Nr.Z87. 36.Itthrs. BezngSpreiS t «i-rt-ljährl. 7L0 Iii., monatl. 250 Ml. frei ins Haus, voraus zahlbar. Einzelne Nummern IN Pfennig, Poftdozug: Monatlich 2,50 M!» eptl. Zustellungs- gedühr. Unier Kreuzband Mr Deutsch» land u. Oesterreich- Uugorn 5,75 Ml, für das übrige Ausland 9,75 Ml, bei täglich einmaliger Zustellung 7,75 Ml. Poftdeftellungen nehmen an Däne- mart, Kolland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in di« Post-Zeitungs-Preisiiste. Der,Borwär:s" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemorral verlin»». Abend-Ansgabe. � T. Oerlinev Volksblatt. �10 Pfennig) Nnzeineupreis: Die achtgefgaltene üJcnuarciIIezcfle lostet 1,20 M!„fllslne Anzoigen", da�. fettgedritetle Wort 50 Pfg.(zulässig 2 iettzedrullte Borte), jedes weitere Wort 25 Pfg, Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 40 Pfg., jedes weitere Wort 20 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuernngszuschiag 50%. Familien■ Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins> Anzeigen IM Sü. die Zeile. Anzeigen für di« nächste Nummer müssen bis 5 l»,c nachmittags im Hauptgeschäft, Berich EW 08, Lindenstraste 8, abgegeben werden. Eeoffnet von 6 Uhr früh bis S Uhr abends, Zcntralorgan der fozlaldcmokratifcben Partei Deutschlands. Reüaktion unü Expeüition: SVÖ. 6$, Linöenftr. 5. Fernsprecher: Amt Morittplak, Nr. lol vv— 151 l)7. »»MW»»» Freitag, den 6. Juni Ivlv. vorwärts-verlag H.m.b. tz., SN). öS, Linüenft?. 3. iherusprl>chl!rt Amt Moriliplnlt, Nr. 117 F-t— 54. Generalstreik iß Serlin. Zum Protest gegen die Hinrichtung L e v i n 6 s hat die Vollversainmlung der Arbeiter- und Sotdatenräte Groß-Berlins einen General streik beschlossen, der bis morgen abend 6 Uhr dauern soll. Auch die sozialdemokratischen Mitglieder der Vollversainuilung haben dicseni Beschluß zugestimmt. Wir haben heute morgen unseren Standpunkt dargelegt, wonach auch wir unter schärsster Ablehnung der spartakisti- schcn Ideen und Taten die standrechtliche Erschießung Levinäs verurteilen, wissen uns also mit den Berliner Arbeitern, die ihrem Protest gegen diese Hinrichtung durch Einstellung der Arbeit Ausdruck geben wollen, in unseren Gefühlen einig. Tie vorübergehende Einstellung der Arbeit ist ein berechtigtes Mittel der Manifestation, wenn terroristischer Druck- und Gewalttätigteit jeder Art vermieden wird. Versuche, die öffentliche Ordnung zu stören, würden nur neues unab- s e h b a r e s Unheil bringen. Wir möchten darum der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Kundgebung einen wür- digen Verlauf nehme, und den Wunsch aussprechen, daß unsere Genossen ihre Pflicht an der Arbeiterklasse erfüllen, indenl sie Unbesonnenheiten mit ihren unabsehbaren Folgen verhindern. Die heutige Vollversammlung der Groß-Berliner Arbeiter- und Soldatenrätr und der Gemeindc-Arbeiterräte wollte Stellung nehmen zu dem Entwurf eines GeseheS über die Betriebsräte. Vorher kam es zu einer Kundgebung wegen der Vollstreckung des Todesurteils an Levine. Ter Vorfttzcude Brolat(S. P. D.) erösfnefe die Sitzung mit ecuer Ansprache, in der er das Urteil alö einen Schandfleck und die Vollstreckung als empörend bezeichnete. Sie haben sich zu Ehren des leider Erschossenen(Zuruf: Des Ermordeten I)— jawohl, des Ermordeten— von den Plätzen erhoben. Ucber den Prozeß gegen Levine berichtete Levines Ver- teidiger, der Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld. Ein Held sei gefallen, wie er edler und reiner niemals vor Gericht sich zu verantworten hatte. Man möge zu Levine gestanden haben, wie man wolle— jetzt müßten alle anständigen Men- schen der Ansicht sein, daß ein brutaleres Urteil niemals gesprochen worden ist. Levine war zunächst Gegner der Rätersgierung und wurde deshalb von Unabhängigen! wie von Kommunisten beschimpft. ErtraterstandieSpitze! der zweiten! Räterepublik. Wenn Hochverrat begangen wurde, so begingen ihn jene, die die erste Räterepublik errichteten. Als ehrlos bezeichnete ihn der Staatsanwalt, weil er sich nachher zurückzog, und Feigheit warf er ihm vor. Levine ist mutig in den Tod gegangen. Mit dem sogenannten Geiselmord hätte Levine garnichtszutun, und es war auch gar kein Geiselmord. Die Geiseln hatten Fälschungen mit Stempeln der Republik begangen, sie lvaren Gegenrcvoluiionäre. Der Pro- zeß gegen Levine muhte enden, wie er endete. Das war von diesem Gericht nur zu envarten. Man konnte nun noch auf die Regie- rung hoffen, die das Urteil zu bestätigen hatte. Vergeblich haben wir dabei auf die Rechtssozialisten gerechnet. Ich hoffte auf Segitz. Auf Schneppenhorst, der selber Hochverräter ist, rechnete ich nicht. Aber Segitz ließ sich nicht einmal sprechen. Ter Mutjer Levines und seiner Gatlin wurden Schwierigkeiten gemacht, den Verurteil- tcn noch zu sehen. Unmenschlich war das ganze Ver- fahren, unmenschlich Levines Behandlung im Gefängnis, wo man ihn fesselte, unmenschlich das Todesurteil und die sofortige Vollstreckung. Den Rechtssc�ialisten müssen wir den Hauptvorwurf machen, daß sie in der Regierung das nicht vereitelt Hadem(Erregte Zurufe: Pfuil Bluthunde! Rache!) Auf die Unmenschlichkeit der bayerischen Re- giernng die rechte Antwort zu finden, das ist eure Sache!(Stür- «lischer Beifall.) T er Vorsitzende Brolat verlas die vom Groß-Berliner Vollzugsrat vorgestern an die bayerische Regierung abgesandte Depesche, d:e Nichtvoll st reckung des Urteils forderte und auf die Erregung der Arbeitersihaft hinwies. Eingegangen waren drei Resolutionen, deren Verlesung die Versammelten itcbend anhörten. Tie R e s o l u t i o n der S. P. D.-Fraktion lautet.' Di« Arbeiter- und Soldatcnräte Groß Berlins sind erstaunt über die VoTstre kung des Todesurteils an Levine. Tie sprechen der baye-; ricrficii Regiernng wegen der Artcilsbesfätignng ihre schänste M'lsj- i billigllng auS. Empört sind die Arbeiter- und Soldatenräte Groß- 8 iii: darüber, daß die Mitglieder der S. P. D. in d:r bayerischen Ncgierung, gcireu ihren progranimatisäien Forderungen der Partei, „Wi Tew- ifrase abzuschaffen, im besonderen für politische Ver-! brech'n" dir Vollstreckung des Urteils nicht verhindcrl haben. Ebenso bd!t>e Versammlung die Erschießung der Geiseln während der i'-iiouäiage für vrrabschenungSwiirdig und verurteilt diese f.:?.-;!.- ftiif>n;. schärfste. in oer Nesolutiou der U. T. P. T.-Frakiion heißt es: Die w, nag huldigt in Trauer und Verehrung dem lapfern Frei-, ' heitSkämpfer LevinE, der der brutalen Klassenjustiz und der Gegenrevolution zum Opfer gefallen ist. Sie verbindet damit das dank- bare Gedenken an alle di«, die im Kampfe für das Proletariat und den Sozialismus Leben und Freiheit lassen mußtem Sie spricht ihre schärfste Entrüstung Uber die Vollstreckung des Todesurteils Levines aus. Sie erblickt darin einen neuen Beweis des Hasses und der Reaktion gegen das revolutionäre Proletariat. Rtit be- sondern Entrüstung stellt sie fest, daß es einer sozialistischen Re- jjierung vorbehalten blieb, das erste politische Todesurteil seit 1843 zu verhängen. Sie spricht den sozialistischen Re- gierungen, die sich zu Sachwaltern Der Gegenrevolution degradieren, ihre Verachtung aus und fordert das Proletariat auf, diesen Verrä- tern des Sozialismus die Gefolg schia st zu ver- sagen. Sie richtet an die Arbeiterklasse Deutschlands die ernste Mahnung, alle Kräfte zusammenzufassen und in einer einheitlichen Kampffront der Gegenrevolution und den Regierungen entgegen zutreten, die sich zu Bütteln gegen die Revolution und den Sozia lismuS hergeben. Keine Provokation der stach Blut dürstenden Gegenrevolution darf die Arbeiterschaft von dem letzten entscheiden» den Vorstoß gegen Reaktion und Kapitalismus abdrängen. Sie ge- lobt, alles zu tun, um die hinter ihr stehende Arbeiterschaft auf- zurütteln. Die Resolution der Kommunisten sagt: Das Proletariat von Berlin nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der Vollstreckung des Todöurtcils an Eugen Levine. Seit dem Jahre 1848 ist es das erste Mal, daß in Deutschland ein politisches Todesurteil gefällt und vollstreckt wurde. ES wird ein ewiges Denkmal der Schande für die Gegenrevolution und für die Scheidemänner, uyter deren Führung und ausdrücklicher Bestätigung diese Mordtat begangen wurde, bleiben, daß sie es vermocht haben, einen edlen und un- antastbaren Vorkämpfer für die Sache des Proletariats den Tod zu geben. Zum Zeichen dcS Protestes gegen diese Schandtat bc- schließen die Versammelten, sofort in einen cintägigcn Proteststreik einzutreten. Das deutsche Proletariat wird sich nicht schrecken lassen. Unbeirrt wird es den Weg gehen, der heute von den Loichenhügeln der ermordeten Proletarier und ihrer Führer Lieb- knccht, Luxemburg, Jogisches, Levine und vieler andern gesäumt ist. Angesichts dieser Leichen und Opfer schwört das Proletariat von neuem, in deren Geist zu wirken und zu schassen bis zur Voll- endung des Werkes der Revolution, bis zur Befreiung des Prole- tariaies der Welt. Rich. Müller(U. Soz.) beantragt«, die Resolutionen zur Kennt- nis zu nehmen, aber über den Antrag der Kmnmission auf Eintritt in den Generalstreik abzustimmen, und dann zu vertagen. In der Abstimmung wird ein eintägiger Generalstreik der Arbeiter und Angestellten Groß-Verlins mit erdrückender Mehrheit beschlossen, Di« Gegenprobe ergab drei oder vier Stimmen der Demokraten,(Tosende Pfui-Ruse.) Fischer(Demokr.) begründete die Ablehnung mit der Rücksicht aus die Folgen des Streits.(Großer Lärm.) Der Streik beginnt sofort und endet am Sonnabend um 6 Uhr abends. Der Vorsitzende Brolat riet, Gas-, Elektrizität»- und Wasserwerke auszunehmen.(Stürmischer Widerspruch, anhaltender Lärm.) Rich. Müller: Der Streik in Gas-, Elek- trizitäts- und Wasserwerken würde sich gegen uns selber richten. also müssen wir sie ausnehmen. Auch die Angestellten und Ar- beiter der Krankenhäuser und der Lebensmittelversorgung müssen arbeiten dürfen. Wir wünschen, daß Ruhe und Ordnung nicht gestört wird. Darum sollte nach Eintritt der Dunkelheit jeder die Straße meiden. Und keine Demonstrationen! Rasch(Kommunist) forderte den Streik auch für GaS-, Elek- trizitäts- und Wasserwerke.(Widerspruch.) Unter großer Erregung wurde die Sitzung geschlossen. Ein Telegramm Scheiöemanns. Genosse Sch ei bemann hatte nach München folgendes Telegramm geschickt: ,,Wenn euch ein emtlicher Schritt weder möglich noch beab- fichtigt ist, uiiichtr ich doch persönliche Bitte aussprechen, daßl die Vollstreckung des Urteils gegen Levine und eventuell gegru Toller aufgeschoben wird, bis eine vorherige mündliche Aussprache zwischen Ihne» und mir statgefunden hat. Scheidemann." VrasiAentenkrife in vortuga!. Lissabon, 4. Juni.(Havas.) Der Präsident der Republik C a n t e Castro hat dem Kongreß seinen Rücktritt angeboten. Der Kongreß hat beschlossen, den Präsidenlen zu ersuchen, sein Rücklrittsgejuch zurückzunehmen. kräftige Abfuhr! Am ä. Juni hat der Vrandcnburgische Landbund dem Reichsernährungsministcr eine lange agrarische Resolution durch eine Abordnung überreichen lassen. In der bekannten agrarischen Beweisführngg wird die Zwangswirtschaft für alle Mängel im Ernährungswesen verantwortlich gemacht. Unter Berufung auf die Nevolution(!!!) fordert der i Landbund ihre Beseitigung. Auch von einem langsamen i Abbau der Zwangswirtschaft will der Landbund nichts ! wissen, das führe zu nichts, wie man bei den Eiern gesehen i habe. Das freigegebene Produkt st e i g e sofort maß- ! l o s im Preise. Damit ist den Landwirten aber nicht gedient, sie wollen nämlich, daß alle Produkte, nicht nur einzelne, maßlos im Preise steigen. Deshalb for- dern sie: 1. Die restlose Aufhebung der Zwangswirt- scbcist für alle Produkte aus der neuen Ernte, für Milch, Butter und Vieh aber, mit Wirkung vom 1. August 1919 ab. 2. Bis zur restlosen Aufhebung der Zwangswirtschaft die Festsetzung folgender Preisbestimmung mit sofortiger Wirkung: a) Für das gesamte Schlachtvieh(Rindvieh, Schweine und Schafe) eine Erhöhung der jetzt- gen Preise um 1t)v Prozent. b) Für die Milch eine Erhöhung auf 9,89 M. für den Liter ab Stall. e) Für die Butter eine Erhöhung aus 8 Tl. pro Pfd. Die Resolution schließt mit der D r o h u n g, daß, wenn diese Forderungen keine ausreichende Berücksichtigung finden die Führer der Landwirtschaft nicht mehr in der Lage wären, die Massen von planloser Selb st Hilfe abzuhalten�) und jede Verantwortung ablehnen würden. Auf dibse Unverschämtheit hat der Minister nach dem Bericht der„Deutschen Tageszeitung" folgende Antwort erteilt: „Diese Forderungen lehne ich in ihrer Gesamtheit rundweg ab. Ich ersehe, daß der Antrag lediglich aus dem Leweggrundo gestellt ist, die Landwirte zu bereichern. Der Antrag ist eine Drohung und e n t b e h r t j e g l i ch e r Sa ch l i ch k e i t. Ich spreche den Landwirten jegliche Kenntnis der Volkswirtschaft und Urteilsfähigkeit in den vorgetragenen Dingen ab. Die Landwirte sehen nicht über ihre Höfe hinaus. Sobald der Friede da ist, werden wir dir Maßnahme« zur Durchführung der Zwangswirtschaft bedeutend verschärfen, denn eL genügt uns nicht, wenn von mindestens 21 Millionen Tonnen zu erfassender Kartoffeln noch nicht 19 Millionen ersaßt werden konnten. Wenn wir dann nicht durchdringen, werden wir erstmals sämtliche Lanbräw ransschmeißen, die allein dafür verantwortlich zu machen sind. Die Fletschversorgung wird gebessert taerden, denn wir haben Aussicht, jetzt 8009 Rinder in der Schweiz zu kaufen. Die Mittel hierzu werden voraussichtlich den U e ver s ch ü s s en der Viehhandels verbände entnommen werden. Im weiteren! Verlaus erklärte der Minister, daß«in langsamer Abbau der Z w a n g s w i rt sch a f t geplant sei. Hafer wird gelockent, Obst und Gemüse werden frei, Hülsenfrüchte teilweise frei. Für die anderen Produkte aber wird die Zwangswirtschaft in verschärftem Maße durchgeführt. Am Ends der Unterredung faßte der Minister seinen Eindruck noch einmal dahin zusammen, daß er sagte:„Ich ersehe aus der Resolution nichts weiter, als daß die Land- Wirtschaft sich ihre Taschen wieder einmal füllen will auf Kosten des arbeitenden Volkes. Die Landwirtschaft verdient ohnehin schon übermäßig." Auf eine Schlußanfrage der Abordnung, ob der Minister gewillt sei, die neuen landwirtschaftlichen Or- g a n i s s a t i o n e n bei der Bearbeitung der Maßnahmen für die Lebensmittel heranzuziehen, erklärte dieser,„daß die Landwirtschast im Reichsernährungsamt im Gegei'.satz zu den Konsumenten schon mehr als es gut ist, ver- treten sei." Soweit der Bericht der„Deutschen Tageszeitung". Wir halten ihn nicht für völlig zutreffend. Wir nehmen nicht an, daß der Minister den Landwirten im allgemeinen die Urteilsfähigkeit abgesprochen hat, sondern nur den im Landbund organisierten R a u. b a g r a r i e r n.— Die„Deutsche Tageszeitung" ist über die Abfertigung ihrer Trabanten aus dem Häuschen, das arbeitende Volk wird dem Minister für seine Worte nur dankbar sein. verHlchtet mcht auf Tirol. Wien, ß. Juni. Nach einer Meldung der.Mittagspost" wird von Italien. scher Seite die Behauptung d.e m e n t i e r t, daß Italien auf Tirol verzichten wü rde, falls der Anschluß Deutsch- Österreichs an Deutschland n i ch r erfolgt. der franzSsische Terror. Vorgehen gegen Beamte und Eisenbahner. Dem Regierungspräsidenten in Speyer ging vor einigen Tagen von dem Beauftragten der Zivilverwaltung in der Pfalz, O b e r st d e M e tz, nachstehendes Schreiben zu: «Der Marschall Fach, Höchstkommandierender der fran.chsi- schen Armee, hc-t saobcn bekcmntgegsben, daß die Beamten nicht das Recht haben, sich der freien Bekundung der öffentlichen Mei- nung z u widersetzen. Infolgedessen verordnet er, daß namentlich Plakate, die zn diesem Zweck bestimmt sind, der- öffentlicht und angeschlagen werden dürfen, in voller Freiheit, und daß jeder Beamte, welchrr dem sich widersetzen sollte, so- sortiger Bestrafung aussetzt. Jnisolge dessen befiehlt der kom- mandi er ende General dem Herrn Präsidenten, in diesem Sinne an alle Berrmien der Pfalz entsprechende klnord- nungen zu erlassen. Der Text dieser Anordnung soll durch den Herrn Oberst de Metz den Sichervrrmcrk bekommen. Dieser ist beauZragt, sich zu versichern, daß dieser Befehl sofort an alle, für die er bestimmt ist, abgesandt wird. Tatsächlich ist denn auch die Weisung an die Vorstände der staatlichen und kommunalen Behörden ergangen, daß, falls ihre Beamten bei Ausrufung der Republik streiken sollten, sie für haftbar erklärt nnd vor ein Kriegsgericht gestellt werden. In dasselbe Kapitel gehört folgende Meldung der„Frankfurter Zeitung": Wie die Franzosen gegen streikende deutsche Eisenbahner vor- gehen, ergibt sich aus folgendem Befehl vom S. 8� der von ihnen in der Eisenbahndirektion Mainz ausgegeben ist: Befehl des Präsidenten der Unterkommission des Bezirks Mainz. Gewisse Angestellte und Arbeiter haben am L. Juni ge- st r e i k t. Das gesamte Personal ist als militärisch re.iuiriert zu betrachten. Da der Streik Gchoriamsverweigerung ist, werden die Streikenben wie Soldaten behandelt, die den Gehorsam verweigern. Einige haben vorgeschützt, daß der Streik ein rein politisches Ziel verfolge. In der Armee gibt es aber keinen Vorwand zur Gehorsamsverweigerung. Kein Vorwand zur Gehorsamsverweigerung kann bei dem Eisenbahn- personal geduldet werden, da dachelbe alz militärisch requiriert anzusehen ist. Weil daS Eisenbahnpersonal mili. tärisch requiriert ist, erhält dasselbe höher« Lebensmittel- Zuschüsse(I) als die übrige Bevölkerung. Diese Zuschüsse welchen für die Streifenden aufgehoben. Gefftjcher Protest an Nangin. Mifthanblung der verhafteten Vaterlandsfreunde durch die �ranzoseu. Der Präsident der hessischen Volkskammer, Genosse Ade- luug, sowie«ine weitere Anzahl Verhafteter find von den Fran- zosen au« der Hast entlassen worden und in Darmstadt eingetroffen. Dabei bestätigt e» sich, daß sie von den Franzosen, und zwar von französischen Offizieren, in der ntedecträchtigsten Weise miß- handelt worden sind. Sie wurden mit der Reitpeitsche und urit Faustschlägen tnS Gesicht traktiert,«IS Schweine und Lumpen beschimpft und zum Teil ohne jedes Essen 24 Stun- den und länger in Zellen eingesperrt, wobei ihnen weder Wasch- gelogenheit noch Decken gegeben wurden. Die hessische Regierung hat am Donnerstag an den französischen Oberbefehlshaber General M angin in Mainz folgende Note gerichtet: Mainzer Bürger, die anläßlich des Streiks verhaftet wurden, find jetzt aus Rhcin-Hessen ausgewiesen und von ftanzosiichen Offizieren bei dem Verhör tätlich mißhandelt und persönlich beleidigt worden. Gegen das Verfahren pro- testiere ich im Namen der Menschlichkeit. Falls Sie, Her? Gene- ral, die Tatsachen festzustellen geneigt sein sollten, bin ich bccrii, die Namen der Mißhandelten und Beleidigren zu Ihrer Kenntnis zu bringen. Gegen die Ausweisung von Bürgern aus ihrer Heimat lege ich besonders Verwahrung ein, da sie lediglich als Patrioten gehandelt haben und da- für die Anerkennung der Volksgenossen verdiene». Ullrich, Ministerpräsident. tin Stückchen Orot. Von P. Haupt. Vor einem Bäckerladen steht eine Gruppe Frauen. Sie ent- stammen den ärmeren Ständen. Sie finden sich alltäglich dort ein, !vie selbstverständlich, sind sie es doch bald fünf Jahre so gewöhnt. Endlich wird die Tür geöffnet. Die Ersten treten in den Laden ein. «Gott sei Dank," seufzt«in jungeö Weib von vielleicht L0 Iah- ren,«dann komm ich ja doch nach weg, eh' meine Tochter auS der Schule kommt. Det ist jedesmal schrecklich, wenn sie mtr hier stehen sieht, geht sie mir nich von die Pelle, eh sie'ne Stulle gekriegt." ,,Se hat eben Hunger," äußert eine ältere, starkknochige Frau mit sorgendurchsurchtem. hartem Gesicht..Den Speck müssen wir ja heute«uch noch abholen." mischt sich eine Dritte ein. Neben der Dreißigjährigen steht ein alteS, gebeugtes, weiß- haariges Mütterchen. Sie spricht: „Den amerikanischen Speck kann ich mir nich koofen, der iS mir zu teuer. Die Karte muß ich immer verfallen lassen." Lebhaft fetzt die Jüngere ein:„Können Se dann nich mir die Karte geben? Oder den Speck für mich kaufen? Ich gebe auch gern ein paar Psennige mehr." Plötzlich hält sie inne, eine Mutwelle schießt ihr über daZ Antlitz. Verleg«, ihre Augen auf die Aeltere richtend, entschuldigt sie sich: „Wozu soll fie denn verfallen? Und ich brauche sie so nötig. Mein Manu hat s- schwere Arbeit, iS Rollkutscher und hat immer großen Hungor." Die Angeredete sagt ruhig:«Na ja, waS i? denn dabei, wenn die Kart« sonst doch verfallen müßte.." Jh« Augen habe« einen harten, eisige« Ausdruck:«So iS da? Leben, jeder muß sehen, wie er durchkommt." „Ja, kaufen St- man ruhig," stimmte eine Andere zu. Ihre Augen»errieten, daß sie ihn seibjt gern haben möchte. Bitter bricht die junge Fran auS: „So'n Ekell Muß einer dem anderen sein Bißchen wegkanfen, wenn er bloß ei« paar Pfennig« mehr hat. So ein Elend, man möchte die ganze Meli kaputschlagen." Achsekzuckend entgognete die Aeltere:«Davon werden Se auch nich satt."' «Ich tue es man bloß für meinen Mann und meine Tochter. Die sieht immer so hungrig auS, das kann ich nicht mehr mit an« sehn," spricht die junge Frau weich zu der Weißhaarigen. «Richt wahr, ich kriege die Karte?" «Ja, ja, ich hätte ja selbst Hunger, aber wenn Sie mir bloß ein Stückchen Brot dafür geben statt mehr Geld.." HsSvig Dohms öerlwer Vormärz. Hodwig Dohm, am 20. September 1833 geboren, war das elfte von achtzehn Kindern smes recht vohlhsbend« Berliner Kauf- Die franzSfilche«ewalkherrschaft geht inMischen weiter: Wegen Kundgebungen gegen die selbständige rheinische Republik verurteilte die französische Militärbehörde in Zwei- brücken eine Reihe von Personen zu jeeinem Monat Ge- f ä n g n i S. Gegen die Errichtung einer Rheinischen Republik protestiert u, a. der KorpSsoldatenrat des 8. Armeekorps in Düsseldorf im Auf- trage aller rheinischen Truppenteile und aller noch unter der Fahne stehenden Rheinländer. Sie erklären die Mainzer und Wiesbase- ner Machenschaften für landesverräierischer Natur, denen die Ge- schichte kaum ein Beispiel grö stirer Ehrlosigkeit gegenüberstellen wird. VeozeH gegen Sauber unö Klingelhsfer. Verurteilung der Leiter des Nrvolutionstribnnals. AuS München wird gemeldet: Am Freitag beginnt in Würz- bürg die Verhandlung gegen Sauber und Genossen, am 12. Juni wird in München gegen Klingelhöfer verhandelt. Mitte Juni beginnt der Prozeß deZ Militärministers Schneppenhorst gegen die„Neue Zeitung" der U, S. P. in München. Wie die Münchener Morgenblätter melden, verurteilte daS Standgericht die beiden Leiter deS WeltrevolutionStribu- nals Gronauer>md Mühlbauer zur gesetzlichen Min- deststrafe von 1 Jahr 3 Monaten Festung. Das Gericht er- kannte an, daß sie mit. größter Milde und Umsicht vor- gegangen sind und«ine Reihe von Blutopfern verhin- d e r t haben. Dle farbenscheuen Nationalliberalen. Die Deutsche Voltspartei legte in einer Entschließung gegen die Veseiligung«unseres ruhmreichen Schwarzwcihrot" aus den Reichs- färben Protest ein. Sie führen die Tatsache, daß unter dieser Flagge«mehr als eine Million Deutscher in Europa, Asten und Afrika in den Tod gegangen sind", als Grund für die Veiöehaltung der Reichsfarben an. Wir dächten, daß gerade dieser unter dem schwarz-weiß-roten Banner verübt« Massenmord an deutschen Vollsgenosien geeignet sein sollte, dieses Schandmal deutscher Geschichte so schnell wie möglich zu entfernen. Lebhast zu begrüßen wäre es, wenn die deutschen Volksparteiler, die an der B e s ch m u tz u n g der deutschen Flagge lebhaften An- teil haben, fich in sämtliche noch vorhandenen schwarz-weiß-roten Lappen einwickeln und nicht mehr zum Vorschein kommen möchten.— Doch dazu wird es wohl leider nicht kommen. Diese Herren besitzen dieselbe Stiernackigkeit und Rot- scheu, wie gewisse Tiere, die mit der ersten Silbe dieser Charakter« eigcnschaft benannt werden und deren anderer, in der Landwirt- schafl gebräuchliche Name aus Höslrchkeit hier verschwiegen sei. Nolltifche Ursachen öes französijchen Ms- stanöes. Fstr einen Frieden der Versöhnung. T. K. G., 8. Juni. Trotzdem eS gestera zu Berlfanblungen zwischen den Vertretern der Arbeiterschaft nnd der Regierung ge- kommen ist, bringt die Pariser Presse starken Pessimismus über die Entwicklung der Dinge in Frankreich zur Schau. Die bür- gerlichen Blatter stellen übereinstimmend fest, dast dt: Stimmung der Arbeiterschaft durchauSrevolutioaärist und nicht allein durch Entgegcnkommeu in wirtschaftlichen Fragen beruhigt wwden kann. DaS„Journal deS DebatS" stellt fest, dast da? Eharakteristi- tum der Streikbewegung darin besteht, daß ihre Leitung nicht in den Händen der Gewerkschaftsführer liegt, sondern nach Anweisungen, db: von unbekannten Stellen kommen, geschieht. Und die „Liberte" weist darairf hin, dast die Einführung der russischen Mevo- lntisnSmethoden in Frankreich und die Umwandlung des Friedensvertrages von Versailles in einen Frieden der Versöhnung daö e i g cn t l i ch e Ziel der Bewegung ist. Der politische Charakter deS Streiks geht auch aus einer Betrachtung si>:r sozialdemokratischen„Humanite" hervor, die schreibt, marrns namens Schlich, der feine Fabrik draußen im Osten der da« rnals schon recht großen preußischen Hauptstadt hatte, in einer Gegend, die damals das Wohnviertel der guten Bürgerfamilien und höheren Beamten war. In einer Schilderung, die Hedwig Dohm vor etwa einem Jahrzehnt einmal selbst gegeben hat, berichtet sie von ihrem Vaterhause:„Meine Eltern bewohnton in der Friedrich- stratze eine Beletage. Still und heimlich war es da: denn vor dem nahen Halleschon Tore war die Stadt zu Ende. Da dehnten sich weit« sumpfige Wiesen, und dahinter lag das riesige Tempelhofer Feld mit der kahlen Sandwüste des Kreuzbergs. Von Geschäften war in dem Stadtviertel noch keine Spur; das Gartenhaus hinter unserer Wohnung soll ftüher Adelbert von Chamisso beherbergt haben, und in dem großen! Saale, so erzählt man, habe er viele seiner Gedichte geschaffen. Levkojen, weiße und rote Nelken, be- sonders aber viele, viele Veilchen wuchsen in diesem großen Garten; alt« mächtige Nußbäume, in deren Schatteu man wundervoll träumen konnte, rauschten leise im Winde. Leise rauscht« auch, wie aus weiter Ferne, die Welt an uns vorüber. Was draußen die Menschen und Völker bewegte, wir vcr- nahmen nichts davon, und es war eme Freude und sin Erleben, wenn wir im Sommer auf dichtbesetztem Kremser eine Landpartie machten. Da zogen die Psevde den schweren Diagen mühsam durch den diesen Sand: wir Kinder aber waren selig und spielten im Walde, nahe bei den? Dorfwirtshaus, wo die Familien Kaffee kochten, hundert Spiele, eines immer schöner als das andere. So vergingen meine Kinderjabre, gleichförmig und gleichgültig. Junge, hevawwachsende Mädchen waren damals, an heutigen Verhältnissen gemessen, alle so furchtbar dumm, unwissend nnd ohne Interessen, und ich— machte wohl keine Ausnahme. Da kam ein Tag, dessen Widerhall sich brausend durch die Stadt wälzte, der 13. März 1843. Ich war erst IS Jahr? alt; aber etn uicbeztoinglicher Drang trieb mich trotz strengsten Verbots hinaus aus die Straße. An der Ecke der Friedrich- und Leipziger Straße drängten sich die Leute, und ich sah das Pflaster rot von Blut. Blut floß durch den Rinnstein— hier war ein Freiheitskämpfer erschossen worden." So erlebte Hedwig Dohm die Berliner Märzrevolution. Komöüienhaus. Zur Abgewöhnung vom monarchischen Zeitalter, daS nun hinter uns liegt, ein sogenanntes historische» Lustspiel_ von PreSber-Stein:„L i s e l a t t von der Pfalz", Zu einem Teil Geschichtsklitterung oder Memoirenklatich, zum andern Teil Marionetten und Wiederschnn von Wirklichkeit; alles sonstige höfische Intrige—«Affenkomödie". Eine lange Menükarte von be- rühmten, berüchtigten und unberühmten Personen ist ausgestellt: Duodezfürsten,.Sonnenkönige", Prinzessinnen, Kurtisanen, Hof- schranzen höherer wie niederer Gattung. Und alle stecken in Allonge- perrücken, Rcifröcken, glitzernden Kostümen. Ohne diesen lächer- baren Apparat— was bliebe auch noch vom historischen Artbegriff und seiner literarischen Berechtigung? Das Ding spielt zu Leb- Zeiten Ludwig Xllb vgn Frankreich und Elisabeth Charlottens, der Tochter des pfälzischen Kurfürsten. Der Gegensatz zwischen deutsch und französisch wird als Konfliktsstoff ausgeworfen. Die Verfasser nutzen daS, um daraus»Funken" zu schlagen.»Lisolette" daß die Stimmung in allen Ländern der Entente dir gleiche sei wie in Frankreich. Das Verlangen nach menschenwürdigem Dasein sei bei Millionen von Proletariern aller Länder skärker als«ationalistisch-imperialistisch« Wünsche und Gcfühw. Zwifthenfälle be! öen pcüße Streiks. Weitere Verschärfung der Lage. Versailles, 5. Juni. In der Pariser Streikbewe- g n n g kam es heule vormittag zu ernsten Zwischen- fällen. Einzelne Straßenbahnwagen wurden gewaltsam angehalten und arbeitswillige Straßenbahnongestellte von streikenden mißhandelt. Ter Berkehr wurde unterbrochen. Die Polizei griff ein, jedoch in ungenügender Zahl. Wie der„Temps" meldet, ist gegen eine Anzahl Streikender wegen Behinderung der Arbeitsfreihe� Strafnntersuchung einge- leitet worden. Laut„P o p u l a i r e" steht ein neuer Streik der Versicherungs- und Bankange st eilten bevor. Im Laufe des heutigen Tages haben 37 chemische Fa- b r i k e n in den Departements Seine und Seine-Oise den Be- trieb einstellen müssen. Heute abend werden voraussichtlich die übrigen chemischen Fabriken in diesen Gebieten feiern. Die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Pariser Groß- Wäschereien haben heute vormittag den Generalstreik beschlossen. Heute früh wurde, wie„Bau Soir" mel- det, ein Verband des Bureaupersonals aller Zeitungen und Aeitungsagenturen gebildet. Auch dieser Verband beabsichtigt. in den Ausstand zu treten. O Versailles, 5. Juni. Der Streik im Waren h an S Printen: PS ist beendet. Die Angestellten errangen einen vollen Sieg. Die Unterhandlungen zur Beilegung des MetallarbeiteoousstondeS blie- den bisher ergebnislos. Auf den Untergrundbahnen dauert der Streik an. Lmnibusie und Straßenbahnen haben den Betrieb nicht wieder aufgenommen. Nur einige Omnibusse, welche von Streikbrechern unter dem Schutze von Munizchalgarden ge- führt wurden, verkehrten. Meutereien in Toulouse. Versailles, 6. Juni. Seit einigen Tagen enthalten die form« zösischen Blätter Andeutungen über Zwischenfälle in Tou- louse. Auch haben sozialistische Deputierte die Absicht, über diese Zwischenfälle in de? Kammer zu interpellieren. ES scheint, daß die dort stehenden Regimenter gemeutert haben. In der heutigen H u m a n r t ö sind von einem langen Artikej über diese Zwischenfälle nur der Titel und die sieben Zeilen stehen-- geblieben, aus welchen ersichtlich ist, daß in den letzten vierzehn Tagen bei den Generalen verschiedene Klagen eingelaufen seien und daß ferner gestern vormittag die auS Toulouse eingetroffenen Deputierten Badcmc und Ellen Prebet in den Wandelgängen der Kammer übcc die Zwischenfälle von Toulouse befragt wurden und Auskunft geben mußten. Englische Sozialisten gegen üen Zrieöens-' vertrag. London, S. Juni.(Reuter.) Die parlamentarische Arbeiter« Partei hat ein Manifest herausgegeben, worin fie erklärt, der Friedensvertrag sei von Grund aus fehlerhaft und auf Prinzipien begründet, die den Krieg veranlaßt hätten. Das Mani- fest sagt weiter, die Zahlung von 6 Milliarden Pfund durch Deutsch. land sei nicht zu weitgehend, dagegen protestiert eS gegen die Ab- tretung des S a a r b e ck e n S au Frankreich und die Methode der Festsetzung der preußischen Grenze. DaS Manifest verlangt nach- träglich ein Verbot der privaten Herstellung neuer Waffen und die Zulassung Deutschlands zum Völkerbund. Hauptmann v. Bcerfclde verhaftet. Hauptmann v. Beerfelde ist laut«B. Z." gestern abend um 11 Uhr in einem Restaurant in der Nähe deS Nollendorfplatzcs verhastet worden. Die Verhaftung ge- schah durch Ofifzicre. ist als bioderbeS Rheinmädel gezeichnet und erscheint auch so. d.rnt! dem wrmdervollen mcnfcheutümlichen Spiel der Lucie H ö f l i ch. Sie erwärmt wie Mniensomi«, aber sie kann auch mit Donnerweticrrr dreinsahren, Ludwig Hartau gibt zwei gegensätzliche Charaktere: den Karl Ludwig und den„roi du solei�zugl-erch; Ellen Herz gibt eine„natürliche Tochter" des Franzasenbeherrschers und Olga Engl die Marquise von Maintenom Alle sonstigen Typen(sie sind so zahlreich als buntscheckig) haben in der Hauptsache als Haubem'töck« zu scheinen. Das Lustspiel snltbewährte Mischung von„aufgeklär- tem" Despotismus und hündischer Unterwürfigkeit) ist wirksam eni- wickelt und ausgebaut; der Dialog knapp, wo es sein muß, und ölig, aber schlagkräftig in jedem Falle. elc.. Notizen. — Zur Räte-Idee veröffentlicht in der letzten Nvunmet (Nr. S) der Neuen Zeit" der NoichSwirtschastSminister Rudolf Wissel! oinen Aufsatz, der die bildlcch-schematischen Darstellungen wiedergibt, durch die Wissell auf dem zweiten Rätekongreß daS Wesen der von den drei hauptsächlichsten Kongreß- Parteien eingebrachten Anträge klarzumachen suchte. Der Aussatz verdient regste Beachtung. DaS Heft kostet bv Pf. — DaS Pfingstkonzert des Blüthner-Or- ch efter 8 am Sonntag, 7H Uhr, findet unter der Leitung von Heinrich Laber(Gera) statt. Solist des Abends ist Konzertmeister Lambinen. Am Montag ist daö letzte BInthner»K»nzcrt. — Akademisches Auskunftsamt heißt laut Erlaß des Kultusministers fortan die amtliche akademische Auskunstsstelle an der Bertiner Universität. Es ist an den Wochentagen von 10 bis J*2 Uhr geöffnet.— Für das H e r b st z w i s ch e n» semester an der Un-iversität ist die Zeit vom 22. September bis Lg. Dezember in Aussicht genommen, für das darauffolgende Wintersemaster die Zeit vom S. Januar bis 31. März 1920. — Theater. DaS Kleine Theater hat Hermann KesserS Tragikomödie„Summa Summaru m", die in Mannheim bei der Uraufführung großen Erfolg erzielte, ange- nommen. Auch andere namhafte Bühnen werden das Werk auf» führen.— Im Schillertheater Charlottenburg geht an den Nachmittagen beider Pfingstseiertage Ibsens„Volksfeind" in Szene. — Wissen i st Stacht— Macht i st Wissen. Die be- kannte Rede zur Bildung«- und Schulsvage, d-i« Wilhelm Lieb» k n e ch t vor 47 Jahren hielt, erschien soeben im Verlag der Buch- Handlung Vorwärts in neuer Auflage(Preis 1,2(1 M.). Was Kurt E i S n e r der Rede bei dem Neudruck vor fünfzehn Jahren mit aus den Weg gab, gilt auch heute:„sie lebt noch in voller Jugcndkrast". Und das bedeutet: sie kämpft, Liebknecht, den Eisner einen«Frei» schärler wissenschaftlicher Alifkläruwg' nennt, ruft den Arbeirern ausatmend zu:«Ohne Macht für das Volk kern Wissen!" Wir wissen aber nun, wie viel Macht notwendig ist, um durch die Sperrzone endlich ein wirklich fteies Feld vor zubrechen. — Führung. In der Ausstellung feldgrauer Kunst- l e r, Wllhelmsplatz, veranstalten am Ssbuabcud, den 7. Juni, der Ddpler Hermann Widmer, der Bildhauer W. Repsold und der Ar- chiteckt S. Pepinski eine Führung mit fachmännischen Erklärungen. Nachdem die heutige Sitzung eröffnet Mar, erklärt« Rechts- orüvctlt R o f e n f e l d(der cm den letzten Tagen der Verhandlung nicht beitrohnte) Staatsanwalt Z u m b r o i ch habe in der Sitzung am Dienstag gesagt, die Zeugin Frau Steinbring stehe unter der Anklag« des Mordes. Als Verteidiger der Frau Stein- bring erkläre er(Rechtsanwalt Rosenseld), daß diese ledig- lich �wegen Anschluß a n einen bewaffneten H a u se n, L a n d f r i e d e n s b r u ch und Ausruhr ange- klagt sei, Die Anschuldigung wegen Mordes sei schon vor einigen � Woilwn fallen gelassen. Staatsanwalt G h s a e bestätigt die tatsächliche Angabe des Verteidigers, worauf dieser erwidert, dann sei eS ja um so merkwürdiger, daß Staatsanwalt Zum- broich jetzt noch sagen konnte, Frau Steinbring stehe unter der Anklage des Mordes. Das könne nur die Wirkung haben, Stim- nrung gegen Frau Sieinbring und den Angeklagten zu machen. Staatsanwalt Zumbroich bemerkt, daß die Anklage wegen Morde» fallen gelassen sei, sei ihm bekannt, die Anklage bal« sich auf� die Aussage des Grasen Westarp gestützt, wonach Frau Eteinbring«in Maschinengewehr im„Vorwärts" bedient und da- durch einen Soldaten getötet habe. Durch den Hinweis auf die Mordanklage habe er nur zeigen wollen, daß Frau Sieinbring nicht die geeignete Zeugin fei, um die Glaubwürdigkeit des Grafen Westarp zu erschüttern. Der Zeug« Ticsenhausen wird nochmals vernommen, um sich zu den Angaben des Zeugen Heimann zu äußern, der die Aussage TiesenhmlsenZ über die angebliche Absicht der Revolutio, nar«, den Leutnant Grein im Marstall zu ermorden, als unwahr Wt«.— Tiesenhausen bleibt bei seiner ursprüng- uchen Angabe, daß er auZ dem Verhalten des revolutionären Ob» rnannä angenommen habe, daß Grein im Marstall ermordet werden Tollte.— Arigekl. Ledebour weist durch Fragen an den Zeugen -Mielenhausen auf verschieden« Widersprüche in anderen -punkten von dessen Aussagen hin, woraus sich Tiesenhausen durch sehr unwahrscheinliche Angaben herauSzu- reden sucht. Diese Fragen beziehen sich auch auf die Waffen. der. eilung nn Marstall, die nach TiesenhausenS Angabe unter den -äugen des Angeklagten Ledebour vor sich gegangen sein soll. AuS den gewundenen Aussagen, die Tiesenhausen jetzt macht, geht her- vor. daß er nur noch behaupten will. Ledebour sei tedenfallS zur Zeit der Waffenverteilung im Marstall anwesend gewesen.— An-jekl. Ledebour sagt»n erregtem Ton, die ganz« Angabe des Zeugen ist erlogen.— Dar Vorsitzende bezeichnet den Ausdruck„erlogen" als unzulässig. eZ dürfe nur gesagt werden, die Angabe'ei unwahr.— Ledebour bemerkt, dann möge man das verhalten deS.Zeugen mit dem Wort des Marauiz Ricco de Mar- liniere als cornzrer la fortune bezeichnen.— Auch über fein Aben- teit« auf der Wache der Reichskanzlei wird der Zeuge von der Der- teikngung nochmals eingehend gefragt, weil auch in diesem Punkt �Widersprüche mit den Angaben eines anderen Zeugen zutage ge- trekn sind.— Rechtsanwalt Rosenfeld fragt den Zeugen Ticsenhausen,»b er einen Kriminalbeamten Kaul kenne.— Der ffiorfitzenl)« beanstandet die Frage und verlangt, daß der Verteidiger den Zweck derselben angebe.— RechiSanw. Rosen- t e l d erwidert, das gehe nicht an, denn saust würde dem Zeugen Gelegeiche>t gegeben, sich in« Antwort auf di« ftranc in seinem In- teresse zurechtzulegen.— Der Vorsitzende bleibt bei seinem Ver- '«'gen.— Die Verteidiger bezeichnen das als eine Beschränkung der Recht« deS Angeklagten und beantragen einen Gerichtsbeschluß über die Zulässigkeit der Frage.— Nach längerer Beratung beschließt das Gericht, die Frage zuzulassen.— -t-ci Zeuge beantwortet sie dahin, er kenne einen Mann namens Kaul, der sei aber nicht K r i m i na l b ea m- t e r, sondern mit ihm zusammen in der Wafsenkammer des Poli- zelpräsidiums tätig gewesen, und jetzt solle er in der Artillerie- Werkstatt beschäftigt sein.— Auf weitere Fragen antwortet der Zeuge, er habe Kaul vor der Ncvolntion nir gesehen, er selbst habe vor der Revolution nicht im Dienst der Polizei gestanden.' Zeuge EugenBrune wird über die Voraänge am 6- Januar im Marstall vernommen. Er sagt, er sei im November von WclS mit der Leitung der Automobilabteilung der Volksmarine-Division betraut worden. Am 6. Januar suchte ich in einer dienstlichen An- Gelegenheit unseren Kommandanten Radke, aber ich konnte weder ihn noch Dorenbach finden. AIS ich ihn suchte, fand ich in einem Raum deS Obergeschosses Fischer. Mir wurde gesagt, Fischer sei von Dorenbach festgehalten worden, weil ereinen Einblick gewonnen habe in Verhand- lungen, die unter Beteiligung Ledebours im Marstall stattgefunden hatten. Ich sagte, wenn daS so weiter geht, daß wir keinen Kommandanten mehr haben, dann ist eS besser, wir losen� die Division auf. Wir können doch nicht gegen die Regierung kämpfen. Weil Radke und Daren- bach nicht ,u finden waren, wählten wir Redet als provisorischen Kommandanten und vereinbarten, daß wir neutral bleiben. Fischer wurde herbeigeholt, wir diskutierten weiter, Fischer ermahnte unS, für die Regierung einzutreten, oder wenn wir da? nicht wollten, neutral zu bleiben. Damit waren wir einverstanden. Kurz darauf kam Ledebour, dem ich unseren Beschlutz mitteilte. Er war nicht recht damit einverstanden, er wollte, dah wir ihm beistehen sollten, weil wir am 24. Dezember von ihm Hilfe bekommen hatten. Dazege» protestierte ich. Unsere AuSein- andersehnng war sehr kurz und heftig. AIS sie deendet war, bin ich fortgegangen. AlS ich am nächsten Tage wiederkam, ließ mich der Kvmvognieführcr Filbrond verhaften. Auf Befragen gibt der Zeuge an, Dorenbach sei für den R e v o l u t i o n S a u s i ch u ß gewesen, er habe einen sehr großen Einfluß bei den Angehörigen der V o l k S ma r i ned i v i s i o n. gehabt. Wenn er Mannschaften verlangte, um sie irgendwohin zu schicken zur Besetzung von Gebäuden in den Januartagen, dann fanden sich immer Frei- willige in ausreichender Zahl, ohne zu fragen weshalb und wohin sie geschickt würden. In seiner Haltung zu den Parteien habe Dorenbach ei« doppelte? Spiel gr- spielt. Sein Einfluß hatte deshalb in letzter Zeit nachgelassen.—. Am 6. Januar kamen Wagen mit Waffen belade» aus Wittenau an. Sobald die Wagen im Marstall einfuhren, wurden sie von den dort anwesenden Zivilpersonen und Soldaten bestürmt, die sich der Waffe» bemächtigten. Ein« Verteilung der Waffen hat nicht stattgefunden. Als dt« Leute im Lichthof die Waffen an sich nahmen, war Ledebour nicht zugegen, sondern er befand sich in den Räumen der Division nn ersten Stack. Auf weitere Fragen antowrtet der Zeuge, der Kompagnieführer Filbrand habe«in« zweideutige Haltung ange- nommen, er habe immer erst gehört, wie die Mei- nung der Mannschaften sei und sei dann mit dem großen Haufen gegangen. Zeuge Schutzmann Franz Sncholina war mit Tiesenhausen zusammen im Polizeipräsidium tätig. Er sagt: Am 24. De- zember hat Tiesenhausen im Polizeipräsidium mit einem Haufen bewaffneter Zivilisten gestanden. Ob er mit denselben ausmcrr» schiert ist, weiß ich nicht. Am 5. und ö. Dezember kamen Hunderte von Leuten nach dem Polizeipräsidium und verlangten Waffen. Es ist aber— meiner Meinung nach vom Präsidenten Eichhorn— der Befehl gekommen, daß keine Waffen ausgegeben werden sollen Trotzdem sinii aber Waffen ausgegeben worden. Daß die Leutesichselbstdie Waffen nehme» konnten, ist ausgeschlossen. Auf die Frage, wa? er von Tiesenhausen wisse, antwortet der Zeuge Sucholina: Tiesenhausen war der größte Spurtakist, drr größte fanatische Mensch, den ich je gesehen habe. Ich war erstaunt, daß dieser Mann vor Gericht die Unwahrheit gesagt hat. Bei Eich- Horn stand Tiesenhausen in gutem Ansehen. Ich habe gehört, daß Eichhorn sagte. Tiesenhausen sei ein gebildeter Mann, den mau hwräuchrn kann» er ist der richtige Bolksaufklärrr. Diesx Aeußerung hat Eichhorn Mitte Dezember gemacht. Mich hat Ticsenhausen veranlaßt, der N. S.?. beizutreten, er hat mir für diesen Fall ein« gute Siekle in Aussicht gestellt. Ich nahm an, Tiesenhausen würde demnächst eine hohe Position im Reich ein» nehmen und mir dann eine gute Stelle verschaffen können. Mit Rücksicht ans meine Familie bin ich auf TiesenhausenS Berlangen der N. S. P. beigetreten. Damals habe ich gar nicht gewußt, was U. S. P. und waS S. P. D. ist.—- Di« Waffen konnten nicht ausgegeben werden, wenn Tiesenhausen nicht einen Schein ausstellte.— Als der Befehl heraus- kam, daß die regierungstreuen Sicherheitsmannschaften sich in Chwrlottenburg einfinden sollten, ist Tiesenhausen noch einige Tage im Berliner Polizeipräsidium geblieben med dann erst hat er sich in Charloitenburg gemeldet. Tiesenhausen bestreitet alle Angabe» deS Borzengen. Er habe mit der Waffenausgabe gar nichts zu tun gehabt, sondern nur schriftliche Arbeiten in der ZLaffenkammer erledigt. Am 5. und 6. Januar seien Waffen ausgegeben worden. ES sei zwar gesagt worden, Eichhorn habe die WaffewruSgabe verboten, aber Öfter- manu und Schwan hätten die WaffenauSgab« in der Hand gehabt nnd seien in der Lag« gewesen, auch gegen den Befehl Eichhorns Waffen zu verteilen. Weiter behauptet Tiesenhausen,«S sei ciusge. schlössen, daß er S n ch o l i n o zum Beitritt zur U. S. P. veranlaßt und sich den Anschein gegeben habe, dttß er Staatssekretär werden würde. Angekl. Ledebour richtet Fragen an Tiesenhausen, um fest- zustcllen, ob derselbe sich vor den Januarunruhen als Anhänger Eichhorns aufgespielt und erst eine andere Haltung noch dem Sturz Eichhorn? eingenommen habe. Tiesenhau sen antwortet, er sei schon immer gctoesen, was er heute sei, nämlich Mehrheitssozialtst. Auf die Frage deS Angeklagten, wann der Zeuge dieser Partei beigetreten sei, gibt er zunächst irusweichende Antworten und sagt schließlich, eingeschriebenes Mitglied der Partei sei er nicht. Industrie und Handel. Börse. Deckungen, veranlaßt durch die zuversichtliche Auffassung der politischen Lage, führten zu einer Befestigung der Tendenz ausallen Gebieten. Für Montanwerte regten außerdem die günstigen Mitteilungen in der Generalversammlung des„Phönix" a». Neben „Phönix"� waren vor allem auch Deutsch-Luxemburg und Loch- ringer Hütten begehrt und fest. Schiffahrtsaktien schlössen sich der Aufwärtsbewegung an. Farbwerte konnten einsn Teil der letzthin eingetretenen Kursverluste wieder zurückgewinnen. Elektrizitätsaktten waren wenig verändert. Kriegsanleihe erholten sich auf 76)4 Prozent. Auch die älteren An- le'.hen waren fest; ebenso konnten sich österreichische Renten bessern. Gute Meinung bestand auch für Kolonial- GroßSerMl Warnung vor Unbesonnenheiten. Die.Freiheit" veröffentlicht an hervorragender Stelle in hervorragendem Druck folgende Warnung: Uns fit von verschiedenen Seiten einwandfrei mitgeteilt worden, daß an einigen einflußreichen Stellen darauf spekuliert wird, daß die Ärbeitermassen sich infolge der sich häuienden Herausforderungen zu Abwehrakltonen verleiten lassen, die einen willkommenen Anlaß zur völligen Niederwerfung der revolutionären Bewegung vielen würden. Wir machen die Arbeiterschaft dar- aus auimerksam; wir erwarten, daß sie das Spiel durchschaut und vereiteln wird. Dieser Mahnung zur Besonnenheit können wir uns nur anschUeßen. Bei inneren Kämpfen ist schließlich die N e a k- ti»n der lachende Dritte. Di« Beerdigimg Rosa Luxemburgs. Nachdem die Leiche Rosa Luxemburgs freigegeben worden ist, fand am heutigen Vormittag die Einsargnng unter Beisein dec nächsten Freund« der Verstorbenen sowie Vertretern der Kommu« niitischen und Unabhängigen Partei statt. Inzwischen hat sich hier «in Ausschuß der genannten beiden Parteien gebildet, um eine Bc- eedigunSfei«« großem Stil vorzubereiten. LiSher feststehend ist, daß die Beerdigung Freitag, den lZ. Jmri auf dem städtischen Friedhos in FriedrichSjeK« stattfinden wird. Bekanntlich war an- läßlich der Beisetzung LiehknchtS und der gefallenen Jamrar- kämpfer neben der Gruft von Liebknecht ein Platz für die Leiche Rosa Luxemburgs reserviert worden, und dort wird sie auch bei- aesetzt werden. Soweit wie eine Korrespondenz erfährt, soll am i Freitag di« Arbeit in den Fabriken Groß-BerlinS eingestellt werden. Demonstrationszüge in der inneren Stadt werden wohl nicht stattfinden, um jeden Anlaß zu Zusammenstößen zu vermeiden. Dagegen plftnt man vor und nach der Beerdigung an diesem Tage die Abhaltung riesiger Trcmerfeiern unter svelem Himmel. Verschärfung der Wohnungsnot durch Flüchtlinge. Der Zustrom van ausgewanderten und ausgewiesenen Familien aus den vom Feinde besetzten Gebieten nach den Großstädten nimmt von Tag zu Tag zu. Berlin als zenturler Eisenbahnknotenpunkt ist einer Überflutung durch Flüchtlinas au» dem Osten besonders ausgesetzt. Bei der immer noch steigenden Wohnungsnot ist es aber nicht möglich, diesen Flüchtlingen«ine Wohnung in Groß-Berlin zu bieten. Die Möglichkeiten der Beschaffung von Notwohnungen sind erschöpft; verschieden« Gemeinden haben bereits dazu über» gehen müssen, umfangreich« und höchst kostspielige Barackenbautsn zu errichten. Ter ungehemmte Zustrom von Flüchtlingen nach Groß-Berlin kann also leicht zu einer Katastrophe auf dem Woh- nungsmnrkt führen. Hierzu kommt di« äußerst gespannte Lage in der Ernährung und auf dem Arbeitsmarkt Groß-BerlinS. Der Wohnungsverband Groß-Berlin hat daher an die Staats- regierung den Antrag gerichtet, unverzüglich Maßregeln gegen den ungehemmten Zustrom der Flüchtlinge nach Groß-Berlrn zu er- greisen. Der Verband schlägt vor, an den Eisenbahnstationen an der polnischen Grenze Bureau» zu errichten, denen die Verteilung der Flucht finge über das Staatsgebiet obliegt. Für die Uitterbrin- gung der Flüchtlinge auf dem Lande und in den kleineren Pro- vinzstädten sind dort unverzüglich Notwohnungen, Baracken, Holz- Häuser und dergleichen herzurichten. Ferner regt der Verband an, die Uebersiedlung nach Groß-Berlin von der Erteilung einer Ueber- siedlungScrlaubnis abhängig»u machen, di« von den Groß-Berlin« WohnungSnachweifen zu ertecleu ist. Die Zustünde im Postbetrieb liegen sehr im argen. Auf allen Postämtern sind selbst in den verkehrsstarken Zeiten viele Schalter geschlossen. Selbst bei den Telegrammschaltern ist em Anstehen wie vor Jahren beim Butter-' einkauf. Die Telegrophenlsitungen sind überlastet, weil das Puhli- tum wenig Zutrauen zu der rechtzeitigen Postbeförderung hat. Ewa 80 bis 80 Stunden später,arhe>t herrscht, auch die Entichnldungdsumme in geteilten Sätzen.•/«•'ta '/« vom Gelwlt, je nach Einstellung des Betreffenden, gezahlt werden lall, ist cs notwendig geworden, alle beim Neulöllner Magistrat be« schäitigien Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer. Hinterbliebenen usw. zu Minwoch, abends 7V» Uhr, im Ideal-Kasino, Weichselstr. 8, zu einer Versammlung einzuberufen. Bemerkenswerte Aeußermtzen eines Betriebsdirektors. Wie uns aus dem Betriebe der Firma Zyklon berichtet wird, verhandelt« der dortige Arbeitenausschuß kürzlich mit Herrn Direktor Hirsch- mann wegen der Urlaubsfrog«. In der letzten Betriebsveriamm- lung waren die Kollegen der Meinung, daß jeder Arbeiter urlaubS- bedürftig sai. ganz gleiche ob er 10 Fahr« oder 8 Tage bei der Firma tätig wäre; in diesem Sinne sokkte der Ausschuß verhandeln. Der Herr Direktor erklärte, man sollte sich schämen, mit derartigen An- trägen zu kommen. Er macht« daiei eine Anspielung, daß Leute, die 4H Jahre draußen gewesen wären und dicke Backen bekommen hätten, den Urlaub nicht so dringend brauchten wie diejemgen, die zu Hause schwer gearbeitet und gedarbt haben. Auch wüßten di« Arbeiter den Urlaub nicht richtig anzuwenden, sie würben schließlich aus schlecht« Gedanken kommen. Es wäre gut, wenn ein« anders Regierung käme« welch« dta 2 wie zur Atchgit zwingen wurde. Später hat Herr Hirschmarin dem Ausschuß pegenüber diese Worte bedauert und erklärt� es wäre nicht so gemeint gewesen, er hätte im Gegenteil Hochachtung für die draußen Gewesenen. Ter Ausspruch des Herrn Hirschinann bat bei den Arbeitern des Betriebes eine sehr erbitterte Stimmung ausgelöst, die auch nicht dadurch völlig beseitigt ist, daß nachträglich den verletzenden Worten eine harmlose Ausdeutung gegeben wurde. Neue Kcicinbarlingen der Metallindustrie sind zwischen den Anzestelltenverbänden und dem Lerband Berliner Metallmdustmller üoer eine Regeln ng des Urlaubs gelroisen worden. Danach bat jeder Angestellte, der eine angesielllenversicherunge Pflichtige Tälig- teil ausgeübt. Urtaub nach fotgenden Grundsätzen zu erhallen: im l. Dienstsohr 6 Arbeiistoge, im!l. Dieiistiohr!) Arbeitstage, im L. Dienstjahr 12 Arbeitslage. Zu diesem Urlaub tritt ein Zuschlag nach votlendetem 2'>. Lebensjahr tn.sgesomt von 3 Arbeitstagen, nach vollendcteni 2(1. Lebensjahr insgesamt von 4 Arbeitstagen, mich vollendetem 27. Lebens nhr insgesamt von ö Arbeitstagen, nach vollendetem 28. Lebensjahr insgesamt von 6 Arbeustagen. Lehrlinge, die ans Grund eines LehrvcrlrageS in mehrjähriger Ausbildung zu einer angestclltenversichcrnngspflichtigen Täligkeir stehen, erhallen im 1. Lehrjahre 12, im 2. 10 und im 3. 8 Arbeits- tags Urlaub. Diese Festsetzung begründet keinen Anspruch im Sinne der Ziffer A. 5. Die nicht angestelltenversicherungspflichtigen Schreiber stmd Schreiberinnen) erholten Urlaub nach den unter.4. getroffenen Bc- stimmungen mit solgenden Abweichungen: 1. Statt„angestellten- uersicheriingSpstichtige" ist überoll zu setzen„schreiberdiensriich". 2. Die Tageszohlen der Ziffer A I werden um ein Drittel gelürzt; zwei Drittel: 4 sowohl zwei Drittel: ö werden für 3 angerechnet. Diese UrlaubSregclung tritt sofort in Kraft. Tarifabschlust. Zwischen dem Arbeitg'berverband der Popier verarbeitenden Industriellen, Fachgruppe: Tapeten- und Buntglas- papier-Fabrikation und dem Verband der Fabrikarbeiter Deutsch- lands ist am 4. Juni ein Reichstarif abgeschlossen worden zur Regelung der Lohn- und Arbeitsbediiigungen in der Tapeten- u ii d B uu t g l a s p a p i e r- I n d u st r i e. Friseurgchilfen«nd-gchilfinue»! Die VerlranenSmäniier des Verbände» der Friseurgehilsen, Ortsverwaltung Berlin, faßte in ihrer letzten Sitzung folgenden Beschluß: Die in-den Tageszeitungen von den Arbeitgeberoraanlsationen angekündigte Preiserhöhung von 2ö Prozent erachtet die Veisaiiim- lung auf Grund des am 20. Mai abgeichioffenen Tari'vcrtragc-S als larffwidrig. In demselben heißt es in IV. Sonstige Bestimmungen unter Absatz 5:„Beobfichtigr der Jnteressenverband(der Arbeit- gebers oder die ihm angehörenden Vereinigungen, eine allgemeine Erhöhung der BediniungSpleise vorzunehmen, dann ist unter den Vertragschließenden zuvor eine Verständigung darüber herbeizu- führen." Die Versammelten erklären, daß die Gehilfenschaft mit dieser Preiserhöbung nicht einvetslonden iein kann und in ihrer am ö. Juni stattfindenden Mitaliederversamniltzng Siellnng nehmen wird. Die Bersammillcn erktärsn weiter, daß die in« Vertrage festgelegten lHmigerj-Löhne, für Herrenfriseure 00 M. und für Damenscitenre 70 M., nichr als Lohnerböhiing angesehen weiden können. Sterbend vor Ecuteindcarbriter, Drtsverwaltiing Berlin. Bei der am t. Linü siattgcillndencn Wobt-gim Ncwerbchaitskongreß erhielten von 1l 121 eiUtigen Stimmen: Porunle>1. S. P. 5777, Prenzlow U.«. P. .'-.v-g, Elitz IL S. P. 5522, Hertel U. S. P. 5297, Lenz U. S. P. 4914, Blonk 1!. i. P. 474b, Gürne u. S. V. 442t. Schünemann u. S. P. 4276, GrKs S. P. D. 3705. Lairneck S. P. D. 3622, Effert B. P. D 3514, Kwnwerrneyer S. P. D. 1364. der nicht ausgestellte Müntner 2292, zer- splittert 494._ vsrbanöstag ösr Zimmerer. Die Debatte über den Tarifvertrog wird fortgesetzt. L e h- mann-Hamburg sogt, daß die Teuerungszulagen zu niedrig waren und daß besonders die Großstädte zu kurz gekommen sind. Das schlimmste aber war die Bindung aller Teile der Organi- sation durch den Tarfivertrag. Tos sei min beseitigt. Vollack- Kiel weist auf die Schwierigkeiten hin, die Erfolge des neuen Tarifvertrages zu sichern. Die weiteren Redner sprechen teils für den neuen Tarifvertrag, teils verwerfen sie jede zentrale Abmachung. Im Schlußwort betont S ch r a d e r, auch hier treffe zu. daß es jedem recht zu machen unmöglich sei. Die Organisation habe ihr Möglichstes getan um hohe Zulagen zu erreichen. Die Annahme, daß die Generalversamminng heut vor vollendeter Tat- fache stehe ist falsch, heut erst soll über die Annahme oder Ableh- nung entschieden werden. Mit großer Mehrheit wird beschlossen, dem� Abschlüsse des Neichstarifvertrages die Zustimmung zu geben. Heber den nächsten Punkt ,chie Sozialificrung" spricht Bringmann- Hamburg. Seine Ausführungen lassen sich dahin zusammenfassen: Ausgehend von dem Erfurter Programm der Sozialdemo- lratifchen Partei Deutschlands, wonach nur die Verwandlung des kapitalisii schon Eigentums an Produktionsmitteln— Grund und Boden, Gruben und Bergwerke, Rohstoffe, Werkzeuge, Maschinen, Verkehrsmittel— in gesellschaftliches Eigentum und die Umwand- lung der Warenproduktion in sogialistische, für und durch die Gc- sellschaft betriebene Produktion es bewirken kann, daß der Groß- betrieb und die stets wachsende Ertragfähigkeit der gesell'chaft. lichen Arbeit für die bisher ausgebeuteten Klasson aus einer Quelle des Elends und der Unterdrückung zu einer Quelle der höchsten Wohlfahrt und allseitiger harmonischer Vervollkomitznung werde, fordert die 21. Generalversammlung des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands die möglichst baldige Inangriffnahme der Sozialffierung des Baiiwesens. Zur praktischen Durchführung der Sozialisiernng und der gewerkschaftlichen Aufgaben erkennt die 21. Generaiversammlung des Zcntralvcrbandcs der Zimmerer Deutschlands die von der Vorftändskonfercnz am 2ö. April 1313 bmchlossenen Richtlinien für die künftige Wirksamkeit der Gewerkschaften an. Von einer Diskussion wird Abstand genommen. Tie vorge- legte Resoluiion wird angenommen. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung „Beitragsleistung und UnterstiisungScinrichtungen" erhält Ecke-Hamburg das Wort. Er führt aus. daß infolge Stn> kens des Geldwertes eine Erhöhung der Unterstützungssätze not- wendig sei, durch die erforderlichen Mehrausgaben müsse auch der Beitrag erhöht werben; es-müsse ein Ausgleich erfolgen und der Stand der Stundenlöhne im Vergleich zu den von 1313 recht- fertige das. Gefordert wird die Erhebung des'Beitrages während 02 Wochen im Jahre. Arbeitslose und Kranke sollen vom Bei- trage befreit sein. Der alte Grundsatz daß der Wochenbkftrag ein Siundenlvhn sein solle, ist fallen gelassen, der geforderte Beitrag ist niedriger. Der niedrigste Betrag an die Hauptkasse soll öö Pf. und der höchste 175 Ps. sein. Die Streikunterstützung soll sich nach der Tauer der Mitgliedschaft und der Höhe der ae- leisteten Beiträge richten und im ersten Jahne zwischen 1,70 Mk. und 5,30 M. und nach 10 Jahren zwischen 2,60 und 6,20 M. schwanken. Di« Arbeitslosenunterstützung soll nach demselben Grundsatz gezahlt werden; sie beträgt nach Leistung von 60 Bei- trägen 0,60 M. bis 1,80 M. und nach 10 Jahren 1,60 M. bis 5,20 M. Die Bezugs dauer, die bisher 6 Wochen betrug, soll auf 8, 10 und 12 Wochen je nach der Dauer der Mitgliedschaft bc- tragen. Die Krankenunterstützung als neu« Einrichtung soll nach den Grundsätzen der Arbeitslvsenunterstütznn? eingeführt werden, im Endergebnis aber mit niederen Sätzen. äe Unter- stützung in Sterbefällen soll das 40- bis 120-fache de? Beitranes betragen. UebergangSbefiimmungen sichern alten Mitgliedern be- sondere Rechte. Nachdem grnndsätzliebe Fragen beantwortet sind, wird die Vorlage einer Kommission überwiesen. FW ?tcran'nwrtti4i nie Politik De, W-en?? P-i(fAnctofm*"!«!, f'' den ii'wn-u Teil des Blattes: Alsrcd Scholz, NculöNu! fite Anziigen: Tdeodo? Stocke, Berlin. Perlag: Dorwürts-Verlag G. ni. b. H., Berlin. Druck: Vorwitrle- Buchdrucker«! und Berlagsnnktalt Paul Singer u. Co. in Verlin. Lindenftr. 8. »H.IUI Amerikanische JournaJe Bürobedarfsartikel- Cöpenicker Straße 108. Amt Ätoritzplatz Nr. 34S1. 3482, 3483. LmüietleSAM I Dcrkanf im Fadritmagazin N 31, Watt.tr.«7/18.| ProaU, Brunnen str. 76.* Hanchenftea Säjwciü Hon mit wachsendem Schwiinzckien. ebensoHInter- lader-Atännchen, komplett n:it je 12 Pillen mrd glaaretten 40 Pf., acht»er- schiedcne Sorten Llkbi-leje, Stück 2» pf. diätfelbnch 20 Pf., Rieg., und Iuckxnioer,?tioc, bombe». Hübsche saortimcnte scherze zu 3, 5. 6, 10, 15, 20 llil. e/r. ill. L:9e überRirlenauswahl i. 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