Nr.334.36.Iichrgi. Bezugspreis: Vierteljährl. 9,— Ml., monatL 8,— MI. frei ins Haus, voraus zahlbar. Post« bezuz: Monatlich 8,— Ml., exll. Anstellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 6,25 Mk.. für das übrige Ausland l02ZMl.,bei täglich einmal. Zustellung 8,25 Ml. Postbestellungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg. Schweden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der„Vorwärts" mit der Sonntag»- beilag?„Voll u. gell" erscheint Wochen- täglich zweimal. Sanntags einmal. Morgen-Ausgabe. Telegramm-Adresse: �Sozialdemokrat Berlin". � f Berliner Volksbleltt. ( 15 Pfennig) Anzeigenpreis: Die achtgespaltene Nonparelllezell« kostet>,2il Ml.„Kleine Anzeigen", das lettgedruckts WoN 50 Pfg. lzuläfstg 2 lettgedruelte Worte), jedes weitere Wort 25 Pfg. Stellengesuche und Echlafftellenanzctgen das erste Wort «0 Pfg. jedes weitere Wort 20 Pfg, Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Juni wird von ihrem New Aorker Korrespondenten gemeldet, daß der erste Absatz der Botschaft Wilsons an die Ver- r i n i g t e n Staaten bei der Unterzeichnung des Friedens von den republikanischen Senatoren als Ber.höhnung des Senats ausgelegt worden ist und zur Folge ge- habt hat, daß die vor 48 Stunden noch vollständig entzweiten Parteien sich wiederum eng aneinander geschlossen hätten. Der Appell des Präsidenten wegen Ratifikation des Ver- träges und rascher Durchführung seiner Bedingungen hat genau dcu gegenteiligen Erfolg gehabt und nicht nur alle Elemente der Opposition, sondern auch die Mehrheit der Senatoren mit Anschluß von drei Demokraten, die bisher noch unentschlossen waren, vereinigt. Der alte Vor- Wurf, daß Wilson den Senat ignoriere und ihm vorschreiben wolle, was er zu tun habe, ist wieder aufgelebt. Selbst die gemäßigten republikanischen Senatoren sagen jetzt, daß der Vertrag nicht uneingeschränkt ratifiziert werden kann. Es sind alle Anzeichen für einen scharfen Kampf vorhanden._ WassenftillstanöskommWon bis zur Erlebens- ratifikation. Tpa, 2. Juli. Fortdauer der Tätigkeit der Waffen still- standskommisfion bis zur Siatifizierung des Friedensvertrages. General Nudant übergab der deutschen Kommission in Spa am 30. Juni folgende Note: Die internationale permanente Waffenstillstandskommission wird ihre Tätigkeit bis zur Ratifizierung fortsetzen. In beiderseitigem Interesse ist eine Ver- Minderung des Personals wünschenswert. Die internationale per- manente Waffenstillstaiidskommission wird von Spa verlegt. Der neue Aufenthaltsort wird in kürzester Frist festgesetzt werden. Die deutsche Waffenstillstandskommission wird zu gegebener Zeit von den Entschließungen des Marschalls verständigt werden. Es liegt in ihrem Interesse, ohne abzuivarten, sich nach Möglichkeit zu ver- kleinern. Das neue Vaffenbünönis üer Gegner. Ein Zeugnis gegen ihr eigenes Werk. Der belgische„Maasbode* vom 30. Juni abends bemerkt zum französisch-amerikanischen Dcfensivver- trag, die neue Weltordnung', worin für politische Verträge nach der Erklärung der alliierten Staatsmänner kein Platz mehr sein sollte, würde also auf diese Weise eingeleitet. Die Alliierten hätten kaum anders von ihrem Mißtrauen gegen ihr eigenes Werk Zeug- nis geben können. Amsterdam, 2. Juli. Laut„Algemeen Handelsblad" meldet „M o r n i n g Po st* zu dem zwischen England, Frankreich und den Vereinigten Staaten abgeschlossenen Vertrag, daß wenn das eine oder andere dieser Uebcreinkommen nicht ratifiziert werde, die anderen von selbst un gilt ig werden. Es sei ein vorläufiges Uebcreinkommen, laut dessen England und Amerika eingreifen, wenn Frankreich von Deutschland angegriffen wird, aber in keiner Weis« die allgemeine Politik Frankreichs unter- stützen. Ueberreichung öer Finanz- unö wirtschasts- beölnzungen an Oesterreich. Genf, 2. Juli.(T. IL) Der„Temps" meldet, daß die vom neuen Fünferrat genehmigten finanziellen und allgemeinen wirtschaftlichen Klauseln zu den Friedensbedingungen dem Vertreter Oesterreichs, Renner, übermittelt werden. Es dürfte aber noch eine Weile dauern, bis die komplizierten A d r i a- fragen geregelt sein werden. /Imh Sie öankbeamten Opfer kommunistischer Treibereien. Zu dem Belastungsmaterial, das zur Verhaftung E m o n t s geführt hat, gehört ein Brief, den Emonts am 12. April ISIS geschrieben hat. Es ist bereits mitgeteilt worden, daß dieser Brief den schlüssigen Beweis für die kommunistische und hochverräterische Propaganda Emonts liefert. Außerordentlich bc- merkenswert sind die letzten Absätze des Briefes. Sie sind ein ein- wandfreies Zeugnis dafür, daß Emonts die Bankangestellten für seine besonderen politischen Zwecke schon im März d. I. mißbrauchen wollte und daß er überhaupt die Bankangestelltenbewegung nur als Mittel zur Durchführung des von ihm für das ganze Reich gc- planten Generalauf st andes benutzt hat. In dem Brief, dessen Echtheit Emonts vor dem Richter bereits zugegeben hat, heißt es: „Ich vermisse auch seitens der Kommunistischen Partei jegliche Unterstützung gelegentlich meiner Proklamation des Generalstreiks der Bankangestellten. Gerade bei diesem Streik müßte und muß meines Erachtcns unbedingt die Gewähr vorhanden sein, die Ar- heiter zu einer Aktion gegen die llkcgierung zu veranlassen. Die einschneidende Wirkung, die durch das stillgelegte Banlgewerbe her- bcigeführt wird, brauche ich wohl nicht erst zn schildern. Um so nötiger wäre es, daß jetzt die Arbeiterschaft Berlins aufgerufen wird, um nicht wieder die im ganzen Reiche sich vollziehenden Aktionen zu verzetteln. Ich habe heute veranlaßt, daß alle größeren Bankinstitute in den Generalstreik einbezogen werden sollen. Ich bitte dringend darum, daß nun endlich auch in Berlin irgendwie eine Aktion seitens der Arbeiterschaft in die Wege geleitet wird. In der Elektrizitätsindustrie dürften die Verhältnisse mehr als reif fein." Vergewaltigung von 200 000 Veutschtirolern. Ei» Ecwinn, an dem Italien nicht glücklich werden wird- Amsterdam, 2. Juli. Nach englischen Blättern will Lord Brhce heute die Aufmerksamkeit des Oberhauses auf die Be- stimmung im Friedensvertrag mit Ocsterrcich-Ungarn lenken, daß über 200 000 deutschjprcchende Tiroler. Bewohner eines Gebietes, das niemals unter italienischer Herrschaft gestanden habe, dem Königreich Italien einverleibt werden. Das Programm öe? Internationale in Luzern. Amsterdam, 2. Juli. Nach dem sozialistischen„Daily Herald" trat nach Schluß der Arbcitcrkonferenz in Southport, das internationale Aktionskomstce zusammen und setzte ein vor- läufiges Programm für eine am 1. August in L u z e r n abjuhaltende vorbereitende Konferenz der Internationale fest. Auf dem Programm stehen folgende Fragen: Untersuchung der internationalen Lage, Zulassung all r Staaten zum Völkerbund, Besprechung der neuen Satzungen der Jnlcr- nationale, Berufung einer Weltkonfcrenz zum Neuaufbau' der Internationale und zur Errichtung einer internationalen sozio- listischen Presseagentur. Es wurde auch beschlossen, die Bemühun- gen zur Entsendung einer Abordnung nach Rußland wieder aufzunehmen; auch verlautet, daß eine Abordnung sobald wie möglich Teutschland besuchen wird. Was wir für die Eisenbahner schon gesagt haben, daß mit ihrer Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit ein eleu- der verbrecherischer Mißbrauch getrieben wird, ist nun auch für die B a n k b e a m t e n aktenmäßig bewiesen. Emonts hat sich in das Vertrauen dieser Männer einge- schlichen und ihnen glauben gemacht, daß er sich für ihre wirtschaftlichen Sorgen einsetze. In Wirklichkeit war ihin das materielle Wohl derer, die sich vertrauensvoll seiner Führung anvertraut hatten, höchst gleichgültig. Er ging seinen bolschewistischen, auf den Sturz der Regie- rung und den Umsturz der inneren Ordnung gerichteten Zielen nach und bediente sich der ahnungslosen Bankange- stellten dabei als W e r k z e u g. Er wußte sehr wohl die Be- deutung des Bankbetriebes für das Wirtschaftsleben einzu- schätzen; erkannte die Wchtigkeit der Bankbeamtenarbeit für den ruhigen Verlauf der inneren Entwicklung. Darum hat. ! er sich gerade diese als Mittel für die Verfolgung seiner Ab- sichten ausgesucht. Die Bankbeamten müssen setzt sehen, welche Gesellen sich zu ihrer Führung gedrängt haben. Es gibt keinen Zweifel, daß sie sich davon frei machen, daß sie nicht dulden, daß sie vor fremde Interessen gespannt werden. Es ist notwendig, daß die Verräter der wahren Inter- essen der Arbeiter— und in der Regel sind dies die wüstesten Ketzer— allenthalben entlarvt werden. Solcher Emonts gibt es noch viele in der Arbeiter- und Angestellten- beweg ung. Zur Verhaftung Emonts. Der Angestelltenausschuß der Felt stelle Groß-Berlin sMilchi erklärt,„daß wegen der Vcrhaftunn des Führers der Bankbeamten Emonls nur dann eine Abstimmung über den eventuellen Streik erfolgen wird, wenn einwandfrei feststeht, daß der Kollege Emonts nicht wegen politischer, sondern wegen gewerkschaftlicher, Tätigkeit verhaftet worden isL Der gestern von dem Kollegen Heinricht lnickn Heinrich) für die M-mstratsangestellten Berlins abgegebenen Erklärung stehen wir vollkommen fern". Der Vollzugs- ausschuß der Angestellten der Metallindustrie fordert auf das Entschiedenste die sofortige Freilassung Emonts, dessen provokatorisch wirkende Verhaftung Folgen haben könne, für die der Vollzugsausschuß eine Verantwortung ablehnt. Sesthleum'gte Ratifikation des Friedens. Durch die deutsche Friedcnsdelegation in Versailles ist dem französischen Ministerpräsidenten, Herrn C l c m c n c e a u, folgende Note überreicht werden: Herr Präsident! Auf die Note vom 28. Juni betreffend die Aufhebung der Blockade beehre ich mich, Ihnen Folgendes mitzuteilen: Tie deutsche Regierung nimmt davon Kenntnis, daß die alliierten und assoziierten Regierungen bereit sind, sobald sie von der ordnungsmäßigen und vollständigen Ratifikation des Friedensvertrages durch das Deutsche llieich amtlich Kenntnis erhalte,,, die Blockade schon vor Inkrafttreten des Friedensvertrages aufzuheben. In dem Wunsche, so schnell wie möglich von der für Teutschland so schweren und verhängnisvolle» Blockade befreit zu werden, wird die deutsche Regirrung alles daran setzen, um dir für die Ratifikation erforderlichen Maßnahmen zu beschleunigen. Sie hofft, Anfang der nächsten Woche in der Lage zu sein, den alliierten nnd assoziierten Rc- gicrungcn von der erfolgten Beschlußfassung der gefetzgebrnden Körperschaften und von der Vollziehung des Friedensvertrages durch den RcichSpräfidcntcn Mitteilung machen z» können. D>c deutsche Regierung gibt der Erwartung Ausdruck, daß die alliierten und assoziierten Regierungen in demselben Geiste, der sie zu der Zusage einer früheren Aufhebung der Blockade voran- laßt hat, sich damit einverstanden erklären werden, daß, sobald die erwähnte Nachricht vorliegt, auch mit der H c i m s c n d n n g der deutsche» Gefangenen ans ihren Ländern begonnen wird. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. Müller. Reichsministcr des Auswärtigen. Die Notlage Teutschlands zwingt uns, rasch zum Frieden zu kommen. Arn 28. Juni haben die Vertreter Deutsch- lands im Spicgelsaal zu Versailles den Frieden üüterschrie- beu. Damit war der Kriegszustand noch nicht beendet. Die Entente hat vielmehr sofort wissen lassen, daß von einer Auf- Hebung der Blockade oder von der Heimbcförderüng der dcni schon Kriegsgefangenen so lange keine Rede sei» könne, als nicht der Frieden ratifiziert sei. In dieser Haltung sprach sich nochmals das tiefe Mißtraitdn gegen Deutschland aus, daß es die den Frieden endgültig abschließende Hand- hing geflissentlich hinauszögern würde, um dadurch eventuell Situationen abzuwarten, die ihm gestatten könnten, das erst unvollkommene Friedenswerk in Gefahr zu bringen. Nun hat die deutsche Regierung durch die vorstehende Note des Ministers des Aenßcren erklärt, daß sie die Voll- ziehung des bereits unterschriebenen Friedens durch die iv> setzgebende Körperschaft und durch den Reichspräsideitzen anss höchste beschleunigen würde. Sie will dcm Krieg o z n« stand ein Ende machen und unserem geplagten Lande endlich die Möglichkeit öffnen, die für sein Leben nötigen Verbindungen mit dem Auslande wieder herzustellen. Tie Blockade, die Verkehrs» und Handelsbehinderungen, die uns durch den Krieg auferlegt worden sind, haben uns die für unser Wirtschaftsleben notwendige Atemluft abgeschnürt. Diese Fesseln müssen nun endgültig gesprengt werden. Jetzt darf es kein Zögern mehr geben, und solange der Frieden nicht völlig hergestellt ist und die aus der Kriegführung ent- standenen Hemmnisse für Deutschland nicht beseitigt sind, müssen alle anderen gesetzgeberischen Aufgaben zurncksiehen. Dafür spricht auch die Sorge um die endliche HcimsiiHrimg unserer Kriegsgefangenen. Wenn, wie es in der Note heißt, Teutschland schon An- fang nächster Woche den Frieden ratifizieren wird, so gibt das Zeugnis von der angestrengten Arbeit, die Teutschland in diesen Tagen für den Frieden leistet. Deutschland wird wohl al? erster Staat durch die Ratifikation den Friede» voll- ziehen. Aber auch die anderen Mächte werden nach den bis- herigen Zeitlingsmeldungen in schnellstem Tempo den Schluß- strich unter den Krieg ziehen. Wir hoben in unseren früheren Artikeln zn dem schänd- lichen Diktat des Gcwaltfriedens unsere Stellung ihm ge- genübrr klar gekennzeichnet. Es ist heute nicht möglich, alle Wirkungen des Friedens noch einmal aufzuzählen. Das, was uns in dieser Stunde bei dem Gedanken des endgültigen Abschlusses des Friedens am tiefsten bewegt, ist das S ch i ck s a I unserer Brüder im W e st e n, im Osten und im Norden. Wenn der Frieden ra- tifiziert' sein wird, gelten für Deutschland neue Londesgren- zcn. Weite Gebiete des deutschen Reiches nnd darunter un- zweifelhaft deutscher Bode» werden von den Truppen frem- der Herren besetzt und voni Mutterlcinde getrennt werden. Nicht die Erde ist es, deren Verlust uns düster stimmt! Das Glück eines Volkes hängt schließlich nicht allein von der Menge der Quadratkilometer ab, die ihm zugezählt werden. Aber die M e.n s ch e n auf dieser Erde, Blut von unserem Blute, Brüder unserer Sprache und unserer Kultur, Angehörige unserer Volksfamilie, die von uns gerissen und unter fremde Herrschaft unter rückständigere Verwaltung und inferiore Kultur gepreßt werden, ohne daß sie Machtiilittel zur Abwehr dagegen lmben, die sind uns ein Verlust von ungeheurer Bedeutung, Ein Verlust, den wir nie der- schni erzen werden. Man mag uns unsere Schiffe nehmen, mag die Kolonien rauhen, mag uns die Lüge unserer Schuld unterzeichnen lassen, mag unseren Wohlstand zertrüinnicrn, mag uns materiell schädigen.— alles das zusammen wiegt nicht so schwer und wird viel leichter vergessen werden können als der Schrei des Blutes, der für alle Zeiten in der Geschichte lebendig bleiben wird. Selbst in den Ländern der Entente sind die Stimmen häufig und laut, die ob der Vergewaltigung von Millionen deutscher Landeskinder und rein deutschen Gebietsteilen den Frieden nur als ein Provisorium und als �latenten stillen Kriegszustand ansprechen. Die Stimme des Blutes läßt sich nicht verleugnen, und das Zeitalter der Jrredcnta, das nach den hochtrabenden Erklärungen Wilsons endgültig mit diesem Frieden abgeschlossen werden sollte, ist noch nicht beendet. Jeder aufmerksame Betrachter der Ge- schichte weiß das gefährliche Gift, das in der Jrredenta, in deni kochenden Unwillen vergewaltigter und unter fremde Herrschaft gepreßter Völkerschaften lebt, als schwere Gefahr für den Frieden einzuschätzen. Bisher gab es keine deutsche Jrredenta. Von der nächsten Woche ab wird sie da sein. Und alle schönen Verheißungen und aller guter Wille, Frie- den und Eintracht in der Welt zu halten, werden an den stärkeren natürlichen Kräften scheitern, die in den vergewal- tigtcn Völkerschaften und ihren Bluts- und Stamniesver- wandten sich aufbäumen und nach Gerechtigkeit suchen. So sehr wir die Ratifikation des Friedens und den end- lichcn formellen Abschluß des Krieges wünschen, so wenig vermögen wir den Glauben an seinen Bestand zu haben. Un- recht und Gewalt vermögen nur so lange ertragen zu wer- den, als die Macht, auf die sie gegründet sind, zusammenbält. Wir warten voll heißer Sehnsucht auf den Tag, an dem sie zusammenbrechen muß. vor öem Cnöe öes Eisenbahnerstreiks. Mit einer Beendigung des Eisenbahnerstreiks kann heute gerechnet werden. Zwar liegen bis zum Redaktionsschluß noch nicht die endgültigen Ergebnisse der Abstimmung in den einzelnen Betrieben vor, doch besteht kein Zweifel darüber, daß außer einigen Unentwegten die Mehrheit der Eisenbahner für die Aufnahme der Arbeit ist. Diejenigen, die ohne Rück- ficht auf das Gemeinwohl immer noch im Streik verharren, die— gewollt oder nicht— es darauf ankommen lassen wollen, zu Verbrechern am Proletariat zu werden, werden sich freilich auch durch die Drohung der Entlassung von ihrem Vorhaben nicht zurückschrecken lassen. Der Vorstand der Ortsgruppe Berlin des Deutschen Eisenbahner-Verbandes hat erklärt, oaß er seinen Mitgliedern die Aufnahme der Arbeit in vollem Ausniaße empfohlen habe. Er verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß man die Lebens- mittelversorgnng Groß-Berlins in Frage stellen wolle. Dem widerspricht die Meldung einer Korrespondenz, daß in den Außenbezirken etwa 2000 Wagen mit Lebensmitteln stehen. Klippen öer Deutzen im �luslonöe. Von Isolde Kurz. Jüngst hat Isolde Kurz, die lange in Italien gelebt hat, vor Stuttgarter Hörern mit handelspolitischen Jnrercsscn über„Deutsche und Italiener" gesprochen. Sie sagte, man könne eine fremde Kultur nicht anziehen wie ein neues Kleid. Aber darauf kommt es auch nicht an, wenn gefordert werden muß, daß wir im Auslände durch unsere Haltung die fremde Kulturwelt achten. Inwiefern der deutsche bürgerliche Durchschnittsreisende in Italien es an solcher Achtung fehlen ließ, davon entwarf Isolde Kurz ein Bild in dem Bortrage, der jetzt von der Deutschen Bcrlags-Anstalt, Stuttgart, als Broschüre gedruckt wurde(Preis l.SV M.). Wir geben ein Stück daraus. Nach der Eröffnung der Gotthardbahn wuchs der jährliche Wander- schwärm über die Alpen gewaltig am Der Deutsche tvar wohl- habend geworden,«r gab Geld aus, trat geräuschvoll auf tiitd war auch jetzt noch schlecht angezogen. Denn auf das Aeutzere hielt er noch iuknier nichts. Er fühlt sich eben bei seiner unpersönlichen Sachlichkeit und dem Mangel an jeglicher Eitelkeit wohin er geht als Zuschauer auf der Lebensbühne, wogegen der Romane immer und überall der Darfteller ist, der sein Auftreten danach einrichtet und die wohlgefälligen Blicke erntet. Dieser vergißt auch nie, daß jeder Bolksangehörigc in der Fremde die eigene Rationalität ver- tritt und die Züge dieses seines Volkstums für das Auge ver anderen modeln hilft. Diesen letzten Umstand bedachte oer reisende Durchschnittsdeutsche viel zu wenig, oder er ist ihm gleichgültig ge- Wesen. Er kam gerne mit Kniehose, Nagelschuhen und Rucksack. wie er in den Alpen herumgeftiegen war, die deutsche Frau im auf. geknöpften Lodenrock oder, wenn sie Künstlerin war, im wunder- lichen, schlecht sitzenden Reformkleid und gleichfalls mit dem Ruck- sack, und sp spazierten sie jahraus, jahrein über die Fliesen des vornehmsten Festsaals'oer Welt, der die Piazza San Maren heißt, so stiegen sie die stolzen Marmortreppen des Pitti hinan. Sie waven trunken von der Schönheit, die ihnen aufging, und vergaßen, daß sie selber aus dem Rahmen dieser Schönheit fielen und durch ihren Anblick die Harmonie störten. Uno wieviele kamen mit der Zeit, die auf dem alten Kulturboden nichts zu suchen hatten, die nur kamen, weil ihre Mittel es ihnen gestatteten. Sie brachten nicht die tiefe Andacht im Herzen mit, wie jener hungernde Schul- Meister auf dem Gardasee, ihnen war Italien das Land der jubelnden Sinnlust, sie wollten sich einmal, frei von Polizei- schranken, die es dort nicht gab, austoben können, genießen. Und ihre Ztvanglosigkeit fragte nicht nach den Landessitten und nach oem Eindruck, den sie inachte. Die Klippen, die dort dem Deutschtum am gefährlichsten wurden, könnte man kurzwog mit Wein, Weib und Gesang bezeichnen. Der Italiener trinkt in allen Ständen seinen Wein zur Mahlzeit, aber er weiß nichts vem einem Ku.ius des Trcmks, wie er in Deutschland gepflegt wurde. Ein feucht- fröhlicher Mann aus der Straße ist dort ein sehr anstößiger Anblick. Abgesehen von der Lebensmittelversorgung ist aber auch die Kohlenzufuhr in Frage gestellt, wenn die Arbeit nicht sofort wieder aufgenommen wird. Einige Wirtschaft- liche Forderungen werden noch aufrecht erhalten, ins- besondere die Aufhebung der zehn Wirtschafts klaffen, , statt deren jetzt nur drei eingeführt werden sollen. So sehr wir die Streiks im gegenwärtigen Moment bekämpfen müssen, so machen doch. auch wir uns die Forderung zu eigen, daß den Eisenbahnarbeitern geholfen werden muß, sobald es die Staatsfinanzen wieder gestatten, wenn nicht inzwischen diese Frage durch einen allgemeinen Preisabbau für alle Lebens- und Bedarfsmittel eine Erledigung findet, die dem Polls- ganzen zugute kommt. * Rhc. Das Ergebnis der Abstimmung hat bis zum späten Abend noch nicht endgültig festgeüell: werden können. Die Eisen- babnhauplwerkstätte in Potsdam beschloß mit 147 gegen 107 Stimmen die Wiederaufnahme der Arbeit, ebenso verschiedene Dienststellen, u. a. derHainburg-LebrlerBaHnHof. die Güterbodenarbeiterdes gleichen Bahnhofs, die Nevenwerlsrätte des Lehrter Bahnhofs usw. Dagegen haben für den Streik gestimmt die Werkstätten Tempelhos und Grunewald. Die Arbeilerschaft dieser Werkstätten ist jedoch von ihrer bevorstehenden Entlassung im Falle des Beharrens im Streik unterrichtet und wollte um 6 bezw. 7 Ubr nochmal» eine zweite Versammlung einberufen. Die Pforten blieben jedoch geschlossen. Die Direktion machl also Ernst. Der Fernverkehr wurde gestern aufrechterhalten, der Güterverkehr nur in geringem Umfange. Da die meisten der Güterbahnhöfe durch den Zulauf an Wagen, die nicht zur Ent- ladung gebracht werden konnten, überfiillt sind, so können auch weitere Sendungen nicht herangeführt werden. In den Außenbezirken stehen etwa 2000 Güterwagen mit Lebensmitteln. Auch in Oberschlesien macht sich ein Mangel an Wagen bemerkbar. Die Oberpostdirektion hat den Berliner Betrieb ziemlich aufrecht erhalten können. Allerdings ist die Anzahl der von einem Auflieferer aufzugebenden Pakete aus ft Stück beschränkt worden. Der Postdienst nach den weiter ge- legencn Vororten Berlin wird soweit als möglich mit Pferde- gesponnen und Kraftwagen aufrecht erhalten. Berlin, 2. Juli. Die Marinebrigaden Löwenfeld und Ehrhardt und Teile der Technischen Abteilung des Garde- Kavallerie-Sckützen-Korps haben sich freiwillig bereit erklärt, den Verkehr der Lebens mittelzüge sicherzustellen. Lokomotivmangel. Der Eisenbahnverkehr leidet besonders unter dem Umstände, daß aus den Reparaturwerkstätten, die völlig still liegen, keine Maschinen herauskommen. Dieser Aussall an reparierten Maschinen wird sich auch noch lange nach Beendigung des Streits bemerkbar machen. Wie icherhaupt die Folgen des Streiks Berlin noch aus Wochen hinaus belasten werden, selbst dann, wenn er schon in den nächsten Stunden abgebrochen würde. Das Reichsarbeitsminifterium zum ZerUner verkehrsftreik. Berlin, 2. Juli. Das NcichSarbeitsministerium hat e? a b g e- lehnt, in den Arbeitsstreitigkeiten im Berliner Verkehrsgewerbe vermittelnd einzugreifen. Es sieht in dem Streik einen unverant- wörtlichen Vertragsbruch. Erst unter dem S. Juni 1919 ist zwischen dem Rrbeitgebervcrband der deutschen Strasienbahncn und Privat- ciscnbahncn einerseits und dem deutschen Transportarbeitervcrband und dem Zentralvcrbend der Gemeindearbciter und Straßenbahner Deutschlands andererseits nach langen und mühseligen Berhand, lungen ein Tarifvertrag abgeschlossen wordcn. In diesem Vertrag ist die Schlichtung von Streitigkeiten letzten Endes einem Hauptausschuß übertragen worden, der aus je drei Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer und einem unparteiischen Obmann besteht. Nach 8 21 Ziffer 3 des Tarifvertrages ist das Arteil des Hanptausschusses für beide Par- tcien endgültig und bindend. Am 24. Juni hat nun der Hauptausschuß seinen Spruch gefällt und einstimmig dahin entschieden, daß die verlangte einmalige Wirtschafts- b e i h i l fe von 799 M. im gegenwärtigen Augenblick nicht b e- In den neunziger Jahren war es in Florenz noch üblich, einen solchen Fall, wen» er einen Einheimischen betraf, in der Zeitung zu veröffentlichen unter der Rubrik der städtischen Nachrichten, bei Unglücksfällen und Verbrechen! Zwar haben sich seitdem die Zügel in dieser wie in jeder anderen Hinsicht auch dort bedeutend gelockert, aber in Weinlaune singend umherziehen, das kommt dem Italiener nicht bei, auch nicht im Volke. Die musikalische Begei- sterung lvcinfroher Deutscher fand also keine dankbare Aufnahme beim italienischen Volke. Aehnlich ist es mit oer Schaustellung des mehr oder minder legitimen Licbesglücks. Mit jedem Frühjahr kamen die Schären deutscher Hochzeitspaare, vor deren öffentlichen Vertraulichkeiten die ansässigen Deutschen die Augen niederschlugen. Gerade der sinnliche Romane birgt sein Eheglück in dem Schleier der strengsten Zurückhaltung. Höchst selten sieht man dort Mann und Frau Arm in Arm, in Gesellschaft beschtiftigen sich junge Gatten so wenig wie möglich miteinander. Eine Italienerin würde sich zur Dirne herabgewürdigt fühlen, wollte ihr der Gatte oder Bräutigam Bor fremden Zeugen mit Zärtlichkeiten nahen. Hierin empfinden alle Stände gleich, ja das Volk vielleicht am aller- strengsten. Der Fidanzato des Dienstmädchens macht ihr seine sonntägliche Auftoartnng' in der Küche mit der Haltung eines Kavaliers, der einen Anstandsbesuch erledigt und erlaubt sich nicht die Spitze ihres Fingers zu berühren. Es fällt ihr nicht ein, sich von chm zu einer Unterhaltung führen zu lassen. Bei Tauzver- gnügen auf dem Lande sieht man meist die Burschen mit den Burschen, die Mädchen mit den Mädchen sich drehen. Man mutz sich diesen seit Jahrbunderten festgelegten, streng konventionellen Hintergrund vorstellen, um zu begreifen, wie besre�ndlich die Un- gcztvungenheit unserer Hochzeitsreisenden dort erschien. Schon das Stilgefühl hätte sie warnen müssen. Es ist gewiß«in lieblicher Anblick, wenn ein junges Paar engumschlungeu durch einen deutscheu Frühlingswald wandelt, aber in den Stanzen des Vatikan und unter der Loggia des Orcagna ist eine andere Haltung geboten. Wo alles monumental ist, da stilisiert sich auch das Betragen der Menschen, und Aeußerungen einer naiven Ursprünglichkeit, die einen idyllischen Hintergrund verlangen, müßten sich dort von selbst verbieten.' Aehnlich geht es noch mit manchem anderen, das, auf fremden Boden versetzt, sein Angesicht gänzlich wandelt. Was haben wir Köstlicheres als unsere Volkslieder? Aber wer im Golf von Neapel singt: Muß i denn, muß i denn zum Städtele naus— der versündigt sich gleichermaßen an der Heimat wie am g-nius loci. Deutsches Theater. Auch ich war et» Jüngling. Schwank von Max Real und Max Ferner. Von der ulkig charakterisierenden Komik der Familie Schimek, des alten Kadelburgschen Schwankes, in dein Vallenberg vor ein paar Jahren zur Sommerszeit seine grotesken Humore spiele» ließ, besitzen diese neuen dem Schauspieler offenbar aus den Leib ge- schriebenen Szeuen leider leine Spur. Man merkt jeder Wendung l w i l l i g t werben könne, daß es aber angezeigt sei, die Frage in i etwa 6 Wochen erneut zu prüfen, wenn sich die Wirkung des Friedensschlusses auf den Lebens- und Bedarfsmittelmarkt übersehen lasse. Wenn die A n g e st e l l t e n ungeachtet der tariflichen Ver- einbarungen, nach denen der Spruch für beide Teile endgültig und bindend ist, und trotz der Tatsache, daß der Spruch einstimmig ge- fällt worden ist, gleichwohl in den Ausstand getreten sind, so brachen sie damit ihre feierlich übernommene Bertragspflicht. Lange Jahre haben die Angestellten um Tarifverträge gekämpft,- nachdem sie endlich ihr Ziel erreicht haben, entwerten sie das Ergebnis ihrer Bemühungen selbst durch Nichtachtung des Vereinbarten. Wie richtig der Schiedsspruch die Sachlage übrigens beurteilt hat, zeigt die von der Regierung neuerlich zugesagte Senkung der Lebensmittelpreise. Auch dies Zugeständnis nötige, zunächst einige Zeit abzuwarten, ehe über eine Forderung ent- schieden werden kann, die die Unternehmen wirtschaftlich zu tragen nicht in der Lage sind. Bei dieser Sachlage sieht sich das Ncichsarheitsmini- sterium außer Stande, zugunsten der Angc stell- tcn einzugreifen, kann ihnen vielmehr nur warm ans Herz legen, von einem Beginnen abzulassen, das nicht nur ihren Arbeits- kollegen und der Allgemeinheit, sondern letzten Endes auch ihnen selbst nur zum Nachteil gereichen kann. General tzoffmann wieöe? eingesetzt. Berlin, 2. Juli. W. T. B. meldet: Vom Kriegsministe- rium wird mitgeteilt: Die dem G e n e r a l H o f fm a n n zu- geschriebene Pressederöffentlichung ist tatsächlich von ihm nicht ausgegangen. General Hoffmann hat persönlich, wie viele andere und wie im Innern gewiß alle Offiziere gegen die Schmachbedingungen protestiert und hat zum Ausdruck gebracht, daß er bei Auslieferung des Kaisers nicht weiter- dienen könne. Nachdem die durch die Annahme des Friedens ge- schaffene Lage bei den Truppen bekannt geworden war, hat General Hoffmann ausdrücklich gemeldet, daß er den Befehlen seiner Vorgesetzten gehorsam bleibe, nur die Bitte hinzufüge, ihn von seinem Posten zu entheben, falls sein Grenzabschnitt ge- räumt werden müsse. Den Truppen war vom Oberkommando Süd im Anschluß bier- an besonders- eiiigeschärft worden, daß sie den Räumungsbefehlen der Regierung zu folgen haben werden. Diese Aufklärung entzieht den zahlreichen Presseangriffen gegen General Hoffmann den Boden. Die Regierung hat keinen Anlaß, einen tatkräftigen und gehorsamen Führer kurz vor dem Abschluß der ihm gestellten Aufgaben zu entlassen. In der augenblicklichen Lage kann niemand unseren Offizieren den Ausdruck ihres bitteren Schmerzes verargen. Diesen Empfindungen trägt auch die Regierung volle Rechnung, solange Ordnung und Gehorsam gewahrt bleiben. Das ist tatsächlich bis beute unverändert der Fall gewesen und gereicht den Offizieren und Truppen zum hohen Lobe. Daß wir die Haltung derjenigen Offiziere, die angesichts des uns aufgezwungenen Friedens um ihre Entlassung bitten, verstehen, haben wir oft genug betont. Bedeutsamer ist die Frage, woher das schöne Mißver- ständnis stammt. Die„Deutsche Tageszeitung" und die„Ber- liner Neuesten Nachrichten" erklärten sich in gleicher Weise für ausdrücklich ermächtigt, die Erklärung des General Hoff- mann, er werde die Grenze mit bewaffneter Hand verteidigen, wiederzugeben. � Wir fragen: Wer ist der wahre Schuldige, der den all- eutschen Treibern das Wasser auf die Mühle geliefert hat. Keine Breslamer Herbstmesse. Der Verwaltungsrat der Bres- lauer Messe-Gesellschast in. b. H. hat mit Rücksicht aus die ungewisse Gestaltung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse bc- schlössen, von der Veranstaltung einer Breslauer Herbst- messe in diesem Jahre Abstand zu nehmen. die Absicht, durch halsbrecherische Tricks jenseits des Bereichs alles Möglich- und Denkbaren, es koste was es wolle, zu verblüffen, und arger: sich, daß des Darstellers überquellend reiche Laune nicht in einem ihr iongenialeren Milieu als den gei'uchlen Späßen solcher Flickarbeit zur Auswirkung gelangt. Der Unsinn häuft sich da in einem Maße, daß das Vergnügen auch an der übermütigen Drolerie der Mimik kaum recht auskommt. Das Publikum freilich schien anderer Ansicht. Es folgte willig allen Zumutungen des Aukorenpaares und begleitete den Künstler, der abwechselnd als kahlköpfiger Familienvarer und galanter Schwerenöter auftritt, in allen Wechselfällen seiner Abenteuer mit wahren Stürmen des Gelächters. Im zweiten Akt, wo er, als Gras von Monte Christo dem Onkel seiner Gelieblen vorgestellt, ins Empfangszimmer eines Deklamationssiunven er- leitenden Schauspielers gerät und auf die Aussprache des rollenden Zungen-R geprüft wird, erreichte die Heiterkeit den Höhepunkt. Ein junger Kunstbeslissener, der Moissi lustig kopierte und Herr Kühne als unverbrüchlich feierlich-pathetischer Meifte-r sekundierte ihm dabei geschickr. Am Ende erscheint der Pallenbergsche Essigfabrikant vor der eigenen Eheirau im Monte-Ebristo-Kostüm und mimt in dieser Maske, bis die Perrücke und die sonstigen Requisitionen seiner Ver- jünglheir entdeckt werden, seinen nur in der Pbaniasie existierenden unehelichen Sohn. Zwischendurch parodiert er Gesten und Manieren des larmoyianlen SchauipielerstilS und bringt es fertig, durch solche immer neue lleberraschungen die animierte Stimmung seines Publikums bis zum Schlüsse festzuhalten.' dt. Notizen. — Theater. Die Erstauftübrung des Baderschen DramaS »Das Gesetz", findet heute im Wallner-Tbeater statt. — Vorträge. Am 10. Juli, abends 8 Uhr, spricht Hans Blüh er im Schubertsaal, Bülowstr. 194, über das Thema: „Der Geist der Weltrevolutio n". — Die FrsihjahrSauSstellung der Berliner Sezession, welche die großen dekorativen Wandgemälde enihält, wird am kommenden Sonntag, nachmitlagS 2 Uhr, geschloffen. — Für den Plaketten-Wettbewerb der Stadt Berlin, der lünstleriiche Modelle für die städtischen Ehrenpreise zu den alljährlichen großen Kuristausstellungen schaffen soll, ist als neuer Einlieferungstermm der 1. September 1St9 festgelegt worden. Jüngst wurden bei einem Einbruch zwei Entwürfe(»Fröhliche Arbeit, freier Geist" und„Für den Frieden", außerdem der Brieium« 'chlag mit dem Namen bei„Hela") entwendet. Die Verfasser dieser Entwürfe werden um erneute Einreichung mit besonderer Bezeich- nung des Inhalts ersucht. Der Schaden wird vergütet. — Eine Vorführung von Lehrsilms hatte kürzlich die Kulturabteilung der Uta im Sitzungssaal des Abgeordneten- hauseS vor geladenem Publikum veranstaltet. Die Laufbitder fanden allgemeines Interesse, besonders die Zeitraffer- und Zeitlupen- ausnahmen und die medizinischen FilmS. Bei dem großen Jnter« esse, das zurzeit nicht nur in Fachkreisen für den Kultur- und Lehr- film herrscht, ist die Frage der Vorsübrungsapvarate höchst aktuell geworden. Die vielen Antragen von Interessenten können dahin beanlivorlel werden, daß die Frage noch keineswegs geklärt ist. Verschiedene Firmen stellen bereits brauchbare Vorführungs- apparate her. Nr. 334 ❖ 36. Jahrgang vsnnLrstog, 3. �isli nBRSVBESBB die Seamten und öer Weimarer Narteitag. Von Landrichter Rüben. Tic sozialdemokratische Beamtenschast führt seit den: November 1918 einen doppelten Kamps, um ihre gleichberechtigte Anerkennung innerhalb der Partei und um ihr Recht zur Betätigung ihrer politischen Gesinnung nach außen. Sie erwartete von dem Weimarer Parteitag nach beiden Richtungen hin eine ihr günstige Klärung, die auch in vollem Umfange eingetreten ist. Hinsichtlich der«Stellung der sozialdemokratischen Beamten innerhalb der Partei ist ein Antrag Rüben und Genossen dein Parteivorstand zur Berücksichtigung überwiesen, in welchem zur Förderung der politischen Aufklärung und Organisation der Beamten in sozialistischem Sinne schleunigst eine Zentra lstclle beim Parteivorstand zu schassen ist. Tie Beamten, die sich zur sozialdemokratischen Partei de- kennen, müssen nicht vergessen, daß sie erst durch die Ereig- nisse vom November 1918 in die Lage gesetzt worden, sind, sich offen zur de mok ratischen Republik und zum Sozialismus bekennen zu dürfen. Wie Genosse Rüben zur Begründung des obigen Antrages ausführte, gebührt der Da n k dafür der P a r te i, der wir dafür treu zu dienen bereit sein müssen. Wir müssm uns vorerst in die Leitung der inneren Parteigeschäfte den älteren Parteigenossen fügen und gleich diesen von d er Pikehera ufdiencn. Gleichzeitig aber muß der Grundsatz der Demokratie auch zugunsten der Be- amten innerhalb der Partei in die Wirklichkeit- umgesetzt werden. Tie sozialdemokratischen Beamten haben namentlich im Verwaltungswesen und i m K a m p f gegen die G e- h ei m r a t s w i r t s cha f t des alten Systems Kenntnisse, die der Partei nützlich sein können. Alle Angriffe und Schmähungen, wie ein recht unduldsamer Teil der Partei- genossen sie jetzt immer noch gelegentlich für nötig hält, dürfen die sozialdemokratischen Beamten nicht abschrecken. Es wäre kurzsichtig, aus persönlicher Gereiztheit sich in'das radikale Lager treiben zu lassen. Die sozialdemokratischen Beamten müssen im Gegenteil zeigen, daß sie sich nicht um der Auer- kennung willen zur Partei bekennen, sondern um an ihrem Teile an der V e r w i r k l i ch u n g d e r P a r te i z i e l e mit- zuarbeiten. Dabei darf aber das eipe nicht vergessen werden, daß die Vorstände einzelner Vereine bisher allzusehr a uf d i e I nt e res sen derHandarbeiter eingestellt waren und wahrscheinlich auch noch auf lange hinaus die beson- deren Bedürfnisse des Beamtenstandes nicht genügend wür- digen weden. Denn der Kampf der sozialistischen Beamten um die Betätigung ihrer politischen Ueberzeugung ist auch jetzt noch keineswegs erledigt. Vielmehr muß. namentlich in den Bezirken, in denen die politischen Gegner die Mehrheit haben, der sozialdemokratische Beamte täglich und stündlich auf der Hut sein. Er bedarf in diesem Kampfe des Zusammenschlusses und eines Haltes an einer Zentralstelle, die den einzelnen Bcamtenorganisationen Rat und Hilfe angedeihen läßt und vor allem verhindert, daß die eine sozialistischer Beamter eine Verbindung unzufriedener Beamter darstellen. Namentlich müssen von einer solchen Zentralstelle die Vorwürfe gegen llebergriffe reaktionärer Beamter sorgfältig vorgeprüft werden, ehe sie an die Vertrauensmänner in den einzelnen Ministerien weitergeleitet werden, damit diese nicht, wie auf dem Parteitag wiederholt von ministerieller Seite ausgeführt wurde, mit haltlosen Beschwerden überhäuft werden. Es besteht aber noch eine weit größere Gefahr. Es haben sich an verschiedenen Orten gewissermaßen>v i l d e Vereinigungen sozialistischer Beamter gebildet, teils örtlicher Natur, teiln nach Berufen geordnet. Hier zeigt sich eine große Verworrenheit. Man weiß nicht, ob mau da gut tut, nur organisierte Genossen aufzunehmen, ob man sich auf Anhänger der sogenannten Mehrheitspartei beschränkt und wie das Verhältnis zu den Gewerkschaften sich gestalten solle. Läßt man diese Sprößlinge sich wild weiter entwickeln, so, können.sie sich zu einer Gefahr für den Sozialismus aus- wachsen, insbesondere deshalb, weil cS sich iiier meist um noch ungefchulte Genossen handelt. Voraussichtlich muß davon ausgegangen werden, daß die.rein gewerkschaftlichen Fragen aus dem Betätigungsfeld der Vereinigungen iozn- listischer Beamter ausscheiden und diese Vereinigungen lediglich der Förderung der politischen Aufklärung der Beamten in sozialistischem Sinne dienen. Es wird damit nicht eine Partei in der Partei gegründet. Vielmehr handelt es sich um einen ähnlichen organjsatiorischen Gedanken, wie er im§ 2 des neuen Organisationsstatuts zum Ausdruck gekommen ist,' wo für prwate und staatliche Werke und An- stalten besondere Organisationseinrichtungen vorgesehen sind. Hinsichtlich der Stellung der Beamten nach außen hat der Parteitag gleichfalls eine klare und unzweideutige Stellung eingenommen. Er hat nämlich folgenden Antrag des Genossen' St e i n k o p f seine Zustimmung erteilt: „Der Parteitag tritt dafür ein, daß ein zuverlässig arbei- tendes Berufs bea in tentum erhalten bleibt, welches unbeeinflußt von politischen Ereignissen seine Dienste dem Wohl der Allgemeinheit zu widmen hat. Die wohlerworbenen Rechte der Beamten sind deshalb zu gewährleisten. Ferner verlangt der Parteitag, daß da? freie Koall- tionsrecht, wie es jedem Staatsbürger zusteht, den Beamten in keiner Weise eingeschränkt werden darf. In Anbetracht jedoch der besonderen Stellung, welche die Beamten im Staätöwecn einnehmen, und der ver- derblichen Wirkungen, die ein Beamtenstreik mehr als jeder andere Streik im Gefolge haben kann, verlangt der Parteitag, daß die Beamten, ehe sie ihre Tätigkeit einstellen, a I l e Vi i t t e l r e st I o s erschöpfen, die zur Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen geeignet sind. Um dies zu erreichen, ist mit Be- schleunigung ein entsprechendes Schlicht nn g s- und Schiedsverfahren zu schaffen. - Beim Aufbau des neuen Rechtes, welche? bestimmt ist, die dienstlichen, BesoldungS- und Disziplinarverhältnisse der Be- amten zu regeln, solle» die B e a m t c n k a m ni e r n und -ausschüsse und auch die BeaMlengewcrkschaften zur Mit- arbeit herangezogen werden. Bezüglich der Offenlegung der Personalakten tritt der Parteitag dafür ein, daß es den Beamten gestattet wird,, die ihn beireffenden Akten im Originalznstand einzusehen. Bor der Einsichtnahme dürfen keine Aenderun�en an ihrem Inhalt vorgenommen werden. Der Parteitag ersucht die Genossen in der Regierung, nach- drücklich dahin zu wirken, daß der A u f st i e g fähiger B e- a pi t e n in höhere Stelle» alsbald in die Tal umgesetzt wird. Burcoukratische oder kleinliche Bedenken dürfen diese Reform weder verhindern noch erschwerend Ter Antrag stellt das Ergebnis eingehender Beratungen der verschiedenen, dem Beamtenstand angehörigen Delegierten dar und eine mittlere Linie, auf die sich wohl alle Richtungen innerhalb der Beamtenschaft, soweit sie zum So- zialismus zählt, einigen können. Insbesondere kam es da- rauf an, zu verhindern, daß fähige Köpfe innerhalb der Beamtenschaft von sozialistischen Ministern gerade deswegen mit Mißtrauen betrachtet werden, weil sie sich zur Sozial- demokratie bekennen. Es wird von diesen kurzsichtigen Genossen völlig verkannt.daß die Beamten der Partei erst be«.- treten konnten, nachdem sie durch die Revolution von ihrem Treueid entbunden waren. Es muß auch offen ausgesprochen werden, daß ein nicht unerheblicher und nicht einflußloser Teil des Parteitages sich gerade gegen die Leitung des für die innere Verwaltung entscheidenden Mini- steriums wandte, und die N e u b e s e tz u n g. dieses Mini- steriums kann trotz aller Anerkennung der Leistung und Fähigkeiten des bisher dieses Ministerium verwaltenden(jst- nossen nur eine Frage der Zeit sein. Unter lebhafter Zu- stimmnng des Parteitages führte der Genosse S t ei n k o p f aus. daß die Unterdrückung, die die Beamtenschaft sich jetzt wieder gcsalle-n lassen müsse, zum Himmel schreie und daß es ein Skandal sei, daß unter den jetzigen Verhältnissen die sozialistischen Beamten n o ch s'ch l i m m er d r a n g's a- l i e r. t würden als früher. Der Parteitag ist aber noch einen Schritt weiter gegangen. Er hat nicht nur bei der Behandlung des Räte- systems das Mitbestimmungsrecht für Arbeiter und Augs- stellte ausgesprochen und den Räten der öffentlichen Beamt-m sinngemäß gleiche Rechte eingeräumt, sondern ausdrücklich einen Zusatzantrag zu dem Antrag Steinkopf dahingehend angenommen, daß den B e a m t e n a u ss ch ü s i e n für die Regelung und Verwaltung des inneren Dienstes das Mit- b e st i m m n n g s r.e ch t eingeräumt werde. Damit sind alle Wünsche der Beamtepschaft von dem Parteitag anerkannt. ES ist zu hoffen, daß ein frischer Zug in die Beamtenschaft dadurch getragen wird. Es ist zu hoffen, daß, geleitet durch die zu schaffende Zentralstelle, die Vereinigungen soziakistischer Beamten mehr nnd mehr sich ausdehnen nnd erstarken, daß der sozialistische Geist immer weiter in die Beamtenschaft hineingetragen wird und diejenigen mitreißt, die noch lau sind und.zögernd abseits stehen. Es ist zu hoffen, daß dann die sozialistische Beamten- schast ein wichtiger und wertvoller Teil der Gesamtpartei werden wird.______ preußische LanSesversammlung. 38.'S i tz u n g üo in 2. I n I i 1919, I II h r. Am Regierungstisch: H i r s äi, Dr. A in Z t h u h off., Der von der Gemeindekominission aus Grund eines Antrags Dr. Rner angenommene Gesetzentimiks über die Sonderrechte der Provinz Schl«swig-Holstein wurde an den Gemeindrausschnß zu- rückverwiesen.— Der von den Deinotralen beantragte Entwurf über die ehrengerichtlichen Strafen und Verfahren gegen Aerzte wurde in drittel' Lesung dcbatteloS anaenonimen. Ebenso in zwei Lesungen> die- Regierungsvorlage beirefiend erhebliche Ver- m e h r u n g des Personals der S t a a t s f äi u l h e n v e r- w a l t u n g. nachdem der Abg. W e i ß e r m e l> Dnat. Vp.) auf die ungeheure B e r mehrung der T ch u l d e n l a st P r e u ß e n-> bis auf 67% M i lli arde n Mark hingewiesen hatte. Eine Novelle zum G c r i ch t s k o st e n g e s c tz, die di.« Gcrichtskosten für die Beurkundung von Rechtsgeschliften der Bewohner insbesondere polnischer LaNdcSieile, die des Deutschen nicht mächtig sind, herabsetzen will, wird in zivei Lesungen erledigt.» Der Gesetzentwurf über?l u f l ö s u n g und Ren- bildung der S t e u e r k o m in i s s i o n c n ging an die Gc- meindekoni Mission, nachdem Abg. B n b e r t lSoz.l die Vorlage begrüßt hatte', weil nun endlich auch Arbeiter in diese Kommissionen kommen könnten.— Der Gesetzentwurf ü der die Bildung von B o d e n v e r b e f s e r u n g s g c n o s s e n s ch a f.t e n wurde nach kurzer Debatte dem Sicdlungsausschnß überwiesen.- Das Eifcnbahnanleihegesetz ging an den Ansschnß für den Staatshaushalt. Nunmehr wurde die Beratung bcS • Justizeiats fortgesetzt. Abg. Frrymuth lToz.): . Fch bin nach wie vor für die Ernennung von Richtern, nicht für die Wahl durch das Volk.(Hort, hört!) Ich muß doch da? Recht 3J Erleuchtung. R o m a n von Henri Barbusse. Verdeutscht von Max Hochdorf. Ich stoße Mit dem Kopf an die Lampe, die an der Wand hängt. Die Lampe ist ausgelöscht, sie schwitzt und riecht schlecht nach Petroleum. Man sieht diese "Lampe niemals, aber man stößt sich immer daran. . lind nun weiß ich nicht, warum ich plötzlich meinen Schritt so verlangsamte, wo ich mich doch sonst immer eifrig zu be- eilen pflege. Ja. da ich jetzt zu Hause angekommen bin. überfällt mich wieder, wie au jedem Abend, eine winzige nnd wehumschattete Enttäuschung. Ich trete in den Raum ein, der zugleich alH Küche und Speiseraum dient. Dort s ch l ä f t meine Tante auch. Dieser Raum ist nicht minder in fast vollständige Dunkelheit gehüllt. „Guten Abend, Tantcheu!" Von dem Bett, das vor dem fahlblauen Stubenfenstcr aufgewölbt ist, steigt ein Seufzer auf nnd dann ein Schluchzen. Hierauf entsinne ich mich, daß heute früh zwischen mir und meiner alten Tante ein Austritt stattgesunden hat. Das kommt nun zwei- oder dreimal wöchentlich bei stns vor. Dies- mal handelte es sich um eine Bodensteinfliese, die ich be- . schmutzt haben soll. Ich war an. Morgen durch das unauf- börliche Gesprudel der Klagen mistend gewesen, ich hatte ein Mißtönendes Wort hiiigeschleudert und beim Weggehen die Tür krachend zugeschlagen. Darum hatte Tantchen den ganzen Tag weinen müssen. Während sie ihren Haushalt besorgte, hatte sie ihre Tränen geschluckt und ihr Hcrzlcid genährt und immer wiedergekäut. Dann hatte sie sich beim Dunkelwerden zu Bett gelegt und die Lampe ausgelöscht. Sie wollte aber ihren Kummer nicht verlöschen lassen und ihn dauernd bekunden. Wie ich eintrete, schält sie Dunkel Kartoffeln, lieber- all sind Kartoffeln auf den Ttcinbogcn hingerollt. Man stößt mit dem Fuß daran, und sie rollen dumpf zwischen dem Gerumpel und dem weichen Wirrwarr der Kleider, die herum- liegen. Kaum bin ich da, so bricht meine Tante auch schon in Tränen und Geseufze aus. Da wage ich kein Wort mehr und setze mich in meinen gewohnten'Winkel. Ich unter- scheide auf dem Bett eine spitzige und vermummte Gestalt. Tie Linien diese-5 Körpers zeichnen sich auf den Vorhängen ab, die leicht schwärzlich um das Feuer wallen. Es sieht auS, als wenn man eine Gewandung, die über-einen Stock geworfen ist, hoch gehoben hätte, denn meine Tante Josephine ist die leib- und knochengewordene Magerkeit selber. Nach und nach bricht sie das Schweigen und sie beginnt zu seufzen: „Du hast kein Herz, nein. Du hast kein Herz, nein!— Dieses scheußliche Wort, das Du mir gesagt hast! Weißt Du denn, was Du mir gesagt hast. Maul halten! hast Du gesagt! Ha, die Leute wissen nicht, was ich mit Dir durch machen muß. Ein böser Mensch bist Du, ein Stallknecht bist Du!" Ich bleibe ganz still, ich höre nur zu. Von ihrem Ge- sickte, dessen düsterer Flecken auf dem farblosen Kopfkissen ruht, rinnen nnd stürzen diese Worte, sie rieseln von Geträn, sie rinnen in die Düsterkeit des Raumes hinein. Ich stehe auf, ich setze mich wieder, ich versucke. das Ge sprach wieder in Gang zu bringen:„Also, jetzt ist Schluß ik Nicht wahr?" Da stößt sie einen Sckirei ans:„Schluß, jawohl, auf immer Schluß! Schluß! Schluß!" Mit dem Bettuch, das der Abend finster verhüllt, verbarrikadiert sie sich, sie verhüllt ihr das Gesicht.' sie wischt sich die Augen, und macht Zeichen, daß sie nun nichts mehr hören will. Aber dann'sagt sie doch:„Auf immer Schluß! Ein Wort wie baji. was Du heute früh gejagt hast, so was bricht das Herz aus ewig entzwei!" lind sogleich fährt- sie fort:„Und doch muß ich jetzt aufstehen, um Dir Dein Essen zu machen. Denn Du mußt hoch essen. Ich Hab Dich aufgezogen, als Du ein ganz kleiner Junge gewesen bist." Ihre Stimine schlägt über:„Idtz habe alles für Dich geopfert. und Du bist mit mir, wie wenn ich sowas von der Straße hergelaufenes war." . Ich höre das Geräusch ihrer dürren Füße, die wie zwei polternde Gefäße über Boden schurren. Sic sucht ihre Kleider ztisanimen, die über das Bett zerstreut lagen.und jetzt zur Erde geglitten sind. Sie verschluckt einen Seuszer. Wie sie so in dem Schatten dasteht, ist keinerlei feste Gestalt an ihr wahrnehmbar. Ich sehe nur. wie sich ihre ungeheure Mager». keit zeitweise aus dem Räume beraiissichelt.. Sie schlüpft in ihr Hemdkleid und in ein Leibchen. Ich habe vor mir die Gespenstererscheinung von Wäschestücken und von Geweben, die sich um das Gestänge ihrer Arme und über dem Gerüst ihrer Schultern entfalten. Während sie sich ankleidet, spricht sie mit sich selber. Nach und nach kommt aus den Worten der armen Frau meine ganze Vergangenheit an den Tag. Sie ist die einzige nahe Verwandte, die ich auf Erden habe. Sic ist wie meine Mutter, sie ist zugleich auch wie meine Magd mit mir. Sie reißt ein Streichholz an. Das Lampenlicht springt aus dem Düsteren heraus und geistert nun scengleich nnd ini Zickzack durch den Raum. Meine Tante ist von dem lebhaften Leuchten umflossen. Sie hat Augen, die fast in der Stirn zt;" kleben scheinen. Ihre Brauen sind Vicht ttttd schwammig. Der Mund ist breit und er regt nnd rattert den Schmerz ewig hin und her. Frische Tränen vergrößern daS Rnnd ihrer Augen nnd schütten eine frische Schicht von Feuchtigkeit über ihre Wangen, und es. schwimmt blinkend um ihre Augen. Sie schickt sich an, hin' und her zu wandeln, unaufhörlich dtirchschneidet sie die Schwere der noch lastenden Düsterkeit. Ihr Gesicht ist tief gefaltet und verrnnzelt. Am Kinn und Hals ist ihre Haut dermaßen tief gekerbt, daß ma i meinen möchte, ein Schacht von Eingeweiden habe sich dort eingefurcht, lind alles das ist ein wenig anzusehen, als wenn es in dem scharfen Lichte vom Blut«übergössen würde. Jetzt, da die Lampe angezündet ist, werde» einige Winkel des düsteren Durcheinanders enthüllt, in dessen Verschnttung wir leben. Da ist ein Matratzenbezug, der mit zwei Nägeln vor das Fenster genagelt ist, damit er den Zugwind abhält. Da ist der Marmor des Waschtisches, der mit einem Staub- fänger bezotzeu ist. TIr ist das Schlnssellech. das mit einem etwas herausspringetiden Papierpsropfen verstopft ist. Die Lampe lilaft. Tantchen weiß nicht, wo sie bei all dem Durcheinander das Licht absetzen soll. Sie hockt sich endlich auf den Erdboden, um den Docht in Ordnung zit bringen, lieber der Geschäftigkeit der alten Frau, die jetzt von Nacht und Helligkeit umspielt ivird, erhebt sieh ein düsterer Rauchschwaden, der sich/einem Fallschirme gleich znrErdeineder- senkt. Tantchen seufzt auf. Sie kann ihre Worte nicht ein- dämmen, sie muß immer nnd immer sprechen. Sie sagt: „Junge. Du kannst doch so nobel sein, iveirn'Dn nur willst! llizd Tu verdienst doch hrnidertachtzig Franken im Monat. Bist schön nobel, aber hast keine noblen Manieren! Das ist es doch, woran's bei Dir hapert, lind Du hast d o ch. ans den Fußboden gespuckt, natürlich hast Du gespuckt, ich laß mir den Kops abschneiden, daß Du gespuckt hast! lind Du gehst nun schon ins Vienttidzivanzigstc! Und nur um Dich zu- rächen, weil ich entdeckt habe', daß Du gespuckt hast, hast Du geschrien, daß ich daß Maul halten soll. Ein. Lümmel bist D», nichts anderes bist Du!" lind dann unvermittelt: „Die Herren von der Fabrik sind sehr anständig zu Dir. Dein armer Vater war ihr bester Arbeiter. Aber D u bist nobler als Dein armer Väter, Tu bist mehr Euglffchman und Du hast lieber ins Geschäft eintreten wollen, anstatt weiter auf die Schule zu gehen. Alle Leute fanden das ja auch gut und recht, aber so'n tüchtiger Arbeiter wie Dein Bater btil Tu nun einnial nicht, na, bist Du'S mm?" Und plötzlich die alte Litanei:„Gibst Du nun z», daß Tu d.o ch aus den Boden gespuckt hast?"'(Forts, folgt.) lia&en, in diesem Pun?! anderer Meinung zu fein als das Gtfurhr Programm. Die ernannten Richter haben ftof» besser bewährt, weil die Wahlrichter ganz naturnotwendig in das Parteigetriebe hinein- aezogen worden sind.(Hört, hört! rechts und im Zentrum.— Zurufe b. d. Soz.: Wer bat Sie ermächtigt, das zu sagen?) Ich spreche nur für meine Person. Sollen etwa 6000 Richter in einem Wahlgang vom ganzen Volke gewählt werden? lZuruk b. d. XI. Soz.: Das hätten Sie fragen sollen, bevor Sie Sozial'demosrat wurden!? Vor meiner Wahl"habe ich öffentlich er- ilärr, daß i Abg. Mcper-Herford(D. Vp.? bespricht die Seelsorge in den Gefängnissen. Notweikdig ist ein moderne? Straf- vollzugsrecht. Die Jugendfürsorge muß ausgebaut werden. Der Redner bekämpft die Schundliteratur und die unsittlichen Kino stücke und verlangt Schutz der Gefängnisse gegen gewaltsame Befreiuungsversuche. Damit schließt die Aussprache über die' Justizverwaltung. Persönlich erklärt Abg. Heilmann l\soz.), dqß es ihm nicht eingefallen sei, das Kriegsgericht im Liebknechtprozeß zn ver- teidigen, wie Rosenfeld behauptet habe.' Er habe nur. als Rosen- seid von der Teilnahme des VollzugsralS an dem Bersahren sprach. durch einen Zwischenruf daraus aufmerksam gemacht, daß durch Erlaß der Minister Adolf Hoffmann und Rosenfeld vom 16. November den Arbciterräten jede Beteiligung an der Rechtspflege ausdrücklich ver- boten worden bei.(Große Heiterkeit und Hört, hört!? Im Gegensatz zu der persönlichen Auffassung, des Abg. Fravmuth halte die Sozialdemokratie am Erfurter Program in auch in der Frage der Richterwahl fest. Aber vom Abg. Rofenfeld, einem Anhänger der Rätediktatur. Belehrungen über die Treue gegen das Erfurter Programm entgegenzunehmen, lehne die ganze Sozialdemokratie ab.(Sehr wahr!) Das Haus vertagt sich. Donnerstag, 1 Ubr: Kleine Vorlagen, Handels- und Gewerbeverwaltung. Schluß 6 Uhr._ Unternehmer(sei es auch die Allgemeinheit) und Arbeitern bleibe noch länger bestehen, so können die Unternehmer setz: auch gar kein Interesse mehr an Tarifverträgen haben, da doch die Preise zu sinken beginnen und im gleichen Maße der Anlrieb zur immer- währenden Lohnsieigerung nachlassen dürfte. Eine Sicherheil für das ungestörte Weiterarbeiten geben ja, wie ivir sehen, die Tarifverträge auch nicht mehr. Darum Schluß mit dem Trotz:„Ihr seid vertragsbrüchig, mit Euch verhandeln wir nicht!" Verkehrsdicnst ist öffentlicher Dienst. Die Behörden höben die Pflicht, die Fortführung des Großstadl- Verkehrs zu sichern. Wenn mau mit dem Belagerungsziistand Zeitungen verbietet und Bewegungen unterdrückt, so muß man mit ihm auch Ver- Handlungen erzwingen können. R. B. * B. S. Die Lage im Vcrkehrsstreik hat sich auch bisher nicht ge- ändert und es ist nicht abzusehen, wie lange der Streik noch an- dauern wird. Die Mitteilung, das Aussicht auf eine gütliche Ver- ständigung mir der Direklion der Hochbahn benebt, bestätigt sich nicht. Und es ist auch nicht damit zu rechnen, daß dort Verband- lungcn statlfinden. Eine Verhandlung nur zwischen der Hochbahn- gesellschaft und etwa ihren Angestelllen ist auch gar nicht möglich, da die in Betracht kommenden Vcrkebrsuniernehmen in einem Arbeil- Besucht die Zahlabende! Wer denkt nicht zurück an die oft anregenden und vertiefenden Diskussionen, die wir so oft auf unseren Zahlabonden hatten! Beinahe glaubte man manchmal, wir hätten den vollendeten Zukunflsstaai, wemr wir so einen Zahlabend sahen. Ist die gegen« ivärtige Zeil auch reich m»i Versammlungen besät, so müssen wir doch wieder zu dem Zustand zurücklehren daß unsere Zahlabenide der Ort find, wo wir unser Wissen vertiefen, uns rednerisch bc- längen und uns aussprechen können über das, was die Partei tut und was sie nicht tut. Die Zahlabende find nicht nur zum Zahlen da, sie sind zum Reden, zum Handeln da: fragt unsere treu- bewährten Funktionäre, ob nicht gerade auf dem Zahlabend sie sich ihre ersten Sporen verdient haben. Wenn hier nicht immer die Stätte der Anregung ist, so liegt das nicht an der Partei, sondern an den Mitgliedern selbst. Gibt es nicht so un« geheuer viel Stoff in dieser Zeit? Wir haben doch seit der Revolution viele neue Mitglieder gewonnen; diese in dem Sozialismus einzusühren, muß die vornehmste Aufgabe der Zahl- abende fein. Nehmt die gruiidlegenden Broschüren unserer Ali- meister, bringt sie zur Kenntnis aller Genossen, laßt Abschiiill für Abschnitt diskutieren, und ihr werdet sehen, über welche leichte Auf« fasiungsgabe viele unserer Milglieder verfügen. Jeder Einzelne wird gebraucht im Dienste der Partei, zum Wohl der Menschheit. Zur gegenseitigen Belehrung sind die Zahlabende eingerichtet, geberverband zpfammongeschlosien sind und olle Verhandlungen jj"- �"lerbildung sollen sie dienen, darum G e- Besinnung! Einkehr! Uns wird geschrieben: ?licht den Streikenden soll hier gepredigt werden. Aber den anderen. Gewiß, die Streiks in unserer Lage sind verderblich. ES war ja gerade der revolutiönäre Berliner Arbeiter Emil Barth, der sich unendliche Mühe gegeben Pat, das den Arbeitermassen be- grciflich zu machen. Nutzlos, cS wird eben doch gestreikt und selbst in denjenigen Betrieben, deren Stillegung das Leben der Millionen- siadt unmittelbar bedroht. Dies ist eben heute der Geist von Massen, da hilft kein Klagen und Beschwören. Talsachen sind nicht wegzudiskulieren, man muß sich darauf einrichten. In einer Zeit, wo die größte Berliner Gewerkschaft sich grund- fätzlich gegen Tarifverträge ausspricht, hat der Vorwurf des Tarif- bruchS sein Gewicht verloren. Nehmen wir an, das Gegenüber von nur zwischen diesem Verbände und dem Transport- und Metall arbeilerverband gepflogen werden können. Beide Parteien nehmen aber noch immer eine völlig abwartende Stellung ein... - Die Zeniralsiroikleitung betont nockmals nachdrücklichst, daß von irgendwelchen politischen Beweggründen bei dem Berkehrssireik nicht die Rede sein könne, es handle sich um eine Bewegung rein wirischaftlichen Charakters. Wie die Streikleitung weiter mitteilt, hat sie zwar es ablehnen müssen, die Beförderung von Poftpakctcu durch die Straßenbahn weiter slattfindcir zu lassen, bar aber andererseits den Behörden den Vorschlag gemacht, die Privalfuhr- werke, die jetzt als Ivilde Perionenbeförderungsmittel tätig sind, sowie die Lastautos deö Magistrats und auch die Miiitärkraflwagen zur Beförderung der Postpakete heranzuziehen� Die Streitlertung will darauf' dringen, daß die nicht von der Polizeibehörde Ion- zessionierlen Fuhrwerke die Persouenbeiördcrung einstellen, da sie andernfalls die Verantwortung für irgendwelche Zwischenfälle nickt zu übernehmen in der Loge sind. Wir bezweifeln, daß Gewalt- täter vor der Konzession den Knüppel oder Browning senken würden. Andererseits wird niemand der Slreikleitnng eine Verantwortung für derartige Vorfälle aufbürden können. » DaS Straßenbild bat gegen gestern keinen veränderten Anblick. Neu waren zahlreiche Rollschuhläufer. Man sah auch außergewöhnlich viele Radfahrer. Ein unerhörter Skandal sind die unverschämten Preisforderungen mancher wilden Fahrzeuge. So verlaugte einer z. B. für eine Fahrt vom Potsdamer Platz bis Alexandeiplatz 6 M. und vorn Knie bis Bahnhof Halensee 15 M. * lP. P. N.) Die Folgen des Eisenbahnersireiks zeigen sich auch sehr deutlich in den Krankenhäusern,«o bat z. B. die Ehanls, die einen Wochenbedarf von 700 Kilogramm Fleisch hat, die Lieferung für diese Woche bisher noch nicht erhalten. Auch die 800 Kilo- gramm frisches Gemüse, welche die Ehariis täglich braucht, sind nicht eingetroffen. Eni Teil dieser Zusuhrcn ist bereits unterwegs ver- fault. Die Kartoffelbelieteruiig der Charits, die täglich 25 Zentner beträgt, ist völlig ausgeblieben. ES besteht also die große Gefahr, daß di» Kranken der Chartö ohne die erforderlichen Lebensmittel bleiben. » lieber die Wiederaufnahme deS Vorortverkehrs erhalten wir von der Eisenbahndireklion folgende Erklätung: In der Erwartung. daß die streikendcnden Eisenbahnbedientesten im Laufe deö Danners- lagS die Arbeit wieder aufnehmen werden, hat sich die Eisenbahn- Verwaltung entschlosseu, heute auf den Borortstrecken mit Ausschluß der Strecke Cbarlottenburg— Spandan den Betrieb wieder zu cröff- neu. ES wird sich dies aber nur in beichränklcm Umfange ermöglichen lassen, weil die Zahl der betriebsfähigen Lokomotiven noch weiter zurückgegangen ist. ES kann deshalb auch die Stadt- und Ringbahn»och nicht bedient werden. Nehmt die Kriegsbeschädigte» in euren Fuhrwerken mit! Bis einschließlich 26. Juli findet die juristische Sprech- stunde Uon 3 bis 5 Uhr statt. Redncrkursus. Sonnabend, 5. Juli, abends k Uhr, Kon- jerenzsaal dcr Vorwärtsredaktion. Der Bollzugsrat hielt am 2. Juli eine Sitzung ab, in der vom Vorsitzenden einleitend darauf hingewiesen wurde, daß der Reichs- wehrminister Noske es bis jetzt abgelehnt hat, die Kommission des Vollzugsrates, die mit ihi� wegen der Verhaftung von Arbeiter- räten und Funktionären lowie wegen der ZeiiungSverbote usw. verhandeln soll, zu empfangen. Des weiteren beschäftigte sich der Vollzugsrat mit dem gegenwärtigen Stand des BerkehrZstreiks. Der Vollzugsrat ist der einmütigen Ansicht, daß er zur Beilegung der Differenzen vermittelnd einzugreifen hat, um Verhandlungen zustanide zu bringen. Bezüglich des StraßcnbahnerstreikS sind bereits Schritte beim Reichsarbeitsamt eingeleitet worden. Soweit die Eisenbahner in Frage kommen, wird der Vollzugsrat die Siel- lungnahme der Eisenbahner zu der ablehnenoen Haltung des Eisenbahnministers Oeser abwarten, um auch hier vermittelnd einzugreifen. Die Notlage der Privatlchrer Groß-Berlins. Ter Stand der Privatschullehrer ist infolge des Krieges und der unerhörten Preis- teigerungen in eine derartig schreiende Notlage versetzt worden, daß eine sofortige Hilfe dringend erforderlich ist. Diese Beamten haben bisher eigentlich von keiner Seite Hilfe erfahren. Eine Anzahl vgn ihnen bezieht noch heute ein Monatsgehalt von 200 M. und darunter. Der" Verband der Vorstände der Grotz-Berliner Privatschulen bat den Lehrern em Monatsgehalt von 225 M. zugebilligt, über das nur wenige Direk- toren hinausgehen, so daß dies für die Masse der Privatlehrer als Norm gelten mutz. Wohl hat der Privatlehrerverein bei den Be- Hörden Schritte getan, um diese unhaltbaren Zustände zu ändern. Aber bis zur Erledigung können noch Monate vergehen. Unter- dessen müffen Familienväter. Leute mit bemerkenswerter Vor- bildung, die zum Teil auch an der Front ihren Tribut zahlen mußten, sich mit einem Lohn durchhungern, über desien Winzigkeit jeder Lehrling, jedes jüngste Bureaufräulei» die Nase rümpfen würde. Darum müssen Stadtbehörden und Regierung sofort und ohne Zeitverlust diesen wirtschaftlich Bcdrängtcsten zu Hilfe kommen. Die Zahl der Privatlehrer ist immerhin gegenüber ande- ren Arbeitstategorien eine beschränkte. Man darf erwarten, daß die Hilfe unverzüglich einsetzt, damit die Privatlebrer schon in den großen Ferien eine Erleichterung ihrer Lage verspüren. Die Stadt Berlin hat den Lehrern an den Privat-Knabenschulen bisher eine vierteljährliche Unterstützung von 73,50 M. zugebilligt, was natür- lich in keiner Weise den Notstand beseitigen kann. s sin neu und Genossen, VorwäriSleier, besucht den Zahlabend, ihr tragt dadurch zum Neuauibau, der Partei bei. Die Verwirk» lichung des Sozialismus ist nicht durch„grundsätzliche Opposition" zu erreichen, sondern nur durch Betätigung innerhalb der Partei. Hundesperre im Osten Grost-Berlins. Wegen eines Falls von Tollwut hat der Landrat des Kreises Niederbarnim für das Gebist der Gemeindebezirke Marzahn, Bies- darf. Kaulsdorf, Karlshorst und Hellersdorf die Hundesperre bis einschließlich den 24. September d. I. angeordner. Sämtliche Hunde sind festzulegen(anzuketten oder einzusperren). Arbcitcrrätc, kommunale 3!.- Räte und Delegierte der S.-Näte.?-m Falle und in ähnlichen, es in der Willkür des Einzelnen ge- stellt werden, wie er über sein Eigentum zu verfügen bat? Auch seither schon war es möglich, c-incn Hausbesitzer, an dessen Grund und Boden die O-esfentlichkeit(Staat oder Gemeinde) ein Interesse hatte zu enteignen. Es verlautet, eine Kommission sei eingesetzt, um darüber zu entscheiden, was der kaiserlichen Familie als Privateigentum verbleiben kann. Es tväre zu wünschen, daß sie bald zu einem Ergebnis gelangte: der Fall Rhcinsberg zeigt deutlich, wie tzmig eine Klärung in dieser Frage ist. Ter Arbeiter- rat von R Heinsberg soll sich mit der Angelegenheit befaßt haben, doch offenbar bis jetzt ohne Erfolg: es fehlen ihm ja die Macht- mittel. Die Bürgerschaft scheint in demVorgeben August Wilhelms eine Selbstverständlichkeit zu sehen: sie fühlt sich allein durch die Näbc eines fürstlichen Herrn geehrt. Das ist eben das Bedaucr- lichste an dem Vorgang, daß der Prinz es wagen kann, so rücksichts- los seine Herrschgftsrcchte SAtend zu machen, ohne daß die össcnt- liche Meinung sich gegen ihn wendet. Wieder ein Anzeichen, wie wenig die Menschen siekf geändert haben. Die bestehende Ordnung ist im November züsammengebrochcii. Die Revolution des Denkens bat erst geringe Fortschritte gemacht: sie tut uns not, damit jeder sich vcrontwcwtlich süble für den Aufbau des neuen Staates und für die Lösung der kulturellen Probleme, die damit verknüpft sind. Lichtenberg. Mieterschutz...Um dem Wohnungsschleichhandcl und Wobnungswucher begegnen zu können, soll bei der Landes- zentralbehörde veranlaßt werden, daß auch in Lichtenberg Kündi- gungen nur mit Zustimmung des Mieteinigungsamtes rcchtswirk- sam sein sollen. Für den Fall, daß die Erhebungen in anderen Städten günstig sich gestalten, wird beabsichtigt, beim StaatSkom- missar für das Wohnungswesen zu erwirken, daß kein Per- mieter berechtigt sein soll, einen Miet-vertrag mit einem neuen Mieter von auswärts abzuschließen, dessen Abschluß vom kiesigen Mietsamt nicht zugestimmt wird.— Stadtbaurat Uhlig teilte mit, daß eine gegen einen Schlosser M. wegen WobnungswucherS ein- geleitete Strafsache mit der Begründung eingestellt worden ist. daß die übermäßige Forderung für eine Wobnungsverinittelung keine strafbare Preissteigerung sei. da sich die Preistreibereivcrordnung nur auf Gegenstände und nicht auf Lefftungcm bezieht. Es sollen Vorstellungen beim Staatskommissar erboven werden. Haber die Unterlassung der vorschriftsmäßigen Anmeldung vermietbarer Wohnungen durch die Hauswirte wurde ckeklagt und vom Bor- sitzenden festgestellt, daß die Anmeldepflicht der Eigentümer un- glaublich nachlässig gehandhabt werde. Tie Deputation beschloß, den Polizeipräsidenten zu ersuchen, gegen die säumigen Melde- Pflichtigen vermietbarer oder vermietbar werdender Räume, die Wohnzwecken dienen können, mit aller gebotener Energie vorzu- geben und im Interesse der Allgeineucheit auf exemplarische Be- strafung zu dringen./ Hohenneuciidorf. Gemeindevertretung. Die Bürgerlichen ein- schließlich der beiden noch nach dem Klassenwahlrscht gewählten Schöffen beantragten am 24. Juni, die Kontrolle der Gemeinde- Verwaltung iGemeiudevorstand usw.) durch den Arbeiterrat nicht mehr anzuerkennen. Die Arbeiterschaft nahm in einer Versamm- lung am vorhergehenden Tage dazu Stellung. Die überfüllte Ver- sammlung zeigte, daß die Arbeiterschaft an dem Weiterbestehen des Arbeiterrates außerordentlich interessiert ist. Die bürgerlichen Ge- meindevertreter und Schöffen, welche eingeladen waren, zogen es vor, nicht zu erscheinen. Nur einer der Herren sandte seinen�Sohn. mit einem Notizblock bewaffnet, bin.— Gemeindevertreter Fink beantragte, diesen Punkt von der Tagesordnung abzusetzen, da die Arbeiterräte nicht durch einen Gemeindevertreterbeschlnß beseitigt werden könnten. Der Antrag wurde mit 8 gegen 0 Stimmen ab- gelehnt, trotzdem vom Vorsitzenden des Arbeiierrats Mühl und dem Gemeindevertreter Weitzel mehrmals auf die Unzulässigkeit des Antrages hingewiesen wurde. Die herausfordernde Redeweise des Gemeindevcrlreters Weiß erregte größten Unwillen der sozialdemokratischen Gameindevertreter und der den Sitzungssaal bis in de-i kleinsten' Winkel füllenden Zuhörer. Da der Arbeiterrat eine äußerst nutzbringende Tätigkeit entfaltet bat. ist letzten Endes der Verdacht berechtigt, daß der bürgerliche Antrag eine reine Ppin- zipicnffage war und der einsetzende Entrüstungssturm nur zu ver- ständlich. Aber die Herren versuchten immer und immer wieder, sich Gehör zn verschaffen, um nicht mehr den ihnen unbegueman Arbeiterrat bei den Sitzungen mitanhören zu müssen. Die Er- -regung steigerte sich lonischerweise und die Sitzung mußte schließlich abgebrochen werden. Herr Weiß brachte beim Verlesen des Proto- kolls den Mut auf, zu verlangen, daß in demselben ausgenommen werde: die Sitzung drohte in Tätlichkeiten auszuarten. Die Ar- beiterschaft besitzt soviel Anstand, um sich nicht dazu hinreißen zu lassen, und wird auch weiterhin verstehen, ihre Interessen auf an- ständige Art zu vertreten. Dieser„Demokratie" wird die Ein- lvohnerschaft die Ouittung schon erteilen! Friedrichsfelde. Gemeindcvertrcterübung. Der GaÄieferung»- vertrag mit Lichtenberg läuft am 1. Juli 1920 ab. Die Kündi- girng des Vertrages kann bis zum 31. 12. 1919 erfolgen. Deshalb wurde die Stellungnahme über die weitere GaSliescrung durch Lichtenberg vertagt. In der Frage der K o b l c n k o m m u n a I i- s i e r u n g wurde beschlossen, den K o h l e u h a n d e l- i n eigene Verwaltung z u übernehmen und den Großhandel a u s z u sch a l t e u. Mit den Behörden sollen sofort Verband- lungen aufgenommen werden, damit für die- Gemeinde das Be- zugsrccht der Koblen von der Grube gesichert wird. Um die abso- lute Kommunalisierung der Kohlenlieseruna vorzubereiten, wurde eine achtgliedrige Kommission gewählt. Beschlossen wurde, die niederen Einkommen bis zu 1500 M. steuerfrei zu lassen und für Steuerpflichtige bis zu 3900 M. eine Ermäßigung des Steuersatzes um 100 Proz. eintreten zu lassen. Die Steuerpflichtigen mit einem Einkommen über 0500 M. sollen dafür einen höheren Steuersatz leisten, damit der Ausfall" für die Steuerermäßigung bei den niedrigeren Einkommen gedeckt wird. Der Gemeindevor- stand wurde beauftragt, die Vorarbeiten in dieser Sache zu er- ledigen. Weiter beschloß die Genieffioevertretung eine Kriegsae- fangenenhoimkebHunmission zu errichten und eine Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene zu schassen. Die Schulen und andere Eemcindcräunie werden fortab allen Parteien zu Versammlungen und anderen Veranstaltungen unentgeltlich freigegeben. Teinvelhof. Ans der Gemeindevertretung. Nachdem die bürgcr- lichen Schössen endlich ihre Aemter niedergelegt habein wurden in der letzten Sitzung die Gen. Ewald und Bürge meiste r, der Demo- krat Richter und von den Rechtsparteien der bisherige Schösse Jung gewählt. Der in der vorhergehenden Sitzung gefaßte Be- sckluß. die Kaiserbilder au» den Schulen zu entfernen, wurde von dem Bürgermeister mit der'Begründung beanstandet, es handele sich hierbei um Gegenstände de» Unterrichts und hierüber habe nur die Schuldeputation und- nicht die Gemeindevertretung zu befinden. Genosse Ewald und mehrere Redner der Unabhängiaen kennzeichneten die Haltung des Bürgermeisters gebührend. Es wurde be- schlössen, die Angelegenheit im Verwaltungsstreitverfahven ent- scheiden zu lassen und mit der Führung der Klage den Gemeinde- verordneten Genosse Thiele zu beauftragen. Außerdem gab die Vertretung dem Gcmeindevorstand aus, das Ministerium zu er- suchen, den Bürgermeister zur Ausführung des Beschlusses anzu- balteit. Die Zahl der Beisitzer des MicteinigungsamtS wurde von 10 auf 18 erhöht.< Weisscnsec. Aus der Gcmrindevcrt>-ctung. In einer früheren Gemeindedertretersttzung wurde den ArbeitZlosen eine einmalige Zuwendung für Berheiraicte 10 M., Unverheiratete 5 M. zum Kauf für ausländische LebenSmiiiel bewilligt. Es wurde von sozialdemokratischer Seite damals darauf hin- gewiesen, daß diese kleinen Mittel nickt lange vorhalten und die Erwerbslosen alle 4 Wochen mit derselben Forderung komuen werden. Dieser Fall ist jetzt wieder eingetreten. Unter Führung der Kommunisten ging eine Kommission zum Beigeordneten Dr. Klamroth und verlangten Geld oder Lebensmittel. Im Nicht- bewilligiingsfalle könnten sie nicht die Verantwortung übernehmen, daß die Erwerbslosen sich dann nicht die Lebensmittel selbst nehmen würden. Eine Deputation, bestehend aus je einem Vertreter der 3 Fraktionen und zwei Vertretern der Arveitslgsen. begaben sich zum Ernährunasminister und zum Landrat. Die Besprechungen hatten keinen Erfolg. Tie Fiiianzkommission sab sich infolge dieses negativeii Res«l- täte» gezwungen, eine nochmalige, wie oben vermerkte Beihilfe der Gemeindevertretung vorzuschlagen. Die Redner der 3 Parteien erkannten ohne weiteres die Rotlage an, ließen jedoch keinen Zweifel darüber, daß aus Gemeindemitteln eine derartige Unter- stützung(je 0 5 0 00 M.== 130 000 M.) nicht uuchr gezahlt werden könne. Die angeführte Summe bringt e» mit sich, daß der nächst- jährige Etat 20 Prdz. Steuersoll mehr aufweisen werde, In allererster�Linie hätte Staat und Reich hier Abhilfe zu schaffen. Außer den Arbeitslosen erhalten auch die Ortsarmen, Kricgertvitiven und Rentenempfänger die gleiche Beihilfe. Es erfolgte dann der Bericht des Vertreter» im Zweckverband. Dieser ließ cs sich angelegen sein, die Mißwirtschaft des Riesel- gute» Birkholz zu beleuchten. Der frühere Administrator habe e» verstanden sich Dienst jähre anrechnen zu lassen, damit er jetzt, da 10 Jahre um sind, Grund ärztlichen Attestes, seine Pension ein- reichen konnte. Der Herr erklärte sich auch mit einer Abfindungs- summe bereit. Er'beantragte 25 IVO M. Ter Zweckverb»nd-be- willigte 15 000 M. Pom Beigeordneten wurde ausgeführt, daß wir Fuf diese Be- schlüsse keinen Einfluß hatten. Auf'Antrag Taubmann wurde be- schlössen, den Administrator zn ersuchen, sich gegenüber diesen Aus- führiingen zu äußern. Dem wurde stattgegeben. Tegel. Gemeindevertretung. In der letzten Gemeindevor. tretersitzung wurde Genosse Spieß als Schöffe verpflichtet und Ge- nosse Bisring als-Gemeindevertreter eingeführt. Im März war beschlossen worden, einen zweiten besoldeten Schössen anzustellen. Dies lehnte der Kreisausschuß in Rücksicht auf die Eingemeindung ab. Die Vertretung� beschloß daher erneut, die Einstellung eines zweiten besoldeten ischöffen zu beantragen. Dem Berliner Zoo- logischen Garten wurden einmalig 1500 M. als Kriegsbeihilse gewährt; dafür sollen die Schulkinder von Tegel freien Eintritt durch die Schulen haben. Die vorübergehend beschäftigten Hilss- kräfte hatten die Anerkennung des Angestelltenausschusfe» und die Aufbesserung der Gehälter beantragt nach den Berliner Sätzen- Der Gemeindevorstand schlug eine andere Regelung vor, die für die hiesigen Verhältnisse bester paßt. Weiter wurde empfohlen, Kin- derzulagen von 50 W. pro Kind zu gewähren. Dem wurde eben- falls zugestimmt. Ein Antrag der Festangestellten auf Zahlung einer Entschuldungssumme wurde zurückgestellt. Die Entschädi- gung der Gemeindevertreter für die Teilnahme an den Sitzungen wird erneut geregelt, und zwar auf mindestens 3 M. und höchstens 4 M. Für die Kleinhausjiedlung sind' vom Wohnungsverband 783 328 M. als erste Beihilfe bewilligt. Von den Gesamtkosten in Höhe von 2 Millionen Mark bewilligte die Vertretung 1 Million Mark als Baukosten. Das dazu benotigte Land wird ebenfalls her- gegeben werden- Für die Veranstaltung von Spiel- und isHul- Wanderungen wurden 2250 M, bewilligt. Die Anstellung eines Vertrauensarztes und die Wahl eines Volksöildungsausschusse» wurde beschlossen. Vorgeschlagen wird, die Zuschläge zur Ein- kominensteuer entsprechend dem Gesetz vom 4. Juni 1919 abzu- ändern; weiter soll auch die- Erhöhung des Steuerzuschlages aus 300 Proz. erfolgen. Die ganze Steuerangelegenf eit wurde an die Finanzkommission zurückverwiesen. Für das Mieteinigmigsamt werden neue Satzungen festgelegt und die Erhöbung der Entschädi- gung für die Beisitzer auf 9 M. pro Sitzung beschi offen. Weiter wird der Bildung eines Ausschusses für die Kriegsbeschädigtenfür- sorge zugestimmt gemäß den gesetzlichen Bestimmungen. Die Sätze der Lustbarkeitssteuer wurden geändert, so daß eine Erhöhung der Erträge eintreten wird./- Rcuköllii-Briv. Tie Freie Turucrschaft Ncukölln-Bvit! eröffnet Montag, den 7. Juli, in der Turnhalle Mariclidorjer Weq die 6. Schüler. ablcilung. Turnzeit von 6 bis 8 Uhr abends. Alle Arbeitereltei-n werden gebeten, ihre Kinder dortjclbst am Turunlerricht teilnehmen zu lassen. Grosz-Berlincr Lebensmittel. Pferdcsleischkartcn können vom 3. bis 7. Juli von den Prot- konnnissioncn aus Antrag gegen Ouitiung abgcbolt werden. In Gass- und Spcisewirtschaften is! eine Pscrdcilcilcbkarie nicht crjorderlich. Eintragungen in die Pserdefteischllindeiilisse vom 8. bis 13. Juli. Berlin. Bis 4. Juli im 105.. 180. und 210. und bis 0. Juli im 85. bis 00.. 98.. 99., 102.. 103., 104.. 176. und 230. Brotkominiisionsbeiil-t IIS Gramm Käse.— Ausgabe des halben PiundcS ausländischen Weizenmehls oder Jnland-Zmchls(W Sj erst nach Voranmeldung(3.-5. Juli) etwa?.>!itte kommender Woche. Schöneberg. Kinder- bis zum 6. Lebensjahr erhalten besonderen Be- zugsschein für Süitigkeitcn bei den Brolkomurijstonen am Freitag und Sonnabend gegen Vollmilch karte. Steglitz. 125 Gramm rote Grütze(39). Anmeldung bis 5. Juli. 250 Gramm Hcr-inge(32) jede ausgeruieiie Nummer. Mariendorf. Auf Juli-Bollmilchlarten sär Kinder bis zum 6. Lebens- jähre je vier Pack Zwieback oder Keks und 1 Pftind Kindcrgcr-sseninehl in den GeiNeindeläden, A— E Mittwoch, F— K Donnerstag, L— 0 Freitag, P— Z Sonnabend.— An Personen über 70 Jahre je 8 Pack Zvicbrf oder Keks in den Gemeindeläden bis 10. Juli.— Bis 10. Juli können Haushaltungen, die bisher noch keinen Brenntors bestellt baben. ihre Be> sicllungen im Zimmer 20/21 des Rathauses nachholei!. Spälcr eingehende BeslcUungcn.werden wohl kaum Berücksichtigung sindcn können. Groß-Sedmer partemachdchten. Jungsozialistische Vereiuignug. Die Veranstaltung fällt wegen der Berkehrsschwierigkeiten aus. - Lankwitz. Heute. Donner-stag, 8 Uhr, Gcscllschastshaus Pichl, Kaiser- Wilhelm-Slraßc 34, Mitgliederversammlung. Vortrag über Rätesystem und Parteipolilik. Res. Genosse KaliSIi. Dislussion. Neuwahl de» 2. Voi- sitzciidcn. Verschiedenes.. SSilmerSdorf. Heute abend 8 Uhr Extrazah labend in ocn bekannten Lokalen. Aussprache über die politische Lage. |& f-1 �1»» Plünderungen. Raubtatcn und Erpressungen. Wegen Landfriedensbruchs und Plündern» standen der Kutscher Wilhelm Pornow, Kaufmann Kurt Challier, Tapezierer Fritz Burow) Maschinendrückcr Otto Händau Und Kaufmann Willi Rotkopf vor dem außerordentlichen Kriegsgericht. Am 24, Juni zogen mehrere hundert Personen durch den Norden Berlins und plünderten die�Obst- und Nahrungsmiiielgesck'äfte. Dem in der Königsbcrger Straße lvohnenden Händler Paul war von An- wohnern mitgeteilt, daß der Plündercrzug nahe, und dies veran- laßte ihn, schleunigst die Körbe mit Waren in das Innere de» Ladens zu schaffen, die Ladentür zu schließen- und die Rolljalousie herabzulassen. Letzteres war aber erst zur Hälfte vollendet, als die Menge, zu der auch Frauen und Kinder gehörten, vor dem Laden Halt machteik. Es wurde mit den Stieselabsätzen das Schaufenster zertrümmert und man ging sofort an das Plündern, ohne auf die Bitten des Inhabers zu achten, der der Menae wiederholt zu- rief: Ich bin auch larzge im Felde gewesen und habe keine Reich- tümer gesammelt. Als Antwort erschollen aus der Menge krei- schende Frauenstimmen:„Totschlagen!".„In Stücke reihen!" Dem Geschäftsinhaber ist ein Schaden von über 4000 M. entstanden. Die Anaeklagten sind als mebr oder minder belastete Teilnehmer an der Plünderung festg-envminen worden. Da» Gericht verurteilte Handau, ais Nädelsführer. zu 1 Jahr k> Monaten Zuchthaus. Challier und Burow zn je 9 Monaten Geiängnis und Rotkovf zn 7 Monaten Gefängnis. Wegen eines dreisten Räubüherfalls hatte sich der Schlosser Isar Uzernilowsfi zu verantworten. Am 23. Juni vormittags 10 Uhr,-baffe die Kontoristin Eckard bei der DrtBdner Bank. Königstraße, 3980 M. Gewerffchastsgeld einkassiert, die sie in einer Ledertasche trug. Als sie in das Hau» Alexanderstr. 14c zurückkehrte, folgte ihr der Angeklagte auf der Tvivve. packte sie plötzlich und warf sie zu Boden. Tie Ueberrallene schrie laut um Hilfe, der Angeklagte entriß ihr gewaltsam die Tasche und stürmte davon. Passanten fingen ihn aus und brachten ihn zur Polizei. nachdem ff'ie ihn ordentlich verprügelt hatten. Das Kriegsgericht verurieilte ihn zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. De? Müller Bruno Deitmer hatte vom Stadtvogtei-Gefängni« aus, wo er ci-nc Strafe abzusitzen hatte, von einer Frau K. in lllsoabit brieflich unter allerlei dunkle Andeutungen und Drohungen mit Ver- baftu-nq 5000 M. zu erpressen versucht. Frau K. zoa es vor, den Brief dem Slaatsanwali zu übergeben. Der Erpresser wurde zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt.* Seschäftsstcllc: C 2, Durqstrab- 27 III. Tel.: Nordcn 10 787 Unser Allitglied, Freu Lrva Mim Adlershof, Ipoffmtmnftr. 23 t Iift verstorben. 286/14 J Ewäschcrunq: 3. Juli, 6 nachmittags 3'U Uhr, im[ SrcmatoriumBaum schulen- weg, Jücfljoljsttnstc. Jlugzetipeisferei Aüißrzkof. Die Lvbn-ahlung bei der Flug/eugnieisterei Adlcrshof findet der Vircehrsverhaltnisse wegen nicht am Freitag, sondern am Dienstag, den s. 7. IS statt. 300D LMioMls sucht gute Bstchcr aus Privat» band. Angebote teleph. Uhland 6004 ober' schriftlich Ann.-Exp. ! Sind. Mosse unter cd. k�. 4l«l ! Tharlottenburg, KantstraKc 34. 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Meldungen schriftilch ober persänlich an den Referenten für Kraftfahrwesen, Gouvernement Grost-Verlin, Berlin W., Potsdamer Ätrafte S«». I MN«WU Marmelade. Gemäß 8 5 der Verordnung über Lebensmittelkarien vom 18. Oktober 1316 wird für den Eemeindebezirk der Stadt Berlin bestimmt: 1. Ans Abschnitt Nummer 25 der Lebensmittel. karte der Stadt Jerlin entfallen 250 Gramm Marms- lade. Der Kleinhandelsböchstpreis beträgt 1,30 M. für ein Pfund. Gs kosten biernach 250 Gramm 0,65 M. Eine Ueberfchreitung de, Hächstprcise» ist strafbar. 2. Der Abschnitt Nr. 35 ist nur in den durch ein Aus- Hängeschild: „Berkauf von Marmelade aufLebensmittel- karten der Stadt Berlin" gekennzeichneten Geschäften gegen Empfangsbescheinigung ab- zuliefern, und zwar am Mlitwoch, den 2. Donnerstag, den 3. und Freitag, den 4. Juli 1313. Nachträgliche Anmeldung findet nicht statt. Es ist unzulässig, die Kartenadschnitie in Geschäften abzugeben, in denen nicht das vom Magistrat aus- gegebene Aushängeschtld angebracht ist. Geschäften, die nicht im Befthe des Aushängeschildes sind, ist die Annahme von Kartenadsdmitten verboten. 3. Die Kleinhandeisgeschäste haben die von ihnen ange- nonimenen Kartenabschnitte an einen der ihnen bekannt- gegebenen Großhändler bis zum 7. Juli 1313 einschließlich abzu- ltesern. Jeder Kleinhändler muß, sobald die Ware zur Stelle ist, mit dem Verkauf beginne» und die» durch Anschlag anzeigen. Da die Marmeladefabriken häufig nicht in der Lage find, die volle Menge auf einmal zu liefern, ist es möglich, daß sich in einzelnen Älernhanoelsgeschäften der Verkauf der Marmelade ~' bei einer solchen Verzögeruna der eine Nichtbelieferunz keinesfalls hinauszögert. Auch Lieferung ist jedoch befürchten. i« Berlin, den 28. Juni 1313. Magistrat. Abteiinng für Obst- und Gemüseversorgung. I.-Nr. 7111 Gem. V. Reichel» Beuettan. 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Juli 1919 an den Großhändler abzuliefern. Mit dem Berkauf des ausländischen Weizenmehls wird einige Tage später begonnen werden. Nicht abgeholte Ware veriallt mit dem 15. Juli 1919. 4. Oos inlfindlsche Melzsamehl kamt gegen des ganzen Abschnitte» IV 8 der Eins .HUI M Rettl" Gesellschaft für praktische Bolföaujkläruuz Helden des Proletariates Sieben Vortrage von Wilhelm Ziöllenburg, ehemaliger Lektor der Universität Sbeftield. In derAula d. Sophiengnmnasium?, Weinmeisterstr. 16 17. Beginn abends 7 Uhr. Eintritt irei. 1. Zcelfag, den 4. Juli, über Grundlagen, Hilfs- schichtoausfasjung(Marx— Santskq— Lea::-). P r a k t i s ch- h i st o r i s ch c r Teil: !. Zreitag, den 12. August, Uber Spartakus und seine Zeit. 5. Areltag, den 2g. August, über vaa Zeitalter des perittes. 325 tb' 6. Zreitag, den 12. September, über Hans Sachs. 7. Zreitag, den 20. September, Über Richard Tobben. Wir bitten die Berliner Arbeiter, insbesondere die Per- iranensleute. um zahlreidien Besuch. Diejenigen. we!d>e de,» ganzen Kursus mit allen 7 Vorträgen unentgeltlich zu de- legen wünschen, werden um Mitteilung ihrer Adresse gebiien. „Aufbau und Morden.- Gesellschaft für �praktische Lolkeauftlürung, Berlin W. 62, ttullicruroße 13� Aufruf! Sofort dringend gesucht zur Verwendung im Hcimatgebiet— Berlin, Potsdam, Spandau— � 7,6 frdwilllge auch g. v. für Ordonnanz- und Arbeitsdienst, sowie schreib- gewandte Leute für Geschästszimmerdieust. Eodühr: wie nichtkämpftude Reichswehr. Nähere Auskunft bei den Werbestellen: Potsdam, Priesterstraße Charlottenburg, Schloßstr.2 Berlin, Wrangelstr. 97— 99. Ankauf r 70n H Juwelen mm heottgor. houen Kur» Margraf& Co. k. OTia. b. H. Kenonlerstr. fl. Kriegsanleihin werden in Zahlung genommen. Sehr billig. Für ie Reise. Fracktirolle Ulster, dicke, mollige, aus Friedensstoffen 175, 225, 300, 350 usw. 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Zulilglg wird Inländisches Mehl ans Abschnitt V 8 nicht mehr ausgegeben. 5. Die mit dem Berkcmf« de» Inlandsmehl» neben dem pnbtlkucn» I �VWg. mlänbifchc Mehl entgegengenommenen Abschnitte W 8 der Einfuhr-Zusaßkarte sind xelranut oon den MehIabschnIlfun der vrotkarke am Montag, den 14. Iull 1919 an die Brot- tommisfloncn adznfiihre». Hinsichtlich der Abgabe der Mehl- abschnitte der Brotkarte verbleibt es bei den btshcrtgcn Be- stimmunzen. 6. Die ordaoagomShlge Ausgab« des Mehls la ven Sletahaadeisgcichdsten«Ird toutroNiert. hlccstchtllch der«nsgabe de» Mehl» verbleib« es bei unserer vctanntmachung vom IS. Mot ISIS. St» tlleinhitndler, die da» reine anslitndilche Mehl etma zurückbehalten, vermischen oder aber Res»bet:a»b.! nubesugt uuaachstchtUch M...... »Srtigen. Im übrigen finden, sofern nicht schmerere Siro'en avofprectisn, die �.M....... I___ de» g 10 der Verordnung Oes Mogtstrats verlin vom IS. Oltober ISIS Anwendung oder vertauschen, vermenden, haben Schlietzung de» velrtebeo zu ge- I andere Vorschriften t Strufbeftimmungen Geld!!! liir jede Wertsache. Hödiste An- laufspreise tür Pfandscheine. Brillanten, Goldgcgcnstände. Teppiche. Bücher usw. Wolfs. Frledrlchsir.4I III. Ecke Kodtstr mv handeln will, komme zu t. Söchstcr Birdicnst in.weni. Stunden. 9—5. 3246 Retord-Verkrteb, Große Franklurter S!r. 57. SchEaliikrestt-> Deister mit längs. Erfahrun Werk fcht --------—„ fWaffer- u. Oefkrem) für bereits bestehende ..... inellstens gesucht Angebots mit Dehaltsfordcrung unter Chiffre A. O. 294, an Rudolf Mosse, Magdeburg. 7 5' ia�$*$$ä»a€>aaea«aa Klempner eingearbeitet auf Kühler-Rahmenbau, stellt ein. An- geböte unter Q 23 an die Expedit ton dieses Blatte». Zum möglichst fosoriiaen Antritt wird für das Seztrts- fetretariat Groh-Ihüringen(Sih Mecmar) injoige Ate». jcheidens de» Genosse» Bauden ein Bezirtssrlrnär gesudst. Ge Nossen, die in ähntidier Stellung sich befinden, mit Organt- sationsfragen gut vertraut, rednerisch befähigt sind, wollen th: Bewerbungsschreiben bi» zum 18. Zu« an die Adresse de» v-�Irtssc-kr-kariolo in Weimar, patststr. IS, ein- reiqze». Resickliert wird auf eine gute Kraft_ 264 10* So» Zusafstarle oualfln aus die bisherigen Abschnitte der Einfuhr- - also eiaichliehtich V 7-* ansgerusene dtfche Weizenmehl verfüllt mit Ablauf des s. lluli 131g. Raa/ diesem Ingo merden Rachonmel- duazea auf die gedachten Abschnitte unter keinen Umstünden angenommen. B erlin, den S. Juli 1919. Magistrat. Abteilung für Nährmittel. Tgb. Skr. 4360 Nii. lOOO Fahrräder mit Gummi sofort llclerhar. Emst lachaow, üfisßsiiiintfaSs KieW«erie!jl!iWL! I jilt Kühlerban stellt ein. I Angebote unter F. 28 j 1 an die Exped. d. BI. 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M. wird der Antrag gestellt auf namentliche Abstimmung über die Vertrauenserklärung sowie über die Anträge zum Eisenbahnerstreik und zu verschiedenen anderen Anträgen. Die Erklärungen müßten als etwas Einheitliches be- trachtet werden. Es stehen sich in allen Fällen zwei Richtungen gegenüber. Den Genossen Paeplow bitten wir, eine Erklärung abzugeben, wie der Satz in seiner Entschließung zu verstehen ist. „sie(die Gewerkschaften) müssen zum Brennpunkt der Klassen- bestrebungen des Proletariats werden". Wir möchten wissen, ob das aufzufassen ist im Sinne der von W i n n i g im ersten Kriegs- jähr veröffentlichten Anregungen, daß, wenn verschiedene Par- teien bestehen, die Gewerkschaften den politischen Kampf zu führen haben. Janssen von der Generalkommission: Der Gedanke, daß wir die Aufgaben einer politischen Arbeiterpartei übernehmen sollen, liegt selbstverständlich nicht vor. Es soll aber zum Aus- druck gebracht werden, daß, wenn.wir die bisherigen Beziehungen zur sozialdemokratischen Partei lösen müssen, eS deshalb geschieht, weil niehrere sozialdemokratische Parteien Entstanden sind und die Parteistreitigkeiten von den Gewerkschaften ferngehalten werden müssen. Wir betonen aber, daß nichts an unserer grundsätzlichen Haltung geändert werden soll gegen den Sozialismus und den Klassenkampf. Wir denken nicht daran, den Weg der alten eng- lichen Trade Unions zu gehen und uns lediglich auf die engen gewerkschaftlichen Berufsinteresien zu beschränken, sondern es soll zum Ausdruck gebracht werden, daß wir uns zum Klasienkampf bekennen. Lange- Berlin will vor der Abstimmung seinen Stand- Punkt motivieren.(Heftiger Widerspruch.) Leipart erklärt, daß eine solche Erklärung erst nach der Abstimmung erfolgen kann.(Lärm links.) Dißmann ruft: Dann werden wir uns bei Absatz 3 und 4 der Abstimmung enthalten müssen. Es wird zunächst also über die Vertrauensresolution für die Generalkommission abgestimmt. Es beteiligen sich an der Abstimmung 624 Vertreter und es ftim- men mit„Ja" 445, mit„Nein" 179. Der Vorsitzende�erklärt aber, daß nach der Geschäftsordnung den Ausschlag die Stimmenzahl, welche die einzelnen Delegierten vertreten, gebe. Die Ausrech- nung kann aber erst nachträglich erfolgen. Es bestehe aber bis jetzt kein Zweifel, daß das Vertrauensvotum für die General- kommission die übergroße Mehrheit gefunden habe.(Stürmischer Beifall.) Bei der Abstimmung hatten vom Metallarbeiterverband 53 Vertreter für und 64 gegen gestimmt. Von Handlungsgehilfen und Textilarbeitern war die Mehrheit gegen den Antrag. Vom Eisenbahnerverband stimmten 15 für und 12 gegen. Andererseits stimmten der Bergarbeiterverband, Transportarbeiter-, Braupcei- und Mühlenarbeiter-, Holzarbeiter-, Buchdrucker-, Buchbinder- und Landorbeitcrvcrband vorwiegend zum Teil geschloffen für oie Generalkommission. Auf Grund dieses Abstimmungsergebnisses wird der Antrag auf weitere namentliche Abstimmungen zurückgezogen. Es wird dann über den Antrag der Vorständekonferenz, der sich gegen die wilden Streiks einerseits und andererseits gegen den Noskeschcn Streikerlatz richtet, abgestimmt. Der Antrag lautet: „Der Reichswehrminister hat am 26. Juni angesichts deS drohenden Eiscnbahnerstreiks eine Verordnung erlassen, die einem Teil der Eisenbahner bis auf weiteres das Streikrecht entzieht. Ter Kongreß erkennt an, daß ein Strei< der deutschen Eisen- bahner gegenwärtig unserem darniederliegenden Wirtschaftsleben unermeßlichen Schaden zufügen und die Leiden der Arbeiterklasse durch Herbeiführung der allgemeinen Zerrüttung verschärfen müßte. Der Kongreß lehnt ebenso wie die zuständigen gewerk- schaftlichen Organisationen der Eisenbahner jede Gemeinschaft mit dem bereits ausgebrochenen, von unverantwortlichem Treiben hervorgerufenen wilden Streiks ab. Gleichwohl erhebt der Gewerkschaftskongreß Einspruch gegen jede auch nur vorübergehende Beseitigung des Streikrechts der Eisenbahner, das allen Arbeitern und Angestellten Deutschlands als Errungenschaft der Revolution zusteht. Die vorliegende Ver- ordnung ist zudem unzweckmäßig, weil Streiks nicht durch Ver- böte, sondern nur im Wege der Verständigung mit den gewerk- schaftlichen Organisationen der Arbeitnehmer zu verhüten sind. An die Eisenbahner und auch an die gesamte Arbeiterschrst richtet der Gewerkschaftskongreß den dringenden Appell, ihre In- tcresscut nur im Rahmen ihrer gewerkschaftlichen Organisation zu vertreten und in Anbetracht der trostlosen Lage Deutschlands und seiner Arbeiterklasse wilde Streiks zu unterlassen." Bei der Abstimmung werden die beiden ersten Absätze mit großer Mehrheit angenommen, die letzten Absätze gegen wenige Stimmen. Zur Abstimmung erklärt dann S ch l i e st e d t- Remscheid, daß auch die Opposition für die Resolution gestimmt hätte, wenn im letzten Absatz gesagt worden wäre, statt ihre Interessen wirtschaftliche Interessen. Vors. Leipart: Es würde in den Reihen der Mitglieder unserer Gewerkscbaftcn Verwirrung angerichtet haben, daß ein wenn auch nur kleiner Teil der Delegierten gegen den Appell an die Arbeiterschaft, der im letzten Absatz ausgesprochen wird, ge- stimmt habe. Nachdem uns klargemacht ist, warum diese?lb- lehnung erfolgte,.glaube ich feststellen zu können, daß selbstver- ständlich nur die wirtschaftlichen Interessen in den Gewerkschaften wahrgenommen werden können.(Allseitige Zustimmung.) Ich schlage daher vor, die Abstimmung über den letzten Absatz zu wiederholen. Es wird dann die Resolution gegen die Stimme des Kommunisten Lanze-Bertin vom Handlungsgehilfen-Verband angenommen. Weiter kommt zur Behandlung folgender Antrag E r n st- Hagen, der sich mit den, Belagerungszustand in dem Industriegebiet beschäftigt und lautet: Ter Kongreß protestiert gegen die Aufrechterhaltung des Belagerungszustandes ini Industriegebiet. Nachdem seit Wochen jeder größere Streik aufgehört"hat, nachdem vollständige Ruhe herrscht, ist auch jeder Scheingrund gefallen, den Ausnahmezu- stand im Jndustriebecken aufrechtzuerhalten. Hunderte von ge- werkschaftlich organisierten Arbeitern schmachten auf Grund dieses Ausnahmerechts hinter Kerkermauern, täglich geht die Militär- kamarilla dazu über, neue Verhaftungen vorzunehmen. � Der Kongreß fordert deshalb die sofortige Aufhebung des Belagerungszustandes und �Haftentlassung der wegen Streikver- gehen verurteilten oder in Schutzhaft genommenen Gewerkschafts- Mitglieder und spricht die Erwartung aus, daß in Zukunft der- artige Gewaltmaßregeln unterbleiben. Vors. Leipart: Wir können wohl aussprechen, daß wir grundsätzlich nicht einverstanden sind,'daß mit dem Belagerungs- „___________ M.M____ W________ 0. rungsarbeit zur Gewinnung der weiblichen Arbeitskräfte für die zustand und allen Zwangsmaßregelii alter Zeiten regiert wird, gewerkschaftliche Organisation hinweisen. Er sieht darin und in (Sehr wahr!) �ir wünschen, daß der Belagerungszustand überall,! der Heranziehung der organisierten Frau zur tätigen Mitarbeit wo er hat verhängt werden müssen, aufgehoben wird, wenn die Voraussetzungen gegeben sind. Wir haben bereits einen Appell an die Arbeiterschaft gerichtet, von wilden Streiks abzusehen zur Verfolgung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Wir wünschen, daß die Arbeiter auch ihre politischen Interessen nicht mehr mir Maschinengewehren, Handgranaten und Putschen zu vertreten suchet!. Ich glaube sagen zu können, daß wir einig sind darin, daß die Fortsetzung der Revolution nicht mit Blutvergießen zu geschehen hat. Und indem /stiir an die gesamte Arbeiterschaft in diesem Sinne eine Mahnung richten, glaube ich, wenn, wie wir hoffen, die Vor- aussetzungen sich erfüllen mögen, daß von einem Belagerungs- zustand und Gewaltmatzregeln abgesehen werden. Ich glaube, daß wir mit dieser Feststellung die Entschließung als erledigt betrach- ten können.(Zustimmung.) Ernst erklärt, daß er damit nicht einverstanden sei. Die Resolution sei ausdrücklich für das Industriegebiet bestimmt und der Kongreß müsse entscheiden. Ein Antrag Sachse wünscht, daß in dem Absatz 1 die Worte gestrichen werden„täglich geht die Militärkamarilla dazu über, neue Verhaftungen vorzunehmen" und dem Absatz 2„und sprichr die Erwartung aus, daß in Zukunft derartige Gewaltmaßregeln unterbleiben". Es wird zur Begründung darauf hingewiesen, daß neue Verhaftungen nicht mehr vorgenommen seien. D>e Versammlung beschließt die Streichung der letzten Worte des ersten Absatzes unter Zurufen der Kommunisten. Dagegen wird mit großer Mehrheit die Streichung im letzten Absatz abgelehnt. Die Resolution wird darauf mit der Schlußstreichung gegen wenige Stimmen angenommen. Es entspinnt sich dann aber eine län- gere Geschäftsordnungsdebatte, da erklärt wird, daß viele Dele- gierte die Abstimmung nicht richtig verstanden haben. Hegemann stellt den Antrag, die Resolution zurückzu- weisen an eine Redaktionskommission, wogegen die Opposition heftigen Einspruch erhebt. Giebel empfiehlt diesen Antrag. Es seien Fragen von größter Wichtigkeit, die in der Resolution behandelt werden. Die Resolution sei erst in letzter Minute vor Schluß der Debatte ein- gebracht worden.(Widerspruch und Unruhe links.) Sachse(Bcrgarbeiterverband): Wenn es richtig wäre, wie hier steht, daß die Militärkamarilla täglich neue Verhaftungen vornehme, dann ließe sich darüber reden. Der Bergarbeiteckon- gretz hat aber auch sich mit demselben Antrage beschäftigt und von Noske die Auskunft erhalten, daß Verhaftungen nur da vor genommen werden, wo ein Einschreiten erforderlich ist. Schliestedt: Er erklärt, daß er Sachse den guten Glauben nicht abstreite, aber die Tatsachen sprechen dagegen, denn er sei erst vor wenigen Tagen aus dem Gefängnis gekommen, wo er fünf Tage ohne Verhör und ohne Gerichtsverfahren gesessen habe. Ebenso sitzen noch 7 Mitglieder aus der Gewerkschaft im Ge- fängnis. Der Antrag Hegemann wird darauf abgelehnt und die Resolution in der Gesamtabstimmung gegen wenige Stimmen angenommen. Bei der Abstimmung über den Antrag Paeplow, der die Neutralität der Gewerkschaften betrifft, werden die beiden ersten Zlbsätze einstimmig angenommen, die beiden letzten Ab- sätze gegen wenige Stimmen. In der Gesamtabstimmung wird die Entschließung gegen drei Stimmen angenommen. Lange- Berlin erklärt, daß die Opposition sich der Stimme enthalten habe. Vors. Leipart stellt fest, daß das nur wenige Dele- gierte gewesen sein können. Darauf erhält das Wort der Vertreter des Eisenbahnerverbandes Brunner- Berlin zu seiner Erklärung über den Berliner Eisenbahnerstreik. Die Regierung habe zunächst die Zusage g>v geben, daß die Preise für eine Reihe Lebensmittel herabgesetzt werden sollen und auch inbezug auf das Rätesystem sollte den Wünschen der Eisenbahner Rechnung getragen werden. Auch der Landtag hat deni zugestimmt. Nach dieser Zusage hat der Vor stand des Eiscnbahnerverbandes am Sonnabend die Wiederauf nähme der Arbeit empfohlen und auch die anderen Eisenbahner- orgauisationen haben dasselbe getan. Wenn jetzt in Berlin neue Verkehrsstörungen eingetreten sind, so muß man annehmen, daß andere Motive dem zugrunde liegen. Daß der Streik aus poli- tischen Motive fortgesetzt wird, geht auch aus verschiedenen ande- ren Umständen hervo?.- So hat der Abgeordnete Haase erklärt, daß die Diktatur des Proletariats jetzt verwirklicht werden müsse. Die Eisenbahner wurden schon längst bearbeitet, den Unabhängigen Helferdienste zu leisten. (Hört, hört! und Lärm links.) Dagegen muß ich erklären, daß der Eisenbahncrverband mit diesen Machenschaften nichts zu tun hat. D i ß m a n n- Frankfurt: Genosse Brunner hatte das Recht gehabt, eine Erklärung für seine Organisation abzugeben. Er hat aber auch die Parteiführer meiner Partei angegriffen und ich protestiere dagegen, daß wir nicht das Wort erhalten sollen zu einer Erwiderung.— Länge-Berlin stellt darauf den Antrag, daß Dißmann das Wort erhalte.(Zuruf: Ihr wollt wohl den Kongreß sabotieren?) Wir lassen uns das Wort nicht abschneiden Brey- Hannover ersucht uni Zlblehnung des Antrages Lange. Es ist auf jedem Gewerkschaftskongreß Brauch und Recht gewesen, daß Vertreter einer Organisation im Namen der Or ganisation eine Erklärung abgeben können. Von diesem Recht hat Genosse Brunner Gebrauch gemacht. Woher nehmen die Vertreter der U. S. P. nun das Recht, eine Erklärung für ihre Partei auf dem Gewerkschaftskongreß abzugeben. Wir haben genug unsere Zeit in Anspruch nehmen lassen, um die Geschäfte der U. S. P. hier besorgen zu sehen. Alles muß Maß und Ziel haben.(Leo- hafte Zustimmung— Lärm links.) Der Antrag Lange wird mit großer Mehrheit unter Pfui- rufen der Opposition und Tribüne abgelehnt. Alsdann erhält Gertrud Hanna- Berlin das Wort zum nächsten Punkt der Tagesordnung „Tie Organisation der Arbeiterinnen": Äährend des Krieges waren die Behörden mit allen Mitteln be- strebt, die Frauen in das Erwerbsleben zu drängen. Mit der Begründung, die Frau gehöre ins Haus, werden heute Frauen entlassen, die schon jahrelang im Betriebe standen und nicht immer, um Kriegsteilnehmern Platz zu machen, sondern weil ge- wisse„Führer" bestrebt sind, die Frauen aus den Betrieben im allgemeinen zu entfernen. Es darf auch nicht vorkommen, daß Organe für die Frauen Forderungen aufstellen, die nur etwas über die Hälfte des Lohnes der Männer hinausgehen.(Sehr richtig!) Wir müssen vielmehr bestrebt sein, die Lohndifferenzen zwischen Männern und Frauen auszugleichen.(Zuruf: Bei den Handlungsgehilfen!— Nein im Handelsgewerbe!) Im Handels- gewerbe will man dadurch die Frau aus dem Erwerbsleben hin- ausdrängen.(Sehr richtig!) Leider sind die Frauen in der Ge- werkschaftsbcwegung nicht so vertreten, wie es ihre Stellung im Wirtschaftsleben notwendig macht. Zur Frage„Organisation der Frauen" macht Rednerin den Vorschlag, besondere Fraucnver- sammlungen veranstalten zu lassen. Eine Verständigung über Berufs- fragen ist am besten möglich, wenn Frauen und Männer gemein- sam beraten. Für die Organisation mutz der Wahlspruch gelten: gleiche Rechte und gleiche Pflichten für Männer und Frauen. (Lebhafter Beifall.) Redncrin empfiehlt folgende Entschließung: „Der Kongreß erneuert die bereits auf früheren Kongressen ge- faßten Beschlüsse, die auf die Notwendigkeit intensivster Aufkiä- in den Gewerkschaften ein Mittel, etwaige Interessengegensätze zwischen Männern und Frauen im Arbeitsverhältnis auszugleichen und den Frauen eine ihren Leistungen entsprechende Stellung zu verschaffen. Das Wirken für Gleichstellung von Männer- und Frauenarbeit in der Bezahlung bei gleichen Leistungen erscheint dem Kongreß selbstverständlich. Der Kongreß anerkennt das Recht der Frauen auf Arbeitsplätze, die ihren Kräften und Fähigkeiten entsprechen. Er macht den Gewerkschaften zur Pflicht, darauf zu achten, daß bei Einstellungen und Entlassungen von Arbeitskräs- ten frauenfeindliche Bestrebungen nicht zur Geltung kommen." Zwei weitere Entschließungen fordern eine rege Agitation unter den Frauen und von den Gewerkschaftsmitgliedern, daß sie ihre breufstätigen Familienmitglieder zum Eintritt in die Gewerk- schaften anhalten.— In der Besprechung wandte sich Frau L u n g w i tz- Berlin gegen die Generalkommission, die im Kriege dem Kapitalismus und Militarismus zu viel Rechnung getragen habe.(Lachen.) ES wäre besser �ge- Wesen, wenn die Frauen keine Munition gemacht hätten.(Sehr richtig!) Die Folgen dieser gesundheitsschädlichen und demorali- sierenden Tätigkeit werden sich später zeigen. Die Führer haben der Frauenfrage zu wenig Interesse zugewandt. Wir fordern, daß die Verbände mehr Frauen einstellen als bisher und fordern die wirtschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen.(Be:- fall.) Der Vors. Leipart spricht im Namen des Kongresses sein Bedauern über die geringe Zahl der anwesenden weiblichen Ver- treter aus. Es tritt dann die Mittagspause ein. Nachmittagssitzung. In der Nachmittagssitzung wurde die Besprechung fortgeführt. Helene Grünberg- Nürnberg: Die Frauenarbeit darf ve: gleicher Leistung nicht schlechter entlohnt werden als Männer- arbeit. Sonderorganisationen lehnen wir ab. Unser Platz ist an der Seite der Männer. Die jetzt vielfach eingerichteten Frauen- ämter sind schädlich. Es sollten dafür bei den Arbeitersekretariaten gewerkschaftlich geschulte Sekretärinnen angestellt werden. Schumacher- Berlin lenkt die Aufmerksamkeit auf die jetzt gebildeten Betriebsorganisationen der Angestellten, welche bezwecken, die Gewerkschaften zu zersplittern.� Die Herkunft dieser Organisationen sei dunkler Art. Man wisse nicht, wer die Geldgeber seien; sie gebärden sich sehr radikal und üben eine An- ziehungskraft auf weibliche Angestellte aus. Ihre Drahtzieher sind die höher besoldeten Angestellten. Sie werdM durch die Unternehmer unterstützt und diese suchen die getMrblichen Ar- beiterinnen zum Austritt aus den Gewerkschaften zu bewegen. Wenn d:e„Gewerkschaftliche Frauenzeitung" fortfährt, Stellung gegen die Unabhängigen und Spartakisten zu nehmen, werden wir an ein eigenes Organ denken müssen. Stühm er- Berlin fordert ebenfalls für Frauen bei gleichen Leistungen gleiche Löhne. Die Organisation hat die Aufgabe, die Errungenschaften der Tarifverträge festzuhalten. H u b e r- München verlangt Verbot der Frauenarbeit an den Holzbearbeitungsmaschinen,■ da diese gefährliche Arbeit n:chi der Eigenart der Frau entspreche. Frau K ä h l e r- Berlin verlangt den Achtstundentag für Hausangestellte. Wer sich Hausangestellte halte, könne auch ,zv anstellen, so daß ein Schichtwechsel stattfinden kann. Das K und Logiswesen der Hausbediensteten müsse aufhören. Marie H a u tz- Hamburg: Die Frauen tragen ein(n Schuld an dem Elend der Arbeiterinnen, weil sie sich' nügend gewerkschaftlich rühren. Sie bittet den Kongresi mehr der Sache der Dienstmädchen anzunehmen, d durch Tarifverträge geschützt werden. Nach einem von Gertrud Hanna werden die gestellten Antr' men. Die Entschließung wurde dahin geändert' anerkennt das Recht der Frauen auf Arbeits Eigenart, ihren Kräften und Fähigkeiten ents Dem Kongreß wird telegraphisch mitgeteilt, berg-Stockholm von der Landeszentrale der st schaften, der als Gast zum Kongreß angemell storbcn sei. Der Kongreß ehrt sein Andenken den Plätzen. Sodann wird zum nächsten Punkt der gegangen: Richtlinien für die künftige Wirksamkeit und die Bestimmungen über die Aufgabe�der hat die Konferenz der Zentralvorstände Nicht. als Grundlage der Besprechung dienen. Berichterstatter Leipart: Nach der vielfach die Meinung, die Gewerkschaften worden. Der gute Erfolg der Revolution hl weckt. Man hielt neben der politischen auch' schon für beendet. Die Massen vergaßen di Demokratie die Voraussetzung für die Verw lismus ist. Die Zersplitterung der Arbeiterst daran, daß Grund vorhanden ist, mit den i lution unzufrieden zu sein. Alles müssen wi. Streit zu beenden. Wir wollen, daß die Revoli wird, aber nicht durch Putsche und Gewalttätig� Streiks, auch nicht im Tempo der Evolution, sondern närcn Tempo. Dafür wollen die Gewerkschaften ih». gefügte Kraft einsetzen. Die Durchführung der sozi lution gehört in das Gebiet der Gewerkschaften, gehö. Aufgaben. Sic haben der Revolution in demeslben M: arbeitet, wie die politische Partei. Jeder Streik war> bares Zeichen unserer revolutionären Kraft. Darum wer� vom Kapitalismus mehr gehaßt als die politische Partei, w Kapitalisten deren Ziele für Utopie hielten, während wir Tag für Tag ein Stück um das andere von ihrer Herrschaf. rangen. Erst im Frühjahr 1918 kamen die Herren der G: industrie zur Erkenntnis. Von diesem Zeitpunkte an datier: die Verhandlungen, die zur Gründung der Arbeitsgemcinschaf. führten. Nachdem die Unternehmer sich zur Annahme folgender Bedingungen bequemten: Freigabe der gelben Gewerkschaften, politische Koalitionsfreigabe, paritätischer Arbeitsnachweis und Schlichtungsausschüfse in den Betrieben, kollektive Vereinbarungen über den Arbeitsvertrag und sofortige Durchführung deS Achtstundentages, wurde der Vertrag unterzeichnet. So sieht die „Ausschaltung der Gewerkschaften in der Revolution" aus.(Sehr gut!) So wenig wie die Forderung des Mitbestimmungsrechts in unserer Gewerkschaftsbewegung neu ist, so wenig ist es die Frage der Betriebsräte. Diese Forderungen sind so alt, wie die Gewerkschaften selbst.(Sehr wahr!) In der Frage der Betriebs- rate wollen wir nicht auf die Gesetzgebung warten. Wir raten den Gewerkschaften dringend, schon jetzt bei Tarifberatungen auf die Durchführung der Bestimmungen zu dringen, die die Vor- iändekonferenz in ihren Resolutionen vorschlägt. Nicht alle Ar- beiterfragen können durch de.u Parlamentarismus erledigt wer- den. Im demokratischen Staat muß auch Platz sein für die Sclbstverwaltungsoryanc. Es könnte nicht Aufgabe der Vorstände- konferenz sein, ein Programm für die politischen Funktionen der Arbeiter aufzustellen, un» so weniger, als sich die politischen Par- teien über diese'Frage selbst noch nicht einig sind. Unsere Auf- gäbe ist die Erörterung d«r wirtschaftlichen Funktionen dieser Körperschaften. Die Arbeiterräte sollen mit, aber nicht allein be- timmen, als Gewerkschafter vertreten wir in erster Linie die Interessen der Arbeiter.„Nicht predigen wir Haß den Reichen, nur gleiches Recht für jedermann!" Dieses Glaubensbekenntnis, das wir bis jetzt hochgehalten haben, wollen wir auch bei der Sozialisierung gelten lassen. Wir können nicht allein die Sozial' sierung durchführen. Wir, alle Gewerkschaften, wollen die Pro- duklion nicht selbst übernehmen, diese Aufgabe fällt den Wirt- schastSkammern zu. Unsere Aufgabe ist es, in diesen Kammern auf eine gesunde Arbeiterpotrtil zu achten. Frei und ungebunden wie bisher wollen wir die Arbeiterinteressen auch in dem soziali- sterten Betriebe vertreten. Diese Interessenvertretung mutz auch in Zukunft berechtigt und zulässig sein. Und darum betonen wir auch im Zeitalter des Sozialismus das Strcikrecht. Aber wie in der Vergangenheit werden wir atich in der Zukunft keine Streik- vereine fein. Der Streik ist das letzte Mittel im wirtschaftlichen Kampfe und wir hoffen, es in Zukunft noch weniger gebrauchen ?u müssen als bisher. Es wird noch eine zeitlang dauern, bis die Sozialisierung ganz durchgeführt ist. Im Sozialismus erblicken wir die höhere Ordnung unseres Wirtschaftslebens. Die weitere Mitarbeit der Gewerkschaften an seiner Durchführung ist unent- behrlich. Darum ist es falsch, wenn die Arbeiter meinen, datz Arbeiter- und illetriebSräte die Gewerkschaften ersetzen könnten. Selbst wenn die Räte in allen Betrieben durchgeführt sind, werden sie nicht ausreichen zur Vertretung der Arbeiterinteressen. Ein Beispiel geben die Arbeiterauvschüsse, die sich nur im Namen von den Betriebsräten unterscheiden.(Sehr richtig!)-"Wie sie oft nicht ohne die starke Rückendeckung der Gewerkschaften wirken konnten, so werden auch diese nichts ohne sie erreichen können.(Sehr richtig!) Unsere Aufgabe mutz es deshalb sein, die Gewerkschaf- ten noch mehr zu stärken als es erfreulicherweise in den letzten Monaten geschah. Schon bald werden wir mit harte« gewerk- fchaftlichen Kämpfen zu rechnen haben. Darum haben wir hcure mehr zu tun, als uns über die Vergangenheit zu unterhalten. Riesenhafte Aufgaben stehen den Gewerkschäften infolge ihrer großen Erfolge noch bevor. Der ruhige und stille Kampf der Ge- werkschaften, die zielbewußte Durchführung unserer Aufgaben, daS ist die wirkungsvolle, wahre revolutionäre Tätigkeit. Gemein- sam mit den Betriebs- und Arbeiterräten müssen wir uns gegen- seitig helfen und fördern für den dauernden Aufstieg der Ar- beiterklasse. Das soll und mutz auch die künftige Aufgabe für die Wirksamkeit der Gewerkschaften sein.(Stürmischer, langanhalten- der Beifall.) Schluß 6 Uhr. Nächste Sitzung: Donnerstag, Uhr vormittags._ Nationalversammlung z« Weimar 44. Sitzung, Mittwoch, den 2. Juli, nachm. 2 Uhr. Am NegierungSlifche: Dr. David, W t sie ll, Erzberger) Vertreter der Einzetslaateli, Heine, Dr. v. Preger u. a. Präs. Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 2V Minuten. Das Haus berät zunächst den ichleumgen Antrag der Abgeordneten B a ck, in e y e r(b. k. Fr.) und Genossen, in dem die Reichs- regierung ersucht wird, die Aufhebung des gegen den Abg. Gandorfer beim Landgericht Straubing schwebenden Strafverfahrens für die Dauer der Session zu veranlassen. Der Antrag wird an die GeschäflSordnungSkommission oerwicsen. Es folgen die Interpellation von Arnstadt(Dnat. Vp.) über Beamlenfragen, G r o e b e r. Nur wenn Sie Kriegsbeschädigter sind.— ftz. B. 77. 1. Ja. 2. Frühere Dienstzeit würde angerechnet werden. 3. Nein.—(i. P. 10. Versuche« Sie eS mit einer Beschwerde beim Berficherungsamt in Lück. Wir halten solche jedoch für erfolglos.— M. R. 89. Nein nur die Hälfte. Aus- einandcrsetzung kann noch jetzt verlangt werden.— C. R. 48. Nein. —<5 B. a. Uns nicht bekannt.— Helene 77. Zweckmäßig ist ein schriftliches Gesuch.— P. H. 55. 1. ii. 2. Adressen sind uns nicht be- kannt. 3. Gilt nur für Kriegsbeschädigte.—/z Uhr: Die Frau des Detiutanien. Serliner Krater 7/9 Kastanienällee 7/9. Täglich: iZBurlcte-tollionen In her Tanz» IZ«»!! viele täglich: Ansang 4t/z UHr. DealüevL-Theater. Untergrundh, KiosterstraLe. Ausgang Stralauer Stralie. Täglich 8 Uhr. Zum 171. Male: re Schauspiel von Sudermann. Regie: Alfred Rotter. Rose-Theater. 7»/, Uhr: Ehe- Lrlaub. 'Ti2 Uhr Qartenbühne: Das sieht sich Jeder an. Vorher Konzert u. Spezialität. | FriedrichstraBe 218| Dir.: James Klein 73/ Sonntag 73/| / 4 3V2 und I /fl Letzter Gastspiel-Monat der Gesellschait Anton Hennen Izu BerSin-GrunewaSd (Em Ees EäDiburger Reikluti) | 2. Tag: Donnerstag, den 3. Juli, nachm. 3 Uhr| 7 Rennen, u. a.: Renard-Rennen 21000 M. Uhr IfUMCstpielhau� Ä So ein Mädel. Metropol-Theater. 7 uhr 20 Die FascMogslee. 3cncs Oocrettcnhaus. 7v.u.:DißSa3ifi vcm Zirkus. Palast-Theater 7�- uhr: Tataan. Operette in 3 Akten v. Zorlig. Jsiciiiller-Thcnt. Cliarl- 7«/. Uhr: All-lÄÜIßrg. Tlialla-Thentei1 Heute geschlossen. Morgen z. 1. M.: Jungfer Sanncuschcin. Imsen-Theater. Bis Freitag, 71/i Uhr: Sie WMeue Seine. �dSMAWealiedeii Sonnrag 3 Uhr Ein glfieklieh. Faniilieniialer, mit der neuesten Schlager-Burleske Nur nicht schießen! J Vorh. Spezialitäten! I l-jonnt.oV-jd.Erwachs 1 I Kind frei! National-Theater S Uhr Sturm. Erfolg 8 Um ZnWeMADM.| Winlef- Galten Täglich 7'/; Uhrt Variete-Spielplan Rauchen gestattet! Täglich Va8 Uhr Sonntags 3 u. 7 Uhr Die neuen Ballette Im CespenstEPseWoß Wiener Walzer außerdem > Tanz« Revue« AdmlralS'ilino. Ujjfnimlr rl HnüFiii 0. 1.chens Rutschbahn' TU. n.m Xollcnd«pf5>lat* 3,/i Uhr: Die Schleichhändler. tv, uhr. Die Pappe. Theater d. Frledrichstadt 8 Uhr: So eine Frechheit. Versicherung gegen Einbruch. Ein Polterabend. Walin er-Thcatcr n, uhn Das Gesetz. Rüiciisliall.-Tiiester Gastspiel».berühmten Dresdener Vicloris-Säiiti. Boll ig nettes Programm. 1. 8. Wlede» auflretcn h.Stcttinct Langer. Kaffee Leids (Equ. table) FriedrichstraBe 59 60, Ecke Lciozlger Straße j 28öD' fassend, DW> Bereinsoer- anügen, Fumllieiifestlichkeil. Akortln Milrltz, Gtadtkoch, Nord KötO. Eophienstr. 84. 1000 Pers. Veriammlungen. Vortieiim ruhiftes Bad TM Station:„Baä Saelisa", SCdhnrz. Pension 15—30 M. 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Dezember 1918:.Nachdem ich in einem Gevirgs-Sanatorium für Lungenkranke 5 Monate ohne Erfolg behandelt worden bin, habe ich in Ihrer Heil- anstatt wieder Heilung gefunden und wurde vom Kreis- arzt, der mich vorher für dienstunfähig erklärt hatte, nach gcnaner Untersuchung wieder für dienstfähig befunden. Seit dem 18. Oktober 1918 erteile ich 4 Stunden ununterbrochen Unterricht. Dies schreibe ich Ihnen ohne jegliche Beeinflussung Ihrerseits. Auch meiner Frau, die bei Ihnen behandelt wurde, geht es ausgezeichnet(litt an Ntderkul. Haisdrllfenverciterungl.�— Herr Werkmeister p VSlter, Berlin, Utrechter Etc. 25, schreibt:„Nachdem id> mehrere Wochen in einer ärztliche» Klinik ohne Erfolg behandelt worden war und mir sdiUcßUch der rechte Arm abgenommen werden sollte, habe ich mich in letzter Not an Ihre Anstalt gewandt und bin mit 45 Behandlungen von metner VInwergiflnng und Uereilernng des rechten Arme» und der yand geheilt worden."— 4. Frau Magistratsassistent Herrmann aus Kottbus, Lausitzer Str. U, schreibt:„Ich bin von meinen Magrn- f eschwürea mit 30 Behandlungen völlig in Ihrer An- alt geheilt worden, nachdem ich 12 Jahre lang ander- weitig ohne Erfolg behandelt worden war. Ich fühle mich so wohl und gesund, wie id) mich noch nie gefühlt habe."— 5. Herr Feuerwerkolentnant Maschlanta, Neukölln, Weser- Straße Sl(jetzt Königsberg i. Pr.) schreibt:„Meine Mutter, meine Schwester, meine Frau und ich sinh in Ihrer Anstalt gehellt und gebessert von chronischem" �W>W worden; die M.titter TugcnlcIOcn. die Schwester von ttops- schmerze» und Schwerhäriakeit, meine Frau von Herz- und Magenleiden nnd�ich von allgereelner M W. m vor Herzleiden»nd vascdawscher ttrankheit geheilt worden. Aus Dank- barkeit habe ich Ihnen viele Patienten mit gleicktem Leiden Wegen Aufgabe des Geschäfts verkaufe vier fünfarm. silberne, Tafelleuchter, viel anderes Silberzeug. CO in Kokoslaüfer,! Papierservietten, Bonbücher,. 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In einer alten crient&liscbea G.bliotTiek ist cm Dokument gefanden worden, das panz genau mitteilt, wur Jesus CkriHtos war: ein liuudcabrudcr dej Ksaäerbundea, einer Art Freizuaareryerclniguog. Es ist der licrickt des Ältesten dioses Bandes In Jerusalem an den Ältoaten in Alexandrien. Ein christlicher Priester versuchte bei der Entdeckung das Dokument zu vernichten, da sich dia ganzen mjatischen Wundergescfcichtcn aur einmal gans natürlich erklären. Die Vernichtung gelang Ihm aber nicht« Dieaer historische Berichtigt ins Deutsche übersetzt worden, mit einem Vorwort über Pontius Tllatoa neebnarbeitet von Ferd. Bchmid;. Kein Jtoakfendcr wird das Werk unbefriedigt aus der Hand legen. Preis kU••&U, aehdu W5 gebunden M, Kachnakiao öO Fü mehr. Bücherkatalog gratis. Grosser Bucherkotalog gratis durch: Albrccht Donath, Verlag, Leipzig 42. s Werkzeugmascliinen. 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H, Berlin SW. 63, Llnm Eisenbahnbetrieb kennzeichnete und weil in jener Zu'chrift die Regierung ersucbt wird, die Arbeitslosen aufzu- fordern, sich zur Be'cbästigung bei der Eisenbahn zu melden, damit der Betrieb wieder auf seine alte Leistungsfähigkeit gebrawt werde, bezichtigt dieses Blatt einer berüchtigten Konjunkturpolitik den „VorwärrS", das; er zum Slreikbruch auffordere. Es mag der„Freiheit" und ihrem demagogischen Anbang ge- wist unangenehm sein, daß es in dieser Zeit der gröfiien Wirtschaft- lichen No: des Landes noch Menschen gibt, die dem Volksganzen gegenübir sich etwas Pflichibewutzlsem und Veranlwortlichkeils- gefühl bcwabrr haben. Solche Eigenschaften hafit die.Freiheit", weil sie sich schlecht in— unabhängige Politik ummünzen lassen. Um öas ksalitionsrecht See öeamten. Aus Postbeamvenkreisen wird uns geschrieben: In dem Augenblick, wo der Ukas Noskes gegen den Eiken- bahnerstreik zurückgezogen worden ist, prangt an den Schwarzen Breltern der Postämter Berlins folgende Verfügung: Ober-Postdircktion. Berlin L2. den 27. Juni 1919. Der Reichswehrminister hat folgenden Befehl erlassen: Die Auistände in Hamburg, die Wühlereien und schweren Strcikansichreitungen in Berlin und anderen Orten veranlassen mich zu folgendem Befehl: 1. Ausstände sind mit allen Mitteln schnellstens niederzu- schlagen, wenn nötig, unter rücksichtsloser Anwendung von Waffengewalt. 2. Bei Streiks in gemeinnützigen Betrieben, deren Fort- führung für die Allgemeinheit lebensnotwendig ist, kann mit militärischen Machtmitteln der Betrieb aufrechterballen werden. Die Freiheit zur Arbeit ist überall zu schützen. 3. Bei Streiks auf Eisenbahnen ist die Durchführung der notwendigen Transporte nötigenfalls unter Anwendung der Waffengewalt zu erzwingen. Ich behalte mir vor, gegen Aufständische da? verschärfte Standrecht zu verhängen. gez. Noske. Dieser Erlast findet auch auf den Post-, Telegraphen- und Fernsprechverkehr Anwendung. Sönksen. Soweit mit diesen Anordnungen politische Streiter getroffen weiden sollen, auch wenn sie sich unter dem Deckmantel ungerecht- fertigtcr wirtschaftlicher Forderungen verbergen, ist nichts dagegen zu sagen. Bei der Post besteht nun, wie jedermann, auch Herrn Postrat Sönksen, bekannt sein dürste, für einen politischen Streik>ucht die geringste Neigung. Wenn trotzdem die Postbeamienschaft in dieser auffälligen Weise auf den Erlast aufmerksam gemacht wird, so kann der Zweck nur sein, die Beamten und Aushclfer, die bekanntlich wegen der Ablehnung ihrer wohlbegründeten Wirtschaft- lichen Forderungen in begreifliche Erregung geraten sind, einzu- schüchtern. Wir glauben nicht, dast der Reichswehrminister bei der Her- ausgäbe des Erlasses dieses Ziel im Auge hatte, wir glauben viel- mebr, dast die Verantwortung für diese Auslegung lediglich den Herrn Postrat Sönksen trifft. Wenn die Anordnungen des Reichs- wehrministers aber auch bei rein wirtschaftlichen Kämpfen An- Wendung finden sollten, so läge hier eine Vergewaltigung des Koalitionsrechtes vor, wie sie von der allen Regierung nicht schlimmer hätte vollbracht werden können. Die Post- und Telegraphenbeamten sind sich ihrer Pflicht dem deutschen Volke gegenüber wohl bewustt. Sie wissen die Dar- legungen der beteiligten Minister über die traurige Finanzlage deS Reiches voll zu würdigen. Aber auch die gröstte Leere in der Reichskaffe kann nicht darüber hinweghelfen, dast es ein gewisses Lebensminimum gibt, unter das die Löhne r«hl sinken dürfen. Wenn heute ein verheirateter mittlerer oder unlerer Beamter von 25 Jahren ein Gehalt von 335 M.(einschliestlich Teuerungszulage) bezieht, so ist es bei den derzeitigen Preisen unmöglich, dafür die nötigen Lebensmittel zu kaufen, geschweige denn etwas für Klei- dung usw. zurückzulegen. Auch die geplante Verbilligung der Lebensmittel kann daran nicht viel ändern, um so weniger, als sie zum Teil nur scheinbar ist. Man kann�uicht von einer Ersparnis reden, weil das ausländische Fleisch statt 11,50 M. nur 4.50 M. kostet, wenn dafür das bllligere inländische Fleisch vollkommen vom Markt verschwindet. Mit der Forderung einer Entschuldungsiumme hat die Herabsetzung der Lebensmittelpreise überhaupt nichts zu tun; oder glaubt man etwa, dast der Beamte nun gleich sparen könne? Die Angestellten der Post- und Telegraphenverwaltung werden angesichts des Abbaus der Lebensmittelpreise zweifellos auch in ihren Forderungen nachlassen; darauf verzichten können sie nicht. Weigert sich die Verwaltung nach wie vor, was notwendig ist, zu bewilligen, dann kommt der Streik, weil er kommen must— trotz Noske und trotz Sönsten._ Verband der Bureauangestellten Deutschlands. Ortsgruppe Grost-Berlin. An alle Mitglieder! Die Bureauzeit wird laut Bekchlnst der Ortsverwaltung während des Verkehrsstreils für die Zeit von 9—3 Uhr festgesetzt._ Die Ortsverwallung. Angestellte der Ipandaucr Staatsbetriebe. Donnerstag nach- mittag 4 Ubr Vollversammlung in der„Neuen Welt". Vereinigte An- gestellt en-ZluSschüsse._ vereine unö Versammlungen. Zentralstelle für Einigung der Sozialdemokratie Charlotten- bürg. Versammlung am Freitag, den 4. Juli, abends 7 Uhr, bei Korbansty. Kaiser-Friedrich-Sw. 13, Ecke Grünstraste. Rescrentin: Gc- nossin Wally Zeppler. Die für heute nachmittag 6 Uhr festgesetzte Versammlung der deutsche» Flüchtlinge aus Belgien im Lehrcrvereinshaus(Alexander- platz) findet der Verkchrsschwicrigteitcn wegen nicht statt. Wetterausfichten für das mittlere Rorddeutschland bis Freitag mittag: EtwaS wärmer. Vielfach heiter, aber noch sehr ver» änderlich. Im Westen öster wiederholte, östlich der Oder mehr vereinzelte, im allgemeinen geringe Regensälle. Verantwortlich für Politik Artur zilkler, Charlottc-burg, für den übrigen Teil des BlatteS! Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen� Throdor Glocke, Berlin. Verlag: VorwärtS-Verlag®. m. b. H.. Berlin. Drucke VorwSrlS-BuSdruckeret und BerlagSanftalt Paul Einger u. To. in Berlin. Ltndenftratze S. Hierzu 2 Bellagen. Königalraße Morllzplalz Rosenilialer 6ir. A.WEM Versand- Ableläung Berlin W©6 Leipziger Str. .Preiswerte Waiselxstolle �iracl Seide elügewelsle sctuöne Streifen s so Isnlf. Leinen für Kostüme u. Kleider, In fdiünen Kellen Farben ca. SO cm breit IT 25 Voll-Voile weiß, glnlf In guter Qualität ca. 113 cm breit so Voile MInon In versdiiedenen F a r ö e rx il-# 50 schwarz, 2Ur Blusen ca. lOO cm breit oo Scl�war� Teiffet iUr Rücke und Kleider ca. SO cm brell OO Oti Leipziger Herbst-Mustermesse 31. August bis 6. September 1919 Auskunft erizili auch der ehrenamtliche Vertreter des Meßamts für den Handelskammerbezirk Berlin t Direktor Q. Bach in Berlin, Potsdamer Straße 21, Fcmspr.„Ami Lützow" 3366, and die Handelskammer in Berlin. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an das Meßami für die Musiermessen in Leipzig .'"T'.iIL...... ,v ITa-.. Kleidet Sie Ihr Kneiferl Zunächst must er gerade fitzen, denn ein schiefes Augenglaus wirkt immer hnstlich. Dann must er angenehm sitzen, ohne zu drücken, ohne zu rutschen, denn jede Belästigung macht nervös. Ferner must er in der Gröste zu Ihrem Gesicht passen, denn ein Mistverhälmis zeugt nie für guten Geschmack. Runde Gläser sind Mode, doch ckteiden sie nicht jeden, auch sind sie nicht immer notwendig zum richtigen Sehen, aber stets sind sie schwerer als ovale. Wohl jeder legt Wert darauf, durch paffende Kleidung einen guten Eindruck zu machen; auch Herren tun das. Jedoch wird das Augenglas laum dabei berücksichtigt, obgleich es am meisten den GesichtSausdruck beherrscht. Damen benutzen für die Strohe am besten RuhnleS moderne Lorgnetten. Wenn aber eine Dame einen Kneifer dauernd tragen muh, jo nur einen Ruhnke- Kneifer ohne Randeinfaffung. Die Auqenunlersilcbilna ist kostenlos. Wir garantieren �ir paffende Gläser. Optiker kulinke 8. llottbufer Daun» w, nah« Waren Haus Jandorf Verlangen Sie nach außerhalb l o st e n l o s unseren Opto- metcr z. Selbst- bestimmen pass. Bläser nebst Derfand- liste. -20 Geschäfte:: £ Spittelmarkt, Ecke Wallstraße Alcrnnderplatz, neben Aschinger PS vranienstr. 44, nah« ÜO« Oranienplatz W Leipzig« Str. 113, Eck- M » Mauerstraße II. Linkstr. 1, Ecke Potsdamer Straße Frtedrichstr. 193a, Ecke Leipziger Straße Friedrlchstr. tv«. Ecke Ziege tstraße Ehausse-straß« 72 Jnoaitdcnstraße 164, Eck- Brunnenirraße. *W1Ü Friedrichstr. 150, III». Ecke Dorotheenstraße Schäneberg: Hauptstr. 21, am Kaiser-Wtlhelm- Platz Friedenau: Rhcinstr. 18, Ecke stirchstc. gegenüber der Kaiser-Eiche Wilmersdorf: Berliner Str. 132 3, an der Uhlandstraße Spandan: Breite Straße i» Wn! ClIT Belle- Alliaace-Straße 4, am on» Halleschen Tor N SchSnhauser Allee 81, Hochbahn- » station Nordring Xeukölln Bergstraße 4, gegenüber Richard itraße Charloffenbnrg; Tauentzienstraße 15, Ecke Marburger Straß«. Joachimsthaler Strotz« 2, am Bqtznhoi Zoo.