Nr.319. 36. Jahrg. Bezugspreis: Siert-ljiihrl. 9,— SDlfv menatL 8,— 9St frei ins Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich S,— Sit, ejfL Zu- Ilellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn «LZ Mt, für da» übrige Ausland 10 2ä Mt, bei täglich einmal. Zustellung 6.2i Mt Poftdestellungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preislifte. Der„Vorwärts" mit der Sonntag» beilagt„Volt u. gelt" erscheint Wochen» täglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adresse: «Sozialdemotrat Berlin-. Morgen-Ausgabe. Vevlinev Volksblatt. (15 Pfennig) Anzeigenpreis: Di» achtgelpalteue Noupareilleiill» kostet 1.2» Mb.«lstno rluzeigen-. das lettgedruiktc Wort A Pfz.(zulässig 2 scttgedruckte Worte), sedeo wettere WoN 2ä Pfg. Stellengesuche u'.tb Schlafstellenanzeigei, das erste Wort «» Pfg. sedcs weiter? Wort L» Vig. Wotte über lb Buchstaden zählbn lür zwei Worte, Deuerungsznschlag ICf-iy. Familien• Anzeigen, politisch» und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 1.20 Mt die Zeilt Anzeigen(ilt die Nächste Nummrr müsicu bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft, Veriin SA»st, Lindenstrahe 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis ü Uhr abends, Zcntralorgan der fozialdcmokratifcbcn parte» Deutfcblands. Reüaktion und Expedition: SW. öS» Ändenstr. Z. �ernfprechrr: Am»'.vioritiplatz. Rr.».'s» SV— IST S7. Mittwoch, de» Äo. Juni 1919. vorwärts-verlag H.m.b. H., SW. b8, Lindenstr.?. Fernsprecher: Am» Moritiplatz, Nr.»»7»S—»t. M Ein Aufruf der Reichsregierung. Tie Ncichsregicr.ung hat mit der Zustimmung der Nationalversammlung erklärt, den Friedensvertrag zu unter» schreiben, schwersten Herzens, unter dem Druck der rücksichts- losesten Gewalt, nur in dem einen Gedanken: unserem wehr- losen Volke neue Kriegsopfer und Hungcrqualen zu ersparen. Ter Friede ist gcschlosicn! Nun wahrt und sichert de» Frieden! Tas erste Erfordernis ist: Vertragserfüllung! Jede Anstrengung must an die Erfüllung dieses Ver» trageS gesetzt werden, soweit er ausführbar ist, must er aus- geführt werden! Nimmer werden wir derer vergessen, denen die Abtretung droht. Sie sind Fleisch von unserem Fleisch. Wir werden sür sie eintreten, wo wir können, wie für uns selbst. Aus dem Staatsverbandc können sie gerissen werden, aher nicht auö unserem Herzen. Das zweite Erfordernis ist Arbeit! Tic Lasten dieses Friedens können wir nur tragen, wenn keine Hand müstig ist. Für jede nicht erfüllte Lei- st u n g können die Gegner mit Vormarsch, Besetzung oder Blockade antworte». Wer arbeitet, vertei» digt den heimischen Boden. Das dritte Erfordernis hcistt: Pflichttreue! Wie wir trotz aller Gewissensnot auf dem Posten gc- blieben sind, so must es jeder einzelne machen! Der Soldat, und zwar Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, der Beamte, jeder must um des Ganzen willen seiner Pflicht treu bleiben, auch in diesen bösesten aller bösen Tage. Man zwingt uns, Deutsche an feindliche Gerichte auszuliescr». Wir haben uns bis zum äußersten dagegen gewehrt. Für die tiefe Er- bittcrung unserer braven Truppe« haben wir volles Ver- ständnis. Aber wenn nicht Offizier und Mann jetzt noch fester für innere Ordnung eintreten helfen, so liefern wir nicht nur ein paar Hundert, sondern Millionen von Lands- I e u t e n auS, und zwar der Okkupation, der Annexion, dem Terror! Deutschland must lebensfähig bleiben. Ohne innere Ordnung keine Arbeit! Ohne Ar- beit keine Vertragserfüllung? Ohne Vertragserfüllung keinen Frieden, sondern Wiederausflammen des Krieges. Wenn wir nicht alle mithelfen, ist die Unterschrift unter dem Vertrage wertlos, dann kann es keine E r l e i ch t e» r u n g e n, keine Revisionen und kein schlicstlichcs Abtragen der ungeheuren Lasten geben. Was heute an Tagen versäumt wird, kann unsere Kinder Jahre der Knechtschaft kosten. Bon heute- müssen Volk und Regierung an die Arbeit gehen. Es darf keine Pause geben und kein Beiseitcstchrn. h e i t l i ch e n Beschlüsse gekommen: Die Bertraueiisleutc stehen unter Bezugnahme des von ihnen tinterschlielieneu BcrpflichtunqsscheineS»ach wie vor grlchlossen hinter der gegenwärtige» Regierung. Sic betenncn sich weder nach rechts noch nach links, sondern sich rinstimmig dazu bereit, mit der Waffe in der Hand die sozialistisch-drmokratische Regirrung gegen jede» Putsch zu schütze». Berkin, den Lt. Juni ISIS. Wie uns aus dem Reichswehrministerium mitgeteilt wird, ist Oberst v. Hahnke dort vernommen worden. Er bestreitet öas öeutfthe auf das entschiedenste, zum Ungehorsam gegen die Regierung aufgefordert zu haben. Er habe zwar seinem Schmerz über die Annahme des Friedens lebhaften Aus- druck gegeben, aber die im„Vorwärts" berichteten Acuße- rungen-müßten auf einem Mißverständnis der Zuhörer beruhen, er habe im Gegenteil aufgefordert, trotz allem der Regierung bei der Aufrechterhaltung der Ordnung zu helfen. — Daß die Vertrauensleute der beiden Regimenter sich ver- anlaßt sahen, auf Grund der v. Hahnkcschen Rede sofort zu einer Sitzung zusammenzutreten und die vor- st ehe u de Entschließung zu fassen, erscheint uns doch als deutlicher Beweis, daß die Rede des Herrn v. Hahnke in ihrer Gcsamttendcnz auf die Rcichswehrmannschaften den gegenteiligen Eindruck gemacht hat. Jedenfalls begrüßen ivir diese Entschließung als'deutliches Zeichen, daß alle reaktionären Hoffnungen, die Reichswehr zu reaktionären Putschen mißbrauchen zu können, an der festen rcpu- blikanischen Gesinnung öer Unteroffiziere und Man n s ch a f t c n z u s ch a n d e n werden. » Von zuständiger Seite wird uns noch folgendes mitgeteilt: Sämtliche höheren T r u p p e u! o m in a n d e u r e und Reg.» mc ntsführer der Reichswehr, die cht Verlm und seiner weiteren Umgebung in Garnison sind, folgten am DienStagnach- mittag einer Einladung des R e i ch s w e h r m i n i st f r s, In längeren Darlegungen gab RelchSwehrminister Noske eine lieber- ficht iiber die durch die aufgezwungene Unterzeichnung des Friedens entstandene politische L a g e deS Reiches. Ein Teil der ber- sammelten Offiziere gab seinem Schmerz darüber Au-druck, daß mit dem Frieden auch die schändlichen Schmachparagraphen unterzeichnet wurden. ES gelang jedoch dein Reichswehrminister. sämtliche an- wesenden Offiziere davon zu überzeugen, daß eS jetzt oberste Staatsbürgerpflicht ist. über persönliche Bedenken hin- weg dem schlo ergeprüften Vaterlande weiter treu zu dienen, um eS vor dem ChaoS zu bewahren und an dem Wiederaufbau mitzuwirken. Oberst von Hahnke betonte entgegen der im„Vorwärts" veröffenilichlen Notiz, daß eS ihm nicht eingefallen sei, in der Ansprache an sein Regiment zu Handlungen gegen die Regierung auizuiordern. Ellduso sei es ein vollständig frei erfundenes Gerücht, daß General v. Luttwitz mit verschiedene» führenden Politikern wegen Bildung eines neuen Kabinetts Fühlung genommen habe. Die Konferenz war eine Vertrauenskundgebung und ein voller Er- folg für den Reichswehrminister. Demnach find alle Gcrüchle über eine angeblich drohende, den Bestand der Reichswehr gefährdende Zersplitlernng gänzlich hinfällig. Unterzeichnung am Sonnabend. Haag, 24. Juni.(H. N.) Aus Paris wird gemcl- det: Mau erwartet nunmehr mit Bestimmtheit, daß die Un- terzeichnung des Friedensvertrages am Sonnabend in Versailles stattsindcn wird. Diese Zeit ist nötig für die Er- netlnung einer neuen Delegation und den Neudruck des Ver- träges. Alle Mastnahmen sur die Feierlichkcitc» in Versailles sind getroffen. Erst nachdem die Unterschrift abgegeben sein wird und die Delegierten wieder ins Auto steigen, werden die Beziehungen zwischen Alliierten und der deutschen Delegation wieder aufgenommen werden. Präsident Wilson wird an dem Abend, an dem der Ver- trag unterschrieben wird, nach Brest abreisen. Er wird sich sofort an Bord begeben._ die öaöen m die Luft geflogen�. Paris, 24. Juni. lHavaS.) Der„Jntransigeant" ver» öffentlicht eine Depesche auS London, wonach die Baden achtzehn Stunden nach der Versenlmig der übrigen Schiffe in die Luft ge- flogen sei. Tie Baden ist das einzige Kriegssibiff. das bei der Helden- haften Versenkung der deutschen Kriegsschiffe in Scapa Flow noch übrig blieb._ Gompers erneut prasiüent öer Arbeiter- Fö'üeration. Eine antirevolutionäre Wahl. Haag, 24. Juni.(HR.) AuS London wird gemeldet: GomperS, der Vorsitzende der amerikanischen Arbeiter-Föderation ist erneut zum Präsidenten der amerikanischen Federation of Labour ernannt worden. Nur eine Stimme war gegen ihn. GomperS drückte seinen Dan! für die Wiederwahl aus und erklärte, daß dies eine Absage an die radikalen unter den ameri- k a n i s ch e n Arbeitern sei. Zum inneren frieden. Warum hat Deutschland sich bereit erklärt, diesen furcht- baren Frieden zu unterzeichnen? Damit das Leben derer geschont wird, die das vierjährige Morden überlebt baben! Damit nicht friedliche Fluren und Häuser der Heimat Schau- Plätze tobsüchtiger Vernichtung werden! Damit nicht die wiedereinsetzende Blockade dem Hungertod aufs neue die Sense schärst! Aber dieser kümmerliche Gewinn, mit so un- geheuren Opfern ertaust, würde zerrinnen, wenn der Bürgerkrieg das Vernichtungswerk da fortsetzte, wo es der Völker- krieg liegen gelassen hat. Reden wir offen: d�r Bürgerkrieg droht! Die hallenden Warnrufe, die die„Freiheit" täglich morgens und abends gegen Lockspitzel ausstößt, sind ein Symptom dafür. nicht das einzige! Der Traum der Räterepublik ist noch nickt ausgeträumt, der Plan, sie gewaltsam einzuführen, noch nicht aufgegeben. Eine Gruppe auf der äußersten Linken glaubt die Zeit zum Losschlagen gekommen und wird von ruhigeren Elementen der gleichen Gedankenrichtung nur mit Miiliä zurückgehalten. Die Ruhigeren sehen als Ergebnis einer solchen Erhebung, die blutige Katastrophe voraus, die Hitzköpfe aber, und das sind nicht nur Lockspitzel, sagen:„Jetzt, oder nie!" Wenn die politische Demokratie zur Ruhe kommt, das Wirtschaftsleben wieder seinen ruhigeren Gang nimmt, die Lebenshaltung billiger wjrd— Folgen, die vom Friedensschluß mit Recht oder Unreckst. erwartet, um nicht zu sagen befürchtet, werden—, dann wird das Ruhebedürfuis der Massen auf olle überstürzten Bewegungen wie eine Bremse wirken. Eine nur leichte Wendung zum Besseren wird in ihnen den Wunsch wecken, die verheißungsvolle Entwicklung nicht durch Gewalt unterbunden zu sehen, und der �Instinkt des Volkes wird sich gegen diejenigen wenden, die öle innere Ruhe stören. Jene, vor denen die„Freiheit" warnt, mögen sie Lock- spitze! sein oder nicht, wollen das Volk nicht zur Selbstbe- sinnung kommen lassen. Sie wollen nicht, daß Friedens- geftihl und Friedeusbewußtsein die Massen ergreist und auch ihre innerpolitische Haltung entscheidend beeinflußt. Sie wollen die noch nackpitternde Kriegserregung, die Verzweis- lung über kaum erträgliche Lebensverhältnisse ausnutzen, um die Massen in eine Bewegung hinehizureihen, an deren Ende sie eine leuchtende Befreiungstat, wir Nüchternen aber nur neues Blut und neue Trümmer erblicken. Die Unabhängigen haben noch immer, wenn eine solche Welle kam und lvenn sie sich von ihr fortreißen ließen, die Rechtssozialisten sür alles Unheil verantwortlich gemacht. Aber um zu hundert alten Beweisen für das Unrecht dieser Behauptung einen neuen zu fugen: die Wiener Ge- nassen sind keine Rechtssozialisten, sie haben keinen Noske, und doch haben sie kürzlich einen Komminnstenausstand blutig niederschlagen müssen, wobei es zahlreiche Tote und 'Verwundete gab. Und kämen heute die Unabhängigen ans Ruder, auch.sie würden alsbald vor die Wahl gestellt sein. sich entweder von den Kommunisten glatt wegfegen zu lassen oder nach dem alten röinisckren Rechtsgrimdsatz zu handeln: „Vim Ti repellere licet",„Gewalt darf mit Gewalt zurück- gewiesen werden". Auch die Gefahr von rechts wollen wir nicht unter- schätzen, obgleich wir fast versucht wären zu bedauern, daß sie iiicht größer ist. Ten deutschen- Arbeitern würde erst recbt illar werden, was die demokratische Staatsform für sie be- deutet, wenn der Versuch geinacht wurde, sie von rechts her anzugreifen. Dieser Versuch wurde ein im Zeichen der Demokratie geeintes Proletariat finden und in ihm den Willen stärken, das mit Gefährdung des eigenen Levens verteidigte Recktsgut nach allen Seiten hin zu schützen. Ohne diesen Willen geraten wir aber immer nur tiefer in das' ChaoS hinein. Die Unabhängigen fordern mit lauter Stimme Auf- bebung des Belagerungszustandes und Freilassuiig aller von tischen Häftlinge. Wo ist der Sozialdemokrat, der nicht mit seinem.ftenen dieser Forderung zustimmte. Aber welche Garantie können die Unabhängigen dafür geben, daß der Ausbehl'ng des Belagerungszustandes.nickt sofort seine Wie- dereinstihruna durch die Kommunisten, der Amnestie nicht sofort die Hinschlocktung Unschuldiger, wie in München, Mgen würde? Scheidemann rief auf dem Parteitag in Weimar„Nieder mit dem Belogerungszustand!", er meinte damit allerdings auch den Belogernngszustand, der von Un- abbänaiaen und Spartakisten verhängt wird, und gegen den die..Freiheit" noch niemals ein Wort der Kritik gefaot bat. Drobte nickt die Gefahr der Vernichtung der Demo- kratie durch diktatorische Gelüste so wäre allerdings ied? Einschränkung der staatsbürgerlichen Freiheit unmoralisch unS utterfrogltÄ Welche Garantie vermag die„FreiHeii" dafür zu bieten, daß auf Belagerungszustand und gewalt- same Einschränkung der persönlichen Freiheitsrechte all- seitig verzichtet wird? Solange dieser allseitig« Verzicht nicht ausgesprock)en ist, handelt es sich doch in Wahrheit gar nicht darum, ob der Belagerungszustand bestehen soll oder nicht, sondern nur darum, wer ih n verhängt. Schon macht sich in den breiten Massen der Arbeiterschaft eine Ernüchterung bemerkbar. Besonnene Elements gewinnen wieder die Oberhand, die sihh in keinen Kampf einlassen wallen, ohne zu wissen, was sein Preis sei. Sie wollen sich nicht für das politische Rätesystem die Köpfe einschlagen, so- lange sie nicht wissen, wie es aussieht, und wenn von Sozia- lifierung gesprochen wird, genügt ihnen nicht mehr das bloße Schlagwort, sondern sie wollen Weg und Ziel deutlich sehen. Der Sozialismus kann bei einer solchen Entwicklung der Geister nicht verlieren, sondern nur gewinnen, denn Schwie- rigkeiten überwinden kann nur der, der sie vorerst erkannt bat und nicht in erwachendem Lichtrausch mit dem Kopf gegen dicke Mauern taumelt. Laßt der Demokratie Zeit sich auszuwirken! In abseh- barer Zeit wird die Nationalversammlung dem ersten Reichs- tag der deutschen Republik weichen, der nach den Wünschen des Volkes zusammengesetzt sein soll. Entspricht die Ratio- nalversammlung nach fünfmonatigem Bestände nicht mehr der Volksmeinung, dann laute die Parole nicht„Befestigung der Demokratie!", sondern„Neuwahl". Laßt den staat- lichsn, den städtischen Parlamenten Zeit zur positiven Tätig- keit, und wenn auch die nicht befriedigt, wählt nach Ablauf ihrer Tagungsdauer neue Vertreter, die euch besser zusagen. Aber alle, die Ihr den ganzen Frieden wollt, den inneren wie den äußeren, habt Achtung vor dem Recht jedes ein- zelnen, habt Respekt vor dem Menschenleben! Draußen ist das Werk getan, es ist nicht geraten, wie wir es wollten, aber es ist! Nun, Pazifisten, an die innereFront!_ Reichswehr unö ßrieüensfchwß. Erlah des Kriegsministeriums. Berlin, 24. Juni. Das Kriegs Ministerium veröffentlicht fol- gruben Erlaß: In llebereinstimmung mit der Mehrheit der deutschen Rational- vcrsammhmg und trotz Würdigung des Einspruchs des Reichswehr- Ministers und deS Preußischen Kriegsministers hat die Reichsregie- rung sich unter dem Druck der Not und der Gewalt veranlaßt gc- sehen, das Friedensdiktat unserer Feinde anzunehmen. Sie mußte damit auch die für das deutsche Heer besonders '.hmachvollen Bedingungen unterzeichnen. Wir Soldaten können diese Bedingungen mit unserer Ehre nicht in Einklang bringen und werden dieses niemals vergessen dürfen; wir wollen und müssen aber unsere persönlichen Bedenken zurückstellen, weil die dringlichste Pflicht gegen das Vaterland die Aufrechterhaltung der Ordnung und Ruhe und die Weiterführung des laufenden Dienstes erfordert. Es muß daher jeder Offizier und jeder Heeresangehörige, unbeschadet der persönlichen Stellung- nähme des einzelnen zu der neugeschaffenen Lage unbedingt so lange auf seinem Posten aushalten, bis er abkömmlich oder . rsetzt worden ist. Um das Beschleunigte jAus scheiden von Offt- zieren aus dem Dienste zu erleichtern,. bestimme ich im Einver- nehmen mit dem Rcichswchrmini ster; 1. Sämtliche preußischen Generale können vom heuti- gen Tage ab ihre Stellung zur Disposition unmittelbat beim Personalamt des Kriegsministeriums schriftlich oder tele- graphisch ohne weitere Formalitäten beantragen. Diese? Recht läuft am 23. Juli ab. Die Entscheidung über die Genehmi- gung mutz ich mir in jedem Falle vorbehalten. Sie hängt von der Möglichkeit des Ersatzes ab. Für die preußischen Generale der Reichswehr entscheidet der Reichspräsident. Der Truthahn. Bon Heinrich GoereS. Fm Schaufenster deS dicken Geflügelhändlers ruhte der Trat- hahn auf weißlackiertem Brett recht würdig. Als man ihm die .Kehle durchschnitt, hatte er verzweiflungsvoll die langen stahlgrauen Scharrkrallen ineinandergezogen und reckte sie jetzt wie kleine Fäuste gegen die Scheibe. Aber das tat seiner Schönheit keinen Abbruch. Ben den muskulösen Schenkeln waren die Federn entfernt. Sie luden geradezu zum Anbeißen ein. Nicht minder die ebenso ihrer natürlichen Bedeckung entkleidete Brust. Breit und rofig stieg ste empor bis zur Höhe des steil ragenden Brustbein», ein Chimborasio des Gaumenkitzels, Orgien der Tasellust versprechend. Der auSge- 'ächerte Schwanz, die lässig hängenden Schwingen gaben dem najestätischen Körper wirkungsvolle Folie. Ein außerordentlicher Truthahn. .Wie Marzipan", seufzte eine stattliche Dame in mittleren Jahren, »ach, hätte ich ihn!" Ihre Backen blähten sich auf, ihre Augen funkelten wie dtf eines Raubtieres. Achtzehn Mark das Pfund! Zehn Pfund wog er mindestens. Nein, ein Fünftel des Monatseinkommens ihres Mannes durfte fie nicht daran wagen. Betrübt schwankte sie erloschenen Blickes weiter. ES kamen ihrer viele, die mit dem Anblick vorlreb nahmen, mit nasser Zunge und gelindem Schluckkrampf von bannen wandeln mußten. Schließlich war man froh, wenn das Stückchen ameri- kanischen ranzigen'Specks im Topf schmorte. Der armen Weiber mit verschlissenen Marktkörben gar nicht zu gedenken. Sie gingen, je. nach Temperament, zornig oder gleichgültig vorbei, wenn sie die Preisforderung lasen, und zogen ihre nacktsüßigen, den merkwürdigen Vogel anstaunenden Kini�r mit sich. Der dicke Geflügelhändler im Laden bemerkte mit Entzücken die Anziehungskraft, die sein Hahn ausstrahlte, und drückte behursam den blutigen Kopf des Tieres unter den rechten Flügel.„Es ist recht warm geworden," jagte die Kassiererin,.sollen wir ihn nickt in« Hotel schicken?"—„Ach wo, Fräulein," meinte der Chef,„wir verdienen so wie so höchstens zwanzig Prozent daran, beim Hotel nur zehn. Wir werden ihn schon noch verkaufen." Er lächelte. Die zwanzig Prozent waren eine Finte, dreißig fielen ab. Tie Angestellten brauchten nicht all�S zu wissen. Der Truthahn verharrte in erhabener Unbeweglichkeit. Die Sonnenstrahlen, die eifriger und heißer vom Frühsommerhimmel schössen, entdeckten ihn nachmittags, als der Herr des Ladens sein Schläfchen hielt und die Kassiererin während der stillen Stunden i�r Köpfchen statt über Berechnungen von Gänse- und Karnickel- vierteln auf den neuesten Roman der Courihs-Mahler senkte. Was ihr übrigens erlaubt war. da es das Geschäft nicht schädigte. Die Sonne beleuchtete den Hahn umständlich, strich siebkosend über seine blanke Haut. Sie weckte in ihrer Allbarmherzigkeit auch eine bis dahin in der Ecke träumende goldene Fliege. Die rieb ihre feinsten Beinchen sauber, probierte, ob ihr Kopf noch fest saß. surrte auf und erblickte das herrliche Federvieh. Sofort wußte ste, wozu es dalag. Trug sie nickt ein goldenes Gewandt war sie nicht die Königin der Lüste? Alle» Fleisch ihr nicht Untertan? Hurtig ließ sie sich nieder, spazierte eifertig hin und her an dem Berge ihrer guten Hoffnung und fand geschützte Winkel S. Da dieser Weg für die Gesamtheit der Qfsiziere. SanitäiS- offigiete, Veteriuäroftizier« und Beamte nicht durchführbar ist, muß es sich für diese, ebenso wie für die Unteroffiziere und Freiwilligen, bei dent bisherigen Dienstweg verbleiben, jedoch können die Gesuche um Verabschiedung in allereinfachstsr Form eingereicht werden mit der SiellungnahiNe der Vorgesetzten, ob im Interesse der Auftechterhaltung des Dienstes das Ausscheiden an- gängig ist. 3. Alle Versorgungsansprüche bleiben unberührt bestehen. gez. Reinhardt. Kein Jubel in öer feinülichen presse. Rücktritt Clemenceaus nach Unterzeichnung. Versailles, 24. Juni. Wie„Echo" erfährt, hat Clemenceau in dsr Ueberzeugung, fein Werk, für das er sein Amt übernommen hatre, durchgeführt zu haben, die Llbsicht kundgegeben, zu r ü ck z u- treten, sobald der Friedensvertrag unier Dach und Fach ist. Mit den Riesenüberschriften„Der Friede ist da",„Deutschland unterwirft sich" verkünden die Blätter heute, daß Deutschland die Bedingungen der Alliierten bedingungslos angenommen hat. „Homme Libre" erklärt, das deutsche Volk, welches immer nur das Gesetz der Gewalt kannte, hat sich diesmal auch nur der Gewalt gebeugt. „Journal" hofft, daß durch die Tatsache, daß Deutschland die Schuldigen nicht selbst bestrafe, die Illusion derer, die auf b a l- dige Versöhnung hoffen, hinfällig würde. Im„Petit Journal" schreibt V i v i a n i, die Aufgabe' des französischen Volkes fei nicht zu Ende; in Frankreich müsse alles neu gemacht werden. Ohne Einigkeit eines Volkes sei dies unmöglich. „H u m a n i t e" freut sich für die Menschheit, für Frankreich und das deutsche Volk. Das Blutbad ist zu Ende. Aber an diesem feierlichen Tage würde« wir gegen unsere Pflicht als Sozialisten und Republikaner verstoßen, wenn wir nicht laut berennten, daß wir die Bedingungen dieses Friedens mit allen unseren Kräften zurückweise», weil fie ungerecht find und den Interessen Frankreichs zuwiderlaufen. Es ist lächerlich, zynischer Spott, wenn man dem, was man Rechtskrieg nannte, ein Ende der Gewalt und der Unge- rechtigkeit gibt. Der Friede ist für Frankreich gefährlich, denn er häuft in Deutschland schweren Haß gegen unser Land an. Er bringt unsere verwüsteten Gebiete um die Wiedergutmachungen, welche, wenn sie maßva llund vernünftig gewesen wären, sofort hätten gefordert werden können. Er bringt uns die Last des weiterbestehenden Militarismus und die Notwendigkeit langer militärischer Besetzung und folglich erdrückende Lasten für unsere bereits schwachen Finanzen. Dieser gehässige» ungeschickte Frieoe ist nicht der Friede deS franzSfischen BolkeS und seiner Soldaten. Amsterdam, 24. Juni. Dem„Allgemeen Handelsblad" zufolge schreibt„Time s", die Unterzeichnung des Friedensvertrages werde den Frieden nicht bringen. Deutschland habe die Ab- ficht, ein falsches Spiel zu spielen. Die konservative„Morning Post" schreibt: Deutschland schließt Frieden mit Haß im Herzen. Die Alliierten müssen auf ihrer Hut sein. „Daily Telegraph" sagt: Die vollständige Ausführung der Bedingungen des Friedensvertrages ist eine Frage, welche die Wachsamkeit und Entschlossenheit der Mächte erfordern wird. Das beste, was man erwarten kann, ist, daß man keine Zeit ver- liert» um die Unterzeichnung zu einer Tatsache zu machen. Sie wird die Zustände in Deutschland stabilisieren und in der ganzen Welt eine gegen den Frieden gerichtete Bewegung hervorrufen. Der sozialistische„Daily Herald" schreibt: Deutschland kann die ihm in diesem Bertrage auferlegten Berpflichtungen nicht halten und wird es auch nicht tun. Es würde sich wohl an einen auf dem Recht aufgebauten Vertrag gehalten haben und das wäre für die Deutschen selbst und für die ganze Welt von Bedeutung gewesen. Es ist deshalb ein Fehler, daß wir Deutschland zur Unterzeichnung zwingen, und es wäre töricht, mit unzeitgemäße» Friedenskundgebungen einen Frieden zu feiern, der keiner ist. genug, mehrere Wochenbetten abzuhalten. Darauf schwirrte sie närrisch vor Freude an der Glaswand, fand ein Luftloch und flog eilig davon. Denn die goldene Fliege war kein herzloses Geschöps, sie besaß soziales Empfinden. Eine bestimmte Adstung durchzitterte sie, daß manche ihrer Schwestern in Sorge um sicheres Unter- kommen für die Nachkommenschaft bangten. Bald versammelte fie fich zu diesen Bekümmerten, gab ihnen ausreichende Erklärungen. Alle hoben sich und sausten durch den Lichtglanz gleich abtrofenden Fünkchen de? glühenden mütterlichen Gestirns. Die Kassiererin ver- schlang das hundertste Blatt des Romanbuckes, der Truthahnerhob seine Einwendungen und ehe der übernächst« Morgen graute, vermehrte sich die Familie der goldenen Fliegen um sechstausend viel ver- sprechende Mad?»jungsrauen. Vorläufig hielten fie fiS entsprechend ihrem nnschutdigen Lebensalter noch vor dem Angesicht der Welt verborgen.. Nun jedoch erschien der Diener de» Großkaufmanns Fürchte- nichts. Herr Fllrchtenichts erwarb in den letzten Jahren des Krieges durch geschickte Dirigierung einer Anzahl Eisenbahnzüge voll Leder, Tuch, Zucker, Mehl und lonstiger den meisten Menschen ftemd ge« wordener Artikel um das Vaterland, wofür ihm gerechterweis« einige Mllionen zufloflchi. Sein Diener forschte im Auftrog der Küchen- Verwaltung nach frischem Geflügel und nahm den imposanten Hahn mit, da der Kostenpunkt in» Falle FürchtenichtS keine Rolle spielte. Abends meldete die Köchin der hochbebusten Lebensgefährtin FürchtenichtS, der Hahn erscheine ihr verdächtig. Die gnädige Frau folgte unwillig in die Kücke, da sie gerade dabei war. ihre Brillanten für einen GesellschaftSbesuck anzulegen und das Auto schon wartete. Auf drei Schritte iah Frau Fürchtenichts ein wilde« Gewimmel auf dem Bratentier, fürchtete sich und wich entsetzt zu- rück:„Pub, wie widerlich I Entfernen Sie das Zeug aus dem Hause. Morgen schicken wir eS zurück— oder, wenn Sie es viel» leicht Abwaschen und für die�Pcrsonalküche verwenden wollen.— Für morgen mittag nehmen Sie Schinken mit Spargel. Wieviel Schinken sind übrigens noch da?"—„Drei, gnädige Frau."—„Nur noch drei? Gleich werde ich schreiben lassen nach Pommern, dainit ein halbe» Dutzend geschickt werden. Vielleicht ist auf denf Ritter- gut auch wieder ein Kalb schlachlfertig. Guten Abend." Die Köchin äffte ihr nackt„Pub. de«'S mich auch zu eklich. Was Sie nich essen, gnädige Frau, frißt det Personal schonst lange nich I" Nahm den Hahn mit der Zange, trug ihn in den Garten und legte ihn auf eine Bank. Nachts schießen die Ratten aus ihn. Die ekelten sich nickt Hielten vielmehr eine erlesene Mahlzeit. Der älteste Ratterich strich sich den Magen und predigte:„Kinder, seid dankbar, sowas ist selbst im Frieden nickt dagewesen." Zurückschicken ließ sich der von den Ratten anatomisierte Hahn nicht mehr. Er blieb liegen, �bis der Gärtner die Knocken fortschaffte. Von den sechstaufend Ftiegenjungfrauen überdauerten zweitausend den RattenfchmanS. Sie stoben bei Eintritt der Volljährigkeit als goldene Wolke gegen den Zenith und sangen ein Loblied ob ihrer wunderbaren Jugendzeit. So war alle» zufrieden. Der Gcflngelhändler. denn er blieb im unangefochtenen Besitz seiner dreißig Prozent, die gnädige Frau, die anderthalb Pfund milden Landschinlen verzehrte und an das kleine Mißgeschick nicht mehr dachte, derRittergutsbcsitzer in Pommern, der sich über die zahlungskräftigen Kunden freute, die Köchin, weil sie Die hollänöische preffe unü üie Unter- werfung Deutschlanös. Amsterdam, 24. Juni. Nur ein Teil der holländischen Morgen- blätter nimmt in Artikeln zu der gestern hier eingetroffenen Nach- richt, daß die deutsche Regierung die bedingungslose An- nahme des Friedensvertrages beschloffen hat, Stellung. Sie betonen die Zwangslage, in der Deutschland sich befindet. Nieuws van den Dag schreibt: Deutschland fügt sich zwar in die. aufgezwungenen Bedingungen, ober das herrliche Wort Friede paßt kaum auf den Zustand, der jetzt entsteht. Der Krieg ist aus; ob es wirklich Friede wird, muß sich noch zeigen. Oder kann man es einen Frieden nennen, einen Frieden, der diesen Namen verdient und von Dauer ist, wenn dem Besiegten, nachdem ihm das Messer an die Kehle gesetzt wurde, gestattet wird, sich geschlagen und verstümmelt, mit Erbitterung im Herzen, auf unabsehbare Zeit in dem Dienste des Siegers ab- zuquälen? Dieser Friedensvertrag birgt nicht nur den Keim für neue Kriege in sich, sondern ist an sich schon eine neue Be- drahung des zukünftigen Weltfriedens. „Het Baderland" schreibt: Es gab keinen anderen AuS- weg für Deutschland, nur vor der Uebckmacht hat es die Flagge gesttichen. Aber wird dieser Friede, der die Völkerversöhnung hätte einleiten müssen, keinen Haß»nd keine RachegefLhle zurück- lassen? Sckon jetzt seien Anzeichen dafür vorhanden, daß das deutsche Boll ihn als Brandmal empfinde. Die Bcrsrnkung der deutschen Schiffe und das Verbrennen der französischen Kriegs- trophaen zeigten, daß der Funke der Vaterlandsliebe und des Nationalstolzes noch unter der Asche glimme. Amsterdam, 24. Juni.„Algemeen Handelsblad" schreibt zur Annahme der Friedensbedingungen durch Deutsch- land: Das militärisch wehrlose, wirtschaftlich erschöpfte, der LebenSmitteworräte und Rohstoffe beraubte Land, das nicht nur von Hunger und Arbeitslosigkeit, sondern auch von ernsten politischen Spaltungen gequält ist, hatte keine andere Wahl. Die große Masse des Volles wollte Ruhe für den erschöpften Körper und die gepeinigte Seele. Ein weiteres Festhalten an der Unannehmbarkeit der Friedensbedingungen würde ein Hazardspiel gewesen sein, und einen solchen Zufall darf keine Regierung das Schicksal ihres Volkes und� ihres Landes überlassen. Die Zeit wird, was an Unerfüllbarem, Unerträglichem in dem Vertrag gefordert wird, ändern. Ein großes Volk, das leben muß und leben will, wird leben. Der ententefreundlich gesinnte„T e l e g r a a f" hält daran fest, daß die Alliierken mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, getrachtet haben, eine ehrliche und gerechte Lösung aller Fragen zu finden. Vergeltung für Scapa§low. Besprechungen des Biererrates. Versailles, 24. Juni. kEigsmneldung des„Vorwärts".) Nach dem„Journal" beschäftigte sich der Biererrat mit dem Zwischenfall von Scapa Flow. Wie das Blatt wissen will, sucht man nach einer Form von Wiedergutmachung, die aber nicht in einer finanziellen Entschädigung, sondern darin bestehen soll, daß man ten Kieler Kanal besetzt oder von neuem das Schicksals des Kanals einem internationalen Kontrollausschutz überläßt. Ein endgültiger Beschluß ist jedoch noch n ich t gefaßt. Der Reichs- und preußische Staatskommissar für das Wtth- nungswescn. Geheimer Regierungsrat Scheidt, ist zum Unter- staatssekretär des in der Bildung begriffenen preußischen Wohl- fährtsminiHeriumS ernannt worden. Die Geschäfte des Staats- kommissariats werden von dem neuen WohlfahrtSmimsterium über- nommen werden, so daß die WohnungSfürsorge in Preußen auch weiterhin in weitgehender Weise der Aufsicht des bisherigen Staatskommissars unterstellt bleiben wird. Unterstaatssekremr Scheidt wird voraussichtlich auch die Geschäfte des Reichskommissars für das Wohnungstvesen nebenamtlich weiterführen. der Alten ein Schnippchen schlagen konnte. Die Natten vererbten die Historie von der Schwelgerei von Generation zu Generation, das Geicklecht der Fliegen breitete sich aus wie Sand am Meere und erfüllte den Raum mit schwebenden Edelsteinen. Selbst die nacktsüßigen Sprößlinge der armen Weiber spürten keine Betrübnis, da sie überhaupt kein Verlangen nach dem Vogel getragen hatten. weil ste seine WesenSarr nicht kannten und auch wohl nicht kennen lernen würden. Rur die Dame mit den geblähten Backen und den Raubtier- äugen erlitt einige Enttäuschung: Ihr träumte, ein gebratener Truthahn stände, braunem Marzipan gleich, auf ihrem Tisch. Als sie ihn mit dem Messer anrührte, zerplatzte er wie eine dünne Pergamenthülle und ein Berg von Papierzetteln quoll hervor. Auf jedem stand mit großen Buchstaben:„Das Pfund kostet 18 Mark". Notizen. — Theaterchronik. Sonntag wird in der Volksbühne nicht„S'Jungferngist". sondern„Der Schwarzkünstler' von Emil Gott gegeben: — Friedrich Mo est liest am Sonnabend, den 28. d. M., abends 7>/g Uhr, Faianenstr.'33. Novellen von Betty Winter, F. Gräfin zu Reventlow und Auguste Supper. — Courbets Heimkehr. Die 100-Jahrfeier der Geburt deS großen sranzönichen MalerS hat auch die Ucbcrfiihruna seiner Leiche nach Frankreich in ein neues Stadium gebracht. Courbet ruht, von der französischen Regierung aus der Heimat verbannr, in La Tour de Peilz in der Nähe von Vevey in der Schweiz. Bereits vor einiger Zeit war eine Bewegung im Gange, die Leicke nach seinem Geburtsort OrnanS zu überführen. Jetzt hat sich ein Komitee von Berehretn Courbets gebildet, und seine„Heimkehr" wird nun in feierlicher Meise erfolgen. — Eine bedeutsame physiologische Entdeckung. Prof. H. Zwaartemaken in Utrecht hat entdeckt, daß ein überleben- des Froschherz, das mit einer kaliumfreien Salzlösung durchspült wird und infolgedessen nach einer gewissen Zeit zu schlagen auf- hört, wieder in völlig normale Tätigkeit versetzt werden kann, wenn es mit einer kaliumsreien Salzlösung durchspült wird, die kleine Mengen anderer radioaktiver Stoffe gelöst enthält. Höchst merk- würdig und für die Anbahnung tieferen Verständnisses bedentungS- voll ist, so berichtet Prof. Bornttau in der„Umschau", die weitere neue Beobachtung der holländischen Gelehrten und seiner Mit» arbeiter. daß das infolge kalhimfreier Speisung zum Stillstand ge- kommene Froschherz binnen einer Reibe von Minuten wieder zu schlagen anfängt, wenn es aus unmittelbarer Nähe in seinem Radium- oder Mesothorium-Präparat bestrahlt wird. — S i e w e i ß B e i ch e i d. In der Münckener„Jugend" er« zählt Benno Heiyl: Ein Mädchen hatte„Familienzuwachs" bekommen, nachdem ihr ein Herr eidlich die Ehe versprochen. Da weigerte sich der Herr, nicht nur das eidliche Versprechen zu halten, sondern auch für Mutter und Kind zu sorgen. In der nun folgenden AlimentationSklag« sagte der Richter zur Klägerin:„Ich brauche Sie doch wohl nicht aus die Folgen eines falschen Eides aufmerksam zu machen?" „Nein." antwortete das Mädchen, die kenne ich!" Slutige Ausschreitungen in Hamburg. Exzeffe wegen Lebensmittelverfälschungen. Hamburg, 2i. Juni. Im Laufe der heutigen Demonstra- iionen anläßlich der entsetzlichen Sülzeverfälsch nngen kam es heute abend auf dem RathauSmarkt leider zu'Blut- vergießen. Die angesammelte Menge, die die Herausgabe der amtlichen LebenSmittelkontrolleure verlangte, versuchte, in das Rathaus zu dringen. Herbeigeeilte Verstärkungen der Sicher- bcitsmonnschaften wurden angehalten und zu entwaffnen ver- sucht. Daraufhin wurde scharf geschossen. Es gab eine Anzahl Toter und Schwerverletzter. Die Menge zerstreute sich nun, sammelte sich aber darauf wieder und steckte die beiden Lastautos mit denen die militärischen Verstärkungen herangerückt waren, in Brand. Kurz darauf fingen Tumultuanten an, die Fenster des mit dem Rathaus in Verbindung stehenden Börsengebäudes am Ädolphs-Platz zu zerschlagen. � Die Kommandantur meldet dazu folgendes: Auf die Mel- dnng hin, daß heute nachmittag eine Anzahl von Demonstranten das Rathaus stürmen wollte, hatte die Kommandantur Truppen au? Bahrenfeld bis zur Kommandantur nach Altona herangezogen. Nachdem die Meldung gekommen war, eS wäre wieder ruhig geworden, waren diese Truppen nach Babrenfeld zurückgeschickt worden. Nachdem die Rathauswache erneut um Verstärkung gebeten hatte, und die Deputation, mrt der Verhandlungen bereits begonnen hatten, die Entwaff- nung der Bolkswehr forderte, wurden die Bahrenfelder er- neut herbeigeholt, und der Kommandant fuhr mit ihnen p e r s ö n- l i ch zum Rathausplatz. Beim Marsch in das Rathau? wurde der Kommandant persönlich angegriffen. Er kam mit der vorderen Gruppe in das Ratbaus, während die letzten Grup- Pen von einem Haufen von Demonstranten umzingelt wurden. die den Versuch machten, die Soldaten zu entwaffnen. Die Sol- baten setzten sich zur Wehr. Hierbei bat es Verluste an Toten und Verwundeten auf Seiten der Demonstranten gegeben. Die Zahl ist noch nicht bekannt. Augenblicklich hat sich die Menge auf dem RatbauSplatz zerstreut. Hamburg, 24. Jnni. Im Anschluß au die gestrige Erstürmung der Konservenfabrik Heil wurden heute zwei weitere Sülze- f o b r i k e n von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge g e st ü r m t. T?e erregte Menge forderte, daß Arbeiter und Ar- beiterinnen in die Alster geworfen oder gehängt werden sollten. Dem Eingreifen von Bolkswehrmannschasten gelang eS, dieses Vor- baben zu verhindern. Gegen 1 Uhr mittags zog ein großer Trupp Demonstranten nach dem Krieg Sversorg-ungSamt, stürmte diekcs, zerschlug die Bureaueinrichtungen unf> trieb die Angestellten aus den Räumen. Der Leiter d-S Awtes und die Prokuristin der Fabrik Heil wurden unter Miß- Handlungen zum RathauSmarkt geschleppt. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung war nachmittags-ein größeres ? ruppenaufgebot notwendig. Plünderungen haben nicht sdattgefun- den. Die Siaaisanwaltschaft hat Anweisung erhalten, das Straf- verfahren gegen die Nahrungsmittelfälscher mit schärfstem Nach- druck zu betrciecn. Unruhen in Mannheim. Zusammeustöste zwischen Regieruugstruppe««nd Mob. Mannheim, 24. Juni. Gestern abend kam eS hier wieder zu größeren Ausschreitungen. Auf die Mitteilung der fran- zösiscken OffisterSabordnung auf dem Rathaus, daß die Stadt eine Stunde nach Ablauf der durch das Ultimatum ge stellten Frist besetzt werden würde, wenn sie bis da- bin leinen gegenteiligen Befehl erhalten hätten, zog das Freiwilligen- bataillon ab, um nicht im Falle emer Besetzung interniert zu werden. Dabei würden die Truppen vom angesammelten Pöbel beschimpft und teilweise angegriffen, so daß sie sich mit der Waffe wehren mußten. Abends war die Ruhe wieder hergestellt. Zwei Personen wurden gelötet. Um Uhr lras von der Ludwigs Hafen er Kommandantur die Nachricht ein. daß die Stadt nicht besetzt werden wüide, sodaß die Freiwilligentruppen zurückkehren konnten. Oberhalb von Mannheim, bei Altripp, waren bereits zwei Bataillone französii'cher Truppen üb« den Rhein gesetzt wordock, um eventuell vorzumarschieren. Sie wurden um S Uhr zurückgezogen. Laut P. P. N. versuchte eine nach Hunderten zählend« Menge in die TruppcnunterkunstSräume einzudringen, wurde aber durch die Soldaten daran verhindert. Als die Menge mehr und mehr anwuchs, befahl der Führer der Truppen, den Platz zn säubern. Dabei ist auch aus der Meng� heraus auf die Truppen geschossen worden. Die Truppen erwiderten das Feuer und diei Toie blieben auf der Kampfftäiw. Von den RegierungStruppen wurden vier Mann leicht verwundet. Der öreslauer Eisenbahnerstreik. > Tie Forderange«— Verschärfung des Streiks. Breslau, 24. Juni. Nach den«bendblättern verlangen die Eisenbahner die Erledigung verschiedener Personaljragen. das MitbestimmungS» und Kontrollrecht der Arbeiter in allen Dienststellen und Bureaus bei Entlassung und Einstellung von Arbeitskräfte». Pensionierung sämtlicher Beamten überSOJahre, beschleunigte Durchsührung des R ä t e s t> st e m s b« der Eisenbahn nach den Frankfurter Richtlinien, und s o f o r- tige Einführung des Achtstundentages für die Schrankenwärter. Der Streik umfaßt bereits 17 OOO Eisenbahner. ES ist nicht auSgeicklossen. daß der Streik, wenn eS zu einer raschen Beilegung des Ausstandes nicht kommt, weiteren Um- fang annimmt. Die Eisenbahnunterbeamten haben sich den AuS ständigen angeschlossen. Kohienarbeiterstreik in Gberschlesten. Kattowih ,24. Juni. Ausständig sind die D ii b e n s k o- Grube weFn Lohnforderungen angesichts der zu er- wartenden KohlenpreiSerböbung und als Protest gegen Wieder- eiiistelliing der Grenzfchutzieute, ferner ist G o t t- in i t- u n§- Grube, Heinrichglück-Grube, bei der My S'lo Witz- Grube 30 Prozent und bei der Reu-Przemsa-Grube 30 Prozeul wegen der Polengefahr. Eine Ansprache Eberts an eine �borünung öes Korps Märker. Aus Weimar erfahren die„P. P. 59.*: Der ReichSpräsidenr empfing am Dienstag auf dem Schloßhof in Weimar eine Ab» ordnung des vom General Märker geführten Landeskorps. General Mürler verlas einen Tagesbefehl, in dem er darauf hinwies, daß die Truppen in dieier schwersten Stunde oll« Gefühle der Emrörung über den Schmachfriedeu zurückstellen müßten, um i» dieier größten Nor Rnbe und Ordnung ausrecht zu erhalten und um die Einigkeit deS Reiches mit sichern zu helfen. Nachdem dann der Reichspräsident Ebert die Abordnung be- grüßt halt«, hielt er folgende Ansprache: .Soldaten? Äie wissen, was gestern sich ereignet hat. Re- gierung und Volksvertretung sürd vor eine furchtbarss�ckialsschwere Entscheidung gestellt worden, die in der Geschichte beispiellos ist. Wir haben uns mit allen Mitteln und mit aller Kraft gewehrt, die uns zu Gebote stand, aber wir mußten schließlich der brutalen Gewalt der Uebernracht weichen. Zur anSsichtSvollen Verteidigung gegen dieie Gewalt, auch wenn wir sie gewollt hätten, fehlte uns die Krast. Unser Boll i st zermürbt. Darüber gibt es keinen Zweifel. Bei Ablehnung wäre nach dem, was un? über die Absichten der rachsüchtigen Gegner bekannt ist, mit der Verschärfung der Aus- hungerung, wenn nicht mit voller Verwüstung Deutschlands zu rechnen. Selb st zerfleischung und Zerfall des Reiches wären.sicher gefolgt. DaS aber durfte nicht sein. Unser Deutschland muß leben blerben! Auch nach dem Fürchtbaren, was sich ereignet hat! Das war unser Gedanke, als wir nach schwerem inneren Kampfe und mit blutendem Herzen uns zu dem entsetzliche».Ja* entschlossen. Und dieser Gedanke muß auch Sie beseelen. Deutschland darf nicht zu Grunde geheg�. Wir können und dürfen trotz alledem an Deutschlands Schicksal nicht verzweifeln. Soldaten! Dienstöereitschaft und Manneszucht unter Ihrem bewährten Führer hat bisher dafür gesorgt, daß Deutschland nicht in den Abgrund-der Anarchie gestürzt ist. Ich danke hierfür Führern und Mannschaften. Nun müssen Sie das Vaterland auch weiter vor dem Abgrund bewahren. Jetzt in der schlimmsten Not dürfen wir nicht abspringen. Jetzt im. größten Unglück unseres Vaterlandes gilt eS, das Höchste zu leiste n. Nur wenn wir uns selbst aufgeben, sind wir verloren, deshalb heißt es, die Zähne zusammen zu beißen und noch einmal alles und das Letzte einzusetzen für die Zukunft Deutschlands. Es ist uns nichts erspart geblieben. Dennoch müssen wir auch durch dieses Elend, durch diesen Jammer hindurch, und wir kommen durch, wenn wir nicht kleinmütig werden, wenn wir das Vertrauen zu uns selbst nicht verlieren. So wollen wir uns gegenseitig geloben, ich für die Regierung und Sie für sich und Ihre Kameraden, unseren Platz nicht zu verlassen, sondern auszuhallen, je größer die Not, desto größer die Pflicht. Aus Not und Elend müssen wir unser Vaterland retten und zum Zeichen dessen, daß wir ausharre» und nicht verzagen, wollen wir gemeinsam auSrnsen: Unser ge- liebieS deutsches Vaterland lebe hoch. Hoch! Hoch! Hoch! Alle Anwesenden stimmten in die Hochrufe als in ein Treu- gelöbnis ein. Mit dem Lied:.Deutschland über alles* fand der Empfang sein Ende.____ Der Kampf gegen öie Zwangswirtschaft. Privilegierung des Schiebertums. In der widerlichsten Weise wird der Kampf für die „freie Wirtschaft" geführt. Der Handel gebärdet sich gern so, als sei er in der Lage, durch Verschiebung von Waren von einer Hand in die andere sich selbst als„Produzent" zu be- tätigen. Ilm nun den Anschein hervorzurufen, als sei die Zwangswirtschaft außerstande, den Schleichhandel einzu- schränken, begünstigen ihn viele Handelskreise ohne alle Scheu und spielen dann ihre Erfolge gegen die Ratio- nierung aus. Man lese einmal folgenden Auszug aus einem Rundschreiben der„Vereinigung der Gegner der Zwangs- Wirtschaft", das unter dem 17. Mai an eine Reihe von Jnter- effenten erging:» „Die Dummen, welche die unsinnigen Beschlagncchmevor- schriftcn genau befolgen, werden vom Untergang be- droht, während der Schleichhandel bestens floriert, mit der seit Jahren in Deutschland durch die Zwangswirtschaft hervorgerufenen Korruption, welche die Arbeitslosigkeit und den Bol- schcmismus nach sich zieht, muß nunmehr Schluß gemacht wer- den. Da die Leiter des Reichswirtschaftsamtes sich dem An- schein nach zwecks eigener Bereicherung(!) der von allen Seiten verlangten Aufhebung der Zwangswirtschaft wider- setzen, so muß nunmehr zur Selbsthilfe geschritten werden. Die Vereinigung der Gegner der Zwangswirtschaft empfiehlt hierfür folgenden Weg: Sie verweigern dem revidierenden Ge- sindcl(!) jegliche� Auskunft. Bei Zudringlichkeiten von qu. Seite machen Sie dieser Sippschaft(!) gegenüber von Ihrem Hausrecht Gebrauch evtl. Zuziebung Ihrer Hand- festen eue.rgischen Arbeiter. Die Polizei hat ohne Vorliegen richterlicher Verfügung kein Recht, sich in die internen Angelegenheiten hineinzumischen. Es dürfte auch ratsam sein, gegen das Reichswirtschaftsamt sowie deren Leiter und Spitzel die Schadenersatzanklagc im Falle etwaiger gewaltsamer Eingriffe anzustrengen. Auch Ihre Gut er abfertigungs stelle sowie Spediteure wollen Sie in Kenntnis setzen, datz sie ebenfalls in dem Falle, schadenersatzpflichtig wären, sobald sie die Indiskretion begehen, die eingehenden Frachtbriefe und Sendungen durch Spitzel des ReichSwirtschaftscunts nachprüfen zu lassen. Machen Sie auch Ihren Magistrat aufmerlsam aus die unangenehmen Folgen der Arbeitslosigkeit. Mit dem Moment der Aufhebung und der Einsetzung de? allgemeinen reellen Handels findet naturgemäß ein anständiges starkes Sinken der jetzigen unerschwinglichen Preise für alle möglichen Waren statt." Das„naturgemäße starke Sinken" der Preise haben wir ja bei den Eierpreisen erlebt! Wenn der freie Handel weiter solche Erfolge zeitigt, so werden die Lohnbewegungen füp die nächsten iVa Jahrhunderte nur allzu begründet sein. Jnter- essant ist aber auch folgende Feststellung: Das„revidierende Gesindel" sind die Beauftragten der Reichswirtschaftsstelle für Textilindustrie, die ihre Aufgabe darin sehen, den Wucherpreisen Einhalt tun und die Uebervortcilung der Arbeiterschaft durch Schieber und Händler zu verhindern. Diese Kontrolle soll sabotiert werden, damit der Arbeiter noch höhere Preise für die Bekleidung bezahlen dqxfl Es handelt sich hier um eine Propaganda gegen die im Interesse des arbeitenden Volkes festgesetzten gesetzlichen Höchstpreise, um eine öffentliche A u f r e i z u n g'z um Ver- brechen unter übelster Verleumdung der Reichsstellen. Die Herren Freihändler sollten sich die Berliner Vorgänge als Warnung dienen lassen, wie es ihnen ergehen wird, wenn sie gegen Recht und Gesetz und ohne tatkräftiges Eingreifen der' Regierung die Politik rücksichtslosester Ausbeutung weiter verfolgen._ Der Prozeß gegen üie Möröer v. Klübers. ' Im weit�en Verlauf der Verhandlung werden die Zeugen vernomn«en, die den Auftritt zwischen der Leipziger und Ullrich- straße angesehen haben. Fast sämtliche Zeugen geben an. in: Bauer den Mann wiederzuerkennen, der v. Klüber mit den Wor- ten:„S'nd Sie nicht von der Regierung?" angehalten und ihn an der Brust gefaßt habe. Als v. Klüber den An- greiser zurückstieß habe Bauer dem Ossizier den Reitstock entrissen. � ihn ins Gesicht geschlagen und gerufen:..Der i st« i n« r von der NoSke-Gorde. einer van den Blut b u n d e n Daraufhin wurde v. Klüber von einer Menge umringt, und als cr in ein HauS zu laufen versuchte, von wütenden und schreienden Menschen verfolgt, unter denen sich Kelz und Bauer befanden.' Der erstere habe dem Oberftleuinant mit einem Stock über den Kopf geschlagen, so daß der Getroffene blutete. Kelz will von den Vorgängen nichts'rüsten. Seine als Zeugin vernommene Frau gibt an, er sei leicht erregbar, oft geistesablvesend und wisse dann nichts mehr von dem, uxrs er getan babe. Ter Zeuge Heine be- kündet, daß er als Mitglied des Soldatenrats v. Klüber habe schützen wollen. Bauer habe jedoch ertlärt, das� er die Polizei- gewalt habe und v. Klüber zum Roten Turm bringen wolle. Der Oberstleutnant habe ihm, Hetne, seinen Revolver zugesteckt, den cr an da- Landeskorps abgeliefert habe. Als v. Klüber sagte, Bauer habe ihn geschlagen, rief Bauer aus:„Seien Sie froh, daß ich Sie nicht erschossen habet* Blutüberströmt sei der Oberstleutnant von Bauer, Thaler und Suhle aus dem Haus herausgeführt und zum Roten Turm geschleppt worden. Gegen den Angeklagten Suhle sind belastende Zeugenaussagen nicht o>emacht worden. Die Aus- sagen gegen Jungmann widersprechen sich. Seine Mittäterschaft an den Mißhandlungen v. Klübers ist bisher nicht bezeugt worden. Auch die Zeugen, die an den Ereignissen in der Ullrichstraße teil- genommen haben, erkennen Bauer als den Anführer wieder. v. Klüber babe vergeblich versucht, in ein Haus der Ullrichstraße zu flüchten, babe auch schließlich ein offenes Haas gefunden. Bauer habe ihn herausgeholt und in ein Klosett eingeschlossen. Dann sei Bauer auf die Straße gelaufen, habe zu der Menge geredet und dabei die Aeußerung getan: Beruh igl euch, überlaßt ihn mir, ich werde ihn schon um die Ecke bringe n." Mehrere Zeugen sagen aus,'daß der Angeklagte Rädel den Oberstleutnant mit einem Schlagring auf den. Kopf ge- schlagen und gerufen:„Herunter mit dem Hund, er ist nicht wert, daß er noch lebt!" Hierauf hätte Rädel v. Klüber aus dem Klosett berausgeholt. Rädel leugnet jede Mit- iäterschaft, obwohl.sein auffälliger Anzug— er trug damals einen gelben Mantel— sehe Verwechslung ausschließt. Ein Zeuge, der den gangen Vorgang bis zur Saale aus nächster Entfernung mit angesehen hat. will allein auf�Baner geachtet haben. Er sei es gewesen, der v. Klüber in die Saale geworfen, ihm auf die Hände getreten und binter ihm her zwei Rcvolverschüss« abgegeben habe, um ihn, den Zeugen, später der Mittäterschaft beschuldigen zu köit- nen, hctbe Bauer ihm eine Zigarre gesckeull. Bauer leugnet die gegen ihn erhobene Beschuldigung und bleibt bei seiner Aussage, daß er v. Klüber nur habe schützen wollen. Bntorki geht. Oberpräsident v. Batocli hat seine Enthebung vom Amte nachgesucht. „Die Diktatur des Salon Cassircr." Von einer Herrn Eassircr nahestehenden Seile wird uns versichert, daß unsere �— einem anderen Blatte entnommene— Darstellung teils verzerrt, teils unrichtig sei. Bon einem politischen Klub tonne keine Rede sein. verbanöstag öer Maler. Der 3. VerhandlungStag gilt in der Hauptsache der Statutenberatung. Die wichtigsien Aendcrungen und Neuerungen sind folgende: im Ausschlußverfahrcn ist ein LchiedS- gericht möglich. Beschlossen ist ferner die Gründung einer Jugend- abieilung und für diese die besondere Herausgabe einer Jugend- beilage. Tie Wahl der Filialaiigestelltcn hat alle zwei Jahre zu erfolgen. Der Beirat wird um 7 Mitglieder verstärkt, so daß 14 Mitglieder, die nicht angestellt sind, mit dem Vorstand und den Bezirksleitern sowie dem Obmann deS Ausschusses, den Beirat bilden. Der Vorstand und die Bezirksleiler haben asf der General- Versammlung kein Stimmrecht mehr, eS sei denn, daß sie mit einem Mandat erscheinen. Für diesen Antrag stimmten 38 Delegierte mit 15 632 Mitglieder, dagegen stimmten 28 Delegierte mit 13 431 Mitglieder. Der Erhöhung des Beitroges um 20 Pf. pro Wocke wird mit großer Mehrheit zugestimmt. DeS weiteren wurde beschlossen, die Streikunierstützung sowie die Arbeitslosenunterstützung zu er- höhen, dagegen die Krankenunterstüyung zn vereinfachen. Betreffs der Verschmelzungsfrage wurde ausgesprochen, daß diese gefordert werden soll, sobaltz die Verhältnisse dazu reif sind. Am letzten Berh.andlun gS tage wurde in der B e- r a t» n g der allgemeinen Anträge fortgefahren. Ein Antrag, daß bei politischen Streiks vom Verband Streit- Unterstützung zu gewähren sei, wurde abgelehnt. Weiter wurde ein Antrag abgelehnt, der verlangt, daß keiu VerbandSkollege dem Freikorps angehören darf. Betreffs der Gehälter Mrdo folgendes beschlossen: auf die Ge- hälter wird eine durchschnittliche Teuerungszulage von 130 Proz. rückwirkend vom t. April dieses Jahres bewilligt. Als Delegierte zum GewerkichaftSkongreß wurden bestimmt: Verbandsvorsitzender Streine. Redakteur Mark, Zimmermann- Frauisurt a. M.. Bötger-Berlin, Buch-Hamburg, Jaiobeil-Bertm, Polenz-Leipzig. Der bisherige Vorstand, der Redakteur und die BezirlSIeiter wurden wiedergewählt. Als Obmann des Ausschusses wurde, anstelle Leinerts, der bisherige Stellvertreter Reimert-Hannover be- stimmt. Verbandsvorsitzender Streine-Hamburg schloß die Verband- lungen mit einem anfeuernden Appell für gute und gedeihliche Weiterarbeit für die Interessen des Verbandes. UUJI! I[I I■■ JJ Ist IIJI II IIBisslllf i jl J 4 1 1 MWIII'JII IWI 1 1 W' I''' ü' Zeder Arbeiter, jede Arbeiterin, jeder Angestellte Groß-Serlins solltck es als seine Ehrenpflicht betrachten, das Blatt zu halten, das die Interessen der Arbeiter, Arbeiterinnen und Angestellten vertritt. Die Arbeiter und Arbeiterinnen wissen, daß der„Vorwärts" ihr Blatt ist, das auf allen Gebieten für ihre Rechte eintritt. Aber auch die Angestellten werden finden, daß sich lein Blatt sorgfältiger ihrer Angelegenheiten annimmt als der„Vorwärts". Allen Wünschen der Parteigenossen nach einem aktuellen, zeitgemäß illustrierten Blatte glaubt der Verlag durch die ab 1. Juli dem„Vorwärts" als Sonntagsbeilage beiliegende Wochenschrift „Bolk und Zeit" Re6)»ung zu tragen. Mit den Mitteln, der modernsten und vollkommensten Drucktechnit wird„Volk und Zeit" die Ereignisse unserer bewegten Zeit registrieren. Der Abonnementspreis beträgt vom 1. Juli ab 3,— Mk. per Monat frei Haus. Wir bitten unsere Leser und Leserinnen, ihre Kollegen und Kameraden zu veranlassen, den nachfolgenden Zettel ausgefüllt an die Expedition des„Vorwärts", Lindenstr. 3, zu senden. Ich abonniere ab I. Zuli den„Vorwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage„Vost und Zeit" täglich zweimal frei ins Haus für 3,— Mf. monatlich. Name-,—--- Beruf- Wohnort--- 1 vor»| Straße �-----—.---------. Seitenst: Treppen- ( Ouergeb.j Bei wem?------ Tagung der Srauerei- unö Mühlenarbetter. Letzter BerhandlungStag. Zunächst wurde die Debatte über Beitragserhöhung zu Ende geführt, �n namentlicher Abstimmung fand die Borlage der Kam- Mission, dle eine Erhöhung der Beiträge und geringe Steigerung der Streikunterstützung vorsieht, gegen 6 Stimmen Annahme. Von den übrigen Aenderungen der Statuten ist zu erwähnen, daß an- stelle der seither, üblichen Bezirksleiterkonserenzen in Zukunft ein Verbandsbeirat tritt, der ficki aus dem Hauptvorstand, den Agitationsleitern sowie einer Anzahl Delegierter, die aus UrWahlen hervorgehen, zusammensetzen wird. Die Zuständigkeil dieses Bei» rates erstreckt sich auf die Vorbereitung von umfangreichen Lohn- bewcgungen, Festlegung der Richtlinien bei Lohnbewegungen und Streik« sowie Erbebung von Exirabeilrägen. Alle Anträge, die eine Einengung der Befugmsse des Haupivorstande« bezweckten, wurden abgelehnt. Die Statutenänderungen treten mit dem 1. Oktober und die Neuregelung der Gehälter und Diäten am 1. Juli d. I. in Kraft. Streikunterstützung auch bei p o l i t i s ch e n Streiks zu gewähren, wie es einzelne Orte aus Thüringen verlangen, wurde mit er- drückender Mehrheit abgelehnt. Die Wahlen zum Haupt Vorstand ergaben: 1. Vor- sitzender Bockert, 2. Vorsitzender Käpp ler, Sekretär T r ö g e r- Berlin. Hauptkaisierer Hapke, Redakteur Krieg Sitz des V e r b a n d ö a u S s chlt s s e S bleibt Frankfurt, Wittich, seitheriger Vorsitzender, wurde wiedergewählt. Schifferstein-Schwerin warnte in seinem Abschiedswort vor der Jlluision, daß die gewerkschaftliche Internationale so schnell wieder aufgebaut werde, wie eS die deutschen Arbeiter wähnen. Er vermißte auf dem Verbandstag den Nachwuchs in der Organisation. Mit Freuden konstatierte er, daß sich die deutsche Arbeiterschaft ihren internationalen Charakter auch durch die schweren KriegSjahre voll und ganz bewahrt habe und kuüpite daran die Hoffnung, daß es ihr gelingen wird, einstens die ehedem innegehabte Stelle in der Arbeitcrinternationale wieder einnehmen zu lönnen. Der nächste BerbandStag finde: 1022 in Düsseldorf statt. Gewerffchoflsbewegung Wem leisten die Unabhängigen Borschub? DaS„Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften Deutschlands" fNr. 12) weist darauf hin, daß der freigewerkschastliche Gärlnervcr- band Anstieugungen mache, damit sich der„Verband deutscher Pri- vatgärtucr", Sitz Köln, ihm anschließe. Einige großstädtische OrtS- gr Uppen des Privalgärtnerveibandes seien auch bereits sür den Anschlußgedanken gewonnen. Daher fordert das Zentralblott die Fünkliotzäre des cbristlichen Konkurrenzverbandes auf.„jetzt den Ortsgruppen des PrivalgärlnerverbandcS die größte Aufmerksamkeit zu widmen und mir ihnen Fühlung zu suchen". Aeußerst interesiant formuliert daS Zentralblatt, worauf die Funktionäre ihr Augenmerk zu richten haben. „Die in gewerkschaftlichen Fragen wenig geschulten Privat- gärtner— führt das Zentralblatt aus— müssen über die gewerk- schaftlichen Zusammenhänge und grundsätzlichen Unterschiede sorg- fällig unterrichtet werden. Bor allem müssen sie auf die be- denklichen Erscheinungen im freien Gewerk- schaflSlager hingewiesen werden, wie die Kün- dignngvonDutzendenvontüchtigenunderprobten mehrheitSsoziali strichen Gewerkschaftsbeamten durch„iinabhculgige" und kommunistische Mehrheiten ihrer Mitglied- sckaft. Wo dorr eine ständige Gefahr einer Spaltung besteht, sollten die sozialdemokratischen Gärtnerführer lieber im eigenen Lager die EinigungSirompete blasen und die nichti'ozialdemokraliichen Gärtner und Gärtnerarbeiter in Ruhe lassen. Sie haben d�z« ollen Anlaß, da über die Halste ihrerl Mit- glredscbaft in den unabhängig und koninrunistisch verseuchten Großstädten sitzt. In Düsseldorf hat sich auch b d r e i t s eine unabhängige G ä r t n e r g r u p v c abgesondert." Es ist nickt zu verkennen, daß das christliche GewerkschoflSblatt sehr geschickt die von den llnabhängigeu in letzter Zeit so beliebte Praxis für feine Zwecke nutzbar zu machen bestrebt ist. Anstatt der Einigung fördern die Unabhängigon durch ibre Taktik das Hineintragen von zersetzenden Momenten in die Gewerkschaftsbewegung. Sic iördern auch, wie die zitierten Auslassungen beweisen, die Gc- fchäfte der. sogenannten christlichen Organisationen, was doch nicht daS Ziel ihrer Bestrebungen sein kann/ Es ist daher die unabweis- bare Pfbcht unserer Genossen in den Geaplschaften, alles daranzusetzen, damit die die Arbeiterschaft spaltenden Maßnahmen, die von einigen Heißspornen immer propagiert werden, von den Ge- wcrkscbaslen ferngehalten werden. Wir wollen doch und müssen dahin streben, daß die gesamte Arbeiterschaft in den freien Gewerkschaften zusammengefaßt wird l Reichstonferenz öes Deutschen Metallarbeiter- Verbandes. In der vorigen Woche fand in Stuttgart eine Tagung der 1. Bevollmächtigten im Deutschen Metollarbeiterverband statt. Die politischen Gegensätze innerhalb der Organisation spitzten sich im Laufe der Zeit im Verband derart zu, daß ein außerordentlicher Verbandölag gefordert wurde. Hauptvorsland und Beirat lehnten dies aber ab und beriefe» die 1. Bevollmächtigten oller Orts- Verwaltungen zu einer dreitägigen AuSiprache nach der Schwaben- residcnz. Ob dies der richtige Weg, bleibe dahingestellt, neu ist er auf alle Fälle, denn auf diese Weise kam bei den 600 OrlSvcrwaltungen zwar ein Parlament zustande, größer a>S die Nationalveosammlung, in dem aber der eine Funktionär 50 Mit-' glieder in seiner Zahlstelle hat und der andere mehr als Hundert- tausend. Bon einem Willensausdruck der l'/z Millionen Mitglieder kann unter diesen Ilmständen keine Rede sei». Das einleitende Referat hielt Reichel vom Hauptvorstand. Er schilderte zunächst die Gefahren einer Spaltung der Gewerk- ichaslen und legt Verwahrung gegen die dem Vorstände unter- schobenen Spaltimgsabsichten ein. Zur Kriegspolitik der Gewerkschaften gibt er zu, daß Fehler gemacht wurden, daß aber ein Teil der erhobenen Vorwürfe ganz zu Unrecht geschehe. Die treib- hausmäßige Entwicklung des Kapitalismus sei nur möglich gewesen, weil die deutsche Arbeiterschaft vor und auch noch während des Krieges sür viel zu geringe Löhne gearbeitet hat. Daran seien aber nicht Vorstände und Bezirksleiter schuld, sondern all die Taufende, die nie den Weg zur Organisation fanden und bei den wirtschaftlichen Kämpfen ww ein Bleigewicht wipkten. Viele, die heute die KiiegSpolilik verurteilten,'.' hätten gar kein moralisches Recht hierzu. Ehedem in gelben Werkvereinen und heute die r a d i- ka l sie n S ch re i er, die erst am 0. November ihre Courage ent- deckten. sStiirmischer Beifall und Widerspruch.) Wenn schon Vor- würfe ychoben werden sollten, dann auch gegen die Muni- tionSorbeiter, die auch dann uoch Ueberttunden auf Ueber- stunden verlangten, als der Vorstand ganz entschieden für deren Beschränkung eintrat. Wiederholt sei mehr Aktivität der Mitglieder empfohlen worden,>va§ aber unbeachtet blieb. Beim H i l f S- d i e n ft g e f e tz müsse doch die eine Tatsache zugegeben werden, daß erst dadurch Lohnbewegungen möglich und die Gefahr der Mcki- tarisierung � la Oesterreich gebannt wurde. Redner ging sodann auf die Rätesrage uud Sozialisicrung ein. DaS Rätefhstcm allein könne die Krankheit, an der daS deutsche Volk leide, auch nicht heilen. Das wirtschaftliche Rälesystem sei zu cmvfchlen, das politische hingegen abzulehnen. Zum Schluß wandle er sich unter lebhaftem Beifall gegen die platzgreifende Unvuidsam- keit, Gesinnungsschnüffelei und Maßregelungspolitik/ Die Opposition bestimmte Richard Müller-Berlin zu ihrem Korreferenten, der in 2>/z stündiger Rede die Kriegs- Politik unter die Lupe nahm und betonte, daß feit dem 9. November an Sozialismus so gut wie nichts geleistet wurde. Wohl stimme er mit Reichel darin überein, daß die Arbeiter mehr als seither werden arbeiten müssen(Hört! hört!), aber dies dürfe nicht geschehen zur Wiederaufrichlung des Kapitalismus, sondern um den Sozialismus zu verwirklichen. Der Räregedanke sei keine theoretische Spinnlisiererei oder gedankenloses Nachbeten, sondern wachse aus dem revolutionären Mutterboden in Europa. Die Be- ireiung des ProletaiiatS sei in greifbarer Nähe. Unsere Blicke seien nach Osten zu richten,»m aus den dort gemachten Fehlern zu lerney. Allerdings könne von einer ioiortigcn, grundlegenden, alle befriedigende Regelung keine Rede sein lAha!) Die zum Teil stürmisch verlaufene Diskussion zeigte, daß die übergroße Mehrzahl der Bevollmächtigten die Gedankengänge der OpposilionSredner ablehnte. Viele Redner bedauerten, daß Müller in seinem Referat sein Rätesystem nicht näher entwickelt habe. Ueber die vom Vorstande»vorgelegten Richtlinien" wurde zwar nicht abgestimmt, weil die Konferenz keine Beschlüsse fassen konnte, aber vier Fünftel der B-vollmächtteten identifizierten sich mit ihnen._ Ter Schiedsspruch im Buchbiudereigewerbe, der am t. Juni von einem unparteiiichrn Schiedsgericht des Reichs- arbeitSministeriums in Berlin gefällt wurde, ist von den Unter- nehmern abgelehnt worden, während die Arbeiterschaft— obwohl vom Spluch nicht befriedigt— ihre Zustimmung gegeben hatte.- Die Unternehmer begründen ihre Ablehnung einmal mit der Abneigung des Buchverlags vor weiteren Teuerungszulagen, dann mit der Höbe der im Schiedsipruch festgelegten Zulagen, mit deren rückwirkender Kraft und mit ihrer Abneigung gegen feste Teuerungszulagen auch für Akkordarbeiter. In einem Flugblatt wenden sich die Buchbindereibesitzcr an die Arbeiterschaft. in der sie diese Begründung für ihr ablehnendes Verhalten geben. Außerdem bieten sie darin wesentlich niedrigere Teuerungszulagen als die im Schiedsspruch festgelegten an. Der Spruch wollte an Arbeiter 14 M,. an Arbeiterinnen 10 M und den Arbeiterinnen unter IS Jahren 7.59 M. geben. In ihren« Flug- blatt bieten sie an Zeirlobnarbeiler vorn 6. Bernssjahr ab 8 M., iür geübte Zeitlohnarbeitennnen 4 M., für im Akkord Beschäfcigte 25 Proz. aui die Aklordgrundvosi:ionen. Arbeiter im 4. und 5. Be- rusSjahre sowie Arbeiter unter IS Jabren und ungeübte Arbeite- rinnen sollten leer ausgeben. Die bisher in einzelnen Betriebe" gewährten Zuschläge sollte» angerechnet werden und die neuen Löhn' sollten nicht höher sein als eine 209prozentige Steigerung derFriedens- lohne ausmackil. Diese Zugestäni' nisse sollten am 1. Juli in Kraft treten. Charakteristisch ist der Hinweis der Unternehmer auf die rückwirkende Krakr. die deren Schiedsspruch gegeben war. Dieser wurde am 4. Juni gefällt, seine Bestimmungen sollren am l. Juni in Wirksamkeit treten DaS kann man doch kaum rückwirkende Krait nennen. Den Hauvtwert legen die Unternehmer auf die Akkordarbeit, deren Abschaffung bei der kommenden Tariferneuerung die Arbeiterschast fordert. Desbalb ihre Bereitwilligkeit, die Akkord- Position zu erhöhen. Jedenfalls stehen im Buchbindergcwerbe größere und schwere Differenzen bevor. Um dein am 4 Juni ge- fällten Schiedsspruch Wirksamkeit zu geben, ist beim Demobil- machungSkommissar auf Grund der„Verordnung über Einstellung, Entlassung und Entlohnung gewerblicher Arbeiter während der Zeit der wirtschaftlichen Dcmobilmochung vom 4. Januar 1919" bean- kragt worden, den Schiedsspruch sür rechtsverbind- lick zu erklären. Auf dem Wege zur Einheitsorganifation für die deutschen Berkehrsbeamten und Arbeiter. In den ersten Tagen des Juni hat in Jena die Generaiver» sammlung des 360999 SlaatSarbeiter und 69999 Eisenbahnbeamten umfassenden deutschen Eisenbahner-VcrbandeS«Berlin) getagt. Von größter Bedeutung war hierbei die Anwesenheit der Vertreter der zweitgrößten Eisenbahnerorganisation Deutschlands, der Organisation deS deutschen Verkehrspersonals �Nürnberg). Der Hauptvorstand de§ deutschon VerkebrSpersonals hat in einer Ansprache betont, daß seine Organisation der Generalversammlung das größte Interesse entgegenbringe. Was ihn und seine Freunde nach Jena geführt hätte, sei der Wunsch, eine Aussprache mit dem Vorstand des Deutscher� EisenbabnerverbandeS darüber herbeizuführen, wie aus den beiden größren VerkehrSp�rionalorganisationen Deutschlands eine werde. Das sei das Ziel, rührte der Redner unter stürmischem Beifall weiter auS. das wir suchen müssen und das wir auch erreichen werden; wir wollen unsere geliebte Organisation ausgehen lassen in dem großen Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands. Aus den Ausführungen. deS Vorstandes.des Verbandes Deutscher Eisenbahner ging die bemerkenswerre weitere Talsache hervoi daß zwischen der Generalkommiision der deutschen Gewerkschasten und dem Deutschen Beamlenbund, dem fast alle Eiienbahnbeamte» Organisationen angeschlossen sind, zurzeit Verhandlungen Wege: Anickluß des Deutschen BeamtenbuiideS an die Gencrallommiisior gehen. Ein Band soll also die VerkehrSbeamlen- und Staat- arbeiler-Organiiaiionen künftighin umschlingen. Die Zeriplitterur. und Selbstzeifleischungspolilik der sogenanntenStandeSoraanisalionki wird mit der Verwirklichung dieser Bestrebungen ihr Ende erreich haben, und die ganze OrganisalionSarbeit wird künftighin mehr alc bisher einzig und allein dazu diene», das deutsche VerlehrSperiona durch Einschtagen gewerkschaftlicher Prinziplen aufwärts zu führen. Protest der streikenden Beamten-Aushelfer! Kurz nach dem Eintreten der Beamten-AuShelfer und-Aus- helferiuiien der Berliner Verkehrsämter in den Streik wurden am Veranlassung der Oberpostdireltion Berlin die Wachen der Reich? wehr-Frciwilligen an den streikenden Dienststellen aus daS zwei- und dreifache mit kriegsbereiter Ausrüstung verstärkt. Jede Bc- tärigung der Streikposten, aus arbeitswillige Beamien-Auchelicr in moralischer Beziehung einzuwirken, wurde von den Reichswehr- Freiwilligen systematisch iinlerbunden.l Sie geftallelen den aus- gestellten Streikposten nicht einmal einen kürzeren Ausenthalt vor den bestreikten Dienststellen. Wer nicht schnellstens den barschcu Aufforderungen folgte oder vtelleichr den Mut hatte, aus sein Recht als Streikpostensteber zu pochen, wurde ohne weiteres in Schutzhaft genommen. Auf dem Amt Wilhelm wurdetz sogar Reichs- webr-Freiwillige als aktive Streikbrecher mit Genehmigung der Direktion verwendet. Die Zeniraistreikleitung bringt diesen unerhörten Eingriff der militärischen Söldlinge zur Kenntnis der Oeffentlick-leit Sie erbebt ganz eiitichieden Prolest gegen eine Verwendung der militärischen Macht in eprem wirtschastlichen Lohnkampfe und gegen das Bestreben der Oberpostdirekiion von Berlin, den gewerkschaftlichen Kampf der Angestellten mit Handgranaten und Schutzhaftzellen unterbinden zu wollen._ Die Zentralstreikleilung. Die Vertrauensleute der Hilfsangestellten der Reichsschuldcn- Verwaltung befaßten sich in einer Sitzung mit den überaus traurigen Aiistcllungeverhälinissen. unter welchen die dortigen HilsSlräsie engagiert sind. Der größte Prozenuatz der Angestellte» ist mit einer täglichen Kündigung, einem monarlicheu Gehalt von M. 123,—. wozu sür Ledige 169,—, für Verheiratete 299,— M. Teuerung?- zulage kommen, eingestellt. Die Veriraueiisleilte haben ihre Organi» sation beauftragt, eine Vollversammlung sämtlicher Hilfskräfte ieinschl. Damen) einzirberuren. Diese findet am Freitag, den 27. Juni, nachmitlags 4>� Uhr. Alr« Jakab-Siraße 32 kZcnrral-Feitiäle). statl. Zur Beiprechung gelangen- Gehalts». Urlaubs- und Anstellung«- fragen, daran anschließend:„Stellungnahme zur Wahl eines Äiie gestellten-Ausschusses"._ Mit Sl'/z Jahr zu alt. Den Leser unseres Blattes, der»ns kürzlich die unter obiger Ueberfchrift veröffentlichten Angaben über die Groß- Berliner Straßenbahn eimandre, bittet die Redaltion um baldige Rücksprache (nachmiiiag« 5—6 Uhr in der Redaktion des„VorwänS"). Deutscher Holzarbeitcrverband. Mufikinftrrrmciitcnmacher ellcr Branchen! Donnerstag, den 26. Juni abends 7 Uhr, in Breuers Festiälcn(ir. KönigSbank), Große grmikiurter. Straße 117: Mitglicdc>vcricunmlung. Tagesordnung; 1. Bericht von de» Verband. ungen über die TeurungSzulnpen und Ferien mit den Untcrncb- menr der Klavier-, Klaviatur, und Mcchanik.Jndustrie. Bericht von der GeiieraIver!a»imU«g. 3. Verschiedenes. � Die Arbeiisoermittlung sür die Musikinstrumenteninduitric findet nur noch im Arbeit- Nachweis der Sladt Berlin, Fachabteilung der Berliner Holzindustrie, Rückerlftr. Slll, statt. Fernsprecher: Amt Norden Nr. 3691, 3692. Vermiitlnngszeit von 8—12 Uhr. Für Maschine uarbeiter von 19— 12 Uhr. Fersprecher: Norden 6761. Ohne Nachweis keine Arbeit. Acrband der Brauerei- nud Müblenarbciter. Arbcjhiehmer der Groß-Bcrliner Mühlen.«ersamnilung aller Mühlenarbeitec morgen Donnerstag, abends 6 Uhr, im Englischen Hos, Berlin, Alexandcrstr. 27 c. Bericht der Lohnkonunilsion. PunkliicheS und vollzahtiges Erscheinen aller erwartet Die Lohnkommission. Tie Ortsvirwaltung. Lerantrvortlich für Poliill«ttut gickler, Th-rlatt-aburg, für den übrigen Teil des Blaues•illren«chot», Neukölln: für An�ergsn rheodor VU-cke, Berlin. Verlag Borwär-S-Verlag T. m d. H.. Berlin. Druck. BorwSrlS-Buaidruckcrei und verlagSairltall Paul Singer u To in Berlin. Lindenltraß« S. Hierz» X Beiloge. Evertfi iL Mittelmann 1 Uaer. 1375, Bankgeschäft ä 1875. Berlin C. 19, Petriplatz 4 gegenüber der Pctrlklrcha m Fernsprecher: Zentrum 2373, 7103 und 11511. Ceschäitsstundcn IC— I, 3—6 Uhr Sonnabend Qcschäftsreit 9—3 Uhr.• Anmeldang ousländiscber Eiiekten kostenlos. Gewlsseniiafte Beratung bei Anlage der {relgewordenen Kapitalien. BcsteVerwertung ausländisch. An elhen u.Coupons. CiehtaiBrlrsienilaniin habe ich ein lehr schön», modernes Wohnhaus mit allem Komfort, deionders elegant ausgestatteten!-, b-, Hyvott>elen. Gesamtmicte«um Preise von IN. 475000,— zu verkaufen. Näheres durch itoltoz M. Bier, Leipziger Straße 20, Zentrum 12 5 /53. ZIGARREN pro Mitie* von 650 Mark an gibt in grollen und kleineren Posten ab* srtSf.'.rSchnupftabakä'K;: Zigarren-Engros-Haus Neukölln IV p n i< 3 I i n, SchinUestraBe 4-5. ««©©«4«»TU»; «nzui Ose Üackiheit!"«°' Orientalische Kunst! fj) 24 verschiedene Originai-Aafnahrnen. 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Das Verbot der.Nepublil' durch den Oberkommandierenden NoSke wurde als Unterdrückung der Prebsreiheit einstimmig ver- urteilt und eine aus drei Parteien bestehende tdommiision ge- wählt, die beim Reichswehrminister die Aufhebung dieser Maßnahme verlangen soll. Der Voll�ugSrat beschäsiigte sich dann mit dem Verhalten ein- ' seiner Arbeitgeber, die entsprechend dem Rückgang der Arbsirer in den Beirieben auch nur eine entsprechende Anzahl Arbeilcrräte an- erkennen will. Nach eingehender Diskussion wurde gegen die Stim- rncn der T. P. D. folgender Beschluß gefaßt:»Der Vollzugsrat steh: auf dem Standpunkt, daß gemäß seinen bereits früher gefaßten Beschlüssen die Arbeiterräte ihre Tätigkeit ausüben bis zur Neuwahl der gesamten Arbeiterräte Groß-BerlinS. auch wenn die Belegschaft des Betriebs zurückgegangen ist. Jede Tätigkeit, die der Rrb.-iterrat in seiner Eigenschair als Arbeitenat ausübt, muß von den: Unternehmer entschädigt werden. Des weiteren beschäftigte sich der BollzugSrat mit den gegenwärtigen Vorgängen in Berlin, die ihren Ausdruck in der Plünderung der verschiedensten Geschälte fanden. Ans Grund einwandfreier Information wurde festgestellt, daß diese Plünderungen von derjenigen Seite ganz systematisch ein- geleitet wurden, die ein Interesse daran hat, die Arbeiterschaft zu pro-iosierc«. Zu den wiederholt vorgekommenen Maßregelungen von Ar- icitcrrüten erklärt der VollzugSrat, daß Arbeiterräte in Staats-. und Äoinntunalbetriebcn in Ausübung ihrer Tätigkeit als Arbeiter- räie nickt disziplinarisch verfolgt oder in anderer Weise behindert werden dürfen. «-» * Donnerstag, den 26. Juni, vormittags 11 Uhr, in den„Ger- mania-Sälen, Chaussecftr. 110: Vollversammlung der Groß-Verlinrr Arbeiterräte. der kommunalen Arbeiterräte sowie der Delegierte» der Soldatemätc: Stellungnahme z» den gegenwärtigen Vorgängen in Berlin. S. P. D.-Räte erscheint vollzählig. 10. Verbanöstag der Handlungsgehilfen. Der Vorsitzende berichtet, daß Vorstand und Ausschuß mit den Vertretern des Verbandes der Bureauangestellten und den Ver» sicherunglongestelltcn, Giebel und Dr. Vollprecht, eine Sitzung ab- gehalten habe», um sich noch einmal über, die BersichcrungSfrage zu unierhalten. Dabei ist man zu folgender Vereinbarung ge- kommen: Z. Die beiderseitigen Mitglieder werden mit allen Rechten übernommen. 2. Nach der Vereinigung, spätestens am 1. Oktober 1919, heißt die Organisation„Zentralverband der Angestellten". 9. Bei der Bereinigung werden der Verbandsvorstand und der Ausschuß dem Verhältnis der Mitgliederzahi nach dem Stande vom 80. Juni 1919 entsprechend besetzt. Der Beirat wird pari- tätrsch besetzt. Nach den gleichen Grundsätzen werden OrtS- und Bezirksleitungen besetzt, j 1. Die Bureauangestellten erhalten einen der zwei gleich- berechtigten Vorstände und einen Redakteur. Die Bureauange- stellten bnben für diese Aemter dauernd das Vorschlagsrecht. 5. Die parteipolitische Neutralität ist zu gewährleisten. 0. Die Angestellten werden übernommen. >. Die Satzungen der beiden Verbände werden in einer ge- meinsamen Beratung in Uebereinstirnmung gebracht. Nachdem der Vorsitzende die einzelnen Punkte nochmals kurz erläutert, erklärt Giebel, daß die Vereinbarungen noch nicht als perfekter Vertrag angesehen werden können, da er keine Voll- macht habe, derart abgeänderte Vereinbarungen abzuschließen. iSt will sich aber bei seiner Organisation für die Annahme einsetzen und boffi, daß es gelingen werde, auf dieser Grundlage zu einem Abschluß zu'ommen. Zur Festlegung der parteipolitischen Reu- tralität der Vcrbandszerlung erwartet er, daß dieser Grundsatz strikte durchgeführt wird. Er hofft, daß es möglich sein werde, die Vereinbarungen durch nachträgliche Zustimmung seiner Oc- ganisation zu sanktionieren und zwar so rechtzeitig, daß oer 1. Oktober der Geburtstag des Zentralverbandes der Ange- stellten sein kann. Bei der Sralutenberatung gibt zu längeren Erörterungen die Frage der Zusammensetzung des Hauptvorstandes Anlaß. Bis- her bestand er aus 4 Beamten und 5 ehrenamtlichen Personen, nun will ein Antrag Hamburg, daß er nur noch aus beamteten Personen� bestehe. Kliem-Leipzig bekämpft den Antrag, noch schärfer Schmidt-Berlin, der behauptet, der Antrag richte seine Tendenz gegen Berlin, das � man damit strangulieren wolle. Es wird dann beschlossen, den Hauptvorstand aus 4 ehrenamtlichen und 1 beamteten Personen zusammenzus etzen. Neu geschaffen wird ein Beirat, der die Aufsichtsbehörde gegenüber dem Vorstand bildet und die Funktionen einer Preß- iommission gegenüber dem Verbandsblait ausüben soll. Der Verbandsredakteur gehört in Zukunft nicht mehr dem Vorstand an. Zur Beitragsfrage wird beschlossen, die Beiträge für Jugend- liche bis 17 Jahren auf 75 Pf., für die anderen Mitglieder abge- stuft nach Gehaltsklassen auf 2, 3 und 4 M. monatlich zu erhöhen. Angenommen wird ein Antrag Hamburg, daß bei einer Mit- gliederzahl von Lö0 80 Proz., bei einer Mitgliederzahl bis zu 5000 60 Proz., bei mehr Mitgliedern 50 Proz. der Beiträge an die Hauptkasse abzuliefern'sind. Bisher wurden allgemein 60 Prozent abgeliefert. Ter Name des Verbandes heißt in Zukunft „Zentralverband dist: Angestellten". Darauf folgen die Wahlen. Einstimmig wiedergewählt wer- den als 1. Vors. Urban, als Kassierer Wucher, für die Werbe- zentrale Hugo, für. die Lagerhalter Löhn er, für die Versiche- rungSangestelllen Dr. Vollprecht. Der Wahl des Redakteurs geht wieder eine längere Auseinandersetzung voraus. Schließlich wird Lange per Akklamation wiedergewählt. Auch die Wahl des Beirats bereitet einige Schwierigkeiten. Er soll auS 15 Personen bestehen, wovon die Berliner 3 beanspruchen, als der Ver- bandstag ihnen nur einen zubilligt, erklären sie, überhaupt auf die Vertretung zu verzichten. Um sie zu beschwichtigen, wird der Vorschlag angenommen, die Zahl der Mitglieder des Beirats auf 17 zu erhöhen und davon den Berliner 3 zu geben. Sitz des Verbandes bleibt Berlin, des Verbandsausschusses Hamburg. Zum Gewerkschaftskongreß entsendet der Verband die Höchstzahl von Delegierten, auf die er nach seiner Mitgliederzahl Anspruch hat, nämlich 28. Am Beginn der Schlußtagung referiert Lange über „die Lvhnfrage und die Neuordnung des Arbeiterrcchtes der HanSlungsgchilfen nnd die Betriebsräte". Den Gesetzentwurf über die Betriebsräte unterwirft er einer scharfen Kritik, er sei nichts weiter als eine Art Hilfsdienstgesetz. — Zu dem Punkt liegt auch ein Programm vor, in dem bis zur Sozialisierung der Betriebe empfohlen wird, für folgende Forde- rungen einzutreten. Erringung höherer Gehälter, steigende An- teilnähme am Arbeitsertrag, gleicher Lohn für gleiche Arbeits- leistung ohne Rücksicht auf oas Geschlecht, Vereinheitlichung des Arbeiterrechtes, Gleichberechtigung für männliche und weibliche Angestellte, Verkürzung der taglichen Arbeitszeit auf 7 Stunden, Samsrag früher Schluß oder freier Fehltag in der Woche, völlige Sonntagsruhe, jährlich mindestens 14 Tage Ferien. Gegen den Gesetzentwurf über die Betriebsräte wird Protest eingelegt. Dann hält Marg. Schner einen längeren, auf reichem Ma- terial aufgebauten Vortrag über „Die Frauenarbeit im Handelsgewerbe". in dem sie u. a. auch ausführlich auf die Aufgaben der neu ein- zustellenden Berbandssekretärin eingeht. An diesen Vortrag schloß sich erne Aussprache an, in der auch verschiedene weibliche Dele- gierte sich beteiligen. Ueber die Frage der Jugendorganisation entwickelte ein Dele- gierter aus Braunschweig in einvierielstündigen Darlegungen ein kurzes Programm und empfiehlt einen Antrag Berlin zur An- nähme, der die unverzügliche Gründung von Jugendab- teilungen in allen Ortsgruppen verlangt, ferner die Anstel- lung von Jugendlettern, Uebernahme des von den Ortsgruppen Berlin, Hamburg und Braunschweig herausgegebenen„Jugend- 1 Mitteilungsblattes" und Ausgabe an die Ortsgruppen, Einbe- rufung von Jugendtagen in zweijährigen Fristen. Der Antrag wird angenommen._ � Damit ist auch die Anstellung eines Jugendsekretärs im Hauptvorstand beschlossen. Der VerbandStag wird hierauf nach einer kurzen Schlutzansproche des Vorsitzenden Urban mittags ?t2 Uhr geschlossen._ GroßVerün die plüyderungen. Höchst bedauerlicherweise haben die Plünderungen mit ihrem Gefolge von Zusammenstößen, bei denen auch Unbeteiligt« zu Schaden kommen, weitergegrifscn. Auch im Süden und Südosten haben sie sich ereignet. Än anderer Stelle geben wir einen amt- lichen Sitzungsbericht des Bollzugsrats wieder, wonach einwandfrei festgestellt sei, daß diese Dinge von einer Seite veranstaltet seien. die das Interesse habe, die Arbeiterschaft zu provozieren. Es wäre höchst wünschenswert, daß der Vollzugsrat sich nicht mit solchen Andeutungen begnügte, sondern klare Angaben machte, worauf er seine Uebcrzeugung stützt, wer jene Seite sei und wie das alles festgestellt wurde. Jedenfalls hat die AuSraubung zahlreicher Konfektions- geschäfte mit der Empörung über die hohen Obst- und Gemüsepreise nichts zu tun. Wenn-an verschiedenen Stellen, übrigens auch Montag, schon in Wilmersdorf Obst in den Straßenschmutz ge- tvorfen wurde, so ist das gemeinschädliches Toben, von dem kein Mensch Stützen hat. Da nitre eS doch einzig vernünftig, wenn es schon so weit kommt, die Ware zu angemessenem Preis ordnungsgemäß zu verkaufen. Uebrigens scheinen uns derartige Vorfälle ein Prüfstein zu sein, was die kommunale» Arbeiterräte für die Allgemeinheit leisten können. Sie müßten natürlich im Einver- nehmen mit den Sicherheitsbehörden handeln, um Verwicklungen und Störungen zu vermeiden. WTB. meldet: Als am Montag gegen S'A Uhr nachmittags die in dem zuvor ausgeplünderten Eberleinschen Geschäft, Invalid enstraße, noch vorhandenen Lebensmittel nach dem Hauptgefchäfi transportiert iverden sollten, lief eine erregte Menschenmenge hinter dem Wagen her und versuchte ihn zu plündern. Die Situ- atron für die Rcgierungstruppen wurde dabei derart gefährlich. >daß diese einige Schreckschüsse abgaben. Lerder sind dabei zwei Kinder ums Leben gekommen, und zwar der 13 jahrige Schüler A. Lyziekowski, Stralsurtder Straße 18, und die 12 jährige Schüle- rin Macharskn, Steglitzer Straße 64. Aufgeklärt ist allerdings noch nicht, ob die Kinder durch die Schüsse der Regievungssoldaten oder Schüsse aus der Menge ihr Leb�n verloren höben. Ob die Kinder an der Plünderung beteiligt waren, hat sich nicht feststellen lassen. Etwa gegen 51- Uhr mußten die Regierungstruppen ans der Kreuzung Invaliden- und Bvunnenstraße gegen große Zusammenrottungen einschreiten. Man gab aus einem Maschinengewehr(!) mehrere Schreckschüsse ab. Eine Kugel traf den in seiner Woh- n»ng, Brunnenstraße 22, anwesenden 66 jährigen Arbeiter Ähren dS und verletzte ihn am Halse. Dann drang dieselbe Kugel seiner neben ihm stehenden 22 jährigen Schwiegertochter Anna AhuendS in den Kopf und tötete sie auf der Stelle. Der Krtminalwacht- metster Wanner wurde nachmittags um 4 Uhr auf einem Dienst- gange Jnvalide.nstraße 138 durch eine johlende Menschenmenge ohne jede Ursache angefallen und mißhandelt. Man zerrrß ihm die Kleidung und raubte ihm seine goldene Uhr sowie seine Brieftasche mit 370 M. Jnchalt Der Beamte konnte sich nur mit Mühe in Sicherheit bringen, während die Täter flüchteten._,.. Am Abend geriet an der Badbrücke ein Pölizeioffizier in der- artige Bedrängnis, daß er seinen Säbel ziehen mußte, und cS ihm nur gelang, sich mit Hilfe von Mitgliedern der Eintvohnerwchr in Sicherheit zu bringen. Er erreichte mit Mühe und Not das 101. Polizeirevier, wo er mit Unterstützimg der Wachtmeister stundenlang den Mob, mit der Pistole in der Hand, zurückhielt, bis Militär heranrückte. Die 43 jährige Zimmermannsfrau Janke wurde durch einen Querschläger vor dem Hause Stettiner Straße 55 an der linken Hand und am linken Oberschenkel verletzt. Sie fand im Virchow-Krankenhause Aufnahme._ 3] Schneiderglück. Erzählung von Timm Kröger. „Das ist ein netter Kerl," sagte er nach Reimers Weg- gang zu seiner Tochter.„Das wäre so einer für dich. Gutes Handwerk, gute Verhältnisse, gute Familie. Möchtest ihn wohl, Kätrien?", „Möchtest ihn wohl?" äffte die Junge scherzend.„Will er mich denn?" „Na. na. erwiderte der Alte.„Man kann doch sehen." Er s.'eckic sich noch eine Bettpfeife an. Es war gleich zehn Uhr geivesen, als Reimer in seine Kammer gekommen mar. Sein Mitgeselle hatte gebrummt, ader er hatte sich nicht viel daraus gemacht. Er war zum Wiederkommen aufgefordert worden! er war entschlossen, davon Gebrauch zu machen. Der alte Härder ging immer gleich nach Mittag wieder an die Arbeit, hinaus aufL Feld oder in den Wald. Katrien war dann allein. In dgr Mittagszeit paßte es auch unserm Freund am besten. Sein Kollege, einsilbig und einsam wie eine Auster, rauchte dann sein Pfeifchen auf der Dorsstraße, Meister und Meisterin schliefen, da waren Reimer und sie ganz ungestört, da bemerkte es niemand. Die kleine Räucherkate von Härder mit den gekalkten Lehmwänden lag an Meister Eggerts Garten. Vom Mittel- steig konnte man ohne viel Aufsehen und unter dem Schutz der hohen Johannisbeerhecke dufth die Seiten tür ins Haus schlüpfen. Man kam freilich, da das Dach tief hcrabbing, nur mit krummem Rücken hinein. Bei der seitswärts in der Schwibbogenwand befindlichen Stubentllr lag die Sache ähnlich.„Bei mir muß sich jeder bücken," pflegte der lustig«. Härder Rickers zu scherzen, wenn ein Neuling sich den Kopf stieß. Ach, wie gern wollte Reimer einen kruinmen Rücken machen, wenn es zur Katrien ging! In der Mittagsstunde war sie in ihrer kleinen Küche, oder was man so nannte, beschäftigt. Eigentlich war es nur eine Ecke rechts vom Schlvibbogen und von der Stubentür. To wirtschaftete und wusch und spülte sie und hörte-auch nicht auf, wenn. ihr schüchterner Verehrer erschien, Sic lobte ihn, daß er gekommen sei. und bat ihn, zu erzählen. Mit dem Erzählen ging es ober so an, nur sein Gesicht, sein feines Schneidergeficht, seine Augen, die großen braunen Schneideraugen erzählten von ihrer Freude, sie ansehen zu dürfen, wie sie da schaffte und tat. „Das ist schön" sagten die Augen zu ihrem Eigner.„Du könntest es nicht." Was konnte Reimer Stiepel nicht? Gekonnt hätte er es vielleicht eben, aber nicht so, wie Katrien, nicht so flink und nicht so nett wie sie. Wenn ihre Linke die Milcheimer in der Balje wie Kreisel laufen ließ und dabei init geschwinder Rechten„schrubbte", dann standen blanke Wassertropfcn wie Liebesschweiß auf ihren nackten Armen. Wenn sie die rotgebranntcn Steingutschusseln wusch und mit dem Wischtuch abtrocknete, so geschah es mit linder Zärtlichkeit. Tie Arme so leHenswarm. das feine Muskel- spiel unter der weißen Haut wie der Wellenschlag heimlicher Zuneigung. Meistens den Kopf über die dampfende Bütte gebeugt, als hege das gemeine Gefäß ein Meer der Liebe. Dann wieder durch den Qualm dein Schneider zugewendet, wie... Selbstverständlich wie"die durch den Nebel leuchtende Sanne. Aber was innen in dem Schneider ivühlte, und was er nicht äußern konnte, verlangte nach anderen Bildern. Das Haar, so stolz bescheiden, ein wenig aufgekraust, damit ein/' liebende Hand es glätte, die Augen wie Sonnenräder des Glücks, der lachende Mund, ein laHgestrecktes Herz, die glänzende Mauer der Zähne, wie die feste Verankerung der Treue— der Widerschein von all diesen Dingen, wie er über die helle, nette Mädchenfigur fiel: olles war in Liebe und glückliche Koketterie getaucht, vielleicht mit dem Vor behalt, den guten Kerl da vor ihr gelegentlich ein bißchen zu quälen. Das alles fühlte der Schneider.. Er saß vor ihr auf einem gedrehten Holzstuhl und seufzte:„Wenn ich nur nicht so blöde und dumm wäre, ich glaube wahrhaftig,- ich könnte glücklich sein." Katrien stellte die Eimer und die Schüsseln an ihren Platz. Reimer war in jeden Handgriff verliebt. Er kam Tag für Tag. Zuweilen des Abends, mit dem Alten zu plaudern, mittags saß er vor dem Schwibbogen und sah seinem Mädchen zu. Er entdeckte immer neue Bewegungen der Schaffnerin, solche, die ihm wohlgefielen.� Katrien hatte, um hurtiger zu sein, die Röcke kurz aiifgcbuiiden. hinten zu einer Art Zopf zusammengedreht. So stand sie da, beide Hände ausgestreckt, entschlossen, überall zuzugreifen, wo es was zu schassen gab. Da kam es ihm... »„Katrien!" rief er und hatte ein entschlossenes Gesicht. „Was denn?" -„Was hast du für nette Arme!" Das Mädchen stellte just einen Topf weg. Sie lachte. „Katrien!" rief er wieder. „Was denn?" „Soll ich mal mit dem Finger auftippen?" „Was bist du für ein wunderlicher Reimerl Ja, denn tipp malj" Und er tippte mit einem Finger. Es war der rechte Zeigefinger.— In der Nacht hatte er einen wunderlichen Traum. Die neun beneideten den rechten Zeigefinger.„Dürfen wir mor- gen auch?" riefen sie./ Den andern Tag erzählte Reimer am Schwibbogen land- läufige Geschichten vom klugen Klaus und vom dummen .Hans. Wie seine Hörerin die biegsame Gestalt reckte, ivenn sie ihre Töpfe und Schalen auf das oberste Bort legte! „Etwas gefällt mir nicht," sagte sie. „Was denn?" „Daß der König seine Tochter immer nur so verkauit. Wenn der Schneider das und das tut, dann bekommt er deS Königs Tochter zur Frau. Als ob sie selbst gar nicht gefragt würde!" „Aber, Katrien, das versteht sich doch ganz von selbst, daß sie gerne freit. Möchtest du denn nicht den Mann, der alles kann, den Hans?" „Wollte mich schön wahren!" „Ten klugen Klaus denn?" „Weil er sich klug dünkt? Nein, erst gar nicht." „Wen möchtest denn?" „Den ich leiden mag." „Und wen magst leiden?" „Dich!" „Dich!" hatte die Katrien gesagt. „Und ich habe dich schon längst leiden mögen!" schrie der blöde Schneider und erhob sich von seinem Brettstuhl. Er wollte sie greifen, Katrien ließ aber zur Abwehr einen kleinen Springbrunnen Spübvasser aufsteigen. „Bleib mir vom Leibe!" schalt sie.„Muß man denn gleich zerdrücken, was man lieb hat? Wär es so, an dir würde kein Knöchen mehr heil sein— du, dummer Schneider, du!" Von draußen her im Garten hörte man was. „St! Still!" flüsterte Katrien,„du wirst gerufen." Sie hörten ganz deutlich.„Reimer!" rief es, Frau Eggerts Stimme. Reimer eilte, wegzukommen, nach dem Dielentor zu, aber Katrien hielt ihn am Aermel. „St!" flüsterte sie wieder,„der Vater!" An der Giebel- seite des Hauses war auch was. Man hörte Härders Schritt, daneben eine andere Männerstimme. Man unterschied, wie Nachbar Boldt, der gegenüber wohnte, nach dem Grund seines vorzeitigen Kommens fragte, hörte auch, wie Härder Rickcrs Bescheid gab. „Hier hinaus!" befahl Katrien und führte den un- schlüssigen Liebhaber durch den �iegenDll und durch eine ganz unglaublich niedrige Seitentür ins Freie. (Forts, folgt.) Bei Plünderungen in Moabit wurden am Dienstag mehrere Leute festgeuommeü, zum Teil nach Waffenariwendung.— In Neukölln. Ecke der Schönstedt- und Rathausstraße, wurde ein Häudlerwagcn mit Mohrrüben leergeplündert- In der Ziethen- stratze wurde eine Ladung Gurken von einem Lastwagen des M a> gist»ats geraupt. Bei diesen Ausschreitungen wurden ebenfalls mehrere Personen verhaftet. Bis Dien-tag mittag waren gegen 100 Personen fcsrgenomme», 40 wurden in Haft behalten, da sie der Teilnahme verdächtig sind. Zwei Frauen erlstten beim Einschlagen von Scheiben in der Rei- nick-ntwrfer St-aste so' schwere Schnittwunden, daß sie wegen der Gefahr des Verblutens nach der Unfallstation gebracht wurden/ In Neukölln gab es Dienstag eine ganze Anzahl Plünderun- gen, eine Reihe Plünderer wurde festgenommen. Dort und in Cbarlortenibnrg demonstrierten Hun�rbe von Frauen vor den Rat- Häusern für Mag nahm« n gegen die Teuerung. In Moabit war am Nachniittag wieder Ruthe eingetreten. Möchte es auch überall der Fall sein, ehe noch mehr Opfer fallen. Die Verhafteten sehen jetzt unter dein Belagerungszustand einer schleunigen Aburteilung entgegen. An die Berliner Bevölkerung! Unsere Aufforderung vom 22. Juni zur Bobkottierung des ObstmarkieS bat den Erfolg ge-eitigt. daß die Obffvreiie vom Sonnabend zum Montag um mehr als 100 Proz. gesunken find. Die rücklichtslose Boykottier ung solcher Handel- und Gewerbe- treibender, die in der fchweisten Stunde, die un'er Land bisher durchleb! hat. eS fertig bekommen, den sozialen Frieden und die Ruhe durch die Bewucderung der Bevölkerung zu stören, ist das wirtiamste Milte! zur weiteren Bekämpfuna dieser Piraten. Wir fordern die Bevölkerung demgemäß auf,»ach wie vor den wucherischen Preisforderungen durch Boykottierung deS betreffenden Marktes entgegenzutreten und weisen insbesondere aur die un- erbörien Mißstände im Zigarren- und Zigarettenbandel sowie ans die Forderungen für Speisen in viele» Gastwirtschaften hin. Disri- plin und Ewigkeit werden der Bevölkerung den Sieg über die Wucherer erringen belfen! AndrerieitS bitten wir die Bevölkerung dringend, sich nicht zu Plünderungen und Gewalttätigkeiten hinreißen zu lasten, da dies nur den Erfolg hat, daß Waren überhaupt vom Markte ver- schwinden. Die Produzenten. Handel- und Gewerbetreibenden fordern wir aber in ihrem eigenen Interesse wie in dem der Ge'omtheit mit allem Nachdruck auf keine Waren zurückzuhalten und sich vor jeder Bcwucherung des Publikum« zu hüten, da ipnit bei der bestehenden Gärnng weitere schwere Exzesse zu befürchten sind. Dies zur Warnung! Arbeitsgemeinschaft der Arbeiterrätc beim Magistrat Berlin. Der Zusammenbruch der Lebcn-Zmittelvcrsorgung äußert sich drastisch darin, daß die Stadt jetzt ausländisches Rindfleisch für 0,60 M. ve» kauft, während es im Schleichhandel schon billiger zu haben ist. Das liegt daran, daß die Entente den Schmuggel nach Deutschland planmäßig fördert, um uns in Sckuldknechischaft zu bringen. Aber der Hunger ist zu groß, als daß eine Boykott» bewegung aussichtsvoll wäre. Jeder will möglichst friedensmäßig leben. Eisenbahnerteilstreit in Grotz-Berlin. In Neukölln, Rwderschöneweide-IohanniSthgl, Halensee, viel« leicht auch auf anderen Bahnhöfen ist ein wilder Streik ausgebrochen. Bon einer Ablehnung der Forderungen kann darum nicht gesprochen werden, weil die Verhandlungen mit dem Staatsministerium über di» neuen Lohnerhöhungen erst morgen Donnerstag vor einer Kom» mrision der LandeSversammlung stattfinden. Auk den einzelnen Bahn- bösen ist es bis jetzt zu e'ner völligen Emstellui z defc Verkehrs noch nicht gekommen. Während auf Bahnhof Halensee die dort vetkehreyden Siadrbohnzüae erne Verspätung bis zu 1ö Mi- nuten erlitten, zeigte sich in Neukölln ein« starke Behinderung, keines- Wegs aber eine Lahmlegung des Güterverkehrs; die ankommenden und abfahrenden Züge wurden, so gur es ging, mir unvermeidlichen Verspätungen von den Betsichsveginlen abgefertigt, die auch den Verkehr auf den Güüttböden notdürftig aufrechterhalten konnten. Im übrigen wickelte sich der Verkehr üngeslör» und regelmäßig ab. Wir möchten dazu mir fugen, daß der Verkehrkdicnst ein öffentliches Amt ist und daß Stillegung des Personen-»nd Güterverkehrs das Aufhören von Arbeit und Ernährung in der Milloneniiadt bedeutet. Nach späterer Meldung ist der unbesonnene Streik zu Ende. Heute findet die juristische Sprechstunde von 3y2 bis 6 Uhr statt.__ „So'n Bcseubinder.. Es gärt schon lang unter den ungefähr zwanzigtausend Berliner Po st aus belfern. Seit Kriegsbeginn haben sie di« eigentliche Arbeit geleistet, hierfür aber außer magerer Entlohnung niemals bei den obersten Stellen ein Wort der Anerkenntnis geerntet. Im Gegenteil— nur noch eine manchmal'ans Brutale grenzende Be- d nickung durch ihre beamteten Fronvögte. Trotz der Republik be- stehen noch immer die allen Dienst- und Lohnordnungen. Frauen über 3ö Jahre sollen nicht beichäiiigt werden. Im Telephon- und Telegrophendienst dürfen sogar nicht die 25 überschritten fein.' Zu einer provisorischen„Anstellung" ist hier folgendes uötig.: Umständlicher Lebens- und SchulungZnachwei», polizeiliches Führungsattest, ärztlich(auch zahnärztlich) bestätigter GeslindheüSbestmd. In beiden Fällen auf eigene Konen! Garantie der Eltern oder Vormünder usw., daß wenigstens 160 M. monatlich für Bestreitung der betreffenden Gehilfin aufgewendet werden könnten. Als Tagelohn gibt eS--— 3 Mark!... Schlimmer als das Trucksystem ist aber der BureaukratiSmuS. Der Kasernenton spielt seine allmächtige Rolle. Es gehörte bciipielSweise zu deS verflossenen OberposidirektorS V. liebster Auf- gäbe, täglich einmal bald zu dieser, bald zu jener Stunde irgend- ein Bureau anzurufen, um sich zu überzeugen, ob der Gewünschte am Telephon ist.... Das nennt man dann.Dienstpflicht"! Die Republik ist den Bureaukraten schnuppe. Schon nach den Wahlen zur Rationalversammlung kamen mehrere Damen, die arbeitslos geworden waren auf den Einfall, bei einem Geheimra» direkt um andeiweile Beschäftigung vorstellig z» werden. Der meinte: Er könnte kaum noch etwas für sie tun. Jetzt iei doch eine sozialdemokratliche Regierung. Da werde alles umgeschmissen; kein Beamter wüßte, ob er auf seinem Posten bleibe. Auch er selbst nicht, eines Tages könnte ja ihm ein sozialistischer Vorgesetzter,„fo'n Lcsenbindrr" übergeordnet sein und er kämodann womöglich noch an einen Postschalter... Geister solches Schlages gehen um. Und die kniffiichsten Rechenkünstler vom grünen Tiich dazu. So kommt e«. daß man allda für das Heer der AuSbelter meist nur eine mehr vom Geist offener oder versteckter Animosität als vom Verständnis für ihre schwere wirlichastUche Lage gelenkte Abweisung übrig bat. Und gerade in der obersten Leitung fitzt soviel korpulente sozial» EinsichlSkosigkeit. Doit wie in den untergeordneten anderen leitenden Siellcn sollten endlich einmal sozialdemoktatische»Besenbmder' radikale Reinigung verrichten._ Parteifunktionäre, Setriebsvertrauensleute, �lrbeiterräte üer S. p. v. Heute Mittwoch,.nachmittags 5 Uhr-. syunktionät-konfereuz in den Zentral-FestsSle«, Alte Jakob str. 32. Mitgliedsbuch uud AuSwciskartc vorzeigen. Der Bezirksvorstand. BetriebövertranenSleute,«rbeiterräte. Für ßdi« BetriebSverlrauenSleute der Jugend heute abend 7 Uhr im Jugendberm, Liiidenstr. 3 Konierenz Thema:.Betriebsvertrauensteule und Schülcrräle". Jeder Betrieb mutz vertreten sein. Wir bitten die Parteigenossen, die Jugend- lichen ihrer Betriebe aus die Veranstaltung hinzuweilen. Provokativuen der Schmöckwitzer Freiwilligentruppen. Von der ÖrganisatronZleitung wird uns geschrieben: Wie fast überall um Berlin liegen auch bei uns Freiwilligentruppen im Ouartier. Mit dieser Einquartierung ist aber eine Wage für den Ort entstanden. Es gibt hier nur eine Meinung und die ist, daß die als- baldige Entfernung der Truppen eine. Erlösung von dem Hebel wäre. Es würde zr» wert führen, auf alle Einzelheiten einzugehen, die sich die Truppen leisten, so dadurch, daß sie die Bürgersteige als Fahr- und Reitwege benutzen. Ferner werden öffentlich � Gebäude ohne Genehmigung des Gemeindevorstehers zu Lebun.ien mit Maschinengewehren benutzt und noch dazu am Tage der Un- ruhe und ähnliche D'ngc mehr. Die Krone von allem setzt jedoch folgender Borfall auf. Am letzten Donnerstag, abends 10 Uhr, wollte ein von der Arbeit heimkehrender Radfahrer durch Schmöck- witz nach Gosen fahren. An der Ecke der Berliner Straße wurde er vom aufgestellten Doppelposten angerufen und zwar sollen vie tzalterufe, wie Augenzeugen bekunden, in sehr schneller Reihenfolge erfolgt sein, denen unmittelbar ein Schuß folgte. Getroffen stürzte der im Kriege verwundet gewesene junge Mann vom Rade. Ist es schon überbaupt frivol, auf belebter«traße, zumal abends, zu schießen, so erscheint eS hierbei doppelt skrupellos, weil ein nicht langsam fahrender Mann Aar nicht so schnell halten konnte. Er- bitterung erfaßte die in nächster Nähe befindlichen Passanten, die gleichfalls leicht ein Opfer der Kugel werden konnten. Sollte es sich bewahrheiten, daß ein Soldat von der empörten Menge miß- handelt worden ist, so geschah dies in leicht begreiflicher Erregung. — Es ist zu wünschen, daß fofon Aufklärung des Tatbestandes vorgenommen wird und ein Verfahren gegen den leichtfertigen Schützen eingeleitei wird, auch fönst möchten wir wünschen, daß die Truppen ein Verhalten an den Tag legen, daß nicht der Ein- druck einer Plage entstehen kann. Ueber Mietsstreitigkeiten. Tie MietermgungSämter 1, 4, 7 und 10 geben bekannt: Sämtlich« von den Vermietern bei den MietcinigungSämterit gestellten Anträge auf Zustimmung zur Kündigung bzw. zum kÜTtdigU7»gslosen Ablauf eines MietveiHAtnisseS sind vorläufig ge- nehmigt. Diese Genehmigung bezieliTsich nur auf die bis 1. Juti erfolgten Kündigungen- Endgültige Entscheidung über die Zulassung der Kündigung, Fortsetzung des Mietverhältnisses und die Höhe des Mietzinses ist hieroirt nicht getroffen. Sie erfolgt vielmehr demnächst ohne weiteren Antrag seitens des Vermieters oder Mieters. Falls bis dahin Vermieter und Mieter sich einigen, so werden die Parteien zur Vermeidung einer unnötigen Verhandlung er- sucht, dies baldmöglichst dem Einigunysamt mitzuteilen. Pernlietec. die nach dem 24. Mai 1919 ohne Zustimmung des EinigungsamtS gekündigt haben, müssen, damit die Kündigung rechtswirksam sern soll, noch rechtzeitig Antrag auf Zustimmung beim EinigungSamt stellen._ Eine lvbenswerte Tat leistete im Laufe des gestrigen Nach- mittags«in Arbeiter, der am Oranienvlatz einem i« den Kanal ge- fallenen Knaben unter Einsetzung größter Lebensgefahr da? Leben rettete. Dem Lebensretter wurde von den zahlreichen Passanten allgemeine Anerkennung für sein entschlossenes Handeln aus- gesprochen. 1 Großer Felldietstahl. In der Nacht zum Sonntag wurde» bei der Firma Johanne« Kremlacek, Pankow, Wollankstr. 57, gestohlen, 73 lohgare Schaffelle, braun gefärbt, 110 Zitgenfelle. braun omik, gewachst, 6 halbe Rindlederhäute. gelbbraun gefärbt, 4 Roßbäl!-. gelbbraun gefärbt, t desgl.. schwarz gefärbt, 6 halbe Rinderhäute, tckwarz gefärbt, 1 Wildschweinhaut, schwarz gefärbt. Schaden 10—13000 M. Es handelt sich um halbfertige Ware, die nicht zu verwenden ist. Es wird daher vor Ankauf gewarnt, zweckdienliche Angaben nimmt obige Firma sowie die Kriminalpolizei entgegen. Der wahre Jakob ist erschienen mid gelangt ab heute in der Buch- Handlung Vorwärts zur Ausgabe. Kriegsbeschädigte und Kriegerhin»crbliebenc de» Siemens- konzerna. Die Vertrauensleute aller Werte, die im ZietchSbund sür KriegSbeichädiiste, Kriegsteilnehmer uud Kriegerbrnterbliebene organisiert filld. treffen sich Sonnabend, 7 llhr, in der Eeschäjtsftelle de« Bundes Lindenstr. 114, 4 Treppen, zu einer besonders wichtige» Besprechung. Atitgliedskarte! Erscheinen aller unbedingt notwendig. Reinickendorf. Gemeindevertretung. Zu stürmischen Auseinandersetzungen, an denen sich auch die Zuhörer beteiligten, kam es anläßlich einer Anfrage unseres Genossen L n n i n g, od dem Äemeindevorsvand bekannt sei, daß der Vorstand Ses Ernährungs- amtes(der bekanntlich in der voraufgegangenen Sitzung unter Bruck» getroffene Vereinbarungen und unter Ausnutzung einer Zufallsmehrbeit ausschließlich aus Unabhängigen zusammengesetzt worden war) von dem unabhängigen Gemeulidevertmer G l a- mann«in Pferd, das zusammengebrochen war, 24 Stunden ge- legen und sich nicht mehr selbst erheben konnte, erworben habe. dieses anscheinend kranke Pferd in der Gemcindeschlächterci ve» arbeitet worden sei, und ob ferner wahr sei. daß Herr Gla- mann für dieses minderwertigc Pferd ein anderes brauchbares Pferd und noch 400 M. dazu erhalten habe. Da§ Vorstandsmitglied des Ernvhrungsamfs, der Schösse Bendt, bestätigte die Richtigkeit der Anfrage. Da» Pfad sei vom Tierarzt unter- sucht worden. Die beiden Pferde seien gewogen worden und di« 400 M. Herrn G i.a m a n n als Gewichtsdifferenz mit 2 M. pro Pfund vergütet worden. S ch a r f s(Mehrheitssozialist) und P i n k u s(bürgerlich) geißelten aufs schärfste dieses sonderbare Geschäft, das in materMer und gesundheitlicher Beziehung gleich bedenklich sei. � Beide verlange» die Einsetzung einer Umcr- suchungskommission. Nach längerer stürmischer Debatte wurde die Einsetzung einer solchen beschlossen und dieser auch gleich die Be- hauptung deS bürgerlichen Gcmeindevertraers P r a s ch m a, daß an die Arbeiter des Gemeindedepots statt des zugelassenen Pferde- fleische» ein halbes Rind, und zwar zum Höchstpreis für Pferde- fleisch, verlauft worden sei, zur Nachprüfung überwiesen.— Einen großen Raum der Tagesordnung nahmen Bcamtenftagen und Gc- haltscrhöhungen ein. Den Unterbeamten wurde gegen die Stirn» men der Unabhängigen die lebenslängliche Anstellung zuerkannt, den Beamten die Erhöhung der Gehälter nach �Berliner M uster. Als Entschädigung für die Teilnahme an den Sitzungen soll den Gemeindovertretern eine Entschädigung von 0 M. pro Sitzung und den unbesoldeten Schöffen für Wahrnehmung ihrer Geschäfte eine solche von 500 M. pro Jahr gezahlt werden. Beschlossen stur de ferner, bei Benutzung der Schulaulen und Turnhallen keine Ge- bühr für die Reinigung zu erHeren, wenn die Veranstaltung künst- lerischen, erzieherischen oder hygienischen Zwecken dient oder eS sich um Versammlungen der Arbeitslosen, Kriegsbeschädigten oder ähnlich:« handelt. Bei Benutzung der Räume durch Vereine zu Mitgliederversammlungen beträgt die Gebühr 6 M. Für öffentliche, politische oder Demonstrationsversammlungen sollen Schulräume nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Für die KriegSbe- schädigten und-Hinterbliebenen wurde die Errichtung einer Für- sorgestelle beschloffen und der Beirat sofort gewählt. Lebhaften Protest löstten die auf Material aeüüvlen Ausführungen unseres Genossen S ch a r f f über wucherische Mietsteigerungen aus. Be- schloffen wurde ferner die völlige Freistellung der SteuerzLnsiten bis zu 1500 M. Einkommen von der Gemeindceinkommensteuer. Der Ausfall soll durch Aufschläge auf die Zuschläge der Zenfiten mit einem Einkommen von Wer 6500 M. gedeckt werden. Schöueberg. Ferien spiele. Die Veranstalttmgen deS Wabl- verein? während den diesjährigen i-rchulserien beginnen Montag, 7. Juli. 'Spiele im Grunewald. Die Kinder werden mit der Straßenbahn hk und zmück besördert. Eiste Absahnt am 7. Juli«Mag» 1 Uhr ab B elziger und Gowaer Straße, Ecke Straßenbahnhof, nach Roseneck. Eltern, welche be« abfichtigen, ihre Kinder teilnehmt» zu lassen, meide» sich-bei Frau Siebert. Gotbenstr. 30, vorn IV; Frau Bäumtcr. Meminger Str. 8, und in der Parteiipcditlon, Belztgcr Str. 27. Die Kinder müssen sich Trinkgesäße mit- bringen._ Grost-Berliner Lebensmittel. Tie Rnweldefriir zur Zuckerknndenlifte laust vom 26. Juni bis 5. Juli. Im eigenen Jntcresic der Karteninbaber ersorderlich. die Karten neblt beiden Kontrollabschnitten vor der Anmeldung mit Namen und Woh- nung auszufüllen. Berlin. Bis Montag im 44., 45.. 46. 47.. 48.. 49.. 50.. 174. und 222. Brotkommnsionsbezirl 125 Gramm Käle. Kreis Niedrrdarnim. l. Juli soll die Besorgung mit Bserdeflcisch aus Gr�iid besonderer Kundenllslcn undPicrdeflciichtar.cn erfolgen. TZochen- koplmenge voraussichtlich 500 Gramm ohne Anrechnung ans Reichsfleisch. karte. Wer vom 1. Juli ab Pferdefleisch entnehmen will, bat bis heute Mittwoch der von da Ortsbcbö de bestimmten Stelle die Geiamt-adl der in Frage kommenden Personen anzugeben Ga i-, Schank-, Sveisewirt« ichasten, Kantinen und ähnliche Betriebe Jrnben ihren»urchschniNlichen Wochenbedars anzugeben. Verlaus über die Straße darf in diesen Betrieben sortan nicht ftailsinden. Britz. Ab deute 750 Gramm Kunsthonig(4. 23). Wenn 4 und 23 verloren, Ausgabe gegen Ausweis 051 Birnkow. 125 Gramm Würzkä'e(37). Reinickendorf. 300 Gr. Graupen 137, 38); Abichnitie bis Mittwoch abend abzugeben. 250 Gr. Grieß 137. 38); Abschnitt« bis Freitag abend abzugeben. 250 Gr. Haferflocken(39), 200 Gr. Teigwaren(40); Abschnitte bis l. Juli abends abzugeben. NowawcS. Heule Mittwoch 150 Gr. amerikanisch« Schweinckleisch- produtie(86). Haushaliungsvoritänd« und Einzelpers-ruen. die Pferdefleisch beziehen wollen, melden sich beute Mittwoch 8—1 Priesterstr. 81. Groß-Serliner parteinachrichten- Bezirksverband Groß- Berlin. Frauen Versammlung Freiing abends 7'/, lm ebem. Herrenhaus. Leipziger Skr. 3. Bericht über die Aranentonserenz rn Weimar.(Genossin Todenbagen.) S. Abteil.(Friedrichstadi). Heme Abend bei Schirm. Charlotten- stratze 7—8,?>/. Uhr: Fortsetzung der Ditkuijion über Sozialisierung, Vortrag deS Genosse« Dr. Kaniorowrez:»Ein Zulunitsbild". 23. Abteil. Bötzow-Vierieh Frauenabend, morgen Donners- tag, 7'), Uhr, Berneuchener Schloß, Werneuchener Straße, Elbinger Straße. Zieserent: Genosse Lehrer Schröter. Thema:.ErziehungSausgaheo sür die sozialistischen Mütter". 3«. Abrcil. Donnerstag. 7 llhr: Frauenabend bei Fabnik, Svenerstr. 20. Vortrag von Fr. Anna Hamburger über:.Gesund- heitSpflege". Arbeitsgemeinschaft fozialdemokrat. Leftrer»nd Lehrerinnen. Sitzung am Sonnabend nachm. 4 Nhr. Ort wird noch bekanntgegeben. !. Die VolkSbildungsarbert der Sozialdemokratie. Genossin Dr. Weg- scheider-Bonn, Mitgl. der Preuß. Landesveri. 2. Die Rekrm der gesamte« Lehrerbildung. 3 Ausnahme neuer Mitglieder.— Lebrer und Lehrer imien, welche die Hebung der gesamten Volksbildung im Sinne der Sozialdemo- kratie fördern wollen, werden besonders eingeladen. Neukölln. Donnerstag, abends 8 Uhr, Kiiems Festiäle, Hasenheide: Generalversammlung. Bericht vom Parteitag. Res.: Genosse Scholz. Roseuthal. Nordend. Heute. 7'/, Uhr. im Lokal von Frl. Barth: Mitgliederversammlung lZoblabend). Bericht vom Parteitag. R-ser-nt: Genosse Sickchick. Oer Iii che Einigungsbestrebungen. Wahl de» 2. Kassierers und eines Mitgl«des zum Arbcitevrat. Verschiedenes. Marieudorf- Züdenve. Heute 8 Ubr, Gemeindeschule. Kursürfteu- straße 53: Mitgliederversammlung. Bericht vom Parteitag in Weimar. Referent: Genosse Toit, Charlollenburg. Diskussion. Pflicht sämtlicher Parteigenossen, diese Versammlung zu besuchen und sür guten Besuch Sorge zu tragen. Mitgliedsbuch legitimiert. ?ugenöveranftaltunyen. Abteilung Südwest. Heute. 7 Uhr, Lokal Schaar, Tewpekhoser User i. Diskussion über:.Das Ersurier Programm". Vorträge, vereine unü Versammlungen. Zentralstelle für Ginigung der Tozialbrmokratie. Bezirk Osten: Milglicdcrvcrsammlung bei Rosin, Gubener Str. IS, heute Mittwoch abend 7 Uhr: Berich« vom Sozialiilentag. Gesellschaft»Ausbau und Werden"'. Morgen Donnerstag 7 Ul?r. Prachyäle, Moabit. Wiclesstr. 24: öffentliche Bersammlnug. August Schnlic-Köln S. P. D. und Dr. Kramer-Düsseldors U. S. P. D. referieren über das Thema»Der Seltenwirrwarr und die Ausgaben des Proletariats". — Micterbnn» Gross. Berlin. Zchöneberg: Oestenilich« veifcnim- lung heute Mittwo». obendS 8 Ubr, EomenwS, Schul«. Frantenflr. 10. Res: Gen. Freter.— Oberschöneweidr. Morgen DonnerSlag 7 Uhr: ötjcnl- Iiche Versammlung. Aula des RealgvmnasiumS: Die freie Religio,! und die Hand- uudkopjarbeiier. Ref.: Lehrerin Frau Marie Kr ssche. Freie Aussprache.— Gerichtszeitung. Das Drama i« der„Roten Laterne". Wie s. Zr. mitgeteilt, war am 26. August v. IS. die Schank- Wirtin Elisabeth Sonnenburg in der Snisensiraße von dem Gesreiiet« Paul Schoos nach einer Zecherei überfallen und mit einem Seitengewehr übel zugerichtet worden. Der Täter flücbtcte unter Mitnahme von 5200 M und sämtlicher Schmucksachen der Ueber« fallenen und wurde am nächsten Morgen, offenbar noch bezecht und schlafend, auf der Trepqe sitzend, aufgesunden.— In der ersten Verhandlung Erklärte Rechtsanwalt Dr. Stemm le r als Ver- leidiger auf Brund eigener Nachforschungen, daß es sich offenbar um eine Affekthandlung im Dämmerzustands handeln. Die Sachverständigen, die Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Straßmann und SamtätSrat Dr. Magnus H i r f ch f e I d gaben diese Möglichkeit zu. Die Geschworenen befahlen jedech die vom Verteidiger gestellten Hilfsfragen na» Körperverletzung und ein- fächern Diebstahl. Nunmehr machte R.- A. Dr. Stemmler darauf aufmerksam, daß bei diesem Wahrspruch der Geschworenen die A m n e st i e vom 3. Dezember Platz greifen mußte. Der Slaots- anwalt widersprach dieser Auffassung, nach langem Hin und Her lam das Gericht jedoch zu einer Einstellung deS Verfahrens und sofortiger Haftentlassung. Sriefkasten üer Redaktion. Heute findet die juristische Sprechstunde vo« 3� bis K Uhr statt. 304. I H. Nein, sosern der Sachverständige die Unbrauchbarkeit be- künden würde. Sie können nochmals unter Setzung einer Frist Abände- rung verlangen unter Avdrobimg der Zurversügungsltcllung.— B. 2. 1. Sie tonnen Ihre Frau zur Term'nSwahrnedmirng bevollmächtigen. Das Verhallen des.Genossen" geben Hie dem dortigen Wahlvercinsvorli bcnden bekannt.— A. B. 13. 1. Nein. 2. Ja. aber zusammen nur bis zur Höbe de« jetzigen Wertes. Zu dem AblauIStermin müssen Sie aber unler Jnnebaltung der in den VersichernngSbedingungen genannten F ist durch eingeschncbene Post kündigen. 3. VollSsürsorge. Berlin. Engelujer 18.— Äk». Sch. Von der Amnestie nicht beiroflrn, da bereits rerbüßl Richten Elle an daS Juliizmintsterüim ein Ge'uch um Löschung.— A. V. 51. Ja. wenden Sie sich losorl an das MicieinigimgSamt. Ralh iuS.— Lcssrer. 1. Ja. 2. Heinrich Schulz, Berlin, Lindenstr. 3. Gesetzwidrig, wenden Sie sich an daS Mniflerium des Innern— H. 30. Wohnungsamt der Stadt Berlin, Schicklerliraße 12. Die Untervermiewng ieitens de« Mieter» ist nur mit Zustimmung des MretsemigungSamte« zulässig. — P. 80. 1. Ja. 2. und 3. Wenden Sie sich an Ihre Organisation, den Holzarbeiterverband.— Neukölln. 1. and 3. Ja. je nach Lage deS Falle«. —«n. 31- Wenden Sie sich an die Kleurpnerrnirang. Obermeister Mulack, Berlin: Waffertorftr. 20.— LS. I. 3. Gesellschaft für wncre Kolonilation, Berlin. Dchöncberger User 23, und Genosse Franz Rabra, O, Schillingsir. 15. — 11703. Setzen Sie sich mit der FciedbossinipclNon des Magistrats— auch tclcphomsch— in Verbindung.— X- ft. 101. Kimstgeweibemnirrim Privz-Albi echl-Siraße 7.— rviax Seeger. Fragen Sie beim Genossen Eugen Simanowsli, Berlin. Alexanderstr. 39/40.— M P. 181. Klinik Berlin, Zicgelstraßc. und Charito, Luisenstraße.— Süss. Charlotten- bürg. Gesellichast für innere Kolonisation, BerllnV, Schönebcrger User 23. 7.v«e»era>>sRck>«en fiir vuf mittlere Nordvrntievian« vi» Tonnersrag mittag: Zieurüch kühl, anfangs größtenteils bewölkt und an den meisten Orten noch wretzerholtc, an Stäkke nachlassende Regensälle. Später im Südwesten langsame Ausherterung und Erwärmung bei u.äßigen westliche» Winde». Deutscher Ruchbinder- l'erbanl AohlCll« Setiin. Unseren Mitgliedern die ! traurige Nachricht, daß > unser langjädriges Mit- ] glied, der Aollege tat Frederich i nach längerer AranNicit \ gestorben Ht. 25. 18 Ehr« fernem Andenken! Die Beerdigung findet ! am Donnerstag, den 26. 6 j nachm.'IS Uhr, auf dem ! neuen Zakobi-Airchhof w I Neukölln, Kermannstraße, I statt. Zahlreiche Beteiii- | gung erwartet stle Ortzrernaltuni-. Silr Lvriin. Lege 1305 G-kchästsstelle:BerlinSiVd«, Oran!?nstr.ß5 81. Geoffn. v. 16 6. Ebnnabd. v. 16-2 Uhr. Am 26. Juni verstarb unser Mitglied Frau Lalse Weber S-l öneberg. Feurigstr. S. Ehre thraul Andenken l Di? Tiaäsch-rung erfolg! heute Mittwoch, 25. Juni, nachm. S Uhr. im Rrema- torunn Treptow- Baum- ichulenweg. 182, lg Der Vorstand. ind nana meme Tätigkeit und VVostnuna in das Institut für Sexaalwiisenscliaft, In den Zeiten 10(Ein-.ang Bee hevcnstr 3), veilegt. Sari.-R.it. ,6/26 Dr, Miujnüs M!eld 10-12,4-0. iTtl. MoaJ. 8359.1 Dr. Grötering Spczlaiarzt« lavaSiatastraße 3ä Ecke Chausseestraße am Stettiner Bahnhof.* 11— I.■ p-' ,7. Sonnt. 11—12 �ÄBaussalbel led. HautausschL, riecht..| Hauiluck., bes. Balnschad.. I Krampfadern der Frauen I mdergl, in Onglnaldoser. I 4.30. 7 SO erhältlich in der| „Elefamen-Apotheks" Berlin 213. Leijjziger I SrraSe 74 la. Ilfinhoffpl>' f\Vie Ich meine— MswisrunN schmerxios, ohne Stechen, Schneiden narhenfrei selbst entiernte. Prosp. grat. Sprechstunden 3-7. 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Wagner, (fästenitter Strafte 71 .Golfe Hos- (kein LadengeschSst). Oeffentliche Bekanntmachung. Betrifft Mieterschutz. Sämtliche von den Bermietern bei den Mieteinlgnngs- ämtern gestellten Anträge ans Zusljinmung zur Klindigung dezw. '-----'-Ablauf eines Miewerhältnisses werden Anordnung oorläustg ge- '' nur aus solche Ahn- digungen, die dis spätestens zum i. Juli 1919 ausgesprochen (ein müssen. der des.PI... demnächst in einer Sitzung de« Emiau Antrag seitens de» Vermieters oder Mieters. Falls in der Zwischenzeit zwischen Permieter�und Mieler eine Einigung zustande>ommt, so werden Vermeidung einer, nnötigen Verhandlung i möglichst dem Einignngsamt mitzuteilen. Diese Bekanntmachuna ergeht, weil es w gen der großen Zahl der vorliegenden Anirögc der Vermieter unmöglich ist. den Parteien besondere Diitteihing von der einstweiligen Anord- nung zu eben. Dlesenigen Vermieter, die nach dem 24 Mai 1919 ohne Zu- stimmung des Einigungsamte» gekündigt haben, müssen, damit die Aündignn rechtswirksam sein soll, noch rechtzeitig Antrag ans Zustimmung deim Einigungsamt stellen. B e r l l n. den 23. Juni 1919: ohne weiteren die Parteien zur ersucht, dies bald- MieteinissunqSamt 1 Helinbacb, Iustizrah MieteinissungSamt 7 Hahn, Iustizrah Zu Tgb.-Nr. 524 M. E.« 19. Mieteinigungsamt 4 Roseoberg, Iusnzrai. Mieteiuigungsamt 10 Stein, Zustizrat. lÄ-SOlÜMSnie 354 stellt noch gediente Pioniere und Rekruten sin. w oben nodi zwei Leu' Unterosfizier cingestellh Ferner utnant», ein Arzt, ein Eanitäts- W AMöllU Ikk Iii 3. S. Aommt zu euren bekannten Führern und Aameraden. Annahme unter Rotthsmehrbedingnngen für Grenzschutz Osh G-iuche sind an die Somv. nach Ortel»- bürg(Ostpr.) zu richten..ZZD' Krause» Coler, Leutnant It. Aomp.-FüHrer. Lent. d. R. Sonnabend, den 28. Juni, abends 7 Uhr, im Sitzungssaal des Herrenhauses: igÜT Versammlung W MWMm SelssWseMMkliVMkl. Tcmokratie und Sozialismus. Ref.: Heinrich Pens sDessau). Zutritt nur gegen Vorzrigung der Mitgliedsbücher und für Pressevertreter. Julius Kaliski. Wally Zepler.� 212/15» Zentralverband der HaNdlungsgehilse« " Mim da soeMW»'seMni. Donnerstag» den 26. Juni, im Englischen Hof. Alexanderstr. 27c(weißer Saal): Sektions- Versammlung. Tagesordnung: 1. Entspricht unser Tarif noch der heutigen wirtschaftlichen Lage. 2. Aussprache. 3. Beschlußfassung über eveniuelle ktiindi- gung des Tarife». 4. Wahl einer Tariflommisston. 5. W- gemeines. 70/19 Vollzähliges Erscheinen erwartet Oer Sellionsoozffatib. AUMA WlMW. Tonnerstag. 26. Juni» abds. 7 Uhr, Prachtsäle Moabit» Wiclesstr. 24: DerWeiteiMrwarru.die Aufgaben d. Proletariats. Referenten: Äugost Schulte- Küin(s. p s.) Dr. phil. Sraaier-Düsselilorf(u.©. p.®.) 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Eröffnung 8 Uhr, Anfang 5 Uhr. Serliüer jrater 7;9 flaftnniennfloe 7/9. Täglich- iZBürieie-ltratfionea ?n der Tanz. l> rjll Siele täglich; _ Anfang■ 4'/t Uhr. APOLLO [ Friedrichstraße 218] Dir.: James Kloin[ 73/ Sonntag 73/ j / 4 3Vi und» h\ /,Uhr: Sänger Meyselg Britto», Ma�Steidl usw. l,aek»piULN-WOZt Ll»e QsreN !cidstran!heiten.— brieftlche und mlludllche Anerkennul ZrelwiMge. .. M noen ftühet behandelter und geheilte:: Patienten, die angaben, vor der Behandlung in unierer Anstalt nndermeikig ohne Erfolg dehandelt worden zu sein: z. B.: I. und 2. schreibt Herr Lehrer Zilelste ans Iach;endrü>ar machen, so werde ich mim sofort wieder an Sie! wenden-— 7. Herr VJ. Hees«, Tempelhof, Kaiserin-] Anqusta-Strafte 67: Bon 5 Monate alter, stark eiternder, i breiter Operation s-Qand)-»ad Darmflslel gehellt! (vorher zweimal operiert).— 8. Herr 70. Herrmann, i 'Lcimsdorf. Dorfsir. 9: Von luderkolSser Brest- und Rippenselluersileming gehellt.- 9. Herr A. lethSn, i Ehariottendurg. Spandaner Berg 21t Bon. Bronchial-[ asthma gehellt(anhalt. Heilung 9 Monat? später de- {tätigt).— 10. Fruit AI. Sataeniann, Beelin-Treptow. j Gractstc. 6: Von liieren- u. Dlasenloiden gehellt.—! ll. Frau Sennesch. Berlin, Schreinerstraft? 11: Bon\ Tlnftrteibalelben und Illageroerestrvung geheilt| |(Finger sollte abgenommen werden).—- 12. Herr| Js. tvarskam, Schönederg, Edcrsitr. 5S: Von allgemeiner Zlenrasthenie, Herz.». TNageunenrase{ und Anne, nie geheilt(vorher dreimal Nervenchok).—! > 13. Frau C. Freund, Eharlotteuduro. Pestaiozzistr. 58: j Aon Denen enkzS»du»5! tm Anlerichentel geheilL— it. Frau A. Aendaner, Ehariollendnrg. Kaiserin- Augusta-Alleelll, i.Anfg. I Tr.i Bon Aeruenschmerzea! in der Hülle mtd Unfähig! eit zum Gehen gehellt.— 15. Fean iß. Hadorf, Berlin, Kolderger Strafte 28/29:' Bon Zlerven- u.»nochenhaut-Eutziindnng(oost- I ständig gelähmt) gehellt.— 18. Fran 1R. knarr, Lichtenberg, Scharnwedeestr. 82: In veelchiedcnen Malen I von akuten und chroni-'chen Leiden gebellt, n. a. von| Herzschwäche, Leders chipellnng u. TNagantredr.—\ 17. Frau A. Gnebuiter. Ehadotteneuro.,.Keiler- ! Friedr:ch-Strafte 102: Bon ailgenleiner Zlvurasthenie, ; Lederanschtaellung und Salleuskelnea gehellt(nach! iurzer Bcdandluna Abgang ven 18 Oallealteir.en).— 18, Aamllle Kirchner, Steglitz, Aidecchistrafte 107:| Bier Personen von verschiedenen Leiden gedeih(gern zu \ Auskunft darüber bereit).— 19. Frau Ä. rCundctUch 250: Bon 20." Blngca- Frnn ffi. Tiegleo, 1 und Berlin, Schwebte r Strafte Varmgeschtvllren geheilt. Beeiin, Neanderstrafte 3: Don fflerueaschinerzen im! ganzen Körper geheilt.— Getrennte BchaniUungs-{ räume fflr Damen u. Ucrror'— Sprech- u.Bchandlur-i zeit; 9—1, 4—7'/-.— Sonn- und Feiertag; 9—1, Zlerztliche Anstaltsleitung: Heilanstalisdestlzer Professor P. Mistelsky � graduiert und approbiert im Ausland Etei-tin SO. 16, Brückerrstr. 10i am Vnhnhot Jannowitzhrtlekc.