Ur.ZW. 36.Iahrg. orgen-Ansgabe. (lÖPfwmlgJ Bezugspreis: SiirtcIiäl>rI.7L0 Mt.«onatl. 2,U) Ml. frei ins Haus, voraus zahlbar. Einzeln« Nummern w Pfennig. Postbezug: Monatlich 2,50 MI. cxll. Znstellunge- gebühr. Unter itreuzband Mr Deutsch- fand u. Oesterrelch-Ungarn S.7S Ml, str das übrige Ausland g.7ö Mb. bei taglich einmaliger Zustellung 7,75 Ml. Postbestellungen nehmen an Dane- Marl. Holland, Luxemburg, Schweden. und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preislist». SR„Sonn3rts' erscheint wochentüglich zweimal. Sonntags einmal. Tilegramm-Adreffe: «Sozialdemolral verllu». Vevlinev Volksblstt. �entralorgan Äer fo2ialÄLmokratifcken parte» Doitfcblands Anzeigenpreis: Sie«chtgefpallene Nonpareillezeile kostet lÄ> Ml.„Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 50 Pfg. lzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 25 Pfg. Stellengesuche und Echlasstellcnanzetgen das erste Wort 40 Pfg. jedes weitere Wort 20 Pfg. Worte über l5 Buchstaben zählen filr zwei Worte. 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Daß sich die Unabhängigen auf jede Weise und mit allen Mitteln auf die Uebcrnabme der Regierungs- Geschäfte vorbereiteten, ist bekannt. Reu aber und von bombcniihnlicher Wirkung»var die Mitteilung Noskes, daß sich die Unabhängigen schon ernstlich darum bemühen, als tüchtiges Instrument ihrer zukünftigen Herrschaft, die Frei- willigenverbände in ihre Hände zu bekommen. In diesem Sinne hat Emil Barth allen Ernstes mit dem Komniandnnten der Garde-Kavalleric-Scijützcn-Division, dem General v. Oven, und ein anderer Führer der Unabhängigen hat im gleichen Sinne den vielgenannten Hauptmann Pabst zu bearbeiten versucht. Die Verhandlungen fanden am letzten Sonnabend im Hotel Eden statt und dauerten nicht länger als 3 Stunden. Barth der- suchte den General zu überzeugen, daß das Gardc-Kavallerie- Schützen-Korps den Unabhängigen dienen müsse, wenn die jetzige Regierung gestürzt werde. Mit diesen Verhandlungen ist jedenfalls ein überaus interessantes Problem aufgerollt. Was ist eine Regierung, in welcher Art muß die Regierung sein, der das Militär Gehorsam schuldet? Das Militär ist nuu offenbar nur einer Regierung verpflichtet, die auf ver- fassungsmäßigcm Wege gebildet worden ist. Wie aber die Unabhängigen auf dieseni Wege eine Regierung bilden wollen, ist einstweucu noch ziemlich rätselhaft. Gleichviel, die Unabhängigen werden in Zukunft nicht mehr, ohne daß ihre krasse Heuchelei sichtbar wird, sich über Noske und Noskc-Gardisteu öffentlich entrüsten können. Man würde ihnen lachend erwidern: Wir kennen eure Schmerzen! Ihr schimpft, weil andere wen, was ihr selber gar zu gerne tun würdet. Und ist Euch eine Noske- Garde Scheuel und Greuel, so ist eine Emil Barth-Garde Euer heimlicher Traum. Eure Politik tanzt auf der Mittellinie zwischen Spartakus und dem Edenhotel. Heine, der„Polizeiminister", hatte heute beim Parteitag nicht ganz dieselbe gute Nummer wie Noske. Aber, wenn auch seiner Rede kritische Ablehnung nicht fehlte, so ist doch klar, daß der Parteitag nicht den Beruf in sich fühlt, sozial- demokratische Minister zu stürzen. Bei aller stcllenweisen Schärfe wiegt doch die Absicht vor, sänftiglich mit einander zu verfahren. Die Donnerstagsitzung beginnt mit Scheidemanns Rede, der Bernsteins Referat folgt. (Bericht in der 1. Beilage.) verfthärfung öer Kampfstimmung in Paris. enf, 11. Juni.(Eigener Drahtbcricht des„Vorwärts".) DaS große Truppenaufgebot, das Clemenrcau für alle Fälle gegen die Streikenden bereit hält, hat den Direktoren der große« Metallwarenfabriken den Rücken gestärkt. In einer außer- ordentlichen Generalversammlung, die am vergangenen Sonnabend zu Paris stattfand, haben, fie im Vertraue» auf den ihnen von der Re- gierung zugesagte» militärischen Schutz beschlossen, den Ar- beitern de« äußersten Widerstand entgegen- zusetzen. Dir„HuwanitS" weist darauf hia, daß der Bruch der Ler- Handlungen durch das provokatorische Vorgehen der Regierung ver- ursacht sei.„Populairr" sagt den Soldaten, dir kapitalistische Bourgeoifio will nicht Temobilisiernng, sondern den Krieg gegen Rußland, Ungarn und gegebenenfalls gegen die franzö- fischen Arbeiter fortsetze». Als Söhne des Volkes werben die Soldaten mit de« Volk zusammengehen und niemals ihre Waffen gegen die richten, die vermittelst d«S Sozialismus die Menschheit van dem blutigen Alpdruck deS äußeren und inneren Feindes befreie» will. Französische Soldaten reichen den Arbeitern die Hand. Die Aleuterei in Toulouse. Bern, 11. Juni. Ueber die bereits bekannte Meuterei beZ franzöfifckien Infanterieregiments in T o nl o us e erfährt das „Berner Tagblatt" von durchaus zuverlässiger Seite, daß es sich um das iu Toulouse stehend« Jnfanterieregemcat 283 gehandelt hat, das mit roten Fahne» die Straßen durchzog unter den Rufen„Nieder mit Clemenceau! Nieder «it dem Krieg", und sich weigerte, weiter Kriegsdienste z» tun. Ein anderes Infanterieregiment, dem vom Arm«!kommando die Entwaffnung der Meutet« angeboten wurde, weigerte sich, de» Befehl nachzukomme«, so daß zur Unterdrückung der Revolte ldie Reitenden Jäger von Nvntanbau herbeigerufen werde» mußte«. Clemenceau wackelt. Kampf von allen Seiten. V Versailles, 11. Juni.(Eigener Drahtbcricht des „Vorwärts".) Seit einigen Tagen hat die L a g c d e r R e- gicrung Clemenceau insofern sich verschlechtert, als auch ein großer Teil der Presse die bisher regierungs- 'freundlich war— vor allem der„Matin" und„Oeuvre"—, den Ministerpräsidenten rücksichtslos bekämpft. Das ist die Folge einer sehr dunklen Angelegenheit, die gestern in einer Sitzung der Dcputiertcnkammcr ausführlich erörtert wurde. Das Ofsice Nationale de la Presse— eine Art Syndikat der Zciwngsvcrlegcr— das während des Krieges und jetzt noch die Reklamation für Einberufene aus der Zeitnngsbranche, die Papierbclicferung und ähnliche Angelegenheiten, die die Presse und Regierung z» vermitteln hatten, soll unsaubere Geschäfte gemacht haben. Auf Befehl Clcmcnceaus fand vor einigen Tagen eine Hausdurchsuchung in der Wohnung des Generalsekretärs dieses Instituts, gleichzeitig geschäftlichen Leiters des„Matin", Schüller, statt, sowie bei einem Redakteur des„Oeuvre". Dagegen wenden sich nun mit aller Schärfe die jüngst betroffenen Blätter und„Matin" sagte im gestrigen Leitartikel eine äußerst scharfe Kampfansage an den Ministerpräsidenten an. Es ist sehr schwer, sich das Ur- teil darüber zu bilden, ob die Regierung oder die Prcsseleutc •im Recht sind. Ebenfalls war die gestrige K a m m e r d e- hatte äußerst erregt. Clemenceau hatte ans die Nach- richt, daß der angegriffene Unterstaatssekretär für Militär- Justiz-Angelegcnheitcn, I g n a c e, sehr schlecht abschneidet, sich in aller Eile und in höchst eigener Person in die Kammer begeben, was seit vielen Wochen nicht vorgekommen war. Dadurch, daß der Ministerpräsident eine Tagesordnung an- nahm, die das Vertraue nindieErklärungender Regierung nicht ausdrücklich aussprach, konnte er eine Mehrheit erhalten. Im Laufe der Debatte war die Person des Bruders von Clemenceau, Rechtsanwalt Al- bert Clemenceau, in ein sehr übles Licht gekommen. Ter allgemeine Eindruck ist der, daß die Kanmer Clemenceau nur noch bis zum Friedensschluß dulden wird. Generalstreik am IE. Juni? Versailles, 11. Juni.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts".) In einer gestern abgehaltenen außerordentlichen Sitzung des Pariser GewerischaftSkartellS(Bergarbeiter, Seeleute, Eisenbahner, Hafen- und Dockarbeiter. Transportarbeiter, Metall- und Bauarbeiter) wurde die Lage besprochen, die durch den Pariser Streik tzervorge- rufen wurde. Es wurde ein Bericht für die Presse herausgegeben, aus dem hervorgeht, dah der Generalstreik am 13. Juni beginnen solle, wenn der Streik nicht zu Gunsten der Arbeiter er- ledigt ist. Die Streiklage in Paris ist im allgemeinen unverändert. In ihren Streikversammlungen beschlossen die streikenden Angestellten der Untergrundbahn, der Elektrischen und Autobusse, im Streik zu beharren. In der Metallindustrie scheinen die Arbeitgeber die Verhandlungen mit den Streikenden wieder aufnehmen zu wollen, welche vor. den Pfingstfeiertagen ge- scheitert waren. Snowüen für üie üeutschen Vorschläge. Amsterdam, 11. Juni. Wie„Het Volk" meldst, erklärte der englische Arbeiterführer Snowden, wenn die Alliierten weniger daraus dringen würden, Rache an Deutschland zu nehmen und seinen wirtschaftlichen Untergang herbeizuführen, müßten die beut- schcn Gegenvorschläge als Grundlage einer gerechten Regelung an- genommen werden. Zu dem Deutschöfterreich vorgelegten Friedensvertrag erklärte Snowden:„Ebenso wie die der Deutschen Republik vorgelegten Bedingungen, so sind auch diese Friedens- bcdingungen nichts«ls eine reine Schurkerei." Unter Bezugnahme auf Wilsons zehnten Punkt, nach welchem die Völker Oesterreichs die uneingeschränkte Möglichkeit selbständiger Entwicklung erhalten sollen, erklärte Snowden:„Die vier Kaiser in Paris haben dieses Versprechen dadurch eingelöst, daß Oesterreich eines großen Teiles seines ftühercn Grundbesitzes beraubt ist und daß es von drei Seiten von bitterfeindlichen Staaten umringt wurde." Nach Erwähnung der ungerechten Bedingungen bezüglich Aus- lieferung der Handelsschiffe, Regelung der Tonauschiffahrt erklärte Snowden, daß die„Junker", die diese Bedingungen festgesetzt haben, kein Recht hätten, diese Bedingungen Friedensvertrag zu nennen. Der.Labour Leader" kommt in einem Artikel über die Ver- pflichtungen, die sich aus der Arbeit der FriedenSkonfreenz für die Arbeiterpartei ergeben, zu dem Schluß: jetzt jec nie �jeii für die Arbeiterpartei gekommen, um deutlich und bestimmt zu erklacea. daß die erste Tat die sein werde, den Verrat, der von den Alliierten an der Demokratie verübt worden sei, ungeschehen zu machen. Die.unschuldig UeberfaUenen'. Neue Dokumente aus der Vorgeschichte des Krieges. „Es wird von uns verlangt, daß wir uns als die allein Schuldigen am Kriege bekennen, ein solches Be- kenntnis wäre in meinem Munde eine Lüge. Wir sind fern davon, jede Verantwortung dafür, daß es zu diesem Weltkrieg kani, und daß er so geführt wurde, von Deutsch- land abzuwälzen... aber wir bestreiten nachdrücklich, daß Deutschland, dessen Volk überzeugt war, einen Ver- teidigungskrieg zu führen, allein mit der Schuld be- lastet ist." So hat Graf Brockdorff-Rantzau am 7. Mai 1919 in Versailles gesprochen, und das Weißbuch, das jetzt vom Auswärtigen Amt herausgegeben wird, enthält den B e- weis seiner Worte. Durchaus entfernt, die Männer de:- alten Systems von ihrer historischen Verantwortlichkeit zu entlasten, widerlegt es doch auf das bündigste das Bestreben der gegnerischen Imperialisten, sich und ihre Männer, ihre Poincarös, Jswolskis usw. als die Unschuldslämmer im Gegensatze zu den deutschen Tirpitz und Falkenhayns hin- zustellen. Die neuen Dokumente, die das Deutsche Weißbuch bringt. scheinen unS nicht sowohl wertvoll durch das, was sie über die Zeit unmittelbar vor Kriegsbeginn berichten.— wenn hier auch zwei englische Zeugnisse angeführt sind, welche das Nichtstattfinden deS berühmten„Potsdamer Kronrats" zu bestätigen scheinen. Bedeutsamer ist die Aufklärung, die sie über das unleugbare Vorhandensein einer nicht unerheblichen KriegSlust bei den Ententestaaten in den Jahren vor dem Kriege bringen, und namentlich bei dem Staat, dessen Regierende sich mit Vorliebe als die un- schuldig Ucberfallcnen hinstellen,— bei Frankreich. Höchst charakteristisch hierfür sind eine Anzahl russischer Dokumente aus der Zeit des Balkankrieges von 1912 und-der Londoner Konferenz. So berichtet der russische Botschafter Jswolski am M.August 1912 aus Paris an Sasanow über ein Gespräch mit P o i n c a r 4. In diesem Gespräch beteuert Poincars die friedliche Gesinnung Frankreichs, doch Deutsch- lands Auftreten gegen Rußland würde diese Gesinnung so- fort ändern. Dann heißt es wörtlich: Weiter sagte mir Herr Poincars, daß angesichts der kritischen Lage ans dem Balkan die obersten Organe der französischen Heeresleitung mit verstärkter Aufmerksamkeit alle möglichen militärischen Zufälligkeiten studieren, und es sei ihm bekannt, daß die sachverständigen und verantwortlichen Persönl.chkeiten die Chancen Rutzlatid-Frankreichs im Falle eines all- gemeinen ZusaiMncnstoßcS überaus optiuiistisch beurteile»... Ueberaus optimistisch— aber nach den„Feststellungen" der Ententekommission soll Deutschland den Krieg„voll Ver- trauen auf das erdrückende Uebergewicht seiner Armee" be- gönnen haben... Am 5. November 1912 drahtet Jswolsky folgenden Ausspruch Poincarss nach Petersburg: .ES muß wohl verstanden sein, sagt er(Poincarö) mir. d a ß Frankreich vorgehen wird in dem bestimmten Falle. daß der in der Allianz vorgesehene Easus foederis(BündnisfallI sich ergeben würde, tz. h. wenn Deutschland Oesterreich mit den Waffen unterstützen würde." Und am 8. November 1912 berichtete Jswolsky folgendes Gespräch zwischen Poincarö nnd dem italienischen Gesandten Tittoni, in dem Poincare auch die italienisch-französische Ver- einbarung von 1902 hervorhebt, kraft deren Frankreich be- rechtigt sei, für den Fall eines Krieges mit Deutschland nnd Oesterreich auf die Neutralität Italiens zu rechnen: Im Laufe des Gesprächs sagte Poincare zu Tittoni, daß, wenn der österreichisch-serdische Konflikt zu einem allgemeinen Krieg führt, Rußland voll und ganz auf die bewaffnete Unter- stützung Frankreichs rechnen liune. Diese Aussprüche aber kommen erst in das richtige Licht durch einen Bericht des russischen Botschafters in London, Graf Benckendorff. Er stützt sich auf persönliche Unter- Haltungen mit seinem französischen Botschaftskollegen. Herrn Jules Cambon, von dem er schreibt:„Herr Cambon steht mit mir in einem unter Botschaftern fast einzig- artigen Vertrauensverhältni s." Und welche Eindrücke hat Benckendorff auf Grund dieses einzigartigen Vertrauensverhältnisses erhalten? Hören wir, waS der Ver- bündete Frankreichs schreibt: Wenn ich seine(CambonS) Unieredungen mit mir, die ge- wechselten Wort« kurz wiederhole und die Haltung P o i n c.a r 4 s hinzufüge, kommt mir der Gedanke, der einer Ueberzeugung gleichkommt, daß von allen Mächten Frankreich d i c einzige ist, welche, in» nicht zu sagen, dnß sie den Krirg wünscht, ihn doch ohne großes Bedancru scheu würdci Und an anderer Stelle des gleichen Berichts schreibt Benckendorff: mm ®t« Loge, fotofe fls KeoLachten konnte, sHetn! mlr so zu liegen, daß alle Mächte idarunter war vorher auch Deutsch» lond erwähnt. Ned. d.„®.*) aufrichtig daran arbeiten, den frieden v.i erhalten. Aber von alten ist es Frankreich, daß den rieg mit der verhältnismäßig größten Ruhe ausnehmen würde. Frankreich hat sich, um einen bekannten Ausspruch zu gebrauchen, .wieder ausgerichtet". ES hat, sei es mit Recht oder Unrecht, v o l l st ä n d i q c s vertrauen zu seinem Heere! der alte gärende Groll ist wieder ansgctancht und Franlrcich konnte sehr wohl anucbmeu, daß die U m st ü u d e heute g n n st i g e r sind, als sie es später jemals seilt lvürden. So wurde Frankreich siebzehir Monate vor Ausbruch des Weltkrieges von eineni ihm w o h l» gesinnten Bundesgenossen, dem Intimus Cambons, be- urteilt I Und berührt die Haltung Tambonv nicht noch eigenartiger, wenn man erfährt, dah Camboit schon im September 1911 den Weltkrieg für l9> t oder 1915 mit Sicherheit vorausgesagt hat, wobei er allerdings die Schuld auf Deutschland zu schieben sucht. Der serbische Geschäfts- träger in London. Dr. Grnitsch, berichtet am 8. Sep- tember 1911 an den Ministerpräsidenten Dr. Milanowitsch in Belgrad über ein Gespräch, daß Cambon mit einer Londoner Persönlichkeit über die Marokko-5krise gehabt hat. Dr. Gruitsch schreibt: Herr Cambon meint, da« die jetzigen Verhandlungen zum Abs-hlust gelangen werden, und dast irgendeine Verständigung mit Deutschland erzielt werden wird. Aber durch diese Verständigung werden nicht und können nicht für längere Zeit die Gefahren be- seitigt werden, welche von der dranfgängerischen Politik Deutsch- landS drohen. Das Resultat dieser Verständigung wird mir ein Aufschub des Krieges um drei bis vier Jahre sein... Frankreich ist sich bewntzt, daß ihm i» jedem Fall« der Jlriefl aufgezwungen werden wird. Aber Frankreich sowohl als auch seine Verbündeten sind der Ansicht, d a si selbst um den Preis größerer Opfer der Krieg auf einen entfernteren Zeitraum verschoben werden müsse, d. h. auf 1914 bis 1915. Frankreich und seine Berbündeten„verschieben" den Krieg auf 1914! Cambon sagt, auch dann werde Frankreich angegriffen sein. Zugegeben, aber hätte man nickt am Ende i. 1. 1914 ebenso wie 1911„verschieben" können? Ist der Verdacht ganz ungerechtfertigt, daß man 1911„verschieben" konnte, weil man wollte, 191 1 aber nicht, weil dies der selb st gewählterer min des L o S- schlage ns war?! Chambon war um diese Zeit übrigens nicht der einzige Ententediplomat, der mit absoluter, mathematischer Sicherheit den Weltkrieg in ein paar Jahren kommen sah. Am 13. November 1912 berichtet der serbische Gesandte N i st i t s ch aus Bukarest an seine Regierung: Die Gesandten Rußlands und Frankreichs raten als Freunde Serbiens, man solle eS in der Frage de» AnsgangS zur Adria nicht zum äußersten treiben... Es fei besser, sagten sie mir, abzuwarten, daß Serbien, welches mindesten» zweimal so groß würde, als es bisher war, sich kräftige und sammle, um möglichst vorbereitet die gewichtigen Ereignisse zu erwarten, die unter de« Großmächten eintreten müssen. Hiermit kommen wir schon«uf das Gebiet der fortge- setzten Aufstachelung Serbiens durch Rußland, an der, wie wir oben sehen, Frankreich nicht unbeteiligt ist. Das ist ein ldapitel für sich, ivofür das Deutsche Weißbuch auch zahlreiches Material liefert, das ivir hier nur streifen können. So berichtet der serbische Gesandte in Petersburg, P o p o w i t s ch, am 14. Dezember 1912, daß ihm der russische Minister des Aeußeren sein Vertrauen ausgesprochen hat, daß Serbiens militärische Kraft Oesterreich-Ungarn erschüttern werde. Und im April 1913 sagt S a s o n o w zu Popowitsch, daß Serbien für die künftige Zeit arbeiten müsse, in der es viel Land von Oesterreich-Ungarn bekommen werde. Darauf erwidert Popowitsch, daß Serbien Bitolia den Bulgaren schenken werde, wenn es Bosnien und andere Länder bekomme. Gewiß läßt sich aus diesen Dokumenten der Jahre 1911 bis 1913 kein mathematischer Schuldbeweis für 1914 konstruieren, aber siebedeuten schwer belastendeJndizien Kamerad! Du bist Sozialist. Ich bin Sozialist. Du bist Pariser. Ich bin au» Berlin. Düster standen wir vier Jahr« in den Gräben. Da» gleiche hämmerten sie uns in den Kopf, dir und mir: Mein Höchstes sei. dein Höchste» sei, da» kalt« Drsikant unserer Bajonette «inander in den rauchenden Gedärmen umzukehren. Wie Der- serk« hetzten sie ans aufeinander las. Des DagS. Nächtens aber schüttelten wir uns zwischen den Gräben heimlich die Hände: .Kamerad, einst wird kommen der Tag.. Jetzt ist. er da, der Tag. Jetzt gilt e», Kamerad. Die Waffen ruhen. Ich bin tesiegt. Gesenkten Blicke» steh ich da in Ketten. Wer ich bin fröhlicher. Ich h�xre deiner Stimme. Du.hast e» mir versprochen damals, jjsichtenS, zwischen unseren Gräben. Deiner Stimme harr ich:«Der da ist mein Bruder.. Warum kommt die Stimme nicht? Du kennst den Galiläer:.Wer mich bekennet vor den Men- schen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Bater." Ich bin nicht au» Galiläa. Berlin hat mich geboren. Dich Pari». Aber unser ist der eine Bater. Er steht herab. Er harret deiner Stimme... Warum komnit die Stimme nicht? Ha, da ist siel Nein, deiner Herrscher Stimme ist e». Schaum steht ihnen vor dem Munde:„Her mit dem halben Kalil ein . Drittel eures Eisens seid ihr schuldig I ein Viertel eurer Kohle habt ihr selbst für uuö zu schaufeln!" � Hörst du deines Tigers Stimme, Kamerad? Jetzt sprich du. Ich harr« deiner Stimm«... Warum kommt die Stimm« wicht? Ha, jetzt endlich I Nein, Paragraphen werden in Versailles verlesen:.Man reiße ihm da» linke Bein au«, so überm Rhein steht. Rechts am Körper sind ihm Arm und Fuß zu trennen. Man knie ihm auf dem Rumpf. Hundert Milliarden sind ihm ouSzu- pvessen. Um fein« Stirn da» Eifenband der Hörigkeit. Kuschen lehrt ihn. Wie, er könne nicht? Matt schlage nur sein Herz?— gebt ihm Aspirin. Am Verhungern sei er? schmeißt ihm Kartoffeln in den Rachen, einen Büschel Sauerkraut stopft nach— sterben darf er nicht, die Stümpfe müssen weiter für uns schwitzen. Wen kann der Unmensch damit meinen? Heiß ihn schweigen. )st dir schlocht geworden, Kamerad? Ich harte deiner Stimme... Warum kommt die Stimme nicht? Jetzt spricht er wieder. Er sagt, er fordere nichts fiir sich. Er sei ein alter Mann, der morgen sterben müsse. Er forder««» für dich. Dir wolle er da» Leben schöner machen, sagt er. Wie kennt er dich so schlecht, mein Bruder. Zu glauben, daß du einen anderen verstümmeln ließest, um»«haglicher zu loben. Welchen anderen « nur«eint, mein Bruder? So sprich doch, endlich, Kamerad. Ich harre dein« Stimm«... Warum kommt die Stimm« nicht? Jetzt rodet er von Freiheit, Sühne, MenschhettSddealen, Ster- neu, die am Himmel hängen. Kamerad, so sag ihm doch, kein Reden nütze mehr. Sag ihm. du und ich, wir seien mittels Reden «nsgchogen worden, ehe e» Krieg ward.«Sag ihm, mtttolh Red« ' für Zig lerkenTen'SiaalSmanner 5er Cnkenle, stn5 nW zu- letzt Frankreichs. Wir führen sie nicht auf, um unsere ehe- maligen eigenen Machthaber reinzuwaschen, sondern um zu zeigen, wiedeplaziertesist, ihreSchuldzumBe- lveisederUnschuldderGegenfeitezunehnlen. deutschlanü komx?omij?e!t nicht in üer Kolonialfrage. Berlin, 11. Juni.� Bon zuständiger Seie wird uns mitgeteilt: Ausländische Blätter beschäftigen sich neuerdings wieder lebhaft mit der' von der Entente geplanten Regelung der Kolonial frage. U. a. wird behauptet, die Entente beabsichtige zwar, Teutschland den gesamten Kolonialbesitz zu nehmen, seinen Wert aber bei der Fest- setmng der Entschädigungssumme irgendwie zu berücksichtigen. Demgegenüber kann nur immer wieder der feste Entschluß der deutschen Regierung betont werden, auf den bereits des öfteren dargelegten Standpunkt, der dem Punkt öder Wil- sonschen JanuarkundgebuNg entspricht, zu beharren. Danach kann Deutschland auf seine Kolonien weder verzichten, noch sie verschachern. In bezug auf die Kolonien verlangt eS nichts weiter als sein gutes Recht. Kolonien sind für das deutsche Volk eine Exi- stenzbcdingnng, da e» ohue Kolonien nicht möglich ist, dorn überschüssigen BevölkerungSteil Arbeit»- und AusicdelungSgelegeuheit zu bieten und andererseits die Kräfte dieses Bevölkerungsüberschusses der deutschen Wirtschaft nutzbar zu machen. Die Regierung kann auch dem deutschen Volke nicht zumuten, einen Friedensvertrag an- zuerkennen, der eZ nicht würdig und nicht fähig behandelt, weiter- hin an der Kulturarbeit der weihen Rasse m Afrika und der Süd- fee teilzunehmen. der völkerbunü üer Entente eine Heuchelei. Rätselspiel um die Galgenfrist für Deutschland. Bcrsinlleö, 11. Juni.(Eigener Drahtbericht de».Vorwärts".) Die„Hnmanitä" schreibt, daß die Zulassung Deutschlands zum Völkerbund keineswegs genügen würde, um den Charakter des Ge- waltfriedenS zu ändern. Denn ein derartiger Völkerbund müßte als Grundlage einen Friedensvertrag haben, der den G e i st d e r Gerechtigkeit einigermaßen entspräche. In Anbetracht eines solchen Friedens der Bourgeoisie und des Kapitalismus, welker als wesentliche Bedingungen die Zermalmung der Arbeiterrrvolution habe, wäre ein Völkerbund, mit welchem Statut eS auch sei, nur «ine Heuchelei. Seit-zwei Tagen äußert sich die französische RegierungSpresse außerordentlich beunruhigend über die Meldung der Dingck in der Slowakei. Dir tschcchtsch.slowakischr Republik sei infolge der Offensive der ungarischen Roten Armee in großer Gefahr. Der .Temps' erblickt natürlich die Hand Deutschlands in diesem ungarischen Spiel./ Die Pariser AuSgqbe des amerikanischen Blattes„Chicago Tribüne", welche gestern behauptete, Deutschland würde eine mehr als achttägige Frist erhalten, um die Antwort der Alliierten, welche om Freitag überreicht werden solle, anzunehmen oder abzu- lehnen, behauptet heute, daß diese Frist nur 48 Stunden betragen wird. Haag, 11. Juni.'(H. R.)„Daily Telegraph" meldet aus Paris, daß die Kommission des Völkerbundes unter Borsitz des Präsidenten Wilson vier wichtige Beschlüsse gefaßt hat. Der erst« Beschluß behandelt die baldige Zulassung DrutschlaiidS zum Völkerbund, die erfolgen soll, wenn sich in Deutschland eine stabile Regierung findet, die für die Durchführung des Friedensverträge» sorgt. Der zweite Beschluß geht dahin, daß die Beschränkung der Wirtschaft- lichen Tätigkeit Deutschlands aufhört und durch ein System von Gegenseitigkeit ersetzt wird, sobald Deutschland Mitglied deS Völkerbünde» geworden ist. Der dritte Beschluß besagt, daß die militärischen Bedingungen, welche Deutsch- land im Friedensvertrag auferlegt werden, keine Ausnahme« Maßnahmen sein sollen, die nur für«in« bestimmte Zeit gelten. sondern daß sie ein« besondere Anpassung an deutsche Verhältnisse sind, der sich auch die anderen Mächte unterwerfen werde» und die habe man unS durchgepeitscht durch einen Strom von Blut und Tränen, so sich Krieg heißt. Sag ihm, mittels Reden such« man das BruderschaftSerlebni» zwischen unsere« Gräben jetzt noch weg- zudiSputierc-n. Sag, wir seien müde. Müde aller großen Worte von umschärpten Bühnen. Sag ihm, Kummer, Schuld und Fieber hätten mich aufs Bett geworfen. Sag ihm, daß ich wieder etwas schnaufen könne. Dag ihm, daß eS morgen Montag wäre. Sag ihm, daß wir an die Arbeit gehen wollten, morgen, du und ich, mein Bruder. Kamerad, ich harre deiner Stimme... Warum kommt die Stimme nicht? Kamerad, ich habe diese Arbeitswoche angefangen ohne dich. Es war keine Wahl. Nicht mehr länger Hab ich warten können, wollte den Magen einmal wieder satt, Weib und Kinder einmal wieder froh bekommen. Heut ist SamStag, Bruder, heut wird ausbezahlt. Heute endlich weiß ich, wirst du zu mir sprechen. Deiner Stimme harr ich, Kamerad... Warum kommt die Stimme nicht? Ha, Hab ich's nicht gewußt— über die Vogesen kommt es. Eine Hand langt über die Vogesen. Bruder, ist«» deine Hand? Nein, deine Hand ist schwielig, deine Hand ist gütig. Aber die da übern Rhein greift, hat ja Krallen. WaS macht sie nur mit unseren ÄöhmmgSlisten? Sie rechnet Tag um Tag nach. Sie addiert vom Montag, DienStag, Mittwoch meinen Taglohn. Sie umkrallt ihn. Sie verschwindet wieder hinter den Vogesen. Fernher«ine Stimme HAint: Brav so, Sklave, künftig darfst du dich fiir uns die erste WochenhAste woiterrackern—" »Und mein Stübchen," schrei ich,„soll es niemals wieder warm, soll mein Magen niemals wieder satt, sollen Woib und Kinder nie- malS wieder froh—" „RiemalS, Hund von«wem Boche I' „Gräßlicher!— aber hüte dich: einm Kameraden Hab ich bvi dir drüben, der mich rächen wird— seiner Stimme bist du Untertan — seiner Stimme harr ich-- Schon glaube ich sie zu vernehmen." Fritz Müller. Zu den Tuberkulosetagungen in ö erlin. In dieser Woche finden in Berlin eine Reihe von Lagungen statt, die als gemeinsame Aufgabe eine Besprechung der Fragen haben, wie sie sich au» der Zunahme der Tuberkulose al» KriegSfolge ergeben. Universitätslehrer und praktische Acrzt«. Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, Leiter der Laitdes- Versicherungsanstalten und der Krankenkassen müssen an den Ber» Handlinien lebhaften Anteil nehmen. Mehr denn je wird das Wort Geltung haben müssen, daß die Tuberkulase eine sozial bedingte und in ihrem Wesen al» Volkskrankheit nur durch soziale Maß- nahmen im großen zu bekämpfende Schädigungder VolkSgefundheit darstellt. Diese Erkenntnis der Dinge ist ja beut« allgemein verbreitet; frei von. irgendwelchen Rücksichten spricht man es heute offen aus. daß die ungeheure Zunahme der Tnberkutofe eine Folge der Verelendung unseres Volke» durch den langen und unglückliche« Krieg darstellt. nur durch Bedingungen füt die eigen« Innere Sickerheft begrenzt werden. Die Dienstpflicht wird abgeschafft und es wird die Hoff- nung ausgesprochen, daß bereits vor der ersten Zusammenkunst des Völkerbundes im Oktober in Washington die erste Maßnahme für die Abschaffung der Dienstpflicht getroffen sein werde. Weiter wurde der Beschluß gefaßt, dem Völkerbund den S ch u tz der deutschen Minoritäten anzrwertrouen. Der Völkerbund wird die Pflicht haben, sich dafür zu verbürgen, daß die Rechre dieser Minoriiäten besonders bezüglich des Unterrichts und der Religion gewahrt bleiben. Die Note Renners. Einmütige Zustimmung der österreichische»» Presse. Wien, 11. Juni.(Korrbüro.) Die Blätter stimmen rückhaltlos der Note des Staatskanzlers Renner zu, die in llarster, eindringlichster und würdigster Form die Sache Deutsch- österreichS vertritt, und drücken die Ueberzeugung au», daß; der Viererrat schon auf die erste Note Renner? hören müsse, wenn er wirklich den Frieden der Welt schaffen will.- Die„Neue Freie Presse" sagt: Der Inhalt ist die kräftigste Zusammenfassung der Beweise, daß der deulschösterreichische Staat dreien Friedensvertrag nicht überleben könnte. Der Eni- schluß Deutschlands und DeurschöesterreichS, den Friedensvertrag von Versailles beziehungsweise von St. Germain, nicht unter- zeichnen zu köuneu, kommt auö freiem Antrieb. Der Viererrat kann nicht wollen, daß ihm zwei Friedensverträge unterschriftslos zurückgestellt werden. Das„Nene Wiener Tagblatt" be- tont, daß Dr. Renner in ebenso einfach klaren wie drastischen Aus« führungen darstellte, daß Deutschösterreich nicht einmal die Möglich- keit de» LebenS überhaupt geboten ist. Die„Arbeiterzeitung" führt auS: In zurückhaltenden aber um so eindringlicheren Worten hat Renner gestern die absolute Unmöglichkeit und UuertrSglichkrit des Frieden?, de« die Entente Deutschösterreich anfinnt, dargelegt. Keine Einigung in üer Entschäüigungsfrage. Amsterdam, 11. Juni.(H. N.) Der„Telegraaf" erführt aus Paris: Wahrscheinlich wird demnächst Ucbereinstimmung über den Betrag der Kriegsentschädigung erzielt werden. Die französischen Sachverständigen Klotz und Loiicheur werden recht behalten: Es wird kein fester Betrag festgestellt werden können. Dem- gegenüber wünschen die Amerikaner noch immer die Festsetzung auf einen Betrag von 109 Milliarden Mark in Gold, so wie es die Deutschen selbst in ihren Gegenvorschlägen gewünscht haben. Es steht nunmehr fest, daß die Antwort der Alliierten den Deutschen am Freitag überreicht werden wird, und daß Wilson am Sonnabend nach Belgien abreist, Tie erste polnische Waffen- und Munitionsfabrik. Nach einer Warschauer Meldung ist in Warschau kürzlich unter Teilnahme französischer, englischer und amerikanischer Ka- p i t a l i st e n die erste polnische Waffen- und Munitionsfabrik mit einem Grundkapital von bö Millionen Gulden gegründet worden. Die Frage drängt sich auf, gegen wen die Warm gebraucht werden sollen, da doch der famose Völkerbund den Schutz der künftigen Polen garantieren wird. Da das arme Polen die Zinsen für das von den feindlichen Gönnern zur Verfügung gestellte Kapital allein wohl nicht wird aufbringen können, dürften die Herren Kapitalisten aus den Ententeländern schon auf den Beitrag der eigens zu die- fem Zweck an Polen verschacherten deutschen Ostmark spekulieren. Auflösung und Neuwahlen der Provinziallandtage. Wie die P. P. N. hören, ist im Ministerium de? Innern ein Gesetzentwurf fertiggestellt, der die Auflösung der Provinzial- und Kommuirallandtage und ihre Neuwahlen auf demokratischer Grundlage bis 1. August 1919 vorsieht. Für die Provinzen Äest- prettßen und Posen, Schlesien, Hessen-Nassau, Rheinprovinz und die kommunalen Landtag- deS Bezirksverbandes Wiesbaden hat das Gc- setz auS außenpolitischen Gründen einstweilen kein« Geltung. DaS StaatSministerium erhält die Ermächtigung eS auch in diese Pro- vinzen einzuführen. Nicht immer war es so, daß man die Dinge mit dem richtigen Namen nennen konitte. ES war vielfach Sitte, um daS Wesen der Sache herumzureden: statt auszusprechen, daß man eine erfolgreiche Bekämpfung der Tuberkulose nur durch«ine Besserung der sozialen Verhältnisse erzielen könne, sah man das Heil oft nur im AuSbmi des Heilstättenweiens fiir Tuberkulöse. Und als der Verfasser dieser Zeilen vor 11 Jahren sich dahin aussprach, daß die Tuberkulose eine Magen- und eine Wo h n u n g s f r a g e sei und daß alle Maßnahmen, die geeignet seien, eine Verbilligung der Nahrungs- mittel und eine Verbesseruikg der Wohnungsverhältnisse herbeizu- führen, auch bei uns in größerem Umfange angestrebt werden müßtest — da erfuhr er von damals autoritativer Seite Widerspruch und Ablehnung.— Wahrlich, in schwerster Zeit tagen die Tuberkuloseärzte. Noch wissen wir nicht, wie des deutschen Volkes Zukunft sich gestaltet, od die Not nicht noch immer größer werden wird, noch wissen wir nicht, wie bedeutend üoerhaupt die Mittel sein können, die zur direkten und indirekten Bekämpfung und Borbeugung der Tuberkulose zur Verfügung stehen. Nur«ins können wir schon heut« sagen: wir sind ein armeS Volk geworden und wer fem Volk liebt, mit dem er groß geworden und dessen Aufschwung er gesehen, mutz zagend eingestehen, wie unendlich schwer e« sein wird, wetteren Verfall und weiteren Niedergang zu verhindern.— Wir wollen nicht, daß den an schwerer Tuberkulose Erkrankten da» was ihnen zukommt, entzogen wird. Aber der Sebiverpnirki in der Tuberkulosebekämpfung und der Tnberkuloseverhütung de» Ein- zelnen fällt dem Kindesalter zu, nächstdcm den Frauen, den Tragerinnen der Zukunft unserer Volksgesundheit. In der der Trägerinnen der Zukunft unserer Volksgesundheit. In der Begründung von Erholungs statten für Kinder liegt ein gutes Teil der Vorbeugung der Tuberkulose. Mit Freuden ckann eS begrüßt werden, daß die Gemeinde Berlin daran geht, ein groß angelegtes Genesungsheim für Kinder und Fvauen zu schaffen und den Gefährdeten das zu gewähren, was ihnen in den Mauern der Großstadt abgeht: Lust und Licht und gute Ernährungeverhältnisse!_ Prof. Dr. M. Masse. Notizen, — Denkwürdigkeiten«ine» Sozialdemo- kraten. Von diesem ErinnernngSwerk unseres alten Genossen Wilhelm Bios ist jetzt bei Birk in Mimchen der zwerte Band erschienen, der eine Wanderung durch die kampfschweren Jahre des Sozialistengesetzes darstellt. Das tatsachen- reiche Buch wird neben Auer« dokumentarischen„Roch zehn Jahren" seinen festen Platz finden al» Kulturibild der Epoche der achtziger Jahre, in der das Bismarckische Regiment schmachvoll abwirtschaftete. — Gottfried-Keller-Büchlein. DaS Komitee fiir daS Gottsrftd-Keller-HauS in Zürich läßt zum hundertsten Geburtstage Kellers«ine fetngedruckte wohlfelle AuSgoibe von dreißig Stücken der Lyrik des Dichters erscheinen. — BücherauSstellnna. Die Buchhandlung Speyer u. PcterS. Unter- den Linden 29(Ecke Eharlottenstraße), veranstaltet eine Ausstellung interessanter alier Bücher auS dem Zeitraum dcS 1ö. und 19. Jahrhunderts. Darunter eine vertvolle Goethe- Gärung in Italien. Ministerkrise?— Ausstände und Strastenkampf. Bern, 11. Juni. Nach dem Gbrnalc d'Jtalia hat sich die politische Lage derart zugcspiht, das? eine Ministerkrise nicht ausgeschlossen erscheint. Orlando will seine Ri'ckkehr nach Rom beschleunigen und wird Sonntag in der Hauptstadt zurückerwartet. Im Secolo kommt starke Beunruhigung über die Zustände in Italien zum Ausdruck. Es wird darin über die A u S d e h n u n'g der Streikbewegung, über die Erbitterung der Massen, übe» die Lcbensmittelteuerung gesprochen. Der Berbanb der italienischen Industriellen richtete mit Rücksicht auf dir Lebensmittelnot das dringende Ersuchen an die Regierung, alle bei der Militärverwal- tung befindlichen LebenSmittelvorräte zu requirieren und so- fort ohne Rücksicht auf die Kosten zu billigen Preisen aus den Markt zu bringen. Trotz aller Zugeständnisse der Regierung hat der all- gemeine Lehrer streik heute eingesetzt und sich besonders über Mailand, Bologna und Genua ausgedehnt. In Savona und Lurca streiken dir Telephonangestellten. Der Bewegung haben sich teil- weise auch die häheren Beamten angeschlossen. Weiter droht ein Streik des Personals der Postagcnturen. Aus dem ganzen Lande wird eine Verschärfung der Lage gemeldet. Nach dem „Avanii" ist man vom Generalstreik nicht mehr weit entfernt. Besonder? schwer scheinen die Zustände in B« r o n a zu sein, da die Z e n s u r alle Berichte aus der Stadt unterdrückt. In Barese kam es zum Straßenkampf, in Mailand streiken sämtliche Metallarbeiter; die Arbeiter der großen Räderwerke, die 7000 Leute beschäftigen, sind bereits in den Ausstand getreten. Meuterei auf einem britifthen Kriegsschiff. Amsterdam, 11. Juni.»Daily RewS' vom 9. Juni bringt eine Reutermeldung, wonach auf dem britischen Kreuzer . A u st r a I i a* vor seiner Abreise auS Freemantle ernste Unruhen unter der Schiffsbesatzung stattgefunden haben. Die Mannschaft verlangt«, daß die Reise des Kreuzers verschoben werde. Da der Kapitän dieser Forderung nicht stattgab, weigerten sich die Matrosen, Dampf aufzumachen, so dast diese Arbeit von den Unteroffizieren ausgeführt. werden muhte. Als das Schiff nach einigen Stunden die hohe See erreicht hatte, las der Kapitän der Mannschaft die Kriegsartikel über Meuterei und Ungehorsam vor. Erst dann kehrten die Matrosen auf ihre Posten zurück. Etwa 50 Mannschaften wurden verhaftet. Sechs Matrosen erhielten strengen Arrest und werden wahrscheinlich in Sidney Vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Die französische Rnsienpolitit vor üer Kammer. BcrsaillrS, lt. Juni.(Eigener Drahtbencht des.Vorwärts'.) In der Kammer begann gestern die Besprechung der Jnter- pellation betreffend die Politik der Regierung in Rußland, den Rück- zug der frauzösischen Truppen auS Odessa und die Meuterei der Schwarzmecr-Flotte. In ihr kam nur der radikal-sozialistische Ab- geordnew Violette zum Wort, der in einer sehr eindrucksvollen und sachlichen Rede die Politik des Ministers Pichon brandmarkte, welcher trotz feierlicher Zusage an die Kammer, Truppenverstärkungen Weiler nach Ruhland geschickt hatte, obgleich eZ bereits klar war, dah die Lage in Odessa unhaltbar sei und dah die Räumung sowieso durch Transportschwierigkeiten sehr erschwert war. In der heutigen Sitzung wird die Debatte fortgesetzt werden über die Interpellation der Sozialisten über die Meuterei der Schwarz- m e e r f l o t t e. ES ist natürlich nicht daran zu zweifeln, dah die Regierung bei dieser Gelegenheit wiederum eine beträchtliche Mehr- heit hinter sich haben wird, weil man unmöglich die Regierung wenige Tage vor dem FriedeuSabschluh stürzen wolle. Die Grauöenzer Arbeiter unü üerGrenzschutz Der sozialdemokratische Berein Graudenz unterbreitet der deutschen NeichSregieruny einen Beschluß, in welchem er erklärt, dah die Grauderrzer Arbeiterschaft eine chauvinistisch« Po- litik unter keinen Umständen mitmacht. Sse fordert deshalb von der deutschen ReichSregierung, daß dem militärischen Oberbefehlshaber eine sozialistische K o nt ro ll- I n sta nz beigegeben wird, falls eS zu neuen Verwicklungen im Osten des Reichs kommen sollte. Nur dadurch wird«S möglich sein, den Machtgelüsten einiger Offiziere, die schon wieder von Sieg, Ruhm und Monarchie träumen, entgegenzutreten. Letzten Endes bedeutete eine chauvinistische Politik nur, daß Kämpfe den Bestand unserer deutschen Republik aufs schwerste gefährden. Des Weiteren wird die Abschaffung der veralteten KriegSgesetze und Ein- setzung von Gerichten mit sozialistischen Beisttzern gefordert. Eigen- artig berührt die ebenfalls in der Entschließung enthaltene Forde- rung, wonach Grcnzschutztruppen das Recht zugestanden werden soll, von ihrem Vertrage zurückzutreten, wenn neue Kämpfe entbrennen sollten. Angriffsabsichten bestehen bekanntlich nicht— und für Sicherungsoperationen ist ja der Grenzschutz aufgestellt worden. Postbeamten unü Proteststreik. Aus Postbeamtenkreiscn erhalten wir eine längere Zuschrift, der ivrr das Folgende entnehmen: In verschiedenen Tageszeitungen ist im Bericht über den Generalstreik bcwnt worden, daß auch die unteren Postbeamten am Streik teilgenommen hätten und somit ein großer Teil der an- kommenden und abgehenden Postsendungen liegen geblieben sei. Das ist unzutreffend. Anläßlich des Generalstreiks und der Unruhen im März hat das Fahrsiersonal nur unter Lebensgefahr seinen Dienst verrichten kömren. Ein Auto wurde von den Streiken- den fortgenoinmen und sechs Pferde wurden erschossen. Um diesen Unzuträglichkelten vorzubeugen, hat daS Fahrpersonal unter Anführung der damaligen Verhältnisse darum gebeten, den Fahr- und Bestelldienst während der 24 Stunden einzustellen. Die Oberpost- direktion hat sich diesen Tatsachen gegenüber nicht verschließer könnc-i und die Zustimmung erteilt. Hierdurch ist naturgemäß eine erhebllche Störung des PostbetriebeS eingetreten, für die aber unter keinen Umständen daS Personal verantwortlich gemacht werden kann. Die Lsttverkschaften der Postbeamten lehnen es ab, auf das Geheitz de? Grotz-Berliner Arbeiterats in den Streik zu treten und sich als Vorspann der Kommunisten und Unabhängigen gebrauchen zu lassen. Wenn auch der übergroße Teil besonders der unteren Postbeamten der Tozialdcmokratie angehört und als deren Mit- gliedsr die Todesstrafe besonders für politische Veraehen durchaus verurteilen, so sehen sie doch keinen Grund, den Münckiener Fall zum Anlaß eines Generalstreiks zu machen. Mit derselben Be- rechtigung hätten wir gegen die ocstialische Ermordung des Genossen Reuring in Dresden, sowie gegen die unschuldig hkngemorde- ten Münchener Geiseln protestieren müssen. Wir glauben unS in- dessen nicht bei jeder Gelegenheit den Luxus erlauben zu können, den ruhigen wirtschaftlichen Wiederaufbau durch Generalstreik» zu stören und die Arbeiterschaft, zu der auch wir uns ohne Frage rechnen, immer tiefer ins Elend zu treiben. Die Erklärung des Streiks ist ganz allein Sache der Gewerkschaften und diese lehnen es entschieden ab, daß sich der Arbeiterrat Befugnisse anmaßt, für die et Sicht zustündig ist. Wilhelms Zreunüe. Aus den Akten des Bundes deutscher Männer und Frauen zum Schutz der persönlichen Freiheit und des Lebens Wilhelms ll. Der bekannte günstige Wind weht uns eine Anzahl von Schriftstücken auf den Schreibtisch, die ein interessantes Licht auf den Bund zum Schutze Wilhelms II., auf seine Tendenzen und seine Geschäftspraxis werfen. Gerichtet sind die Briefe zum größten Teil an den Oberstleutnant Freiherr von Loen, Leiter der Frankfurter Orts» gruppe des Bundes. Der Absender der Briefe ist in den meisten Fällen der Schriftführer des Bundes, ein Hauptmann z. D. namens Hering. In einem Schreiben aus Görlitz vom 18. April 1919 des Herrn Hering heißt es: Hochyuverehreuder Herr Oberstleutnant! Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich, aus dns Schreiben vom 15. April zu erwidern, daß wir unsere Aufgabe leider durch Ententebeschlüsse begügl. S. Majestät stark durchkreuzt sehen. Die Ausliesernng soll in der Tat beschlossene Sache ge- worden sein! Deshalb müssen wir von frischem mit aller Macht die Propaganda ausnehmen. Ich habe einem Divisionspsarrer, der bei Essen wohnt und vorzügliche Verbindungen in Holland hat, vorgestern durch Eilbrief 20 Mille zur Verfügung gestellt, um von nnkm die holländische Presse zu bearbeiten. Da die Mark= 18 ist, sind 20 Tausend Mark verhältnismäßig wenig, ich glaube wir müssen noch recht oft und tiefer in den Säckrl greisen! Aus diesem Grunde ist Hering denn auch dagegen, daß das bleibende GeLd zugunsten der Blinden verwendet werde. Allein für Drucksachen seien 15 0 0 99 M. zu be- zahlen.— Man sieht, der Verein geht heran. Besondere Sorgen machen Herrn Hering die hohen Kosten der Inserate in Zeitungen. So schreibt er in demselben Brief: Das„Verliuer Tageblatt� verlangt z. SB. für diesen Aufruf 1450 Mk., was mir allerdings zu teuer gewesen ist, ob- gleich ich im Zweifel bin, ob diese Ausgabe sich nicht doch reu- tieren würde, schon deswegen, weil das Ausland dieses Schweineblatt sicher zu Gesicht bekommt! Typisch für die Agitationsmethoden des Bundes ist auch folgendes Schreiben: Görlitz, den 1. Mai 1919. Räch Bekanntworden der offiziellen Note(Auslieferung) möchten sämtliche Zweigstellenvertreter nicht nur selbst, sondern auch durch zahlreiche andere Personen(auf Kosten des Bundes) energische Protesttelegramme an den Reichs- Präsidenten Ellert, ferner an die Abg. Stresemamn und Trau-b, SBeimar, gelangen lassen. gez. Hering. Als monarchische Stilllbung darf Wohl auch der Anfang eines Schreibens des Herrn von Branden st ein Er- wähnung finden, daS mit folgenden Worten beginnt: Schloß Friedrichshof, den 7. SWai 1919. Adresse: Frankfurt a. M., Untermainkai 8. Sehk geehrter Herr von Loen! Im Auftrage Seiner Hoheit des Prinzen Friedrich Karl von Hessen, erlaube ich mir mit nachfolgender Bitte an Sie beranzu- treten. Seine Hoheit und Ihre Königliche Hoheit sowie oie Prinzen Söhne haben in den letzten Tagen-ihre Unterschrift gegeben unter einen Aufruf, der sich mit der Unantastbarkeit Seiner Majestät unsere» allergnädigsten Kaiser? befaßte. Da die Hohen Herrschaften jetzt seit Monaten unter ganz besonders schwierigen Verhältnissen, durch die französische Be- satzung hervorgerufen, leben, so ist in gewisser S�e- ziebung grüßte Vorsicht am Platze, um nicht das Mißtrauen unserer Erlsseinlde von neuem wieder wachzurufen. Die Bitte geht nun dahin, die Namen der Hohen Herrschaften solange in der Zeitung nicht zu veröffentlichen, wie die feindliche SBesetzung noch hier ist. Dem Bekennermut des edlen Prinzen von Hessen macht dies Schreiben alle Ehre.— Köstlich lesen sich auch die Zustimmungserklärungen, die -Herrn von Loen auf seine inserierten Ausruse'hin zugingen. Einer der neugewonnenen Wilhelmsretter, ein gewisser Paul B i ck ans Frankfurt charakterisiert sich selbst mit fol- genden Worten: Da ich Inhaber eines kaiserlichen und könig- Dankschreibens nebst Auszeichnung bin, wende ich mich ganz gehorsamst an Seine Hochwohlgeborenen Herrn Oberst. leutnant Freiherr von Loen, mit der höflichsten Bitte, an dem Bund, für die persönliche Freiheit und für das geisellose Leben unseres einst so väterlich regierenden Fürsten mit deilzu- n-ehmen. Da ich ein strebender, ringender Schriftsteller bin, werde ich bemüht sein, mit meinen Dichtungen Mit- gl i« der, selbst das Volk aufzuheitern und ein verlangendes Gefühl in ihnen wecken. Ja, wer ihn geliebt, wer die Welt damals sah nnd sieht st« heute mrt klarsehenden Augen an, der muß weinen, Tränen vergießen. Der sucht seinen alten trauernden Fürsten auf u-nd reuend(!) wird er bekennen— Wie schön war eS als du die Krone trugst, auch— diese Zeit war köstlich. Herrn Bick wird es sicher besser gelingen,-das Volk auf- zuheitern, als das„verlangende Gefühl" in ihm zu wecken. Immerhin nehmen sich seine Stilllbungen harmlos aus neben der„Bearbeitung der holländischen Presse" durch Herrn Hering. proteftsireik in Frankfurt. 'ftwt a. M., 11. Juni. Auf Beschluß des Apbeitervats wird der Beisetzung Rosa Luxemburg» und der ng LevineS mit Ausnahme der GaF-, Wasser- und rrke sowie der LebenSmittelversorgu-ngSbetriebe und Kra-i..«.»....ten von Donnerstag abend S Uhr bi» Freitag abend 6 Uhr jegliche Arbeit eingestellt. Der Gesetzentwurf über ü!e Betriebsräte. Bei der im ArbeitSministerium eingesetzten Kommission zur SSeratuna de« Vorentwurf» iillec ein Betr'tebsrätegefetz beschränken sich die Beratungen auf Entgegennahme von An«-- gungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern setenS de» Regie- r-ungdvertreterS. In der Wahlrechtsborlage verlangten die Arbeitnehmer eine wesentliche Herabsetzung der Alters- grenze, während die Unternehmer eine Heraussetzung veo» langten. Es gelang bisher nicht, ein-e Klärimg über die Befugnisse der Betriebspäte herdeizu führen; besonders tief zeigte sich die Kluft bei der Beratung über den w i rt scha st l ich« n AufgabenkveiS- Die zweite Lesung dürfte in 14 Tagen stattfinden. » Lohnbewegung öer Lithographen unü Stemürucker. Eine im„Be-rl. TlubhauS" tagende Mitgliederversammlung der Lithographen und Steindrucke? beschäftigte sich mit o«n Ergebnis der Verhandlungen zum Abschluß eineS ein jährigen Tarlses für Deutschland. Kall. Haß gab oincn Uebsrblick übor die jetzige Lage des Berufe», der durch die Altzverrung vom Weltmarkt gänzlich an den Rand des Abgrunde» gckraN worden ssl. Daraus erklären sich auch di« geringen Ergebnisse der Verhandlungen. Die Erhebungen des Verbandes über die wirtschaftliche Lage der Lithographen und Steindcucker haben einen Durchschnittslohn für Städte bis 50 000 Einwohner 57,77 M., 50 000—100 000'01,87 M.. 100— 200-000 70,77 M., 200—300 000 77,36 M., über 300 000 73,67 M. ergeben. Der Tarifvertrag sieht folgende Löhne vor: für Gehilfen im 1. Jahr 60 M.. im 2. Jahre 67,50 M.. bis zum Alter von 21 Jahren 75 W.. � von 21—24 Jahren 82,50 M., über 24 Jahre 90 M. Ferner für Berlin eine allgemeine Zulage von 10 M., die aber für Zulagen, die vor dem 15. 4. gegeben wurden, bis zu 5 M. aufgerechnet werden. Für Deutschland bedeutet die tarifmäßige Regelung des Lohnes eine Erhöhung von 20 bi» 30 M. Prämien- und Akkordarbeit darf nur bei paritätischer Vereinbarung geleistet werden. Die Arbeitswoche beträgt 47 Stunden, an den Sonnabenden vor den Feiertagen vier Stunden. Der Arbeitsnachweis wird paritätisch zusammengefegt und sind die Unternehmer verpflichtet, nur durch Vermittlung des Arbeitsnachweises Einstellungen vorzunehmen. Ferien find un 1. Jahr auf 4, im 3. auf 6 und im 10. Jahr auf 0 Tage festgelegt worden. Für Lehrlinge ist die 3jährige Lehrzeit nicht durchgesetzt worden; nur denen, die Fach- und Gelverbeschule besuchen, ist eine Zjährige Lehrzeit zugebilligt worden. Arbeitszeit ist dieselbe wie bei den Gehilfen. Außerdem ist der Lehrlingszüchterei ein Riegel vor- geschoben. Auf 6 Gehilfen darf 1 Lehrling, auf 7— 12 2 Lehrlinge usw. beschäftigt werden.. �, In der ausgiebigen Diskussion wurde allgemein zum Ausdruck gebracht, daß vor allem der bewilligte Lohn zu gering sei. Selbit Redner, die zur Annahme des Tarifes mahnten, um auch in diesem. Berufe geregelte Zustände zu bekommen, erklärten, daß der Tari? nur durch die augenblickliche ungünstige Lage angenommen werden müsse. Die Abstimmung ergab 363 Stimmen für und 236 gegen dem Tarif. 8 weiße und 2 ungültige. verbanöstag öerMafthinisien unü yelzsc Halle a. S„ 9. Juni. Die 13. Verbandsgeneralversammlung der Maschinisten und Heizet findet im St. Nikolaus statt. Den Geschäftsbericht gibt cm der Hand des umfangreichen gedruckten Be- richts Insel- Berlin. Den Kassenbericht erstattet Kassierer Klein. lieber die Tätigkeit des VerbandsausschusseS berichten Bergholz und Reichert- Hamburg. K i r s ch n e r° Berlin berichtet für die Redaktion der Verbamds- -eitschrift..Deutscher Maschinist uird Heizer" Sie habe jetzt eine Auf- läge von 67 000. Di« fachtcchnische Beilage mit ihren Abbildungen habe viel Anklang gefunden. Auch in einem Gewerkschaftsblatt sickere der Parteistreit durch. Er«15 Redakteur habe sich aber soviel als möglich bemüht, neutral zu bleiben. Auf Zurufe hm bemerkt Redner, die Zeiwng könne nicht allein für jene Mitglieder redigiert werde«, die da glauben nur mit großer Lungen- kcaft die Welt zu ändern. Man könne seine Ueberzeugung nicht wie eim Hemd wechseln. Der Metallarbeiterverbamd ist durch Kopp vertreten. Er wünscht, daß das gut« Verhältnis beider Verbände zueinander be stehen bleibt. Sollten etwaige Uebergriffe in Grcnz-angclegenheiier vorgekommen sein, so liegt das cm den unteren Organen.— Von der Generalkommission der Gewerkschaften ist Ad. Cohn an- wefend. Die Präsenzliste ergibt die Anwesenheit vom 60 Dele- gierten und et loa 10 sonstiger Verbamdsfunktionäre. In der WS- spräche über die Vorstandsberichw kritisiert besonders Wichelm Müller-Berlim vom kommuniftiühen Standpunkte aus das Per- halten des Verbandsvorstand«. Ad. Cohn von der Genervllom- Mission verteidigt diese. Matthias- Cöln schildert die Verhält- niffe in Rheinland und Westfalen. Dort seien 35 000 Kollegen vor- Händen, aber nur 17 000 gehören dem Verbände an. A a l l e n g- Kiel bespricht den Vorstandsbericht vom Standpunkt der Mehrheiw- sozialisten. Es sei leicht alles zu krisierem, aller man müsse beachten. im welcher Stimmung die Bevölkerung im Kriege, namentlich im Ansang gewesen sei. G r u n o w- Düsseldorf(11. S. P.) protestiert gegen die Verlegung des Verbamdsiages nach Halle. Plan habe wohl vor dem revolutionären Düsseldorf, wo die Tagung erst fein sollte, Angst gehabt? Er protestiert mich gegen die Anteilnahme am der Kriegsanleihe und der„Arbeitsgemeinschafi". Reifer- s ch m i d- Cöln(Mehrheitssoz.) billigt die Haltung der Verbands- organe. Der Metallarbeiterverband habe es abgelehnt, im Falle der Verschmelzung den Maschinisien und Heizern eine selbständige Sektion zu gestatten. Es spreche-!» noch Insel- Berlin, A n d e rs e n- Harburg, Weher- Lautawerk. Letztere wenden sich gegen die „Schlagwortpoliiik" und sind für die Verschmelzung, wenn Kon- zessionem gemacht werden. Zu Delegierten zum Gewerkschafts kangreß werden gewählt: Krämer, Balleng, Fleischmann, Bube, Mai thies und Hager. In der Fortsetzung der Aussprache über den Vorstamdsberich! wendet sich B o r m a n n- Bitterfeld gegen die Kommunisten, obgleich er der U. S. P. angehöre. Bube-Frankfurt a. M. greut die.Arbeitsgemeinschaft" cm und, wendet sich gegen die Geweckschm- ten, die ihre Organisation nicht auf beruflicher, sondern Betriebs- gttederung aufbauen. Es wird eine Kommission aus 7 Vertretern gewählt, die Vorschläge zur R e o r g a m i s a t i o.n des Verbandes (Einsetzung eines Beirates uirt.) machen soll. Nachdem der lieber- tritt des seitherigen 1. Vorsitzenden Schoffot zum.Eisenbahner verband besprochen und dabei allgemein bedauert wurde, verteidi-v Ad. Cohn nochmals die Haltung der Generalkommission de?<51.- werkschasten, namentlich in der Frage der Arbeitsgemeinschaft u. die nur als Ganzes genommen oder abgelehnt werden könne. Per- bandssekretär Galle legt die Taktik drS Verbandes dar und führt auS, daß im der HerwaltungZtechnik des Verbandes schon viele Neue- rungem eingeführt worden sind. Hierauf wird dem Vorstand und Kassierer Entlastung er- teilt und eine Entschließung angenommen, die seine Haltung in der KriegSzeit billigt. Eime Protestresolution, die sich gegen die Verlegung des Verbändstages nach Halle richtet, wird a b gelehnt. Die von Ballen«- Kiel im Auftrag der schon et- wähnten.Kommission vorgetragenen.Richtlinien" werden beschlossen. Nach ihnen soll der Verband je zwei Vorsitzende, Kassierer und Redakteure besitzen. Dem Vorstand sollen noch 7 unbesoldete Mitglieder angehören. Den Verbandsbeirat sollen 10 Kallegen bilden. Znöustrie und kanöel. Die Erhöhung der Kohlenpreise. Essen, 11. Juni. MTB. meldet: In der heutigen Versammlung der Zechenbesitzer wurden die'Richjpmse für die Zeit vom IS. d. M. bis Ende Juli festgesetzt und für Kohle im allgemeinen um 10 Mark und für Kaks im allgemeinen um 15 für di« Donine erhöht. Für Nußkohle beträgt die PreiSerihöbung /II M. und für minderwertige Brennstoffsorten(Schlammkohle, Mittelprodukte, minderwertige Feinkohle, KokSgruS usw.) 2,50 M. für die Tonne. Der Preis für Preßkoks 1— 3 erhöht sich um 18■l'. Für Briketts stellen sich die Richtpreise unter Berückst chiigung einer neuen Erhöhung des Zechpreises um 11,75 M. die Tonne höher als die Maipreise. Diesen Beschlüssen sind Verhandlungen mit den Führern der Bergarbeiterverdände vor- a-uSgegangen, welche die Notwendigkeit einer Loherhöhung Don durchschnitüich 2 M. je Mann und Schicht ergeben hallen. Bei der mißlichen Lag«, in der sich d!« seit Monaten schon unter denk- lhar ungünstigen Verhältnissen arbeitenden Zechen befinden, konn- ten sie die Lohnerhöhung nicht ohne eine entsprechenS« Aufbesse- rung der Preise vornehmen. Der Ilmfang dieser Preiserhöhunl w ist daS. Ergebnis eingehender Verhandlungen und sorgfältiger B:- rechnungen. Die Beratungen über den Ausgleichsfonds brachte»«och laa ErgebuiS, Sie solle» fortgesetzt werde». 12. Sunöesturntag öes Arbeiter- Curnerbunöes. Dritter Tag. Leipzig, 10. Juni. In seinen Ausführungen am Vortage äußerte Weyer- Berlin auch, dost im sfalle der Nichtannahme der Fichie-Resolution „ein neues Gebilde in Berlin erstehen würde", man habe bercils mit mafigcbendrn politisistcn Pcrsönlilstkeiten darüber uerbandelt. Nach den Schlußworten von Weyer-Berlin und Äoppisch-Leipzig über die Frage der Taktik wurde zur Abstimmung geschritten Der Antrag des Bundesvorstandes, daß der Bund nach wie vor auf dem Bode» bei Klafscnkainpies auf der Seite der sozialistischen Weltanschauung steht und nicht nur jedes gesellschaftliche Zusam- mengehcn mit den bürgerlichen Turn- und Sportorganisationen vcr- wirft, sondern diese mit allen Kräften als die Vertreter der bürger- lich-kapimlistischen Weltanschauung auf dem so ungemein wichtigen Gebiete der körperlichen Erziehung und Betätigung bekämpft, wird angenommen. Die Vertreter des Turnvereins Fichte-Bcrlin hatten aus ihrer Resolution den Absah, wonach in Zukunft Mitglied des Arbeiterturnerbundes nur sein könne, wer auf dem Boden der zeiti- gen Diktatur des Proletariats steht, zurückgezogen. Danach ent- hielt die Resolution noch die Worte:„Tie Rettung der darbenden Menschheit aus dem Chaos kann nicht die uneingeschränkte Demo- kratie bringen. Die sozial'stischen Ärbciterturncr stehen auf dein Boden der zeitigen Diktatur des Proletariats." Sie wurde in namentlicher Abstimmung mit 98 gegen 28 Stimmen abgelehnt. Di« Resolution des Bundesvorstandes, jede positive Politik abzu- lohnen und unbedingte Neutralität in der Frage der sozialistischen Parteizersplitterung zu erklären, mit der Aufforderung, alle Be- schlüsse, die sich auf die Parteizugehörigkeit zu einer bestimmten sozialistischen Gruppe beziehen, wurde gegen 12 Stimmen ange- nommen. Ein Antrag Licske-Berlin gegen jede Mitwirkung in den staatlichen JugendauSschüssen wurde gegen 3ö Stimmen abge- lohnt. Angenommen wurde eine Resolution Wildung, welche u. a. ein Ministerium für Volksgcsundhcit und Jugendpflege mit beson- dcrem Referat für Turnen und Sport und gleich starke Vertretung in allen zuständigen Körperschaften, wie sie den bürgerlichen Ver- bänden gewährt wird, fordert, wurde gegen 12 Stimmen angenom- men. Ebenso ein Antrag des Turnvereins Fichtc-Berlin, wonach Mitglieder, welche den von bürgerlichen Offizieren geleiteten Frei- willigenformationeu angehört haben oder noch angehören, aus dem Arbcitcrturncrbund auszuschliesie» und gleichzeitig solchen Personen hie Aufnahme zu verweigern ist. Dieser Beschluß wurde in wieder- Holter Abstimmung bestätigt und durch Annähme einer Resolution Döblih-Breslau in gleichem Sinne noch bekräftigt. Ferner wurde «ine Resolution des Turnvereins Fichte angenommen, die die Aus- schaltung der Kirche von der Jugenderziehung fordert und gegen die Kulturpolitik der Reichs- und preußischen Regierung protestiert. T>er Schlußsatz, toonach der A.T.B, von allen seinen Mitgliedern sofortigen Austritt aus der Landeskirche verlangt, wurde abgelehnt. Eine Protestkundgebung gegen die Hinrichtung Levine-NissenS wurde einstimmig angenontmen. Die Diäten wurden auf 25 M. täglich, 20 M. für jeden Reise- tag und 18 M. tägliche Entschädigung für LohnauSfall festgesetzt. Tarauf referierten Lieske-Berlin über das Kinderturnen und Benedix vom Bundesvorstand über neue Wege für Turnen, Sport und Spiel. Während Lieske in der Hauptsache über Kinderarbeit und Kinderschuh sprach, entwickelte Benedix ein großzügiges Pro- gramm zur Förderung des Fußballspieles und der Leichtathletik im Arbeiterturnerbund. Es wird in Aussicht genommen, die Or- ganisation der Fußballspieler im Bunde bollkommen gleichberechtigt zu machen. Beschlossen wurde nach der überaus lebhaften Be- sprechung u. a. Diplomverteilnng dei Wetturnen wieder zuzulassen, dagegen bleiben Kränze verboten. Im Herbst 1022 soll ein Bundes- spiel- und-sporifest veranstaltet werden. Am Mittwoch kommen die Verhandlungen zu Ende. GMeeffchasisbewUmig Meöen in öer Metallinöuftrie. In s e ib S überfüllten Versammlungen nahmen die Packer. Lager-, Hills-, Hof- und Transportarbeiter und Arbeiterinnen im Gcwerlsckmstshnuse den Bericht der Lohnkommiision entgegen. Die Berichterstatter Fromke, Klose, Mertens, Schieritz. Bock und Scheu ich vom Transportarbciterverband betonten, daß die Arbeitgeber auf das'ihnen am 22. Mai gestellte Ultimatum ge- antwortet und um weitere Verhandlungen nachgesuchl hatten. Solche Verhandlungen haben am Sonnabend, den 7. Juni, im Verbandsbause der Berliner Baugeschäste stattgefunden. Der Erfolg dieser zweiten Aussprache ist, daß die Arbeitgeber sich zu weiterem Entgegenkommen bereit erklärt haben. Die Arbeitgeber willigten ein, daß die Löhne für die beiden Gruppen Männer und der Gruppe 2 für Frauen um weitere 10 Pf., und die Gruppe 1 für Frauen um weitere 5 Pf. pro Stunde erhöbt werden sollen. Nach den, neuen Zugeständnis beiragen die Löhne der Gruppe I bei der Einstellung 2 M. und nach einem halben Jahr 2,10 M.. für Gruppe 2 bei der Einstellung 2,10 M., nach einem balben Jahr 2,30 M. pro Stunde. Berufskundige werden mit 2.20 M. ein-. gestellt und erhalten nach einem halben Jahr 2.3n M. pro Stunde. Frauen werden in Gruppe 1 mit 1.20 M. eingestellt und erhalten nach einem halben Jahr 1.30 M. Der Einstellnngslohi, für Frauen in Gruppe 2 beträgt 1,40 M. und nach einem halbe» Jabr 1,ö0 M. pro Stunde. BerurSkundige Frauen erkalten bei der Einstellung 1,40 M. und nach 1ls Jahr Tätigkeit 1,50 M. pro Stunde. Außerdm ist zugestanden, daß'die neuen Lohnsätze nicht wie früher vereinbart vom 12. Mai, sondern bereits vom 2. Mai gezahlt werden. Die Referenten empfahlen die Annahme der neuen Verein- barungen, die gegenüber den früheren doch als wesentlich günstiger zu betrachten seien. Nach reger, zum Teil oblebnenden Diskussion wurde zur Abstimmung geschritten: dieselbe ergab eine Dreiviertel- mehrbeir für die Annahme der neuen Vereinbarungen. Damit hat auch diese Bewegung ihr vorläufiges Ende erreicht. Unabhängiger Terrorismus«nd die„Gelben". Von einem Arbertervatsmitglied des Verwaltungsgebäudes Siemens-Schuckcrtwerre wind uns folgendes geschrieben: Vor einigen Zeit ging durch die Presse ein Alarmruf der Arbeiterröte des SiemenS-Kouzerns, der auf das Wiedererwachen der gelben Gewerk- vereine hinwies. Der Aufruf reizte schon damals zur Kritik an seinen Urhebern und wenn dieselbe unterblieb, so nur deshalb, um dem einmütigen Willen der gesamten Arbeiterschaft gegen die Neu- aufzüchtung der Gelben Ausdruck zu geben. Wie sich jsdoch seitdem die Verhältnisse unter der Herrschaft der Urheber fcnes Aufrufs entwickelt haben, dazu darf nicht länger geschwiegen werden, um unverwischbar festzustellen, wer die Gelben wieder ins Leben zurück- gerufen hat und sie förmlich in Treibhauskultur züchtet. Im Sie- mens-Konzern waren die Gelben im November völlig abgestorben. Selbst die Obergclben waren von der Bildsläche verschwunden. Eine umfassende Ausklärungsarbeit hätte ohne Zweifel einen großen Teil der mdifserenren Masse für fruchtbringende Arbeit gewinnen können. Statt dessen setzte jedoch unter Führung einiger Radikalen die Zer- setzungsarbeit ein und durch den?lppcll an die egoistischen Jnstmike der Masse wurde die Rcvslntion zu einer großen Lohnbewegung gestempelt und die Aufklärungsarbeit unmöglich gemacht. Die Arbeiter, die urrter den, gelben Regiment unter Einsetzung ihrer ganzen Person gegen dasselbe angekämpft hatten, sich jetzt aber dem Treiben der Radikalen entgegenstellten, wurden an die Wand gedrückt und gar noch selbst als Gelbe verschrien. Jede andere Meinung wurde radikal unterdrückt. Jedem, der sehen konnte, war klar, daß diese terroristtschc Methode nicht ohne Geaenwirlung bleiben würde. Je weniger Widerstand die Radikalen fanden, um so unten, ebmungs- lustiger wurden sie und haben schließlich in den letzten Wochen zu Maßnahmen gegriffen, aus die die Oeffentlichkcit nicht laut genug hingewiesen werden kann. Zunächst wurden die Boykottbeschlüsse gegen die Angehörigen der Fceiwilligenverbände gesaßt. Damit nicht genug, wurde ollen A r b e i t e r i kr n e n. die mit Angehörigen der Freiwilligenverbände verkehren, der Boykott angedroht. Es blieb aber nicht etwa nur bei der Androhung, sondern man ist auch zur Ausführung dieser Beschlüsse geschritten. Trotzdem der Reich-- wehrminister den Angehörigen der Freiwilligenverbände feinen Schutz zugesichert hatte,'st nichts zum Schutz derselben geschehen und so ist es denn in mehreren Fällen zu Entfernungen von Arbeitern aus dem Betriebe gekommen. In einem Fall ist es bei der Versetzung des- Arbeiters in ein« andere Abteilung geblieben, in einem anderen Falle wurde die Entlassung zweier Arbeiterinnen gefordert, weil sie mit Freiwilligen verkehrten, und ebenfalls die Versetzung in eine andere Abteilung erreicht, nachdem, wie schon im vorher erwähnten Falle, einen Tag lang der Betrieb durch Ausübung passiver Resistenz stillgelegt worden war. Angesichts dieser Vorkommnisse muß man sich wirklich fragen, welchen Wert die Zusicherungen des Reichswehrministers überhaupt haben. Noch mehr muß man sich allerdings über die Nachgiebigkeit der Unternehmer Wundern, die doch früher den berechtigten Forde- rungen der Arbeiter einen ganz gewaltigen Widerstand entgegen- setzen konnten._ Ter Freie Angestellten-Verband ersucht um die Mitteilung, daß die Hilfsboten usw. des Magistrats bei den geführten VerHand- lungert nicht nur vom Bureauangestelltenverband, sondern in Ge- mcinschaft mit ,hm vertreten werden. Eiseubnhuer aller Grabet Donnerstag, den 12. Juni, abends 6 Ubr. in der groxen Festhalle ikeS Stadthauses, Klosterstraße. Eingang Unlergrundbahnhos. große Eiscnbobner-Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Sedeim, ng der bevorstehenden Arbeiterraiswahlen. Rclerent: Loko- motivführer Scharjichwerdt. 2. Freie Aussprache. Backer«nd Konditor««. Heute, DonnerStvg, 7'/, Uhr abends Versammlung im M e t st e r l a a l, Kötbener Str. SS. Dr.'H o I z spricht über: Handel- und Gewerbetreibende und die Sozialifierung. Pulverfabrik Spandan. Sämtliche Vertrauensleute tresie» stch beute, Donnerstag, nachmittags 6 Uhr im Lokal von Dickvoß, Strelitzer Straße 10. Deutscher Werkmeister-Rerban d. Freitag, den 13. Juni, nach- mittags 5 Uhr Vertrauensmänner-Versammlung bei Hoverland, Neue Friedrickstr. 35, Lussensaal. Die Obleute werden gebeten, die AuSweiS- karten iür die Vertrauensleute in Empiang zu nehmen. Montag, den 1 6. Juni, nachmittags 6'/, Uhr Versammlung der Fachgruppe der Lager- Meister usw. Sophiensäle, Sophienstr. 17/18. V-rantwortlich für Politik Artnr Rieflet, ebarlotteabxtz, für den vbriaen Teil de» Teil dco Blattes: Alfred schcl-, Neukölln; für Anzeigen: Th»»d»r«locke, Berlin. Pcrlag: Borwärts-Berlaa s. nt. b. H., Berlin. Druck: Borwijrts- Buchdruckcrci und Berlegsanstalt Paul Einger n. To. in Berlin, Lindenstr. 3. Hierzu 2 Beilagen. 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Darum sträube» sich so viele gegen die ersten Augengläser oder gegen stärkere Nummern solange wie möglich.— Dies ist falsch. Mit zunehmendem Alter verhärtet sich die Augenlinse genau so wie die Knochen härter und die Glieder stetfer werden. Ob Sie Gläser tragen oder nicht, diese Verhärtung schreitet fort, unaufhaltsam von Jahr zu Jahr, gesetzmäßig, einer Steuer gleich, die das Alter von Ihnen fordert. Schon im 8.— 10. Lebensjahre beginnt noch un- merklich in der Linse eine Kernbildung, die bei normalen Augen zwischen dess- unangenehm störend wird, w sehen erschwert wird. Nu, nicht bis ins Unendliche meist schon zwischen 60—7� >0. Jahre ?as Nab- rhärtung 11 kommt iiztetl zum Stillstand, weil barnij die ganze Linse hart und fest geworden ist. Der gesamte be- merkbare Verlust beträgt überhaupt nur 3—4 Dioptrien für das Nahsehen. Also die Augen verändern sich gesetzmäßig mit den Jahren, ganz gleich, ob Sie Gläser tragest oder nicht. Wenn s Sie aber keine trage», müssen Sie auf genaue? Sehen ver- zichten und noch allerlei Beschwerden mit in den Kauf nehmen, die von der vergeblichen Anstrengung, gut sehen zu wollen, herrühren. Wenn Sie diese Folgen vermeiden wollen, so kommen Sie bald zu uns, die Augenuntersuchung ist kostenlos, wir garantieren Ihnen Zufriedenheit. Slock's die Augen, geh' zu Rubnke! Gpittrlmarkt. Ufte W austrage Aleranderplaß, neben Aschinger Sftottbufer Damm 10, • nahe Warenhaus Iandorf CA vrimirnftr. 44, nahe u". Oranienplag W Leipziger Str. US, , Mauerst Ecke itäucq'trale Ltnkstr. 1, Ecke Potsdamer Straße Friedrtchstr. 183a, Ecke Leipziger Straße Friedrtchstr. VW. Ecke StcgeiftroBe Optiker Ruhnke 11*. fflf» �7 79 M Huer 150 ■M Shcnsseesti. 72 * 3nnoUbcnstt. IM, Ecke Brnnnenstraße Wen I Schönhauser Allee 81, Hochbahnstation Rurbring Belle- Allionre. Strohe 4, an, Holleschen Tor sw. Mgrlebrichftr. 150, • Ecke Dorotheenstrrße Neakölln: Bergstr. 4. gegenüber Richard- straße Scdöuederg: Hauptstr. 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Die Arbeitsgemeinschaft sozialdenw- kratischer Lehrer soll keine Partei in der Partei sein, nicht der An- fang zur berufsständischen Gliederung der Partei, sondern immer nur eine Zusammenfassung der Parteigenossen, die für b e- stimmte Aufgaben besonders geeignet sind. Beson- ders wichtig kann sie für die Landlehrer weiden. Ihnen muß die Organisation der sozialdemokratischen Lehrer eine Stütze sein.(Sehr wahr!) Wir haben noch viele Kulturaufgaben, die Verbreitung der allen wissenschaftlichen Literatur, die Schaffung neuer Literatur, das allgemeine Bildungswesen usw. In jedem Fall steht fest, daß Deutschland sich von dem tiefen Fall seiner kapi- talistischen Vergangenheit nur erlösen kann durch den Sozialls- mus als wirtschaftliches, durch die D e m o k r a t i e als politisches Prinzip, und- durch große gei st ige Lcistun- gen auf dem Gebiete der Kultur. In gleicher Lage sagte Goethe vor hundert Jahren zu seinem Eckermann:„Wählen Sie Weimar zu Ihrem Wohnort, von dort gehen die Tore und Straßen nach allen Enden der Welt." Möge so auch von Weimar aus der Parteitag neue Tore und Straßen nach alt er Welt öffnen. (Lebhafter Beifall.) v Brühnc gibt einen kurzen Bericht über die Tätigkeit der Kon- trollkommission. Beschwerden der Parteiangestellten auf Rückzahlung der Abzüge des Jahres 1914 sind im Sinne der Beschwerdeführer erledigt worden. Die Kommission hat alle Kassen geprüft und in Ordnung gefunden und beantragt Entlastung des Vorstandes. Adolf Schulz bespricht die Pressefrag«. Seit der Revolution sind 2 4 neue Parteizeitungen gegründet worden. Im ganzen verfügt die Partei über 95 Tageszeitungen mit über rund 2 Millionen Abonnenten. Das ist gegen das Vorjahr eiste Steigerung von mehr als 100 Prozent. Im Vergleich zur' Zahl der sozialdemokratischen Stimmen bei den Nationalversammlungswahlen aber ist die Hakst der Leser noch sehr gering. Vielfach wird von den Be-� Hörden schon wieder gegen die sozialistische Presse gearbeitet. Sie bat mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen als jede andere Pvess«. Unter der P a p i e r n o t leidet sie am meisten.(Zuruf: Man sö- zialisiere die Papierfabriken!) Wir können uns die heutige Art der Papierverteilung nicht länger gefallen lassen. Die Unabhängigen haben genug Papier, unsere Anträge auf Aenderung der Verteilung aber sind abgelehnt worden.(H»rt, hört!) � Dabei ist Papier im Schleichhandel in großen Mengen zu habcm Vor leichtfertigen Ncugründungcn von Zeitungen warnen wir, man begnüge sich zunächst mit Kopfblättern. Das beste ist, wenn bürgerliche Zeitungen übernommen werden, selbst- verständlich nicht im Wege der Besetzung,(Heiterkeit), son- dcrn durch friedliche Verständigung. Unser Nachrichtendienst liegt vielfach noch im argen. Die„Gleichheit" erhält jetzt eine Mode- bei läge, das wird ihr hoffentlich Kiele neue Leserinnen bringen. Un- sere Parteiprcsse ftt d i c h e ste W a ffe i n Kam p f d e r G e i'ste r, sie muß nach Möglichkeit schneidig und wirksam sein. Ein Geschästsordnungsantrag fordert für den Fall, daß die Nationalversammlung noch in dieser Woche einberufen wird, die Verlegung des Parteitages nach einem anderen Saal oder noch einer benachbarten Stadt.(Zuruf: Jena!) Jedenfalls dürfte nichts durchgepeitscht werden. Vorsitzender Schulz: Davon kann gar keine Rede sein. Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß wir bis Sonntag hier werden tagen können. Die Aussprache über den Vörstandsbericht beginnt. Eingezeich- »et sind bis jetzt 79 Redner. Zunächst wird über öie allgemeinen politischen 5ragen gesprochen, d. h.: Stellung zur Regierungspolitik, Schuld frage, Demokratisierung, Einigungsfrage Stellung zu den Freiwilligenkorps usw. Dann soll über Organisation, Agitation und Presse besonders gesprochen werden.. � Groger-Frankfurt a. M.: Die einige große deutsche Republik haben wir nicht bekommen. An dem Kantönligeist ist die restlos« Beseitigung der Kleinstaaterei gescheitert. Besonders hat die un- glückselige Politik des preußischen Ministeriums des Innern uns unendlich geschadet. Wir haben zwar in vielen Gemeinden die Mehrheit, aber zu sagen haben wir mchts, weil die alten Schöffen und Bürgermeister weiter kommandieren. Ein hohes Maß von Groll ist dadurch erzeugt worden. Wir haben nur eine Scheindemokratie, eine Karikatur der Demokratie. (Sehr richtig!) Wir fordern, daß unsere Genossen in der Regie- rung allein der Partei verantwortlich sind. Zu- stimmung.) Landrichter Grell-Lyck: DaS Grundproblem ist die Stellung der Partei zum Sozialismus. Die Frage ist nicht, ob Sie den Sozialismus überhaupt wollen, sondern od Sie ihn jetzt wollen. Der KiHez hat rinter dem Scharfzeug des Patriotismus die Wucherer und Ausbeuter, die Schieber-und Betrüger bloßgestellt, das Volk bat das Vertrauen zum Kapitalismus verloren. Dieser mag an sich besser eingefahren und konkurrenz-. sähiger sein, aber�das-Volk wird unter ihm nie mehr arbeiten lernen. Nur Arbeit kann uns retten. Sie ist unser Kapital. Des- halb brauchen wir das Parlament der Arbeit neben dem Parlament der Demokratie, das den sozialistischen Staat berät und führt. Leutercs-Hambnrg: Die deutsche Revolution leidet unter dem furchtbaren Schicksal des B r u d e r k r i e g e s. In diesem Krieg bat das Proletariat instinktmäßig ohne Anleitmrg seine historische Mission erfüllt, die Frei heitunddasglei che Rechtgegen die Diktatur zu schützen. Jetzt muß diese Freiheit uns gleichfalls auch in der Verwaltung erhalten werden. Wir hrauchen neue Beamte, die dem Mehrheitswillen entsprechen, aber natürlich nicht Zentrumsprovinzen, konservative Provinzen und deinokratischc Provinzen, sondern gegenseitige Durchdringung aller Volksteile. Wir dürfen auch vom Bürgertum uns nicht mit Sperrdrohungen zurückschrecken lassen, daß eS nicht mehr mitmacht, sondern müssen für den Sozialismus und die Arbeiterschaft alles. mögliche heraussuchen. Dann sollen sie nur versuchen, ohne uns fertig-.u werden.(Bravo!) Nur durch die Demokratie geht es vorwärts für die Gerechtigkeit, für das Proletariat.(Beifall.) Adolf Vraun-Nüntberg begründet den (finigungsantrag. Für die Fortdauer der Parteikämpfe besteht(fein Grund, soweit das Erfurter Programm anerkannt wird. Ich teile nicht den Standpunkt von Wels, daß die KricgSpolitik der Partei so un- zweifelhaft klar, sicher und unanfechtbar ist. Aber was wollen wir heute noch vom 4. August sprechen?(Sehr wahr!) Der 9. N o- v e m b e r hat uns eine» neue Grundlage für die Partei gegeben. Ihre schwierigsten VerMtnisse müssen sich�freilich durch die Parteistärke bessern. Ich stimme deshalb jetzt in die starke» nationalen Töne von Wels nicht ein. In dieser schwersten Zeit müssen wir unseren nationalen Standpunkt kraftvoll betonen, der verankert ist in internationaler Gesinnung. Wir müssen die Reste des wilhelmischen Patriotismus, die Reste alldeutschen und national- liberalen kapitalistischen und imperialistischen Nationalismus zer- schellen lassen an dem nationalen Willen der deutschen Sozialdcmo- kratie,(Stürmischer Beifall) an unserer nationalen Gesinnung, die niemals in Widerspruch stehen soll zur Internationale.(Sehr wahr!) Im übrigen rechtfertigt der Bersailler Friede die deutsche Kriegs- Politik so wenig wie der Brester Friede die Mobilisierung der rufst- scheu Heere oder die Forderung nach Auslieferung von Toul und Verdun Clemenceaus Revanchepolitik. Reden wir doch nicht mehr über die Ursachen des Krieges.(Sehr gut!) Wir müssen aus der Einigungsfrage alles ausscheiden, was nicht tatsächlich ist. Es ist ohnehin genug Verbitterung in uns.(Sehr gut!) Wir müssen alles aus dem Wege räumen, was die Eimgurig erschwert.(Sehr gut!) Ich war von Anfang an entschiedener Anhänger der Ein- hoit. Heute sind meine Hoffnungen leider sehr gesunken. Die Eini- gung war bisher unmöglich. Die U. S. P. hat die Beschickung des Einigungskongrcsses abgelehnt.(Hört, hört!) Sie verlangt die Einigung nur auf ihrem Standpunkt, während niemand weiß, welches ihr Standpunkt ist. Die Konrmuiusten wollen sich weder mit uns noch mit der U. S. P. einigen, deshalb ist auch der Antrag Jena unmöglich. Wer eine EinigMß mit den Kommunisten for- dort—(ein Jenaer Delegierter ruft: Wir fordern eine neue Partei!) vielleicht eine Partei mit den Leuten, die während des Krieges der Partei den Rücken gekehrt haben und jetzt allein gehen? Was der Partei not tut,(Heiterkeit und sehr gut!) weiß jeder, der zu Worte kommt. Aber ich begreife nicht, daß man so vorlaut sein kann, wenn man während des Krieges zu feige war, Sozialist zu sein.(Stürmischer Beifall.) Ohne Sozialdemo- kratie hätten wir keine Republik, kein gleiches Wahlrecht, keinen Achtstundentag und kein Frauenrccht. Die Spaltung hat sich am bittersten an den Zersplitterern der U. S. P. gerächt. Sie sind ja heute nur noch die Piloten der Kommunisten. Sie können nichts leisten, weil sie keinen eigenen Willen haben. (Lebhafte Zustimmung.) Und auch die Kommunisten haben keine eigene Partei. In Nürnberg zerfallen sie in vier Gruppen, die sich erbittert bekämpfen. Das einzige, was die Partei links von uns hat, ist der Haß gegen uns. Ihre Machenschaften bestehen in dem Ansinnen, daß alles gut sei, wenn man Ebert, Scheidemann und Noske hängt. Ich spreche für die Einigung mit den Unab- hängigen, die aus dem Boden des Erfurter Programms stehen. Ich spreche gegen die Einigung mit Kommunisten, Syndikalisten und Anarchisten. Ich bin nicht für eine allgemeine Einigung, weil sie undenkbar ist. Ich bin nicht siir eine Einigung mit allen gewesen. Dazu brauchten wir uns bloß Mitgliedsbücher der U. S. P. zu kaufen. Ich bin für die Einigung mit aller Kraft. und Freudigkeit, aber ich will dabei unsere Geschichte, unsere Tradition und unsere Grundsätze nicht preisgeben. In der U. S. P. gärt es. Das be- weist ihr Parteitag, das beweisen die Auseinandersetzungen in Ham- bürg. Aber wenb wir uns mit einem Flügel verständigen würden, der andere würde doch zu den Kommunisten gehen. Denn die U. S. P. ist innerlich zerwühlt. Ihr ParteiprinAip hat keine Richtlinien. Die Einigung des Proletariats ist jetzt furchtbar schwer, aber doch wollen wir sie versuchen und auf diesem Parteitag alles besprechen, was den Geist der Einigung erfüllen kann.(Beifall.) Dr. Poeschmann-Bartenstein: Wenn wir weiter Politik treiben wie bisher, verlieren wir den Boden unter den Füßen und die Er- rungenschaftcn der Revolution. Eine Art L ä h m u n g erfaßt die führenden Geister. Furchtbar ist der Druck, unsere Feinde wollen den Sozialismus jetzt ein für allemal vernichten. Wir müssen a u f begrenztem Gebiet eine sozialistische Wirtschaftsordnung schaffen. Die Internationale mag dann ihr Gebiet erweitern. Wir brauchen nicht die Rätediktatur, wir dürfen nicht alles vernichten und zerstören. Aber wir müssen die Welt von unserem ehrlichen sozialistischen Wollen überzeugen. Wir müssen zielbewußt und energisch den notwendigen Reinigungsprozeß vornehmen und alles beseiiigen, was der Entwicklung zum Sozialismus entgegensteht.(Zurufe: Was ist denn das?) Das ist die kapita- listische Formel in Industrie, Landwirtschaft und Handel, Technik und Ethik(Heiterkeit). Die Demokratie inag uns das Mittel zum Zwecke sein. Wir brauchen die Verständigung mit den Uuabhän- gigcn, schon weil der Kampf gegen die Vergewaltigung des Jmpe- rialismus und Kapitalismus sich nur in der Einheitsfront durch- führen läßt. Millionen Äolksgenossen tragen seit dem 9. November begeistert ihre sozialistischen Fahnen. Sie hatten denselben Jdealis- mutz wie die alten Kämpfer erhalten. Wir brauchen die Wahr- h e i t für uns und alle Volksgenossen, für die ganze Menschheit. In diesem Sinne werden wir siegen(Stürmischer Beifall und Heiterkeit). Dittmer-Berlin: Wir wollen lieber hier stärkere Kritik üben, als nachher im Lande weite Abbröckelungen haben. Der Parteiappavat hat während der Revolution versagt. Das Chaos der Organisation erzeugte ein Chaos in der Politik. Die Unabhängigen üben wirklich einen unerhörten ungeheuerlichen Terrorismus, aber war desbalb die lange Polemik von Wels gegen sie nötig? (Zuruf: Sehr nötig!) Die Regierung hat vielfach zu spät eingegriffen. In der Ernährungsfrage wird die Kontrolle immer schlechter. Gegen die furchtbare Demoralisation wird nicht rücksichtslos genug zugefaßt. Die Berliner Parteigenossen fordern einmütig Aushebung des Belagerungsznstandes, der die Frertvilligen nur zu Ausschreitungen anregt. Wir billigen, daß gegen Gewalt von links Gewalt gesetzt wird. Aber wir wollen nicht»cwnlttrunken sein. In der Verwaltung herrschen noch alle alten bürokratischen Zöpfe. Die Beschwerden gehen noch immer den weitesten Weg. Das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter in den Reichsbetrieben muß unumwunden gegeben werden. Die Pensionen der Offiziere und Generale sind nachzuprüfen, Orden und Adel zu verbieten, die Merkmale der alten Zeit be- seitigen, das Titel Wesen abzuschaffen, die vielen Stationen im Beamtenkörper auszuschalten, der Arbeitsprozeß kauf- m ä n n i s ch e r zu gestalten. Wir brauchen neue Aktivität, um nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch vor der Zukunft zu bestehcn. Der Parteitag muß die Genossen in der Regierung verpflichten, ihre beste Kraft an eine gründliche Umgestaltung zu setzen.(Beifall). Hieraus tritt die Mittagspause ein. In der N a ch m i t t a g s s i tz u n g wird die allgemeine p o l i t i s ck e Aussprache über den Vörstandsbericht fort- gesetzt. Davidsohn: Die Massen fordern die Einigung. Tausende stehen jetzt Ge- wehr bei Fuß und warten ab, n-as bei diesem Parteitag heraus- kommt. Tanack werden sie sich dann richten. Wir dürfen dieser Lage nicht mit verschränkten A r ni c n gcgenübentebcn. Tie Einigung ist keine Führcrsrage. Führer sterben und verderben. und wenn sie längst alle vermodert sind, wird die Pärtei noch tätig sein. Ebenso unannehmbar w-e die Annahme eines Diktats der Unabhängigen für uns ist für die Unabhängigen der von Wels der- ❖ tretene Standpunkt, daß wir nicht einen Vertrauens- mannvonsovielen fallen lassen. Wenn es heißt: Noske oder die Partei, dayn muß eben Noske gehen. An dem Erfurter Pro- gramm halten wir fest, aber viele Forderungen sind noch nicht er- füllt, die längst hätten erfüllt werden können. Deshalb sind die Arbeiter unzufrieden. Es fehlt wirklich nur noch der Ebert-Orden. (Heiterkeit und Unruhe.) Wels hatte Recht, wenn er sagte, daß die Sozialdemokratie nichts von der Arbeiterschaft trennen dürfe. Aber wir müssen dafür sorgen, daß nicht der umgekehrte Fall eintritt, daß die Arbeiterschaft sich von der Sozialdemokratie trennt.(Per- einzelter Beifall.) Noskes Enthüllungen. Noske führt aus: Man sagt, es würde an Aemtern geklebt. Wir in der Regierung haben vielmehr die Erfahrung machen müssen, daß geradezu in ungeheuerlichem Umfang nach Aemtern gestrebt wird.(Sehr richtig.) Darüber ließen sich Bücher �reiben. Ich habe mich nicht zur Regierung gedrängt, man hat mir zugesetzt, daß ich dieses unerfreulich« Amt übernehmen sollte. � Das ist wahrlich kein Vergnügen, seinen an st ä n d i g e n und ehr- lichen Namen Tag für Tag durch alle Gosse, u schleifen zu lassen.(Sehr richtig!) Ter Unwille unter den Arbeitern ist zu verstehen. Denn Millionen sind durch den Verlauf und das Ergebnis' der Revolution enttäuscht. Die Früchte der Revolution auf wirtschaftlichem Gebiete reifen nun einmal nicht in wenigen Monaten. Politisch ist aber erreicht, was die deutschen Arbeiter noch vor einem Jahre kaum für möglich und für die nächsten 25 Jahre erhofft hatten.(Sehr richtig!) ttnser Unglück ist, daß wir die Regierung-in einem Augenblick übernahmen, wo wir die Millionen nicht satt machen konnten und Millionen For- derungen stellten, deren Erfüllung ein glattes Ding der Unmöglichkeit ist. Dazu gehören auch die an sich mit Recht erhobenen Forderungen der Kriegsbeschädigten, aber Deutschland ist bankerott, und der ist ein Dummkopf oder«in schäm- losex Demagoge, der immer neue Forderungen stellt, obwohl er weiß, daß sie nicht erfüllt werden können. Vielen unserer Partei- genossen fehlt der Mut, die Dinge beim richtigen Namen zu neu- neu, vielen auch das Verständnis für-das, was wirklich ist.. Das hat die Rede Dittmers wieder einmal bewiesen, der forderte, daß wir die hohen Gehälter kürzen sollten. Im Zentralrat der Marine wurde ich heftig angegriffen, weil ich akademisch vorgebildeten Be- amten mit mehr als 29jähriger Dienstzeit bei einem Jahresgehalt von 7299 M. eine Teuerungszulage von 999 M. bewilligen wollte. Das sollte ein Versuch sein, di« Träger des alten Systems z u st ü tz e n.(Lachen.) Dieselben Leute, die mich angriffen, saßen aber, nur 93 Mann stark, im Reichsmarineamt, aus eigenem revo- littionärem Recht, und hatten sich aus eigener Machtvollkrmmenhcit jährlich 14 500 Mark Diäten bewilligt.(Hört, hört!) Die Werft- a r b e i t e r schicken jetzt ihre Vertreter zur Kontroll« auf die Werf- ten, und diese Vertreter erhalten 13 M. Tagegelder unter Fort- zahlung des Lohnes. Sie erklären das für ein B�ttelgeld und sagen, sie seien Vertreter der Massen und könnten ganz andere Ansprüche stellen. Als ich ihnen sagte, daß ein Kapitäsi zur See im Range eines Obersten init 12 M. Tagegeldern auskominei: müßte, erklärten sie, das ginge sie gar nichts an, dann sollte ich da- für sorgen, daß die Kapitäne besser bezahlt würden.(Lachen.) Wen: soll ich es nun recht machen? Wieviel Beamte gibt es überhaupt, die mehr als 7999—8999 M. verdienen? Die Werftarbeiter for- dern 3 M. Stundenlohn, das macht 7299 M. Jahresverdienst. Wollen wir die Ministerialdirektoren schlechter bezahlen als die Portiers? Man verschone uns mit solchen Agitationsphrasen, von denen ich bodaure, daß sie auch auf dem Parteitag Beifall aus- gelöst haben. Auch ich bedaure, daß wir von den Waffen haben Gebrauch machen müssen. Man vergesse nicht, daß, als Liebknecht und Ledebour ihre Anhänger beloafsnet auf die Straße schickten, wir noch nicht einen Mann zur Vcrfügüng�hatten. Und dann der Belagerungszustand. Wenn unsere Genossen, sich nur nicht bei jedem Speltatel der Unabhängigen ins Bockshorn jagen lassen wür- den! Sie sollten Courage zeigen. Wo die Unabhängigen regieren, da verhängen s i e bedenkenlos den Be- lagerungszustand, stehlen uns Zeitungen und regieren mit der Gewalt. Setzt es aber bei der Abwehr Späne, dann regen sich unsere Genossen in ihrer Schafsgutmütig- leit auf, und unsere Redakteure schlafen 14 Tage nicht. Berlin mit seinen verzweifelten und üblen Elementen ist jetzt eine dauernde Gefahr für die Ordnung, und es ist durchaus zu verstehen, wenn die preußische Regierung dauernd darauf Wert legt, dagegen Sicherheitsmaßnahmen zu behalten. Ich wußte, daß ich ein schweres Amt übernehme, aber ich hielt es für meine Pflicht, mich zur- Verfügung zu stellen, und ich habe nicht das Gefühl, hier als Angeklagter zur Verteidigung das Wort zu nehmen. Ich bedauere nur, daß die Genossen im Lande mir und meiner Arbeit immer wieder in den Rücken gef-allen sind, nicht aus bösem Willen, wohl aber aus Mangel an Sachikenntti-is. Bei den Freiwilligen-Truppen wird viel zu sehr verallgemeinert. Unerfreuliche, sogar böse Dinge find vorgekommen, in diesen Fällen aber ist mit allem Nachdruck eiugcgrifsen worden, und die Truppe ist in den letzten Monaten besser und manierlicher geworden. Ueber aller Kritik dürfen wir «nicht vergessen, daß wir diesen' Freiwilligen zu danken haken, daß Deutschland dem Chaos entgangen ist. Mancher Soldat hat dabei sein Leben lassen müssen und die Verluste der Truppen in Bremen, Düffeldorf, Berlin und München waren»«cht unbeträchtlich. Die Truppen sind in keine einzige Stadt g-ekoinineu ohne von unseren Genossen gerufen zu sein.(Zwischenruf: Jena.) Durch Jena kamen sie beim Vormärsche auf Leipzig, und sie «sind aus Jena auch nicht eine Minute eher abgerückt. Das fehlte ja noch, daß eine auf Verlangen-der sächsischen Regierung und der sächsischen Gesaintipartei von der Reichs regieru-ng angeforderte Maßnahme gestört �vird, tv-eil irgend ein wenig unterrichteter Parteigenosse anderer Meinung ist. Für ein solches Maß von DiS- gipliulosigkeit fehlt mir jedes Verst-änidnis.(Sehr richtig!) Wir mußten in Berlin unsere Arbeit verrichten, während vor unseren Fenstern die Maschinengewehre knatterten. Das Berliner Militär erklärt« sich neutral.(Hört, hört!) Die Genossen, die jetzt am lautesten schreien, forderten mich damals aus, Courage zu haben. Mir trauten sie es zu, aber zu meinen Ministerkollegen hatten sie nicht volles Vertrauen.(Hört, hört!) Ich b-abc damals zugegrifsen, obwohl ich wußte, daß ich als Bluthund durch die deutsche Revol-utionsgeschichte geschleift werden würde. Ick habe aus ernstem Pflichtbewußtsein diese Blutarbeit verrichtet. In jenen Tagen sind die F r e i w i l l i g c n- R eg i- m enter aus dem Boden- gestampft worden. In Berlin rührte sich-keine Hand. Deshalb mußte ich nach auswärts gehen. Ich konnte die Leute auch nicht nach ihrem Mitgliedsbuch fragen. sondern mußte frob sein, wenn überhaupt welche kamen. Ratür- iich hat das Eingreifen dieser Truppen Opfer gekostet, aber wenn ich damals nicht zugeschlagen hätte, dann wäre die Regierung auf- geflogen. Dann halten wir keine Nationalvcr sammlung' gehabt mnÄ häikn auH einen Perteikag nichk. Moi, hört, sehn richtig!) Und tnotztdom lamentieren die Berliner! Wenn Auer nieder- geschossen tmrch dann nimmt man mit Bedauern davon Kenntnis - unb nach zwei oder drei Tagen spricht kein Mensch mehr davon. Der Movdbnbe läuft noch immer frei herum.(Hört, hört!) Wo -ist die flammende Entrüstung über diese unmenschliche Tat? Drei Tage nach der Hinschlachtung Neu rings war unsere Partei- presse verstummt. � Wo ist die Entrüstung wenn in einer Stadt nach der anderen die Gefängnisse gestürmt und Dutzende von Schwerverbrechern auf die Menschheit losgelassen werden? Man bringt darüber eine kleine Notig unter.vermischtes", aber über 'Vogels und Mvrlohs Flucht gerät unsere Parteipresse in hellste Entrüstung. Natürlich sst in diesen Fällen sofort durchgegriffen worden, man hat mich aber im Stich gelassen.(Hört, hört!) Die „Freiheit" verbreitete Enthüllungen. Aber als ihre Redakteure vorgeladen wurden, wußten sie nichts anzugeben. Nach Fahren Krieg und einer Revolution dazu kann man aus Soldaten nicht sofort ein Gemisch von sozial iftiscken Parteiführern und einem Engel machen.(Stürmische Heiterk ei-t.) Dutzende von - Offizieren sind entlassen. Hunderte von Mannschaften Hals über Kopf aus den Verbänden herausgeworfen, weil sie über die Stränge geschlagen Hoden. Wird einmal ordentlich zugefaßt, dann wird wieder Zeter und Mordio geschrien gegen das alte militärische -System, während doch nur harte Strafen gegen öffentliche Wühler verhängt worden sind. Die Truppen sind nicht reaktionär, daS kann ■ich bezeugen, denn ich habe sie genau kennen gefemit. Das neue Heer wiä> demokratische sein. Aber auch daS lässt sich nicht von heute auf morgen machen. Ich habe am Tage vor Pfingsten 75 Unteroffiziere zu Offizieren befördert.(Beifall.) Aber nicht jeder Offizier aus dem Mannschaftsbestande ist brauchbar. Ich 'habe das hohe Staatsgefühl und Pflichtbewuhtsein vieler alter Offiziere kennen und schätzen gelernt. Natürlich sind sie Berufs- soldaten, keine Politiker, und sie stellen die Geldfrage manchmal ■ allzu stark in den Vordergrund. Jetzt fokdern die Unteroffiziere eine Aufbesserung, die rund 2)h Milliarden kosten dürfte. Wir müsse» das ablehnen. Ich sehe schon heute den neuen Spektakel- voraus. Man darf über die Freiwilligen auch nicht alles glauben, was in den Blattern steht. Sie führen kein Schlemmerdascin, sie haben es aber wirklich nicht nötig, sich von Rotzjungen Bluthund schimpfen und den Rock bespucken zu lassen. Wenn sich ein temperamenwoller Freiwilliger dagegen zur Wehr setzt, so ist das verständlich. Die Vorarbeiten für die restlos« Beseitigung der Militärjustiz sind beendet. Die Vor- läge geht der N aticma lvc rsam mtlu ng zu. Wir werden auch künftig, da wir kein stehendes Heer laufend unterhalten dürfen, auf das Werbeshstem angewiesen sein. Uebermätzig viel Sold können wir nicht zahlen. Das einzige, MaS die Leute reizt, ist das etwas reichlichere Stück Brot. Geben wir ihnen das nicht, so wird noch mehr gehamstert und gemaust werden. Eine Polstische Tätigkeit in den Kasernen ist unmöglich. Uebrigens suchen ja gerade jetzt die Unabhängigen, die Frei» willigen für sich zu gewinnen.(Hört, hört!) Man spricht hier so viel über die Einigung, die ja eine? TageS kommen mutz. Aber zuerst will man die Regierung stürzen und die Partei zerschlagen, üann wollen sich Sie Unabhängigen mit Hilfe üer Freiwilligen hatte«. (Hört, hörtN Nach meiner Kenntnis haben Gespräche gwi- scheu Offizieren in leitender Stellung und führenden Unabhängrgen stattgefunden, bei denen den Offizreren klar- gemacht werden sollte, daß sie eine patriotische Pflicht erfüllten, wenn sie mit den Unabhängigen gingen-(Hfat- hört!) Dies« Unterhaltungen haben stattgefunden mit Führern der Gardekavallerie-Schühendivision, mit Männern aus dem Edenhotcl. '(Lebhaftes Hört, hört!) Der ehemalige Volksbeauftragte Barth hat zu seinen Pistolen kein rechte? Zutrauen mehr; es gelüstet ihm jetzt nach Kanonen.(Hört, hört! und grohe Heiterkeit.) Am letzten Sonnabend hat er drei Stunden dazu verwendet, den Führer der Gardekavallcric-Schützendivision davon zu überzeugen, daß er mit seiner Truppe den Unabhängigen dienen mühte, wenn demnächst die Regierung gestürzt werde. (Lebhaftes.Hört, hört!) Ich ersuche meine Parteigenossen, sich an politischer Einsicht von den Unabhängigen nicht allzusehr übertreffen zu lassen. Noch sind wir im Amte, nicht weA es unS Vergnügen macht, sondern nur, weil wir die Hoffnung hegen, Deutschland und das deutsche Volk aus dem Elend heraus zu süh reu, und deshalb harren wir aus.(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Stelling. Lübeck: Es ist bedauerlich, daß wir, gezwungen durch die Verhältnisse, auf dem sozialdemokratischen Parteitag solche Reden anhören müssen. Ich war ein Gegner von Nosk«, aber was er gesagt hat, ist absolut stichhaltig. Aber die Negierung wollte mit allem Eiser die Unzuträglichkeiten bekämpfen. Gestern hat hier noch das Militär bei der Ablösung gespiest:„Siegreich wollen wrr Frankreich schlagen." Da steigt einem die Schamröte ins Gesicht. D i e Todesstrafe muh abgeschafft werden. Toller darf unter kernen Umständen hingerichtet werden. Die rascheste Demvkrati» sierung der Verwaltung fit notwendig, aber hahen wir auch die nötigen Personen? Ich glaube nein. Und die Unfähigkest könnt« uns bös« hineinreihen. Eine? müssen wir NoSke und allen unseren Ministern zuerkennen: den ernsten Willen, Deutsch- land nach besten Kräften zu dienen und auch der Partei. Deshalb habe ich mich geschämt, als ich den Antrag las, Noske aus der Partei auszuschließen, dah etwas derartiges in der Partei möglich ist. Solche Antrage dürfen un» nicht wieder vor Augen kommen. Kahl- Ludwigshafen: Die ssröhte Unzufriedenheit herrscht unter denen, die im November.neu beigetreten sind, welche glaubten, für 15 Pf. Beitrag gleich goldene Zeiten und ein Ministeramt be- anspruchen zu können. Aber auch die ärmsten Genossen möchten mehr Sozialismus sehen. Wo bleibt daS Reichsgesetz über das Sozialisierungsrecht der Gemeinden? Das Rahmengesetz für die Kommunalisrcrung sollte endlich herauSge» bracht werden. Die Behauptung, dah wir zu Verwaltungsposten nicht genügend fähige Parteigenossen hätten, ist eine Kränkung der Partei als solcher. Aber lieber ein paar verwaltungstechnische Fehler, als den alten reaktionären Landrat behalten I(Sehr gut!) Jetzt führen die unteren Organe nicht aus, wa» unsere sozialdemo- kratischen Minister Richtiges tun. DaS find kein« VerwaltungS» techniker, das ist der Feind, und dem sagen wir Kampf an.(Beifall.) Stubbe. H a mb u rg: Wir haben auch nicht genügend fähige tar tetgenossen erzogen. Wir hätten die sozialistischen iele schär ser in den Vordergrund stellen müssen. Di�breite�Äa��m�ten�wö�me����ie�in������ sehen. Aber auch wenn die leitenden Mäimer abtreten, wäre die Einigung nicht einen Schtitt weiter. Wir müssen die Massen über- zeugen, oass die Schuld an der Fortdauer der Spaltung allein an den Unabhängigen liegt. Zdrüger. P o t s d a m begründet folgende Resolution: .Der Parteitag würdigt die Beschwerden der Parteigevossen über die Haltung der Freiwilligenkorps und ihrer Führer. Der Parteitag kann sich aber nicht verhehlen, dah die sozialdemokratischen Arbeiter an der Unzufriedenheit mit den Freiwilligenkorps nicht un- schuldig sind, weil zu wenige Arbeiter in diese Korps eintreten und damit die einseitige Zusammensetzung dieser Truppen verschuldeten. Durch die Reform der Polizei und der Gendarmerie sind die Frei- willtgenkorps von allen laufenden polizeilichen Ausgaben fernzu- halten. Sollen Regierung und Verfassung nicht jedem willkürlichen Einfluß unterliegen, ist nicht völlig auf militärische Macht zu ver- zichten. Die unterschiedlose Herabsetzung und die Boykottierung der Freiwilligentruppen in allen politischen Fragen, wie der Sicher- heits- und Einwohnerwehren durch manche Arbeiter empfindet der Parteitag als ein« Ungerechtigkeit. Der Parteitag fordert die völlige Neu tralität der F re i w i l li g e n t r u p pen in allen politischen Fragen, um sie vor jedem Verdachte gegen».- revolutionärer und anderer Ausschreitungen zu sichern. Alle Aus-' schreitungen der Mitglieder der Freiwilligentruppen werden vom Parteitag entschieden verurteilt. Deshalb erwartet der Parteitag eindeutige und feste Maßnahmen gegen jeden Mißbrauch der mili- tärischen Gewalt. Er erhofft dies vor allem durch die weitgehende Demokratisierung des Offizlerkorps und durch den Eintritt unserer Parteigenossen in die Reichswehr." Redner führt aus: Im Dezember und Januar haben gerade die Berliner Parteigenossen gefordert, daß die Regierung sich mili- tärische Machtmittel verschasse gegen den gewalttätigen TerroriS- mus. Damals hat die Regierung dies in ihrer Friedensliebe abgelehnt und unS sogar an eigenen Aktionen gehindert. Wir können auch den Unabhängigen und Kommunisten nicht daS angebliche Recht auf Revolution zubilligen. Unsere Revolution entsprach dem Willen der überwältigenden Volksmehrheit, die Putsche aber sind der Aufstand einer gewaltigen Minderheit gegen die Regierung der ungeheuren. Mehrheit.(Sehr wahr!) Die Unabhängigen, l� Eichhorn schützten, die heimlich mit der Gardekavallerie-Schützcn-Division verhandelten, sind in ihrem Kampf gegen die Freiwilligen nur elende Heuchler.(Leb- hafter Beifall.) Wir denken nicht daran, durch bedenkenlose Schimpfereien oen Ast abzusägen, auf dem unsere Volksregierung sitzen muß. Die unabhängigen Massen wollen die Einigung nicht, da? zeigt ihr Veralten in den Gewerkschaften und Sportvereinen. Unsere Politik wird von den alten Grundsätzen getragen, und die Genossen dürfen sich nicht irre machen lassen in ihrem Vertrauen zur Partei.(Beifall.) Franz- Wä ld e n b urg: Wir müssen unsere Politik restlos auf das Programm einstellen. Wie konnte danach ein Todesurteil bestätigt werden?(Sehr gut!) Wir sehen zu wenig Taten sozial:- stischen Geistes. Im besetzten Gebiet ist die Erfassung wundervoll gegangen, wehe dem Bauer, der nicht ablieferte! Warum macht es NoSke nickt ebenso?(Heiterkeit und Zuruf: Todesurteile fällen I) Wucherer und Schleichhändler haben es dahin gebracht, daß wir besiegt worden sind. Schiller.Hamiburg: Ich anerkenne die Arbeit unserer Vertrauensleute in der Regierung, aber es sind da auch Revisionisten -drin, die jede Initiative und Angriffslust lähmen.(Unruhe.) Ich lhabe das Gefühl, je länger die Revolution dauert, desto größer wivd die Gefahr, daß auch deren elementare Errungenschaften ver- loren gehen. Die Sozialisierung ist der Ausdruck der heißen Sehnsucht von Millionen von Proletariern. Unsere Tührerschaft darf nicht auch versagen. Die Anklage WisellS gegen die Kollegen im Kabinett beweist, daß er nicht nur gegen bürgerliche, sondern auch gegen sozialistische reformeri- sche Strömungen zu kämpfen hat. Bei der Abstimmung über die En tschädigunHS frage hat leider ein Teil unserer Parteigenossen ge- fehlt, aber dl« Regierung hätte in dieser Frage keine unheilvolle Konzession machen, sondern mit ihrem Rücktritt drohen müssen. In der Frag« des Zeitungspapiers hat Genosse Adolf Schulz schon schr v:el gesagt. Wo ist Euer Einfluß, diesen Skandal zu beseitigen?(Sehr gut!) Die alt« Geheimratswirtschaft be- steht noch immer fort und stellt uns skandalös bloß. EinigungZ« Verhandlungen dürfen nicht nur zentral geführt werden, sie können auch kommen von unten herauf aus den Arbeiter- nnd Betriebs- räten, aus der Einigung im Wirtschaftsprozeß.(Lsb- hafter Beifäll.) Emme!- Apolda: Die Thüringer Delegierten beantragen, in der Einigungsresolution Braun den dritten Absatz zu streichen. Die Einigungsverhandlungen darf nicht nur der Parteivorst md führen, eS muß hierfür eine besondere Kommission eingesetzt werden. Bei der Schaffung Groß-Thäringens hält sich Preußen ängstlich an die alten Grenzen. Scholich-Breslau: Das Mißtrauen der Genossen gegen den Parteivorstand und die neue Regierung ist t i e f. Was hat man uns nicht alles vor der Wahl versprochen? (Zuruf: Was denn?) Die Einverleibung der Gutsbezirke in die Gemeinden ist noch nicht durchgeführt, noch nicht einmal vorbe- reitet. Die AmtSvorsteher draußen rfUf dem Lande sind die ärgste reaktionäre Macht. Die wichtigen Gcbäicke- und Einkommensteuerveranlagungs-Kommissionen in den Kreisen sind noch nicht erneuert. Daher das Mißtrauen, für das wir die Prügel- jungen sind. Unsere Minister haben Angst vor der eigenen Courage. Heine hat uns Neuwahl dieser Kreiskommissionen versprochen, ist aber dann in Berlin wieder dem Einfluß der alten reaktionären Geheimräte unterlegen. Erst nachdem ihm'die Irak- tion den Boden heiß gemacht hat, hat er eine Ergänzung in Aus- ficht gestellt. Ob und wann sie kommt, ist ein« andere Frage. Wenn wir nicht genügend tüchtige Landräte haben, müssen wir die L a n d r ä t e wenigstens kontrollieren. Statt dessen entfernt man die Kontrollorgane. Die Provinziallandtage sind auch noch nicht aufgelöst. Wenn Heine uns keinen neuen Geist bringen kann, soll er abtreten, und wenn die Ministerialdirektoren und Ge- Heimräte den neuen Geist nicht hereinlassen, soll er sie zum Teufel jagen, denn wir verlangen sozialdemokratische Politik und nicht diese Hänge- und Würgepolitik.(Beifall.) Heine: Genosse Scholich ist mein Freund. Nur Freunde wie Scholich und Groger können mir abraten, mein sorgenvolles Amt schleunigst aufzugeben.(Heiterkeit.) Ich habe«S übernommen gegen meinen Willen, weil mich die Fraktion der Landesversgmmlung entgegen meinen dringendsten Bitten dazu zwang. Ich bin ganz der Mei- nicht genügend vorwärts getrieben ist. Wenn das aber ein Vorwurf gegen die preußische Regierung sein soll, so ist er vo« keiner Sachkenntnis getrübt. Ich habe ein höchst umfangreiches Reformprogramm aufgestellt, das von der Fraktion des Rätekon- gresses und der Landesversammlung gebilligt wurde. Aber solch Riesenwert läßt sich nicht im Handumdrehen durchführen. Im Juli kommt die neue Städteverfassung, im Herbst das übrige. Ich sitze erst zwei Monate im Amt, und von allen Seiten schreien die Genossen, es geschehe nichts. Ich warne dringend vor U e d e r» stürzung und schluderiger Arbeit. Die Verordnungen über die Gemeindewahlen und Krciswahlen sind durch Uebereilung in jeder Beziehung unvollkommen, ein Dutzend NachtragSverord- nungen hat den Mangel nicht beseitigt. Jetzt müssen der Landes- Versammlung neue Gesetze zugehen über die Wählbarkeit der Frauen zu den Magistraten und die Neuwahl der Deputationen zu den Kreisen. Auch andere Notgesctze sind schon ziemlich fertig, aber wirkliche Besserung kann nur ineinemGuß erfolgen. Ich habe kein Verordnungsrecht und kann nur Vorlagen machen, ich kann auch nicht neue Tapeten ankleben, wenn ich dabei bin, das ganze Haus umzubauen. Vieles muß geändert werden, aber dazu gehört Sorgfalt und Konzentration, sonst kommt nichts Rechtes heraus. Dann zur Personen frage In der rein sozialistischen Regierung nach der Revolution hat niemand daran gedacht, die Regierung?- rate und Landräte davonzujagen. Man hatte damit die ganze Le- bensmittelversorgung in Frage gestellt.(Widerspruch.) Gewiß. manche Landräte wn nichts für die Lebensmittelaufbringung, aber am besten funktioniert sie dort, wo der Landrat sie freiwillig, ohne Zwang herbeiführt.(Zuruf: Er soll ja bleiben I) Ich habe ein paar ganz unmögliche reaktionäre Landräte entfernen müssen, und die Kreise liefern nicht mehr.(Zuruf: NoSkc soll hingehen!) Selbst- verständlich lasse ich mich dadurch nicht beirren, aber man kann nicht im Eilzugstempo vorgehen. Di« konservative Provinzpresse nennt mich den jüdischen Landratsschlächter.(Heiterkeit.) Ich möchte nicht bei den Parteigenossen der reaktionäre Landratsschützer heißen. Von 470 Landratsposten sind über 100 unbesetzt, eS kam- men noch mehr dazu. Aber warum machen die Genossen in den Kreistagen keine Vorschläge?(Zurufe: Wir wissen ja gar nicht, daß wir eS sollen!) Gewlß. es steht nur in dem Gesetz über die KreiStagSneuwahlen drin.(Heiterkeit.) Jetzt werden nur Land- ratSverweser angestellt. Im Herbst wird auf Grund der neuen KreiSordnung neu gewählt. Tann werden die präsentierten Land- rate ernannt, natürlich nur solche, die nicht offen die Regierung verhöhnen. Wenn bei den Wahlen Unregelmäßigkeiten vorgekom- men sind, bitte ich um Beschwerde. Ich werde nachprüfen und die Auflösung herbeiführen. Bisher habe ich nur 8 Beschwerden über- Haupt erhalten.(Heiterkeit.) � Die Genossen müssen selbst demokratische Politik machen. Unterdrückung kann von oben kommen. Freiheit nur von unten. All« Genossen haben jetzt daS Recht, unmittelbar mit der Zentral- stelle zu verkehren, jede prüfbare Beschwerde wird nachgeprüft. Wo die Genossen nicht die Mehrheit haben, müssen sie eben darum kämpfen. So geht«s nicht, wie ein Genosse mir gesagt hat, die Demokratie wäre sehr gut, wenn wir überall die Mehrheit hätten.(Heiterkeit.) Die Demokratie gilt auch für die anderen, daran ist nichts zu ändern. Zum Schub gegen Unterdrückung und Ungewandtheit müssen Sie die Organisationen ausbauen. Die Drohung mit Ueberlauf-en zu den Unabhängigen bessert gar nichts. Auch die Parteipresse versagt, sie ist auSschließ- lich auf Kritik eingestellt. Damit macht man jede parlamentarische Regierung tot. Ich bin der Partei und der LcrndcSversammlung verantwortlich, aber Sie sind der Welt und der Geschichte mit- verantwortlich dafür, daß die demokratische und sozia- listische Herrschaft nicht zusammenbricht. Die Bureau? sind überlastet. Die sechsstündige Arbeitszeit in den Bureaus beschleunigt die Verwaltung auch nicht. Sie müssen die Genossen«um VerantwortlichkeitSgefuhl erziehen. Ich habe mich nicht zu diesem Amt gedrängt, aber ich arbeite im schnellsten Tempo, da» möglich ist, und werde die berechtigten Wünsche der Genossen erfüllen, wenn Sie mir Zeit zur Arbeit lassen. Wenn nicht, suchen Sie sich einen anderen. Ich habe nicht Lust, auf mir rumprügeln zu lassen, ohne daß die, die den Prügel schwingen, irgendwelche Sachkenntnis haben.(Beifall.) Die weitere Debatte wird vertagt. Den Bericht der MandatprüfunaSkommission er- stattet Brückner. Bertin. ES sind 434 ParteitogSmitglieder anwesend, davon 370 Delegiert«, 48 Mitglieder der Naiionalver- sammlung, 7 Mitglieder deS ParteivorftandeS, 5 Mitglieder der Kontrollkommission, 1 Referent, 1 Vertreter des„Vorwärts", der „Neuen Zeit' und der Organssationökommisswn. Unter den Pa r t« i ta g Smitgliedern sind 45 Frauen. Die Mandate werden für gültig erklärt. Die morgige Sitzung beginnt mit den Referaten Scheide- mann? und B e r n st e i n s. Dann geht die Debatte weiter. Ein Telegramm der Parteiorganisation Oberschlesien pro- testiert gegen jede LoSveißung dieses Gebietes von Deutschland. (Beifall.) Die DonnerStvg-Sitzung beginnt um 0 Uhr vormittags. Schluß Uhr.__ vortrage, vereine und Versammlungen. Süden. bei Drogge, dcS Delegierten. Bezirk Wilmersdorf. Mitgliederversammlung morgen Freitag, 7V,Ubr, HIndenburg-Schule, am Seepark. Zahlreiche» Eischeinen erwünscht. Achter deutscher Paziftftentag. Sonnabend,'LS Uhr, Herrenhaus: Prof. Brentano-München. Frau Kirchhoff-Bremen. Prof. Nicolai-Berlin. Sonntag. 11 Uhr, im LehrervcreinShauZ: Dr. Fried-Bern, v. Gerlach- Berlin, Prof. Ouidde-München. Näheres Anschlagsäulen I Karlen 1 und 2 M. bei Bote u. Bock, Leipziger Straße, und A. Wertbeim.— Sozial- demokratischer Aerzte-Berei». Sitzung am IS. Juni, abend» 8 Uhr. im Zahnärztehau». Bülowstr. 1>>4, Richierzimmer: 1. Ausspräche über die Zieform de» medizinischen Unterricht». Reserenten: Herr Blaschko, Herr Mosbacher. 2. lieber die Familienversicherung. Referent: Herr Silberstein. 3. Antrag auf Uebernahme der Schulzahnpflege durch die Stadt Berlin. Ncserent: Herr Drucker. Gäste willkommen.— Sonnabend, nachmittag» 5 Uhr, Versammlung sämtlicher Polizeibeamlen in Haverland» Fest- sälen. Neue Friedrichstr. SS.— Sonnabend. 7 Uhr. Vniammlung der Ver- einigung der sozialdemokratischen Beamten, Angestellten und Hilfskräfte Kroß- Berlin» in der Stadthalle.—»Meinekescher Männcrchor Berlin 1000«-. UebungSstunde jeden Freitag, abend« von S— 10 Uhr, in M-hS Festsälen, Gerichtstr. 81. Sangeskundtge Genossen herzlichst willkommen. Wetterbericht bis Freitag mittag. Zunächst noch überwiegend heiter und trocken, in den Tagesstunden warm, später nn Süden �trichwei�Gewitter�mi�ttva�AbkWun������������� Deutsche Mnner und Frauen! Zu spät ist es nicht, sich weiterzubilden, den Kreil seiner KennMisi» zu erweitern, wenn un» nur dt« rlchfig» Gelegenheit dazu geboten wird. C» ist für jedermann, wes Standes er auch fei, heutzutage eine eifern» Rotwendtgkeit. sich in seinem Berufe auszukennen. Unsere Kenntnisse sind unser unverlierbares Eigentum, welche, uns niemand rauben kann. Wie gerufen kommt nun die Goldene Bibliothek der Bildung u« des Wissens, ein Nniversal-Biloungswerk ersten RangeS, für Kriegsbeschädigte, Kaufleute, Beamte und die handwerklichen Berufsarten. 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Leopold, Ernst Pröckl, Otto Schiller, Reinhold Schünzel.) KomMienhaus an der Marschallbrücke Gastspiel LucieHSflicb u.Ludw.Hartaa ViSUhr: LiSPlOtt von der Pfalz. Berliner Theater 7.15 Uhr: Neueinstudiert: Die tolle Komtess. Operette in 3 Akten v.Rudolf Bernauer u. Rudolf Schanzer. Musik von Walter Kollo. (Hilde Wörner. Melitta Klefer, OUa Engl, Emil Birron, Ernst Behmcr, Hermann Picha, Paul Rehkopf, Alfred Scherzer.) Freitag: Sterne, d.wied. leucht. Sonnab.: Die tolle KomteB. Residenz-Theater. Untergrundb. KlosterstraBe, ang Stralauer Straße. Täglich 8 Uhr: Schauspiel von Sudermann. Regie: Alfred Rotter. Trianon-Theater. Bhf.Frledrichstr.Ztr. 4927�301 Tägl. 8U. Heute z. 277. Male; Der gute jtnf von Hermann Sudermann. Sonna d'M: Aschenbrödel. Sonntag 4 U.: Johannisfeuer. Walhalla-Theater. TVj IThrt Die kleine Sklavin. Rose-Theater. T1/» Uhr: Ehe- L'rlanb. Vit Uhr Gartenbohne; Das sieht sich jeder an. Vorher Konzert u. Spezialität. Nalional-Theater. Stürmischer Erfolg. 7>/, Uhr Die Klnopnppe. Casino-Theater. ßothrlna. Str. 87. TögL»/� Uhr. Jluc nach bis bissen Sonntag M selige WsiWsN unb bos gr. Sp«ziaI>t..Progr. Sonnt 3'/,! Ds ahnst es nicht Ad Motttoü, 17. Zunt geschioff. Lmsen-Theater. m,. Vis Ucht- !2, seheue Dame abend 3 1 M UEli SOFitZ. Sonntag 3: j[8hllfiD.Lleil6. iPOLLO Friedrichstraße 218 j Dir.: James Klein 73/ Sonntag 73/1 / 4 3'/, und I /4l Gastspiel Anton Herrnfeld[ I m. seiner aus 28 Per- 1 1 sonen bestehenden 1 1 Gesellschaft In der| 3aKiigen Burleske I Wer ist der Vater?! 1 Vorb. Spezialitäten II ÜafeüSfSI Faul Steiaitz Minna Beverelly Frit» Berger Klein Rosa I.achplllen-Wolf Lassi u. Acuni Hans! Etzer Franz Romahn Mla Renerd Adolf Hambach Am Flügel: Henschel] Conf.: Flatow I Oy1*!*• Konzerte I Kessftn g-Theste* Sommersplelz: H. Sternberg, Gastspiel Guido Thielscher: 8 Uhr: Cbarleys Tante. Deutsches Ktlnstler- Theater. Allabendlich?«/, Uhr: »Max Adalbert u. Kurt Götz in; Die Butschbahn. Centrai-Theater Kommandantenstraße 57. uh�r: üie Schönste von Allen. Deutsches Opernhaus 7 uhr: Die toten Äugen. FiÄ-Wielinst. Theater uEm Das Dorl ohne Glocke. Kleines Theater. Ph uhr: Klinifneltilänchen. Komische Oper uhn Schwarzwaldmäilel. littstsplelhans uhn Die spanische Fliege. Metropol-Theater. 7 Uhr 10- Die Fasehingslee. Bfenes Operetten Irans 7v.u.:DleDa!neroni Zirkus. Palast-Theater pi, uhn Talisman. Operette in Z Akten v. Zorilg. «ehlller-Theat. Charl. pi, uhr: König Krause. Thalia-Theater pi, u.: Znr wilden Bnnnnel. Th. am Xollendorfplats 3V< Uhr: Der neue Stiftsarzt. Gr. Freund, E. Lichtenstein In pi, uhr: Die Pnppe. Theater d. Friedrich Stadt pi. uhr: 4 Einakter. Wallner-Theater vi, uhr: Mandragola. Kurtürstendamm 238. Direktion: Siegbert Goldschmidt. PRINZESSIN TATJANAS TRAGÖDIE (Wenn ein Weibden Weg verliert) 6 Akt« aas dem Lsben einer modernen Frau. Regle: Carl Wilhelm. Außerdem: Lustspiel In 3 Akten. Titelrolle: Albert Panllg. Berliner?rater 7/9«aftanimaHee 7/9l Täglich: 12 Yarlctö- Attraktionen. In txz tRuff Xans. viele «»fang>,',5 Übe._ 1 Theater am Kottbus.Tor [Allabendlich 7'/, Uhr: m te Stettiner Sänger Ruselil, Horst, Seidel usw. Humor. Spielpl. Sommerpreise I Im Garten: BID:hgen-Konzert. Winter- Gatten Täglich 7 Vi ührt Variete-Spielplan Rauchen gestattet! 4—6 Freikonzert Wiener Praterleben im Clou Mauerstr. 82, 15. Jnni letzter Tag! PAIEXAHDEBSTRSSI rLacUpllIea-WoIf Blee Garelt Karl Stöhr 3 Schwestern Lück Altred Jansen Mary Walter Rosf Körner Am Flügel: Sawade Conf.: Helnelus Ebener. Konzerte. früher Kliems Pestsäle, Hasenheide Direktion I KARL KNOPFE. Taglich: Das wirklich phänomenale, von Publikum und Presse anerkannte und als ganz hervorragend bezeichnete Eröffnungs- Programm. Anfang Wochentags 51/, Uhr, Sonntags 4 Uhr. In den Frachtsölen t Jeden Dienstag, Donnerstag and Sonntag Großer Ball bei verstärktem Orchester. 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So dauernd wie unsere Er- innerung an die beiden Verstorbenen, ist unsere Teil- nähme gegen die Hinterbliebenen, A-dolk Sommerfeld Norddeutsche Tiefbaugesellscbaft m. b. H. Erschüttert durch einen schweren Unglücksfall, bringen wir die tiestraurige Nachricht, dah unser lieber Mit- angestellter, Herr Hausmeister Paul Bagemiihl gemeinsam mit seiner erst 14 jährigen Tochter Hedwig eines jähen Tabes starb. Seine treue Rechtschaffenheit und Zuvorkommenheit sichern ihm bei uns ein herzliches Andenken, wie wir auch sein frohes, sonniges Töchterchen nie vergessen werden, Die ADptellten der Firma Adolf Sommerfeld Norddeutsche Tiefbau-Gesellschaft m. b. H. i Für die mir zu meinem 70. Geburtstage erwiesene Aufmerksamkeit sage ich allen Genossen und Freunden meinen herzlichsten Dank. 1450 HERMANN GRASHOLD. Direkt aus meiner Fabrik diese 4 Rein-Aluminium-Kochtopfe mit Deckel Zentralverband der Zimmerer Deutfcblands Zahl» Berlin u. llrng. (Bezirk 16.) 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Heilage öes ——— B�WBBgl�— Vernehmung Fischers kommen sollte, dan-n werde jeder Versuch, die Wahrheit über die beabsichtigte Ermobdung zu verschleiern, verhindert werden. Wir wollen auch— sagt der Angeklagte Lede- bour— unter Beweis stellen, daß«die Regierung von unserer Vor- Haftung vorher benachrichtigt war. Trotzdem haben die Mitglieder der Regierung, vor allem Landsberg, als sich meine Frau wegen meiner Verhaftung an sie wandte, wahrheitswidrig behauptet, sie wüßten nichts von der Sache. Als der Zeuge Dr. Met? er vereidigt werden sollte, widert sprach der Staatsanwalt der Verteidigung, weil Meher als Mit- tätet in Frage kommen sollte.— Rechtsanwalt Rosen seid stellt dagegen fest, daß Meyer sich nicht in Unteosuchungs-, sondern in Schutzhaft befindet und das; bis heut kein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet ist.— Zeuge Meyer wird hierauf vereidigt. Auf Antrag des Rechtsanwalts Rosenfcld wird nach an- fänglichem Widerspruch des Staatsanwalts die Antwort der Regie- rung auf dt« gerichtliche Anfrage wegen der Genehmigung zur Aus- sage des Zeugen Anton Fischer verlesen. Sie ist unterzeichnet vom Reichswehrminister Noske und geht dahin, daß dem Zeugen Fischer mit Rücksicht auf die Sicherheit des Reiches untersagt wird, über Gegenstände, die unter seiner Amtsverschwiegenheit stehen, auszu- sagen. Diese Aeußerung— so heißt eS in dem Bescheid Noskes— gilt auch für das Reichsministerium. Angeklagter Ledebour: Was die Rcichsregicrung durch das Verbot der Aussage Fischers verhindern will, wird sie nicht verhin- dern können. Wir werden die Wahrheit doch herausbringe«. Auf Antrag des Rechtsanwalts Herzfeld wird zur Charakterisie- rung Fischers der Zeuge Füllbrand vernommen, der seinerzeit einer der Führer in der Volksmarine-Division war. Er sagt, als wah- rend der Januarunruhen Klawunde anstelle Fischers zum Stadtkom- Mandanten ernannt war, fei Fischer zu den Matrosen in den Mar- stall gekommen, habe sich sehr ungehalten über seine Zurücksetzung geäußert und die Matrosen gefragt, ob sie hinter ihm ständen. Vor drei bis vier Wochen habe Fischer in einer Versammlung in der Chausseestraße gegen die Regierung gesprochen. Während dieses Prozesses habe er, der Zeuge, Fischer im Gerichtsgebäude getroffen, ehe derselbe vernommen war. Da habe Fischer zu ihm gesagt, er, Fischer, sei jetzt stellungslos, aber er habe eine Stellung bei der Re- gierung in Aussicht, wo er von niemandem abhängig und sein eige- ner Herr fei. Er werde seine Zeugenaussage so einrichten, daß er sich die Aussicht aus diese Stellung nicht verscherze. Angeklagter Ledebour:- Wenn das richtig ist, dann be- fand sich Fischer, als er feine Aussage machte, nicht in einem Amt. Er hat ja auch gar nicht davon gesprochen. Erst der Staats- anwalt hat es ihm suggeriert, daß er Beamter und zur AmtSver- schwiegenheit verpflichtet sei. Ist es so, wie der Zeuge Füllbrandt sagte, dann hat Noske kein Recht, die Vernehmung Fischers zu un- tcrsagen. Die Frage Fischers an die Matrosen, ob sie hinter ihm ständen, könne nur so aufgefaßt werden, ob er auf die Matrosen rechnen könne, wenn er etwas gegen die Regierung unternehme. Ter Mann, der sich hier rühmte, die Matrosen am 6. Januar für die Regierung gewonnen zu haben, suchte sie kurz darauf zu einer Bewegung gegen die Regierung zu gewinnen, sobald er aus dem Amt entlassen war. Das ist sehr wertvoll zur Charakterisierung Fischers. Zeuge D i t t m a n n, Sekretär der U. S. P. D., wird befragt nach den Gründen, welche die Unabhängigen zum Austritt aus dem Rat der Volksbeauftragten veranlaßten. Der Zeuge sagt im wesent- liehen, die Unabhängigen seien in die Regierung eingetreten unter der Voraussetzung, daß das sozialdemokratische Programm verwirk- licht werde. Das hätten die Mitglieder der Rechtssozialisten auch zugesagt, aber bald habe sich gezeigt, daß sie den kapitalistischen Parteien und den Vertretern des alten Militarregiments Konzessiv- nen machten. Namentlich hätten sich die militärischen Einflüsse stark bemerkbar gemacht. Infolgedessen habe sich im Rat der Volks- beauftragten ein fortwährender stiller Kampf zwischen den beiden Parteirichtungen abgespielt, dem aber keine persönlichen, sondern nur rein sachliche Gegensätze zugrunde lagen. Dann sei der Zu- sammenstoß am V. Dezember gekommen, das Schietzen der Solda- ten auf Demonstranten in der Chauffeestrahe und die Soldaten- •Vv-', Doütterstag, 12. Ion! 1�1 9 kundgebung, welche Eberl zum Präsidenten der Republik ausrief, während gleichzeitig der Versuch gemacht wurde, den Vollzugsrat zu verhaften. Das sei ein Fall, der besonders gravierend zeige, daß militärische Stelle» ihre Hände im Spiel hatte«. Auch bei dem Matroscnkonslikt am 23. und 24. Dezember sei der große Einfluß des Militärs unverkennbar gewesen. Ebert, Scheidemann und Landsberg hätten ohne Wissen der Volksbeaus- tragten der Unabhängigen an die alten Militärs den Befehl gc- geben mit Kanonen gegen die Matrosen im Marstall vorzugehen. Dadurch sei der Weg der Verständigung, der schon beschritten ge- wesen sei, verlassen worden. Man habe die Matrosen durch Gewalt zur Uebergabe zwingen und den Autoritätsstandpunkt zur Geltung bringen wollen. Die Dinge hätten sich dann immer mehr zuge- spitzt, die Unabhängigen hätten verlangt, daß der Zentralrat als Kontrollorgan der Regierung über die Dezembervorgänge gehört werden solle, was dann auch geschehen sei. In dem nur aus Rechts- sozialisten bestehenden Zentralrat sei eine starke Strömung gegen das Verhalten von Ebert, Scheide Wann und Landsbcrg vorhanden gewesen. Man sei geneigt gewesen, diese drei Volksbeauftragten durch andere Rechtssozialisten zu ersetzen, aber das habe den Uuab- hängigen nicht genügt, sie hätten gefürchtet, daß die Regierung auf dem einmal beschrittcnen Wege der Gewalt weiter gedrängt wer- den würde. Darum hätten es die Unabhängigen vorgezogen, aus der Regierung auszutreten. Airgeklagter Ledebour fragt den Zeugen, ob nicht der Voll- zugsrat nach den Vorgängen am 6. Dezember beschlossen habe. Ebert seines Amtes als Volksbeauftragten zu entsetzen, weil die Soldatenkundgebung, die ihn zum Präsidenten ausrief, mit seinem Wissen und Willen standgefunden habe. Nach einer Erörterung über die Zulässigkeit dieser Frage be- schloß das Gericht, sie nicht zuzulassen, weil sie Beweggründe des Handelns des Angeklagten betreffe, aber nicht Tatsachen, die mit den Strafhandlungen in Zusammenhang stehen. Das Gericht habe bereits als wahr unterstellt, daß nach der Ueberzeugung des Angeklagten der Bolksbeauftragtc Ebert die Demonstration der Sol- daten«m 6. Dezember veranlaßt habe. Auf die objektive Wahrheit dieser Ueberzeugung komme es nicht an. Während der Beratungspause hatte der Angeklagte Ledebour die„B. Z. am Mittag" erhalten, die im Anschluß an die beiläufige Bemerkung des Genossen Wels auf dem Parteitage, Ledebour habe die Revolution verschlafen, ausführt, als Ebert und Scheidemann am 9. November im Reichstage erschienen, um mit den Führern der Unabhängigen über die Besetzung der Negierung zu sprechen, sei Ledebour, der sich seit dem 3. NDvember im Reichstage aufgehalten habe, in einem Zimmer des Reichstages schlafend gefunden worden. Man habe ihn um 12 Uhr mittags geweckt und ihm mitgeteilt, daß die Republik ausgerufen sei. Nachdem der Vorsitzende den Ablehnungsbeschluß verkündet hatte, fragte der Angeklagte Ledebour den Zeugen Dittmann, ob die Angabe der„B. Z." richtig sei.— Zeuge Dittmann antwortet, die Angaben seien falsch, Ledebour sei am 9. November um 6 Uhr morgens aufgestanden und von da an jederzeit im Reichstage zur Verfügung gewesen, er habe auch mit den wegen Uebernahme der Regierung erschienenen Vertretern der Rechtssozialisten verhandelt. Ledebour überrctcht die„B. Z." einem seiner Verteidiger mit den Worten:.Das ist der Dank dafür, daß ich dem Menschen(ge- meint ist Wels. Red.) das Leben gerettet habe. Die weitere Verhandlung wird auf Donnerstag vertagt. GroMerün Das Segräbuks Rofa Luxemburgs. Kranzdeputationen der S. P. D. Der BollzugSrat Groß-Berlin hat folgenden U. S. V-Antrag bei Stimmenenthaltung der Mitglieder der S. P. D. angenommen: .Der Vollzugsrat ersucht alle Kreise des werktätigen Volkes der einem ruchlosen Verbreiben zum Opfer gefallenen Borkämpferiu des Proletariats, Genossin Rosa Luxemburg, durch eine allgemeine Beteiligung an der am Freitag, den 13. Juni, statlsindenden Be- erdigung die letzte Ehre zu erweisen und gleichzeitig Protest gegen alle Schandtaten der Reaktion zu erhebsn." Die Fraktion der S. P. D. gab hierzu folgende Erklärung ab: Ke. 295* 36. Jahrgang Prozeß DaI Gericht beschloß, dem Zeugen Dr. Meyer, die Frage vorzulegen, ob und was ihm darüber bekannt sei, daß Leutnant Fischer den Angeklag-tsn habe ermorden lassen wollen. Zeuge Dr. Meher sogt: Als ich mit Ledebour zusammen auf der Kommandantur eingeliefert wurde, gab der damalige Stadtkommandant Klawunde auf unsere Frage die Auskunst, er wisse nicht, wer unsere Verhaftung veranlaßt habe. Er habe si« nicht veranlaßt, seines Wissens auch keine Behörde. Wir vec- langten unsere Freilassung und Feststellung der Ziamen der beiden Herren, die als Führer der Soldaten unsere Festnahme ausgeführt hatten und von denen der eine als Oberleunant angeredet wurde. Klawunde weigerte sich, dies Verlangen zu erfüllen. Er sagte, er kenne die beiden Herren nicht. Ich sagte dagegen, einer derselben bao« einen von Klawurrde unterschriebenen Passierschein, wonach der ihn als Vizefeldweibel Matuschka ausweise. Es fiel mir auf, daß, als wir in das Auto gebracht werden sollten, Matuschka und der Oberleutnant wie im EiiwerständniS sich anlächelten. Ich verlangte deshalb, mich mit der Reichskanglei telephonisch zu verbinden, aber das wurde verweigert. Man wollte uns ohne militärische Begleitung zurückfahren lassen, was wir aber ab- lebnten. Darauf sagte Klawunde, er habe es ja gleich gesagt, daß wir besser täten, die Nacht in der Kommawdanbur zu bleiben. Er wies uns dann ein Zimmer an. Nach einiger Zeit kam ein Herr, der uns aufforderte, ihm zu folgen. Auf Ledebours Frage, wer er sei, antwortete der Herr, er sei der Stadtkommandant Leutnant Fischer. Wir wurden nun aus der Kommandantur nach dem Kronprinzenpalais gebracht. Die Soldaten, die uns auf -diesem Wege begleiteten, verhielten sich ganz anders als die, die uns nach der Kommandantur gebracht hatten. Diese benahmen sich durchaus anständig. Unsere Begleiter nach dem Kronprinzen- Palais aber schimpften auf uns und äußerten, die Kerle müßte man gleick, niederschießen. Di« Soldaten gingen nicht, wie es sonst bei Transporten üblich ist, neben uns, sondern in einiger Entfernung hinter uns. Aus einer Aeußerung Fischers entnah n ich, daß man damit rechnete, wir würden einen Fluchtversuch macken und dann würde man uns niederschießen. AIS Ledebour Fischer fragte: ,LLozu sind wir denn hier?", antwortete Fischer: „Verhandelt wird nickt, hier wird nur gehandelt." Als Ledebour vormittags gegen lstlll Uhr verlangte, freigelassen zu werden, weil er an den Verhandlungen in der Reichs kern zlei terlnehmen müsse, sagte Fischer:„Sie werden hier festgehalten. Wenn ein Angriff auf die 5kommardantur gemacht oder etwas zu Ihrer Befreiung unternommen werden sollte, dann werden Sie Beide erschossen." — Ich hatte den Eindruck, daß das Vorgehen gegen uns auf eine Vereinbarung zwischen Fischer und der Regierung zurückzuführen sei. Auf eine Frage i?cs Angekl. Ledebour antwortet der Zeuge:„Der als Oberleutnant angeredete Herr, der uns festnahm, führte einen von Fischer unterschriebenen und wie ich glaube auf den Namen Jörgens lautenden Ausweis bei sich. Später habe ich erfahren, daß Jörgen gar nicht Oberleutnant war, sondern Vertrauensstellung bei der Regierung hatte und Einzelheiten auS der'Waffenstillstandskommission, die zu seiner Kenntnis ge- kommen waren, in die Presse gebracht hat. Die Soldaten, die mich auS meiner Wohnung geholt hakten, habe ich'gesprochen während ich mit ihnen allein war als Ledebour aus seiner Woh- nnng geholt lvurde. Sie wußten nichts von dem Zweck' unserer Festnahme und sagten, sie handeln ans Befehl. Ich hatte den Eindruck, daß die Soldaten eigens zu unserer Festnahme zu- sammengesucht waren, daß es Fischers Leute waren und daß Fischer unsere Festnahme veranlaßl-hat. Die Soldaten können von sich aus gar nicht die, Absicht gehabt haben, etwas gegen uns zu -unternehmen, sie haben sich ja auch ganz anständig gegen uns verhalten. Ledebour bemerkt, die vom Zeugen Meher bekundete War- nung Fischers vor einem Fluchtversuch habe gelautet:„Bei einem Fluchtversnch erfolgt sofort die Kugel." Die Warnung in dieser Form und unter de lüderzeitigen Umständen sei höchst auffallend, denn der Wog von der Kommandantur nach dem Kronprinzen- Palais führte durch«ine Reihe enger,-mit schußbereiten Soldaten besetzter Höfe, so daß es geradezu irriinnnig gewesen wäre, hier an einen Fluchtversuch zu denken. Wenn es noch zur weiteren 2] Die Amnestie. N ovekle von Emilia Pardo-Bazan. Ueber-tragen von H. Hesse. „Herr des Himmels, ivas für Gesetze! Die Unmenschen, die sie gemacht haben, müßten am ersten damit bestraft wer- den!" rief der entrüstete Chorus aus. „Es gibt also keine Möglichkeit, Frau, keine Möglich- keit?" „Er sagte, wir könnten uns trennen nach einem Ver- .fahren, das man Scheidung nennt." „Und was nennt man Scheidung, Frau?" „Einen langen, langen Prozeß." Entnnitigt ließen alle die Arme sinken. Prozesse— die nahmen ja nie ein Ende, und es war noch schlimmer, wenn sie entschieden wurden, denn der Arme und Unschuldige verlor mit tödlicher Sicherheit. „Und dabei müßte ich noch- obendrein beweisen, daß mein Mann mich inißhandelt!" fügte die Tagelöhnerin hinzu.. O grausame Ironie der Worte! Großer Gott, hatte dieser Unhold denn nicht ihre Mutter ermordet...? War das etwa keine Mißhandlung....? Und pfiffen es nicht die Spatzen von deiuöDächern, daß er ihr mit dem Tode gedroht hatte.....? „Aber niemand war Zeuge der Drohung. Der Advokat sagt, daß man ganz klare Beweise haben muß!" Eine wahre Revolte kam zum Ausbruch. Einige Frauen waren entschlossen, sagten sie, einen Tatbericht an den König selbst zu senden und um Revision des Gnadenaktes zu bitten, und jede von ihnen würde abwechselnd im Hause der Tage» löhnerin übernachten, damit die arme Frau ein bißchen Schlaf fände. Zum Glück kam am dritten Tage die Nachricht, die Amnestie sei nur beschränkt, und der Sträfling müsse seine Ketten noch ein paar Jahre schleppen. Die Nacht, die dieser Kunde folgte, lvar die erste, da Antonia sich nicht mehr mit weitaufgerissenen Augen im Bett aufrichtete und um Hilfe schrie. Als diese große Aufregung vorüber war, verging ein Jahr, und die arme Tagelöhnerin, die sich ganz ihren med- rigen Arbeiten hingab, fand die Ruhe wieder. Da eines Tages glaubte ein Dienstbote in dem Hause, in dem sie ar- beitete, dieser blassen Frau, deren Mann im Gefängnis saß, eine Freude zu bereiten mit der Neuigkeit, daß die Königin in Hoffnung sei und gewiß bald eine neue Amnestie kommen würde. Die Auswartefrau scheuerte gerade die Treppe. Als sie nun diese Prophezeiung verna-hm, legte sie die grobe Schürze ab, und die aufgesteckten Röcke loslassend, ging sie fort wie im Traum, stumm und kalt wie ein Steinbild. Wenn man aus den Häusern, in denen sie arbeitete,.nach ihr scknckte, ließ sie sagen, sie wäre krank, obwohl in Wirklichkeit das, wrs sie empfand, nur eine allgemeine Vernichtung bedeutete, die� Ohnmacht, die Hand zu einer Arbeit zu regen. An dein Tage, da ein königlicher Sproß das Licht der Welt erblickte, zählte sie die Kanonenschüsse, die dumpf in ihrem Geiste wiederhallten, und da ihr jemand sagte, es sei nur ein Mädchen, keimte in ihr die Hoffnung auf, die Am- nestie sei nicht so allgemein wie bei der Geburt eines Prinzen. Warum sollte sich ferner die Begnadigung auf ihren Mann erstrecken? Man hatte seine Strafe ja schon herab- gesetzt, und es war ja ein schreckliches Verbrechen, das er be- gangen. Eine wehrlose alte Frau ermorden, die ihm in keiner Weise zur Last war, nur um ein paar elender Goldstücke wegen!. Die furchtbare Szene stand ihr wieder vor Augen. Wir sie denn überhaupt des Mitleids würdig, die Bestie, die mit so sicherer Hand den tödlichen Stoß geführt? Antonia cnt- sann sich noch der großen Wunde, und es war ihr, als jähe sie das geronnene Blut noch zu den Füßen des Feldbettes. Sie schloß sich in die Wohnung ein und setzte sich auf einen Schemel am Kamin. Bah, wenn man sie denn einmal töten wollte, war es schon besser, sich zu Tode zu grämen. Nur die klägliche Stimme des Kindes entriß sie ihrem Sinnen, ihrem Ge- brochensein. „Mutter, ich habe Hunger... Wer ist da an der Tür? Wer kommt da?" Endlich an einem schönen sonnigen Morgen zuckte sie die Achseln, raffte einen Pack schmutziges Zeug zusammen und ging zur Wäsche. Nur langsam und wortkarg antwortete sie auf die herz- lichen Fragen, die man an sie richtete, und verwirrt und ein wenig irr richtete ihr Blick sich auf den Seifenschaum, der ihr ins Gesicht spritzte. Woher kam die unverhoffte Neuigkeit eigentlich gerade in dem Augenblick, da Antonia die gewaschene und ausge- wrungene Wäsche zusammenpackte und nach Hause gehen wollte? Hatte man sie in barmherziger Absicht erfunden? Oder war jenes geheimnisvolle Raunen unbekannten Nr- sprungs, das am Vorabend großer Ereignisse im Leben der Völker oder einzelner Menschen in dex Luft liegt Als Antonia es erfuhr, legte sie unwillkürlich die Hand aufs Herz und setzte sich auf die feuchten Steinplatten nieder: „Wie, warhaftig? Er ist tot?" fragten die frühen Wäscherinnen die anderen, die erst später kamen. „Ja, Frauen." „Ich hörte es auf dem Markte!" „Und ich im Laden!" „Und wer hat es dir erzählt?" „Mir----? Mein Mann." „Und deinem Mann?" „Der Bursche des Hauptmanns." „Und woher weiß es der Bursche?" „Von seinem Herrn." Hier genügte die Autorität. Niemand wollte es nach näher ergründen, und die Nachricht wurde für echt und wahr erklärt. Der Verbrecher gestorben, am Vorabend der Begnadi- gung, bevor er den letzten Tag seiner verkürzten Strafe erlebt! Die Tagelöhnerin hob den Kopf, und zum ersten Male färbten sich ihre Wangen mit gesunder Röte. Der Ousll ihrer Tränen brach hervor— sie weinte vor Freude und niemand nahm daran Anstoß. S i e war ja die Begnadigte, und ihr Jubel war be- rechtigt. Immer reichlicher rannen die Tränen, und ihr Herz lebte auf, denn seit dem Verbrechen lvar sie wie bedonneft geblieben und hatte nicht zu sprechen vermocht. Von ihrem Alpdruck befreit, atmete sie nun erlöst auf. »»« An jenen: Abend ging Antonia später als gewöhnlich nach Hause. Sie holte den Kleinen in der Kinderschule ab und kaufte ihm Bretzeln und andere Näschereien, die der Knabe sich schon seit langer Zeit wünschte, und beide streiften durch die Straßen und blieben vor den Schaufenstern stehen. Sie verspürten gar keinen Hunger und empfanden nur den einen Drang, in fteier Luft zu atmen---- sich über das normale Leben, zu freuen, das sie nun wieder führen würden. Antonia war in einer wahren Verzückung und bemerkte gar nicht, daß ihre Tür halboffen stand. Ohne die Hand des Kindes loszulassen, trat sie in den kleinen Raum, der ihr als Küche und zugleich als Wohn- zimmer-diente. Doch bestürzt wich sie zurück, als sie sah. daß der Oelleuchter schon angezündet war. Und da am Tische richtete sich eine dunkle Gestalt empor— der Schrei, der sich ihr auf die Lippen drängte, erstickte ihr in der Kehle. Er war esf(Schluß folgt.) Das gesamte internationale Proletariat betrauert in der ge« »nordeten Genossin Nosa Luxemburg eine ss-ührerin von Geist und boher Begabung� Die Arbeiterschatt Deutschlands im besonderen wird die unermüdliche Kämpferin für den internationalen Sozia» liSmuS und die warmherzige Freundin de? leidenden und kämpfen- den Proletariats nie vergessen. Wir erwarten daher von unseren Parteifreunden und Gesinnungsgenossen in der Berliner werktätigen Bevölkerung, daß sie zur letzten Ehrung der Hingeschiedenen Kranz» dcputationrn zur Beerdigung entsenden."' Die dem' BollzugSrat mehrfach zugegangenen Klagen über Unternehmer, die ihre Arbeiter und Angestellten wegen Teilnahme an dem Generalstreik benachteiligen oder gar entlassen haben, waren ebenfalls Gegenstand der Ver» Handlung. Der Bollzugsrot warnt alle llnternehmer vor derartigen Maßnahmen und verweist dabei auf die gegenwärtige, innerhalb der Arbeiterschaft vorhandene starke Mißstimmung, die durch Pro» vokalion der Unternehmer noch weiter gesteigert werden kann und schließlich zur abermaligen Störung de» gesamten Wirtschaftslebens beiträgt. Zu ganz unerträglichen Verhältnissen hat sich auch während de? Streiks da-Z wilde Fuhrwesen entwickelt. Diese wilden Fuhr- werke, einschließlich der Droschken und Kraftwagen, die den Streik ausnutzen, um das Publikum zu brandschatzen, werden mit Recht besonders von dein Personal der streikenden Verkehrsbetriebe als Streikbrecher angesehen und demgemäß behandelt. ES ist anläßlich des letzten Generalstreiks mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und diesen Streikbrechern gekommen, was schließlich zu bedauern ist. Mehrfach sind Kommissionen der Streikenden beim Bollzugsrat vorstellig geworden, die ei« Einschreiten gegen die ge- nannten Fuhrwerke forderten. Der VollzugSrat ist dazu nicht in der Lage. Allerdings muß er auch die Verantwortung ablehnen sür Vorgänge, die durch dieses Streikbrechertum beraufbsstbworeu werden. Weiter wurde beschlossen, die nächste Vollversammlung der Arbeitcrräte Mittwoch, den 18. Juni, abzuhalten. » Sozialistische Smdeutenpartei. Zur Teilnahm- am Begräbnis Roja Luxemburg's Trestpunlt Freitag 11 Uhr Universität(qr. Uhr) oder /,12 Uhr Landsberger Platz. Ausiiellung hinter der.Freien Jugend". Borbereituugen zum Burgerstreik. In einer Sitzung des BiirgervatS Groß-Berlins am DienStag- wachmittazz führte Konsul Marx aus: Der Bürgerstreik sei jetzt in nächste Nähe gerückt. Er solle vermieden werden, wenn es aber nicht anders geht, wird der Bürgerrat zum Streik aufrufen. Wir h a n d e l n i m Einverständnis mit den militärischen Stellen, auch im Einvernehmen mit dem Reichs- Wehrministerium.(?l) Rote Plakate heißen Beginn deS Streiks uivd blau Ende des Streiks. Es seien bereits 200 000 Flugblätter gedruckt, die durch Flieger abgeworfen werden sollen. Man habe sich eine Druckerei gesichert, um auch während deS Bürgerstreiks drucken zu können. Die Organisation umfasse nur die Stadt Verlin, die Vororte Berlins feien in 26 Organisationen zusammengefaßt. Das eventuelle Streiklokol befinde sich im Moabiter Kriminalgerichtsgebände. Zur Ausstellung von Passier- karten sollen Photographien mit Unterschrift bei der Geschäftsstelle, Eharlottenstr. 44/45, beigebracht werden. Das Reichswehrmlnisterium hübe das Telephon dem Bürgerrat freigegeben, wenn es auch für die Oeffentlichkeit gesperrt ist. Ter Streik würde unier Fühlung der Behörden und der Regierung proklamiert. Man sprach dann über die voraussichtliche Beteiligung der einzelnen Bevusc und sagte u. ct., auf Mermuth sei kein Verlaß. Wir sind gegen den Strcikwahn auf jeder Seite und erwarten, daß die Regierung auch die Aürgerstreiker wicht ermutigt. <«* lieber die Einstellung des Personenverkehrs aus der Stadt- und Ringbahn sowie bei den Vorortstrecken im Falle eines Ge- neralstreiks erhalten wir von der Eisenbahndirektion Berlin folgernde Erklärung: Die Erfahrungen deS letzten Generalstreiks, an dem sich auch ein Teil der Elsenbahnarbeiter beteiligt hat, haben gezeigt, daß die Eisenbahn ohne schwere Gefährdung der Fahrgäste und des Personals nicht in der Lage ist, den Verkehr zu bewälitgcn, wenn die übrigen Verkehrsmittel, besonders oie Stvaßeirlbahn und die Untergrundbahn aussetzen. Da die Eisen- bahnvevwaltung nicht wieder die Verantwortung dafür Übernehmen kann, daß bei der an Streiktagen herrschenden Stimmung Betriebs- Unfälle vermieden werden, es bei dem Massenandrang auch nicht durchführbar ist, den Verkehr durch Absperrung der Bahnhöfe oder sonstige Diaßnalnnen zu regeln, wird sie sich leider genötigt sehen, im Falle eines Generalstreiks, an dem sich die Straßen- und Unter- grundbahn sowie»in Teil der Eisenbahnarleiter beteiligen, den Verkehr aus der Stadt- und Ringbahn, den Vorortstrecken und der Kremmener und Werneuchcne: Strecke einzustellen. Sie ist zu diesem Schritttsnachweis Wusterdausencr Straffe 15 und sür alle übrigen Arbeiter durch Zentralvercin sür Arbeits- Nachweis, Abteilung Bahnarbeiter, Normannstr. 13, außerdem durch die Arbeitsnachweise Charlottenburg, Berliner Str. 81. und Lichtenberg, Morlt- straffe 10/11. Für die an den Fern- und Vororlstrecken wohnenden Arbeitsuchenden kommen zur Arbeitsvermittlung die be! de» einzelnen Gemeinden eingerichteten Arbeitsnachweise in Frage. Schristtiche Gesuche um Ein- stellurig als Arbeiter an die Eisenbahndireltwn oder an die ihr unter- stellten Dienststellen sind zwecklos. Der„Wahre Jakob-« ist erschiene» und gelangt ab beute zur Ausgabe. Weihenseer Gemeindevertretung. Die Gemeindevertreter be- fichtigten das der Gemeinde gehörende Rieselgut Birkholz und auf Vorschlag der II. S. P. das Gut Malchow, um festzustellen, daß Birkholz durch schlechte Bewirtschaftung, speziell des Viehbestandes, heruntergekommen ist. Der Wahrheit gemäß muß aber gesagt wer- den, daß Malchow nicht neben Birkholz gestellt werden kann, da es mit Arbeitskräften nnd Viehfutter viel besser gestellt war. Wir hatteu auS Billigkeitsgründen zwei Schöffensitze niedergelegt. Bei der jetzt vorgenommenen Wahl verließen die Bürgerlichen bis auf einen den Sitzungssaal. Da die U. S. P. an uns nicht wegen Bc- setzung der Posten herantrat, beschlossen wir, erst in der Stichwahl ihrem Kandidaten die Stimm« zu geben. Es wurden gewählt Gautz und Andre«. Spandau. Stadtverordneten-Bersammlung. Zu den Spiel- kursen der Schulkinder werden nur Personen mit Lehrbefähigung als Lehrkräfte zugelassen, wogegen sich die Unabhängigen und� unsere Genossen wenden. Es folgt die Einführung der neu- resp. wiedergewählten unbesoldeten S t a d i r ä t e. Dem Vorschlag des Mieterbundes Groß-Berlin betr. Abbürdung der Mietschulden für Kriegsteilnehmer wird zugestimmt. Zur Errichtung einer Fürsorgestelle für Schwerkriegsbeschädigte und einer Beratungsstelle für Geschlechtskranke werdcn je 20 000 Mark bewilligt. Gefordert werden 26 280,04 M. Nachbetvilligung für den Arbeiterrat; Gesamtausgaben dafür und für den Soldatenrat bis 5. Juni 146 280.04 M., bewilligt sind bisher 120 000 Mark. Unsere Parteigenossen hatten in ihrer Miigliederversamm- lung am Tage vorher sich für Auflösung des Arbciterrats ausgc- sprachen. Zu der Verfügung des Magistrats, daß die Mittel ftic den Arbeiterrat nur bis 5. Juni bewilligt werden, erklärte sich die Möhrheitsfraktion dahin, daß der Arbeiterrat noch bis zum 30. Juni bestehen bleiben soll. Die Unabhängigen wollen den Arbeiterrat auch noch weiter beibehalten. Die Bürgerlichen wehrten sich gegen die Verlängerung. Die Mehrheit beschloß Annahme der Vorlage mit der Verlängerung vorläufig bis 30. Juni. 1600 000 Vi. sür neue NotstandSarbeiten sollen aus einer Anleihe gedeckt werd.n. Unsere Fraktion hatte den dringlichen Antrag eingebrdcht:„Ter Beschluß vom 22. Mai 1910 über Gewährung einer E n t s ch u l- dungSbeihilfe an Beamte, Angestellte und Arbeiter ist auf- zuHeben und die ganze Angelegenheit zur nochmaligen Beratung an die Gchaltsregulierungskommission zurückzuverweisen. AuS- Zahlungen dürfen nur nach endgültiger Beschlußfassung der Stadtv. erfolgen." Am 22. Mai wurde ein dringlicher Antrag der bürger- lichen Stadtverordneten angenommen, den Beamten, Angestellten nnd Arbeitern eine Entschuldungsbeihilse zu zahlen, und der Magi- strat wurde ermächtigt. Vorschuß zu zahlen. ES stellte sich nun heraus, daß der Magistrat die Entschuldungsbeihilfen differenziert zahlen loollte, nach oben mehr, nach unten weniger. Unsere Ge- nassen verlangten gleichmäßige Verteilung. Nack längerer und ziemlich erregter Debatte, bei der auch von den Tribünen l laute Zurufe von Magistratsbeamten gemacht wurden, stimmte die Mehrheit für den Dringlichkeitsantrag. Bewnt wurde, daß man im Prinzip für die Entschuldungsbeihilfen eintrete und nur die Art der Ver- teilung bemängele. Tempelhof. Gemeindevertretung. Di« Anfrage dar Genossen! Ewald(S. V. D.) und I r r g a n g(II. S. P. D.) an die unbe- soldeten Schöffen, ob sie bereit seien, ihre A e m ter zur Verfügung zu stellen, da st« durch ihr MitbcsiimimlngSrecht las Wahlergebnis fälschten, rief eine lebhafte Debatte hervor. Da die unbesoldeten Schöffen eine bindende Erklärung nicht abgaben. stellten die sozialdemokratischen Fraktionen, unterstützt von den Demokraten,«inen Vertagungsantrag, der gegen die Stim- man der übrigen Bürgerlichen angenomihen wurde. Nrutölln. Die Stellung der Aerztcschast zum Btirqerfircik. Der Ausschuß deS Aerzte-Verein« Hot namens der Kassenärzte dem Kasienvorstand mitgeteilt, daß unter der Neuköllner«erzieschaty nicht die geringste Neigung zu einem Aerztesteeik bestehe und er im Falle eines Bürgerstreiks für die ärztliche Behandlung der Kassenmitglceder durch die Kassenärzte Bürgschaft leiste. Befürchtungen sür die er- krankten Mitglieder sind biernach auch im Falle eines Bürger- streikS zurzeit nicht begründet. Die Angelegenbert bat damit für beide Teile mit einem befriedigenden Ergebnis abgeschlossen. Klein-Schönebeck-Fichtenan. Die BezirkSgcnppe der Kommunalbeamten der östlichen Vororte Berlins ichreM uns zu dem Per- sammlungsbericht im„Vorwärts" vom 31. Mai: Dec Bericht gibt irie Tatsachen nicht richtig wieder. TuS Vorgehen des Beamtenrates richtet sich nur gegen die Person des Deogeri einhaberS Eugen Stein- born, der erst seit 11. April d. IS. die Funktion eines Arbeiter- rates ausübt und dessen Vorleben nicht makellos ist, weswegen die Beamten seine Mitarbeit ablehnten. Die Anklagen, die Stcinborn gegen die Beamten vorgebracht hat, wollen diese gar nicht ontkräften. weil die sogen. Mißstände durch den Krieg hervorgerufen und wohl in jeder Verwaltung vorhanden sind. Groh-Berliner Lebe«s»nittel. Berlin. Bi« Freitag im 283., bi« Montag im 140. b!» 142., 144.. 147., 150., 19Ö. und 206. und bis Dienstag im 183/ Brottommiffionsbezirk pro Kops 125 Gramm Käle.— 400 Gramm Maiinclade(27). Anmeldung in den Gelchästen heute Donnerstag. Freitag und Sonnabend. Reinickendorf. 200 Gramm Graupen(33). Abschnitte bis heute ab« zugeben.— 500 Gramm Kunllhonlg(26). Abschnitte bis Freitag abzugeben.— 250 Gramm Marmelade(27). Abschnitte bis 16. Juni adzu- geben. Rotvawes. Heute Donnerstag 225 Gramm ausländiscke« Schweine- fleisch.— Ab beute 100 Gramm Bralsett(17 5).— Jnsolge Kartosselvreis- erböbung aus 25 Ps.. diese Woche 15 Ps.. aber nächste dasür 30 Ps. das Psund. Spandau. Ab heut« ein balb'S Pfund Backobst(259),'/, Psund Dclchkäie(250). Feld 250 behält jolaiig« Gültigkeit, bis sämtliche Stadt- teil« beliesert find.— Hroß-öerliner parteinachrichten. 13. Abt. Versammlung statt?'/, um 7 Uhr. ikharlottenburg. Morgen Freitag, 6 Uhr, von den bekannten Gruppenlolalen Flugblattverbreltuag. Um zahlreiche Beteiligung bittet d«r Vorstand. Wilmersdorf. Heute nachmittag 4—5 Ubr Spiele für Schulkinder auf dem Spielplatz der freien Turnerschofl, Wurttembergische, Ecke Zähringer- straffe. Treffpunkt: 30, bis S'/. Mr am Untergrundbahnhof Frhrbelliuer Platz. Vesperbrot mitbringen, Kaffee frei. Jugenöveranftaltungen. Westen. Heute abend 3 Uhr Baugewerkschul«, Kursürfteuftr. 142: llnterhaltungZabend mit besonderem Programm. Weifiensce. Heute abend 8 Uhr Jugendheim, Woelckpromenadc 1. Bortrag: August Bebel.__ Sriefkaften der ReÜaktioa. W. 16. Reichst-kleidmrgsstolle, Nürnberger Platz 1.— 31. Fragen Sie bei der Kunstakademie an.—«.(f. 13. Potsdamer SIrnize 8». 30 Kl. Di« letzter« Steigerung hallen wir sür unzuläjfig- Wenden®te sich sofort an das Mieteinigungsamt, Zrmmcrstr. 90.— 1- Setzen Si« sich mit Ihrem Lerbaud tu Verbindung. L«.