälen. Müller- flraße 142: Sitzung der erweiterten Ortsoerwaltung m t den gesamten Arbeitenäten der Wilallmduslrii. Arbeiterraistarte und Mitgliedsbuch legitimiert. Sonntag, 25. Mai. vormittags 16 Uhr: Versammlung aller in Hütten und Mcssingwerten beschästtgten Schmelzer. Gießer, Olenai beiler. Gießerei- arbeiler usw., im Lolal Südost. Waldemarstr. 75. Tagesordnung: Wollen ww unser Lohnablommeu kündigen i Generalversammlung der Brauereiarbeiter. Zunächst gab Hodapp in längeren Ausführungen Erläute- rungen zun! abgeschlossenen Tarifvertrag; er verweist dabei auf die"Schwierigkeiten,' die zu überwinden waren, um Klarheit zu schaffen über Einteilung der Arbeitszeit und- die Entlohnung de? Fahrpersonals. Das Geltungsgebiet des jetzt abgeschlossenen Tarif. vertages umfasse Groß-Berlin mit Vororten Lickitenrade. Zehlen- dorf, Südende, Gross-Lichterfelde, Tegel, Kaulsdorf, Töpenick, Adlershof- sowie den beiden- Braustätien Pichelsdorf und Friedrichs- Hagen. Ebenso seien noch eine andere Anzahl Verträge abgeschlossen worden für die Pförtner, Wächter und Privatchauffeure sowie für eine Biomalz-Fabrik in Teltow und für die Spritbank in Lichtenberg. Der Kassenbericht balanziert in Einnahmen und Ausgaben der Hauptkaffe mit 50 725,55 M. An Arbeitslosenunterstützung wurden ausgezahlt 12179,25 M. An die Kauptkasse wurden 16 828.93 M. abgeführt. In der Lokalkasse steht einer Einnahme von 20 209.28 M. eine Ausgabe von 9377,14 M. gegenüber. Das Lokalvermögen beläuft sich am Schlüsse deS ersten Quartals 1910 auf 56 128,69 M. Am Schluß seiner Ausführungen kommt Hodapp auf die vielen eingsangenea Beschwerden betreffs Abschaffung der Postenzulagen zu sprechen und macht daraus aufmerksam, daß seitens der Qrgcm- sation biergegen nicht eingesckritten werden könne, denn eS sei ein Verlangen der Kollegen gewesen, die auf Abschaffung derselben ge- drängt haben. In längerer Diskussion wurde für und wider die Abschaffung der Postenzulage gesprochen, aber sonst im allgemeinen keine Einweichungen gegen die Ausführungen des Vorsitzenden gemacht. Einem Beschluß der Vorstands, und Vertrauensmänner. sitzung, den Angestellten für die Monate April, Mai und Juni einen Zuschuß von 60 M. aus der Lokalkasse zu bewilligen, wurde ohne Widerspruch zugestimmt. Der Versammlung lagen nocki mehrere eingegangene Anträge vor, welche aber entgegen eines früheren ge- faßten Versammlungsbeschlusses erst dem Vorstand überwiesen wer- dn mutzten. Ein Antrag, die Inserate und Versammlungsanzeigen im..Vorwärts" und„Freiheir in Zukunft bekanntzugeben, wurde ebenfalls angenommen._ Der Streik der Straßenbahner Schöneiche-NalkSerge ist, wie aus dem Bureau des TransvortarbeiterverbandeS berichtet wird, be- endet, nachdem am 20. d. M. eine Verhandlung zwischen der Organr- salion und dem Arbeiterausschuß einerseits und der Betriebsleitung und dem Arbeitgeberverband andererseits stattgefunden batle. Das Ergebnis dieser Verhandlung ist. daß dem Fabrversonvl eine monat» liche Zulage ab 1. Mai in Höhe von 50,— Mk. bewilligt wurde. Stre-kenardciter und Werkftatlarbeiter erhalten 15 Pf. pro Stunde Aufschlag. Die übrigen Forderungen, wie: Zuschuß für die Dienst- kleidung an diejenigen, welche Kleidung noch nicht besitzen, Ge- Währung von Urlaub usw.. find bewilligt. Der 20. Mai wird bereirs als Arbeitstag betrachler. Di« Autbebung des Streiks erfolgte gegen eine Stimme, der Betrieb ist seit dem 21. mittags wieder im Gange. Eine unrühmliche Haltung nahm die Gemeindevertretung von Schönetche zum Streik ein. Sie beschloß:.Nehmen die Streiken. den bis Mittwoch, den 21. Mai, mittags 12 Uhr. nicht die Arbeit auk. gelten die Angestellten als entlassen!" Nack Mitteilung der Betriebsleitung war der erwähnte Schöneicher Beschluß einstimmig gefaßt worden. Die Unabhängigen haben gleichfalls für den An- -rag gestimmt, betonten die Herren der Betriebsleitung und der den Verhandlungen beiwohnende, 18 Stunden vorher in den NutsichtS- rat der Bahn gewählte Arbertervertreler bestätigte es. Letzterer benahm fich bei den Verhandlungen so. daß man ihn nach seiner Haltung als abhängig von der Bahn bezeichnen möchte. Ein«euer Angestelltenverband. Vom Ortskartell Berlin der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände wird uns geschrie- ben, daß sich in den letzten Tagen wieder eine neue Organisation technischer Privatangestellter aufgetan hat unter dem Namen «Verband Deutscher Elektrizitätswerksbcamter". Die Satzungen der neuen Vereinigung lassen erkennen, baß die Direktoren und Prokuristen darin einen ausschlaggebenden Einfluß ausüben, so daß von einer Wahrnehmung der Angestellteninteressen nicht gut die Rede sein kann. Die Arbeitgeber bemühen sich deswegen auch, die Angestellten zum Eintritt in diese Organisation, die man recht wohl als eine gelbe bezeichnen kann, zu veranlassen. Um zu dieser neuen Gründung Stellung zu nehmen, ver» sammelten sich am 19. d. M. die Obleute der ElektrizitätZ-, Gas- und Wasserwerke der Provinz Brandenburg und beschlossen ein- stimmig, die Angestellten vor dem Eintritt in den.Verband deutscher ElektrizitätSwerks-Beamter" zu warnön. Mit Recht wurde zum Ausdruck gebracht, daß die in der Arbeitsgemeinschaft freier Angestellteiwerbande zusammengeschlossenen Organisationen einzig und allein Anspruch darauf erheben können, 0 die berufene Interessenvertretung der Angestellten aller Kategorien angesehen zu werden. Dir Schließung der Herreswerkstätten in Spandau und die damit verbundene Kündigung der Arbeiter und Angestellten dieser Betriebe veranlatzte die technischen Angestellten der «pandauer Heereswerkstätten in einer am Dienstag, den 20. Mai, in der Aula des Oberlyceums zu Spandau veranstalteten Ver- sammlung gegen die erfolgten Maffenkündigungen zu protestieren. Im HaushaltungsauZschuß der Nationalversammlung wurde am 80. April ein einstimmiger Beschluß gefaßt, in dem es u. a. heiß:: ..Die Leitung der Betriebe ist bewahrten Fachleuten zu übertragen; ihnen ist ein Beirat beizugeben, der aus Vertretern der Arbeiter und Angestellten des Betriebes besteht." In einer RegiernngS- erÄärung zu diesem Beschlutz wird dieser Satz noch weiter aus- geführt und gesagt:»Die Spandauer Betriebe sind— soweit dies tvhnifch durchführbar ist— baldigst in rationelle Friedensbetriebe umzustellen; bewährte Fachleute— Techniker und Kaufleute— erhalten die Führung" Mit dielen Darlegungen steht es aber im Widerspruch, wenn— wie es jetzt geschieht— die bisherigen lei- tenden Offiziere und Militärbeamien zwar auf ihrem Posten ver- bleiben, die Techniker und tüchtigen Kaufleute hingegen beseitigt werden. Die Angestellten fordern die vollkommene Entmilitari- fierung der Heereswerkstätten und so weit wie irgend möglich die WeiteÄeschäftigung der bisher dort tätigen Techniker und Kauf- leute. In der Versammlung wurde wiederholt und mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß die Umstellung der Heeresbetriebe längst hätte erfolgt sein können; sie dürfe aber nur unter Hinzuziehung der Arbeiter und Angestellten selbst erfolgen. Di- Versammelten stimmten einer- in diesem Sinne gefaßten Resolution einstimmig zu. Vom Bund deutscher Telcgraphenarbeiter erhalten wii unter Bezugnahme auf einen im Abendblatt des..Vorwärts" vom 16. Mai enthaltenen Bericht über eine Versammlung der Telegraphen- avbeiterschaft Grotz-BerlinS eine Zuschrift, die sich gegen die dem Bericht beigefügte kritische Bemerkung richtet. Der Obmann der Lohnkommission V a l l e n th i n betont hier- zu: Ich habe in dem Referat nicht das Verhalten der Vertreter der Reichspostverwaltung, denen ganz selbstverständlich Partei- nähme zugestanden werden mutz, kritlsiert, sondern den von der Verwaltung ernannten Beisitzer im Schlichtungsaue. s ch u tz als für diesen Posten ungeeignet bezeichnet. Wenn man bedenkt, daß einer der Herren, Geh. OberregierungSrat im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten, der andere Geh. Oberregstvungsrat im Reichsfinanzministermm ist, und der dritte sich selbst als Partei bezeichnet hat, so wird jeder von Voreinge- nommenbcit freie Beurteiler zugeben müssen, daß die Zusammen- setzung des SchlichtungsausschusseS gelinde gesagt höchst unglücklich war und keinesfalls einen unparteiischen Schiedsspruch gewähr- leistete. Nur aus dieser Erwägung heraus ist der Schiedsspruch als illusorisch bezeichnet. Nimmt man hinzu, daß der Vor- sitzende des Schlichmngsausfcbusses laut Protokoll zu- nächst es für angebracht hielt, daß die Postverwaltung. wenn sie schon nichi über die' Eiisnbahnerlohn« hinausgehen wollte, diese für die Telegraphenarbeiter und Handwerker wenigsten? vom 1. Januar an zahlen solle, daß er sich dann aber gleichwohl restlos auf die Seite der Verwaltung»stellte» so wird man es verstehen können, ja müssen, daß der Obmann der Lohnkommission von der Tätigkeit des SchlichtungsausschusseS keinen günstigen Eindruck gewonnen hatte und dies in der Versammlung unverblümt auS- sprach. Bemerkung der Redaktion. Wir haben diese Zuschrift in ihrem wesentlichen Inhalt wiedergegeben. In Wirklichkeit berichtigt sie gar �nichts, sondern bestätigt lediglich, daß unsere Kritik überchie irrtümliche Auffassung, die der Obmann Vallenthin über den Chi:- rakter des SchlichtungsausschusseS in jener Versammlung zum Aus- druck brachte, durchaus berechtigt war. Handlungsgehilfen. Techniker. Werkmeifter. Snreauangeftellte k Die von der EewerkichastSkommission übernommene Seitertübrung der Aktion zur Wiedercinstellung der auS den Spandauer StaatSwerkstätten gekündigten Hand- und Koptarbciter wird auch von der ilrbeitSgcmcinschaf! freier Angeflelltenve, bände unterstützt. Die GcwerktchaftSkommiiüon ist von der Haltung der A. f. V. verständigt worden. ArbettSzemeinschatt freier Angenstelltenoerbände. I. A.: Vcndland. Obleute aller Angeftcllteansfchusse der Metallindustrie fstach- gruppen 12. 13, 1t und IS). Dienstag, den 27. Mai. abend« 6 Nbr. puntt- lich. Sophicnläle, Sopbienstr. 17/18. Tagesordnung: 1. Konstituierung de» Vollzugsausschusses. 2. Stellungnahme zu dem«Kefetzentwurt über die Be- triebsiäle. 3. Die Tarifoerhandlungen. Die Fünlcrausfchüsse lämllichrr übrigen Fachgruppen werden gebeten, den Berbandlungen beizuwohnen. Verantwortlich fllr Politik«rtur Saterirn», Bln..Friede»»», fßr den übrige» Teil de» Blatte»: Alfred Scholz, Sicullllln; für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärt».Verlaq s. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckern und Vcrlagsanstall Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstr. S. Am 20..Mai starb plötzlich im Alter von 57 Jahren unsere liebe Mitarbeiterin WiShelmine Abiiz. In der kurzen Zeit ihrer Tätigkeit hat sie sich die Liebe und Achtung ihrer Mitarbeiter und-Arbeiterinnen erworben. Ehrt Ihrem Andenken: Personal und Geschäftsleitang der„Vorwärts"-Buchdruckerei. Kuhla- Pianos Verlauf im Fabrikmagazin N it, Wattatr. 17/18. Spezialarzt Dr. med. Dammann Berlin 107, Potsdamer Strade I23B behandelt(Sprechzeit 9—10, 3— � Uhr) Haut- und Harnleiden nach besonderem naturgemäßem Keilverjahren. Aufklärende Broschllre gratis in verschlossenem Briet gegen 25 Pf. in Briefmarken. Genaue Angabe des Leidens er- forderlich, damit die richtige Broschüre gesandt werden kann. Piano, Harmonini, Flügel, neu, gebraucht. 2? eckt- stelnflügel, vertaukt Villi Ernst. Oranienftr. 16« III. Mandoline, Laote. ffitlarre, IDanbermanSal. 15,— ,etftflV5.—.Äonzetllaul« 125.-, 115.—(Unterricht 8.- Monatobonorar.»vcnl!. tosidg. 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