Ur. 330. 36. Jahrg. Bezugspreis: ViertelMrl. g.— Mk., monatl. S,— frei ins.e S l r e i k l e i t u n g d e s Deutschen Eisenbahner- V e r b a n d e S sendet unS folgenden Bericht: Entgegen den btS- herigen Meldungen über die Beendigung des Eisenbahnerstreiks slellen wir fest, daß der Streik unvermindert weiter geht, und die Eisenbahner gewillt sind, so lange im Streik zu verharren, bis ihre Forderungen restios erfüllt sind. , Auf keinem Fall können die Eisenbahner den von der Regierung ausgesprochenen Abbau der Lebensmittelpreise als eine Bewilligung ihrer Forderungen anerkennen. Halte die Regierung anfangs April ihr Versprechen, Abbau der LebenSmitlelpreise, ausgeführt, dann hätte man von einer Bewilli- gung der Forderung sprechen können. Nachdem aber in der lang- hinge(ogeneu Zeit die Lebensmiltelpreise ins Unermeßliche gestiegen sind, niüsicn wir den jetzt zugesagten Abbau der Lebensmittelpreise als eitle Spiegelfcchierei betrachten. Die Streikenden haben eine Äomimssion beauftragt, um die ausgestellten Forderungen durebrudiücken. Sie protestieren aufs entschiedenste, daß der Streik als ein politischer gestempelt werden soll und erllären, daß sie nur das tiesste Elend und die Ver- schleppuiigstakti� der Staatsregierung über die Köpfe der Verbands- leiiung in den Streik getrieben haben. Verschärfung der Streiklage. Von unterrichteter Stelle wird erklärt: Am 30. Juni hat sich die Strcillage im allgemeinen eher verschärft als gebessert. Der Verkehr hat sich zwar ungefähr im bisherigen Umfang aufrecht erhalten lassen, aber die Stimmung ist, soweit sich das beurteilen läßt, ungünstiger geworden. Die Haltung aller Organisationen ist zwar offiziell nach wie vor durchaus ablehnend gegen den Streik, eine Vertrauensmännerversammlung der Gewerkschaft der Eisen- bahnbeamlen hat sich sogan gestern mit überwiegender Mehrheit gegen den Streik ausgesprochen, aber es zeigt sich leider immer wieder, daß die Organisationen nicht die Führung in der Hand haben. Die Führung findet sich bei ganz anderen Leuten, die gewissenlos die Menge der Beamten und Arbeiter für ihre dunklen Zwecke zu mißbrauchen sich bemühen. Es muß immer wieder bc- tont werden, daß die ganze Streikbewegung lediglich eine politische ist, auf den Sturz der Regierung und die Herbeiführung kommu- I nistischcr Ziele gerichtet. Es ist kaum mehr daran zu zweifeln, ! daß bekannte kommunistische und unabhängige Führer hinter der ! Bewegung stehen. Auch an Geldmitteln scheint es ihnen nicht zu ! fehlen. An alle Beamten und Arbeiter und die ganze Bevölke- rung mutz deshalb die dringewde Mahnung gerichtet werden, sich ! nicht von diesen dunklen Elementen mißbrauchen und irreführen zu lassen. Bricht der Streik erst aus, dann ist es sehr fraglich, ob alle bisher in den Betrieben Beschäftigten ihre Arbeitsplätze werden wieder einnehmen können. Drohreden. Im Kaffee Bellveue in Rummelsburg fand Montagaachmittag eine von 4000 streikenden Eisenbahnern besuchte Versammlung statt. Brühl wandte sich in seinem Referat heftig gegen die Re- gierung und den Eisewbahnminister, die den streik selbstherrlich als beendet erklärt hätten. Die Arbeiterschaft werde ihnen jedoch beweisen, daß sie nicht gesonnen sei. in ihren gerechten Forde- rungen sich mit ein paar Brocken abspeisen zu lassen. Die Eisen- baynarbeiter brauchten keine Betriebsräte, sondern lediglich Ar- beitcrräte und ÄriegSbeschädigtenfürsorgestellen. Er als Mitglied des Internationalen ftriegsbeschädigtenbundes müsse verlangen, daß bot der Eisenbahnbehörde ebenso!rwe bei den Privatfirmen Für- sorgestellen für die.Kriegsbeschädigten eingerichtet werden. Als nächster Redner sprach der Vorsitzende des>-ptreikkomitees. Er wandte sich in schärsster Weise gegen die Presse, und namentlich gegen die„Freiheit". Die Eisenbahner sollten sich weigern, nicht nur Personenzüge, fondern auch die Kohlenzüge und vor allem die Lebensmittclzüge zu befördern. Das Proletariat habe 414 Jahre für den Kapitalismus gehungert, setzt können die Kapitalisten auch einmal für das Proletariat Not loiden. Mehrere andere Redner st rdertc.» ebenfalls auf, den Transport der Lebcnsmittelzüge zu verweigern. Lehmann überbrachte Grüße der Metallarbeiter. Er schloß mit den Worten: Wir haben eine» zweiten Schlag oor, der hosfentlich besser klappen wird, wie der am 9. November. Auch ein Vertreter der Holzarbsitcr erklärte, daß die Holzarbeiter mit den Eisenbahnarbeitern sympathisierten. Witzle wandte sich sehe heslssp gegen die Verhaftung der Eisenbahnerräle. Minister Oeser habe erklärt, daß Knebel freigelassen würde, wenn die Arbeit wieder aufgenommen würde. Das beiveise deutlich, daß man den Kollegen zu Unrecht verhaftet habe. Es wurde.schließlich eine Oie- solution augenommen, in der die Versammelten Protest gegen die Verhaftung der Eisenbahnerräte erheben. * Der Eisenbahnverkehr hat sich Montag auf allen Strecken, auch aus der Wannscebahn aufrechterhalten lassen, allerdings sehr, un- regelmäßig. Der Fernverkehr konnte von allen Bahnhöfen', zum Teil jedoch mit sehr große» Berspätungcn aufrechterhalten werden. Der Güterverkehr brachte eine Reihe von Milch- und Viehtransporten nach Berlin. Als unmittelbare Folge einer Fortdauer dez. Streiks ist eine Gefährdung der Versorgung Grost-Berlins mit Nahrungsmitteln zu befürchten. Als technische Folgen des Streiks steht die Erhöhung des Neparatnrstandes der Lokomotiven zu er- warten, die durch die fortgesetzte Ueberunstrengung früher zur Werk- statt müssen als zu gewöhnlichen Zeiten, so daß Einschränkungen des Verkehrs als nächste Folgeerscheinung bevorstehen. Der Verkehr mit Schlesien ist lwch nicht wieder völlig auf- genommen worden. Teilstreiks in Breslau selbst und in Lauban lähmen den Zugverkehr. Wenn auch am Sonntag einige Züge bis Mochbern. einer Vorortstation von Breslau, durchgeführt werden konnten, so kam gestern doch nur ein Zug von Breslau selbst, wäh- cend die vqn Berlin ausgehenden Züge nur bis Liegmtz geführt 'werden konnten. An eine Wiederaufnahme des Schnellzugverkehrs nach Oberschlesien ist unter diesen Umständen nicht zu denken. » Bei der Besetzung des Verschiebebahnhofes Lichtenberg durch Reichotvehrtruppen wurden mehrere Waggons mit Pferden. Ochsen und Kleinvieh vorgefunden, die anscheinend schon längere Zeit dort gestanden hatten, ohne daß sich jemand um die Tiere gekümmert hätte. Eine Anzahl Tiere waren bereits verreckt, andere konnten nur durch Notschlachtung der Allgemeinheit noch nutzbar gemacht werden. Dem schnellen Eingreifen der Soldaten allein gelang es, die übrigen Tiere vor dem Verdursten zu retten. Was kommt es auch bei uns aus ein paur Rinder an!... verschärfter Selagerungszuftanö in Düfteiöorf. Düsseldorf, 30. Juni. Der Belagerungszustand ist. wie die„Köln. Ztg." mekoet, beute wieder verschärft worden. Die Polizeistunde wurde auf 10% Uhr festgesetzt. Um 1114 Uhr müssen alle Straßen geräumt sein. In den Großbetrieben stellen die Unternehmer die Belegschaften vor die Entscheidung, sich ent- weder mit der Wiedereinführung der Alkorvarbeit einver- standen zu erklären, oder die Einstellungvon Teilen der Betriebe, Kündigungen und Lohnkürzungen hin- zunehmen. Die Arbeiter der städtlschcn Werke wollen neue Forde- rungen erzwingen. Diesmal soll nach Mitteilungen der � sozialdemokratische Presse eine einmalige Teuerungszulage von je 1000 Mark verlatigr werden. Heimkehr. Von I. A l t m a i e r. Während das niit Fahnen geschmückte und mit Blumen bekränzte Paris im Glanz der Abendsonne vom Donner der Kanonen und dem Jubel des Volkes widerhallte, fuhren wir vom Begräbnis zurück nach Deutschland: Trauer und Weh- mut im Herzen, beschimpft, verspottet, mit Dreck und Steinen beworfen. Es war wahrlich nicht das wilhelminische Deutschland pon 1914, das uns die Tränen in die Augen trieb, aks unter dem Beifall der Barrls, Daudet und Konsor- ien Wilson, Clemenceau und Lloyd George den Spiegelsaal zu Versailles betraten und Hermann Müller seine Unter- schrift dein sogenannten Friedensvertrag borgen mutzte. Nein! Die 10 Millionen Menschen, die um diese Stuiche ungefragt verschachert wurden, waren es, um die ivir wein- ten: das Deutschland eines Heinrich- Heine, eines Lassalle, eines August Bebel, die vergewaltigte deutsche Republik: die 15 Millionen Menschen in den Massengräbern, die 15 Millio- nen Mütter, die Millionen Krüppel aller�Länder, alle alle, die mühselig und beladen sind rmd deren Sdhnen und Hoffen um Menschenfrühling und Völkerverständigung am 28. Juni 1919 belogen und betrogen wurde. Wohl kennen wir die Mitschuld der vergangenen deutschen Machthaber. Wir wissen, daß ihre Sünden zum Himmel schreien. Schlimmeres aber haben jene aus sich geladen, die der Welt diesen Schand- vertrag aufgenötigt. Sie haben über die Eiügangspforte zum neuen Geschichtsabschnitt das Wort Rache geschrieben' die Hand der Versöhnung tappt ins Leere! Die rohe Faust eines übermütigen Kapitalismus zerschmettert in den siegreichen Ländern mitleidlos die Ansätze der Vernunft, und eine bis auf die Knochen korrumpierte bürgerliche Presse düngt Europa aufs neue mit Lüge und Gift. Weder im Osten, Süden, noch im Westen ist auch nur eine einzige der großen Fragen gelöst, um die die Völker fünf Jahre geblutet haben. Eine Allianz Frankreichs mit England und Deutsch- land, die schon Saint Simon im Jahre 1814 als die einzige Gewähr für die gedeihliche Entwicklung und den Frieden Europas bezeichnet hat, sie ist im Jahre 1919 noch weniger als ein Scheinen. Es sind in den letzten Wochen und Monaten so oft und so deutlich die bitteren Folgen des Versailler Bluturteils für lms und die-Welt gezeigt worden, daß- wirnit auf den Weg, die hier mitgeteilt sei. Er schrieb über sein Werden: Ich bin 1869 in Kristianshavn geboren, dem ältesten Ar- beiterstadlteil Kopenhagens— im Hofgebäude, in einem. der obersten Slockwerke, von wo man nur Aussicht aus den Himmel hat und auf die endlose öde Brandmauer, auf der die Feuchtigkeit große phantastische Landkarten gezeichnet hat, die von seltsamen Ungeheuern mit Rückenpanzern oder unzähligen Gliedern bereist werden— von Mauerasseln und Tausendfüßern. In einer solchen Bodenkammer läuft die Dachrinne dicht vorm Fenster vorbei; es sammelt sich nach und nach Erde darin an, die Vögel tragen Samen herzu— und eines Tages schießt vor den erstaunten Augen des Kindes eine grüne Pflanze empor. Und wenn diese Augen zum Himmel hinanstarren, so schwebt hoch oben die ge- waltige, vergoldete jtugel der Erlöserkirche. Mein Gedächtnis reicht weit zurück. Ich glaube, dies Ge- schenk wird den Kindern der Armut mit in die Wiege gelegt— das Leben ritzt ihnen früh unvergängliche Schrammen ein. . Mein Vater war Steinbrucharbeiter und Pflasterer, Mutter fuhr mit dem Handkarren umher und verkaufte Fische, Obst und dergleichen. Wir waren eine große Kinderschar(ich bin der vierte von elf Geschwistern) und lebten in sehr ärmlichen Verhältnissen, obwohl die ganze Familie arbeitete.' Armut und angestrengte Arbeit sind die herrschenden Mächte in der Welt meiner Kindheit. Ich habe gearbeitet, seit ich kriechen konnte— trug Zeitungen aus oder sammelte Späne auf den Bauplätzen und verkaufte sie an Herrschasten. Eine Zeitlang war ich mich Kindermädchen bei meiner halbjährigen Schwester, vom frühen Morgen bis zum Abe.Nd, wenn die Mutter auswärts arbeitete. Ich war damals wobt fünf bis scch� Jahre alt, und diese Arbeit erscheint mir Keule,.noch aw die beschwertichstc« die ich jemals pcrrichlet Jjabe, die Protesterklärung ües Generals Smuts. Ein vernichtendes Urteil. Amsterdam, 30. Juni.„Telegraaf" meldet aus Paris, daß General Smuts in seiner aus Anlaß der Unterzeich- nilng des Friedensvertrages abgegebenen Erklärung noch folgendes sagte: Die sechs Monate, die zwischen dem Waffen- stillstand und heute vergangen sind, sind vielleicht noch der- wirrender und vernichtender für Europa gewesen, als die vier vorhergehenden Äriegsjahrc. Ter Burengeneral Smuts, der aus Disziplin während der ganzen Komödie der Friedensvorbereitungen geschwiegen hatte, hat als erster im geschichtlichen Augenblick das Urteil ausgesprochen, das der Meinung aller Unvoreingenommenen in der Welt ent- spricht.__ Die englischen Arbeiter gegen öen Krieg im Osten. Eine Studienkommission nach Deutschland. Stockholm, Li). Juni. Wie B r a n t i n g aus Liverpool tele- graphiert, hat der Arbeiterkongreß in Southport mit großer Mehr- heit den Ausführenden Ausschuß beauftragt, mit dem Parka« mentsauSschuß der Gewerkschaften über Maßnahmen zur Beendigung des Krieges im Osten zu verhandeln, wobei man. falls nötig, zu industriellen Druckmitteln greifen will. Nach der gleichen Depesche hat der Aktionsausschuß der Berner Konferenz Vorbereitungen für eiqe Konferenz in Luzern getroffen. Nochmals wurden Pässe»l�ch Rußland beantragt. Außerdem soll eine alliierte Sozialistenabordnung sofort nach Deutschland reisen, um die Lage dort zu untersuchen._ Die türkische ßrieöensöelegation wirö wieder heimgeschickt. Paris, 29. Juni.(Reutsr.) Clemenceau richtete am 28. Junii ein Schreiben an die türkische Delegation, in dem er mitteilt, daß die alliierten und assoziierten Mächte der türkischen Delegation für die der Friedenskonferenz unterbreiteten Mitteilungen dankten. Diese Mitteilungen seien sorgfältig erwogen worden. Da sie jedoch internationale Fragen auswürfen und eine sofortige Beschlußfassung leider unmöglich sei, seien die alliierten und assoziierten Mächte in der Anschauung, daß eme Verzöge- rung unvermeidlich sei, der Ansicht, daß durch die Verlange- rung des Aufenthalts der Delegation in Paris zurzeit nichts ge- Wonnen werde. Die alliierten und assoziierten Regierungen würden jedoch nicht versäumen, sich sofort mit der türkischen Regierung zu weiterem Gedankenaustausch in Verbindung zu setzen und ver- sprächen sich davon günstige Ergebnisse. Wiederaufnahme der schwedischen Ausfuhr nach Deutschland. Stockholm, 39. Juni.(TU) Nach einer Meldung aus Lulea wird die Erzausfnhr nach Deutschland in nächster Zeit wieder in großem Stil aufgenommen. Im Laufe der Woche werden 39 Erzdampfer aus deutschen Häfen erwartet. wird Rumänien den frieden mit Oester- reich unterzeichnen I Amsterdam, 30. Juni.„Algemeen HandelSblad" meldet aus Paris, Rumänien werde bei der Unterzeichnung des Friedens- Vertrages mit Oesterreich vielleicht dem Beispiel Chinas folgen, da es mit den angebotenen Bedingungen ebenfalls un- zufrieden sei. Ich hatte schon tüchtig mit anpacken müssen und ein paar arge Püffe bekommen— mehr, als einem Kinde gut ist—, als wir in meinem neunten Jahre nach Bornholm zogen—, in die Heimat meines Vaters; Mutters Familie stammte aus Deutsch- land. Auch hier mußte gehörig mit angefaßt werden, aber bei der Arbeit lernte ich nun Bornholms schöne Natur kennen— zur Winterzeit, wenn ich mit Vater im Steinbruch arbeitete, und im Sommer, wenn ich auf den großen Feldern vor Nexö das Dorf- vieh hütete. -Nach meiner Konfirmation diente ich ein Jahr als Bauern- knecht, wanderte dann nach Rönne und ging zu einem Schuhmacher in die Lehre. Sechs Jahre blieb ich bei diesem Handwerk und lernte seltsame, altinodische-Menschen und Verhältnisse kennen; dann konnte ich das Stillsitzen nicht länger aushalten und nahm Arbeit als Maurerhandlanger. Ich arbeitete beim Bau einiger Fabrikschornsteine und einer Granitkirche mit; bei der letzteren Gelegenheit lernte ich einen deutschen Arbeiter kennen, den man hatte kommen lassen, die far- bigen Fensterscheiben im Chor einzusetzen. Er war ein glühender Anhänger der Internationale und erweckte in mir das Bewußt- sein des Proletariers. Als er abreiste, umarmte er mich werneno und legte mir ans Herz, wenn ich einmal ein Dichter werden würde, der unteren Klasse treu zu bleiben. Wenn ihm diese Zellen vor Augen kommen sollten und er sich noch an die Kirche von Oestermarie erinnern kann und an den Sommer 1891.und den krausköpfigen Burschen, der für ihn Bier geholt hat, dann wird er hierdurch erfahren, daß ich«eine Pflicht erfüllt habe. Im Winter, wenn die Mauerei ruhte, besuchte ich die Volks- Hochschule von Askop, und von dort aus bekam ich eine Stelle als Lehrer. Des Nachts mußte ich mir die Fächer aneignen, in denen ich am Tage unterrichtete; und ich fühlte mich außerordentlich glücklich bei diesem Leben zwischen Büchern und Kindern. Mein Gesundheitszustand hatte von jeher viel zu wünschen übrig ge- lassen, ohne daß das Dasein jemals Rücksicht auf diesen Umstand genommen hätte; jetzt endlich übermannte mich die Krankheit im Ernste. Ich fiel einer heftigen Zwerchfellentzündung zum Opfer und stand lange Zeit mit dem einen Fuß im Grabe— aufgegeben von allen. Wenn ich dennoch nicht starb, so hatte ich das sicher ausschließlich dem Umstände zu verdanken, daß ich nicht wollte! Ich hatte meinen bösen Anteil vom Leben bekommen— den Anteil, der dem Armen stets sicher ist, und klammerte mich krampf- Haft ans Dasein, um auch ein wenig des Guten zu erhaschen. Als tzh zu guter Letzt so weit war, daß ich mich wieder von der Stelle bewegen konnte, nahm die Witwe des Dichters Molbech mich ins Haus. Sie pflegte mich ein halbes Jahr und im Herbst 1894 zog ich gen Süden, ausgestattet mit 499 M., die sie mir ver- schafft hatte und die ich sorgfältig auf dem bloßen Körper ver- wahrte. Zwanzig Monate schweifte ich in Italien und Spanien umher, lebte unterm Volke, schaffte mir eine Lungenkrankheit vom Halse und erkrankte anstatt dessen an Ruhr, schrieb Artikel?— und Kalte glücklicherweise nie Geld genug, KcimzukeKrcn, Die belgisch-holländisthen Gebiets- differenzen. Der Friedensschluß hat ernste Differenzen zwischen Belgien und Holland ausgelöst. Der Großschiffahrlssirom Belgiens, die Scheide, fließt in seinem Unterlaus durch holländisches Gebiet. Belgien fordert»un von Holland die Abtretung dieses Landstückes. Die Holländer aber wollen von der Auslieferung rein holländischen Ge- bietes und holländiscker Bevölkerung nichts wissen. Belgien dringt jedoch darauf und hofft auf die Hilfe der Entente dabei. Die Erörterung der Scheldefrage wird nun, nach- dem der Friede unterzeichnet ist. in den nationalistischen Blättern wieder aufgenommen und unter starken Ausfällen gegen Holland fortzesührt, obwohl sich das Land nur wenig für den Gegenstand interessiert. Eine Zusammenstellung dcS Comits Central Jndustriel be- ziffert die belgischen Kriegsschäden auf 35 Milliarde» Frank. Das Schicksal Schleswigs. Kopenhagen, 39. Juni. Der neue Minister für Schleswig, der ehemalige deutsche Reichstagsabgeordnele Hansen, schreibt in seinem Organ„Heimdai" in Apenrade über seine Aufgaben unier anderem: Sollten sich die letzten Nachrichten aus Paris bestöligen, dann kann die Ratifizierung des FriedenSverlrageS Ends Juli er- wartet werden. Spätestens 31 Tage nach der Ralifizierung wird die Abstimmung in der e r st e n Z o n e von Schleswig vor- genommen werden. Wenn alles gut geht, ist es nicht ausgeschlossen, daß die Frist noch etwas abgekürzt wird. Sobald das Ab« stjmmungsergcbnis veröffentlicht ist, hat Dänemark bekanntlich daS Recht, Schleswig mit seinen Militär- und Zivilbehörden zu besetzen. Unter den Aufgaben, die in Schleswig zu lösen find, stehl in erster Reihe die Regelung der Valutafrage, die dem dänischen Siaat Millionen kosten wird, von der aber die Existenz vieler Nord- jchleswiger abhängig ist. Viele bestehende Gesetze müssen sofort außer Kraft gesetzt werden._ �eimtransport deutscher Kriegsgefangener. Entlassungen nach dem linksrheinischen Gebiet. Nach Mitteilung auS dein besetzten Gebiet sollen in französischer Hand befindliche, aus dem Saargebiet stammende deuische Kriegsgefangene ohne Mitwirkung der deutschen Be- Hörden bereits in die Heimat entlassen worden sein. Wie die P. P. N. dazu an zuständiger Stelle erfahren, werde die fran-ösische Kommission in Spa daraufhin am 27. Juni um die Bestätigung der deutschen Auffassung gebelen. daß es sich hierbei nur um Einzelfälle handelt, daß aber, wenn demnächst die große Masie der Kriegsgefangenen zurückkehrt, die in französischen Be- satznngsgebiet Beheimateten zunächst dem S a in m e l l a g e r Mainz zugeführr werden, damit ihre ordnungsmäßige Entlassung durch die zuständigen deutschen Bebörden erfolgen kann, da nur durch diese eine gesetzmäßige Regelung der Ansprüche der Ge- fangenen(Löbnungszahlung, Feststellung von Rentenansprüchen, Ausgabe des EntlaffuiigsanzugS usw.) gewährleistet wird. Der Prozeß gegen die Mörder v. Klübers. Am Montag wurde in dem Prozeß gegen die Mörder des Oberstleutnants v. Klüber die B e w e i S a u f a b m e geschlossen. Die Sachverständigen begutachteten, daß die Angeklagten für ihre Handlungen durchaus verantwortlich seien. Auch der Hauptbelastete Bauer, der durch allerlei Täuschungsversuche über seinen köiperlichen und geistigen Zustand seine Zurechnungsfähig- keit in Zweifel stellen lassen wollte, wurde don den Sachver« ständigen für sein Tun voll verantwortlich gemacht. Der Anatom,�. Geheimrat Prof. Behnecke, hat über den Leiifien�iiinb fein Gutachten abgegeben. Danach hat Oberstleulnanl Klüber zwei Schußverletzungen erhalten, während er fortschwamm; der dritte und letzte tödliche Schuß ist auf ihn abgezeben worden, als er ans User herangekrochen war und wieder ins Wasser zurück« gestoßen wurde. Heute Dienstag beginnen die Plädoyers des Staatsanwalts und der Verteidiger. Das Urteil wird am .Mittwoch nachmittag gesprochen werden. Man hat mich oft gefragt, was mir die Feder in die Hand gedrückt und mich zum Dichten getrieben hat. Ja, wer kann sehen, was unter der Erde vorgeht, wo der Baum seine Wurzeln hat? Nur so viel weiß ich, daß die Sonne des Südens mich über- wältigte— mich, der immer frierend auf der Schattenseite ge- sessen hatte, ohne deshalb besonders bitter zu werden— und daß ich sehr litt bei dem Gedanken an alle die, die daheim in Kälte und Finsternis saßen und froren. Ich kannte ja ihr hartes Schick- sal nur allzu genau und begann, es in mehreren Erzählungen dichterisch auszugestalten. Aber der Stoff war neu und schwer, vom Leben und von den Menschen wußte ich bedeutend mehr als von der Literatur; und ich mußte mir selber eine Form erkämp- fen. Es dauerte daher einige Jahr�, bis ich mit diesen Erzählun- gen in Ordnung kam und mein erstes Buch veröffentlichen konnte („Schatten", 1898). In den folgenden Jahren schrieb ich dann eine ganze Reihe von Büchern, die hauptsächlich das triste Dasein des niederen Volkes behandeln, und bei deren Niederschrift ich unsäglich zu leiden hatte. A ber diese Arbeit mußte getan wer- den; es ist notwendig, daß einer der Gesellschaft auch die unbarm- herzigen Wahrheiten sogt; und wer ist geeigneter dazu als der, der das Elend bis auf den Grund kennen gelernt hat? Notizen. — Beethovens Neunte wurde am 15. Juni in Mai- land vor einer ungeheuren Zuhörermenge, die zum größten Teil aus Arbeiteru bestand, ausgeführt. Mit stürmischer, langandauern- der Ovation endete der Abend. Tritt daS Werk jetzt eine Welt- Wanderung an, um mitzuhelfen, die Völker über Haß und Zer- rissenheir hinauszuführen zur Versöhnung? Es hat zu seinem Teil die Macht, und den Beruf zu solchem Wirken empfing es in der Stunde seiner Geburl.„Seid umschlungen. Millionen!" — Borträge. In der Gesellschaft für Erdkunde wird am 5. Juli 1919, 7 Uhr abends, im MListersaal, Kölhener Str. 33, Prof. Jäger, der Erforscher der Riesenkrater Deutsch-Ostafrikas, einen Vortrag über fünf Kriegs« und Forschungsjahre in Deutsch- S ü d w e st a f r i k a hallen. — Karl Brugmann, der international anerkannte Führer der indogermanischen Sprachforschung, der seit dreißig Jahren an der Leipziger Universität lehne, ist, 71 Jabre alt, gestorben. — I n Duodezien. Im Düsseldorfer Schauspielhaus wurde ein neuer Schwank von Herberl Eulenberg uraufgeiübrt, ein vergnügliches Ironie- und Satyrspiel, dessen Inhalt der Tirel an- deutet:„Kleinselige Zeiten oder In Duodezien". Es beginnt be- haglich und endet grobkörnig. ES gab bei der Aufführung zum Schluß ein lautes Hallo im Publikum. — Eine Million s ü r einen Pelz. Während des Krieges haben bekanntlich auch Pelze eine ungeheuere Preis- steigerung erfahren. Ganze Vermögen sind in kostbaren Pelzen angelegt worden. Londoner Blätter weisen darauf hin. daß eS gegenwärtig zwei Damen der Aristokratie in London gibt, die Pelz- mäntel im Preise von 59 909 Pfund st Million Mark bei Friedens. kurs) und 39 999 Pfund tragen. Ra» den Mitteilungen eine« großen Londoner PelzhändlerS waren Preise von 69 990 M. für Pelze während der letzten Winletsaison nichts Ungewöhnliches. Nr. 330 ❖ 3b. Fahrgang öes vorwärts Dienstag, 1. Füll 1910 10. öeutsther Gswerkfchasts- kongreß. Tie Gefchäftsordnungsdebatte. 8 a n g e- Dresden: Wir wollen die schon lange bestehenden Gegensätze zwischen den ArbeitSgemeinschafilern und den Befür- wortern des Rätesystems offcnlegeiu Wir bitten darum, uns auch im Bureau einige Sitze zu bewilligen. G i e b e l- Berlin: Die Opposition hat am Sonnabend eine ?!rt Vorkongreh abgehalten. Das ist ein unerhörter Fall in der Gewetkschafisbeweguiig. lLebhaileS Hört' bört! und Widerspruch.) Wir haben keine Veranlassung, Ihnen für Ihre besondere Tätigkeit die Steigbügel zu halten.(Beitall bei der Mehrheit.) S ch u m a ch e r-Berlin rechtfertigt da« Zusammentreten der Opposition am Sonnabend. Legien bittet aus Vorschlag des Vorsitzenden statt acht Schriftführer elf zu wählen und davon drei Sitze an die Opposition abzutreten. Der Kongreß beschließt so. Den Wünschen der Oppo- sition entsprechend, wird die Zahl der Mitglieder der Mandat» prüsungskommiision auf fünfzehn festgesetzt. Von der Reichs» regierung ist anwesend Reichsernährungsminister Schmidt. Miaisterpräsident Bauer hat sein Erscheinen für die nächsten Tage zugesagt. Zur Berichtigung der Präsenzliste stellt Legien fest, daß die als anwe'end aufgeführten Vertreter aus Schweden wegen verschiedener Umstände in letzter Stunde abgesagt haben. Ebenso telegraphiert Madsen-Kopenbagen: Wegen der unsicheren Verhältnisse in Deutsch- land komme ich nicht nach Teutschland/ Von dem Oesterrcichiichen GewerkichaftSbund ist noch Domes- Wien erschienen. Aro» Christiania bringt dem Kongretz in seiner Heiinatjprache die herzlichsten und freundschafilichsie» Grüße der Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften. Der Achr« stundentag ist in Norwegen in allen Tarisverträgen festgesetzt. Ebenso erhält jeder Arbeiter eine Woche Ferien unter Fortzahlung des Lohnes. sLcbh. Bravorufe.) Dieser Friede ist kein BcrständiguilgSfriedc. Er ist ein kapilalisiischer, imperialistischer Gewalt- frieden gegen den Sozialismus. Der Widerstand gegen ihn wird in der ganzen Welt wachsen und eines Tages wird er abgelöst werden durch einen Verständlgungsfrieden der Völker. <2e5b. Beifall.) K u l e r s- Amsterdam: Zu derselben Zeit sind die nieder- ländischen Gewerkschaften auf dem Kongreß der englischeu Gewerk- scha'tcn vertreten. Das zeigt die vermittelnde Stellung, welche die bolländiichen Gewerkschaften während der grausigen Mcnichen- Schlächterei eingenommen haben. Tic Nrbciler müssen sich wieder zusammenfinden. Die internationale Solidarität wird die vom Kapitalismus und Imperialismus errichteten Mauern ütcrsteigeu. Die ersten Zeichen der Verständigung sind vorhanden. Die neue Jnleruationale inuß stärker sein als die alte, und fähiger werden, die Jnlerenen der Arbeiter aller Länder zu wahren. sStürmischer Beifall.) Mit größter Freude können wir in Holland feststellen, daß unter den engltschen, französischen und italienischen Arbeitern eine starte Bewegung gegen den Geivaltfrieden entfesselt worden ist, der . angekündigt war als ein Rechtsfrieden. sStürmischer Bei'all.) Die holländische ArbeiterschaH hat in machtvollen Kundgebungen Stellung gegen den Gewallfrieden genommen, der den vierzehn Punkten Wilsons Hohn spricht. iErneuter stürmischer Beifall.) Neben all dem Schrecklichen bat der Krieg das Gute gezeitigt, daß die Macht und der Einfluß der Arbeiter- schaft bedeutend gestärkt ist. Den deutichen Arbeiter» ist es ge- lungen, aus Teutschland den demokratischsten Staat der Welt zu machen.(Stürmischer Beiiall.) Von stünmschem Beifall begrüßt ergreift G r e u li ch-Zürich das Wort. Er überbringt anstelle DürrS. der noch nicht einge» troffen ist, im Namen des schwcrzerischen Gewerkschaftsbundes die herzlichsten Vrüdcrgrüßc. Als wir vor öl Jahren hier in Nürnberg unter dem unvergeßlichen Wilhelm Liebknecht tagten, hattei: wir keine Ahnung, welche Schwierigkeiten noch'beseitigt werden müßten, um zur Sozialisierung zu kommen. Die Entwicklung hat jetzt eine Stufe erklommen, von der sie nicht wieder zurückgestoßen werden kann. Neues, Gewaltiges steht bevor. Die Jungen können sich nicht unl den alten Formen begnügen. Sie wollen ein schnelleres Tempo. Freunde, wir waren auch so in unterer Jugend. Ohne das Feuer der Jugend hätten wir nicht erreicht, was heule ist. Ich bin hierher gegangen, um ein guteS Wort einzulegen. Es wird nicht alles so kommen, wie die Stürmer es wollen, so gern zch es sehen würde. Die Macht der Verhältnisse ist stärker; aber eines sollten Sie nicht vergessen: Der große Kampf wird heute nicht ausgefochten, noch lange wird er dauern und die Geschlossenheit der Arbeiterschaft er- fordern. Es ist schauerlich, daß die Sozialisten Deutschlands in dieser Stunde gespalten sind. (Stürmischer Beifall.) Aber noch enisetzlitfier wäre es, wenn die Gewerkschaften gespalten wären,(Stürmischer Beifall.) Freunde, hört die Mahnung eines alten Pioniers der Arbeiterklasse, seid einig, gedenkt der Aufgaben, die noch vor uns liegen, daß die Ge- werlschaften nocki lange nölig sind, bis sie das Land des Sozia- lismus erobert haben.(Stürmischer langanhaliender Beiiall.) Inzwischen ist auch Dürr eingetroffen und begrüßt den Kongreß. G r ü n w a l d- Wien: Als Vertreter der Gewcrkschastskommission Oesterreichs bezeichnet er die Wiedervereinigung mit Deutschland als alten Traum der Arbeiterschait Oesterreichs. Die Entente wolle fast die Hälfte Deutsch-Oesterreichs— und vorwiegend sind das Arbeiter — entnationalisieren und unter fremde Herrschast stellen. Alle inneren und äußeren Feinde und Schwierigkeilen werden uns aber nicht abhalten, das Ziel der Vereinigung in abiehbarer Zeit zu verwirklichen.(Beifall.) Die österreichischen Gewerkschaften kommen auch nicht als Bettelleute, sie sind in der Feuerprobe des Krieges stark gewachsen und bilden nicht den schlechtesten Teil der deutschen Arbeiterklasse.(Beifall.) K a u f in a n n- Hamburg begrüßt den Kongreß im Namen der Konsumgenofienschasien, Leiche- Hainburg im Namen der Bolksfürsorge. Vors. Leipart dgnkl alle» Gästen, besonders den auSländi- scheu Genossen und bedauert, daß nicht auch schon französische und englische Arbeitervertreter zugegen sind, wie das früher der Fall war. Trotz aller Vorgänge während, des Krieges hielten die deutschen Geiverkichaften unerschütterlich an der uiternatioualen Arbeiter- Verbrüderung fest. Hoffentlich werde bald die Zeit kommen, wo sie sich wieder zusammenfinde. Die Notwendigkeit zwinge dazu. Auch in Deutschland sei der Kapitalismus noch nicht besiegt, und in den siegreichen Ländern werde der Kampf gegen den Kapitalismus die Arbeiter auf die Notwendigreit des Zusammenschlusses hinweisen. Zur Fcstscliung der Geschäftsordnung verlangt Richard M ü l l er- Berlin, daß abwechselnd ein Redner für und einer gegen die vom Berichterstatter vertretenen Anschauungen das Wort erhalte. Täuschen wir uns nicht über die bestehenden Talsachen hinweg. Wir sind uns n'cht einig. Die Ansichlcn gehen weit auseinander. Aber wir müssen uns durch die Aussprache näher kommen, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen. Vorsitzender Leipart: Auch die oppositionell gestimmten Ge� nossen müssen zu Morl kommen. Aber wir können nichr bei jedem Punkt einen scharken Strich ziehen, wer zur Opposition gehört und lver nicht. Damit bringen wir die einzelnen Genossen>n einen Sclbstkonflilt. Es wird genügen, wenn beim Rechenschaftsbericht ein Vertreter der Opposition dieselbe Redezeil erhält wie der Berichterstatter.— Der Antrag Müller wird hierauf abgelehnt. S ch u m a ch e r-Berlin: Erhebliche Teile des Berichts werden von uns nicht beanstandet werden. Wohl aber setzen uniere Einwendungen ein bei dem Abschnitt, der die Kriegspolirik der Ge- werkichaftcn betrifft und hierzu schlagen wir Dißmann-Frankfurt als Korreferenten vor. Zur Festsetzung der Tagesordnung liegen eine Reihe von An- trägen vor, das Räteshstem zu besprechen. Richard Müller verlangt, daß die beiden Punkte Arbeits- gemeinschaft und Betriebsräte zusammengelegt werden, da sie beide die lünflige Wirtschaitspolitik der Gewerkschaften betreffen. Das fei der wichtigste Punkt der Tagesordnung. Dabei sei auch die Politik des ReichswirtschaftsininisteriumS zu behandeln. Der Antrag Müller wird mit 290 gegen 235 Stimmen abge- lehnt. Dagegen wird beschlossen, auch zu den Punkten Arbeits- gemeinschaft und Betriebsarbeiterräte Korreferenten zu bestellen. Die Opposition verlangt Korreferenten auch zur Frage der Sozia- lisierung und der landwirtschaftlichen Siedelung. Dagegen wendet sich Giebel- Berlin. Schumacher- Berlin erklärt, daß gerade bei diesen Punkten sich die Geister noch mehr schieden als Lei den anderen. D iß m ann- Frankfurt a. M.: Die Frage der Sozialisierung steht im Mittelpunkt der revolutionären Bewegung. Dazu müssen Vertreter der Unabhängigen und der Äommunistiichen Partei das Wort erhalten.(Heftiger Widcrspruch: Wir sind hier leine Partei- Versammlung I) Es ist doch zwecklos, um die Sache herumzureden, jedermann weiß, daß die strittigen Fragen eng mit der Parter- angehörigkeit zusammenhängen. Auch Simon- Nürnberg tritt dafür ein, daß die drei Rich- tungen zu Wort kommen. Von der Opposition werden Dr. Rudolf Hilfferding und H e ck e rt- Chemnitz als Korreferenten vorgeschlagen. Borsitzender Leipart bittet schließlich, den Wünschen der Opposition Rechnung zu tragen; es liege vielleicht auch im Interesse des Kongresses.—• Dementsprechend soll verfahren werden. Bei beginnender Nachmittagssitzung verlas Vorsitzender Leipart folgendes BegrüßungStelegrarnm: Den Verhandlungen des Zehnten Kongresses der Gewerkschaften Deutschlands wünschen besten Etsolg. Tie Beichlüsie�deSKongresles werden nicht'nur für die Arbeitertlasse, sondern für das ganze deulsche Volk von weittragender Bedeutung sein. Die Gewerkschaften sind für die Erholung unserer Wirtschaft unentbehrlich. Die in den gewerkschaftlichen Organisationen gesammelten Erfahrungen dürfen nichl verloren gehen. Die im Wiilschaftskampfe geschulten� Krätte müssen in dieser schwersten Zeit des deutschen Kampfes die Führungen übernehmen, wenn weiteres Unheil veinueden werden soll. Mit GewerkschaftSgruß Ebert, Bauer, Schlicke, Wissell. �Stürmischer Beifall.) Vor Eintrilt in die Tagesordnung wird von der Opposition der Antrag gestellt, sich mit dem Noskeschcu Streikcrlaß zu beschäftigen. Schumacber-Berlinerklärt, daß dieResolution der Gewerkscha'ts» vorstände nicht die Antwort sei, die einem Noske gebühre.(Sehr richtig! und Unruhe). Die Opposition habe einen schärferen Antrag eingebracht— Vors. Leipart: Den Antrag können wir erst ver- handeln, wenn er gedruckt vorliegt.— Unter Widerspruch und Läxm lehnt der Kongreß den Antrag ab., Hierauf erstattet Legien de» Tätigkeitsbericht der Geiieralkommisfion. Die Tätigkeit der Generalkrminission darf nicht von politischen GesichlSvunktea auS beurteilt werden. Wenn wir von gewerkschatt- lichen Gesichtspunkten ausgehen und die Machlverhälimsse beiück- sichtigen, die für die Beschlüsse und Handlungen der General- kommissiog maßgebend waren, werden wir zu dem richtigen Urteil kommen, daß sie gemäß den iatsächllchen Umständen richtig gehandelt hat.(>L>ehr richtig I und Widerspruch.) Viele, die heute sagen, daß manche« hätte unterlassen und anderes getan werden 'müssen, haben früher die Energie vermissen lassen, die die General- kommission und die Vorstünde aufgewendet haben>(Beifall und Lärm.) Jene Leute, die Heine kritisieren, haben früher dutzendmal aufgefoideri werden müssen: laßt Euch nicht alles gefallen, leistet Widerstand. Heute redet ein großer Teil der Leute ganz anders— die Zeilen haben sich geändert, und die Leute, die Kritik übe», noch viel mehr. (Sehr wahr I) Bei Kriegsausbruch mußte die Generalkommission ihre Maßnahmen danach treffen� daß die Gewerkschaften vor dem Zusammenbruch geschützt wurden. Darüber hatte die Vor« stäudekonfcrenz am 2. August 1S14 zu beraten; denn man fürchtete, daß die Gewerkschaften bei Kriegsausbrulb ausgelöst würden. Nun wird das Märchen herausgetragen, daß die Konferenz den Zweck gehabt hätte, die Negierungspolitik zu unterstützen. Die Generalkommission hat während der ganzen fünf Kriegsjahre ihre Politik auf den Schutz der Ardeiterklasie eingestellt, auf weiter nichls. Wohl bat sie mit der Regierung verhandelt, aber sie hat kein Geietz durchgehen lassen, das der Arbeiterklasse schädlich war, ohne Protest zu erheben, und manches ist durch ihre Verhandlungen mit der bürgerlichen Regierung verhütet worden.(Sehr wahr!) So ist auch der Noskcscke Erlaß zu betrachten. So gut er unter Berücksichligung der wirtschast'tchen Lage Deutschlands gemeint war, so wenig konnten wir ihn durchgehen lassen als elwaS, was geeignet ist, die Arbeiterklasse zu schädigen. Was wir einer bürger- lichen Regierung gegenüber geradell hätten, können wir auch emer Regierung nicht durchgehen lassen, die größtenteils auS Sozialisten beslehi. Das soll durchaus kein Mißtrauensvotum gegen die Re' gierung sein. Wir sehen wohl ein. daß die R-gierung die Auf« gäbe hat, das äußerste Elend von Deutschland und der Arbeiter- klaffe fernzuhalten. Und das größte Elend müßte hereinbrechen, wenn Erleuchtung. Roman von Henri Barbuss». Verdeutscht von Max Hochdorf. 1. Kapitel: I ch. Alle Wochentage sind sich untereinander gleich; seit immer und ewig. Am Abend hört man siebön Uhr läuten. Erst sachte, und sofort setzt das mächtige Geräusch der großen Fabrik- glocke ein. Ich schließe das Geschäftsbuch, ich wische die Feder auS und lege sie an ihren gewöhnlichen Platz zurück. Hals- tuch und Hut lege ich an. Dann noch einen Blick in den Spiegel, der mir das regelmäßige Rund meines Gesichtes zeigt. Die Haare und den feinen Schnurrbart geglättet. Man sieht, daß ich mehr als ein gewöhnlicher Arbeiter bin. Ich lösche das Licht ans und verlasse das kleine Bureau, das rings von Fenstern umgeben ist. Ich gehe durch den Kesselsaal und dann stehe auch ich in dem dickten Schwärm, der noch über und über widerhallt von dein Glockenschlag, der die Erlösung gebracht hat. Aus dieser düsteren Menge, die zusammen- geballt ist. die sich die langen Flure rntlangschleppt und dann, einer Wolke gleich zur Treppe heranwälzt, rufen mir einige vorüberhaschende Stimmen zu:„Guten Abend Herr Simon" oder weniger vertraulich:„Guten Abend, Herr Paulin!" Ich antivorte hier und da und dann werde ich ganz und gar von all dem Menschengewoge fortgetragen. Draußen zieht sich vor dem' großen Fabriktor, das zur weiten, bleiern eingerahmten Ebene hiniveist, die Menge der rechtecklgen und dreieckigen Fabrikgebäude hin. Sie sind an- zusehen wie Ricsenstücke, die über eine Theaserbühne zerstreut sind. Ueber die Häuser reckt sich der Schornstein hinaus, der jetzt erloschen ist. Er wird nur noch bekrönt von dem Nacht- gewölke, das seine Last hcrniederschüttet. In Finsternis ge- hüllt bin auch ich, während ich dem schwerem Schwarme nach- geschleppt werde. Im Schatten und gelehnt an die Mauer, die gegenüber dem großen Fabriktore liegt, warten die Frauen. Wie ein Vorhang kleben sie an dem Steinwerk. Man sieht kaum ihre bleichen, eintönigen Gesichter. Dann erkennen sich die einzelnen in dem Menschenhaufen. Man beugt sich zueinander, nian ruft sich an. Schnell finden sich die Paare zusammen, die Augen folgen dem Gewirr der Arbeiter, das sich jetzt zur Flucht nach der lang gedehnten Gespensterstraße anschickt. Bald verschwimmt die schmächtige Menschenspur draußen in der Feldertrist. Ihr ist der Weg durch den Raum von den mageren Vaumreihen angewiesen, die russig, wie ausge- blasene Kerzenstöcke dastehen. Die Menschenspur folgt den Reihen der Telegraphenstangen und ihrem lang gedehnten Spinnenwerk, sie folgt dem Buschwerk oder den Lattenzäunen, die wieder einem ausgemergelten Buschwerk gleichen. Einige Häuser. Dort oben über der Vorstadt, die weit hingezogen daliegt, und zu der die schmutzbedeckte, jetzt von der Fabrik losgelöste Menschenmenge heraufklimmt, ist noch ein fahler und gelblicher Hintmelflecken sichtbar. Der Westwind schüttelt an den blauen, schwärzlichen und erdfarbigen Arbeiterblusen. Der Wind schüttelt diS Halstücher, die an diesen flattern. Er entführt aus all den Menschen einen beinahe tierischen Atemstrom. Er greift unsere unsicht- baren Gesichter an, die nachtwellenverwcbt unter dem Himmelsgewölbe einherwandeln. Hier und dort locken Wirtshäuser. Die Türen sind ge- schlössen, aber in den Auslagen und über den Eingangs- Pforten leuchtet es goldschimmernd auf. Zwischen den Kneipen recken sich die alten, niedrigen Häuser empor. Sie sind un- bewohnt und ausgehöhlt. Ändere Gebäude sind schon beinahe zerfallen, und sie schneiden �aus einem Himmelswinkel diese düstere Talbuchtung der Menschenwohnungen heraus. Ueber die beschotterte Chaussee stampfen die Füße, die in den eisenbewehrten Sckuhen stecken. Das klingt wie ein dumpfes Trommmelschlagen, das klingt später auf dem Stein- Pflaster wie ein Gerassel von Ketten. Ich selber wandere wohl mit gesenktem Haupte einher, aber ich höre keineswegs das Geräusch nkeiner Schritte. Derart ist mein Schritt mit dem Schritt und Tritt der übrigen vermischt. Man hastet und hastet heute, wie inlmcr und an allen übrigen Abenden. Dortcn in der tintensarbenen Landschaft sträubt sich ein großer verborgener Baum auf, wie wenn er eine Seele hätte. Plötzlich beginnt der Weg, der abwärts zum Tale geht. Der Fuß taucht zur Tiefe herab, und dort leuchten auch schon die Lichter von Viviers auf. Die Menschen, deren Tagesmühsal aufgebraucht ist, wandern diesen Sternen zu, die auf dem Erdboden funkeln. Hoffnung und Erschlaffung in der Lebensfron, das ist an allen Abenden die nämliche Last. Alle, die wir Menschen sind, sind Geschöpfe der gleichen Gattung. Auch ich. Und ich schreite nun meinem häuslichen. Lichte zu, wie alle die übrigen Menschen auch, ebenso wie an allen übrigen Abenden vorher. Derart steigen wir lange zu Tal. Dann hört die Neigung auf. Einem Strome gleich zieht sich die Haupt- straßc hin, und sie drängt, in die Breite ausstrahlend, nach dem Jnnem der Stadt. Zwischen depi Gezweige der alten Platanen, die hier und da zerstreut stehen, und die noch unbelaubt in dieser Märzdämmerung sind, nimmt man die in den Raum hineingereckten Arbeiterhäuser wahr. Sie ähneln nebelumbrodelten Schachbrettern, die von beleuchteten Fensterscheiben durchbrochen sind. Diese rechteckigen Licht- schluchten saugen dann unser Mcnschengewimmet auf. Die Menschen werden sich aber unter diesem Dämmersäulenweg der Bäume verlieren und dann eingraben und schichtweise einschaufeln in ihre Wohnhäuser und Räume. Die Menschen strömen an den Haustüren zusammen, sie schieben sich in die Häuser hinein. Dann wird alles weithin in Lichtcrblinken verwandelt. Ich setze in einen Weg mit einigen Kameraden fort. Sie sind Fabrikmeister und kleine Angestellte, denn mit den ge- wöhnlichen Arbeitern Verkehre ich nicht. Schließlich die .Fäuste geballt, und ich nehme in Einsamkeit meinen Weg. Noch hie und da ein Vorüberhuschen. DaS Knarren in den Schlüssellöchern und das Klappern in den Fensterläden noch hie und da. Die Häuser haben sich wieder geschlossen. Die nächtliche Stadt wird eine tiefer grabende Einöde. Auf Erden hörte ich nichts mehr als nur meinen eigenen Schritt. Viviers ist in zwei Stadtquartiere geteilt, wie viele andere Städte auch: Da liegt zuerst das reiche Stadtviertel und in ihm die Hauptstraße, in der sich das Grand Cafs, die Luxus- Hotels, die Häuser mit den bildnisreichen Wänden und die Kirche befinden. Schließlich auf demKögel dasHerrenschloß. Das andere Stadtviertel wird von dem niedrigen Ouartier gebildet, auf das ich jetzt zusteuere. Als Verlängerung der Hauptstraße zieht sich das Netz dieser Gassen hin. die von den Arbeiter- kascrnen umrahmt werden; die Hauptstraße läuft aber bis zum Fabrikplatze empor. Seit sechs Jahren bin ich nun bei Herrn Gottschalk in Arbeit, und jeden Morgen klimme ich die Straße hinan, und ich gehe sie wieder abwärts, sobald das Tageslicht erloschen ist. Noch bin ich fest mit meinem Stadtviertel ver- ankert, aber eines � Tages möchte ich Loch in dem andern leben. Diese beiden Hälften der Stadt sind durch eine Schranke und Grenze voneinander getrennt. Das ist immer so gewesen, immer wird das so jein. Worts, folgt.) fctc SSerMtSmilier sMe steh«« und' keine NnhrunHZmitiel mehr In die Großstädte kmntuen. Aber das Koalitionsrccht der Arbeiter und Angestellten darf auch von einer sozialistischen Regierung nicht angetastet werden. In der ersten Kriegszeit waren die Kreis«, welche die Landesverteidigung für die Sozialdemokratie ablehnten, sehr klein.(Sehr wahr!) Tic Landesverteidigung erschien damals als etwas Selbstverständliches. Tie Gcneralkom missi-on hat sich niemals mit der Frage der Landesverteidigung be schäftigt.(Rann?) Die führenden Gewerkschaftler standen allerdings ausnahmslos auf dem Boden der Landesderteidigung.(Zuruf: Jong- lieren mit Worten!) Das überlasse ich Ihnen. lGegenrns: Landesverräter!� Ich selbst habe immer ans dem Boden der Landesverteidigung gestanden, weil wir unsere Klassengenossen nich wehrlos den Gegnern preisgeben, sie nicht waffenlos gegen den Feind schicken und ihre Angehörigen nicht mittellos lassen wollten, haben wir die Kriegskredite bewilligt. Sollten wir zugeben, daß unser Land verwüstet wurde, daß es schutzlos dem Feind« preisgegeben wurde? Nur wer gewünscht, hat, daß Deutschland in die Lage kam, in der es sich jetzt befindet, daß unser Land ebenfalls verwüstet wurde, kann unsere Politik verurteilen. Gin großer Teil derjenigen, die heute schreie», daß die Generalkommisfion und die Gewerkschaftsführer dem Kapital dienten, hat durch seine politische Indifferenz den Kapitalismus gestärkt und die Gewerkschaften nicht aufkommen lassen.(Stürmischer Beifall und Lachen.) Weil wir die Gewerkschaften nicht in diesen Parteistreit hineinziehen lassen wollen, werden die Angriffe gegen uns erhoben.(Beifall und Protestrufe.) Die Maßregelung von GewerkschaftSangrstelltcn wegen politischer Gesinnung sei das tragischste Kapitel Per GeWerk schaftsgeschichte.(Lebhafte Zustimmung.) Früher erhob sich die ganze Arbeiterschaft gegen solche Matzregelungen und weite. Kreise des Bürgertums traten ihr bei. Jahrzehntelang habe die Arbeiter- schaft für die freie Meinungsäußerung gekämpft: jetzt müssen wir uns schämen, daß Zehntausende Mjtglirder der Organisationen zu- stimme», wenn Beamte entlassen werden wegen ihrer� politischen Gesinnung, Beamte, deren Lebensarbeit der Dienst für die Or- aanifation tvar.(Minutenlange stürmische Zustimmung.) Und das geschieht, nachdem die Revolution das Recht der freien Meinungsäußerung gesichert hat. Wenn brutale Unternehmer matzregelten, taten sie es wenigstens nicht in der Gesinnung: „Mach Platz, damit ich mich hinsetze!" Wenn die Mitglieder fragen, warum die Maßrogelungen erfolgen, wird mancher be- kennen müssen:„Ich werst es nicht, aber der Mann muh fort." (Sehr gut!)« Ueberall, wo die gewerkschaftliche Tätigkeit der Be- amkn nachgeprüft worden ist, hat man sie gebilligt.— Der Redner mahnt dann die Redakteure der Gewerkschastsblatter, das Gefühl der Verantwortlichkeit gegenüber der Gesamtheit hochzuhalten» und wendet sich dann gegen die Gegner der Generalkommission: man hat sie verurteilt, ohne sie zu hören. Viele Tadler haben dabei wahrscheinlich den Namen der Generalkommtlsion zum erstenmal gehört.(Sehr wahr!) Ankläger und Richter waren eine Person. Die Zahlstelle Berlin des Pketallarbeiterverbcmdes hat beschlossen, daß neben Ludeitdorsf und Genossen die� Mitglieder der General- kommisston schuld an Deutschlands Unglück seien.(Gelächter.— Zurufe: An den Galgen!) Sie hat der Generalkommilsion ihre tiefe Verachtung ausgesprochen und erwartet, daß der Kongreß die Schuldigen verurteilen werde. Bei dieser Methode der Beweis- führung kann man die Gencralkommission für alles verantwortlich machen, selbst für den Streik der Zimmerer beim Bau der Arche Noah.(Heiterkeit.) Umgekehrt liegen die Dinge: das gegen- wärtige Unglück Deutschlands ist hervorgerufen durch diejenigen, die die Einigkeit der Arbeiterklasse gesprengt haben.(Stürmischer Beifall und lärmender Widerspruch.) Dadurch ist der Widerstand der Arbeiterklasse gebrochen und der Gewaltfriede herbeigeführt worden. Jetzt kämpfen wir gegen den Versuch, diese Zersplitterung auch in die Gelverkschastcn hineinzutragen.(Stürnnschcr Beifall.) Wenn an der politischen Tendenz der Angriffe noch ein Zweifel bestand, so haben ihn die Sonderkonferenzen der Opposition be hoben. Sowohl in der Generalkonferenz wie in der Vorstände kvnferenz sind nicht alle Mitglieder der S. P. D„ aber wir haben uns stets ehrlich und offen mit den Klassengenossen auseinander- gesetzt und dabei den besten Weg für die Interessen der Arbeiter- klaffen gefunden.(Stürmischer Beifall.) Das soll jetzt anders werden. Die alte ehrliche deutsche Handlungsweise ist hier zum erstenmal durchbrochen worden.(Zuruf: Schieberl) Ja. Genossen, wenn nur einer von Euch das Ehrlichkeitsgefühl hätte wie ich, stünde es besser um die deutsche Arbeiterklasse.(Stürmischer Bei- fall.) Dieser Weg führt zur Trennung. Dagegen werden wir uns mit allen Mitteln wehren. Man wird nicht in Abrede stellen, daß die Generalkommission die Einheit im Interesse �unserer Ar beiterschaft aufrecht erhalten hat.(Andauernder Lärm.) Wae immer uns von der Opposition gesagt werden mag, das Bewußtsein werden Sie uns nicht nehmen, daß wir auch in den letzten fünf Jahren alles getan haben, was dem Interesse der Arbeiter- schaft dient.(Stürmischer anhaltender Beifall.) D i ß m a n n- Frankfurt a. M.: Die Kriegspolitik der Gene» ralkommission hat uns in die Opposition getrieben. Die Gene- ralkommission hat der Politik der Partei den Stempel aufgedrückt. Sie hat sieb mit Zähnen und Klauen festgeklammert an die Verderb- liche Politik der Scheidemann und Genossen. Die Politik, die ge- meinsame Sache mit den Kriegshetzern machte, ist miffchulöig an dem Unglück des deutschen Volkes.(Beifall links.) Wir ver- langen für unsere Ueberzeugung Achtung, aber nicht, daß wir in den offiziellen Organen heruntergerissen werden. Dann darf man sich über die Stimmung nicht wundern. Ob die Genossen heute noch Dankbarkeit empfinden werden für die Aufforderung der Generalkommission, Kriegsanleihe zu zeichnen, ist zweifelhaft. (Ruf:„Leipziger Volkszeitung"!) Wir haben es nur mit der Politik der Generalkommission zu tun._(Aha!-Rufe.) Die Kriegspolitik der Generalkommission gab erst der Regierung den Halt, an ihrem verbrecherischen Treiben bis zum Ende festzuhalten. Zur Parteispaltung hat die Generalkommission aktiv Stellung genom- men. Sie hat von Anfang an den scharftnacherischen Schleifstein gedreht. Die maßgebenden Genossen haben am schroffsten gegen diejenigen Stellung genommen, welche die Kriegspolitik nicht mehr mitmachen wollten. Legten hat den Antrag auf Ausschluß Lkeb- knechtS aus der Fraktion gestellt. Wenn Ihr noch glaubh heute numerisch auf dem Kongreß die Mehrheit zu haben, so wißt Ihr nicht, ob Ihr auch die Mehrheit der Mitglieder hinter Euch habt. (Gelächter und heftiger Widerspruch.) Die Kriegspolitik der Generalkommission hat ihre folgerichtige Fortsetzung auch nach der Revolution gefunden. Wir müssen eine andere Politik ver- langen nach der alten grundsätzlichen Auffassung, daß die Ge- werkschaften dem revolutionären Sozialismus als Instrument dienen sollen. Nicht die revolutionären Sozialisten, sondern die Versager am Sozialisums haben Schuld an der Parteizerklüi- hing. Zum Schluß verteidigt der Redner dann die Entlassung der GewerkfchastSbeamten. Es müsse in der freien Entschließung jeder Organisation liegen, welchen Beamten sie ihr Vertrauen schenken wollten. Ihr habt die Gewaltpolitik des Parteivorstan- des beim„Raub" der Parteizeitungen gebilligt. Das sind schöne Pharisäer, die heulen, wenn eS Ihnen an den Kragen geht, wo sie früher frohlockten.(Beifall utid heftiger Widerspruch.) Wenn Beamte eine Haltung einnehmen, von der die Mitglieder über- zeugt sind, daß sie gegen ihre Interessen verstoße, so haben sie sicher das Recht, sie zu entlassen. Wenn Sie heute der General- kommission ein Vertrauensvoruni erteilen, dann sagen wir rund heraus, daß wir den Männern der Generalkommission unser Ver- trauen nicht mehr schenken können. Wir können sie nicht mehr als unsere Mandatare anerkennen- Wir bedauern es, das sagen zu müssen; aber wir müssen es rund heraus erklären. Wir sind zu lange in der Gewerkschaft tätig, als daß wir uns dem Gedanken hingeben könnten, die Gewerkschaft zu zerreißen.(Widerspruch.) Nein, wir bleiben Gewerkschaftler und was wir wollen und durch- führen werden ist, es dahin zu bringen, daß an Stelle des alten verknöcherten, bureaukpattfKen Geistes der alte revolutionäre l Geist zurückkehrt. Das werden wir erreichen, aber nicht mit Ihnen, sondern mit der breiten Masse.(Stürmischer Beifall links.) Tarauf wurden die Verhandlungen auf Dienstag früh 9 Uhr vertagt._ GroßSerlm Zum Schulftreik. Pöbelei der„Freie» Jugend". Der Verein Arbeiter-Jugend Groß-Berlin hielt Montag für die HI. Pflichtfortbildungsscbule eine Schülerversammlung ab. Der Referent führte aus, daß ein Streik der FortbildungSsckiüler in der jetzigen Zeit zwecklos sei, da die Schulferien vor der Tür stehen, im übrigen ist dieser Streik, ohne daß Verhandlungen stattgefunden haben, von zirka 3009 Schülern beschlossen worden. Da in Groß-Berlin aber 70000 Fort- bildungsichuler in Frage kommen, kann der Streik nur nach Abstimmung in den einzelnen Schulen auf Grund vorhergehender Verhandlungen zur Durchführung gelangen. Während der Ans-- führungen kamen von der Fortbildungsschule in der Wrangelstraße eine größere Anzahl Schüler, die mitteilten, daß der Direktor die Anerkennung der Schülerräte verweigert. Nachdem von ein'gcn Rednern der„Freien Jugend" Wciteriührung des Streikes empfohlen war, was aber von Mitgliedern der Arbeiterjugend widerlegt wurde, ging die Versammlung aus Aufforderung einiger Mitglieder der Freien Jugend geschlossen zur Fortbildungsschule nach der Wrangel- straße, anscheinend um die noch im Unterricht befindlichen Schüler aus den Klassen herauszuholen. Die lslreikleitung des Vereins Arbeiterjugend, die vor diesem Zuge in der Fortbildungsschule eintraf, erreichte nach kurzen VerHand- lungen die Anerkennung der Schiilerräte. Als der Zug in die Schule eindrang, wurde den Schülern die Anerkennung der Schülerräte bekanntgegeben. Darauf gerieten einige Angehörige der„Freien Jugend" in tobende Erregung darüber, daß das, was sie in tagelangen Verhandlungen nicht erreicht hatten, von uns in wenigen Minuten erreicht war. Sie forderten ihre Mitglieder auf, gegen unsere Streikleitung tätlich vorzugehen. Dieser Auf- forderung gemäß wurde auch gehandelt. Unsere Mitglieder wurden, sowie sie auf der Straße anlangten, tätlich angegriffen, so daß sie sich mtt er den Schutz der RegierungStruppen in der Kaserne der Wrangelstraße stellen mußien. Dieses Beispiel zeigt zur Genüge, wie in der„Freien Jugend Ausklärungs- und BildungSarbeit geleistet wird. Nack! uns zu- gegangenen Mitteilungen sollen auch einige Verhaftungen vor- genommen worden sein. Wir würden es bedauern, wenn einigen irregeleiteten Jugendlichen hieraus ein gerichtliches Nachspiel entsteht. Auf Grund der Verhandlungen des Vereins Arbeiterjugend Groß-Berlin find in vielen Schulen die Schülerrätr anerkannt. Aus- weife stellt- das Streikbureau des Vereins Arbeiterjugend Groß- Berlin, W 9, Bellevuestr. 7 tH, aus. Räte-Vollversammlung heute Dienstag vormittags 9 Uhr, im Germania-Saal, Chauffecftr. 110. TageS- ordnung: 1. Die Berhastung der Mitglieder des VollzugsratS und die Haussuchung in seineu Bureauröumen. 2. Herstellung der Preß freihrit. 3. Erlaß des Reichswehrministers Noskr zum Eisenbahner- streik, i. Boykott der Freiwilligcnvcrbönde. Der Bollzugsrat: Fritz Brolat. Heinrich MaltzaHn. Sie meldet sich. Wir hatten nicht gesagt, welche Zeitung als verantwortungslose Hetzpresse anzusehen ist, die nie ein Wort gegen die Älteatote auf das Gemeinwohl, sondern nur gegen ihre Be- lämpfung findet und insgeheim ihre Freude an dampfenden Blut- strömen hat, an denen sie ihr Süpplein wärmt. Schon aber heult die„Freiheit" auf. Sie fühlt sich getroffen und sie beschimpft uns persönlich. Aber wer schimpft, hat unrecht, das»st eine alte Geschichte. Wo ist das Fett gedlieben? Die gemeine Gaunerei, daß den Konsumenten vom Rationsfleisch das Fett entzogen wird, geht munter weiter. Die Arbeiterfrauen freuten sich schon, als sie zu Pfingsten von dem fetten Hammelfleisch in den Kühlräumen des Viehhofes hörten, jetzt aber erhallen sie eS ganz seitlos. Wo bleibt da die Kontrolle des Magistrats und waS geschieht mit den Dieben? Neue Koksverteueruug. Bei Gelbstabholung ab Lager 7,79 M. Bei Lieferung srei Erdgeschoß oder Keller S,2S M. Lieferungen an das Kleingewerbe, sowie für Zentralhcrzmigs- und WarmwafserbereitnngS- anlagen, in Fuhren nicht unter 39 Zentnern. Gaskols, grob 7,b5 M. Gaskoks, gebrochen 7,65 M. Wcslsälischcr oder Lichlenberger- Schmclzkoks 8.20 M. Riederschlesischcr«chmelzkoks 7,80 M. Oberschtesischcr Schmelz» kolS 7,70 M. Alles frei Keller. Bisberige Ermäßigungen für Lieferungen frei Grundstück, ab Lagerstelle usw. bleiben unveiändert bestehen. Diese Erhöhung gilt für alle seit 16. Jmü ausgesührten Lieferungen. Zur Wohnungsnot werden wir ersucht, mitzuteilen, daß kinder- reiche Familien, die sich in Wohnungsschwieriglciten be- finden, sich bei dem Mietervereinsfunlrionär H. Kötschke, SW 47, Lichterfelder Str. 28 pari., melden mögen.• In die Ferienkolonie schickt der bekannte Verein seine Schutz- befohlenen am 2. und 3. Juli. Die ärztliche Untersuchung soll am 1. und 2. Juli stattfinden, da aber vielieichl bei den Verkehrs- schwierigkeiten nid» alle Eltern zur Untersuchung kommen können, so können die Kinder trotzdem am 2. und 3. fortreiien, und sollen sich, wie gewöhnlich, eine Stunde vor Abgang des Zuges auf dem Bahnhof einfinden. Ferienkarten im Vorortverkehr gelangen vom S. bis 28. Juli zur Ausgabe. Neuer D-Zug Bcrlin-Hildesheim(. Anzeigenteil. Sekretariat für militärische Aufklärung Lindeustr. 11t I. Juristische Sprechstunde heute 5l/a—6l/2- Die Einbrüche. Geldsckrankeinbrecher raubten in der Nacht zum Mittwoch aus der technischen Abteilung für Fernsprech- und Telcphongerät Am Treptower Park 2t 69999 M. Bargeld und für 266 909 M. Kriegsanleihe. Auf Ergreifung der Täter und Wieder- beschaffung der Beute Gcsamtbelohnung 2599 M.— Für 26 999 bis 39 999 M. Goldwarcn aus dem Geschäft von Pursche in der Cöpe- nickep Str. 119.— Für 7900 M. wollene Strümpfe, fertige und unfertige Damen- und Herrenhemden, Sckwesternschürzen, Näh- garn usw. aus der Zentralstelle der kirchlichen Nähvereine in der Hübenerstr. 6. Tod auf den Schienen. In der Nacht zum Montag warf sich ein unbekannter junger Mann vor einen einfahrenden Wannseezug, Der Tote war eiwa 27 Jahre alt, 1.66 Meier groß und schlank, hat schwarzes, gescheiteltes Haar, dunklen Schnurrbart, grau-schwarz karierten Jackellanzug und weißen Slohhut.- Fußball. Heute nachm. 6 Uhr aus dem Hertba-Spielplatz am Bahn- hos Gesundbrunnen Bcz.-Kdo. gegen Nachrichtentruppen. Friedrichshagcn. Der Turnverein Vorwärts eröffnet heute leine erste Schülcrabteklung. Turnen jede» Dienstag nachmittag von 5>/,— 7'/- Uhr in der Turnhalle des Gymnasiums. Außerdem jeden Sonn- tag vormittag Spiele für die Schüler. Schönebcrg. Die Stadtverordnetenversammlung sollte gestern eine Tagesordnung von 65 Punkten erledigen., Die Bericht- erstattung muß sich auf Wiedergabe einer Auswahl der Verhand» lungsgegenstände beschränken. Angenommen wurde ein Antrag der Neuen Fraktion, der Ausdehnung der Schulkinderspeisung aus bedürftige Lehrlinge forderte. Die geänderten Bestimmungen über die Leichenträgerlöhne und über die dementsprcchende Gebühren- erhebung wurden genehmigt. Dabei wurde ein Antrag der Sozial- demokraten aus Einführung einer einzigen BeerdtgungKlasse mit großer Mehrheit angenommen. Dem Magistratsantrag, den Be- amten usw. Ml ihrer Besoldungszülage von 1209 Ml lernen Kinder- zuschlag zu bewilligen, stimmte die Versammlung zn, desgleichen dem Magistratsantrag, den im Ruhestand lebenden Arbeitern und den Hinterbliebenen von Arbeitern eine Teuerungsbeihilfe zu zahlen. Auf Magistratsanlrag wurde die Besteuerung der Ver- anstaltungen auf �Rummelplätzen, in Kinos und auf Radrennbahnen um 60 Proz. erhöht. Bei einem Magistratsantrag auf Besteuerung der Spielklubs beantragten die Sozialdemokraten eine gemischte Deputation, die über Anpassung der Finanztvirtschaft Schönebergs an die neuen Reichs- und Landesstcuern beraten soll. Gegen die Spielklubsteucr erklärten sich die Unabhängigen, weil nicht die Stadt noch Gewinn aus dem Glücksspiel ziehen dürfe. Tie Be- steuerung wurde beschlossen, der Antrag aus Einsetzung der �e. mischten Deputation wurde angenommen. Zu längeren Debatten kam es bei mehreren dieser Berhandlungsgeaenstände. Sehr ein- gehend wurde dann über einen Antrag der Sozialdemokraten ver- handelt, der Wiederbcsetzung freier Lehrerstellen an Volks-, Mittel- nich höheren Schulen forderte. Unsere Redner rügten die Miß- stände, zu denen die bisheige Unterlassung dieser Selbstverständlich- kcit geführt hat. Der Antrag wurde angenommen. Eine erneute Schuldebatte gab es bei Arrrägen der Sozialdemokraie. die den Magistrat auffordern. Schritte zu tun zur Verlegung des Konfir- mandenunerrichts in die schulfteie Zeit und zur Verminderung der Religionsstunden in den Schulen. Dabei wurde die Frage„Reli- gionsunerricht oder Morallehre" ausgiebig erörtert, von den rechts- stehenden Fraktionen in erregtem Ton. Die bürgerliche Mehrheit aus Demokraten, Deutschnationalen usw. erledigte schließlich die Anträge durch Uebergang zur Tagesordnung. Adlershof. Aus der Gemeindevertretung. In den AmtsauSsckuß wurde an Stelle des ausgeschiedenen Schöffen Winter Schöffe Zabel (Soz.) gewählt. Sodann wurden eine Reihe von Notstandsarbeiten vergeben, wobei wieder hiesige Handwerksmeister berücksichtigt wurden. Da diese gehalten sind, möglichst Arbeitslose einzustellen, die am Orte wohnen, so ist auch ein erfreulicher Rückgang der Ziffer der Arbeitslosen zu bemerken. Die Gehaltsverhältnisse der Beamten, Lehrer und der Angestellten sollen zum 1. Oktober deS Jahres end- gültig geregelt werden. Dabei stellte sich die Gemeindevertretung einmütig auf den Standpunkt, daß die Beamten und Lehrer geholt- lich grundsätzlich mit denen in Berlin gleichzustellen sind. Die von der Gemeindeverrretung geschaffene neue OrtSiatzung für die Schuldeputation ist von der Regierung in Potsdam nicht bestätigt worden, weil die Geistlichen nicht in diese gewählt worden sind. Eine neue Satzung der Schul- deputation wurde angenommen. Die Vertretung nahm Kennrnis von den Neuanschaffungen für die Volksbücherei. Es sind eine Reihe sozialwissenschaftlicher Schriften sowie Romane, Novellen usw. aus der Neuzeit angeschafft worden. Es wurde beschloüen, bald eine neue Sitzung einzuberufen, welche sich vorzüglich mit der Lebens- mittelversorgung beschäftigen soll. Pankow. Die Gemcindevcrtretersitzung beschäftigte sich eingehend mit der Errichtung einer Einwohnerwehr. Während diese von bürgerlicher Seite mit dem eventuell notwendig werdenden Schutz gegen Plünderung und Bandendiebstahl begründet wurde, verrreten die beiden sozialistischen Richtungen den Standpunkt, daß in Pankow bisher Ruhe und Ordnung nicht gestört worden seien, vor allem deshalb, weil die Gründungen von Bürger- und sonstigen Schutzwebren, sowie die Heranziehung von Militär vermieden wurde. Das könne sich aber ändern, sobald versucht würde, hier eine Wandlung eintreten zu lassen. Auch seien derartige Wehr- gründungen nicht so harmlos zu bewerten, wie die Erkahrungen damit in anderen Gemeinden lehrten. Es wurde deshalb mit den Stimmen der beiden sozialistischen Gruppen gegen die Bürgerlichen die Errichtung einer Einwohnerwebr abgelehnt, ebenio von einem Antrag auf Verlegung von Reichswehrtruppen nach Pankow abgesehen. Ein Anirng der Demokraten, durch eine interfraktionelle Kommission den Versuch zur Bildung einer Wehr zu unternehmen, wurde der Finanzkommiision überwiesen. In der Debatte wurde wiederholt von sozialistischer Seite zum Ausdruck gebracht, baß die Sicherheit Pankows auch während der schwierigsten Tage im Januar und März durch die Orlspokizei mit Unrerstützung der beiden sozi- alistischen Richtungen gewährleistet worden sei und erforderliivenfallS werde von dieser Seite auch in Zukunft hierfür in ausreichender Weife Sorge getragpr werden. Hcrmsdorf. In der Gemeindevertretung sollte am Freitag die Beseitigung des Kommunalen Arbeiterrats durch die lürger- liche Mehrheit beschlossen werden. Die Handhabung der Geschäfts- ordnung gab Anlaß zu leibhasten Erörterungen und zu Mißfallene- äußerungen der sehr zahlreichen Zuhörer. Diese Knndgevnngen hielten sich in bescheidenen Grenzen, jedoch hob der Vorsitzende kurzerhand die Sitzung auf. Dem Arbeiterrat ist dadurch eine weitere Galgenfrist zuteil geworden, wenn nicht mittlerweile, was nach Lage der Dinge nicht ausgeschlossen ist, statt sorner der Auf- lösungsantrag in der Versammlung verschwindet. SiemenSstabt. Tie Wohnungsnot. Da die Wohnungsnot für die Angcstclllen des SiemenS-Konzerns sich besonders stark fühlbar macht, hat sich im Februar dieses Jahres ein Ortsausschuß Siemcnsstadt der Gagfah(Gemeinnützigen A.-G. für Angestellten» Heimstätten) gebildet, der alle für den Bezirk Siemensstadt inter- essterten Siedler zusammenfaßt und die Bestrebungen der„Gagfah" zu fördern übernommen hat. Wie groß das Wbhnungsbedürfnis in SicmenSstadt fein muß. beweist die außerordentlich hohe Zahl der dem hiesigen Ortsausschuß der„Gagfah" angehörenden Mit- glieder und Interessenten. In einer Versammlung des OrtSaus- 'chusses wurde mit Entschiedenheit gegen die V e rsch le p p u n gS- zolitik polemisiert, die dadurch entstanden ist, daß die zuständi- gen Ministerien ihre Stellungnahme dauernd wechseln und der ganzen Angelegenheit nicht das notwendige Verständnis entgegen- bringen. Am meisten Unzufriedenheit hat die Verteilung der Bau- kostenüberteuerungSzuschüsse durch den Wohnun>sberband Groß- Berlins hervorgerufen. Es wurde verlangt, daß in Zukunft die- jenizen Gemeinden resp. SiedlungSgcsellschaften, in denen die Wohnungsnot am größten ist, und in denen die sonstigen Vorbe- dingungen für die baldige Inangriffnahme der Bauten gegeben sind. \- Krost-Berliner Lebensmittel. Die Vollmilchkorteu für August für die Kinder im t. mrd• ScvenSsohre morgen Mittwoch und Donnerst«,,, für die Kinder im 3. und 4. Lebens. jabre am FrciKg und Sonnabend für die Kinder im 5. und 6. Lebens- jabre am Montag und Dienstag. Haushalwngen. den«, Karten für verschiedene Mtersüufen zustehe», sind sämtliche Karten an einem Tage auszuhändigen. Vorlenun« der Au«ustk«rtcn bis zum 16. Juli. Aus- anbe von Nährmittelbczuascheinen über je t Pfd. für am I. Juli 1917 und später geborene Kinder zusammen mit den Milchkarten. Berlin.>/. Psd Lluslandsmehl ab übermorgen Donnerstag(W 8). Anstelle des AuslandsmehIS kann bis zum 5. Juli inländisches bezogen werden(l? 8).— In den Brolkommilsioven 148-161, 175. 183—184, 199. 296, 217, 224, 231, 232, 234—235(1) ä) lr? Heringe.— Infolge von Stockungen in der Kar ioffel zufuhr wird die Gültigkeitsdauer der Ab- schnitte 87 s bis e der Berliner Kartoffeltarts und Ü der Berlwer Be- zugsknrte bis Sonntag, den 6. Luit, verlängert. Nvwawes. Zucker(66 und Zusatzlarte Juli). Abschnitt 68 und Zusaßkarte bis morgen gegen Bescheinigung abgeben. Mariendorf. Heut« Dienstag, nachmittag? 1— 3 Uhr. an Viebbalter Heringsmehl(Zentner 49 W3, getrocknete Speisereste, Knochenkrastsutter. phosphoriaurcr Fotterkalk, Bezahlung von 11—1.45, Zimmer 20721, Rat-. haus. Ausgabe 1— S nachm., Gymnasium. LebenSmlttellarte als Aus- weis vorzulegen.__ Groß-Serliner Parteinachrichten. Berlin. 12. Abtlg. 2. Juli, VI,, Schulaula. Wrangelftr. 134: Vortrag deS Gen. Bennewitz über:„Die politische Situation*. VorwärtSIeser willkommen. 38. Abtlg. 2. Juli, 7-/„ Zahlabend in folgenden Lokalen: Bellcvue- und Hansaviertel bei Fahnik, Spenerftr. 20.— Friedrich-Dilhclmstadt bei Schäfer, Hindersinstr. 1. Stralau. Morgen Mittwoch Wahloeremseersammlung bei Lollenbach. Bericht des Genoffen Wessel über de» Parteitag, Neukölln. Heute abend S Uhr Frauenversammlung m der Zlllla der Realschule, Boddinstraße. Lichtenberg. Marge» pllnltlich 7t/, Uhr bei Stöber, Jungstr. 29, Funltionärsitzung. Oberschöneweide. Heute?>/, Uhr, VerelnZhauZ, früher Koschlitzkt: Fraueuversammlung. Gen. Todenhagen spricht über:»Die Frau im Staat und m der Kommune". Zahlreicher Besuch erwünscht.; Bernau. Mitgliederversammlung 2. Juli abends 8 Uhr de! Rothwald, Kaiserslr. 82. Wichtige Tagesordnung. Potsdam. Wahlveinsversammlung Mittwoch abend 8 Uhr bei Becker in der Lindenstrage. U. a. Bericht vom Parteitag. Gerichtszeitung. Ein Mordversuch auf offener Straße fand vor dem Schwur- gericht seine Sühne. Der Expedient Mlhelm D e t t m a r wurde wegen einer Reihe schwerer Straftaten, wegen der er inzwischen zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, im Frühjahr steck- brieflich gesucht. Da der Polizei mitgeteilt worden war, daß D. ständig mit einer geladenen und entsicherten Pistole in der Jackett- tasche herumlaufe und geäußert habe, daß er jeden Beamten, der ihn verhaften tvolle, wie einen tollen Hund niederknallen werde, wurden die Kriminalbeamten Waaöke, Langenbeck, Böhm und Schulze mit seiner Verhaftung beauftragt. Als D. am 7. Mai mir seiner Geliebten durch die Barbarossastratze kam, traten die Beamten an ihn heran. Dettmar riß blitzschnell die Pistole hertnr und gab einen Schuß ab, der aber seine Geliebte niederstreckte. In der Ueberraschung hatte D., welcher im nächsten Augenblick überwältigt und gefesselt war, zu früh abgedrückt.— Da Dettmar selbst zugegeben hatte, die Absicht gehabt zu haben, den Kriminal- beamten zu erschießen, wurde Anklage wegen versuchten Mordes erhoben.— Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß wurde D. zu 3 Jahren Zuchthaus zusätzlich verurteilt. Der Putsch auf die Eisenbahndirektion am 6. Januar hatte gestern sein Nachspiel vor der Strafkammer. Aus eine von der Aufstandszentrale im Polizeipräsidium bzw. dem Marstallgebäude ergangene Weisung hatte am 6.Januar nachmittags ein großer Trupp bewaffneter Zivilisten das Direktionsgebäude so plötzlich besetzt, daß die Beamten völlig überrascht waren. Der Hauptzweck der Besetzung war ja, die telephonischen und telegraphischen Ver- bindungen der Direktion zu überwachen und die Beamten der Direktion«n der Herstellung solcher Verbindungen, die den Sparta- listen ungünstig sein konnten, zu hindern. Der Präsident Wulff vermochte nicht, die Besatzung zum Verlassen deS Gebäudes zu bewegen. Während er noch mit den Spartakisten verhandelte, kam es zu einem wüsten Geschieße. Die republikanisch« Soldatenwehr hatte da? Gebäude angegriffen, das nun gesäubert wurde. Fest- genommen wurden dabsi ö Angeklagte: Paul Vittcher, Paul Deitmer, Robert Katerbaum, Paul Kus, August Schwengel und auch der Pförtner des Gebäudes, Georg Richter. Letzter»« wurde vorgeworfen, daß«e den Eindring- lingen den Zutritt erleichtert und ihnen beroitwillig Auskunft über die örtlichen behauptete, nur Angeklagten wollen_ richtet gewesen sein, sondern nur dem ergangenen Befehle Folge geleistet haben. Das Gericht hielt Aufruhr nicht für vorliegend und erkannte bezüglich dieses Punkte? der Anklage auf Frei- sprechung. Wegen Bildung eines bewaffneten Haufens lautete das Urteil gegen KuS zugleich wegen Hausfriedensbruchs aus 10 Tage, gegen Bittcher, Deitmer, Katerbaum und Schwengel auf je 1 Woche Gefängnis. Richter wurde freigesprochen. iin/m* n v**, vt* Los« zu zu baden: Prenfi. Staate-Lotterie Beginn der neuen Lotterie am 15. Juli 1919 Canze« Halbes Viertel Achtel 42 21 rO,so 6,28 M. lotterle-EUinehraer. JNeumann, Berlin WJO, Maaßenslr. 20. WldOWW».«» SSH r n sHTTTmimmiiiiniiimTni m mnf fra 'i Trotz M e r b o t 200000 Auflage Achtung! 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Luisen-Theater. Bis Frtitag, T/j Uhr: Sie WMM ZLAe. �.WeMMWkem Sonntag A Uhr: EjajMllcli. FaniüicavalBP Theater am Kcitbuscr Tor Allabendlich 7 V* Uhr: Elite-Sänger Stettiner Sänger Seidel, Ruselli, Horst, Schubert usw. Humor. Spielplan iommerpreise! Bllithgen- Konzert. Kurfürsteuäainm 236 Direktion Siegbert Goldschmidt Vnw idcrru/llch letzte zwei Tage! Nocturno in 5 Akten jf ReSci5s6all.-Tlieatfir öaiii'plct b.bt vüljaitcu ; Sresbencr ' Victoris-Säng. 1.«. Wieder- tretcu der Stettiner ganger. Köniostad!-1 Theater | Alexandcrstrattc 21. 1. bis 15. Juli: Das Riesen* Syeziaütäteu- Prosramm. Dazu: Die Sensatians-Revue Die Republik in ätimmuns. Nach der Tnrfr Vorstellung fi Anfang 6V2 Uhr. Eins MM im tadenwEr Regie: Rudolf tfeinert 4 6 15 8 30 undbahnhol- iT4Tl5U. dk» q5y Z Cr. IM- Lpiehe'» Jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonmag: Verordnung. Auf Enind der Verordnung des RoichscrnäHrungsmmisters über Pferdefleisch und tbrsagwurst vom 22. Mai(3L®.®L S. 467) und der dazu ertaflenen Ausfiibrungsanweisung des Preußischen Lfaafskommissars>ilr Vollsernäliruna vom 5. Juni 11)19 wird mit gustimmung der Provinzialfleischstelle sür den Bezirk der Stadt Berlin folgendes verordnet: § 1. Sämtliche zur Herstellung und zum Verkauf von Erfatzwurst (Insbesondere Ziegen», Äannuhen-, Rennt icr-, Geflügel» und Wildwurst) seilhcr von der En'aßmitielstelle Groß-Beriin erteil- ten Eenedmigungen verlieren mit dem Ablauf des 30. Juni 1919 ihre Gültigkeit. z 2. Zur Verstellung von Erintzwurst im Sinne des Z ö der Verordnung vom 22. Mai 1919 wird vom I. Juli 1919 ab nur eine gewiffc Anzahl von Betrieben zugelassen, die noch bekannt- gegeben werden. Die Bestimmungen der Vnndesratsverordnung vom 7. März 191» über die Genehmigung von Erfaßmiileln, nach weichen zur Herstellung von Erwkwurjr auch die Genehmigung der Erfaß- mtttelstelle Droß-Berlin erforderlich ist, bleiben IN Geltung. 8 3. Der Verkauf von Ersaßwurst darf zu höherem als dem rtir Pferdeflcifchwurst fcstgcseßtsn Preise nur in vom Magistrat, Abteilung für Ziegen- und Kaninchenwurst, Neu» Friedrich- ftraße 9—10, bestimmten Vcrkauisstcllcn erfolgen. Die Zulassung zum Berkauf ist fchrifütch zu beantragen. Die vom Magistrat zugelassenen Kleinhändler haben im Schaufenster und im Verfaufsraum einen deuilich lesbaren Aushang mit der Auffchriit:„Behördlich zugelassener Vetkauf von Ziegen- und Kaninchenwurst" anzubringen. Auf diesem Aushang stnd auch die Verkaufspreise für die einzelnen Wurst- sorten anzubringen. § 4. Neben der Eirafc kann auf Einziehung der Gegenständ erkannt werden, auf die sich die straibare Handlung bezieht, ohne 1intersd>icd, ob sie dem Täter gehören oder nicht, fowcit sie nicht gemäß§ 6 der Verordnung vom 22. Mai 1919 für verfallen erklärt worden sind. zs. Diese Verordnung tritt mit dem 1. Juli 1919 in KrasL Berlin, den 20. Juni 1919. I.-Nr. 450 V. S. la. 19. Magistrat. Mermuth. Bekanntmachung. Gemäß fl 5 der Verordnung des Magistrafs Berlin über Lebeusmiiieikarten vom 1». Oitobcr 1910 wird für den Sc- mcindebcziri der Stadl Berlin destimmt: I. An! UhlchuUi W 8 Oer Einfuhe-Zufatzkarfe der Stadt Verlin entfallen A ElWß! RISlWUWS DchkMkül oder 250(B;m islöliSWes EelzeMW »ach Wahl des Bezugsberechtigten. 2. Der fUcinftanbelsoerkoufspceis beträgt für das auf Abschnitt IV» auszugebende ausländische Meizenn-ehl noch 1,10 für das Inländische Weizenmehl(9t prozentiges) 0.10 m. j- V, JJfuad. 3. Das ausländische Weizenmehl ist ohne Vor- nnmeldnng gegen Abgabe des ganzen Abschnüres V 8 bei bemfenigeu Kleinhändler zu beziehen, bei den, der Unrannrelde-lUbschuttl zu V 7 der Sit.fttkir-Jßusahkarle abgegeben ist. Mit der Ausgabe der Ware wird etwa am Donnerstag, den 3. Juli 1919 begonnen werden. Nicht abgeholte Ware, für die der zu 2 festgesetzte Preis bestehen bleibt, verfällt mit dem 20. Zuli 1919. Die für liluslando- WWW��W 21. Zuli an seinen Großhändler abzusWMen. 4. Das IntänCifche Weizenmehl kann gegen Abgabe des ganzen Abschnittes W S der Einfuhr-Zufatzkarte sofort in den dnrd: entsprechende Plakate kenntlich gemachken Klein- Handelsgeschäften entnommenen werden. Aach dem 5. Juli ISIS wird Inlätidisches Aehl auf Abschnitt V 8 nicht mehr ausgegeben. 5. Die mit dem Bertause de» Inlandsmehls neben dem Ansiondsmehl beanstragten Kleinhändler sind verpflichtet, die!ür das iuländicch« Mehl enlgeaengenommenen Ab- schnitte W 8 der«äninhr-Ausohtarle Im Beisein des Vnbliknms titil Blaustift zu durchstreichsu. Die für das inländische Mehl cntgegeuaenommcncn Abschnitte W 8 der Einfuhr- Zusatzkarte sind zusammen mil den Brolkorkeu- adichnillen 0!» Montag, den 7. Juli 1919 an die Brot- lotumissionen abzuführen. 6. Li» orimungsmästlge Ausgabe des Mehla in den Klelnhondelsgefchäflen wird kontrolliert. Hiustchtlich der Ausgabe des Mehl, bewendet es bei unserer Bcknnntmnchung vom 16. Mai 1019. Die Kleinhändler, die das reine ausländische Illehl elwu zuriickbehalkcn, vermischen oder vertaasclirn, oder aber Leslbejlände unbefugt verwenden, Huben nnnaätstchlUch die Schiietzvng des Betriebes zu g». «äriige». Im übrige» finden, sofern nicht andere Doefcheiftcn schiocrere Sleofen aussprechen, die Strufbeslimmuxgen des S 10 der Verordnung des Maglstruks verlin vom IS. Ottober IIIS Anweubnng. B er l in, den 28. Juni 1919. Magistrat. Abteilung für Nährmittel. Sorinrne� Anksne A Uh»'. v.'0ChentSl?s Ans�ne 6 l7hr. wwwwwww wrymnmDweniivwrTwwxxywirxrw? vy werww � Tgb. Nr. 4360 Nä. Izu BeHin-Gpune��id (Reniieß lies fiaiüliiirgep Reonklüli) I. Tag: Dienslag, den l. Juli, nacitoi. 3 Uhr iOeutscli.Stütenpreis 500001, Besonders günstige Ansiedlnng durch ältere Baugenossenschaft in südlichem und westlichem Vorort, direkt am Bahnhof, 30 Minuten von Berlin, Günstige Lage, kein Waidboden! Renlengulsversahren. geringe SupUal»- anlöge. 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Die große Zahl der Arbcitslofcn in Bremen macht es zudem für jeden Zu- ziehenden— einerlei ob Kopf- oder Handardeiter— aussichtslos, hier Arbeit zu finden. ISt/l* Wer dennoch hierher zieht, fetzt sich der Gefahr aus, weder Obdach noch Arbeit zu finden. Bremen, den'6. Inni 1919. As DöTMvZs- Mö SieMsMl. OrfskrankeDkasselüF öas MaürE?i6WBPliE zu Berlin' C 25, Hankestr.« Kekannwachilllg! V. Abänderung zur Saliunss der Orts- krankrnkasic jür daS Mau- rrrgewerbe zu Bcrltn vom 29. Äpril 1913. Beschluß der Ausschußsttzung vom 16. Mai 1919. Im§ 11 wird der letzte Absatz gestrichen. Der st 12 Abfatz 1, letzter Satz erhält folgend? Fassung: „Es kann mit Zustimmung des Kassenvorstandes in eine niedere Klaffe oder Lohn- - stufe übertreten." Im§30 Satz 1'allen die Worte „und Beiträge gezahlt" weg. Der§ 31 Absatz 2, Satz 1 erhält folgende Fassung: „Der Anspruch auk Kran- kenhilfe von 39 Wochen, sowie aufFautilienhilfe ent- steht jedoch erst nach einer Wartezeit vo» 3 Monaten nach beut Beitritt." Berlin, den 16. Mai 1919. Der Borsta»d der Ortskanlenlasse für das Maurergeworbe zii Berlin. gez. A. Vogel, gez. R. Freund, Vorsitzendem Schriftführer. Genehmigt. Eharlottendurg, 12. Juni 1919. ObcrvcrsichcrungSaAt Groß-Brriiu. ll..S.) gez von Gostlowsli. II. B. K. 200. 19. Zu 4048 Vers. A. K. 19. Abzüge f.nd im Kaflenlokal _ erhältlich. 2234b «•«cuuBraavaak»J 3 iLeder-l .1 Annalune forVorwetteii. Rennen zu Berlin«GrunewaId 1., 3., 5. Juli (Rennen des Hamburge;* Rennklub) BerlinsQrunewald. 6., 8. Juli Dortmund...... 6. Juli Trabrennen zu MünchensDaglfing.. 6. Juli Annahme von Vorv.'ctten für Berlin bei persönlich erteilten Aufträgen bis 3 Stunden vor dem ersten programmäßig angesetzten Rennen. Für auswärtige Plätze nur am Tage vor dem Rennen bis 6'/, Uhr abends: SphadowBtr. 8 parterre. Kurfürstcn- d»niin334. IlaycriacherPlatasO. King. Innsbrucker Str. 58, Oruiiienhargcr Stp. -JS— 40(an der Kriedrichstroße), Sjchlff- bsuereinntm 10(Kommission t.Trabrenn.) Potsdamer Str. 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Versammlung der Eisenbahn-Bertrauensleute. (S. P. D.) In«iner vom soAaldemokrcrtischen Werbeausschuh cinborufenen Versammlung«xr lAsenbahnvertrauensleuie der S. P. D. referierte Genosse Thurau über die Lage im Eisenbahaerstveik. Die Die- rfierunfl habe nichts getan, um die wirtschaftliche Lage der Eisen- bahner au heben. In der Verwaltung herrsche noch-derselbe alte reaktionäre Geist wie früher; es sei nichts für die Demokratisierung aetrm. Der Minister Oeser stütze das alte System. Der Erlast Noskes sei wohl aü verstehen, aber nicht au billigen. Der Streik sei von einaelnen, die gerade vor dem Kriege überhaupt nicht organisiert waren, in Saene gesetzt worden. Am Donnerstag sollten die Verhandlungen beginnen, während die Drahtzieher, die wohlweislich im Hintergrunde blieben, es verstanden haben, die Eisenbahner schon am Montag in den Streik au hetzen. Die Ver- Handlungen über den Abbau der Lebensmittelpreise waren schon vor dem Streik von unserere Seite angeregt worden. Der Abbau der Lebensmittelpreise sei au begrüsten. Durch unsere Einwirkung wurde ,der Noske-Erlast dann aurückgcaogen. Der Streik sei jetzt in politisches Fahrwasser hineingeraten, wie die Versammlung im Zirkus Busch deutlich bewiesen habe. Paul Hoffmann habe dort wich über die wirtschaftliche Lage referiert, sondern lediglich gegen die Regierung und die S. P. D. gehetzt. Wenn die Regierung ihre Zusage hält, so könnten wir den Parteigenossen nur empfehlen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Im Interesse-der Allgemeinheit darf der Verkehr nicht länger ruhen. In der Diskussion führt W u s ch i ck aus, dast es früher schwer war, die Eisenbahner au ocganffieren. Gerade die reaktionärsten Beamten seien setzt die radikalsten geworden. Die Regierung tue alles, um grosse Lebensmittelmengen hereinaubekommen. Es seien aber Bestrebungen im Gange, den ganzen Berkehr in Deutschland lahmzulegen, damit kein LebenSmitteltransport hereinkommen kann. Die Streikenden bemerken es rdcht, dast sie au politischen Zwecken mistbraucht werden. Als Sozialisten dürfen wir nicht nur für unsere eigene Tasche, sondern müssen wir auch aum Wohle-des ganzen Volles arbeiten. Die übrigen Diskussionsredner verlangten, daß an den Forderungen unbedingt festgehalten werde, doch müstte der Verkehr aufrechterhalten bleiben. Thurau spricht nochmals gegen den Streik. Er sei von keiner Organisation beschlossen worden, sondern sei lediglich wild vom Zaun gebrochen. Wir müstten uns deshalb entschieden gegen den Streit wenden. Alle übrigen Redner wenden sich gleichfalls gegen die wilden Streiks und sprechen sich für die sofortige Aufnahme ixe Arbeit aus. Eine Resolution,-die sich gegen die wilden Streiks ausspricht und den Beamten und Ar- beilern empfiehlt, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen, an den wirtschaftlichen Forderungen aber festauhalten, wird angenommen. Ende des Beamtenstreiks. In einer Versammlung aller Betriebsräte und Vertrauens- wänner der Beamten des EisenvahndirektionSbczirkS Berlin, im Potsdamer Bahnhof, wurde nach eingehender Besprechung der Lage, nachdem der Streikerlast Noskes vorbehaltlos zurückgezogen worden ist, nachstehende Entschließung angenommen: Die versammelten Betriebsräte und Vertrauensleute nehmen mit Befriedigung davon Kenntnis, dast infolge Vorgehens der Gewerkschaften das Preußische Slaatsministerium den Streikerlast des Reichswehrministcrs Noske vorbehaltlos zurückgenommen Hai. Die Betriebsräte und Vertrauensleute werden Daher für die Wiederaufnahme des gesamten Betriebes auf den Dienststellen Sorge trage«. Sie erwarten jedoch, dast die vom Deutschen Beamten- bunde zurzeit geführten Verhandlungen wegen Zahlung einer Beschaffungszulage schnellstens beendet werden, damit die Beamten baldmöglichst in den Besitz der Mittel kommen, die— sta'ff reduzierten Haushaltungsbestände zu ergänzen. Sollten diese Ver- Handlungen scheitern, würde sich die Beamtenschaft vor neuen Tat- fachen gestellt sehen, die neue Beschlüsse erforderten. Ein Eisenbahnerbrief. Ein langjähriger Parteigenosse, der Eisenbahner . ist, bittet uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: In dieser fürchterlich traurigen Zeit, die jetzt daS deutsche Volk durchleben mutz, sind durch den Streik der Eisenbahner neue Schwierigkeiten entstanden. Innerlich widerstrebend, leider schwankend, nur durck ungeheuere Beeinfluffung und Terror,- sierung seitens kurzsichtiger und gewissenloser Demagogen ist die Mehrzahl der Eisenbahner in den Streit getrieben worden. Mit welchen ungeheuerlichen Lügen, besonders auch gegen altbewährte Führer, immer wieder die Kollegen beeinflußt werden, ist im höchsten Maße widerlich. Nicht eher wird in diesem dem Volkswohle wichtigsten Betriebe Ruhe einkehren, ehe diese neuen„Führer', die häufig im Betriebe fast nichts leisten, sondern nur Agitation treiben, die Kollegen belügen und aufhetzen, zur Raison gebracht find. Wieder und immer wieder fragt sich ein ansehnlicher überlegter und besonnener Teil der Arbeiterschaft, ob cS denn der Regierung, die doch sinn einmal durch die übergroße Mehrheit des Volkes zum Regieren bestimmt ist, nicht möglich ist, den arbeitsfteudigen Teil der Arbeiterschaft von dieser unerträg- lichen Plage und ständigen Bedrohung zu befteien. Wäre es denn jetzt nicht möglich, die Eisenbahner aufzuklären? Könnten denn nicht gleichzeitig die leider so überaus zahlreichen Arbeitslosen ausgefordert werden, sich zur Beschäftigung'bei der Eisen bahnverwaltnng zu melden? Es würden dann bei entsprechender Aufforderung sicher alle diejenigen den Mut haben, die Arbeit wieder auszunehmen, die am- Eisenbahnbetrieb ein Interesse haben. Ich bin überzeugt, dast durch einen solchen Austausch der Eisenbahnbetrieb wieder zu seiner alten Leistungs- fähigkeit zurückkehren würde und dast dann die Arbeiterschaft von den Freiheiten und Rechten, für die die Besten immer gekämpft haben, und die natürlich nicht angetastet werden dürfen, die aber durch die jetzigen mastgebenden Elemente verraten und in Mist- krcdit gebracht werden, einen würdigen und nützlichen Gebrauch für sich und das ganze Volk machen wird. * Massenkundgebung der Bankangestellten. In der übevaus stark besuchten Versammlung der Bankange» stellten in den Germaniasälen macht Scholz die mit gröstter Eni- rüstung aufgenommene Mitteilung, dast Emouts gegen 3 Uhr auf dem Verbands-Lureau von Kriminalbeamten verhastet worden ist. Scholz protestiert unter starkem Beifall auf das entschiedenste gegen diese Provokation der Bankbeamtenschast. Teich mann referiert über dos Thema:„Vor der Enffcheidung." Die Entrüstung habe bewiesen, dast die Angestellten unbedingt folgen werden; er warne aber vor übereilten-schrittsn. Man soll erst abwarten, welchen Erfolg die Schritte haben werden. Bei den Tarifverhandlungen- erfolgt Punkt für Punkt der Schiedsspruch. Die Angestelltenschaft steht daher einem solchen Schiedsspruch mitztrauisch gegenüber. D,e Arbeitgeber versuchen«ine Klassifizierung der Angestelltenschaft herbeizuführen, die wir ablehnen müssen. Aus dem Reiche liegen zahlreiche Kundgebungen vor, mit den Berliner Bankangestellten Hand in Hand eine Aktion zu unternehmen. Die Einwendungen der Unternehmer können uns von unseren berechtigten Forde- rungen nicht abbringen. Auch ohne Führer werden wir unsere Interessen vertreten und werden nicht in ein tatenloses Nichts zurücksinken. S t e f f o-n s bringt einen Antrag sin, der besagt, sofort in den Streik zu treten, wenn EmontS nicht sofort freigelassen wipd, Es wird die Freilassung Emonts b-is 12 Uhr mittags gqurocrt. Die nachstehende Resolution wird mit dem Antrag Steffens einstimmig angenommen: „Die versammelte Bankairgcstelltenschaft Grost-Berlins hat mit gröstter Entrüstung die Nachricht von der unbegreiflichen Ver- Haftung ihres Führers Karl Emonts zur Kenntnis genommen. An- scheinend liegt hier ein Versuch von interessierter Seite vor, die Angestelltenschast in ihren rein wirtschaftlichen Bestrebungen durch die Verhaftung ihres bewährten Führers lahm zu legen. War schon die Verzögerung der Verhandlungen eine Provo- kation der Angestelltenschaft, so trifft dies um so mehr bei dieser neuesten Mastnahme der in Frage kommenden Behörden zu. Aus diese fällt auch die volle Verantwortung zurück, wenn die Auge- stelltenschaft in unbedingter Treue zu ihrem Führer sich zu Mast- nahmen gezwungen sehen sollte, die eine erneute Schädigung des gesamten Wirtschaftslebens im Gefolge haben mühten. Die Versammlung fordert deshalb die unverzügliche Freilassung ihres Führers Karl Emonts." Die Versammlung war so stark besucht, dast im Weißen Saal eine Parallelversammlung mit demselben Ergebnis abgehalten wurde. jfc « Die Verhaftung des Kommunisten Hcrfurch. Dcc Kommunistenführer Herftrrth ist verhaftet worden. ES liegt nach den„P. P. N." seit längerer Zeit ein Schutzhaftbe- fehl gegen ihn vor. Die Verhaftung fand in einer Verfammlung der K. P. in den Germaniasälen statt. Die Staffelung üer Erbschaftssteuer. Die Ausgestaltung der Steuersätze der kürzlich veröffent- lichten Erbanfallsteuer zeigt genau wie frühere Entwürfe über direkte Stenern die Unwilligkeit öder Unfähigkeit der Behör- den, die sozialistisch anerkannte Forderung der Progression durchzuführen, d. h. des Grundsatzes, daß Steuersätze sich stetig im Verhältnis mit ansteigenden steuerpflichtigen Beträgen steigern müssen. Statt dessen findet man eine Steigerung bis zu mittleren Beträgen, dann hört die Progression auf oder wird unmerklich. Die neue Erbanfallsteuer sieht(für Abkömmlinge). Sätze vor, die von 4 Proz. bei 20 000 M. Erbansall sich auf 12,932 Prozent bei 1 Million Erbanfall erhöhen; bei 4 Millionen steigen sie dann allerdings auf 18,1 Proz., aber darüber hinaus ist die Zunahme kaum fühlbar, da ja 20 Proz. der unbe- dingte H ö ch st s a tz ist. Noch kindlicher ist die Gestaltung der Z u s ch I ä g e zu diesen Erbanfallsteuersätzen, welche je nach Größe des Ver- inögens des Erbenden— ein an sich durchaus zu begrüßender und durchaus sozial gedachter Grundsatz— vorgesehen sind. Hier beginnt die Progression bei Vermögen(des Erben) von über 100 000 M.(mit 10 Proz.) und steigt(auf 50 Proz.) bei Vermögen von über 1 Million, dann aber ist Schluß, gleich- gültig, ob der Erbe 1 Million und 1 M. besitzt, oder Multi- lnillionär oder gar Milliardär ist. Erbt z. B. ein einfacher Millionär 4 Millionen von seinem Vater, so beträgt die Steuer zirka 28 Proz., erbt aber ein hundertfacher Millionär wiederum Hunderte von Millionen von seinen; Vater— reiche Leute haben oft oder meist reiche Eltern—, dann ist der Steuersatz 30 Proz. d. h. ganze 2 Proz. mehr! Wie ans diese Weise die Riesenvermögen auf steuerlichem Wege in ihrem selbsttätigen Wachstum beschränkt werden sollen oder können, die sich auch bei uns in Deutschland gebil- det und deren Ansammlung durch den Krieg-begünstigt-wurde, ist unerfindlich. Wir Sozialdemokraten fordern aber diesen Abbau und vertrauen darauf, daß unsere Genossen in der Na- tionalversammlung die sozialdemokratische Forderung der folgerichtigen Durchführung der Progression-durchsetzen wer- den, die für Riesenerbschaften die völlige Einziehung erheischt. Gegen öen Vertrieb von Waffen. Berli«, 30. Juni.(Amtlich.) Der Reichswehr mini st er gibt bekannt: Besondere Vorkommnisse veranlassen mich, im Einverständnis mit dem preußischen Handelsministerium, auf Grund des§ 9 d des Gesetzes über den Belagerungszustand allen in den unter Belage- rungSzustand stehenden Gebieten gelegenen Waffen- und Munitionsfabriken, sowie Zwischenhändlern und Berkaufs stellen jeglichen Verkauf von Waffen, Munition und Sprengmitteln zu untersagen. Zu- widerHandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre be- straft, falls die bestehenden Gesetze keine höhere Strafe androhen. Ausnahmen unterliegen meiner besonderen Genehmigung. Ich mache die Polizeibehörden für die lleberwachung und Durchführung des Verbots verantwortlich und weise insbesondere auf scharfe Kontrolle der Verkehrsmittel hin. Der Oberbefehlshaber. _ gez. Noske. Ein anüer Ding! In einem Artikel über die nunmehr beschlossene Kom- munalisicrung der Straßenbahn lesen wir: „Ein WehmutStropfen fällt in den Freudenbecher. Daß aus- gerechnet in dieser Situation die Straßenbahner in einen Streik treten wollen. Für die Kommunalisierung wird dieser Schritt nicht bahnbrechend wirken. Nach dem Beschlüsse soll die Bahn vom 1. Januar 1920 auf Rechnung der Stadt betrieben werde», und es ist eine unerfreuliche Erscheinung, daß die Straßenbahner mit ihrer Direktion nicht ins Reine gekommmen sind. Wenck heute der Zweckverband die Verpflichtungen übernehmen soll, die die Sraßenbahner fordern, so müßte er sofort mit einer Tariferhöhung seine Arbeiten beginnen. Dies bedeutete aber die schlimmste Diskreditierung der Kom- munalisierung. Und das wollen auch die bürger- lichen Mitglieder des ZweckverbandcS, die dem Publikum zeigen wollen, daß er mebr zahlen muß, wenn die Gemeinden Betriebe in die öffentliche Hand nehmen. Weißt du. wer das schrieb, lieber Leser? Es ist dieselbe „Freiheit", die cS uns so übelnahm, daß wir Appell auf Appell an die Eisenbahner richteten, nicht zu streiken. Denn auch die Eisenbahn ist ja sin sozialisierter Betrieb, und doppelt, seit sie ohne Staatszuschüsse nicht mehr auskommt. Ist das nun wirklich ein neues Ding? Und wenn nicht: wozu denn die Aufregung?_ Die Abfiuduug rntlasscaer Unteroffiziere. Ein Vertreter des Reichsverbandes deutscher Unteroffiziere wurde vom Reichsfinanz mini st er empfangen. In der Unter« redung kam zum Ausdruck, daß das Kabinett für die Abfindung der Unteroffiziere, die infolge'Verminderung des Heeres zum Ausscheiden gezwungen sein werden, eintreten werde, und daß eine baldige gesetzliche Regelung der An- gelegenheit zu erwarten sei. KunAgebung öee U. S. p. Montag nachmittag hatte die U. S. P. 26 Versammlungen einberufen. Die Zahl der Teilnehmer dürste mehr als 50 009 betragen haben. H a a s e sprach in der„UnionSbrauerei", Hasenheide. Er sagte u. a., Noske müsse gehirnleidend sein. An Rädel werde ein schnöder Justizmord verübt. Vogel habe die zarte, schwache Rosa Luxemburg aus Mordgier bestialisch hingeschlachlel. Die Arbeiter sollten sich durch Spitzel nicht zu Unbesonnenheiten verleiten lassen. Die Unabhängigen haben keine Ursache, dieser Regierung den Todesstoß zu versetzen, sie haben Zeit zu warten. Sie werden im gegebenen Zeitpunkt eine reine revolutionäre Regierung errichten. Die Massen sollten bis dabin nicht ungeduldig werden und sich zügeln. Man werde dann die Diktatur des Proletariats errichten in Form einer klassenlosen Regierung. In Kliems Festsälen bestritt Adolf Hoffmann, daß Paul Hoff- mann im Zirkus Busch zum Verharren im Streik aufgesordert habe. Auch kein anderer unabhängiger Führer habe das ge- tan. Im Anschluß daran sprach er für das allgemeine Streiken. Die Polentransporte noch nicht beendet. Infolge des Streiks der Eisenbahn angestellten in der Gegend von Sagan und Glogau und des drohenden allgemeinen Generalstreiks der Eisenbahner kann die deutsche Regierung, wie den„P. P. N." von zuständiger Seite mitgeteilt wird, die Ver- antwortung für eine ungehinderte Durchführung der Polen- tranSporte zurzeit nicht übernehmen. Marschall Foch wurde daher gebeten, die von ihm für den 1. Juli angekündigten letzten �polnischen Truppentransporte so lange hinauszuschieben, bis in Deutschland die Ordnung wiederhergestellt ist, Neuerliche Beschießung Birnbaums durch die Polen. Wie den„P. P. N." von der Waffenstillstandskommission mit- geteilt wird, hat die deutsche Kommission in Spa am 29. Juni scharfen Protest gegen den neuen Waffenstillstandsbruch der Polen erhoben, die am 23. Juni wiederum ohne jeden Grund die Stat t Birnbaum mit schweren Geschützen beschossen. Die Alliierten werden gebeten, derartige Vorkommnisse abzustellen und die Bestrafung der Schuldigen zu veranlassen. Auch Völler rechts- widrige Handlungen der Polen in ihrer Kampfesweise werden immer ern-eu-t festgestellt. So wurden gelegentlich eines polnischen Patrouillenangriffs auf Zirke am 5. Juni bei zwei toten Polen der 7. Kompagnie des Schützen regim-ents Nr. 2 regelrechte Dum- Dum-Geschosse, vier abgefeilte Patronen, gefunden. Verurteilung von Putschisten. Wie WTB. meldet, hat das Standgericht beim Landgericht Aschaffenburg den Tagelöhner Wilhelm Jost, den Glasmacher S e u f e r t und den Sergeanten Scheuermann, sämtlich Mitglieder der U. S. P. wegen Bei- Hilfe zum Hochverrat zu je IVe Jahren Festung verurteilt, weil sie zu Beginn des Monats April in Lohr am Main mit M i I i t ä r g e w a l t die Räterepublik ausgerufen hatten. Ein vierter Angeklagter, der nicht erschienen war, hat sich nach Mißlingen deS Putsches, dessen Führer er war, der Regierung als Spitzel gegen die eigene Partei angeboten und für seine Dienste 700 Mark erhalten. 7. Generalversammlung öer Silühauer. Vom 23. bis 26. Juni tagte in W ü r z b u r g der 7. Verbands- tag des Zentralvereins der Bildhauer Deutschlands, der die Haup:- aufgäbe hatte, die Verschmelzung mit dem Deutschen Holzarbeiter- verband zu vollziehen In einer vorausgegangenen Urabstimmung wurde mit 1912 gegen 411 Stimmen der Uebertritt zum Holz- crrbeiterverband beschlossen. Die Generalversammlung hatte nur -noch den formellen Anschluß vorzunehmen. Zunächst erstattete Verbände-Vorsitzender D u p on t- Berlin den Rechenschaftsbericht. Er wieS in der Hauptsache auf den gedruckten Bericht hin und fügte nur hinzu, daß man nun die Zeit Bis zum Ue-bcrtr-i-tt zur fleißigen Agitation benutzen müsse, um wesentlich gestärkt die Verschmelzung zu vollziehen. Denn auch die Stärke sei maßgebend für die geeignete Interessenvertretung iin neuen Verbände. Ueber die MiigliedervÄvegnng.führte er aus, daß der Zentralvere-i-n 1906 5C00 Mitglieder gezählt habe, diese Zahl i-m Kriege bis auf 840 gesunken sei und jetzt wieder etwa 3299 betrage. Der Verban-d-skassicrer M i s b ach- Berlin erstattete den Kassenbericht. Der höchste Kassenbesrand betrug im Jahre 1914 162178 M. und am Ende deS 1. Quartals 1919 119 681 M. Gegenwärtig beträgt der Kassenbestand etwa 78 099 M. Bei-der Debatte über den Geschäftsbericht tou-rde «Wünscht, daß die iüchffgen und botvä-hrten Ä-räste des Verbandes bei der Vorschmelzung im Interesse der Äollegens-chapt mit über- nonunen werden müßten. Moniert wurde die Zeichnung von 10 090 M. Reichsanleihe. Auf die verschisdenen Einwürfe und Anstände wurde erwidert, daß in der Provinz erst mal höhere Löhne eingeführt werden müß- ten. Betreffs der Zeichnung wurde von feiten deS Vorstandes er- widert, daß man aus rein kaufmännischen und praktischen Erwä- gungen heraus gezeichnet habe, denn Gelder seien zu der Zeit nur mit 114 Proz. verzinst worden, währemd die Schatzanleihe 5 Proz. eingebracht habe. Wenn der Berband nicht gezeichnet hätte, so wäre dies indirekt durch die Bank geschehen und diese hätte-dann die höheren Zinsen eingesteckt. Bei dem 3. Punkt der TageS- ordnuiH sebte eine sehr lebhafte Aussprache ein. Von der Berliner und Düsseldorfer Opposition wurde ausgeführt, daß durch die Pro- klamierung des Burgfriedens und der Durchhaltepolitik die Gene- ralkommission und die GelverkschaftSvorstände den bisher-bekämpften Militarismus geschützt haben. Von der Gegenseite wurde er- wildert, daß äll-e Maßnahmen darauf gerichtet gewesen seien, uns dem Frieden näherzubringen und die Äriegsnöte zu mildern. Welck e r- Berlin von der Generalkommission WieS darauf hin, daß die Getuerkschaftsführer immer für alles verantwortlich gemacht werden. Auch wir verwerfen den Krieg. Wir sahen aber auch die Folgen, die ein v-erlorener Krieg mit sich bringen würde. und die jetzigen Kriegsbedingungen rechtfertigen die Koiegspolitik der Generalkommission. Vevbandsvorsitzender Dupont und Kassierer Misbach� erwiderten der Opposition, die Gewerkschaften seien nicht- die Stelle, wo hohe Politik getrieben werde. Ob für die Gewerkschaften eine Systenninderung nötig sei, werde aus dorn Gewerkschaftskongreß entschieden. Ein Düsseldorfer Antrag, der dem Vorstand sein Mißtrauen ausspricht und ihn für die Schrecken des Krieges verantwortlich macht und eine Neubesetzung wünscht, wird gegen eine Stimme abgelehnt. Die Verschmelzungssrage löste sehr lebhafte Debatten aus, die Verschmelzung wurde aber mit großer Mehrheit per 1. Oktober d. I. beschlossen. M i s b a ch- Berlin hielt ein instruktives Referat über daS Tarisvertragswesen, Arbeitsgemeinschaften und Bstriebsräte- hstem. Am Schlüsse der Verhandlungen wurden die Vorstandsmitglic- der Dupont und Misbach- Berlin und der Obmann des Ausschusses, Lüttich-Lcipzig. wi-odergeiväM. Außerdem wurde Dupont als De- legierter zum Gewertschaftskon-greß entsandt. GeweMWsbeuWung Auf dem Deutschen Architektentag, fiBsr dessen Vercilungen wir vor einigen Tagen bereits kurz be- richieien. wurde nach einer angeregten Aussprache über die Not- wcndigkcit einer Arbeitsgemeinschaft aller demichen Arcbiteklen einhellig eine Emschliegung gefnszt. in der es heiszi: In der Erkenntnis, das; der ganze Siaud zurzeit in seinen tiefsten Lebensbedingungen erschüttert ist und andererseits gerade der Architeklensiand seiner technischen und wirtscdastlichen Bedeutung entsprechend in erster Reihe an den kommenden Aufgaben mitzuwirken berufen ist, gründen die heute Versammelten den Deutschen Aichiickteniag als eine dauernde Einrichtung und beauftragen und bevollmächtigen ihn zur Führung und Vertretung der gesamten Archi'.eklenschaft. Durch ZusatzbeschluÄ wurde noch die Beteiligung der bestehenden Verbünde an dem ArbeitsauSschufz des Architeklentages geregelt. Die wirtschaftliche Rvt der unteren Postbeamten. In einer von über 3000 Teilnehmern besuchten Versammlung nahmen am Sonntag die untereir Post- und Telegraphcnbeamten zu der Frage Stellung, welche Hilfsmasgiahmen iür die notleidende untere Beamtenschaft zu ergreifen seien. In den AuS- führungen der Redner wurde eindringlich auf die wirtschaftliche Bedrängnis der nnlercn Postbeamten hingewiesen und der Erwartung Ausdruck gegeben, dag die Regierung schnell'hre Enlschliebung treffe. Die beabsichtigte Senkung der Lebensmittelpreise sei zwar zu bcgriigen, tonne jedoch als eine ausreichende Hilfe für die unteren Beamten, die durch den langjährigen Krieg in wirrschast- lichen Vcriall und in eine drückende Verschuldung geraten sind, nicht anerkannt werden. Die unleren Postbeamten müssen vielmehr aus ihren weiteren, dem Reichspostministerium bcknunlgegcbeneit Forderungen bestehen bleiben und erwalten, dag die zuständigen Instanzen hierzu schnell Stellung nehmen. Die Versammlung stellte sich auf den Boden einer in diesem Sinne gehaltenen Entschließung. Der Bezirks« und Berbandsvorsiand wird Beauftragt, in aller Kürze bei den maggebcnden Körperschasien auf eine sofortige Klar- stellung ihrer Stellung zu den gegenwärtigen Ungewissen Verhält- nissen zu dringen und alle Schritte zu tun. um die berechtigten Forderungen der unteren Beamten zur Durchführung zu bringen. Tarifbewegung im Photographcn-Gewerbe. Von der Organisationsleitung der Photographen, Filiale Ver- band der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe geht uns eine längere Darstellung zu, der wir das Folgende entnehmen; Während der Tarifabschluß der in den freien Gewerkschaften organisierten Gehilfen der Bromsilberindustrie mit dem Verband der Kunstdruckanstalten zeigt, daß die betreffenden Unternehmer ernstlich dabei find, mit ihren Arbeitern zum Nutzen des Berufes . tätig zu sein, beweisen die Geschehnisse in der PhotgraphenzwangS- inuung Berlin das Gegenteil. Der in ö Verhandtungen mit den Verbandsvertretern beratene Tarif wurde in der am 19. Juni 1919 stattgehabten Jnnungsversammlung abgelehnt. Gehässige Angriffe gegen die Gewerkschaften und deren Vertreter bildet;» die' Basis zur Ablehnung, die efn oder zwei Personen durch ge- schickte, indirekte Beeinflussung der anwesenden Prinzipale durch- zusetzen verstanden. Ob mit dieser Unversönlichkeit gegenüber den Gewerkschaften praktischer Nutzen für den Beruf verbunden sein soll?! Jedenfalls haben die einseitige Art der Aussührun- gen sowie das bevormundende Wesen der Prinzipale den Ge- lyilfendertretern bewiesen, daß es um die Arbeitsgemeinschaft im Porträtfach schlecht bestellt ist. Die zum Schluß der letzten Tarif- Verhandlungen seitens der Prinzipale gegebene Zusicherung, daß der Tarif der Prinzipalversammlung ohne jede Beeinflussung betr. Annahme oder Ablehnung vorgelegt werden sollte, hinderte gew'sse Prinzipale nicht, all ihre Erbitterung gegen das loszulassen, wliS mit ihrer eigenen Meinung kontrastierte und also unnütz und schädlich für die Gehilfenschaft wäre. Man will den Tarif nur mit dem Gehilfenausschutz der Innung abschließen— natürlich, denn die Gewerkschaften haben vielleicht eine längere Existenz- aussicht als die Innung, und der Tarif wäre mit der Innung zugleich aus der Welt geschafft! Laut Reichsverordnung über Tarifabschlüsse vom 93. Dezember 1918 Reichs-Gesetzblatt S. 1438, Absatz c kommt indes der Gehilfenausschuß als Tariskontrahent nicht in Frage. In gemeiner Weise bewarf man die Verbands- Vertreter mit Schmutz, weil sie in der Lohnforderung den Wün- schen der kleineren Betriebsinhaber biS'zu einer gewissen Grenze nachgegeben hatten. Die Unaufrichtigkeit und Unversöhnlichkect, mit der einzelne Personen der Arbeitgeber Stimmung für ihre eigenen Ideen und Auffassungen zu machen beliebten, wirken immer unangenehmer auf die Gehilfenkreise. Ueber die ihr zu- sagende Organisationsform und über das, was der Gehilfenschaft dienlich erscheint, wird sie selbst zu entscheiden haben, auch wenn man durch die provisorische Bewilligung der Tariflöhne einen Keil in die festorganisierten Reihen der Gehilfen zu treiben versucht. Deutscher TranSPortarbeitrr-Berband. Ehem., Pharm., Verbands st off- und?Ipotheienbranche. Mittwoch, den 2. Juli, abends 7 Uhr pünktlich, im Königstadt-Kasino, HoUmarltilr 72 kEcke Alexanderftraße): große Branchenversammlung. Tages. ordnnng: R ä t e l Y st e�n und Demokratie. Referenten die Genossen Markwitz und Sommerseld(Bollzugsrat). Mitgliedsbuch bezw. Karte legitimiert.- Die Branchcnleitung. Eisenbahner. Vertrauensleute des Allgemeinen EiferbabnerverbandeS treffen sich beute 3 Ubr nachmittags im WilhelmShos, Anhaltstr. 12. QuittungSbuch und AuswciSkarte legitimiert. Vnnh der technischen Angestellten und Beamte». Bezirk Südost. MitgiiedciIkrsammIung 3. Juli, 7'/, Uhr.„Bierglotke", Belle- Alliance- Strahe 106. Berichte über den Judustriebeamtentag und die Tarif- Verhandlungen.■ Zcntralverband dflss.SandlungSgehilfen. Bezirk Spandau. Mittwoch, den 2. Juli, abends 70, Uhr: Mitgliederversammlung im Restaurant.Vatzenhoscr', Bahnhofstraße. Bortrag deZ SchrijtstellerS B. R u d n e r. Wichtige Tagesordnung. idankenauStauschs sein. Außerdem berichtet die„Gleichheit" über ' alle wichtigen Vorkommnisse der Frauenbewegung. Die nächste i Nummer 20 erscheint am 5. Juli. Aus ihrem Inhalt ist beson- derS hervorzuheben: ein Artikel der Genossin Bohm-Schuch: „Friede". Der historische Artikel„Unsere Gleichheit" von Wil- helmine Kühler dürfte unsere jungen Genossinnen besonders inter- ! essieren. Henriette Fürth liefert eine Artikelserie„Zur Soziaii- | sierung der öffentlichen Wohlfahrtspflege". Ein Stimmungsbick» über Parteitag und Frauenkonferenz verdient die besondere Auf- merksamkeit der Leserinnen. Die Nummre bringt auch zum erstenmal die illustrierte Beilage„Die Frau und ihr Haus" m:t Kleiderbildern, Hondarbeitszeichnungen und wertvollem schrift- lichem Inhalt, der sich auf das Gebiet der Frauenkultur bezieht. Der Leitartikel ist das Programm der neuen Beilage. Als Schrift- leiterin ist Genossin Elisabeth Röhl aus Köln gewonnen. Nr. 21", die am 12. Juli erscheint, bringt die Beilage„Für unsere Kinder'. Ihre Beliebtheit wird uns in unzähligen Briefen der Kinder selbst bestätigt. Die Mütter schätzen sie als wertvolles.Hilfsmittel der Kindererziehung. Genossinnen, werbt für Euer Blatt! Partemachrichten. Parteigenossen! Die Konstituierung des ParteivorstandeZ ist erfolgt. Die Adresse des Parteivorstandes ist wie bisher: Wilhelm Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. 1 An diese Adresse sind sämtliche für den Parteivorstand be- stimmten Zuschriften, auch die betreffend die Frauenagitation, zu richten. Alle Geldsendungen sind nur an den Parteikassierer: Fr. Bartels, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu richten.(Postscheckkonto Nr. 7918, Fr. Bartels, O. Braun, Berlin, Lindenstr. 3.) Zur Kontrolle des Parteivorstandes und als Beschwerde- instanz ist die aus neun Personen bestehende im 8 20 des. neuen Organisationsstatuts vorgesehene Kontrollkommission gewählt worden. Sie hat sich auf dem Parteitag in Weimar konstituiert und sind alle Zuschriften für sie an Fr. Brühnc, Frankfurt a. M., Bleidenstr. 33, zu richten. Wir ersuchen die Vorstände der Bezirks-, Landes- und Wahl- kreisorganisationen auf Grund des Organisationsstatuts uns die genauen Adressen ihres Vorsitzenden und Kassierers nach erfolgter Wahl sofort mitzuteilen. Ferner ersuchen wir die Landes- und Bezirksvorstände, uns nach erfolgter Wahl mitzuteilen, wen sts nach§ 17 des Organisationsstatuls zu ihrem Vertreter im Par- teiausschuß bestimmt haben. Wir machen dabei darauf aufmerk- sam, daß Bezirke, die nach dem letzten JabreSabschlUß mehr als 10 000 organisierte Frauen als Mitglieder haben, eine Frau als zweite Vertreterin in den Parteiausschuß entsenden können. Berlin, den 30. Juni 1919. Der Parteivorstand. * Die„Gleichheit". Unsere Frauenzeitschrift, die„Gleichheit", erscheint von nun ab wöchentlich einmal und zwar abwechselnd mit den Bei- lagen„Tie Frau und ihr Haus" und„für unsere Kinder". Vcc- lag, Expedition und Redaktion befinden sich jetzt Verliii SW. 68, Lindenstr. 3. Der Preis beträgt monatlich 1,20 M., Einzelnum- mern kosten 30 Pf. Durch die Post bezogen kostet die Zeitung vierteljährlich ohne Bestellgeld 3,60 M., unter Kreuzband 4,25 M. Die„Gleichheit" zu abonnieren und aufmerksam zu verfol- gen, ist Pflicht jeder Genossin. Sie soll eine Stätte des Ge- Znöustrie unö kanöel. Eine Ueberwachungs stelle für Wärme- vnd Energiewirtschaft. Der Verein deutscher Hüttcnleute teilt mit: Der Vorstand des Vereins deutscher Eiscnhüttenleute hat in seiner letzten Sitzung eine UcberwachungSstelle für Brennstoff- und Energiewirtschaft aus Eisenwerken ins Loben gerufen. Sie soll die angeschlossenen Werke in allen Angelegenheiten der Wärme- und Energiewirtschaft durch Begutachtung, Beratung, Belehrung, Sammlung einschlägiger Zahlen und Austausch der Erfahrungen unterstützen. Ihre Tätig- keit richtet sich nack den Beschlüssen des aus deck angeschlossenen Werken gewählten Beirats. Die Werke selbst haben vor allem die Ersparnis an Brenn- stoffen zu fördern und eine geordnete und sparsame Wärmewirt- schaft zu fiihren. Die Stelle soll(wundsätzlich keinerlei Zwang auf die ange- schlossenen Werke ausüben sondern nur Anregungen erteilen. Für die Ileberwachungsstelle ist eine Versuchs-, Lehr- und Statistische Abteilung vorgesehen. Dadurch sollen geeignete Betriebs- und Meß- Werkzeuge beschafft sowie wirtschaftlich wichtige Fragen durch ein- wandfreie Versuche gcchlärt werden. Die Lehrabtcilung hat ins- besondere geeignete Heizer und Ofcnleute, Metzingenieure und Techniker auszubilden. Die statistische Abteilung soll die Ver- brauchs- und ErzeugungKzisfern buchen, wissenschaftliche Grund- begriffe und Werte sammeln und verbreiten. Durch denkbar größte Ersparnis an Wärme- und Energieauf- wand will man den Wirkungsgrad unserer Eisenindustrie verbessern und ihn dem Auslande gegenüber wettbewerbsfähig erhalten. vortrage, vereine unö Versammlungen. Zentralstelle für die Einigung der So;ialdemokratic, Bezirk O st c n. Morgen, Mittwoch. Zcntraivichhof Börle, Eldcnac, Straße 37, öffeniliche Versammlung. Rcscrcnlen je ein NechtSsozialiit, Anabbängigcr und bekannter VoikSwirlschasilcr.— Reictisdund der Krtegsbeichädigten. Bezirk Schöneberg. Donnerstag 8 Uhr Iprichl Kamerad Lader über: „WaS bringt rniS Opfern dcS Krieges der Frieden?" in der Aula der Fichte-Rcalichnle. Stolonnenstraße 22/23..Mitgliedskarte gilt als Ausweis. — Freie Schwimmer Evarlotteuburge»teranssiw»e»<ür das mittlere AorddenMchlnitd vis Mittwoch mittag: Kubl und veränderlich,-überwiegend trübe, mit weilcrcu Regcnjällcn und frischen südwestlichen Winden. Verantwortlich für Politik Artnr zickler, Sharlottev.burg, kür den übrigen Teil des LIatieS Äiired Schoiz. Neukölln, für ANijctzcn Theodor Giocke, L erlin. Perlagi LorwärtS-Verlag®. rn b. H., Berlin. Druck. BorwäriS-Buckidruckeret«md VerlagSanstal! Pau! Kinaer u. Co in Berlin. Ltndenittaß- 3. Hierzu 1 Beilage. a�jzsusB T]| TTlFf IR ¥ TVf m v v HL Jii JM. IM«*/«L JÜhI Leipziger Strafe. 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