Nr.333. 36.Iahrg« Bezugspreis, MertelZLHrl. 9.— ML, monotL 8r- ZU, frei ins Haus, voraus zahlbar. Post» bezug: Monatlich 3,— Ml. exkl. Zu- stellungsgrbllhr. Unter Arruzband fllr Deutschland und Oesterreich- Ungarn 6,2') ML. Hit das übrig» Ausland 10 2'TL, bei täglich elnmoL Zustellung 8 2')-JJiL PostbesteUungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schtoeden u. die Schweiz. Eingelragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. „Porwärts" mit der Sonntag», beilagc»Voll u. giuri' erscheint Wochen» lägilch zweimal. Sonntags einmal, Abend-Ansgabe. Telcgramm-Adreff«: „Sozlaldemorral Berlin". Serlinev VolKsblatt. ( 15 Pfennig) Anzeigenpreis: Bit achtgelpaltene Nonpareillezeil» lostet l.20 Ml»kleine Anzeigen", da» lengedruckte Wort SO Psg.(zulässtg 2 feltgedrurtte Worte), sede» weitere Wort 2b Pig Stellengesuche und Echlasstellenanzetgen das erste Wort ZO Psg. lede» weitere Wort 2V Pfg. Worte über lb Buchstaben zählen siir zwei Wort» Teuerungszuschlag 50%. Familien• Anzeigen, politische und gewerlschastliche Vereins- Anzeigen 1,20 ML die Zeile Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ahr nachmittags im HanpigeschSf», Berlin SW 68, Lindenstratze 3, abgegeben• werden. Geöffnet oon 9 Uhr früh bis S Uhr abends, Zoitralorgan der rozialdcmokrati Tchcn Parte» Deutfchlands. Neöartion und Expedition: SM. öS, Ändenstr. Z. Zernivrcriier: Amt Morinvla«, Nr. RZISV— RZIi)?. Mittwoch, den 3. Juli 1919. vorwärts-verlag G.m.b. fi., SM. es, tlaöenstr.Z. Fernsprecher: Amt Moriiiplai,, Nr. l»?— 54. Vertrauensvotum für die Generalkommission (Eigener Drahtbericht deS„Vorwärts".) Nürnberg, 2. Juli. Am heutigen dritten Vcrhand- lungstage des Gewerkschaftskongresses gelangte die B e r- t r Ml c n s r c s o l u t i o n für die Generalkommission zur tlbstimmung. Von K24 Delegierten stimmten 445 mit ja, 1 7 si m i t n e i n. Da aber nach der Geschäftsordnung die Stimmenzahl, welche die einzelnen Delegierten vertreten, den Ausschlag gibt, ist dieses Resultat noch nicht das endgültige. Immerhin kann schon jetzt-gesagt werden, daß das Vcr- twncnsvotnm mit übergroster Mehrheit ange- nommen worden ist. Vom Mctallarbeitcrvcrband stimmten 53 Delegierte dafür, 64 dagegen, vom Eisenbahnerverband 13 für und 12 gegen. Eine Reihe anderer Verbände, so Bau- arbcitcr, Bergarbeiter, Transportarbeiter, Holzarbeiter, Land» arbeiter und Buchdrucker stimmten fast geschlossen für das Vertrauensvotum. Auf Grund der Abstimmung wurde der Antrag auf weitere namentliche Abstimmung zurnckge» zogen. Der Antrag der Gewerkschastsvorständckonferenz gegen die wilden Streiks einerseits, gegen den N o skr» scheu Strcikerlast andererseits wurde ebenfalls m i t grosser Mehrheit angenommen. Die Lage in Hamburg. (Eigener Trahibericht des.Vorwärts'.) Heute vormittag findcl eine Sitzung des Senats mit dem General Lettkow- Vordeck statt. Kleine Zwischenfälle. Hamburg, 2. Juli. Aus dem Hauptquartier Lettow-Vorbeck vird uns mitgeteilt: Der Einmarsch der Reichswehrtruppen ist im allgemeinen ruhig verlaufen. Nur einige bedauerliche Zwischenfälle zeigen, dast ein Teil der Bevölkerung den Ernst der ergangenen Warnungen noch nicht überall richtig eingeschätzt lat. Beim Einmarsch in Altona wurde auf die 1. Kompagnie des bayerischen Schützenregiments aus den Fenstern geschossen. Trotz mehrfacher Zurufe und Aufforderungen, von den Fenstern zurückzutreten und die Läden zu schließen, blieben einige Fenster offen. Da das Feer nicht aufhört«, wurden auf die offenen Fenster inige/Schüsse abgegeben. Hierdurch wurde eine Frau durch B a yaj s ch u fe und ein K i nd durch Schenkelschutz verwundet. Dem Einmarsch des Freikorps Schleswig-Holstein widersetzte sich bereits am Müllertor eine größere Volksmenge. Um sie zu vertreiben, wurde eine Handgranat« vor die Menge ge- -lorfen, die den gewünschten Erfolg hatte, ohne jedoch jemand zu ver. letzen. Am Schulterblatt stellte sich wiederum eine grötzere Menschenmenge entgegen. Der Aufforderung, auseinanderzugehen, wurde nicht nachgekommen. Ein Mann rief höhnisch aus:„Ihr schictzt ja doch nicht!" Darauf legte ein Soldat auf Befehl auf die Beine des Betreffenden an und gab Feuer. Durch diesen Schutz blieb der Mann und noch ein zweiter liegen. Die Art der Ver- letzung ist nicht bekannt, da beide sofort durch die Polizei ins Kran- Zenhaus-gebracht wurden. Um 5 Uhr nachmittags wurde in das Stabsquartier des Regiments Schelle in der Schanzenstrahe vom gegenüberliegenden Hause hineingeschossen. Di« Straße wurde gegen jeden Verkehr abgesperrt und nach Waffen durchsucht. Eine große Menschenmasse sammelte sich an, die der Aufforderung, aus- cinanderzugehen, nicht nachkam. Es wurde von der Waffe Ge- brauch gemacht und ein Zivilist durch Fleischschutz am Oberschenkel verwundet. In allen diesen Fällen trägt die Truppe keine Schuld. Die bedauerlichen Vorfälle werden hofsenllich dazu beitragen, daß die Bevölkerung die rechtlich ergangene Warnung beachtet und sich ihre� Ernstes bewußt wird. polen selbständiger Staat. Bertra«; mit der Entente. Paris, l. Juli.(Havas.) Zwischen den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Italien undJapan einerseits und Polen andererseits wurde als Be- stätigung der Anerkennung Polens als unabhängiger Staat unter Zuteilung von Gebieten des ehemaligen Deutschen Reick'eS ein Vertrag unterzeichnet, daß Polen diese Gebiere zugesprochen werden. Im ersten Abschnitt dieses Vertrages ver- pflichtet sich Polen, allen Bewobnern Polens Schutz von Leben- und Freiheit zu gewechren. Alle Bewohner Polens werden das Recht haben, jedes Bekenntnis auszuüben, das mit der öffent- � Ischen Ordnung und mit den guten Sitten nicht im Widerspruch i stebt. Polen erkennt als polnische Staatsangehörige die bisherigen deutschen und österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen in Polen an, unter dem Vorbehalt der Bestimmung des FriedenSver- träges mit Deutschland und Oesterreich über die Staatsangehörigen,! die nach einem bestimmten Tage auf dem in Frage kommenden. Gebiete ihren Wohnsitz genommen haben. Diese Bestimmungen werden unter die Bürgschaft des Völkerbundes gestellt. Der ständige SchiedSgerichtshof wird über Meinungsverschiedenheiten entscheiden. Der zweite Abschnitt bezieht sich auf die politische Vertretung und die Zolltarife. Polen wird den Alliierten Tran- sjtfreiheit und Meistbegün stigung gewähren, es wird einer gewissen Anzahl internationaler Konventionen betreffend Telegraph, Eisenbahn, Sanitätswesen usw. beitreten. Polen wird den dem Völkerbunde angehörenden Staaten gleiche Rechte und Privilegien gewähren. Es übernimmt die Verantwortung für die russische öffentliche Schuld und für alle anderen finanziellen Verpflichtungen des russischen Staates. keine Maffenhinri<,tungen in Huüapeft! Wien, 1. Juli.(Korrbüro.) Die ungarische Gesandtschaft so» wie die italienische Militärmiision erklären die Blättermeldung von Massenhinrichtungen in Budapest für unbegründet. Im Gegensatz dazu steht folgende Meldung: Wien, 2. Juli. Reisende aus Ungarn berichten, daß bei der Niederwerfung des letzten Putsches in Budapest nicht nur S o l- baten und Zivilisten, sondern auch halbwüchsige Knaben haufenweise crschosien worden sind. Es waren dies die Zöglinge der Ludovica-Akadcmie, die sich an der Besetzung der Telephon- zentrale beteiligt hatten, vierzehn- oder fünfzehnjährige Knaben. Sie wußten kaum, um was es sich handelt«, sondern sie machten den Putsch bor allem deshalb mit, weil man sie in der Militär� akademie hatte hungern lassen. � Der Rest der deutschen Ilotte. Heimkehr der Besahung. Amsterdam, 2. Juli. Vorgestern abend sind die restlichen Schiff« der deutschen Flotte, die sich noch in Hellewoets- luis befanden, nach Hanswoert gebracht wordeü. Sie werden von englischen Schleppern nach Antwerpen geschleppt werden. Die deutschen Besatzungen sind gestern nach Deutschland zurückge- kehrt. Widerstand gegen den Iriedensvertrag. Tic Milch der deutschen Kinder. Paris, 2 Juli. SluS der Sitzung des Sozialisten- kongresses des Seinedepartements ist noch nachzutragen, daß mehrere Redner betonten, der Friedensvertrag diene nur Englands Macht. U. a. wurde die Forderung auf Abgabe von 5000 Milchkühen durch Drutschland beanstandet und eine grundsätzliche Erörterung des Vertrages in der Partei verlangt. Stockholm, 1. Juli. Wie Branting aus London tele- graphiert, werden auch in konservativen englischen Kreisen Stimmen gegen den Friedensvertrag laut. So schreibt G a r v i n im.Observer': Gewalt, mag sie sich nun Militarismus oder Bolschewismus nennen, kann nur ihren eigenen Untergang vorbereiten. Auch in seiner letzten verbesserten Form kann der Friedensvertrag niemals ohne Rcvisiou bestehen bleiben. Die Alliierten haben ihren Sieg überkapitalisiert und da- durch alle reaktionären und anarchistischen Kräfte er- mutiqt. Bern, 1. Juli.»Journal du Peuple' sagt: Der englische Imperialismus gebe allmächtig aus dem Friedensverträge hervor. Der Sieg fei ein Verdienst Clemenceaus, der sich einen englischen Verdien st orden verdient habe. Verteilung deutscher Kolonien. Amsterdam, 2. Juli..Telcgraaf' meldet aus Paris, daß die Verhandlungen zwischen Simon und Milner über Kamerun und Togo zu einer Einigung zwischen England und Frank- reich geiübrt hoben. Die DemaTkaiionSlinie bleibt ungefähr so, wie sie im März ISIS festgesetzt wurde. Frankreich erhält die Hauplstadt von Togo, Lome, und vier Fünsiel von Kamerun mil D u a l a und dem ganzen Eisenbahnnetz. Frankreich tritt einen wichtigen Teil von Togo, dessen Einwohner Anschluß an die eng- lisch« G o l d k ü st e suchen, an England ab. Im Luftschiff über den Ozean. Aus London wird unterm 2. Juli gemeldet: TaS Luftschiff R 34 erhielt die Erlaubnis, den geplanten Flug über den A t l a n t i s ch e n O z e a n heute nacht an- zutreten, wenn die Witterung günstig ist. Dre britischen Schlacht- schiffe„Tiger" und„Renown" sind im Ozean stationiert, um von verschiedenen Stellen aus an R 34 drahtlos das Wetter zu melden. Sollte sich herausstellen, daß es infolge der Witterung?- verbältnisse unmöglich ist, den Flug zu beenden, dann wird R 34 nach seinem Ausgangspunkt zurückkehren, um den Versuch später zu wiederholen. Der Versuch wird jedenfalls heute Nacht unternommen, da beabsichtigt ist, am 4. Juli, dem Unabhängig- keitstag, in Amerika zu sein. Gegen wen wird gestreikt! In der Zeit vor dem Kriege, als es so ungemein schwierig war, in weiten Arbeiterschichten den Gedanken der Solidarität zu festigen, als es oft nicht gelang, auch die verelendetsten Massen zu festem Zusammenhalt zu bewegen,. damit sie sich gemeinsam aus ihrer schlechten Lage heraus» kämpften, damals haben wir in dem Streik ettoos a l l g e- mein Gutes gesehen. Aber an sich ist kein Ding weder gut noch böse, sondern immer erst der Zweck, das Ziel die W ir k u n g gibt ihm seinen Wert. Wir haben den Streik gelobt und gepriesen nicht um des Streiks willen, sondern weil er die beste WaffedesProletariatsinseinem Befreiungskampf gegen das Kapital war, Und auch nur soweit haben wir in dem Streik etwas Gutes gesehen, insoweit er sich gegen das Kapital richtete, in- soweit er den A u f st i e-g. des Proletariats förderte. Auch schon vor dem Kriege hat es durchaus ve r u r» teilenswerte und schädliche Streiks gegeben. Es sei nur hier erinnert an das Mittel, das amerikanische Unter- nehmer anwandten, um ihre Konkurrenten zu schädigen: sie stifteten die Arbeiter ihres Konkurrenten an, in den Streik zu treten und gaben ihnen gar noch Geld, damit sie recht lange durchhielten. In England entstanden mitunter eigentümliche Verabredungen zwischen Unternehmern und Arbeitern: die Unternehmer bewilligten den Arbeitern höhere Löhne, dafür sollten sich die Arbeiter verpflichten, mit dahin zu wirken, daß die Unternehmer höhere Preise für ihre Produkte erhielten. Ganz ähnliches haben wir in Deutschland während des Krieges erlebt. Den Muni- tionsfabrikanten wurde als Gewinn ein bestimmter Prozentsatz ihrer Gestehungskosten bewilligt. Die Folge war, daß die Unternehmer garnicht ungern recht h o h e L ö h ne zahlten, dem» dadurch wuchsen die Gestehungs- kosten und damit ihr Gewinn. In allen diesen Fällen haben wohl einzelne Arbeiter- schichten Vorteile errungen, und doch haben wir darin nichts Gutes erblickt. Denn diese Vorteile erhielten die Arbeiter nicht auf Kosten des Kapitalgewinnes, sondern auf Kosten der Allgemeinheit. Denn diese, nicht der Unter- nehmer, mußten die Kosten der Lohnerhöhung durch ge- steigerte Preise aufbringen. Je mehr es sich dabei um Pro- dukte handelt, die zum Bedarf der breiten Masse der Bevölkerung gehören, desto mehr nehmen derartige Lohn- erhöhungen die Wirkung indirekter, preisver- t e ii e r n d e r Steuern an, die von der breiten Masse zu- gunsten der einzelnen Schicht aufgebracht werden müssen. Nicht das Kapital zahlt fllr die Besserstellung des Prole- tariats, sondern das Proletariat zahlt für da? Proletariat. Was dem einen gegeben wird, wird dem anderen genommen. Das Proletariat als Klosse kommt da» durch keinen Schritt vorwär t s. Vor dem Kriege aber waren diese Fälle sehr selten, denn die freie Konkurrenz, die gegen das Ausland offenenGrenzen sorgte dafür, daß die Fabrikanten ihre Waren nicht beliebig verteuern konnten, wenn ihnen dze Arbeiterschaft durch einen Streik höhere Löhne ab- genötigt' hatte. Deshalb traf fast jeder Streik den Kapital- Profit als solchen, er minderte die Rente zugunsten des Arbeitslohnes. Aber seit dem Kriege haben sich die Verhältnisse gründ- lich verschoben. Die Grenzen sind gesperrt, die Konkurrenz des Auslands ist vielfach ausgeschaltet. Das Publikum hat sich obendrein so an Preisverteuerungen gewöhnt, daß es durchaus nicht mehr einer Verteuerung seines Bedarfs jenen zähen Widerstand entgegensetzt, der früher auch die kleinste Preissteigerung zu einem großen Risiko für den Geschäftsmann machte. Infolgedessen erleben wir setzt immer wieder, baß jede Lohnerhöhung sofort in Gestalt höhererWaren- preise ans das Publikum abgewälzt wird, oft genug noch unter reichlicher Abrnndung der Preisemach oben hin. Nicht die Unternehmer bringen die höheren Löhne auf, sondern die Masse bringt sie auf durch Verteuerung ihres Bedarfs. Deshalb hat sich, worauf immer wieder hingewiesen werden muß. durch die zahllosen Streiks, trotz aller Lohnerhöhungen dieLagedes deutschen Proletariats seitMo- naten und Monaten nicht gebessert und sie wird sich auch nicht bessern, solange auf diesem Wege fortgefahren wird. Besonders sehen wir das bei den jetzigen Verkehrsstreiks. Die Institute, gegen die gestreikt wird, die Eisenbahn und die Straßenbahn haben eine Monopolstellung, sie hoben keine Konkurrenz zu fürchten. Infolgedessen brauchte es diesen Instituten garnichts auszumachen, wenn sie ihre Tarife verdoppelten oder verdreifachten. Das Publikum ist auf Eisenbahn und Straßenbahn angewiesen, es muß zahlen, was ihm von dort diktiert wird. Bekannt ist der Witz von dem Mann, der in Berlin am Schlcsisck)en Bahnhof eine «arte lösen will, die ihm zu teuer erscheint. Er droht ent- rüstet:„Nun, es gibt za noch mechr Bahnhöfe in Berlin". Darüber lacht man, weil man weiß, daß der Mann auch an jedem anderen Bahnhof das Gleiche zahlen muß. Was brauchen Eisenbahn und Straßenbahn in ihrem Gewinn- interesse Tariferhöhungen zu scheuen? Sie können, wenn sie an nichts weiteres denken, jede Lohnerhöhung bewilligen und schmetternd auf die Tarife schlagen. Aber eben das Veranbivortungogefühl läßt dies nicht zu. Wer bezahlt denn die höheren Preise der Straßenbahn? Etwa die r e.i ch e n Leute, die ihr Auto besitzen o We r D r o s ch'k e fahre n? Oder ist es nicht die �roße cklllasse des Volkes die auf die Straßenbahn angewiesen ist, darunter Hunderttausende in der gedrücktesten Lage, denen es zum Teil viel elender geht als den Vcrkehrsarbeitern, man denke an die Kricgerwitwen, an die criverbsloscn Kriegs- beschädigten, an die Alters- und Jnvalidenrentner, an die 'Arbeiter in schlecht entlohnten Berufen usw. � Für einen Kriegsbeschädigten, der täglich von und zu irgendeiner schlecht entlohnten Beschäftigung fahren muß, bedeutet schon die jetzige Verteuerung der Straßenbahn eine jährliche S t e ii e r V o n 5 M. Eine weitere Verteuerung des Fahr- Preises um nur 5 Pf. würde ihn tvcitcr mit 30 M. im Jahre belasten. Solche Erwägungen niüssen uns hindern, kritiklos joden Streik gutzuheißen. Immer müssen wir uns fragen: G e g e n w e n w i r d g c st r e i k t? In diesem Falle ist es die A l l g e m e rn h c i t, die bestreikt wird, sie märe es sogar auch, wenn Eisenbahn und Straßenbahn die Lohnerhöhung selbst tragen müßten und könnten: denn die Eisenbahn ge- liört der Allgemeinheit und die Straßenbahn ist im Begriff, in ibre Hände überzugehen. Immer wieder erheben wir die Mahnung: Bitte, zeigt uns doch den Kapi- t a l i st e n, der durch diese Streiks geschädigt m i r d I/ Aber wie wird die Masse des Volks getroffen! Nicht nur durch die höheren Fahrpreise, sondern durch die allgemeine Verwirrung und Zerrüttung des Wirt- '>l> a f t s l e b e n s. Tausende können nicht an ihre Arbeits- statte gelangen und verlieren ihren Lohn, Hunderttausende kommen um die kärglichen Lebensmittel, die bisher die Eisen- bahn nach Berlin hereingerollt hat. Die Armen und A e r ni st e n sind auf der ganzen Linie die Leidtragenden. Die Arbeiterbewegung beruht auf dem Gedanken der Solidariiät des ganzen Proletariats. Ihre Aufgabe ist es nicht, einen Teil auf Kosten der übrigen Masse besser zu stellen. Wenn heute gewisse Leute in der bloßen, Tatsache des Streiks etwas Sakrosanktes sehen, ein unantastbares Heiligtmu, woran niemand rühren darf, so ist zu fürchten. daß solche blinden Streikschwärmer, wenn man ihnen auch heute sämtliche Betriebe Deutschlands sozialisiert übergeben würde, sie morgen zu Tode gestreikt hätten. Aber n'nte Kreise von Nenbekehrten, darunter gerade auch die, die sich jetzt ani radikalsten gebärden, haben vom Sozialismus noch nicht niebr begriffen, als daß der Streik ein Mittel ■ u r E r z i c l u n g höherer Löhne ist. Daß er eine « a m p f n> a s s e g e g an den Kapitalismus ist, die nur gerechtfertigt ist, wenn sie die Lage der Arbeiter auf «osten des Kapilaszinses verbessert, sonst aber nicht, das muß itucn begreiflich gemacht werden. Denn wenn sie es nicht begreisen, dann ist es um die Zukunft des Sozialismus, in Deutschland geschehen.______ de? Großberliner Verkehrsstreik. T«e Eros'. Berliner Verkehrsstrcik ist. Nachdem nun mich die 7 n'nibUSangeslellten sich demselben angeschlossen haben, allgemein. Die gestern nodt zur Verfügung stehende Verkehrsmöglichlcit durch Bedürfnis auch nur in bescheidenstem Maße zu genügen, ja, auch nur die ganze Größe der Kalamität, die durch den Verkehrsstrcik erneut heraufbeschworen worden ist. Von ihr wird in erster Linie die unbemittelte Bevölkerung betroffen, der es von vornherein nn- möglich ist, sich der teueren Vrkehrsvehikcl zu bedienen. Die Droschkenautos und Pserdedroschken sind nur gegen allerhöchste Preise zu haben. Daneben hat sich in steigendem Maße ein„wil- der" Fuhrwerksbesitzer entwickelt, der von Polizeibeamten in bezug auf die Zu- und Abfuhr von den bestimmten„Stationen" in ge- ordnete Bahnen gelenkt wird. So hilft sich alles, was die weiten Wege nicht per„Beene" zu machen gewillt ist, mit dem, waS nun gerade zur Verfügung steht. Der Allgemeine Eisenbahncr-Verband und der Streik. llnS wird berichtet: Der Bezirk Berlin des Allgemeinen Eisenbahner-Verbandes hatte am Dienstag abend im Wilhetmshos seine Funktionäre zu einer Vcrtrauensmännerversammlung zusam- menberufcn, in der man nochmals zum Streik Stellung nehmen wollte._ Der Vorsitzende B o r u w i t s ch mahnte die Erschienenen zur Besonnenheit und Sachlichkeit und erteilte sodann dem Rc- dakteur Radtie das Wort, der in längeren Ausführungen ein Stimmungsbild des jetzigen Streiks entwarf und die rein politi- siftcn Zwecke desselben unter allgemeiner Zustimmung nachwies. Die Grundftimmung der Vorsammlung war, wie aus den Worten der einzelnen Diskussionsredner zu ersehen war, friedlich. Aus die Teuerungszulage könne man nicht verzichten. Aber der Streit, der nur auf den Sturz der Regierung hinziele, sei nicht das richtige Mittel, um diese Forderungen durchzusetzen. Statt des„NoSkeschen Erlasses" hätte, man ein Schild aushängen sollen mit der Inschrift:„Arbeitslose werden eingestellt!" Ein Redner äußerte: Es ist schon so viel Gesindel jn den Betrieben, daß die iveiiere Einstellung nicht mehr schaden kann. Bemerkenswert Vn ,-»l t r4\>,:.1 Clf• I v � � � CW f_____< Redner aus,„der jetzt zu den Eisenbabna-ii sagt: Eure Favderun gen sind gerecht und erfüllbar, nur die Regierung will sie nicht erfüllen, war vor einigen Monaten noch ganz ande- rer Meinung. Am 6. Dezember vorigen Jahres rief er an- läßlich einer Versammlung während des Lohnstreiks auf der Trep- tower Wiese den Eisenbabnarbeitern zu:„Eure Forderungen sind unerfüllbar, wir können beim besten Willen nichts geben." Tie Versammlung habe Hvffmann damals mit Redensarten beschimpft wie:„Du Spitzbube, du hast wohl die Taschen schon voll?" Herr s-offniann habe damals aber nur aus dem Grunde eine vernünftige Ansicht gehabt, weil er selbst im Ministerium fast. Auch die Worte des'Abgeordneten Otto Hoffmann(Dem.), der die Eisenbahner bat, alle folgenden Schritte ruhig und besonnen zu überlegen, fanden einmütigen Beifall. Zum Schlüsse zeigte die Versammlung eine ernstlich vernünftige Stimmung, und marr beschloß einstimmig, mit allen Mitteln zu»ersuchen, die Arbeit am Mittwoch früh wiederaufzunehmen. Eine verbotene C'isenbahncr-Vcrsainmlung. Die Funktionäre des Deutschen Eisenbahner-VerbanöcS hatten zum heutigen Mittivoch nachmittag eine große Versammlung nach der Spielwiese im Treptower Park einberufen. Jn dieser Versammlung sollte über die Fortdauer de» Streiks beraten wer- den..Man hatte auch bereits von der Streikleitung der Verkehrs- angestellten die Zusage erhalten, �daß Redner der"einzelnen Ver- kehrsinstitute in Ansprachen die Eisenbahner zur Solidarität auf- rufen wollten, um die unter den Eisenbahnern wankend gewordene Stimmung wieder zu festigen. Reichswehrniinister Noske hat jedoch den Eisenbahnern mitgeteilt, daß er die Abhaltung dieser Ver- sammlung unter keinen Umständen dulden könne. Abstimmung über die Aufhebung des Streiks. Am heutigen Morgen fanden sich infolge des Erlasses des Mi- niners Oeser fast alle alten Arbeiter und Angestellten der Werk- statten in den Betrieben ein. um die Arbeit wieder aufzunehmen. da sie durch Verharren im Streik nicht ihre Pensionsansprüchc auf- geben wollen. Die Zahl der Arbeitswilligen war so erheblich, daß die Streikposten zurückgezogen wurden. Dafür sandte die Streikleitung in jeden Betrieb Vertreter, um noch ein- mal die Abtrünnige» zur Solidarität zu ermahnen. Di« Aussicht der Streikenden drang heute jedoch nicht wie sonst widerspruchslos durch. ES sprachen sowohl Arbeiter wie Beamte, die für die Be- endigung des Streiks eintraten. Man könne ohne finanzielle Bei- Hilfe nicht mehr wochenlang im Streik verharren, zumal der Deutsche Eisenbahnervcrband oder die Streikleitung nicht in der Lage seien, Beihilfen zu gewähren. ES wurde schließlich der Beschluß gefaßt, daß nechmittagS in allen Betrieben eine neue geheime Abstimmung stattfinden soll, die über das Schicksal des Streiks entscheiden wird. Nach der augenblicklich herrschenden Stimmung zu urteilen, lir:••• mit zu rechnen, daß in den allermeisten Betrieben am Donner.'.ag morgen die Arbeit wieder aufgenommen werben wird. Die Berkchrsangestellten gegen die Aushilfsfubrwcrke. Nachdem gestern nachmittag durch die ArbeiiSn'cderlegung der Omnibusangestellten der Berliner Verkehr restlos laumgelcgi"u den ist, versuchten die Streikenden„offiziell" die Asit-Hilsswl von der Straße verschlvinden zu lassen. Eine Kommission. Streikleitung begab sich heute zum Polizeipräsidenten Ere.i: und richtete an diesen die Aufforderung, die Aushilfswag'en durch Er- laß zu verbieten. Di« Streikuocn motivierten ihre Forderung damit, daß gester» bereits Zusammenstöße zwischen Ausständig.: und Fubrwcrksbesitzern vorgekommen wären. Ter Polizeipräsideur erklärte der Streikleitung, daß ein Verbot der Aushilfswagcn vollkommen unmöglich sei, und daß er durch die Streikleitung an all. Streikenden nochmals die Mahnung richte, rubig und besonnen 1 bleiben, da jede Ausschreitung geahndet und Sorge getragen wer- den würde, daß der Verkehr in seiner jetzigen Form sich ungehindert abwickeln kann. Das Straßenbild. Der Fuhrwerksverkchr hat im Innern der Stadt gegen gestern erheblich zugenommen, doch fahren nach den Außenbezirken■ Wcdding, Schönhauser Allee, Lichtenberg— nur noch sc er wenig Wagen, da unter den Fuhriverkshaltern die Furcht herrsäe, sie' könnten dort tätlich angegriffen werden. Zu einem Zusammenstoß kam eS auch heute vormittag in der Schönhauser Allee. Es wurde dort bei einem solchen Fuhrwerk das Geschirr durchncschnitten uno der Besitzer mit Tätlichkeiten gedroht. Erst das Eingreifen von Polizeibeamten verhinderte weitere Ausschreitungen. Um für Rh:. und Ordnung zu sorgen, durchziehen den Norden und Osten dec Stadt berittene Schutzmannspatrouillen. Teilweise bilden sich wieder auf einigen Pl.tzen einzelne politisierende Gruppen, in denen gegen die Truppen und gegen die Regierung gehetzt wird. Das Polizeipräsidium ist entsprechend s:- befestigt worden. Sämtlicke Eingänge sind stark bewacht und ME Drahtverhau geschützt. Zu Zwischenfällen ist es bisher nicht g.- kommen.___ Ms Staatsrat sprach ich anders. Nochmals Paul Hoffmann und die Eisenbahner. Aus Eisenbahnerkreijen schreibt man uns:» Wenn der U. S. P.-Landtagsabgeordnete Paul Hofsmann iu der Zirkus-Busch-Versammlung so tapfer auf die Mehrhcitssozia- listen und Gewerkschaftsführer— schimpfte, so ist es notwendig. festzustellen, daß vor einem halben Jahre es anders war..n- fang Dezember, wie die Eisenbahner aus den>Wertüärtcn gingen und sich auf der Spielwiese in Treptow vcrsamiiicltci!, um endlich eine Besserstellung zu erzwingen, da war cs— Paul Hoffmann, der in Treptow alles aufbot, die Eisenbahner zu beruhigen und klar zu machen suchte, daß die Forderung. u— die wirklich notwendig waren- nicht zu erfüllen seien. Aller fühlte Hoffmann sich damals als Beigeordneter im Ministerium verantwortlich. Jetzt hat Hoffmann wohl wenig Hoffnung, wieder eine gewisse Verantwortung zu tragen, und glaubt so, seinen Agitationsgaul reiten zu können. Wenn die Menschheit nicht so vergeßlich wäre, dann müßten sich die Eisenbahner fragen:„Was hat Hosfinann damals im Ministerium in leitender Stelle getan?" Anttoort: Für d.c Eisenbahner nichts. Das soll kein Vorwurf sein, denn nur ein Narr gibt mehr als er hat. Hoffmann kann eben keine prai.: e 'Arbeit leisten. Da ist doch der frühere unabhängige preußische Finanzminister Simon ein anderer Mensch. Ter hat damals den Ruin vor ausgesagt und behauptet heute eben aus Agitationsgründen nicht, daß es möglich sei, die finanzielle: Wünsche der Eisenbahner zu erfüllen. Mit Schaudern muß„».'.r nur immer wahrnehmen, daß leider, leider ein Teil der Masse dem zujubelt, der radikale Reden hält, ohne zu überlegen, i■ jemand auf Grund seiner früheren Tätigkeit geeignc. ist, wirklich Führer zu sein. Sonst wäre es nicht möglich, einem Paul Hoffinaim zuzujubeln. Leutnant Bogel in Holland interniert. Der holländische Mi- nister des Innern erklärte nach einer Interpellation in der Kammer, daß Leutnant Vogel in Holland interniert fei.(HN.j Das Lieö vom braven Alann. Von Hans Bauer. Iii Dipfelfing gab es seit alters her zwei Parteien. Die bürgerliche und die sozialdemokratische. lind in Dipfelpfing gab es scil alters her den Kasimir Woyrosch, Müller seines beruflichen Zeichens. Benannten Kasimir Woyrosch schoren an sich weder die Bürger- iichen noch die Sozialdemokraten. Den Kasimir Woyrosch kümmerte nur die Mühlbcuhbrückcn- oirgelegenheit. Würde nämlich das Projekt des Baues einer Brücke ::u:!!ittell>ar unterhalb. des Mühlengehöstes ausgeführt, hätte das :nen wesentlicheil Vorteil für den Woyrosch bedeutet. Nicht nur vermehrte Bequemlichkeit chatte er davon gehabt, sondern auch er- löblichen geschäftlichen Vorteil, weil die Teuchernschcn Bauern wohl dann iiirbt mehr ihr Zeugs runter zum Thcissenschen Müller geschafft ljätten, wenn durch die Brücke eine direkte Verbindung . rnt jciiicm Gehöft nach Teuchern geschaffen worden wärm Aber Sozialdemokratischen wollten von der Sache nichts wissen. Ging also der Woyroscy zu den Bürgerlichen. Und wählte oürgerüch. I n Jahr? 1000. Im Jahre 1903. Im Jahre 1900. Im Jahre 1907 wechselte der Vorstand bei den Bürgerlichen uiid m« dem die Gesinnung bezüglich des Brückenprojektes. Auch die Bürgerlichen wollten nun nicht mehr an die Sache heran. Es toste eben doch sehr viel Geld und jetzt, wo man soviel andere Ausgäbest habe, nein, jetzt müsse man nur wirklich Dringliches m An- griff nehmen. Woyrosch wählte trotzdxm 1909 bürgerlich. Auch 1912. Auch ich». t' 1016 vollzog sich bei den Sozialdemokraten eine Schlvenkung. In äzilchern hatte der Bergbau zugenommen und damit die Be- >'chä fügst»st Tiofclpfingscher Arbeiter auf den dortigen Schacht- .»»lagen, l.m denen den Weg zu verkürzen, beschlossen die Sozial- demokraten für den Bau der Brücke einzutreten. Woyrosch wählte 1918 trotzdem bürgerlich. Eigentlich sei er ja überhaupt Sozialdemokrat. Und er sei da- mals nur und allein wegen der Brü.kenangelcgenhcit zu den Bürgerlichem gegangen, deren'Steuerpolitik er freilich immer für eiste verkehrte gehalten habe. Aber wenn man nun schon so lang« bei der Partei sei... Das Theatee üer 20 000 Proletarier. Während in Berlin das Theater der 5000 gebaut wird, tragen sich in Paris kühne Menschen und Volksfreunde mit dem Plan, riesig« Sckvniburgen aufzurichten, die an einem Abend einen m.ack Egm Teil des Großstadtproletariats aufnehmen können. Es handelt sich um nichts Geringeres als mächtige Theater, in denen zugleich 20 000 Menschen Platz finden sollen. Vorläufig ruht dieser P:'an noch in den Gedanken der Theaterleute und Volks- führer. Es scheint aber, daß man bald Mittel und Wege haben wird, um den beinahe phantastischen Traum dieses gewaltigen Zu- kunftstheaters zu vertvirklicbcn. Gsmier, der bekannte Theatennann, hat schon vor der Oeffent- kichkcit von seinem Entwurf gesprochen. Paris selber wirti kaum ein solches Riesengebäude, ein überwachtes Amphitheater, das nicht den Unbilden der Witterung ausgesetzt werden darf, beherbergen. Aber bald wird ja irgendwie Weltenfrieden sein, und dann werden auch die Militärs erlauben, daß man die Befestigungen: von Paris schleift. Und ag den ungehinderten Eingängen der französischen Hauptstadt, im Norden, im Süden, im Osten und im Westen, an seder Ecke, soll eines der Theater für die 20 000 Proletarier stehen. Es soll stehen inmitten von Erholungsplätzcn, auf denen sich der feiernde Haridtverksinailn den Körper stählen und erfiischen darf. Es soll stehen inmitten von blühenden Gärten und Kleinsiedelungen, die auch dem?lrbcitcr ein Leben in freier Natur gestatten. Natürlich darf das neue Riesentheater keine hohen Eintritts- preise erheben. Natürlich darf es keinen Spielplan pflegen, der nur eine Nachahmung der winzigen Geschäftstheater ist.� Man träumt von einem internationalen Tbeatcr, genau so wie man von internationalen Arbeiterbündnissen träumt. Man will, Kunst- freunde und?lrbeiter in fruchtbarer Einigkeit, die Dichter der ganzen eWlt einladen, daß sie für das internationale Riesentbeater schreiben. Einmal im Jahr soll ein Gedächtnisfcst an den Welt- krieg begangen werden. Aber ks soll ein Fest sein, das nur den Ahsche» gegen'den Krieg für alle Zeiten jehrt. Die Baumeister, die Maler, die Maurer und Eiseningcnieurc, all die Handwerker- gruppen, die in Gewerkschaften zusammengcschlosse» sind, sollen sich aus eigener Kraft zusammentun, um das neue Weltthcatcr zu erbauen. Die Verwaltung darf keiner Gesellüstaft ausgeliefert werden, die mir auf ihren engen Vorteil sieht. Die Arbeiter sollen allein das Hans verwalten, das ibnkn gehört. Man will dort Musik und Schauspiel reden lass»i, man will auch das Lichtbiko be- imtze», damit es der Aufklärung und Belehrung und nickt mehr jener Volksverblödung dient, die heute allgemein von den«ine- matographcn betrieben wird. Das ist fürwahr ein wunderschöner Traum. Jetzt fehlt nur neck, daß der weiter sck'wälen'oe Haß zwischen den Völkern verschwindet, damit ein Stück dieses Zukunftsparadicses verwirklicht wird. mti. Zelüfrüchte unter elektrischer Seftrahlung. Längst weiß man, daß Bestrahlung mit hochgespanntein Gleich- ström die Entwicklung der Feldfrüchtc besckleiinigt. I» England angestellte Versuche wurden sehr verbessert; das Verfahren hat sich bei Weizen, Hafer, Gerste, Kartoffeln, Runkelrüben, To- maten, Erdbeeren u. a. sehr gut bewährt. Tie elektrisch behau- deltc» Pflanzen sind durcklveg höher und kräftiger, als die unbe- strablten. C. J55?. Kollatz berichtet eingehend über die neueste in England gebrauchliche Anordnung in der„Umschau"(Frankfurt am Main). Jn Abständen von 11 Meter werden dünne Drähte an Stan- gen von bVs Meter Höhe netzartig über das Feld gespannt. Dem Drahtnetz wird hochgespannter Gleichstrom von 60 000 bis 100 000 Volt Spannung, aber von geringer Stromstärke, zugeführt. Di- Kosten der Einrichtung sind sehr niedrig(bei großen Feldern 10 bis"12*6 Pf. pro Hektar). Tie Steigerung des Wachstums tu bei den einzelnen Fruchtarten verschieden. Bei Gurken wurden 17 Proz., bei Erdbeeren 36— 80 Proz., bei Mohrrüben 50 Pro.;., bei Hafer bczügl. deö KornS 49 Proz., bei Haferstroh bis zu 8s Prozent festgestellt. Die großen Vorteile, welche die elektrische Behandlung der Felder bietet, sollle auch Deutschland mit seiner hochentwickelten Elektrotechnik sich schleunigst zunutze machen. Notizen. — Ein Bild ungsparlam ent. Jn den„Annalen für Soziale Politik und Gesetzgebung" fordert Paul Natorp ein Biloungsparlament, in dem die Vertreter aller Zwcige und Richtungen der nationalen Bildung zu sitzen hätten von den Hochschulen bis zu den Kinderhorten, Vertreter der Jugendverbändc, der wer. bundartigen Vcrcinigiiiigen, der Volkshygiene, der Bodenrefo: m, der Künste, der religiösen Ordnungen. Ein solches Sachu.rstan- d igen Parlament würde durch das bloße Gewicht seiner sachkundigen Beratungen und Gutachten ganz ohne Zwang t-on höchstem Einfluß aus daS Parteienparlament sein. Zumal, wenn sich eigene Sachverständigenvertretungen für die wirlschaftlicken und für die politischen Angelegenheiten(Verwa.'tniig, Rech:- sprechung und Verwandtes) ihm'zur Seite stellten. Völli-m Unab- hängigteit des BildungSparlaments von jeder sacksremden wirr- schaftlichcn und politischen Gewalt sei natürlich erster Grundsatz. — V o r t r ä g«. Auf Veranlassung des Akademisch-Sozialen Ausschusses an der Universität Berlin spricht Prof. Gottfried Nau- mann am 4. Juli, abends 7 Uhr, im Hörsaal 29 über das Thema „M ä nn e rg c m e i n scha st über den Klassen". — D i e Waldspiele auf dem Brauhaus berge beginnen am Sonntag, nachmittags 5 Uhr, mit der Ausführung von Anzengrubcrs„Pfarrer von Kirchseld". — Heinrich Lauten sacks„P f a r r h a u s k o in ö d i kam im Münchner Schauspielhaus zur Uraufführung. Sic stammt aus der Frühzeir des Dichters. Die intime Welt eines oberba»)- rischen Pfarrhauses, die Beziebungen zwischen Pfarrer, Koopcrator und Köchinnen sind weniger komödieiibaft als mit tiefem mensch lichem Gefühl gestaltet. PracktooU ist die erdhaft saftige Menschen darstellung Lauten sacks. Des Dichters früher Zusammenbruch,»».r- ursacht von den Uebcranstreiigungcn im Kampf um die materielle Sicherung seiner Existenz, kommt auf das Schuldkonto der Zensur, die allen seinen Werken die Bühne verschloß. — D i e phatographierte Luft. Dem Flugdi.'j.st der amerikanischen Armee ist es gelungen, kinematographisch.- Auf- nahmen der Luftbewcau.igen zu machen, die d-urch ein im Fluge befindliches Flugzeug hervorgerufen werden. Der Kampf zwischen der aufsteigenden Kraft und dem Gesetz der Schwere wird auf d-eie Weise bildlich vor Augen gefübrt; die daraus hervorgehenden Erfahrungen können vielleicht Einfluß auf den Bau der künftigen Flugzeuge nehmen. den sei. und es ist daran der schwere Vorwurf geknüpft worden, als ob den Mahnahmen der Behörde dem EmontS gegenüber kapi- talistische Mot-ive zugrunde lägen. Davon kann natürlich in Wirk- lichkeit gar keine Rede sein. Die Angelegenheit verhält sich vielmehr folgendermaßen: Bei der Aushebung eines kommunistischen Bureaus war den Strafversolgungsbehönden vor einiger Zeit ein Brief in die Hände gefallen, der an ein weibliches Mitglied der Zentrale der Kam- munistischen Partei gerichtet und mit„E." unterzeichnet war. Weitere Ermittlungen ergaben, daß der'Schreiber dieses Brieses ein gewisser Emonts, Berlin, Flensburger Straße 12 wohnhaft, war. Daß, wie sich erst später ergab, dieser EmontS mit dem Bankbeamtenführer gleichen Namens personengleich war, war der mit der Angelegenheit befaßten Staatsanwaltschaft damals über- Haupt nicht bekannt. In dem erwähnten Briese schilderte der Schreiber seine umfangreiche Propagandatätigkeit im Dienste der kommunistischen Bewegung, und eS ergab sich aus seinen Ausführungen unzweifelhaft, daß er für die Ausbreitung des Bolschewismus, für den Sturz der gegenwärtigen Regierung, die Einführung der Diktatur des Proletariats und die Aufreizung der Massen zur Weltrevolution tätig war. Ilm seine Propagandatätigkeit«och umfangreicher zu gestalten, erbat er in dem Briefe von der Zentrale der Äommunistischen Partei die Zu- Wendung größerer Geldmittel. Da die Tätigkeit des Briefschreibers den Tatbestand verschie- dener strafbarer Handlungen erfüllte, erging darauf am 18. Juni 1313 ein« Verfügung der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht I an das Polizeipräsidium, in der dieses angewiesen wurde, den Emonts sofort zu verhasten und der Staatsanwaltschaft vorzuführen. Diese Verfügung ist von der Kriminalpolizei am 33. Juni 1313 ausgeführt worden. Hieraus ergibt sich zur Genüge, daß die Verhaftung des Emonts mit feiner Tätigkeit in der Bankbeamtenbewegung nicht das Geringste zu tun hat, daß sie insbesondere in gar keiner Begiehung steht zu der von ihm kürzlich in Sachen der Bankbeamtenbewegung unternommenen Agitationsreife. Nationalversammlung zu Weimar �3. Sitzung. Dienstag, den 1. Juli, nachm. 3 Uhr. Am Regierungstische: D a V i d u. a. Präs. Fehrcutach eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 20 Min. Abg. Mumm lässigkeit vorlag, muß die sofort eingeleitete, aber noch nicht abge- schlossene Untersuchung ergeben. UebungS schießen mit scharfer Munition innerhalb der Stadt ist streng ver- boten. Die Truppen sind erneut auf diese Bestimmung hingewiesen worden. Weitere Matznahmen läßt der geschilderte Vor- gang nicht geboten erscheinen.(Hört, hört! und große Unruhe bei den U. Soz.) Auf eine Anfrage de? Abg. T e g e n e r(Dnat. Vp.) wegen Entfernung von Bildnissen der kaiserlichen F a- m i I i e aus den Schulen in Bochum durch den Arbeiterrat erwidert Kultusminister Harnisch: Zu meinem Bedauern ist die Wen- dung„23 i l d e r st ü r m e r e i* in meinem Erlaß vom 29. März so aufgefaßt worden, als verurteile die Staatsregierun« jede Eni- fernung solcher Bilder. Die Arbeiterräte in Bochum haben aller- dingS ihre Befugnisse überschritten, was von der Regierung entschieden mißbilligt wird. Ich erkläre ausdrücklich, daß zwar jeder- mann in seiner Privatwohnung so viel Kaiserbilder anbringen kann wie möglich, aber in den öffentlichen Schulen hat kein Wahrzeichen des alten kaiserlichen Deutschlands mehr Platz. (Große Unruhe rechts, Zustimmung links.) Sie können dort eben- sowenig geduldet werden, wie das frühere kaiserliche Deutschland republikanische Abzeichen in seinen Schulen geduldet hätte.(Seh: richtig! links.) Darum habe ich raeinen Erlaß dahin erweitert, daß mit selbsttierständlicher Ausnahme von Kunstwerken, wie der Tarstellung des Alten Fritz von Menzel und Bismarcks von Lenbach die Kaiserbilder durch die Schulaufsichtsbehörden aus d Schulen entfernt werden sollen, aber nicht demonstrativ, sondern möglichst unauffällig, am besten. während der ganzen Ferien.(Große Unruhe rechts.) Eine Anfrage der Abgg. Degcnhardt und Gen.(Dem.) ersucht um Auskunft über die Vorgänge im Eisenbahn- direktionsbezirk Erfurt am Sonntag, den 15. Juni, und über deren Veranlassung. Ein Regierungskommissar gibt eine kurze Dar- stellung der Vorgänge. Es sei von einer Versammlung von Eisen- bohnern die Absetzung des Dircktionspräsideirten verlangt worden und es habe sich ein Demonstrattonszug daran geschlossen. Diesem seien Tafeln vorangetragen worden mit der Inschrift:„ES lebe die Diktatur des Proletariats!* und„Nieder mit der Regierung!" Daraus allein schon ergebe sich, daß poli. tische Momente der Demonstration zugrunde gelegen hätten. Die Regierung habe einen Kommissar zur Untersuchung an Ort und Stelle abgeordnet. Der Antrag der Demokraten auf Annahme eines Gesetzes über die Gewährung von Straffreiheit und Straf milde- rung bei ehrengerichtlichen Strafen und ehren- gerichtlichen Verfahren gegen Aerzte wird in zweiter Lesung ohne Erörterung unverändert angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über weitere Beihilfen zu KricgSwohlfahrtsaüsgabcn der Gemeinden und Gc- meindeverl'ändc. Der Gesetzentwurf wird nach kurzer Erörte- rung c i n st i m m i g angenommen, die 153 Millionen werden aber von den Rednern der Linken und des Zentrums nur als Aoschlagc- zahlung bezeichnet. Eine baldige Erhöhung des Betrages wird ge- fordert. Die Vorlage wird einstimmig angekommen. Es folgt die Beratung der Vorlage auf Vcrstadtlichung der Charlottenburger Wasserwerke. Abg. Dr. Hagen(Z.): Die, Beschaffung des Wassers bat einen monopolartigen Charakter und eignet sich zur Soziali sicrung.?lber diese Vorlage ist so schnell gekommen. daß eine gründliche Prüfung erst im Ausschuß möglich ist. Abg. Cassel(Dem.): Es wäre doch viel richtiger, den ganzen Besitz als solchen zu enteignen, statt den einzelnen Aktienbesitzern eine CiilschMiaung zu gewähren.' Abg. Leidig(D. Vp.): Die Vorlage ist ein Ausnahmegesetz, denn sie greift ein einzelnes Werk heraus und läßt große private Wasserwerke, wie das von©elfenkirchen, nach wie vor bestehen. Das Interesse Schäncbergs ist kein Grund sür eine vorzeitige Sozialisierung. Abg. Bruns(Soz.): Wir begrüßen eS, wenn dieser gemeinnützige Betrieb der privaten Ausbeutung entzogen wird. Die Bor- läge ist notwendig, sie mache endlich den Anfang mit prak- tischer Soziall sicrung. Abg. Hammer(Dnat. Vp.): Volle Entschädigung muß ge- chährt werden. Abg. Dr. Rosenfclb(II Soz.): Das ist ein kläglicher Ansang der Sozialisicrung. Wir stimmen nur ungern zu. Die Vorlage wird an einen besonderen Ausschuß von 21 Mst- gliedern verwiesen und'darauf die Aussprache über den Etat der Justizverwaltung fortgesetzt Justizminister Am Zehnhoff: ES ist der feste Wille der Ver« waltung, daß die tSeamtenausschüsse nicht bloß auf dem Papier stehen bleiben. Der Gedanke, Rechtsanwälte als Richter zu nehmen, ist mir durchaus sympathisch, aber praktisch nicht durchführbar. Abg. Deerberg(D. Nat.): Was bedeuten alle unsere Erörte- rungen hier gegenüber den furchtbaren Schicksalen draußen! Die Organe der Rechtspflege haben in dieser Zeit der Verwirrung keinen Augenblick versagt. In Preußen und Deutschland herrscht keine Klassenjustiz.(Lebhafter Widerspruch bei den Soz.) Die Klassen- justiz betreiben Sie(zu den Soz. Große Unruhe links.) Das Wahl- richtertum würde die Justiz zum Kriegsschauplatz politischer Gegen- sätze machen. Der Staat muß die mittleren und unteren Justiz- bemnten besser stellen. Wir mißbilligen die Knebelung der Preß- frciheit. Wo sich nationaler Stolz gegen die Schmach des Versailler Friedens regt, wird mit einem Verbot eingeschritten. Das ist die Freiheit des 9. November,(ibeifall rechts.) Abg. Stendcl(D. Vp.): Wir wünschen kein«- allgemeine Zu- ziehung von Frauen zum Schöffen» und Geschworenenamt. Wie kann man behaupten, daß die Revolution ein Segen für unser Volk gewesen ist? Die Mehrheit des Volkes sieht in der Revolution ei« Verbrechen. (Große Unruhe links.) Wenn ein Antrag deS Berliner Vollzugs-rats auf Haftentlassung nicht beachtet wurde, so sagen wir: Gott sei Dank, daß es noch Richter in Berlin gibt, die sich in ihren Kram nicht hineinreden lassen. Nunmehr schlägt der Präsident Vertagung auf Mittwoch, 1 Uhr, vor, mit der Tagesordnung: Kleine Vorlagen und Fortsetzung der EtaiSberatung.— Hebet einen Antrag auf Absetzung eines Punktes von der Tagesordnung muß durch Auszählung abgestimmt werden. Diese ergibt Beschlußunfähigkeit. Der Präsident erklärt. daß er die'Tagesordnung der nächsten Sitzung den Mitgliedern schriftlich zustellen wird. �Schluß 6 Uhr.) Abgeordneter Professor Dr. Preuß ist zu den weiteren Arbeiten am Verfassungswerke mit der Vertretung des ReichsmiuisterlutnS betraut wurden. Vollversammlung üer/lrbeiterräte GroKberlins preßfreihett.— Streikerlaß.— Die öopkottfrage wieder umgangen. (Fortsetzung aus dem Wendblatt.)/ Sana(S. P. D.) weist dann noch auf die Spaltung der Nr- beiterschaft hin. die jede positive Arbeit für den Wiederaufbau der Wirtschaft und die Sozialisierung hindere und schliestt mit einer Aufforderung zur Einigkeit, die das einzige Mittel sei, um aus den gegenwärtigen unleidlichen Zusränden herauszukommen.(Lebhaiter Beifall, in den sich Gegen kund gcbungen einer kleinen Minderheit mischen, die schließlich zu großem, anhaltenden Lärm ausarten, an dem sich besonders die Zuhörergalerie beteiligt.) Borsitzender Brokat mahnt wiederholt zur Ruhe und unter- sagt energisch die lärmenden Kundgebungen der Zuhörer. Heine(K. P. D.): Die politische Unterdrückung und Knech- tiing in Deutschland ist jetzt größer wie vor dem ö. November. Wie die Verhältnisse liegen, muß für Hersurth das schlimmste be- fürchtet weiden. Auch er kann, wie andere unserer Vorkämpfer, dem politischen MZich zum Opfer fallen. Jopickes ist ja auch wider- rechtlich verhastet und dann hinterrücks ermordet worden.— Die Leute, die jetzt in der Regierung sitzen, sind nur noch Hampel- männer in den Händen der militärischen Befehlshaber.— Die herrschenden Klassen suchen die Revolution abzuwürgen und dabei helfen ihiien die Leute, die vorgeben, eine Arbeiterpartei zu vertreten. Jetzt haben wir die brutale Militärdiktatur. Die Verhaftung des Vollzugsrats ist nicht auf Geheiß der Regierung, sondern der Mili- tärkamarilla vollzogen. Das alles kann nur ein Ende nehmen, wenn der Kapitalismus gestürzt ist. Entweder Diktatur des Kap:- talismus oder Diktatur des Proletariats. Ein drittes gibt es nicht. Ich weise die Behauptung Däumigs zurück, daß w i r an den Unruhen im Januar schuld sind. An der Besetzung der Gebäude haben sich Mitglieder aller dreif?) Parteien beteiligt und an der Besetzung des„Borwü'rls" waren die Parteigenossen Däumigs am meisten beteiligt.— Die Aufhebung des Gei�altfriedens kann nur das Werk des internationalen Proletariats sein.— Gegen den Lebcnsmittelwucher muß energisch durchgegriffen werden. Aber das ist von der gegenwärtigen Regierung nicht zu erwarten. Wenn inan die Arbeiter zufrieden stellt, dann sind sie auch bereit zu ar- beiten. Die Forderungen der streikenden Eisenbahner und Straßen-. bähnvr sind berechtigt.(Lebhafter Beifall.) Es lebe die soziale Weltvevolution.(Stürmischer Beifall.) Fischer(Demokrat): Ich glaube nicht. Jiaß die Arbeiter der siegreichen Länder sich um die Früchte des Sieges-bringen lassen. Auf sie können die Hoffnungen auf die Weltrevolution sich nicht stützen.— Bei aller Sympathie mit den Eisenbahnern muh ich doch sagen, daß es unter uns Lehrern viele Taufende gibt, die sich tilechter stehen wie die Eisenbahner.(Unruhe. Zuruf:„Streikt doch!") Die Eisenbahner stellen eine Macht dar. Aber wenn wir i. eilen würden, darauf pfeifen die Spaßen und Ihre Jungens und Mädels freuen sich.(Heiterkeit.)— Ganz abgesehen von den Gründen, die für die Verhaftung der Vollzugsratsmitglieder an gell ort werden, ist unter allen Umständen zu verurteilen, daß die Parteizugehörigkeit für die Verhaftung maßgebend war. Wenn gchl>che Gründe für die Verhaftung vorlagen, dann hätte doch kein imerfchied der Partei gemacht werden dürfen.— Prcßfreiheit muh ein, aber die Presse soll sich auch der Verantwortung bewußt sein. 'ie sie in dieser schweren Zeit hat.— Es muß dafür gesorgt wer- oen, daß die Großstädte mit Lebensmitteln besser wie bisher ver- orgt werden.— Wenn wir hier plastische Arbeit leisten, dann kann uns die Regierung die Anerkennung nicht versagen. Weg mann(U. S. P.) bemerst: Das Tclephongespräch mit Hamburg kann nicht die wahre Urfaibe der Verhaftung gewesen iein, denn der Hastbefehl gegen Rich. Müller und Däumig lag schon vor den Hamburger Unruhen vor. Das ist ein Werk der Gegen- redolution. Eano(S. P. D.): Ich stelle fest, daß ein Haftbefehl gegen Müller und Däumig nicht vorgelegen hat.(Lachen.) Däumig(U. S. P.): Ich gebe zu, daß ein formeller Haft- beseht gegen mich nicht erlassen ist, Aber an. dem Tage, wo die „Republik" verboten wurde, haben Militärpersonen in meiner Woh- nung angeblich nach Waffen gesucht, jedoch nichts gefunden. An einem der folgenden Tage sind wieder Militärpersoncn in meiner Wohnung getvescn, sie Habetz meine Frau zur Seite gestoßen, die Wohnung durchsucht und anch nach mir gefragt, sicher doch nicht, um sich mit mir zu unterhalten. Dasselbe ist auch bei Müller . geschehen. Also war es wohl auch-ohne formellen Haftbefehl auf unsere Verfofwng abgesehen. Die Diskussion wird geschlossen und folgender Antrag der U. S. P.-Frastion einstimmig(bei einzelnen Enthaltungen) ange- nommen: „Die Vollversammlung fordert von der Reichsregierung die sofortige Freilassung der Arbcitcrräte, die am Donnerstag, den 27. Juni, unmittelbar nach der Vollver- sammlung durch einen ungesetzlichen brutalen militärischen Gewalt- ast ihrer Freiheit beraubt wurden." „Die Vollversammlung fordert die vollständige Wiederhcr- stellung der Prcßfreiheit." Ein inhaltlich gleichartiger, im Ton aber schärfer gehaltener Antrag der Kommunisten wurde gleichfalls angenommen. Heinrich(U. S. P.) teilt mit, daß die von ihm vertretenen Magistratshilfskräfte beschlossen haben, sich dem ev. Proteststrek der Bankbeamten wegen der Verhaftung Emonts' anzuschließen. (Großer Beifall.) Die Magistratshilfskräfte, die hier in Frage kommen, haben mit der Lcbensmittclvertrilung zu tun.(Aha!) Sie erwarten, daß sie heut abend noch Bescheid bekommen, welches Ergebnis die Verhandlungen des Vollzugsrats wegen der Haft- entlassung Emonts gehabt haben. Ein Vertreter der Bankbeamten teilt mit, daß seine Kollegen den Proteststreik zugunsten der Entlassung Emonts noch nicht be- schlössen haben, weil die Gründe für die Verhaftung noch nicht be kannt sind. Es folgt der dritte Punst der Tagesordnung: Der Strcikerlaß Noskes. M a l tz a h n(II.<3. P.) führt aus, Brolat(S. P. D.) habe sich die größte Mühe gegeben, wegen Rücknahme des Streikerlasses mit Noske zu verhandeln, aber Nosle sei nicht erreichbar gewesen, denn er be- finde sich in Hamburg. Ter Erlaß sei auf das schärfste zu ver- urteilen, das Streikrccht der Eisenbahner dürfe weder jetzt noch in Zukunft unterbunden werden. Scharfschwerdt(Gewcrkschaftsbund der Eisenbahn beam ten) macht Mitteilungen über die Lohnbewegung der Eisenbahner und sagt, den Eisenbahnern seien m der Frage des MitbrstimmungS- rechts wertvolle Zugeständnisse gemacht worden.(Widerspruch.) Folgender Antrag fand einstimmige Annahme: „Die Vollversammlung verwahrt sich mit aller kditsckneden- heit gegen die Eingriffe in die Koalitionsfreiheit der Arbeiter und Angestellten durch den Rcichswehrminister Noske." Nun sollte der letzte Punst der Tagesordnung: „Boykott der Frciwilligenverbände" behandelt werden. Hierzu'hatte die Fraktion der S. P. D. folgen- den Antrag angenoinmen, den sie in der Vollversammlung vertreten wollte: „Die Fraktion der S. P. D.-Arbeiterräte stellt sich auf den Boden der vom Parteitag angenommenen Richtlinien über die Freiwilligenverbände. Sie beantragen daher die sofortige Auf- Hebung der Boykottbeschlüssc der Vollversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte Groß-Be«lins in bezug auf die Freiwilligenver- bände, da sie es als unsittlich bezeichnen müssen, daß die tyolittschs Ueberzeugung Andersdenkender mit Strxkschlägcn auf den Magen bestraft wird." Stahlberg(U.S. P.) beantragt Vertagung. Büchel(S. P. D.) spricht dagegen. Die Angelegenheit müsse jetzt endlich zur Klarheit gebracht werden. Aber die Unabhängigen hätten nicht de« Mut, die Angelegenheit zu behandeln. Der Vertagungsantrag wird gegen eine starke Minderheit angenommen. Vorsitzender Brolat(S.P. D.): Wir haben im Vollmgsrat beantragt, diese Angelegenheit aus die Tagesordnung der Vollver- sammlung zu setzen. Die Unabhängigen sind jetzt, da sie zufällig die Mehrheit haben, darüber hinweggegangen. Sie trauen sich nicht Stellung zu der Angelegenheit zu nehmen. Sie haben die Folgen ihres Beschlusses zu tragen.(Beifall auf der einen, Lärm auf der anderen Seite.) Ter Vorsitzende Brolat schloß hieraus die Versammlung. Magistratshilfskräfte. Zur Protestkundgebung des Zentral- ausfchusses, Hai dir Vollversammlung der Aibetterräte einstimmig beschlossen, sofort den Vollzugsrat zu beauftragen, die nötigen Schritte beim Reichswehrministerium zur Haftentlassung Emonts' zu unternehmen. Bis zur Beendigung dieser Verhandlungen, von deren Ausgang wir die Kollegenschaft in Kenntnis setzen werden, wird dringend gewarnt, Etnzelakuonen zu unternehmen. Der Zentralausfchuß. GewerffchofisklNVung S. P. D.- Funktionäre und politische Streiks. In der Sitzung ver S. P. D.- Funktionäre der A. E. G., Brunnensiraße. winde folgender Antrag einstimmig angenommen: Bei allen politischen Streiks ist im Betriebe eine geheime Ur« abstimmling vorzunehmen. Wird diese abgelehnt, so beieiligen sich die Mitglieder der S. P�D. nicht weiter an den Beratungen, sondern beHallen sich ihre Slelliing zu den gefaßten Beschlüssen vor. Bei politischen Generalstreiks ist allein nach der Parole der Partei- leitung zu handeln._ Besucher der Nennbahn Grunewald! Die aus der Rennbahn Grunewald beschäftigten Arbeiter haben dem Berliner Nennverein durch ihre Organiiaiion, den Deutschen Transportarbeiterveiband, unterm 5. Mai Forderungen aut tarifliche Regelung der Lobn- und ArbeilSverhällnisse»nicrbreilet. Da die feudalen Herren im Berliner Rennverein kein Verständnis iür die jetzige Zeit haben, glauben sie recht zu handeln, wenn sie die Forderungen der Arbeiterschaft ablebncn. Die Arbeiterschaft hat nunmehr beschlossen, wenn bis Mittwoch keine endgütlige Regelung erfolgt ist. in den Streik zu treten. Die Gewerkschaft der mittleren Postbeamten Bezirksverein Berlin, beichäiiigte sich in einer Versammlung im LebreivereinShauie mit der übeiauS traurigen wutickafilichen Lage der mittleren Postbeamlen. Allieilig wurde die eingetretene Ver- ichuldung und die Sorge dieser Bcamtenklasse um Nahrung und Kleidung bei vorgehoben. Dem Wnniche der Beamten, sie mit Ein- kommensverbesierungen zu bedenken, wie sie neuerdings wieder hiesigen Kommunaldeanilen Lehrern und Arbeitern zuteil geworden seien, halte die Postverwaltung— wie bor dem Kriege— die schlechte Finanzlage des Reiches entgegen. Demgegenüber wurde auf unrenlabele Betriebe der Post- und Telegrapbenverwaltung verwiesen. Mi« Erbitterung wurde von einem Bericht über eine pcriön- liehe Rücksprache von Beamten im PostminisleriumKenntnis genommen, wonach einflußreiche Stellen im Ministerium auf alte Wünsche um bessere Bewertung der produttiven Arbeit der Postbeamten eine Aufbesserung von 8V Pf. täglich, zahlbar an eine» Teil der Be- amten 2t Jahre nach der Anstellung als weitgehendstes Entgegen- kommen bezeichnet haben. Angesichts dieses Standpunktes wurden Zweifel laut, ob es überhaupt möglich sein weide, im Wege der Verhandlungen zu einer Einigung zu kommen. Die vorgekommenen wilden Poslbeamtenveriammlunaen und Slreildrobnngen würden von der Mehrbeil»ich: gebilligt, daiür aber von den Organlsolions- iührern stürmisch verlangt, de» Wünschen der Beamlen endlich Be« sriedigung zu verschassen. In häufiger einzuberufenden Veriamm- liingen sollen über die jeweilige Lage weitere Beschlüsse geiaßt werden. Freie Bahn dem Tüchtigen. Einen siarkcn Mißklang zu diesem gerade in unserer Zeit be- deutungsvollen Motto bildet ein Fragebogen, den ein Stellung- suchender von einer Auskunftei in Berlin W zugesandt erhielt. Der Einsender halte sich auf ein Zeitung Sniserat an dieie Firma um Nachiveilung einer Stellung gewendet, von der er nun zu seinem Erstaunen eine Reihe Fiagen zur Beomworiung vorgelegt erhielt. Darunter bcsinden sich auch solche, die mit der Tnch'.igkeit eines Angestellten ob olut nichts zu tun baden, w>e die Frage nach Kom'eision. dem Siaud des Vaters, der Stellung event. vorbandener Brüder lind die Frage nach Vermögen. Solche Fragen haben mit der Absicht sich über die Tüchiigkeit und Brauchbarkeit eines Mannes zu informieren, rein qar nichts ,u tun. sie sind lediglich als eine unwürdige Schnüffelei in privaie Velbältnisse zu betrachten. Deutscher Holzarbeitcrverdand. Mnilkinstruinentenarbeiter! Außer, rdentlicke Mltgliederver'ämm. lungen für Norden und Ollen am Donnerstag, de» 3. iXuti, abends 61/, Ubr. in Breuers Fekllälen Cr..Köniosbantt), Gr. Franlsurler Slrane 117; für S ü d o lt e n und Neukölln am Freitag, den 4. Juli, abends 61/, Ubr, im.Ncichcnberger Hos", Reichenbergcr Str. 147. Tagesordnung: 1. Teuerungszulage oder Kamvf in der Berliner Mufil- instrlimentemndu'Irie. 2. Bericht vom Verbandstag. 3. VcrichicdencS. Kollegen! Da mir vor wichtigen Entscheidungen stehen, wird um pünktliches und vollzäbligcs Erscheinen erlucht. Achtung! Bauarbeiter! Heilte abend 7 Ubr finden in allen Be- zirken und Zablstcllcn in den bekannt gegebenen Lokalen Versammlungen llatt mit der Tagesordnung: Stichwahlen zum t. Schrlm- sübrer, 2. Kassierer und einem A n g e it e I l t e n. Alle unsere Kollegen und Anhänger haben die Pflicht, lür guten Besuch dieser Versammlungen zn agitieren und auch selbst z» erscheinen. Ldleutc der Chemischen Industrie wollen die in ihren Firmen bestehende Nibeilszeit unverzüglich dem Zentral-Ausschuß der Angeilellten zron-Bcrliiis, Berlin. Werft'Ir. 7, event. tclepdonisch angeben. Tie erwerbslosen«Irofi-Berliiicr Kollegen von A. W. Süd können sich den ö Tage-halbcn Lohn noch abholen. parteinachrichten. Kommnnales Bureau Groß-Berlin. Das im März d. I. von der Bezuk-sorganiiation Groß- Berlin beschlossene Bureau der „Kommunalen Ronierenz der Gemeindcvertrcler von Groß-Berlin" Hai am 1. Juii se-ne Täiigkeil begonnen. Leiter des Bureaus ist der Genosse Adolf Ritter, an dessen Adresse. Berlin SW 68, Lindenstr. 114. in Zukunft alle Zuschiislen zu richten sind._ Gerickts�eitung. März-Plünderer. Als Teilnehmer an einer größeren Plünderungskolonne, die ia der Nacht des 5. März im Norden Berlins ihr Unwesen trieb, standen Erich Kolbe, die Brüder Willi und Hans L u ck f i e I und Erich Brecht vor dem außerordentlichen Kriegsgericht. Etwa 50 Personen, zum Teil mit Gewehren uno Revolvern bewaftntt, gingen auf Plünderungen aus, drangen gewaltsam in das Salo- mansche Warenhaus. Franseckistraße, raubten es gehörig ans und warfen viele Gegenstände zur Straße hinaus, wo sie von Straßen- passeinten weggeschafft �wurden. Aus dem Goldwarengeschäft Neu- mann. Weißcnburger Straße, nahmen sie mit, waS sie fanden. In der Danziger Straße mußte die Uhren- und Goldwarcnbandlung von Hanns daran glauben. Die Angeklagten hatten jene Nacht in einem Scbanklokal zugebracht, waren auf dem Heimwege auf die Plündcrerkolonnc gestoßen, mit ibr gezogen und haben sich eine ganze Anzahl von Ringe, Ketten und sonstigen Goldsachen ange- eiHiet. Bei einer Haussuchung wurden Beutestücke vorgefunden. Das Gericht verurteilte den in vollem Umfange geständigen Ko'be zu 1 Jahr Gefär.g'nis. Brecht zu 2 Jahren 6 Monaten und die Brüder Luckfiel zu je 6 Monaten Gefängnis. �uyenüveranftaltunyen. Trep'ow-Rnumichulcnwcg. Freitag. 4. Juli, von 7—9*1, Uhr: 1. Heine-Abend im Jugendheim. Elsenstraße 3, hochvarte-rc lVorlchulei.— Jeden Dienstag und Donnerstag: spielen mit Abt. Südost aus Wiese 6 beim Denlmat(am Gr. Sportplatz). ;.....______ i Bcrantwortlich für Politik Srtnr zickler, Tl>arlctt»»inirq, für den übrigen Teil de, Blattes Alfred eaioi». Neutolln. für Anzeigen Ateabar Wlotfe, Berlin. Vertag: Vorwörls-Vcrlag cg. v: b. H.. Berlin. Druck Lorwärls-Buckidruckeret und Berlagsanltalt Paul Ctnger u. Co tn Berlin. Llndensiratze 3. Hierzu 1 Beilage. Versand«- Abteilung Berlin WöO Leipziger Sir. U£id Seide eingewebte seböne Streifen S50 Voile Ninon in verschiedenen Farben 14 so Isnit. Feinen fiir KostUme u. Kleider, In scfabnen bellen Farben ca. SO cm breit 17 23 sebwarz, tllr Blusen ca. lOO cm breit oo Voll-Voile weiß, glatt In guter Qualität ca. tts cm breit so Scbwarz T äffet lUr Röcke und Kleider ca. go cm breit OO