Nr.314. 36. Jahrg. Bezugspreis: Bierteljährl. 9,— Mi., wonatl. S,— Mi. frei ins Haus, voraus zahlbar, Post- bczug: Monatlich S,— Mi., exkl. Au» stellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn K�ö Ml., für da« übrige Ausland 10 2Z Ml., bei täglich eimnal. Zustellung 8.2ä Ml. Postbestellungen nehme» an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs�P reisliste. Der„Vorwärts� mit der Sonntags» beilage„Boll u. Zelt" erscheint wochen« täglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrai Berlin", Vevlinev VolKsblstt. (20 Pfennig� AnzeigeupreiS: Di« achtgelpaltcne Nonparetllezelle iostet 1,20 Ml.„kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wart 50 Pfg. lzuläfstg L fettgedruckte Warte), fcdcs weitere Wort 25 Pfg. Stellengesuche und Cchlasstcllenanzetgen das erste Wort tO Pfg. jedes weitere Wort 20 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zähle» für zwei Worte. Teucrungszufchlag 50°/» Familien- Anzeigen, politisch- und gewerkschaftliche Vereins» Anzeige» 1,20 Ml die geile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmiltags im Hauptgeschäft, Berlin EW KS, Lindenstratze 0, abgegeben werden. Seöffnet von 9 Uhr früh bis S Uhr abends, Zcntmlorgnn der rozialdemokratifchcn Partei Daitfcblands. Reüaktion und Expedition: EW. 6$, Ondenstr. 3. Fernsprecher: Amt Morihpla«. Nr. 1.3» 90— tot 97. Sonntag, den ÄÄ. Juni 1N1N. vorwärts-verlag G.m.b. h., SV. b8, Lindenftr. 3. Fernfprechcrt Amt MoriNPlat,, Nr. 117 2Z— 31. Ministerium Sauer. Weimar, 21. Juni. Das neue Reichsministcrinm setzt sich, wie folgt, zusammen: Präsident des Rcichsministeriums: Bauer, Rcichsminister des Auswärtigen: Hermann Müller. Inneres: Dr. David, Vertreter des Reichsmiuisterpräsidcn- ten und Reichsminister der Finanzen: Erzbcrgcr, Reich s wirts chasts mini st er: Wisscll, Reichsarbeitsminister: Schlicke, Reichsschatzmini st er: Mayer- Kaufbeurcn, Rcichspostminister: Giesberts, Rcichsverkehrsminister und weiter betraut mit der Führung des Rcichskolonialamts: Bell, Rcichswehrmlnister:'Noskc, Rcichsernährungsminlst er: Schmidt, R c i ch s j u st i z m i n i st e r: bleibt offen. WTB bemerkt hierzu: Unter den Minister» befindet, sich ei» Bayer und ein W ü r t t e m b e r g c r. * Das Kabinett wird sich Sonntag nachmittag um 3 Uhr der Nationalpersammlung vorstellen und seinen Entschlus? erklären, den Friedensvertrag zu unterzeichnen. Diese Entschlietzung wird auch den alliierten und assoziierten Mächten gleichzeitig mit dem Ersuchen übermittelt, den Termin für die Unterzeichnung hinauszuschieben. Das ist notwendig, weil, gleichgülng von wem die Unterzeich- nung erfolgt, von einer besonderen Abordnung oder vqn den Be- amten des Asiswärligen Amtes in Bersailles neue Vo.llmach- ten notwendig sind. Ueber den Modus der Untcrzeich- n u n g ist sich das Kabinett noch nicht schlüssig geworden. im Württembergischen Ministerium. Geboren ist Schlicke am Ü8. März 1863 zu Berlin. Genosse Hermann Müller, der das Aeuhere übernimmt, hat soeben erst vom Sozialdemokratischen Parteitag ein Vertrauens- Votum bester Art erhalten, der ihn als Nachfolger ScheidemannS zum Partcivor sitzen den wählte. Hermann Müller wurde am 18. Mai 1876 zu Mannheim geboren, er war von Haus aus Handlungsgehilfe. Seit 1830 Parteisekretär in Görlitz, wurde er 1966 in den P a r t e i v o r sta n d berufen. Dem Reichstag gehörte er seit 1916 für den Wahlkreis Reichenbach an. Das Portefeuille des Acutzcren dürfte er wohl erhalten haben auf Grund seiner mehrfachen Vertretung der Partei auf � i n t e r n a t i o n ä l e n Kongressen, zuletzt, auf der internationalen Sozia- l ist en k o n f er e nz in Bern, während er in Amsterdam— aljnc Verschulden— nicht mehr rechtzeitig eintraf. Ghne üie Demokraten! Dem neuen Kabinett Bauer gehören 7 Mchrheits- s o z i a l i st c n und 4 Zentrumsleute an. Tic An- nähme, daß die deinokratischr Fraktion als solche sich nicht bc- teiligen, aber doch den Eintritt einzelner Mitglieder der Par- tei in das Kabinett zulassen werde, hat sich danach nicht b e- st ä t i g t. Die Demokraten haben vollständige Ab- st i n e n z geübt. Das Verhalten der Demokraten tvährend der ganzen Krise ist ein wenig Rühmliches und für das deutsche Volk wenig nützliches gewesen. Nachdem klar war, daß die Ablehnungspolitik einfach schon an der Stärke der Opposition scheiterte�hätten die Demokraten sich nicht länger versagen dürfen. Statt dessen haben sie durch ein ge- fährliches Konipromiß- und Jntrrguenspiel das Land in schwerste Gefahr gebracht und die Krise zu heilloser Ver- wirrung getrieben, kurzum eine Situation geschaffen, aus der ohne die Entschlossenheit unserer Parteigenossen, die Sache zu Ende zu bringen, kaum noch.ein Auswog gewesen wäre._ Die neuen Männer. In dem neuen Kabinett wird die Sozialdemokratie die Mehrheit haben, unter den neu eintretenden Ministern befinden sich drei Parteigenossen, nämlich: Bauer. Hermann Müller und Schlicke. Von diesen haben sich speziell zwei in der Gewerkschaftsbewegung eyiporgearbeitet, nämlich oer Ministerpräsident selber und sein Nachfolger im Reichs- arbeitSministerium Alezander Schlicke. Gustav Bauer wurde am 6. Januar 1376 in Darkehmen, Ostpreußen, geboren, er hat also das 56. Lebensjahr noch nicht vollendet. Von Haus aus Burcauangeftcllter: seit 1893 Bureau- Vorsteher kam er über den von ihm begründeten Burcauangestellten- verband sehr bald an leitende Stelle der gesamten Gewrkschafts- bcwegung, von 1963 bis 1368 war er Sekretär des Zentral-Ar- beitcrsekretariats in Berlin, seit Oktober 1965 zweiter Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften. Seine parlamentarische Laufahn begann er verhältnismäßig spät, nämlich 1912, er hat also nur dem letzten Reichstag vor der Revolution angehört, in den ihn der Wahlkreis Breslau-Cst entsandte. Seine parlamentarische Tätigkeit, namentlich in sozialpolitischen Fragen war sehr frucht- bar. Neben Scheidemann war er der erste Sozialdemokrat, der in die Regierung gelangte; er gehörte bereits seit dem 5. Oktober 1913 dem Kabinett des Prinzen Max von Baden an. Seine ruhige Sachlichkeit und sein treffsicheres Urteil haben Gustav Bauer schon lange das Vertrauen weiter Parteikreise erworben. 'Alexander Schlicke ist besonders durch seine Tätigkeit im Deutschen Metallarbeiterverband bekannt ge- worden, der größten deutschen Gewerkschaft, deren Vorsitzender er seit 1895 war. Seit 15. Januar 1919 ist Schlicke Arbeitsminister Die Fraktion stimmt geschlosten. Eine Erklärung der Minderheit. Die unterzeichneten Mitglieder der sozialdemokratischen Frak- tion der Nationalversammlung haben folgende Erklärung erlassen: Wir unterzeichneten Mitglieder der sozialdemokratischen Frak- tion der verfassunggebenden Nationalversammlung sind, wie die Gesamtheit der Fraktion überzeugt, daß die Annahme des von der Entente angebotenen Gewaltfriedens dem Wohle dcS Reiches und der deutschen Arbeiterklasse sowie dem Weltfrieden schädlich ist. Wir sind für A b l c h n u n g. des sogenannten Friedensver- trage», um unsere Gegner, falls sie auf der Durchsetzung, der. Be- dingungcn bestehen, in die Notwendigkeit zu versetzen, i h n s e l b st durchzuführen und sich dadurch am wirksamsten von der moralischen und materiellen Unmöglichkeit der von uns geforderten Bekenntnisse und Leistungen zu überzeugen. Wir lehnen deshalb die Zustimmung zu diesem Frieden ab. Wir wollen jedoch in Würdigung der Motive, die für den Be- schluß der Mehrheit matzgebend sind, und im Interesse der Auf- rechtcrhaltung der Einheit der Partei davon absehen, in der Ratio- nalversammlung abweichend von der Fraktion zu stimmen. gez. Wolfgang Heine, Max Ouarck, Adolf Braun, Georg Schöpflin, Voigt, Antonie Pfülf, Klara Bohm-Schuch, Hans Vogel, Mich. Hierl, Th. Wolfs, Hoffmann(Pfalz), Fischer-Berlin, Ab. Thiele, Th. Kotzur, Otto Landsberg. Die Haltung üer Truppen. Generale für Unterzeichnung. Wie die Telegraphen-Union meldet, dielten die zurzeit in Weimar anwesenden Fübrer der Freiwilligentruppen General Groener, Maerker, v. Lütt Witz, Oldershausen, ferner Admiral v. Trotha gestern im Schloß Belvedcre in Gegenwart von Reichswehrminister N o s k e, Kriegsminisler Reinhardt wiederum eine Beiprechung der Lage ab. Dabei hat sich die Mehr- zahl der erwähnten Herren für Unterzeichnung des Vertrages aus- geiprocken. Generalfeldmarichall v. Hin den bürg hat ein Schreiben gesandt, in dem er sich gegen die Unterzeichnung ausspricht. Von der Presseabteilung deS Generalkommandos L ü t t w i tz geht uns ferner folgende Nachricht zu: In Berlin laufen Gerüchte um, daß unter den Truppen deS Generalkommandos Lültwitz eine Abstimmung über Annahme oder Ablehnen des Friedensvertroges stattgefunden habe. Die Truppen sollen dabei den Entschluß bekundet haben, im Falle der Annahme de§ Friedensvertrages der Regierung die Gefolgschaft zu verweigern. An diesen Gerüchten ist natürlich kein wahres Wort. Richtig ist lediglich, daß die Truppen sich wiederholt in scharfen Protesten gegen die Annahme der Schmach- Paragraphen ausgesprochen haben und nach wie bor voll und aanz�us dem Boden der in der Universität Berlin kürzlich abge- gebenen Erklärung der gesamten deutschen Reichs» wehr, gegen die Unterzeichnung stehen. Rücktritt ües Genosten Stampfer. Genosse Friedrich Stampfer hat dem Partei- vorstand und der Pretzkommission mitgeteilt, daß er von seinem Posten als Chefredakteur des„Vorwärts" zurücktritt. Um Mißdeutungen vorzubeugen, hat Genosse Stampfer uns ermächtigt, an dieser Stelle mitzuteilen, daß sein Rück- tritt nicht auf die bekannte Meinungsverschiedenheit über die Fricdensfragen innerhalb der Redaktion zurückzuführen ist, sondern daß er seinen Entschluß mit Rücksicht auf die ge- samte politische Situation gefaßt hat. das Kabinett der Unterzeichnung Die neue Regierung, die gestern unter der Führung des Genossen Gustav Bauer zusammengetreten ist, wird vor Gegenwart und Zukunft einen schweren Stand haben. Eine seichte und tendenziöse Geschichtsauffassung wird ihr� die Schuld zuzuschieben suchen, die ganz andere Leute auf das deutsche Volk geladen haben, sie wird versuchen, auf Jne unbefleckten Namen dieser Männer den Schimpf und die Schande der' bankerotten Machthaber zu häufen, die vor sieben Monaten teils nach Holland, teils nach Schweden d c- s e r t i e r t sind. In der Weltgeschichte wird man. das neue Kabinett als dasjenige zu stigmatisilycen suchen, das den entsetzlichsten Frieden unterzeichnet hat, der dem deutschen Volke seit mehr als hundert Jahren zugemutet wurde. Unterzeichnet wohl, a der nicht v erschuldet. Aus den Spalten der nationalisti- schen Presse heult bereits das Schimpfwort vom„Schand- kabinett".— Ach, es sind die Schandbuben selber. die gemeinen alldeutschen Verräter des deutschen Volkes, die hinter dieser Schimpfkanonade verbergen wollen, daß wir vor den Früchten ihres erbärmlichen Tuns stehen- Dieses Pack hat jetzt gut sich in die Brust zu werfen und zu schreien:„Auf keinen Fall unterzeichnen!" Ja. hättet Ihr uns mit Eurer frivolen und verbrecherischen Politik nicht in die jetzige Lage gebracht, dann brauchten wir allerdings nicht zu nnterzeichuen! Mit allen Euren Tobsuchtsansällen werdet Ihr die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß der Friede, dem das Kabinett jetzt seine Unter- schrift geben muß, d c r F r i e d e ist, den die All- deutscheu, den Wilhelm, Ludendorss, Tirpitz. R e v c n t l o>v usw. dem deutschen Volk de- schert habe n.„Friede der Alldeutschen"— das tvird sein Name sein. Aber der alldeutsche Stinkgasangriff, der bereits konzen- irisch gegen die neuen Männer einsetzt, wird die geringste Ge- fahr für das Kabinett Bauer sein. Dagegen schützt en: gutes Gewissen und die Rhinozeroshaut, ohne die es in der Politik nicht geht. Ernster zu nehmen sind schon die realen Machenschaften der Rechten, auf die wir in unserer gestrigen Nachmittagsausgabe hingewiesen haben. Hinter dem alldeutschen Toben und Wüten verbirgt sich mehr als eine bloße Gomütsstimmung. Die Deutsch-nationale Volkspartei erläßt bereits im voraus einen offenen F e h d e a u f r u f gegen das kommende Kabinett, der zwar sorgfältig jedes Wort von offener Gewalt vermeidet, der aber die bezeichnende Ueberschrift trägt:„Die Ehre gebietet: Nun!"-� Daraus soll wohl die alldeutsche Anhängerschaft entnehmen, daß der Moment zum Losschlagen gekommen ist. Und in dem Aufruf selber heißt es: Wenn wirklich deutsche Männer sich finden sollten, die diese Schmach unterzeilbnen, dann ist eS heiligste Pflicht aller National- gesinnten, sie a»sS schärfste zu bekämpfe». Dieser Kampf tvird ein Kampf um Lebe n u u d Tod der deutschen Freiheit sein. Unter diesem Gesichtspunkt begrüßen wir eS besonders, in dem neuen Kabinett den Genossen N o s k e wiederzufinden, der übrigens unseres Wissens von Anfang an die Notivendigkeit der Unterzeichnung erkannt hat. Wenn die Alldeutschen mit ihren wahnsinnigen Plänen Ernst tnachcn, so wird er Gelegenheit haben, zu zeigen, daß all' sein Tun. weswegen er von links angefeindet tvird, doch nur dem einen Zwecke gedient hat: Dem Schutz der republikanischen Freiheit und der Demokratie, er wird bciveisen, daß er der Mann ist. diese Errungenschaften gegen jede» Angriff zu verteidigen. Neben dem Verbleiben Noskes begrüßen wir auch ganz besonders das des Genossen Wissell, das— zum Entsetzen allerWirtschastsrcaktiouäre— zeigt, daß das Wissell'sche S o z i a l i s i e r u n g s-Programm unverändert weitergeführt werden soll. Mit dem Ausscheiden d e r d e m o k r a t i s ch e n M a u ch e st e r m ä n u e r ist so- gar die Aussicht auf reibungslose Durchführung dieses Pro- gramms bedeutend gestiegen. Trotzdem ist natürlich nicht zu verhehlen, daß der Abzug der Deutschdemokraten aus der Regierung an sich eine ge- wisse Schwächung für die Position des neuen Kabinetts bedeutet, da seine Basis entsprechend schmäler geworden ist. Denn die Unabhängigen weiden wohl das Kabinett in der einen Frage der Unterzeichnung unterstützen, im übrigen aber besteht wenig Aussicht, daß sie ihre Bequemlichkeits- Politik der grundsätzlichen Opposition verlassen werden, wie sie ja auch jetzt schon— trotz ihres Eintretens für die Unterzeichnung— es selber ablehnen zu unterzeichnen. Wir wissen sehr wohl, bah eine ausschließlich aus Zen- trum und Sozialdemokraten bestehende Regierung eine sehr wenig bequeme Form des Regierens ermöglicht, aber was wir schon vor zwei Tagen schrieben, bleibt bestehen: Dies ist die einzig mögliche Form der Regierung, und sie muß deshalb gewagt werden. Was die„nationalen" Parteien so oft als Phrase in die Welt hinausposaunten, das macht die Sozialdemokratie jetzt wirklich und im besten Sinne wahr: Sie stellt das Vaterland über die Partei; sie erweist dem deutschen Volke den letzten schwersten Dienst, um ihm zum Frieden zu verhelfen, ohne danach zu fragen, ob sie vom Standpunkt der egoistischen Parteipolitik klug daran tut. Und dasselbe Opfer, daß die Partei als Ganzes dem deutschen Volke bringt, das bringt jeder einzelne der neuen Männer, die sich bereit erklärt haben, dem neuen Kabinett beizutreten. Nur ein kompletter Narr oder öiigner könne behaupten, diese Männer hätten die Regierung übernommen, weil sie Gelüste nach Ministersesseln oder der Herrlichkeit des Herrschens hätten. Sie wissen sehr wohl, daß für eine deutsche Regierung in der jetzigen Situation wohl sehr viel Haß und Anfeindung, aber sehr wenig Dank und Ruhm zu ernten ist, daß ihr einziger Lohn das innere Bewußtsein bleiben wird, in schwerster Stunde dem deutschen Volk nicht ihre Hand versagt zu haben. Für das Kabinett Bauer gilt das Wort, das vor 400 Iahren der Landsknecht Frundsberg in Worms Martin Luther zurief: ..Mönchlein, Mönchlein, Du gehst einen schweren Gang, so ich und mancher Äriegsknecht nicht gegangen." Die Schwierigkeiten des neuen Kabinetts werden mit der Unterzeichnung des Friedens erst anfangen. Denn es muß seine Aufgabe sein, unmittelbar nach der Unter- zeichnung den Kampf gegen diesen Frieden a u f z u n e h m c n. Dabei wird es vor der verzweifelten Lage stehen, das deutsche Wirtschaftsleben trotz aller Erdosseluugen und Keulenschläge, die dieser Frieden bedeutet, weiter zu führen und aufrecht zu erhalten, bis es in diesem Kampf gesiegt hat. Fürwahr, an sich schon eine Aufgabe, vor der auch der Mutigste verzagen möchte! Diese Ausgabe wird es aber obendrein zu erfüllen haben, während von der äußersten Rechten herein rücksichtsloser An- stürm erfolgt, der zweifelsohne eine ebenso rücksichtslose Gegen- b e w e g u n g� von feiten der ä u ß e r st e n Linken aus- lösen wird. Selten haben in der Weltgeschichte Mäniker eine solche Herkulcsarbeit zu bewältigen gehabt. Nur eine Möglichkeit gibt eZ. sie zn erfüllen:"Wenn das Volk erkennt, daß derartiges nicht nur von ein paar Männern geleistet werden kann, sondern daß es �selber, das ganze deutsche Volk, mit gleicher Selbstaufopferung und eiserner Pflicht- erfüllung bis zum Aeußersten die Arbeit des Wieder- aufbaut u n t e r st ü tz e n muß.' die Sitzung ües ZrieSensausschustes. Nationalversammlung bis Freitag. Weimar, 21. Juni. Die um 6 Uhr anberaumte stark besuchte Sitzung des Frieden aus schusses der Nationalversamm- lung, an der auch Mitglieder des Staatenausschusses teilnahmen, lvurde nach dreivirtlstündigrr Dauer abgebrochen. Nach Be- kanntgabe von Telegrammen für und gegen die Annahme des Friedensvertrages, darunter ein Telegramm der Berliner a a t s r e ch t s l e h r e r für bedingte Annahme, teilte Relchsnnnister Erzbcrgcr im Auftrage des' Ministerpräsidenten Bauer die M i n i st e r l i ste mit. Auf Anfrage erklärte sowohl RcichSministcr Müller wie Reichsminister Erzberger die Breitioillig- teit, heute abend den Mitgliedern des FricdenSau tschusses vertrauliche Mitteilungen über die allgemein,! La-g e zu machen. Die Sitzung findet im Schlosse statt. Weimar, 21. Juni. Das Plenum der Nationalversammlung tritt iqorgen, Sonntag, um 12 Uhr zu einer Sitzung zusammen, um zu der Friedensfrage Stellung zu nehmen. Nach den bisherigen Plänen wird die Nationalversammlung bis z ck in Freitag, den 27. Juni, zusammenbleiben, um die Vcrfassungs Vorlage und kleinere Vorlagen zu erledigen. Dann soll eine Pause bis zum Dienstag, den 1..Juli, eintreten. Der Kampf um öie Leitung öer Staats- theater. Während die übrigen ehemaligen Hoftheatcr(in Bahern. Sachsen, Württemberg, Baden) sich ihre Neue- Verfassung bereits zum Teil seit längerer Zeit gegeben haben, wird in Preußen immer noch an der Lösung des Problems gearbeitet. Genosse Ludwig Seclig, der als Vertrauensmann der Bühnengenosfeuschaft das Theaterreferat übernommen hat, scheint auf vielerlei Widerstände innerhalb und außerhalb des Kultusministeriums zu stoßen. Wie aber auch das neue Statut, das den kapitalistischen Privat- theaterunternehinern nicht minder wie den Kunstnutokratcu� und Anhängern des ewig Gestrigen ein Stein des Anstoßes ist, ausfallen i»öge— die Staatstheater verlangen dringend nach einer definitiven Regelung der künstlerischen Leitung. Es war deshalb bom Mi- nisterium dem Personal— gewissermaßen als Vorschuß aus die künfttgen�Befugnisse— das Recht zugestanden worden, einige Per- sonen unverbindlich namhaft zu machen, die ihr Vertrauen als künstige künstlerische Leiter genössen.(Das definitive Wahlrecht wird erst fn der neuen Satzung festgelegt.) Das Personal der Oper nahm nun in einer Vollversammlung am Sonnabendmittag zur Kandidatenfrage Stellung und stellte als seinen Kandidaten Max v. Schillings äuf, den es deni Ministerium vorschlagen wird. Daneben erhielten Stimmen der interimistische Direktor Dröscher und Paul Bckker, der Musitreferent der„Frankfurter Zeitung", sowie— der frühere Generalintendant Hülsen. Tie Ernennung de» Herrn Schillings ist damit natürlich noch nicht gesichert. DaS Ministerium kann ihn natürlich ablehnen, um so mehr, da das Personal nur einen Vorschlag gemacht hat. Würde der bisherige Stuttgarter Generalmusikdirektor die Leitung der Bertiner Oper übernehmen', so bekäme sie zweifellos eine Person- lichkcit, die als feinsinniger Komponist(„Der Pfeifertag" und „Mona Lisa" beweisen, daß er mehr als btoßer Wagnerepigone ist) wte hervorragender Dirigent eine gute Figur machen würde. Ob er aber die nachhaltige Kraft des Organisators, die Initiative des Neugestalters und das Verständnis für die neuen, besonders auch sozialen Ausgaben der TtaatSover haben wird,-das alles ist un- gewiß. Herr Schillings weist als Gesamtcrscheinung sicher mehr in die Vergangenheit als. in die Zukunft. Anders Paul Belker, der freilich nicht das Prestige eines bekannten Komponisten und die Popularität eines Hofiapellmeisters noch die guten Beziehungen hat, die leider auch unter dem neuen Regime immer noch eine große Rolle spielen. Er ist Berliner.Kind, kommt von unten und hat von Jugend auf BühnenpcariS. Er hat als Musiker in der hiesigen Oper gewirkt, ist dann Kavellmcistcr und schließlich Musikkritiker geworden. Weit über die istätte seine? letzten Wirkens— Frankfurt a. M.— ist er seil zehn Jahren durch ferne an neuen Gedanken und resormatorischen Borschlägen reichen Schriften fdaS Iiusikdrama jj« Gegenwart, Beethoven, das Musik» Man hofft, die erste Lesung der Steuergesetze und andere Vorlagen bis zum lö. Juli erledigen zu können. Die Ausschuß- beratungen über die Steuervorlagen werden dann voraus» sichtlich in Berlin stattfinden. Der Schrei öer Zeigen nach öem Mutigen. Ein Mann wird sich schon finden... Ter Friede wird rechtzeitig unterschrieben werden. Trotzdem benimmt sich die„Freiheit" wie eine Wahnsinnige. Was in Weimar geschehe, sei Schande und Verbrechen, sei Schwatzen, Kombinieren und Intrigieren, sei unsühnbares Versäumnis, seniler Marasmus, politische Torheit und Feigheit, nationaler Verrat, bewußtes Doppelspiel, Gipfel der Schändlichkeit, frivolstes, unverantwort- lichstes Treiben, Schindluderspiel mit dem deutschen Volke, geradezu entsetzlich, Marrenspossen, unverantwortliches Verbrechen, unerträg- liche Schande, elender Volksvertreter. Dies eine kleine Blütenläsc ausein emeinzigenAntikel der„Freiheit". Dabei schreit das Blatt nach dem einen mutigen Mann: .,Wenn«Herr Müller die Kabinettsbildung nicht trifft und Herr David im letzten Moment nach einem Kompromiß zwischen Ja und Nein sucht, und an dieser Lächerlichkeit und Unmöglichkeit zugleich scheitert, dann nehme man doch irgendeinen anderen von de» Dutzenden der Abgeordneten, aber man mache doch dieser Würdelosigkeit endlich ein Endel... Einen Mann wird man doch wohl finden, der den Mut zur Verantwortung hat und das Notwendige zu tun nicht feige zurückschreckt!" Einen Mann wird man doch wohl finden! Das schreiben die- selben Leute, die uns nun schon zum Ueberdrutz erklärt haben, daß sie zwar unbedingt fürs UnterzRchnen wären, aber ebenso unbedingt auf keinen Fall selber unterzeichnen würden. Mit dieser Haltung haben die Unabhängigen zum großen Teil die kritische Situation in Weimar geschaffen, über die sie jetzt zetern. Sie schreien nach dem mutigen Mann— und decken damit auf, wie feige sie selber sind. Zriftverlängerung bei Unterzeichnung Z Andernfalls sofortiger Vormarsch. Versailles, 21. Juni.„Chicago Tribüne" meldet, heute nacht sei in Paris eine geheime Meldung eingetroffen, daß Deutchland den Bertrag unterzeichne» werde. Das Blatt erfährt ans bester Duelle, daß Clemcncean, Lloyd George und Wilson keine Fristverlängerung auch nur um eine Minute gewähren wollen, außer wen» Deutschland das Ber-> sprechen abgibt, daß der Bertrag unterzeichnet wird. Eine Woche ist die äußerste Grenze für die Fristvcr- längerung, da sowohl Wilson wie Lloyd George Paris schnellstens zu verlassen wünschen. Man glaubt, daß Deutschland morgen um ciac Fristverlängerung nachkommen wird mit der Bc- gründung, daß die neue Regierung in Bildung begriffen ist. Dieser Antrag wird von den Alliierten nicht abgelehnt werden können, wenn Deutschland offi- zielt oder inoffiziell seine Absicht kundgibt, zn unterzeichne». Wird dabei eine solche Zusicherung nicht gegeben, so werden englische, franzöfischc und ameritauijche Truppen DienStag bei Tagesanbruch ihren Bormarsch beginnen. „New Uork Herald" bestätigt diese Angaben der„Chicago Tribüne" und meint, daß die Unterzeichnung auf jeden Fall nur eine Frage von Tagen sei. In Bcrsailles würden die Bor- bereitnngen für die Zeremonie eilig zu Ende geführt. Die fran- zösischen Pariser Morgenblätter wissen von dieser eventuellen Frist- Verlängerung nichts zu berichten.„ M a t i»" schreibt, daß man in Kreisen, welche mit der Friedenskonferenz i» naher Berührung stehen, grster» abend erklärte, daß die Alliierte» keinesfalls unter dem Borwandc der Bolksabstimmung oder Miuisterkrisc eine Fristvcrlönge- rung gewähren werden.__ Die Dlockaöevorkehrungen in öer Gftsee. Kopenhagen, 21. Juni. Gestern sind in der südlichen O st- see zehn weitere englische Kreuzer eingelaufen, so daß sich in den Gewässern vom Skagerack bis zum Finnischen Meerbusen gegenwärtig über 20 Einheiten aufhalten, die zusammen mit den Torpedojägcrn die deutschen Küsten blockieren und die lückenlose Absperrung DeutschlaneS in der Ostsee durchführen sollen, falls die Feindseligkeiten Montag abend wieder aufgenommen werden. leben) bekannt geworden. Er hat als erster bei uns das Musik- leben vom k entscheidenden soziologischen Gesichtspunkte aus bc- trachtet und alle wichtigen Faktoren, die bei der Schaffung des Kunstwerks mi�-'irken, richtixfgcwürdigt. Für die neuen A iu- gaben, die des Leiters am Opernhanse harren, ist er wie Wn zweiter Kandidai geeignet: er tritt ein für all die Forderungen des Personals nach Mitbestimmung und Mitverantwortung, er sieht es als cinc wesentliche Ausgabe einer Älaaisoper an. eine Volksoper im höchstdn Sinne zu werden. Sein künstle vi sch es Programm hat Paul Bekker hier im„Vorwärts" selber entwickelt, im Gegensatz zu dem Straußschcn Allerwclts- und Kompromißsystem zeigt es feste, in die Zukunft- weisende Linien. Mit Recht hat das Präsidium der Ge- nossenschast ihn als Kandidaten befürwortet. Das Ministerium sollte ihn tNcht fallen lassen, wtznn er auch zunächst noch nicht die Majorität der Künstler für sich hat. Das Personal des Opernhauses sollte sich darüber klar weichen. daß ihr künftiger Leiter einen neuen Kurs steuern muß. esch Illings mag ihnen eine gewisse Garantie für die Fortführung in der bis- her igen Art zu bieten scheinen. Aber das Geschick der Oper, die nicht mehr als Luxusbühne wie bisher weitergeführt werden kann. verlangt dringend einen Mann, der ihr entschlossen und kühn neue Wege zu neuen Zielen zeigt. Im Zusammenwirke!! mit ihm könnten Schillings wie Strauß ihrem künstlerischen Ehrgeiz volles Genüge tun, ohne ihre Kraft an Aufgaben verzetteln zu müssen, die eines neu orientierten Organisators und sozialen Kunstführers bedürfen. (dffenbach. Um Jacques Offenbach, den Hundertjährigen, in dem der leichte Lebensfrohsinn des Rheinländers mit dem des Parisers sprühend und springend ganz in eins verschmolz, ist heule kein Streit mehr. Er wollte ein Meister der komischen Oper öj�vu, ein Meister vollkommener Knnst, viel Mehr als das, was er im Kampf ums Dasein in der Luft des zweiten Kaiserreiches unter rauschendem Jubel der Gassen nnd Säle und SalonS wurde. Auf- gestiegen zu glänzender Geltünß und abstürzend mit der Gesell- schaft, die chn emporgetragen, erreichte er zwischen hunderterlei schnellem Tageswerk endlich mit„HofsmannS Erzählungen" oaS ersehnte Ziel hoher Künstlerschaft. Aber der Siegeskranz fiel auf ein Grab. Doch auch ohne dieses Werk steht Offenbachs Name in eine Tafel, die dauert, eingetragen. Denn dieser Musiker war einer, der seine Welt, die Welt der hetzenden, neuen, kapitalistisch bewegten großen Städte, losketten half von dem erdrückenden Gc- dränge des Alltags: sein Zaubermittcl war daS alte Fürrecht des Menschen, das Lachen. Offenbach war, mit Paul Belkers Wort, „ein echter Sprößling aus dem Geschlecht des Aristophanes, der Betjer Rabelais' und Heines". So lebt er weiter mit unserer weiterhetzenden Welt. Offenbach gehörte dem zweiten französischen Kaiserreich, und er ist das einzige« was nach langer Pause von dessen verschölle- viererrat unö öie öeutsthe Regierungskrise. Beratungen über die neue Lage. Bern, 2t. Juni.(TK.) Aus Paris wird gemeldet, daß Prä- sident Wilson infolge der deutsche» Regierungskrise seinen Aufenthalt in Belgien plötzlich unterbrochen und im Sonderzuz nach Paris zurückgekehrt ist. Auch Lloyd George trifft heute vormittag wieder in der französischen Hauplstadt ein. Un- mittelbar darauf soll eine Sitzung des BiererralS stattfinden, in der sich die leitenden Staatsmänner mit der neugeschaffenen Lage befassen wollen. Bereits im Laufe des gestrigen Tages fanden Konferenzen zwischen Clemsnceäu, Balsour und Lansing statt, in denen die Kabinettskrise in Deutschland erörtert wurde. Die Alliierten ver- treten die Ansicht, daß sie mit einer rein unabhängigen Regierung unter keinen Umständen bindende Verträge schließen können, son- der» nur mit einem Kabinett, das eine parlamentarische Mehrheit hinter sich hat. Die englische presie zum Regierungswechsel Haag, 21. Juni. Der Korrespondent des„Amsterdamer Handels- blad". in London meldet: Die Nachricht vom Rücktritt des deutsche!, Kabinetts erregt hier großes Interesse aber keine Sensation. Man sieht in diesem Ereignis ein sicheres Anzeichen dafür, daß der Friedensvertrag unterschrieben wird. Der„Daily Telegraph" ist der Anficht, daß die Unterzeichnung erfolgt und sagt in einem Leitartikel: Wir sind dankbar dafür, daß Deutschland durch den Beschluß, zu unterzeichnen, die Alliierten von der not- wendigen Erfüllung einer sehr unangenehmen Pflicht enthebt. Wenn die Nationalversammlung den Be- .schluß, zu unterzeichnen, genehmigen wird, so wird dies der erste Schritt Deutschlands sein, der auch vor der Außenwelk Deuts cd- lands Aufrichtigkeit beweist. Aber bevor die neue deutsche Delegation sich nicht auf dein Wege nach Versailles befindet, und bevor die Unterzeichnung nicht stattgefunden bat, besteht sclbsiver- ständlich keine Veranlassung, unserer Freude Ausdruck zu geben. Die Stellung der englischen Sozialisten. DaS englische Arbeiterblatt„Daily Herald schreibt: Man kann es der deutschen Regierung nicht verübeln, daß sie ihre Unterschrift verweigert. Wir verlangen, daß die Arbeiter» Partei Englands sofort«ine unzweideutige Erklärung abgibt, in der gesagt wird, daß, sobald die Arbeiterpartei ans Ruder kommt, sie alles tun wird, um die scheußlichen B e- schlüsso der Friedenskonferenz rückgängig zu macken. Durch eine derartige Erklärung der Arbeirerbevölferung der Ententeländer würde das Problem für Teutschland gelöst sein. Aber ohne diese Erklärung kann Deutschland nicht unterzeichnen. * Haag, 21. Juni. Aus der Amsterdamer Börse haben die Berliner und Weimarer Nachrichten wiederum einen günstigen Ein- fluß auf die deutsche Valuta ausgeübt, die seit gestern um 1,40 auf 19,90 gestiegen ist._ Der Aufmarsch öer Entente gegen öen Äolschewismus. Eine Aktion gegen die ungarische Räteregicrung. Wien, 21. Juni. Das„Ackit-Uhrblatt" meldet: Aus Grund von Konferenzen, bie in den letzten Tagen hier staitfanden. ha! sich die Entente entschlosien, eine größere militärische Aktion gegen die ungarische Räteregierung einzuleiten. Englische Truppen sind auch bereits im Anmarsch und werden zum Teil auf Wien marschieren. Wie daS Blatt von zuständiger-Seite erfährt, richten sich die Transporte nicht allem gegen die Regierung" Bela Kun, sondern gegen alle bolschewistischen II m- triebe, die der Entente gefahrdrohend erscheinen. Der Angriff auf Ungarn soll von mehreren Seiten aus erfolgen. Gegen die �Gemeinheit. In der„Frciheu" wurde Freitag abend Genosse« t a m p f e r bedichiet. Politische vsatire in eine schöne Sache. Aber wenn jener Dichter zweifelt, ob Stampfer seine ---- kriegerischen Neigungen auch selbst betätigt habe, so hätten ihm Mitglieder seiner Redaktion sagen können,— vielleicht auäi müssen— daß Stampfer lauge Zeit im Schützengraben lag, weil er jede Reklamation grundsätzlich abgelehnt hatte und daß er krank in seine Heimat zurückkehrte, wo ihn die Aerzte. nach langer Bc- Handlung als nicht mehr k.-v. erilärien. nein Spielglanz wieder auslebte.„Offcnbachiadcn" sagte m in cinsl verächtlich in Deutschland; aber nun weiß man, hat Paul Zifferer einmal geschrieben,„daß der Maestro im Grunde qe- nomryen der musikalische Chronist der Geschichte vor 1870 war. ES ist kein Zufall, daß man einstmals, da der Stern des großen Napoleon emporstieg, das Griechentum ernst nahm, daß man ihm nachzueifern suchte, daß die Frauen seitlich geschlitzte Kleider trugen und die Männer mit den Namen antiker Helden paradier- ten, wie es kein Zufall ist, daß man unter der Regierung des dritten Napoleon, des Neffen, eben dieses Griechentum verböhnre. Offenbach verstand seine Zeit, da er feine Helden leichtfertige Couplets singen ließ. Eine Art Revolution tobte sich in seinen Stücken aus, freilich eine glatte und anmutige, der man nicht an den Leib rücken konnte." Dies wurde der politische Ruhm des „Orpheus in der Unterwelt" und dann d«„Schönen Helena". In ganz jungen Jahren, als Schüler des Konservatoriums, ist dieser aus Köln gebürtige Musikmensch, der Sohn des israelitischen Vorsängers Inda Ebersch aus Offenbach nach Paris ge- kommen. Mit dreißig Jahren, um feines witzigen PlaudernS in feinen Kreisen sehr geschätzt, stieg er aus dem Orchester der Ke- mischen Oper zum Kapellmeister am Theütre FranqaiS auf. Dann, 18ö5, pachtete er in kühnem Entschluß ein win- ziges Theater in den Champs-Elysees, die„Bouffes Parisivns', wo er mit iiu> vier Personen«ingspielchen aufführen durfte und alsbald niit einer großen Reihe sclbstvertonter, recht harmlos komischer Einakter Beifall fand. Das Aufsehen, daS seine Schoo- sungen machten, ermutigte ihn, ein Privileg für Auffübrüngcn. mit unbeschränkter PcrsWienzahl im Theütre Comte zu erwerben, dessen Direktion ek bis 1866 beibehielt. Nachdem das Unternehmen zu- nächst mit Unterbilanz gearbeitet hatte, brachte„Orpheus in der Unterwelt" fl&ö8i den entscheidenden Erfolg, jedoch erst durch die Polemiken dcS sittlich entrüsteten JuleS Janin, der die naiven Pariser übcr� die ganze Frechheit und Dreistigkeit dieser Götter- Persiflage ausklärte und so sie ungewollt scharenweise ins Hauö lockte. Paris wurde wieder große Mode in Europa und Offen- bach gehörte dazu. Er wqr überall verlangt, studierte in London, Berlin, Wien, Ems, Baden-Baden seine Neuheiten ein, kukz: jetzt begann jenes maßlos gehetzte Dasein des weltberühmten Unter- nehmers, das ihn seither nicht mehr aus den Klauen layen sollte. 1865 überbot er den Orpheris an Frivolität, Witz ixnd Deutlichkeit durch die„Schöne Helena", der in den nächsten Jahren mit „Blaubart",„Pariser Leben", der„Großherzogin von Gerolstein" usw. Werke von nicht geringerem Rang und Auffetzen folgten. In bacchantischem Taumel tanzte nicht nur Paris nnd das zweite Kaiserreich, sondern die ganze Welt, soweit sie sich für elegant und lebenserfahrencn hielt, Cancan nach OfsenbachS Melodien. Im letzten Rcgierungsjahre Napoleons verband der berühmte Komponist sich mit Sardou, um im„Kai csratte"«König Mohr- rübef eine große politische Satire des vor dem erwachenden Sozia- lismus zitternden Kaisertums zu schreiben— der«turz des Empires übervolle den Plan« und das Stück kam 1272 im Tböaue Nr. 314 ♦ 36. Jahrgang 1. OeMge öes Vsrwarts Sountag, 22. Juni 1 91 H Deutscher Sozialistentag. Konferenz für Einigung der Sozialdemokratie. lieber die Zusanunensetzung der Konferenz wurde testgestellt, daß von lltv angemeldeten Teilnehmern erschienen sind>130 Vertreter von 70 Vereinen der S. P. D., 26 Vertreter von 15 Bereinen der U. S. P. D., 75 Vertreter von 41 örtlichen Arbeiter- und Bauern» röten, 42 Vertreter von 21 Zweigbcreinen der Zentralstelle für Eini- gung der Sozialdemokratie, 39 Vertreter loter Gruppen wie sozia- listi'cher Studenten, Aerzte usw Aus Angermünde sind 2 gemein- same Vertreter beider Parteien erschienen. Hannover und Mecklen- Burg sind besonders stark vertreten. Auch aus dem besetzten Gebiet sind Vertreter anwesend. Die VormittagSsitzung hatten Ed. Bernstein(S. P. D.) und ?k e rr l i ch- Breslau S. P.) provisorisch geleitet. Nach einer in der Mittagspause erfolgten Besprechung der Parteien wurde ein defi- nitiveS, paritätisch zusammengesetztes Bureau gewählt, dem als Bor- sitzende Schulz» Köln(S. P. D.) und Bauer- Berlin(U. S P.) angehören. Dem Genosieii Ed. Bernstein wurde unter lebhaftem Applaus das Ehrengräsidium übertragen. Die kurz vor dem Sebluh der VormittagSsitzung begonnene Diskussion über die Referate EohnS und GtröbelS wurde nachmittags fortgesetzt. Ed. Bernstein führte unter anderem auS, wenn man den Genossen, die die Kriegskredite bewilligt haben, nicht den guten Glaube« und die ehrliche sozialdemokratische Ueberzeugung abge- sprachen hätte, dann wäre es nicht zu der Spaltung gekommen. Aber auch die strakrionSmehrheit habe Schuld an der Spaltung, weil sie der Minderheit das Recht verweigert habe, bei der Ab- stimmung ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Wir waren zu sehr in dem Buchstabenglauben der Disziplin erzogen.— ES sei ein unhaltbarer Zustand, dah wir zwei sozialdemokratische Parteien haben, von denen die eine' in der Regierung sitzt, während die andere drausien steht und nur Kritik übt. Es sei selbstverständlich, day der kritisierenden Partei die Anhänger zulaufen. Gelegenheit zur Kritik gebe«S genug, denn in der außerordentlich schwierigen Lage, in der sich Deutschland jetzt befindet, sei es fast ausgeschlossen, daß die. die in der Regierung sitzen, keine Fehler machen.— Deutschland bleibe nicht? übrig, als den Frieden zu unterzeichnen, obwohl er dem deutschen Volke eine ungeheuere Last auferlege. Unmittelbar vor unS liege die große WirtschaftSfrage. Sie müsse gelöst werden. DaS sei daS nächste und wichtigste. Sie könne aber nur gelöst werden, wenn die Arbeiterklasse einig sei. Leider fehle es den meisten Arbeitern an Verständnis für die all- gemeinen Interessen. Sie gehen fast völlig auf in Gruppeninter- essen.— Für die große Aufgabe, die gelöst werden mutz, brauchen wir Einigkett, Einigkeit und nochmals Einigkeit.(Sehr lebhafter Beifall.» Dr. Kramer- Düsseldorf lD. S. P) beantragt namens seiner Fraktion, Wegmann eine längere Redezeit zu gewähren, weil Ströbel seinen persönlichen Siandpunkt, aber nicht den Standpunkt der ll. S. P. vertreten habe. Ein anderer Redner drückt seine Verwunderung über diesen Antrag aus. weil die Vertreter der beiden Parteien ficki in der Mittagspause dahin geeinigt haben, dotz zu diesem Punkt der Tagesordnung von jeder der beiden Parteien je drei Redner sprechen und dann die Debatte geschlossen werde, damit Eduard Bernstein beut noch sein Referat über die AuSlandSpolitik halten könne. Wenn die Genossen der U. S. P. einen besonderen Redner verlangen, könnten daS auch die Genossen der S. P. D. tun, denn auch sie würden sagen können, daß Cohen nicht den Standpunkt ihrer Partei vertreten habe. Em Redner wendet sich sehr lebhaft dagegen, datz hier»ach Parteien unterschieden werde. Man sei doch hierhergekommen, um sich zu einige«, aber nicht, um den Standpunkt der Parteien zu vertreten. Er, der Redner, sei von beiden Parteien delegiert, er könne also nicht den Stand einer Partei vertreten. Ein anderer Redner betont, wenn man sich einigen wolle, müsse man doch den Standpunkt der Parteien kennen lernen.— Nach einer weiteren Debatte über diesen Punkt, wurde auf Emp» fchlung von Wally Zeppler, der Antrag Kramer angenommen. W e g m a n»- Berlin(U. S. P.» erhielt nun das Wort. Er sagte, Ströbel habe im wesentlichen die Ausführungen Cohens unterstrichen, die zum Teil radikaler gewesen seien wie die Ausführungen Ströbel«. In der Rätefrage nehme die Partei einen anderen Standpunkt ein wie Ströbel. Man solle sich mcht durch den Hin- weis auf den Bolschewismus von dem Rälegedanken abschrecken lassen. Bolschewismus sei nichts weiter al« konscquruter Sozialismus. iLebhefter Widerspruch.) Der Redner bespricht die Bewegung in Rutzland. vergleicht sie mit den Verhältnissen in Deutschland und meint, hier sei die sofortige Durchführung des Sozialismus ohne weiteres möglich, denn die Intellektuellen, die bisher im Dienste des Kapitalismus arbeiteten, würden sich auch der sozialistischen Repu- blik zur Verfügung stellen. Sobald mit der Durchführung des Sozialismus ernst gemacht werde, werde sich auch die Arbeits- freudigkeit der Arbeiter wiederfinden und die Produktion werde sich heben. Die Diktatur des Proletariats sei not- wendig, wenn wir auS dem heut herrschenden Chao» heraus- kommen wollen. DaS sei nicht die Diktatur einer Minderheit, sondern einer Mehrheit, denn das Proletariat bilde SV Proz. der Bevölkerung. Eine Minderheit könne kein« Diktatur ausüben. (Ruf: Do», durch Terror!) Durch Terror herrscht die Bourgeoisie, nicht die Arbeiterklasse.— Eine Einigung der Parteien auf der Grundlage eines Kompromisses ist nicht möglich, denn der Sozi» alismus ist kein Handelsobjekt. Ich denke mir die Einigung so: Wen« die Reaktion von recht« so weiter fährt wie bisher, dann kommt die Einigung ohne Kompromiß zustande auf dem Boden deS konsequenten Sozialismus. Es kann«ur eine Einigung nach links geben, nicht na» rechts. Diese Einigung kann nur kommen aus dem Boden deS Rätesystems.(Lebhafter Beifall bei den Delegierten der U. S. P.) Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird mit großer Mehrheit angenommen. Ein Delegierter, der beide Parteien vertritt, protestiert gegen den Schluß der Debatte, weil bis jetzt nur führende Genossen zum Wort gekommen feien, die einfachen Proletarier aber das dringende Verlangen haben, sich zu einigen, nötigenfalls ohne die führenden Genossen. Mit Rückficht auf diese Ausführungen beantragt ein Delegierter, die Debatte wieder zu eröffnen, was aber mit großer Mehrheit abgelehnt wird. Cohen wendet sich im Schlußwort gegen die Ausführungen TegmannS. Die Diktatur des Proletariats sei in Deutschland noch unmöglicher wie in Rußland. Der Bolschewismus fei nicht der konsequente Sozialismus, sondern die Sabotage des Sozialismus. Am Ende der Diktatur steh« nicht der Sozialismus, sondern das Cbao». Wegmonn Hab« hier eine Predigt gehalten, die nichis andere« zum Ausdruck gebracht habe, als da» verlangen nach »ollstündiger Unterwerfung.(Sehr richtig!) Wir können nie zur Einigung kommen, wenn wir verlangen, daß nur die Politik der einen oder der anderen Seite gelten soll.(Lebhafter Beifall.) Ich rechne«S mir zur größten Ehre an, daß ich von der offiziellen Politik meiner Partei abgewichen bin.(Beifall.) Der größte Fehler der Unabhängigen war es. daß sie aus dem ersten Rätekongretz den Eintritt m den Zeutralrat abgelehnt haben. Wären sie in den Zentiolcat eingetreten, dann würden ihre Mitglieder nicht aus der Regierung ausgetreten sein, Anläßlich de« Konflikts Ende Dezember machte ich Landsberg den Vorschlag, es sei am besten, wenn er und Scheidemann zurücktreten. Ebert aber bleiben würde. Landsberg gab mir recht, er iogte, der Zentralrat solle ihnen ein Mißtrauensvotum ausstellen, dann würden sie gehen. Ich schlug vor, daß an Stelle von Landsberg und Scheidemann Nosle und Otto Braun rn die Regierung ein- treten. Landsberg versprach mir. mit Scheidemonn darüber zu sprechen. Er kam dann zurück und gab mir den Bescheid: Scheidt mann iagt, wir gehen nickt. Weiter führte der Redner aus, in der Rätefrage seim wir in eine Sackgaffe geraten. Es werde die Zeit kommen, wo man diejenigen verfluchen werde, die uns in die Sackgasse geführt' haben. An der Rätefrage halten die Proletarier fest. Unsere Parter genossen in der Regierung sollen sich nickt einbilden. daß sie die Stimmung der Arbeiter kennen.(Sehr richtig!! In der Rätefrage sind unsere Parteigenossen die radikalsten. Auf dem Parteitag in Weimar ist nicht die wahre Stimmung der Arbeiter zum Ausdruck gekommen.— Der Redner schließt unter großem Beifall mit der Versicherung, daß das goeinte Proletariat siegen werde. F r e i b i g- Budapest, der als Gast anwesend ist. erhält da» Wort, Er schildert die Tätigkeit der ungarischen Räteregierung und führt aus, daß durch deren wirtschaftliche Maßnabmcn. 5t» sonders durch die Sozialifierung des Bankwesens die Durchführung des Sozialismus gesichert sei. Hierauf wurde die Verhandlung auf Sonntag 8 Uhr vertagt, Generalversammlung öer Sergarbeiter. Bielefeld, 20. Juni. AlS wichtig sind die Beschlüsse hervorzuheben, daß eine ständige Generalversammlung von 150 Delegierten geschaffen wird. Mit der doppelten Anzahl von Ersatzmännern, die schnell einberufen werden kann. Die Delegierten werden auf die Mitgliederzahl der Bezirke verteilt: kleine Bezirke sollen mindestens«inen Delegierten erhalten. Der Aktionsausschuß ist damit gefallen. Bestehen zwischen Vorstand und Antragstellern Meinungsverschiedenheiten über die Bewilligung eineS Streiks und find an dieser Lohnbewegung mindestens 100000 Arbeiter beteiligt, so ist zur Entscheidung die Generalveriammtung zu berufen. Mit 167 gegen 58 Stimmen wird eine Beitrags- erhöhung befchloflen und zwar beim Durchschnittslohn bis 6 M. ein Wochenbeitrag von 60 Pf, von 6 bis 10 M. 80 Pf., über 10 M. 1 M.. Jugendliche 20 Pf., Jnvalideij 10 Pf. lieber die Verwendung der Bezirks- und Lokalzuschläge entscheidet jeder Bezirk selbständig. Der 2 M. pro Mitglied übersteigende Kassenbestand mnß an die- Hauptkaffe abgeliefert werden. Eine Erklärung der Opposition. Vor der Mittagspause, na» der die Vorstandswahl vorgenommen werden soll, gibt Plewta(Essen» für die Opposition folgende Er- klärung ab: Der bisherige Verlauf deS VerbandSiageS hat gezeigt. daß in unserer Organisation zwei Richtungen vorhanden sind. Die Opposition steht auf dem Standpunkt, daß, wenn in der Besetzung und der Taktik de? Vorstandes keine Aenderuna vorgenommen wird, Maffenaustrilte aus dem Verbände nicht aufzuhalten sind.' Die Opposition steht auf dem Boden einer einigen geschlossenen Organsi sation, das haben der Referent und ihre DrSkussionSredner mit aller Entschiedenheit betont. Wir find bereit zu einer Verständigung, die geeignet ist, die Organisation zusammenzuhalten. Deshalb schlagen wir Ihnen vor. in Ihrer Vorschlagsliste zwei Siamen zu streichen, unter denen sich, unter alle» Umstände« Sachse befinde««rnß. Wir erheben Anspruch auf den Posten des zweiten Vorsitzende« und schlagen dafür den Kameraden Otto König. Mitteldeutschland, vor sowie den Kameraden Rosemann(Essen) als Sekretär. Für den erweiterten Vorstand verlangen wir eine prozentuale Wer- tretung. Genosse Hu« erwidert darauf: Der Sturz TachseS wurde schon vorher in den Zeitungen verlangt. Soll Sachse wegen der Kriegspolitik des Verbandes ausscheiden, so muß es der gesamte Vorstand, auch ich, den da» Unternehmertum wegen seiner Gegner sckaft gegen die Annexion von Briey und Longwy als Agenten des Auslandes und als bestochen beschuldigt hat. DaS wäre ein Triumph für die Unternehmer. Keine Gewerkschaft hat sich mehr gegen den Krieg gewandt, als der Bergarbeiterverband. DaS hat selbst Bernstein ausgesprochen. Ich protestiere nrit aller Entschiedenheit dagegen, daß au« dem Grunde, weil jemand im Verbände, mag eS ein Angestellter oder ein anderes Mitglied sein, eine andere parteipolitische oder religiöse Meinung hat. er gematzregelt werden ioll. Der Verband darf sich um parteipolitische und religiöse Auffassungen seiner Mitglieder absolut nicht kümmern, und eS ist eine Schmach und Schande, daß wir in Deutschland erleben müssen, daß erfahrene und er- probte GewertschastSangestellte, deren Fähigkeit und Tüchtigkeit bekannt ist, nnr deswegen gemaßregelt und abgesetzt werden, weil sie einer bestimmten politischen Partei nicht angehören. Und wenn Ihr das tut. Ihr Freunde auö dem Essener Revier, so habt Ihr das Stecht verloren, den Unternehmern wegen Maßregelungen Borwürfe zu machen. 30 Proz. der Delegierten wollen Borstands initglieder beseitigen, während ein Bezirksleiter erst 75 Proz. der Mitglieder auf Wunsch weichen muß. Rur die Demokratie muß entscheiden. Auch die sogenannte Opposition wird Gegner haben, der«« Sargträger stehen schon vor der Tür. Sie hat bis jetzt zwar noch kein Programm entwickelt, aber ent- sprechend ihrer Stärke soll sie im Vorstand vertreten sein und bei Anstellung von Beamten berücksichtigt werden. Aber selbstständige Leute müssen eS sein, die Führer sein können, keine Schüler, die Einigkeit müssc4i wir hochholten. Während die Erde bebt, während wir nickt wissen, ob wir noch nach Hause kommen können, während alle Bergleute aus un« blicken, streiten sich die Vertreter der wichtigsten Arbeiterschicht um de« Kaisers Bart. Wenn Sie Sachse als Opfer fordern, werden Sie alle Angestellte« bei ih« finde». Wählen Sie zwischen Bernirast und Unsinn! Nach der Mittagspause finden auf Wunsch der Opposition Gruppenberatungeii zur Vorstandswahl stattz Ein VermiUlungS« Vorschlag der Mehrheit wird jedoch von der Opposition abgelehnt und darauf von der Mehrheit zurückgezogen. Die Vorstandswahl geht darauf vor sich. Dann wird die Statutenberatung zu Ende geführt. Das neue Statut soll am 1. Januar in Kraft treten. Ueber den Gewerkschaftskongreß referiert Konrad Waldhecker. Der Vorstand beantragt, der Gewerkichastskongreß möge be- schließen, daß für all« Arbeiter, welche unter und über Tage be- läitigt und Mitglieder einer Knopps' voll ihre Beiträge geleistet haben. Eö wird ein Antrag ang. nommen, der olle angeschlossenen Organisationen verpflichtet, im Rahmen der vom deutschen Verband geleisteten Beiträge, ihre Bei träge zu bezahlen. In dem weiteren Punkt der Tagc?ordnug wird eine Neuregelung der Gehälter vorgenommen. Die Vorschläge der StatutenberatungSkommisiim, hierzu werden einstimmig ang- nommen. Sitz bei Verbandes bleibt Berlin und für de» Ausschust München. Die bisherigen Beamten tverde» einstimmig wieder gewählt. Als Ort für die nächste Generalvcrsammlung wird Stuttgar! «stimmt. Diejenigen Mitglieder, die seit 50 Jahren(Gründung de* HandschuhmacherverandeS) ununterbrochen Mitglied der Organ- sation sind, werden zu Ehrenmitglieder ernannt, damit sind sie von den Beiträgen befreit, bleiben aber im vollen Genuß ihrer statu arischen Rechte, außerdem soll ihnen ein Geldbetrag in Höhe von 100 Mk. vom Verband gewährt werden. Nach einer kürzeren Debatte wird beschlossen, das pemeinschafl liche Syndikat mit dem Verband der Handschuhfabrikanten zum nächsten Abmuftertermin, den 1. Oktober d. I., zu kündigen. ES entspinnt sich dann noch eine Debatte über die Bezahlung der Stellvertretung dersenigen Angestellten, die ein Mandat zu dir gesehgebenden Körperschaften innehaben. Die Frage wird dahin geregelt, daß die Stellvertretungskosten von der Verbandskasse g: tragen werden. Mahler betont am Schluß der Verhandlung, daß der Verbands tag ein« selten« Einmütigkeit bei der Vertretung unserer wirtschaftlichen Aufgaben gezeigt habe, «r konstatiert, daß jeder Delegierte sich seiner Verantwortung voll bewußt war und deshalb von allen, soweit auch die politischen An sichten verschieden sein mögen, von dem Gedanken beseelt war, dast bei der Vertretung unserer wirtschaftlichen Interessen vor allem die Einigkeit notwendig sei. Er schloß mit der Aufforderung, auch in Zukunft so einig und geschlossen in unserer Gciverksckaft zum Wohle unserer Mitglieder zu arbeiten. Mos aller Welt. Rückkehr von Deutschen auS Ostafrika. Am SO. Juni sind 529 Dentsche auS Ostafrika in Rotterdaist- eingetroffen, mittags nach Deutschland weitergeleiiet und abends in Wesel vom Roten Kreuz freundlich empfangen worden. Zwei Drittel der Heimkehrenden find Frauen und Kinder. bietet in Kleidern und Blusen preiswerte Eleganz. Opernhaus Aida. Anfanc 7 Uhr. Schauspielhaas 2 Uhr; Heimat. 7 uhr; Coriolati. Volksbühne Theater am Bülowplatz. Direktion Friedrich KayBIer. 3 Uhr: Die Heirat. Der Schwarzkünstler. 'neutkche» Theater. 1 ieute bis einschl. Donn. 8 U.: Max Fallendere in Familie Schimek. Letzte Auftührungen. KnniinerapiFle. Heute bis einschl. Mittw. 8U: Leopoldine Konstantin in Eilersacbt. Theater de« WentenB Allabendlich 7>/z Uhr; Mia Werber und Hans Wass- mann in Die Qelsha. Dir.: C.Meinhard- R. Bernauer Theoter 1. d. Allabendlich VsS Uhr: Der Hänptllnx. Stg. nachm.: Fünf Frankfurter. KomSdienhaus an der Marschalibrücke Täglich 8 Uhr: Lucle Höiiich u. Ludw. Hartau Liselott von der Pfalz. Berliner Theater Sonntag bis Donnei-stäg, Sonnabd u. Sonntag(29.6.): Die teile Komtess. Freitag: Sterne, d.vled. leucht. Waueu Theater. Ilhf.Friedrichstr.Ztr. 4927,2391 Xachm. 4 Uhr kleine Preise: Johannlsfener. Täglich 8 Uhr Zum 288. Male: Der gute Ruf von Hermann Sudermann. Residenz-Theater. Untergrundb. KlosterstraBe, Ausgang Stralauer StraBe. Täglich 8 Uhr: Schauspiel von Sudermann. Regie: Altred Rottet. Röse-Theater. V.. Uhr: Khe- Krlaab. 'VI- Uhr Gartenbohne: Das'sieht sich jeder an. Vo rher Konzert u. Spezialität. Walhalla-Theater. TV. Uhr': Die kleine Sklavin. Inisen-Theater. 3 Uhr: Zum vorletzten Male: Kabale und Liebe. Vorletzter Sonntag: v. die lieht- ' 2 scheue Dame Voigt-Theater Babüraße 58. T/e Uhr: Das mufitantenmädel. öebcu Sonnabeub u. Sonntag: Grotzer Ball. 3erli«er Jrater 7/9 SaitanienaUce 7/9. Täglich: IZBatißte- Ball. Anfang P/3 Uhr. APOLLO I FriedrichstraBe 218 I J Dir.: James Klein ITVt TZ T/i Biasfsplel Anton Herrnfeld 1 m. seiner aus 28 Per- 1 1 sonen bestehenden I j Gesellschaft in derl I 3aktigen Burleske I IWer ist der Vater? 1 I Vorh. Spezialitäten i| _ �logiselier £00 fiarten. " Heute Großes NIM NMllSiiZNl. it.. i. t mk. Kinder die Hälfte. AQUARIUM. Sonntag, ben 22. Juni 1919 Nachm. Z'/z Uhr: Deutsches Opernhaus: Preziosa. Nachm. 3 Uhr: Bolksbühne: Die Heirat, Echiller>TH. Dharlottenhurg: Ein BoUsfetud. Scssina-Theaier: Der Rauh he« Sabinerinncit. Aiinftler-Th.: Mein Nachbar Ameise. R esid cnz.TH.: Dg ckerpott« Erben Wochentags abenbs vom 23. bis 28. Juni: Volksbühne:'s Jmtgferngist. Der Schwarzkünstler. Contretl-Theater Kommandantenstraße 57. Die Sehöoste?on Allen, Deutsches Opernhans 7 Uhr: Cavalieria rusticano. Die Schwätzerin v. Saragossa. FFiedf.-Willielfflst. Theater 3 Uhr: Das Dreimäderlhaus. Das Dort ohne Glocke. Kleines Theater. S'/aUhr: Die Neuvermählten. lottchens Geburtstag. vi. uhr: KiiimnellilättcheB, Komische Oper Jhr: SehwaFzwaWiÄl. linstsplelhans u�: Die spanische Fliege. Metropol-Theater. 7 uhr 20: Die Fasehiogslee. NTenc» Operettenhans. 7v.u.:IHeDaine?oni Zirkus. Palast-Theater 7v, uhr: Talisman. Operette in 3Aktenv.ZorlIg. Sehliler-Theat. Chart. 3 Uhr: Ein Volksfeind. pi. uhr: Alt-Heiiieltierg. Thalla-Theafer T/t U. Th. am H ollendorfplats 3V,U.: Eva. Operette v.Lehär. Gr. Freund. E. Lichtenstein in 7v. uhr: Die Puppe. Theater d. Prledrlchstndt 8 Uhr: So eine Frechheit. Versicherung gegen Einbruch. Ein Polterabend. Wallne.r-Theatel' Tv,HJhr: Mandragola. NoileadertDiatz Fritdrleliürane Die Verfütirfer« nach dem Euman von Hans Hyan Regie: Carl Fraelich IlanptdarstuUer: Gertrud Welcher Carl Auen Else Borna Plolro Scholz Max Adalbert Alexanderpia tz Ein Mädchen aus guter Famfiie Lustspid mit Hildo WHrner Weinbergsweg DleHlndernls-Ehe Lustspiel lu 4 Akten mit Harry Waiden Moritzplatz Fräulein Baronin Lustspiel mit Hilde Wörner Huafiiieiile s Schanebtr; Die Schuld Schauspiel mit Henny Porten Wochentags 6, 8 Uhr Sonntags 4, 8, 8 Uhr MtzlllMMl Hnuptsir. 15J3/123. Sonntag, den 22. Juni Rsrtkovvisk cP-i.-.) gegen Ndbef(Ostpreußen) Nachdem ringen: Döring(Westvreußeh) arg. Bambu!«(Ttmcrifa), Sfegemaira(SdjbnebctB j cn(haroetla(öchmciAil chraatt-lßinraeiftec gegen Böhm(Dcmzig). I.esslng-Theatcr Sommerspielz: H. Sternberg. Gastspiel Guido Thieiscber: 8 Uhr: Charleys Tante. 3: Der Raub der Sabinerinnen. Denteches Künstler- Theater. 3 U.: Mein Nachbar Ameise. 8 Uhr: ältx Adalbert u. Kurf Götz in; Die Kutacbbahn. Potsdamer Str. 38 Jnrstenliebe Fiimspiel in 5 Akten. Turmstr. 12 Uli Schauspiel in 4 Akten und Die Tragödie der Manja Orsan.. Alexanderpiafz-Passagc. Friedenau, Rheinsir. 14 Lotte Neumann in: Schatten der Vergangenheit. tfOjARr« Wi Kurz ist der Frühling 11(1 Der Roman einer Liebe/ 4 Akte Wodienlagj.. 6, 8 Uhr Soniil»gs...4, 6, SUhr BMMMD ALDOR 'n* Herr juJb«f Ldb&n und Ted Teddy wdrd vespacAt lustsp:'a in JAAj&n rru'j Jha/ /icidcniATin Selka (Cquitable) Friedricbstrene 59 60, Ecke Leimiger Straße Jeden Abend: Serenissinrns Hyroniinus XVI. mit seinem 187/15 Holtnarscliail KlnderniaDi] die Höchstleistung unterhaltender Komik, und die übrigen Attraktionen. Billard-Wettspiele Rosendielc 50 Billards Adfiiirais-Palsst. Heute 2 Vorstellungen, nachm. 4, abends 7V< U. Die neuen Ballerte Im GespensterscbloB Wiener Walzer außerdem > Tanz»Revue. Admirals-Kino. 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Schluft der Plädoyers. Staat'anwalt Zumbriich: Wir stellen uns auf den Standpunkt des geschriebenen Rechts und wir befinden uns bei dieser Auffassung in voller Uebereinstimmung mit dem Reichsgericht. Wenn die Be- stimmungen des Strafgesetzbuchs, um die hier der Kampf geht, nickt mehr gelten sollen, dann hätten sie von den damaligen Volksbeauf- tragten und mindestens von dem späler zusanimenlretenden Parla- meut abgeschafft werden müsse». Wir befinden unS aber mit unserer Auffassung auch in bester Gesellschaft und zwar in der deS damaligen JustnnrinisterS, Dr. Kurt Rosenfeld, der die Anweisung hat ergeben lassen, die Behörden sollten nicht zugeben, das; die A.» und S-Räie und die sonstigen revolutionären Institutionen die AuSübuyg der gesetzgebenden Gewalt ergreifet.— Der Staats» auwalr verwahrt sich dagegen, dotz es eine Spitzelregierung ge- geben habe oder noch gibt. Er stehe hier nick�WWiegierungS- kommiffar: Ick bin Staatsanwalt und vertrete die�staatsidee und damit die Jntereffen der Allgemeinheit. Der Staatsanwalt tritt sodann der Darstellung entgegen, dag der Angeklagte hier mit voller Offenheit ausgetreten sei. Wo die Sache anfing, bedenklich zu werden, hat sich auch bei ihm der Vorhang gesenkt, von dem Verteidiger Herzreld gesprochen hat. Wie der Angeklagte aber im RcvolutionSauSschufi gewirkt hat, dafür legt daS Flugblatt Zeugnis ab. das bicr Gegenstand der BeweiSanfnabme' gewesen ist. 'r zu einer kleinen Operation nach dem Garnisonlazarett gebracht. Von dort entwich er bald. Von mehreren Staatsanwaltschaften gesucht, setzte er sein früheres Leben fort, bis es doch nicht mehr ging. Auch in dieser Zeit verkehrte er noch in verschiedenen Re- gierungsräumen. Aus der Reichskanzlei stahl er einmal Herrn Ebert seinen Ueberzieher. Jetzt soll er nach München ver- schwunden sein._ die Einheitsgemeinöe Sroß-Serlin. Der Gesetzeniwurf ist nun veröffentlicht und den Gemeinden und GuiSkreiien zur gutachtlichen Stellungnahme zngeführl worden. Der„Stadtkreis Groß-Bertin* wird auch— 8 Stadigemeinden, Köpenick und Spandau, 43 Landgemeinden und 20 GulSbezirke umfassen. Au die Stelle der Stadt- und Gemeindeparlamentc tritt eine gemeinsame Groß-Bcrlincr Stadtvcrordilcteiiversammlung. Ihre 186 Mitglieder verteilen sich folgendermaßen: Berlin mit„Guts» bezirk Schloß" stern sah man von oben herab in den winterlichen Garten Reimer hatte noch niemals aus einem Stubenfenster des ersten Stocks gesehen. Der Kaffee, kein Roggenkäffee. wie daheim, nein wirklicher Bohnenkaffee, und dazu Weißbrot, soviel man mochte. Meister Eggert und seine Frau unterhielten sich mit dem Vater über die Kornpreise und über die teure Zeit. Was kümmerte den jungen Knaben die teure Zeit? In der Schneiderstube war es waxm und friedlich und still, dort gab es reichlich und gut. Es war noch ein kleines Mädchen da, ein Dirnchen aus der Nachbarschaft, wie aus der Unterhaltung hervorging. Das Kind klavperte mit seiner Tasse, und Reimer klapperte mit seiner Tasse, und ein kleiner, feiner Gesell klapperte auch mit seiner Tasse, stülpte dann aber seinen Tassenkopf um und ging resolut an seine Arbeit. Der Windofen hatte ein langes Rohr, ordentlich mit einem Knick. Der kleine Geselle öffnete die Platte, hob mit einer Zange ein glühendes Plättbölzchen heraus und fing an zu sengen und zu bügeln, was all den Düften der kleinen Stube einen neuen, feinen Ton hinzufügte. Und das geschah just, wie die Erwachsenen anfingen, über das Wetter zu sprechen, und ob es auch wohl gar schneien werde. Und es fing wirklich an zu schneien. Schon flog der Schnee zwischen den kahlen Stämmen des Apfelgartens, dann kam ein richtiges Stäuben, weiße Flocken— mehr, immer mehr, und bald war es ein Wirbel. Reimer dachte daran, wie lange der Vater wohl noch verweilen wolle, er dachte an sein dünnes Jäckchen und an die Pferdedecke, die er nicht hatte, aber bei der Heimfahrt gern gehabt hätte, und dachte an das unsagbare Glück dieser Stunde. Nun wurde der Schnee sanft wie Federdaunen und klebte an den kleinen Bleischeiben. Dem Knaben war es, als ob er zu ihm hinein wollte, hin nach dem stillen Schneiderfrieden, aber vor Sehnsucht am warmen Glas zergehe. Zu dem kleinen Mädchen sagte er kein Wort. Er war zu schüchtern; für ein Gebirge von Gold hätte er kein Gespräch beginnen können. Tine, so hieß sie, war aber gar nicht schllch- tern, sie sah ihn an und lachte. Reimer sah sie auch an— dumm, strafend. „Wo heets du?" fragte Tine. „Jk weet ni." Ueber diese törichte Antwort lachte das kleine Mädchen hell auf.„Tante!" rief sie,„he weet m, wo he heet." Die strickende Hausfrau suchte eine verlorene. Masche. „He is blöd, Katrien," sagte sie.„Reimer, muß je ni so blöd sien." Katrien lackste noch immer. Blöde? Wie konnte jemand blöde sein! Sie fing an, den wunderlichen Bauernjungen zu necken.„Reiyier," sagte sie,„Tante soll deinen Namen auf einen Zettel schreiben und Onkel soll ihn dir an die Jacke nähen. Tann kannst immer mal nachsehen, wenn wieder ver- gessen hast, wie du heißt." An das alles dachte Reimer, als er sich entschloß, Schnei- der zu werden. An den Kanonenofen dachte er und an die Katrien, die ihm einen Zettel an die Jacke nähen wollte. Andere stecken sich andere Ziele. Der will Napoleon werden und der Goethe, der will Reichtum und jener will Ruhm. Schulten-Luto will„Swien hödn to Per". Das alles wollte Reimer nicht; sein Ziel war, einen rotglühenden Plättbolzcn aus dem feurigen Ofen ziehen und widerspenstige Säume niedcrbügeln. Und sein Wunsch wurde, als er konfirmiert war und an des Lebens Kreuzweg stand, erfüllt. So gor viele Wochen verstrichen nach der Einsegnung nicht, da nähte und bügelte der funge Knabe und konnte schon einen Rockärmel von einem Beinschinken unterscheiden, Er lernte nicht im Kirchdorf bei Meister Eggert, auS Sparsamkeil: mußte er seine Lehrzeit bei dem alten Johann Schneider daheim durchmachen. Zu Meister Eggert wollte er gehen, nachdem er„freigesprochen" war und sich„Geselle" nennen durfte.(Forts, folgt.) kagerer tn die F'luchi. Diese wandte« sich dann aSet wieder mn und gaben mehrere Schüsse ab. Sckwlz und Zimmermann brachen schwerverletzt zusammen und blieben hilflos liegen, während die Ilebeltäter entflohen. Ein Mühlcnbesiyer fand sie morgens daliegen und sorgte für ihre Ueberführunp nach dem Krankenhaus in Buckow. Beide sind noch vernehmungsunfähig. Ei« schwerer Unfall rief am Sonnabend an der Ecke der Stein-. Rosenrhaler und Gormannstrage eine große Aufregung hervor. Tort werden jetzt wegen der Bahnbauten der Schnellbahn Gesundbrunnen— Neukölln KanalisationSarbeiten ausgeführt. Am Sonnabend wurde die Feuerwehr alarmiert, weil dort ein Teil der Kanalisation plötzlich unter dem Druck von Waffer cinge- stürzt war. Tic Arbeiter hatten sich bis auf drei noch rechtzeitig retten können. Zwei konnten mit kleinen Verletzungen in Sicher- beit gebracht werden. Der dritte, Paul Zimmermann aus der Ackersiratz«, war verschüttet, die Leiche konnte erst nach geraumer Zeit und nach Absteifung der Ilnfallstellc geborgen und nach dem Lcichenschauhause geschasst werden. Wer ist die Tote? Am 20. Juni, vormittags gegen 8 Uhr, wurde aus der Spree am Bootshaus des Ruderklubs Hellas. Treptower Chaussee 18, die Deiche einer etwa 30 bis 33 Jahre alten Frauens- Person gelandet. Tie Leiche kann ungefähr acht Tage sin Wasser gelegen haben. Tie Toie ist etwa 1,60 bis 1.63 Meter groß, dunkel- blond und hat ein breites Gesicht. An dem linken Ringfinger trägt sie einen 333 gestempelten schmalen Ring mit rotem herzförmige» Stein. Die Verstorbene trug runde, ungleich gelbe Ohringe. Nähe- ren Aufschluß über die Person im Rathause Treptow, Neue Krug- Allee 1—2, Zimmer 20, erbeten. MSrkikcheS Museum. Heuie Sonntag und Montag naturiviffen- 'chaslliche Abteilung, Ausstellung einheunischer wilder Gemüse und Salat- pflanzen. PollSkonzcrte Philharmonisches Orchester. Morgen Montag, Mittwoch. Freitag und Montag, den 30. 8 Uhr Philbarmanie, Sernburgcr Str. 22/23. Vorverkauf Zentralstelle für Dolkswohltahrt, Augsburger Ztr. IS, Berliner K ewerkschasitkommisiion, Engeluser IS Zimmer IL und Konzert- säle. EinWitt Ä) Pf. Kaffenöfsnung 7 Uhr. Eisenbahner! Die Leiche des am 80. Mai von einem Regierung!- soldaten erschossenen Eisenbahners Otto P a I m ist freigegeben. Beerdigung morgen Montag(f. Anzeige). Keuerwerkslaboratoriuis Spandau. Morgen Montag, nachm- 4 Uhr: Kommiffionsfitzung des Sechserkasse bei Hirse, Spandau, Neuen- dortcr Swaße.— Dienstag, nachmittags 2 Mr: Bertraucnsmänner- ittzung i». Spandau, Neue Welt. Vollzähliges Erscheinen dringend not- wendig.___ Groß-Berliner Lebensmittel. Brot und Mehl darf in dieser Woche nur auf die Brotkarte ent- nommen werden, deren Abschnitte das Ttichwort.Lebensmittelverband" tragen. Berlin. Kllhlhäusereier, soweit Vorrat, aus Abschnitt S4 der Eicrkarte. Stückpreis 1.25 M. Anspruch aus Belieferung besteht nicht. Eintreffe» der Ware wird durch Aushang bekannt gemacht. Entnahme dann innerhalb zweier Tage.— 125 Gramm amerikanische Schweinefleischprodukte/, Piund Amerikamehl(Q 6). 50 Gramm Braitiett (B 6\ 1 Psd. mländisches iituchenmeb!(42). 500 Granu» Marmelade(25), 150 Gramm Supdcn(34). AIS Ersatz für holländhcheS Gefrierfleisch dovlielte Menge Nährmittel. Brottommissionen S, 11 und teilweise 12; si. Pfund Sülze(rote Bezugskarte). Wilmersdorf. 250 Gramm ZluslandSflehch oder Erfatz in Nähr- Mitteln. Weiterverkauf von 250 Gr, Kunsthonig(35). 150 Gramm Hajcr- flocken(31) bis 27.. 50 Gramm Bratsett(R 6) Bis 29. Juni. 125 Gramm Amerikafleisch. Frische Fluß- und Seefische und Räucherwaren. Sauerkohl freihändig. Für werdende Mütter im 4. bis L. Monat 2 Dosen kondentlertc Milch bis 23. Jum. Für Kranke: Eier(26). Lichterfelde. Weitere 10 Pfd. Kartoffeln bis 26. Juni. 40 Gramm Bratiett(statt Margarine?). 50 Gramm Bratiett. 5 Supvenwüriel(37), 150 Gramm Grieß(34), 250 Gr. Grieß(37, 38) bis 28. Jnni. Räucherware(27, 28). Heringe(32). Reukölln."125 Gramm Tilfiter oder Harzer Käie für 15. Brotkom» Mission bis 25. Jimi. 2 Büchsen Kondensmilch für Kinder, geboren vom 1. April 100« bis 31. März 1018. Britz. 500 Gr. Nährmittel(31, 32, 33): 1 Hering(11) oder Pfd. Sonderzuteilung(12): für Personen über 60 Jahre 1 Ei(13): Bosnische Pflaumen, Sauerkraul. 1 Pfd.-Dosen Erbsen usw. Ehausseestr 43,(Hinler- haus) bis 20. Juni.' Nr. 3701-2700 Dienstag, 2699-1800 Mittwoch. 1709 bis 900 Donnerstag. 809—1 Freitag. Lichtenberg. Sauerkohl und Salzbohncn ohne Märken. 500 Gramm Marmelade(26) bis 12. Juli. 150 Gramm Teigwaren(32), 200 Gramm Graupen(33) bis 25. Juni. Fluß- und Seefische und Räucherwaren ohne Marken. Pfd. Bonbons(365<5>. 2 Päckchen Panilin-Milch-Znckcr(372 E) biS 28. Juni. Hcrmsdorf. 2 Pfd. Mehl für Kinder vom 1. und 2. Jahr, werdende Mütter imd Wöchnerinnen. 1 Päckchen Keks für Kinder bis zu 6 Jahren. werdende Mütter. Wöchnerinnen, Leute über 70 Jahre und Kranke bis 28. Juni. Bezugscheine im Kemeindebnreau, Zimmer 6. erhältlich. Kar- tosseln 7. Juli bis 3. August. 1 Psund Schwund pro Woche und Karte, wenn bis 20. d. M. entnommen. Spandau. 100 Gr. Würzkäse(263) bis 24. d. M. 1 Pfund Kartoffel- flocken oder 1 Pfund Kartoffelgrieß oder Mischgrieß(262) ab 21. Juni. NowaweS. Neue Milchtarteu Pricsterstr. 81 8—1. Dienstag iür die Bezirke 1, 2. 3: Mittwoch für die Bezirke 4, 5, 6. 7: Donnerstag für die Bezirke 8, S. 10: Freitag für die Bezirke 11. 12. 13. Potsdamer Forst, Babelsberg und Bergstücken. mtssionsbezirk 12S Gramm Käse. Chart Charlattenbur, wettere 5 Psd.. Marmelade(öS), Groß-öerlmer parteinachrichten. Berlin. 42.. IS.. 47., 48. Abteil. Montag. 7 Uhr. Aula. Oftendcr Str. 37/39: FortfetzungSvorlrag des Gen. Redakteur Wermuth über:.Wettkrieg und Revolution". Eisenbahner. Vertrauensleute und Genossen! Montag, nachmittags 4 Ubr, Potsdckwer Sahnhof(großer Sitzungssaal): Versammlung. Charlottenburg. Frauenabend morgen Montag, 7 Uhr, Kant- straße 51, bei Arndt. Ref.: Gen. Heilbuth. Friedenau. Mitgliederversammlung Dienstag, 8 Uhr. Ge'ellichastsfaal des Ratskellers. 1. Fortsetzung der Aussprache der letzten Mitgliederversammlung. 2. Die Schaffung eines Lebensmtttelamts. Bericht des A.-R. 4. Reuwahl eines Vorstandsmitgliedes, ö. BereinSange« legenheite», Anträge. Wildau. Frauenabend Dienstag. 7'/, Uhr. im Cafino. Ref. Genossin Schckbcnhuber: Die Frau im neuen Staat. Hohen-Renendorf. Morgen Montag, abends(siehe örtliche Bekann!- machung), im Restaurant Klau« Einwohnerversammlung, die sich mit der von den bürgerlichen Gemeindeoerireiern beabsichtigten Ab- würaung deS ArbeiterratcS bcschästigen soll. Wir ersuchen unsere Ke- nolsinnen, Genossen und Parteifreunde zahlreich und pünktlich zu erscheinen sowie um rege Agitation für die Versammlung. vortrage, vereine unü Versammlungen. Bereinigung sozialistischer Lehrer und Lehrerrnue» Grosi, Berlins.".Montag, 7'/, Uhr, Schule Hinter der Garnisonkirche 2. Gen. Dr. Bacge:.Probleme der Vollsschul-Padazogik". Freie Ansprache. Ein- über.vsozialisienmg". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.'— Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und KriegShiiiterblie- denen. Bezirk Osten 12. Dienstag, Zusammenkunft sämtlicher Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen im Lokal Petersburger Straße 86. Wichtige Angelegenheit.— Gemeinverständliche Rechtsvorträgr. 6 Uhr. LandwirtschaitUche Hochschule. Jnvalidenstr. 42, über»Eheliches Güterrecht." Gerichtszeitung. Eine Familientragödie wurde in einer Verhandlung vor dem außerordentlichen Kriegsgericht aufgerollt. Wegen zweifachen Mordes war die Frau Klara Laverenz angellagi.— Sie lebte in sehr unglücklicher Ehe, da ihr Mann häufig behauptete, er wäre nicht der Vater des vorehelich geborenen vierjährigen Kinde?. Es kam auch häufig zu Mißhandlungen und nach einer derartigen Szene lief die bedauernswerte Frau am Abend des"27. April mit den beihg��idern in den Tiergarten, um sich dprl das Leben zu nehmen, ���ließ die beiden Kinder in das Waffer des Lano- Wehrkanals, wurde dann aber, als sie sich selbst in die Fluten stürzen wollte, von Passanten gehindert.— Vor Gericht gaben die Medizinalräte Dr. Hossmann und Professor Dr. Strauch übereinstimmend da? Gutachten, daß eS sich offenbar um die im Slffelt begangene Tai einer unierernährien, körperlich und genüg mißhandelten Frau handele, bei der die Möglichkeit nicht völlig auszuschließen sei, daß sie in einer akuten Geist e?siö- t u n g gehandelt habe.— Das Kriegsgericht erkannte aus Frei- s p r e ch u n g. Theater öec Woche. Vottobuhue:?Z., 29. nachm.„Sic Heirat", 22., 24., 26., 2S., LS.„See Schmarßkünsttt-", 23.. 25.. 27.. 29...s' Iungierngift".- Opernhau«: 25.„Aide". 23..Salome", 24.. 27.. 30. �auBctfüTtc'', 25...Tristan und Isolde". 25. j!ö. ittg«!tnl)cr', 28.„Stofcnfaualiet", 29.„Troubadour".— Schauspielhaus: 22. nachm.„Heimat". 29. nachm.„Minna von Barnhelm". 22., 25.. 29...Coriolon", 23., 27.„Meine Frau, die Hofscheuspieüirin", 24., 39.„Peer Gynt", 2o.„Sonnen- finsterms". 28.„Minna von Barnhelm".— Deutsche» Opernhaus: 22.. 29. nachm.„Preziofa,„Die Verlobung bei der Laterne". 22.. 26.. 30.„Tavalleria". „Die Schwätzerin von Saragossa", 23.„Tannhäuser". 24.„Fledermaus". 25.„Wtldfchutz", 27,„Tiefland", 28.„Lohengrin". 29...Carmen'.— Schiller- Theater: 22., 29. nachm.„Ein Volksfeind", 22.„Alt-Heidelberg". 23.. 25., 56. 27.. 29., 36.„Der Andere", 24.„Das Konzert", 28.„Ein Volksfeind". T«glich. Deutsches Theater:..Familre Schimek", ad 27. E.„Auch ich wai ~r..s_•'------•"I. w u 1 1 Iii- k�u)iliiri» UV— 1» r-.„-a uu) UJOo cm Iügling".— flammcrwub:„Gifcrfurftt", ab 26. E.„Weib und HamvO- mann".— Kleines Schauspirlha»,:„Die Büchse der Pandera".— Lesfln». Theater:„Tharleys Tante".— Deutsche» Künstleetheater:„Die Rutschbahn".— Theater in der Köniaarützer Sirahe:„Der Köupilrng".— ziomädienha»»:„Life. lottc von der Psal,".— Berliner Theater:„Tolle»omteh, am Z7.„Sterne. die wieder leuchten".— Theater de» Westen«:„Geisha".— Triauon- Theater: „Der«Ute Ruf".— Restdenztheater:„Das höhere Lehen".— ZeuiraUheater: „Die Gchönfte von Ällen".— griedrich-Wilhelmstädtische« Theater:„Das Dorf ohne Glocke".— Kleine» Theater:„Kümmelblötichen".— Komische Oper: „Schwarjwaldmädel".— Lustspielhau,:„Die spanische glieae".— Ketrspol. theatcr:„Die Faschinaosec".— Reue, Opceettenhau«:„Die Dame vom Zirlu-". — Palasttheater:„Talisman".— Thaliathcatcr:„flur wilden Hummel".— Theter am Nollendarsplah:„Der Iuxbaron".— Theater drr Friedrichstadt: Drei Einakter.—> Wallnertheater:„Mondragola".— Lnisentheater:„Die licht- scheue Dame".— Walhalla-Theater:„Die klein« Sklavin".— Rasetheater: „Ehe, Urlaub".— Rationaltheatrr:„Die Kinoauppe". Wetterbericht bis Montag mittag. Zeitweise beiier aber sehr veränderlich, im Norden besonder? an der Küste öfter wiederholte. im Süden mehr vereinzelte Nshcnfälle bei ziemlich frischen west- lichcn bis nordwestlichen Winden. Lin wojilschmeckendes und leicht verdauliches Nährmittel aus Eigelb und Milch gewonnen ist Dr. Hoffbauer's(ge*. gesch.) LECITHIN. EIWEISS (SV, Eigelb-Nervstoff und W/oMilchelweili eitthaÄnd). Ueberraschende Erfolge• bei allgemeiner Körperschwächc, Unter» ernährung, Nervosität, Blutarmut 100 Oramm 6, SO, Äimkunft. ffreust. vrnnnenstr. 70.* Kriegsanleihe häuft zegen Barzahlung Ceoisclie Metallindustrie, Potsdamer Str. 67.* fHARLEMER � 1 Tropfen wieder erhältlich I 1 in der Simoneapotheke, I I Spandauer Str. 17.* I Bachlttbrnne gründliche Unterweisung. F. Simon, Berlin W 33, Wagde- burger Srratze 24. Verlangen Sie grati, Vrabebriet. R' Lfsullmleilltden „Sorna" Sonncabräuue Keine Schminke!!! Nur echt bei Sfindarhauf St Ca., Berlin. Qr. Frankfurter Str. 89. 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Gewerkschaftskongreß ficht in feiner Tagesordnung u. a. auch die Regelung des Lehrlingswescns vor. Der für diesen Beratungsgegensdanö vorgesehene Referent Herr I. Sassenbach unterbreitet jetzt folgende Leitsätze: I. Zuständigkeit. 1. Die Zuständigkeit der Innungen ist auszuheben. 2. Zur Rege- lung der L�rlingsverchältnifse werden mit Zuständigkeit für das Reich für jeden Beruf paritätisch aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehende Zentralkomtnissionen eingesetzt, die unter Vorfitz eines Vertreters des Reichsarbeitsamtes innerhalb der durch allgemeine gesetzliche Bestimmungen gezogenen Grenzen wirken. Insbesondere haben diese Zentralkommissionen die Auf- gaben a) Die Lehrzeit für den Beruf und für bestimmte Arbeits- zweige de? Berufes festzusetzen, b) die technischen Ausbildungspläne auszuarbeiten, c) die Voraussetzungen festzulegen, unter denen die Genehmigung zum Halten von Lehrlingen erteilt werden kann, ins- besondere die Zahl von Lehrlingen festzusetzen, die gehalten werden darf, 6) durch geeignete Maßnahmen dafür zu sorgen, daß dem Be» rufe genügend ausgebildete Kräfte zugeführt werden. 3. Für größere Städte, im übrigen für jeden Landkreis und außerhalb Preußens für Bezirke, die den preußischen Landkreisen entsprechen, werden paritätisch aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern be- stehende Bezirkskommissionen eingesetzt, die unter Vorsitz eines von der Behörde zu stellenden unparteiischen Vorsitzenden innerhalb der durch allgemeine gesetzliche Bestimmungen gezogenen Grenzen und der durch die Zentralkommissionen aufgestellten Richtlinien, stehen. Insbesondere haben diese Dezirkskommissionen die Aufgaben: a) die Durchführung der bestehenden Vorschriften zu überwachen, b) zu entscheiden, ob der einzelne Meister Lehrlinge halten darf oder nicht, c) die Ausbildung der Lehrlinge zu überwach«,, insbesondere die vorgesehenen Zwischen- und Schlußprüfungen zu veranlassen, II. Dauer der Lehrzeit. 4. Die Lehrzeit soll im allgemenen drei Jahre nicht überschrei- ten, eichtet sich aber nach den Bedürfmsien der einzelnen Gewerbe. ES ist Aufgabe der Zentralkommiision, die Dauer der Lehrzeit für den betreffenden Beruf festzulegen. Die Zentralkommission kann auch Bestimmungen treffen, daß bei besonders günstigen Fortschritten eines Lehrlings eine allgemeine Verkürzung der Lehrzeit eintritt. HI. Technische Ausbildung. 6. Die Zentralkommissionen haben Lehrpläne aufzustellen, die eine systematisch so rischr ehende Ausbildung der Lehrlinge gewähr- leisten. Die Lehrmeister sind verpflichtet, diese Lehrpläne bei der Ausbildung zu Grunde zu legen. 6. Die Bezirkskommissionen haben sich durch zu bestimmten Zeitabschnitten abzuhaltend« Zwischen- Prüfungen davon zu überzeugen, daß die Ausbildung auf grund der aufgestellten Lehrpläne erfolgt und daß der Lehrling normal« Fortschritte macht, am Ende der Lehrzeit ist eine Schlußprüfung vor- zunehmen. 7. Stellt sich bei den Zwischenprüfungen heraus, daß der Ausbildung des Lehrlings nicht die genügende Sorgfalt gewidmet wurde, so kann die Bezirkskommisfion die-Fortsetzung der Lehre in einer anderen Werkst eile auf Kosten des bisherigen Lehrmeisters oder des Gesamtgewerbes veranlassen. 8. Heimarbeitern ist die Ausbil- dung von Lehrlingen grundsätzlich zu untersagen. Akkordarbeiter sollen nicht zur Ausbildung von Lehrlingen verwandt werden. IV. Schaffung von Lehrgclegeuheit. 0. Von den Zentralkommissionen ist dahin zu wirken, daß die Großindustrie mehr als bisher Einrichtungen zur systematischen AuS- hildung schafft. Im Bedarfsfall sind Zwangsmaßnahmen zur Einstellung von Lehrlingen vorzusehen. 10. ES ist in Aussicht zu neh- men, daß solchen Lehrmeistern, die bei der Ausbildung von Lehr- lingen besonders Heworrogendes geleistet haben, auS noch zu schaffenden Fonds Prämien gezahlt werden. V. Lehrwerkstellen. 11, Die Grundlage der Lehre wird auch in Zukunft im allge- meinen die Meffterlehce fein. Daneben find für Berufe, die dazu geeignet find, unter gegebenen Voraussetzungen Lehrwerkstellen an- zustreben. Diese Lehrwerkstellen können im allgemeinen nur im Anschluß an Detciebe durchgeführt werden, da Theorie ohne Praxi? nur geringe AuSbildungSmöglichleit bietet. Die Lehrwerkstellen müssen modern und mit den neuesten Maschinen ausgestattet sein. 12. Neben den Detriebslehrwerkstellen ist die Errichtung von Sam- mcllehrwerkstellen anzustreben, die den Lehrlingen kleiner Betriebe die Möglichkeit einer besseren Ausbildung gibt, indem die Lehrlinge nach einer bestimmten praktischen Ausbildung in der Werkstelle für eine gewisse Zeit der Lehrweckstelle überwiesen werden. Die Kosten dieser Sammellehrwerkstellen sind von den Arbeitgebern des in Be- tracht kommenden Bezirkes und Berufes, im geyebenen Falle mit einem Zuschuß aus öffentlichen Bditteln aufzubringen. 13. Diese Sammellehrwerkstellen können auch dahin ausgestaltet werden, be- sonders begabten jungen Leuten aus Bezirken ohne Sammellehr- werkstelle nach beendeter Lehrzeit Gelegenheit zur werteren AuS- bildung zu geben. VI. Fach- und Fortbildungsschulen. 14. Die Fach- und Fortbildungsschulen sollen theoretisch und praktisch die Mirsteuchre e, ganzen und eine höhere allgemeine Bil- dung vermitteln. Di» Schnstssicht finde, mit Schluß des Semesters ihr Ende, in welchem der Lehrling sein 18. Lebensjahr vollendet. VII. Arbeitszeit. 16. Nachdem die Arbeitszeit allgemein auf höchstens acht Stirn- den festgelegt ist, liegt keine Veranlassung vor, für Lehrlinge beson- der« Bestimmrungen zu fordern; doch hat der Unterricht in den Fach- und Fortbildungsschulen und Lehrwerkstellen innerhalb der Arbeits- zeit zu erfolgen. VlII. Kostgeld. 16. Bei der Festsetzung des Kostgeldes müssen die BezirkSstellen vermittelnd eingreifen und für die einzelnen Orte und Bezirke Re- geln ausstellen, falls nicht bereits in den Tarifverträgen Bestimmun« gen festgelegt sind Gemeinsame Grundsätze für das Reich und für alle Berufe lassen sich nicht schaffen. IX. Weibliche Lehrlinge. 17. Die Frage der weiblichen Lehrlinge muß für jeden Beruf durch die Zeutral'kovrmfffion. geregelt werden. Im allgemeinen ist darauf hinzuwirken, �datz auch die weiblichen Arbeiter fachtechnisch anSgebildet»erden. X. Ungelernte«rbriler. 18. ES sind Vorkehrungen zu treffen, daß auch den Ungelernten auf die eine oder die andere Weife die Möglichkeit einer fachtech- mischen Ausbildung gegeben wird. 19. Der Einführung einer Lehre in bisher ungelernten Berufen, die aber eine Fachausbildung der- langen(Landwirtschaft, Hauswirtschaft) ist näherzutreten. XI. Berufsberatung. 20. Im Zusammenarbeiten mit anderen geeigneten Körperschaf- ten und Personen(Lehrern, Aeczten, Psychologen) sind geeignete Maßnahmen zur Berufsberatung zu treffen, dahingehend, daß jedes Kind noch vor Verlassen der Schule beraten wird, welcher Beruf für ihn auf Grund körperlicher und geistiger Eignung und auch auS wirtschaftlichen Gründen insbesondere in Frage kommt. Xll. Eignungsprüfung., 21. Mit der Berufsberatung ist ein« Prüfung der Eignung zu der- binden; nicht allein durch ärztliche Untersuchung, sondern auch durch wissenschaftliche, systematische Prüfung der geistigen und körperlichen Eigenschaften. 22. Gemeinsam mit den dafür geeigneten Männern der Wissenschaft find für jeden Berus Merkblätter anzufertigen, hie die Eigenschaften nachweisen, die für den Beruf nötig sind und ehcn- falls die fögenschaftsn die vom. Ergreifen � des Berufes abraten. XIII. Lehrstcllenvermittelung. 23. An Berufsberatung und Eignungsprüfung hat sich sine gut organisierte Lehrstellenvermittelung anzuschließen. XIV. Kost und LogiS. 24. Die Befestigung von Kost und Logis beim Lehrmeister ist im«gemeinen nur für größere Städte anzustreben, in denen evtl. LehrlingSheime zu gründen sind. In kleinen Städten und auf dem Lande ist Kost und LogiS beim Meister nicht allein nicht zu ver- meiden, sondern auch, wenn sonst kein Familienanschluß vorhanden ist, als HauS- und Fcnmliengcmei nschaft teilweise von Vorteil für den Lehrliyg. 26. Aufgabe der Bezirkskommission muß es sein, darüber zu wachen, daß Kost und LogiS angemessen sind und daß der Lehrling nicht zu häuslichen Arbeiten benutzt wird. XV. Ferien. 26. Ebenso wie für den erwachsenen Arbeiter, ist für den Lehr« ling und jugendlichen Arbeiter die Einführung von Ferien anzu- streben._ 16» Gmoffmschafistag. Am Montag, den 23. Juni, beginnt im Hamburger GeWerk» fchaftShauS der 16. ordeutliche GenofsenfchaftSlag des Zentralver« bandes deutscher Konsumvereine. Ju dem ausgedehnten Jahres- bericht des Zentralverbandes für 1918 wird ein umfassendes Bild der Genossenschastsbewegung gegeben. Die wirtschaftliche Bedeutung der gesamten deutschen Konsumgcnossenschaftsbewegung zeigen folgende Zahlen: auf die rund 3 Millionen Mitglieder der deutschen Konsumvereine entfällt ein Umsatz von 7g0Millionen Mark, davon auf die Eigenproduktion allein 17b Millionen Mark. Die Summe des flüifigen, verzinsbaren Kapitals stellt sich auf nicht weniger als 169 Millionen Mark. Das eigene Kapital der Ge- nossenschaften beträgt rund 110 Millionen Mark. Rabattsparguthaben und Erübrigung gehen wohl in den letzten Jahren erheblich zurück, machen aber immer noch erhebliche Summen aus, nämlich zrrsammen rund 50 Millionen Mark. Dieser gewaltige Betrag fließt den Mit» gliedern der deutschen Konsumvereine lediglich als Folge ihres konsumgenosienschaftlichen Zusammenschlusses zu. Wären die deurfchen Konsumvereine nicht vorhanden, so würde er— und zwar in erhöhtem Maße— in die Taschen des privaten Kapitals fließen. Wie in den vorhergehenden drei Kriegsjahren, so haben auch im vierten Kriegsjahre die K o n s um g.e n o s s e n sch asten de? ZentralvervandeS ihren Platz behauptet und ihren Arbeits« bereich erweitert. Die Zahl der angeschlossenen Vereine ist infolge der GründunpStStigkeit in den letzten Monaten des Jahres trotz vielfacher Verschmelzungen von 1072 auf 1078 gestiegen. Die Mit- gliederzahl erhöhte sich von 2 189 630 auf 2 2 3 1017 Familien. Hinsichtlich der Mitgliederzahl steht der Zentralverband deutscher Konsumvereine von allen zentralgenossenschaftlichen Organisationen Deutschlands an er st er Stelle und wird außerhalb Deutschlands nur noch von der Mitgliederzahl des englischen Genossen» schaftSbcrbandes übertroffen. Der Zentralverband deutscher Konsum- vereine umfaßt etwa drei Bierlel aller konsumgenossenschaftlich organisierten Familien in Deutschland und kann ohne weiteres als der Repräsentant der deutschen Konsumgenossenschaften angesehen werden. Der eigene Umsatz der Konsumvereine deS Zentralverbandes stieg von 691 Millionen Mark auf 671 Millionen Mark. Die!« Zunahme ist in erster Linie auf die erheblich gestiegenen Warenpreise, zum kleinen Teil nur auf die vermehrte Mitgliederzahl zurückzu» führen. Der Umsatz im Lieferantengeichäst ging von 8,7 Millionen Mark auf 3,8 Millionen Mark zurück. Eine gewaltige Zunahme zeigt das angelegte Kapital. Es stieg von 86,4 Millionen Mark im Jahre 1916 auf 120 Millionen Mark im Jahr 1917 und auf 177 Millionen Mark im Jahre 1918. Die Spareintagen erfuhren im Berichtsjahre eine Erhöhung von 122 Millionen Mqrk auf 184 Millionen Mark. Bei KriegSbegiim detrugen sie nur 80 Millionen Mark; somit ist während des Krieges eine Zunahme von mehr als 100 Millionen Mark vorhanden. Ueber das deutsche Wirtschaftsleben im Jahre 1913 wird in dem Jahresbericht gesagt, daß dieses im verstärklen Maße die gleichen Erscheinungen gezeigt habe, wie in früh-ren Kriegs- jähren. Die Erhöhung mancher Warenpreise um das 10— 20f(jche des Friedenspreises und mehr sei keine Seltenheit. Eines der drin- gendsten Gebote wäre daher die Zulaffung der Einfuhr der Waren, um das Preisniveau zu senken. Sqweil die Zwangslviiyschyft>14 der Vewirtichaflupg Von Könsumartikeln bestehen bleiben müsse) solle vor allen Dingen der S ä n d l e rp r£> fit ausgeschaltes und die Verteilung den Konsumgenossenschaften überiragen werden.' Die Erfassung dar landwirtschaftlichen Produkte lasse sehr viel zu wünschen übng. Ein erheblicher Teil, in manchen Bezirken bis zur Hülste, gehe in den Schleichhandel. Jugenöveranftaltungen. Sichtcrfclde. �Gründungsseier Mittwoch. 25. Juni. 8 Uhr. im Ge» sangSsaal der Lbcrrealjchule(Ringstraße). Vortrag des Genossen Walter Rüdiger, Rezitation von Frl. Maria Schipsmaun, a oappella-Quadctt.- Volkslieder. Die Lichtcrselder Lugend, alle Freunde der Lugend und die' Parteigenossen sind willkommen. � ascbstojfe in sehr grosser Auswahl zu massigen Preisen Kleiderstoffe Ldcble Sommerstoffe Für Kostüme SSSÄtS:69"79" Halbs. Stoffe f. Kiew. u.MSst.ca.iäOrllOcmfar. 37eo 6™ Reinwollene Musseline>»«feien Muster«... Mtr. 2960 Kostümstoffe mrdteRefse.heU c.mtMeH. o» MOcmbr. 2960 39E0 SchworjEweissc Karos u. Streifen'w..-.mk-.-, v. von in Waschstoffc Klcldcrnesse!'490 750 Wasdimusselliie� Meter S75 1250 Waschstoffe SÄ Mewr 790 950 Crepon mod. Strelfenmasfer.. Meier 850 BJumenmuit. 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Feurig ftr. 8. Am Freitag, 29. Juni, Verstarb unser lieber Kollege, der Setzcrinvalide Rudoik Schmidt Wir werden ihm ein ehrendes Andenken de- wahren. Die Beerdigung findet am Montag, 23. Juni, nachmittags 4>/e Uhr, auf dem Friedhof der Eßristus- Geincindc, Maricndorf, Lichtcnrader Chaussee, statt. Die Kollege» der Nord- deutschen Buchdruckerei. lad habe mich 74/1 Baumschulenstr. 12 am Stadtbahnhof Saum- schulenwea niedergelassen und bin bei den Krankenkassen zugelassen., Zahnarzt Lublinsky. insende Zeit zu verdienen. it 19 Pf. Porto an Steglitz 1. 858 1 Erfinder bedienen sich zur Anmeldung und Berkauf ihrer Erfindungen, Ideen eines Patentfachmannes. Kst und Auskunft kostenlos! Erfolg: u. 0. Verkauf eines Patentes durch unseren Mit- arbeitcrstir- 850 OOS N. F. Erdmann A Co., SW 4, Königgrätzer Str. 71. 'Möhel Direkt an Priv&to :blafzi2D. 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Tagesordnung: Berichterstattung von den Verhandlungen mtt dem Ber- band Berliner MetaMndustrieller zwecks Abschluß eines neuen Tarifoertrages. 254/16 BafT" Pflicht der P-rbandsmitgli-der, welche in Fabrik- betrieben belchästigt sind, ist es, an dieser Versammlung teil- zunehmen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Sorstond. I. A.: F. Benada. Mkl WVlM'MM. ZaliHtdle Berlin. Engelufer 1511. Zimmer 39—41. Wir machen unsere Mitglieder daraus ausmerisam, daß der streik im Papierberuse vorläufig nur die kaufmännische« Angestellten betrifft. Unsere Mitglieder haben nur unsere Anweisungen zu befolgen. Die Ortsverwaltung. NB. Die Delegieriensitsung der Buchbindereien, Buchdruckereien und GeschäftSbücherfabrike« findet am Zlontos, den 23. Jnnl d.>, nachm. 4 Ubr. im Oresdener Oarten, Dresdener Sir. 45, statt. 25/16 ZkÄkWl A! WlMWLMlllWW. Das Stadtgut V u g e w iß soll von Iohanni 1920 bis dahin 1932 zusammen mit der Hochwildjagd im städtischen Forst Hoheheide verpachtet werden. Das Gut umfaßt rund 857 Morgen Acker(zum größten Teil guter Boden) und 546 Morgen Wiesen. Dos Fornrcvier ist 4500 Morgen groß und grenzt auf 2 Kilometer Länge un- mittelbar am Gutsackr. Gut B u g e w i tz ist ein ausgezeich. neter Herrenfiß. Es liegt an der Kleinbahn AnNam— Leopolvshagcn und ist eine halbe Stunde vom Bahnhof Ducherow(Strecke Berlin— Stralsund) entfernt. Berpachtungstcrmin wird auf Montag, de« 24. Zu» d. 3»., vormittag» 10 Ahr, im Raihausfaale anberaumt. Die Bedingungen werden im Termin bekannt gemacht, ktinnen auch vorher von uns eingefordert werden. 1 Pachtlustige werden zum Termin hiermit ergebenst ein- gelaLeS.— Zur weiteren Auskunft sind wir jederzeit bereit. Anklam, den 6. Juni 1919. Der Magistraf. Unglaube. 186/10 Bekanntmachung. bereits im Kühlhause gelagert hat. Dasselbe muß Ei steht zur Zeit ein� Quantum Eier �ur Verfügung, dos dem Verbrauch zugeführt werben i ifung rat reicht ort dem Setbrauch zugeführt werben und soll zur Restl .--•... c.».-- vi---- �|0--- 1 v_ er. des Abschnitts 54 der Eierkarte dienen, sowett der Bor- deswegen r Ziestein- fofo täfu Die Eier find nur gegen Vorlegung des Abschnitt» 54 der Eierkatte zum Preise von 1,25 Mark von dem Händler zu beziehen, bei welchem der Kunde mit seinen Eierkarten eingetragen ist. Ein Anspruch auf Beliescrung des Abschnittes besteht nicht. Das Eintreffen ocr Ware wirb von den Händlern durch Aushang im Geschästslokal� bekannt gemacht werden, die Eni- nähme muß innerhalb zweier Tage erfolgen, widrigenfalls über die Ware anderweit verfügt werden muß. Berlin, den 20. Juni 1919. Maaittrat. Tgb. Nr. 162 Ei. 19. Wermut h. vttsleimliUMöemMlWm. Am Mttkwoch, de« 25. 3uai 1919, findet bei dem Reichsverwcttungsamt, Bertaufsabteilung für Automobilwesen, Filiale SSnIgsverg, auf dem Gelände der Maschinen-Ge- noffenschast in Känigsbcrg-Rosenau, Aweidcrallee 113/15, vor- mittags 9 Uhr beginnend, eine öffentliche Bersteigerung von ca. 209 Last- und Personenkraftfahrzeugen aller Art statt. Die Zchhlung muß sofort erfolgen Kriegsanleihe wird zum Nennwert in Zahlung genommen, jedoch muß der Käufer den Nachweis bringen, daß er die Kriegsanleihe selbst gc- zeichnet hat. Die Objelte können am 22. Juni von vormittag» 9 Uhr bi» ''''" Aweideralle« 113/15, in bar pro Ohne Hinterlegung der Bietekaution lann das Gelände der Filiale am 22. Juni, sowie während der Berstcigerungstage nicht betteten werden. Der Bettieb irgendwelcher Geschäfte oder das Feilbieten irgendwelcher Gegenstände auf dem Bersteigerungsgelände ist nicht gestattet. 237D Königsberg, den 20. Juni 1919. Reichsverwertungsamt, Berkaufsabt. für Automobilwesen„Baubil", Filiale KSnIgsberg-Aosenau, Aweiderallee 113/15. Versteigenng van Kraftwagen I Am 30. 3«ni 1919 und eventuell an den so! folgenden erkauf». liche Bersteigerung von zirka 230 Fahrzeugen statt. Zur Versteigerung gelangen: ca. SO Personenwagen, , 107 Last- und Lieferwage», , 10 Krankenwagen, „ 3 Omnibusse, * 30 Fahrgestelle, » 10 Motorräder, diverse Motoren. » Motorfahrzeugteile. Verzeichnis der Versteigerungsobjett« nebst Einzelheften über die Versteigerung ist vom 25. Juni ad in der Filiale Berlin-Tempelhos zu erhalten Dortselbst können die Objefte am 26. und 27. Juni von 8—2 Uhr, am 28. Juni von 8—12 Uhr gegen Hinterlegung einer Bietekaution von 500 M. in bar pro Person besichtigt werden. Ohne Hinterlegung der Bietelautton kann das De- lände der Filiale am 26—28. Juni sowie während der Ver- steigerungstage nicht betteten werden. Die Bietekautionskarte der vorigen Versteigerung ist nicht gültig, sie muß neu geläst werden. Kriegsanleihe wird nur in Zahlung genommen, wenn der«äuser durch Vorlegung seine» gitchnuna»scheine» nachweist, daß et die Kriegsanleihe selbst gezeichnet hat. Annahme derselben zum Nennwert. Berlin, den 21. Juni 1919. 234® Reichsverwertungsamt Verkaufsabteilung für Automobilwesen. („Baubil".) Ausschreibung. Auf Grund der allgemeinen Bedingungen für Ausschreibungen des Rcichsschatzministerium» Reichverwertungsamtes vom April 1919 werden von den Geräten usw. der Garde- Eanitätsabteitunq Haleflfc« zum Verkauf gestellt: 'ralfke: Setir billig!! Kunsiseiden« Strickjacken 120, 16$, 215 Irnpr. Seidenrnäntel, 145, 185, 225 Für die See! Ftir'd Gebirge! An» Friedensstoffen, wie solche seit Jahren nicht gewesen, wundervolle Ulster, weiche mollige Qualitäten..... 225, 275. 350, 425 Stoff-Kostfime.,. 125, 175, 225 Seiden-Kostüme.*,. 250, 375 Stoffröcke....... 36, 54 Seidenröcke...... 85, 125 Ans der Reichsbekleidnngsstelle gegen Berliner Magistratsscheia t Mohair-PlSschmantel 231,40, 228,75, 311,25 Stoff- n. Kammgarn-KostSme 90,—, 206,50, 237,50 Jetzt sehr billig!! Pelzmäntel.. 1200,—, 1500,—, 1800,—, 2400—, 3000,— Plüschmäntel. 450,—, 575,—, 650,—, 725,—, 890,—.' Westmann 1. Geschäft: W 8, Mohrenstr. 37a. 2. Geschäft: MO 18, Gr. Frankfurter Str. 115. Sonntags geschlossen! Posten 2. Posten 4 zu mark 129 6ti Posten L 8295 Stück KraMentragen, bestehend aus je 2 Holz- , stöben ca. 2,2 m lang und 5 cm stark, mit 2 schimede- eisernen zusammenklappbaren Böcken. Durch kleine Abänderungen auch für andere Zwecke verwendbar Vir. ck neue oder wenig beschädigte EanitätsNsten ca. 1090 X 749 X 399 mm mit je 8 Schubfächern. Als Werkzeugspinde, auch zu anderen Zwecken ver- wendbar. Posten 3. 239 Stück neue oder wenig gebrauchte verschließbare Kisten 1979 X 430 X 489 mm oder 799 X 339 X 480 mm, Kanten mit Btechecken benagelt, Deckel mit Scharnieren. Verwendungsmöglichkeit wie Posten 2. 4. 795 Et. Weißblechlaternenkasten. 298 X 223 X 193 mm Inhalt je 5 Petroleum-Handlaternen und 1 Ocl- behölter. Ungebraucht. Postens. Eine große Anzahl Gestelle aus Eisen imd Holz, .stammend ausser Einrichtung von Lazarettzilgen. Für Herrichtung von zwei übereinanderliegenden Lagerstcllen verwendbar. Posten 6. 349 Stück neue Rachteimec mit Gestell, aus emaillier. icm Blech. Pasten 7. 673 Stück neue wcißemalMerts Steckbecken. Posten s. 439 Stück neue Blendlaternen au» Weißblech mtt Hand- griffen, für Kerzen. Posten 9. 499 Stück neue Zeltlampcn für Azetylen. Die Gegenstände lagern in Berltn-Halenste, Eicerostr. 6, Sparthalle, und können daselbst von Montag, den 23. Juni, bis Donnerstag, den 26. Juni, vormittags von 9 bis 12 Uhr de- sichtigt werden. Die allgemeinen Bedingungen für die Ausschreibung nebst Bietrformular können von Montag, den 23. d. Mts., bi» Frei- ''' Zweigstelle Berlin bc» Reichs- eingesehen und zum tag, den 27. d. Mt»., bei ber verwertungsamtes, Potsdamer Str. 134, Preist von Mk. 1,— bezogen werben. Angebote müssen bis spätestens Frettag. de» 27. Juni, nach- mittags 3 Uhr, bei der Zweigstelle Berlin, Potsdamer Sonnabend, den 28. Juni, 19 Uhr der Zweigstelle, Potsdamer Str. 134. Der Bieter hat keinen Anspruch auf Erteilung des Zu- schlazes. 87/13' Zweigstelle Berlin des Reichsverwertungsamtes. Vorkaut von klluniunxsAut aus IleereskestSnllen. : ausliegenden Bedingungen neues_ bis. Grs . a. gelangen zum Verkauf: Ttt uraniennii«», Waschtische, Kranke nttagen, Kochmile ind gedrauchtts Kiftenmatertal, Earbidlatcrncn, Zweigstelle Lerlin des lieichsverwsi'tungssmtes. Tropen- »7/14 Millionenartikel von jederman gebraucht, für jede» Geschäft, Reisende, Hausierer. geeignet, sehr leicht verkäuflich. Muster gegen 39 Pf. 87D St. Makotskj, Saolfsie«.», Krieg zwischen Rußland und Zinnlanö. Ankündigung eines russischen Angriffs. Stockholm. 21. Juni. Aus Helsingfors wird gemeldet, baß es zwischen Finnland und der Sowjetrcgierung zum» f s e n e» Bruch gekommen ist. Eine Note, die der Volkskommissar des AuS- wärtigen, Tschitscheriu, a» die sinnische Regierung gerichtet hat, trägt den Charakter der Kriegserklärung. Die Sowjet- Regierung richtet darin heftige Angriffe gegen Finnland und br- schuldigt die finnische Regierung der Verletzung der Neutralität und des geheimen Einverständnisses mit den Alliierten gegen Sowjet- Rußland. Finnland habe sich als Helfershelfer der Reaktion de- wiesen. Aus diesem Grunde habe die Sowjetregierung, deren Recht es sei, durch die Revolution die kapitalistische Wirtschaftsordnung der Welt zu beseitige», die Psticht, mit Waffengewalt gegen Finnland vorzugehen. politische Krise in Rumänien. Vor einem Kabinettswechsel? Genf. 2l. Juni. Pariser Blätter melden aus Bukarest, daß die innere Lage Rumäniens Anlaß zu Besorgnissen gibt und daß sowohl politische wie soziale Krisen in der nächsten Zeit zu be- fürchten sind. Man rechnet mit einem baldigen Rücktritt des Kabinetts. Außerdem niackt sich unter der Arbeiterschaft eine starke Unruhe bemerkbar. So befindet sich in Bukarest außer den Eisenbahnern auch die Arbeiterschaft der Gas- und Elektrizitätswerke im Ausstand. Deutschnationale Schimpforgie. Sie mache« es mit dem Maul. In der Philharmonie protestierten Sonnabendabend etwa 4000 Deutschnationale gegen die Unterzeichnung des Friedens.� Nach dem Gesang„Ein feste Burg ist unser Gott" teilte v. Liirociner- Wildau mit, Abg. Laverenz babe aus Weimar gedrahtet, daß die Abstimmung zweifelhaft sei. Was jetzt in Weimar gespielt wird ist Äomöoic. lZuruf:„Nein, Landesvcrr a tl")� Die Ebcrt- Scheidcmann(Pfuirufe) hatten das..Unannehmbar" für ihre Par- teien gesprochen. Heute aber verkriechen sich diese Kerle ins Mauseloch, um anderen Puppen Platz zu mach«,. Wir sagen ihnen Kampf an bis auss Messer.(Stürmischer Beifall.) Die uns gemachten Konzessionen sind ein schmieriges Trinkgeld. Wir lassen die deutsche Ehre nicht für ein paar ruppige silberlinge verkaufen. (Beifall.) Wir wollen mit dem Elend des Volkes keine Parteige- schäfte machen.(Alan siehtsl Red.) Aber die Stunde wird kom- men, da man wieder stolz sein darf, ein Deutscher zu heißen. (Stürmischer Beifall.) Nach dem Gesang von..Der Gott der Eisen wachsen ließ", sagte Abg. Kaufmann, der Vertrag speie dem deutschen Volke ins� Gesicht. lZuruf:„Wir speien wieder!"— Das können sie! Red.) Man treibt die Verlogenheit so weit, uns die Schuld an dem Kriege zuzumuten. In einigen Grunztönen haben die Führer der Roten dagegen gemurmelt, anstatt wie einen Donnerkeil jenen da drüben des Bekenntnis cntgegenzuschleudcrn:„Wir sind unschuldig!" (Das hätte Foch erschlagen! Red.) Tic Entente Izcrdreht die Geschichtsforschung, ja auch die verdammten Amerikaner tun das. In Berlin wurde früher zu viel mit dem Säbel gerasselt, anstatt zuzu- schlagen. Kein Volk liebte den Frieden mehr als wir. Und ich sage es den Roten ms Gesicht, keiner bat den Frieden mehr geliebt, alz unser Kaiser.(Stürmischer Beifall.) Die ganze brave Wilhelm- straßc war von der Neutralität des lieben guten England überzeugt. Wir hatten ja damals in Berlin so viel Narren.(Zurfu:„Horn- ochscn!") Was mußten die Herren von dem guten König Eduard, der, gezeichnet mit allen Krankheilen des Lasters(Zurufe:„Pariser Zuhälter! Falschspieler! Teufel!"), uns einkreiste, wie die Spinne ihr Opfer. England mußte uns bcuichtcn, oder auf dem Weltmarkt an zweiter Stelle treten. Ein Dorn im Auge war ihm unsere Flotte, die unser Kaiser gebaut bat. Aber England wird auch Frankreich von den Meeren zu verdrängen suchen. Und dann wollen wir ihm die Hand entgegensirecken, wenn es den Gallier zur Srvecke bringt.(Stüruiischcr Beifall.) Bethmann Hollweg, an dem nichts gross lvar, außer seinen Hosen, bat es so augestellt, daß wir die Angreifer scheinen mußten. Mit den 100 000 Mann, die man uns läßt, können wir noch nicht einmal die Lause-Spartakisten tot- schlagen. Die Entente ziebt sich in Deutschland eine Jrredcnta groß, an die sie denken wird. Man scheint uns für so feige zu hatten, wie die Schufte, die uns im November in den Rücken fielen. (Meint er Ludendorff, der den Waffenstillstand forderte? Red.) Ciaiete, das seinem Verhängnis übernommen hatte. als gemürliches Ausfi ttungsmärchcn heraus. Paris war mit d� p'dritten Napoleon entthront. Ter tanzen- den, lachenden Satirc"/ffenbachs war der gesellschaftliche, der po- litische Boden entzog,--Hergebens mühle sich Offenbach, dem Ge- schmück der nach äuxe„em, verschwenderischem Prunk jagenden Ge- * fcllschaft der kapitalistischen Republik sich zu fügen. Er.brach in der neuen Arbeitshatz um Geld finanziell zusammen. Daß eine neue Zeit heraufkam, lernte er an Mißerfolgen seiner Arbeit kennen und schließlich erlebte er, daß niemand ihn mehr in Paris aufführte. Und doch hat er inmitten dieses Zusammenbruchs jene schönste Schöpfung hervorgebracht, die heute allen großen Bühnen gehört. Als er dies Werk instrumentierte, nahm ihm— am 4. Oktober 1880— der Tod die Feder auö der Hand. Notizen. — Zum To d e Hermann Lietz' wird uns von einem seiner früheren Schüler geschrieben: Lietz' Landerziehungsheime sind nicht nur den Besitzenden zugänglich gewesen, sie zählten stets eine Anzahl Freischüler aus minder- und unbemittelten Kreisen, besonders seine letzte Schöpfung, das Landwaisenheim Veckenskedt a. H., bot den Aermsten der Armen— elternlosen Kindern— eine Zuflucht. Eine besonders Tragik waltet darin, daß dieser vom reinsten idealen Wollen erfüllte Mann, ein Kämpfer gegen die Bureaukratie sein Leben lang, in dem Augenblicke starb, da seinen weitauSschaucndcn Gedanken sich größere Möglichkeiten eröffneten.... Wir stimmen in diese wehmutsvolle Klage des Einsenders ein. Wer je diesem tatmutigen Idealisten näher trat, war ihm und seiner Sache gewonnen. Lietz wollte natürlich nicht den Söhnen der Reichen das neue Reich der Landerziehung vorbehal- ten, das wußten wir seit unseren gemeinsamen Studien jähren in Jena. Aber die Verhältnisse zwangen ihn dazu, um das Werk iiberhaupt beginnen zu können. Ob im preußischen Äultusmim- sterium wohl jemand daran gedacht hat. dieser Kraft in der sozia- lcn Republik die Wege ins Weite zu öfsnen? — Beratungsstellen für Volkshochschulen sollen an den Universitäten errichtet werden. Sie sollen möglichst mit jungen Gelehrten(?) besetzt sein, daneben aber auch Vertreter der Arbeiterschaft und der niederen nicht der Hochschule ange- hörenden Kreise zählen. Die Benutzung ist freiwillig. — Der Jahresabschluß der Urania ist ähnlich wie im Vorjahre ein negativer, wird aber durch die Zuschüsse von Berlin(12 000 R.) und Charlottenburg(4000 M.j behoben. Beide Institute, in der Tuuben- und Jnvalidenstraße, wurden r-on 201 260 Perirncen besucht. Tie Gelehrtenvorträgc haben sich bc- währt. Der Lehrfilm als- Unterrickusmittel ist wieder in der- stärsient Maße in das Programm aufgenommen worden. In den Aufsichtsrat würde Pros. Conrad Maischoß neugewahlt. Dlutige Unruhen in Mannheim. Mannheim, 21. Juni.(Eigener Drahtbericht de»„Vorwärts".) Eine Menschenmenge, hauptsächlich aus unreifen Burschen bestehend, verstärkt durch unsaubere Elemente, schlug heute nachmittag die Fensterscheiben in verschiedenen Läden ein und plünderte sie voll- ständig auS: besonders Lebensmittel- und Kleidergeschäfte wurden in Mitleidenschast gezogen. Tausende zogen vor das Schloß. wo der SicherheitSdiest sein Waffenlager hat und versuchten, das Schloß zu stürmen. Die Wache gab Feuer. Drei Tote, darunter ein zehnjähriger Junge und etwa dreißig Schwer- verletzte, von denen einige mit dem Tode ringen, sowie zwanzig Leichtverletzte sind die Opfer. Heute abend wird Militär erwartet. Die S. P. D. und die U. S. P. D. haben Auf- rufe zur Unterstützung deS Sicherheitsdienstes erlassen. Politische Moments sind in der Bewegung noch nicht erkennbar, obwohl sie von langer Hand vorbereitet zu sein scheint. Soeben. S Uhr abends, ist vom Schloß her wieder Maschinen- gewehrfeuer zu hören, es scheint, daß der Schloßplatz gesäubert wird. Der �Königliche" Lanürat. Bon eigene« Gnaden. Wir hatten hier unlängst die Frage an die Regierung gerichtet, was mit dem Herrn von Hertzberg geschieht, der sich noch immer als„Königlicher" Landrat unterzeichnet und in offenen Briefen Scheidemann mit der Todesstrafe bedroht. Hierzu erfahren wir, daß Herr von Hertzberc? sich seit dem 13. Mai im Ruhestand befindet! Seine Unterschrift„Königlicher" Landrat ist also nur insofern richtig, als Herr von Hcrtzberg Land- rat der Republik tatsächlich nicht ist. im übrigen be- deutet sie nach unserer juristischen Auffaffung die unbefugte und strafbare Anmaßung eines ösif entlichen Amtes, Stillegung von Detrieben. Ter Kampf gegen die Absetzung von Hüttendirektoren. Hindenburg, 21. Juni.(TU) Die Arbeiterschaft der Donners- marckhüttc hatte die Enthebung der Direktoren Heil und Müller aus ihren Aemteru und Pensionierung von drei weiteren Direktoren gefordert. Tie Verwaltung der Äonnersmarck- Hütte sah darin einen unzulässigen Eingriff und hat nunmehr an- gekündigt, daß sie sich für den Fall der Au frech te rha li u ng der Forderungen gezwungen sieht, die dem Direktor Heil unterstellten sechs Betriebe stillzulegen. Es soll in geheimer Ab- st i jn m u n g in diesen sechs Bettieben festgestellt werden, ob die Forderungen aufrechterhalten werden oder nicht. Es handelt sich dabei um die Betriebe der Formftückgicßcrei, der Röhrengießerei, der Eisengießerei, der Werkstatt, der Kesselschmiede und der Kon- strukrionshalle. Mit den fortgesetzten Drohungen, die eine Stillegung von Betrieben in Aussicht stellen, beweisen die Unternehmer imr, daß ihnen an der Auirechterhollung der Produktion herzlich wenig gelegen ist. sobald ihre eigenen Macht- und Geldsackinteressen berührt werden. Beruhigen werden sie die Arbeiter damit nicht, sül sollten deshalb lieber aus dem Wege von Verhandlungen eine gütliche Einigung erstreben. Tie Verhandlungen über die Betriebsräte verschoben. Die für Sonnabend im Reichsarbeitsmintsterium angesagte Verhandlung. die über die gesetzmäßige Einrichtung der BettiebSräte Beschluß fassen sollte, ist auf tclephonischcs Ersuchen des gewesenen Reichs- arbcitsministcrs Bauer von Weimar aus abge meldet worden. Bauer ist wegen der Friedensverhandlungen unabkömmlich, und da er bei einer für da? VolkTwohl so bedeuiungSvollcn Frage an den Verhandlungen persönlich teilnehmen wollte, mußten die Be- sprcchungen auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Hautag öes Reichsbunöes öer Kriegs- beschäöigten. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Äriegerhinterbliebcncn hielt am 14. und 15. Juni im ehemaligen Herrenhaus zu Berlin einen Gautag der Gaue Brandenburg, Groß- Berlin und Pommern ab. Kam. Ehring vom Bundesvorstand bc- richtete über die Entwicklung der Gaue und das ungeheure An- wachsen der Mitgliederzahl. Selbst die Spaltungsbcwegung hat keinen Rückgang gebracht. Sodann berichteie Kam. Vader-Schöneberg über die Agitation und Kam. Rudolph-Landsberg über Milltärversorgnirgsgericht und reichsgesetzliche Regelung. Uebcr beide Frage» wurde eingehend diskurieri._ Kam.«tephan sprach über die Einteilung der Gaue. Folgende Entschließurig wurde angenommen: Pommern. Brandenburg und Groß- Berlin werden als selbständige Gaue erklärt. Zu Groß- Berlin gehören die Gebiete, die voraussichtlich zu dem rünstigen Gemeiirwesen Groß-Bcrlin zählen. Die neuen Gaue ordnen ihre Angelegenheiten sechst, bestimmen insbesondere die Einteilung und Zuständigkeit der Ortsgruppen und AgitationSbezirke sowie den Sitz des Gaues. Als Gauleiter für Groß-Berlin wurde einstimmig Kam. Bader gewählt. Gau Brandenburg bestimmte zu seinem Sitz Berlin und wählte zum Vorsitzelchen den Kam. Jesle-Herzfeldc. Gau Pommern übertrug provisorisch die Gauleitung der Ortsgruppe Stettin. Eine große Zahl Anträge über Kriegsbeschädigten-, Siedlung?- fragen usw. brachte der BundeÄcitung Material zur Weiterarbcit im Jnieresse der Kriegerhuuerbliebenen, Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer. Folgende Resolution Neukölln lvurde_ ange- Nümmen: Die Gankonferenz ersucht die Regierung, sofort Schritte zu unternehmen, daß den Hinterbliebenen, denen durch das tat- trästige Eintreten des Reichsbundes vom 1. Juni 1910 eine vierzig- prozentige Rentenerhöbung zuteil wurde, die Erhöhung auf den Be- zug von Arbeitslosenunterstützung nicht in Anrechnung gebracht wird, wie die Verordnung vom 19. April bestimmt. Die Gau» chnserenz fordert dringende Abhilfe für die schon so schwer betreffe- neu Kriegsopfer. Zu der Siedlungs frage wurde nach eingehender Diskussion folgende Resolulion Lader angenommen: Der Gautag spricht der Regierung, insbesondere der Preußischen Noiionaluersammlung und dem Landwirtschaftsminister, die schärfste M'ßbillignnq au! über die Tatenlosigkeit und Verschleppung der Sicdttuigsfrage und der Vervesscrung der WohnungSzustände. Jn Brandenburg bietet sich sur Taufende von Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen Siedlungslanb, welches heute zum Teil brach liegt, andernteilS unrentabel verwertet wird. Wir foodern mit allem Nachdruck En!- eignung von geeignetem Siedlungslanb, Austeilung der Fidei- kommisse und staatlichen Domänen. Eine Schande ist es, wenn Kriegsbeschädigte und Kriegsteilnehmer nicht einmal mehr in der Lage sind, so viel Pachtland zu erhalten, als sie vor Kriegsausbruch bereits schon bebauten. Ter Gautag beauftragt den Bundesvor- stand, sofort mit dem Landwirtschaftsminister und den betreffenden Regierungsstellen Verhandlungen anzubahnen� Wir werden nicht Ruhe geben, bis wir das besitzen, wofür wir gekämptt haben: „Eigenheim und eigene Scholle auf freiem Grund und Boden." Wir sprechen jedem das Recht ab, Land zu besitzen, wenn er es nicht mit seinen Knoche« während des Krieges verteidigt hat. und fordern, daß nur Opfer des Krieges Anwartschaft aus Siedluirgsland und Baukostenzuschüsse in den Großstädten haben. Mit einer eindrucks- vollen Reoe des Bundesvorsitzenden Rvßmann wurde die Tagung geschloffen. verbanöstag öer Holzarbeiter. ' Sechster Berhundlungstag. Die Regelung der Gehälter für die Bcrbandscmgestellten ab 1. Juli d. I. wird wie folgt beschlossen: Bezirks- und Lokcrlangc- stellte von 480 steigend bis 380 M.. Hilfsarbeiter 600 bis 700 M., Gau- Vorsteher und leitende Lokalbeamte 620 bis 720 M., Vorstandsmit- gliedcr 700 bis 800 M. vnd erster Vorsitzender 800 bis 900 M. pro Monat. Wahl der Verbandsbcamtcn. Sämtliche Gauvorsteher werden wiedergewählt, die besoldeten Vorstandsmitglieder in geheimer Wahl mit großer Mehrheit eben- falls. 27 Stimmzettel wurden unbeschrieben abgegeben. Ter Ver- üandsvorsitzendc Leipart gibt hierzu folgende Erklärung ab:„AlZ 48 Delegierte für die Resolution Siegle stimmten, die dem Vor- stand Mißbrauch des Vertrauens und Verrat der Arbeitermteressen vorwirft, habe ich den Schluß gezogen, daß die Annahme einer Wiederwahl für mich unmöglich ist. Ich habe meine Stellungnahme noch einmal überlegt. Und nachdem der weitere Verlauf der Verhandlungen Klarheit darüber geschaffen hat, daß eS sich gar nicht um Dinge handelt, die sich in unserem Verbände abgespielt haben, daß es nur ein Streit der politischen Meinung ist, glaube �ich. berechtigt zu sein, mich über meinen Entschluß hinwegzusetzen. Vor- schiedene Kollegen haben mir gesagt, daß sie bei getrennter Ab- stimmung gegen den Schlußsatz, der den Vorwurf des Verrats der Arbeiterinteresseu enthält, gestimmt hätten, und nachdem sich weiter ergeben, daß die Zahl derer, die in meiner Tätigkeit Verrat er- blicken, lvesentlich geringer tst. und die große Mehrheit deS Ver» bandstageS eS als großen Fehler ansehen würde, jetzt den Verband zu verlassen, bin ich zu dem Entschluß gekommen, die Wahl onzu- nehme«.(Bravo!). Habe darüber auch mit meinen Vorstands- kollegen gesprochen, und nachdem klar feststeht, daß die Opposition nur aus politischen Gründen für die Resolulion gestimmt hat, wollen wir ihr die Konzession nicht machen und zurücktreten. Trotz poli- tischer Meinungsverschiedenheiten wollen wir die Geschäfte des Per- bandeS leiten." Jn der Statuteubartung wird unter anderem beschlossen, daS BeitttttSgeld für erwachsene männliche Mitglieder auf 1 M.. für jugendliche und weibliche Mitglieder auf 30 Pf. festzusetzen. Lehr- ling« auch als jugendliche Mitglieder aufzunehmen. Für die Bestreitung ihrer Ausgaben können die Zahlstellen bis zu 20 Proz. der vereinnahmten Verbandsbeiträge verbrauchen. Ueberschüssige Gelder müssen vierteljährlich an die Hauptkasse gesandt werden. Tic Kosten für Beschickung der Gautage werden in Zukunft von der Hauptkasie getragen. Anträge, die die Agitation, Branchenange- legenheiten, den Arbeiterschutz usw. betreffen, werden dem Vorstand- überwiesen. Zum Punkt Gcwerkschaftskongrcss gibt Leipart eine gedrängte Ueb erficht über dessen Aufgaben. Neben einigen Anträgen wird eute Resolution der Vorbereitungskommission angenommen, wonach sich der Bcrbandstag für Berufs- bzw. Jn- dustrieverbände, für den Zusammenschluß berufSvcrwckndter Organ!» sationen und für eine größere Vereinheitlichung der Einrichtungen der Gewertschasten erklärt. Als der Verbands tag über den Antrag, den Kollegen Roste aus dem Verband auzuschliesscn, mit 83 gegen 63 Stimmen zur Tagesordnung übergeht, weil ein solches Verfahren den Bestimmungen des Statuts nicht entspricht, verläßt der größte Teil der Berliner Delegierten das Lokal. Im Schlusswort führt Leipart auS:„Der Verbandstag stand im Zeichen der Uneinigkeit. Auch früher haben wir MeinungSver- schiedenhviten auszukämpfen gehabt— darin liegt der Fortschritt. Daß ein- Teil der Minderheit vor Schluß die Sitzung verlassen hat, bedauern wir, daran haben wir keine Schuld. Ich habe die Hoff- nun«, daß diese Aussprache dach auch zum Gedeihen des Verbandes beitragen wird, daß die politischen Streitfragen verschwindet werden. Ich befürchte, daß Handel und Gewerbe die gewaltigen Erschütte- rungen, die der Frieden bringt, nicht so leicht überstehen werden. Das wird nicht ohne Einfluß auf die Haltung der Unternehmer im)} gegenüber sein. Wir werden uns gegen Lohnreduzirrungcn zu schützen haben. Darum war es eine Nottvendigkeit, die Stljlck-, Unterstützung zu erhöhen- Da? ist zweifellos der bedeutsamste Beö schluß des Äerbandstagcs. Meinungsverschiedenherren sind nur damit zu erledigen, daß sich die Minderheit dem Beschluß der Mehr- hrit fügt und ich hoffe, daß dies auch von der jetzigen Minderheit geschieht. Unsere besten Wünsche begleiten die Kollegen, die in Zu- kunft Ausländer sein werden und ausunserm nächsten VerbandSlag nicht mehr verttetcn sein werden. Ich glaube nicht daran, daß daS von Tanec sein wird, wünsche aber, daß sie im Geist unsere? Ver- bände» euch im neuen„Vaterkande" wirken." Mit. einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Verband wird die Tagung geschlossen. verbanöstag öer Kupferfthmieöe. In einer Aussprache über die Frage ArdeitSgemein- schast oder Rätesystem treten die Gegensätze zwischen den verschiedenen Richtungen in Erscheinung. Tic einen wollen den Räten rein wirtschaftliche Funktionen und die Reif- machung der Betriebe für die Sozialisicrnng zuweisen, während ihnen die andern alle Macht übertragen möchten. Von_ verschiedenen Rednern wird davor gewarnt, sich aus ein starres System festzu- legen, solange nwu nicht wisse, wie sich die Verhältnisse nach Frie- densschluß gestalten. Kube von der Geuevalkommission erläutert eingehend die Gründe für de» Abschluß der ArbeitSgepreinschast, durch die die Rcchle der Arbeiter im Arbeitsverhältnis bedeutend erweitert worden seien, und legt sodann den Plan der General- kommission für den Ausbau des RätesystemZ dar, durch den das Mitbeinmmtingsrecht der Arbeiter bei der gesamten Produktion, vom Einzelbetrieb beginnend, bis in die höchsten Spitzen der zeit- ttalen Wirtschastsorganisation verwirklicht werden soll. Im Laufe der Aussprache geht von Blase iMannhcim) eine»reue Resolution ein. die den Abschluß von Tarifverträgen zur Schaffung gleichmäßig geregelter Lohn- und Arbeitsbedingungen als Aufgabe des Ver-\ bände» bezeichnet und den Vorstand beaustragt, nach der Klärung der politischen Verhältnisse das beste der beiden Rätesbsteme unter Mitwirkung des Zentralausschusses und der Bezrrksleiter sich zu eigen zu machen. Ein Zujatzantrag Hecht bezeichnet das Räte- system als eine geeignete Einrichtung, niu in Zusammenwirken mit den Gewerkschaften den Interessen der Arbeiterklasse zu dienen und sie zu fördern. Der Vertreter des Metallarbeiterverbande» Kopp betont, er könne sich nicht zu der Forderung: Alle Macht den Arbeite''- raten! bekennen. Deutschland sei viel zu sehr auf ausländische Rohsloffe angewiesen, um allein mir Rußland eine sozialistisch. Oase bilden zu tonnen. In seinem Schlußwort gehl der KcHrecke. rent Jahrmarkt noch einmal eingehend auf die ganze Frage ein. Bezüglich der Tarifverträge betont er, daß die Opposition nicht Gegner solcher Verträge sei. Sie dürften aber nur den Zweck verfolgen, die Aitgenblicksinteressen der Arbeiter zu wahren. niemals Selbstzweck werden. Im Schlußwrot wendet sich der Referent Hecht entschieden gegen die Resolution Jahrmarkt. Di- Mißbilligung der GewerkschaftStaktit im ersten Absatz gehöre ntch: zu diesem TageSordiNrngspuntt,.sondern zum Geschäftsbericht. Jn der n a m e n t l i ch e n Abstimmung wird die Resolulion Iah markt mit 21 gegen 14 Stimmen angenommen. Den Bericht der Rechnungskommission erstattet Stoß, Berlin. Die Kommisswit hat festgestellt, daß ein buchmäßiges VerbandSvec- mögen von 18 840,47 M. vorhanden ist. Dem Kassierer wurde einstimmig, dem Gesamtvorstand gegen 12 Stimmen und dem VerbandSauSschckß ebenfalls einstimmig Entlastung erteilt. Es folgt die Beratung allgemeiner Anträge. WS Berichterstatter fungiert B e n d t, Hamburg. Alle Anträge, die den Anschluß an den Metallarbeitcrverband betreffen, werden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.. Ein'Antrag, den Widerstondssond aufzuheben und an die Filialen zurückzuzahlen, wird abgelehnt, der Antrag auf Angliederung an die Zentral- lasse angenommen. verbanöstag öer Maler. 4 Verhandlungslag. K Zu Punkt 3 der Tagesordnung:„Die Aufgaben unseres Verbandes in der Zukunft" hielt VerbandSvorsitzender S t r e i n e- Haniburg ein instruktives Referat, dem Nichtlmien zu- gründe liegen, die in� ihrem uzesentlichen Inhalt die Gcmeinwirl- scbait im Sinne der Sozialisierung fordeui. Weiter lvird das Mit« bestimmungsrecht in der Einrichtung der Betriebs- und Arbciierräte verlangt. Ferner wird gefordert eine ausreichende soziale Filisorge, Wiederaufrichtung des Malergewerbes, ausreichende Lohn- und Arbeits- bedingungen, als Grundlage für eine gesicherte Existenz. Der Kampf gegen Berufskrankheiten und Unfallgefabren'st unverzüglich fortzn- icheii und solange die durch den Krieg hervorgerufenen Er- näyrungsilhwierigkeiten bestehen, sind Maßnahmen zur Durch- führung einer strengen Rationierung und gerechten Verteilung aller Lebensmittel gegen Schlcickihandel und wucherische Ausbeutung der Notlage des Volkes zu fordern. Der 5lorreferent Bötzer- Berlin unterstützt im wesent- lichen die Ausführungen Streines. Er weist aber nocd darauf�bin, daß die Macht der Arbeiterräte mehr ausgebaut werden müßte, um so schneller könne man dann den Kapitalismus untergraben. Die Gewerkschaften, die durch die Rätewirtichaft nicht an die Wand gedrückt werden sollen, müssen sich dafür ganz besonders einsetzen, denn diese bedeuteten ja noch eine Siärkung des Verbandes. Eine weitere Forderung sei die Stobilisierung der Löhne. Notstands- irbeiten müßten geschaffen werden, damit_die unproduktive '! beitsloscnunierstützung durch diese abgelöst werde. Dieie ilrbeitSbeschaffuilg, und zwar in eigener Regie, müßte grundsätzlich gefordert werden. Hierauf setzte eine ausgedehnte Aussprache ein, die sich in der Hauptsache um das Rätesystem drehte. ES wurde ausgeführt, daß den Arbeiten äten die wirtschaftliche, ökonomische Macht gegeben werden müsse. Andere Redner wiesen darauf bin, daß das Räte- system aus Grundlage der planmäßigen Gemeinwutschaft, der ökonomischen Umgestaltung, aufgebaut werden müsse. Nicht Diktatur sei das Richtige, sondern organische Entwicklung. Heute fei alles noch Neuland, die Tbeorie müsse durch die Praxis er'etzt werden. Eine planmäßige Schulung und Ankklärung bilde das Fiindamenlt an Stelle der Schlagwörter müßten Kenntnisse und Fähigkeiten treten. Durch die Gegenseite wurde ausgeführt, daß nicht auf dem kapitalistischen Produktionsprozeß die sozialistische Wirtschaftsweise aufgebaut werden könne. Mehr wie je müsse man setzt das Schwergewicht auf das Rätesystem legen. Der Wille der produktivtätigen Bevölkerung verlangt die Soz,alisierung. Weiter wurde von den meisten Rednern dem Gedanken des RcichStarifs im Prinzip zugestimmt. Bei der Abstimmung über die Richtlinien des Vorstandes ergab sich deren Annahme. Desgleichen wird einer Resolution von Leipzig zugestimmt, die in ihrem ersten Absatz sich den Richtlinien des Vorstandes anpaßt und weiter Stellung nimmt gegen ein eventuelles Zuchthausgesetz und Aufhcbng� des Belagerungszustandes fordert. GewerffchHsbewMNg Streik der Arbeitslosen. 3Sii den latzten Tagen sind auch die Arbeitslosen in einen Streik eingetreten, und zwar im Paritätischen Arbeitsnachweis für die Meialllnduftrie. Wusterhausener Straße. Ursache zu diesem Schritt war das Verhalten der Arbertgeber bei Besetzung der offenen Stellen. Beim Verlesen der Stellen verlangte eine Firma einen Schlosser nicht über 25 Jahre alt. gleich darauf wurden von einem anderen Unternehmer mehrere Schlaffer im Alter von 25 bis 85 Jahren angefordert. Dieses ging den Arbeitslosen zu weit, es brach ein ungeheurer Lärm aus. Zunächst wurden die Vermittler beschimpft und tätlich bedroht. Der Leiter des Nachweises erklärte, daß die Vermittler doch schuldlos wären und jegliche Wünsche der Arheitgeber bei der Besetzung bekanntgegeben werden müssen. Ein Arbeitsloser stellte nun den Antrag, daß nicht mehr vermittelt wetden darf, bevor die Arbeitslosen nicht Gelegenheit hätten, durch eine Kommission mit den Arbeitgebern Rücksprache nehmen zu können. Dem wurde zugejubelt und demonstrativ der Nachweis- räum verlassen. Eine sich sofort anschließende Versammlung auf dem Hof wählte eine Kommission, die zunächst mit dem Leiter des Nachweises Rücksprache nahm. ES wurde verlangt, daß auch bei den Maschinenarbeitern und den übrigen Berufen die Vermittlung ein- zustellen sei. Der Leiter lehnte dieses rundweg ab mit der Be- gründung, daß die Schlosser kein Recht hätten, über andere Gruppen solche Bestimmungen zu treffen. Inzwischen wurden die ankom- wenden Maschmenarbeiter und Arbeiter von dem Vorgehen der Schlosser informiert, worauf sich auch diese dem streik anschlössen und kategorisch die Einstellung der Vermittlung verlangtet'. Beim Geschästssührcr erhielt die Kommission das Versprechen, daß in der Tags darauffolgenden Berwalhinqssitzung darauf hingewirkt würde, daß die Besetzung nicht vom Alter abhängig gemacht werde. Weiter wünschte die Kommission, daß den Arbeitslosen eine Kontrolle bei der Vermittlung zugestanden würde, damit auch die Stellen durch gualisizierte Arbeiter besetzt würden. Auch sollten diejenigen, die sich für jede ausgerufene Stelle melden, nach viermaliger Meldung eine Zeitlang von der Vermittlung zurückgesetzt werden, so daß die wirklich Arbeitsuchenden bei der großen Arbeitslosigkeit auch an der Vermittlung teilnehmen könnten. Der Geschästsfühcer sollte bei den Herren Arbeitgebern dahin wirken, daß die vermerkten Uebelstände ausgemerzt würden. Ilm nächsten Morgen gab die Kommission das bisher Zugesagte bekannt. Die Mehrheit der Anwesenden wollte aber nicht früher Arbeit annehmen, bis der endgültige Bericht der Verwoltungs- kommission gegeben wäre. Am nächstfolgenden Tage hatte der Nach- weis wieder sein übliches Aussehen. Die Kommission hatte bekannt- gegeben, daß allen Wünschen der Arbeitslosen Rechnung getragen worden sei. Hoffentlich tragen die Arbeitgeber nunmehr den Abmachungen Rechnung. Einige Firmen wollten über 40. andere über 45 Jahre niemand einstellen, einige verlangten nur Kriegsteilnehmer, andere wiederum nur solche, die nicht am Kriege teilgenommen haben. Bei einigen ist erst ein ärztliches Gutachten notwendig, wiederum anderen ist die Wohnung zu weit abgelegen. Dann gibt es Firmen, die langjährige Zeugnisse vom Arbeitslosen verlangen. Alles Maß- nahmen, die die Unzufriedenheit und Erbitterung der Arbeitslosen ins Ungeheuerliche steigerten und letzten Endes den Arbeitsvek- Mittlern zur Last gelegt werden. Hauptaufgabe der Betriebsräte muß es sein, in ihren Betrieben dahin zu wirken, daß jeder Arbeits- lose so schnell wie möglick wieder zu einem Arbeitsverhältnis kommt. Sie haben die Pflicht, darüber zu wachen, daß bei der Ein- stellung obige skandalöse Bestimmungen nicht getroffen werden dürfen._ Die Forderungen der Post- und Telegraphenangestellten. Die Jnteressen-Arbeitsgemeinschaft des Haupttelegraphen- amts hatte am Freitag nachmittag zu einer Protestversammlung nach der Bötzowbrauerei eingeladen. Schon weit vor Beginn waren die Räume überfüllt, so daß eine Parallelversammlung im Garten abgehalten werden mußte. In beiden Versammlungen nahmen neben den Referenten die Uhrer der Organisationen das Wort und schilderten die große Not innerhalb der Post- beamtenschaft. Einmütig kam der Wille zum Ausdruck, daß un- bedingt sofort Abhilfe zu schaffen sei. In einer Entschließung wurde neben einer Erhöhung der laufenden Teuerungszulage uin 100 M. die Auszahlung einer Entschuldungssumme von 2000 M. sowie für jedes Kind 200 M. gefordert. Zur Durchführung der Forderung wurde aus der Versammlung eine Zehnerkom- Mission gewählt, die sofort mit dem Reichspostministerium in Verbindung treten soll. Genosse Gronefeld wies in eindringlichen Worten darauf hin, sich geschlossen hinter die Organisationen zu stellen und diese im Kampf zu unterstützen. Er führte den Anwesenden die un- aussprechlich traurige Lage des Vaterlandes vor Augen und wie- auf die entsetzlichen Folgen hin, wenn gerade die Berkehrsbeam- ten jetzt in einen Streik eintreten würden. Der Streik sei das letzte Kampfmittel der Beamten und könnte nur in Frage kom- men, wenn die elementarsten Grundrechte der Beamtenschaft in Gefahr seien. Dessenungeachtet müsse sofort mit Beseitigung der Not innerhalb der Postbeamtenschaft begonnen werden. Bemer- kenswert waren noch die Ausführungen eines Postschaffners, der am selben Tage bei dem Lebensmittelausschuß der Ober-Postdirek- tion 5 Zentner Reis beschlagnahmen ließ, welcher zum Preise von 4,50 M. das Pfund an die Angestellten verkauft werden sollte. Einmütig kam zum Ausdruck, daß endlich einmal mit den Schieber- geschäften aufgeräumt werden müsse, ehe es zu spät sei. Wie unS mitgeteilt wird, find die Vertreter der Angestellten für Montag früh 10 Uhr zu Verhandlungen in das Reichspost- Ministerium geladen. « Die Aushelfer beim Postscheckamt, etwa 1000 an der Zahi, sind wegen Nichtbewilligung ihrer Forderungen am Sonnabend in den Streik getreten. Es wird behauptet, daß den Beamten die Forderungen bereits erfüllt worden seien. Eine Stillegung oder starke Einschränkung des Postscheckamtbetriebes muß natür- lich von den allerschwersten Folgen für das gesamte deutsche Wirt- schaftsleben werden. Die schleunigste Beilegung des Kon- flikts erscheint daher dringend geboten. Auch im Postzeitungs- amt soll ein Streik drohen. Dir HilsSarbeitre und Hilfsarbeiterimien der Berliner Stadt- iynode waren im März d. I. ihrer mehr als mäßigen Bezüge wegen an den GeichäftSfübrenden Ausschuß zwecks Aufbesserung ihrer Lage herangetreten. Der Geschästsfübrer verscblepple diese Angelegenheit monatelang. Die Lobnangestellten wendeten sich an ihre Beruisorganisation und beauftragten diese den Schlichtungs- auSichnß anzurufen. Am 13. Juni wurde ein Spruch gefällt, der den Lohnangestellten ihr Recht gab. Der Vertreter der Stadlsynode wurde von dem Vorsitzenden des SchlichtungsausichusseS aus- drücklich darauf hingewiesen, daß bis zum 20, d. M. der Bescheid über Annahme oder Ablehnung de§ Schiedsspruches eingehen müßte. Trotz dieses Hinweises versucht Direktor Dehmke abermals die An» gelegenheit zu verschleppen mit dem Hinweis, der Spruch wäre ihm erst am 19. zugestellt worden. Der Obmann des Angesiellten-Aus- schusses hat den vom Schlichtungsausschuß festgesetzten Tarifvertrag bereits am 14. feiner Behörde übermittelt. Eine kirchliche Behörde tollte in erster Linie dasiir sorgen, daß in ihrem eigenen Bureau Ruhe und Frieden einkehrt. Die Er- bitterung unter den Hilfsarbeitern ist eine derartige, daß eS nur eine Frage der Zeit ist, wie lange sie sich dieses Verhalten einer leitenden Person gefallen lassen werden. Zur Lohnbewegung der Berliner Mineralwafferarbeiter ist zu be- richten, daß in der Versammlung der Unternehmer, wozu auch ein Vertreter des Deutschen Transportarbeitcr-Verbandes geladen war, eine Eiiiigung erzielt worden ist. Ein Tarifvertrag, der die Lohnsätze bis 30. September 1919 regelt, ist getätigt worden. Die Arbeitszeit be- trägt allgemein 47 Stunden pro Äoche. Die Löhne sind folgende: ES erhalten Abzieher pro Woche M. 120, Vorarbeiter pro Woche M. 130. Auf« und Ablader pro Woche M. 110, Flaschenipüler. Hofarbeiter pro Woche M. 105, Mitfahrer, Stalleute, Kutscher M. 80, außerdem eine Provision und 10 Pf für volle und 10 Pf. für zurückgebrachte leere Kästen und Flaschen. Für Arbeiterinnen werden M. 55 und für Jugendliche unter 13 Jahren M. 55 pro Woche gezablt. Ueber« stunden werden mit 33Vz Proz., Sonn- und Nachtarbeit mit 100 Proz. Aufschlag bezahlt. Kutscher haben jeden zweiten Sonntag voll- ständig frei und erbalten im übrigen für SonntagSarbeit M. 2.50 für die Stunde. Gleichzeitig ist eine Regelung des§ 616 B.G.B. vorgenommen und auch ein Sommerurlaub bis zu sechs Arbeits- tagen unter Fortzahlung des Lohnes bewilligt. Der Tarifvertrag kann von den Mitgliedern des Deutschen Transporlarteiler- Verbandes im Verbandsbureau. Engelufer 15, Zimmer 33, in Empfang genommen werden. In Betrieben, wo der festgesetzte Lohn nicht bezahlt werden sollte, ist dem Branchenleiter unverzüglich Mitteilung zu machen. Ueber den Neuaufbau der Arbeiterräte referierte in der Mitgliederversammlung des Verbandes der TranS- Portarbeiter M a l z a h n vom Vollzugsrat. Redner zeichnete in großen Zügen die Zustände, unter denen der Wiederausbau deS deutschen Wirtschaftslebens zu erfolgen habe. Bei diesem Wieder- aufbau werden die Arbeiterräte einer wichtigen Mission zu erfüllen haben. Die Borlage der Regierung besriedigen nicht. Die Betriebs- räte müßten die Möglichkeit haben, sich in den technischen Apparat einzuarbeiten, damit dieselben im Verein niit den Gewerkschaften das Werk der Sozialisierung vollbringen können. Nachdem der Bevollmächtigte Reimann der Versammlung den Vorschlag unter- breitet hatte, die Vorschläge zur Wahlkommission in den Branchen- Versammlungen'zu machen, gelangte eine Sympathie- Resolution für L e d c b o u r einstimmig zur Annahme. Bauarbeiter-Verband, Sektion der Gips- und Zementbranchc. Rabitzputzer, Spanner und Träger. Zementicrer, Einschaler und Beton- HüfSarbeiter. Generalversammlung Dienstag, den 24. Juni, abends 6'/, Uhr iin Lokal von Fr. Wille. Sebaftianstr. 39. Tagesordnung 1 Diskussion über die vorgeschlageiien Kandidaten— und 2. Neuwahl des SektionSlei'.erS. 3. Rückblicke aus die Lohnbewegung. 4. Sekt ionsangelegcnbeiten. Dransportarbeitcr-Berdand, Branche EngroS-Konsektion. Branchenucriammlung der Hausdiener und Packer usw. Montag abends 6 Uhr bei Wegncr, Schdelitr. 30.»Die Tarisverböltnisse unserer Branche." Reserent: Koll. Paul Schacht. Vollzähliges Erscheinen notwendig. Die Branchenleitung. Deutscher Holzarbeiterverband. Branchenversammlungen am Donnerstag, den 26. Juni, abends 7 Uhr. Stellmacher. Im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11112. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Branchenangelegenheiten.— Sargtischler. Bei Merkmann, Große Frankfurter Straße 16. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Brancheuangelegeiiheiten. 3. Verschiedenes. — Einsetzer. Im GewewerkschastShaus, Engeluser 15(Saal 6). Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Die Kommission besteht aus: Adolf Wellbausen, Obmann; Georg Müller, Schriftführer; Julius Bartels, OSkar Jochmann, Henn. Grahl, Paul Krumrch, Otto Marx, Franz Schulz, Bezirksleiter. Alle Nnjragen und Meldungen sind an de» Obmann Adolf Wcllhausen, Berlin 3 59, Planus« 92 E, zu richten.— Zatzlstelle 33(Bezirk Osten) ist von KopernikuSstr. 15 nach KopernikuS- straße 23 zum Kollegen ffi. Steckling verlegt. Verband der Blircanangeitellten. Versammlung der jugendlichen Kolleginnen und.Kollegen aller Branchen am Dienstag, den 24. Juni, abends li,8 Uhr im Englischen Hos, Alexanderslr. 27<:. Vortrag deS Kollegen Aman: Die Ausgaben ein« freien Gcwerkschajt. Hilssdicner, HilsSsteuererhcber, Boten, Botinnen, HilfSaktenhester usw. Versammlung, DicnStag, den 24. Juni, nachmittags 4 Uhr, im Sophien- Lyzemn, Stcinstr. 31/34. Im Austrage der Lohnkommsssion: Kitz. Die Wanderung der Jugendscttion nach Strausberg findet ai» Sonntag, den 6. Juli, statt. Neukölln. Veriammlung aller als HilfSarbeitcrinnen und Hilfsarbeiter beim Magistrat Neukölln beschäftigten Kriegsteilnebmer, Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen am Montag, 23. Juni, iabcndS 71/, Uhr, in den Bllrgerfälen, Bergstr. 147. Angestellte der Gcldschrankindnftrie. der Bau- und Kunst« schlossercien Groß-Berlws: Montag, abends 7 Uhr, Versammlung in der Löwen-Brauerci, Hoch- Ecke Badstraße. Tagesordnung: Stellungnahme zum Tarifvertrag. Ei scheinen aller Kollegen Pflicht. BerantwciNlich ftlr B->Iitik: SIrtiir?>ckler. Epari tenlnra, nri den llhrlgen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln; für.lnzeigcn: Theodor Glocke. Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag®. m. b. H.,«erlin. Druck: Vorwärts- Buchdrucker« und Bcrlagsanstalt Paul Singer u.■ i. in Berlin, Lindenstr. S. Hierzu 3 Bnlagra. Zaboi-Spihen in Tüll u.Valenn'ennes, elfenbem od.ecruefarbig in groß. 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