Ur. 393. 36. Jahrg. Bezugspreis: JBimcliahiI. 7,50 Mi. mouatl 2�0 Mr. frei ms Haus, voraus zahlbar. Einzeln« Zlummern 10 Pfennig. Postbezug: Monatlich 250 ML, cj!L Austellungs- gedllhr. Unter Kreuzband für Deutschland u. Oesterreich-Ungarn 5,75 ML. für das übrige Ausland S.75 ML, bei täglich einmaliger Zustellung 7,75 ML Postbeilellungen nehmen an Däne- marL Solland, Luxemburg. Schwede» und die Schweiz. Eingetragen in dir Post-Zeitungs-Preisliste. Der.Borwärts" erscheint wochentäglich zweimaL Sonntags einmal. Morgen-Ausgabe. Tetegramm-Adreffe: «Sozialdemokra» verlin- Serlinev Volksblstt. �10 Pfennig� NnzeigenpreiS: Me achtgespaltene NonpareMezeil« kostet ILO MI.»klein« Anzeigen-, das fettgedruckte Wort 50 Psg. izulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 25 Pfg. Stellengesuche und Echlafstellenanzeigen da» erste Wort 40 Pfg., jedes weitere Wort 20 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Tcueningszuschlag 50%. 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Juni.(Eigener Drahtbericht des„vor- wärtS"� Der„TempS" meldet aus Washington: Der Präsident Wilson hat dem Borsttzenden des Ausschusses für auswärtige An- selegeuheite» ei» Telegramm gesandt, das eine Unter- s» ch«« g darüber verlangt, das, sich Personen im Besitze de« Wortlaut« de« Friedensvertrages befinden, die keineswegs befugt waren, sich den Wortlaut zu verschaffen. Es sei von höchstem Interesse, den WorUaut rineS Dokuments nicht zu veröffentlichen, das gegenwärtig noch Gegenstand von Brrhand- lunge» und änderuugSfähig ist. Wilson fei sich vollständig bewußt, daß seine Ehre auf dem Spiele stehe. Er sei in dieser Angelegen- hei« im selben Sinne und in derselbe» Weise amtlich festgelegt, wie dir Vertreter der anderen Großmächte. Er sei davon überzeugt, daß seine Landesgenossen nicht von ihm erwarten, daß er das ge- «ebene Wort verletze«ad er hoffe, daß die Untersuchung orL«dltch durchgeführt wird. Und unmittelbar unter diesem Telegramm Wilsons bringt der„TetnpS" aus Washington folgendes Telegramm: Als Ant- wort auf die Beschuldigung, daß die Kopie des Friedensvertrages nicht»nthentisch sei, begann der Senator Borah(?) den Bertrag von de, Tribüne de? Senats aus zu verlesen. Die Demokraten versuchten, diese Verlesung als reglementswidrig zu verhindern, aber der Senat beschloß mit 43 gegen 24 Stimmen, dem Se»atvr die Erlaubnis zu erteilen, die Verlesung fortzusetzen, worauf«orah während einer Stunde weiter las. Alsdann gaben dir Senatoren, die der Verlesung Widerstand geleistet hatten, nach. Daraufhin gab der Senat den Befehl mit 47 gegen 24 Stimmen, daß der Druck des Bertrages als öffentliches Dokument vorgenommen werde. Mo öoch Vergewaltigung öer wilson-Iüeale Ein vielsagendes Dementi. Amsterdam, 10. Juni. Der Pariser Kocvespoildent der„Daily NewS' meldet, er fei ermächtigt, der Behauptung entgegenzu- ■treten, datz Wilson erklärt habe, der Friedensvertrag sei voll- ständig in Uebereinstimmung mit den 14 Punkten. Wilson habe niemals, weder öffentlich noch privat, irgend etwas Derartiges gesagt. . Entgegenkommen öer Entente. Tie Frage der deutschen Kolonien. A m st e r d a m, 10. Juni.(T. K.) Wie die„Daily Mail" aus Paris berichtet, wird die Antwort der Alliierten auf die deutschen Gegenvorschläge ein sehr umfang. reiches Dokument darstellen und dreihundertfünfzig cngbeschriebene Seiten umfassen. ?lus offiziös inspirierten Mitteilungen an die englische Presse läsit sich mit Gewißheit erkennen, daß die Alliierten in ihrer Note Zugeständnisse von einschneiden- der Bedeutung an Deutschland machen werden und daß darüber auch bereits im Vicrerrat völlige Einigkeit erzielt worden ist. Haag, 10. Juni.vill auf dem alten Boden sozialdemokratischer Grundsätze. Wenn wir für diese Art von Einigung eintraten, spotteten die Unabhängigen, wir forderten sie zur Mckkehr in den Schoß der allein scligmachcndcn Kirche auf. Das Beispiel Ed. Bernsteins zeigt, daß eine so ernste Frage nicht mit frivolen Witzeleien erledigt werden kann. Bernstein hat sich mit schlichter Selbstverständlichkeit wieder eingefunden, ohne daß ihm von irgend einer Seite das geringste Opfer der Uebcrzeugung zugenrutct»vorden wäre, und die Partei hat ihn sogleich eingeladen, vor ihrem höchsten Forum die Meinung zu vertreten, die er für die richtige hält. Damit ist gesagt, daß jeder, der Sozialdemokrat geblieben ist, der die demokratischen Grundforderungen der Partei noch nicht preisgegeben hat, seinen vorbehaltlosen Platz in der sozialdemokratischen Partei findet. Die alte Partei ist und bleibt der Sammelpunkt aller wirklichen Sozialdemokraten. Sie will die Kritik nicht unter- drücken, verschiedenen Meinungen in ihrem Rahmen Raum gewähren— nur die Einigung nnt Leuten, die nicht mehr Sozialdemokraten sind, hält sie für unmöglich. Das kam auch im Referat von Wels zu klarem Ausdruck. Das ist der Sinn der heute gefaßten Beschlüsse. Bern- stein wird nach Scheideinanns Referat über die Aufgaben der Partei in einstündiger Redezeit über die auswärtige Politik sprechen. Die Debatte über beide Punkte wird z u- s am mengelegt._ wutgefchrei öer franzofifihen prefie. Genf, 10. Juni(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts'.) Die Meldung, daß Deutschland im Oktober in den Völkerbund aur- genommen werden soll, veranlaßt die französische Presse zu leb- haften Protesten. Im„Echo de Pars" schreibt Pcrtinax unter der Ueberschrift:„Deutschland beginnt zu lächeln', der Friedensver- trag sei in Gefahr.„Echo de Pars' sieht sich genötigt, die außer- ordentliche Wirksamkeit des Begleitschreibens vom 29 Mai anzuerkennen, nach dessen Ueberreichung der deutsche Himmel sich aufgklärt habe. Das Blatt sieht Frankreich den Sieg entgleiten und fordert die Regierung auf, durch eine energische Tat den Sieg wieder herzustellen. Es ist bezeichnend, daß 54 Zeilen des Artikels von der Zensur gestrichen sind. In gleichem Sinne schreibt der „Matin' unter der Ueberschrift:„Der französische Sieg ist in Ge- fahr'. Infolge der deutschen Gegenvorschläge und der Kampagne der engischen Zeitungen sei eine radikale Aenderung des Geistes des Friedensvertrages zn befürchten, so daß es weder Sieger noch Besiegte gebe und das geschlagene Deutschland leicht ge- rettet neben dem siegreichen Frankreich stehe. Die.Humanite' legt ein warmes Wort für Toller ein und bittet im Namen der französischen Sozialisten die Regierung Hoffmann, sich nicht mit seinem Blute zu beflecken. Hesetzung Malmeöps öurch öie Selgier. Haag, 19. Juni.(HN.) Aus Brüssel wird gemeldet: Man berichtet, daß die belgischen Truppen am Tonnerstag Ralmcdy bejctzeg werden. die /Ilten über die /Irmenier- frage. In der Zeit zwischen Frühjahr und Ende des Jahres 1913 spielten sich auf den verschiedenen mit Armeniern be- siedelten Plätzen des türkischen Gebietes furchtbare Dinge ab. Große Teile des armenischen Volkes, Frauen und Kinder einbegriffen, wurden unter dem Vorwaiide von KriegSnot- wendigkeiten und als Strafe für das Verbrechen einzelner Armenier deportiert und sind in Massen getötet oder tödlich dem Hunger und den Strapazen ausgesetzt worden. Diese entsetzliche Tragödie der Armenier ist in Deutschland nicht bekannt geworden, weit die Zensur des alten Regimes jede Veröffentlichung darüber unterdrückt hat. Im Ausland wurde aus der erzwungenen Schlveigsamkeit der deutschen Oeffentlichkeit hetzerisch eine Mitschuld des deutschen Volkes an den fürchterlichen Vorgängen konstruiert. Das danken wir den alten Gewalthabern. Für die Ausrottung des größten Teiles des armenischen Volftjs gibt es keine Beschönigung. Dieser in der neueren Geschichte unerhörte Vorfall ist ein Gewaltakt brutalster Art gewesen. Wenn wir das aussprechen, so wissen wir, daß damit nichts Böses gegen das türkische Volk selbst gesagt ist. Denn dieses mit uns heute noch durch warme freundfchaft- liche Gesinnung verbundene Volk hat über die Urheber rr.d Organisatoren der Grausamkeiten gegen die Armenier stets ebenso geurteilt wie wir. Jetzt hat Dr. Johannes Lepsius, ein bekannter Ar- memerfreund, eine Sammlung diplomatischer Aktenstücke(Deutschland und Armenien, Tempelverlag Potsdam) veröffentlicht, die uns nicht nur einen großen Ueberblick über die Summe von Scheußlichkeiten, durch die ein großer Teil des intelligenten Volkes im vorderen Oricnb vernichtet worden ist, verschaffen, sondern auch dartun, daß seitens der deutschen Regierung alles ge s ch e h e n ist, was zum Schutze der Armenier von ihrer Seite aus möglich war. Diejenigen Armenier, für deren Rettimg die deutsche Kraft nicht' ausreichte, haben sich einer geradezu rührenden Fürsorge durch die deutschen Kon- s u l n im Innern Klein-Asiens erfreut. Als die Hauptschuldigen der Armeniermassakres werden allgemein die ehemaligen Großwesire Said Halim Pascha und Talaat Pascha, serner der Kriegsminister Enver Pascha und der Marine minister Dsemal Pascha angesehen. Sie hatten in der Provinz zuverlässige Freunde und Heiser, die ihrerseits einen. Apparat korrumpierter Unterführer mit ausreichenden Scharen bedenkenloser Bewaffneter zur Hand hatten, um die geplanten Maßnahmen zuverlässig durchzu- führen. Der formale Gang der Ereignisse war in der Regel der: unter dem Vorwand der Gefährdung der militärischen Sicherheit der Türkei wurden zuerst die armenischen N o t a b e l n verhaftet und meist für immer stumm gemacht. Dann wurde die Entwaffnung der männlichen Armenier durchgeführt und die dann waffenlose Bevölkerung in der Richtung auf Mesopotamien zu abzutransportiert. In vielen Fällen wurden gleich bei Beginn des Transportes die Männer abseits getrieben und ermordet. Jüngere Frauen wurden vergewaltigt und in türkische Harems verkauft, die Kinder, soweit sie nicht schon umgebracht oder verhungert waren, wurden vielfach in mohammedanische Waisenhäuser geschleppt, um sie, wie ehemals die Janits«Haren, zu islami- sieren. Die Karawanen, die in der mesopotamischen Ebene ankamen, waren meist nur noch kümmerliche, verelendete Reste der früher aus ihren Heimatdörfern abgetriebenen Ar- meiner. Man rechnet, daß mehr als zwei Drittel der türki- scheu Armenier in jenen Schreckensjahren ihr Leben lassen mußten. Die deutsche Botschaft und alle deutschen Konsuln in der Türkei ohne Ausnahme haben i h r Bestes getan, um die gefährdeten Armenier zu schützen. Daß sie, als fremde Vertreter, das Fürchterliche nicht gewalt- sam verhindern konnten, wurde zweifellos von niemand mehr beklagt, als von ihnen selbst. Freiherr von Wangenheim, der in der Hauptperiode jener Geschednisse als deutscher Bor- schafter in KonstantrnoHel amtierte, ist dabei, wenigstens im Anfange der Deportationen, häufig von den türkischen Staatsmännern getäuscht worden. Seine Proteste lassen das ebenso erkennen, wie seine Berichte.„In Vera kennt man nur das europäische aber nicht das asiatische Gesicht der Tür-. kei" sagt Lepsius indigniert. Waugenbeini hat aber bald ge- lernt, auch das„asiatische Gesicht" zu sehen. Seine anfangs Znit höflicher Zurückholtung sormullerten Proteste wurdn» immer mnH�ngs'cher imJ schließNch zu offenen Zsnffog'n gege ndie Pforte. Cbarakteristisch ist, daß seine Proteste häufig genug gerade die entgegengesetzte Wirkung des Ge- wollten ausgetöst haben. Als er gegen dte Massenauswei- sungn in Cilizien vorstellig wurde, war„die ungewollte i�olge dieses Schrittes die Enthebung des Malis D j e l a l P a s ch a von Aleppo, des einzigen Malis, der in seinem Milajet sich den Maßregeln der Regierung mit Erfolg wider- setzt hotte." Deutschland hatte bis zum Eintritt Bulgariens in den ftrieg(5. Oktober 1915) keinerlei Machtmittel in der Türkei, um seinen Wünschen bei der Pforte Nachdruck zu verleihen. Im Innern von Anatolien gab es. von einzelnen Offizieren abgesehen, die den türkischen Oberkommandos zugeteilt waren, überhaupt keine deutschen Truppen. Die verantwortlichen Männer in Konstantinopel kannten diese Schwäche sehr wohl und wußten auch, daß der Kriegs- zustand anderen Mächten eine Intervention unmöglich machte. Tolaat Bey sagte damals, daß die Pforte den Welt- krieg dazu benutzen wolle, um mit ihren inneren' Feinden— den einheimischen Christen— gründlich aufzuräumen, ohne dabei durch die diplomatische Intervention des Auslandes gestört zu werden. Die deutsche Botschaft in Konstantinopel sah die Folgen voraus, die die Ausrottung der Armenier für die Türkei haben mußte. Sie schrieb an'das türkische Ministerium:„es sei vorauszusehen, daß mit dem Frie- d e n s s ch l u ß die armenische Frage von neuem zum Vorwand dienen wird, um sich in die inneren A n g e- legenheiten der Türkei zu, mischen. Die Bot- schaft hält es für dringlich, den Provinzialbehörden peremptorische Befehle zugehen zu lassen, daß sie wirksame Maß- nahmen treffen, um Leben und Eigentum der verschickten Armenier sicher zu stellen sowohl auf dem Transport als auch in den neuen Wohnsitzen," Doch alles war in den Wind geredet. Es war unmöglich, die verbündete Regierung von dem verhängnisvollen Wege abzubringen. Man mußte ihr „die Verantwortung für die politischen und wirtschaftlichen Folgen dieser Maßregel überlassen". Das Buch Lepsius stellt einen sicheren Beweis dafür dar, daß Deutschland niemals mit den Greueln gegen die Armenier anders zu tun gehabt hat, denn als B e- schützer der unglücklichen Opfer. AnS diesem Buche geht auch hervor, daß jene Un- taten, die letzten Endes als Verbrechen gegen das türkische Volk selbst wirken mußten, allein von den damaligen Herr- schern der Türkei und von ihren Kreaturen zu verantworten sind. Das türkische Volk in seiner Gesamtheit hat sich niemals aktiv daran beteiligt. Es war allerdings auch zu schwach, um gegen die bewaffneten Banden der Plünderer und Räuber, die aus Habsucht die ihnen er- teilten Befehle zur Tötung der Armenier ausführten etwrS unternehmen zu können. Es gibt jedoch allenthalben euro- päische Zeugen, die von der Hilfsbereitschaft türkischer Ein- wohner gegenüber den Deportierten reden können. Wenn man die Frage der Schuld genau fassen will, so darf man nicht über Bausch und Bogen urteilen. Mau muß differenzieren. Fest fleht zunächst, daß das deutsche Volk von den fürchterlichen Ereignissen des JahreS 1915 fast garnichls weiß. Die himmelhohe Mauer der deutschen RegierungSzeusur ließ keinerlei öffentliche Nachrichten durch. Durch die veröffentlichten Aktenstücke ist ferner dargctan. daß die diplomatischen Vertretungen Deutsch- l a n d S alles getan haben, was in ihrer Kraft stand, um die Maßnahmen gegen die Armenier zu konterkarrieren und den Armeniern Schutz und Hilfe zu leisten. Das ist von maßgebenden arnlenischen Führern offen ausgesprochen worden. Weiterhin ist es ein großes Unrecht, das türkische Volk in seiner Gesamtheit für die Armcniervernichtung verantwort- lich machen zu wollen. Die Schuld liegt bei wenigen, damals mächtigen und allmächtigen Persönlichkeiten der Türkei. Aber auch hier muß noch unterschieden werden zwischen solchen, die aus p o l i- tischcm Fanatismus die Hand zum Verbrechen boten, und solchen, denen die nackte Habsucht, die Gier, sich an armenischen Gütern zu bereichern, die einzige Richtlinie zu ihren Handlungen war. Die letzteren waren die Schlimmsten Zur Reform öes Sühnenbetriebes. Von Emil Lind Regisseur am Leffingtheater und VcrlvaltunpSrat der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehörigen. Eine Denkschrift, von namhaften Vertretern der Literatur und des Theaters unterzeichnet, richtet sich gegen einige Punkte der Bühnenveform. Sie erhebt Einspruch im Namen der Kunst. Der Angriff wendet sich gegen die Künstlerräte, den OrganisationS- zwang und die Fachbezcichnung. Die Künstlerräte sind keine Forderung der Genossenschaft, sondern eine gesetzliche Einrichtung. Die Genossenschaft hat sich dieser Frage bemächtigt, gerade, um den Gedanken sinnfällig im Theaterbetriebe mit ausbauen zu helfen. Sie hat auch bereits Ge- logcnheit genommen, allzu radikale Anwendungen in einigen The- atern zu verhindern. Im übrigen: die Künsllerräte existieren ja schon lange in Form der Regielollegien. Es kommt also nur deren Erweiterung in Frage. Ob eine solche tvn Nutzen oder Schaden sein wird, hängt von den ausführenden Personen ab. ES wäre vergeblich und eine Energievergeudung, sich gegen das Recht der Nitbestiminung zu sperren. Der Entwicklung vorauseilen, um ihren organischen Verlauf zu sichern, ist das Geheimnis aller Füh- rung. Die Selbstverivaltung, auch der kleinen Arbeitszirkel ist unterwegs, und eS ist der tiefere Sinn jeder Autonomie, Freiheiten zu geben, damit man sie gebrauchen lerne. Die Annahme, daß die Künstlerrät« dazu da seien, die Entscheidungen in künstle- ri scheu Dingen mitzubestimmen, ist eine irrige. Dem Werk gegenüber gibt es nur die Diktatur des jeweiligen JnszenatorS. Mitbestimmende Rechte haben die Künstlerräte nur in sozial-wirt- schaftlichen Dingen. Gefahren für die Kunst können also nur bei Grenzfällen bestehen, und da werden sich allmählich auS der Praxis allgemeine Richtlinien ergeben. Die Denkschrift will die Ungeeignetheit der Schauspieler zu Lenkern und Leitern mit ihrem ganzen Wesen psychologisch begrün- den. das in den Dingen untertaucht und sie nicht kritisch erioägt. Die? wäre richtig,»venu alle Künstler nur Künstlernaturen wären. Allein kein kompliziertes Individuum hat nur eiuen Menschen in sich, der Künstler besonders hat stets noch irgendeinen, etwa sozialen et er rechnenden oder politischen oder philosophischen Instinkt, der sogar oft stärker entwickelt ist als der künstlerische. Hier ist das ge- eignet« Material für die Künstlerräte. Viele der unterzeichneten Direktoren geben ja den besten Beweis dafür, daß es unter den Bnbnenkünstlern auck Führertalente gibt, denn sie sind ja selbst auL dem Schauspiclerstand hervorgegangen. Da» beste Mittel, die Alleinherrschaft der.Mittelmäßigen" zu dxMte«. ijfc mis&a WtaMit der DejaMren. Ds Jobs also und Unerbittlichsten. Wenn diese nnt aller Nücksichtskosigkcit von der Faust der Vergeltung getroffen werden, wird sich im türkischen Volke selbst keine Stimme des Mitleids erheben. Denn sie sind es gewesen, die die Katastrophe für die natio- nale Selbständigkeit des türkischen Volkes vorbereitet haben. Zunahme üer Streikbewegung in Italien. Lugano, 10. Juni. Wie die letzten italienischen Mel- düngen erkennen lassen, hat die Streikbewegung in Frankreich ihre" Rückwirkung auf Italien nicht verfehlt. Es ist im ganzen Lande ein starkes Anwachsen der Arbeitseinstellungen zu kon- statieren, die an allen Orten durch Zusammen st öße mit der Polizei einen politischen Charakter erhalten. In Neapel ist der Generalstreik proklamiert worden, anläßlich von Zusammenstößen zwischen Ausständigen und Streikbrechern kam es in den Straßen zu blutigen Zu- s a m ni e n st ö ß e n, bei denen Barrikaden gebaut wurden und eine Reihe von Menschen teils leicht, teils schwer verletzt»vurden. Rom erwartet für die nächste Woche einen Generalstreik der Gastwirtsgehilfen. der kanfmännischen Angestellten, die für den Fall der Nichterfüllung ihrer Forderungen bis zum 13. Juni die Arbeit niederlegen werden. Die italienische Presse hat angesichlZ der innerpolitischen Vorgänge in den letzten Tagen völlig das Interesse an Paris verloren. Man verkennt nicht, daß politische Momente in der Be- lvegiing keine unerhebliche Rolle spiele». Ueber die Motive, von denen die Parteileitung der italienischen Sozialiste» bei ihrer Propaganda für den Streik geleitet wird, äußerte sich der Generalsekretär der italienischen sozio- listischen Partei dahin, daß die italienischen Ausstände ge- wissermaßen als Manöver für den internationalen Ge- n e r a l st r e i k zu betrachten seien, den die Vertreter der englischen, französischen und italienischen Sozialisten bei ihren Zusammen- künften in Mailand und Rom als Proteste gegen die i ni p e r i a- l i st i s ch e Gewaltpolitik der Entente beschlossen haben. wenn üas Entente-Ultimatum an Ungarn ablaust... Haag, 10. Juni. lH. N.) AuS London wird gemeldet: Dr. Dillon meldet dem.Daily Telegraph", daß die Entente die russische Regierung auffordern will, jetzt wieder ihre Truppen gegen die ungarischen Sowjettruppen vorgehe» zu lassen. Die Entente hat offenbar eingesehen, welche großen Schwierigkeiten durch den Befehl veranlaßt worden sind, daß die Rumänen an. der ungarischen Grenze standhalten sollen. Dadurch sind auch die T s ck> e ch o s l o w a k e u in Schwierigkeiten geraten. Obwohl noch keine besonderen Schritte unlernoinmen sind, scheint jetzt festzustehen, daß man die rumäni- scheu Truppen für die Wilderherstellnng der Ordnung in Ungarn verwenden wird. Wien, IE. Juni.(H. N.) Di« Wiener MittagSzeitung meldet auS Poysdorf in Nieder-Oesterreich: Wie hier erzählt wird, soll die ungarische Rote Truppe auf ihrem Vormarsch hinter die g e s ch l a g e- nen Tschechen bereits auf eine Entfernung von 20 Kilometern der niederösterreichischen Grenze bei Kutty nahegerückt sein. Di« niederösterreichischen Bauern find in Besorgnis, daß nicht nur die Gefahr eines tschechischen Einfalles, sondern auch der eineS unganschen Roten HeereS besteht. HevorstehenAer Streik in öer englischen HaumwoUeninüustrie. Ter Korresponeent deS.Daily Ehronicle" in Mancheste» telegraphiert seinem Blatte: Das Ergebnis der Abstimmung der Ar« beiter der Baumwollspinnerei über den Antrag, der darauf abzielt, aus der 46 stündigen Arbeitswoche und einer Erhöhung der Löhne um 20 Proz. zu beharren, ist nunmehr bekanntgegeben worden. 267 615 Arbeiter haben zugunsten dieses Antrages gestimmt, 6347 haben sich sür das Angebot der Unternehmer ausgesprochen, d. h. für die 48 stündige Arbeitswoche und eine Lohnerhöhung von lö Proz. Eine mehrständige Konferenz mit den Unternehmern führte nicht zum Ziele. Es wurde weiter leine Vereinbarung getroffen, um die Ver- Handlungen fortzusetzen. Die Arbeiter haben sich schon entschieden, die Arbeit am 21. Juni e i n z u st e l l e n. Eine halbe Million Arbeiter wird von diesem Beschluß getroffen. die Zwangsorganisation nur vonnutzen sein. Inwiefern diese der Kunst oder der Selbstbestimmung des Künstlers schaden könnte, ist ganz und gar unverständlich. Diese Freiheit des Künstlers, den Führer zu wählen, bleibt ja, da alle Bühnen dem Bühnen-Derein beitreten müssen, nach wie vor bestehen, ja noch mehr, sie wird durch die nunmehr eingeführte gegenseitige KündigungSmög- lichkeit noch größer. Wohl aber kann der Zwang für die Organi- sation eine Machtfülle bringui, die letzten Endes jedem einzelnen zugute kommt. Die Organisation kann auch zuwege bringen, was die Direktoren trotz ihrer bisherigen uncingesckräntten Macht bei den Darstellern nicht erreichen konnten, daß ihre Filmtätigkeit die künstlerische am Theater nicht allzu sehr absorbiert. Nun zur wichtigsten Frage, der der Fachbezeichnung. Es ist die Lebensfrage des Schauspielers, denn sie betrifft seine künst- lerische und wirtschaftliche Lebensquelle: die Rolle. Die Denkschrift erscheint mir in diesem Punkte nicht ganz logisch, wenn sie dem Künstler alle wirtschaftlich-sozialen Zugeständnisse gönnen und zu- gleich deren Fundament untergraben will. Erstes und letztes aller Absolutisten, auch der aufgeklärtesten, auch der sachlichsten, war zu allen Zeiten: die Beherrschten so unfrei wie möglich zu halten. Die Facheinteilung ist eine wirksame Waffe dagegen, sie bildet stets die Grundlage für den Anstellungsverkehr und hat sich ergeben durch Festlegung gewisser Typen und körperlicher Ansprüche, die auch rn der Literatur immer wiederkehren. Wie kam denn der Wunsch nach der Fachbezeichnung wieder auf? Im Jahre 1876 strich der Deutsche Bühnen-Verein, eine da- mals rein reaktionäre Untcrnehmervereinigung, eigenmächtig die Fachbezeichnung, und wahrlich nicht aus künstlerischen Gründen, sondern damit die Direktoren leichter schalten und walten konnten. Damals schon sagte Ludwig Barnay:.Gegen gute und gewissen- hafte Direktoren brauchen wir keine Verträge und gegen gewissen- lofc und unkünstlerische können wir sie nickrt sorgfältig genug abwägen." Hätte in diesen 42 Jahren die Mehrheit der Direktoren den Beweis erbracht, daß sie daS Vertrauen in ihre rein künst- lerische Wertung verdient, hätte sie nicht unsinnig und gewissenlos dieses stärkste Fundament gegenseitigem Befruchtung untergraben, nie wäre die Schauspielerwelt, inzwischen seit den neunziger Jahren durch die naturalistische Schule auch au? sich selbst aus in- dividuelle Besetzung eingestellt, auf diese alte Forderung zurück- gekommen. Jedoch dieses Schlagwort: individuelle Besetzung war der Deckmantel für jede Art grausamer Launen- und Willkürherr- schaft, war die Ursache tausendfacher seelischer und künstlerischer Qualen und der Inbegriff aller Schutzlofigkeit der Bühnenkünstler. Hier tausendfaches Menschenglück und Rettung vieler blühender. Talente, dort— keineswegs Schädigung der Kunst, sondern nur eine kleine Erschwerung für ihre Diener: Wer hat da den Mut, in der Wahl zu schwanken? Wer sich diese Alternative so recht inS Hexz fcwww»* teis bsa tuejem KonMt jeig Wut heiß werde« läßt, die politisthen Zoröerungen öer Vüriser Arbeiter. Generalstreik der Gewerkschaften. Bern, 10. Juni. Nach dem„Bcrner Tagblatt" hat die Consödöration du Travail in ganz Frankreich eine Proklamation anschlagen lassen, in der die politischen Forderungen der Ardeiter- schaft, sofortige Demobilisation der Armee, Amnestie für alle politisch Bcrurieilten einschließlich der wegen Meuterei bestraften Soldatc» und Matrosen sowie Zurückziehung aller sranzösischr» Trnppen aus Rußland, Ungarn usw., verlangt werden. Sämtliche Großgcwerk- schaflen, auch die Eisenbahner und Grubenarbeiter, haben erklärt, auf Beschluß der Confädöration Gönörale du Travail die Arbeit ein- zustellen. Nach üdercinstimmcnder Meldung dürste der Generalstreik am 29. Juni erklärt werde». Eine Note zur Räumung llettlanös. Berlin, 10. Juni. In der Frage der Räumung Lett- l a n d s von deutschen Truppen hat Reichsministcr Erzbergcr durch General Frei Herrn von Hammer st ein in Spa folgende Note überreichen lassen: »Ich bitte, General Nudant folgende Note für Marschall Fach zu übergeben: l. Gegenüber dem Telegramm des Marschalls Foch vom 2g. Mai, welches die Beibehaltung der deutschen Streitkräfte in Litauen und Lettland nördlich einer bestimmten Linie fordert, muß die deutsche Rgierung auf ihrem Standpunkt beharren, daß sie auf Grund des Artikels XII des Waffenstillstandsvertrages das Recksi bat, die eingeleitete und bereits in der Ausführung befindliche Räumung der vor deni Kriege zu Rußland gehörigen Gebiete durch- zuführen. Die Berechtigung dieser Auffassung ist von der deutschen Regierung bereits verschiedentlich begründet. Ich verweise ins- besondere auf meine Note vom 27. Dezember 1918 und 28. Mai Iglö. Die deutsche Regierung vermag daher auch nicht anzuerkennen, daß sie auf Grund des Waffenstillstandsvertrages gebunden ist, Weisungen über die Art der Räumung entgegenzunehmen, wenn sie auch keine Bedenken trägt, das südlich der mitgeteilten Linie genannte Gebiet zuerst aufzugeben. Die planmäßige Räu- mung Litauens und Lettlands wird voraussichtlich in 6— 8 Wochen beendet sein. 2. Bezüglich der Bedingungen für die weitere Anweisung deS Grafen Goltz habe ich folgendes mitzuteilen: General Graf Goltz hat Befehl, sich um innere Angelegenheiten Lettlands nicht zu kümmern. Er kann also die Einsetzung einer Regierung weder erleichtern, noch erschweren. General Graf Goltz Hot keinerlei Wasfin von lettischen Truppen zurückbehalten. Die seinerzeit vom Freikorps Pfeffer den Letten abgenommenen Waffen sind nach Meldung Hauptmanns Pfeffer in der von den Letten be- setzten Kaserne zurückgelassen. Stärkung der lettischen Armee i't durchaus in unserem Sinne. Eine allgemeine Mobilisierung muß nur, solange wir im Lande sind, soweit gehindert werden, wie die zwangsweise Aushebung bolschewistisch gesinnter Leute unsere Truppe gefährdet.. General Graf Goltz hat lediglich die Veran:- wortung für Führung und Schutz unserer Truppen. Soweit beides nicht berührt wird, hat er sich um die lettische Regierung nicht zu kümmern und sie kcrneSfalls in ihrer Tätigkeit zu behindern. 3. Bei den in dem Telegramm des Marschalls Foch vom 28. Mai erwähnten Zusammenziehungcn handelte es sich um For- mationen, die inzwischen auS den baltischen Provinzen abbefördert sind._ Reichsminister Erzberger." Volksabstimmung in Gberfchlesten unü Gstpreußen. Amsterdam» 10. Juni.(TU.).HandelSblaad" meldet vom 10. Juni aus London: Der„Daily Telegraph" vernimmt auS maß» gebender Quelle aus Paris, daß der Rat der Vier gestern in einer neucrlichen Besprechung über die polnische Frage beschlossen hat, daß eine Volksabstimmung in den strittigen Gebieten von Oberschlesien und Ostpreußen abgehalten wird. Dieser Beschluß steht nicht im Gegensatz zu den Bestimmungen des Teutschland angebotenen Friedensvertrages. Zelüpostkarten nach üer Türkei zugela)?en. Wie der Waffenstillstandikommisnon seitens der Alliierten am 6. Juni mitgeteilt wurde, ist nunmehr die Sendung für Feldpost- karten an die in der Türkei zurückgebliebenen deutschen Truppen- teile über das Feldpostbureau Spa gestattet werden. j der muß sich sagen: selbst wenn sich in der Uebergangszeit kleine Schäden für die Kunst zeigen sollten, sie werden aufgehoben durch die künstlerische Rettung von Hunderten und Tausenden. Müssen Menschenliebe und Kunstwill« Antagonisten sein? Eines gehört freilich zur Entwicklung beider: Vertrauen, auf das sich auch der Verfasser der Denkschrift beruft. Nun gerade dieses Vertrauen haben wir erst in seine Rechte eingesetzt durch die W a b l des Direktors durch die Mitglieder deS Theaters, und zwar immer der künstlerischen. Eine klarere Form des Vertrauens gibt es nicht. Dadurch allein hat er das Recht zur künstlerisch?» Diktatur. Jedenfalls viel mehr, als wenn irgendein Kapitalist. der zufällig unter anderen Objekten ein Theater besitzt, in den Topf der Belverber greift, oder wenn kunstfremde Beamte nach dem Schema F einlaufende Bewerbungen beurteilen. Es werden auch auf dem Wahlwege Irrtümer vorkommen, aber neue Einrich- tungen können nicht ohne Tadel funktionieren. Die erste Dampferfahrt übe? öea Gzeait. Während wir in diesem Jahce die Ucberwindung des Atlan- tischen Ozeans mit dem Flugzeug feiern, jährt sich zugleich zum 100. Male das denkwürdige Ereignis der ersten Durchquerung des Ozean» mit dem Dampfschiff. Am 22. Jun-i 1819 erreichte das amerikanische Dampfboot„Savonnah" nach der ersten Fabrt über den Ozean glücklich Liverpool, nachdem das Schiff am 26. Mac von der nordamerikanischen Stadt Savannah abgefahren war. 1808 hatte Robert L. Stevens zum erstenmal in den Vereinigten Staaten die Möglichkeit der Dampfschiffahrt auf dem offenen Meer vorgo- führt, und cm Jahre 1812 legte er den Grund zu einer ersten Flotte von Meerdampfern. Fulton ljatte noch kurz vor feinem Tode ein Dampfschiff gebaut, das den Atlantischen Ozean über- queren sollte, aber das Schiff wurde dann zum Dienst auf der Linie von Newpo-rt(Rhode-Jsland) nach Necvhork verwendet. Die Scbiff- fahrtsgesellschoft der Ostsee gab unterdessen den Auftrag zum Bau eines DampffchiffeS. das von Amerika bis nach Kronstadt fahren sollte. Zu dieser Fabrt wurde ein von Cracker und Fickett er- bautes Dampfschiff mit Namen„Savannah" ausersehen; es war ein Scbiff, das zugleich eine Dampfmaschine und Segel führte, es hatte 389 Tonnen. Während der Ueberfahrt bediente sich die„Sa- vannah" 18 Tage lang der Dampfmaschine; die übrige Zeit fuhr sie unter Segel, um das kostbar« Brennmaterial, das m Tannenholz bestand, zu sparen. Di« Räder der Maschine waren abgenommen, und sie wurden erst wieder in Tätigkeit gesetzt, als der.Hafen von Liverpool in Sicht kam. AIS das Schiff im Kanal von St. Georges erschien, glaubte der�«iigbische Kommandant, daß das Schiff m Brand geraten sei. Nicht minder erstaunt war das Publikum, da» sich« große» Masse» MI die Sehenswürdigkeit jammeltch Zchch Nr.LHZ ♦ Zö. Jahrgang 1. Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 11. Juni 1 Hl H Wels' Referat auf dem Parteitag. V 1. BerhandlungStag. Ter SitzirnqZsaal der Natümalversammluna träat im Srniec« arunde Lorbeerschmuck, aus dem die Büsten von Karl Marx und Ferdinand Las falle bervor schauen. Sonst ist der Saal wochentägli'ch einfach geblieben. An den Tischen der Regierung und der Mitgliadec des Bundesrates sidcn die Mitglieder des Partei- Vorstandes und der Kontrollkommission, dazwischen einige sozia- listische Rcichsminister. Punkt 4 Uhr heißt Genosse Brosts, der Vorsitzende des Weimarer Wahlvereins und Gauleiter der Buchdrucker die Delegierten in schwungvoller Ansprache willkommen. Er versinnbildlicht in knappen Worten den Geist von Weimar und fordert die Ergänzung der klassischen Ideologie durch die marxistische Tatsachendurchfor- 'chung. Dieser Parteitag müsse ein Markstein in der Geschichte der Partei werden und der Arbeiterschaft die einheitliche packende Parole in diser tiefern st en Zeit geben, nach der sie verlangt. Zu schwerer Arbeit sollen die Tele- »tereten in Weimar willkommen sein(Lebhafter Beifall). Parteivorsitzender Hermann Müller: Noch niemals ist ein Parteitag ohne Feierlichkeit eröffnet war- den, wie dieser gegen den Willen der Weimarer Genossen. Aber das entsprach dem Ernst der Zeit, die nichts erfordert als Arbeit. Auf dem Würzburger Parteitag hat Scheidemaun prophetisch vor- hergesagt, dtß wir einer ungewissen Zukunft entgegengehen Aber das haben wir nicht geahnt, daß wir noch Dreiviertel Jahre später in einem Zustande zwischen Krieg und Frieden schweben würden. Utes bedroht ein unerhörter harter Friede, trotzdem wir die alten Unterdrücker per- sagten, das freie sie Wahlrecht der Welt erlangt und die R c- p u bli ck errungen haben, welche die alte Sehnsucht von Hnn- derttaufenden erfüllte. An der Spitze der jungen Republik steht umer�bert, der mir heute telegraphierte:„Dem Parteitag wün'M ich glückliche Erfüllung seiner schweren Aufgaben in schick- salsscMerer Zeit". Wir danken unserm Ebert für di« treuen Dienste, die er der Partei stets geleistet hat. Aber bei allen Erfolgen, will keine reine Freude bei unS aufkommen. Wir müssen die Fahne uirserer Republik auf einem Schutt- und Trümmerhaufen auftichten. Die Zeit, in der wir unS im Staate durchsetzen, fällt zusammen mit einer Zeit tiefer nationaler Schmach. Wir werden uns immer wieder di« Frage vorlegen, ob das alles so kommen mußte und nicht ruhen, bis die zur Rechenschaft gezogen sein werden, die an diesem maß- losen Unglück des Volkes die Schuld tragen. (Lebhafte Zustimmung). In den letzten Wochen sind die Gegen- sätze unter uns zurückgetreten, denn wir sind von einem Frieden „bedroht", im Trauerhause soll der Streit schweigen, aber wir wenden die Schuld der alten Machthaber nicht vergessen, auch nicht die Herren von der Baterlandspartej, die mit ihrer Raubpolitik dieses Elend haben herbeiführen helfen, und die in der allerneuesten Zeit wieder an die Oberfläche zu kommen suchen. Haben sie doch in der Nationalversanrmlung einen Antrag eingebracht, daß die Gegenvorschläge der deutschen Regierung mit der Ehre des deutschen Volles unvereinbar seien(Lachen). Wir sagen diesen Kreisen, daß sie zu schweigen haben, wenn von der' Ehre des deutschen Volkes die Rede ist(Lebh. Zustimmung). Wir werden auch die Schuld der Junker und Junkergenossen nicht vergessen, die di« nottvendigen Reformen die insbesondere dw Reform des preußischen Wahlrechtes verzögert haben, obwohl wir ihnen zugerufen haben, daß jeder Tag der Ver- zögeruna dre Widerstandskraft des deutschen Volkes gefährde(Sehr richtig). Wir vergessen schließlich nicht jene unverantwortlichen Militärs, die. als alles auseinanderzufallen drohte, schleunigst jenen Waffenstillstand abschlössen, der der Vorläufer des jetzigen Ge w a l t f r i e d e n s war. und die sich zu ihrer Rechtferbgung jetzt die Finger wund schreiben. Bei dieser nutzliche,» Vorarbeit zudem Staatsgerichtshof werden wir sie nicht stören.(Sehr richtig!) AllcS dies hat dazu bei- getragen, die Nerven des hungernden Volles zu lähmen, zumal die bürgerlichen Regierungen cS nicht verstanden, den Annexionisten und Hurrapatriotan denKampfbisaufsMesser anzudrohen. So kam es. daß das deutsche Volk schließlich zur Selbsthilfe griff, und es hat gründlich von dieser Selbsthilfe Gebrauch ge- macht. Allen Geschichtsklitterern zum Trotz sagen wir, daß die Novemberwochr de« Jahres 1918 einen Ehrenplatz in der Geschichte des deutschen B-lkes einnehmen wird.(Lebhafter Beifall.) Die Spukgestalten vcr- schwanden, an drei Tagen 22 Dynastien, und es wird einem spä- teren Beurteiler schwer werden, in dieser Zeit emen Helden oder Märtyrer aus den Unterdrückern herauszufinden.(Sehr richtig!) Sie verkrochen sich in die Schlupfwinkel und sollten sich sehr hüten, die Arbeiterklasse zu reizen, denn wir haben die Machtmittel, um uns gegen jede Gegenrevolution in kürzester Zeit zur Wehr zu setzen.(Zuruf: Noskel Sehr richtig! und Heiterkeit.) In dem großen Moment des 9. November, schlugen, an jenem Tage dem Rufe unserer Feldgrauen folgend, auch die U n a b- h ä n g i g e n widerstrebend in die dargebotene Hand ein, und das klassenbewußte Proletariat begrüßt diese Einigung, begrüßt die erste sozialistische Regierung. Leider war sie nicht von langer Dauer. Die Unabhängigen sind keine einheitliche und geschlossene Partei. Neben ehrlichen Demokraten zuverlässige militärische Stütze hat. Ohne sie wird der Staat ein Spielball bewaffneter Haufen. Ohne die Freiwilligen hätten wir längst mexikanische Zustände, die jede Wiederaufrichtung des wirtschaftlichen Lebens unmöglich machten.(Beifall.) Nun sagen manche Parteigenossen, wir sollten eine sozia- l i st i s ch e Armee haben. Aber wie soll das auch eine sozialistische Regierung durchführen, wenn es drei sozialistische Parteien gibt, die Kommunisten mit als Sozialisten gezählt. Haben wir es nicht erlebt, daß in den kritischen Zeiten Truppenteile lange disku- t i e r t e n, daß sie sich schließlich für neutral erklärten?(Sehr gut!) Daran mögen sich die erinnern, welche die Einigung um jeden Preis verlangen. Wir können uns nur einigen auf dem Boden der sozialistischen Grundsätze. Eine Einigung mit den Kommunisten erscheint uns gänzlich ausgeschlossen und wir stimmen ja darin auch ganz mit den Kommunisten übercin. Wir werden von dem Bode« der Demokratie unter keinen Umständen abgehen und uns niemals zur Dik- tatur der Minderheit bekennen.(Zustimmung.) Trotz des begreiflichen Schmerzes über die Zerreißung der Ein- hcit ist die Parteispaltung doch sehr natürlich, in dem Augen- blick, in dem wir Regierungspartei wurden. Neben der regierenden Partei steht immer eine Oppositionspartei, die mehr for- dert, als hie Regierung geben kann. Besonders in dieser Zeit der Verarmung. Regierungsgeschäfte lassen sich nicht nach dem Grund- satz einer Agitationsbroschüre leiten. Viele Genossen sind darauf geistig noch nicht eingestellt. Wenn wir die Parteischule wieder er- öffnen, wird das Fach der politischen Pädagogik, der Erziehung zur Berantwortlichkeit einen besonderen Raum ein- nehmen(lebhafte Zustimmung), denn die Verantwortlichkeit ist eine Frage, deren Pflege wir vernachlässigt haben, als wir noch eine agitierende, organisierende kritisierende Partei waren.(S:hr gut!) Das Matz des uns drohenden Gewaltfriedens ist uns in diesem Augenblicke noch nicht bekannt. Aber hauptleidtra- gend bei dem, was die französischen und englischen Luden- d orff und Tir p itz diktieren, wird die deutsche Arbeiter- klaffe sein, und doch hat sie in dieser Stunde eine große historische Mission. Sie war mit der ganzen ökonomischen Entwicklung der Träger des deutschen Einheitsgedankens, schon zu der Zeit, als Bebel und Liebknecht Groß-Deutschlaird pro- pagiert haben, was sich jetzt vielleicht verwirklichen wird, und zu dem wir unsere österreichischen Brüder in gemeinsamem Leid unsere Grüße übersenden. In Erinnerung an diese Ver- gangenheit muß sich jetzt zeigen, daß die deutsche Nation sich auf ihre Arbeiterklasse verlassen kann. Speyer, Ludwigshafen. Wiesbaden und Mainz haben die ersten Proben gegeben. Dort haben die deutschen Arbeiter unsere Kultur verteidigt, und wir werde» sie verteidigen, bis der siegreiche Sozia» lismus alle Völker von dem Joche befreit Hot. Nur ein Volk das sich selbst aufgibt kann aus dem Buche der Geschichte gestrichen wer- den. Die deutsche Arbeiterklasse mit ihrem M jährigen gemeinsamen Klassenkampf kann ihr Voll nicht aufgeben. Darum rufe ich von dieser historischen Stelle aus den deutschen Arbeitern zu, be- sonders den Arbeiterbrüdern an Saar und Memel, Rhein und Weichsel:„Was auch geschehe, stehe zu deinem Volk, es ist dein angcborner Platz."'(Langanhaltender, stürmischer Beifall.) Hierauf erklärt Hermann Müller den Parteitag für er- öffnet. Zu Vorsitzenden werden«uf Vorschlag von S ch o li ch- Breslau mit gleichen Rechte» Hein?ich Schulz und Paul Löbe ge- wählt, Heinrich Schulz: Wir werden uns bemühen, durch«ine ge- ordnet«, sachliche Geschäftsführung dieses Vertrauen zu recht- ' fertigen. Auf Vorschlag von Krüger-Potsdam werden zu Schrift- ' führe rn gewählt Anders- Königsberg, A n d r a e- Hannover, i Ritter- Berlin, Frau Hoppe- Berlin, Enz- Barmen, F e l- l i s ch- Chemnitz, K n i e r i e m- München, S ch ö n f elde r- Hmn- bürg und Schön walder- Oberlangenbiclau. Durch Zuruf wird auch eine ncungliedrige Mandats- prüfungsko nvtn i ssi o n gewählt. Diese soll auch die einzige Beschtveode mit erledigen, die vorliegt.— Die Geschäfts. ordnung wird debattelos angenommen. Zur Tagesordnung liegen eine Reihe von Anträ- gen vor, welche die Behandlung der auswärtigen Politik, der Sozialifierung, des Heerwesens, der Jugend- pflege usw. durch besondere Referate wünschen. Leutrrcs-Hamburg widerrät jeder Erweiterung der TageS ordnung. Dagegen werden wir, um Wiederholungen zuDvermeidcn, ".......' M finden sich in ihr begeisterte Anhänger der Minderheits- dik tatur, Kreise, die in der Revolution keinen gesellst' �._____ gesellschaftlichen Krisenzustand sahen, sondern sie am liebsten zu einer Regie- rungsform machen wollten, Kreise, die die Handgranaten und Maschinengewehre in den Kampf der Geister einführten. An Zulauf fehlte es in solchen Tagen radikal auftretenden Parteien nicht. Die Unabhängigen mußten es selbst erleben, denn nach dem ersten Zu- lauf splitterten sich viele von ihnen ab und gründeten eine neue Partei, die der Kommunisten, und leider fauden tzie Unab- bängigen nicht den Mut zum Trennungsstri ch. gegen die Kommunisten. So wurde das Arbeiten auf dem Trüinnierhaufen immer schwieriger, aus dem auch die Kommuni st en keine s o�z i a l i st i s ch e Gesellschaftsordnung schaffen konnten. (Sehr trahrl) Die Unabhängigen verhinderten die Wahlen zur Nationalversammlung, wie sie auch die sozialistische Mehrheit verhindert hatten. Dadurch haben sie uns gehindert, mehr für den So- zialismus zu tun und zu erreichen. Sie sind schuld daran und sie klagen darüber!(Sehr gut!) Aber es wurde noch schlimmer. Bewaffnete Haufen wurden gebildet, um die Regierung zu stürzen, und in der kritischen Januar Ivoche wäre es ihnen beinahe gelungen. Wir hätten das Schicksal der Kerenski, Tscheidse und Zeretelli geteilt, wenn wir nickt damals die Nerven behalten hätten. Damals wurden die ersten Frciwilligenregimcnter inS Leben gerufen, und gerade die Berliner Parteigenossen waren damit besonders einverstanden.(Sehr gut! Heiterkeit.) Wir mißbilligen auks schärfste alle Außschreituligen den Vorstandsbericht, den Bericht der Kontrollkommission, den Pressebericht und den Fraktionsbericht zusammen beraten. Eduard Bernstein spricht für den Antrag, die auswärtig« Politik in einem besonderen Punkt der Tagesordnung zu be- handeln. Gerade jetzt ist eine Klärung der auswärtigen Fragen notwendig und ein Bedürfnis. Unsere Stellung zur Internationale bedarf einer Klärung, denn man sieht auf uns mit Mißtrauen. Auch zur Kontinentalpolitik müssen wir Stellung nehmen. Hoch-Hanau: Alle politischen Fragen kann man nicht zusam- men besprechen, mindestens zwei Fragen, Sozialisierung und auswärtige Politik, müssen abgesondert werden. Wie soll man sonst in 19 Minuten über alles sprechen? Otto Braun(Parteivorstand): Wenn wir fertig werden wollen, müssen wir«in starkes Matz von Selbstbeschränkung üben. Für eine Debatte über die auswärtige Politik gibt es keinen ungeeigne- teren Zeitpunkt als jetzt, wo wir gar nicht voraussehen können, in welchem Verhältnis wir wieder zum Ausland stehen werden. (Beifall.) Emmel-Apolda: Wozu soll man erst die Berichte zusammen- legen und die Debatte wieder trennen? Dabei gewinnt man doch nichts. Bretthorst-Bricg: Man will dem Parteitag höchstens 2 bis 3 Tage Zeit lassen, man will alles abwürgen, und wir sollen es fressen. So soll es schon gestern beschlossen worden sein. Wir dürfen uns nicht im Lande, wo wir ohnehin einen schweren Stand haben, nachsagen lassen, daß wir uns von den Drahtziehern haben einlullen lassen.(Große Unruhe.) Ich denke gewiß nicht so, aber die Unaufgeklärten draußen sollen auch nicht so denken. Vorsitzender Schulz: Ich bitte doch, nicht falsche Gerüchte hier in die Debatte zu ziehen. Es ist keinerlei Beschränkung der Redefreiheit beschlossen worden. Wenn wir uns in der Zeit be- schränken müssen, so geschieht das nicht, weil wir eS wollen, sondern weil wir es müssen. Ein Schlußantrag wird Angenommen. Der Antrag, die auswärtige Politik als besonderen Punkt und fordern strengste R c m e d u r, aber es ist ein historisches Gesetz. daß keine Regierung sich an der Macht halten kann, die nicht eine auf die Tagesordnung zu setzen, wird mit 213 gegen 195 Stimmen augenommen. Ter Punkt wird mit dem Referat Scheideinanns über die Aufgaben der Partei in der Republik verbunden. Als Korreferenten sind Eduard Bernstein und Dr. David vorgeschlagen. Mit großer Mehrheit wird Bernstein gewählt. Die übrigen Anträge auf Erweiterung der Tagesordnung wer- den abgelehnt. Der Geschäftsordnungsantrag L e u t e r e r s wird abgelehnt, angenommen dagegen ein Antrag E m m e l, den Fraktionsberichi besonders zu besprechen und die übrigen Punkte aber miteinander zu verbinden. Die Tagungszeit des Parteitages wird festgesetzt von 9 bis 1 und von 3 bis 6 Uhr und die Redezeit in der Debatte beträgt 19 Minuten. Nunmehr erhält zur Erstattung des Vorstandsberichts das Wort Otto Wels: Ich habe über die politische Tätigkeit des Parteivorstandes zu berichten. Dunkel und schwer liegt hinter uns� die blutige Ver- gangenheit, noch dunkler und schwerer die Zukunft vor uns. Unser. Schicksal liegt nicht mehr in den Händen des deutschen Volkes, sondern in denen des siegreichen Ententekapitalismus. der in Deutschland den internationalen Sozialismus treffen will. Darum ist unser Kampf für einen erträglichen Frieden zugleich ein Kampf für die internationale Sozialdemokratie, in dem wir hoffen, immer kräftiger die Unterstützung der g e- samten Internationale zu finden(Bravo!) Der Herbst 'd«S vorigen Jahres war ein beispielloser Zusammen- b r u ch der physischen, moralischen und materiellen Tatkräfte un- seves Volkes. Die Hungerblockade werden wir noch Jahr- zehnte lang spüren. Selbst wenn endlich Mehl, Fett, Speck, Hülsenfrüchte und Rohstoffe hereinkommen werden. Die in der KriegSzeit Geborenen, die uni erernährten Mütterleibern Entwach- fenen werden uns mit ihrer physischen Schwäche an die Zeit der .Hungerblockade erinnern. Die vielen Tuberkulösen und Rachitischen wir nennen die Rachitis die englische Krankheit— werden die Erinnerungen an den Hungerkrreg nicht verblassen lassen und den Entschluß festigen, daß solch eine Zeit nie und nimmer wiederkehren darf.(Beifall). Die unS herrlichen Zeiten entgegenführen wollten, haben nur das Wort von Marx erfüllt, daß die erhebende Seite des Krieges die sei, die' Nation auf die Probe zu stellen. Wie eine Mumie zerfällt, wenn sie der Lust ausgesetzt ist, so fällt der Krieg Todesurteile über alle Einoichtungen, die keine Lebenskrast mehr besitzen. In der Tat sind die herrschenden Gewalten in Deutschland durch den Krieg wie Staub zerfallen. Das fanatische Wort: DaS gleiche Wahlrecht in Preußen bedeutet den Verlust de? Krieges, war nur die Wiederaufnahme des alten Junkerwortes, lieber noch 19 mal die Schlacht bei Jena verlieren als di« Bauernbefreiung durchzuführen. Im Zu- sammenbruch hatte das deutsche Volk nuc eine Hoffnung, die Sozialdemokratie. Die gerade Linie unserer Kriegs- p o�l i t i k, die zugleich stets Friedenspolitik war, hat uns das Vertrauen des deutschen Volkes in weitestem Umfange errungen. Nur Alldeutsche und Unabhängige haben den Wahnsinn geglaubt, daß Deutschland mit der Spitze des Schwertes der ganzen Welt den Frieden vorschreiben könnte. Wir haben die ringenden Kräfte richtiger eingeschätzt; wir haben die Bedrohung Deutschlands von vorn herein richtig erkannt, wir haben unser Volk auf den Ausgang eingestellt, der wirklich eingetreten ist.(Sehr wahr!) Während infolgedessen unsere Macht immer mehr wächst, zeigen sich im Innern der Partei Z e r- sctzungserscheinungcn, Unsicherheit und Unfähigkeit, sich zurechtzufinden. Ein größer Teil der führenden Genossen ist aus ihrem Arbeitsfeld herausgerissen und in Aemter eingetreten. Auf der anderen Seite gingen Akademiker, insbesondere Liiemten durch die Partei. Viele Leute stürzen sich mit kühnen Purzel- bäum über die Partei hinweg, gleich zu den Unabhängigen und .Kommunisten.(Sehr wahr!) Das böse Wort November» s o z i a l i st darf kein Heimatsrecht in unserer Partei haben. (Sehr richtig!) Jeder hat in ihr seinen Platz, der unsere Grundanschauungen teilt. Vir haben fünfzig Jahre Oppositions- und Agitationspartei, wir haben mehr mit den Bedürfnissen des Tages gearbeitet, als auf wirkliche sozt- alistische Erziehung gewirkt. Jetzt müssen wir aus der Agitation und dem Stoben nach Massengunst heraus, wir die Ge- schulten, wir die Weiterblickenden, wir die sozialistisch Erzogenen müssen die Frage stellen und beantworten: Was frommt wirklich der Entwicklung zum Sozialismus? Wir müssen»«der Politik von heute die Entwicklung für morgen anbahnen. Ali» Agitatoren und Theoretiker des Sozialismus müssen von jetzt feine Prak- tiker werden.(Bravo!) In Würzburg hat Scheide mann prophe- tisch gesagt: „Alle Kräfte der Ideen werden die Menschheit nicht aus der selbstgeschaffencn Hölle der Verwüstung in das Paradies des Sozialismus schleudern. Wenn wir nach dem Kriege die politische Macht, erobern würden, würden die Wunden der erschöpften Völker sich nur langsam schließen.und die ungeduldigen Patienten dielleicht vom gewissenhaften Arzt zum ersten besten Kur- Pfuscher saufen." DaS allein ist die Gefahr, die ich im Herbst 1918 erkannt«,«IS den Schatten der drohenden Katastrophe. Das Kabinett Prinz M«x sollte den Krieg liquidieren, den Frieden machen. Aber das konnte eS nicht, ohne unsere Hilfe. Noch ehe wir in die Regierung ein» traten, erfuhren wir den ganzen furchtbaren Ernst der Lage, er- fuhren wir den Zusammenbruch. Trotzdem übernahmen wir einen Anteil an der Regierung in der Hoffnung, des deutschen Volkes Schicksal zu mildern. Unter dem Druck wachsender Not regieren wir seit acht Monaten. Wie weit ist di« Partei als solche für die Handlungen ihrer Mitglieder in der Regierung und für die Gesamtregierung verantwort- l i ch? Die Partei i st ga u z die alte und verficht ihre alten Grundsätze, aber nach der demokratischen Linie, und ein anderes System können wir nicht übernehmen. Unsere Minister arbeiten unter- de in schwer st en Druck äußerer Verhältnisse und Erschütterungen im Innern. Deshalb würden wir dag schlimmste Unrecht begehen, wenn wir auch nur von einem unserer Genossen in der Regierung abrückten. (Bravo.) Wir machen es nicht, wie die Pharisäer, die sagen: Ich danke dir, Herr, daß ich nicht bin wie jene. Die unzufriedenen Kritiker würden uns noch viel härtere Nüsse zu knacken geben, wenn sie an Stelle der Genossen, die jetzt in der Regierung sitzen, handeln müßten. Von einem Personenwechsel der- sprechen wir uns daher nichts GutcS. Ein Systemwechsel ist»n- denkbar, wenn wir nicht auf unsere Grundsätze verzichten wollen. Wir müssen in bösen Tagen als gute Freunde zu unseren Genossen in der Regierung stehen und ihnen offen sagen, wenn sie etwas fi»Isch machen. Nach unserer Ueberzeu- gung ist vieles versäumt, vieles falsch gemacht worden, noch mehr in den Bundesstaaten als im Reich. Die D e m o k r a- tisierung der Verwaltung geht nicht so vorwärts, wie es notwendig wäre. Die alten Reaktionäre haben noch zu viel Raum, Ein Sturm muß die Landratsstubcn aufreißen und die muffige Luft hinausfege».(Beifall.) Wir kritisieren unsere Freunde in der Regierung mit aller Deuttichkeit und allem Ernst, nicht um ihnen das Leben schwer zu machen, sondern um sie daran zu erinnern, daß di« Regierung der Sach- Walter des Proletariats und der Klassen ist, die im No».' Whsck oicf i dsnkver Sen Druck der Iührdunderks von sich schütkelketk. Unsere Kritik soll den Genossen in der Regierung den Rücken stär- k e n, dax sie bei den Bürgerlichen mehr durchsetzen. Jede andere Haltung der Partei würe für die Partei und das ganze Volk ein schwerer Nachteil. Der Würzburger Parteitag hatte dem Parteivorstand die Auf- gäbe zugewiesen, ein Aktionsprogramm aufzustellen. Der Vorstand ist nicht dazu gekommen. Er hatte in diesen unruhigen Zeiten anderes■ zu tun. Das beste Aktionsprogramm für diese Tage war der Aufruf, sich zu organisieren, das „Schließt die Reihen I Bereitsein ist alles." Danach hat der Par- tsivorsta�rd gehandelt. Er ist stets bereit gewesen, und es ist nicht anzunehmen, daß irgendein anderes Aktionsprogramm vor den Augen der Parteigenossen Gnade gefunden hätte. Kautskh hatte ein AktionSprcgramm aufgestellt; aber weder feine Parteigenossen zufriedengestellt, noch den aktivistischen Flügel, der sich um die „Sozialistischen Monatshefte" gruppiert. Wir im Parteiüorstw.d sind der Ueberzeugnng, daß unser Parteiprogramm sich den Be- dürfuissen der Zeit anpassen muß. Wir glauben aber, daß wir in der gegenwärtigen Zeit zu einem neuen Programm kaum kommen werden. Das ist auch nicht nötig. Ich bin näm- lich der Meinung, daß das starke Einigungsbedürfnis bei uns und den Unabhängigen seine wirklich vollste Unterstützung darin findet, daß beide Partejen erklären, daß sie noch auf dem Boden bcS Erfurter Programms ; atber wir verschließen nnS der Reformbedürftigkeit ie s e S P rogra m m S n»cht. Wie weit das Bekenntnis der Urmbbängigen zum Erfurter Programm echt ist, dafür gibt der Parteitag das beste Beispiel, der sich zur Rätediktatur be- lannt hat. Jedes Wort dieses Beschlusses war ein Faustschlag gegen das Erfurter Programm. Der Pariefvorstand steht dem EinigungSgedanken so freundlich gegenüber, wie > irgendein Gnosse im Lande. Wer wie sollte die Einigung herbei- geführt werden? Wenn man von uns ein« bedingungslose Unterwerfung verlangt, dann erklären wir, daß wir eS a b- lehnen, daß wir Sozialisten sein und bleiben vollen und daß man rrnS ein Opfer dieser Ueberzeugnng nicht zumuten kann. (Beifall.) Dann gilt für unz das Wort von Karl Marx, der die Internationale lieber in die Äuft sprengen wollte, als sie einem Baku» in anzuvertrauen. Wir sind der festen Ueberzeugnng, daß der demokratische Gedanke und die sozialistische Idee sich sieg- reich durchsetzen werden und daß der Satz: durch Demokratie zum Sozialismus! feine alte Werbcchraft nicht verloren hat.(Beifall.) Auf diesen Boden hat sich auch der Internationale Kon- gretz Von Bern gestellt und wir wären in der Internationale verwaister als je, wenn wir diesen Boden verlassen würden. Die Partei fpaltung in Deutschland wäre ein Unglück für unser ganze? Boll; sie kann zum Unheil für das internationale Proletariat werden, wenn wir nicht festhalten würden an der D e- m o k r a t i e und dem Sozialismus, zu denen sich die Jnter- nationale jüngst in Bern mit überwältigender Mehrheit bekannt hat. Wir würden mit den Unabhängigen leichter zu- sammcnkommen können, wenn die Unabhängigen Sozialisten wären. Aber sie sind es nicht, sie sind ein Konglomerat der verschiedensten Strbaiungen, die sich links von uns gebildet haben.(Sehr richtig!) Sie wissen selbst oft nicht, was sie wollen. Sie arbeiten vielfach gegeneinander. Kantsky und Ströbel stehen grundsätzlich anders als Dänmig und Crispien. Am deutlichsten sind diese Gegensätze auf dem letzten Parteitag der Unab- h ä n g i g e n zum Ausdruck gekommen. KautÄky hat sich mit er- freut ich? r Schärfe gegen die Wivrköpse seiner Partei gewandt und es als glatten S kan da l. bezeichnet, wie man die Arbeiterschaft jetzt Vielfach beschwindelt, was an sozialistischer Kurpfuscherei und politischer Unwissenheit sich jetzt vielfach breitmachen kann. Zu den vielen Schlayworten, mit denen die Unabhängigen an- geblich die Einigkeit fördern wollen, in Wahrheit die Uneinigkeit fördern, gehört auch das von der rein sozialistischen Re- g i e r u n g. Sie ist unser Ziel, unsere Hoffnung und unser Glan- ben gewesen und wird es bleiben; aber durch die Schuld der Unab- hängigen haben wir keine sozialistische Mehrheit bei den Wahlen erlangt, und gleichfalls die Unabhängigen haben den Eintritt in eine Regierung gemeinsam mit nnS abgelehnt. So sind sie wieder schuld an dem starken bürger- lichen Einschlag in die Regierung geworden. Nun sollen wir uns angeblich nicht an der formalen Demokratie stoßen, aber wir trei- ben doch nicht Schindluder mit der Demokratie, daß wir sie für vereinbar mit der Herrschaft einer Minderheit erklärten. Die rein sozialistische Negierung des November und Dezember hat nicht das Geringste für die Sozialisierung getan. Das Wenige, was auf diesem Gebiet bisher geleistet werden konnte, ist das Werk der setzigen Koalitionsregierung. Eine rein sozialistische Regierung mit einer sozialistischen Minderheit wäre Diktatur des Proletariats. Eine solche Minderheitsherrschaft ist nach kurzer-Zeit zum Tode verurteilt, weil sie sich nicht die Entwicklung vergegenwärtigt, weil sie den Ereignissen vorgreift. Das hat die„Freiheit" als Tragödie LevineS bezeichnet, dessen Erschießung wir als traurigen Rückfall in die Mißstände drS alten Regime? beklagen und aufs heftigste und schärfste bekämpfen. (Lebhafte Zustimmung.) Das war die Tragödie der Münchener Räterepublik, das ist die Tragödie der großen Sowjetrepublik Ruß- land. Auch Lenin kommt nicht ohne Kapitalisten, ohne Ausbeutung, ohne schnödeste Vergewaltigung der wirtschaftlichen Demokratie aus. Politische Freiheit und wirtschaftliche Unfreiheit find auf die Dauer ebenso wenig vereinbar wie wirtschaftliche Freiheit und politische Unfreiheit. Lenin aber braucht beides in feiner Wirtschaft, so ist die politische Alleinherrschaft der Arbeiter nur ein Betrug der Massen. Die Einigung des Proletariats ist nur möglich auf dem echt marxistischen Boden der Demokratie, Erfüllen wir die Massen mit sozialistischem Geist, dann führen wir den Sozialismus durch, gestützt auf den Mehrheitswillen; dann allein machen wir auS der deutschen Republik, was sie bisher nßh nicht ist, eine sozialistische Republik(Schr gut). Alles andere sind aussichtslose V erge w a l tigu ngs versuch e. Genossen! Unsere Kriegspolitik wird von den Unabhängigen verrissen. Wr haben größere Sorgen und Pflichte« des Tages als den Streit darüber, aber der Entwarf von Versailles zeigt, daß ein LebenSinteress« der deutschen Arbeiterklasse die Ab- wehr der Niederlage forderte. Die Friedensb-dingnnge« der Entente waren die endgültige und unangreifbare Rechtfertigung der Kreditbewilligunge«(Sehr gut). Di« Unabhängigen haben wäh- rend des Krieges gepredigt: Die Landesverteilung wäre längst ge- sichert, die Feinde wollten nicht erobern, die Arbeiter hätten kein Interesse am Raufen der Kapitalsten nm die Profite; die Prole- tarier Englands und Frankreichs würden eine Vergewaltigung Deutschtortds nicht zulassen. Alles daS war Phantasie und Lüge. So haben die Unabhängigen während des ganzen Kriegs das Volk belogen und betrogen, sie haben niemals eine Politik der Zielklarheit und der Folgerichtigkeit getrieben. ßetai�iheeit��SKgm�hMn�en�kjSnHn�ii�� wvhrf. Vur freiwilligen Trup- pen hat. Ob immer energisch und geschickt genug dagegen vorgegan- gen worden ist, werden wir erörtern. An Mahnungen hat eS der Vorstand nicht fehlen lassen. Daß grundsätzlich andere MIrtär- Politik richtig ist, zeigt die Sowjetrepublik, deren einzige 'svm ziviusivqzoZ»uyo aamiß zqouz»>lttiuischen Hurrapatriotismus sich hervorragend beteiktgt haben, könne es nicht geben. Der Bund sei aus dem Klaflenkmnpf geboren, er müsse alle Kraft daran fetzen, die Har- moniduselei zv bekämpfen und die Arbeiter zum Kiassonbewußtsein zu erziehen. Redner wendet sich dann gegen die �ichte".AnirSge. die nicht angenommen werden könnten, da sie ben Bund tti Gefahr bringen würden. Wir müssen alle Sozialisten akS gleichberechtigt anerkennen und dürfen nicht zwei Klaffen schassen. Korreferent Weyer(„Fichte"-Berliu) führt aus; Wir wollen den Kamvf gegen die Bourgeoisie führen. Der Kapitalismus hat abgewirtschaftet, wir forder« vom Sozialismus, der seine Erbschaft anzntaeten hat, nicht nur gleiche Rechte, sondern mehr Rechte, nach- de« wir bisher entrechtet waren. Deshalb fordern wir die Dil- tatur des Proletariats. Wenn der Bund sich dafür erklärt, ist „Fichte" auch für Scnigung in Berlin. Mit der Resolution des Buridesvorslandes mck WildungS würde die Einigkeit deS Proletariats ein für allemal verrammelt. BundeS-redakteur Wildnng: Die Arbeiterschaft habe durch die Revolution die Macht in die Hand bekommen. Nur durch ihre Unemigkeit sei sie außerstande, diese Macht zu henckhabsn. Der Bundesvorstand habe immer auf dem Standpunkt gestanden, daß wir Scgialisten seien, ab« wir lehnen rS ad, uns aus den Bode» einer bestimmte« Partei zu stellen. Die große Mehrzahl der vmckeSvereinr stehe ans dem StanbLunkt der S. P. D. Daher fei ehre Spaltung des Bundes unausbleiblich, wenn die An- träge von„Fichte" angenommen würden. Berlin Hobe dem Bund Knüppel zwischen die Bein« geworfen und die Agitation fast un- möglich gemacht. Der Anttag bett. Diktatur sei der Vorstoß einer bestimmten Partei in das Lager des Avbstter-TurnerbundeS. Wir brauchen aine Basis, auf der alle Sozialisten brüderlich zu- sammenaebetten können. Deshalb rufe er alleu Delegierten zutz Seck einig I(Lebhafter Beifall.) Die ganze NachmtttagSsitzuug wurde durch Diskussion übet diesen Punkt auSgefülltz WettcranSnNiten für das mittlere Norddentickiland biS Donnerstag mittag: Grötztentell» trocken nnd im Westen überwiegend jBlu&jetie-Sbn&cht bietet in Kleidern und Blusen preiswerte Eleganz. tmkMleMGMVMerZMvgßdMede! Kollegen und Kollegimicu! Seit Wochen ver. ichlcppen die'Aibeiterzelier trotz deZ Drängins der Or» Ionisationen den Eintritt in kollektive Verbondlungcn. inzwischen ist durch die«achsend« Not die wirtichajttiche jage der Angestellten unhaltbar geworden. Es karm so licht weilergelien l Die Angestellten müffen zeigen, daß U nicht gewillt sind, sich weiter mit Bettelpfennigen ab. peilen zu tasten, sondern mit aller Entschiedenheit daraus »«stehen, das, nunmehr schleunigst und grundlegend Ab- jilse geschaffen wird. Zwecks Stellungnahme und Be- chlutzsassunz hierzu findet am Tonucrettag. den 12. Juni, abends 7 Uhr, s den Mustkersälen, Kaifer-Dithelm-Straße 31, cwe »Lentliche Drrufs-Uersammlung iller Angestallto« der Orost. Berltucr ZeitungK. »etriebe slart.— BollzähSges Erscheinen ist Pflicht aller iollegcn nnd Kolleginnen I higeztultevevebaas see Suohhsnssts, Buch- u. Zeitungs- geworlsea— Zeirtrahferband der Hamttnngsgehilfen. BertiM Bei ßiiHnHn. SÄMM und verwandten Bernfe. Biitgliedschaft Asettzn I u. M(SUtzofi. n. Steindrucker). seilte AitNooch, den 11. Zmil, abends piin'ttich S>� Ilhr, im grosten Saale des»Beritner Klubhaus�, Lhmstr. Z: Jit�SÜÄrvsrLÄMmwny. Tagesordnung: des Ergebnis der Tarifvei'hindlungen für de§ Lithoxraphic- und Steiudruckgewerbe. rteserrnt: Kollege Hast. Die Versammtiina ist fllr die Kollegen von größter Be» dutung. Das Srscheinen aller Mitglieder wird erwartet. 59»" Zutritt nur gegen Borzeirung des Mitgliedsbuches «Zw. Kartet Ohne dso- kein Zutritt l 10g/17 vir verwatwo». I. A.: v. Host««»».«.«,ech. ?rituesA- ?kÄsr Kantstt. I6J am Zoo. L. Woche Bei1 Iseispfc Erfolg! als i feSsrr <§ 175) Von 50/20 Dr. Magnus HlrschfeM Regie: Richard Oswald. Conrad Vcidl— Kelnbold Scbuazcl— Anita Berber Fritz Schulz 5— a 4S— 8.30 Ktaabllssomeiit ftiffbtesr Zlioscr-SchSoonietd«, Berliner SSeatze, Kreil an d. Oborspeee gelegen. Zm Kolljert�Sartea sede» Mittwoch KrsZs»»osMtt salon- Kapelle FoUx Zöllner Ottß S*8öl«tu jeden Donnersta« hn großen Vsriketts«al• Bai! intim GcfKk«(st«c»atiinnsit. Beginn 7 Jeden Sonntag ad 4 Ufit BmMHÄ Kautabak in Rollen und Standen m rrä Tatiak. Zigarren von 600 pro iile»n. 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Schnlaula, Reichenberger Str. öS/TV. Referentln: Genossin Edda Federn. 11. Abt. Schutanla Görlitzer Str. 51, Ogb l. Ausg. 3 Tr. Reserentin: Stadlverordnete Genossin liedzer. 14. Abt. Gewerischastshai�, Engeluser 15, Saal I. Referent: Genosse Lernewitz. 1V. Abt. HandWerkerschulaula, AndrcaSftr. i. Rsf errat: Genosse Lebtet Kniet. 18. Abt» Schulaula, Littauer Str. 18. ,So!>takfsiermtg'. Referent: Genosse Heller. 19. Abt. N eurnann, Schreinerftr. 63. Referent: Stadtverordneter Genosse Pattlooh. 20. Abt. Schuloula, Straßmanni'ir. 6. 21. Abt. Leetz, Thaerstr. 23, laufcsch, Elbinger Str. 24, Pawlowicz, Kochhannftr. 3l Pteltter, Hausburg- strasie 2, Vieber, Ebertystr.4S, Wnibbal, Heiden- seldstr. 20. 29. Abt..Werneuchener Schloß', Werneuchener Ecke Knivrodestrafie. Reserentin: Gen. Krumm. 24. Abt. Kfaelrciewslei, Hein ersdorfer Str. 8, Rösner, Jmmanuelkirchstr. 25, Winzer, Christburgcrstr. 9, Kfihter, GreifSwalder Str. 80b, Schwanherz, Raugardcr Str. 3, Hetze), Greisswalder Str 57. 25. Abt..Bubrsäle", Neue Königstr. 26. Referent: Genosse Oberlehrer vr. NuSbeck. 28. Abt..Bürger heim�, Schönhauser Str. 23. Referent: Genosse Füll. 27. Abt. Schuiaula, Ruh hiner Str. 48. Zirferent: Genosse Dr. Pelser. 29. Abt. Schulaula. Danziger Str. 23. „Sozialifierung". Referent: Gen. Erwin Barth. ersammlungen fiir Kerli» ), den 11. Juni 191», abends 7 Uhr: 7/8. Referent:®e-| SO. Abt. Schulmila, Pabbelalle« 41/4S. Referent: Genosse Lehrer Hlihnsr. 31. Abt. Schulaula, Schönssiesier Str. 7. Referent: Genosse Stadtverordneter Kllnaler. 32. Abt. Gruppe I bei Heubeck, Schönhauser Allee 65, , 71. Biesslii, Stargarder Str. 3, ___. 777. Katlsr, Gleimftr. 46. 38. Abt. Schu7aula, Grannstr. 11. Referent: Genosse Werwutb. 84. Abt« Schulaula, Bernauer Str. 89/90. Referent: Genosse Oberlehrer Meise. 35. Abt, bei Kllmper, Wattltr. 17, Bienenkrug, Volta- ftrasie 48, Saihks, Ackerftr. 81, Wsldlgt, Hulsiten- ftrasie 43, Bandit, Schulzendorfer Str. 15, Steher, Neue Höchst- 43. 36. Abt, bei Bfirwaide, vchlegelstr. 8, Boirau, Pflug- Ecke Wöblertstraße, Hagenstein, Ackerftr. 6, Heese, Bovenstr. 19. 37. Abt. Artusbof, Perleberger Str. 26. Referent: Genosse Willi Gräber. 88. Abt. Caf6 Gärtner, am Stadtbnbnkof Bellevne. Reserentin: Gen. Dr. Frankentha!. 39. Abt. Aula des Friedrtch-Werderschen GhmnafiumS, Bochumer Str. 8».Eozialistermig'. Referent: Genosse Dr. Striemer. 40. Abt. Schmidt. Wiclefstr. 17. 42. Abt. in den Bczwkslokalen. 43. Abt. bei Sehade, CöSIiner Str. 9. . Me>ei, Pantstr. 32. 44. Abt. Kerlin, Pcmkstr. 10, Sohmldt, Prinzenallee 33. 48. Abt. Schulaula, Plantagenftr. 15/19. Rcserent: Stadtperordneter Gmosse Brelat. 47. Abt. Schulmila, Oftendcr Str. 19. 48. Abt. Grunelvald, kameritnerftr. 19. Referent: Genosse Hennlcke. TouuerStag, den 12. Juni, abendS 7�, Uhr, 13. Abt. km Alexandriner, Wexandrinenstr. 37. Freitag, de« 13. Juni, abendö 7 Uhr, 41, Abt. in der Patzenhofer Brauerei, Tnrmstr. LS. Referent: Genosse Oberlehrer Meise. Sezialdcm. Wahl verein Stralau(S.P.O.) Allm Mftgllebern zur Nachricht, daß unser Denoff« kvöolk Ssmsim Sonnabend verstorben ist. Ehre seinem Andenke» I Die Beerdigung findet Mittwoch, nachm. 5 Uhr, auf dem Sememdcfriedhos Stralau statt. 244/13 Der Vorstand. DanlcMaeant;. Fite die vielen Beweise herz. Ncher Teilnahme bei dem Htn- scheiden unserer Nebe» unoer* geblichen Tochter sage» wtr alle» Parteigenossinnen qnb Genossen insbesondere dem Bezirk Schäfer unser» herzlichsten Dank. Berlw-WIlinersborf, 7. Zimt. Ludolf Hetnge»»6 Zrau nsbft Tochter. S6I9b WM»er beseitigt �nanrsöSllSSSlde jech Houlaussckt., Flecht, Hautjuck., bes. Betnschad., Krampfadern der Frauen u.dergi, in Orlglnaldosen 4.56.7 56 erhältlich in der „Elcfanien-Apotheke" Berlin 213, Leipziger StraBe 74(a. DSnhoffpl) Jeder Art preiswert «roßr Annwahl BF.RI.IV• BrnnBcsstvsSe 7, Mähe Rosomhaler Platz. SsWiWMl. Wlvlleül Min(SJ.D.) Heute abend 8 Uhr: Bezirks- Versammlungen B-zdcke: 1 2 » 4 5 8 » 10 Qlawe, Schwtestr. 22. KoCdeutscher, ta«tchstehende» Lokale»: Spremderger Straße. dieuxevauer, S anderste. M. u. 6 Scholz. Reute rstr.. Ecke Leaanste. tL TThiel. Weserstr., Ecke Frtedelstr. Sraad, Pflügerftr. 19. oerathoraer, Pannierstr. 40. Atdrinx, Pannierftr. 54, Ecke Weserstr. 11 Ufld 13 MaHenfeld, statser■ Friedrich» Straße 226, Schwel jrhSfrr. Weichselstr. 69, Schiitler, Weichselstr. 6, Ecke Dono»- ��"Podhlolsld, PrOfert, ffnlboftr. 46. Ewald, Weserstr. 172, Scbwcaael, Eldestr. 8, er, Donaustr. 114. Weichselstr. 2. Pfeiler, Llagk, Anzengrnberstr. 25. Müttlcnhaunt, Harter Str. 22, dlexer, Weserstr. 20. Eck» Treptower Straße. Mitscbe, Berthelslwrfer Str. 8, Ecke Donanftrnße. u. 27 Ltchreastote,«erastr. 144. u. 31 hI0»ow, Latfer-Friebrich-Str. 122. Ecke Saalestr. ». 84 Amolongocn, Schwarz ostr. 1, , SO u. 33 Panzer,«ZHmtichestr. 43/44. 35 n. 88 Kukutsch, Saalestr. 5. 37 bis 45. 5. Abt. Lderrealschnle. Emfer Straße. 24 82 40 Kntzke, Lewestr. i. 50 Kittler, Leykestr. 8. 52 Cenke, ST 63 u. 54 Grlei 55 Schmidt, mmmshorfet Straße. 86 u. 57 lUchnow, Ecke Leffiagstr. Wlschaewsld, Ziethen str. , ceprefrr. a. Thomas str. 40. •fe?® 84, Sckr 218, SO Scblmmelpfennlr, Ode ISgrrftr. 60 Dansacker, Ztethrvstr. 86. «1 Iden, Bobbivfrr. 56. 62 Wan, Bllerstr. 7. 63 Blum, W-isestr. 23, Ecke Strwmetzsir. 64 Hentschel, Herrsurthftr. 27. 65 Knnert, Herrfurth str. 12/22. DsnuerStag, 12. Juni, abends 8 Uhr, Bezirk» 46, 47, 48 u. dt Beraer, Hermann- straße. Ecke Schterkestraße. Die BezlrkSversammluogrn der 9. Mt. finde» am 18. Juni in folgende» Lokalen statt: 66, 67 u. 63 Benhaner, Mahlowe, Str. 12. 60 u. 7V Balewakl, Rünchener Str. 23. 71 u. 72 Brettkreutz, Rettterstr. 11. 73, 74 u. 75 BShr, ttorl-gartenstraße. Ecke Wlssmamistraße. ZerbWii der Mer. tMerer, WWer m. Bureau: Melchiorftt 28. part.eischmarle), also 50 Eraiam. Dt« Ausgab« der Nährmittel erfolgt ebenfalls in der Woche vom 9. bis IL. Sunt in durch besonderen Aushang kenntlich gemachten Geschäften, die noch bekannt gegedeu werben. Berlin, den 6. Juni ISIS. A-Nr. 488. V. S. ta. W. Der Magistrat. Werm uth. Betrifft Mieterschutz. l. Aus Grund des§ 5, Ziffer l der Bundesratsvsrordimns vom 23. Septrmder 1618(Betaimttnachemg zum Schutze der Mieter) und auf Grund der Ermüchttgung des Hemm Staats- lommissars ftlr da» Wohnungswesen von, 13. November 1918 wird hiermit sitr dm Bezirk der Stadt Beelin angeordnet, daß die Berinieter von Wohne iiumeu der Gemotnbebohörde(Wvh- nungsamt) unvsrzllallch Anzeige zu erstatten haben, wenn«ine fett dem 1. Juni«17 dauernd oder zeltweise vermietet wuoes-ne Wohnung am einen neuen Mieter zu einem HSHoren Mietzws vettntetet wird, als ihn der kitte Rieter zu mttichte» hett«! tn der Anzeige ist der Zuletzt entrichtete und der neue Mietzins anzugeben. Et-osige Rebenletftunge» de« Mieters gettru als Tru des Wietzins»«. Wer vorsätzlich dieser Anordnung zuwider eine ihm ob. liegende Anzeige nicht rechtzetttg erstattet oder wtssmtkchun. richftge ober unvollständige Angaben macht, wirb mit«elvflrase bis zu 1000 M. bestraft. II. Eleichzettig wird hiermtt zur öffentliche»«enntnis ge- braÄ daß t der Herr Staatskommissar fllr das Wohnungswesen auf unfern Antrag unter dem 5. Mai 1619 die Mieteini. gungsämter ermächtigt hat, auf Anrufen der Seeneinde- behorde(Wohnung samt) den mtt dem iieuen Mieter vereinbarten Mieqiu- auf die angemessene Höhe her» abzufetzen. 2. her Herr Oberprüfldent von Berlln auf unforn Antrag unter dem 14. Mnt 1R9 gemäß S 0 der Bundesrats. Verordnung vom 23. September 1918 angeordnet hat, daß a) die Vermieter von Wohnräumen ein Miewerhiiftnis rechtswirksam nur mit vorheriger Zustimmung des Einigungsamte» kündigen toanen, insbesondere wenn die«lindigung zum Zwecke der Miete- steigerung erfolgt, b) ein ohne Ztitubtgung ablaufendes Mietverhittttrts als auf unbestimmte Zeit verlängert gilt, wenn der Vermieter nicht vorher die Zustimmuiig des Nai- gunjeantles zu dem Ablauf erwirkt hat. Das Sl>i»gu>mss»it tann bei der«tttscheiduitg die FartfKnny ad« die«esliingevuna des«>et- veriiattnisse» jeweils bis zur Daner etttes Kchees bestimmen. Bestimmt da» Einigungsamt dt« FvrUotzuug oder die Beriänaerung de« Mietverhältnisses, so tann es dem Mieter neue Peipflichtungea auf» erlegen, insbesondere den Mietzins erhShen. Verl in, de» 5. Juni 1919. Magistrat. Mermuth. st» Tgb..Nr. 219 M. E. A. 19. ZelWemg MMWM Am 16. Juni 1212 und eventi. an don folgenden Tollen 190 Fahrzeugen statt. Zur Bersteigerung gelangen: ca. SS Pcrsonenwastcu, , 65 Last- uud Lieserwagru, » 17 Krairkruwage»,. „ 85 Anhltuqer, » LS F-nhrpestelle, » 10 Motorräder, diverse Matore», „ Motorfahrzeugteile. Verzeichnis der Berlteigerungsobsette nebst Einzelhelien über dt« Versteigerung tst vom 12. Juni i der Filiale Berlin-Temvelbof ztu erbaltcn,. Dortselbst tönneu die Obsekte am 14., 16. und 17. Juni von vormittags 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr gegen Hinterlegung einer BtrtetaMion von 590 M. in bar pro Perjon besichtigt werden. Ohne Htnteriegung der Bietekautto» tann da» De- lllnde der Mtiale am 14. vi» 17. Juni sowie während der Ber- steigenrngstage» nicht betreten werden. Die Bietekmitwnskarte ber porigen Berstrigerung tst nicht gültig. Dieselben muß neu gelöst werden. >�«»1««, au leihe wird nur in Zahtung genommen, wen» > r» durch«orioor seines Zejchuungsschetr.es»schweift, Säufer daß'er bte'Srteaaanleihe selbst gezeichnet hat. A angine derselbe» zum Nennwert. LSD Berlin, den 10. Juni 1910. Reichsverwertungsamt VerkaufsabteUung für Antomobilweseu r(„Vaubil"). KLAVIERKAUF ist I YERTRÜDEHSSACHE! Wenden Sie sich deshalb immer an ein Special- Geschäft. Lassen Sie sich nicht durch Stuben- und wilde Händler und deren Schlagworte irre machen. Nachweislich zahlen Sie dort mehr als in einem reellen Geschäft und tragen allein das Risiko. In einem Spezial-Piano-Haus finden Sie fachmännische Beratung und Bedienung, reichhaltiges Lager und können sich hinsichtlich der Garantie an die renommierte Firma halten. Alle diese Vorteile beim Kauf hab.Sie immer bei SPAETHE Potsdamer str* 136—137, an der Linkstraße Volksbühne Theater am Bülowplatz. Direktion Friedrich Kayßler. TV; Uhr:'» JungferngUt. DentscUcs Theater. Allabendlich 8 Uhr: Max Paüenberg in Familie Schimck. Kammerspiele. Allabendlich J'/j Uhr: Leopoldine Konstantin in Elfersucht. Theater des Westens Allabendlich T/s Uhr- Mla Werber und Hans Wass- mann in Geisha. Dlr.:C.Meinhard-R. Bernauer Theater 1. d. PniggrätzerStraSe 8 Uhr; Brdgeist. (Lulu: Maria Orska.) Donnerstag: Musik. (Clara; Maria Orska.). Freitag: Erdgeist. Sonnabend 7 Uhr z. I.Male: Der Häuptling. Satirspiel i. Z Akt. v. F. Apel. (Alfred Abel, Math. Brandt, ErnstDernburg.GreteDiercks, Alexander Ekert, Werner Hollmann, Max Jungk, Rieh. Leopold, Ernst Pröckl, Otto Schiller, Reinhold Schünzel.) KomSdienbaus an der Marschalibrücke Gastspiel LucicHöflich u.Ludw.Hartan VjSUhr: IfSBlOtt von der Pfalz. Berliner Theater VsS; Sterne, d. Wied, leuchten. uonn. U. Neueinstudiert: Die tolle KomteB. Operette in 3 Akten v. Rudolf Bernauer u. Rudolf Schanzer. Musik von Walter Kollo. (Hilde Wörner. Melitta Klefer, Olga Engl, Emil Birron, Ernst Behmer, Hermann Eicha, Paul Rehkopf, Alfred Scherzer.) Freitag: Sterne, d.wled. leucht. Residenz-Theater. Untergrundb. Klosterstralle, Ausgang Stralauer Straße. Täglich 8 Uhr: las lere IM Schauspiel von Sudermann Regie: Allred Rotter. I.esslnjf-Tlteater Sommerspielz.: H. Sternberg. Gastspiel Guido Thielscher: 8 Uhr; Ch.irleys Tonte. Uentmeheo Kttnstler- Tkeater. Sommerspieueit. Dir. Max Adalbert/ Kurt Gütz. Allabendlfch 7Vi Uhr: Die KutBcbbahn. Central-'SThenter Kommandanterrstraße 57. Jh7/; Die Schönste von Allen. IteatsrheH Opernhaas 7 Uhr: Cavalleria rusticana. Die Schwätzerin v. Saragossa, Frieiir.-Willielnist. Theater ijllf: Das Dorf ohne Glocke. Kleines Theater. Tt/, uhr: Kilnunelhlättcuen. Komisclte Oper JS: SchwarzwalftmailEl. liustsplelliauiü u�. Die spanische fliege, MetropoI-Tk?eater. 7 uhr io: Die fascWM. V«ue« OperetteAUans t-zsu.: Die Dame voinZhlnis. Falast-Theater 7./. uhr; Talisman. Operette in Z Akten v.Zorllg. »Clilllcr-Theat. Chart. 7'/, Uhr:«0�31156. Thalia-Theater 7v.u.: Zur wilden BonifflBl. Th. am Vollendorfplatz VI, Uhr: Der neue Stiftsarzf. Gr. Freund. E. Liehtenstein in vi, uhr: Die Puppe. Theater d. Friedrichstadt vi, uhr: 4 Einakter. Wallner-Theater 7v. mtr: Mandragola. National Theater. Stürmischer Erfolg. VI, Uhr Die Kinopnppe. Trianon-Theater. 8hf. Friedrichsir. Ztr. 4927,2391 Tägl. 8U. Heute z. 275. Male; Oer gute Au} von Hermann Sudermann. �onna' d l/,4: Aschenbrödel. Sonntag 4 U.: Johannlsleu e r. Walhalla- Theater. VI, Uhr: Die hieine Sklavin. Rose-Theater. z! 25� Maie; EHe-ürlaub VI, Uhr Gaitenbühne: Das sieht steh Jeder an. Vorher Konzert u. Spezialität Casino-Theater. Eothring. Stc.87. Tä«l.»/.8 Uhr. Rur noch bis diesen Sonnfng Set seiige Allstlünsli unb das gr. Ep;jialit..Proqr. Sonnt. VI,: Du ahnst es nicht. Ad Montag, 17. Juni, geschloff. Enisen-Theater. ni,. Sie liebt- � sobeue ZZsms Zdenb z: ltax und Boritz. sonntagZ:!iajiaIe n. Liehe. APOLLO b Friedrichstraße 218 P Dir.: James Klein I 173/ Sonntag 73/1 i< /4 3'/. und'/ 4| Gastspiel Anton Herrnfeld rn. seiner aus i8 Personen bestehenden Gesellschaft in der 3aktigen Burleske Wer ist der Vater?! Vorb. Spezialitäten!| Theater am Kottbus.Tor 3 Allabendlich 7 V- Uhr: Elite-Sänger �.4 Stettiner Sänger Ruselli, Horst, Seidel usw. Humor. Spielpi. Sommerpreisc I Im Garten: BiüthgenJensonnen"-Behandillng ist das beste und neueste Heilveriahren bei allen Erkrankungen der Lunge und der Atmungswege, speziell bei Lungenschwindsucht und Tuberkulose jeder Art, chirurgischer sowie innerer. Die hiermit erziesten Heilerfolge sind unbestreitbar. Daneben kommen die modernsten und besten Heiiapparate und Methoden zur Anwendung, z. B. Röntgen-Behandlung und»Uniersuchnng, Elekiromagneio. 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Harn-, und Unterleibskranihesten.— AreiwiNige. briefliche und mündliche Anerkennungen früher behnndeller und geheilter Bnlienlen, die angaben, vor der Behandlung in unserer Ailstast andermeilig ohne Erfolg dehandest worden zu sein: z. B.: i. und 2. schreibt Herr Lehrer Zlelske ans Iachzendrück bei Joffe» am 21. Dezember 1918:»Nachdem ich in einem Gebirgs-Eanatorium für Lungenkranke 5 Monate ohne Erfolg behandelt worden bin, habe ich in Ihrer Heil- anstatt wieder Heilung gefunden und wurde vom Kreis- arzt, der mich vorher für diensiunfähig erklärt hatte, nach genauer Untersuchung wieder für dienstfähig befunden. Seit dem 18. Ottober 1918 erteile ich 4 Stunden ununter- krochen Unterricht. Dies schreibe ich Ihnen ohne jegliche Beeinflussung Ihrersests. Auch meiner Frau, die bei Ihnen behandelt wurde, geht es ausg«zeld,nct(litt an iuberfnl. Halsdrüsenoereiterung)."— Hexr Werkmeister B Böller, Berlin, Utrechter Str. 25, schretlit:„Nachdem, ich mehrere Wochen in einer ärztlichen Klinik ohne Erfolg j behandelt worden war und mir schließlich der rechte Arr: abgenommen werden sollte, habe ich mich in letzter Not an Ihre Anstalt gewandt und bin mit 45 Behandlungen von meiner Blnloergifknng und BeteHccnng Oes rechten Armes und der ynn» geheilt worden."— 4. Frau Magiftratsasslstent herrmnnn aus Kottbus, | Lausitzer Str. 14, schreibt:„Ich bin von meinen INngen- gsschwüren mit 89 Behandlungen völlig IN Ihrer An. stall geheilt worden, nachdem ich 12 Jahre lang ander. wettig ohne Ersoig behandelt worden war. Ich fiihie mich so wohl und gesund, wie ich mich noch nie gesuhlt habe."— 5. Herr Feuerwerksieutuant Blnschlonln, Nentölln, Weser- Straße 31(jetzt Königsberg L Pr.) schreibt:„Meine ' Mutter, meine Schwester, meine Frau und ich sind i >. Herr Feuerwerksieutttant Maschlonkn, ~'...... Li.. ,.: Frau und ich. Ihrer Anstatt geheilt und gebessert worden: die Mutter von chronischem Blagenleidcn, die Schwester von Kopfschmerzen nnd Schwerhörigkeit, meine Frau von [ Herz- und Magenleiden und ich von nflgemeincr I nervöser Abspannung-— 6. Frau Restaur. gering, Berlin, Schönhauser Allee 87, schreibt:.Ich bin vor ! mehreren Iahren bei Ihnen von cherzleide» nnd empfohlen. Sollte sich irgend eilt Leiden bei mir bar machen, so werbe ich mich sofort wieder an Sie wenden."— 7. Herr 20. Heese, Tempelhof, Kaiserin- Augusta-Siraße 87: Von 5 Monate alier, stark eiternder, breiter opernlions-Bnnch- und Darmfistel geheilt (vorher zweimal operiert).— 8. Herr W. Beermann, Rahnsdorf, Dorfstr. 9: Bon lnberlnlöfer Brust- nnd Rippenfellvereilernng geheilt.— 9. Herr A. Schön. Ehariottcnburg, Spandauer Berg 21: Bon Bronchial- oflhma geheilt(anhait. Heilung 9 Monate später de» ftättgt).— 10. Frau m. Bornemann, Berlin-Trcptow, Graegstr. 8: Bon Bieren- n. Blasenleiden geheilt.— 11. Frau Sennesch. Berlin, Schreinerstraße 11: Bon Anierleibsleiden und AingervercUernng geheilt (Finger sollte abgenommen werden).— 12. Herr B- Warslam, Schöneberg, Edersstr. 58: Bon allgemeiner Renrasthenie, herz. u. Mngennenrase unb Annemie geheilt(vorher dreimal Nerveucho!).— 13. Frau L. Areunb, läharlottenburg. Peftaiozztstr. 53: Bon BenencnfzünOnng tm Ankerschenlei geheilt.— 14. Frau A. Rendaner, Eharwttendurg, Kaiserin» Augusta-AlleeOl, I. Ausg. I Tr.: Bon Rernenschmerzen in der Hilft« und UnfähigkcU zum Gehen geheilt.— 15. Frau S. hodors, Berlin, Kolberger Straße 28/29: Bon Rernen- n. ftnochenfjaut- tEnf jünbung(oofl- 5 ständig gelähmt) geheilt— 18. Frau M. Snarr. (! Lichienberg, Scharnweberstr. 82: Fu verschiedenen Malen von akuten und chronischen Leiden geheilt, tt a. von herzschmäche, Lebrrschwel-nng u. Magenkrebs.— 17. Frau Ä. Gnebaner, Ehariottenburg, Kaiser- Friedrich-Straße 102: Bon aflgemeiner Renraflhenie, Lebernnschmellnng nnd Gnflenflcinen geheilt(nach kurzer Behandlung Abgang von 18 Dallensteinen).— 18. Zomilie Kirchner, Sieglitz, Aibrechisiraße 107: Bier Personen von verichiedenen Leiden geheilt(gern zu Auskunst darüber bereit).— 19. Frau SC Wunderlich, Berlin, Schwedter Straße 250: Von Magen- nnd Darmgefchmüren geheilt— 20. Frau E. Rcgies. Berlin, 3!eanderstraße 5: Bon Rernenschmerzen im ganzen Körper geheilt— Getrennte Behandlungsräume für Damen m. Herren!— Sprech- u. Behandlung-- zeit: 9—1, 4— J'/s-— Sonn- und Feiertag: 9—1, Aerztliche Anstaltsleitung: heilanskaUsbesitzer* Professor P. Mistelsky gradniert und approbiert im Ausland öeLlin SO. 16, Brückenstr. 10i? am Bahnhof jannoxrltzbrllche. Nr. 2HZ ❖ 3S. Jahrgang 2. Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 11. Juni 1919 GroMerlin Tic Forderungen und das Anstcllungsverhältnis der .Silfsangcstcllteu der Gemeinden. AuZ den Kreisen der Burecruhilfskräfte der Stadt Berlin er- Balten wir eine umfangreiche Zuschrift, die im wesentlichen folgen- des sagt: Unsere Forderungen gehen aus einen Ausgleich unserer Arbeits- bedingungen mit den weit besseren der Handarbeiter und unserer Kollegenschaft in den Privatbetrieben. Tie schlechten Lohn- und Kündigungsverhältnisse der Hilfsangcstcllten wurden in der impo- santen Massendersammlung im Zirkus Busch am 15. April in einem ausführlichen Referat genügend vom Kollegen Bauer, vom Verband der Bureauangcstellten Deutschlands gekennzeichnet unter gleich- zeitiger Begründung der ausgestellten Forderungen für die Wirt- schaftlicbe Besserstellung. Von Interesse dürfte aber das allgemeine Anstellungsverhältnis sein, besonders im Hinblick auf die Debatte in der Berliner Stadtverordnetenversammlung vom 5. Mai. Die Hilfsangestellten oder Bureau- und Kanzleihilfskräfte sind Angestellte im Sinne des Gesetzes und werden individuell auf Privatdienstvertrag angestellt. Zu ihnen gehört nicht die Gruppe derjenigen, die ein« Anstellungsurkunde besitzen und deren An- ftellungsvenhältnis aus dem � 9 des K.B.G. basiert. Durch die Art der Anstellung und im weiteren durch die Beschäftigung hinsichtlich der Zeitdauer war«ine austerordentliche Benachteiligung zu den Kollegen in den anderen Betrieben gegeben. Der kaufmännische und Bureauangestellte regelt sein Anstellungsverhältnis nach dem Handels- und Bürgerlichen Gesetzbuch und kann das Kaufmanns- oder ordentliche Gericht in Anspruch nehmen. In den kommunalen Verwaltungen fehlt aber den Angestellten dieses Recht, selbst die Erklagbarkeit steht ihm nicht mebr zu. Das Anstellungsverhältnis «gelt cm Hand«allgemein gegebener Unterlagen der Borge- setzte selbst. TS ist somit auch mehr öder weniger seine wche, die rechtskräftigen Entscheidungen zu treffen. Dinge schwer- wiegendster Art und nicht zuletzt die Existenz von Menschen hängen von der persönlichen Auffassung und vielleicht dem willkürlichen Urteil ab. Da wird man sich vorstellen können, wie sich praktisch die Gnade bzw. Ungnade bemerkbar macht. Tatsächlich war daS Organ des SelbstverwalwngskörperS ein Bureaukratismus der Be. Hörde mit allmählich sich herausbildenden willkürlichen Befugnissen geword-en. Die AngestelltcnauSschüsse sahen wirklicheArbeit- gel« er vor sich, die eigentlich genau im Unternehmerver- hältnis sieben. Nun ist es Aufgabe der Gemeinden, zu dem natürlichen System der Selbstverwaltung zurückzukehren. Das Mit- bestimmungsrecht bietet die beste Gelegenheit: es kann in den Ge- rneindevcrwaltungen viel weitgehender geltend gemacht werden als in Privatbetrieben. Nur in vollständiger Perkennung d>es Wesens der Selbstverwaltung und der für sie durchzuführenden Demokrati- sierung konnte der Stadtverordnete Mommfcn sagen, dast der Schiedsspruch vom 30. April ein Unglück iür die Selbstvenoaltung sei. Natürlich wird dabei der„Herr-im-Hause-Stairdpunkt" abge- schafft; desbalb kann man aber niemals sagen, dast die Dinge nun ondnungSmästig nicht mehr aefübrt werden können. Man mustt« sich an verantwortlicher Stelle hüten, die Dinge so auf den Kopf zu stellen, wie es in der Stadtverordnetensitzung getan wurde. Wir Hilisangestelltcn betrachten uns als Arbeiter für das Wohl der Oeffcntlichkcit Und wir haben ein Recht, uns die Bedingungen für eine bessere Lebenshaltung zu schaffen, wenn fie nicht gegeben sind. Aber das Anstellungsverbältnis zu bessern— man kann dies Be- streben mit Forderung bezeichnen— ist nicht- zuletzt moralische Pflicht aller dafür maßgebenden Stellen. rungen und Provinzial-Schulkollegien neu zu beleben, wird diesen Behörden je ein Vertreter aus der Lehrerschaft bcgcgeben werden. Eine Bitte auf Vertrauen für den Minister schloß diese Begrüßung. Mit dem Eintritt in die Tagesordnung ergoß sich die Fülle der Meinungen über die Versammlung. Stimmberechtigt waren nur die etirn 40 Delegierten aus allen Gauen des Reichs. Die Zu- sammenfassung zu einem zentralen V e r b a n d wurde be- schlössen. Ob die Satzungen endgültig oder bloß provisorisch sein sollten, wurde viel umstritten. Eine neue Tagung wurde für Herbst oder Sommer in Aussicht genommen. Wohnungsbeschlagnahme in Berlin. Zur Bekämpfung des Wohnungsmangels gab schon die Bun- desratsverordnung vom 23. September 1918 den Gemeinden das Recht der Beschlagnahme von Wohnungen, die dann durch sie an Wohnungsuchende weitervermietet werden sollen. Der Berliner Magistrat will, einem Beschluß der Deputation für Wohnungs- Wesen folgend, jetzt dieses Recht gebrauchen, um für den Ilm- zugstermin des 1. Juli eine Wohnungsreserte bereit zu haben. Er will aus den von Grundstückseigentümern mit Koftenzuschüssen der Stadt hergerichteten Wohnungen 500 mieten, die über die ganze Stadt verteilt sind und je zu einem Drittel aus Einzimmerwohnungen, Zweizimmerwohnungen und Dreizimmer- Wohnungen bestehen. Ter Mietpreis für zunächst drei Jahre wird im ganzen auf 845 000 M. geschätzt, die aus den einzelnen Mieten größtenteils wieder einkommen würden. Es handelt sich, wie man sieht, nicht um Beschlagnahme von Luxuswohnungen oder der ab- sichtlich der Vermietung entzogenen Wohnungen, also auch nicht um eine Mehrung des Wohnungsangebotes. Der Magistrat will nur „Generalmieter' spielen um bei der Weitervermietung die Ueberteuerung der Wohnung suchenden ein- dämmen zu können. Er beantragt die Zustimmung der Stadt- verordneten und Bewilligung des erforgerlichen Vorschusses von 845 000 M._ Tie Kommunalifierung der Straßenbahn. Die Verhandlungen der Kommission des Zweckverbandes Groß- Berlin mit der Direktion der Gesellschaft Große Berliner Straßen- bahn, die auf Kommunalisierung des Unternehmens abzielen, haben Dienstag unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Mermuth begonnen. Sie blieben einstweilen ergebnislos, weil zunächst Neigung zum Nachgeben noch bei keiner der verhandelnden Parteien vorhanden ist. Ter Zweckverband bietet 100 Millionen Mark als Kaufpreis, die Straßenbahndirektion aber behauptet, mindestens 198 Millionen fordern zu müssen. Donnerstag wird weiterverhandelt. Verbandstag der sozialistischen Lehrer- und Lehrerinnen- Vereinigungen Teutschlands und Oesterreichs. Die Verhandlungen begannen Dienstag im Orientalischen Seminar. Nack« einer Begrüßung durch den Vorsitzenden Nydahl sprach Rektor Wille im Auftrage des Ministers. Was er über bevorstehende Maßnahmen«ankündigte, dürfte das Wichtigste aus den Besprechungen des Vormittags gewesen sein. Die K ü n d i- gung aller geistlichen Kreisschulinspektoren steht unmittelbar bevor. Die Schulaufsicht soll nur von wirklichen Fachleuten geübt werden. Ein weiterer Erlaß wird den Konsirmationsuniericht regeln. Der Schulleitung wird ein ständiger Beirat in Schulsaäben zur Seite gestellt. Auch eine Reichs- schulkonferenz ist in Aussicht genoinmen. Um die Regie- � Ucbcr die Uebcrnahme der Großen Berliner Straßenbahn i durch den Zweckverband hat sich Dr. Wussow, der Generaldirektor dieser Gesellschaft, einem Lokalkorrespondenten gegenüber folgen- dermaßen geäußert: Die Uebcrführung der Großen Berliner Straßenbahn in den Besitz der Gemeinden ist im Augenblick eine Notwendigkeit für diese geworden. Der Verkehr kann auch durch die Gemeinden nicht besser bedient werden als jetzt, da die Große Berliner als Privatunternehmen das Menschenmöglichste geleistet hat. Die Große Berliner Straßenbahn ist das ertragskräftigste städtische Unternehmen Europas; daher haben die Gemeinden das größte Interesse, es ihrer eigenen schlechten Finanzlage wegen schnellstens in ihre Verfügungsgelvalt zu übernehmen. Unter der Boraussetzung, daß die Tarife der Geldentwertung und den in an- deren deutschen Großstädten eingeführten Mrifen entsprechen, wurde das Unternehmen bei dem Umfange seÄes Verkehrs allein iast die gesamte Verzinsung der ungeheuren Schuldenlast �der Stadt Berlin tragen können.* Tie Große Berliner Straßenbahn dürfte damit in Zukunft, wie früher die Eisenbahn für Preußen, das Rück- grat für die Finanzen Groß-Berlins bilden(?). Gegen die Kommunalisierung der Straßenbahn ist nichts einzuwenden. Unter- ständlich ist es nur, warum der Gesellschaft tnit der Unterbindung der Lebensader gedroht wird, indem man sie durch Wiedereinfüh- rung des 12�-Psennig-Tarifs iünerhalb zweier Jahre durch den damit bedingten Verlust von rund 40 Millionen Mark in Konkurs bringen will, wenn sie nicht binnen zweier Wochen das Unter- nehmen für einen Kurs herausgeben will, hei dem der größte Teil der Aktionäre etwa die Hälfte seines Geldes verliert. Ein solches Vorgehen kann vom moralischen und rechtlichen Standpunkt nicht gebilligt werden(!), das Tarifrecht des Verbandes gewährt diesem die Kontrolle darüber, daß die Privatgesellschaft sich nicht über- mäßig auf Kosten der Bürgerschaft bereichert, es gibt ihm aber kein Recht, den anderen Teil wissentlich zu ruinieren, um ihn dann billig einzuschlachten. lieber den heutigen Wert des Unternehmens führt Tr Wussow aus, daß bei der Forderung von 198 Millionen Mark keineswegs«in Koujunkturwcrt angegeben worden ist. D:e Herstellung eines solchen Unternehmens würde heut« etwa 500 Mil- lionen Mark kosten, nach Abzug der heutigen Schulden verblieben noch rund 400 Millionen Mark. Ter Sachwert von 198 Millionen Mark ist in der Voraussetzung errechnet worden, daß die Material- preise und Löhne in Zukunft auf 50 Proz. über den Friedensstand zurückgehen und daß eine Abschreibung auf die Anlagewerte in Höhe von 3314 Proz. in Ansatz gebracht wird. Hetze gegen die Regiernngstruppen. Der„Vorwärts" brachte in seiüer Morgenausgabe vom 8. Juni unter der Ueberschrift:„Wie lange soll die Provokation noch dauern?" einen Bericht, wonach bei Biesdorf auS einem fahrendem. Zuge heraus von Regierungstruppen auf Eisenbahnarbeiter ge- schössen ivordeu sei.— Wie uns hierzu mitgeteilt wird, hat chh der Vorgang folgendermaßen zugetragen: Der Zug befand sich in lang- samer Fahrt. Tie Regicrungssoldaten, die auf offenen Loren stau- den, wurden von Streckenarbeitern, die am Eisenbahndamm ar- beiteten, bedroht und mit Steinen beworfen. Als ein Arbeiter sich anschickt«, einen großen Feldstein nach dem Zuge zu werfen,� während ein anderer zum Wurf ausholte, um einen eisernen Schraubstock nach den Soldaten zu schleudern, zyg ein Soldat vom Husarenregi- nient 11 seine Pistole und schoß nach den Angreifern, von deneit einer getroffen wurde. Die Zeugenaussagen haben übereinstimmend ergeben, daß von den Regicrungssoldaten keinerlei Provokation stattgefunden hat. Dagegen wurde der Transport auf der Fahrt durch Lichtenberg verschiedentlich von den Eisenbahnarbeitern be- droht. Es ist bedauerlich, daß durch den im„Vorwärts veröffent. lichten, nicht den Tatsachen entsprechenden Bericht den Kounnu- nisten und Gegnern der Regierung Agitationsstoff gegen die Regie- rungsiruppei, zur Verfügung gestellt worden ist. Tie kommunalen Arbeiterräte in Teltow und Niederbarnim. Die Frage, ob die kommunalen Arbeiierräte weiterbin von den Gemeinden anerkannt werden und demgemäß zu unterhalten sind, ist für Kreis Teltow durch folgende Verfügung des Landrats von Achenbach geregelt worden:„In den Gemeindevertretungen be- stehen zum Teil Zweifel, wie nach der Wahl der neuen Gemeinde» Vertretungen die Stellung der Arbeiterräte zu beurteilen ist. Diese Zweifel sind begründet und dränge» dazu, daß die Frage einer grundsätzlichen Regelung zugeführt wird. Bis diese getroffen ist, wird es sich empfehlen, an den Verhältnissen, wie sie sich in den einzelnen Orteir herausgebildet haben, soweit nicht besondere Ver- anlassung vorliegt, zunächst nichts zu ändern.— Die Zentralstelle der Arbeiter» und Soldatenräte des Kreises Niederbarnim weist ihre Mitglieder an, treu auf dein Posten zu bleiben und gewissen« hast nach dem Rechten zu sehen. Lazarette Groß-Berlins. Im Plenarsaal des Herrenhauses Donnerstag, 12. Juni, 10 Uhr, Vollversammlung. 100 Lazarett- insasscn senden je einen Vertreter. Ausweise mitbringen! Tagesordnung: Bericht der Reichskoinniission. Wahl der Delegierten zur Reichskonferenz. Verschiedenes, Um pünktliches Erscheineir wird gebeten. Die Lazarettkommission. Ehemalige österreichisch-ungarische Soldaten erhalten rüikstän- dige Gebühren in der Kaserne des 3. Gardercgiments zu Fuß. Berlin, Wrangelstrntze. bei der österr.-ungar. Liquidierungsstelle. All« Militär- und Legitiniationsdokumente mitbringen. Für die Zeit vor dem 1. November 1918 werden Forderungen nur auf Grund von Dokumenten berücksichtigt; Rückstände nach dem 1. No- vember werden mit 50 M. abgefertigt. Zivilklciderentschädigung 100 M., falls nachweisbar, daß Kleider nicht zurückerhalten, sonst gegen Abfuhr von Mantel, Hofe und Bluse. Einzelne Stücke wer- den nicht übernommen. Abfertigungsgeld wird keines verabfolgt, ebenso werden von dieser Kominission keine Jnvalidengebühren aus» bezahlt. Auszahlungen wochentags 9—1 Uhr: Rainen mit An- fangsbuchstaben ton A— S bis 13. Juni, T— Z vom 14.— 20. Juni. Auswärtige machen ihre Ansprüche schriftlich— mit Dokumenten belegt— geltend. Endgültiger Termin 20. Juni; wer bis zu diesem Tage seine Gebühren nicht behoben hat, hat keinen Anspruch mehr. 1] Die Amnestie. Novelle von Eotilia Pardo-Bazanr Uebevtragen von H. Hesse. Von allen Frauen, die von der schneidenden Kälte er- starrt, am frühen Morgen im März an der öffentlichen Wäsche von Marineda wuschen, war die Tagelöhnerin An- tonia am abgearbeitetsten, am gebücktesten, und sie wrang die Wäsche mit der größten Kraftlosigkeit, ohne jeden Schwung. Zuweilen unterbrach sie ihre Arbeit und wischte sich mit dem Handrücken über die geröteten Lider, und die Wassertröpfchen und Seifenbläschen glänzten wie Tränen auf ihrer welken Haut. Antonias Arbeitsgefährtinnen betrachteten sie mit- leidig, und in dem verworrenen Lärm der Reden und Zanke- reien wechselten hin und wieder einige mit halblauter Stimme ein kurzes Gespräch, das von Ausrufen des Eni- setzens, der Entrüstung und des Mitleids unterbrochen wurde. Alle Wäscherinnen kannten das Unglück der armen Frau bis ins Kleinste und besprachen es wieder und immer wieder. Alle wußten, daß die Unglückliche mit einem Schlächter- gesellen verheiratet war und vor einigen Jahren mit ihrer Mutter und ihrem Manne in einem Vorort außerhalb der Stadt wohnte. Tie Familie hatte ihr gutes Auskommen dank der flettugeu Arbeit Antonias und der Ersparnisse der Alten, die nmh kurz vorher Trödlerin und zugleich Pfand- leiherin gewesen war. Auch hatte noch niemand den unheimlichen Tag ver- gesfen, da die alte Frau ermordet wurde. Der Deckel des großen Koffers, in dem sie ihre Barschaft und ein paar gol- dene Schmucksachen aufbewahrte, war in tausend Splitter zertrümmert, und das Grauen wurde noch schlimmer, als das Gerücht seine Bestätigung fand, der Mörder sei niemand anders als Antonias Mann. Sie glaubte es auch selbst und fügte hinzu, daß die Begierde ihn schon lange quäle und er sich des Geldes der Schwiegermutter bemächtigen wollte, um eine Fleischbank auf eigene Rechnung zu führen. Doch mit Hilfe von drei oder vier Schenkgenossen konnte er sein Alibi nachweifen und wußte die Sache so zu drehen, daß er der Todesstrafe entging und zu zwanzig Jahren Galerendienst, verurteilt wurde. j Die allgemeine Meinung aber war nicht so nachsichtig! wie das Gesetz. Außer der Erklärung der Frau lag noch eine höchst belastende Tatsache vor. Das war der Messerstich, der die Alte getötet, ein gesckucktcr, geübter Stich von oben nach unten, wie von einer Hand, die im Totstechen von Schweinen erfahren ist— mit einem breiten, haarscharfen Schlächtermesser ausgeführt. Im Volke gab es keinen Zweifel— der Schuldige hatte die schwerste Strafe verwirkt. Und Antonias Schicksal flöste höllische Sckwecken ein, als das Gerücht auftauchte, ihr Mann hätte ihr geschworen, einst mit ihr abzurechnen. Die Unglück- liche war in anderen Umständen, und um sich für ihre Be- schuldigungen zu rächen, sagte ihr der Mörder, bei seiner Rückkehr könne sie sich nur zu den Toten rechnen. Als Antonia nun ein Sohn geboren wurde, konnte sie ihn nicht nähren, so schwach und zerfallen war sie— die Angstfälle kamen so häufig nach dem Verbrechen! Uicd da die Mittel es ihr nicht erlaubten, eine Amme zu«ehmen, so kamen abwechselnd alle Frauen aus dem Viertel und säugten das Kind. Es wuchs heran, doch blieb es schwächlich— cs spürte noch alle Schmerzen der Mutter. Kaum hatte sie sich erholt, so ging Antonia init größtem Fleiß wieder au die Arbeit, und obgleich ihr Antlitz noch immer jene bleifarbene Bläffe zeigte, die man bei Menschen beobachtet, die ein Herzeleid zu tragen haben, erlangte sie ihre Rührigkeit und ihre ruhige Miene wieder. Zwanzig Jahre Zuchthaus! In zwanzig Jahren, dachte sie im Stillen, kann er sterben oder der Tod rafft mich hinweg. Bis dahin ist es noch eine lange Zeit! Die Möglichkeit, eines natürlichen Todes zu sterben, schreckte sie nicht. Doch schon bei dem bloßen Gedanken, ihr Mann könnte wiederkommen, wurde sie von Entsetzen gepackr. Vergebens suchten die Nachbarinnen sie herzlich zu trösten, indem sie ihr die recht zweifelhafte Hoffnung suggerierten. viett/, Pf. pro Kubikmeter. Bei Entnahme durch Automaten wird ein Zuschlag von Wh Pf- pro Kubikmeter erHobe«. Spandau. Arbeitslos find hier zurzeit rund 0000 Männer und 1000 Frauen. ES handelt sich dabei nur um Spandauer, die schon vor dem 1. August 1914 hier gewohnt und eine eigene Woh- nung haben. Sie werden weder in die Staatsbetriebe wieder- eingestellt werden, noch sonst in den nächsten Monaten Arbeit finden können. Der DemobilmachungSauSschuß Spandau will gegenüber allen Arbeitern, die erst nach dem 1. August 1914 nach Spandau zogen und hier keine eigene Wohnung haben, von den DemobilmachungSbestimmungen, insbesondere der Verordnung zur Freimachung von Arbeitsstellen vom 25. April 1919, in vollem Um- fange Gebrauch machen. Solchen Arbeitern wird in Spandau leine Arbeit zugewiesen; sie sind in den letzten Tagen durch besondere Schreiben aufgefordert worden, in ihre Heimat vom 1. August 1914 zurückzukehren. Aus Erwcrbslosenmitteln wird ihnen das Fahrgeld 4. Klasse und ein Reisezuschuß gewährt. Kreistag Templin. Am 3. Juni trat der neugewählte Kreistag zu seiner ersten Sitzung zusamnlen. In den Kreisausschutz wurden gewählt: Vom 1. Wahlvorschlag: Graf Dietlef v. Arnim-Boitzen- bürg, Justizrat Hennig-Templin, Bürgermeister Bachhuber-Lychen, vom 2. Wahlvorschlag die Genossen: Kaufmann Meyer-Zehdenick in der Mark, Äureauvorsteher Schmidtchcn-Templin, Dekorateur Heck- Zehdenick. Die Abwicklung der Tagesordnung verlies ohne Zwischen- fälle. Freudig begrüßt wurde von allen Abgeordneten die Grün- dung eines KrciSwohlfahrtSamtes. Dieses soll in erster Linie ein MieteinigungSamt für den ganzen Kreis errichten, um der bestehen- den Wohnungsnot durch Schaffung von Wohnungsgelegenheitcn, durch Beschlggnahme von Doppelwohnungen usw. zu begegnen. Vor Schluß der Sitzung bat der Abgeordnete Genosse Heck ums Wort zu einer Erklärung unserer sozialdemokratischen Fraktion und stellte den Antrag:„Der Kreistag wolle beschließen, dem bisherigen Kreis- ausschuh und dem Herrn Landrat(v. Arnim) für seine gänzlich un- zureichenden Maßnahmen in der Lebensmittelversorgung, für die laxe Durchführung der geltenden Bestimmungen zur Bekämpfung des Schleichhandels ein Mißtrauensvotum auszusprechen." Der Landrat erwiderte hierauf, daß er es ablehne, auf die gehässigen Bemerkungen, die der Wahrheit nicht entspräche», zu antworten; da der Kreistag außerdem in der Frage der Lebensmittelversorgung nicht beschlußfähig sei, könne er die Besprechung nicht eröffnen und müsse die Sitzung schließen. Der Sckilußakkord dürfte als Grund- akkord aller zukünftigen Kveisausschußsitzungen anzusehen sein. Groh-Berliner Lebensmittel. viele Lebensmittelnachrichten, die am S. oder 7. Juni zur Poft gegeben wurden, sind infolge der ArbeitSeinftellung der Postkutscher und wegen der dann folgenden Feiertage erst am S. und 10. Juni in unsere Hände gelangt. Daraus erklärt ich die späte Veröffentlichung. Berlin. Die Abschnitte 24» biS 24s der Berliner Kartoffel« karte werden beule ungültig. Bis heute cinichiietzlich bat jeder Karlen- inhaber, zur Vermeidung des Verlustes, seine Kartoffeln für die Woche vom 3. biS 1ö. Juni abzunehmen. Die für die Woche vom IS. bis 22. Juni bestimmten und auf Abschnitt 25» bis o entjallenden 5 Pfund Kartoffeln sind bereits von heut« ab in den Geschästen abzugeben. Für Militär- Urlauber und Personen, die erst nach dem 11. Juni in den Besitz einer Kartoffelkarte gelangen, ebenso für(Saft-, Schank» und Speisewirtschasten, Volksspeisung, gewerbliche Kantinen und gemeinnützig« Speiseanstalten, sind besondere Bestimmungen aus den Säuienanichlägen ersichtlich.— K ä i e- v ert eil u ng: Bis beute in den Bezirken der 154., 156., 157., 18ö., 133. und 237. Brotwmrnission und bis Freitag w dem Bezwk der 153. Brot- kommljfion pro Kops 125 Gramm Käs«. Für die zwischen L April 1905 uud ÖL Mär» 1906 geborenul fowett sie ßch« Bert« auj»- ballen, S b e ck. voraussichtlich je 240 Okaimn auf Bezugsscheine, die durch. die Brotkommissioncn an die sich meldenden Empiangsberechligten vom 10, bis 12. Juni verteilt werden und in den bciondercn Fieilchereiladenaeichäilen vom 10. bis 14. Juni vorzuiegeli sind. Die Ware ist vom 13. bis 21. Juni erhältlich Preis des Specks auf Bezugsschein B(blau) der Stadt Berlin für 1 Pf. 4.35 M.('/, Pf. 2,43 M.I Anslandsfleisch, und zwar Schweinefleisch, vom 9. bis IS. Juni auf die Reichsfleischkarte. Der Preis hiersür ist infolge der ungünstigen Valuta bei weitem böber als der iür Jnlaiidsfleisch: er beträgt sür daS Pfund 11 M. Da für die PreiSfestietzung der Kursstand am Tage deS Abrollens des Fleisches aus Holland zugrunde gelegt wird, ist zu beiürchlcn. daß bei einer weiteren Verschlechterung der Baiuta der Preis iür die iväteren Ver- ieilunacn sich noch erhöhen wird. Die Verteilung ist so gedacht, dag immer abwechselnd in der einen Woche nur ausländische», in der nächsten Woche dann nur inländisches Fleisch und Fleischkonserven ausgegeben werden. Wer das teure Auslandsfleiich nicht kausen will, kann dafür Nährmittel in doppelter Menge, also aus jeden Flcischkartenabichnitt 50 Gramm erhalten. Umtausch von Fleischkarlen gegen Bezugsscheine aus Mrietz und Teig- waren. Für die am 9. Juni d. IS. beginnende Fleischkartenperiode können die Fleischkarten in Berlin in der Zeit vom 10. biS 12. Juni bei den zu- ständigen Vrotkommiisionen in den bekannten beionders kenntlich gemachten Geschästen gegen Bezugsscheine aus Griest oder Teigwaren umgetauscht werden. Aus eme Vollkarte»verde» wöchentlich 250' Gramm, auf eine Kinderkarte 125 Gramm dieser Nahrungsmittel ausgegeben. itzrirdrichsfclde. Mittwoch 150 Gramm Nudeln Abichnitt 23, Donners- tag 230 Gramm Marmelade Abschnitt 30, Freitag Frühgcmüse je nach Ein- gang, Sonnabend Fische und Räucherwaren obne Karte. Martendorf. Aus Abschnitt L 4 der Einsuhrzusatzkarte 60 Gramm Bratfett sür SO Pfennig. Montag, den 3. biS Sonntag, den 15. Juni. Spandau. 1. AIS Ersatz sür die gekürzte Kartoffelration wird vom Mittwoch, den lt. Juni ab gegen Abtrennung der sür die Zeit vom 9. bi» 15. Juni geltenden Abschnitte 13 bis 16 der Kartoffelkarte 1000 Gramm Brot abgegeben. Militärurlauber erhalten 1000 Gramm Brot gegen Hergabe von 2 über je 1 Psund und 4 über je 125 Gramm lautende Kartoffel- abschnitte der Wochenlebensmittelkarte oder 500 Gramm Brot gegen Ab- trennung von 6 über je 125 Gramm lautende Abschnitte der sür eine halbe Woche geltenden Lebensmittelkarte. Auch an Binnenschiffer werden 1000 Gramm gegen H ergäbe dcS über eine halbe Wochenmenge lautenden Kar- toffelabschnities, der sich an das Miitclstück der Schiffer-LebeuSmitielkarte an« schlicht, verabfolgt. Von Mittwoch, den 11. Juni, ab kommt wieder amcri- konisches Weizenmehl zur Verteilung. Für die Woche vom 3. bis 15. Juni wird auf den Kops der Bcaölkerung'/, Pfund gegen Abtrennung des Feldes Nr. 27 der Einsuhrzusatzkatte in den einschlägigen Geschästen verabsoigt. Schiffer erhalten 1 Pfund amerik. Mehl gegen Hergabe des Mttclftückcs der für ei« Zeit vom 8. bis 21. Juni geltenden Lebensmittelkarte. 2. Am Frei- tag, den 13. Juni, beginnt der Verkauf von AuSlandSschmalz aus Ab« schnitt 25 der Einjuhrzusatzkarte in den Buttcrgeschästen. Aus jede» Ab- schnitt werden 50 Gramm zum Preise von SO Pfennig verausgabt. Am Sonnabend, den 14. Juni, beginnt der Verkauf von städtischer Mar- garine aus Margarineabschnitt 2 der Speisesettkarte. Auf jeden Abschnitt werden 70 Gramm zum Preise von 40 Psennig verausgabt. 4. Vom Mitt« woch, den lt. Juni, ab dürfen srische Fische nur gegen Abtrennung von Feld 10 der Fiichkarte abgegeben und entnommen werden. Auf Abschnitt 24 der Etnsuhrzusatzkarte ist noch AuSlandSschmalz in folgenden Geschästen zu haben:.ItoSmos*. Braumann, RaczinSkt, Rodt, DucloS, WirtschaftSvereinigung SiemcnSstadt, Konsumverein Haselhorst, Borchardt, Nowack Nachflg., Beamten-WirtschustSverein, Schäfer, Jacubczhck. Nvwawes. In dieser Woche einmalig ausländisches Schweinefleisch, pro Kops 200 Gramm sür 4,40 M., 12. Juni, bei sämtlichen Fleiichcrmeiftern und Fleiichverkäuscrn gegen Abgabe der Fleischkarte sür diele Woche. Wer daS AuSlandSffeffch nicht beziehen will, kann dasür Hüisensrüchte entnehmen, pro Markcnabtchnitt 50 Gramm. Die Ausgabe bei den Kausleuten. An- nieldung 12. Juni.— Die Gemeinde gibt gutes, gesundes Getrcidcstroh i lose.und in Ballen) w jeder gewünschten Menge ab. Liejcrscheinc im Rat« hauS, Zimmer 6, werktäglich 8—1 Uhr. Groß-Serlmer parteinachrichten. Charlottenburg. Heut«, 8 Uhr, Zahlaii.iid in de« bekannten Zahl- stellen. Charlottenburg, Gruppe S. Heute. 7 Uhr, bei Stütve, Cauerstt. 12: Sruppenversammlung und Flugblattverbrei tung. Schöncbcrg. Heute Zahlabenb in allen bekannten Bezirkslokalen. Wilmersdorf. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr: Zahlabenb in den bekannten Lokalen. Sehr wichtige Tagesordnung.— Wontag, den 16. Juni, abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung in der Hindcnburgschule. Halensre. Heute Zahlabend bei B-erniann, Schweidnitzer Str., und Dettloff. Kronprinzendamm 20. Steglitz. Heute 8 Uhr BezirtSvcrsammlungen in den bekannte» So- kalen. Lich'»rsrlde. Heute. 7% Uhr, Aula des Realgymnasiums, Drake- sttaße 73/75: Mirgliederversammlung. Vorttag des Partei- sckretärs Gen. Horlitz: Unsere politische Lage. Aussprach«. Stellung- nähme zum Einigungskongreß. Wahlen für die Bezirksleitung, Jugend« konferenz und Bibliothetkommission. BereinSangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Tcmpclhos. Heu?«, �8 Uhr, Zahlabend ln allen Bezirkslokalen. Mariendorf-Tiideudc. Heute Beztrksverfammluirgen: 1. Bez.: Dahl, Südcnde, Lichterselder Str. 2Z, Ref. Gemeindeverordncter Deiner«. 2. Bez.: Ringclstein, Ringstr. Ecke Kaiserstr., Ref. Schösse Waldheim. 3. Bez.: Koch, Chauffceftr. 13, Ref. Ceditton, Wtlhelmshavener Sttaße 48. Lichtenberg. Heute, 7 Uhr, Brettspielabend im Jugendheim, Pariauie 10. Freitag: Spielen auf dem Spielplatz w der Normannen- straße, Treffpunkt 7 Uhr vor bem Jugendheim. Sonntag: Spielen auf dem Spielplatz, Treffpunkt 4 Uhr vor dem Jugendheim. Rackher Bei- sammensein im Jugendheim. Montag, 16. Jmii, 7 Uhr, Mitgliederversammlung im Jugendheim. Wichtig« Tagesordnung. Erscheine!! aller Mitglieder dringend erforderlich. Wilmersdorf. Morgen Donnerstag, den 12.: Spielnachmitta g für Schulkinder aus dem Spielplatz der Freien Turnerichait, Württem« bergische Ecke Zähringer Straße, von 4—5 Uhr. Trejspuntt 3>/,— 3'/. Uhr am F-tzrbelliner Platz. Uotet,rundbah«hoiS-EWg-Ulg. VcHerbrot trnt- drmtzc«. Setzet tsa. —»«»«»»»»»»»»»»»>»»»»»»»»»«»»»»»»«»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»>»»»»»»»»»«,«»»»»»»»»»»»»»»»»»,»»»» rZT Ihbrrmann gersonI »»»»»»>»«»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»»«» WERDERSCHER MARKT A 11 il s: =! H; H: I| M: ji Ü! 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Lichtenberg II, Rummelsdurg, stralan: A. Rosenkranz, Alt.Baxhagrn 56. Geöffnet von 9—6 Uhr. Lichtenberg III: Frankfurter Allee 185, Laden. Lichtenrade: Pollex, Bahnhofftr. 35. Lichterfrlde-vst, Lankwitz: Wenzel, Ziethenstr. 15. Lichterfelde-West: S. A I b r e ch t, Dürerftr. 3. Mahlow: Jos. Marschall, Trebbin« Str. 15. Mahlsdorf. Thomas, Lindenstratze. Marienbors: August Letp, Chausseestr. 29. Marirnfrldc: W. Schulz, Berliner Sir. 116. Reuenhagen: Wenzke, Ziegelstr. 71. iienkölln: M. Heinrich, Neckarstr. 3(Laden). Geöffnet von 9—6 Uhr. Reukölln-Dritz: Rohr, Eiegfriedstr. 28/29. Deöffnet von 9—6 Uhr. Niederfchönhaustn: G. Schliebener, Treskowstr. 14. Riederschöneweibe: Wilhelm Unruh, Brückenstr. 10 II. Aowowc»: Karl Krohnberg. Eisendahnstr. 10. Potsdam: Hörig. Waifenftr. 24. Oranienburg: Alb. Ernst. Garteustr. 4. Oberschöucweide: Robert Paul, Mathilbenstr. 5. Pankow, Rordend, Blankenburg: R i tz m a n n, Pankow, Michleustr. 70. Rahnsdorf. T e i ch e r t, Forststr. 7. 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Mit welcher Unverschämtheit gewisse reaktionäre Kreise aufzu- treten wagen, das zeigt die Hauptversammlung des M e ck l e n- burgischen Patriotischen Vereins, über deren Verlauf die„Landeszsitung für beide Mecklenburg" folgendes berichtet: Die ordentliche Hauptversammlung des Mecklenbuvgischert Patriotischen Vereins fand gestern nachmittag hier statt, an ihr nahmen u. a. teil: Staatsminister Dr. Wendorff und Regie- rungSrat Beutin als Vertreter des Ministeriums. Der Vor- sitzende hielt eine längere Ansprache, an deren-Schluß er u. a. sagte: Wenn wir heute einen Vergleich zwischen den gegenwär- tigen Verhältnissen und der früheren monarchischen Zeit ziehen, ist es unzweifelhaft, daß die Wagschale z u u n- gunsten der jetzigen Wirt schaft steigt. Und-wenn wir in diesem Augenblick zurückdenken an frühere Zeiten, so kann man nicht anders, als auch des Mannes zu gedenken, den wir als Landcsherrn verloren haben, aber dem wir allzeit ein treues Gedenken bewahren werden.(Die Versammlung erhob sich bei diesen Worten von den Sitzen, nur Staats mini st er Dr. Wendorff blieb sitzen. Es er- tönten Rufe: Unverschämtheit, aufstehen, raus, rauS!) Der Vor- sipende forderte die Anwesenden zu einem Hoch auf den Protektor des Vereins, den Großherzog Friedrich Franz IV., auf, das von der Versammlung in der begeistertsten Weise aufgenommen wurde. Anschließend an das Hoch wurde an den früheren Landes- he-rn ein Telegramm gesaiü>t mit der Versicherung treuester Wünsche für ferneres Wohlergehen, insbesondere auch für die Frau Groß Herzogin, die in allernächster Zeit einem freudige» Ereignis entgegensieht. Es ist nicht einzusehen, warum der Mnister diese mwerschämtc hochverräterische Gesellschaft überhaupt besucht hat. Unseres ErachtcnS hätte die Regierung allen Anlaß gehabt, diese Herren unter sich und allein der Beachtung derer zu überlassen, um deren .freudige Ereignisse" sich ihr ganzes Denken dreht. vom Herrenhaus zum Volkshaus? Uns wird geschrieben: Durch Zeitungsnotizen ist bekannt ge worden und von maßgebender Stelle bestätigt, daß in den Räumen des ehemaligen Herrenhauses das Wohlsahrtsministerium unter gebracht werden soll. Ein jeder wird zugeben müssen, daß dieses Ministerium wichtige Aufgaben erfüllen soll. Handelt es sich doch um die nicht geringe Ausgabe, die Gesundung unseres ganzen Volkes zu heben und die furchtbaren Wunden, die der unselige Krieg auf allen Gebieten geschlagen hat, wieder zu heilen; und wünschen wir diesem Ministerium die besten Räume. Ob aber gerade das Herrenhaus, das als Parlament gebaut, als Verwaltungsgebäude geeignet ist, glauben wir zu bezweifeln. Es wäre doch ein Jammer, wenn dieses schöne HauS durch Umbauten archl- tekwnisch verschandelt würde. Das Herrenhaus ist seit der Revo lution zu einer Sanrmelstätte aller schaffenden Kräfte, ja man kann sagen, zu einem Volksparlament geworden. Alle Parteien und Korporationen haben sich in diesem Haus zusammengefunden. Arbciterbildungskurse usw. haben sich die Räume zu ständiger Auf klärungSarbeit reservieren lassen. Es ist wohl selten ein Haus so für Versammlungszwecke geeignet als dieses, und ein dringendes Bedürfnis für ein solches wohl unbestritten. Wenn wir einen Reichswirtschaftsrat oder eine Kammer der Arbeit bekommen, so gibt eS wohl kein Gebäude in Berlin, das für die Unterbringung dieser Behörde so in Frage käme, als wie das Herrenhaus. Darum ist eS einfach nicht zu begreifen, daß sich das Preußische Staats Ministerium nicht auch auf den Standpunkt stellt, dieses Haus restlos für die angeführten Zwecke zur Verfügung zu stellen. Möge dieser Protest im Namen vieler Parteigenossen nicht wieder in alle Winde verhallen und allen Volksgenossen eine Stätte erhalten bleiben, wo sie sich wohlfühlen und durch regen Meinungsaustausch und ernste Bildungsarbeit Anregungen bekommen, um an dem größere Bewunderung erregte die„Savannah" in Petersburg, wohin das Schiff glücklich nach ebnem Aufenthalt in Stockholm gelangte. Notizen. — In der! Volksbühne wird als letzte Erstaufführuno dieser Spielzeit Emil Götts Lustspiel.D erSchwarzkünstler am Sonnabend in Szene gehen. — August Stramm, der im ersten Jahre deS Weltkrieges gefallene expressionistische Dichter, wird in der nächsten Spielzeit mit drei Dramen:.Sank!« Susanna",„Kräfte" und„Die Un- fruchtbaren" aus der Bühne des Deutschen Theaters er- scheinen. Außerdem bat Direktor Reinhard, wie uns mitgeteilt wind, der Sturmbühne(Theater der Expressionisten) sein KammcrspielhauS für die Aufführung von Werken StrammS zur Verfügung gestellt. Für die Sturmbühne, die bereits im vorigen Herbst„Sankta Susanna" als Vereinövorstellung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zur Aufführung gebracht hat, werden Dr. Lothar Schreher, Dr. Rudolf Blümner und William Wauer die Jnszenie- rung bewirken. Das Berliner Publikum wird also im nächsten Winter Gelegen- Heft haben, die viel umstrittenen Dichtungen Stramms nicht nur mit den Mitteln Reinhardscher Regiekunst, sondern auch im Stile deS strengsten Expressionismus auf der Bühne verkörpert zu sehen. — Die Vereinigung bildender Künstler zeigt in den Räumen der Galerie Halbing, Matthäikirchstr. 12, ihre sechste Ausstellung. ES sind vorzugsweise Skizzen, Aquarelle, Radierun- gen usw. ausgestellt. M. Bernstein-Landsberg zeigt ein slotte? Aquarell,„Neujahrskundgebung", Paula Fischer ebensolche, die ein wenig plakatartig auf den Eindruck hin gesehen sind, Alfred Fuchs verschiedene Temperaskizzen, in denen er eine schöne Farbe aus der Natur zu ziehen versteht. Gertrud Klose gibt stimmungsvolle Radierungen, ebenso Wilh. Oesterle solch« von mehr impressio nistischer Ausfassung und M. Meißner gute Federzeichnungen. Der Bildhauer Todila Albert sucht die Naturformen ins einfache zu übersetze?», wobei ihm die Wiedergabe des seelischen Ausdrucks meistens gut gelingt. bw. — Besserung der Kinderzähne im Laufe deS Krieges. Ein überraschendes Ergebnis, daS im Gegensatz zu vielen deutschen Annahmen steht, haben die Untersuchungen der Zähne der schwedischen Schultinder ergeben, über die im»Prome- theuL" berichtet wird. Der Zahnarzt Dr. Bensow in Göteborg stellt« danach fest, daß bei ungefähr 40 Proz. von 14 000 untersuchten Kindern während der Kriegszeit eine groß« Besserung der Zähne eingetreten ist. Dieser Rückgang der Zahnfäule läßt sich nur daraus erklären, daß die Kinder Ivoniger Brot aus feingesiebtem Mehl und Süßigkeiten zu essen bekamen. Besonders das Kriegsbrot mir seinem reichlichen Kleiegehatt führte den Zähnen mehr Kalk und Nährsalze als bisher zu; dadurch ist ein« stärker« Verkalkung ein- «-Vi»*--» amh twT.-i Zahne maik bcnvöc ausgebildet Warden. Wicderausbait unserer schwer darniederNegenden Volk-Ivirtschast mitzuarbeiten. „Das Volk von Schiebern unü Dehlern. Alldetttslfye Zufriedenheit mit der Niederlage. Sehr an den Fuchs mit den sauren Trauben erinnert Herr Heinrich Claatz, der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes in seiner Pfingstbetrachtung, die er in den„Alldeutschen Blättern anstellt. Nachdem Herr Claaß vier Jahre lang vom deutschen Zer- schmetterungssieg gesungen hat, findet er plötzlich die Niederlage die Deutschland erlitten hat, sehr nützlich und gut. Er schreibt: Heute aber fragen wir: was wäre geschehen, wenn dieses selbe Volk der Heimat,' das kaltherzig unser wunderbares Heer sich opfern ließ, gesiegt hätte! Was wäre geschehen, wenn dies Volk, das einem Bethmann Hollweg folgte, das M a x von Baden und Solf ertrug, das heute noch Scheide" mann und Erzberger nachläuft, das sich unter jüdisch Vormundschaft gestellt hat und die echten Helden dieses Kriege? beschimpfen läßt—: was wäre geschehen, wenn dieses selbe Volk den Endsieg gewonnen hätte! Wie wäre es geworden, wenn diesem Volk von Schiebern. Hehlern, Wucherern der Sieg, dessen es unwürdig war, in den Schoß gefallen wäre! So entsetzlich da» Heute ist— wem graut nicht vor dem. was der für die Heimat unverdiente Sieg unfcrm Volke gebracht hätte! Das bedeutet: Nachdem Deutschland republikanisch geworden ist und sich von den politischen Ansichten der Alldeutschen losgesagt hat, gönnen ihm die Claaß und Genossen vom ganzen Herzen und mit edler Schadenfreude die Nieder läge, in die sie selbst das Volk hineingehetzt haben. Das sind die Leute, die sich die„wahrhaft Deutschen" nennen! Fürwahr, es ekelt einem vor dieser Gesellschaft! » Der Alldeutsche Verband sendet uns eine„Berichtigung zu unserer Notiz über Dr. Haas„Erst Alldeulscher— dann Ver räter", tn der er feststellt, daß Dr. Haas nicht Mitglied des All deutschen Verbandes ist oder gewesen ist.— Wir haben das aucki nie behauptet, behaupten aber nach wie vor, daß Haas seiner betätigten Gesinnung nach Alldeutscher war, ehe er Verräter wurde.___ Selbstbeschimpfung üer �llöeutschen. Schwarzweißrote Ecken zieren ein anonymes Flugblatt, das durch diese Kennzeichnung seine deutschnationale Herkunft verrät. Es beginnt mit den Worten: Deutsches Volk, wach auf! Rühre dich! Durch das verbrecherische Treiben vaterlandsloser Gesellen ist Deutschland zu Fall gebracht worden. Deutsche Schurken sind unseren tapferen Kriegern an der Front in den Rücken gefallen und haben unsag bares Unglück über das deutsche Volk gebracht. Auf Grund der Tatsachen und Ereignisse können mit diesen Schurken und Verbrechern, die Deutschland ins Unglück gestürzt haben sollen, nur die Alldeutschen selber gemeint sein. Wenn die Alldeutschen sich selber so beschimpfen, haben wir keinen Grund, sie zu vxrurteilen._ Demonstrationen in Mannheim. Mannheim, 10. Juni.(Eigener Drahtbericht deS„Vorwärts* Heute nachmittag veranstalteten etwa 4500 Personen einen Demo» strationSzug durch die Stadt zum Protest gegen die Erschießung Levin6s. Die sozialdemokratische Partei hatte eine Beteiligung an der Aktion zugesagt, zog sie aber aus ein von den Unabhängigen und Kommunisten herausgegebenes Flugblatt, welches die unwahrsten Behauptungen gegen unsere Partei enthielt, zurück. Zu einem Beschluß zum General st reik kam es nicht. Die Demonstration verlief ruhig. Eine Resolution, die gegen die Erschießung Protest erhebt, wurde angenommen._ Die Lage in Remscheiüt. Wie die„P. P. N." aus Remscbeidt hören, wird dort zurzeit noch gestreikt. Der Grund des Streiks ist die Verhängung des Be lagerungSzustandes und daS Einrücken der Regierungstrupven Letztere Maßnahme wurde ergriffen, da von gewisser Seite ein neuer Putschversuch in Remscheidt befürchtet wurde. Zurzeit wird über den Abruf des Streiks verhandelt. Ueble Streikfolgen in Duisburg. Stillgelegte Hochöfen.— Explosionen. Duisburg, 10. Juni. Auf he» rheinischen Stahlwerken nahmen am Montag morgen die Arbeiter, die wegen Verhängung des Belagerungszustandes in den Ausstand getreten waren, die Arbeit wieder auf, nachdem wesentliche Erleichterungen des Belagerungs- zustandsS zugesagt worden waren. Die Lokomotivführer weigerten sich jedoch, zu arbeiten, wenn nicht eine zweite Streik» schicht bezahlt würde. Die Direktton lehnte die Forderung ab, worauf die Lokomotivführer und Kcsselheizer auch die Not- standSarbeften einstellten. Die Hochöfen kamen sofort außer Betrieb. ES ereigneten sich drei schwere Explosionen. D:e große Gasleitung wurde an mehreren Stellen stark zer» stört. Die Betriebsfähigkeit des Werkes ist er» heblich gestört. Der deutsche Sozialificntag, der. in Berlin vom 21. bis 23. Juni stattfindet, hat zu Referenten über die politische Notwendigkeit der Einigung die Genoffen C o h e?t und Ströbel. über Auslands Politik Ed. Bernstein, über Näteshstem K a l i s k i und D ä u m i g und über den Einheitsweg Dr. I o e l s o h n und Wegmann bestimmt._ Eine /irbeitsgenosienschast. Von P. Ri ebke. Eine Vorbedingung jeglicher wahrhaft sozialistischen Wirt- schcrftsweise ist eine gegenüber dem bisherigen Zustand teilweise ums Mehrfache gesteigerte Ergiebigkeit der menschlichen Arbeit. Selbst- verständlich soll diese höhere Ergiebigkeit nicht lediglich durch eine erhöhte Anpassung der körperlichen Leistungsfähigkeit jedes ein» zelnen Arbeiters erzielt werden. Wir wissen alle, daß Vervollkomm- nung der Technik und Verbesserung der Arbeitsmethoden in erster Linie jenes eingangs erwähnte Ergebnis zeitigen sollen. Immerhin wird auch mit den vollkommensten technischen Hilfsmitteln, mit den besten Arbeitsmethoden ein Höchsterträgnis an Arbeitsleistung nur zu erzielen sein, wenn auch jeder einzelne sein Bestmöglichstes tut. Dieses Resultat ist aber nur dort zu erzielen, wo neben der physischen Vorbedingung— d. i. eine ausreichende Ernährung des arbeitenden Körpers— auch eine andere Grundbedingung zu jeder wirklichen und dauernden hochwertigen Arbeitsleistung vorhanden ist, die Lust und Freude am Schaffen nämlich. X Jene erste Vorbedingung wird ja in absehbarer Zeit noch nicht in wünschenswertem Umfange zu verwirklichen sein, solange min- bestens nicht, als die Knappheit an Lebensmitteln anhält. Ge- Mcht bcm um öhc« Agg akes zurzeit MögliZe, m. Schaffensfreude in den Arbeiierkreisen zu wecken und zu fordern) ohne die eine Steigerung der Arbeitsleistung für die Dauer ein- fach unmöglich sein wird? Die Schaffensfreude des Arbeiters wird gestärkt, je mehr ihm selbst der Ertrag seiner Arbeit zufällt, je mehr er die Gewißheit haben kann, daß dieser Ertrag nicht zu einem mehr oder weniger großen Teil von dem kapitalistischen Unter- nehmer eingesteckt wird und je mehr er ein wirkliches Mitbestim- mungsrecht bei der Regelung seiner Lohn- und Arbeitsbedingungen erhält. Um diese Vorbedingungen zu erfüllen, wäre eine genossen- schaftliche Organisation der Arbeitskraft am Platze. Genossenschaftlich zusammengefaßt, würden die Arbeiter in direkter Verbindung mit der von ihnen auszuführenden Arbeit stehen unter Ausschaltung jeglicher Mittelspersonen mit rein kapi? talistischen Interesse». Die Genossenschaft übernimmt die auszu- führende Arbeit als Ganzes und damit auch die Verantloortung dafür. Die Einteilung der Arbeit ist dann eine innere Angelegen- heit der Genossenschaft und somit hätten die an der Arbeit Be- teiligten das volle Selbstbestimmungsrecht in der Regelung ihrer Arbeitsbedingungen, im Rahmen der allgemeinen wirtschaftlichen und der für jeden besonderen Fall vorliegenden arbeitstechnischen Möglichkeiten natürlich. Es mutz hierbei nicht gleich an die Gründung von Produktiv- genossenschaften gedacht werden, Ivelche selbständig an die Güterher. stellung herangehen. Die bisher auf diesem Gebiete gemachten Er- fahrungen mahnen zur Vorsicht. Immerhin sollte man auch dies« Form genossenschaftlicher Organisation nicht in Bausch und Bogen verdammen. Unter besonderen Umständen und an geeigneter Stelle könnten auch sie zweifellos ihren Platz in einer neuen Wirtschaft ausfüllen. Hier soll jedoch auf eine andere Form genossenschaftlicher Orga- nisation der Arbeitskraft hingewiesen werden. Einer Form, die besonders den Bedürfnissen derjenigen Produktivzweige gerecht wird, die nicht an einen bestimmten Arbeitsplatz(Fabrik, Werk- statte) gebunden sind, also z. B. Erdarbeiter, Land- und Forst- arbeiter, unter Umständen auch Bauarbeiter. Einige Beispiele mögen veranschaulichen, was gemeint ist. Der Staat, eine Provinz, ein Kreis, eine Gemeinde oder irgendwelche öffentlich-rechtliche Körperschaften lassen Notstandsarbeiten aus- führen, Eisenbahn-, Kanal-, Meliorations-, Kanalisations- oder sonstige Arbeiten. Dabei wird eine mehr oder weniger große Anzahl von ausschließlich mit Schaufel und Picke arbeitenden Leuten ver- wendet. Anstatt dieselben durch einen Unternehmer stellen zu lassen, der an jeder einzelnen Arbeitskraft noch besonders verdienen will, überträgt die bauausführ-ende Stelle diesen Teil der Arbeiten einer Arbeitsgenossenschaft von Erdarbeitern, welche dann durch ihre Mit- glieder die Arbeiten ausführen läßt. Die Arbeit wird zu einem bestimmten Preise übernommen, mit welchem es der Genossenschaft möglich sein mutz, zum mindesten die für den betreffenden Bezirk geltenden gewerkschaftlichen Tarifsätze zu zahlen und ihre Verlval- tungskosten zu decken. Ein eventuell durch schneller« Fertigstellung der Arbeit erzielter Ueberschuß würde zu verteilen oder zur Stär. kung des Genossenschaftsverinögens zu verwenden sein. Diejenigen Genossen, welche durch bessere Arbeitsleistung in erster Linie die frühere Fertigstellung der Arbeit herbeigeführt haben, würden ent- sprechend dieser erhöhten Leistung durch einen besonderen Zu- schlag zu ihrem Grundlohn zu entschädigen sein. Die Genossen- schaft hätte aus den Reihen der Mitglieder das Aufsichtspcrsonal zu stellen und die Einteilung der Arbeiten vorzunehmen. Nur die obere technische Leitung wäre von der bauausführenden Stelle aus- zuüben. Hier hätten dann die Arbeiter ihr volles Selbstbestim- mungsrecht, sie inützten allerdings— und das kram nur gut und erzieherisch wirken— auch die volle Sclbstverantwortung tragen. Die Satzungen der Arbeitsgenossenschaft müßten natürlich ent- sprechend ausgearbeitet sein, um in jedem Genossen das Gefühl unbedingter Gleichberechtigung, aber auch der gleichen Verantwort- lichkeit zu erwecken. Jedes Mitglied muß wissen und überzeugt davon sein, daß nur bei voller Pflichterfüllung jedes einzelnen das Interesse der ganzen Genossenschaft und damit auch wieder jedes einzelnen Genossen gewahrt wird. Die Mitglieder werden selbst daraus sehen, daß jedes Mitglied die Interessen der Genossenschaft wahrt, so daß für notorisch Faule und unkameradschaftliche Elc- mente, die sich nicht so sehr auf ihre eigenen Kräfte als darauf ver- lassen, daß andere schon für sie mitarbeiten werden, kein Platz in der Genossenschaft vorhanden sein würde. Damit hätten dann aber die bauausführenden Stellen auch die Gewähr, daß der Fortgang der Arbeiten ernsthaft und nach besten Kräften gefördert würde, wofür ein kapitalistischer Unternehmer unter den heutigen Verhältnissen nicht immer garantieren kann. In ähnlicher Weise würden genossenschaftlich organisierte Land- arbeiter die Saisonarbeiten auf großen Gütern und Domänen übernehmen, d. h. die Frühjahrsbestellung, die Ernte und die Herbstbestellung. Je nach den Umständen könnte eine solche Arbeitsgenossenschaft von Landarbeitern auch die für die Unter- bringung ihrer Mitglieder nötigen Baracken stellen, so daß damit auch in vielen Fällen die so schwierige Frage der Unterbringung landwirtschaftlicher Arbeiter gelöst wäre. Diese Baracken könnten dann wieder zweckentsprechend Verivendung finden, wenn ein Teil der Mitglieder, der vielleicht nicht selbst irgendwo ein kleines An- Wesen besitzt, im Winter sich an Forstarbeiten beteiligt. Auch daß Bauarbeiter auf ähnlicher Grundlage die Ausführung von Bauten übernehmen, erscheint wohl möglich und durchführbar. wobei wohl am besten der bauausführenden Stelle die Beschaffung deS nötigen Rüstzeuges und Materials zu überlassen wäre. Ein Anfang in der eben skizzierten Richtung ist bereits gemacht. ES besteht feit kurzem eine allgemeine ArbeitSgenossenschaft für Erdarbeiter E. G. m. b. H. mit dem Sitz in Berlin. Sie steht mit den maßgebenden Behörden schon seit längerer Zeit in Verhandlungen und hat auch den Magistraten und Gemeindeverwaltungen Groß- Berlins Eingaben behufs Zuweisung von entsprechenden Arbeiten zugehen lassen. Di« Satzungen der Arbeitsgenossenschaft für Erdarbeiter ent» Drechen den oben angedeuteten Grundsätzen. Es liegt also hier ein ernst zu nehmender Versuch vor, die berechtigten Ansprüche der Arbeiter auf volles Mitbestimmungsrecht bei der Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen in Einklang zu bringen mit der damit untrennbar verknüpften erhöhten Verant- wortlichkeit des Arbeiter? selbst, wodurch allein er auch in der Lage ein wird, die Grenzen des Möglichen und Unmöglichen zu erkennen und sein Verhalten danach einzurichten. Die kleine Schar, welche sich zur Vornahme der Gründung zu- ammengefundcn hat, geht jedenfalls mit größtem Ernst und unter voller Berücksichtigung aller zu überwindenden Schwrerigkciteu an die Erfüllung ihrer Aufgaben heran. Interessenten erhalten nähere Auskünfte an folgenden Stellen: W. Baumann, Berlin N. 113, Finnländifche Straße 12. F. Vauhoff, Berli??- Schöneberg, Gothenstr. 2g, F. Luckstadt, Berlin NW 87, Beußelstr. 33, H. Jabufch, Neukölln. Rofenstr. 4. Täglich außer Sonntags und Montags von 6—8 Uhr abends. Ferner im Restau. rant„Reichenberger Hof", Reichinbergerstr. 147, täglich von 6 bis 8 Uhr abends und in der Zentralstelle der Arbefterräte in der Pro- vinz Brandeirburg, Geschäftsstelle Witzlebeuer Strafe 5«, Cbar- '''' tm 10—8 U& tgockjMtagS «Sewerffchasisbewegung Einen perfiden Angriff richten die unter unabhängiger Leitung herausgegebenen „Mitteilungen der Verwaltung an die Mitglieder des Deutschen Holzarbeiter-Vcrbandes" in Berlin gegen den Genossen Reichs- arbeitsminister Bauer. In Nr. 22 der Mitteilungen vom 31. Mai heißt es in einem Artikel:„Ter Machtstandpunkt der Berliner .Oolzindustriellen", in dem über die Verhandlungen vor dem Schlichhmgsausschuß berichtet wird, unter anderem: „Der Eindruck lvar aber unverkennbar, daß der Vorsisjcndc auf höhere SBetfung seiner vorgesetzten Behörde, des Reichs- ardcitsamts, gehandelt hat, an dessen Spitze der Gewerkschaftsführer und Sozialdemokrat Bauer steht, dessen Instruktionen mit großer Wahrscheinlichkeit dahingingen, keine Löhne über 3 M. pro Stunde aufkommen zu lassen."' Hierzu ist zu bemerken, daß der Reichsarbeitsminister dem Schiedsgericht im Holzgewerbe vollständig fern gestanden hat. Wie dem Deutschen Holzarbeiter-Verband selbstverständlich bekannt war, handelte es sich nicht etwa um ein Einigungs- und Schiedsverfahren, dessen Durchführung das Reichsarbeitsministerium auf Grund des £; 22 der Verordnung vom 23. Dezember 1018 übernommen hatte. Vielmehr hatte der Schlichtungsausschuß Gr oß-Berlin den im Reichsarbeitsministerium beschäftigten Regierungsrat Dr. Hausmann persönlich ersucht, den unparteiischen Vorsitz in dem Schiedsftreit im Berliner Holzgewerbe zu übernehmen. Von der Ilebernahme des Amts ist dem ReichsarbeitZminister überhaupt keine Kenntnis gegeben worden. War es hiernach schon an sich unmöglich, den Vorsitzenden mit Weisungen zu versehen, so ist dies selbstverständlich auch nicht geschehen. Denn der unparteiische Vor- sitzende eines Schlichtungsausschusses ist als solcher, gleichgültig. ob er einer Behörde angehört oder nicht, niemandem unterstellt, verwaltet vielmehr das von ihm freiwillig übernommene Amt völlig selbständig unter eigener Verantwortung. Es handelt sich keines- Wegs um eine dienstliche Tätigkeit. Das ist selbstverständlich auch der Berliner Ortsverwaltung des Holzarbciterverbandcs bekannt. Wenn sie trotzdem derartige haltlose und unbegründete Vermutungen ausspricht, so kennzeichnet diese unquilifizierbare Angriffswcise die Mittel, mit denen die unabhängigen Drahtzieher arbeiten, lediglich um politische Gegner zu verdächtigen._ Beendig«», g deS Breslaner Buchdruckcrstreiks. Nach neuntägiger Dauer ist der Breslauer Buchdruck erAchilfen- streik durch Vergleich beendet worden. Die Gehilfen unterwarfen sich einem erneuten Schiedsspruch ihres Tarifschiedsgerichts, nach- dem sie dem Spruch eines vom Neichsarbeitsamt«ingesetzten un- parteiischen Schiedsgerichts die Zustimmung versagten. Im wesent- lichen ist den Gehilfen nur das zugesprochen worden, was ihnen die Unternehmer durch örtliche Verhandlungen bewilligen wollten. Er- reicht haben sie nur den Wegfall eines Maßregelungsparagraphen. auf dessen Aufnahme die Unternehmer bei den örtlichen VerHand- lungen absolut bestanden, und der auch der Grund war, weshalb der Streik noch länger dauerte. Während der ganzen Dauer des Streiks erschien in Breslau nicht eine Zeitung. Eisenbahnerversammlung. Eine im Jägerheim tagende Ersen- bahncrversammlung befaßte sich mit der heutigen pol, tischen Lage. Mit elementarer Mackt kam die Mißstimmung mit dem herrschenden Shstem, das heute noch auf der Eisenbahn herrscht zur Geltung. Die Versammlung war einstimmig der Meinung, daß bei den bevor- stehenden Arbeiter ratswahlen nur solche Knndidaden gewählt werden dürfen, die die Interessen der Beamten und Arbeiter voll und gang vertreten.__ Tarifbewegung der Groß-Berliner Zeitungsangeftcllten. Der Groß-Berliner Zeitungsangestellten hat sich eine wichsende Beunruhigung, hervorgerufen durch die Verschleppungstaktik der Arbeitgeber, bemächtigt. Seit Monaten versuchen die beiden gewcrk- schaftlichcn Organisationen, der Angestelltenverband des Buch- Handels, Buch- und ZcitungsgeN'erbes und Zentralverbano der Handlungsgehilfen, kollektive Verhandlungen herbeizuführen, ohne daß die Arbeitgeber ihrerseits, soweit sie in der Vereinigung Groß- städtischer Zcitungsverlegcr organisiert sind, beschlossen haben, keine Sonderabiriachungen mit ihren Angestellten mehr zu treffen, sondern kollektiv zu vcrhindeln. Um über die jetzt zur energischen Durchsetzung der Wünsche der Angestellten erforderlichen Schritte zu beraten, findet am Donnerstag, dem 12. Juni, abends 7 Uhr in den.Musikersälen, Kaiser-Wilhelm-Sir. 31, eine von den beiden freigcwcrkschaftlichen Organisationen einberufene öffentliche Be- rufsversammluag aller Angestellten der Groß-Berliner Zeitungs- betriebe statt._ Eine stark besuchte BetnebSversammlunz des Paketpost- a m t S, Oranienburger Straße, in der Aula des Friedrich-Gym- nasiumS beschäftigte sich eingehend mit dem engherzigen Bureau- kratismuS einiger leitender Personen des Paketpostamts. Der Ob- mann und Arbciterrat legte den Versammelten die tieferen Ur- sdtai klar, warum der Zwiespalt zwei schon Beamten- und Arbeitet- auHschutz und der Amtsleitung entstanden ist. Er verurteilte schärfstenS den Versuch von reaktionären Beamten, die rcvolutio- nären Errungenschaften der Beamten- und Arbeiterschaft be- schränken zu wollen. Neumann vom Groß-Berliner Vollzugsrat riet, die alten Vorurteile und den Standesdünkel der Beamten endlich zu verwerfen. Ter alte Staat habe in der Beamtenschaft durch strenge Scheidewände zwischen höherer, mittlerer und unterer Beamten- und Arbeiterschaft den Standesdünkel genährt und so bis- her die einzelnen Gruppen künstlich von einander getrennt. Die Beamten- und Arbeiterschaft der Postverwaltung müßte sich von nun an allgemein mit dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit erfüllen und im Dienste für das ganze Volk und durch das Volk ihre Lage zu verbessern suchen. Postrat Kaiser von der Oberpost- direktion versprach, daß die schwebende Angelegenheit zwischen Be- amten- und Avbeitcrrat und Amtsleitung unparteiisch untersucht und zur Zufriedenheit des Personals geklärt werden würde. Schmidt vom Transportarbeiterverband forderte das mitbc- stimmende Recht für die Ausschüsse. In der nachfolgenden freien Aussprache traten deutlich Zwcifcl aus der Versammlung aus, ob man den Versprechungen der Behörde Glauben schenken solle, wenn nicht entschlossene und allgemein befriedigende Taten folgen wür- den. Die Versammln,� gab in einer'Entschließung den festen Willen kund, daß sie im Geist der neuen Zeit treu hinter ihrem ge- wählten Ausschuß stehe. Die örtlichen Beamten- und Arbeiterausschüsse der Postämter von Pankow, Reinickendorf und Niederschönhausen faßten in einer Versammlung folgende Entschließung: Nachdm die von den ein- zelnen Ausschüssen der Postämter an das Reichspostamt und das Reichsfinanzministerium gerichteten Eingaben ergebnislos geblieben sind, wird nunmehr gemeinsam erneut und dringend gefordert, die Tenrungszulage der Klasse A der Beamten der nördlichen Vororte, rückwirkend vom 1. Januar 1910 ab sofort zu bewilligen, da die Lebensführung in den nördlichen Vororten um nichts bilkiger ist als in Berlin. Diese Tatsache wird allein dadurch bewiesen, daß den Gemeindebeamten der drei nördlichen Vororte und auch den preußischen Barmten in Reinickendorf die höheren Teueruugs- zulagen der Klasse A bereits gezahlt sind. Die Zurücksetzung der Reichsbeamten hat zu einer großen Erbitterung der Beamtenschaft geführt, die sich stellenwetfe schon in Streikdrohungen Luft gemacht hat. Es ist nur den örtlichen Ausschüssen mit vieler Mühe bisher gelungen, das Personal von seinem der Allgemeinheit schädlichen Vorhaben zurückzuhalten. Eine sofortige Regelung nach Berliner Grundsätzen kann die Ruhe wieder herstellen. Dre Beamtenaus- schüsse der nördlichen Vororte hoffen, daß die vorgesetzten Behörden ihnen das nötige Verständnis entgegenbringen werden. Deutscher Mctallarbcitervcrband. Donnerstag, de« 12. Juni, abends s Uhr, Btrsaimnlung aller in den Snops- und Korsettstang enbetrteben beschäftigten Arbeietr und Arbeiterinnen im Geweit- schaftshauS, Engeilufer 15(Saal 1). Tagesordnung: 1. Bericht der Kommisston über unsere Lotinsorderung. 2. Diskusston. Abends 514 Uhr: Branchhnversammlung der Schraubendreher, Automateneinrichter sowie aller in Schranbenfabriken beschäftigten Per- sonen in Graumanns Festsälen, Naunynstr. 27. Tagesordnung: 1. Bericht über das Ergebnis der Hauptausschußverhandlung betreffs der Entlob- nung der Schrarit.'ndreherinnen. 2. Stellungnahme zu den Abände» rungsvorschlägen der Unternehmer über einzelne Punkte des Branchen- beschlusses. 3. Verschiedenes. Ohne Mitgl-edSbuch kein Zutritt. A bte n d S 6Mi Uhr: Branchenversammlung aller Aufzugs- m o n t ö r e und Helfer im Patzenhofer Bierpalast, Friedrichsft. 134. Tagesordnung: Fortsetzung der Branchenversammlung vom 3. Juni ISIS. Kassenbotcn und Einkasfirrcr aus den Generalagenturm und Asse- kuranzbureaus der VerstcherungSbranche. Zwecks Regelung der Lohn- und ArbeitSbedingungm der in dm Berliner Generalagent» re» und Assekuranzbureans tätigm Kotssenboten und Ein- kassier«? ersuchen wir dieselbe« um sofortig« Einsendung ihrer Adresse und Firma an dm Kollegen Friedrich Suckow, Berlin Si. 113, Carmen-Shlvastr. 2S. Einlasfierer, Einnehmer, Kaffmbotm, Hausdiener und Lagerarbeiter aus den Bank-, Abzahlungs-, Nähmaschinen-, Verstcherungs-, Auwmalen- und EngroSgeschästen! Donnerstag, dm 12. Juni, abends 6 Uhr, im .Dresdener Kasino", Dresdmer Straße SS, an der Prinzmftvaße, Branchenversammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag Über.Rätesystem und Demokratie". 2. Diskussion. 3. Tte Lohnbewegung der Kasscnboim ans den kleineren Versicherungsgesellschaften. 4. Die Antwort der.Volksfür- sorge'-Hamburg und unsere weitere Stellungnahme zu dertckbm. 5. Branchenanglegenheiten. Berband der Porzellanarbeitcr.. Emaillebranche: Heute, Witt- woch, abmds S Uhr, bei Vollschläger. Adalbertstr. 21, Branchenfttzung. Schildermaler: Freitag. 13. Juni, abends 7 Uhr, bei Wollschläger, Adalbertstr. 21, Branchmsitzuug. Auszahlung Her Streikunterstützung. Soziales. Schlendrian bei Ansprüchen der Kriegsbeschädigten. Zu dieser kürzlich im„Vorwärts" veröffentlichten Notiz wird uns u. a. geschrieben: Welches ist der Grund, daß die Verhältnisse so. wie im„Vorwärts" geschildert, liegen? ES wird in den verschiedensten Versammlungen von den 5kriegsbe- schädigten sine Entmilitiaxisienjng des Rententwesens gefordert. Aber das Gegenteil von dem wird von den verantwortlichen Stellen der Versorgungsabteilungen getan. Die Kriegsbeschädigten gehen von der richtigen Erkenntnis aus, daß von demjenigen, den man anständig bezahlt, auch produktive Arbeit geleistet wird. Ein Soldat wird nicht immer jenes Maß von Verantwortungsgefühl in sich tragen wie ein freier Angestellter. Wie sieht es nun in Wirklich. keit aus? Bei der Versorgungsabteilung des Bezirkskommandos III Berlin, Bülowstr. 88, haben nach langen, mühevollen Kämpfen um ihre nackte Existenz eftva 40 ehemalige Feldzugsteilnehmer erreicht, daß sie auf Zivilvertrag angestellt wurden. Am 27. Mai händigte man uns endlich den Vertrag aus und eine Stunde später wurden sämtliche Zivilangestellte zum 30. Juni gekündigt. Ob dies« Kol- legen-mit Eiser und Lust an die Arbeit gehen, ist wohl sehr z Weisel- hast, wenn sie es dennoch tun, so einzig und allein aus dem Grunde, weil sie die wirtschaftliche Notlage der Kriegsbeschädigten voll und ganz erkannt haben. Um am 30. Juni nicht ohne eingearbeitete Kräfte zu sein, hat man Freiwillige eingestellt; wenn man auch zurzeit nicht weiß, Ivo diese hingesetzt werden sollen. Da sie nun aber einmal da sind, so klettert eben einer über den anderen. Wenn diese Zustände noch 14 Tage anhalten, dürste die Verwirrung sich nur noch vergrößern, so daß bald kein Aktenstück mehr aufzu- finden sein wird. Aufgabe der Regierung wäre es, hier energisch zuzufassen und das ganze Bersorgungswesen in eine Zivilbehörde umzuwandeln, bei der nicht nur Kapitulanten den Vorrang haben. Kündigungen während des Lohnkampfes sind ungültig. Eine Konfektionsfmwa hatte vier ihrer Angestellten zum 31. Januar gekündigt. Sie überging damit einen Schiedsspruch der Schüchtungskommissirm, nach welchem Kündigungen in dieser Zeit für ungültig erklärt worden waren. Infolgedessen klagten die«he- maligen Angestellten jetzt auf Zahlung ihres Gehaltes noch für Fe- bcuar. Das Gericht war der Ansicht, daß die Kündigung nach dem Schiedsspruch auf keinen Fall hätte stattfinden dürfen, die Kläger also im Recht seien, schlug jedoch vor, das Gehalt zu zahlen, jedoch mit der Verpflichtung von serten der Kläger, die erhaltene Erwerbs- losenunterstützung an die Stadt Berlin zurückzuzahlen Der Vor- gleich wurde von beiden Parteien angenommen. Härten bei der Erwerbslosenfürsorgc. Das berechtigte Bestreben, unlautere Elemente vom Bezug der Unterstützung fernzuhalten, darf nicht zu ungerechtfertigten Härten ausarten. Die leitenden Stellen müssen dafür sargen, daß an sich gerechtfertigte Bestmmrungen keine fchikanöf« Anwendung finden. Aus einer Fülle uns vorgetragener Fälle greifen wir folgenden heraus:- Ein Metallarbeiter ephislt bei Aufgabe seiner Beschäftigung am 31. Januar vom Unternehmer«ine Abfindung van 300 M. Seit Anfang Februar bezog er ErwerbSlosenuntevstutzung. Am 21. März vurrde sie ihm plötzlich entzogen. Grund: er hätte angeben müssen, daß eine Abfindungssumme gezahlt sei. Soweit wird das Vechcilten der Fürsorgeftelle durch die Vorschrifien gestützt. Nachdem aber die 300 M. aufgebraucht und 8 Wochen ver- strichen waren, während welchen der Arbeiter für sich und seine Frau sonst 300 M. Unterstützung zu bezichen berechtigt gewesen war«, wird ihm auf Vorstelligwerden eröffnet, er bekomme über- Haupt keine Unterstützung mehr, da er den Empfang der Abfin- dungssumme von 300 M. verschwiegen habe. Auch der Hinweis darauf, daß er nicht gewußt habe, daß er zu der Mtteilung ver- pflichtet gewesen, er auch bei der Anmeldung nicht gefragt worden sei, hat nichts genutzt. Es verblich bei der Ablehnung auch auf Beschwerde hm. Ende Mai wurde der Mann noch schwer krank. Er glaubte mm, von der Erwerbslosenfürsorge versichert zu sein. Seinen Tnge- hörigen wurde der Bescheid, seit 21. März sei er abgemeldet. Warum hat man den Arbeitslosen nicht darauf hingewiesen, damat er innerhalb der gesetzlichen Frist van 3 Wochen die Mög- lichkei-t der freiwilligen Weiterversichveung hatte? Bei einer solchen Handhabung wirken an sich vernünftige Bor- schrrsten als Fallstricke zur Sabotierung der Rechte der Arbeits- losen. öriefkasten üer Neüaktion. Jeder für den Briefkaste» d-stimmten«nftaae füge man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Brieflich« Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An- lrag-n trag« man in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr.». g. Hof linlS. I Treppen, 4 bis 7, Sonnabends 3 bis e Uhr nachmittags dar. Schrtftliülk- und Vertrüge sind mitzubringen. Aller Abonnent 62. Rufen Sie sofort das Mietemigungsamt Zimmerstraße 90, an. Die Steigerung ist zu doch.— E. B. 40. Leider sa' — E. W. 100. Mit dem ersten desjenigen Monats, der demjenigen folgt, in dem der Steuerpflichtige m Arbeit getreten ist.— M. M. Cablow. Fraglen Sie bei der Waffenstillstandskommisston. Berlin, Budapestcr Straße 14, an.— A. W. 35. Wenn der Gläubiger sich mit der Raken- zahlung nicht einverstanden erklärt und im Besitz eines Urteils ist, kann er trotzdem Pfändung veranlassen.— O. F. 36. l. Ja, nach in einigen Abschnitten. 2. Ja.— A. I. 121. I. Ja. Der Pomrnid kann»edach bei der Gemeinde die Fortzahlung der Krtegsuntcrstiitzung beantragen. Eine Verurteilung zu einer einmaligen Abfindungssumme ist nicht möglich. Das ist Sache der Vereinbarung mit dem Bormund, mit der Zustimmung des Doromndschaftsgerichtcs. Die Höhe des Satzes richtet sich nach dem crtsüblichen Satz der Gemeinde, in der das Kind geboren ist, bezw crzochen wird.—«. D. 8. Ja.— Wcllsow. Fragen Sie beim Auswärtigen Amt an.— Jdflieg. 1. Wahrscheinlich ja. 2. und 3. Daraus können Sie die Antwort verweigern. 4. Staatsanwaltschaft.— W. 57. Austrittserklärung beim Amtsgericht Cbarlottenburg. Solange Sie der Kirche angehören, fordert diese auch Kirchenstc|:rn.— Tasse, Hohen- neuendorf. 1. Erfahren Sie bei dem Auttsvorsteher bezw. Landrat. ln dessen Bezirk das Grundstück gelegen ist. 2. Vorläufig sind noch f ine Bestimmungen getroffen.—«. 786. Das Jugendsckretariat Bellevuestr. 7 erwartet Ihren persönlichen Besuch. Verantwortlich iiir Politik Dr. Werner Peiser, Sbarlottenburg, fiir den tidnaen Teil de- Blatte-: Alfred Scholz, Neukölln; für Anzeigen: Theodor»lo«e, Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlaa®. in. b. H., Berlin. Druck: Borwürt-- Buchdrucker«! und Berlag-anstalt Paul Singer u. To. in Berlin. Lindenstr. 3. Hierzu 2 Beilagen. Gntsehein nt„Vorwärts". den»erlag.««U und Mffen", Berlkn-Schöneberg. Am Park 1l. bestelle hiermit ein Probeheft kostenlos. Line Ihausbibliotheß gratis für alle lies Alle Leser be-„Vorwärts" erhalten gegen Einsendung de» nebenstehenden Gutscheines ein Gratis-Probehest der rühmiichst belanntcn illustrierten Zeitschrist „Welt und Wissen". Dieselbe bringt von ersten Schriftstellern gemein- verständliche Abhandlungen aus allen Wissenschaften. Jedes Heft enthält etwa 20 Artikel au» allen Wissenschaften. Die tSeschwindi Der Wille und Die Die Ptelseitigkett rennzeichne« ewige Beispiele zleit der Dedanken. ? essen Gymnastir. hie. Da» Leben der Tiesseefische Warum ist die Sonne helß? 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