Ur. 313. 36. Jahrg. Bezugspreis: «iurtdjähd. 9,- MI., monatl. Z.- Mk. frei ins Hau», vorau» zahlbar. Pofd- dezug: Monatlich 8,— Mk.. ejfL zu» l-ellungsgedllhr. Unter greuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungar» V.Zr ML, für da» übrige Aueland 10 23 ML, bei täglich einmal. Zustellung 8.23 ML Poftbeftellungen nehmen an Tänemart, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in dt« Post-Zeitungs-Prel»lifte. Der„Borwärte� mit der Sonntag»- beUage»Boll u. Zeit" erscheint wachen» täglich zweimal. Sonntag» einmal. Telegramm-Adreff«: «Sozialdemotrot vrrlia-. Altend-Ausgabe. Vevlinev Volksblntk. ( 10 Pfennig) AuzeigenpreiS i Die achtgeipaltene NonnareillezeNe koste» L20 ML»«lein« Utnzeig«»". da» lettgedruckte Wort 30 Pfg. tzuläfstg 2 fettgedruckte Worte), jede»«eitere Wort 23 Pfg. Stellengesuch» und Schlafstellenanzetgen da, erste Dori 40 Pfg. jede« weitere Wort 20 Ptg. Warte über»3 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 30«/» Familien- Anzeigen, politische und gewcrlschastliche Bercino- Anzeige» 1,20 ML die geile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SM 08. Lindenstraßc 3, abgegeben werden, iveliffnet von 9 Uhr früh bi» 3 Uhr abend«. Zentralorgan der rozialdcmokratifcbcn Parte» Deutfcblands. Reüaktton und Expedition: SM. b8, Lindenstr. 3. aernivrecher: Amt Morwvla«, Rr. XS>S0—»S»V7. Sonnabend, den 2h Jnni 1919. Vonvärts-Verlag G.m.b. H., Sw. HS, Lindenstr. 3- Merusprecher:«mt Morihplaft, Nr.»17»»— Sil. Ein Kabinett Sauer in Sicht? Unterzeichnung unter Protest und Verwahrungen. LZ e i m a r, 2i. Iiml. iEig. Drahtbericht b«S„Vorwärts".) 11 Uhr 45 Minuten. Falls keine neuen unerwarteten Äomplika- tionen emtrcteu, ist folgende Entwicklung der Tinge vorauszn- sehen: Ter bisherige ReichsarbeitSminister, Genosse Gustav Bauer, bildet ein Kabinett, das morgen, Sonntag, der Ratio- nalvcrsammlnng sein Programm vorlegen und die Vertrauens- frage stellen wird. Das Kabinett wird seinen Standpunkt dahin entwickeln, daß unter den gegebenen Umständen nichts anderes übrig bleibt, als den Friedensvertrag unter Verwahrungen und Protesten, für die noch eine passende Form gesucht wird, z u unterzeichnen. Man erwartet, daß eine starke Mehrheit der neuen Regierung das Vertrauen vo- tieren wird, da viele Gegner der Unterzeichnung sich der Stimme enthalten werden. Der neue Reichsministerpräsident hat selbst bis zuletzt im Kabinett und Fraktion gegen die Unter» Zeichnung gestimmt. Erst die hier zutage getretenen Stim- mnngcn, insbesondere die Haltung der süddeutschen Negierungen haben ihn zu der Ueverzengung gebracht, daß ein anderer Weg als der der Unterzeichnung nicht mehr vorhanden sei. Außer Scheidemanu scheiden Laudsberg, Go- t h e i n und Graf Brockdorff-Rantzau aus dem Kabi. nett aus. Preuß und Dernburg bleiben, wenn ihre raktiou damit einverstanden ist, worüber diese soeben erät. Das ReichSarbeitSministerium übernimmt Genosse Dr. Sinzheimer, das Auswärtige Amt Graf Bernstorfs, der Mitglied der Demokratischen Partei ist. lieber die Besetzung des Reichsjustizamts ist noch nichts bestimmt. Tie in diesem Augenblick scheinbar fertige Lösung kanu freilich im letzten Augenblick noch vereitelt werden, wenn sich nicht alle Kabinettsmitgliedcr zu der Ueberzeugung durchringen, daß nun wirklich nichts anderes für sie übrig bleibt, als vorbehaltlos m i t zugedrückten Augen zur Feder zu greifen. Der gestern erörterte, mir mit Mühe vereitelte Plan, noch eine Rote an die Entente zu schicken, die sie zum Nachgeben in sechs Punkten auffordert, war keinZeichcnpolitischerWeitsicht. Jeder Rückfall in ähnliche Gedankengänge könnte wieder zerstören, was über Nacht anfgrdaut worden ist. 12 Uhr 15 Minuten. Soeben wird mitgeteilt, daß dir Demokraten, wie es scheint, einstimmig beschlossen haben, ihren Mitgliedern, also auch dem Grafen Bernstorfs, den Eintritt in das neue Kabinett zu untersagen. Das Zustandekommen der neuen Regierung ist somit abermals aufs schwerste gefährdet und die Ratlosigkeit beginnt von vorn. Man erwägt bereits de« Gedanken, die Rationalversamm- Inng zu Montag morgen einzuberufen, auch wenn bis da- hin die Bildung eines neuen Kabinetts nicht gelungen sein sollte. Die Nationalversammlung würde dann ihr I a o d c r Nein aussprechen und nach ihrer Entscheidung würde es natürlich auch gelingen, eine Regierung zu bilden. Das wäre das allerletzte Mittel, um zu verhindern, daß Teutschland jedencigenenWillenverlirrt und d e r f e i n d- liche Einmarsch in ein willenlos gewordenes Land beginnt. Ter Untcrstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Freiherr Langwerth vo« Simmern, hat um seinen A bj cki i e d nachgesucht. F- St. Nock, nicht zustande gekommen! Bei Redaktionsschluß verbreitet W. T. B. folgende Mel- dnng: Wie wir hören, ist die von einem Berliner Mittagblatt verbreitete Nachricht über das Zustandekommen eines Mini- steriums Bauer nicht zutreffend. Kabluettsbilduug ohne Demokraten. Ein durch unsere Privatmeldung teilweise überholter Situationsbericht des WTB. besagt: Bis gegen 3 Uhr morgen? fand eine inoffizielle Besprechung beim Reichspräsidenten Ebert mit führenden Politikern statt, sei der es sich darum handelte, den Ministerpräsidenten und die neuen Männer des Ka» binettS zu finden. Dem Bernehmen, nach ist die Kabinettsbildung günstig im Fortschreiten und daS Ergebnis heute noch zu erwarten. Das Kabinett wird au» Sozialdemokraten und Mitglieder» de» Zentrums gebildet werden. Die Demokratische Fraktion wird sich al? solche nicht beteilige«. Man hält es jedoch nicht kür ausge- schlössen, das) einige Mitglieder der Demokratischen Partei in da? Kabinett eintreten. In den heutigen Vormittagsstunden find die Fraktionen fast sämtlich zu Sitzunzen zusammengetreten, um zu der neugeschaffenen Lage Stellung zu nehmen, Der Rücktritt Grlanöos. Italienische Preffestimmsn. Bern, 20. Juni.„Gortiere della Sera" erklärt: Wohl noch nie ist in Italien ein Kabinett in so ruhmloser Weise gestürzt worden wie das Orlandos. Die Ver- ! urteilung durch die Kammer bezieht sich auf den ganzen Komplex ' der Regicrungstätigkcit, wenn auch die� auswärtige Politik den Ausgangspunkt gebildet hat. Die Niederlage und die Enttäuschung der italienischen Politik ist auch für den Leichtgläubigsten unerrräg- lich geworden. Die Enttäuschung ist um so größer, da Orlando befähigt gewesen wäre, in Paris den Kamps für den europäischen R ech t s g e da si t« n und einen Frieden der Gerechtigkeit aufzunehmen. Die Nachfolge ist um so schwerer, als niemand eine solche Erbschaft antreten will. Die nächsten Ausgasen der kommenden Negierung bestehen in der Regelung der internationalen Interessen Italien?, bevor Italien auf Gnade und Ungnade denjenigen ausgeliefert werde, denen es geholfen habe, die absoluten Herren der Welt zu werden. „Secolo" schreibt, Orlandos Komödie sei zu Ende. Er habe nicht begriffen, daß, nachdem England mit der See- Herrschaft sein Ziel erreicht habe, auf dem Fe st lande ein französischer Friedenskonzern herrsche, der das besiegte Deutschland durch einen Ring neuer deutschfeindlicher Staaten einschnüren soll. Er hätte sagen müssen, wie sehr die italienischen Interessen durch solche Neuordnung bedroht werden. Orlando habe nur verstanden, den gehorsamen Diener der Entente zu' spielen. Ein Kabinett Nitti? Haag, 2l. Juni. Aus Rom wird dem H. N. gemeldet: Die allgemeine Ansicht in den Kreisen der Kammer geht dahin, daß Nitti mit der Bildung des neuen italienischen Ministeriums betraut werden wird. Die österreichischen ßrieüenverhanülungen. Gegen die Beranttvortnng für den Krieg. Amsterdam, 21. Juni.(T. U.) Wie Reuter ans Paris meldet. haben die Oesterreicher eine vierte Note überreicht, wo- nn gegen die Tatsache protestiert wird, daß die österreichische Re publik zum Erben der Verantwortlichkeit für den Krieg gemacht worden ist und die de? früheren österreichischungarischen Kaiserhauses auf sich nehmen muß. Eine tirgistsche Sowjetrepublik. Räninunz Kronstadts. Helsingfors, 19. Juni. Di« Petersburger Zeitung„Petra» gradskaja P r a w d a" meldet: ES hat sich eine sozialistisch«, föderative, kirgisische Sowjetrepublik als Teil Sowjet- rußlandS gebildet. I a l t a ist zum Zentrum für kommunistische Agitation in der Türkei und Persien bestimmt worden. Die Gouvernements Charkow und P o l t a w a mobilisiere» gegen Denikin. In Kischinew haben unter den französischen Truppen bolschewistisch« Unruhen stattgefunden. Der Konimissar PeterS ist zum Leiter der Verteidigung PeterSl'urgs ernannt worden. Kronstadt wird eilig st geräumt. Amerikanischer Militarismus. Bedeutende Berstärknng des Friedensheeres. Haag, 21. Juni. Aus Washington wird dem HN. ge- meldet: Die Unterkommission des Militärausschusses des Senats hat den Vorschlag, das Heer künftig auf einen Stand von 400000 Mann zu bringen, und ztvar zunächst auf ein Jahr, angenommen. Die Gesetzesvoclage wird heute in der großen militärische ii Kommission behandelt werden. Die Unterkommission hat verschiedene Aenderungen vorgenommen bezüglich der Aus- dehnung des Luftwesens in der Anfertigung von Mu- n i t i o n. Außer dem laufenden Etat sind 20 Millionen für den Bau von Kasernen angewiesen und 6 Millionen ftir di« berufz- mätzige Ausbildung in den UedungSlagern, Die Streikbewegung in England. Bevorstehende Arbeitsniederlegung in der Wollindustrke. London, 20. Juni. Reuter. Die langwierigen Ber- Handlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Bau mm Wollindustrie von Lancashire find e n d- gültig fehlgeschlagen. Die von den Angestellten für die Niederlegimg der Arbeit gestellten Termin« laufen morgen ab. Eine halhe Million Arbeiter wird dadurch betroffen. Unterzeichnung und Gegenrevolution. Die drohende Sprache der alldeutschen Presse läßt kaum einen Zweifel darüber, daß für jene Kreise die Unterzeich- nung des Friedens als das Signalder Gegenrevolution aufgefaßt wird.- Damit soll nicht gesagt sein, daß der Ausbruch in den nächsten Tagen wirklich bevorsteht, aber er wäre jedenfalls zu erwarten, wenn die Dinge nach dem Willen und der Absicht dieser Kreise gingen. Die„Deutsche Zeitung" ist wieder ganz in den Ton verfallen, den sie schon einmal in einem bekannten Artikel an- geschlagen hat, der nicht anders denn als offene Aus r e i z u n g zum A u f st a n d bewertet werden konnte. Heute schreibt ihr Chefredakteur Wulle: Und wir glauben, daß im Osten ein deutsches Volk seine Ehre und sein Leben reiten wird. Ganz unbekümmert, was v» kommt, wissen unsere Markmannen, daß für si« die Zeit de? Redens voviei ist. Sie wollen handeln uni si? werden handrln. Wir aber möchten ihnen au? Preußens, Deutschlands aller Hailptstadt über die Wälder und Gaue hinweg die Hände reichen und ihnen sagen, daß, wenn irgend etwas ein Licht blick ist in dieser Jammerzeit, der national« Geist des Osten> für uns dicsrr Lichtblick geworden ist. Wir glauben, daß da-> eintrifft, hon dem wir neulich hier gesprochen haben, daß ein? dem Osten das Licht kommt, für das ganze gelirbte deutsche Saterland, und das? die Tage des Verrats und der Verräter gc zählt sind. Das ist zwar etwas vorsichtiger ausgedrückt als damals. aber im Grunde genau dasselbe. Die Ostdeutschen der abzutretenden Gebiete sollen sich bewaffnet erheben, der Grenzschutz soll ihnen Hilfe leisten, aber diese Bewegung soll sich nur zum Schein gegen den„äußeren Feind" wenden, i» Wirklichkeit soll sie dazu führen, den Aufstand im Innern gegen die Regierung einzuleiten. Daß auch hierfür umfassende Vorbereitungen getroffen werden, ist kauin noch zu bezweifeln. Die„Freiheit" ver- öffentlicht folgende Einladung, die in Berlin bestimmten für„zuverlässig" angesehenen Personen zugestellt wird. Mitgliederversammlung am 19. Juni 19, abends 3 Uhr, im Schiller-Lyzeum, Brunncnplatz-Wttgerstr. Wegen einer sehr wichtigen Besprechung wird allgemeines Erscheinen erwünscht. Am Freitag, den 20. 6. 19, abends 9 Uhr, Waffenempfanzi bei Engel, Uferstr. ö. Es wird gebet«», einen Mantel an zuziehen, um es möglichst unauffällig zu gestatten. Diese Einladung steht keineswegs vereinzelt da. Es gibt eine ganze Reihe von Villen und Klubgebäuiden, in denen von der rechten Seite gegen die Regierung intrigiert und konspiriert wird. Derartige Zusammenkünste finden z.B. in einem Klubgebände am Müggelsee statt,.zu denen Zutritt nur gegen besondere Karten gewährt wird. Ein anderes Zentrum der Konspiration ist die Villa eines A d m i r a l s in Kiel. Die Hauptagenten der Versckstvörung sind fast allent- halben ehemalige Offiziere, Adlige und dergleichen. Gewisse Fingerzeige deuten darauf hin, daß lebhafte Verbindungen zwischen dem Klubgebände am Müggelsee und schstsischem Grundbesitzern bestehen, so wurden mehrfach von schlesischen Adligen bedeutende Summen dorthin überwiesen. Mag es sich hierbei auch um das Treiben einiger Desperados handeln, so zeigen sich doch auch Ansätze zu größeren organisatori scheu Vorbereitungen in dem jüngst enthüllten Treiben deo Landbundes und seinen berühmten Asten für„Moor- kultur", die in Wirklichkeit die Akten für die h e i m li ch e B e- waffnung der reaktionären Landbevölkerung sind Die dort angeforderten und verteilten Spaten sind in Wirklichkeit Decknamen für Handgranaten und Gewehre. Die Rechnung der Reaktionäre hat jedoch mehr als ein g r o ß e s L o ch. Zunächst geben sie sich einer erheblichen Selbst- gierungstruvpen nicht zu wilden Putschversuchen gegen die Re giernng mißbrauchen lassen wird, auch wenn er in diesem Sinn. von seinen Offizieren beeinflußt werden sollte. Sodann aber machen sich die Reastionäre keine Vorstellung von dem Widerstand, den ein derartiger Versuch von ihrer Seite finden würde. Die bisherigen blutigen Kämpfe richteten sich immer nur gegen einen Teil der Arbeiterschaft, und die Regie- rungstruppen wurden hierbei unterstützt von dem Teil der Be- völkerung, dem es ehrlich um die A u f r e ch t e r h a I t u n a der demokratischen und republikanischen Frei- b? i t zn tun war. Sollten die Gegenrevolutionäre mit ihren Absichten Ernst machen, dann würde sich die ganze freiheitlich gesingte Bevölkerung ohge Unterschied sie grn Block den Stellen wurden geschrieben in der Zitze des stärksten Kampfes, als Liebknecht und Rosa Luxemburg ander Spitze bewaffneter Scharen noch eine a n s e b n I i ch e M a ch t darstellten, von der durchaus nickt gewiß war, ob sie nicht am Ende siegen und dann fürchterliche Rache nehmen würde. Die von der„Republik" angeführten Zitate stehen zum größten Teil in Nummern des„Vorwärts", die nicht im Vorwärts- gebäude gedruckt werden konnten, weil die Anhänger Lieb- knechts und Luxemburgs dieses mit Gewalt besetzt hielten, ein deutlicher Beweis, daß es sich nicht etwa um feige Hetze gegen Wehrlose, sondern um Angriffe gegendamalsschrmäch- tige Personen handelte, zu denen in der Zeit, als sie ge- schrieben wurden, noch zweifellos Mut gehörte. Aber vor allem ein: Die rein satirischen Bemerkungen des „Vorwärts" verblassen ganz und gar, wenn man sie an der wahnsinnigen Hetze mißt, die damals von ko m m u n i- st i s ch e r S e Tt e gegen die Personen der mehrheitssozialistischen Führer getrieben wurde. Da haben wir beispielsweise ein im Verlag der„Roten Fahne" erschienenes Flugblatt aus jenen Tagen, in dem es heißt:„Proletarier! Ebert, Scheidemann, Wels, lwbeir eure Brüder erniorden lassen. Fort mit den Mör- dern!" usf. in dem gleichen Tone. Bildlich ePlakate wur- den herumgetragen, in denen man bekannte mehrheitssoziali- st!'che Führer an die Laterne gehängt sah.'Von diesen Dingen schweigt die„Republik" und sie tut sehr gut von ihrem Standpunkt aus, davon zu schweigen, denn dann würde die Welt wissen, was Hetze ist. Der Streik im Waldenburger Bergrevier ist beig:lcgt. Die Staatsregierung soll um Einführung der' Siebenstixndenschichi, die Verwaltungen um Erhöhung der Löhne und Einführung von Ferien ersucht werden. Bis zur Entscheidung wurde die Arbeit wieder auf- genommen. Großgrunöbesitzer als Befehlshaber. Freischärler gegen streikende Landarbeiter. Aus Schivelbein erreicht uns eine schier unglaub- liche Nachricht. Dort haben verschiedene Großgrimdbesitzer, um auf ihre streikenden Landarbeiter einen Druck auszuüben, ohne Wissen des Landrats, Militär aus Kolberg, und zwar vom Freikorps Hindenburg, nach Schivelbein be- ordert u n bauch b e k o m m e n. Die Arbeiterschaft fordert die sofortige Zurückziehung des Militärs, da blutige Zu« sammenstöße sons? unvermeidlich sind. Die Erregung ist bereits eine hochgradige, Wir fordern eine sofortige Untersuchung und Beilegung der Angelegenheit, nicht die verantwortlichen militärischen Stellen zu vergessen, die in Ermangelung des abhanden ge- kommenen Hohenzollern in jedem Junker die von Gott der- liehene Obrigkeit erblicken. deutscher Sozialistentag. Konferenz für die Einigung der Sozialdemokratie. Die unter dieser Bezeichnung von der Zentralstelle für Eini- gung der Sozialdemokratie einberufene Tagung trat heute vor- mittag im Sitzungssaale des Herrenhauses zusammen. Eduard Bernstein eröffnete die Konferenz um(Ho Uhr. Die Einigung der Sozialdemokratie sei gegentvürttg nötiger als je. Die Parteispaltung, die gegenseitige Bekämpfung der beiden sozialdemokratischen Parteien trage da�u bei, die Z c rj e tz u n g desdeutsckem Volkes zu beschleunigen.— Äeinüngsver- schiedenheiten.seien unvermeidlich, aber sie müßten in brüderlichem Geist zum Austrag gebracht wcrdein Heute stehe unendlich viel mehr auf dem Spiel als bei den trüberen Meinungsverschieden- besten in der geeinten Sozialdemokratie. Die Reaktion sei be- strebt, das Heft wieder in die Hand zu bekommen. In dieser schweren Situation die Einigung vorzubereiten, sei die Aufgabe des.deutschen Sozialistentages. Nachdem die Tagesordnung festgesetzt und sonstige geschäftliche Formalitäten erledigt waren, trat die Konferenz in den ersten Punkt der Tagesordnung ein: Die politische Notwendigkeit der Einigung. Ter Referent Eohen-Reuß lS. P. D.) führte unter anderem auS: Ueber die Notwendigkeit der Einigung ist fast kein Wort mehr zu sagen. Wir sehen, wie die Errungenschaften der Re- volution zu schwinden beginnen und diejenigen, die am 9. November niedergeschlagen waren, wieder, aufstehen..Die bekannten Plakate mit der Ueberschrift:„Die Sozialisierung mar- schiert" konnten überklebt werden mit der Aufschrift:„Die Reaktion marschiert". In dieser Situation hat der Parteitag in Weimar völlig versagt. Das muß offen ausgesprochen werden.(Sehr richtig! Die alte Partei wird am heftigsten angegriffen wegen der Bewilli- gung der Kriegskredite. Sie hat damit die Politik Bethmann- Hollwegs ohne Bedingung mitgemacht. Sie hätte den Rückweg an- treten sollen, als sich zeigte, daß die Bethmannsche Politik zu- sammengebroehen war. Auch in der inneren Politik folgte die Ä:e Partei dem Motto:„Leise, leise, kein Geräusch ge- macht."— Scheidemann ist aus dem Parteitag in straßenräube- rischer Manier über mich hergefallen. Er hat die Dinge geradezu aus den Kopf gestellt. Wir wollten damals doch etwas durchsetzen, eine Abschlagszahlung fordern.(Große Unruhe. Rufe: I st da s der Wille zur Einigung, wenn in an von Straßen- ränber spricht? Der Vorsitzende Ed. Bernstein rügt den Aus- druck.) Auch die U. S. P. hat während des Kriege» keinen Weg gezeigt. wie wir aus dem Kriege herauskommen können. Bei beiden Par- teien bat sich während des Krieges ein ungeheurer Mangel an Positivem bemerkbar gemacht. Noch nie hatte eine Regie- rung in so hohem Matze das Vertrauen der Massen, wie die Re- volutionsreglerung. Aber es zeigte sich, datz die Genossen der beiden Parteien sich nicht zu gemeinsamer Tätigkeit, sondern zu gemeinsamer Untätigkeit zusammengefunden hatten.— Wenn wir zu einem gemeinsamen, erfolgreichen Zusam- menarbeiten kommen wollen, müssen wir ein M i n d e st p r o- g r a m m aufstellen, auf das sich alle Sozialisten einigen können. Ter wichtigste Punkt des Mindestprogramms ist die Herbeiführung einer umfassenden Pr o d u k t i o n. Auf die Form der Pro- duktion kommt es nicht an. Die Arbeiter selbst müssen zu Mitträ- gern der Produktion gemacht werden.(Zustimmung.) Einer der wichtigsten' Punkte des Minimalprogramms ist die V e r w e r f n n g der Diktatur, die Nachahmung des russischen RäteshstemS.— Noch nie hat eine Zusammenkunft von Sozialdemokraten der Sehn- sucht der Massen stärkeren Ausdruck gegeben, wie diese Zusammen- kunft.(Zustimmung.) Wenn von hier aus ein Arbcrtspro- g r a m m gegeben werden kann, wird der von uns beschrittene Weg der Einigung zum Ziele führen.(Lebhafter Beifall.) Der zweite Referent Heinrich S t r ö b e l fU. S. P.) be- tonte zunächst gegenüber Cohen,, die Unabhängigen hätten nicht nur während des Krieges, sondern besonders auch nach der Revolution positive Forderilligen vertreten, sie seien aber an deren Durchführung von der anderen Seite verhindert worden. Weiter führte der Redner aus, wir würden die Einigkeit haben, wenn da? Prole- tariat geistig einig und geschlossen wäre.— Die Zer- fahrcnheit, in der wir jetzt stehen, sei daraus zurückzuführen, daß die Regierung ohnmächlig und der Militarismus allmächtig fei. Das sei die Schuld der MehrheitSsozialisten.(Ruf: Das i st L h r o Schuld.) Wären die Unabhängigen»'n den Zentralrat eingetreten, dann wären uns die Stratzenkämpfe und die Stratzenschlächtereien erspart geblieben und wir hätten auch nicht den kolossalen Wiederaufbau des Militarismus erlebt.(Zustimmung. Ruf: Austritt aus der Regierung.) Unser Austritt aus der Regierung war eine Notwendigkeit, denn ein Zusammenarbeiten war nicht möglich und unsere Parteigenossen standen nicht hinter uns. (Widerspruch.) Die formale Demokratie müsse ergänzt werden durch das Rätesystem. Die Demokratie müsse die Grundlage des Staates sein, das Rätesystem müsse daneben eingeführt werden, wie es Kautsky fordere. Aber durch das Räteshstem könne die soziale Frage nicht gelöst wer- den. Die Verwirklichung des Sozialismus könne nicht daö�Werk.einer Devolution.sein, wndern nur.durch E v o lutüo�n werden wir zum Sozialismus kommen.(Zustimmung eines Teils der Delegierten.) Eine revolutionäre Entwicklung aus der Grundlage der Demokraffe sei der Boden, aus dem sich die Ge- nassen einigen können. Terror und Gewalt seien die ungeeignetsten Mittel zur kulturellen Hebung der Arbeiterklasse.(Grosser Beifall.) Wenn die Führer nicht für die Einigung zu haben seien, dann würden die Massen über die Führer zur Tagesord- n u n a ücßergeben.(Stürmischer Beifall.) Durch ein« Politik der moralischen Eroberung werden wir den Sozialismus verwirklichen. er wird sich dann von Deutschland über die ganze Welt verbreiten. Aber die Voraussetzung unseres Sieges ist die Einigkeit. (Stürmischer Beifall.) zusammenschließen, und dann würde allerdings den Herren das passieren, was Scheide m a n n ihnen auf dem Weimarer Parteitag vorausgesagt hat: sie würden n i e d e r g e s ch l a- gen werden, daß sie das Wiederkommen ver- g e s s e n. Nach dieser Richtung hin kann der Gedanke einer Gegen- revolution von rechts nicht die gering sie Besorgnis bei uns erwecken. Im Gegenteil, unter diesem Gesichtspunkt könnte man es nur begrüßen, wenn die Herren endlich de- maskieren und offen Farbe bekennen wollten. Es könnte bei dieser Gelegenheit auch noch manches nachgeholt werden, was am 9. Noveuwer in der Hast der Dinge versäumt worden ist. Die Gefahr der Gegenrevolution liegt auf einer anderen Seite. Die Gefahr besteht darin, daß sie uns von neuem in überwundene chaotische Zustände stürzt und den mühsani be- gonnenen Aufbau Deutschlands wieder zertrümmert. Den Vor- teil würden alsdann die Eleniente der extremsten Linken haben, wie ja auch in Rußland der Putsch Kormlosfs den Sieg der Bolschewisten erheblich beschleunigt, wenn nicht direkt herbei- geführt hat.__ Notwenhig freilich ist das nicht. Aber es kann kein Zweifel sein, daß die jetzige verschleppte Krise diese Entwicklung bis zu einem gewissen Grade fördert. Die Mehrheitsparteien müssen erkennen, daß es das dringendste Lcbensinteresse der Demokratie und des deutschen Volkes ist. diesen Zustand sofort zu beendigen, und zwar durch Einsetzung einer lebensfähigen parla- m e n t a r i s ch e n Regierung, die nach außen den Frieden unterzeichnet, nach innen die Zügel in f e st e r Hand behält. Gegen öie Judenpogrome. Eine Kundgebung des amerikanischen Senats. Amsterdam, 20. Juni. Nach einer Meldung des Jüdischen Korrspondenzbureaus aus Paris kam es im amcri- kanischen Senat zu einer scharfen Aussprache über die Progrome in Polen, Galizien und den anderen Ländern. Der Senat nahm eine Entschließung an, in der das Staatsdepartement ersucht wird, Wilson aufzufordern, er möge sich mit den Delegierten der Staaten, in denen Pogrome und andere Greueltaten stattfanden, in Verbindung setzen und ihnen mitteilen, daß der Senat und das Volt der Vereinigten Staaten von Amerika diese Ausschreitungen sehr bedauern. Paris, ZV. Juni. Das R e u t e r s ch e Bu.rcau erfährt, daß Präsident Wilson auf Ersuchen der polnischen und litauischen Regierung beschlossen hat, eine Kommission zu ernennen, um eine Ilntersnchuhg über die aus Polen gemeldeten Pogrome einzuleiten. der Wohnungswucher vor üem Staaten- Ausschuß. In der unter dem Vorsitz des Reichsministers der Finanzen Dr. D e r n b u r g abgehaltenen Vollsitzung des Staaten- ausschusses wurde dem Entwurf einer Verordnung über den Verkehr mit Zucker und dem vom 6. Ausschuß der Deutschen A ativ n alversammlung abgeänderten Entwurf einer Verord- n u n g, betreffend die A ende rung der Bekanntmachung über Lohnpfändungen vom 13. Dezember 1917, sowie einer Ver- erdnung gegen den W u ch e r b e i V e r m i t t l u n g v o n M i e t s- .äum'en und von Verordnungen zum Schutze der Mieter vzch über die Einwirkung der Hcizstoffp reise auf die Mictver- swtnrsse zugestimmt._____—' t €m verfehlter Schulübeweis. In einer Zuschrift will die„Republik" eine ängebliche Mit- schuld des„Vorwärts" an der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs feststellen und zitiert hierfür einige polemische: Äußerungen ans dem„Vorwärts", die in der Zeit des er- bittersten Kampfes im Januar, noch lange vor der Ermordung der beiden, geschrieben wurden. Dieser angebliche Schuldbeweis kann nur auf Menschen wirken, denen die damalige Situation vollkommen aus dem Gedächtnis entschwunden ist. Tie betreffen- Sommeranfang. Von Paul Ha u p t. Juni. Ueber dem Gewirr von Häusern, Strassen, Plätzen, Gassen der Grossstadt schwelt heisser, trockener Brodcm, der sich rnsammenballt mis den Strahlen der Sonne, die fahlgelb am Himmel gleißt, und dem Dunst der Millionen Menschen, den AuS- dünstungeu der Küchen, Kehrichthaufen, Fabriken. Em zäher, un- 'ichtbarer Brei, wogt er die Strassen auf und nieder, selten von einem Windstoß zerrissen. Geduckten Hauptes, die Stirn in ärger- üche Falten gezogen, hasten die Leute dahin, schläfrig trotten die Droschkengäule, zänkisch das Geknatter der Straßenbahnen, protzig das Getute der Kraftoagen. In einem engen Hof in der einzigen Ecke, in die durch einen schmälen Spalt zwischen Seitenflügel und Hinterbaus Sonnen- schein dringt, zwischen kümmerlichen Sträuchern, denen der Zementbelag des Bodens in großmütigem Bogen ausweicht, hocken ',wei Kinder, ein siebenjähriges Mädchen mit alkklugen, ängstlichen Augen und ein etwa» älterer Knäbe. Ihre Finger krallen in den schmutzigen, grauschwarzen Boden. Brütendes Schweigen im Hofe, von irgend woher scharfes Ge- schirrpoltern, dann wieder einmal Kindcrrufen. von wo anders her das hetzende Arbeiten einer Nähmaschine, Geräusche, die neben der lähmenden, warmen Stille herzugehen scheinen. Sie ist trotz- dem da. „Warst Du schon draußen im Walde?" spricht der Junge das Mädchen an.„Nein, wir haben doch keine Zeit, Vater handelt Sonnlag, und ich muß helfen." Scheu sieht sie sich um. „Äber mal bin ich doch von die Schule aus im Fricdrichshain gewesen. Da hatle Mutter aber sehr geschimpft, daß ich nich ab- gewaschen herbe." «Ick war aber schon tn'n Wald. An'n Müggelsee. Ach, alles voll Bäume und vorher in de Gärten an de Häuser die Sträucher, alle viel grüner und größer als die hier." Trapp, trapp kommt ein behutsamer Schritt die Hintertreppe herunter. „Ja." seufzt das Mädchen, ihre Augen suchen die Sonne,„da s allcnS viel schöner wie. hier drinn, aber," ihr Gesicht nimmt einen unkindlichen, sorge,«den Ausdruck an,„da gehtS den Avöeiter- und Knechtskindern auch nich jut. Da müssen sie schon morgens um sünfe raus." „Ach, schön iS cS doch," entgegnet der Knabe nach einigem U eberlegen. Die Sonne ist westlich gerückt, so dah der Schatten des Hauses. die Kinder erreicht hat. Sie stehen auf und setzen sich auf die andere Seite dcS Strauches. Äellerpflanzen, die dem geringsten SmomijcheiM folgen. MuH der Tür des Hinterhauses tritt ein älteres Mädchen, einen Säugling auf dem Arm. Sie setzt sich zu den beiden. „Mal sehn, vielleicht tut ihm die Sonne gut," bemerkt sie mütterlich. Das Kleine hat die Augen geschlossen, sein hageres, spitzes Gesicht sieht aus dem groben, holzfaserdurchsetzten Kissen heraus. „Zu schwach, es soll aufs Land, hat-der Doktor gesagt." Nach einer Weile, währenddem ihre eine Hand schmeichelnd, träumerisch über die grünen Zweige fährt, setzt sie ihre Rede fort:„Vielleicht Lommt's auch weg und ich mit. Dann würd' ich gleich dableiben." „Immer von Bater und Mutter weg?" Bestürzt sieht sie der Knabe an. Verlegen blickt sie fort, zuckt mit- den Schultern. „Wenn ich da besser lebe, Vater und Mutter sind ja doch nie zu Hause." „Ich wollte auch in die Ferienkolonie, aber ich dürf nich. Ich muß mit handeln gehen," wirft bitter die Siebenjährige ein, wieder einen unkindlichen, altklugen Ausdruck im Gesicht. „Och,�mmer will ich jar nich aufs Land, da gibt cS nich soviel zu sehen, wie in Berlin," begehrt der Knabe trotzig auf.— Eine Wolke ist vor die Sonne gezogen. Der Lichtfleck, in dem die Kinder saßen, ist verblaßt, „Jetzt is die Sonne weg, kaum, datz ich runter konnte," seufzt die Große. „Puh, is hier heiß.. Ich gehe rauf," schimpft der Knabe, hopst in das Haus. Geduldig hocken die Mädchen unter dem dürftigen Gesträuch, schweigsam. Lange sucht die Jüngere am Himmel. Den kleinen Strich zwischen den Häusern füllt eine weißgraue Wolke aus. „Ob wohl die Sonne noch mal vorkommt?" Die Zleltere schüttelt'den Kopf, stand auf.„Ich glaube nicht, ich mutz ja auch Kartoffeln kochen, ist Said Feierabend, Mutter und Vater kommen bald." Schwarz-rot-golö. Schivarz- cot-gold als Reichsflagqe, wie der Versassungsausschuß der Nationalversammlung es beschlossen, fällt der reaktionären Presse mächtig ans die Nerven. Sic beruf! sich zur Beibehaltung der bisherigen Farben darauf, daß die„gegenwärtige Generation unter der Fahne Sckiwarz-wsiss-rot geboren und groß geworden, die unserem Volke überall in Ehren vocanleuchtete". Daß man bei allen andern als den reaktionären Parteien auch schon früher gegen- teilige Anschauungen hatte, zeigt ein Abschnitt aus dem in revolu- tionären Kreisen seit lange bekannten„Neuen Winter- m ä r ch e n". Wie hier festgestellt sein mag, wurde dies längere Gedicht 1371 im Bostoncr„Pionier" von dem alten achtundvierz'ger Radikalen Karl Hejnze».zuerst veröffentlicht: es hat dann kiäuiige Nachdrucke, zuletzt, in der Sammlung-»Gift und Galle" Ber- lm 1919 erlebt. Heinzen wurde damals m Deutschland für den Verfasser gehalten, doch stellte-« Hees selber im„Pionier" in Ab- rede, und tatsächlich soll einem Redakteur der„Frankfurter Zei- trag" die Autorschaff zukommen. Di» Stellen, auf dm es bei der Erinnerung ankommt, mögen hier im Auszug folgen: Die Farben schwarz und weiss, und rot, Das sind die neuen Farben, Die sich die Deutschen in Krieg und Tod Zum Banner des Reiches erwarben. Das ist nicht da» alte Sckpvarz-rot�old, Das Schwarz wie der Tod der Tyrannen, Und rot wie Blut in der Faust sich entrollt Der goldenen Freiheit Mannen!... Das ist das Schwarz, das die Knechtschaft prägt Auf der Völker Herz und Gehirne, Das ist da? Weiss, das den Stempel trägt Des GramS auf der bleichen Stirne. Das ist das Rot, da? brennend heiß Die Scham treibt in die Wangen, Wenn einst die Farben schwarz-weiss-ro: Die Denker zum Denken zwangen!... Das Zollernsche Schwarz, da» Zollernsche Weiß Und das Schamrot der deutschen Lande. Das fft ein Banner, wie keines ich weiss Vom Nil bis zum Nordpolstrandc. Das ist dos Zollernsche Schwarz-wciss-rot, Das Banner der Todschlagsarben. Das sich die Deutschen in Krieg und Tod Zum Banner des Reiches erwarben... Darum, verehrte Herren von der Reaktion, sind auch wir gegen Schwarz-weiß-rot und stimmen, da es nicht mir Rot sein konnte, immerhin für Schwarz-rot-gold. Notizen. — Das Grundgesetz der russischen Sowjet- r e p u b l i k wurde in Grünbcrgs„Archiv für Geschichte des Sozia- lismus" jüngst in einer sorgfältigen, authentischen und dollständi- gen Uebersetzung mitgeteilt. Diese ist jetzt mit einem Vorwort Grünbergs als Sonderdruck(Verlag Hirschfeld, Leipzig, Preis 1 M.) erschienen. — Sommerprcmieren. JJm D c u t s ch-»i Theater am Freitag Erstaufführung des Schwanke» ich war ein Jüngling" von Real und Ferner mit Max Vollenberg in der Hauptrolle. In den Kamme»spielen Donnerstag Erstaufführung. der Komödie„Das Weib und der Hampelmann", nach dem spanischen Roman deS Pierre Louys von Ludwig Hardt. Leo- poldine Konstantin und Theodor LooS spielen die beiden Haup:- rollen. — Deutsche? O p e r nh a u?. Die Gutscheine der Stamm- sibinhaber und die Karten, die währo.nd der Streiktage nicht be-. nutz: werden konnten, werden vom 30. Juni bis 43. Juli eingetauscht; der Eintausch für die beiden Parsifal- Vorstellungen be- ginnt am 23. Juni« Pormittags 10 Uhr. Prozeß 1 Nach Eröffnung der Sitzung nimmt Rechtsanwalt Dr. Rosen- rclb das Wort zur Verteidigungsrede, in welcher er ausführt: Tiefer Prozeß ist ein solcher von historischer Bedeutung! Georg Ledebour vor den Geschworenen! Wenn man in der Geschichte der historisch gewordenen Prozesse zurückblickt, findet sich eine Ana- logie in dem vor jetzt 4tzIahren stattgesundenen Prozeh gegen Kar! Marx vor den Kölner Geschworenen. Dem Revolutionsausschutz von heute entspricht der Ausschuß der Rheinischen Demokraten von tS43; an der Spitze der ersten stebt Ledeour, an Der Spitze des andern stand Marx. Die Kölner Geschworenen wußten, was sie mit einem solchen politischen Tcndcnzprozeß anzufangen hatten. Sie haben Karl Marx einstimmig freige- iprochen, und die Berliner Geschworenen werden ebenso wenig sich dazu herzugeben, für die Regierung von gestern einen dieser un- bequemen Gegner unschädlich zu machen. Und auf nichts anderes kommt es hinaus, wenn der Staatsanwalt sich dahin aufrafft, die Verurteilung Georg Ledebours zu fordern. Das Jnfamierende dieses Prozesses ist es, daß man Georg Ledebour nicht als Politiker in Anspruch nehmen will, sondern als Verbrecher, als Rädels- iübrcrbeieinemAufrubr. Das zeigt nur, wie tief unsere Rechtspflege gesunken ist. Der Verteidiger kommt dann nach 'längerer Betrachtungen über die gegenwärtige Rechtslage zu dem Schluß, daß der vor der Revolution vorhanden gewesene Rechts- boden nicht mehr bestehe, die Gesetze zerrissen seien und eine Anklage wegen Verletzung dieser zerrissenen Gesetze nicht mehr mög- l'ch sei. Er als Verteidiger habe das Vertrauen zu dein gesunden Sinn der Männer aus dem Volke noch nicht verloren, daß sie sich nicht zu Knechten einer augenblicklich noch bestehenden Meinung machen lassen werden. Auf eins müsse jedoch ganz besonders hin- gewissen werden: Keinem Staatsanwalt im ganzen Reiche ist es bis jetzt eingefallen, gegen die Männer vom 9. November, die jetzt in der Regierung sitzen bzw. saßen, Anklagen zu erbeben, obwohl sie genau dasselbe getan haben, was Ledebour getan haben wll. Ter Staatsanwalt wendet demgegenüber ein, daß alle diese Tinge ja unter die Amnestie vom 3. Dezember gefallen seien. Der Staatsanwalt irre aber, denn diese Amnestie betreffe nur Dinge, die vor dem 9. November begangen sind.(Staatsanwalt G y s a e ruft: Amnestie vom 12. Dezember ist gemeint.) Rechtsanwalt Dr R o s e n f e l d, fortfahrend, erklärt, daß dieser Zwischenruf sehr interessant sei, denn diese Amnestie betreffe rein politische Ver- gehen. Was also diese Herren begangen haben, sei» ein politische« Vergehen und falle unter die Amnestie, was aber Ledebour be- gangen habe, sei nach Ansicht der Staatsanwaltschaft merkwürdiger- weise kein politisches Vergehen. Bei Betrachtung der Borgänge vom Januar, einer Apologie auf den abgesetzten Polizeipräsidenten Eichhorn, der widerrechtlich abgesetzt worden sei, hält es der Verteidiger für zweifellos, daß die Regierung alles getan habe, um die Ja- nuarunruhen hervorzurufen. Wenn man auf die in der Beweis- aufnähme zutage getretene Spitzeltätigkeit von Agenten der Regierung blicke, so müsse er den Mut bewundern, nach alledem was auch sonst noch vorgekommen ist, zu bestreiten, daß die Regie- rung die Unruhen provoziert bat. Man denke daran, wie brüsk die Regierung eine friedliche Verständigung zur Beendigung der Kämpfe um die besetzten Gebäude zurückgetvicsen und den für eine iolche friedliche Bcrftändiaung wirkenden Angeklagten verHaftel babc! Eine Regierung, die Blutvergießen vermeiden will, darf nicht so handeln, wie es die Regierung im Januar getan habe. Eine Rcgicriing, zumal wenn sie sich sozialistisch nennt, mußte bemüht sein, mit den Volksgenossen in Berührung zu kommen und auf dem Wege einer friedlichen Verständigung zu einer Einigung zu kommen. Aber diese-Regierung wollte keine Verständigung, sie vertraute Znöustrie unö hanöel. Börse. Die Börse rechnet nach der Neubildung des Kabinetts bestimmt init der Unterzeichnung des Fnedensvertrages und eröffnete daher !» recht fester Haltung. Das Geschäft allerdings war nur vereinzelt etwas lebhafter. Zu höheren Kursen wurden Montan- werte, Schiffahrtsaktien und Farbwerte dem Markte entnommen. Namentlich letztere wiesen ansehnliche Kurssteigc- rdngen auf. Von Eisenbahnaktien waren nur Orientbahncn rcster. Die sogenannten Valutapapiere waren im Zu- iammenhang mit der Steigerung, die unsere Mark im neutralen Auslände erfahren hat, angeboten. Andere heimische. Anleihen be- haupteten ihren letzten Kursstaaid. Kriegsanleihen, die mit 76V» Proz. eingesetzt hatten, gingen schließlich mit 76/4 Proz. um. GroMerlm Gegen Gewaltpolitik. Der im Mai vom Bund Neues Vaterland erlassene Aufruf an die Knlturvereine Deutschlands mit den Schlußforderungen:„Fort mit der Gewalt! Wir wollen nicht im Bürgerkrieg verbluten! Wir fordern Verhandlungen!" wurde von sehr vielen Organisationen und namhaften Einzelpersonen unterzeichnet. Im Sinne des Auf- ruft fanden groß« Francnversammlungcn„Gegen den Bürger- tcieg" in verschiedenen Städten Teutschlands statt. Sie forderten u. a. Ausschaltung des politischen Einflusses der militärischen In- stanzen. Ersetzung der Freikorps durch eine Vollswohr, die nur der öffentlichen Sicherheit dient. Die Volkswehr darf nicht durch be- ionders günstige Lebensverhältnisse bevorzugte Stellung genießen. Nur dadurch wird der großen Gefahr vorgebeugt, daß der Sicher- heitsdienst zu einem guten Geschäft wird, in dem unlautere Ele- mente überhand nehmen. Abschaffung der Militärjustiz. Ver- mcnschlichnng des gesamten Strafvollzuges— und Verfahrens, ins- besondere in allen noch schwebenden politischen Prozessen. Kontrolle des Strafvollzuges durch außenstehende Personen. Abschaffung deS Swndrechts. Berücksichtigung mildernder Umstände im weitesten Sinne bei Plünderungen aus Not. „Erst daS Bergnüngen, dann die Arbeit" heißt es j»tzt für die Benutzer deS Autobus. Warum ist auf der Autobuslinie Neu- tö 1»— Pankow bis Wagenfolge so spärlich, daß für Arbeiter, die nach oder von ibrer Arbeitsstätte fahren wollen, es oft kein Mit- tommen gibt? Einer, der die Omnibusgesellschaft danach fragte, erhielt den Bescheid, es fehle an Gummi und Benzin. Er war sehr erstaunt, bald darauf an einem Sonntag bei einem Ausflug beobachten zu können, daß für die Besucher der Grüne- wald-Rcnnbabn eine beträchtliche Zahl von Autobussen einen Pendelverkehr vom ReichskanUetpIatz ans nnteihielt. Das Vergnügen einer solchen Fahrt soll allerdings 1 Mark gekostet haben, das ist ein.Betrag, den man keinem Arbeiter für eine Fahrt zur Ar- beitsstütte abnehmen darf. Auch vom Alexanderplatz, vom PotS- damer Platz und vom Moritzplatz ioll an Sonntagen ein Krakt- wagenbetrieb unterhalten werden, für den es an Gummi und Benzin ntcht zu fehlen scheint.* Ucber Schimmeln des BrotrS wird jetzt wieder geklagt. Dazu wird uns aus Fachkreisen geschrieben: Die Aufbewahrung des Brotes in den Haushaltungen geschieht am besten in einem kühlen lustigen Raum oder Keller, der jedoch nicht feucht sein darf, oder in einem Schrank mit Luftzirkulation. Zu vermeiden ist eF, das auf die brutale Gewalt, auf die Maschinengewehre, Handgranaten und Minenwcrfcr. Er erinnere an das Doppelspiel, das Hermann Müller, der Mann, der gestern beinahe Ministerpräsident geworden wäre, gespielt habe, und komme nach alledem zu der Ueberzeugung: die Regierung. ist nicht weißzuwaschen von den blutigen Vorgängen in der Januarwoche, und keine Beweisaufnahme wird es vermögen, an diesem tatsächlichen Ergebnisse des Ledebour-Prozesses etwas zu ändern! Die Regierung hat den Funken in das Pulverfaß geworfen, das dann zum Explodieren gekommen istl Die damals vorhanden gewesene aufgeregte Atmosphäre war herbeigeführt durch die Erkenntnis, daß die Regierung nichts tat, um die Errungen- schaften der Revolution zu sichern, daß sie Verrat an der Revolution begangen hat. Es bleibt dabei: dieser Prozeh ist ein Tendenz- Prozeß schlimmster Art. Was die unbefugte Bildung bewaffneter Haufen betrifft, so hat die Beweisaufnahme doch gezeigt, daß die Anhän- ger der Regierung gerade es gewesen sind, die ihrerseits unbefugt bewaffnete Haufen bildeten— aber kein Staatsanwalt hat sich ge- fnnden, gegen s i e Anklage zu erheben. Das ist zweierlei Justiz, die zum Verderben der Rechtspflege gereichen mutz. Der Ängc- klagte babe, wie Redner ausführlich darzulegen sich bemüht, in keiner Weife als Rädelsführer sich betätigt; der Staats- anwalt fühle offenbar die Schwäche seiner Position, indem er sich schließlich darauf zurückzog, daß Ledebour doch der i n t e l I e k- tuelle Führer gewesen sei. Ja: wessen Führer denn? Nur der politische Führer der Arbeiter, nicht aber Führer von Leuten, die sich zu Gewalttätigkeiten zusammengeschlossen haben. In recht- licher Beziehung müsse aber doch auch betont werden, daß dem Angeklagten das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit für seine Tätigkeit g e f e h�t hat. Mit der Besetzung der Zei- tungsgebände hatte der Angeklagte absolut nichts zu tun gehabt. Wie man auch die Beweisaufnahme betrachte, so ergibt sich nichts, was zu einer Verurteilung des Angeklagten führen könnte. Der Staatsanwalt habe unter Hinweis auf die stattgehabten Verur- teilungen von Teilnehmern an den Unruhen der Spartakuswoche den Ausdruck gebraucht: es dürfe nicht nach dem Worte Recht gesprochen werden„kleine Diebe hängt man, die großen aber läßt man laufe n".. Gegen diesen Ausspruch müsse auft entschiedenste protestiert werden, denn er enthalte eine Beleidigung der revolutionären Sozial- demokraten überhaupt, jener idealen Vorkämpfer für Volkes Glück und Freiheit, und es sei«in starkes Stück, sie auf gleiche Stufe zu stellen mit Dieben. Beleidigen kann ja dieser Hinweis, der übrigens auf beiden Füßen hinke. Der Verteidiger schließt seine Ausführungen wie folgt: Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hat vorgestern plädiert als Vertreter der Regierung Scheidemann, er hätte gestern plä- dieren müssen als Vertreter der Regierung Hermann Müller, er könnte heute plädieren als Vertreter der Regierung David und müßte vielleicht morgen plädieren als Vertreter der Regierung Ledebour. Die Geschworenen sollten sich nicht, wie der Staatsanwalt will, zu einem Rcvolutionstribunal machen lassen, denn neben einem solchen steht stets unsichtbar die Geschichte. Nach allem, was diese vier Wochen hier ergeben haben, kann der wirkliche Wahrspruch nur ein F r e i s P r u ck sein."(Beifallskundgebungen im Zu- hörcrranm, wclckie der Vorsitzende ernstlich rügt.) Staatsanwaltschafisrat G y s a e sucht in einer längeren Re- plik die einzelnen Darlegungen der Verteidiger zu widerlegen. Auch Staatsanwalt Z n m b r o i ck> tritt dem Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld in dessen tatsächlichen und rechuiche» Ausfübrungen scharf entgegen, was wieder Entgegnungen auf der anderen Seite hervorruft. _ t_ Brot in geschloffen« Gefäße, wie Trommeln, Steintöpf« und sonstige Gedäckbehälter, zu legen, die in der kälteren Jahreszeit sich gut eignen, aber bei der heißen Temperatur ein schnelles Schimeln des Brotes herbeiführen, namentlich bei dem jetzigen Mischungsverhältnis des Mehles. Der Zwieback wird teurer. Für gute Ware gilt fortan ein Richtpreis von 1,20 M. je Piund. Für diesen Preis mutz der Zwie- back ausreichend mit Zucker gesützt sein. Schwerer Unfall durch Balkoueinsturz. Heute vormittag 11 Uhr stürzte das Balkongesims vom Hanfe Planufer 63. in dem sich die EntlasstmgSstelle U befindet, her- ab und in eine Gruppe von Personen hinein, die sich dprk angestellt hatten. Mehrere Personen sind verletzt, darunter einige schwer; eine Frau und zwei Männer wurden bewntztloS, anscheinend tot, davongetragen._ Arbeiter- und Betriebsräte der S. P. D. Montag, 23. Juni, 7 Uhr, im Festiaal deS Herrenhauses: letzter Vortrag des Gen. Dr. Striemer: Sozialisierung und Demo- tratie der Betriebe. Rednerkursus fällt heute ans. Ter Frieden gegen die Arbeiter. Im Verlag der Buchhandlung Vorwärts ist unter diesem Titel eine achiseitig« Flugschrift erschienen, die darlegt, was die Friedcnsbedingungen der Entente für die Arbeiterschaft bedeuten. Die Schrift ist für den Massenvertrieb bestimmt. Im Zoologischen Garten Sonntag von 5 Uhr ab Milltär-Doppcl- Konzert. Eintiiti in Garte» und Aquarium je 1 M., für Kinder unter 10 Jahren die Halste. In» Vergnügungspalaft Gross. Berlin, früher KliemS Festiäle, Hascndcide tit/IS, Direktion Karl Knappe, Kafteekonzerte jeden DtenStag, Donnerstag und Sonntag._ Groft-Berliner Lebensmittel. Berlin. Auf Lebensmittelkarte der Stadt Berlin 200 g Graupen(37), 100 g Teigwaren(38), 250 g Suppen(39); auf Lebensmittelkarte für Jugendliche zusammen 250 g Haferflocken(37, 38). Abschnitte vom 21. bis 21. Juni. Noch ein halbes Pfund ausländisches Weizenmehl wird nach Voranmeidung(2l. bis 24. Juni) aus AbschnUt V 7 der Einfuhrzusatzkarte ansgegcben. Statt des teueren ausländischen WeizenauSzugniehl» kann auch das billige inländische Weizenmehl bezogen werden. Es ist ohne Vor- anmeldung gegen den ganzen Abschnitt V 7 der Einluhrzulatzkarle in den bclonders lennllrch gemachten Geichästen schon jetzt erhaltlich. Auslands« mchl 1,10 M., JnlandSmehl 0,10 M. je Pfund. Treptow verteilt nutzer den üblichen Rationen.- 200 g Weizengrieß auf Grotz° Berliner LlbenSmitleltauc(33), 5 Pakete Mitchpudding aus LebeiiSmitteltarte für Personen über 65 Jahre(15), 50 g Braljclt auf Einsuhr- Zusatztarte(li 6). 250 g AuslandSmehl aus die Einsuhr.Zusatzkarte(W 8). Martcnsrei: Backpflaumen, Dörrweitzkohl. Auch frische Fische insolg« der reichlichen Zufuhr markenfrei. Stralau. Am 20, Juni 200 Gramm Suppen aus Abschniil 37, Ab- gäbe des Abschnittes bis 25. Juni. Riede rschönhauien. Auf Abschnlit 10(Kinder bis zu 2 Jahren) V, Pfd. Haferflocken. 2 Pakete Keks, Abschnitt 16(KricgSbeschädlgle) Pjd, Patcrflockcn, Abschnitt W 8 der Einfuhrzusahlartc V, Psd, amerikanisches Weizenmeht, Abichnitt 36 200 Gramm Haferflocken. Ablchnitt 142 2 Pfd. Sauerlohl. An Kinder, die in der Zeit vom'28. März 1313 bis 31. Mai 1914 geboren find, sowie an Schwangere, soll Psd. Schokolade oder Kakao verteill werden. Anmeldungen im RalbauS:.A.— U 23. Juni, J-R 24. Juni, S— Z 25. Juni. Auf Abschnitt 26 und 27 der Kartoffel. karte zusammen 10 Psd. Kartoffeln, birst müssen bis 28. Juni entnommen fein. Butler 30 Gramm. Margarine 110 Gramm. Tegel. Aus Grotz-Bcrllner Lebensmittelkarte 100 g Teigware»(35), 250 g Nährjuppen(37), aus Gemewdewirtschastskarte 100 g getrockneten Weitztobl und 100 g getrocknete Möhren, aus SonderlebenSmtttelkarte für ältere Einwohnet: 250 g Hajerjlockeu(4). 1 Lriejchm Sützstog(1> Die Serichterftattung vom Parteitag. Die Parteiversammlungen am Freitag waren gut besuch'k. An ihnen beteiligten sich auch viele Frauen. In allen Bersamm- langen wurde der Bericht vom Parteitag erstattet. Rege Diskus-, sionen schlössen sich an. Soweit uns gemeldet ist, erklärten die Ver- sammelten siche einverstanden mit den Beschlüssen des Partei- tagcs. Die Sondecveranstaltungen unter dem Deckmantel von: Parteiveranstaltungen wurden verurteilt. Der richtige Ort für die Diskussion von Parteifragen sei nur die P a r t e i o c g an t- f a t i o n._ Groß-öerlmer parteinachrichten. Parteifunktionäre, Betricbsvertrauensleute, Arbeiter» räte der S. P. D. Montag, den 23. Juni, nachmittags S Uhr: Funktionärkonfercnz in den Z e nt r al- F est f ä l s n. Alte Jo'obstr. 32. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige politische Situation ist die Anwesenheit aller Funktionäre dringend erforderlich. Mitgliedsbuch und Ausweiskarte legitimiert._____ Der Bezirksvorstand. 0. Abteil. Südosten. Franenversammlung. Montag, 23. Juni. 7,/, Uhr, Schulaula, Britzer Str. 16/17, Vortrag:»Waisensursorge der Stadt Berlin". Ansprache. 13. Abteil. Fraucnabend. Montag, 23. Juni, l1/, Uhr bei H cnnig, Alcxandrinenstr. 44. Genossin Niediger:„Soz. Erziehung im Hause". SS. Abteil. Montag. 23. Juni, 4 Uhr, Flugblattverteilung vom Lokal Bauer. Grotze Frankfurter Str. 1. Ecke Friedenstratze aus. 4S.. 46., 47.. 48. Abteil. Montag, 7 Uhr. Aula Osteroder Str. 37/39. FortfctzungSvortrag des Gen. Redakteur Mermuth über:„Weltfeug und Revolution'. Wilmersdorf. Dienstag, 24. Juni. 8 Uhr, Bismarck- Gymnasium, Psalzburger Sir. 31/32, Mitgliederversammlung. Sehr wichtige TageS- ordnung.__ Gelveeffchaflsbelveglmg Tie Vertrauensmänner der Buchdrucker zum Streik der Hilfsarbeiter. In einer außerordentlich stark besuchten Vertrauensmänner- Versammlung' in den..Musiker-Festsälen", berichtet der Borsitzense Massini ausfübrlich über den Streik der Hilfsarbeiter und die Maßnahmen der Prinzipalität, welche sich nicht nur gegen die Hilfsarbeiter, sondern auch gegen die Buchdrucker richteten. Nach eingehender Debatte wurde folgende, vom Vorsitzenden vorge- schlagender Resolution einstimmig angenommen: Bei der Einsiibrung von Tcnrungszulagen für die Gehilfen- schrtft hat sich fast jedesmal ergeben, oaß die in den Buchdruckereien sonst noch tätigen Arbeitskräfte, soweit sie nicht besoders tadisiert sind, mit der gleichen � Forderung später an die Prinzipalität her- antraten, wodurch sich wiederholt Differenzen zwischen Prinzipalen und Gehilfen entwickelt haben. Das ist bei der jetzt seitens der Hilfsarbeiter aufgest»llten Forderung auf Gewährung einer weiteren Teurnngszulage in umfangreichem Maße der Fall gc- wesen. Die Vertraucnsniäuner der Berliner Vcrbandsgehilftn- schast sind der Auffassung, daß die Gewährung einer Teucrungs- zutage an das Personal einer Druckerei gemeinsam erledigt werden muß. zumindest müßte diese Angelegenheit mit Gehilfen und.Hilft- arbeitern für die Zukunft gemeinsame Erledigung finden. Ucber- baupt sollte es das Bestreben sein, allgemeine Bestimmungen, das Arbeitsverhältnis betreffend, mr alle in einer Buchdruckern tätigen Arbeitskräfte herbeizuführen und in einem einheitlichen Tarif zu- sammenfassen. Sonderbestimmungen für die einzelnen Gruppen könnten nebenher beraten und festgesetzt werden. Zu einem solchen einheitlichen Vorgehen zwingen schließlich auch die Vorgänge im Prinzipalslager, die immer mehr auf die Zentralisierung aller graphischen Berufe hinauslaufen. Ein entsprechender Antrag für die nächste Tarifbcratung soll dem Tarifausschuß zugestellt werden. Generalversammlung der Buchbinder. Die Generalversammlung des Buchbinderverbandes, OrtSver- waltung Berlin, nahm zunächst einen Antrag an, wonach zukünftig auch wieder im„Vorwärts" inseriert werden und die Publikationen des Verbandes erscheinen sollen. Die Versammlung beschäftigte sich sodann mit der Aufstellung der Kandidaten zum Verbandstage.— Zwei Anträge, daß die Kandidaten besragt werden werden.sollten, ob sie auf dem Boden deS revolutionären Räte- shstems stehen, und zweitens, daß die Wählbarkeit von einer fünf- jährigen Verbandsmitglicdschaft abhängig gemacht werden soll, kamen nicht zur Abstimmung, da sie für statutenwidrig angesehen wurden. Die Aufstellung der Kandidaten geschah wie immer»ach Branchen. Aus der Mitte der Versammlung wurden noch weitere Vorschläge gemacht; insbesondere wurde eine Liste mit Kandidaten eingereicht, die von älteren Verbandskollegen aufgestellt worden ist. die Wahl selbst erfolgt durch Urabstimmung am Sonnabend, den 28. Juni in der Zeit von 12— L Uhr in den durch Inserat noch be- kanntzugebcnden Lokalen. Die Beratung der Anträge zum Ver- bandstag wurde für eine spätere Versammlung, die am Mittwoch stattfinden soll, vertagt.______ Heneralversammlung öer Holzarbeiter. Die im Gewerkschaftshaus tagende Generalversammlung der Holzarbeiter, OrtSverwaltung Berlin, nahm den Geichäflsbericht vom 1. Quartal entgegen. Zirkel betonte, daß eine ganze An« zahl von Differenzen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern bei- gelegt werden konnten. Die neue Ortsverwaltung könne für das, worüber er berichte, nicht verantwortlich gemacht werden, da sie die Geschäfte erst seit kurzer Zeit führe.— Im Anschluß an den Be- richt liefen zwei Anträge auf Erhebung von Extrabeiträgen ein, dieselben wurden jedoch zurückgestellt. ES wird dann zur Wahl von 19 Bureauangestelltcn geschritten. Die Prüfungskommission gab die Versicherung ad, daß sie die Prüfung der Bewerbungen vom rein geWerk« schaftlichen Stand»unkt, ohne nach der Par- teizugehörigkeit zu fragen, vorgenommen habe. Auch Siegle versichert, datz die Kommiision nicht nach der politischen Meinung der Bewerber gefragt habe und daß unter den Kandidaten sich auch recht» stehende Kollegen befänden. Aus der Versammlung wurde der Antrag gestellt, datz die Kandidaten ihre Parteizugehörigkeit bekanntgeben sollen. Trotz- dem sich Siegle krampfhaft bemühte, den Antrag zu Fall zu bringen, wurde derselbe angenommen. Nunmehr stellte es sich heraus, datz bis auf eine Ausnahm« sämtliche 17 Kandidaten der U. S. P. und ff. P. D. angehören. Gewählt wurden Freyaang, Horn, Müller, H-ynisch, Natebusch, Palm. LieSke. Mensch, UlniSki und Franz. Von diesen gehören drei der K. P. D. und sieben der U. S. P. an.(So hat die Kom- Mission die Prüfung lediglich..vom rein gewerkschaftlichen Stand- punkt" vorgenommen. D. Red.) Eine ganze Reihe von Anträgen forderte die Wirderbenutzung des„Vorwärts" als Publikationsorgan. Bei Begründung der Anträge entstand der übliche Radau. Be» zeichnend war es, daß der Bevollmächtigte Siegle nichts tat um den Rednern, die für den„Vorwärts" sprachen. Gehör zu verschaffen. Di« Anträge wurden gegen eine starke Minderbeit ab- gelehnt. Damit ist die iicne unabhängig-kommunistische Otts- Verwaltung die Antragsteller nicht los geworden; ne werden wieder kommen und mit steigendem Erfolg für die Gleichheit und Gerech» gleit in der Olgcuusation wrrleu. AlsMg-MskM K»pferd?Sl»te und andcrc kietuilche Malerialien kauft Blcktromechanik Zentrum Sturjeftt. IS. Sei.: Alex. 47W. Ilitlila- fimm Vertäut im Fabrikniagazin N ZI, Watutr. 17/18. Bureaubedarfsartikel. Amerikanische Journale. SesshlsMeter Clebr.SElierk,1""�' Sir. 193. 2>S3D* Amt Moritzplati Nr. J481, �S2, 3483. J Ä-jt-■■<« auch defekte, tau? EteKtromotore p Frantf. Allee 858 TBvmdm. oitene Füüe, Krampiader- teidca heilt togar in ver- rwcifelten Pältenmlt oft üherraschcndeni Erfolg(Ee koutMldcnds schmerz- und uckreizsiillcnde„Voter Philipp»Snlbe". Preis 3.80 und 3,75 M.; erhältlich in der Eleianien-, Kronen-, Victorle- und in der Mjner.a-Apoitieiic, Charlonenburp:. 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