Kr.ÄW. 36. Jahrg. Bczunspreis t Bi-rt°!iiil>rl. 7,30 Mi., mono«. Ml. frei ins Haus, voraus zahlbar. Einzeln« Nummern 10 Pfennig Postbezug: Plonatlich 2,50 Mi, exkl. Zultellung». gcbilhr. Unter Aceuzband für Deutsch» lanb u. Oesterreich-Ungarn S,?b Mi» für da» übrige Ausland 9.75 M, bei täglich einmaliger Zustellung 7.75 Ml. Poftbeslellungen nehmen an Däne- marl, Kolland, Luremdurg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen w di« PoIt»Zeimng»-Preislist« Der.Porwätts» erscheint wochentägllch zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adress»: «Snzialdemalra» Bettln". AbendAusgabe. Berliner DolKsblsti. NvzeigenpretS: Die achtgefpaltene NonpareMezeile kostet UW Ml, �Kleine«„zeigen", da« fettgedruckte Wort 50 Psg. izulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 25 Psg, Stellengesuche>!Nd Schlasstelleiianzetgen das erste Wort 40 Pig„ jedes weitere Wort 20 Pfg. Worte über 75 Puchstabcn zählen für zwei Worte. Teucrungszusätlag 50»/«. Familien- Anzeigen, politische und gewerlschastliche Vereins- Anzeigen ISO Ml. die Zeile. Anzeigen für die nächste Numnier müssen bis ö Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 63, Lindenstrabe'S. abgegeben werden. Geöffttet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends. �entralorgan der rozialdcmokrati leben Parte! Deutfchlands. Reüaktion und Expedition: SW. 6$, Lindenstr. 3. wCMtiliterfiet: Amt Moriuplatz. Nr. t.»l Äv— tSl i>7. vorwärts-verlag G.m.b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Fernsprecher: Amt Mortüvlats, Nr. 117 Zt. aben der Z. Verhandlungstag. TonvwrZtag, den 12. Sunt, vormittags 9 Uhr. Zu Beginn der Donnerstagsitzung lag sin schleuniger Antrag David sohnS vor, der Schcidemann um Auskunft er- suchte über die militärische Lage in Estland und Livland, insüeson- dere über die Frage der Zurücknahme der eisernen Division, die an neuen Kämpfen beteiligt sein soll. Scheidemann lehnte es ab, ohne Vorbereitung, ohne nähere Nachrichten, gewissermaßen in letzter Sekunde, auf diese Fra�e zu antworten, und der Parteitag gibt ihm nach langer Ge- schästSordnungSaussprache darin recht. Hierauf hielt Scheidemann sein Referat über Sie Aufgaben in des neuen Republik. Schcidemann: Sassen Ete mich cm den Anfang meiner Ausführungen einige Körte stellen, die vielleicht geeignet, die Streitigkeiten, die wtr uliteretnander und mehr noch nach außen hin zu führen haben, ein wenig zu entgiften. Was ich hier sage, sage ich, um auszusprechen, was ich für richtig halte, nicht aber, um mich persönlich zu rechtfertigen oder um Ihnen zu beweisen, daß es keiner besser machen könnte als ich. In oen Märchenzeiten, die hinter uns liegen, soll es Minister gegeben haben, die sich an ihre Porte- seuilleS klammerten und an ihren Aemtern klebten. Ich sage hier offen, was müssen daS für merkwürdige Zeile» gewesen sein, waS für ein schönes Leben müssen die Minister gehabt haben, daß sie sich kein anderes Dasein mehr vorstellen konnten als ein Ministerdasein. Sie ruhten auf den weichen Pfühlen der Macht und sahen in jedem, der sie von da herunterstürzen wollte, ihren persönlichen Feind. Aus jener Zeit stammt auch die Vorstellung, man müsse Minister, die man loswerden wollte, mit dem Auf- gebot aller Mittel zu stürzen versuchen. Diese Psychologie der Ministerstürzerei stammt aus einer Welt und Vorstellungszeit, die in Wirklichkeit nicht mebr besteht, denn ich möchte den Minister sehen, der heut- zutage nicht bereit wäre, jederzeit mit einem»Uffl" der Er- leichterungseinesiebenSachenzupacken, wenn man ihm kameradschaftlich zu verstehen gibt, daß er überflüssig geworden ist. Darum empfinde ich es als sinnlos, ja geradezu als ungeheuer- lich, wenn der Kampf gegen die Regierung in einer Stim- munjj persönlicher Verbitterung geführt wird, als ob der Eigensinn von einzelnen Personen, die durchaus Minister bleiben wollen, an allem Unglück die Schuld trüge. Ach, ach, Partei- genossen, wenn alles Unglück nur daher käme, daß sich die gegen- wärtige Regierung am Ruder befindet, wie leicht wäre eS, daS Volk glücklich zu machen, dte Glücklichsten aber, das dürfen Sie mir glauben, wären dabei wir Minister. Glauöen Sie also, wir werden den Augenblick, in dem wir gehen dürfen, ohne unsere Pflicht zu verletzen, nicht versäumen. Wir fürchten ihn nicht. und es wäre nur menschlich, wenn wir ihn geradezu herbeisehnten. Ganz falsch ist auch die Vorstellung, die man in linköradikalen Kreisen hat, wir Sozialdemokraten hätten uns mit Gewalt in die Macht gedrängt. Nein, Parteigenossen, solches Esel sind wir nie gewesen. Wir haben uns weder mit Gewalt in die Macht gedrängt, noch beabsichtigen wir, uns mit Gewalt in ihr zu br- Hauptrn. Als der geschichtliche Herbststurm von 1918 die alten Mannschaften von Bord gefegt hatte, da holte man uns heran, weil niemand anders da war, um das Steuer zu führen, und da haben wir es geführt, so gut wir es konnten. Keinen Augenblick wollten wir den Glauben auf- kommen lassen, wir hätten die Macht an uns gerissen, wie der Räuber sie an sich reißt, um sie zu besitzen. Noch am Abend des 9. November setzten wir die Demokratie in ihre vollen Rechte«in und kündigten ihr die E i n b e- riisung der Nationalvers ammlung an. Von ihrer Entscheidung wellten wir eS abhängig machen, ob wir blieben oder nicht. Wir müssen es also entschieden ablehnen, wenn jeder Phantast, der einen Putsch versucht, dazu erklärt, er tue das- selbe, waS Ebert und ich am 9. November getan hätten. Nein, diese Phantasten tun dos gerade Gegenteil von dem, was wir getan haben. Denn wir haben die Macht nur an uns genommen, um sie der Demokratie zu geben, sie aber wollen der Demokratie d-e Macht wieder entreißen, um sie selbstherrlich auszuüben. Ich sage also: Die erste der nächsten Auf- gaben, die wir noch zu erfüllen haben, ist die Verteidigung, die Festigung, der Ausbau der Demokratie. Nicht aus Zufall nennen wir uns von alters her Sozial d e m o- k raten, wir haben uns niemals die Verwirklichung des Sozialismus anders vorstellen können, als auf dem Wege der Demokratie, der vollen Gleichberchtigung aller. Das war der Grundsatz, den wir in den Mittelpunkt unseres Programms stellten, für das wir in den Kanchf gingen, die Verfolgungen des Sozialistengesetzes ertrugen und in dem Kampf um das gleiche preußische Wahlrecht die Schutzmannschaft heraus- forderten.� Ich kann es nicht verstehen, daß jemand, der an dem Grundsatz der politischen Gleichberechtigung rüttelt, sich noch Sozialdemokrat nennen kann, und ich muß sagen, ich bin der äußersten Linken dafür dankbar, daß sie auf diesen Namen verzichtet und sich kommunistisch nennt. Ick wünsche den gleichen Bekenntnismut allen, die da glauben, die Demokratie, das gleiche Recht aller, sei eine abgetane Sache und von der Revolution zum alten Eisen geworfen. Betrachten wir aber die Partei, die sich offiziell noch immer die „Unabhängige Sozialdemokratie" nennt, so finden sich in ihr neben echten Sozialdemokraten, die nur in taktischen Fragen mit uns uneins sind, andere, die das Recht verwirkt haben, sich Sozialdemokraten zu nennen, weil sie den Grundsatz der politischen Gleichberechtigrtng aller aufgegeben haben. Mögen NUN auch diese Leute den Mut ihrer Meinung haben und zu schei- nen wagen, was sie sind. Kein Sozialdelnokrat ist, wer an die Stelle der allgemeinen BvlkSherrschaft eine politisch« Räteherrschaft setzen will. Mit der Rätcherrschaft hat es eine eigene Bewandtnis, denn kein Mensch vermag zu sagen, wie sie eigentlich aus- sieht. In den Blättern der Unabhängigen streiten ihre Anhänger über ihre Grundlage, ohne zu einem festen Ergebnis zu kommen. Da kommt Artur C r i s p i e n und sagt:„Alle sollen da? Wahl- recht zu den Räten haben, nur die eigentlichen.Kapitalisten nicht, und selbst die sollen eS bekommen, wenn sie sich zu einer sozial- revolutionären Partei bekennen. Das Wahlrecht soll aber jeder verlieren, auch der Arbeiter, dem von einem sozialistischen Gericht die sozialistischen Ehrenrecht« abgesprochen wer- den." Ja, da könnten wir allerlei erleben. Irgend ein xbeliebiger Schieber, der sich Liebkind zu machen versteht, würde das Wahl- recht besitzen, ein ehrlicher Arbeiter aber, der seit Jahr- zehnten für die Befreiung seiner Klasse gekämpft hat, würde rechtlos, ehrlos gemacht werden, wenn seine politischen Methoden den augciiblicklichen Machthaber» nicht gefielen. Dann kommt aber Max sievers und verwirkt die Crispienschen Ansichten, schlägt aber dafür vor, alle vom Wahlrecht auszuschließen, die in irgendeiner Form Arbeiter beschäftigen, also auch Bauern, Handwerker, kleine Geschäftsleute, Wirte usw. ES läßt sich gar nicht absehen, wieviel berechtigt« Erbitterung durch ein solches nrues Privilegienwahlrecht geschaffen werden mühte. Uebrigcns nicht«in einziger dieser jetzt so unerschrockenen Sozialrevolutionäre, die mich und meine Freunde als Verräter oder Dummköpfe bezeichnen, weil wir nicht auf jedes neue Schlagwort hineinfallen, hat auch nur einen eigenen Gedanken proudziert. Sie kopieren� an� nahmSloS russische Bilder. Wir können ja doch nicht mit beiden Füßen ans der kapital! st ischcn Gesellschaft bin ausspringen, können nicht alles bis zum letzten Fri- senrladen herunter auf einmal sozialisieren. Welches Recht baben Sie also, jsdcm die staatsbürgerlichen Rechte'und die Ehre abzusprechen, der durch die Gesellschaft, in der er heute lebt, in irgendeiner Weise Arbeitgclxr geworden ist. Ja, wenn eS sich nur darum handelte, dtzn wirklichen Drohnen der Gesellscheftt, den arbeitsscheuen A u S b c u lern fremder Arbeit die bürgerlichen Rechte abzusprechen! Darüber wurde allenfalls noch zu reden sein. Aber aucki zu diesem Zweck wären die kompliziertesten Gesetze, die umfassendsten Fest stellungcn. die peinlichsten Rechtsverfahren nötig, um schließlich ein paar taufend Leute auS den Wählerlisten zu streichen, die zah lenmäßig so gut wie nicht? in ihnen bedeuten, und wir kämen auf diese Weise zu einem politischen Rätcsystem, das sich praktisch vom verfemten PorlameniariSmus in nichts unter- scheidet. Ich bitte also die Anhänger d?S politischen Räte svstemS, sich endlich erst einmal untereinander über die Grundlagen ihres RätesHstemZ klar zu werden. Bis jetzt scheinen sie mir zu den Leuten zu gehören, von denen unser verewigter Ge- nosse Viktor Adler zu sagen pflegte:»Sie wissen zwar nicht recht, was sie wollen, aber wollen eS entscheiden." Ich bitte also um ein klares Programm, dann erst kann unsere klare Stellung dazu erfolgen. Mit aller EntscknedenHeit aber müssen wir uns gegen den Versuch verwahren, ein System, von dem noch nie- mand genau weiß, wie eS aussieht, unserm Volk« aufzuzwin- gen. Sie mögen in die Regierung bineinsctzen. wen Sie wollen jede Regierung wird genötigt sein, sich gegen Grwaltversuche zu wehren und der Gewalt, wenn solche angewendet wird, Gewalt cnt gegenznstellen.— Ich komme damit auf ein heikles Thema, dal uns allen schon die schlimmsten Schmerzen bereitet hat, auf das Thema von der bewaffneten Macht, die dazu berufen ist, die demokratische Staatsordnung gegen jeden gewaltsamen Umsturzversuch von rechts oder links zu schützen. Wir olle Haben ein sehr klares Bild van dieser bewaffneten Macht: sie soll aus lauter überzeugten Anhängern der neuen Regiernna besteben, auS Männern, die genau wissen, wofür sie ihre Haut zu Markte tragen, au? untadeligen Rittern der Freiheit, die iedc willkürliche Macht verabscheuen und nur dort an- greifen, wo es die Vertoidiguna des Rechts gebietet. Dieses Ideal schwebt uns allen vor Augen. Wir sind alle einig in dem Bestreben. es zu verwirklichen, aber auch alle einig tn der Erkenntnis, daß wir von ihm noch weit entfernt sind. Aber auch darüber wollen wir uns alle klar sein: TnS schwerste Hindernis auf diesem Wege ist der Vruderkampf unter den Arbeitern selbst. Mit einer Truppe, die zu einem Drittel onS Mehrheitssozialisten, zu einem Drittel aus Unabhängigen und zu einem Drittel auS Spartakisten besteht, ist nichts anzulangen. Wir sind nach Kräften bestrebt, jeden reaktionären Geist, jede zu Ausschreitungen verleitende Willkür- gewalt aus den noch besteben den bawaffncton Verbänden auZzu» rotten, und ich gebe zu, daß es uns gut nichts schaden kann, wenn in diesem Kampfe unser Rücken ge- stärkt wird. Aber, soweit von Vorteilen die Rede sein kann, die die Reaktion errungen bat, so sind sie nur errungen worden durch die Uneinigkeit des Proletariats und die schauerliche Verwirrung, die in seinen Reihen eingerissen ist. Die Sozialdemokratische Partei muß aber auf der Wacht bleiben zur Verteidtgung der teuer erkauften Demokratie, nicht nur gegen links, sondern auch gegen rechts. Es fehlt nicht an Zeichen, daß die alten Mächte wieder die Gewalt an sich zu reißen, versuchen werden. Ich will diese Gefahr für den Augenblick nicht übertreiben� denn der Mann müßte ja von Sinnen sein, der beute ein putschistischcS Abenteuer von rechts wagen würde, das müßte fürchterlich für ihn enden. In so aufgewühlten Zeiten wie den gegenwärtigen wechseln eben die Bilder rasch, und wenn der S p a r t a k i S m u s so, wie er es getan hat, der Rcaltion die Hase« in die Küche treibt, dann kann man nie wissen, was eines Tages wird. Ich rufe Euch zu: „Seid auf der Hut!" Wenn die Reaktion es noch eirnual wagte, ihr Haupt zu erheben, wenn sie versuchen sollte. unS da-> Einzige zu nehmen, was wir aus diesem entsetzlichen Elend als Gewinn, als kostbaren Keim der Zukunft erworben haben, wenn sie die Grundlagen deS VolkSstaatS antastet, dann soll sie abgefertigt werden, daß sie für ewige Zcite« das Wiebcrerscheinen vergißt. Wir wollen nicht zurück, sondern vorwärts zur Freiheit. Darum sehnen wir den Tag herbei, der unS der peinlichen Pflicht entbindet, Maßnahmen des Zwanges anzuwenden, die uns in tiefster Seele zuwider sind und zu denen wir uns nach schwersten inneren Kämpfen erst entschieden haben, als wir er- kannten, daß uns gac nichts anderes übrig bleibt, wenn wir unser Werk nicht in einer Flut des Wahnsinn? untergeben lassen, das Leben von Hunderttausenden preisgeben wollten. Ich. sage mit voller U Überzeugung: Nieder mit dem Belage rungszustand! In dem Augenblick, in dem Spartakus darauf verzichtet, feine Gewaltherrschaft auf dem Velageruitgszustand zu begründen, wird dieser von der anderen Seite erledigt sein. Dann werden wir eirdlich den inneren Krieg durch einen ehrlichen Frieden beenden können, in dem alle Teile ihre gegenseitigen Freiheit S- rechte anerkennen und alle Teile sich freiwillig dem Willen des Volkes unterordnen? Diesen Frieden herbeizuführen, muß das Ziel aller ehrlichen Arbeiterfreuudc sein, in welchem Lager immer sie sich befmden, und iedec muß bereit sein, für dieses Ziel, wenn eS sein muß, seine Person zum Opfer zu b r i n'g e n. Ich spreche kür meine Person diese Bereitwilligkeit aus, aber nie würde ich dafür zu haben sein, daß der demokratische Kern unseres sozialistischen Programms in feiger F a s,- nenflucht verloren wird, daß Kompromisse über Grunds ätze geschlossen werden, über die Konlvromiffe unmöglich sind. Ich lverde als Parteigenosse stets weiter für unsec altes Programm kämpfen. Liegen auf diese Weise die Ding« für unS völlig klar ans politischem Gebiet, so häufen sich die Probleme um so verwirrender auf wirtschaftlichem Gebiet und daS ist wahrhaftig kein Wunder. denn die Demokratie ist eine altbekannte Staatsform, wenn sie auch nirgends in der Welt so klar durchgeführt und konsequent ausgeprägt ist, wie in unserer jungen deutschen Republik. Der Sozia- lismuS dagegen ist vollkommen Neuland. Dazu kommt noch vieles andere. Zunächst: Die Staatsform ist eine so vollständig innere Angelegnheit eines Staates, daß s e I b st ein y e s ch l a. genes Volk sie frei wählen kann, während die WirtschafiSord- nung etwas mit dem ganzen WoltwirtschaftSgctricbe Z n s a m- menhängendes ist. Ter tiefste Sinn der unS vorgelegten F r i e S e n S b e d i n g u n g e n ist nun der, daß der siegreiche KapitaliSnn!? Deutschland seine Wirtschafts- farmen aufzwingen will. DaS ganze deutsche Volk soll zu einem Lohnarbeitervolk gemacht werden, das dem fremden Kapitaldienst für Hunger- löhne bis zur Erschöpfung arbeiten muß. Der Kampf geht jetzt nicht mehr gegen den deutschen„KaiseriSuiuS", sondern gegen den deutschen Sozialismus. Dieser ist für den West- lichen Kapitalismus ein umso schlimmerer Feind, als er von ihm fürchten muß, er würde nicht so dilettantisch- draufgängerisch wirtschaften, wie der russische Bol- s ch e w s m u s, der als abschreckendes Beispiel dient, sondern es könnten seine methodische Arbeit und seine praktischen Erfolge bahnbrechend werden. Da also ist der äußere Gegensatz und die äußere Schwierigkeit. Dazu kommt als innere Schwierigkeit die Talsache, daß eS wohl in zahlreichen großen Gemeinden, aber nur in wenigen kleinen Einzelstaaten und nicht im Reichsparlament eine sozialistische Mehrheit gibt. Alles, was durch die Reichs- gewalt an sozialistischen Maßnahmen geschaffen werden soll, muß mindestens die Zustimmung eines Teils der bürgerlichen Parteien finden, und Sie können sich denken, daß da diel Wasser in den Wein gegossen werden muß. Dazu kommt aber schließlich die Schwierigkeit, die in der Sache selbst liegt, das Unerhörte, das Nene, das in ihr liegt. Alle Wirtschafisordnungen, die es bisher gegeben hat, sind d e n Mcnscben unbewußt gewachsen, und.zirxrr in der Weiw, daß sie sich gegenseitig durefc dran gen und gegenseitig verdrängten. bis im Lause der Entwicklung schließlich aus cnvaZ Altem auch etwas Nene? geworden war.'Die Geschichte der Volks- Wirtschaft vermag kein Datum anzugeben, an dem die Natural- Wirtschaft durch die Geldwirtschaft verdlängt wurde. Neste der Na- turalwirtschaft haben sich bis ins lieutige Zeitalter hinein gerettet oder sind während de. Krieges wieder lebendig geworden. Kein■ standesamtliche Urkunde verzeichnet die Geburt? stunde des Kapitalismus, und ich glaube, keine auch wird seine Sterbe st unde verzeichnen. Denn die aufeiu- andersolgenden Wictschaftsordnungen folgen auseinander n' ch t in genauer zeitlicher Begrenzung, sondern sie über- ien wir später einmol c-uch de« Dank rrnd dke Anerkev» nuny vieler ernle«. die UN- heute noch als Verräter am Sozia. lismus verfluchest Ich fasse zusammen: Die sozialdemokratische Partei muß die Demokratie festhalten und nach allen Seiten verteidixien. Sie muß die praktische Jntercslciwcrtrctung ulier kör- Perlich und aeistig Arbeitenden sein. Sie muß als eine solche �nter- essenvertretunp eine sozialistische Partei sein, die den Sozialismus nicht gewaltsam von außen in die Wirtschaftsordnung hineinpressen will, sondern ihn von innen heraus mit me- thodischer Empirie entwickelt: nicht aus prinzipieller Rechthaberei, sondern aus Liebe zum arbeitenden Volk und zu seinem prakti» schen Ruhen. Denn der Sozialismus ist nicht Aweck an sich, sondern er soll ein Mittel sein, der leidenden Menschheit zu�helfen. In diesem- Sinne müssen wir die Massen aufklären und im übrigen die Aeit arbeiten lassen. Sie arbeitet für unS. Aber alle diese Aufgaben unserer inneren Politik kZnnen wir mir erfüllen, wenn in der äußeren die Vorausiehunch'n dafür gegeben find. Die ganze Welt, nicht nur das deutsche Volk, schreit beute nach einem dauernden Rechtsfrieden. Die ganze Welt ist steh darüber einig, daß er im Brschlnss des Piererrotes nicht zu finden ist. Sie werden begreifen, daß ti mir nicht leicht ist, i« diesem Augenblick, in dem die nllerschwerste Weltcntscheiderng über nnscrn Häuptern schwebt, über diesen Gegenstand im reden. Aber so viel kann und muß ich sagen: Nicht» ans der Wclt wirb uns als sozlalbemokra- tische Partei daran hindern können, weiter für rine grrechte Orb» nung der intcrnationalrn Angelegenheiten zn arbeiten, so lange, bis sie grwennen ist. ES ist ein Irrtum, wenn man auf der andern Seit« glaubt, notwerchige Entwicklungen durch ein paar Feder» striche zur Erstarrung bringen z« können. So gewiß wie«in Stein zur Erde fällt durch die Macbt seiner Schwerkraft so gewiß muß ssch da? L-ebenSrccht des arbeitenden deutschen Vo'leS durck»- seken durch die Macht de? SelbstcrhaltunostriebcZ. Ueber alle Wirren der Gegenwart sebe ich zuversichtlich in die Fulunit. N nser Volk wird nicht untergeben, eZ wird� indem eS für seine Seibsterbaltung sorgt, andere Völker nickst ärmer und schwächer, sondern stärker und reicher machen. EZ wird nicht als Lohnsklane ftemder Kapitalisten, sondern als gleiche? unter gleichen der Welt dienen durch sein« Arbeit. Da? ist eS. waZ wir wollen nnd was zu erreichen uns keine Macht der Welt hindern kann. Wir haben Verhandlungen in Versailles gesucht. Mann gegen Mann und vor der Oesfentlichkcit des VölkerarropaaS, nicht nm zu handeln, zu feilschen, sondern um Verständigung und Ver» söhnnng zu suchen. Wir waren und sind bereit, dafür iedeS Opfer au? unserer Volkskraft herauszuholen, das wir bringen können, ohne sie selbst don Trund aus zu zerstören. Man hat geglaubt, uns mit Machtgebot entgegentreten zu können. Genau wie es unser« inneren Gegner, die deutschen Gen? ralSvolitiker Rußland gegenüber tun zu Rinnen glaubten, bis sie erfuhren, daß Macht etwas Vergängliches ist. Macht»ergeht, Recht bestehtk Da» muß unser Grundsah sein. In diesem Sinn« möchte ich folgendes sagen: Wir haben unser Friedensangebot gemacht, nicht, weil wir uns al? Schlvache vor dem Starken ducken müssen, ion- denn weil wir uns zu der Erkenntnis durkbaernngen batten, dost nicht all« Forderunge» der Gegner nn.berechtigt sind. Ich stehe nicht an, hier zn erklären, hätten die Gegner keinen Soldaten mebr auf den Beinen nnd keine Kugel in ibr>nn Lmif mebr stecken, dann hieße eS für uns erst recht da? zerstörte Frankreich und Belgien wieder aufzubauen, nrd die Freiheit, die wir unseren nationalfremden Grenzbevölkerungen zuaestanden haben, sich ihr Vaterland selbst zu wählen, könnten wir ihnen sie je wieder nehmen? Wir ruten denen drüben zu: Wir sind bereit, mit euch einen hriNge« Vertrag z« fchkirsten, einen Vertrag, der»mS nicht Gewait aufzwingt, sondern in dem uns unser freier Wille führt. Dieser Vertrag soll euch alle Rechte geben, die ihr vor dem Gewissen der Welt für euch beanspruchen könnt. Er soll euch jede Sicherheit eines dauernden Friedens bieten, er soll als der erste ausrichtige Friedensvertrag der Geschichte den letzte» Krieg der Welt be. schließen. Eure Waffengewalt kann nicht mehr Recht schaffen, sie kann nur noch Anrecht tun. Selber waffenlos und machtlos auf nichts,«IS unser Recht gestützt, stebca wir vor euch und rufen euch zn: Die Waffen nieder! Sei« VSlkerkricg, kein Bürgerkrieg. Gloiche» Recht de» Völkern. Gleiches Recht den Volksgenossen. Zurück zur friedlichen Arbeit, zur Arbeitsfreude, zum planmähigen Aufbau. ES war ein Krieg oller gegen alle, aber jetzt heißt es, nicht alle gegen» einander, sondern alle miteinander, alle für. einander. Eo wird der Friede des Sozialismus. Wirb au» dem EhaoS die neue Welt. Dieses ungeheure Ringen kann nicht damit enden, daß ein Militarismus den anderen in den Racken tritt, baß ein KepitalrSmnS dem anderen die Peitsche auS der Hand reißt,»m sie selber zu schwingen, sondern nur damit, daß alle als falsch erkannte Prinzivien durch rich- t i g e ersetzt werden, daß die Politik der Arbeiterklasse die Oberhand gewinnt über dir Politik der bisher herrfchendru Klassen, daß alte Machtverhältnisse umgestürzt wer- den und neue Rechtsverhältnisse an ihre Stelle treten. DaS kst der Krieg, den wir deutschcn Sozialdemokratin auch im Frieden friedlichen Mitteln fortzusetzrn gedenken. Tie Niederlage, mit der dieser Krieg endet, kann endgültig sein nur für die alten Gewalien, die kein Gott wieder vom Leben erweckt. Sie kann nicht endgültig sein für die Geschicke eines Volkes, dessen Kräfte zur Erneucrvng unzeriiörbar sind. In diesem Sinne heißt eS für unS: Wir find geschlagen, jawohl... nun aber: auf und uvr- wnrtS, vorwärts zum Sieg. fStürmischer Beifall und Händeklatschen.)_ Die Unabhängigen im Eöen-ffotel. Das Liebeswerbcn um die freiwillige«. Wie die„V. Z." erfährt, haben die Verhandlungen zwischen den Unabhängigen und den Freiwilligen Truppen noch einen weit größeren Umfang gehabt, als aus den gestrigen Mitteilungen Noskes hervorgeht. Ihr Liebcswerben hat sich nicht nur auf die Garde-Kavallerie-Schfitzen-Division beschränkt, sondern auf die gesamte Reichswehr erstreckt. Die Beauf- tragten der Unabhängigen haben den Führern der Frerwittigen- Truppen erklärt, st« seien überzeugt, daß die Regierung Scheide- mann sich nicht mehr lange halten könne und daß sie. die llncrb- hängigen, an Stelle der Mehrheitssozialisten di« Regierung über- nehmen würden. Eine Regierung der Unabhängigen aber müßte grnau so wie jede andere sich auf militärische Macht stützen. Dafür würden die Unabhäng'gen die Organisation und die Rechte der Frei» willigcntruppe» unangetastet lassen. Folgende Frage wurde von den Unabhängigen formuliert: „Sind die Freiwillig«! Truppen bereit, in dem Falle, daß die Unabhängigen die gegenwärtige Regierung stürzen, und selbst zur Macht gelangen, sich neutral zu verhalten, unv dann sich einer neuen, au? Nnabhängigeu gebildeten Regierung zu« Verfügung zu stellen?" Die heute morgen erschienen«„Freiheit" äußert sich zu den Enthüllungen NoskeS mit keinem Wort. Sie ist im ersten Schrecken völlig verstummt. Mit der Zeit wird ihr schon etwa» einsallen! vor öe? Ueberreichung üer Antwort. Nach den Informationen der heutigen Pariser Morgenblätter soll die Ueberreichung der Ententeantwort auf die deutschen Degen- Vorschläge am Freitag, spätestens Sonnabendvermittag erfolgen. Nach den letzten Nachrichten über den Stand der Beratungen des Viemrotez und der Dpezialkommifsionen der Verbündeten mußte damit gerechnet werde», daß die Ueberreichung womöglich erst am Montag vor sich geben«verde. Die Mitteilungen drr Ententepresse lassen in den ontscheiden- den Fragen kein großes Entgegenkommen erwarten. In der E n t- schädigungsfrage scheint die französische über die a m e r i» k a n i s ch e Auffassung h« eine feste Entschädigung erstrebte. gesiegt zu haben. Es ist aber ganz undenkbar, daß sich der Wieder- aufbau des deutschen Wirtschaftslebens ermöglichen läßt, wenn es nicht auf einer festen Grundlage ruht und wenn ettva, wie es Frank- reich zu wollen scheint, die Entschädigungen in den kommenden Jahren noch gesteigert werden sollen, wenn das doatfche W irische itS- leben dies»ach der Litffassung der Euteatekammisstou zukasseu würde. Gegenüber den gegsniviligen Behauptungen der franzbsifchew Presse, insbesondere deS„Echo de-Paris", ist nach unseren Informationen festzustellen, daß die deutsche Rrichsrcgierung noch in keiner Weise Beschlüsse darüber gefaßt hat, waS gegenüber den gegnerische« Friedcnsbedingungeu zu geschehen habe. Das Kabinett wird erst dann Stellung nehmen, wenn die Antwort der Entente wirklich vorliegt. Zu diesem Zivecke ist das Kabinett in Weinar versammelt. Der Standpunkt des Kabinetts ist unverändert der. daß die Bedingungen in der vorliegende» Form unannehmbar sind und daß sie nur annehmbar gemacht werifen können durch wesentlich« Aenderungen, vor allem andern Geiste der feindlichen Vorschläge. 5z�en sich teilweise gegenseitig. Kann es dieZmas anfcerS fein? Schon vor dem Kriege hatten wir über diese Frage leb- haste Nuteinandersetzungen. Eine Richtung glaubte, das Proletariat würde nach Erringuna der politischen Macht das Ganze der kaptaltstischen Wirtschaflsordniing nach dem neuen regulativen Prin- zip des Sozialismus umordnen können, gleichsam wie man m i t einem Ruck im Schaltwerk die ganze Gangart eines Mechanismus umstellt Tie andere war dcrgegen der Üeberzeugung. daß der Weg zur vollen Verwirklichung des Sozialismus nur durch organische Entwicklung und empirisches Borwärtsschrciten gefunden werden könne. Ich weise in diesem Zusammenhange auf die von mir schon in Würzburg erwähnte Renners che Theorie von der Verstaatlichuna der Wirtschaften oder auch auf das Buch des Genossen Edmund Fischer:„Das sozialistische Werden" hin, in de« gezeigt wird, wie sich auf dem Boden deS Kapitalismus die sozialistische Zukunft in hundertfältiger Form zu ent- wickeln begiirnt, in Arbeitcrschutz und Sozialversicherung, in Berftaatlichupg und Kommunalisierung, im Aufblühen des Ge- yossenschaftswesens�usw. An diese scheinbaren Zufälligkeiten, über denen doch ein? große gemeinsame Notwendig- kei t waltet, sollen wir nach Fischers und anderer Meinung unter der bewußten Führung der sozialistischen Wissenschaft ein harmonisches Ganzes gestalten, das die Vollendung des Sozialismus darstellt. Ich meine nun, selbst eine rein sozialistisch« Regierung, wie wir sie im Reiche noch nicht besitzen, muß durch die schwere Verantwortung, die sie trägt,»uf den Wcz eine» ruhizen, empirischen VorwärtS- fchreitenS gedrängt werden, und sie wirb immer trübe Erfahrungen machen, wenn sie glaubt, die wirtschaftlichen Dinge durch eigen- sinnige Gewalt»neistern zu können. Sie wird nie mit zu großen Rfsiken experimentieren dürfen: denn ein Fehl- 'chlazen würde sie um das Vertrauen der Massen bringen und ihr damit die Grundlage eine» weiteren WirckcnS entziehen. Ich habe in diesem Sinn- in Würzburg gesagt in Vorahnung der ungeheuren Schwierigekiten, die ich kommen sah, und die nun eingetreten sind: Wir müßten in-Zukunft jede Maßnahme darauf ansehen, nicht nur, nb sie sozialistisch, sondern auch darauf, ob sie praktisch ist, und wir möchten unö nur für solche Maßnahmen entscheiden, von denen wir mit ruhiger Zuversicht eine Förderung des Volkes, dcö arbeitenden Volke? erwarten dürfen. Für eine solche Politik Hecken meine Gegner von links das Wort.SchcinfozialiSmuS' geprägt. Nun, Parteigenossen, die Zukunft wird erweisen müssen, wo wirklich drr ScheinsezieliSinnS zu finden ist. Vielleicht ist er dort, wo eS nur prinzipielle Dchaugcr ichte gibt, die mit keinem wirtschaftlichen Vorteile für die Arbeiterklasse, sondern sogar noch mit Sch ädigungen verbunden sind, und wahrscheinlich wird sich der Sozialismus al» der richtige erweisen, der den Mass:» zreisbaren Nutze» bietet, wenn er ihnen anch nicht alle» auf einmal gibt, w»S mit dem Mund sehr leicht geht, mit den Händen mber sehr schwer. Jetzt ist noch alle» Gärung und Verwirrung. Hunderitausende, die v«c kurzem»om Sozialismus»och gar nicksiS wußten, find erst in die A-V-C-E«hule des primitivste« NtopiSmn» eingetreten. Sie haben den Sozialismus wie einen neuen Glauben gewonnen— Not lebrt beten— und hängen an ihm mit reli. giöser Leidensch ast. Da» ist eine Entwicklung, die wir be- grüßen dürfen für die Zukunft. Aber der alte Stamm der Ar- bsiterklaffe darf sich die Führung nicht entwinden lassen von Ele- menten, die vom neuen Lichte noch geblendet sind und im unklaren Drange ihre Bahn vorwärtsstürmen. Daß unter diesen Elementen auch viele recht unsympathische Erscheinungen sind, die uns Alten in heftiger Weise beschimpfen und verdächtigen, iei nebenbei bemerkt. ES hat sich da geradezu ein besonderer Typus bemerkbar gemacht, den K a u t s k y im„Sozialist" in vortrcsf- Acher Weise gekennzeichnet bat. Er schreibt u.«. gegen den Mit« arbeitsr DäumigZ namens Wille:„Man könnte Wille ruhig laufen kirssen. wenn er eine vereinzelte Erscheinung darstellte. Aber e r i st ein ThpuS. und zwar einer, der jetzt groß gezogen wird. Ehe- dem waren Marx und Engels stolz auf den theoretischen Sinn d«S deutschen Proletariats, auf seinen Durst nach Wissen, auf den Re- spekt vor wirtschaftlicher Einsicht. Heute dagegen wird den Massen die Selbstsichcrheit der Unwissenheit gepredigt, die Ueberlegenheit ihrer dunklen Instinkte über klare wissenschaftliche Erkenntnis, nnd gerade die Richtung, die Dänmig vertritt, ist am meisten in diesem Swne tätig." Würden wir uns von diesen �„Allesbesserwissern" einfach überrennen lassen, so wäre alle geistige Vorarbeit eine? halben Jahrhundert» für nicht» gewesen und dch Bewegung würde mit ihrem idealen Schwung« in einem entsetzlich?« EHaoS und in grauenhaftester Enttäuschung enden. Wenn wir die sozia- listische Bewegung vor einem selchen Schicksal bewahren, so wer- Die Möröer fitzen in See Gperl Von Walter.Hasenclever. Da? von Hasenclever bicr In Berlin und In anderen Städten mit großer Wirkung vorgetragene starke Gedicht gegen den Krieg, das m? em stand und dem Kedöchtnt« Karl Liebknecht» m» widmet ist. wird jetzt in der Ze tichrist.Da« jung» Dcutichlnnd" (S. zisch er Vertag) veröffentlicht, der wir e« entuehm«. Der Zug entgleist. Zwanzig Kinder krepieren. Die Fliegerbomben töten Menschen nnd Tier. Darüber ist kein Wort zu verlieren. Die Mörder sitzen im Rosenkavalier. Soldaten verachtet durch die Straßen zieh«. Generale prangen im Ordensstern. Deserteure, di« vor dem Angriff fliehen. Erschießt man im Namen deS�obcrsten Herrn. Auf. Dirigent, von deinem Orchesterstuhlel Du hast Mensch«, getötet. Wie war dir zu Mut? Waren e» melk Die Mörder machen Schule. x Was dachtest du beim«rsten spritzenden Blut? Der Mensch ist billig, und da« Brot wird teuer. Die Offiziere schreiten auf und ab. Zwei große Stadt« sind verkohlt im Feuer. Ich werde langsam wach im Massengrab. Ein gelber Leutnant brüllt au meiner Seite: „Sei still, du Schwein!" Ich gehe stramm vorbei, Im Schein der ungeheuren Todes! weite �.- Vor Kälte grau in alter Leichen Brei.'-"M' DaS Feld der Ehre hat mich auSgespism? Ich trete in die KönigSloge ein. Schreiend« Schwärme nackter Vögel ziehen Durch goldene Tore in« Foyer hinein. Sie halten blutige Därme in den Knallen. Entriffen einem armen Grenadier. Zweitausend sind in dieser Nacht gefallcul Die Mörder sitzen im Nösenkavalier. Perlauste Krüppel sehen an» den Fenstern. Der Mob schreit:„Sieg!" Die Betten stnd verwaist. Stabsärzte halten Musterung bei Gespenstern; Der dicke König ist zur Front gereist. „Hier, Majestät, fand statt da? große Ringen!� ES naht der Fcldmarschall mit Eichenlaub. Die Tafel klirrt. Champagnergläser klingen. I_ Mn silbernes Tablett ist Kirchenraub. Noch strafen kdriegSg«richte das Verbrechen sind hängen den Gerechten in der Welt. Geh hin, mein Freund, du kannst dich an mir rächen? Ich bin der Feind. Wer mich verrät, kriegt(&Ä Der Nnteroffizier mit Herrscherfratze Steigt aus geschundenem Fleisch in» Morgenrot. Noch immer ruft Karl Liebknecht auf dem Platze: „Nieder der Krieg!" Sie hungern ihn zu Toi». Wir alle hungern hinter Zuchthaussteinen. Indes die Oper tönt im Kriegsgewinn. Mißhandelte Gefangene stebn und weinen Am Gittertor der ewigen Knechtschaft hin. Die Länder sind verteilt. Die Knochen bleichen. Der Geist spinnt Haus und leistet Zwangsarbeit. Ein Denkmal steht im Meilenfeld der Leiche» Und macht Reklame für die Ewigkeit. Man rührt die Trommel. Sie zerspringt im Klange. Brot wird Zusatz und Blut wird Bier. Mein Vaterland, mir ist nicht banget Die Mörder sitzen im Rofeiikavalier. MoSeme Plastik. Eine interessante Ausstellung findet gegenwsirtkg im Sturm Potsdamer Str. 134.-0 statt. Interessant ,ft nur, weil sie weiteren Kreisen die Be bin« tschaft mit einem jungen, bisher wenig beachte» ten, aber sehr beachtenswerten Plastiker vermittelt, sondern auch, weil im Schaffen dieses Plastikers sich die entscheidenden Entwick» lnngstendenzen der fortgeschritreuen deutschen Kunst m lehrreicher Klarbeit spiegeln. Mit naturalistischen Bildwerken begann Oswald Herzog: ein �KinderbildniS", die lcbenazroße Etatue„Der Mann", ein« Gruppe„Rinoer" zeigen sein Müb-n, plastische Ratureindriicke zu rhythmischen Mtrssen zu gestalten. Wir sehen dann, wie der 5bünst- ler diesen Massen einen immer strengeren Etil gibt, bis e» ihm in der Shrtuette„Ekstase" gelinot den Naturformen da» Aeußerste an geistiger Ausdrucksmöglichkeit abzuaewinnen. Jetzt folgt di* erste entscheidende Wendung: in einer kleinen Gruppe„Der»Kampf" wird da? gleiche Motiv wie im„Ringer" behandelt, aber die Natur- formen sind bier nicht mebr bloß„stilisiert", sondern im Dienste deS inneren Rhytbmus teils zerstört, teils fretschöpferisch nmge- wandelt. Nicht mehr die äußere physische, anatomisch? Korrektheit ist daS Herrschende, sondern daS Gesetz de? Kunstwerks. daS als ein eigen gewachsener Organismus aus rhythmisch gebauten und rhyth- misch bewegten Massen erscheint. Die schönen Arbeiten„Andnntc" und„Liebe" zeigen diese Entwicklungkpbase auf ihrem Höhepunkt. Von hier aus ist nur noch ein kleiner Schritt zur Befreiung von allem Geaenständlichen. zur absoluten Herrschast der reinen Form. In den Werken der letzten zwei Jahre hat Herzog diese Kost«- yuenz gezogen. In Piastischen Gebilden, die dem ersten Blick wie regellos Zusammenballungen stereometrischer Körper erscheinen. werden innere Bewegungsvorgänge zum Ausdruck gebracht. WaS feit KandieskyS bahnbrechenden Versuchen eine ständig wachsende Gruppe moderner Maler mit größerem oder geringerem Erfolg anstrebt. wird bier zum ersten Mike für die Plastik unternonnnet,. Nicht alle Versuch« sind gelungen. Wenn Herzog z. B- in„Crescendo II." da» Gefühl des Ausstrahlenden, Ausklingenden in spitz zulaufenden Pyramidenformen gestaltet, lo bleibt die gewollte Wir- kuna auS. Ter dasselbe Thema behandelnde Holzschnitt zeigt, wie die Künstler auf dieses AuSdruckSmittel verfallen ist. Aber was dem leichten graphischen Linienfluß gelingt, versagt sich der kom- Pakten plastischen Form. Aekmliche Einwände wäre« gegen die „Synpbonie" und gegen da«„Scherzo" zu erheben. Auch hier ver- mag die Gestziktung der Masse das Gefühl deS materiell allzuschtver Lastenden nicht zu überwinden. In„Adagio"., in„Ich", in„Inniges Füh'en" dagegen gelangt«in reicher und tiefer Gefühlsinhalt zu reftlofer plastischer Gestaltung. Dr. John Schikowöki. Notizen. — Di« Noske- Garde. Unter die'em Titel erschesirt setzt im Verlage der Buchhandlung Vorwärts eine von Ernst Heil- mann verfaßte Broschüre, auf die wir im Anschluß an die Aufsehen erregende Rede NoZkcS auf dem Weimarer Parteitage hin- weifen. Die energisch geschriebene Broschüre prüft im Anschluß an die Ereignisse der Butschmonat« die Haltung, die in der Arbeiter» lkasse den Freitvilligentruppen gegenüber eingenommen wird. Sie kommt zu dem Sck'l'.-ß:„Gerade, weil wir Antimiftiaristen und Demokraten sind, halten wir an der Noske-Garde fest." — D i e Umgestaltung des Potsdamer Platzes. Der Vorstand de? AnbitektenvereinS zu Berlin hat an die Ersen- bahndirekt ion in Berlin daS Ersuchen gerichtet, den vor dem Krieg ausgeschriebenen Wettbewerb für die Ausgestaktung de» Platze? vor dem PoiSdamer Bahnhof, der im August 1314 fällig war. wegen deS Krieges aber eingestellt werden muhte, nunmehr zu Ende zu führen. Die Eisenbahn-Direküon antwortete, sie bebe bereits beim Minister beantragt, die Arbeiten zur Ausgestaltung des PtatzeS durch Festsetzung einer neuen Frist für den auSge- schrieben«« Wettbewerb wieder aufzunehmen. — Vorträge. Im Anscbluß an den vom IS. bi» ZS- Juni im Gchubertsaal zu Berlin tagenden Aktivi ftenkongreß fp?e«b?n am öffentlichen BvrtragKabcnb am IS. Juni. 7% Uhr: Rudolf Leonhard(„DaS Problem der Gewalt und di« bürgerliche Friedensbetvegung"); Du Helene Stöcker k.-Jnnerer Paxi-fis.' mus"); Dr. Kurt Hiller(„Abschaffung der Wehr-pfliick't"); Paul Zech(„Reichswehr oder rote Armee"); Dr. Armin T. Wegner. Berta LoÄ. Karten an der Abendkasse. — Das Schlagwort. Im SimpliziffimuS ist zu lesen: Beerdiaung. Der Pfarrer rühmt die Frömmigkeit deS Verbliche- nen. Dieser habe zwar seine Schwächen gehabt und gesündigt kein Mensch ist ohne Fehl aber man dürfe sicher sein, daß et dank seiner GlaubenZtreue zum Himmelreich eingelassen werde. Tiefe Stimme au» des» Hintergründe: �Schiebung!" • i i 1 9!«**, Mfe* CeracfonaRfl heut fortgesetzt wird, izntwsk.Ä auf der Verteidiger: Am Abend dss 9. November B»ei« ßch Liebknecht bereit erklärt, m die Regierung eiugu- tortÄn. Im beende« Morgen nahm er nach einer Besprechung mit fr.nm Yonregcneffe« sein« Zusage zurück. Ledebour ist damals pz« ferren KrakiionZgenoffsn aufgefordert worden, in die Re» g i e�r u n a c i n z u t r e t em, er Hai aber abgelehnt.— Für US irittder Unabhängigen ausser Regierung Eni? Dexemöer war auch der Umstand bestimmend, daß die dre, KechtSsozrakisten dem Kriegsminister den Austrag gaben, am 24. De- »ember mit Waffengewalt gegen die Matrosen im Marswll vorzugeben. Ter Zeuge bespricht die in dieser Angelegen» Seit rnn jentrn'ral geiroffene Entscheidung und die Haltung der �«chhangiaen zu derselben, sowie der Fragen, welche die Unab- hSngexrn kstnstchstlch der Kommandosewa« und der Sozialifierung an den Zentralrat stellten. Ku d«, Ianuarun ruhen sagt d»r unter anderem, die Arbeiter waren unzufrieden mit d.r der Regierung, sie hatten schon im Dezencher den Rück- tritt i«r Uscfhnitjtflcn aus der Regierung verlangt. Die Ab- sie y un ß T i ch h e r n- steigerte die Erbitterung der Arveiter und gab:m»:stt«!b«ircn Anstoß zu den Unruhen. An dem Vorgehen die Rixierung beteiligten sich die revolutionären L i l en t e, die Kommunisten und die Berliner Un- abhängigen, während deren Zentralleitung sich nicht an der J&vwx-.mz betmsigte. Nachdem die Unruhen ausgebrochen waren, verinchie die Zcntrallcitung der UnabhängiAen. um JFhrtwrgrtfc« zu vermeiden, Verhandlungen einzuleiten. !K?»»tfSech. Kautest, und ich wurden dazu bestimmt. Wir wandten uns an den Borstdenden d»s Zentralrats, Cohen-Reuß. der sich an d'ie Negternng wandte, worauf die Verhandlungen in Gang kamen. Die RegierungSmitglisder zeichen sich zuerst zu einer Verständigung verert, aber sv«sr änderte sich ihre Halhmg. Wir stellten Forde- rnna?» zum Abschluß eine? Waffenstillstandes, die von den Regierungsmitgliedern als u nannehm. bar erklärt wurden. Wir konnten nur da§ Zugeständnis erlangen, daß die Regierung ihren Truppen empfehlen würde, von der Waffe keinen Gebrauch zu machen. TaS war am Montag. Am Dienstag wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Die Regierung verlangte akS Vorbedingung für den Eintritt in Verhandlungen die Freigabe der besetzten Zeitungsbetriebe. Das lehn- to» die Brrtretar der Revolutionäre ab, sie erklärten, zuerst habe die Rechorung bedingungslos in Verhandlungen eintreten wollen. Die bste�!on Siebmii-e feien Machtpositionen, die nicht bedingungslos «rnsgegeben werden könnten. Ein von KautSky gemachter Ver- nisttlungsvorsthlag fand keine Annahme. Bei den am Mittwoch sortgesttzien Verhandlungen erklärten sich die Revolutionäre bcrest, die bürgerlichen Zeitungen sofort, vor Eintritt in die sachlichen Ver- Handlungen, freizugeben, aber de»„Vorwärts" als Faustpfand in der Hand zu ieha'ien. Di« Revalutianäre vertraten den Sbandpunkt.»er..Vorwärts' sei den Berliner Arbeitern g i r a u b t, er sei ihr Eigentum und werde deshalb nicht be- di«gun?SloS herausgegeben. Wenn die Reche runn aus diese De- dingung«« eingegangsn wäre, dann würden die bürgerlichen Zei» tun» SN am Mittwoch und der„vorwärts" ein oder zwei Tage schL'ec unversehrt zurückbegeben worden sein. Darüber bestrht Zern Zweifel. Aber dar Zentralrat und die Regierung erklärten. auch der..Vorwärts" müsse unter allen Umständen vor Eintritt tn dt« sachlichen Verhandlungen gc-.Sumt werden. Wir Vermittler .'ueläen es Pernach tür unmöglich, zu � sachlichen Verhandlungen zu kommen, wir erklärte« UNS aber bereit, die Vcrmittlirng wieder austtunehmen, sobsfd es von irgend einer Seite gewünscht würde. Spät»? erfuhr ich, daß Ledebour in den Reihen der Revolutio- näre ebenfalls für die Belegung deS KonfliZt» gewirZt hat. sich weiß, bah Sedsbvur für d!« Freigab« der Zeitungen gewirkt hat. daß die Besetzung nichr im Plane des RevolutionsauSschusseS gelegen hat und ddß Ledebour und die Vermittler der Revolustu- näre ursprünglich gegen die Besetzung waren. Auf Fragen des ÄngelllaHteu uns der Verteidiger antwortet der Zeuge: Öls wir uns am Montag an die Rsgierunawandten, zeigte sie sich zu Verhandlungen bereit, einige ihrer Mitglieder schienen sehr refreut. daß wir kamen, um Verhandlungen anzu- knüpfen. Nachts um 12 llhr. als die Vorverhandlungen fortgesetzt werden sollten, war die Neigung nicht mehr vorhanden. Ich hatte den Etndruck, daß dafür der Einfluß Noskcs bestimmend war. der Truppe« nach Berlin herangiehen wollte, um die Bewegung mit EtewaV niederzuschlagen. Ob Fischer dabei feine Hand im Spiele hatte, fft mir nicht bekannt. Angekl. Ledebour verweist auf die Angaben des Zeugen Fischer, der von einer Besprechung mit den Soldaten gesprochen habe. Jedenfalls habe er sich nur mit Offizieren besprochen. Als Ergebnis dieser Besprechung feien Forderungen an die Regierung aufgestellt worden, darunter auch die, daß die besetzten Gebäude bedingungslos geräumt werden. Anscheinend sei der Umschwung in der Regierung auf diesen Umstand zurückzuführen. Fischer habe die Regierung jedenfalls vor die Alternative gestellt, ent- weder bedingungslose Räumung, oder die Offi« ziere machen nicht mit.— Der Zeuge Dittmann kann hierüber nichts««geben. Er antwortet aber auf weitere Fragen, di- Regierung sei"zum gewaltsamen Kampf gegen die Revolutio- näre wohl auch dadurch veranlaßt worden, daß Redakteur K u t t n« r und Baumeister der Regierung einen Frei. w i l l i g c n s ch u tz zur Verfügung stellten.— Am ö. Januar habe Cohen als Dorlitzender des Zentralrats dem KriegSmini» sterium die Weisung gegeben, sich den Revolutio- nären zu ergeben, weil ein Widerstand- auSfichtSlvS sei. Cohen sei der Meinung gewesen, das Kriegsministerium werde von den Revolutionären beschossen und könne sich diesem Angriff gegenüber nicht halten. Weiter gibt der Zeug« auf Befragen an, zur Zeit, als er noch dem Rat der Volk? beauftragten angehörte, war die übereinstim- mende Meinung, auch der Volksbeauftragien Ebert, Scheide- mann und Landsberg. die gewesen,«s fei undenkbar, gegen Revolutionäre vorzugehe» auf Grund der alten Strafgesetze und vor den alten ge- rtcktlichen Instanzen. Mit Rücksicht auf diese wiederholt ausae- sprochene Meinung hielt ich die Verhaftung Ledebours und die An- klage gegen ihn für eine politische Felonie. Sta-itsanwalt Zumöroich fragt den Zeugen, ob daZ nicht so gemeint geniesen sei. daß nur wegen Landesverrats kein« Anklage gegen Revolutionäre erboben wird, daß dabei aber nicht an Verstöße gegen andere ftrafgesetzlichc Bestimmungen gedacht fei. Zeuge Dittmann ist der Ansicht, ein Unterschied zwischen Landesverrat und der Ueberschreitung anderer gesetzlicher Bestim- mungen in Ausübung revolutionärer Handlungen sei nicht gemacht worden. Man sei ganz allgemein darin einig gewesen, daß wegen revolutionärer Handlungen nicht strafrechtlich eingeschritten werden solle. Zeuge Brandenburg gehörte der VorkSmgrine-Division rnt. Er sagt über die Vorgänge am 6. Januar im Marstall, Teds- bour bade eine Ansprache gebalten, worin er vor Blutvergießen warnte und für eine friedliche Beilegung dss Konfliktes eintrat. An der Wasfenvertoilung fei Ledebour nicht beteiligt ge- Wesen. Viele von den Zivilisten, di« im Marstall waren, hälfen schon Waffen gehabt, als sie hereinkamen. Sie hatte» Auswerfe der U. S. P. und wurden darauf hineingelassen. Dss Urteil im Kommuniftenprozeß. Würztmrg, 42. Juni. In dem Prozeß gegen die Spartakisten» füllrer Sauber, Watbel und Hagemeister wurde gestern da? Urteil gefällt. Sauber erhielt l2, Waibel 18 und Hagemeister 10 Jahre Festung._ SeZe« die Deftrsftmg öeutjcher Arbeiter. Ein Protest Erzbergers. Berliu, 11. Juni. In Angelegenheit der von den fran- zöfischen Besatzungstruppen gegen Mainzer Arbeiter wegen Bekundung ihrer deutschen Ge- si n n u n g verhängten hohen Gefängnis st rasen hat Neichsminister Erzberger durch General Freiherr» v. Hammerflein in Spa in folgender Form Protest er- heben lassen: .Ich ersuche Sie, dem General Nudant sofort nachstehende Note zu übergeben: Bon der besfischen Regierung ist mir das nachstehende weitere Telegramm über das Vorgehen der französischen Militärbehörden in Mamz zugegangen: .FeanzSsiswes Kriegkherickt in Mainz hat am S. Juni 22 Eisenbahnarbeiter aus Anlaß des Demo: stralionsstmks zu Gefängnis st rasen von insgesamt 83 Jahren und 7 Mo- naien, daran-er Emzetstrafen von s Monaten bis zu 6 Jahren ver» rnteitt. Diese harte Bestrafung bat EiUsefee« t» alle» Klaffen der Bevölkerung hervwfgemsen. umiomchr, als sich der S>reik nickt gegen baS fran- zöfi�cke Militär, fondern gegen da» hochverräterische Treiben gegen das«ige»? Vaterland geriwlet hat. Wir bitten, dafür einzutreten, daß oegenSber der e n t s e y l i ch e n H ä r l e der Bestrafungen in weitherziger Wette Begnadigung geübt wird. Mit der gleichen Bitte aasen wir un» bereits unmittelbar an General Mangin in Mainz getuandi.* Die drakonischen Urteile gegen Mainzer Arbeiter wegen ele- mentarer Bekundungen ihrer vatriotischen Entrüstung gegenüber tzockvorrätern verletzen, wenn sie auch formell zu Recht erfolgt fein möge«, das ReckiSaefübl und das sittliche Emviinden des gesamten deutschen Volkes. Die Urteile find eine Folge jenes völkerrecktswidrigen und gegen, die internationale Moral verstoßende vceaeb»nS der französischen Befehlshaber in den Rhetnlanden, gegen welches die deutsche Regierung nunmehr fast täglich Protest einzu» legen gezwungen ist, und gegen welches ich abermals 1 ch ä r f si e n Protest einlege. Indem ich das dringende Er'uchen des hessische« Ge>amtm>nistemir.s zugleich namens der ReichSregierung wieder- hole, oppell et« ich aas dem gegenwärtigen Anlaß nochmals an die Gerechtigkeit und Menschlichkeit des Höchftkotitmaitdicreude» der aLtrmen Etreitkrä'te, Marschalls Foch, und richte an ihn die dringende Bitte, die verurteilten Arbeiter, die nichts anderes geran haben, als was der Marschall im gleichen Falle von seinen Landsleuten erwarte« würde, zu begnadigen und die Be- vvlkerung der Rbrinlunde vor weiteren Verhängnisvollen Folgen einer ungerechten mtd aussickt-loten Politik der örtlichen Befehls- hällsr durch entsprechende Anordnungen zu schützen. _ Sieichsministor Erzberger.' Berlin» 12. Juni. Der BertassungSausschuß der Natlonalver« vqr'um«rlung ist uus Montag, den 111. Junt. vormittags 10 Uhr, nach Weimar mnoetuten wvrdeu. Znöustrie unS hanöel. Börse. Nack den Steigerungen der letzten Tags zeigt« sich haute an der Bors« ein gewisses Entlastungebedürfnis, so daß verschiedentlich Kursabschläge zu verzeichnen waren. Immerhin blieb die Grundpimmung recht zuckiersichtlich. Höhere Kurse wurden für S�h i f fa h r t S a k k i e n. Elektro, und Farbwerke genannt. Am Montanmarkte waren im Zu- iammenhang mit der KohlcnpreiSerhöhung Harpener und Gelsen- kirchen gesteigert. Deutsch-Luxemburg wurden dagegen angeboten. Im übrigen waren die Kursvcvänderungen gering. Für heimische Anleihen zeigte sich Kauflust. KriegSanlaihe» stellten sich auf TP/, Proz. Eroß�erün Tribünenstürme. Der Berliner S-tadtverordnatenborsteher Dr. Wehl bat sein« Anficht über die in letzter Zeit ans der Stadtver- ordnetentribüne vorgekommenen Baifalls- und Wider, spruchskundgebungen einem Vertreter des.Aerliner Tage. blatis" vorgetragen. Nach dem Bericht de» Blattes hat er unter anderem gesagt: »Die unruhigen Zeiten und di« wohl zu verstehende Nervo» sität aller Kreise vringen eS mit sich, daß im Gegensatz zu früher die Tribüne lebhaften Anteil an den Verhandlungen nimmt. Bis zu einer gewissen Gvenze ist dies« Beteiligung zu begrüßen, selbst spontane Ausrufe des Beifalls oder des Miß- fallens können guthin geduldet werden, solange die notwendige Ordnung deS Ganges der Verhandlungen gewährleistet bleibt. Unter allen Umständen muß natürlich vermieden werden, daß eine Diskussion vom Saal aus zur Tribüne statt- findet. Die letzte Versammlung hat ja den Beweis erbracht, daß der Vorstand sine Apostrophierung der Trtbünenbesucher nicht duldet." Weiter bat Dr. Wehl dem«Tccgeblatt"-Bertreter die Mit- teilung gemacht: „In den einzelnen Fraktionen sind wir uns darin einta ge. worden, in Zukunft in Wort und Ton alles zu vermeiden, was die jeweiligen Zuhörer zu gröblicher Auslassung reizen könnte." Und der Schluß seiner Ausführungen mahnte „Alle» in allem ist weise Mäßigung den Stadtverordneten und den Tribünenrednern zu empfehlen, aufreizende und spitze Redewendungen sind nach Rdöglichkeit zu vermeiden, so daß«tn Ucberhandnehmen von haßliche« Zwischenfällen in Zukunft ver- mieden wird." Das gilt wohl in erster Linie einigen Stadtverordneten, die m der vorigen Sitzung mit ihren Reden den Widerspruch der Tribüne hervorriefen und zum Test durch Zurufe an die Tribünenbesucher ihr« Erregung noch steigerten. Absr vielleicht sind auch diejenigen Stadtverordneten gemeint, deren„zum Fenster hinaus" ge» halten« Reden oft genug für ihre Freund« auf der Tribüne da» Signal zu lärmenden Kundgebungen wurde». am Freitag, de« 18. Juni, aus Anlaß der Beerdigung Rosa Luxemburgs der gesamte Stroßenbahnvcrkehr Giox- Berlins von 12— t Uhr ruht._ Nehmt Rücksicht auf die Kriegsbeschädigte«! UnS wird gvschmden: Nachdem in den Epandauer Institute» di« Arbeit wieder aufgenommen worden ist, find auch die Zü�c nach dort wieder überfüllt. Bei Arbertsbepinn und-schlutz spielen sich vor und tn dm ZriegSbcsckädigten-Abieilen Szenen ab, die alles andere als schön sind. Alle? will in diesen Wagen rein. Gelingt es nicht, wird auf die Krüppel geschimpft. Meistens sind die Leute jedoch direkt rabiat, mit Gewalt dringen sie in diese» Wagen und pfropfen sich veiu. Die KriegSbesckädigten-Kontroi- leure sind dagegen machtlos und werden nicht gehört. Di« Bahn- beamten, die doch in erster Linie die Kc»t!rolle ausüben sollten, bekümmern sich absolut nicht darum. Was sind wir nun gebessert? „Ein Wagen wird uns gestellt, doch fahren imi andere drin". Wann wird uns Uurklich geholfen werden? Stillegung deS TtratzcnbahnderkehrS. Im Auftrage der Arbeiter und Angestellten der Großen Berliner Straßenbahn geben Arbeiterrat und Arbeiterausfchuß bekannt, daß An Llbwehrmastnahmen gegen Neberfälle und zur unvenzögerten Festnahme der Täter sollen in Groß- Berlin die Fernsprecher dienstbar gemacht werden können. S» soll die Möglichkeit gewährt werden, mit größter Beschleunigung eine ständig besetzte polizeiliche oder militärische Wach« anzurufen und umgehende Entsendung von Hilfsmannschaften zu erbitten. Der Teilnehmer braucht der Beamtin deS VcrmittlungSamtS nur ein für ganz Berlin gültiges, noch bekanntzugebendes Stichwort zuzurufen, um ohne weiteres, also ohne Nummernennung, nv.t der zuständigen Wache verbunden werden. Da die Einrichtung an die Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit des Personals neue hohe Anforderungen stellt, hat die Lber Postdirektion sckon jetzt eine angemessene Verstärkung der Zahl auch für die Rächt verfügt. Das Berliner Polizeipräsidium ist unter Zusage weiicstgchender Förderung des Plane? zurzeit damit beschäftigt, die erforderlich«« Vorkehrungen zu treffen. Da« Opf:r einer Verwechselung wurde gestern«bend bor si? Jahre alte'Schneidermeister Josef Ullrich aus der Hedemann- straße st. Ullrich betrieb seine Werkstatt in dem Hause Charlotten- straße 37. Dort wurde in der letzten Zeit wiederholt einaebroche«. Das veranlaßte den Pförtner Hermann Keßler, scharf aufzupassen. Auch gestern abend log er wieder, mit einer Schußwaffe ausgerüstet, auf der Lauer. Um lllH Uhr begab sich nun Ullrich noch einmal nach dem Grundstück, um in seiner Werkstatt noch etwas zu ordnen. Der Pföltner aber hielt ihn für einen Einbrecher, schoß auf ihn und traf ihn so schwer, daß er bewußtlos zusammenbrach. Im Krankenhaus am Urban starb Ullrich in der Nacht um lH Uhr. Erweiterung dcS MicterschustcS in Ekjnrlottenbnrg. Der Magistrat Charlottenburg ergänzt durch eine neue Anord- nung die bislang geltenden Bestimmungen. Bisher war der Mieter nur gegen ungerechtfertigte Kündigungen und Mietssteigerunge» geschützt, und eS fehlte eine Handhabe gegen die übermäßigen Miet- zinsforderungen bei Neuvermi-tungen. Dieser Mangel ist dadurch behoben, daß dem städtischen Wohnungsamt weitgehender Einfluß auf den Abschluß neuer Mieiverträge gegeben ist. Alle Vermieter von Wohnräumen— möge e» sich um ganze Wohnungen oder Teil« von Wohnungen, leere oder möblierte Wohnungen mit Ein- und Ausschluß von Bedienung oder Verpflegung handeln— sind ver« pflichtet, dem Wohnungsamt unverzüakich Anzeige zu.erstatte« wenn sie bei Renvermietvngen den MictzinS erhöhen, und zw« unter Angabe des zuletzt cntrichletsn wie des neuen Mietzinse». Alle Rebenleistungen des Mieter? an den Vermieter, die Zahlung von besonderen Prämien. Nebeifnahme von Möbeln usw. gelten als Teils des Mietzinses und sind- mit anzugeben. Erachtet das Woh- nungkamt den neuen Mietzins als übermäßig hoch, so kann«S ohne besonderen Antrag des Mieters die Herab- fetzu»� de» Mistzinss» beim Mieteirngungsamt beantragen: das MieteiniflunySamt setzt dann einen angemessenen Mietzins fest.— Vermieter, die die rechtzeitige Anzeige unterlassen oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben machen, werden mit Geld» straf« bis zu 100Ö M. bestraft. GS wird erwartet, daß die neue Verordnung den übermäßige« Preissteigerungen für Wohnungen, insbesondere für möblierte Woh» nungen und möblierte Zimmer entgegenwirken wird. Mr möchten jedoch den Mietern empfehlen, nicht etwa deShalL weil das Wohnungsamt Klage erheben kann, auf die Wahrnehmung ihrer Rechte zu verzichten. ES könnie sonst eintreten, daß ein Mieter glaubt, seine Steigerung sei so hoch, daß das Wohnungsamt«inschreiten werde. Dieses hält aber schließlich die Steigerung nicht für so Übermäßig hoch und unterläßt einen HcrabsetzungZan- trag. Inzwischen verstreicht die Frist und dem Mieter kann es dann später sehr leicht passieren, daß er wegen zu später Anrufung des MistSeinigungSamteS einfach abgewiesen wird. Also nicht auf S'elbst Hilfe verzichten! Slnzeigerprämle für Grheimschkachtnngen. Die Provw«al-Fle!sch- gelle wstd demjenigen bis zu SOO M. anS�ahle«. der ihr bezw. den» Kommunaloerband eine Meheimicklachtnng von Rindvieh. JWtBerr. Tchlvcine». stertein. Schafen und Lämmeiu derart nachweist, daß der Täte', verfolgt werden kann. Angabe von Zeugen ode, sonstlgcu Beweismitteln er- forderlich. Kr. 84 de»»Bundschast- ist erschienen. Potsdamer Mr. 27 b. Sichtspiele„Rene PhUharmonie-, KSpenicker lAtraiie 97/9«, vo« Ich bis t9. Juni die vierattigen Schaujpiele.Das Gerücht" und»Der Gezeichnete"._ Grost-Berliner Lebensmittel. Steglitz, stür Woche 9.-15. Inn! auf ilblchnltte 24», b, c 8 Pfund Kartoffeln vorn 10. stimi ab. Die restlichen 2 Plunb vom 14. Juni ab.— Berkauf von Nährmitteln tür Jugendlich?. 12.— 14. Juni, auf Abschnitte 85 und 88, zusammen 200 Gramm©des für 0,90 M.<400 Gramm für 0.89 M.> 800 Gramm für 0,58 M)Näh» milteltarlen t>1r Junl auf 8 Pfund Gries, 3 Pakete Zwieback, 4 Dofen Aliich. (Diese BelanMmachunge» gingen uns erst am 12. Juni zu. Red. d. ,B.'j Groß'Sediner paeteknachrkchten. 41. Abtg. Morgen, streitag. 7 Uhr, Versammlung, Patzenhofer Brauerei, Turmstr. 28. Reieient: Gen. Odert. RJeifeL Froderodors. Nächster Zahiabend 18. Juni bei JeSke. 18. Juni, 8 Ubr, Sitzung des BorsiandeS und der Funttionäre bei JeSke. Jngendauslchnstkonfcreuz des Bezirks G r o h« B e r l t n, Sonntaz, Ifi. Juni. vorm. 9 Uhr, int Jugendheim. Lmdenstr. 3. Tagesordnung i 1. Bericht von der ReichSkonserenz. 2. Jahresbericht 1918/19. 3. Nenwahl des BezirtS-Jugendausichujj.Vorsitzendeii. 4. Verschiedenes. Alle Orte, auch dre. m welchen noch leine Jugendbewegung besteht, werden gebeten, ie einen Delegierten zu entsenden. Die Tolegnuleu find mit einem Ausweis von der Parteiorgantfatron zu versehen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Zentralstelle für Ginignng der Toztaldenrokratie, Bezirk Nord- wessen: Mitaliederveriammlimg, 14. Juni, 7'/, Uhr, Restaurant Rehling, Oldenkmrger Dir. 45. Bezrrl Norden. Die irrtümlich gestern angozeiate Mitglieder- Versammlung sind et heute, Donnerstag, 7H, Uhr, bei Ridden, Lotta- ftraße 43, statt. Krei« Schwimmer Charloltenburg(Mitgl. d. A..W..V.V Jeden Donnerstag bi» auf weirere? ab 6 Uhr Uebungsiiunde auf der Badewiese in Pichelsdorf hinter dem jlöniggrätzer(Karten.— Sonntag, 15. Juni, Badepartie nach Baumwerder. 10 Uhr Bahnhof Jungfernheide. Freund« de» Schwimmsports herzlich wtlUommen. GewsMhlWMWNg Zum 11. Verbanöstag üer Holzarbeiter. Am IS. Juni wird nacki iünfjäbriger Pause der elfte Ver» Band« tag des Deulschen Holzarbetter-BerbandeS in Berlin zu» satnmenimen, der sich in der Hauptsache mit der Tätigkeit des Vor- standes während der Kriegszeil und den zukünftigen Aufgaben des Verbandes beslbäfligen wird. Zu den einzelnen Punkten der Tages- ordnung sind nickt ivenigcr als 240 Anträge gestellt. Die Spaltung innerbalb der Partei spiegelt sich auck in den Anträgen wieder, sie dürften in ihrer Erledigung zu leidenschaftlichen Auseinander- fetzungen führen. Aus dem umfangreichen Bericht des Vorstandes, der gedruckt vorliegt, ist zu entnehmen, dah der Verband bei Ausbruch des Krieges 188&'86 männliche, 7 Söll weibliche und 1000 jugendliche Mitglieder zählte. Die Zahl der männlichen Mitglieder erreichte während des Krieges mit SS 189 im Jahre 1S16 den tiefsten Stand. während die Zahl der weiblichen Mitglieder bis Ende 1918 auf 24 673 und die der jugendlichen aut 2 600 stieg. Die Zahl der zum Heeresdienst eingezogenen Mitglieder betrug nachweislich 12S000. während die Zahl der Gefallenen auf Grund erfolgter Meldungen auf 12 000 geickätzt wird. Im Jahre 1917 setzte jedoch bereits auch eme merkliche Steigerung der männlichen Mitglieder wieder ein, pnd bis zur gegenwärtigen Zeil dürfte der Verband auf insgesamt 2 0 0 0 0 0 Mitglieder angewachsen sein, was ein guter Beweis für seine Werbctrafl ist._ Der Schiedsspruch im Holzgewerbe von den Unternehmern abgelehnt. Die Generalversammlung der Tischlermeister und Holz- industriellen Grosi-BerlinS. die am S. Juni im KebrervereinshauS stattfand, lehnte den am 3. Juni gefällten Schiedsspruch einstimmig ab. Wie uns von der Freien Bereinigung der Holzindustriellen zu Berlin weiter mitgeteilt wird, wurde��ch beschlossen, Protest gegen diesen Schiedsspruch anzumelden. E��Rich und Begründung der Ablehnung seien bereits dem SchlichtiMDausschuh übersandt worden. Die Arbeitgeber erklären sich bereit, über die Höhe der Teuerungs- zulage— die durch Schiedsspruch den Holzarbeitern- schon zu- gestanden ist— mit dem Holzarbeiter-Verband zu verhandeln. Nach dem nun vorliegenden Ergebnis der Abstimmung über den Sckiedsspruch in den Betriebsversammlungen, haben die Streikenden fast einstimmig demselben zugestimmt. Die Vertrauens« männerveiiammlung vom 4. Juni ermäcktigle die Streikleitung. diejenigen Mastnahmen zu treffen, die zu einer eventuellen Beendi- gung des Streiks notwendig sind. Voraussetzung war, dast auch die Arbeitgeber den Schiedsspruch anerkennen. Durch ihre ab- lebnende Haltung kann die Streikleitung die Aufhebung des StreilS nicht proklamieren. Die Berliner Tischlermeister und Holzindustri- ellen tragen somit die alleinige Schuld, wenn der Kampf fortgesetzt und aus die Spitze getrieben wird. Von der Streikleitung wurde noch beim ReickSamt der Antrag gestellt, den Schiedsspruch des SchlicktungSauSschuffeS nach§ 14 der Vorordnung des Demobil« machungsamteS vom 4. Januar 1919 für rechtsverbindlich zu erklären._ Die Eisenbahner fordern den Abbau der LebeuS- mittelpreise. Die am Mittwoch, den 11. Juni, tagende Funktionärsitzung, welche von ca. 300 Vertrauensleuten des Deutschen Eisen- bahnerverbandes, Bezirk Berlin, besucht war, hat folgende Eni- schliestunch angenommen: Die Funktionäre stellen fest, dast seit dem 7. Mai, feit Mbcuch der Verhandlungen, wo das Ministerium eine Erklärung abgab, in der sie unsere Forderungen als berechtigt anerkannte, und sich gleich- zeitig für den Abbau der Lebensmittelpreise einsetzen wollte, da» Ministerium nichts zu einer Besserung der Berhälinisse beigetragen hat. Im Gegenteil, die Preise sind anstatt gesunken, erheblich in die Höhe geschnellt. Die Funktionäre erinnern das Ministerium an�die am 9. Mai 1919 im Getvcrkschastshaus gesastte Entschliestung:.Die versam- melten Funktionäre des Deutschen Eisenbahnerverbandes erilären, dast sie einsehen, dast infolge der wirtschastlichon Lage Deutschlands und der FriedsnSbedingungen eine Bewilligung ihrer Forderung die Eisenbahner nicht bester stellen wird, vielmehr wird ihre Lage durch die Ohnmacht der Regierung von Tag zu Tag schlechter. Sie fordern daher die Regierung auf, indem sich alle Funktionäre der Tragweite ihres Beichluste» gewist find, sofort einen durckgrcifenden Abbau der Lebensmittelpreise unbedingt durchzuführen, damit die Eisenbahner eine menschenwürdige Daseinsexistenz heben. Sollte von diesen Mastnahmen in Kürze nichts zu verspüren sein, halten die Eisenbahner ihre Forderungen aufrecht und werden sie zur ge- gebenen Zeit mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln in die Tat umsetzen. Sie erklären erneut, auf Grund des abgegebenen aber nicht erfüllten Versprechens der Eisenbahnverwaliung und der Staatsregierrmg, eine fühlbare Erleichterung der Lebenshaltung herbeizuführen, ihre Forderungen als bestehend zu betrachten. Die Vertrauensleute erkennen, dast eine Lohnaufbesserung ihrerseits nur mit einer Gehaltsaufbesserung der Beamten kollcgen verbunden werden kann, wiederholen, dast eine Lohnaufbesserung aber unbs» dingt erfolgen must, um den notwendigsten Lebensansprüchen ge- recht zu werde». VcrontwortNib für Politik Art-ir Rldlft, fSavItttznBarq, für dcn Mirioen Teil dos Teil des Blattes: Allred Schslz, NeuiSlln: für Anzeigen: Theodor SloSe, Berlin. Vertag: Vorwärts. Derlay®. in. b. Berlin. Druck: Vorwärt?» Buchdruckerei und Berlaqsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindcnfir. S. ZKlvIlMUO l>.SlliI»W«W Ortsgruppe Groß»Berlin. Morgen Freitag, den IS. Juni, abends 7 Nhr, in dcn Gerwaniasälcn. Ehansseestratze 120: kMgUecksr-Vsrssmmkmg Tagesordnung: 1. 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