Nr. 288/290. 36. Jahrg. Bezugspreis: VierteljährU 7,50 M5. monatL 2A>®L frei tr.3 Haus, voraus zahlbar. Einzelne Nummern 10 Pfennig. Postbezug: Monatlich 2,50 Mk. exkl. Zustcllungs» gebühr. Unter Kreuzband für Deutsch- land u. Oesterreich-Ungarn 5,75 Mb, für das übrige Ausland S.75 Ml., bei täglich einmaliger Zustellung 7,75 Ml. Postbestellungen nehmen an Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der.Borwärts' erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Advesie: �Sozialdemokrat Derlin-. ** f Derlinev Volksblstt. (�10 Pfennig J Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonpareillezeile lostet ILO Ml.«fileine Anzeigen-, das fettgedruckte Wort 50 Psg. tzulässig 2 settgedruckte Worte), jedes weitere Wort 25 Psg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 40 Psg.. jedes weitere Wort 20 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 50%. 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Am Sonnabendmovgen stellten auch die Angestellten der Hoch- und Untergrundbahn und der Allgemeinen Berliner Omnibus-A.-G. den Dienst ein. Die Große Berliner Straßenbahn ließ ihre Wagen um 3 Uhr in die Depots zurückschiffen. Die Eisenbahnbeamten beteiligten sich im allgemeinen nicht an dem Proteststreik. Nachmittags um 3 Uhr begannen die Straßenbahnen und Om- nibusse wieder zu fahren. Die Hochbahn eröffnete nach dem Be- schluß der Nachtversammlung in der Nacht vom Freitag zu Sonn- abend um 5 Uhr den Verkehr. Die Postbestelluna ruhte während des ganzen Tages. Dagegen waren die Schalter auf allen Postanswlten den ganzen Tag hin- durch geöffnet. Recht unangenehm hat sich der Streik auf die Versorgung der Bevölkerung Groß-Berlins mit Lebensmitteln beinerkbar gemacht. Am Freitag und am Donnabend wurden die auf den Bahnhöfen ankommenden und lagernden Lebensmittel nicht mehr lvciter be- fördert und auch die Verteilung an die Kleinhändler von den Zentralstellen aus mußte unterbleiben, da die Kutscher und das Bc-dienungspersonnll streikten. Die Fettstelle Grotz-Berlin hatte sich an den Berliner Vollzügsrät gewandt und durchgesetzt, daß die «intreffende Milch ordnungsgemäß weitergelcitet werden konnte. Versammlungen wurden an dem gestrigen Streiktagc nicht ab- gehalten. Mehrere Anmeldungen hierzu wurden von der Polizei abgelehnt. « In Hamburg kam es bei einer Protestdemonstration gegen die Erschießung Levines zu einem Zwischenfall. Die Teilnehmer ver- suchten, in das Rathaus einzudringen, woran sie durch die Rathaus- wache gehindert wurden. Immerhin aber erreichten sie, daß am Rathausturm die rote Flagge mit schwarzem Trauerflor raus- gehängt iourde. In München wurde nicht gestreikt. Eine neue Noskeverleumüung. Keine Aufforderung zur Erschießung Levin6s. Bon zuständiger Stelle wird uns mitgeteilt: Von unverant- wortlicher Seite wird„konstatiert', daß Reichswchrminister Noske durch ein Telegramm nach München die Erschießung Levines ge- fordert habe. Das i st glatt erfunden. Das einzige Tele- gramm, daS der Reichswehrminister in der letzten Zeit nach München gesandt hat, enthielt die Bitte, einen Gefangenen frei zu lassen. Der Lügcnfeldzug, den die Radikalen gegen die Person des ReichswehrministerZ eröffnet haben, niinmt derartige Dimensionen an, daß sie auch nicht niehr. das geringste moralische Recht haben, anderen Stellen mangelnde Wahrheitsliebe vorzuwerfen. verschärfte Sorgen Irankreichs. Genf, 7. Juni.(Eigener Drahtbcricht des„Vorwärts",) Die gesamte Pariser Presse steht ausschließlich unter dem Eindruck- des Streiks, der auch in der Provinz täglich an Ausdehnung zunimmt und hinter dem Versailles völlig in den Hintergrund tritt. Tie regierungstreuen Blätter sind von größter Besorgnis erfüllt., Das »Journal des Däbats" schreibt: Wenn die deutsche Regierung für einige Tage, aufrichtig oder nicht, auf dem Entschluß, nicht zu unter- schreiben, besteht, so geschieht das deswegen, weil sie auf Kölsche- wistische Unruhen in den C5ntenteländ!ern rechnet. Die Streikleiter behaupten für den Frieden zu arbeiten, aber die Bewegung bildet gerade das einzige Hindernis für unmittelbare Unterzeich- nung. Der„Temps" sagt, Frankreich befinde sich am Vorabend der Ausrufung der Diktatur des Proletariats. In der„Action franeaise" bezeichnet Leon Daudet als das Ziel der sozialistischen Führer, den Deutschen zu einem guten und damit Frankreich zu einem schlechten Frieden zu verhelfen, um so dem SowjettsmuS eine gün- stige Stellung zu schaffen. Das Blatt verlangt die Verhaftung der sozialistischen Führer und fordert die Regierung zu raschem Handeln auf. Dieser Stimmung schließt sich der Sozialist Herve an, der in der„Vktoire" an die Arbeiter die Frage richtet, ob sie nicht gänzlich verrückt geworden seien. Er ruft den Pariser Arbeltern und Angestellten zu: Es ist nicht die Revolution, auf die Brockdorff hofft, sondern Pflichtvergessenheil und Schande, zu der Euch schlechte Führer leiten. Die sozialistische Presse setzt ihren Feldzug mutig fort. Die »France libre" verhält sich gemäßigt und begnügt sich damit, auf die Ursachen der heutigen Bewegung hinzuweisen, wie das langsame Arbeiten der Konferenz, die Enttäuschung über den Friedens- vertrag, die unerträgliche T e u e r u kt g der L e b e n s m: l �« l. die Aussicht auf S t e u e r n, welche gerade die A r b e i t e r k l a s s e helaften, und die Abneigung der Regierung gegen die Soziali- s i e r u n g. Im»Journal du Peuple" veröffentlicht Henri Favre einen Artikel mit der Ueberschrift:„Werden sie gehen nämlich die Regierenden. Er schreibt: Die Stunde fft ernst, ebenso wie im Maust 1914; eS gilt den Feind zu bekämpfe«, der aller Feind ist. DaMproletariat erhebt sich heute nicht um dwse oder jene materielle Verbesserung zu erlangen, sondern um den fasten Willen kundzutun, in der gesamten Gesellschaft die Notwendigkeit radikaler Umformungen zu erlvirkcn. In der„Hu- manite" betont Cachin: Millionen und Millionen Proletarer zählen heute auf Veränderungen deS Eigentums. Auf dleses Ziel marschieren wir von jetzt an rasch durch Unruhen und Kr:sen hind-uch, die die Bürger mit Schrecken erfüllen. In den Wandelgängen der Kammer bildet der Streik das ein- zige Gesprächsthema, vor dem alle politischen Fragen zurücktreten Unter den bürgcillchcn Deputierten ist man- übereinstimmend der festen Ansicht, daß die Arbeiterbewegung politische Ziele per- folge und scheut sich nicht, den Streik als von b o l s ch e w i st l s ch e n Händen finanziert hinzustecllu. Am Freitag wird Cachin in der Kammer über die auswärtige Politik sprechen und die Ratio- nalisten beantragen, sozial! st is che Abgeordnete hinter S ch l o tz u n d R i e g c l z u setzen! In der„Vietoire" fällt Herve dem streikenden Proletariat in den Rücken, worüber einige bürger- liche Blätter ihr Erstaunen nicht verbergen. Er nennt die S t r e i k s skandalös und wirst sich zum, Beschützer Clemenceaus auf, lvobei.er die Streitenden' als Bolschewisten und Helfershelfer Brockdorfis hinstellt. Therry bezeichnet im„Oeuvre" Clemenceau als einen Politiker alter Schule und Favre schreibt im„Populaire", daß das Volk genug Kraft habe, um den Widerstand derjenigen zu brechen, die gegen das Volk verbunden seien. fiuch öer amerikanische Senat kennt üie ßrieöensbeüingungen noch nicht. Washington, 7. Juni.(Reuter.) Der Senat nnbm«ine Eni- schließung an, die daS Staatsdepartement auffordert, dem Senat den Text deS drutjchen Friedensvertrages vorzulegen. Ferner wurde eine Entschließung angenommen, die verlangt, daß die Friedenskonferenz dir Abordnung deririschenNationa« listen anhört. Englische Leitungen für ein öeutsches Weftpreußen. Eine kommende Katastrophe. Amsterdam, 6. Juni. Der Sonderberichterstatter des„Daily Herald" meldet seinem Blatte Einzelheiten über die Reise, die er nach Weftpreußen gemacht hat, um die Stimmung unter der dortigen Bevölkerung kennen zu lernen. Er schreibt, er habe wäh- rcnd seines dortigen Aufenthaltes überall nur deutsches Kultur- leben erblickt: Danzig sei eine rern deutsche Stadt, in der kein« Spur von Polentum zu sehen sei. Von den Provinz- zeitungcn seien öö deutsch und 7 polnisch. Die äußerst gepflegten Bauernhöfe und Läudereien zwischen Danzig und Marienwerder seien alle deutsch. Auch der Korrespondent des-„M a n ch e st e r Guardian" be- richtet seinem Blatte über seine Eindrücke in Weftpreußen. Er teilt mit. Tanzig sei ebenso eine deutsche Stadt, wie Plymouth eine englische Stadt sei, und könne mit ebensowenig Berechtigung polnisch genannt werden oder als zu Polen gehörig bezeichnet wer- den wie Manchester. Die ganze'Gegend, die er'durchstreift habe, sei überall von einer Bevölkerung bewohnt, von der zumeist mehr als neu» Zehntel Deutsche seien. Nur weil die Staatsmänner in Paris von der Manie des Mächtegleichgewichtvö besessen seien und ver- gcssen hätten, daß einige hlinbert Meilen von Paris entfernt Mil« lionen von Menschen ihrer Rechte, ein natürliches Leben zu führen, beraubt werden sollen, wolle man durch Errichtung des Korridors von Danzig in einer vollkommen deutschen Gegend ihr Leben ver- nichtcn und gleich von gleich scheiden. Man brauche sich nur einige Stunden an Ort und Stelle aufzuhalten, um zu sehen, welche Katastrophe sich vorbereite. Es herrsche eine leidenschaft- liche und entschlossene Stimmung. „Humdmte* über üie Rheinkomöüie. BersailleS, 6. Juni. In einem Mainzer Briefe der „Hnmanits" heißt es:„Dir Ausrufung der rheinischen Republik sei eine schmähliche Komödie für daS Entente- Publikum nnd eine Tragödie für die Rheinländer. WaS sei denn diese Republik anderes, alS daS willkäoliche Werk der Entente, welche von interessierter Seite untrrstüht werde nnd die öffentliche Meinung über das wahre Empfinden des rheinischen Bolle; täusche,! wollte. Denn daran ist kein Zweifel, daß der Rheinländer aus Empfinde« und Interesse heraus Deutscher'ist und sich nicht von Deutschland trenne« will. der Parteitag Ser verant- wortung. Von Friedrich S ta m p f e r. Der sozialdemokratische Parteitag, der am Dienstag in Wei- mar beginnt, ist der erste, der nicht im Zeichen der Opposition steht. Noch der Würzburger hat mit Jubel die Kriegserklärung gegen den Reichskanzler Michaelis aufgenommen. Daß schon damals eine sozialdemokratische Kainpfansage gegen einen Reichskanzler wie ein blitzschnelles Gift wirkte, war ein Zeichen für die wachsende Macht der Partei. Ein Jahr darauf finden wir sie selber in der Regierung. Wir haben uns dm Aufstieg zur Macht freilich anders vor- gestellt, es lvar nie unser Ziel, Macht zu besitzen innerhalb einer O h n m acht, wie unser geschlagenes Volk sie heute darstellt. Wir suchten unseren Weg nicht über Trümmer, das beweist am besten unsere Haltung während des Krieges, die darauf gerichtet war, den deutschen Vvlksbestand gegen fremde Eroberergewalt zu.schützen.. Als aber das Trümmerfeld— nicht durch unsere Schuld— geschaffen war, da stieß das Schicksal der Entwicklung uns darüber vorwärts. Tie Sozialdemokratie ni.n ß t i die Macht ergreifen, ob sie wollte oder nicht. Die letzten acht Mo- nate sahen abwechselnd Zentrum, Demokraten, Unabhängige neben der Sozialdemokratie in der Regierung. Tic Sozial- deniokratie blieb ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht. Darüber müssen wir uns klar sein: Wir sind RegierungS- Partei, nicht weil wir wollen, sondern weil wir müssen. Wir inögen dieses Los tausendmal verfluchen,-es hilft uns nichts, wir sind an die Galeere der Macht geschmiedet, müssen bergeschwere Verantwortung tragen, und das glückliche KinderlanS der Opposition liegt weit, weit hinter uns. Wir können es nicht so machen wie die Unabhängigen� die, nachdem sie einen Blick hinter die Kulissen getan, sich erschrocken ins Parkett zurück- zogen, um dann seelenvergnügt auf dem altbewährten Haus- schlüssel weiterzupfeifen. Wir können Personen aus der Regie- rung abberufen und andere an ihre Stelle setzen, wir können ganzen Regierungen das Leben unmöglich machen und sie stürzen, wir sind sa jetzt sehr mächtig. Nur die Macht haben wir nicht, im Reiche Verhältnisse zu schaffen, die uns von unserer Verantwortung entlasten und uns den Rückweg in hemmungs- lose Verantwortungslosigkeit gestatten. Dies ist es, worüber sich der Parteitag von Weimar in erster Linie klar sein muß. Er kann Beschlüsse fassen, wie es ihm beliebt, aber er muß sicks dabei immer fragen, was daraus folgt» nicht für die Beschließenden selbst und auch nicht einmal für die Partei, sondern für das ganze deutsche Volk. Sozialdemokratische Parteitagsbeschlüsse sind diesmal zum erstenmal ein unmittelbares Stück Volksgeschichte, sie können festigend wirken, aufbauend, aber auch explosiv zerstörend. Der Parteitag hat das Recht, zu zerstören, er hat aber dann auch die Pflicht, die entstandene Lücke sofort mit etwas Besserem auszu- füllen, sonst würde er im Enderfolg die Partei und mit ihr das ganze Volk geschädigt haben. Daraus ergibt sich, daß das Maß seiner Verantwortung dem Parteitag nicht gestattet, eine Politik der bloßen Stimmungen und taktischen Augenblickserwägungen zu treiben. Gewiß, es ist in Hin letzten Monaten manches schief ge- gangen, manches vielleicht auch schiefer, als:s hätte gehen müssen, aber an.der Summe des aufgestapelten Unmuts tragen nicht die Genossen in der Regierung, sondern die allgemeinen unglücklichen Verhältnisse schuld, die kein Mensch und auch kein sozialdemokratischer Parteitag in kurzer Zeit ändern kann. Wenn sich in dem geradezu unheimlich großen Zulauf, den die Partei in den ersten. Wochen der �tevolution erfahren hat, ein Stillstand, ja sogar ein gewisser Rückschlag geltend gemacht, wenn hochgestimmten Erwartungen grimmige Enttäuschungen gefolgt sind, so ist das ein natürlicher Prozeß, über den kein geschulter Parteigentzfsc den Kopf verlieren wird. K a u t s k y hat in geradezu klassischer Weise die Entwick- lung der Revolution geschildert, die Heerströme ungeschulter Massen in die politische Arena hineingestoßen hat. Diese Massen fluktuieren zwischen den einzelnen Parteilagern des Sozialis- inns, sie sind heute hier, morgen dort zu finden, aber diesem Chaos bleibt ein Kristallisationsvnnkt neuer Ordnung erhalten, wenn der geschulte Stamm der Arbeiterklasse bleibt, wo e? ist, und in dieser schwersten Zeit, die die Partei erlebt hat, der alten Fahne die Treue wahrt. Nur über einen gerechten Frieden, zu dessen Erringung uns vielleicht noch Hartes bevorsteht, nur über eine gerechte demokratische Staatsordnung, zu deren Verteidigung wir vielleicht noch nicht den letzten Kampf gekämpft haben, geht der Weg bergan zu einer von Grund aus neuen Wirtschaft s- jittd Gesellschaftsordnung. Auf diesem Weg muß die Partei die Führung beHallen, sie muß den Widerstand, der sich ihr von bürgerlicher Seite entgegenstellt, in zähem Kampf überwinden, muß sich aber auch behaupten gegen den unklaren Drang unbewußter Massen. Wir brauchen dabei keinen Augenblick zu verkennen, daß in jxnem Drang ein Element revolutionärer Erneuerung liegt, und daß jene Kommenden ebenso gut zu uns gehören, wie wir .zu ihnen. Eine spätere, hoffentlich nicht zu späte Zeit wird alle Arbeitenden, Kopf- und Handarbeiter, in gemeinsamer Front gesammelt, die verschiedenen Strömungen des Sozia- lismus wieder geeinigt finden. Nur dürfen wir über solche vor- ausschauende Betrachtung unsere gegenwärtige Funktion nicht verkennen, die darin besteht, Trümmer zu beseitigen, Grund- lagen zu schaffen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen für das, was nachher kommen soll. Daß diese Funktion von jedermann oerstanden wird, dürfen wir nicht verlangen, daß wir Verwiin- schungen ernten für Dinge, an denen wir keine Schuld tragen, darf uns nicht irre machen, und wir müssen uns öfter � des Wahlspruchs erinnern, zu dem sich Marx im Vorwort seines „Kapitals" bekannte:„Kaxui il tuo corso, e lascia dir le genti!" Geh deinen Weg und lasse die Leute reden. Sollen wir, werden wir deshalb die Fühlung mit den breiten Massen verlieren? Ich sage NeinI Geben wir den Massen nur das Gefühl, daß unser Vormarsch in klarer Ordnung nach sicheren Zielen erfolgt und kein ängstlich-nervöses Hin- und Hertappen ist! Politisieren wir sie, indem wir chnen Gelegenheit geben, alle Probleme, mit denen wir uns herumschlagen niüssen, mitzudenken. Zeigen wir ihn?n die Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben und geben wir ruhig zu, daß wir keinerlei Unfehlbarkeit für uns beanspruchen. Unfehlbar in seinem eige- nen Gefühl ist nur der Dozierende, der Handelnde ist inimer fehlbar, und so zwingt uns das Schicksal, das uns zum Handeln zwingt, auch unsere Schwächen zu enthüllen, und, wo es not tut, begangene Fehler einzugestehen. Wenn wir aber bei alledem fest bleiben in unserem Wider- stand gegen einen naiven Utopismus, der aus einer Wüste im Handumdrehen einen Zaubergarten machen zu' können wähnt, wenn wir dem arbeitenden Voll weiter helfen, sich selber gegen einen wirren Putschismus zu schützen, der den Sozia- lismus nicht organisieren, sondern ihn nur kompromittieren kann, so werden'wir vor. Volk und Geschichte ehrenvoll bestehen und auch als Partei später die Früchte unseres Verdienstes ernten. Aber das können wir nur, wenn wir uns dessen bewußt sind, daß d i e Partei in ihrer gegenwärtigen Form nicht das Höchste ist, sondern daß wir verpflichtet sind, auch sie selbst aufs Spiel zu setzen, wo es gilt, das ganze Volk und die Sache des Sozialismus aus einem Taumel der Verwirrung und Verwüstung zu retten. Dafür trägt der Parteitag von Weimar die Verantwortung. Er ist nicht nur ein Stück Parteigeschichte, sondern auch in ungleich höherem Maße«ls irgend einer seiner Vorgänger ein Stück deutscher Volksgeschichte und ein Stück Geschichte des internationalen Sozialismus. Mögen seine Ver- Handlungen pon dem ungeheurm Ernst dieser Tatsache erfüllt sein!__ Die französischen Sozialisten und Deutsch- lande Stellung im völkerbunö. Haag, den 7. Juni. sN. N.) Aus Paris wird gemeldet: Die sozialistische Liammergruppe hat eine Entschließung eingebracht, in der sie den Wunsch äußert, Deutschlands Stellung hin- sichtlich des Völkerbundes klarer zu sasien. Keine englischen Truppen nach Rußland. Amsterdam 7. Juni..Telegraaf" meldet aus London, Churchill habe neuerdings erklärt, daß keine britischen Truppen nach Rußland geschickt würden, und daß die dort augenblicklich befindlichen Truppen Polizeidienste verrichten. Churchill erwartet nicht, daß Moskau bald eingenommen werden würde. psingst-Geist. Wenn ich heute, rastloser Wanderer, durch die Großstadt gehe, mitten durch das treibende Menschengewühl und oft in der zahllosen Menge, im Lärm der Bahnen und Wagen •einsam und suchend stehe, erhebt mein Herz ein schüchternes Frage«: Wo lebt inmitten der Reichen und Armen, der Mutigen und der Zagen, der Traurigen und Frohen, der Hungernden und Satten, der Freien und der Gefangenen, wo auf der Welt lebt der feuerzungige Heist von Pfingsten? Der Geist, der mit Flammenzungcn in allen Sprachen der Welt von der Liebe redet, und in seiner erdumspannenden, gütige» Hand die Herzen der Völker, die Millionen Herzen der Menschen hält? Vielleicht lebt er nur in eines Dichters einsamer Stube, voller Sehnsucht, die Herrschaft der Welt zu ergreifen, vielleicht in einer Mutter Herz, eines Kindes reinem Gemüt, das mit den Blumen des Frühlings unschuldig selig zum Himmel blüht? Sind wir nicht fremd noch vom Du zu Du, trüben uns unsere Freude, quälen uns, schließen unsere Herzen feindselig zu, und fühlen uns so arm und ausgestoßen aus den Straßen der Städte? Und wollen doch Völker versöhne», Länder vereinen, Menschheit verkünden, well unö alle der Wille zum Glück bewegt? Pfingstgeist, Geist der Litte, erobre in jedem Herz Deine Stätte! Du kommst, Du bist da, wenn wir Menschen Dich wollen und tragmi in unserer Seele und Deinen heiligen Namen einander sagen und verkünden und rufen und schreien über die Meere und Länder. Du kommst zu jedem von uns, Du gehörst uns allen, Geist der Liebe, vor dem alle Schranken der Feindschaft fallen» einziger Sieger, vor dem wir alle uns beugen, Nicnschenverbrüderer, Weltversöhncr, den wir ekstatisch be- .zeuge»! Me Gewalt, alle herzlose Tat, alles Harte und Trennende, weicht einst vor Deiner Milde und Güte,«nd festlich beglückt heben wir überall auf der Erde unser Menschenherz, de.s in Liebe brüderlich brennende, hoch in den leuchtende» Himmel zu Dir! Haus Eathmmm. Die Krise in Frankreich. Tie Eisenbahner wollen den Truppenverkehr sperren. Versailles, 7. Juni(Eigener Dwhtbericht des'„Vorwärts".) Die Stroitlage in Frankreich läßt sich etwa folgendermaßen zu- sammenfassen: Der Bergarbeiterstreik in Novdfrankreich ist beigelegt, nachdem die Streitenden wesentliche Konzessionen erreicht haben. Ebenso der Streik dee-Schn eider, der allerdings schon seit sieben Wochen im Gange war, desgleichen der Streik der Anstreicher nach fünf Tagen, beida�mnt einem vollen Erfolg der Arbeiter. Da- gegen aber dauert der T cansportarbeiterstreik in Pari? (Elektrischen, Autobussen und Untergrundbahn) ziemlich unvermiu- dert an. Es ist zwar den Gesellschaften gelungen, den Verkehr in etwas erhöhterem Maße aufrechtzuerhalten, dank der Unterstützung durch die Regierung, welche Soldaten, die mit 15 Fr. täglich ent- lohnt werden, als Führer und Schaffner zur Verfügung stellt, was die Erbitterung der Streikenden erhöht hat. Vorgestern hatte die Untergrundbahn-Gesellschast an jeden Streikenden einen Brief ge- richtet, wonach diese entlassen seien, falls sie die Arbeit nicht sofort aufnähmen/ Diese Drohung hat keinen anderen Erfolg gehabt, als daß die Verstadtlichung der Untergrundbahn zu einer Streiksorde- rung erhoben wurde. Allgemein ist der Streik in den chemi- schen Fabriken und fast allgemein in der Metall- i n d u st r i e. Die gestrige Versammlung der Pariser Eisenbahner zeigte ein starkes Anschwellen der extremen Richtung. Der Sekretär des Gewerkschaftsverbandcs, Bidegareh, der als zu gemäßigt ange- sehen wird, konnte seine Rede nicht beenden. Es wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: Die Pariser Eisenbahner beider Geschlechter sind der Ansicht, daß die gegenrcvolutionäre Tätigkeit der Regierung schon zu lange gedauert hat. Sie sind der Ansicht, daß die Revo- lutionäre in Rußland, Ungarn und Deutschland nur die Prinzi- pien anwenden, die sie stets verteidigt haben, und daß die Ent- eignung des'Kapitalismus an der Tagesordnung unserer Propa- ganda und unserer Tätigkeit bleibt. Sie stimmen den Soldaten und Matrosen zu, die sich weigern, einem verbrecherischen und verfassungswidrigen Manöver die Hand zu bieten. Sie erklären sich für eine sofortige AkMU, welche bezweckt, die Zirkulation d« Truppentransporte der Kriegsmaterial- und Proviantzüge, ausgenommen der Ur- lanberziige zu stoppe» und die Unternehmung der Regierung gegen die im Gange befindlichen Streiks, gegen die in Revo- lution befindlichen Völker und gegen die reaktionären Soldaten zu verhindern. Sie sind der Ansicht, daß die Gewerkschaft un- verzüglich in dieser Richtung eingreifen und die Aktion 6\ s zur vollständigen Demobilisierung der Armeen und bis zur endgültigen Amnestie fortsetzen mich. Sie trennt sich unter den Rufen: ES lebe der Generalstreik, eS lebe die Soziale Republik, es lebe die Internationale der Arbeiter. Heute abend wird dos Datum der erwähnten Aktion durch die Avbeiterausschüsse bestimmt werden. f Diese revolutionäre Bewegung hat natürlich die RegierungS- kreise in die höchste Aufregung versetzt. Verzweifelte Versuche wer- den gemacht, um der Arbeiterschaft klar zu machen, daß im jetzigen Augenblick, wo die Friedensverhandlungen vor dem Abschluß stehen, dies« Streikbewegung„nur den Interessen des Feindes" diene. Mehrere nationalistische Blätter, darunter„Figaro" und „Action fran?aise" beschuldigen die Sozialisten, von den Ge- Werkschaftsführern von Deutschland bestochen zu sein. Gegen diesen Unsinn wendet sich heute die sozialistische Presse sehr scharf, ebenso wie ein Ausruf des allgemeinen Gewerk- schaftsverbandes. In letzterem wird betont, die Streiks feien aus Wirtschaftlichen und Solidavitätsgründen entstanden, und daß die- jenigen im Gegenteil Verbrecher seien, die Verdacht über den Ur- sprung der Bewegung zu stveuen suchen. Doch sei sie auch das Er- gebnis der allgemeinen Unzufriedenheit, die«ruf dem Lande lastet, und das Resultat der Politik der Gewalt und des Schweigens, das gegenüber den Bestrebungen des Volkes verfolgt wurde, und die Folge davon, daß man die feierlichen Verpflich- tungen, den Völkerfrieden und das gemeinschaftliche Zusammenwirke» der Nationen zu sichern,» vergessen habe. Der allgemeine Gewerkschaftsverband warnt da- vor, die Bewegung mit Gewalt unterdrücken zu wollen und die Annes dem Volke entgegenzustellen, das zum Wider- stand bereit sei. Englische Soldatenräte in fiegpten. Versailles, 7. Juni.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts".) „Humanite" meldet nach dem englischen Sozialisteublatt.L>ailh Herald", daß sich im englischen Expeditionskorps in Aegypten Soldatenräte gebildet haben. In EI Kwntara sei ein Zentral- ausschuß gebildet worden, bestehend aus zwei Vertretern eines jeden Truppen körpers. Es seien Meetings am 11. Mai im Theater von El Kantara abgehalten worden, an denen etwa 2500 Soldaten teilgenommen und ihre Forderungn den Offizieren unterbreitet hätten. Diese Forderungen be- ziehen sich hauptsächlich auf Demobilisierung der am längsten unter den Fahnen stehenden Jahrgänge. Der kommandierende General des Expeditionskorps habe in einem Tagesbefehl vom 14. Mai die revolutionäre Tätigkeit des Zentral- ausschusses verurteilt und die Bildung von Soldatenräten den Soldaten verboten. Im Unterhaus gab es am Mittwoch eine Interpellation der Arbeiterpartei über diese ernsten Er- eignisse. Der Staatssekretär erklärte, auf sie im Augen- blick nicht eingehen zu können.„Daily Herald" fügt hinzu, -daß die Lage in Aegypten sehr gespannt ist und daß die Soldaten immer energischer ihre Entlassung verlangen sntsprechond den Versprechungen der Regierung. Bezeichnend für die Mitlosigkeit der französischen Zensur ist der Umstand, daß diese Zensur das Wort„Sowjet" aus der Ueberschrift dieser Meldung der„HumorntH" hat streichen lassen, während zwei Zeilen später das verpönte Wort bereits wieder vorkommt. Das Wort„Sowjet" kommt in der Meldung ein halbes Dutzend mal vor und wird wiederum in einem Untertitel ein zweites Mal ge- strichen. EntenteantWvrt am ßreitag. Volksabstimmung im Osten. Haag, 7. Juni.(H. 91.) Aus Paris wird gemeldet: Ans einer Erklärung PnderewSkiS ergibt sich, daß der Rat der Bier und der polnische Premierminister über alle Punkte zur Urb er- einstimmung gekommen sind. Eine Sondrrkommission, in der Frankreich, England, Amerika und'Italien vertreten sind, studiert die Greuzfeststelluugen zwischen Polen«nd Preußen. Wahr- scheinlich wird eine Volksabstimmung stattfinden. Den Deutschen, die nächsten Freitag dir Antwort auf ihre Friedcnsvorschläge erhalten, wird eine Frist von vierzehn Tagen gegeben werden, innerhalb welcher sie antworten müssen. Graf Brockdorff-Rantzau wird mit seiner Tele- gation sofort«ach Berlin abreisen und von dort bekannt geben, ob seine Regierung de» Bertrag unterschreibt oder nicht. vereitelter Gefängniosiurm in Hannover. Aus Hannoder wird gemeldet: Am 6. Juni, 10'/» Uhr abends, versuchten etwa dreißig Personen, teils in Zivil, teils in Uniform, das am Waterlooplatz gelegene Militärarrest haue zu stürmen und die Insassen zu befreien. Die Angreifer waren mit Wurfminen, Handgranaten und- R e v o l v e r n o»Z« gerüstet. Durch die Wachsamkeit der Militärpolizei wurde indessen der Angriff vereitelt. Das gleiche Schicksal erlitt ein zweiter An- griffsversuch, der nachts gegen 2 Uhr erfolgte. Die Angriffsversuche bezweckten, die Peisonen, die wegen der vor einiger Zeit erfolgten spartakistischen Anschläge im Militärgefängnis festgesetzt waren, zu befreien. Die Golöflieger im Tiergarten. „Hest du gesopen, betal och!" so legt sich das Volk in seiner Art den außerordentlich markanten Ruf aus, den man jetzt im Gegensatz zu früheren Jahren merkwürdig oft an sonnigen Tagen durch das Laub des Tiergartens schallen hört. Ja,— schallen! Zu sehen gibt's nichts. Die Biereule, die Regenkatze, der Diercsel, der Vogel Bülow, der Weihrauch'— ach, welche Namen hat dieser schöne Goldfarbene nicht mit der Zeit ngchgeschmissen bekommen!— dieser Vielbenamste ist, so laut er auch durch die Wipfel schmettert, kaum ein- mal zu erblicken. Hin und wieder nur erhasche ich im Tiergarten ein flüchtiges goldiges Vorbeiglitzern seines prachtvollen, exotisch gluthaften G«- fieders. Ach, ich kenne ihn ja sehr genau— aus Steglitz, aus Friedenau, aus einem alten Park hinter der Holsteinischen Straße. Wie oft habe ich da die drei Eifersüchtigen beobachtet: zwei Männchen, die um so eine Biereule wetteifernd sich die Flügel wund flogen und schmählich zankten. Es war eine Schmach! Und ein Vergnü- gen, das Zuschauen. Tie sonst so Scheuen hatten Mut bekommen— trunkenen Liebesmut, und sausten uns fast auf die Milchkännchen, morgenS, wenn wir auf dem Balkon frühstückten. Allerdings muß ich hinzusetzen: der alte Pari, wo sich dies goldene„Dreieck" katzbalgte, war wjrk- lich ein alter Park, ein einsam träumender. Darum auch wohl führten sich diese Schüren da in der Schat- teneinsamkeit, in dem kühl wuchernden Gebüsch und dem kniehohen Gras so ungeniert auf in ihrer Heiraterei. Bereits kurz vor San- nenaufgang schmetterten' sie durch die erste Dämmerung der Frühe, und dann den ganzen lieben Tag über. Selbst die Schwüle des Juli fürchteten sie mit ihren ewig rastlosen, hastigen Eifersuchts- luftstürzen nicht. Ich mache mir noch heute ein Vergnügen daraus, den Pirol ab und zu zum Narren zu haben. Mit etwas Veranlagung für den „Vogel" bring« ich es ab und zu fertig, einige ihrer Rufe mit an- gestrengtem Maulspitzeln endlich ziemlich biereselhaft nachzuahmen. Es dauert bei diesem Bicresel immer etwas länger als beim glühend verliebten Kuckuck, ehe er sich heranwagt, um dem Sanges- kollegen seine Reverenz zu machen. Der Kuckuck ist ein viel gedan- kenloserer, hitzigerer Brautwerber, �ioch vor einigen Tagen lag ich in der Nähe von Paulsborn und hatte einen dieser altdeutschen .Unglücksrufer', die sonst auch nichts vom Menschen halten und ihn möglichst meide», einige zwanzig Meter von mir auf einer Kiefer sitzen. Er rief un!x rief mit erregter Stimme, mit schmelzend wer- benden, dunkel brennenden Lauten nach allen Seiten; machte in die Gegend hinüber, wo ich reglos lag, sei»« reizendsten Honneurs, schlug mit den Flügeln so artig und so liebestoll, wippt« mit dem Schwanz dazu so kapriziös, daß ich meine Gaudi nur schlecht ver- berge» konnte. Ich habe zuletzt nicht«ehr gerufen, weil ich fürchtete, er würde mir schließlich vor Liebestollheit auf die Nase fliegen und die ihn äffenden Lippen abhacken... Der Pirol ist mit seiner Reverenz und seinem Männchenmachen nicht so flink bei der Hand. Er antwortet ja immer sehr stürmisch: aber ein bisse! klüger scheint er doch zu sein als der Unglücksschreier. Einem allerdings von der menschlichen Sippschaft, der sich einmal erfrechte, di« jungen Bieresel auf ihre Eselsohren hin im Neste zu betrachten, dein ist das Pirolweibchen, das erst, mörderlich krächzend, ganz nah auf einem Ast herumtanzte, mit ein paar kräftigen Ohr- feigen um die Nase gesaust, daß der kleine Herr der Schöpfung baß verwundert der„frechen Alschen" nachguckte und dann doch lieber seine sürwitzige Nase etwas von dem Eselsnest zurückzog, als er das Männchen auch krächzend wie ein Rabe ansausen und mit den schwunghaften nachtschwarzen Fittichen zu gleichem Ma- növer ausholen sah.., A l w i n R a t h. Notizen. — Hermann Lopatin, der berühmte alte russische Re- volutionär, ein Freund von Karl Marx, ist in Petersburg, wie mitgeteilt wird, Hungers gestorben. Er hat Marx'„Ka- pital" inS Russische übersetzt. Als einer der bedeutendsten Männer der„Narodnaia Wolia" verfiel er dem Kerker des Zaris- mus. Die Oktoberrevolution 1005 befreite ihn auS der Schlüssel- burger Festung, in der er 21 Jahre gefangen saß. Ferner wird das Ableben des bedeutendsten russischen Literar- Historikers Lappo-Danilewski gemeldet. Auch ihn raffte der Hunger hin. gk. — Theater. Im Opernhaus, Mittwoch, nachmittags „ 7�'»H ä n s e I ii n d Grete l" und„P n p p e n s e e" zu ermäßigten Preisen. Der Vorverkauf beginnt Sonntag.— Am Sonntag, 15. Juni, Wirten im Deutschen Opernhaus Charlottenburg Hermann Jadlowter und Josef Schwarz, beide au? Riga, zu- gunsten ihrer durch Hungersnot und Plünderung in schwerstes Elend geratenen Landsleute in Tschaikowskis„Eugen Onegin" mit, — Im Theater, in der Königgrätzer Straße findet die Erstauf- führung von Paul Apels Satyrspiel„Der Häuptling" am 14. Juni statt. — Vorträge. In der Urania gelangt der Vortrag„Bon Kopenhagen bis Stockholm" am Sonntag, Dienstag, Freitag, Sonn- abend zur Darstellung. Montag. Donnerstag:„Die Insel Rügen." Mittwoch spricht Prof. Schwahn über �Werden und Vergehen im Weltenraum". — Hause nst ein über E i S n e r. DaS erste Hest der Monatsschrift„Der neue Merkur", München, hat mancherlei Be- ziehung auf Kurt E isner. Wilhelm Hausenstein zeichnet ein Lebens- und WesenSbild des Revolutionskämpfers in Knlturperspek- tiven, die seelisch und geschichtlich durchstrahlen und begreifen. „Der ganze Mann war Konzentration auf ein geistiges Ziel, das ihn znsebends stärker mit der Gewalt eines religiösen Syuibols ergriff. Aus diesem Munde ist nie eine zynische Silber über Reli- gion gekommen. Auch nie ein Wort der Zustimmung zu einem Dogma. Das religiöse Elainent war gleichwohl in ihm." Hausensteins Charakteristik drintg in Licht und Schatten,.in Kräfte und Schwächen ein. Wir haben Besseres s-h-r EjSner nicht zu Gesicht bekomme«..\ Nr. 28S/290 ❖ 36. Jahrgang 1. Seitsge öes Vorwärts D. Einigung. Von Franz Krüger. Vorsitzender&«5 Bezirksvcrbandcs �otz-Derlin der S. P Seit dem ersten Tage der Spaltung der deutschen So- zialdemokratie sind lebhafte Bestrebungen im Gange, eine Wiedervereinigung der auseinandergefallenen Teile her- beizuführen. Es ist verständlich, und es ist gut, daß es so ist. Beide Parteien haben sich wiederholt offiziell zu diesen Vereinigungsbestrebungen geäußert und eine Reihe von beiderseitigen Parteimitgliedern sind dauernd in mehr oder weniger geschickter Weise für die Einigung tätig. Gerade gegenwärtig wird wieder mit ganz besonderer Energie der Gedanke der Einigung aller Sozialdemokraten Teutschlands propagiert und auch unser Parteitag in Weimar wird sich eingehend mit dieser Frage beschäftigen müssen. Sollen wir zu einer Stellungnahme auf dem Parteitag kommen, die auch wirklich die Einigung herbeiführt oder doch mindestens fördert, vor allem aber das Bewußtsein von der Notwendigkeit, und Klarheit über die Voraussetzungen und die Möglichkeiten der Einigung innerhalb unserer Partei schafft, so müssen folgende Fragen beantwortet werden: 1. Weshalb brauchen wir die Einigung? 2. Wie fördert man die Einigung und wie stellen sich die offiziellen Parteivertretnngen dazu? 3. Auf welcher Grundlage muß die Einigung erfolgen, Noenn sie Bestand haben und eine arbeits- und kampffähige Partei ergeben soll? Wenn wir die Einheit unserer Partei, die Disziplin nach außen, die uns bei aller Meinungsfreiheit in der Parter doch eine einheitliche Kampffront den Gegnern gegenüber ermöglichte, stets als unfern ersten taktischen Grundsatz hoch- gehalten haben, so gingen wir dabei von der Ueberzeugung aus, daß wir nur, gestützt auf völlige Geschlossenheit unserer Anhänger, den Widerstand der reaktionären und kapitalisti- schen Gewalten überwinden und die Kraft zur Durchfüh- rung der uns obliegenden großen Aufgaben aufbringen können. Diese Notwendigkeit der völligen Einigung des Proletariats ist heute mehr denn je vorhanden. Wir haben die politische Macht in Deutschland in einem Zeitpunkt ange- treten, wo nicht nur eine völlige Umwälzung in der politi- schen Denkweise großer Teile unseres Volkes eintreten mußte, sondern wir auch wirtschaftlich nur einen Trümmerhaufen vorgefunden haben. Die Friedensbedingungen werden, selbst wenn sie eine wesentlich günstigere Gestaltung erfahren soll- ten, uns den wirtschaftlichen Wiederaufbau ungeheuer er- schweren. Wenn wir unter diesen Voraussetzungen unsere Ziele der politischen und wirtschaftlichen So- zialisierung unseres Staats- und Wirtschaftslebens verwirklichen und den dabei zu erwartenden schärfsten Wider- stand der politischen Reaktionäre und der wirtschaftlich- kapitalistischen Kreise überwinden wollen, so ist die zu- sammengefaßte Kraft des gesamten Proletariats notwendig. Wir werden uns nur dann auf eigne Füße stellen und aus unseren Reihen die notwendigen Kräfte zur Durchfuhrung unserer Maßnahmen aufbringen können, tvenn wir nicht ge- zwungen sind, innerhalb der Arbeiterschaft erhebliche Kräfte brachliegen zu lassen, die in Opposition zur Regierung einer sozialistischen Richtung abseits sieben. Leider wird die Propaganda für die Einigung der ge- samten Arbeiterschaft nicht auf allen Seiten vom Gesichts- Punkt dieser sachlichen Notwendigkeiten betrieben. Wohl hat die S. P. D. in wiederholten Kundgebungen zu dieser Frage sich rückhaltlos auf den Boden der Einigung gestellt. Es sei daran erinnert, daß noch unser letzter Parteitag in Würzburg einen Beschluß faßte, der die direkte Aufforderung an die Unabhängigen enthielt, in Verhandlungen über die Wiedervereinigung beider Parteien einzutreten. Aehnliche Aufforderungen zur Einigung sind in wiederholten Aufrufen unsere? Parteivorstandes nach der Revolution ergangen. Alle diese Aufforderungen wurden in den unabhängigen Zeitungen und Versammlungen aber nicht nur mit Hohn und Spott überschüttet und mit Beschimpfungen a b g e l e hn t, sondern auch die offizielle Parteileitung der Unabhängigen verhielt sich stritt ablehnend. Auf dem dann im Frühjahr 1319 in Berlin stattgefundenen Parteitag der Unabhängigen erttärte im Austrage des Parteivorstandes Frau Zietz, daß der Parteivorstand an eine Einigung nicht denke, und gegenüber den Bestrebungen der Zentrale für Einigung der deutschen Sozialisten erließ noch vor kürzester Zeit der Unabhängige Parteivorstand einen Aufruf, worin er seinen Anhängern mitteilt, daß er mit diesen Bestrebungen nichts zu tun habe, ohne daß sich gegen diese Erklärung er- kennbarer Widerspruch in den Reihen der Unabhängigen Partei zeigte. Auf Seiten unserer Partei also jederzeitige Bereitwilligkeit zur Einigung, auf Seiten der Unabhängigen jederzeitige strikte Ablehnung. Wenn trotzdem in manchen Kreisen der Arbeiterschaft und auch bei einzelnen unserer Parteigenossen die Auffas- sung vertreten wird, daß die Einigung an uns oder unseren Führern scheitert, so erklärt sich das aus der demagogischen Stimmungsmache der Unabhängigen in den Betrieben und in der Arbeiterschaft. Wir haben besonders in Groß-Berlin die Erfahrung gemacht, daß jedesmal, wenn aus irgend einem Anlaß besondere Erregung und Unzufriedenheit:n der Arbeiterschaft bestand, man seitens der Unabhängigen diese Unzufriedenheit nicht nur versuchte, gegen die Mehr- heitssozialisten auszunutzen, sondern in geschickter Weise einen Einigungsrummel inszenierte, für den dann immer auch eine Reihe von unseren Genossen sich einfangen ließ. Dabei wird dann immer die Unabhängige Sozialdemokratie als die„richtige" sozalistische Partei und der Anschluß an sie als die„Einigung" des Proletariats bezeichnet. Diese „E i n i g u n g", die man dabei propagiert und wie sie sich die Unabhängigen überhaupt denken, soll aber einevöllige Unterwerfung unter die Ansichten der Unabhängigen sein. Danach würde die Einigung erst möglich sein, wenn wir an- erkennen, daß die Politik und alles, was wir während des Krieges betrieben und vertreten haben, falsch und ein Ver- rat an der Arbeiterklasse war. Alsdann würde man bereit sein, uns gnädig wieder aufzunehmen, nachdem man vorher die mißliebigen Personen ausgeschaltet hätte. Nicht Eini- gung, sondern unser Aufgehen in der U. S. P., das ist es, was man von jener Seite erstrebt. Diese Grundlage ist aber völlig unannehmbar. Niemand wird sagen wollen, daß nicht auch von unserer Partei während deS Krieges wie zu allen Zeiten in einzelnen Fragen politische und sonstige Fehler gemacht sein können. Grundsätzlich hat aber gerade die politische Entwicklung gezeigt, daß die von uns befolgte Kriegspolitik die einzig richtige und im Interesse der Arbeiterschaft liegende gewesen ist, und besonders die Friedens- bedingungen zeigen wahrlich genug, wo die mit Blindheit geschlagenen Verräter an dem Interesse der Arbeiterklasse sitzen. Die Unabhängigen verstehen es auch sehr geschickt, das Schlagwort von der„Einigung über die Köpfe der Führer hinweg" und von der Beseitigung der„kompromittierten Führer" in die Arbeiterschaft zu lanzieren. Es ist gar kein Wort darüber zu reden, daß die Einigung der Parteien nicht an der Person irgendwelcher Führer scheitern darf. Zu keiner Zeit haben Personen uns über dem Interesse des Proletariats gestanden. Und keine Person darf beanspruchen, daß auf sie bei einer sonst möglichen Einigung irgendwelche Rücksicht genom- men würde. Wogegen wir uns aber wenden müssen, ist, daß man von vornherein die Führer unserer Partei im Wider- sprach zu den Tatsachen für ein Hindernis der Einigung er- klärt und ihre Beseitigung verlangt. H a a s e, Adolf Hoff mann, Geyer, Däumig, Ledebour usw. lind für uns politisch winde st ens ebenso kompromittiert, w i e Scheidemann, Ebert, Noske für die Unabhängigen. Wenn man also schon Bedingungen aufstellen will, dann müßten diese Herren mit demselben Recht ihren Platz räumen; daran denkt man aber auf der anderen Seite nicht, sondern ihre Führer wollen sie ohne weiteres der neuen Partei an die Spitze stellen. Ich bin der Meinung, daß die Führerfrage überhaupt vorläufig ausgeschaltet werden muß. Man soll es der geeinigten Partei ruhig überlassen, ihre Führer selbst zu bestimmen, wobei allerdings nicht irgendwelche Gruppen und Minderheiten für sich das Recht in Anspruch nehmen dürfen, einen allein be- stimmenden Einfluß auszuüben und ihren Willen der Ge- samtpartei aufzuzwingen. Für die Ehrlichkeit der Einigkeitsbestrebungen sind ins- besondere auch die Vorgänge in den Gewerkschaften, Sportvereinen usw. typisch. Wie soll man an einen ehrlichen Einigungswillen jener Kreise glauben, wenn man sieht, wie man zu gleick)er Zeit in den Gewerkschaften bisher bewährte Führer, deren Bewährung von den Unabhängigen selbst anerkannt wird, nur deshalb entfernt, weil sie auf dem Sonntag, 8. Boden der Mehrheits-Partei stehen und man zu gleicher Zeit selbst in den Turn- und Sportvereinen Beschlüsse faßt, wonach nur Mitglieder in Ehrenämter gewählt werden dürfen, die auf dem Boden der U. S. P. D. oder der Kommunisten stehen. Derartige Beschlüsse bedeuten eine so haßerfüllte Verschär- sung des Zwiespaltes in der Arbeiterschaft, daß sie der Eini- gung unberechenbaren Schaden antun und den Beweis liefern, daß jene politischen Kreise tatsächlich keine Einigung, sondern die Niederzwingung unserer Partei erstreben. Wenn trotzdem angesichts solcher Tatsachen auch in unseren Reihen es Partei- genossen gibt, die bei Diskussionen über den Einigungsgedan- ken nicht vor Angriffen gegen unsere eigene Partei und ihre Führer zurückschrecken, die angeblich nicht energisch genug für die Einigung eintreten, so handelt es sich dabei fast aus- nahmslos um Genossen, die erst kurze Zeit der Partei an- gehören und daher kaum über Ursache und Geschichte der Spaltung so unterrichtet sind, um über die Frage der Eini- gung ein entscheidendes Urteil abgeben zu können oder um Genossen, die wohl nur versehentlich in unsere Partei hineingekommen sind und eigentlich in das Lager der U. S. P. D. hineingehören. Diese Genossen laufen in würdeloser Weise hinter den Unabhängigen her und be- schmutzen um billiger Augenblickserfolge willen das eigene Nest. Wie lange wir uns insbesondere noch die Treibereien einer Anzahl Berliner Parteimitglieder jauf diesem Gebiete gefallen lassen werden, will ich an dieser Stelle nicht erörtern; aber lange geschieht es n i ch t mehr. Eine E i n i g u n g der beiden sozialistischen Parteien ist nur möglich durch V e r st ä n d i g u n g. Sie ist möglich trotz aller Meinungsverschiedenheiten über die Fragen der Vergangenheit, wenn man aus den Einigungsverhandlungen die Entscheidung über die Vergangenheit ausschaltet und sich lediglich darauf beschränkt, eine gemeinsame Arbeitsgrund- läge für unsere Zukunftsarbeit zu finden. Das ist möglich bei gutem Willen von beiden Seiten. Vor allem aber müssen die unabhängigen Sozialdemokraten sich nicht bloß von agitatori- schen Rücksichten, sondern auch von dem Gefühl der Verant- wortlichkeit für die Durchführung der aufgestellten Forde- rungen leiten lassen. Eine solche Einigung setzt weiter vor- aus, daß man keine Vorbedingungen aufstellt, die der Gegen- feite unerträglichjind. Die Anerkennung irgendeiner angeb- lichen früheren Schuld, die Beseitigung bestimmter Führer, riecht so sehr nach kapitalistisch-imperialistischen Vorbildern, daß die Unabhängigen sich auf diese Politik nichts Besonderes einbilden können. Man darf auch die Schwierigkeiten der Einigung nicht unterschätzen und ihre Wirkungen nicht überschätzen. Die Unabhängigen haben während der. Dauer des Krieges, und besonders nach der Spaltung, ihre ganze Tätigkeit auf den Kampf gegen die Mehrheitssozialdemokratie abgestimmt. Dieser Kampf war wesentlich zugespitzt auf das persönliche Verdächtiger und Herunterreißen unserer führenden Personen. Diese VerhMUng der Arbeiterschaft, die an die niedrigsten Instinkte appelliert, zeigt sich ja jetzt überall in dem rücksichts- losen Niedertreten wirtschaftlicher Existenzen, in dem Kampf gegen die Gewerkschaftsführer, in dem Boykott gegen mehr- heitssozialistische Vertrauensleute, gegen Angehörige der Frei- willigentruppen usw. Diese jahrelange Verhetzung ist nicht so� schnell wieder gutzumachen; die bis zur Besinnnngslasrg- keit� erhitzten Köpfe der unabhängigen Anhänger und Mit- läufer, deren ganze politische Weisheit sich in den Worten „Nieder mit Ebert-Scheidemann, Noskegarde, Bluthunde" usw. konzentriert, sind nicht so schnell ivieder auf überlegte praktische Arbeit einzustellen. Vor allen Dingen aber würde eine völlige Einigung des Proletariats auch durch eine Eini- gung mit den Unabhängigen nicht erzielt werden. Abseits st e h e n unter allen Umständen die Kommunisten(Spartakusbund), mit denen eine Einigung uns zur- zeit grundsätzlich unmöglich ist und die auch ihrerseits mit höchster Entrüstung jeden Gedanken an eine solche Einigung ablehnen. Das würde also bedeuten, daß erhebliche Teile der Arbeiterschaft bei einer Einigung zwischen uns und den Un- abhängigen trotzdem abseits stehen, daß wahrscheinlich auch ein Teil der unabhängigen Anhänger noch nach links ab- gleitet und daß der Kampf zwischen der goeinigten Partei und den Kommunisten, nachdem der Mittelpuffer der Unabhän- gigen beseitigt ist. mit noch größerer Schärfe und Gehässigkeit geführt werden würde. Trotzdem bin ich für die Einigung. Sie muß aber eine Einigung und darf keine Unterwerfung sein. In diesem Sinne wird hoffentlich der Parteitag in Weimar zu einer klaren und unzweideutigen Stellungnahme kommen. EeMOsfsg See WSW« Wer». teMne« MM Dienstag, 10. Juni, abends 8 Uhr, Friedrich�Wilhelm-Gymnaslnm, Kachstr. 13 Oeffentliche Versammlung Unterstaatssettetär z. D. Gen. Dr. Baege:„Tie sozialistische Schule" Jedermann ist herzlich eingeladen! Genossinnen und Genossen, zeigt durch zahlreichen Besuch der Versammlung. daß Ihr«in Jnieresse habt an der Umgestaltung der Schule. Freie Aussprache! _ Zur Deckung der Unkosten wird ein Äntrittegeid»on Zv Pf. erhoben. 2V2/17 Miumm m MaiiMen Lehrer v. Mrerinnen Demi Vorträge für die Mitglieder der sozialistischen Lehrer- Vereinigungen, Dorotheenstr. 6, Oriental. Seminar 1. Dienstag, den 10. Juni, nachmittags 4 Uhr: Genosse Dr. Löwensteiu: „Sozialpädagogit und sozialistisch« Pädagogik". 2. Mittwoch, den II. Juni, vormittags S'/» Uhr: Genosse Lehrer Drange: „Religionsunterricht und weltliche Schule". Bu»kuuft,bur«»»rwaltang. uäel� Äi&os �Wilhelm SpaetJic -- SbwVw? Pelze WelB-Blen-Eraoitneha gelten bar nnd erlaleliterte Zahlmtgsbedingcng. Briefe erbeten. Pelrhau amta? 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Werbcstellr« der Einwohnerwehr. güt Berlin: NW. 52. Alt-Moab» l«, Ztowhl. 9383 18592 355688 832 12353 1933 T92 588 UOMille öKle Mi» »iMte melke MWIe oMle Mölek zoOKiMe WeyM zoslllMe goseiiselle mö Sole««! MMleöm Zelle Ort der Befichtignng aller Schanlose: Lager der Kriegs-Fell-Attiengesellschaft, Leipzig, ReichSstr. 18/20. Zeit der Besichtigung: 16. bis 21. Juni und 23. Juni 1919, von 8— 12 Ahr vorm. , 1— 5„ nachm. Die Ware ist in Partien, die Partien in Lose von verschiedener Stückzahl eingeteilt.— Die Ware wird öen Interestenten zu den Bedingungen angeboten, die aus dem Katalog zu ersehen sind. vie Kataloge mit öen verkaufsbeüingungen sind von der Kriegs-ZeU-stktiengesellfchast, Leipzig, Trönüllnring Z, zu beziehen und sind am Orte der Besichtigung, Leipzig, Reichsstr. 18/20, erhältlich. vie Gebote, welche nur dann berücksichtigt werden können, wenn sie den Verkaufsbedingungen entsprechen, müssen bis spätestens öea 24. Juni 1914 in den Künden der Gesellschaft sein. Bis zum Empfang der Nachricht ist der Bieter an sein Ge- bot gebunden. Die Kriegs-Fell-Aktiengesellschaft muß jedoch die Antwort bis znm 15. Zuli 1919 zur Post gegeben haben.«/j. %% lypOCHC MICH RIFT F0R THEORIE UND PRAXIS DES MARXISMUS £esrun6*r:Xofii■Ctunembttrs u.$hani SOithrintf- jfrnu�etoräftttrale derJtommunißifdmfiaTtei &nrfri)Sante(<5parfaPiiobun6) Preis SO JSfy-: 'uttßen nimm-J enfoegetv&eott&bumaxm 'SJ/z Uhr nachm. W. 82.«urfürstenftr. 125,«ush» stelle»ir Freiwillig«. 9-7 Uhr. 5 W. 11. Kllnigerätzer otr. HL Atisf.» stelle für Freiwillige. 9—7 Uhr. güt ble Vororf»: tlharloitenburg.«athaus, gim. 214. Lichterfelde. Schöneberg. Neues"-... Wllde.Platz. Wilmersdorf. Schaperstr. 25. Friedenau. Sosiarftr. 14. Steglitz.«Lrunewaldstr. L Dahlem. Poddielskt-Wee 78. SO. 2«. Oranienstr. 1, Wustnnf». stelle für Freiwillige. 9-7 Uhr. SO. 28. Oranienstr. 148, Aukunlts» stelle für Freiwillige. 9—7 Uhr. N. 39. Pankstr. 93, II. 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OaMrcreln' ! Britz-Buchow(S. P. D.) s Nachruf. I Allm Mitgliedern znr I 1 Nachricht, daß unser Genosse! ! der Scmeindeoerordnete Emil Strobel am 2. Juni im Kreis-! irankenß ausBritz verstorben d ist.» Ehre seinem Andealen I x 1SK/5 Der Borstand.>! Am A. Mai starb nach lurzem,aberschwerenLeiden durch Unglürlsfall, mein über alles geliebter Briiuti- gam, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel, der Mchlkutscher Robert Mass j im 30. Lebensjahre. j Tin schöne», kurzes ffitiii j Hab ich befeffcn, I nun schlummert es auf ewig unvergessen. Deine liebe Travel l 13a nebst Sohn Lurt, Danksagung. Fllr die uns anläßlich des Hinscheidens meines inngst- geliebten Bräutigam» Rodert ta erwiesene Teilnahme, sage Ich aus diesem Wege meinen innig- sten Dank, insbesvnders den Kollegen der Firma Buchow cmie den Aollegen der Niehl- iutscher Berlins, allen Ber- wandten und Bekannten. 13a_ gt. Schlafet. Möbel] Direkt an Private 1 Schlafzim. 947-7750M. j ! 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August 1811* graviert, goldeae» Zlgarrttenekni, Verschluß em kleiner Rubin, goldene» Zignrettenctui. innen graviert N/z em:, Maria Pia 22. August 1908", goldene» Zigarettenetui. Röhrenform, goldene» Zlgoretteaetni mit Bild der Frau jkronprinzessin, fllder vergoldete» hesiblaa emaillierst Zigarelleneknl in Röhrensorm, Berafteia-ZIgaretteaspttje mit einem Saphir am Rand», Zigaretteaspist» an» verasleia mst rotem Emaillierand, goldene» Setteaarinband mit drillantendesetzten kleinen Teilen in Hufeisenform belegst goldene Taschenuhr, Rückseite dunkelblau emailliert und mit einem Brillanten besetzt, golden« siach« Taschenuhr. Rückseite rot emailliert und mit einem Brillanten besetzt, goldene flache Taschenuhr mst hellblau emallst Rückseite, goldene flache Taschenuhr ohne Uhrkettenrina, Rückseite heübeau emaill., aus dem Rand« 4 Nein« Saphire, golden« Taschenuhr mit viereckigem kleinen gisserb inst, kleine goldene«nopflochnhr, etwe IV, cm Durchmesser, mit blauem Emaiüerand, l schwarz emaillierte Taschenuhr mst Totrnkopf. Bor dem Ankauf wird aewarnst Für Angaben, die zur Wiedererlangung führen, wird hohe Belohnung und unbedingte Diskretion zugesichert. 49/13 Meldungen werden erbeteu an dl« itostlHUte Josephsohn za Potsdam. ZIGARREN pro Mille von 650 Mark an gibt in großen und kleineren Posten ab* schmaiz'orSchnupfiabak«K Zigarren-Engros-Haus Neukölln '"enkülln, ScbinkestraUe 4,-S. X. Commerz- und Disconio>Bank. Bilnni; per 81. Descmber 1018. Aktiva- Kasse, fremde Geldsorten, Zinsscheine und Guthaben bei Noten- und Abrechnungsbanken........................ Wechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen.............. Nostroguthaben bei Banken und Bankfirmen............... Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere.......... Vorschüsse auf Waren und Warenverschitiungen.............. davon am ßilanztage gedeckt; a1 durch Waren, Fracht- oder Lagerscheine........ M. 2409385,82 b) durch andere Sicherheiten............... 309710,85 Eigene Wertpapiere: a) Anleihen und verzinsliche Schatsanwelsungen des Reichs und der Bundesstaaten......................... b) Sonstige bei der Reichsbank und anderen Zcnlrainotenbanken beleiiibarc Wertpapiere c) Sonstige börsengängige Wertpapiere d) r.......... d) Sonstige Wertpapiere Konsortiaiheteiligungen............... Dauernde Beteiligung bei anderen Banken und Bankfirmen Debitoren in laufender Rechnung: a) gedeckte ungedeckte..................... Außerdem: Aval- und Bürgschaftsdebitoren.... M. 78349 322,27 Bankgebäude und Inventar in Hamburg, Berlin, Kiel, Hannover, Altona, Leipzig, Altenburg, Gelsenkirchen, Wattenscheid und Guben......... Sonstige Immobilien.......................■. abzüglich Hypotheken....................>. 48 470 879 2 131 219 20 844'09 2 832 940 224 394 653 134 142 322 273 63 8 856 635 95 4 136 414 28 Passiva. Aktienkapital.................... Reservefonds l................... Reservefonds II................... Beamten-Pensions- und Unterstützungsfonds...... Kreditoren: a) Nostroverpflichtungen............. b) seitens der Kundschaft bei Dritten benutzte Kredite c) Guthaben deutscher Banken und Bankfirmen... d) Einlagen auf provisionslreie Rechnung 1. innerhalb 7 Tagen fällig........... 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig..,. 3. nach 3 Monaten fällig............ e) sonstige Debitoren: L innerhalb 7 Tagen fällig........... 2. darüber hinaus bis zu 3 Monaten fällig..,. 3. nach 3 Monaten fällig............ Akzepte und Schecks: a) Akzepte................,.. b) noch nicht eingelöste Schecks......... Außerdem Aval- und Bürgschaftsverpflichtungen.. Dividenden-Rückstand«............... Reingewinn..................... M. 303 876 161.82 „ 226 445 996,90 „ 34 395 373.32 Ast 441 021 138.71 „ 149 0s7 216.90 „ 38 289 380.95 M. 78349 322�7 59 105 002 02 2 946 693 II 62 696 489>0 564 717 532 628 397 736 44 816 062 5 792 414 24 50 � j-) 26 744 752 31 742 265 724 93 63 605 600 20 160 399 603 44 2 719 467 77 74 270 348 41 20 833 486 99 12 332 040— 366 716 928 97 6 828 829 25 4 710 771 67 I 481 136 004 ,44 85 000 000 8 500 000 8 500 000 I 528 513 1 317 864 453 50 608 477 106 173 9 328 386 1 481 436 WH 50 03 65 Oeerlnn- nnd Terlautre.chnnng für dan G)c»chtiftn}ahr 1918. Ausgab«, Unkosten.............. Steuern einschließlich Rückstellung für Habenzinsensteucr 1918....... Verlust auf Wertpapiere........ Abschreibung auf Bankgebäude u. Inventar Reingewinn............. Blunahme. Gewinnvortrag von 1917..,. Zinsen............. Provision............ Gewinn auf Sorten und Zinsscheine. A 550 492 ■16 132 352 7 327 131 217 472 24 227 448|oö und zwar Die Dividendensoheine für das Geschäftsjahr 1918 werden vom 5. d. Hl. Nr. 47 mit M. LI.— per Stüok von Aktien über U> 300.— Nr. LI mit M. 17.— per Stück von Aktien über M. 1000.— in Berlin an unseren Kassen und bei den Herren 8. Kanfmann A Co., in Hambarx an unseren Kassen, in Altcnbnrg S.-A., Altona, Brandenburg: a. H.. Cottbus, Dortmund. Forst I. Tj., Fürth, Delsenklrcheu, Gaben, Hannover. Kiel, Kielpxle, I-Ubevk, Bülheim n. Bntar, Nttrnbers, Oberhansen 1. Bhld., IteckllnyhanHen, 8terkrade, Stettin, Wanne, Wattenseheld an den Kassen unserer Filialen, in Barmen beim Barmer Bankverein, Htnsbnrg, Fischer A Comp., in Cbemnlts beim Chemnltser Bankverein, in Dresden beim Cheranltser Bankverein, bei der Bltteldcatsehen Privatbank A.-G., in Falkenstein bei der Vostl&ndlsctaen Credit� Anstalt, in Frankfurt a. B. bei den Herren J. Oreytns A Co., in K&ln bei Herrn J. M. Stein, in L.»ban bei der liübaner Bank, in Bagdebars bei der SUtteldeatschen Privatbank A.-G., in llttnohen bei der Bayerischen Vereinsbank, bei Herrn Alfred Izerchenthal beaahlA Hamborg, den 4. Juni 191». DOI* MOPStaSlSSs Möbel! Schlafzimmer Schrank, Zteiiig m, Spiegel, lotnpL, M. 1725.- Küchen ta allen Farben— 7teMg, M. 395.- Wohazimmer Nußbaum uub lackierst oon M. 875»— Sofas prima Stoffverarbeitung, M. 375.- Einzelmöbel wie Kleiderschränke, Ver- tlkows, Bettstellen, Spiegel usw. äußerst Preiswerst Siolzmann Bells-ÄllianEe-Str.lOO. Zohlnagserlelchkernag auf Wunsch. Unabhängla! Parteilos l Erschciut leben Eounabend. Preis 20 Pf. Soeben erschienen: Das Ausland. Wochenblatt f. Zisternast Politik. Herausgeber: Dr.]ar. D. Aravandlnos. Au« dem Inhalt der soeben erschienenen II. Nummer: Flnls Ungariae? Der»»mkialich« Friede. Die angeblichen Wünsch« der Die Prrise des�llalanbe», estie Uebersichi der Auslandspresse mst Luellenangabe usw. Aurilludsschan, Besprach, von iniernaiionalen Tagessragen und Ereignissen. Zu beziehen durch alle deutschen Postanstalten nnt. Postzestung«- liste Nachiraa Vi. Bezugspreis �.jährlich Mst tM. Möbliertes Bureau, 1-2 Zimmer, mit Telephon, u.«vtst einem leeren gimmer f.Herstell. Pharmazeut. Zw ecke gesucht. Offerten mst Preisangade an Fabrikan! Wolken, Berlin W SO, Siegens- I butsirt Ett. A. öO/l 1 DLR PREISAUSSCHREIBEN AUS DEM GEBIETE DES LUFTVERKEHRS Die Deutsoho Luft-Reederei, Berlin NW 7, Sommers tr. 4, erlaßt rur Hebung des allgemeinen Interesses am Luftvorkehr unter allen deutschen Künstlem einen Wettbewerb zur Schaffung zweier Karitaturfiguren, die einen begeisterten Anbänger des Luftverkehrs und einen Bangebüchs im Zwiegespräch darstellen und die „FIX" UND„NÖHLICH" heißen sollen./ An Preisen stehen 2500 Mark und 10 Preiflugkarten zur Verfügung./ Dem Preisgericht gehören außer dem Vorstand des „Vereins der Plakatfreunde" die Künstler Luoian Bernhard, O. H. W. Hadank, Frits Koch-Gotha und Paul Simmel an./ Der Ein- lieferungstermin für die Zeichnungen ist auf den 5. Juli 1919 festgesetzt. Nähere Bedingungen durch die DEUTSCHE LUFT-REEDEREI Berlin NW 7, Sommerstraße 4. Bekanntmachung betteM MNelse m Merugg oon SM- Wim WsMNngeMM. MlserbsWvg m AlnMnlllln.) In Verfolg der Bestimmungen der»Bekanntmachungen über die Berorbnung betreffend Sparmelalle während der Heber» gangszeit"(veröffentlicht im„Reichsanzeiger- Rr. 275 vom 2L November 1S18) und unter Bezugnahme auf die Bekannt- machungen über Preisänderung für Blei auf Rontingentschein vom 8L L ISIS Preisänderung Pretsänderung „Reichsanzeigeri' Nr. 28 vom 8. 2. 1919) für Biel auf Rontingentschein I .v«..._________________ vom SO. 4. 1919 .Reichanzeiger" Rr. 101 vom 5. 5. 1919) it Platin auf Routing enischein vom 28. 2. 1919 , Reichsanzeiger" Nr. 54 vom 5. 3. 1919) wird hiermit bekanntgegeben, daß die in diesen Bekannt» machungen genannten Richtpreis« von 450 M. für Rupfer 1400., ginn 1600,, Nickel 100,, Blei 230__ Antimon 700„„ Aluminium(alles für 100 kg Metall) u. 18 �» je 1 Gramm Platin weiterhin nnr noch für solche Lieferungen»eltuna haben, welche an» Beständen der Rrieasmetall-Atliengesellschasi bezw. der von dieser Gesellschaft mit Lieferung beauftragten Läger ans Grund der vom 1. Zun! 1919 ausgestellter Rontinxent- scheine bez«. au» solchen abgelctteter Teilkontingrntschrtue erfolgen. Für Lieferungen ans Grund von Rontingentscheinen, welche nach dem 3t. Mal 1919 ausgestellt sind bezw. oon aus solchen abgeleiteten Teittontingentschetnen gilt für die Folge der jeweils als maßgebend veröffentlichte Rtchtpreis der Rriegsmetall-Altien- aeselljchast und zwar wird der Richtpreis desjenigen Tage» zu Grunde gelegt, an welchem der Rontlngenischeln bezw. Teil- kontingentschein mst dem Antrag ans Licierung de» Material» bei ber Metallscheinkontrolle vorgelegt wird. llngeut- .» bez«. gellen dl» ans wettere» die Preise von 450 M. für Rnpser � 1400., gtnn Nb 1500 100 1000 muchung betreffend Preisänderung Rontingentschein» vom 24. Februnr 1 Nr. 57 vom 11. 3. 1919) in Geltung. ckel Blei Aluminium(alle« für 100 kg Metall). Bekannt- Für Rohzink bleiben die Bestimmungen der. .........> fiir Rvhzink aus 1919(.Reichsauzeiger» 1919) w Geltung. ir gink, Antimon und Platin wird von einer weitere» gentterung abgesehen.>02/12 Beritist den 31. Mai 1919. KriegssmetaU-Akflonsescllechaft iu Liguidation. Ich habe i Verkaufe unter Garantie Heere«,«ad vom««- . AShmaschinea aller Art zu dilligen Preise».— Uedernehme sämtliche ieparaturen an Nähmaschinen binnen 24 Stunden rusiiihrlich. stutzlri, M«ndel«sohn. Straße 1 (wei«ider?IM. RA» lest Euer Fachbiait„r. Mertens. Preis geheftet 6,— Ml., gebunden 8,— Mk. K Das Geschlechtsleben d. Weibes von Frau Dr. Fischer-Dückelmann. 20. Ans» läge mit vielen Illustrationen und einem zerlegbaren Modell des Frauenkörpers. Fllr die junge Frau, die Mutter unentoehrlich. fi!r sedsn Gatten begehrenswert. Preis gehestet ö,— Mk., gebunden 0�0 Mk.— Professor Rohleder nennt das begeistert aufgenommene Buch Die aufgeklärte Frau«°g�csu: Da« Beste, da» je Uber und fllr die Frau erschienen ist. 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Alleinhersteller: Addy Salomen, Charibo.,Wallstr.1 1 Nr. 2$S/2�0« 36. Jahrgang A. Seilage öes vorwärts Sosntag, S.�unll91� Rückfahrt. Von T. von Humbrach t. Im Menddämmer rollt der Zug durchs märkische Land.?eZ Himmels purpurne Röte löst sich auf in bläuliche, gelbe, violette Tinten. Bis zuletzt alles in Grau zerflieht.... Sacht sinkt der Nebel auf die Seen herab, hüllt die dunklen Wälder in weih- lichen Dunst. In unablässiger Bewegung— da? gange Bild eine optische Täuschung— scheinen die Telegraphendrähte zu steigen, höher ind höher. Tann saust plötzlich' eine von den dicken hölzernen Stangen heran und schmettert die schwanken Metallfäden von 'hrer Höhe herab, so tief, dah das Auge sie nicht mehr zu erblicken vermag. Aber ein paar Sekunden später erheben sie sich wieder, steigen und fallen— steigen und fallen, immer von neuem, in ewigem Wechsel. Schon, als ich noch ein Kind war, ist mir dies Spiel der Drähte— das stolze Aufwärtssteigen in die Bläue des Himmels und das jähe Niedergeschmettertwerden— als ein Symbol mensch- lichen ErdenwallenS erschienen. Und erscheint mir heut« mehr denn je ein Sinnbild von Menschen- und Völkerschicksal. Tie sich bewegten in ruhmvoll aufwärts strebender Bahn, die Häupter den Sternen zugewandt, sie wurden von einem wuchtigen Schicksal au» ihrer Höhe geschleudert und so tief niedergedrückt, dah sie wie erlöscht scheinen au? der Welt des Seins. Aber— und das ist die starke und feste Hoffnung, die das Spiel der Drähte birgt— die am Boden Liegenden steigen, ewigen Gesetzen folgend, wieder empor. Was hier«in Spiel von Minutenfrist ist, vollzieht sich in der Geschichte der Völker in Jahrhunderten und Jahrtausenden. Auch wir werden wieder steigen..... Manches Nachdenkliche bringt solch«ine Fahrt. Philosophische Betrachtung, bemerkenswerte Cbarakterstudien. Viel Licht und starke Schlagschatten. Heut ist jede Fahrt in einem öffentlichen Verkehrsmittel ein Kampf, und im Kampf zeigt sich der Charakter in seiner Mötze. Auf einer der vielen kleinen Stationen steigt ein Arbeits- bursche in blauer Bluse ein. Lerustt, verschwitzt, müde. Schwer lästt er sich auf die Bank fallen und schließt die Augen. Kurz nach ihm besteigt eine Dame mit spitzer Nase, großem Hut und noch größerem Hamstersack das nun bis auf den letzten Platz gefüllte Abteil. Mit vollendeter Höflichkeit steht der Arbeiter auf, tritt ihr seinen Platz ab, den sie mit einem halben Nicken des Kopfes einnimmt, und stellt sich bescheiden daneben ans offene Fenster. Und nun fällt der Schlagschatten! „Stellen Sie sich doch ans andere Fenster", sagt die Spitz- näsige,„die Luft ist hier sowieso schlecht genug und Sie riechen auch nicht gerade nach Veilchen!" Unwilliges Gemurmel im Abteil. Der junge Mensch ist ein wenig rot geworden. Aber er sagt weder„Pack", noch„Kanaille"; er erwidert gar nichts. Er sieht die Dame nur an, und in seinem Blick liegt eine so abgründige Verachtung, daß sie die Augen nieder- schlägt und sich plötzlich sehr eifrig in ihre Zeitung vertieft. Ich aber liebe diesen jungen Mann aus dem Volke mit seinem Geruch von Schweiß und Arbeit, liebe ihn um seines Anstandes und seines Stolzes willen. Beste angeborene Sitte hätte sich nicht edler benehmen können. Und dieser ist einer von Ungezählten... Um 11 Uhr fährt der Zug in die Halle des Stettiner Bahn- hofS ein. Hunderte von Menschen entströmen den geöffneten Türen, überfluten den Bahnsteig, drängen der Sperre zu. Ich habe sie alle an mir vorbeiziehen lassen— und es war unter den Hunderten nicht einer, der nicht einen sorglich bedeckten Korb, einen prallen Sack oder ein großes Paket schieff'chultrig getragen oder ächzend geschleppt hätte. Ein Jüngferlein nur hat einen großen Fliederbusch im Arm, und der Anblick der Weißgekleideten erfreut mein Herz. „Endlich eine Seele, der des Leben? Prosa fern liegt", denke ich. In dem Moment wendet sie sich und ich gewahre unter ihrem anderen Arm ein viereckiges Päckchen in stark durchfettetem Papier. Zwei Pfund Butter Werdens zum miniwsten sein, schätze ich... Daß der Berliner mit dem ewig hängenden Magen für seines Lebens Nytdurft sorgt, ist durchaus begreiflich Gänzlich unbe- greiflich ist mir nur eins: Wie haben es alle diese Leute ange- stellt, um den Reiseausweis zu erhalten? Denn soviele totkranke Verwandte, Begräbnisse, Hochzeiten, Taufen, sofort zu besichtige, che Wohnungen, unaufschiebbare geschäftliche Transaktionen— so viel„dringende Fälle" giibtS ja gar nicht an einem Tage! Und überfüllt wie heut war der Zug gestern, wird er morgen— den ganzen Monat, das ganze Jahr sein. Ja, es gibt eben Dinge zwischen Himmel und Erde... Aber mehr als das Unbegreifliche ztvischen Himmel und Erde interessiert es mich im Augenblick, wie ich die Entfernung zwischen dem Bahnhof und meiner Wohnung auf die schnellste und preiswerteste Weise zurücklegen werde. Eigentlich sollte ich wissen, daß ich sie weder schnell noch preiswert zurücklegen werde. Denn natürlich ist— im Augenblick, wo ich aus der Bahnhofshalle trete, meine letzte Elektrische mir vor der Nase davongefahren. Und wenn ich nicht eine vielstündig« Wanderung durch das nächi- liche Berlin antreten will, bleibt mir nichts übrig, als einen der Nachtomnibusse zu benutzen, die in der letzten Zeit wie Pilze aus der Erde geschossen sind. Und während ich mir für teures Geld in gesundheitswidriger Weise die Eingeweide durchrütteln lasse, stelle ich eine Berechnung auf, wie sich wohl die Einnahme des jugendlichen Unternehmers in Feldgrau zu den meinen verhalten mögen. Ich komme zu dem Resultat, daß er in drei Tagen mehr verdient, als ich im ganzen Monat... Das Gefährt rattert die Friedrichstraße entlang, deren grelles, aufdringliches Treiben seltsam unharmonisch wirkt nach dem Frieden von Wäldern und Seen. Nach einer ziemlich marter- vollen Stunde steige ich in Halensee aus und biege in eine der stillen Straßen ein. Die erste Etage eines Hauses ist hell er- leuchtet. AuS der Haustür tritt eine Gesellschaft von Herren und Damen in angeregter Unterhaltung. Laut hallen ihre Stimmen in der Still« der Nacht. Sätze schlagen an mein Ohr: „Der Wein war prima— darauf versteht sich Rosenthal, das muß ihm der Neid lassen...."„Aber wissen Sie, Frau Doftor, wie die Meyer heut wieder mal aussah...."„Na, und erst die Kusine von Rosenthals in dem kurzen Kleid, mit den Beinen..." „Jedenfalls, die Pute war delikat gebraten...."„lind die Krebse...."„Ach, das gute Essen ist doch das Einzige, was man noch vom Leben hat", seufzt empfindsam eine fette weibliche Stimm«. Diese beachtenswerten Worte sind die letzten, die ich in dieser Nacht aus menschlichem Munde hör«. Die Gesellschaft biegt um die Ecke. Ich aber schreite weit«r, und über mir funkeln Myriaden von Sternen.... Das bestens ausgestattete Spezialinstitut des Optikers Tuiuwelt, öerlin SM 61, Hiücherstr. 12(2 Min. vom idalleschen Tor) hat sich besonders zur?lufgabe gemacht, seinen Kunden den Wert gut verordneter und verpaßter Augengläser zugute kommen zu lassen. Leider wird vielfach noch zu wenig Gewicht auf eine gute Augenkorrektion gelegt. Während man z. B. seine Zähne in Ordnung bringen läßt, vernachlässigt man noch viel- fach die Pflege des Auges, des edelsten, wichtigsten und einflußreichsten Organs des Menschen. 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Opernhaus Sonntag 2 Uhr: Tanzbilder. Vorh.: Verslegelt. 7 Uhr: Die Zauberflite. Montag 2 U.: Die ZauberdOte 7Vi Uhr: Tanzblliler. Vorher; Versiegelt. Dien stag 7 U.: DleF ledermau» Scbaaspielhaus Sonntag 2 Uhr: Meine Frau, die Mafschauspielerln. 7 Uhr: Corlolan. Mont.2U.: Minna ronBarnhelm. 7 U.: Meine Frau, die Kölsch. Dnst.b'/jU.: Sonnenfinsternis. Volksbühne Theater am Bülowplatz. Direktion Friedrich Kaylllcr. 3 Uhr: Die Heirat. 7Va Uhr: Penlhcallea. Montag 3 Uhr; Die Heirat. 7'/, Uhr;'s JunKferngitt. Theater. Allabendlich 8 Uhr; Mar Pallenberg In Familie Schimek. KainmerMplele. Allabendlich?>/, Uhr: Leopoidlne Konstantin In Blferaucbt. Theater«lea Wostena Allabendlich 7VjUhr Mia Werber und Hans Waas mann in Geisha. Theater i. d. KSniggrätzerStrafie Dir.: C,Mein hard- B. Bernauer Nachm. 3; Fünf Frankfurter. Abends S Uhr: Musik. (Clara: Maria Orska.) Pfingstmontag nachm. 3 Uhr: Fünf Frankfurter. Abends 8 Uhr; Erdgeist. (Lulu: Maria Orska). Dienstag: Musik. (Clara; Maria Orska.) Mittwoch: Erdgeist. (Lulu: Maria Orska.) Donnerstag: Musik. (Clara: Maria Orska.) Freitag: Erdgeist. (Lulu: Maria Orska.) Sonnabend 7 Uhr z. I. Male: Dar Häuptling. Satirspiel i. 3 Akt. v. P. Apel. (Alfred Abel, Math. Brandt, Ernst Dernburg, Gr. Diercks, Alexander Eitert, Werner Uollmann, Max Jungk, Rieh, Leopold, Ernst Pröckl, Otto Schiller, Reinhold Schünzel.) Sonntag nehm.: Fünf Frankf. Abends: Der Häuptling. Montag; Der Häuptling. KomödienMus an der Marschallbrilcke An beiden Feiertagen: Gastspiel LudeHöfllch u.Ludw.Hartao 715 ü: liselott Ton der l'falx. Berliner Tbeater •'jSU.: Sterne, d. wieder Icucht. Pizstm.: Sterne, d. Wied. Icucht. Dienst.: Sterne, d. Wied. Icucht. Mlttw.: Sterne, d. Wied, icucht. Donn. ViS U. Noueinstudiert; Die tolle KoniteB. Operette in 3 Akten v. Rudolf Hernauer u. Rudolf Schanzer. Musik von Walter Kollo. (Hilde Wörner. Melitta Kiefer, Olga Engl, Emil Blrron, Emst He bin er, Hermann Plcba, Paul Rehkopi, Alfred Scherzer.) Freitag: Sterne, d.vicd. Icucht. Sonntag: Die tolle Körnten, Sonnab.: Die tolle Koniteü. Moni.: Sterne, d.wled. Icucht. Residenz-Theater. Untergrundb. Kloslerstraße, Ausgang Stralauer Straße. Täglich 8 Uhr; Das liiere IM Schauspiel von Sudermann. Regie: Alfred Rotter. Trianon-Theater. Bht.Friedrithstr.Ztr.4927,23ci Heute u morgen 4 Uhr kl. Pr.: Johannisfeuer. Tägl. 3 U. Heute z. 275. Male; Der gute Ruf von Hermann Sudermann� Walhafla-Thoater. 7'/, Uhr; Die kleine Sklavin. Rose-Theater. V/t Uhr: Khe- LTrlaub. 7'/, Uhr üartenbühne: Da* sieht sich jeder an. Vorher Konzert u. Spezialität. "Casino-Theater. Eotbrlng. Sit. 87. Tlipl,"/� Uhr. Am X. uub 2. Psthqsljttertag, 3 DerfUBungen. '/JS Ut>r bl» erlolflctlrfi« Posf« M selige öoßsöjinsii. Nachm. 3'/. Übt)U II. Prrisen: „Du ahnft t» aldlt". Paul älelnltz Minna Bererelty Frttx Berger Klein Rosa Lachpilien-Wolf Lassi u. Actml Hanoi Htxcr Franz Komnfui Mlu Renard Adolf Karabach mFlügel: Henfchcl ConT.: Flatow Oylgyl. Konzerte Hubertus-Säle Schiwhol». L, 2 u. 3. Pfingstfcltttagi Großer Ball. Anfang 4 Uhr. »räbt« und smutioiaste Ball- musil Btrlin«. .aÄn: Li'.»Ilillii'-Illirüei't. Dirigent: O. llhthnrbt. Bei uigllnstiget Wttierung ludet da» Mililiir-Roiizm im kragen«0iu«rt'$afä(lab. «an 8—10 Übt:«r. ZtStz- loDjact und 7ML JBWb ?Erl!snti(!epFp.yoI!(slißlinEn Pfinzstfonntag, bm S. Zum 1919 Siachm. 2>/, Uhr: Deutsche» Openthau»: Da» goldene Kreuz. Nachm. 3 Übt: «olfoblibne: Die Heirat. Schillet-Tb. Cbatlottenbutg: tkin«oikofeind. LeMna-Tbeatet: Det Raub bet Eabinerinnen. «tinstief Th.: Mein Nachbat Ameise. Resibenz-Tb.: Dbcketpotto Eiden Pfingstmontag, den 9. Zun! 1919 Nachm. 2V, Übt: Deutsche« Opernhaus: Da» goldene Kreuz, Nachm. 3 Übt: Lchillet-Th. llhacioneubutg: Ein Boifsfeinb. Nefidtnz-Th.: Dyckerpott« Etben. «oilsduhne: Die Heirat. Wochentag» abend» vom 9. bi« 14. Zimt: Bolfsbübn«: Penthesiiea. Sa». '» Zungfetngist. Oentral-Tbontor Kommandantenstraüe 31. Heute und morgen 7V,----- Uhr:-------------------- Uontarhcn Opornhnna Heute und morgen 6 uhr: Parsifal. FplEilf.-WiliiBlinst. TtiEatEP Heute und morgen 3 Uhr; Da» Drelmädertbaus. uhr* Das DPEMErte. Kleines Theater. Heute und morgen 3>/, Ubr: Die Keuvcrmäbtlea. Lottebens Ucburlstig. 7>/, Uhr: Kümmeiblältcben. Komlarhe 4)per Haute und morgen ubr: Sctiwarzwalduiaßel. liuntaplclhaus Heute und morgen um-4: Die spanische Fliege. Hetropoi-Theater. Heute und morgen 7 uhr io: Die Fascliingslee. Bienea Operetten linna Heute und morgen 7'/.u.:DiED8!nevoniMiis. Pnlnst-Thrater Heute und morgen 7v, uhr; Talisman. SchlHer-Xlicnt. Ciisrl. Heute 3 Uhr: Ein Volksfeind. f/, uhr: Alt-HeiilEllierg. Morgen 3U.: Ein Volksfeind. 7»/. uhr: König Iranse. Thnlin-Theatcr Heute und morgen 3 Uhr: Poluicchc Wirtschaft. 7'/.u.: arvftnlHL Tb. am Xollendorrplata Heute 8'/»: 3 eile Schachlelo. Gr. Freund. E. Liehtenstein In 7v. uhr: Die Puppe. Morgen 3*/.; Der Juxbaroo. Gr. Freund, E. Lichtenstein In 7V. Uhr: Theater d Heute und morgen t«/, uhr: 4 Einakter. Wnllncr-Thcnter Heute und morgen t1/. uhr: Mandragola. Die Puppe. d. Fricdricjistiidt Luisen-Theater. Montag4 3 Kabale d. Liebe 'fch iMlsctieue Dame. Diens-9. Qenovela nnd tag u. die Hlracbknb APOLLO Friedrichstraße 218| Dir.; James Klein 3|| An beiden«Jjl 1 I, Feiertagen/. I« 2 Vorstcilg.* 11 1 Gastspiel IHerriei 1 m. seiner aus 28 Per- 1 | sonen bestehenden) | Gesellschaft in der> 3aktigen Burleske IWer ist der Vater? 1 Vorh. Spezialitäten! j | Nachm. 3V, leder I | Erwach». 1 Kind frei II Theaterk.»b w Uhr[ ununtetbr. geöffnet iALtXANDEW$TRS5| Lnctaplll en-Wolf Else Ca, eil Kurl Stähr i Schwestern Lück Alfred Jan»»n Manr Wattcr Rost KSrner Am Flügel: Sawade Confc Helnelu» Ebener- Konzert*. Strlitter frater 7/9 KaßtznienqWO 7/9. ZäglUK: TarletMiiraktloneiL «niatttt Ubr. Am L und 2 Sticnog; Früb-VorsielluiigeooiltBatL Anfang 6 Übt. I.rnalnsr-Thrntpp Sommeizpielz.: H. Sternberg. 3; Der Raub der Sabinerinnen. 8 Ubr; Cherleys Tante, Gastspiel Guido Thielscher Montag u. folg. Tage 8 Ubr; Charley» Tante. DentBchea Kllustler- Thcntcr. Sommerspielzeit. Dir. Max Adalbert/ Kurt Gütz. 3 U. Mein Nachbar Ameise. 7V, Uhr: Die Rutschbahn. Montag u. folg. Tage 7V, Uhr: "Theater am Koftbus.Tor Allabendlich 7 V, Uhr: Eliie- Sänger Ä Stettiner Sänger Ruselli, Horst, Seidel usw. Humor. Spielpl. Sommerpreise! Im Garten: BIÜthcen-Konzert Voißt-Tiieater Uadstr. 58.# Tägl. Gr. Volkskonzert. Ab Pfingsten: Das Musikantenmätlel. Eröffn. 3Uhr. Anf.SUhr. Winfev-Gadeti. An den beiden Feiertagen je 2 Vorsiellungen 2 ZV, Uhr Kleine Preise Kind d. Hälfte!_ Variete-Spielplan — Rauchen gestattet. Höngen 2 r|n5if| FrledrtcHtrin« äollindoilplth EinHödcbennus guter Facillie Lastspiel mit HiSd« Wörner Alexanderpl&ts Weib gegen Weib Setaauplel mit Charlotte BSckHn Bin intimes Souper Lustspiel mit Leo Peukert, Ortrun Wagnar, Herbert Paulmüller Welnbergzweg Fräulein Baronin Lastapiel mit Hilde Wörner Moritzpiau/ Hasenheld« ßebellenllebe Schauspiel mit Bruno Decarll Harry Llodtke Lo Holl Begie: Heinz Karl Heiita j Schöneberg Revolutfons« Hoctizoit Schauspiel mit Waldemar Psilander Fräulein Baronin Lastspiel mit Hilda VVBrner Wochentag» 8, 8 Ehr Sonntege 4, 6, 8 Uhr Der«ret* Film derMaxtm-KIaeee nach dem ll man von Hans Hyan Begie: Carl Froelicb Baaptdzrsteller; Gertrud Welcker Carl Auen Else Berna Pletpo Scholz Max Adalbert Vo;»9:kt«l«.derI«ge;lta'.«i 12-1 Utr.FrtHurttiitcgclug Wochentage 8, 8 Uhr Sonntage 4, 8, 8 Uhr Potsdamer Str. 38 Der große Prunklilm Das Buch Esther Turautr. 12 Eva May im Lustspiel Die vern ansehen* Prinzestin AloxanderpUtz-Pasuge. Friedenau, Rheinstr. 14 Die Prostitution ßEietisliall.-Tl!eäter AEabcnbltch»•/.Übt: Stettiner Sänger Mtyfel.BrMon, Ma�Stetblufm� WM 29M> fitt«ttsommluiiaen Itub«er» »ine bi» 809 Personen zu oe» (Zquitsdle) Frledrlclistr.§3, 00. uip�sir. Jeden Abend: Serenissimus Hyronimus XVI. mit seinem Die Höchstleistung unterhlt Komik Hansi Etzer Siegfried Glaser Qy Holl Walter Grosch Lta Berg Rosendtel 50 Billard» IHJ IE N M Tr PORTE fcJ € «OZARjr SAAL An Admlrals-Falast beiden Festtagen 2 Vorstellungen! 4 und 8 Uhr Großer Hcllerkelts- erfolg: Im GepM Tanz-Revue sitaerWalzeri Adi.iiralS'Kina, i Die schwarze Loge, j 1 Alfred Abel, Lori Leux. Frau Memnets Tochter. Kurtürttendamm 236. Direktion i Siegben Goldschmidt. Unwiderruflich letzte 2 Tage! Der Verjflbrer Drama in 4 Akten von Joaot Pahots. AuBordtm: Der nrkomlnchc Max£inder In der Humoreske Max gegen den Oelektlv Mic Winter 3, 430, 6. Clroua«CT oiisch Heute 1. u. 2. Feiertag je 2 Vorstetig. 3>/, u. 7'/, Nachm. I elg. 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Die Abspeisung des Reichswirtschaftsrats m i t nur gutachtlicher Tätigkeit in wirtschaftlichen Fragen ist eine Halbheit, die weder den Interessen der Arbeiter, noch denen des gesamten deutschen Volkes gerecht wird. Sie ist keineswegs geeignet, die von allen Se'ten gewünschte Beruhigung zu bringen, sie wird vielmehr zn neuen schweren Komplika- t i o n e n führen. Der Zentralrat richtet daher an das Plenum der Nationalver- sammlung die dringende Mahnung, dem Borschlag des BerfassungSausschusscs die Zustimmung zu verweigern und ersucht das Plenum, sich dem vom zweiten Rätekongreh gefaßten Beschluß, Kammern der Arbeit auf berufsständi scher Grundlage zu errichten, anzuschließen. * In seiner letzten Gesamtsitzung hatte der Zentralrat den Beschluß gefaßt, daß das System der politischen und kom- munalen Arbeiterräte zur Sicherung ider revolutionären Errungenschaften in Wirksamkeit bleiben solle, bis die Verwalwngs- reform überall durchgeführt fei. In Verfolg dieses Beschlusses hat der Zentralcat nochmals in einem Schreiben an die Preußische S t a a t S re g i er u n g auf die Wichtigkeit dieser Angelegenheit und darauf aufmerksam gemacht, daß die Verschieden- artigkeit der Behandlung andauernde Beunruhigung in den Arbeiterkreisen hervorrufe. Er hat die Preußische Staatsregierung zugleich um all« r sch n ell ste Stellung. nahm« und um eine gemeinsame Besprechung in dieser Frage ersucht. Gleichzeitig hat er sich an die Sozialdemokratische Fraktion und an die Unabhängig« Sozialdemokra- tische Fraktion der Preußischen Landesversammlung gewandt mit dem Ersuchen, in der Landesverfammlung im Sinne deS vom Zcntralrat gefaßten Beschlusses tätig zu fein. Der Staatsgerichtshof. Der Staatenausschutz hat den Entwurf eines Gesetzes über die Errichtung eines Staatsgerichtshofes angenommen. Den Inhalt deS Gesetzes haben wir schon früher mit- geteilt und besprochen._ . versammlungsbereitfchaft öer National- Versammlung. Präsident Fchrenbach hat die Mitglieder der National- Versammlung ersucht, von Donnerstag, den 12. Juni ab in -Weimar anwesend zu sein. Oberleutnant Vogel stellt sich. Em fester Aufenthaltsort angewiesen. DaS Niederländisch« Sorrespondenzbür» meldet, daß sich Oder- leutnant Bogel, der sich unter falschem Namen nach den Niederlanden und zwar nach dem Haag begeben hatte, am M i t t- woch morgen freiwillig dem Direktor des AuS. landSbureanS im Hang gestellt hat. Es ist ihm auf Grund deS Artikels 19 des Ansländergefetzes ein fest er Auf- eathaltSort innerhalb des Landes angewiesen worden. Oberleutnant Bogel hatte sich seinerzeit unter dem Ramen Curt Belsen beim Polizeiburean im Haag angemeldet, da jedoch damals die mit diesem Namen verknüpften Umstände auf dem Polizeiburean nicht bekannt waren, so hatte man dem Oderleut- nant Belsen nicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet als den vielen Ausländern, die sich täglich melden. AlS aber die Flucht deS Ober- leutnants Bogel unter dem Namen Curt Belsen bekannt«iurde, er- inncrte man sich auf dem Polizeibureau, daß sich jemand unter diesem Name« angemeldet hätte. Pia» verfolgte ihn, jedoch rrgebnis« los, bis sich jetzt Belsen freiwillig gestellt hat. Galoppierenüe Schwinüfucht? In der neuesten Nummer(Nr. 18) der von Ernst Däumig herausgegebeneu Wochenschrift.Der Arbeiterrat*>öft in einem gegen Bernstein gerichteten Artikel zu lesen, daß dieser.wieder in den allein selig machenden Schoß der an galoppierender Schwind- sucht leidenden Partei der S. P. D. zurückgekehrt sei'. Beim Partei- vorstand der S. P. D. sind bis heute die Berichte der Organisationen aus 299 Kreisen eingegangen. Am'Schlüsse des Geschäfts- jahres, dem 31. März 1919, berichteten diese über 1 012 299 Mitglieder. In den sehlenden 83 Kreisen sind mindestens noch 85 000 Mitglieder vorhanden. Die Schwindsucht der Partei existiert also nur in den Köpfen der unabhängigen Quacksalber. Toller üarf nicht erschollen werüen. Intervention von Müller und Wels. Weil LetstnS wider alles Erwarten in München erschossen wurde, fürchten weite Ztreiie der Arbeiterschaft auch»yu das Leben des jungen Toller. Die Genossen Müller und Wels haben Toller in Bern keuneu gelernt und sind über- zeugt, daß er— was ihm auch zur Last gelegt werden mag— aus reinem Idealismus gehandelt hat. Sie haben deshalb in einem persönlichen Telegramm des bayerischen Ministerpräsidenten Hoffmann gebeten, ein even- tuelles Todesurteil an Toller nicht voll st recken zu lassen._ Das Schicksal Kranolüs unü Neuraths. In München sind u. a. auch die Genossen Kranold- Chemnitz und Neurath in Haft genommen worden, die dort bekanntlich für die Sozialisierung des Wirtschaftslebens tätig waren. Sie sollen, wie verlautet, demnächst gleichfalls vor dem Standgericht abgeurteilt wenden. Selbst in den bürgerlichen Münchener Kreisen sieht man in dieser Verhaftung einen groben Mißgriff. Die beiden Genossen sind bekanntlich seinerzeit von der Regierung Hoffmann nach München berufen und mit der Umstellung der bayerischen Wirtschast im Sinne des Neurathschen Programms be- austagt Word«. Uot» der Mte�errsäzajt jabe» fc$tc Tätigkeit fortgesetzt, da sie sich als N i ch k p o l i t i s ch e Beamte betrachtetem Neurath hat wiederho.t erkfärt, drß er sich rein als Wirtschaftstech- niker auffasse, der unter jedem System arbeiten könne, wenn man ihm Aktionsfreiheit lasse. Mit den politischen Methoden der Räteherigchaft hat sich Neurath nie identifiziert, im Gegenteil dieses stets auf das schärfste abgelehnt. Was Kranold anbetrifft, so hat er überhaupt nur die ihm im Rahmen seines Amtes erteilten Aufträge durchgeführt. Eine Chemnitzer Versammlung der Bezirksvertrauensleute der Sozialdemokratischen Partei hat zu der Verhaftung der beiden Ge- nassen Stellung genommen, die aus ihrer Chemnitzer Tätigkeit der dortigen Arbeiterschaft persönlich bekannt sind. Eine«instimmig angenommene Entschließung sagt u. a.: Die Chemnitzer Arbeiter haben den hohen Idealismus der beiden inhaftierten Genossen und ihr klares Bekenntnis für eine solidarische Zusammsmrbcit aller der Gemeinschaft dienenden Glieder und gegen Diktatur und Terror kennen ge- lernt. Aus der mehrjährigen hiesigen Tätigkeit des Genossen Kranold ist ihr dessen allezeit mutiges Eintreten für die De- m o k r a t i e und gegen jede Gewaltmethode bekannt. In dem gegen sie gerichteten Vorgehen vermag daher die Versammlung nur einen bedauerlichen Mißgriff zu erblicken, und sie erkläxt ihnen in ihrem Kampfe hiergegen ihre volle Sympathie. Wir möchten wünschen, daß diese Resolution ihren Zweck nicht verfehlt, wenn ja leider auch die bayerische Regierung nach den letzten Erfahrungen auf Mahnungen«aus Norddeutschland nicht viel zu geben scheint._ Prozeß gegen Sauber unü Genollen. Bayerische Mehrheitssozialisten und Räterepublik. In dem HodjverratSprozetz gegen die Kommunistenführer Sauber und Genossen vor dem Standgericht in Würzburg wur- den auch die Minister S e g i tz und Schneppenhorst als Zeu- gen vernommen. Dabei erklärte Minister Segltz laut„Münchener Neuesten Nachrichten' u. a., daß er am 4. April in der bekannten Rätesitzung das Verlangen einer Abordnung, daß die Minister die Räterepublik anerkennen sollen, zurückgewiesen habe. Auch bei einer späteren Aussprache mit Kommunisten habe er die Zumutung, an der Ausrufung der Räterepublik mitzuwirken, ent- rüstet zrückgewiesen. Der als Zeuge vernommene Minister Schneppenhorst betont«, daß das Verlangen einer AugSburger Deputaftvn, die Räterepublik auszurufen, in der bewußten Sitzung entschieden abgelehnt wurde. Auf eine Frage des Verteidigers er- klärte Minister Schneppenhorst mit aller Bestimmtheit, es sei ans- gschlvssen, daß er zu irgendeinem Zeitpunkt sich für die Rätcrcpu- blik ausgesprochen habe. Der frühere Handelsminister Simon bestätigte im allgemeinen die Aussagen der Vorgenannten. Ab- weichend sagte er, Schneppenhorst sei geneigt gewesen, in ein Ministerium der Räterepublik einzutreten, wenn seine Pnrtej einverstanden sei. Schneppenhorst hätte in Nürnberg für die Räterepublik wirken wollen. Weitere Ausführungen Simons veranlatzten Schneppenhorst im Laufe der Verhandlung zu der Er- klärung, daß er Klage gegen Simon stelle. Das Schießverbot vom 9. November Bon Linsingen meldet sich. Wir berichteten jüngst von der Diskussion, die sich über die Frage entsponnen hat, wer das Schießverbot am 9. November er- lassen habe. Der ehemalige Kriegsminister v. Scheüch wehrte sich bekanntlich mit Händen und Füßen gegen der Vorwurf, soviel Ver- nunft besessen zu haben. Nun erklärt der ehemalige Oberbefehls- haber in den Marken, Generaloberst von Linsingen, folgendes: Am ö. November, mfttagS 1 Uhr, sei bei dem Oberkommando in den Marken die Meldung des Stellvertretenden Generalkommandos des Gardekorps eingegangen, wonach die Mehrzahl der Truppen Soldatenräte bildeten,-den Gehorsam verweigerten und von den Waffen, insbesondere von der Schußwaffe, keinen Gebrauch machen wollten. Diese Meldungen verdichteten sich bald weiter dahin, daß auch die wenigen bisher als noch zuverlässig gemeldeten Truppen sich der Bewegung an- schlössen mit solchen Truppen, deren Haltung wesentlich mit durch die Nachricht von der Abdankung des Kaisers beeinflußt worden sei, eine Revolution erfolgreich nicht zu bekämpfen, ein Ersatz durch zuverlässige Truppen in abseh- baver Zeit aber nicht zn erwarten war, habe er um 1 Uhr 13 Mi- nuten mittags selbständig aus eigener Verantwortung ohne irgend- welche Beeinflussung durch den Reichskanzler oder durch den Kriegsminister den Befehl gegeben, von der Schußwaffe keinen Ge- brauch zu machen. Lediglich eine Mitteilung über da? Befohlene sei um 1 Uhr 46 Minuten mittags an den Kriegsminister ergangen. ES ist erfreulich, daß der General von Linsingen nicht wie Herr Scheüch den Vorwurf der Vernunft zurückweist, aber wir müssen hinter sein« Darstellung doch einige Fragezeichen setzen. Wie konnte er am 9. November Befehle geben, da er doch bereits am Tage zuvor zurückgetreten war? t Im übrigen bleiben wrr bei unserer Darstellung, daß dieses Verbot zunächst von der Zivilrgie- rung des Prinzen Max von Baden, und zwar auf besondere An- regung des Genossen Scheidemann, misgegangen ist. Die Dar- stellung Linsingens ist aber jedenfalls di« beste Widerlegung der von Alldeutschen und Unabhängigen aufgestellten Behauptung, als habe am 9. November irgendwelche Möglichkeit bestanden, die Re- volutiou mit Waffengewalt niederzuschlagen. verbot der �Deutschen Zeitung". Aufreizung zu reaktionäre« Putschen. Amtlich wird gemeldet: Das Weitererscheinen der„Deut- schen Zeitung" ist bis auf weiteres imtersagt worden. Grund zu dem Verbot war der in der Freitagsnnmmcr zum Abdruck gebrachte Artikel„Der Worte sind genug gewechselt", insbesondere der letzte zu eigenmächtigem bewaffneten A u f st a n d anreizende Absatz dieses Artikels. Y» Wir sind keine Freunde von Zeiwngsverboten, aber die„Deutsche Zeitung' selber, die oft genug nach gewaltsamer Unterdrückung aller Aufstandsversuche geschrien hat, wird nun sicher auch in diesem Falle damit einverstanden sein, daß ihre eigenen Putschgelüste in der von ihr selbst gewünschten Art be- handelt werden. Was uns an der Sache mit Befriedigung erfüllt, ist nicht die Tatsache eine? Zeitungsverbots, sondern der Umstand, daß der Reichswehrminister einen deutlichen Beweis liefert, daß er seine Kraft nicht nur gegen die Putschisten auf der äußersten Linken, sondern mit gleicher Energie auch gegen die auf der äußersten Rechten zur Anwendung bringt. Damit widerlegt er die radikale Agiwtionsphrgse, daß er der„Gefangene' dieser Kreise sei. Dabei müssen wir allerdings betonen, daß die An- Hängerschaft, die hinter dem alldeutschen Hetzblatt steht, nicht überschätzt werden darf, im Ernstfall würde die Handvoll all- itailffiw:-jovert fechen,_ 1 Gin neuer putsch in öer Pfalz? Verwahrung der Zentrumspartei. Die„Neue Badische Landeszeitung" erfährt aus zuver- lässiger Quelle: Die Walz scheint nicht zur Nnhe kommen zu dürfen. Kaum hat man etwas aufgeatmet, nachdem der Putschversuch am Sonntag so gründlich mißglückt und die Protestversammlungen am Montag so glänzend verlaufen waren, so schwirren schon wieder Gerüchte von einem neuen Putschversuch umher. Diesmal soll es etwas schlauer angefangen werden, als am 1. Juni. Das französische Militär soll nicht wieder so zurückhalteich sein. Man munkelt davon, daß diesmal viele Elsässer— man spricht von einigen Sonderzügen— kommen sollen, vielleicht auch französische Soldaten, jedenfalls aber Propagandaoffiziere in Zivil, die schon bisher als„deutsche Patrioten" cm den Versammlungen, beispielsweise im„Gambrinus" in Speyer, teilgenommen hätten. Die Anwesenheit dieser„sicheren" Per- sonen genügt natürlich nicht, und deshalb soll am Tage vor dem nächsten Putschversuch der ganze Zugverkehr nach Speyer eingestellt werden, dannt ja keine Pfälzer nach Speyer kommen können. Aber auch die Speyerer selbst sind überflüssig; damit sie nicht in Versuchung kommen, zu dem großen Ereignis zu eilen, jagt man sie vorher mit- tels Alarm in ihre Häuser. Auf Alarmvorschriften wurde deshalb dieser Tage in den Zeitungen erneut hinge- wiesen. » Die Fvcmkfurter Zentrumspartei hat sich m ihrer Hcruptvorstanbssitzung am 3. Juni einstimmig und entschieden d a- gegen verwahrt, für die Loslösu-ngsbestrebungen im Rhein- land und Nassau verantwortlich gemacht zu werden, und sich der Ablehnung dieser Bestrebungen durch die Zentrums- sraktion der Nationalversammlung und der Preußischen Landes- Versammlung angeschlossen. Lohnerhöhung im Nuhrtohlenbergbau. Aber auch Kohlenpreiserhöhung! In den Verhandlungen zwischen den Bergarbeiterverbänden und dem Zechenverband kam es zu folgender Vereinbarung: Die Vertreter der Bergarbeiterverbände verpflichten sich, entspreckend der am 8. Mai getroffenen Vereinbarung mit allem Nachdruck dafür einzutreten, daß die Kohlenpreiserhöhung in der schon damals für erforderlich gehaltenen Höhe in vollem Umfange genehmigt wird. Unter dieser Voraussetzung erklären sich die Ver- treter des Zechenverbandes bereit, den Verbandsmitgliedern zu em pfehlen, vom Tage des Eintritts der KohlenprerScrhöhung sab 13. Juni) eine Zulage von durchschnittlich 2 Mark je Mann und Schicht zu gewähren._ Der Verfaß ungsaussthuß üer deutschen Nationalversammlung nahm den Artikel 19 in der Fassung eines Antrags Koch- Ca s s e l(Dem.) an, wonach im Reichsrat jedes Land mindestens eine Stimme hat, bei den größeren Ländern auf je eine Million Einwohner eine Stimme entfällt und kein Land mehr als ein Drittel aller Stimmen haben darf. Außerdem wurde eine Resolution Koch angenommen, die Regierung zu ersuchen, um baldige Vorlage eines Gesetzes, wonach die Staaten unter einer Million Einwohner durch verfassungS- gebendes Reichsgesetz beseitigt werden können. In Ar- ftkel 21 wurde gleichfalls auf Antrag Koch eine Uebergangs- bestimmung beschlossen, wonach bis zum Erlaß eineS Landes- gesetzes. aber höchstens auf die Dauer eines Jahres, die sämtlichen preußischen Stimmen im ReichSrat von Mitgliedern der Regierung abgegeben werden können. Im Abschnitt Reichstag blieb«es entgegen einem Antrag Ablaß(Dem.), der fünf Jahre verlangte, bei der dreijährigen Legislaturperiode, wie sie in erster Lesung beschlossen worden war. Ein« längere Debatte entstand über die Frage, ob und in. wieweit allen Ausschüssen des Reichstages, nicht nur den besonders eingesetzten Untersuchungsausschüssen, insbesondere dem ständigen Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten und dem außerhalb der Sitzungsperiode tätigen Ausschuß zur Ueberwachung der Regierungstätigkeit das Recht zu selbständigen Unter- suchungen gegeben werden soll. Der Ausschuß hielt entgegen dem Antrag Katzen st eins(Soz.), der die grundsätzliche Oesfentlichkeit für geboten hält, um jedes Mißtrauen zu beseitigen, bezüglich des UntersuchungSaus- schusses an der Fassung erster Lesung fest, änderte jedoch das Wort„einstimmig' in„mit Zweidrittelmehrheit'. Dasselbe wurde für den Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten beschlossen. Angenommen wurde ein Antrag Davidsohn(Soz.), wonach .wahrheitsgetreue Berichte auch über die Aus- schußverhandlungen deS Reichstages straffrei fein sollen. Zum Abschnitt „ReichLpräsibenft' wurde auf Antrag Koch- Cassel(Dem.), mit dein sich(Abg. Qua r ck(Soz.) einverstanden erklärte, beschlossen, daß Hür die Wahl des Präsidenten die relative Mehrheit entscheiden soll. Bezüglich der Amtsdauer des Reichspräsiden- ten blieb es bei sieben Jahren, nachdem ein sozial- demokratischer Antrag aus fünf Jahre aflge- lehnt war.. Die Debatte wandte sich dann dem Abschnitt„Finanz- und Handelswesen' und den Fragen der Zoll- und Steuergesetz- gebung zu. Di« Beschlüsse in erster Lesung blieben im wesentlichen un- »erändert, ebenso im 6. Abschnitt über das Verkehrswesen. Gegen Unbesonnenheiten ist vorgesorgt! Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Die.Freiheit' veröffentlicht einen Aufruf des akademischen Heimatdienstes. Die Studentenschaft soll aus- gerufen werden, für den Fall eines polnischen Einfalls zu den Waffen zu eilen. Es versteht sich von selbst, daß die Reichsgrenze gegen eigenmächtigen Einfall verteidigt werden muß, aber ebenso selbstverständlich ist es. daß der Befehl zu solcher Verteidigung nur von den zuständigen Stellen der Reichsregierung ergehen darf, und daß jede selbständige Unternehmung solcher Art mit allen Mitteln zu verhindern sein wird. Daß der akademische Heimatdienst mit seinem Flugblatt in eigener Verantwortung gehandelt hat, braucht nicht betont zu werden; daß aber aus derartigen Unbesonnenheit«» für die Allgemeuchest keine schlumuea Fol» KM erwachse«, dafür ijt»vrgel»r«t. GewerkschaflsbellMmg Schiedsspruch im Dachdeckcrgewerbe. Wegen der Bezahlung der erhöhten Stundenlöhne im Dach« deckergewcrhe von Groh-Berlin innren mit den Arbeitgebern Diffe- renken entstanden. Zur Schlichtung dieser Differenzen tagt« am 5. Juni der SchlichlunqsausschuK für da» Baugewerbe von Groß- Berlin. Nach der Verhandlung der einzelnen Streitgegenstände wurde folgender Schiedsspruch gefällt: 1. Auf Grund der Vorbesprechungen über das Zustandekommen eines neuen Tarifvertrages im Dachdeckergelvcrbe Groß-Berlins sind die Arbeitgeber verpflichtet, ab Montag, den 7. April Iblü, den Dadhdeckergesellen einen Stundenlohli von 2,4!) M. zu gewähren und, sofern dies nicht geschehen ist, die Differenz nachzuzahlen. 2. Nachdem vereinbart war, daß die Maucergesellenlöchne des L>ochbaugewerbcs ohne>veite:es auch für Dachdcckergesellen gelten sollten, muß der Lohn' der Tachdechergescllen vom Sonnabend, den 17. Mai 1019, ab 2,7S M. betragen. Soweit dieser Lohn bisher nicht gezahlt wovden ist, muß die Differenz nachvecgütet werden. 3. Der SchlichtungSausschuß gibt den Parteien auf, sofort in Verhandlungen über die Festsetzung eines Tarifvertrages einzu- treten und er gibt ihnen insbesondere auch auf, bei diesen Ver- Handlungen die Regelung der.Hilfsacbeiterlöbne vorzunehmen. Sollte der Tarifvertrag bis zum 9. Juli 1919 von den Par- teien. noch nicht unterzeichnet sein, so soll der Schlichiungsausschuß endgültig über die alsdann noch verbleibenden Streitigkeiten wegen des� Tarifvertrages entscheiden. Zu diesen Streitigkeiten soll auch gehären, wenn eine Verständigung über di« HilfSarbeiterfvage nicht erfolgt ist. Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gaben vor dem Schlichtungsaus- schust die Erklärung ab. daß sie den Spruch des SchlichtungSauS- schusfes als rechtsverbindlich anerkcn.rcn wollen. Nach dieser Er- klärung haben alle Arbeitgeber von Groß-Berlin die erhöhten Stundenlöhne vom 7. April resp. vom 17. Mai ab nachzuzahlen. Von den Arbeitnehmern hat nienlind weitergehende Forderungen zu stellen. Etwaige Beschwerden wegen der Nichterfüllung des Schiedsspruchs sind an den Vorsitzenden des Zentralausschusses der Dachdecker, Karl Görnitz, Berlin C. 54, Sophienstr. ö, zu richten. Telephon: Amt Norden, Nr. 2583. Ävtt NOO organisierte Landarbeiter. „Der Landarbeiter", das Organ d«S Deutschen Landarbeiter. Verbandes, teilt in seiner soeben erschienenen Juni-Nummer mit, daß die Organisation«uf 200000Mitglieder angewachsen ist. Die Lohnbewegung der Portiers. In der starkbesuchten Mitgliederversammlung des Deutschen Portier-Verbandes im„Königstadt-Kasino" wurde zur Lohnbewe- gung eingehend Stellung genommen. Der Obmann der VerHand- lungskommission gab einen ausführlichen Bericht über die bisher gehabten Besprechungen mit dem Bund der Haus- und Grundbe- sitzervereiue: es war daraus zu entnehmen, daß genannter Bund versucht, die Verhandlungen möglichst in die Länge zu ziehen. In der darauffolgenden Diskussion, an welcher sich ein großer Teil der Mitglieder beteiligte, wurden all die Uebelstände im Portierberuf geschildert; namentlich die erbärmlichen Löhne, WohnungSvcrhält- nisse und Mictsverträge. Von letzteren wurden einige verlesen, sie spotten, was Fassung anbelangt, jeder Beschreibung. Den zuständi- gen Behörden wird hier Gelegenheit gegeben, einzugreifen. ES gelangte folgende Entschließung zur Annahme: „Die Mitgliederversammliuig des Deutschen Portier-Verbandes nimmt Kenntnis von dem Briefe de» Bundes der Haus- und Grundbcsitzervereinc vom 2. Mai. Die Versammlung erblickt in den Ausführungen des Bunde? eine Verschleppungstaktik, die sie sich keineswegs gefallen lassen kann. Die drückende Ivirtschaftlichr Notlage zwingt die Versammlung, den Vorstand und die Verhand- lungskommission zu beauftragen, sofort den SchlichtungSausschuß anzurufen und dessen Entscheidung in einer öffentlichen Versamm- lung mitzuteilen, welche über die letzten Schritte unsererseits zu beschließen hat. Zum Streik der Tapezierer. Die Berliner Tapczicrergehilfen versammelten sich im Gcwerk- schaftshause, um den Bericht über den Stand des Streiks entgegenzunehmen. Die Gehilfen hatten zum Ablauf des alten Tarifs am 15. Mai Forderungen an die Unternehmer gestellt, die folgende Hauptpunkte enthielten: Mindestlohn für Gehilfen 3,59 M., für Näherinnen 2,25 M., für Gehilfen bis 2 Jahre nach beendeter Lehrzeit 3 M. Arbeitszeit wöchentlich 45 Stunden, jedoch sollte dir Vereinbarung betreffend der 4l)stündigen Arbeitszeit vom 29. März bestehen bleiben. Ueberstunden sind verboten. Anerkennung der Betriebs- und Arbeiterräte seitens der Unternehmer. Die Antwort der Unternehmer ging dahin, auf die bestehenden Löhne nur 39 Pf. zuzulegen und einen Durchschnittslohn von 2,29 M. anzuerkennen. Lohn für Ausgelernte soll der freien Vereinbarung unterliegen. Arbeitszeit 48 Stunden. Ueberstunden sind zuzulnssen, dafür 25 Pf. pro Stunde Zuschlag. Nichtanerkennung-der Betriebs- und Ar- beiterräte. Daranshin hatten die Gehilfen mit überwiegender Mehrheit beschlossen, zur Durchführung ihrer Forderungen in den Streik zu treten, der jetzt 14 Tage dauert. Die Haltung der Gc- Hilfen ist musterhaft. Die Unternehmer haben den Schlichtung»- ausschuß des Demobilmachungsamts angerufen, der am Freitag- vormittag die Parteien zur Sitzung eingeladen knt. In einer er- neuten Versammlung der Gehilfen soll der Schiedsspruch des De- mobilmachungsamts bekanntgegeben werden. In einer stnrkbesuchten Eisenbahner-Versaminlung im„Cöpe- nicker Hof" wurde scharfer Protest gegen die beabsichtigte Form der Wahl zu den Orts- und Bezirks auSschüffen eingelegt. Alle Redner waren sich darin einig, daß nur durch eine Wahl'aus demokratischer Grundlage die geeigneten Vertreier in die Ausschüsse gelangen können. Aus der Mitte der Versammlung kam immer wieder der Ruf nach der unbedingten Einigung zwischen Beamten- und Arbeiter- schast. Besonders wurde auch gegen daS noch immer herrschende bureaukratische System in der Eiscndahnbcrwaltung von der Ver- sammlung schärfster Protest erhoben. Christlich organisiert, aber Streikbrecher. Vom Verband der Fleischer wird uns geschrieben: Die organisierten Fleischergcsellen waren kürzlich überrascht, daß die gelben Fleischergescllenvereine dem Ortskartcll fc&r christlichen Gewerkschaften angeschlossen seien. Gelegentlich einer Ver- Handlung bei der Erwerbslosensürsorge erschien nuch der christliche Gewerkschastssekretär Riedel in Gemeinschaft dieser Gelben an der Spitze des berüchtigten Brednow, der bisher von den Unternehmern als Führer der Gelben ausgehalten wurde. Herr Riedel bcam- spruchte volle Gleichberechtigung dieser Gelben, die sicb seit 15 Jahren lediglich am Strcikbruch und in der B.'kämpfung der frcigcwcrk- schaftlichen Organisation betätigten, weil sie jetzt den Christlichen angeschlossen seicn. Einige Tage sväter zeigten diese Gelben, daß sie trotz der christ- lichen Firma, die sie sich nur zulegtest, um von den Behörden aner- kannt zu werden, im Grunde dieselben geblieben sind. Am 27. Mii erboten sie sich, der Firma Otto Haake u. Faupel, Konservenfabrik in Britz, bei welcher die Beschäftigten wegen Ablehnung der Lohn- sorderung im Streik standen, jede Anzahl Streikbrecher zur Ver- fügung zu stellen. Herr Brednow selbst begab sich persönlich ins Kontor der Firma, um den Streikbruch zu organisieren. Es wurden auch tatsächlich ein Teil Leute dorthin entsandt, die aber ihr schänd- lickbes Handwerk nicht ausüben konnten, weil indessen ein« Einigung mit dem Zcntralverband der Fleischer, dem Verlrmd der Maschinisten und Heizer und der Firma erzielt lvurde. Da? kommt da- von, wenn die ckiristlichen Gewerkschaften nur in der Sucht einige Mitglieder zu bekommen, ausgesprochene Gelbe in corpore über- nehmen. Neue Vereinbarungen in der Metallindustrie. In unserer Veröffentlichung über die von den Angestellte nver- bänden mit den: Verband Berliner Metallindustrieller getroffene UrlaubSrcgelung ist ein Satz ausgefallen. Zu den dort angegebenen llrlaubssätzcn kommt noch hinzu, daß Angestellte in angestelltenver- sichcrungspflichtiger Tätigkeit, wenn sie das 39. Lebensjahr voll- endet haben, einen Urlaub von 21 Tagen erhalten. ReichStanf für Versichcrungsangestellte. Zu der in Nr. 284 er- folgten Veröffentlichung sendet uns die Filialdirektion Berlin des Allgemeinen Deutschen Vcrsicherungs- Vereins A.-G. Stuttgart eiw Zuschrift, in der sie betont, daß die hiesige..Bezirksdirektion" des Stuttgarter Vereins seit jeder, auch nach ihrer Neubesetzung am 1. April 1918, organisatorisch und verwaltungstechnisch eine gegen Provision für verschiedene Gesellschaften arbeitende Generalver- tretung war. Auch sind die Dienstverträze des Personals nicht mit der Direktion de» Vereins, sondern mit dem Bczirksdirektor geschlossen. Der Angestellteua-rlsschuß der Bezirksdirektion hrt selbst den Charakter der Bezirksdirektion als Provisionsgeneralvertretung anerkannt und zugegeben, daß die Vereinbarungen, die der Arbeit- geberverband mit den Angfftclltenverbänden über die Arbeitsbedin- gungen der DirektionSangestellten getroffen bat, auf die Angestellten der Bezirksdirektion nicht anwendbar sind. Neu geregelt wurde jetzt lediglich das rein persönliche Vcrtragsverhältnis des Bezirksdirektor» zum Verein. Mit Mißständen in den Gcmeindebetricben Schöncbergs beschäftigte sich eine Versammlung aller dort beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Der StZirdtverwaltung wurde bon den Vcrsammel- ten der Vorwurf gemacht, daß sie diese Küchen noch immer in pri- Vater Regie beläßt. Auf Grund dieser Tätsache sind die mißlichen Verhältnisse zurückzufübrcn. Ein aitwesendcr Stadtverordneter versprach für Reformen einzutreten. Einer sehr scharfen Kritik wurde von den Versammelten ein llkas unterzogen, den die Stadtvcrord-� netenversammlung erlassen hatte und dem auch der Magistrat zu- stimmte. In dem Uhrs ersucht die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, gegen die Uebergriffe des A rbe i t e rau s j ch u ss c s, die ftrs politische Selbstbcstimmungsrccht der städtischen Arbeiter mit Füßen tritt, mit allem Nachdruck einzuschreiten und durch Anschlag in den städtischen Betrieben den Arbeitern zur Kenntnis zu brin» geu, daß ein derartiger TcrroriSmus in Schöneberger Betrieben nicht geduldet wird. Der Grund zu diesem Beschluß der Stadtver- ordneten war die Tatsache, weil der Arbeiteraussckmß der Straßen- reinigungSbetriebe an einige Nichtorganisierte resp. im H.-D. Ete- wcrkverein organisicrie Arbeiter die Forderung stellte, sich der zu- ständigen Oryinisation, dem Verband der Gemeinde- und Staats» arbeiter anzuschließen. Die Versammelten erklärten, bei nicht sofortiger Entfernung der Plakate au? den Betrieben, auch vor dem äußersten nicht zurückzuschrecken. Holzarbcitcrverband. Freiiag, 20. Juni, abend? 7 Ubr, findet im Gewerkschastshans, Engelufer 15, die ordenllich« Generalversamm- lung statt. Tagesordnung: 1. Bericht vom 1. Quartal. 2. Ersatzwahl eines Beistvcrs in die Verwaltung. Z. Wahl von 10 Bureau- an gestellten. 4. Anträge. Anträge sind bis zum 14. Juni an das Bureau einzureichen. Tclcsunkcn Arbeiter. Die Arbeitszeit beginnt am dritten Feiertag Tempcihoser Hier 7 Uhr, Beuthstraße 14S Uhr, Friedrichstraße und Belle-Alliance-Straße wie üblich. Verband inaktiver Nntcrofsiziere, Ortsgruppe Berlin. Die auf Frei- tag abend festgesetzie Sitzung der PertrauenSleut« der Formationen findet am Dienstag, den 10. d. Vits., abends Klb Uhr in Rolands Diele, Elsasser Straße 26, statt VlrrantoortUifi für Polig! Dr. Werner Peffer, Cbarlvttenbnrg, für den ührigeu ffeif des Blattrs: Alfred Scholz, Rculolln: für Anzeige»: Theodor»locke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Vorlag tb. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdruckern und Verlazonnstalt Vaul Singer u. Co. in Berlin, Lindcnstr. 8. 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