Nr.337.36.Iahxg. Bezugspreis: V'.erteliLW. 9,— SDtt, monail. 8,— 9RJ. frei ins Haus, voraus zahlbar, Pofs- bezug: Monatlich 3,— 331!, ejfl, Zu- ftkllungsgebühr. Unter Kreuzband für Tieutfchland und Oesterreich-Ungarn SA., für da» übrige Ausland lv 25 ZA., bei tag lich einmal, guftellung SLS SA Postbestellungen nehmen an Dänemark, Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Eingerrage» in die Post-Zritungs-Vreisliüe. Der„Borwärts" mit der Sonntag»- beilage„Doli u. geU� erscheint wochen- täglich zweimal. Sonntags einmal, Telegramm-Adreffe: J5»z ioldenioical Sex»»' Abend-Ansgabe. Verlinev Volksblsti. «nzetgeupretSi Di» achtgefvaUene Nonparrillezetl» kostet 1,20 Mb„ftif tue Slnjelgan", da« fettgedruckte Wort Sll Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weiter« Bort 23 Pfg. Stellengesuche an» Schiafftellenanzeigen dao ersie Wo» t» Pfg. sede« weiter» Wort 20 Pfg. Wort» Lder 13 Buchstabe» zählen füs zwei Worte. Teuerungszuschiag doch». 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Teutschland zu zwingen, so weit wie möglich wiederher- zustellen, zu ersetzen und wiedergutznmachen und ein Exem- pelau Deutschland zu statuieren, welches ehrgeizige Herrscher und Politiser davon abhalte, eine solche Niedertracht zu wiederholen. Uebcr die L a g e F r a n k r e i ch s sprechend, betonte Lloyd George die Notwendigkeit, es gegen unheraus- geforderte Angriffe sicherzustellen. Er sagte, wenn der Völkerbund einen Krieg verhindere, so wäre der Bund damit gerechtfertigt. Lloyd George verteidigte den einstweiligen Ausschlnst Deutschlands ans dem Völkerbund. Wenn Tentschland zeige, da st es durch das Feuer des Krieges geläutert sei und einsehe, dast seine Politir in den letzten 150 Jahren ein schwerer Fehler gewesen sei, dann sei es ein geeignetes Mitglied des Völkerbundes. Lloyd George behandelte ausführlich das Mandatsystem und das Arbeitsab- kommen. Er betonte die Rolle, die das britische Reich im Kriege gespielt hat, in dem es 7700000 Mann für die alliierten Streit- kräste stellte und 3 Millionen Verluste hatte. Ohne das britischeReich würdederÄrieg nach K Monaten zusammengebrochen sei«. Tie Rolle Grostbritauniens sei ein großartiges Beispiel, was ein grostcs Volk, das einig und von einem gemeinsamen Ziel beseelt sei, erreichen könne. Lloyd George appellierte an die politische Einigkeit und an die Fort- daner des patriotischen Geistes, der allein den Krieg gewonnen habe und allein zum wahren ruhmreichen Triumph führe. Nach der Rede Lloyd Georges erklärte sich das Haus einstimmig mit der Einbringung der beiden csctzcntwürfe einverstan- den, die den Friedensvertrag und das englisch-srauzösische Uebercinkommen, in welchem gegen einen nicht heraukgesorder- teu Angriff auf Frankreich Vorkehrungen getroffen sind, zum Gegenstand haben. Tie Arbeiterpartei kann die Ratifikation nicht verant- Worten. L»ildoa, F.Juli.(Reuter.) Unterhaus. Adamson be- bielt sich im Namen der Arbeiterparlei eine eingehende Kritik des Friedensvertrages bis zur zweiten Lesung vor. Er sprach die Hoffnung aus. daß das deutsche Volk setzt, wo der Friede unterzeichnet sei, einsehen werde, dah die einzige AuS» ficht für ein friedliches und geordnetes Weiterleben darin bestehe, daß es versuche, die FriedenSbedingungen auszuführen. Er hoffe. daß Deutschland, wenn es fo handle, seine Aufgabe leicht gemacht werden würde, und daß man ei mit großmütiger Versöhnlichkeit behandeln würde. Eine Daumenfthrauben-KsmmWon. Ter„Skaiser" kommt in den Tower. Amsterdam, 4. Juli. Dör Pariser Berichterstatter des �Telegraaf" meldet: Die Alliierten werden binnen kurzem eine Kommission einsetzen, die darüber zu wachen habe» wird, daß Deutschland die Bertragsbedingnugen erfüllt. Für die einzel- nen Bedingungen werden Unterkommissioncn gebildet werden. Eine davon wird mit der Durchführung der B e st r a- s u n g e n beauftragt«erden. Unter ihren Mitgliedern wird sich ein hoher englischer Richter befinden. Sie werden Maß- regeln für eine entsprechende Zusammensetzung des QierichtShoseS, vor den der Kaiser erscheinen wird, treffen und dafür sorgen, daß er seine Aufgabe erfülle» und jede verlangte Strafe auferlegen kann. Die Rote an die»iedrrländischr Regiernng wird in keiner HinsickN den Charakter eines Ultimatums haben, sondern die Auslieferung wird unter voller Anerkennung der souveränen Rechte Hollands verlaugt werden; die Alliierten werden als Befreier und Beschützer der kleinen Staaten, zu denen Holland gehöre, darum ersuchen. Der Kaiser wird, wenn er vor dem Gerichtshof erscheinen muß,«ach dem Tow-r ge- bracht werden. Zusammensetzung des Gerichtshofes. Amsterdam, 4. Juli. Das Reuters che Bureau meldet aus London: Es verlautet, daß die an Holland z» richtende, die Auslieferung des vormaligen Deutschen Kaisers betreffende Note von 22 oder 23 Mächten untei schrieben sein wird. In den Wandelgängen deS britischen Parlaments verlautet, daß das Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Deutschen Kaiser von dem Aus- s ch u ß geregelt wird, den die Alliierten zur Durchführung der Friedensbedingungen errichten. Der Gerichtshof wird aus fünf Richtern bestehen, die von den fünf alliierten Groß- mächten dazu erwählt sind. Man hofft, daß die Gerichts- Verhandlung im Herbst stattfinden wird, und erwartet zuver- sichtlich, daß der Kaiser zugegen sein wird, da seine Aus- lieferung von sämtlichen alliierten und assoziierten Mächten gefordert werden wird. London, 3. Juli.(Reuter.) Lloyd George teilte im Unter- haui'e mit, daß der Gerichtshof zur Aburteilung deS Kaisers seinen Sitz in London haben werde. London, 3. Juli.(Reuter.) Carzon sagte im Oberhaus, daß die Auslieferung des Kaifers nicht nur ein Akt der Gerechtig- keit, sondern auch eine durchaus notwendige Sicherung gegen zu- künftige Angriffe sei._ Englisch-französischer Vertrag. Ein Tefcusivbündnis gegen Deutschland. London, 3. Juli. Reuter. Der englisch-franzö fische Vertrag, der heute abend veröffentlicht wurde, bestimmt, daß Großbritannien, wenn die Artikel 42, 43 und 44 deS Friedensvertrages mit Deutschland zunächst keine genügende Sicherheit und keinen genügenden Schutz bilden sollten, zustimmt, im Falle einer nicht herausgeforderten AngriffSbewegung Deutschlands gegen Frankreich diesem zu Hilfe zu kommen. Der Vertrag wird dann in Kraft treten, wenn der ähnlich« s r a n z ö s i s ch- a m c r i k a n i s ch e Vertrag ratifiziert wird. Der Vertrag muß vom Völkerbund als mit dem Völkerbunds- vertrag vere'nbar befunden werden und wird so lange in Kraft bleiben, bis der Rat der Ansicht ist, daß der Bolkerbunt, selbst genügenden Schutz bietet. KranZösisch-ttaliemsche Reibungen in Iiume. Bern, 3. Juli. Die Beschwerde deS italienischen Generals Grazioli wegen der a n i i i t a l i e n i s ch e n Kundgebungen französischer Soldaten und Matrosen in Fiuine, i ist von dem französischen General zurückgewiesen worden. Nach ' einer Fiumer Korrespondenz des„Corriere della Sera" betrachten i sich die Franzosen in Fiume als Herren des Landes und tun alles, - nm den Zwiespalt zwischen den Italienern und den Jugoslawen | noch zu verstärken. General d'Esternah bat aus eine telegraphischc Beschwerde des Generals Grazioli, des Höchstkouunandierenden in Fiume, geantwortet, der italienische Genera! habe in Fiume nichts zu kommandieren. Revolutionäre Luft in Italien. Bern, 4. Juli. Laut„A V a n t t" erklärte d'Aragena. Generalsekretär des italienischen Gewerkschaftsbundes in Southport, Italien befinde sich nach dem Kriege in Verhältnissen, die zum Bankerott führen müßten. Das Volk sei von einer revolutio- nären Bewegung ergriffen und die Lage sei so schtver, daß Nachrichten, die auS Italien kommen und von einer revolutionären Bewegung und Blutvergießen sprechen könnten, nicht überraschen dürften. veutfihösterreich wünscht jchleunigften JdeöLnsjchitiß. St. Gcrmain, 4. �hrli. Auf Einladung des Staatskanzlcrs Renner fand sich abends der Generalsekretär Du last a in der Villa Reinach ein. Der Staatskanzler schilderte, wie sehr Deutsch- österreich unter der Verzögerung des Friedensschlusses 'leide, und wiederholte nachdrücklich das Ersuchen, daß die Ver- Handlungen bald zum Abschlüsse kommen. Dutasta ver- j sicherte, daß die alliierten und affoznertcn Mächte entschloffen seien, ! die Verhandlungen so rasch als möglich dem Abschluß znzu- j führen. Am Schlüsse der Unterredung lenkte der Staatskanzler nochmals die Aufmerksamkeit auf die außerordentlich gesteigerten 'Ernähr u ii gSschwierigkeitcn und ans die s i n a n- z i e l l e Bedrängnis Deutschösterreichs, insbesondere auf die �gewaltige Arbeitslosigkeit, und ersuchte Dutasta, von der steigenden Gefährdung deS Landes dem obersten Rate Mitteilung zu machen.__ Der Eisenbahner, Kreik in Frankfurt. Frankfurt(Main), 3. Juli. Tie.Frankfurter Zeitung� meldet: Der Streik der Frankfurter Eisenbahner hat durch die Einbeziehung der anderen Stationen deS DirektionS- bezirks in die Bewegung eine wesentliche Verschärfung erfahren, die sich aus wirtschaftlichem und postalischem Gebiet immer mehr bemerkbar macht. Von Freitag an wird der Eisenbahn- V e r k e h r V o l l st ä n d i g e ui g e st e l l t.— In den Kreisen der Streikleitung nimm: man an. daß sich auch die Bezirke tz a ii n o V e r, Kassel und Erfurt der Bewegung anschließen werden. Die Bewegung ist, von belanglosen Zwischenfällen abgesehen, bis jetzt ruhig verlausen. Heidelberg, 4. Juli. Die Beamten und Arbeiter der Main- Reckar-Bahu sind heute srüh in den Ausstand getrete». Die nächsten Rufgaben in Ser Zneüensfrase. Von Ed. Be r n st e i n. 1. Grundsätzliches zur polnische» Frage. Der Friedensvertrag ist unterzeichnet und man wird nun ein vernünftiges Wort über ihn sagen dürfen, ohne dem albernen Vorwurf zu begegnen, man leiste damit den Cle- menceau und Genossen einen Dienst. Niemand bedarf heute der vernünftigen Betrachtung der Dinge mehr alS das deutsche Volk. Tie Sieger im Weltkrieg wußten, lvas sie wollten, und keine Stimme, die hier zu ruhiger Betrachtung der Dinge riet, konnte sie veranlassen, ihre Forderungen höher zu bemessen, als es ohnebin geschah. Das deutsche Volk aber wußte nicht, was es wollte, d. h. lvas es nach Lage der Dinge vernünftigettveise wollen konnte. Es wußte und tvciß nicht einmal genau, was eö von diesem Gesichts- Punkt aus nicht wollen kann. Darf das wundernehmen? Man hat ihm die ganze Zeil über in Wort und Schrift immer nur von den Scheußlich- keilen des zu unterzeichnenden Vertrages vorerzählt, so daß es nicht dazu gekommen ist, dessen Einzelheiten einigermaßen richtig auf ihre besondere Begründung und Tragweite ab- zuschätzen und gegeneinander in ein. Verhältnis zu setzen. Nehmen wir die polnische Frage. Sie ivar von dem Tage an aufgerollt, wo Deutschland an Rußland den Krieg erklärte, wie die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich die Frage Elsaß-Lothnngen auf die Tagesordnung setzte. Im Kriege selbst erhielt die polnische Frage dann aus der Hand der Regierungen Wilhelms ll. und Franz Josephs durch die Proklamierung eines selbständigen Polen noch ihre feierliche Sanktion. Indem diese Regierungen aber sie als 5kriegs- maßnähme ins Spiel brachten, machten sie selbst ihre weitere Gestaltung von der Gestaltung der Kriegslage abhängig, und indem sie das polnische Volk zur Erkämpfung seiner nationalen Selbständigkeit aufriefen, gaben sie fblbst das Signal zur Erhebung des Kampfrufs:„Das ganze Polen soll es sein". Denn in die lächerlichen Grenzen� die sie dem neuen Staatswesen damals anwiesen, hätte es sich auch hei einem Siege der Zentralmächte nicht einspannen lassen, geschweige denn bei deren Niederlage. Nachdem diese eingetreten war, erfolgte die Ausbreitung der Wogen des nationalen Einigungsdranges der Polen über die schwarzweißroten Grenzen hinweg mit naturgeseßlicher Kraft, zumal die Polen, was sie denn auch taten, unter Berufung auf Wilsons l4 Punkte an die alliierten Mächte die Forderung richten konnten, die Wiedervereinigung ihres 1772 räuberisch aufgeteilten Landes zu einer der FriedenSbedingungen zu machen. Was war unter diesen Umständen die Aufgabe der Staatskunst des Republik gewordenen Teutschland? Daß die Ostgrenze Teutschlands nicht länger so werde bleiben können, wie sie am Lorabend des Krieges lief, lag auf der Hand. Nicht o b Gebiet on das neue Polen abzutreten war, war jetzt die Frage, sondern wieviel und unter welchen Bedingungen. Es galt also das Möglichste zu tun, um mit den Polen selbst zu einer Verständigung hierüber zu ge- langen. Weder fehlten die zu einem solchen Versuch nötigen Berbindungsmöglichkeiten, noch war er von vornherein aus- sichtslos. Es gcht ganze Parteien unter den Polen, die für eine friedliche Auseinandersetzung mit der deutschen Republik zu haben waren und selbst die regierende Partei weiß, daß Polen ein Interesse daran hat, mit Teutschland zu einmi modus vivendi zu gelangen. Von diesem Gedanken aus hat am 20. November 1918 der damals von der Regierung nach Posen entsandte Herr von Gerlach mit dortigen maßgebenden Vertretern der Polen Rücksprache gepflogen, die zunächst in der Frage der Lieferung von Lebensmitteln guten Erfolg hatte und, wenn im gleichen Geiste weiter gearbeitet worden wäre, den Weg zu einer Verständigung über die Frage der neuen Grenze geebnet hätte. Es kam aber anders. Leute, die große Patrioten zu sein glauben, aber nur kurzsichtige Nationalisten sind und Vernunft für Schwäche halten, lärmten über„an Verrat grenzende Weichbeil", die Regierung ließ sich einschüchtern, und an die Stelle der Politik der Verständigung trat die Politik der geballten Faust— ohne daß jedoch Deutschland in der Lage war, sie mft allen ihren Konseguenzen durchzu- führen. So wurde denn nur daS Eine erzielt, daß im pol- nifchen Lager die extrem-nationalistffche Richtung erheblichen Einfluß gewann und von den Alliierten militärische Nach- schübc nach Polen entsandt wurden, Nun haben im Friedensvertmg die Alliierten über die polnisch-deutsche Grenze Bestimmungen getroffen, und daß sie bei einer direkten Auseinandersetzung mit den Polen un- günstiger für Deutschland ausgefallen wäre, wird niemand . behaupten wollen. Statt der Daszynski, Korfanty usw. hat eben Paderewski in Paris für Polen das Wort geführt. Leider muß man jedoch hinzusetzen, daß es auf deutscher Seite an der Ausarbeitung eines folgerichtig durchdachten grundsätzlichen Standpunktes in der Gebietsfrage, auf den gestützt man übertriebenen Forderungen der Polen hätte ent- gegentreten können, sehr gefehlt hat. Man kann nicht zur gleichen Zeit hier dos historische Recht, dort die Sprache, an- derwärts den durch Abstimmung ermittelten Volkswillen anrufen, hier die kulturellen und wirtschaftlichen Zusammen- hänge und dort die nackte Zahl bestimmen lassen wollen. Daß sogar in der Sozialdemokratie hierüber noch viel Un- klarheit herrscht, haben die heftigen Unterbrechungen gezeigt, die auf dem Parteitag in Weimar meine Darlegungen über die Polenfrage erfuhren. Ich vertnerfe das historische Recht überall, wo es mit dem Recht der lebenden Generationen in Widerspruch steht, lasse die Sprache nur dort als Anzeiger der nationalen Zusammengehörigkeit gelten, wo ihr der er- klärte politische Wille der Bevölkerung zur Seite geht und fordere im Fall der?kbst!mnyrng ganzer Provinzen für nationale Minderheiten, die in größeren Distrikten die Mehrheit bilden, das Recht, im alten Staatsverband zu ver- bleiben. Damit wäre ein grundsätzliches Programm für einen fchiedlichen Ausgleich mit den Polen gegeben, bei dem unsere deutschen Landsleute im Osten sicher nicht schlechter gefahren wären, als bei jeder nun zu erwartenden Regulie- rung. Mit dem bloßen Protest wird ihnen blutwenig ge- Holsen. Statt aber mich rubig anzuhören, hat man schon die bloße Erwähnung der Datsache, daß unsere großen Vor- känipfer Marr und Engels noch in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Wiederherstellung Polens in den Grenzen gefordert haben, die es v o r der ersten Teilung (1772) hatte, und daß auch heute noch die Sprachgrenze ziemlich dieselbe Linie einhält, mit stürmischen Zwischenrufen aufgenommen. Man begriff nicht, daß. um eine Frage richtig zu beurteilen, man die für sie in Betracht kommenden Tat- fachen und Gesichtspunkte wenigstens in ihren großen Um- rissen kennen muß. Eines muß man unseren Genossen indes als Entschuldigung zubilligen. Es ist so gut wie nichts ge- icheben, in bezug auf die polnische wie andere Fragen das deutsche Volk über deren wahre Natur und den Stand der Dinge aufzuklären. Mit wenigen rühmenswerten Ausnah- inen bat die deutsche Presse da vollständig versagt. Jin Wahn, damit patriotisch zu handeln, hat man die Tatbestände eher verdunkelt und so die geistigen Energien in Bahnen geleitet, wo sie nur Schaden anrichten können, statt den Blick dafür zu schärfen, wo deutscherseits wirklich mit Erfolg für Besserimg der Friedensbedingungen gearbeitet werden kann. * Nachwort der Redaktion i Wir geben im Interesse der freien Meinungsäußerung innerhalb der Partei den Ausführungen Eduard Bernsteins Raum, obwohl wir gegen ihren Inhalt den schärf st en Widerspruch erheben müssen, wie ja auch der Parteitag diese Gedankengänge fast einmütig abge- lehnt hat. Bernstein? Theorien gehen zum großen' Teil von falschen Voraussetzungen aus, deren einige wir hier kurz berühren wollen. ES ist absolut unrichtig, daß nach den Wilsonschen 14 Punkten die Wiederherstellung der Grenzen Polen? von 1772 ge- geben war. Punkt 13 spricht dem freien Polenreich„alle von unbestreitbarer Polenmchrheit bewohnten Gebiete� zu. Das Polen von 1772 war alles andere als ein rsiner Nationalstaat. Paul Saösr:„Das Gesetz". Wallnertheatcr. Alte schwere Erinnerungen wurden wieder wach. Eriirne- rungen an daS Arbeitsr Berlin des Sozialistengesetzes, an jene Jetten schmählicher Verfolgung, die Bismarck, den Gewaltmenschen, so schlagend von der Ohnmacht seines allgewaltigen Gendarmen- aufgebots gegenüber dem entschlossenen Willen der Arbeiterschaft überführten. Die sozialdemokratischen Stimmen bei den Reichs- tagswahlen zeigten, nachdem die ersten Lücken, welche das Gesetz gerissen, nur erst gefüllt waren, unaufhaltsames Wachstum. Und wie sich immer dann auch in späteren Jahrzehnten die sozialistische Wählerschaft vermehrte, nie ist vielleicht die Stimmung gehobener und siegessicherer gewesen als in den letzten Jahren vor dem end- gültigen Zusammenbruch jenes grotesken feudal-militaristisch- bourgoisen Diktaturversuchs. Die damals erst recht in die Massen eindringende Marxsche Idee, daß der Kapitalismus durch die wachsende Entfaltung produktiver Kräfte, so wenig er e? weiß und will, selbst Vorarbeit für da? Kommen einer neuen, besseren sozio- listischen Gesellschaftsordnung leiste, ließ er den ersehnten Um- schwung nah erscheinen, erfüllte die Gemüter mit triumphierender Gewißheit. In unterirdischen Bergwerksgängen pochten viel tausend Hämmer rastlos an dem Werk, das auS-der Tiefe einst zur Sonne steigen würde— dies« Vision de» aus dem Kohlenrevier wandernden Agitators Stefan am Schluß von Zola? unvergleich- lichem Arbeiterromane Germinal spiegelte nur wieder, was damals im Bewußtsein der Partei lebendiges Gefühl war. Man sah daS Morgen in hellem Glänze der Hoffnung vor sich liegen, und dieser Ausblick beschwingte alle Arbeit, die die Propaganda forderte. Für jeden, der im Namen de» Gesetzes in» Gefängnis mußte, war immer eine neue Kraft bereit. Fest hielt der heimliche Bund der ..Korporen", der zugleich den Bertrieb des verbotenen, in Zürich erscheinenden, durch die Organisation deZ roten Postmeisters über die Grenze geschmuggelten Parteiorgans.Der Sozialdemokrat- besorgte. In einfach schlichter Weise führt daS Stück det Genossen Bader Typen und Situationen jener Tage vor. In dem Stübchen de? klug bedachten, an der einmal gewonnenen Ueberzeugung dann aber auch um so unerschütterlicher festhaltenden Arbeiters Hubert Stein, mit dem schon halb ergrauten Haar, wird die frisch eingelaufene Sendung„Schweizer Käse", wie der Volksmund den Züricher„Sozialdemokraten" nannte, kuvertiert, wobei man auch daS Freiexemplar für den wohllöblichen Herrn Polizeiinspektor nicht vergißt. Auch ein paar dunkle Gestalten, von der Polizei geworbenes Spitzelgesindel, haben sich eingeschlichen und lauern auf die Opfer ihrer Denunziationen. Intimer skizziert ist daS Verhältnis Steins zu seiner. Frau, die, wenn sie auch in ihrem beschränkten Familienegoismus vom Kampf für die Partei nicht? wissen will, doch treu zu ihrem Manne steht, und daS Verhältnis zu dem jungen brauseköpfischen Sohn, der zum Bater mit Be. geisterung hinaufschaut. Bei dem Besuch von SteinS Bruder, der, aus der Provinz als Polizist nach Berlin gerufen, sich seiner Heldenstücke wider die Roten rühmt, gefy die Empörung mit Durchaus irrig ist auch die Ansicht, daß die Sprachgrenze noch heute im großen ganzen mit der Grenze von 1772 parallel liefe, wie sie das auch schon 1772 nicht im mindesten getan hat. Westpreußey als Gesamtheit ist niemals ein überwiegend polnisch sprechendes Land gewesen, es hat sogar Zeiten gegeben, in denen es so gut wie rein deutschsprechend war; das Polentum ist großenteils erst in der Zeit der polnischen Herrschaft nach West, Preußen eingedrungen und dort ebensowenig autochthon wie das Deutschtum. Irrig ist auch der Glaube, daß irgend eine deutsche Politik es hätte erreichen können, daß statt Paderewski, der seit KriegSbeginn in Amerika während durch all die Jahre Wilsons Ohr hatte, Daszinskh oder Korfanty in Versailles tonangebend ge- worden wäre. Was«ine Separatverständigung mit Polen genutzt hätte, daS zeigt das dänische Beispiel, wo trotz der vorangegangenen Ver- ständigung Deutschlands mit dem neutralen Dänemark die Entente Tä venia rk eine Abstimmungszone aufzwingen wollte, an der es selber kein Interesse hatte. Das neutrale Dänemark war freilich stark genug, ein solches Danaergeschenk zurückzuweisen, aber wer kann sich im Ernste«in polnisches Ministerium vorstellen, welches ihm von der Entente ge- schenkte ostpreußische, westpreußische, poscnsche oder oberschlesische Gebiete ablehnt?! Die neue Parteifahne. Schwarz-weist-rot auf dem Misthaufe«. Mit entsetzlichen Grabgesängen, als ob der Anfang deS Weltuntergangs eingesetzt hätte, tragen die reaktionären Blätter den schwarz-weiß-roten Lappen, der bisher über dem Reich geweht bat, zu Grabe. Teils schimpfen sie in der Prosa, teils in.Poesie". wie der Kapitänleuinant Eberhard Kautter in der.Deutschen Zeitung", bei dessen Versen selbst ein alter Seebär die Seekrankheil bekommen kann. Aber ganz können sich die Reaktionäre von ihren Farben nicht trennen, sie proklamieren schwarz-weiß-rot jetzt als ihre Partei färbe. Die.Post' schreibt: Die schwarz-weiß-roten Farben werden jetzt zu Farben aller derer werden, die noch N a t i o n a l g e f ü b l genug haben, um in dem Flaggenwechsel in dieser traurigen Zeit eine schmähliche Kapitulation vor dem Auslande zu sehen. Uns kann das nur recht sein. In Frankreich hat einst Gustav Hervo, als er noch Revolutionär war, gedroht, er wolle die Trikolore auf den Mistbaufen pflanzen. Bei unS hat daS jetzt kein Revolutio- när mebr nötig. Die Reaktionären selber pflanzen die schwarz- weiß-rote Fahne a u f ihren Misthaufen, wo sie nun ihren passenden Play hat._ Die �rbsiterröte in öen Gemeknöen unü LanSkrelsen. Der Minister deS Innern Heine hat an den.Zentral- rat" in Berlin unter Bezugnahme auf eine Erklärung der Re- gierung in der preußischen Nationalversammlung eine Verfügung gerichtet und darin erklärt, daß die Gemeindevertretung als Trägerin der Selbstverwaltung selbständig darüber zu ent- scheiden habe, oib neben ihrer eigenen Tätigkeit die klontrolle de? Arbciterrats noch erforderlich erscheint oder nicht. Bezüglich der Zentralstellen der Arbeiterräte bei den Land- kreisen und Landräten mutz beachtet werden, daß der Landrat eine zweifache Tätigkeit ausübt, indem«r die Geschäfte der allgemeinen Landesversammlung im Kreise und als Vorsitzen- der des Kreisausschusses und des Kreistages die Kommunalver- waitung des Kreises führt. Nachdem die früheren Kreistage auf- gelöst worden sind und eine Neuwahl auf demokratischer Grundlage stattgefunden hat, muß die dargelegte Auffassung einer etwaigen weiteren Kontroll« der Gemeindeverwaltungen in gleicher Weise auf die Kommunalverwaltung der Landkreise An- Wendung finden, zumal da von dem neuen Kreistage innerhalb von 30 Tagen nach der Wahl eine Neuivahl des KreiSauSschusses dem sonst so ruhigen Arbeiter durch; er bekennt sich selbst als einen der Verfolgten. Der Mittelaktz der sich um daS Verhör des von den Spitzeln angezeigten Stein durch den Polizeiinspektor gruppiert, schildert die korrupte Spitzelwirtschaft und die zynisch brutalen Praktiken in lebendiger Szenensteigerung. Das letzte Bild ist eine Haussuchung bei Stein, die vom Poli- zeiinspektor, einer in der Sozialistenhetze hervorragend bewährten Kraft, geleitet wird. Aber vergebens sind die Tricks und Kunst- stücke, durch die er die Familienglieder zu verwirren und zu be- lastenden Angaben zu bewegen sucht. Sogar der Bruder Stein?, der Polizist— hier schlägt das sonst in seinem Stil fast durch- gehends naturalistische Stück etwas in Theatralik um— kündigt. von Scham ergriffen, dem Chef den Gehorsam und stellt sich auf des Bruders Seite. Drobend erschallen von der Straße die Rufe der Genossen, als man den geliebten Führer und dessen Sohn zur Wache schleppt. Die von Ernst Rotmund inszenierte Aufführung zeigte durchgängig überraschend klare Rundung und Natürlichkeit. Sehr gut war insbesondere Eugen Klopfer in der schmucklos auf- rechten und so sympathischen Gestalt des Stein. Hans Schwei- k a r t als der trotzige Sohn und Alice Torning als Groß- Mütterchen. Stürmisch applaudierte das Publikum. (yonrad Schmidt. EmpfinAungen beim Absturz. In der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden, erklärte H Haenel das Erlebnis des Absturzes. Nach der.Münch«- mer Medizinischen Wochenschrift" führt« er auS: Kletterer, die»ach einem Absturz mit dem Leben davonkamen, schildern in auftäMger Uebereinstimmung. daß während des Falles eine Menge Einzel- Vorstellungen, ja.ihr ganzes Leben" in raschester Bildfolg« und mit geradezu sinnfälliger Deutlichkeit vor ihrem inneren Auge vorbei- zog. Einen Gegensatz dazu bilden zahlreiche Berichte von Abstürzen mit dem Fallschirm auZ dem Ballon: sie lauten fast alle dahin, daß der Flieger auch in den Augenblicken der höchsten Gefahr vollständig das Bewußtsein seiner Lage behält und mit äußerster Anspannung von Willen, Beobachtungen und Energie das Verhängnis abzuwen- den sucht. Nichts bei ihm von phantastischen Erscheinungen oder Er- innerungen, sondern eine Berechnung aller Möglichkeiten und unter sicherem Arbeiten von Geist und Willen. Die Flieger zogen aus ihren Erfahrwngen den Schluß, daß jene früheren Absturzberichte fehlerhaft und trügerisch seien und auf.törichten Vermutungen" (Häufet) beruhten. Die? ist aber unberechtigt, wenn man beide Vorgänge nicht nur nach ihrer physikalischen Aehnlichkeit vergleicht, die sich als unwesentlich herausstellt, sondern nach ihren verschie- denen psychologischen Grundlagen. Beim Abstürze von der Felswand steht der Mensch der unmittel- baren Lebensgefahr in absoluter Hilflosiigkeit gegenüber; jeder Be» danke, mrt eigener Kraft etwas zu seiner Rettung tun zu können, muß verlöschen, noch ehe«r aufblitzen konnte, jede Willenshandlung muß von vornherein bei einem Fall ins Leere erfolglos fein. Das schafft «ine innere Lage, die praktisch einer Lähmung oder Ausschaltung de» Willens gleichkommt; und sowie dieser und die ihm zugeordnete Aufmerksamkeit schwinden, ist die Bewußtseinslage des Traumes gegeben; er hat mit dem Absturzerlebni» gemeinsam die unendliche Fülle der Bilder und den ganz unwahrscheinlichen Reichtum der vorgenommen werden muß und auch vorgenommen worden ist Danach hat der Kreistag selbständig darüber zu entscheiden, ob neben seiner eigenen Tätigkeit die Kontrolle der Kommunal- Verwaltung des Kreises noch erforderlich erscheint oder nicht. Was eine etwaige Ueberwachung der L a n d r ä t« als Organe der Staatsregierung bei den Geschäften der allgemeinen Landesvcr- waltung angeht, so ist eine Aenderung der in dieser Hinsicht von der StaatSregwrung aufgestellten Grundsätze bisher nicht ein- getreten. Die durch diese Ueberwachung gegebenenfalls entstehenden Kosten sind daher nach dem Erlaß der Staatsregierung vom 16. No- Minder 1918 auf staatliche Fonds zu übernehmen. öas noch... Eine Blüte des Kaiserfimmels. AuS Gelsenkirchen wird uns ein 12 Strophen langes Gedicht von Herm. Dienst, dai dort von den Königstreuen als Flugblatt verbreitet wird, zugesandt. Wir geben davon eine Strophe zur Prob«: Man gebe uns den Kaiser, Sein Volk er achtet, liebt, Den Hobenzollern, weiser, Wie'« jubelnd ihn umgiebt. In Deutschland hochgeehret, Beschützt im Boterland Schuldlos er steht, verehret Schuld voll nur die Entente. Soviel Respett vor dem ehemaligen Kaiser hätten wir seinen Anhängern denn doch zugetraut, daß sie solch ungereimten Blödsinn in Reimen gegen ihn schamhaft in den Papierkorb geworfen hätten. Muß man denn vor der breiten Oeffentlichkeit dokumentieren, daß man da? Dümmste, was an Deutschen hetumläuft, zur Führung des Kaiserfimmel» zuläßt?_ „Helden de? Proletariats." Heute abend findet der erste Vortrag einer Vortragsreihe statt, die der frühere Rektor der Shcsfield University, Herr Wilhelm Nällenburg, im Auf- trage der Gesellschaft.Aufbau und Werden" in der Aula des Sophien-Gymnasiums, Weinmeisterstr. 16/17, über daS obige Thema abh.lt. Die Vcranftalhmgen beginnen abend» 7 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die ersten drei Abende umfassen einen theoretischen Teil: 1. Grundlagen, Hilfsmittel und Aufgaben der Geschichtswissenschaft. 2. Geschichtsphilosophie. 3. Sozialistisch« GesäiicktSauffaflung(Marx-Kautsky-Lenin). Im praktisch-historischen Teil, der weitere vier Abende umfaßt, werden folgende Themen bebandelt: 1. Spartakus und seine Zeit. 2. Da» Zeitalter de» Perikles. 3. HanZ Sachs. 4. Richard Cobdcn. Tie Reihenfolge der Abende ist folgende: Freitag, den 4. Juli sheute), Freitag, den 14. Juli Freitag, den 1, August, desgleichen die Freitage vom 15. und 2V. August sowie vom 12. und 26. Sep- tember. „Eine Kundgebung deS Offizierskorps". AuS Offizierkreisen wird uns geschrieben:„Namen berauS!!" Seit der Ver- öffentlichung im„Vorwärts" vom 29. Juni dorm, sind 5 Tage vergangen; wir haben keine Entgegnung gefunden.— Demnach ist festzustellen, daß die Kundgebung zumindest nicht im Namen aller Offiziere erfolgt ist. Ohne weiteres auszu- schließen sind die Offiziere der„Reichswehr", die ganz unmöglich von der Negierung„abrücken" können und die sinngemäß von der Nationalversammlung kz. B.!) keine„unüberbrückbare Kluft trennen" kann. Offiziere, die etwa jene Kundgebung an Hol- lands Königin und die Generalstaaten unterschrieben und gleichzeitig sich der bestehenden Regierung verpflicktet haben, setzen sich in Widerspruch zu sich selbst und täten gut, die Kon- sequenzen zu ziehen, denn„niemand kann zween Herren dienen"!— Die Vorbereitung der ReichStagSwahle». Der Unterausschuß de? Verfassungsausschusses für die Vorbereitung des Gesetzes über die ReichStagSwahlen, insbesondere hinsichtlich einer Ausgestaltung deS Verhältniswahlsystems, wird seine Ar- betten baldigst aufnehmen. Die Tätigkeit des VerfossungSaus- schusses wird sich demnach auch auf da» Wahlgesetz erstrecken. inneren Erlebnisse m der kürzesten Zeitspanne. Füllen doch unsere selbst reichsten Träume, an der Uhr gemessen, oft kaum einen Zeit- räum von Sekunden aus. Wie beim Schlaf« und Traume allmäh. iich, so brechen beim Absturz plötzlich die Willensvorgänge ab; die Passivität, dort unwillkürlich, ist hier gewaltsam erzwungen. Dem- gegenüber besteht beim abstürzenden Flieger höchst« Zusammen- fassung der Willenskräfte, höchste Aktivität, weil er nicht hernmungS- und hoffnungslos der blinden Schwerkraft ausgeliefert ist, sondern über mehr oder weniger große Reste von Rettungsmöglichkeiten durch seinen Apparat verfügt. ES kommt also nicht auf den physikalischen Vorgang, sondern auf die besondere seelische Verfassung des Fallenden an. Diese lautet beim Kletterer: Lebensgefahr, die ich mit keinem Mittel abwenden kann! Beim stürzenden Flieger: Lebensgefahr, die ich mit allen Mitteln abwenden muß! Beim abspringenden Ballonbeobachter: keinerlei Lebensgefahr, sondern mir ein größeres Maß von Entschluß und Aufmerksamkeit! Auch der rasche Ueber- gang vom Vollbewußtsein unvermittelt zum Traumartigen ist nichts Unerhörte«: er ist uns aus den hypnago(tischen Halluzinationen bekannt als fast alltägliche Erscheinung. Daß der Abstürzende nicht wie der Schläfer allerhand wirreS Zeug„träumt", sondern eine filmartige Bilderfolge aus dem Inhalt seine« vergangenen Lebens, ist mahl daraus zu erklären, daß er dem Schlafenden nur in bczug auf die WillcnSIähmung, im übrigen aber doch einem Sterbenden gleichzusetzen ist. Und wie diese« den großen Marksteinen seines LebenS in langsamem Nachsinnen und Rückwärtsspinnen der Ge- danken nachgeht, so preßt sich derselbe naheliegende Inhalt bei jenem in wenige Sekunden und zugleich in die abnorme Bewußt- seinssorm der halluzinatorischen Anschauung zusammen. Diese Schnelligkeit des Ablaufes ist auch wohl der Grund, daß all« schmerz. lichen, betrübten oder schwermütigen Effekte von Trennung und LebenSabschied nicht aufkommen, weil sie zu ihrer Enthaltung längere Zeit brauchen, sondern daß die Abstürzenden ihren drohen- den Tod alz schmerzlos indifferent mpsnKden. Der namhafte Dresdner Irrenarzt Dr. Ganser entgegnete hierzu:... Mit Recht stelle der Vortrvgende einen wesentlichen Unterschied des Vorgangs beim plötzlichen Unfallabsturze und beim vorbereiteten Fliegerabsturze fest. Bei jenem spiele der Schreck, bei diesem die Unerschrockenheit die maßgebende Rolle; dort Läh- mung, hier Erregung mit ihren entgegengesetzten Wirkungen auf den psychomotorischen Apparat. Der Einfluß auf die Aufmerksamkeit sei gewiß von Bedeutung, bringe aber das filmartige Abrollen der Lehenserinnerungen dem Verständnis nicht näher; hier spielten wohl physiologische Vorgänge, die. wir nicht kennen, eine Rolle. Uelwigens sei nicht jeder Unkallahsturz mit diesem.Erlebnis' ver- Kunden, wie er aus eigener Erfahrung wisse.... Notizen. — Da» letzte unvollendete Werk von Kant, da« sog. Opu« poetkumum, in dem grundlegende, zumteil wegweisende Andeutungen über die Fortsetzung der kritischen Philosophie in der von Kernt inS Auge gefaßten Richtung gemacht sind, soll nunmehr durch eine in langjähriger Arbeit vorbereitete Ausgabe von Prof. Dr. Adickes-Tübingen endlich zu seinem Recht kommen. Die Kant- Gesellschaft läßt eine dringliche Aufforderung zur Subskription auf jenes Werk ergehen. Für die Mitglieder der Gesellschaft, auch für die jetzt erst beitoetenden, find Vorzugspreise vorgesehen. AuS- kunjt erteilt Dr. Arthur Aebert, Berlin W. is, Fasanenstr. 45. 10. Seutfther GeVerksthasts- kongreß. 5. Brrhandlungstag. (WA.) Nürnberg. 4. Fuli. In der heutigen Sitzung erhielt Leipart d«S Schlutztoort: Genosse Müller sagte gestern, ich hätte jede Spur rcvolution Geistes vermissen lassen. Nach meiner Meinung verwechsele et Geist mit Zunge. Er und seine Freunde haben es an reo o.'u. tionären Worten nicht fehlen lassen. Ich habe aber den Nachweis geführt, daß die Gewerkschaften vor und nach der Revo- lution es nicht haben fehlen lassen an revolutionären Taten. Tie Aufgaben der politischen Revolution sind nicht Sache der Gewerkschaften, wohl aber die der sozialistischen Umwälzung. Wir haben auf diesem Gebiet manches und wichtiges erreicht und werden nicht aufhören, bis die sozialistische Umwälzung verwirk- licht ist.(Beifall.) Daß die Gewerkschaftsführer auf die veränderten Verhältnisse Rücksicht genommen haben, wäre keine Schande. Die nüchterne, praktische Gewerkschafisarbeit fordert es gerade tagtäglich, den ver- änderten Verhältnissen Rechnung zu tragen. Wie in so vielen Punkten ist Müller auch mit seiner Behauptung, daß die Gewerk- fchaftsführer den Rätegedankcn verwässert hätten, bei leeren Be- hauptungen geblieben. Die einzige klare Seite seiner Rede war die Forderung, daß das Rätesystem im Gegensatz zum Parlamentarismus gestellt werden müsse. Wir waren bisher bis vor wenigen Monaten einig, dast das freie Wahlrecht das Zeichen sei, in dem wir siegen müssen.(Stürmischer Beifall.) Heute spricht man spöttisch von der„Stimmzettel-Demokratie". Weil wir nicht den Boden des Parlamentarismus verlassen wollen, sagt man uns nach, wir ständen nicht auf dem Standpunkt des Klassenkampfes. Gerade wir als Gewerkschaftler müssen uns mit Entschiedenheit zum Grund- satz des Parlamentarismus und der Demokratie bekennen.(Stür- Mischer Beifall.) Schon am 11. November haben wir, als noch kein Gesetz über die Betriebsräte vorlag, von den Unternehmern ver- langt, datz dem Arbeiterausschüssen in allen Fragen des Arbeiter- rschiS die Mit«stimmuna zuerkannt werde.(Widerspruch und Zwischenrufe der Opposition.) So wie wir mit den Lokalisten, den Syndikalisten und den Anarchosozialisten fertig geworden sind, wird auch die Gewerkschaftsbewegung niit den Männern des neuen Geiste» fertig werden(Stürmischer Beifall.) Einen breiten Rah- men nahm in der Rede Müllers das geheimnisvolle Gesetz über den Arbeits frieden ein, das den Arbeitern das Streikröcht nehmen soll. Solche Absichten sind von der Regierung entschieden bestritten war- den. Trotzdem bleibt Müller bei seiner Behauptung. Wenn das wirklich richtig wäre, dann, so hoffen wir, werden auch die Ge- nossen von der Opposition mit uns in entschiedener Abwehr zusammenstehen und uns nicht wieder in die Arme fallen.(Sehr gut.) Wir wenden uns gegen Beschränkung de? Streit- rechts und werden dagegen stets entschieden Front machen. Ich glaube aber, dah Müller Gespenster sieht. Es mag ja irgendein verschrobener Geheimrat einen solchen verrückten Gedanken aus- geheckt haben, wie man ja auch die unsinnige Idee der Reichs- arbeitsstunde vorgebracht Hai. Ich möchte nun aber ein« Verord- nung der deutschen Republik anführen. Es heißt da: Lebens- wichtige Betriebe dürfen nicht streiken. Diese Ver- ordnung ist erlassen vom Arbeiter- und Soldatenrat Berlin am 19. November.(Hört, hörtl Große Bewegung.) Dieser Insti- tution steht bekanntlich Genosse Müller nicht allzu fern.(Große Heiterkeit und Rufe: Er kann schreiben rechts, kann schreiben links!) Diese Bereinbarunq der Gewerkschaften mir den Unter- nehmervcrtretern vom 15. November ist der revolutionären Reichs- regierung unterbreitet und bewilligt worden. Sie ist unter- schrieben von Ebert und Haas« als Bolksbeauftragte.(Hört, hört! Beivegung.) Mit großer Freude habe ich den Ausspruch Müllers, daß Arbeitsfreude und Arbeitslust wieder hergestellt wer- den müssen, vernommen. Das kann aber nicht erfolgen, wenn man unklare, phantastische Illusionen in den Köpfen der Arbeiter wachruft. Umkehr ist nur möglich, wenn wir festhalten an der altbewährten Organisation und der Taktik der Gewerk- schaften. Dann, Freund Müller, sollst Du Dich aber hüten, die Arbeiter in ihrem Vertrauen auf die Kraft der Gewerkschaften irre zu machen.(Sehr gutl und Beifall.) Die Unternehmer wer- den die lachenden Dritten sein, wenn wir uns zerfleischen. Heute haben die Arbeiter noch den Glauben. Sie in diesem Glauben zu stärken, anstatt zu erschüttern, muß Aufgabe deZ Kongresses fein. (Stürmischer Beifall.) Es folgen dann persönliche Bemerkungen. Müller sucht eine Erläuterung zu geben für seine viel er- wähnte„Leichenrede". ES wird dann zur Abstimmung geschritten. In einfacher Abstimmung werden die Richtlinien der Vorständekonferenz über die künftige Wirksamkeit der Gewerkschaften mit übergroßer Mehrheit angenommen. Auf Antrag von D i ß m a n n- Frankfurt a. M. findet dann über die Richtlinien für die Wirksamkeit der Betriebsräte und über die Entschließung zur Arbeits- gemeinschafl eine namentliche Abstimmung statt. ?nöustrie ttnö Handel. Börse. An der Börse machte di« Aufwärts bewegung erneut Fortschritt«. Das Jnteress« der Spekulation wandte sich in erster Linie dem Montanmackt zu, wo diesmal oberschlestsche Werte bevorzugt waren, und teilweise ansehnliche KurShesse- rungen erzielten. So gewannen Kattowttzer 11 Proz.. Bis- morckhütte 6 Proz., Oberschlesi scher Eisenbahnbedarf 5 Proz. In Anlehnung an die angekündigte eventuelle Blockade- aufhebung waren euch Schiffahrtsaktien beachtet, wäh- rend Elektro- und Rüstungspapiere nicht ganz einheitlich waren. Am Markte der einheimischen Anleihen eröffneten Kriegsanleihen mit etwa 80V, Proz., gingen aber später auf 79% Proz. zurück. Die älteren Heimtscheu Anleihen waren leicht abgeschwächt. GroMerlln Die beiöen Hoffmann. Beide schlagen ouf den Tisch Mil der harten Eiseniaust, Und sie rufen keck und frisch. Daß eS durch die Lande braust: .Maul gehalten still... Denn— ich will!' Hoffmann I— wer ist eS nun? Na, ich denke, der Soldat— Fordert obne Rost und Ruhn Auf zu frischer Kämp'ertat: .Maul gehalten— Schluß... Denn— ich muß!" Hoffmann II— Kulturpilot Zieht in Falten da« Gesicht, Siirne glüht und Auge droh� Und die harte Lippe spricht: «Maul gehalten— Mann. Denn— ich kannl Beide Hoffmann, illusorffch geben sich der Täuschung hin, Denn sie fordern kategorisch Nur die Tat und nicht den— Sinn! Männlicher B e r st a n d Dient dem Land! Gertrud Leow-Fränkeh Zum Straßenbahnerftreik. ! Von einem ausständigen Straßenbahner wird uns geschrieben: tmji einigen Worten möchte ich auf die Frage eingehen, ob der �..ahenbahnerftreik Aussicht auf Erfolg bat oder nicht. Die Straßenbahner verlangen eine einmalige Entschuloungssumme von 700 M., und begründen dieselbe mit der bestehenden Teuerung. Nach meiner Auffassung ist dieser Begründung jetzt der Böden en- zogen, da vom 7. Juli ab eine starke Ermäßigung der Lebensmittel- preise stattfindet und die ja auch den Straßenbahnern zugute kommt. Es liegen ober auch noch andere Gründe vor, welche die Voraussetzung auf erfolgreiche Beendigung des Streils als sehr gering erscheinen lassen, und das ist der Vertragsbruch. Nachdem das ReichsarbcitZministerium in dieser Frage eine Vermittlung abgelehnt hat, die Direktion bisher aber auch noch ni fit Verhandlungsneigung bekundet hat, so scheint sich die Streikleitung der Straßenbahner in einer sehr unangenehmen Situation zu befin- den. Dann aber noch eins. Haben die Straßenbahner von irgend- einer Seit« Sympathie zu erwarten? Zwar sind di Angestellte» der Omnibusgesellschaft aus Sympathie dem Streik beigetreten, sonst aber sehe ich niemand, der unS nur twas entgegenkommen würde. Und da? Publikum erst. Kein Streik ruft gerade beim Publikum solch großen Haß hervor, als wie dieser. Man darf sich nur in Zivil unter daS Publikum begeben, dann bekommt man Dinge zu hören, die, wenn sie Tatsache werden würden, einem vier Wochen ans Bett fesseln dürften. Ein erheblicher Preisrückgang in der Beförderung durch die „Witten" Fuhrwerke, die während des Streiks den Verkehr aufrecht« erhalten, dürste sich im Laufe des morgigen Tages bemerkbar machen. Nack zuverlässiger Berechnung verkeh'.leu-.n den letzten Streiktagen etwa 6000 bis 7000 derartiger Vehikel in der Reichs- Hauptstadt, denen es gelang, die Passanten zu betör!., rn. Nun haben die Besitzer von Lastfuhrwerken aus d-sn Noa barstadien sich an dem immerhin lukrativen Geschäft beteiligt, so daß beveits am heutigen Morgen Preisrückgänge in den Hauptzentren der Siadt bei Fahrten zu verzeichnen waren, da die Konkurrenz erheblich drückte. Die Militärbehörde hatte außer ihren Kraftwagen mich sämtliche verfügbaren Militärwagen zur Beförderung von Zivil- Personen in Betrieb gestellt, welche Fahrten von etwa 20 Minuten Dauer mit 50 Pf. bis 1 M. per Tour ausführten. Die größeren Fabriken lassen durch gemietete Kraft- und Lastwagen ihre Ange- stellten zu den Arbeitsstellen befördern, und alle die!« Erlern te- rungen drücken nunmehr auf die allerdings noch sehr hohen Fahr- preise. Es steht zu erwarten, daß bereits in chn nächsten Tagen eine polizeiliche Verfügung, falls bis dahin der Verkehrsstreik picht aufgehört i.uä, die„wilden Fahrpreise" regeln wird. Die Sonderzuweisung von Brot, die für zwei Wochen zur Verteilung gelangen soll, wird für die kommende und übernächste Wocfie in Groß-Berlin zum ersten Male stattfinden. Danach wevden aus einen Rb'chmtt der Lebensniivel- karte je 750 Gramm Brot pro Kopf verteilt werden. Diese Extra- Brotverteilung soll als Ersatz für die durch den Eisenbahnarbeiter- streik verringerte Kartoffelration dienen. � Eine Aufhebung des Schrippenbackve.rbots(soll wiederum ver- sucht werden. In allernächster Zeit will men mit Rl.vücht auf die bevorstehende Auchobung der Blockade und die zu erwartenden Zu- fubren von Riehl aus dem Auslande an den Lebensmittelverband mit dem Ersuchen herantreten, das lästige Schrippen backverbo t auf- zuhcben. Man will ferner fordern, daß ein freihändiger Verkauf der so sehr vermißten Schrippe bei Höchstpreiien stattfinden darf. Auch mit einer reicheren Belieferung von Kartoffeln dürfte für nächste Woche gerechnet werden können. Nachdem am gestvigen Donnerstag die Eisenbahnarbeiter den Dienst wieder aufgenommen haben, werden täglich zahlreiche WaggcmS, die lecc auf und vor den Verschrebebahnhöfen standen, nach den kartosfelliefernden P o- vinzen gesandt werden, und ebenso werden von dort schon bereits beladene Züge nach hier abgelassen. Dafür, daß die Händler auf den Güterbahnhöfen hier die Ware schnell abnehmen, ist durch Ge- stellung von Arbeitern und Fuhrwerken vorgeforgt und man sofft, daß die Magistrate einen Ersatz für die ausgefallenen Kartoffeln liefern werden._ Einmalige Zuwendung für Kriegsbeschädigte. Durch Verordnung des KriegsminifteriumS vom 28. Juni ISlO wird die einmalige Zuwendung von 50 M. auch solchen vor dem 9. November 1S18 mit Versorzsungsgebührnissen entlassenen Kriegs- beschädigten gezahlt, denen die anerkannt« Rente auf Grund des Jnvalidenprüsungsgeschäfls später entzöget: ist. Die einmalige Zuwendung für Kriegsbeschädigte von 50 M., die zufolge Verfügung vom 15. Mai den vor dem 9. November 1918 mit Versorgungsgebührnissen entlassenen Kriegsbeschädigten gezahlt wird, ist auch denjenigen zu zahlen, den:» die anerkannte Rente«ms Grund des Invalid cnprüfungSgeschäfts später wieder ent« zogen wurde. Mit einer weiteren Erhöhung der Post- und Telegraplnn- gebühren wird sich die Nationalversammlung anläßlich der Ver- Handlungen über die Vermögensabgabe zu beschäftigen haben. Es finden Beratungen darüber im Reichsfinanzministerium statt, die jedoch noch nicht abgeschlossen sind. Namentlich ist eine bedeutende Erhöhung der Fernsprechgebühren— um 100 Proz.— vorgesehen. Gerade diese Erhöhung wird auf«inen entschiedenen Widerstand seitens der Ferusprechtn inehmer stoßen, da die bisherig« Leistung des Telephons in den letzten Jahren in gar keinem Verhältnis zu den geforderten Gebühren steht.(B. S.) Gegen das Plakatunwefcn. Das Polizeipräsidium teilt mit, daß die Verunstaltung des StraßenBildes nicht weiter geduldet werden kann. Nach§ 120 der Straßenpclizeiordnung dürfen Zettel- anschlüge außer an den Anschlagsäulen u. dgl. nur aus denjcnßTCn Grundstücken angebracht werden, auf die sich ihr In! i: bezieht. Auch ist die Anbringung vou Plakaten mit vorgängiger polize! icher Genehmigung nur in den Schaufenstern leer stehen-:■: Läden zulässig. Für den Fall, daß die Zuwidcrhandttingen fori"etzt. wer- oen sollten, sind die Polizeireviere angewiesen worden, gegen die Schuldigen mit Slrafon vorzugehen, nötigenfalls auch auf deren Kosten die Plakate zwangsweise entfernen zu lassen. Daneben bleibt die zivilrechtliche Verantwortlichkeit gegenüber den etwa Gr- schädigten bestehen. Eine Bande von Eisenbahndicbcn wurde gestern von der Kriminalpolizei zum Teil unschädlich gemacht. Beamte sa. cn, wie in der Rudolfstrahe 10 bis 12 Mann aus dem Gelände der Ör-filahn, das an die Gütergleise an der Warschauer Brücke anstößt, dabei waren, fünf große Koffer und ein Fahrrad w.'gzuschasfeii. Es gelang ihnen, zwei der Männer mit je einem Koffer gleich festzu- nehmen. Während diese noch leugneten, die Koffer gestohlen zu haben, wurden drei weitere, die nach dem Bahnhof geflüchtet waren, unter einem Eisenbahnwagen entdeckt und ebenfalls verhaftet. Die drei gestanden, daß sie unter der Führung eine- de: zuerst Fest- genommenen, eines Arbeiters 5 dar! Blesss:!, t i de Hochbahn aus über den Zaun gestiegen waren und einen Güterzug mit Umzugsgut erbrochen und beraubt hatten. Tne Koffer enthielten Wäsche und dergleichen mehr. Die Ertappten wurden alle fünf von der Kriminalpolrzei dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Nm seine ganze Habe gefleddert simrde auf der Stadt- und Ringbahn unmittelbar vor der Betriebselnstellung ein Kricgsbc- fchädigter. Er fuhr von Westend nach dem Potsdamer Bahnhof und schlief unterwegs ein. Als er bei der Ankunft erwachte und sah, wie zwei Männer in verdächtiger Hast das Abteil verließen, ahnic er gleich nichts Gutes. Mit seinem Holzbein konnte er aber nicht schnell genug nachkommen, und als er sich endlich auf dem Bahnsteig uursah, waren beide verschwunden. Wie er feststellte, hatten sie ihm Uhr und Kette und die Brieftasche mit 6500 Mark gestohlen. Die Fledderer sind noch nicht ermittelt. Fischerei mit Handgranaten. Die Fischerer auf den Gewässern der Provinz Brandenburg wird zurzeit durch Raubfischerei mit Hilfe von Handgranaten außerordentlich geschädigt. Der Fischerei- verein für die Provinz Brandenburg, Berlin W 63, Lutherstr. 47. hat eine Belohnung von 100 M. ausgesetzt für jede Anzeige, die zur Bestrafung der Fischfrevler führt. Wichtig für Deutsche in Kriegsgefangenschaft. Anträge auf Bewilligung von Gehalts- und Löhnungsteiien für die in feindliche Kriegsgefanpeirschast geratenen oder vermißten deutschen Heeres- angehörigen sind nicht dem Kriegsmtmsterium vorzulegen, sondern den betreffenden T r n p pe n te'i le n. Sind diese nicht bekannt, so haben die Antragsteller ihr« Gesuche an � die zuständigen Generalkommandos zu senden chie sie an die in Frage kommenden Truppenteile unverzüglich weiterleiten oder für ihre ui«ntttell>a"e Erledigung selbst Sorge tragen werden. Die Vorlage beim Kriegs- Ministerium führt lediglich zu erheblichen Verzögerungen, unter d-- Antragsteller selbst zu leiden haben. neue Programm deS Slpolto-Theaters dringt in seiner ersten die bciden Trapezkünstler FlacortS, welche fich durch niüche Gcwcmdtbeit und Seschicklichkeit auszeichnen. Zu be- > jl ferner die Beratruppe, die sich mit Recht als die belle Draht- c der Welt bezeichnet. Den Schlug bilocte die Komödie„Nur Yen' des gesamten KünftlerpersoiialS des früheren Herrenfeld- Besonders die Herren Anton Herrenfeld und Ferdinand G. erzielten durch ihre bekannte Urwüchsigkctt wahre Lachstürme. Ferien.Dampferfahrten rund um Potsdam mit Anlaufen von PaieS und nach den Gllndower Alpen veranstaltet die Dampser- Gesellschaü .Stern" von Potsdam ab. Der Dainpser nach Teupitz fährt jetzt jeden Montag und Donnerstag, nach WolterSdorfer Schleuse täglich. Außerdem vcrkebrcn die Dampser 10 Uhr vormittags ab Potsdam nach Ferch. 2.45 Uhr von Tegel nach Heiligensee, und aus dem Scharmützclsee auch an Wochentagen._ Grosr-Berliner Lebensmittel. Pankow. Da nur eine geringe Mcnqe frische» Fleisch bebuts Vorleiluna zur Verfügung siebt, gelmigen Fleisch-, Leber- und Blutwursikonseroen mit -nr Ausgalle. Ferner auf jede Volllarte 35 Gr. amerikanisch« Schweine- flekschprodukte. .Henuigcdorf. Am Sonnabend gelangen zur Ausgabe: 1. 70 g Auslandsschmalz ouf K. Z. 6 bei den Fleischern Ernst und Schulze. 2. 200 x marinierte Heringe aus Lebensmittelmarke B. 8. 20 bei Tigge, Behrendt List, Mombrai und im Konsum. ilkein Ittendorf. Aus Abschnitt 5 der BezilgSkarte der Gemeinde sür Fuli ein Päckchen Süßstoff.— Aus Abschnitt 48-der Groß-Berliner Lebens- mittelkarte 125 g Reis. Die Abschnitte sind bis Sonnabend abend abzugeben. verewe und Versammlungen. Deutscher TSerkmcister.Perbalid, Berlin 7. Dienstag, den 8. 7,, abends 7 Uhr, außerordentliche Generalversnmmlunn im Vereinslokal, Patzciihofcr, Turm-, Ecke Slromstraßc. Die BetriebSoertrauensmänncr werden um Bekanntgabe ersucht.— Freier Wnnderlmnd. Anstatt Nacht- Wanderung Gr.-Mnd, Freibad Wudsee, muß es heißen: 0. Juli, I. Löwen- berg, Er.-Mu», Freibad Wutzsec. Gransee. Absahrt Stettin«? Fernbahnlwf 5,10 vorm. II. Neuhos, Zesch, Frinkcmnühle Wünsdorj, Baderach Absahrt Anhalter Bahnhoj 5,53 vorm. Groß-Serlkner partel'nachrkchten. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokraiischer Lehrer und Lehre- rinnen. Wegen deS Verkebrsstreiks vorläufig leine Sitzung. Die nächste Tagung wirb besonders angeiündigt. SeWerffchlObewGlmg „de? ölesjährige Verbanöstag wieö zu einer Kraftprobe werben!" Also dckrediert der unabhängige Robert Dißmann in einem Rundschreiben, das die„Mctallarbcitcrzeitun�" abzudrucken in der Lage ist. DaS sehr interessante Dokument kameradschaft- licher und kollegialer Gesinnung beginnt wie folgt: Lieber Freund! Frankfurt a. M., 2. 6. 1919. Die gegenwärtigen Erscheinungen im Gewerkschaftsleben erfordern unsere volle Aufmertsamkeit. Die Legicn und Gen.—- und mit ihnen ihr« Tausende von angestellten Leibtrabanten im Lande— bieten alles auf, um den revolutionären Wellenschlag der Massen zu brechen, ihre bis- herige Herrschaft aufrecht zu erhalten. Auf den verschiedenen Verbandstagen ist ihnen die? auch noch in den letzten Wochen gelungen. Es ist s ch m e r z I i ch, die geringe Opposition feststellen zu müssen, die sich u. a. auf den letzten VcrbandStagen�der Bauarbeiter und Dachdecker zeigte. Demgegenüber erfordert der bevorstehende Verbanöstag der Metallarbeiter(stattfindend in Kiel) doppeltts Interesse. Nachdem Herr Dißmann dann seinen Freunden eine Reihe Ratschläge erteilt hat, wie sie es machen sollen, um bei der Tele- giertenwahl mit Erfolg aus der Wahlurne hervorzugehen, heißt es weiter: Weshalb wir diese Zeilen an euch richten? Dringend bitte» wir Dich, doch sofort mit zuverlössigen G«- nvssen der lt. 3. P., die Mitglieder des MctallarbeiterverbandeS sind, in Verbindung zu treten, mit ihnen vorstehendes de.irchzu- bcfijrechtn und sie anzuhalten, das ihrige zu tun. Alle Kräfte innerhalb des Mrtallarbriterverbandes müssen in den kommenden Wochen und Monaten»ereinigt werden, um dem„Austurm" der anderen Seite erfolgreich entgegentreten ze> können. Dringend bitten wir ferner, uns von eurem L rie ein« zu- u e r l ä s s ig e Adresse von einem der dortige» Genossen aus MetaUarbeiterkreifen(es müßte natürlich schon ein durchaus zuverlässiger Genosse sein, der auch gleichzeitig Einfluß im Metall-irbeiterverbande ausüben kannl mitzuteilen. Eventuell kann die Vermittlung etwaiger weiterer Nachrichten ja auch durch Dein»- Adresse geschehen. Bei eurer Näckantwort teilt uns auch bitte mit, wieviel Mitglieder zurzeit die dortige Verwaltungsstelle des Metall- arb-itcrverbarde? hat, und ob ihr glaubt, daß wir dort eine f e st e Mehrheit der U. S. P. im Verbände besitzen. Desgleichen bitten wir, uns das Ergebnis der Delegierten- wähl zum Gewerkschaftskongreß von den Metallarbeitern eures Ortes mitzuteilen. Alle Zuschriften bitte ich in obiger Sache zu richten an Karl Gepräas. Frankfurt a. M., Rohrbachstr. 40d. Mit bestem Gruß! Rsb. Dißmann, Frankfurt a. M., Adle�flychtstr. 11. MB. Die» Schreiben bebakte in Deinen Händen(in persönlicher Beziehung vertraulich behandeln. Sachlich mußt cs natürlich mit zuverlässigen Genossen des Metallarbei- terverbandes durchsprechen). Wir begreifen den Schmerz des Herrn Dißmann, der ihn er- faßt angesichts der Tatsache, daß trotz aller wüsten Agitatto» der 3t S. P. und Kommunisten die„neue Richtung" in der GeWerk» schastsbewsgung auf allen BerbandZtagungen der letzten Zeit sich «ine glatte Absage gesiolt hat. Und daß es auch in der Zukunft so bleibt, dafür wird der gesunde Sinn der Gewerkschaftsgenossen sorgen, die mit Hilfe ihrer Organisation der wirtschaftlichen He- Sung der Lage dienen und sich nicht zu Vorspanndiensten für die poliiisch-utopischen Ziele der Drahtzieher der 1t S. P. D. gebrauchen lassen wollen. AuS Dr. RathcnauS Reich. Man schreibt unZ: Ibrem geschätzten Blatte entnebmcn wir dem Abendblatt vom 2. d. Mis. einen Bericht unter GewerkschaftS- bewegung„Aus Dr. Ratbenaus Reich".— Der Einsender desselben schildert die emvfindliche Notlage der Angestellten, scheint aber einem Werke der A.E.G. anzugehören, in dem der allgewaltige Herr Direk- tor schon immer in Lobnfragen seinen Angestellten günstiger gegen-- über stand. Ganz anders hier in der Apparatefabrik Acksrstratze der A.E.G. Wenn in dem Bericht steht, daß die Mehrzahl der An- gestellten der A.E.G. vor dem Kriege ein Gehalt von ISO M. er- hielt, so ist daS falsch? hier in der Ackerstraße betrugen damals die Gehälter für Erwachsene SO M. bis 150 M. Dieie ISO M. wurden bei etwa 10 jähriger Tätigkeit erreicht. Die Mehrzahl der Angestellten, zum großen Teil verheiratet, erhielt Gehälter von M. 10S bis 130 M. Bei weitem trauriger wie damals geht es unter den jetzigen Ver- Hältnissen zu. Mit Recht wird darauf hingewiesen, daß mit einem Einkommen von M. 400 bis M. 4öO bei 2—4 Kindern"»s- zukommen ist, doch hier kommt man noch darunter, t. Teil lediger Angestellten(nicht Jugendliche) hat ein Einkon M. 273 und erhielt bei der letzten Gehaltszahlung mit der. r Abzügen einschließlich der monatlichen Streikabzüge M.- bezahlt. Wollen es unsere Unternehmer nicht sehen oder i in ihrer Absicht, die Unzufriedenheit unter den Kopfarb' t schüren, indem sie den schlechtbezahltesten Arbeiter mit M..j Stunde entlohnen, während wir mit unterem niederen L ms von den Arbeitern auslachen müssen? Wir find am Ende unseres Könnens und vielleicht hilft obige Richtigstellung des Berichts vom 2. d. M. und deren Bekanntmachung uns in unsere Notlage. und der Tarif für die nächste Saison endgültig festgesetzt werden. Es wurde noch beschlossen, daß keinerlei Abmachungen mit den Direktoren für den Winter getroffen werden sollen, bevor nicht die Forderungen der Musiker restlos bewilligt sind. Gerichtszeitusig. Ebenso jammervoll, wie nach obigen Darlegungen die Gehälter vieler Angestellten in der A.E.G. sind, ist die Entlohnung gelernter Angestellten in der Versicherungsbranche. So sind beispielsweise bei der„Allianz" Verficherungs-A.-G. verheiratete Leute, die dort schon mehrere Jahre beschäftigt sind, die nach Abzug der Versiche- rungsbeilräge ein Gehalt von monatlich 323—370 M. beziehen. Ob üch die Unternehmer schon einmal überlegt haben, daß in dieser für die jetzige Zeit geradezu erbärmlichen Bezahlung der beste Nährboden für die Agitation kommunistischer und spariakistifcher Elemente liegt? Lohnbewegung der Orchestermufiker. In einer Versammlung der Orchestermusitersektion der Orts- Verwaltung Berlin des Deutschen Musikerverbandes wurden die sozialen und wirtschaftlichen Forderungen der Berliner Orchester- inusikerschasi besprochen. Die von den Berliner Theaterdirektoren bewilligten Zugeständnisse wurden als völlig unzureichend erklärt. In einer demnächst einzuberufenden Orchestermusüerver- sammlung sollen die Forderungen der Musiker nochmals besprochen Verurteilte Eisenbahner. Die GerichtS-Korrespondenz meldet: Im Anschluß an die Pro- klamierung des März-Generalstreiks war eine Anzahl Eisenbahn.'. die an einer Versammlung teilgenommen hatten, beauftragt wrch den, die Beamten und Arbeiter der Bahnhöfe Moabit und Puch,.. straße zum Streiken zu verarFassen. Nach der Zeugenaussage des Oberbahnhofvorstehers des Bahnhofes Moabit, die von anderen Beamten bestätigt wurde, spielte sich der zur Anklage stehende Vor- fall etwa wie folgt ab: Als der Zeuge mit einem Aufsichisbeamten sich über die allgemeine Betriebslage unterhielt, kam plötzlich ein Trupp von 40 bis 60 Mann auf den Bahnsteig von der Siemens- straße her, trat unter Führung des Weichenstellers Paul Busch auf den Vorsteher zu und forderte ihn auf. den Betrieb sofort ein- zustellen. Auf die abweisende Antwort der Beamten erklärte Busch:„Wir verlangen es!" Er bekam wieder einen ablehnenden Bescheid, wiederholte cber sein Perlangen zum dritten Male. Ihm wurde vorgehalten, daß es doch unmöglich sei, den Betrieb plötzlich lahm zu legen, da Lebensmittelzüge und Kohlenzüge noch aus der Strecke liegen. Der Vorsteher Noll erklärte weiter, daß ein Tele- gramm des Reichswehrministers N o s ke vorliege, wonach nicht ge- streikt werden dürfe, er erhielt aber die Antwort: NoSke hat gar nichts zu sagen; die Streikleitung hat angeordnet, daß der Betrieb aufzuhören habe. Der Angekl. Dusch holte darauf eine Anzahl von Flugblättern aus der Tasche und erklärte: Das ist unser Tele- gramm! Und aus der Mitte der Angesammelten ertonten Rufe, wie:„Was will Zloske? Nieder mit NoSke!"— Dann kommandierte Busch plötzlich:„Los!" Ein Teil der Leute ging nach dem Betriebs-Stellwcrk und legte es lahm, der andere Teil blieb unten und es blieb den Beamten nichts übrig, als der Uebermacht nach- zugeben, nachdem sie erklärt hatten, nur der Gewalt zu weichen. Ein Teil der Leute ging d-cmn nach der Putlitzstrasie hinüber und hier wiederholte sich dasselbe. Man versuchte. Fahrgäste, die ihr- Fahrkarte abgaben und einen Zug benutzen wollten, davon ab- zuhalten, es wurden aui der Strecke haltende Züge ausgesucht und Reisende zu nötigen versucht, auszusteigen, eine Signallaterne soll ausgelöscht worden sein, das Stellwerk wurde still gelegt usw. Auf den wiederholten Vorhalt des Betriebspersonals, daß tue Lahmlegung des ganzen Betriebes doch sehr gefährlich sei und doch min» dessen s die auf der Strecke liegenden Züge hereingeholt werden müßten, erfolgte die Antwort: DaS ist ganz egal. Die Streikleitung übernimmt die Berantwortnng und die Streikleitung würde be- stimmen, wie der Betrieb sich gestalten solle.— Die Angeklagten bestritten sämtlich, sich strafbar gemacht zu haben. Der damalige Streik sei vom Bollzugsrat im Einverständnis mit dem Eisenbahner- verband proklamiert worden, sie hätten sich daher für berechtigt ge- halten, so zu wirken, wodurch Betriebsschädigungen und Getvalt- akte zu vermeiden wären. Nack den Ergebnissen der BeweiSauf- nähme kam das außerordentliche Kriegsgericht nur zur Verurteilung des Angeklagten Jahns und B u s ch, die es beide als Rädels- führer ansah. Das Gericht berücksichtigte einerseits, daß ein wesent- licher Schaden nicht angerichtet worden, anderseits aber, daß der Eisenbahnbetrieb unbedingt geschützt werden und gegen jeden e i n g e s ch r i r i e n werden müsse— im öffentlichen Interesse — der es wage, störend in den Eisenbahnbetrieb einzugreifen. Zwei von den elf Angeklagten wurden ver- urteilt. Nachklänge zum Ledebour-Prozesi. Em Teil der Belastungszeugen aus dem LiÄknecht-Prozeß, kommunistischer und unabhängiger Parteirichtung, erschien gestern als Angeklagte vor dem Landgericht unter Vorsitz des Landgerichts- .hie: ors Weigert. Wegen Teilnahme an einem unbefugt bewafs- nete'r Hausen usw., waren 12 Personen, darunter die Frau Anna Sr�lnbrink, welche als Belastungszeugin insbesondere durch lhr« schweren Beschuldigungen gegen den damaligen Zeugen, Ober- leutnont Graf von Westarp, in dem Ledebourprozeß eine besondere Rolle gespielt hatte, angeklagt. Ein kleiner Teil übrigen der Angeklag- ten Hai schon im Zuchthaus gesessen. Der Angeklagte Max Sch-lemni ist nach dem Gutachten des Gerichtsarzies, Geheimrat Dr. Hoffmann, als Epileptiker stark minderwertig. Ter Angeklagte Student Werner Stamms will infolge seiner Ersahrungen mit Offizieren im Felde Spartakist geworden sein. Mehrere der Angeklagten sind überhaupt nicht im Felde gewesen, sondern waren als Munitionsarbeiter re- klamiert.— In der Sache handelte es sich um die Borwärtsbe- setzung. Von den RechtSanwälien wurde unter Deweis gestellt, daß die Angeklagten sich an den Kämpfen selbst nicht beteiligt hätten, insbesondere wurde für den Angeklagten Friedrich geltend gemacht. daß dieser überhenrpt nicht organisiert gewesen und nur durch die übrigen Schwarykopsarbeiter mitgerissen wurde.— Tie Beweisaufnahme brachte im wesentlichen nur dieselben Vorgänge zur Sprache, die schon in anderen Prozessen gleicher Art ausführlich erörtert worden sind. Frau Steinbrink wehrte sich heftig gegen den Vorwurf der Anklage, daß sie ein Maschinenaewehr bedient und aus einem Fenster des Vorwärtsgebäudes auf die Regierungs- truppcu geschossen habe. Sie wiederholte auch hier ihre Angaben aus dem Ledebourprozeß. daß sie bei ihrer Abführung nach der Dragonerkaserne als angebliche Rosa Luxemburg verunglimpft und mißhandelt worden sei. Dem gegenüber bekundete ein als Zeuge vernommener Soldat, der an der Erstürmung des VorwärtSgebaudes teilgenommen, mit aller Bestimmtheil, trotz vielfacher Vorhaltungen seitens des Vorsitzenden und des Rechtsanwalts Liebknecht, daß Frml Steinbrink tatsächlich mit dem Maschinengewehr geschossen und schließlich, mit zwei Pistolen bewaffnet, erklärt habe:„Nur über meine Leiche geht der Weg in den Vorwärts!" Anderseits bestäiiate dieser Zeuge, daß bei ihrer Abführung an der Spitze des Zuges die Menge gerufen habe:„SdKagr sie tot, die rote Rofa! Bringt sie gar nicht erst nach dem Hof:" Ferner bestätigte dieser Zeuge es als richtig, daß auf di« Abgeführten auf dem Kasernenhofe mit Peitschen geschlagen worden fest— Zeuge Leutnant v. Eckenorecker war mehrere Tage im Vorwärtsgedäude festgehalten worden. Er bekundete, daß Frau Steinbrink sich um seine Verpflegung bemüht und ihm auch Zigaretten gebracht habe. Im Gespräch habe er von ihr gehört, dgß sie an einem Maschinengcwehr-Kursus teilgenommen habe.— FSau Steinbrink erklärte hierzu, daß der Zeuge die Aeuße- rung eines Matrosen über Maschinengewehr-Kurfe falsch aufgefaßt habe.— Von der Vernehmung des Zeugen Grafen Westarp wurde allseitig Abstand genommen.— Di- Fortsetzung der Verhandlung wurde auf Sonnabend vertagt. Verantwortlich filr Politik Artnr gickler. Eharlottsnbnrz, für den librig-n Zeil de, Blattes i Alfred echote, Neuis lln: für Anzeigen: Theodor Gloiie, Berlin. Verleg BorwärtS-Verlag G. m. b. H.. Lerlin. Drucke BorwSrtS-Buctidruikerei und VerlasSairstalt Paul Singer u. To. tn Berlin. Lindsnlttass 2 Allen Seisstzerm anbJSae- ttWu ie» S-Sgiefctuaqaano- xtzuifes Grost-VsrUn zur keuuiuis, das; verhaud- llmaen de» SchllMli-ngs- au-üchnst-za Grast- Berlin infalgs de» Verk-hrsslrsU» bio tsu'i meitetes nicht ftcttfinbea, 234/14 ÄioBochts«u»kun?k»- stelle des Schlichtung»? nusschusses Grast- Berlin tann-neiterstln in der Zeit »an 10 bis 1 Ahr, Sann- abends rata 10 bis 12 Ahr, unentgeltlich in Streitig- keiten. die das Arbeits- «erhLllnis betnssben. in An» spruch genommen»erden. sWAkvWSWSslhM M-Mß. SerN« K. 4. Schlegelstr. 2. Me»eo- M«i!e MA«e Z s scnthalerplaß._ 120/11 straße 06. 1072» Singe rlaugschisf Fabrikat Werth«!«, Cenkralbobbin, auch gebrauchte. staliski, Rürnberaerftr. 61, Ehaussec- straß» 73174, Prinzenfirnße <4 Ssezialabtelluna: für Metallbsttstcllen und Kinder» wagen.__ llSftf D-z-wsIwagen, Tafelwagen, Gewichte liefert ab Borrat. Bagnet, Cöpenickerftraße<1. 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