Nr.340. 36.Iahrg. Bezugspreis: Vierteljährl. M!..«onotL 8,— SBH. frei i:iä Haus, voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich K— ML exkl. gu- ftellungsgebühr. UnterAreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 6.2ö ML für da» übrige Ausland 10 2b ML bei täglich eininal. Zustellung 8 üb ML Postbestellungen nehmen an Dünemari, Holland, Luxemburg, Schmiden u. die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Der„Vorwärts" mit der Sonntags- beilaze„Boll u. Fest" erscheint wachen- täglich zweimal. Sonntags einmal. Telegramm-Adresse: «Sozialdemofroi Berlin- Serlinev Volksblstt. (20 Pfennig) AuzeigenprctS: Die achlgelvallen« Nonnarcillezetle lostet 1,20 ML �Steine An, eigen". das lettgedruckte Wort b0 Psg. lzulässtg 2 fettgedruckte Worte), jedes meliere Wort 25 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Woa *0 Psg. jedes weitere Wort 20 Psg. Motte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Wone. Teuerungszuschlag 50%. Familien• Anzeigen politische und gewerkschastliche Percins> Anzeigen ILO ML die Zeile Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 08, Lindenstrage b, abgegeben «erdeiu GeLffnct von 9 Uhr srllh bis S Uhr abends. Zentralorgan der rozialdcmokratifcben parte! Deutfchlands. Neüaktion und Expedition: SW. b8, Lindenstr.?. Aerniprecher: Am, Moristvla«, Nr. I.bl SO— 151 97. Sonntag, den 6- Jnli 1919. vonvärts-verlag G.m. d. H-, SM. b8, �indenstr. 2. Fernsprecher: Amt Morittpln«, Nr. 117 53—54. Der Eifenbahnerftreik im Westen. Zweifellos besteht die Tendenz, den Eisenbahnerstreik noch in letzter Minute auf allen preußisch-hessischen Staats- bahnen allgemein zu machen. Mit der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. ist'heute eine telephonische Verbindung nicht mehr herstellbar gewesen. Aus Hannover wird ge- meldet, daß die Arbeiter gestern abend um 6 Uhr ihre Arbeit niedergelegt haben und zirxir sowohl in den Werk- statten wie in den unmittelbaren Eisenbahnbetrieben. Sie haben die bekannten Frankfurter Forderungen erhoben. Die Beamten lehnen die Teilnahme am Streik ab und Helsen, den Betrieb notwendig aufrecht zu erhalten. Sie werden dabei von den Studenten der Technischen Hochschule unterstützt, welche die Maschinen bedienen. Der Betrieb kann notdürftig aufrecht erhalten werden. Die Anlagen in Lehrte sind durch Streikende beschädigt. Militärischer und polizeilicher Schutz wird in nächster Zeit eingreifen. Die Eisenbahnarbeiter drohen für heute nachmittag mit dem Sturm auf das Direktions- g e b ä u d e, um auf diese Art die Betriebsleitung an sich zu reißen. In Hannover sind alle notwendigen m i I i t ä r i- schen Maßnahmen getroffen. Fn Frankfurt vor dem Ende? Frankfurt a. Main, den 5. Juli. Bis zur Stunde ist immer noch keine Klärung in dem Eisenbahnerstreik erfolgt. Tab Stadtbild ist unverändert und dir Ruhe nirgends gestört. Die wirtschaftlichen Hemmungen machen sich stärker be- merkbar und lösen unter der arbeitenden Bevölkerung eine st e i- Sende Erbitterung aus. Der Hauptbahnhof wird nach wie vor auf das schärfste bewacht und für das reisende Publi- kum streng gesperrt. Allgemein hört man jedoch die Mei. nung laut werde», daß sich der Ausstand seinem Ende nähert. Ein eigener Bericht meldet uns noch: Im Frankfurter Regierungsbezirk hat sich die Lage>g e- bessert; der Streit hat ausgehört. In Gießen und Hanau besteht er im übrigen unverändert. In Frankfurt selbst sind schwere Schädigungen dcS Geschäftsganges vorgekommen. Die Streikenden habe» die D i r-e k t i o n und den Bahn hos beseht und verhindern jeden telcgraphischcn und telephonischcn Berkehr der DircktionSbeanitcn nach auswärts. Sie haben Abgesandte nach Kassel geschickt, um die Eiscnbahnbcdiensteten im Bezirk Kassel zum Beitritt in den Streik zu veranlassen. Die Arbeiterschaft hat aber den Beitritt abgelehnt. Im Eisenbahndirektionsbezirk Altona lvird in At e n d a l gestreikt. In Wittenberg, wo die Werkstatt schon immer sehr radikal war, sind die Arbeiter in den Streik eingetreten. Es werden keine Züge, auch keine Lebens- mittclzüge mehr durchgelassen. Nach Mitteilung des Präsi- beuten in Altona hat die Streikleitung offiziell beschlossen, von Sonntag früh K Uhr ab keine Lebensmittelzüge mehr durchzulassen. Tie Beamten beteiligen sich am Streik nicht. In Hamburg selbst haben sich die ordnungsmäßigen Beamten- und Arbcitci Vertretungen bisher gegen den Streik ausgesprochen. ES wird jedoch befürchtet, daß die Arbeiterschaft ihren Delegierten nicht folgt. Im Bezirk Hannover strükt die Arbeiterschaft in allen größeren Orten. In Lehrte sind die Bahnanlagen von den Streikende» beschädigt worden. Auch auf dem wichtigen Rangier- babnhof Seelze wird Sabotage betrieben. Technische Zeit- freiwillige stehen zur Bersügung, lehnen aber die Hilf« ab, wenn nicht militärischer Schuh gewährt wird. Zerstörungen in Hannover. Hannover, 5. Juli.(Telunion.) Zu dem Streik der Eisen- bahnarbeiter wird noch gemeldet: In vergangener Nacht wurden die Bahnhofsanlagen in Lehrte von Ausständigen erheblich b c s ch ä- d i g t, so daß keine Signale vorläufig mehr gegeben werden können. Die Zerstörungen sind erfolgt trotz Zusicherung der Streik- leitung, daß völlige Gewähr für die Sicherheit der Anlagen gegeben werde. Vom Hauptbahnhof Hannover sind im Laufe des Vor- mittags, wenn auch mit erheblichen Verspätungen, die Personen- züga abgefahren. Die Schnellzüge mußten dagegen, weil Maschinen nicht so schnell herangezogen werden konnten, ausfallen. Das DircktionSgebäude in Hannover ist polizeilich bewacht. Die Polizei wurde auf dem Bahnhof verstärkt. Es kommen zwar Fahrkarten zur Ausgabe, doch wird keine Garantie dafür gegeben, daß sie ab- genützt werden können. Heute mittag fand im Hofe des Direktions- gebäudeS eine von Beamten und Arbeitern des Dtrektionsbczirkes Hannover stark besuchte Versammlung statt, in der das Ab- stimmungsergebnis über den Streik mitgeteilt wurde. Nach dem Beschluß des Deutschen Eisenbahnerverbandes sollte nur dann in den Streik eingetreten werden, wenn eine Zweidrittelmchr- heit dafür vorhanden sei. Diese sei aber nicht vorhanden gewesen und trotzdem hätten die Vertrauensmänner den Streik beschlossen. Der Eisenbahndirektionspräsident Dr. Wesener er- mahnte die Beamten und Arbeiter zur Bewahrung von Ruhe und Ordnung und wies aus die Gefahren des Streiks angesichts der augenblicklichen politischen Lage hin. Verschiedene andere Redner ließen durchblicken, daß der Streik nur einen politischen Hintergrund habe. vor üer Ratifizierung. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, beschäftigt sich das Kabinett in Weimar heute mit der Frage der Räti- fizierung des Friedensvertrages. Außerdem werden die Fragen der Erneuerung des Auswärtigen Amts und das Arbeitsprogramm beraten. Die Plenarverhand- lungen der Nationalversammlung über die Ratifizierung be- ginnen voraussichtlich am Mittwoch. Hierbei wird der Reichsminister des Auswärtigen Hermann M ü I l e r zur Rede Lloyd Georges das Wort ergreifen s Minister- Präsident Bauer wird eine programmatische Erklärung abgeben._ China unterzeichnet. Amsterdam, 5. Juli. Nieuwe van den Dag meldet aus Paris, daß die chinesische Delegation tclcgraphisch ange- wiesen worden ist, den Friedensvertrag zu unterzeichnen, und daß China damit in den Völkerbund aufgenommen werden kann. Haag, 8. Juli. Aus Paris wird gemeldet: Die chinesischen Delegierten wurden verständigt, daß, wenn sie den österreichischen Vertrag nicht zeichnen, China doch Mitglied des V ö l- kerbundcs werden kann. Troeifira und Versailles. Ter Berliner Vertreter von„Nordrska Presicentralen" hatte im Haag eine Unterredung mit unserem Genossen Troelstra. Dieser erklärte, daß der Versailler Frieden für das internationale Prole- tariat ein schlechter Frieden sei, denn Millionen deutscher Arbeiter werden durch ihn in Lohnsklaverei gebracht. Die Lage Deutschlands ist so, daß die Zukunft der übrigen Arbeiterklasse von der Situation der deutsche» Arbeiter abhängt. Die Internationale selbst aber muß ihre Taktik ändern. Mit dem Parlamentarismus allein ist der Kampf nicht zu gewinnen. UebrigenS sollte man nicht per« gessen, daß die Internationale eine kommunistische Konkurrenz hat. Wir müssen unsere Politik nach links orientieren und den Weg ston Longuet, Ramsay Macdonald und der stalienilchen Parlaments- sraktion wandeln. Aus der Internationale ist schließlich auch die Politik, wie B r a n t i n g sie wünscht, zu verbannen. Bei dem Verhandeln mit dem Rat der Vier haben die Proletarier nichts zu gewinnen. Die Verhältnisie in Holland, sagte Troelstra weiter, liegen äußerst günstig für die Arbeiterbewegung. Wenn die Zeit reif ist, wird die Revolution kommen, ohne Zutun Troelstras(den das Bürgertum der Revolutionsmacherei beschuldigt), aber die Bürger- wehren werden sie nicht aushalten. fius Sowjet-Ungarn. Ein Bericht aus Budapester Regicrungskreisen besagt: Im A.- und S.-Rar Budapest führte Julius Lengyel aus, m.t Fleisch und Fett sei Budapest für Monate versehen(?), nur die Gemüsezufuhr leide unter der mangelhaften Organisation. In dem nicht besetzten Gebiet Ungarns sind 2,3 Millionen Katastraljoch mit Weizen bebaut und man kann mit 17 Millionen Doppelzentnern Getreide rechnen. V a r g a zog aus dem statistischen Material den Schluß, daß Ungarn einen Ernteüberschutz zu erwarten habe.(Diese Angaben dürften auch bestimmt sein, die Wiener Kommunisten- agitation zu stärken, die für den Fall der Ausrufung der Räte- repnblik immer auf die Hilfe Ungarns verweist, wenn die Entente die Ernährung Wiens einstelle. Red.) Die Budapester Blätter(die unter dem RcgierungSdiktaj stehen. Red.) kommentieren das Abkommen mit der Entente über den Rück- zug hinter die Demarkationslinie dahin, daß das ungarische Heer zwar in zahlreichen Schlachten gesiegt habe, aber weiteres Blut- vergießen vermeiden und den Proletariern der Ententcländer zeigen wolle, daß Sowjetungarn zum Frieden bereit sei und nicht auf Er- obcrungen ausgehe. Tie Rumänen würden bei ihrem Rückzug «weiße Garden hinterlassen, die bewaffneten Widerstand gegen Ungarn leisten würden; sie sammelten sich anscheinend in dem von Franzosen besetzten Szegled, dem Sitz der Karolhischen Gegen- regierung. Kämpfe dürften unvermeidlich sein. Die itallenisthen Unruhen. Plünderungen in Florenz. Florenz, 5. Juli.(Stefani.) In der Nacht vom Donner«- tag zum Freitag und Freitag morgen fuhr die Menge fort, Lebensmittelgeschäfte z» plündern. Die Waren wurden in die Arbeitskammcr gebracht und dort zu herabgesetzten Preisen verkauft. Manche, Händler gaben die Schlüssel zu ihren Räumlichkeiten den Plünderern Infolge der gegen die Wucherer ge- troffenen Maßnahmen beginnt sich die Ruhe nach«ndnach wieder einzustellen. Die Arbeiterorganisationen trage» daS Ihrige dazu bei. Unabhängige Iriedenssabotage. Von Victor Schiff. Herr Haase scheint eine verflucht schlechte Meinung von deni politischen Verstand der ihm ergebenen Teile der Berliner Arbeiterschaft zu haben, wenn er eS wagen konnte, in einer Volksversanimlung in der Hasenheide auszusprechen, es sei für alle Zeiten ein Verdienst der Unabhängigen, daß der Frieden in der jetzigen Form, der einzigen möglichen, erreicht worden sei. Dieser radikalen Arbeiterschaft gegenüber, die sich selbst- gefällig und immer wieder als„revolutionär" bezeichnet und tatsächlich eine Umwälzung aller Begriffe von Vernunft und Logik vollzogen hat. ist man als„revolutionärer" Führer geradezu verpflichtet, vor keiner agitatorischen Unverfroren- heit zurückzuschrecken. Wie sieht nun dieses„Verdienst" der Unabhängigen aus? Wenige Tage vor der Abreise der deutscheu Friedens- deleganon nach Versailles, Ende April, veröffentlichte die Berliner„Freiheit" zwei Aufsätze von Karl Kautsky, die sich gegen das auf Grund von Mitteilungen der offiziösen Ententcagenturen über gewisse Friedensbedingungen bereits vielfach ausgesprochene„Nein!" entschieden wandten. Aber es war keineswegs einunbedingtes„Ja!", daS Kautsky damals enipfahl. Am Schlüsse seines letzten Aufsatzes führte er aus, ein„Nein!" würde nur dann berechtigt sein, wenn die Sozialdemokraten der Ententeländer die uns auferlegten Bedingungen ebenfalls als ungerecht und antidemokratisck) erachten würden. Da die Redaktion der„Freiheit" diese Aufiätze ohne Vorbehalt ab- drucken ließ, konnte man meinen, daß damit der Standpunkt der U. S. P. D. dargelegt wurde. Etwa zehn Tage später waren die FricdenSbedingnngen der Entente bekannt. Ein Sturm der Entrüstung brach aus. Aber nicht allein in der deutschen Presse. Es ließe sich eine nicht uninteressante Sammlung von Stimmen der französischen, der englischen, der italienischen sozialistischen Presse, ja auch der englischen liberalen Presse, von den Neutralen ganz abgesehen, zusammenstellen, die die Stellungnahme der internationalen Sozialdemokratie und auch der pazifistischen Demokratie unzweideutig kennzeichnen. Die Aeußerungen des „Populaire", der Hmnanitä", dcS„Daily Herald", des „Avanti", des„Manchester Guardian", der„Nation" in den Tagen nach dem 8. Mai sind der deutschen öffentlichen Mei- nung, also vermutlich auch den Unabhängigen, gleich bekannt geworden. Die Vorbedingungen für ein„Nein!" waren also auch für die„Freiheit", nach ihrem eigenen, kurz vorher durch Kautsky dargelegten Standpunkt, gegeben. Wie kam es denn, daß die„Freiheit" gleich als etwas Selbstverständliches er- klärte:„Wir müssen unterschreiben!?" Die einzige Antwort auf diese Frage kann angesichts der obenerwähnten Tatsachen nur dtejenige sein, daß es in Deutsch land eine Partei gibt, deren hauptfächlicher politischer Leitsatz es ist, immer den gcgcnteiligeu Staudpliukt einzunehmen, als jene Partei, aus der allein sie Zuzug erhoffen kann,- nämlich die Mehrhcitssozialdemolratie. Besonders seitdem die Wahlen zur Nationalversammlung letztere zur führenden Regicrungs Partei des Reiches gemacht haben, hat sich dieser Oppositions» grundsatz allmählich dahin zugespitzt:„Wie werde ich der Regierung am unbequemsten?" Und als nun die entsetzlichen Bedingungen der Entente bekannt wurden und damit für die Regierung eine neu?, äußerst schwierige Lage entstand, als es namenllich offenbar wurde, daß die einzige Erleichternng für die Regierung ein ciilniütiges Volk gewesen wäre, da war die Aiitivort auf diese Frage nicht schwer zu finden. Man könnte als Erklärung für den so rasch in Vergessen heit geratenen Kaulskyschcn Standpunkt meinen, daß dieser nur als eine Alt„Bluff" gemeint war. Dieses Wort hört sich sehr schlecht an, drückt aber nur etwas ans, waS in der Politik und in vielen Fällen des öffentlichen und privaten Lebens üblich, berechtigt, ja sogar notivcndig ist. Der Kauf- mann stellt zuerst einen höheren Offertenpreis aus, als denjenigen, für den er beabsichtigt, schließlich seine Ware abzu- geben, der Diplomat stellt ursprünglich Marimnlforderungcn am Verhandlungstisch auf, ebenso der Gewerkschaftsführer zu Beginn eines SlreikS, auch der Rechtsanwalt beantragt Frei- sprechnng, selbst wenn er weiß, daß ein solcher Antrag wenig aussichtsvoll gegenüber dem hohen Strafantrag des Staats- anwalts ist, vielleicht sogar gerade deshalb. Aber selbst wenn Kautsky trotz dieses AblehnuugSvorbe- Haltes von vornherein der Ansicht war, wir müssen schließlich alles unterschreiben, so ließe sich ein solcher Standpunkt gewiß verteidigen. Dann aber hätte dieser„Bluff" konsequent durchgeführt werden müssen, nicht nur bis zur Bekanntgabe der Bedingungen, sondern erst recht nachher, erst recht während der Verhandlungen— bis zum letzten Tage. Nelche war nun bis Wirkung dieser von allen übrigen Parteien, auch von der konimunistischen, abweichenden Stellung- nähme der U. S. P.? Wenn der Raum es gestatten würde, hier einige Acußerungcn der Pariser Presse über die Auf- nähme der Friedensbedingungen in Deutschland wiederzu- geben und vor allem die Aufmachung eingclscnder zu schildern, in der die Stimmen aus dem unabhängigen Lager für die Annahme dem französischen Leserpublikum zur Kenntnis ge- bracht wurden, dann würde sich die Antwort auf diese Frage ganz von selbst ergeben. Die sonst einmütige Zurückweisung der Bedingungen durch die deutschen Parteien machte in den Ententeländern einen Eindruck, der umsoweniger zu unter- schätzen war, als nicht nur die Sozialisten, sondern auch, wie erwähnt, viele Demokraten und Liberalen ebenfalls diese Be- dingungcn äußerst scharf kritisierten. Der Gedanke, daß Deutschland ablehnen könnte, war den anitlichen Kreisen in der � Entente äußerst peinlich. Die zuerst außerordentlich selbstbewußten Zlufsätze des„Temps" zeugten von einer wachsenden Nervosität. Tie heftigen Kritiken gegen den uns überreichten Vertrag, die sich allmählich von der sozialistischen Presse auch auf einige radikale Blätter übertrugen, entsprangen weniger dem Drange nach Gerechtigkeit, als dem Gefühl, Deutschland werde ablehnen. Außerdem trugen die Noten der deutschen Delegation, deren hervorragende Geschicklichkeit fast größere Anerkennung bei den Gegnern als bei unS selbst fand, zur Festigung der Lage Deutschlands bei. Für jeden objektiven Beurteiler war es klar, daß in der großen moralischen Schlacht, die sich seit dem 7. Mai abspielte, jeder Tag neue. Ivesentliche Vorteile Deutschland einbrachten. Dön einzigen schwarzen Punkt fiir uns aber bildeten die Stimmen und Kundgebungen der Unabhängigen. Mit diesen konnte die nationalistische französische Presse es täglich versuchen, das nervös gewordene Publikum zu beruhigen. Der eifrige Bor- liner Vertreter des„TempS" interviewte nacheinander die hauptsächlichsten Führer der Unabhängigen, berichtete ausführ- lich über ihre Kundgebungen, aus Zürich meldete der Bericht- erstatter des„Journal" in einem ztvcispaltenlangen Telegramm eine Unterredung mit Dr. Grelling, einer Zierde der Unab- hängigen, der an dem Inhalt des Vertrages nichts auszusetzen hatte, aus Bern ivurdcn täglich Aeußernngen der„Freiheit", der„Halleschen Volkszeitung", der„Leipziger Volkszeitung" der Agcnco Havas gedrahtet, llnd die Pariser Blätter ver- statiden es, dieses Material äußerst geschickt zu Vcnvertcn. Auf die sozialistische Presse übte die Haltung der Unab- hangigen eine ganz eigenartige, für uns sehr schädliche Wirkung aus: Nach dem ersten Ausdruck der Empörung stellten die„Humanite-" und der„Populaire" fest, daß die Unab- hängigen die Unterzeichnung forderten. Damit war ihre Lage sehr erleichtert. Man konnte in der Tat unmöglich von ihnen verlangen, daß sie„pluk! royalistee que le roi" auftraten. Die logische Schlußfolgerung ihres Protestes wäre gewesen, daß sie den ablehnenden Aeußernngen aus dem deutschen Lager zustimmten, was natürlich innerpolitisch leicht gegen sie ausgebeutet worden wäre. AnS dieser Zwangslage wurden sie nun durch die Unabhängigen befrelt und nach dem Beispiel der letzteren machten sie ihrem Zorn Luft, indem sie fortan mit doppeltem Eifer gegen die„Ver- brecherregiernng" Ebert- Schcidemann- Noske schimpften. Aber nicht nur die Sozialisten, auch die reaktionärsten Blätter führten Auszüge aus der unabhängigen Presse an. um zu beweisen, daß in Deutschland alles beim alten geblieben sei i'mnd daß wir keine bessere Behandlung verdienten, als das kaiserliche Teutschland. Wohlgearbeitet, ihr Herren Führer des„revolutionären" Proletariats— aber nur für die kapi- talistische Reaktion der Entente! Allein der Mangel an Raum macht es hier unmöglich, diese Ausführungen durch Beispiele und Zitate zu dokinnentreren. Das wird wohl von anderer Seite demächst geschehen. Aber das eine stelle ich fest: alle Mitglieder der Friedensdelegation, die in Versailles wäh- rend über acht Wochen mit Spannung die Wirkungen der moralischen Schlacht verfolgten, die zwischen uns und der Die Kirjchen imö der Siebenschläfer. Von Alwin Rath. An die bekannte umgitterte Eiche auf dem Marktplatz— ich meine da-Z winzige, von etwas Gras überwachsene Dreieck des Eaputher MarklplatzeS— klammert sich als DenkinalSrrfatz ein wackliges Wachthäuschen. Seine vaterländischen Farben sind arg verdächtig falb und verwaschen geworden. Ja, eS klammert sich an das Gitter, eS hat gleichsam die Arme hinter sich gequetscht, halt Gitter und Eiche hinter sich in sicherer Hut. Vorsichtshalber hält es auch die Tür des WachthauseS verichlosien, hat«in Vorhang- schloß vorgehängt, damit absolut kein Durchbruch zu der Eiche mög- lich ist. damit absolut nichts gestohlen werden kann. Momentan aber hat das WachthauS außer den vaterländischen Pflichten Gemetndepfltchtcn. SS bewacht viele, viele Klafter leerer Obstkörbe. und eS tritt fast unter der regentriefenden Eiche hervor. 10 paßt eS auf. scheut die dicke Regenflut außerhalb seines grünen HuteS. feines behüteten HuteS, nicht. Aber eS darf sich nicht zu weit entfernen. Das Baterland ist wichtiger, als ein paar leere Obstkörbe, und mögen sie rot im Innern sein wie die Zeit, rot wie die Welt. Diese Körbe müssen, zur Zeit der Kirschen und der Erdbeeren, auch ihre FortpflanzungSzett haben, lind welch eine rapide Ver- mehrungSsähigkeit sie haben! Erst hatte sich ein Klafterkranz fromm vom WachthauS bewachen lassen, ich vom Boot, wo ich teere und Konservenbüchsen unterbringe, zurückkehre, ist nichts mehr von dem verinauserten bißchen Grün auf dem dreieckigen winzigen Marktplatz zu sehen. Sie haben sich nicht klasterweise vermehrt, sondern, wie soll ich sagen—paarweise möchte ich sagen, aber ein Ar paßt gar nicht auf den winzigen Marktplatz—, es gibt eben keinen Ausdruck für diese BermehrungSfähigieit. Als ich am anderen Morgen erwache, sind sie bis in den Hof des Gasthauses, wo ich nach meiner Rückkehr auS der rumänischen Gefangenschast vorläufig eine Primittvwohnung inne hatte, dar- gerückt. Als ich um 10 Uhr vou meiner Arbeit aufblicke, wollen sie gerade au» dem kleinen Borgarten, in dem außer einem schmalen Estraganbusch am Drahtgitter nur Saud wuchert, in mein Fenster hereinsteigen,— und ich muß Einspruch erheben, daß sie da« nicht tun und mir etwa« Licht für meine Arbeit lasieu. Mit dem Fortkommen dieser VermehrungSwütigen— sie würden un» ja wie der süße Brei im Märchen noch über die Dächer gehen— befaßt sich unter anderen auch ein grauer Apfelschimmel. Ich kenne ihn schon von allen Seiten, bei Tag. bei Nacht, bei Regen, bei Sonnenschein, beim Fressen, beim Saufen, beim S Silasen, beim Wachen. Gewöhnlich macht er einen schlafmützigen Eindruck. Die Vorderbeine nach unten wie X-Betne auseinander geknickt, die Augen mit den weißen Schimmelwimpern nu'r um einen schlafmützigen Schlitz offen und die naffe Regenmähne wie emen großen glatten Schnörkel an den Sntenle im Gange war, siaiten das furchtbare Gefühl, daß' man ihnen ständig in den Rücken falle, daß die diplomatische Position der Vertreter Teutschlands fortgesetzt geschwächt, unterminiert wurde— gewiß, nicht allein durch die Unabhängigen, aber v o � a l l e in durch sie. Wenn man mit Unabhängigen darüber sprach, fragten sie höhnisch:„Wollen Sie etwa ablehnen? Das Rubrgebiet besetzen lassen? Die Kohlennot steigern, die Hungerblockade wiedervcrhängen lassen? Oder gar kämpfen? Nur keine heroischen Gesten!" Ja, da möchte ich nun gerne wissen, wie sich Kautskn die praktische Durchführung einer Ablehnung, die er doch ebenfalls unter gewissen— durchaus erfüllten— Voraussetzungen ins Auge gefaßt hatte, vorstellte. Etwas muß er sich doch damals auch dabei gedacht haben. Die Kohlennot? Ach waS! Plötzlich war den Herren Unabhängigen die Kohlenprodnktion so wichtig geworden— aber monatelang vorher subelten sie, wenn an der Ruhr und in Obeiichlesien gewissenlose Elemente zum Streik hetzten. Tie Hungerblockade(vorausgesetzt, daß sie überhaupt wieder verhängt werden konnte, die englischen Liberalen agitierten heftig dagegen und die neutralen Nachbarländer hatten sich formell geweigert, eine solche wieder mitzu- machen)? War es denn das richtige Mittel, die Hungersnot zu lindern, wenn man vor und auch nach dem Frieden die Transportstreiks begrüßte und schürte? Kämpfen? Wer von uns hotte jemals an aktiven Widerstand gedacht? Höchstens die Unabhängigen selbst! Als im Januar Radck mit dein Vorschlag nach Berlin kam, die russischen Heere in Teutschland hereinzn- lassen und mit ihnen gemeinsam am Rhein den Kamps wieder aufzunehmen, wer war es denn, der diese Politik � mitmachte? Wer war eS denn, der den dies bezlveckenden Putsch mitorganisierte? Eichhorn, Ledebour, Täumig, der Bezirksvorstand Groß-Berlin der U. S. P., die„revolutio- nären Obleute", die„Freiheit" und die„Republik"! Damals war der Gedanke freilich ein Wahnsinn, acht Wochen nach dem Waffenstillstand, als das Heer der Alliier- ten noch ganz sicher in der Hand seiner Führer, die Hunger- blockade noch nicht gelockert und die Entente selbst noch ab- solut fester Block war. Wie sehr aber hatte sich seitdem die Lage geändert! Jsi diesen sechs Monaten stumpfsinnigen Kasernen, und Wachpostendienstes hatte sich die Stimmung der Ententetruppen vollständig geändert, wie aus zahlreichen Tatsachen, aus Hunderten von Soldatenbriefen, die die fran- zösische Sozialistenpresse täglich abdruckte, zu ersehen war. Sechs Monate Sehnsucht der Soldaten nach der Heimat »nd der Heimat nach den Soldaten, sechs Monate Teuerunzs- elend, sechs Monate fortschreitender Welt- revolution! Und vor allem die Erkenntnis des furcht- baren Völkerbetrnges, der sich in den Vemiller Bedingungen allen offenbarte. Sebastopol, Odessa, Toulouse, Tonlon, El Kantara, der Pariser l. Mai, der Generalstreik in Italien, Sowjets hier. Streiks dort, Wut und Groll überall, das waren die Früchte dieser sechs Monate, d a S waren die Voraussetzungen für einen erfolgreichen passiven Wider- stand. Dazu gehörte allerdings Mut. Daß Haase und Ge- nassen für heroische Gesten nicht zu haben sind, brauchten wir nicht erst aus der„Freiheit" zu erfahren. Aber wie viel konsequenter waren die Kommunisten, als sie gegen die Unterzeichnung agitierten! Was war es denn anders als eine heroische Tat gewesen, als Trotzty die deutschen Truppen nach dem Osten vormarschieren ließ— und dadurch übrigens die rcpolutionäre Saat in Teutschland ungemein förderte. Und ist die Tat Bela Kims nicht heroisch gewesen? Freilich, es ist viel bequemer, ein arg mitgenommenes Volk für einen sofortigen Friedensschluß zu- gewinnen, als mutige Taten zu propagieren. Und so kam es, daß in der Stunde, in der die heroische Tat noch vieles liätte retten können und gerade den Gedan- etwas mageren Hals gellebt, steht er trübselig da. fröstlith und lrbensekel. Wie eine begossene Katze. Die Ohren hängen gelnickt wie an einer Narrenmütze, die auch- nichts vom Leben hält. Nur wenn die blühende Linde, unter die man ihn mitleidig geschobep hat in seinem Wagengestell, plötzlich aufbrausend im Sturmschnaubcn eine prasselnde Saat bohnendicker Trop'en herupterfegen läßt auf die geknickten Ohren, öffnen sich die Augenschl�tze, die weiß über- wimperten, erstaunt, erschreckt, höchst mißmutig um einige Milli- meter mehr. Mein Bootsbauer, ein ebenso Wetter- wie geschäftskundiger Araubart, der mein Boot, an dem ich jetzt teer« und Konserven- büchsen unterbringe, sicheö zu einem honorablen Preis an den Mann gebracht hätte, wenn er sicher gewesen wäre, daß mich die Rumänen kaputt gekriegt hätten— meine Ruder hat er ,u einem honorablen Preis schon untergebracht—, dieser meinem Testamentsvollstrecker gern behilfliche, überhaupt ebenso wetterlimdige— wie geichäsiS- lüchtige Mann sagt zu mir mit Bestimmtheit:»Weim'S am Siebenschläfer geregnet hat, und das Hat'S die» Jahr getan, wie ins borge Jahre auch, dann daS schwör' ich Sie, regnet's sieben Wochen. Und mit de Kirschen, daS sag' ich Sie, U eS zuletzt MuS in de Körbe schon." DaS ZeitungSpapier, waS gewöhnlich auf die Kirschen und die Erdbeeren gedeckt ist, die Caputher Zeitung, ist stets kapult, gänzlich, vom Regen zertrommelt, zermörsert, zerblättert. Wie eine überall durchbrochene feine Spitzendecke liegt sie auf dem scharlachnen Erd- beer- oder purpurschwarzen Kirschenrot. ES komnien jetzt auch schon großmächtige AutoS, die wie Kinder von Möbelwagen, natür- lich moderne Kinder, aussehen, in daS kleinwinzige Marktdreieck von Caputh hereingebrüllt, es kommen wirkliche halbe Möbelwagen für die Taufende der kleinen vermehrungswütigen Obstkörbe— wegen der Regengefahr— und stellen sich wie ein halbes Caputher Haus auf de» Marltplatz, daß da» WachthauS sich an die Eiche quetscht. ES sollen auch insgeheim die Preise steigen— loegen der Reqengeiahr. Da stehen zwei, ein Strobhlltiger und ein heruntergeklappter Filzhüliger, am Hofeingang de« Gasthauses an die Wand,, unter die Traufe mitten drunter, gedrückt. Des Filze« Stimme bebbert, hastet, lrächzt. pfeift und überschlägt sich auS dem grau- bebarteten, eifrigen Beck hervor, überschlägt sich in der Erklärung, warum er um ä Lausegroschen in die Höhe gehen muß. Warum er um zwei lausige Lausegroschen den Nacken so»ach vorne stoßen muß. daß die Traufe vom Hutrand und die Traufe vom Dachrand einträchliglich hineinlaufen, und selbst die langschwänzige Elster in der Linde ein so dreckiges Lachen in den Hal« bekommen muß über die sauberen Geschäftemacher da unten. Die Nationalversammlungs-öriefmarken. AuS Kreisen der Naiionalversammlung wird un« geichrieben.' Kürzlich teilte die.Vossische Zeitung" ihren staunenden Lesern mit, daß sich die Nationalversammlung zum 1. Juli eigene Briefmarken ' ken der Wektrevolution, den die Unabhängigen für sich bis- her beanspruchten, gefördert hätte, das deutsche Voll infolge per Wühlarbeit im Innern derart-gespalten war, daß eine Ablehnung in der Tat nicht mehr der Weltrevolution, son- dein nur noch der Ententereaktion die Bahn frei gemacht hätte. Mögen nun die Unabhängigen dieses Ergebnis als ihr Verdienst preisen: sie haben es erzielt, indem sie nachein- ander die Position der deutschen Unterhändler, die mora- lische Widerstandskraft des deutschen Volkes und den Glauben der Arbeiterschaft an die Weltrevolution gründlich sabotierten. Die Flucht Emonts. Keine Auslieferung beabsichtigt. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Nach dem in den Tageszeitungen bereits veröffentlichten Brief Emonts ist Haupttatort für die ihm zur� Last gelegten straf- baren Handlungen das Rheinland, insbesondere Köln. Dort und in benachbarten Orten des Rheinlands sind auch die Teilnehmer an seinen Handlungen zu suchen und zu verfolgen. Lediglich aus diesem Grunde ist deshalb an den Ersten Staatsanwalt in Köln zunächst die An- frage gerichtet worden, ob er bereit ist, die weitere Verfol- gung des Emonts und seiner Mittäter zu übernehmen. Wegen einer Ueberftihrung des Emonts nach Köln ist von hier aus nicht das geringste veranlaßt war- den. Eine solche könnte auch nur von dem Ersten Staats- anwalt in Köln erst dann angeordnet werden, nachdem er � die Sache übernommen hat. In diesem Falle würde es sich aber nur um Uebergabe des Emonts von einer dcut- schon Behörde an eine andere deutsche Be- Hörde handeln.„Behördliche Maßnahmen, weiche die Kompetenz des deutschen Richters zugunsten des englischen Kriegsgerichts ausschalten", das heißt also eine Aus- lieferung des Emonts an die Engländer, die nach 8 9 des Reichsstrasgesetzbilches ungesetzlich wäre, sind von keiner Seite in Erwägung gezogen worden. Auch seitens der Reichsregierung ist an e i n e A u L l i e f e» rung des Emonts nie gedacht worden. Ter Verteidiger des Emonts, Dr. Holpert, betont in einer Zuschrift an die Presse: Wer nur einigermaßen aus der KriegSzeit her die Rechts- zustände im besetzten Gebiet kennt und auch aus eige- ner Wahrnehmung die Zustände in unserem heute von den fremden Truppen besetzten Gebiet, muß zugeben, daß die Heber- führung nach Köln, die die hiesige Staatsanwaltschaft angestrebt hat, für Emoms eine Lebensfrage bedeutet. Danach scheint die Sache so zu liegen, daß. Emonts sub- jektiv an eine beabsichtigte Auslieferung seiner Person ge- glaubt hat, daß o b j e k t i v eine solche aber v o n keine>: Seite geplant gewesen ist.— Wir sind der Ansicht, daß Emonts trotz allem seiner eigenen Sache und der seiner Freunde durch seine Flucht den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen hat. und man namentlich auf feiten der Links- radikalen besser täte, das offen zuzugestehen, anstatt eine.Flucht zu beschönigen, über die man Zeter Mordio schreien würde, wenn es sick nicht um eine links-, sondern um eine rechtsstehende Persönlichkeit dabei gehandelt hätte. Sevorftehenöe Einfuhr von Kaffee und Tee. Haag, 5. Juli. DaS„Niederländische Korrespondenzdurcau" meldet, daß der holländische Minister für Ackerbau. Handel und Industrie der niederländischen Ausfuhrgesell- schaft gestattet hat, Autfuhrgenehmigungen für Tee und Kaffee zu erteilen, vorausgesetzt, daß die Waren nicht für daS bolschewistische Rußland und Ungarn bestimmt sind. zugelegt habe. Sie seien„billig»nd scklecbt" und ebenso schlimm, wie die„geschmacklosesten Rabattmarken". Die eine zeige ei« „phöniziscbeS Männchen" in Erinnerung an die Zeit,„da das Volt Israels Ziegel strich", eine andere zeigt einen„an den sieben- armigen Leuchter erinnernden weißen Strauß auf blauem Grund«" uiw.— Die Tendenz ist unverkennbar und verwerflich! ES ist billig aber verfehlt, die Revolution oder die National- Versammlung für diese Marken verantwortlich zu machen. Die Ver- anlwortlichen fitzen im RiichSposiministerium, und es dürste seh" fraglich sein, ob diese daö Volk Israel« mehr lieben, als dt- Herren der„Vossischen Zeitung". Im übrigen herrscht auch in der Nationav-ersammlung nur eine Stimme, daß die Geschmacklosigkeit dieser Briefmarken kaum noch übertrofien werden kann. Dies« Stimme erhob sich auch aveni» halben in der Presse, al« die Enlwürfe zur Marke i. Zt. zur Be- sprechung gestellt wurden. C« bleibt sehr zu bedauern, daß sich der Reichspostmtnisrer trotz der abfälligen Kritik, die einmütig war, doch zur Ausführung der Marken entschlossen hat. Wenn da» Preisausschreiben kein gnieS Ergebnis gezeitigt hat, hätte man für die Gedenkmarke ein anderes Motiv, etwa das schöne Goetbe-Schiller-Denkmal in Weimar heranziehen sollen. Die vor- liegenden Marten wären nach dem Willen der Nationalversammlung wohl nicht zur Ausführung gelangt. st Notizen. — ParbamentSberichte im D i k t a p h o n. Wie das Kopenhagener„Ekstr abladet" mitteilt, beabsichtigt man. um die Auf» Wendung an Zeit und Köstcn für Stenographen, Maschinendamen. Korrekturleser uiw. zu sparen, die Verhandlungen des dänischen Reichstages künftig mit Hilfe eines Megaphons auf dem Dikiapbon aufzunehmen und io für immer zu bewahren. Das bisherige Ver- Handlungsprotokoll, die ReichStagSzeitung, soll nur Zusammen- fassungen der einzelnen Reden geben. So pratlisch der Plan aussieht, so dürste er dock auf gewisse Schwierigkeilen stoßen. Insbesondere lönnen Zwischenrufe die eigemlichen Reden derart stören, daß sie auf der Diktaphonwalze nicht mehr erkennbar sind. Immerhin werden Proben der nächsten Zeit ergeben, ob u»d wie weil der Gedanke durchführbar ist. — Streit um Strindberg. Die deutsche GesamtauS- gäbe der Werke StrindbergS, die unter Mitwirkung von Emil Schering als Uebersetzsr vom Dichter selbst veranstaltet wurde und damit sich die einzige autorisierte nennen durste, wird jetzt in ihrem Privileg von einem Konkurrenznntcrncchmen angefochten werden. Der Berliner Verlag Oesterhold kündigt eine Heber» setzung von TtrindtergS Bühnenwerken aus der Feder von Heinrich Goebek an und teilt gleichzeitig mit, daß diese Uebersetzung von der kommenden Spielzeit an die deutschen Bühnen beherrschen werde. Aber der bisherig« Privilegtnhaber läßt im„Buchhändler-Börsenblatt" eine Warnung erscheinen und teilt mit, er werde gegen alle anderen Ausgaben als ungesetzlich vorgeben. —„D c r Kun st wandere r". Unter diesem Titel erscheint demnächst ein« Halbmonatsschrift für alte und neue Kunst, für Kunstmarkt und Sammelwesen im Verlag„Der Kunstwanderer" G. bu b. H. in Berlin. Herausgeber und Leiter ist Adolph Donath. Nr. 340 ♦ 34. Jahrgang 1. Heilage öes vorwärts Sonntag, 4. Juli 1414 14. deutscher Gewerkschasts- tongreß. Tcchfter BerhandlungStag. Nürnberg. 5. Jali. Di« heutige Sitzung begann schon um 8 Uhr früh. Der Kongreß will heute zu Ende kommen, obwohl noch sieben Punkte zu erledigen sind. Es ist daher auch eine Nachtsitzung beabsichtigt. G ra ß ma n n- Berlin(Buchdrucker) berichtete über die Vor- schlage der Kommission, die gestern zur Durchbcrawng der«iatuten eingesetzt war. Die Anträge von Dihmann sind im großen ganzen von der Kommission abgelehnt worden. Der Antrag Dißman» auch neben den Gewerkschaften den Arbeiter- und Betriebsräten Be- fug nisse zur Regelung der Lohn, und Arbeitsverhältnisse zuzu» schreiben, ist mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Kammistion war für kollektiv« Arbeitsverträge und erklärt:„nur durch kollektive Verträge mit den Unternehmern werden Bereinigungen ustv...." Man wollt« mit vi« sei Form etwas mehr Sllboqenfreihcit schaffen� daß auch Tarifverträge mit Arbeitgebern abgeschlossen werden können, di« keiner Organisation angehören, obwohl man nicht der- kannte, daß eS wertvoller sei. wenn die Verträge auf beiden Seiten durch starke Verband« gedeckt werden. Die Kommission vermochte sich der Forderung nach ein«r schärferen Betonung der Industrie- verbände nicht anzuschließen, da den Fachvcrbänden Spielraum ge- lassen werden muß, wenn sie meinen, daß ihre Berufsverhältnisje noch nicht für dm Zusammenschluß in größeren Jnduftrtegruppen reif seien. Weiter hat Dlßmann den Antrag gestellt,' daß bei Steuerleistungen für di« Abstimmung zum Ausschuß nach der Mehr- heit auch daS Verlangen von Vertretern von Gewerkschafren, die zu» sammen mehr als ein Viertel der Gewerkschaftsmitglieder der ange- schlossencn Gewerkschaften umfassen, in Betracht kommen soll. DaZ Imirde einer Unterdrückung gewerkschaftlich wertvoller Minderheiten gleichkommen.� Danach würden große Verbände ausschlaggebend sein. Das kameradschaftliche Verhältnis hn Ausschuß würde gestört sein und eS würde zu einer Art gewerkschaftlicher Plutokratie führen. Die Forderung Dißinanns nach UrWahlen zu Kongressen lehnt die Kvm- Mission ab.(Hört, hört! links.) Wir find gegen jede Zwangs- Maßregel. Es muß jrder Gewerkschaft da» Selbstbestimmungsrecht Lberlaffrn werden. Zur Behauptung Dißmanns, daß bei den Wahlen zum Kongreß nicht der Wille der Mehrheit jetzt in Betracht komme, fei darauf bingewiefen, daß in Berlin von 100 000 Mitgliedern deS MetallarbeiterverbandeS nur 1 0 0 0 0 ihr Wahlrecht ausgeübt haben. k.Hört, hört!) Man kann da doch nicht von der Wahrung des demo- kratischen Prinzips fprechen, zumal man weiß, von welchen Zn- 'älligkeiten die Mandate-Aufstellung abhängig j st. D i ß m a n n- Frankfurt a. Vi.: Alle Anträge, die nach Opposition riechen, werden kurzerhand abgelehnt.(Große Unruhe, Widerspruch und Zustimmung.) Vorsitzender Legten: Dies« Unterstellung muß ich zurück weisen. Objektiver als durch die Kommission könnte die Sache nicht geprüft werden. Di ß mann(fortfahrend): Di« Beurteilung überlasse ich dem Kongreß utfd den Parteigenossen im Lande. Die Anträge werden wiederkommen und sicherlich auf späteren Kongressen auch ange nomKen.(Beifall link,.) »ach kurzer weiterer Besprechung wurden mit Annahme folgen der Entschließung sämtlich? Anträge zur Organisationsform für«r- lediqt erklärt:„Di« Kommission hält die Aenderung der Satzungen hinsichilich der Organisationsform nicht für notwendig. Sie erklärt aber, daß die davon abweichenden organisatorischen Eigenheiten von Organisationen, die bisher der Generalkommission angeschlossen waren, anerkannt werden."— Di« Anträge Dißmann werden g« maß dem Vorschlage der Kommission mit großer Mehrheit abge lehnt. Als Beitragsleiftung werden 20 Pf. jährlich für jedes Mit- glied festgesetzt. Der Bundesvorstand besteht aus t5 Mitgliedern. davon sind die drei Vorsitzenden, der Kassierer und Redakteur sowie zivei Sekretäre angestellt. Außerdem»Verden acht Beisitzer frei ge- wählt. Der Kongreß findet weiter alle drei Jahre statt. Auf 10 000 Mitglieder(bisher S000) entfällt ein Vertreter.— Der Am trag Dißmann, di? Wahlen zum Kongreß durch Urtvahlen vorzu nehmen, wird mit 413 gegen 198 Siiinnien abgelehnt. Der Bundes vorstand wird beauftragt, ein Normalstatur für die Ortsausschüsse auszuarbeiten. In der Schlnßabstimmung wird daß Gesanitstatut gegen etwa 70 bis 80 Stimmen unter großem Beifall angcnonunea Borsitzender L e g i e n erklärt den„Allgemeinen Deutschen Ge- werkschaftsbmrd* für begründet. Die Wabl zum Bundesvorstand erfolgt durch Stimmzettel. Die Konferenz der Vorstände und di« Opposition haben gesonderte Liften ausgestellt. Der Generalkommission gehörten bisher u. a. Minister- vräsident Bauer sowie die Reichsminister Schmidt und Wissell an. Sie find auf keiner der beiden VorschlagÄisten. Darauf wird zum nächstetf Punkt der Tagesordnung stberge gangen: «Die Tozialisierung der Industrie." Erster Berichterstatter ist Paihl II«r b r e i t: Unsere großen Vorfärnj-fer haben uns die Sozialisierung als heiliges Vermächtnis hinterlassen. Die wirtschaftliche Dsmokratie wird erst dann voll ständig werden, wenn die Produktionsmittel in den Besitz der All- gemeinheit übergeführt werden. Der Weltkrieg hat UNS nur einen Trümmerhaufen hinterlassen. Unsere Reichsschuld ist auf-200 Mil- tiarden gewachsen und unser Nationalvermögen ist aus einen Bruch- teil seine? früheren Bestandes zusammengeschrumpft. Dazu kommen dw ungeheuren Lasten des Friedens. Wie anders sieht es in Teutschland nach dem Ententesrieden aus. als wir es uns vorgestellt hatten, für den Tag nach der siegreichen Revolution. Ntan hätte uns viel- leicht alle» genommen, wenn ein lZGMillionen-Volk aus der Geschichte sich auslöschen ließe._ Wie wenig hat man un» gelassen, und in diesem Zuftande sollen wir sozialisieren. Dazu kommt, daß wir irre geworden sind an unserer Kraft und der siegreichen Kraft des Sozialismus. Die Arbeiterschaft ist in sich zerrissen, die Produktion wird gelähmt»nd die Proletarisierung macht weitere Fortschritte. Was die Entente aus unserer Kasse nicht heraussaugt, das zehren Enverbslosenunteritützung und Bürgerkrieg auf. Der Sozialismus kan:! auf solchem Boden nicht reifen. Er kann sich nur entwickeln auj dem Boden dir Produktion. Nur in friedlicher, fruchtbringender Arbeii kann der Sozialismus geboren werden. Der Soziausmu» ist die einzig möglich« Rettung au? der Umklammerung des Jmperia- liSmuS. Die GemeinSvirtfchaft schützt uns vor der kapitalistischen Ausbeutung und vor proletarischer Aufteilung des ErtragsgewiiuiZ. Führer dieser Entwicklung muß die deutscbe Arbeiterschaft sein. Kann Deutschland allein fozialifieren, umgeben von kapitalistifchen Staaten, die den Sozialismus erwürgen wollen? Nicht durch schwäch- licheS Zögern und Erwägen können wir etwas erreichen, sondern wie müssen uns dem kategorischen Imperativ des„Muß" beugen. Wir müsse« sozialisiere», ob wir wollen»der nicht. Nur die StaatShilfz kann die zerrüttete Volkswirtschaft wieder auf die Berne bringen. Tie Arbeiterschaft will nichts mehr von vor- sichtigen Erwägungen wissen, sie will ein entschlossenes Zugreifen. Der Wille zum Ansang für die Sozialisierung»nuß einmal gezeigt iverdcn. Die llnrast und ArbeitSunlust werden nicht eher aufhören. al» bi» da? Steuer de» Staates entschlossen auf den SozioliSmuS gerichtet ist. Die FriedenSbedingunge«. zwingen uns zur Soziali. sierung. Wie sollten wir die Lasten abtragen, wenn sich noch Privat- kapitalisten von den Erträgnissen der Arbeit bereichern wollen. Wir' können freilich keine deutsche SozialisierungSinsel bleiben. Wir sind auf das Ausland in bezug auf Rohstoffe und Nahrungsmittel ange- wiesen. Eine Reihe von Produktionszweigen könne nur inter- national sozialisiert werden, aber eine Reihe anderer sind ohne Be- ziehnngcn zum Auslande und können obne weiteres sozialisiert wer- den. Wir sind sogar in der glücklichen Lage, eigene Produkte zu er- zeugen, die das Ausland braucht. Der Sozialismus ist das größre Ziel der internationalen Arbeiterbewegung. Je eindringlicher wir den Arbeitern der anderen Länder zum Bewußtsein bringen, daß der Friede sich gegen das sozialisierte Deutschland richtet, daß der Sozialismus totgeschlagen werden soll, desto eher ist zu erwarten, daß sie sich gegen dieses Friedenswerk erheben. So hart der Frieden ist, so begrüßen wir ihn als ersten Schritt, um mit der Sozialisieruiig beginnen zu können. Die zweite Vor- aussetzung ist aber, die Wicderoufrichtung des Wirtschaftslebens. Der Produktionsprozeß muß erst wiederhergestellt werden. ES kann keiner bei diesem Wiederaufbau entbehrt werden, inSbe- sondere brauchen wir auch die Unternehmer. Die Arbeitsgemeinschaft ist eine wertvolle Errungenschaft für den Wiederaufbau und für unseren Weg zum Sozialismus. Sie darf nicht durch eine rückschrittliche Arbeiteranssassung gesprengt wer- den. Ohne Zusammenwirken der Organisationen kann der ge- sunde Aufbau nicht erfolgen.. Für die dritte Etappe brauchen wir volle Demokratie i« StavtS- und Gemeindeverwaltung und Betrieben. Nicht durch eine Diktatur des Proletariats, nicht durch Putsche und pseudowirtschastliche Streiks können wir vorwärts kommen. Es gibt Wirtschaftszweige von vorwiegend lokaler Bedeutung. Die Sozialisierungskommission hatte sich keineswegs auf den Boden der vollen Sozialisi'erung gestellt. Auch in der Enteig- nung war sie weit entfernt, einen extremen Standpunkt einzu- nehmen. Als Regel muß gelten, daß nicht Einzelbetriebe, so»- dern ganze Industriezweige enteignet werden. Durch Dekrete und Gewaltmaßnahmen läßt sich keine Wirt- schaftSform einführen. Erdschätze gehören der Allgemeinheit und dürfen nur vom Reiche sozialisiert werden. Die Rahrungsmtttel- industrie und das Baugewerbe wird man wahrscheinlich eher, sozialisieren können,' als die Metallindustrie. Sehr schwer ist» es, das Transportgewerbe zu sozialisieren, weil eS zu stark in der privatkapitalistischen Weltwirtschaft verankert ist. Auch die Sozialisierung der Industrien, die für den Bedarf der Gemeinden und des Reiche? arbeiten(Wohnungswesen und Heeresbetriebe), wird sich leichl durchführen lassen. Die Sozialisierung der Halb- zeugmdustrie wird sich nur dann durchführen lassen, wenn ihr die Sozialisierung der Rohstoftindustrie vorausgegangen ist.' DeiM hätte sich die Eozialisierung der Industrie für Fertigfabrikale anzuschließen. Die Neuorganisierung des Handels ist von Fall zu Fall vorzunehmen. Für den Kleinhandel' würde» wir dem genossenschaftlich bestehende» de» Lorzug geben. Die Sozialist?- rung ded Eisenbahnwesens ist durch Uebernahme des Betriebes auf das Reich sofort möglich. Der H o ch s e e V e r k e H r ist in hohem Maße vom Weltverkehr abhängig und Jmher seine Sozialisierung schwieriger. Redner kommt zn dem Schluß: Die Soziali- sierung setzt eine großzügige Organisation voraus. Durch die Gleichmacherei treiben wir der Privatwirtschaft die fähigsten Köpfe in die Arme. Auch dem geringsten Arbeiter muß ein Mitentscheidungsrecht über seine Arbeitsbedingungen zugestanden werden. In der nächsten Zukunft wird sich der Sozialismus durch politische Akte vollziehen, was aber nicht den Tod der Arbeits- gemeinschast bedeutet, die eine Vorstufe zum Sozialismus sind. Bon allen fordert der Sozialismus volle Arbeitspflicht. Für Müßiggänger ist kein Platz im snzialistischen Staat. Der Sozialismus ist keine Lohnirage für die einzelnen, sondern eine Existenzfrage für die Allgemeinheit. Die Vor- bedingung für den Sozialismus ist die Sozialisierung der B:l- dung. Sozialismus ist die Einheit der Organe, Selbsierziehuuz und Arbeii. Rur in diesem Sinne kommen wir zum Ziel.(Leo- hafter Beifall.) AlSdann wird da» Wahlvesultat zum Vorstand de» Deutsche» GewerkschaftSbundeS bekanntgegeben. Gewählt sind: Erster Vorsitzender Karl Legien; Stellverireter Graßmann(Buchdrucker); serner Cohen(Me- tallarbeiter); Kassierer Kube �Zimmerer); Redakteur lim- breit(Holzarbeiter); besoldete Sekretäre sind: Knoll(Steinsetzer) und Löffler(Bergarbeiter). Unbesoldete Beisitzer sind Bockert(Brauereiarbeiter), B r u u n e r(Eisenbahner), Brun S (Fabrikarbeiter), Giebel(Bureauangestellter), Sabath (Schneider), Sassenbach(Sattler), Schmidt(Landarbeite?) und S i l b e r s ch m i d t(Bauarbeiter). In der R a ch m i t t a g sf i tzu n g referiert 1* Rudolf Hilfcrding über die Sozialisieruiig der Industrie. ES ist die Ueberzeugung aller Sozialisten, daß die sozialistische Produktion der kapitalistischen überlegen ist, dank der Planmäßig- keit und technisch wissenschaftlichen Durchorganisieruug der Betriebe. Sie erhöht die Arbeitsfceudigkeii der Arbeiter. Die Ver- armung de» Wirtschaftslebens und die Härte der Friedensbedin- gungen ist darum für unS noch kein Grund, die Sazialisierung abzulehnen. Im Gegenteil, die deutsche Wirtschaft kann sick unter diesen-Verhälliiissen den Luxus nicht erlauben, den Mehrwert einer kleinen Gruppe von Kapitalinagnaten gU überlassen. Die Härte der FriedenSbedingungen� ist also ein neuer Ansporn, mit der Sozialisierung den Ansang zu machen. Dabei können wir tn dem Industrieland Deutschland nicht so vorgehen wie in einem reinen Agrarland. Wir müsssn sozialisieren unter gleichzeitiger Aufrrchterhaliung des ganzen UmfangeS der Industrie. Jede Unterbrechung der Produktion würde für breite Schichten berelts den Hungertod bedeuten. Die Sozialisierung darf also nicht ein- hergehen mit einem Rückgang der Produktion. Deshalb müssen wir alle Arbeitskräfte heranziehen, auch die Kaufleute, Techniker und industriellen Beamte». Allerdings müssen sich diese Ange- stellten und Beamten sofort in den Dienst der Allgemeinheit kellen. Der Unternehmer kann sich nicht als privatkapitalistischer Ausbeuter weiter an der Produktion beteiligen, seine Besitzsunktio- neu inüssen ausgeschaltet sein. Welche Produktionszweige kommen für die Sozialisierung zunächst in Frage? Die stärksten Machtpositionen des Kapitals müssen in erster Reihe in die Hände der Gesellschaft kommen. Dazu gehört die'ganze Industrie der Stoff- und Kraftgewinnung. di« Kohle-, Kali-, Eisen- und Elektrizitälsinduftrie. Wir könne» dann weitergehen und alle Industriezweige der sozialistischen Produktion unterWersen, die nnmitrelbar mit diesen in Berbiu- dung stehen, vor allem die Hilfsindustrien wie der Lokomotiven- bau. Auch die Zigaretten-, Spiritus- und«ticksioffindustrie sind zur Sozialisierung reif, ebenso die Industriezweige, die für den Massenkonsum produzieren, besonders die Textil- und Schuhfabr:- kation. Auch in der Fsrtigindustrie sind weite Gebiete zur Kom- munalisierung reif. Das Versicherungswesen kann ganz oder teil- weise sozialisiert werden, ebenso die Hypothekenbanken; diese deshalb, weil die Verfügung über die Hypotheken die Borau?- 'etzung einer vernünftigen Sozialisierung auf.dem Lande ist. und durch eine wirklich sozialistische Sieuerpolitik ergänzt werden. Darunter verstehe ich in erster Reihe, daß die allgemeinen Steuern den bisher besitzenden Klassen auferlegt werden und sodann eine allmähliche?lhtragung der aus der kapitalistischen Wirtschaft über- nommencn Besitz- und Vermögensunterschicde durch die Steuergesetzgebung. Die Koste» der Entschädigung werde» dann von den besitzenden Klaffen getragen werden, soweit die Soziail- sierung mit Entschädigung verbunden ist, muß sie auch mit Ver- mögcnsabgaben Hand in Hand gehen. Die Sozialisierung kann sich um so reibungsloser vollziehen, je klarer die Verhältnisse der einzelnen Industriezweige festge- stellt werden. Das bat die Sozialisierungskommission getan und es ist bedauerlich, daß sie durch die systematischen Hcmmunge.i der Regierungsburcaukratic zur Niederleguug ihres Zimtes gezwungen wurde. Eine Fortsetzung ihrer Arbeiten wäre wün- schenswert, aber nur wenn der ernste Wille zur Sozialisierung vorhanden ist. Da muß ich offen aussprechen, daß ich große Zweifel habe, und mein Pessimismus wird durch die Vorgänge der letzten Zeit noch gestärkt. Heute fühlt sich das Unternehmertum wieder gesichert, so daß an einen ernsten Widerstand zu denken ist. Die englische Regierung plant die Sozialisierung des Kohlenbergbaues; sie geht also in der Sozialisierung weiter als die deutsche Regierung.(Hört, bört!) Die merkwürdigen Pläne des ReicbswirtschafisministcrS Wessell sind ganz unklar. Die gebundene Planwirtschaft hat mit Sozialismus nichts zu tun, denn sie geht darauf aus, das Unternehmertum zu erhalt«» Sie ist die Uebertragung der Arbeitsgemeinschaften auf das ökono- mische Gebiet. Wissells Planwirtschaft bedeutet eine Gefahr für die Verwirklichung der Sozialisierung. Wenn wir den Sozialismus durchsetzen wollen, muß zuerst die Frage der politischen Macht entschieden werden. Die Kämpfe seit dem 9. November sind dadurch vorfälscht, daß unsere Front durch Zwistigkeiten gebrochen ist.(Lebh. Zustimmung.) Die Wiedervereinigung des Proletariat« ist ei» Prozeß, der langsam durchgekämpft«rrden muß. Die Zerreißung der Aibeiterbewegung war historisch notwendig, weil weile Kreise erfüllt waren von bürgerlicher Ideologie, die leider zu sehr gefördert worden ist durch die offizielle sozialistische Politik in der KriegSzeit. In der gegenwärtigen schwierigen Lage müssen wir offen sagen, daß die Sozialisiernng keine sofortige Ver- besserung der Lage der Arbeiterklasse bedeutet. Deshalb kommt für uns auch nur der organische Ausbau der sozialistischen Gesellschaft in Frage. Die Sozialisierung darf für die Arbeiterklasse nicht mir eine Messer- und Gabelfrnge sein. Ohne Begeisterung läßt sich der Sozialismus nicht durchführen, mit Lohnfragen nllein läßt sich keine Legeisternng schassen. Die Arbeiterklasse muß sich darüber klar sein, daß sie ein große? geschichtliches Werk durchzuführen hat.(Lebhafter allseiliger Beifall.) Da der Kommunist H e ck e r l-Chcnimtz abgereist ist, entfällt sein Korreferat(Zuruf bei der Mehrheit: Wie schade!). S chmr dt-Berlin(Landarbeiterverbandj verzichtet auf mündliche Erstattung seines Referats über die Landarbeiterfrage. Es soll dem Protokoll einverleibt iverden.... Zur Sozialisierung wird ein Antrag Plong-Leipzig(Schneider) angenommen, der Bekämpstmg der Heimarbeit durch die Negiernug fordert. Ebenso«in Antrag, der die Entmilitarisiening der Be- kleidungsämter verlangt. Im übrigen wird von einer Besprechung abgesehen. Neber die gewerkschaftlichen NnterrichtStnrse berichtet S asse nb a ch« Berlin, daß sie sich vor dem Kriege be währt hätten und jetzt wieder aufgenommen und ausgestaltet werden sollen.— Die Borschläge der Vorständevertreter in dieser Frage werden einstimmig angenommen. Uever die Regelung des L e h r l i n g» w e s e n« berichtet gleichfalls Sassenbach- Berlin: DaS Vorrechts der Innungen solle beseitigt werden. Eine Zentralkommission solle die Grundlätze für das Lehrlingswesen in den einzelnen Beruien die Generalkommission mit ibren Borschlägen sofort an die Regie- rung und die gesetzgebenden.Körperschaften lürantreicn. Di« Neu- regelung müsse, auch die schon abgeschlossenen Lehrverträge erfassen. Die Großsnduftrie müsse gezwungen Vierden, für die Ausbildung der Leljrlinge die nötigen Borkehnuigcii zu treffe». Der Ksuftreß stimmte diesen Borschlägen zu. Nächster BerattingSgegenstand ist der Ausbau der SozialvrrsicherU'ng. Auf Antrag Gtebels wird beschlossen, daß der Kongreß den Ausbau der Sozialversichcrung für dringlich erklärt und di.- Gene ralkomm i ssion beauftragt, durch eine Sachvctftäiibigenkommn'ion Vorsorge dafür zu treffen. Es werden dann zahlreiche Anträge erledigt. Der Kongreß sprach sich für ein Rcichcgcwcrbeami aus und für Kommunalisierimg ter Arbeilerserretariatc. Er fordert Erhöhung der LebenömittelraÄon, restlose Erfassung aller ratio- uierten Lebensmittel und wendet sich gegen die Spekulationen von Grund und Boden. Er fordert weiter, daß bei Betriebsstörungen der Lohn weiter gezahlt wird. Zn stürmischen Auftritten fülwi ein Tie Frage der Entschädigung ist für mich keine Prinzipien-, sondern eine Zweckmäßigkettssrage. Die. Entschädigung muß nach bestimmten Grundsätzen.erfolgen der Mehrheitöfozialisten und NoskeS in schärfster Weise anzugreifen. Angenommen wird einstimmia ein Antrag, der fordert, daß bei der Wiederherstellung des zerstörten Gebiets der privat- kapitalistische Gewinn ausgeschaltet wird. Zu stürmischen Zivi- tritt« u kommt es beim Antrag der Vorständekonferenz, der ver- urteilt, daß Gewerkschaftsmitglieder lediglich wegen der Zugehörig keit zur Reichswehr unter Ausschluß aus der Organisation ihrer erworbeneu Rechte beraubt werben. Dieser Antrag wird gegen die Stimmen der Opposition mit großer Mehrheit angenom- m e n. Eine Euischließung Dißmamis, tvelche gegen tm: Methoden protestiert, die heute augeweisdek werden, um Arbeitseinstellungen proletarischer i-chichten mit Wasfeugewali niederzuwerfen, wird antragsgemäß zur Kenntnis genommen. Namens der ausländischen Delegierten spricht Dome?-Wien s«ne Freude aus. daß der Kongreß die Einigkeit der Gewerkschaften ausrechterhaiteu habe und spricht den Wunsch aus. daß. der nächste , deutsche Gewerkschaftskongreß in Wien abgehalten»erde.(Stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende Reichel hielt da*« eine längere Schlußrede. in der er ebenfalls seine Genugtuung aussprach, daß es gelungen sei, die Einigkeit irotz aller schweren M«! n u n gvb e r schiede nheiten auftecht zu erhalten. Der Redner schließt mit einem Hoch auf die Gewerkschaften und die deutsche Alchetterdeivegmig den 10. Gewcrk- schastSkongretz. » Benchkigimg. In der Siede von Frau Hanna muß es heißen: � Keine besonderen Fraucnveransialtnngcn zu treffen. In der Rede von A. Cohen-Berlin am 4. VerhandlungSiage sind einige sinnentstellende Fehler unterlaufen. ES muß u. a. heißen: Die Unternehmer sind nicht über Nachr zu Verfechtern der Gleichberechligung der Arbeiter geworden, lediglich die Rot hat sie zur Annahme dieser Forderung gezwungen. Dann mußeS heißen: Wenn die Arbeiterschaft ein Kartenhaus ausbauen will, dann empfehle ich ihr. gemäß dem Vorschlag der Opposition zum Räte« shstem zu greisen. Nationalversammlung zu Weimar 47. Siyuug, Sonnabend, den 5. Juli, nach». 2 Uyr. Am SeflicrunaStildie: Dr. P r e u ß. Präfident Frhrcnbach eröffnet die Sitzueg nach 2V» Uhr. Ein- gegangen ist der Gesetzentwurf über die Ratifikation des Friedensvertrages. Das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Siarosson(Sog.) ehrt das HanS in der üblichen Peisc. Die zweite öeratung Ses Verfassungsentwurfs wird fortgesetzt. Tie Bestimmungen über doS Amt deS Reichsprä si- d e n i c n werden entgegen dem Antrage der Unabhängigen aus Streichung angenommen, bis auf Artikel 41, über den später u a ni c n l l i ch abgektinmit wird. Nach dem Artikel 45 schlieft der Reichspräsident Bündnisse und Berträge mit auswärtigen Mächten. Kriegserklärung und Friedens- schluß erfolgen durch Ncichsgesetz. Sobald ein Völkerbund mit dem Ziel de-Z Ausschlusses aller Geheimvcrträge geschlossen ist, be- dürfen alle Verträge mit de» Völkerbundstaaten der Z u st i m m u n g des Reichstages. Abg. Dr. Hciuze sD. Vv-) befürwortet einen Antrag seiner Partei aus andere Formulierung. Wir können doch Bündnisse nicht daran scheitern lassen, dag sie der Zustimmung des Reichstags bc- dürfen, wodurch sie öffentlich gemachr würden. NeichSlomruissar Preuß: Die Komplikalionen, die der Abg. Dr. Hcürze besürchtet. sind praltisch ganz und gar au-Igeschlost'en. Abg. Groeber sZentr.) befürwortet einen Autrag den letzten Absatz betreffend den Völkerbund zu streichen. Da Deutschland nicht in den Völlerbund aufgenommen worden ist, haben w>r kerne Veranlassung, einen Wechsel ans die Zukunft zu ziehen. Abg. Cohn sU. Soz.): Der Antrag Heinze hat die Tendenz die Kriegserklärung zu beschleunigen und zu erleichtern. Im übrigen beantragen wir, in Abiatz 3 zu bestimmen, daß nicht nur Bündnisse Und Verträge mit fremden Staaten, die sich aus Gegen- irände der Reichsgesetzgebung besteben, der Zustimmung des Reichstages bedürfen sollen, sondern alle Bündnisse und Ber- trage mit fremden Staaten. Ans anderen Motiven als der Abg. t-lroeder beantragen auch wir die Streichung des Absatzes velreffend den Völkerbund. Abg. Quarck sSoz.):� Ich bitte, beide Anträge abuilebnen. ES lohnt sich nicht, um einmal volkstümlich zu iprechen, jeden Treck deni ReichSrage vorzulegen und wenn andererseits unsere Feinde der Idee deS Völkerbundes untreu geworden sind und eine Koalition zur Bcrgcwnltigung Europas beschlossen haben sHörtl Hört' rechts), so haben wir eS gewiß nicht nötig, ihnen auf diesem Wege zu folgen. Abg. Dr. v Delbrück lDuat. Vp.): In so kritischen Tagen, wie sie dem Ausbruche eines Krieges vorausgehen würden, muß die Eni- scheidung des Reichstages genügen. Der Antrag HeinzeU. Soz.)- beantragt Streichung auch dieses Artikels. Art. 47 wird nuverändcrt nngenommc». Art. 48 bestimmt, wenn e i n L a n d die ihm nach der Reichs- Verfassung oder den ReichSgeseyen obliegenden Pflichten nicht erfüllt, kann der Reichspräsident es dazu mit Hilfe der bewaffnete» Macht anhalten. Abg.Katzcnstei»(Soz.) begrüitdet einen Antrag, wonach der Reichs- Präsident verpflichket sein soll, unverzügliä, die Genehmigung des Reichstages einzuholen und seine Maßnahmen aufzu- heben, wenn der Reichstag die Genehmigung versagt. Außerdem ioll er seine Maßnahmen nur treffen können unter„Verant- m o r t l i ch k e i t d e S gesamten R e i ch S m i n i st e r i u m S". Staatskommissar Dr. Preuß: Alle diese Kautelen sind eigcnt- tich in der Verfassung schon enthalten. Abg. Dr. Heinze(D. Vp.): Im Wesen der Sache wird durch den Antrag niäits geändert. Wir lehnen ibn ab. Abg. Koch-Kassel(Dem.): Auch wir lehnen den sozialdemokra- tischen Antrag ab. Abg. Dr. Cohn(U. Soz.): Wir bitten also, den ganzen- .'.tilel 4� zu streichen oder wenn er aufrechl erhalten werden sollte, ivelstgsieffiä den Antrag Katzensteiii anzunehmen. Staatskommissar Dr. Preufi: Herr Dr. Cohn widerspricht sich. Vor wenigen Tagen erst bat er eS gerügt, daß wir nicht einen Einheitsstaat durchführen und jetzt legier sich dagegen »iS Zeug, daß auck nur die bundesst aallichen und verfassungsmäßigen Rechte deö Reiäbes gegenüber den Einzelstaaten nötigenfalls durch eine Exekution seitens der Reichs- regicrung sichergestellt werden. Abg. Dr. Cohn(ll. Soz): Unsere Haltung ist ganz einfach. iSlir sind gegen jede M ö g lich k eit eines gewaltsamen Vorgehens einer Regierung. Artikel 48 wird in der Fassung deS AuSschuffcS an- g e n o nr m e n. Das Hans gebt nunmehr zu der gestern ausgesetzten Ab- fiinunuiig über.— Artikel 41 Amt des Reichspräsidenten. Vorher begründet Abg. Dk. v. Schulze-Gävernitz einen Antrag, statt Rcickspräsi- dent zu sagen: Reicks wart.—'Der Antrag wird abgelehnt. Entspreckend dem Antrag S i e h r(Dein.) beschließt das Haus, daß zum Reichspräsidenten wählbar ist, Lieder Deutsche, der das 3.5. Lebensjahr vollendet hat".(Damit entfällt die Formulierung de-Z Entwurfs, wonach der Gewählte mindestens 10 Jahre Deutscher sein ioll und der deuticknationale Antrag, daß der Gewählte als Deutscher geboren sein muß. Die Bestimmung des Entwurfs,„gewählt ist, wer die meisten Stimmen«hält*, wird abgelehnt und damit dem Reichs- g e se y überwiesen. Tie gestern zurückgestellte Abstimmung über Artikel 38, Zeug- „iSverweigcrung der Abgeordneten, ergibt die An- nabme in der vom Abg. Ablaß kDem.t begründeten Formulierung. Nach Artikel 49 kann der Reichspräsident bei Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung unter Verantwortung des gesamten Neichsministeriums mit Hilfe der bewaffneten Macht einschreiten und die zur Wiederherstellung der Sicherheit und Ordnung erforderlichen. Maßnahmen treffen, einem bestimmten Teile auch die Grundrechte außer Kraft setzen. Die Genehmigung des Reichstages ist einzuholen. Die Maßnahmen sind aufzuheben, wenn der Reichs- lag dne Genehmigung versagt.. Die Abg. Frau Agnes tv. Soz.) und Gen. beantragendie Streichung des Artikels. Ein gemeinsamer Antrag der Abg. Deherle(Z.), v. Delbrück (Dnat. Vp.), Haas(Dem) und Heinze(D. Vp.) smlägt eine Formulierung vor. wonach der Reickspräsident die„nötigen Matzuavmcn treffen, und erforderlichenfalls mit Hilfe der blwasineten Macht einschreiten" kann sowie den Zusatz„bei Gefahr im Verzuge kann die Landesregierung für ihr Gebiet einstweilige Maß- nahmen treffen. Tie Maßnahmen sind auf Verlangen des Reicks- Präsidenten außer Kraft zu setzen". Hierzu beantragt Abg. Katzenstein(Soz.) hinter„auf Verlangen des Reichs- Präsidenten" zu setzen..oder des Reichstag es". Abg. Dr. Betierle(Z.) begründet seinen Antrag. Abg. Katzrnstcin(Soz.). Wenn der Reichstag die Maßregeln des Reichspräsidenten für ungültig erklären kann, so geht e S nick: an, eine Ausnahme für Landesregierungen zu schaffen. Abg. Dr. Cohn(II. Soz.). Artikel 49 würde einen Rcchtszu- stand schaffen, der hinter dem von 1848 zurückbleiben würde. Ragierungskommiffar Dr. Prruß: Auck Herr Abg. Dr. Cohn könnte ohne den Belagerungszustand nickt auskommen. DaS haben seine Parteifreunde in Bremen und München und an anderen Stellen hinreichend bewiesen. Dr. Cohn hat sich geradezu zu einem Verfechter der Ilnantastbarkell des Privateigentums aurge- schwungen.(Heiterkeit.) Ich kann ihn beruhigen darüber, daß das Privateigentum nicht ohne Entschädigung angetastet werden wird. Ich glaube, daß nickt einmal ZeitungSdruckercicn behelligt werden. Maschinengewehre, Handgranaten und ähnliches Privateigentum wird allerdings, im Augenvlick weiß ich nicht, oü mit oder ohne Entschädigung, unschädlich gemacht. (Große Heiterkeit.) Die nähere /Regelung des Belagerungszustan- des wird durch ein Zlcichsgesetz, ich nehme an, in ruhigeren Zeiten. erfolgen. Wir würden uns freuen, wenn die Unabhängigen mit uns daran arbeiten würden, den Belagerungszustand überhaupt überflüssig zu machen.(Lebhafter Beifall.) Abg. Graf zu Dohna(D. Vp.) spricht für den Entwurf. Abg. Haas(Dem.) polemisiert gegen Dr. Cohn. Abg. Holl(Soz.i; Die erste Tat der Unabhängigen zur Zeit der Räterepublik in Bayern war die Vcrbängung des BelagerungS- znstandes. Beschlagnahme, Zierhaftungen, VersammIlingFverhotc und Zensurerlasie erfolgten rücksichtsloser als zur Zeit der Reaktion. (Lärm bei den Unabhängigen.) Abg. Kavenstein(Soz.) beantragt, die Worte„und Ordnung" «u streichen, so daß es sich also nur um Maßregeln zur Wieder- Herstellung der öffentlichen Sicherheit handelt. Gewalianwen- düngen muß nun einmal durch Gewalt vorgebeugt werden. Wer llich dagegen erklärt, gleicht den Brandstistern, die nach der Feuer- Iwehr schreien.(Bcffall.) Nachdem Llbg. Dr. von Delbrück(Dnat. Vp.) den Antrag der Unabhchigigen bekämpft hat. wendet sich Minister Heine gegen den Antrag Katzenstein. Dadurch wird der Inhaber der vollziehenden Gewalt verbindert werden, wirtschaftliche Maßregeln, wie z. B. die Festsetzung von Höchstpreisen, zu treffen. Abg. Dr. Cohn(U. Soz.): Ich gebe zu, daß in gewissen Rot» Klständen besondere Anordnungen zur Gewährleistung der öffent- lichen Sicherheit getroffen werden müssen, man soll aber diesen Zweck nickt erreichen mit den ans dem alten Belagcrungszustalids- gesetz übernommenen Mitteln. Artikel 49 wird in der Fassuiig des gemeinsamen Antrages an- genominen, der Antrag auf Streichung des Wortes„Ordnung" wird abgelehnt. Artikel 51(Gegenzeichnung), 32 �Vertretung des Reichspräsi- denten), 53(Reichsrsgierung) werden debattelos angenommen. Zu Artikel 34 und 55 entstand noch eine kurze Erörterung über die Befugnis des Reichspräsidenten bezüglich der Wahl de» Reichskanzlers und der Rcichsminister. Auch dieser Artikel wurde in der Fassung des Ausschusses a n g e- nommen. ebenso weitere Artikel, die den Abschnitt„Reichs- rat" betreffen. Hier wurde ein Antrag der Unabhängigen abge- lehnt, den ganzen Abschnitt zu streichen und dafür als Artikel 61 zu sagen, daß jedes deutsche Land zur Vertretung bei der Gesetzgebung und Verwaltung des Reiches mnidestens 1 oder höchstens 3 Mi.glieder seiner Regierung zur Reichsregiecung abordnet. Ar- tikel 62 und 64 bezüglich des Stimmenverhältnisses im Reichsrat sollen erst später im Zusammenhang mit dem zurückgestellten Ar- tikel 48 beraten werden. Nachdem Abg. Kock-Cassel(Demi) über den fünften Abschnitt (Reichsgesetzgebung) referiert lx'.t, verlangt Abg. Dr. Cohn ül. Soz.), daß Artikel 162 mit den Bestimmungen über das Rätcsystcm zu- sammeu mit Artikel 69 beraten werde. Da Dr. Cohn in längerer Geschäftsordnungödebotte auf allen Seiten Widerspruch erfährt, be- zweifelt er die Beschlußfähigkeit des Hauses. Präsident Fchrenbach bricht infosge-desien die Verhandlungen ab und vertagt die Weiterberatung aus Montag 2 Uhr. Schluß 7 Uhr._ �gitationskonserenz öec S. p« D. f Tic Betricbsagitation. ick referierte über das Thema„Unsere Agita- tion iu den Betrieben". Unsere Genossen, die bisher viel zu zaghaft waren, beginnen nach den vielen Streiks >n den letzten Wochen ebenfalls energischer aufzutmen. Die zu- liinftige Agitalion könne nicht nur durch den Vertrieb von Flug- bläilern und Broschüren eine genügende Wirkung erzielen, sondern es müßte eine rege Versammlungstäligkeit Platz greifen und beionderö die Berliner Abgeordnete» als Redner austreten. Allgemeine Betriebs- Versammlungen seien nickt empfehlenswert, da es auf diesen Ver- sammlungeir nur zu öoen Radauszenen kommen würde. Es müßten Betriebsversammlungen aller auf dem Boden der«. P. D. Stehenden einbelufen werden. Der Redner spricht dann über den Bcrkehrsstreik. In einzelnen Betrieben sei versuch: worden, für einen Sympathiestreik Propaganda zu machen, aber da unsere Genossen fest geblieben sind, hat diese Propaganda keinen Erfolg gehabt.— Selbstverständlich sei es auch, daß die Flugblätteragitation im ausgiebigsten Maße betrieben wird. Das jetzt herausgegebene Flugblatt habe nach übereinstimmenden Berichten eine sehr gün- stige Wirkung gehabt.(Wie auch das Toben der Verleumder beweist. Red.) Lüdemann: Die wichtigste Ausgabe ist de: Ausbau unserer Betriebsorganisation. Es sei in der letzten Zeit schon viel ge- schehen, um unsere Stellung in den Betrieben zu stärken.— Seybella: Unsere Kollegen in den Betrieben haben oft nicht den Mut, ihre Meinung zu vertreten. ES müßte auch die Flug- blätterverbreitung besser klappen.— K u n o: Unsere 5kollegen lassen sich von den radikalen Schreiern zu leicht beeiuslussen. Der Redner empfiehlt große öffentliche Versammlungen für ein- zelne Braucken. In den Betriebsversammlungen sei' es unseren Genossen schwer gemacht, zu reden, da sie dann unter dem Terrorismus der Unabhängigen und Kommunisten zu leiden hätten und schließlich ganz aus dem Betriebe herausgeekelt würden. Wenn man den Straßenbahnern deutlich erklärt hätte, was die Kommunalisierung bedeutet, so wäre vielleicht ein AuS- stand vermiedea worden. Joseph(Vertr. d. Jugend) spricht über die Betriebsorgani- sation unter der Jugend. Es würde der Verein Arbeiterjugend häufig noch mit der koinnl unistischen„Freien Jugend" verwechselt. Unsere BetricSsvcrtraucnklcüle müßten auch für BetriebSversamm- lungen der Jugend sorgen und Flugblätter und Frogezettel für eine WirtschaftSstatistit verteilt werden.— Hansen(Eisenbahner) führt aus, daß gerade die größten Schreier und Schmarotzer, die früher der Arbeiterschaft in den Rücken gefallen sind, jetzt b e i der U. S, P. sind. Die Eisenbahner bedürsten sehr der Auf- 'klärung über den Sozialismus.— Klein: Bei der Organisation müßte mehr Rücksicht auf das Land genommen werden. Die Per- trauensleute müßten besser mit Agiiationsmaterial versorgt wer- den.— Die übrigen Redner polemisieren gegen die Unabhängigen und den Verkehrsstreik und schließen sich den Ausführungen Wuschicks an.— B r o l a t meint, die Regierung finde oft nickt den richtigen Ton für die Masse. Weiter wurde lebhafte Klage über die Lauheit der Genossen geführt. Selbst in den Betrieben, in denen die Mehrheit auf unserem Boden steht, melde sich in der Diskussion niemand zum Wort, währno von der II. S. P. D. und K. P. stets Redner vor- Händen seien. Es wird des weiteren verlangt, Flugblätter heraus- zugeben, die Tatsachenmaterial enthalten und nicht nur Schlag- Wörter. Kamen polemisiert gegei: die Aussübrungen Wuschicks und gegen das herausgegebene Flugblatt und ruft damit den leo- haflen Widerspruch der Konferenz hervor. Lüdemann stellt das Er- gebnis der Konferenz zusammen und ruft die Genossen zur cne.r- gischen Unterstützung auf. Wir wollen in erster Linie die Betriebe, in denen wir die Mehrheit haben,' bearbeiten und dann wird man an die anderen Betriebe Herangehen. Wenn uns alle Gcnpssca unterstützen, so werden wir wieder festen Fuß in den Betrieben fassen. Soziales. Die verwaltuag öer �ngestelltenversicherung. Unter Hinweis auf die iu Aussicht stehende Reform der An- gestelltenvenicherung wird von fachkundiger Seite gefordert, daß die viel zu umständliche und deshalb viel zu teure Verwaltung der?ln- gestellteiiversicherung vereinfacht und verbilligt werde. Zur Begrün- düng dieser Forderung wird angeführt: Die Verwaltung«forderte im Jahre 1917 eine Ausgabe von 7 2 Millionen Mark. Das sind 5.6 Proz. der Jahreseiiinahme, die sich auf 127,6 Millionen Mark belief. Die LandesversicherungSalistallei?(Alters- und Jnvalidiiäts- versicherung der Arbeiter) haben eine Jahreseinnhme von 225 9 Millionen Mark, wovon 26.1 Millionen Mark für Verwaltungskosten verbraucht werden. Das sind z ar 11.4 Prozent der Jabres- einnähme, aber trotzdem arbeitet die Verwaltung der Invaliden- Versicherung billiger als die der Angesielltenversicherling. denn in dieser ist der Jahresbeitrag des einzelnen Versickerten im allgemeinen etwa sechsmal so hock als in der Jnvalidenversiche- rniig. In der letzteren verteilen fick die Verwoltungskosten also auf'eine sechsmal so große Personenzahl als in der Aitgenelllen- versickerung. Berwaltung-karbeit und VerwalrungSkosten find ja nicht abhängig von der Höhe des Beitrags, den der einzelne Ver- sickerte leistet,'ondern von der Zahl der Versicherlen; denn für jeden derselben ist dock der glcicke Auswand von Vcrwallungsarbeit zu leisten. Wenn in der Angesiellrenversicherung die gleicken Bei- träae wie in der Ji'validenversichcruug erhoben würden, dann würde sick der Prozentsatz der Leilvaltungskosten sechsmal so hoch stellen wie jetzt, er würde also 33.6 Proz. der Einnahmen ausmachen. Die Verwaltung der Angestelltenversicherung arbeitet demnach dreimal so leuer wie die Verwaliuirg der Invalidenversicherung. Der Grund für dieses Mißverhältnis liegt darin, daß die Verwaltung der In- validenversicherung mit dem System der Klcbekarten, die von den LandesversicherungSanstalten nur aufbewahrt werden, wesentlich ein- facker ist als die Verwalinng der Angestellieuversicheruirg. die darauf beruht, daß für jeden Versicherten ein Konto geführt wird, das eine umständliche Buchführung erfordert. Nach dem Ansteigen der Ber- wallungSkosieu in der letzten Zeit'st anzunehmen, daß die An- gestclltenversicherung il: abiebbacer Zeil 15 bis 20 Proz. ibrcr Ein- nahnien für VerwaltungSkosten verbrauchen wird. Unter diesen Umständen würden alio, wenn die Beiträge der Angestelllenoer- sickerung»iwl höher wären wie die Jnvalideiiversichcrung die ganzen Einnahmen ifir Verwallmigskosteii dranfgeben. So darr e» natürlich nicht weitergeben. Es muß ein Weh ge- funden werden, aus dem die umständliche und kostspielige Per- waltung der Angestelltenversicherung vereiniacht und verbilligt wni>. Es Ivird vorgeschlagen, die Angestelltenversicherung mit der Kran n- Versicherung derart zu verbinden, daß die Kranlenkasien die Pci- träge der Aligcstcllienversichernng einziehen und die örtlicke» Be-- waltlingsarbeiten so weit wie möglich erledigen. Dadurch wü.de der Relchsversickerungsanstalt für Angestellte ein erheblickcr Ten der Arbeilen abgenommen, das ganze Verwaltlings'yNeni ver- cinfacht, und viele Millionen Mark, die jetzt jür die Lcrlvanui'g draufgehen, den Versicherten zugute kommen. Tuberkulose Lazarettinsassen und Heilbehandlung. Von Lazarettinsassen aus Bad Lipvspringe erhalten wir in Ergänzung unserer unter obiger lleberschrift in der AuSgabc vom 1. Juli veröffentlichten Notiz folgende Zuschrift: „Halbe Hilfe ist es, wenn die MilitäAierwallung Maßnahmen trifft, um den lungenkranken Kriegsbeschädigten zu einem Heilverfahren zu ttrhelsen, ohne daß sie zugleich Sorge trägt, daß die Verpflegung während des Heilverfahrens eine ausreichende ist. Denn ein Heilverfahren hat absolut keinen Zweck, wenn es mit einer Hungerkur verbunden ist. Hungerkuren werden aber heute in fast allen M ili tsirlungenhci la ustalten gemacht. In Lippspringe, wo sich etwa 400 lungenkranke Kriegsbeschädigte aufhalten, ist die Belieferung mir Lebeiismttteln durch die Militär-Jntendantur 7. U.-K. Münster eine so ungenügende, daß viele Pensionsinhaber mit dem Gedanken umgehen, ihre Pensionen zu schließen, weil sie nicht wissen, was sie den Soldaten vorsetzen sollen. Alle Eingaben, um eine bessere Belieferung Herbeizuführen, waren bisher zweck- los. Von ausländischem Lebensmitteln haben-die Soldaten noch nichts gesehen. Daß unter diesen Umständen Gewichtsabnahmen bis zu 10 Pfund an der Tagesordnung sind, ist nicht zu verwun- dein. Es soll nicht verkannt werden, daß die allgemeinen Verhältnisse außerordentlich schwierig sind; aber so schlecht sie auck sein mögen, das Verhalten der Militär-Jnrendantur 7. A-K. recht- fertigen sie nicht. Hier wird nicht das Möglichste getan, um die lungenkranken Kriegsbeschädigten erwerbsfähig zu machen." Theater öer Woche. Wochen iviolpl»» Settince«ih-rn. Deutsche« Operuhau«: S. noch-n. ,L'- fleunetbaeoit", 13. nachm.„(jibelio", 6., 10., 12., 14., 16.„Uiefloni", 7.„Cavcl- leria natio.ma",„Schwätzerin von Earagora". o», 15., 17.„Fledermaus", 8., 11- „ftiacuneebaton", 13.„FibeUo*.— Urania: G., 8-, 12.«Bon bot kuqsvitzo zum Batzmann", 9.„Bon Kopentzogen nach Stockholm", 13.„Die Insel Ritzen". Täglich. Bollsbiihne:„Der heilige Florian".— Deutsches Theater:..Auch ich war ein Zitngling".—«ommelsgiete:„Weib und Hampelmann".— Äleiue» Echausviclhau«:„Die Biichse der Pandora".— Lessing. Theater:„Char. leys Tante".— Drnischcs?.üustlcrtheater:„Die Rutschbahn".— Theater in der Aäniogrätzer Straße:.Der Hiiuvtling".— ÄomSdienhau»:„Liselott von der Pfalz".— Berliner Tb-ater:„Die tolle Äomtetz".— Theater dr» Bestens: „Geisha".— Trianon-Theater:„Der gute Ruf".— Refideuz-Tbeater:„Da« höhere Leben".— geutraitheater:„Die Schönste von allen".— Friedrich-W>I- he!v, städtisches Theater:.Der Sias".—«leine, Theater:„Unterm Baum der Erkenntnis".—«omikche Oper:„Schwarzwaldmädel".— Lustspielhau«:„vo ein Mädel".— Meteopoitheater:..Die Faschingsfee".— Reue, Operettenhau«: „Die Dame vom Zirkus".— Pslasttheater:„Talisman".— Schiller-Theater: „Alt-Heidelberg".— Th-lia-The-icr:„Jungfer Sonnenschein".— Theater am Rollendorsplatz:„Die Puppe".— Theater der Friedrichstadt: 3 Einakter.— Wallner-Theoter:„Das» setz".— Luisen. Theater:„Wenn Frauen lieben".— Walhallo-Theaicr:„Die Frau oes DeblUanten".— Roi«. Theater:„Ehrurlaub", ab U>.„O schöne Zeit, o selige Zeit".— Nationaltheater:„Familie Hannemnn". Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reicksbund der Kriegsbeschädigten. KriegSteiluebmer und Kricgshiliterbüebencu. Bezirk S, Rord-Ost. Bezirksversammlung Di-nStag",8 Uhr Ilnion-Feilmle. GreisSwaider Str. 222.—- Bezirk Charlottenburg. Sonntag Oft, Nbr VolkShauS, Rofinenstr. 4. kl. Saal: B e z i r k S v e r i a m m I u ii g: Rejeiat deS Kam. Gerlach aus Düffel- dort über:„Wir KriegSbeschädigle und Hinterbliebene und der Frieden." Diskussion.— Mitgliedskarte legitimiert.— Sozialdemokratischer Aerzteverein. Sitzung morgen Montag, abends 7 Uhr, im Herren- haus, Leipziger Str. 3. Zimmer 20. 1. Rcsorm oeS med. Unterrichts. 2. Uebernadme der Schulzahnvilege durch die Stadt Berlin. 2. Schul- arztjrage»(Haupt- oder nebenamlliche Aerzte). Gäste willkommen. I/essUig-Tlieater !onimerspieIz.: H. Sterr.berg. Oastipie! Guido Thielscber: f Lnr: Cfiarlejs Tante. l>eutsclit'S Künstler- Theater. 8 Uhr; rtat Adalbert u. Kurt Götz in: r>ic Butscbbahn. deutsches Theater. 7'/. Uhr: lüch ich war ein Jüngling... (Schwank). Kajuiucrsi>lclc. Allabendlich S Uhr: I topoldinc Konrtaniin in Jas Weib u. der Hampelmann. Theater des Westens Allabendlich V'/sUhr- v.ja Werber und Hans Wass- mHan in Die Geisha. Theater i. d. üüniggrätzerStraSe ,-ß Uhr: Der Häuptling;. Komodieatiäus ucie Höflich u. Ludw. Hartau : Llselott von der Pfalz. Berliner Theater -r: Uhr; Die tolle Komtess. Centrai-Theater Kommandantcnsiralie 37. Die Se!iönslE?on Allen. flentsehes Opernhaus - Lhr: Tiefland. Frieör.-WiBlnist. Hieater z Uhr: Der Blas. �u. Kleines Theater. z. Uhr: Johannisfeuer. T'/j Uhr: Unterm Saume der Erkenntnis Komische Oper Jhr; Scöwarzwalösnääel. Lustspielhans r*', uhr; So ein Mädel. Metropol-Theater. j uhr 20: Die Fascliingsfee. tteucs Operettenhaus. -v. aDleDamevomZirkiis. I'alast-Theater p/auhr:WelnEnile&hen. Dpcr. in 3 Akt. v. R, Danziger. ■ichiller-Theat. Charl. vi- uhr: Alt-HeifielliErg. Thalia-Theater �uJunglerSoraerÄin Tli. nm Xollendorfplat* Z»/z U.: Drei alte Schachteln. : Uhr; DIB PBPPe. Theater d. Frledrichstadt < Uhr; So eine Frechheit. Versicherung gegen Einbruch. Ein Polterabend. VTallner-Tlicater ;■/, uhr: Das Gesetz� Voigt»Theater Sotflta.jc 53. 71/. Uhr: Arühlingstuft. Vorher; Vcrielö-VoTsteNun?. ckrüffiiung 3 Uhr. Ansang 5 Uhr. I:t>. M.ittw., ebb.,(gönnt: Voll. Theater a. Kollbas.tor MlabenJIiCii 7 Vj Uhr SUte-Sänser ä-ä., y ehem. Mit I. der Stetliner Sänger Humor. Spielplan Sommerrrcise! Biiitligeo-XoazEit Relete(iaü.-Tl»at8r Sastspir! b.berühmtrn - Tresdener Victoria-Säni;. WW« Völlig neues Ii A\S-1 Programm. �t/. aibl.. z«Bieber- auftreten b.Stettincr Sänger. APOLLO 1 tTiedrithstraße 218 1 Dir.; James Klein iru irsss r/i Letzter Gastspiel-Monat der Oeselischaft Anton ffi mit der neuesten Schlager-Burleske Nur nicht i i schießenl J Vorh. Spezialitäten! I kSonnt.3Vsjd. 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Aombbie in 3 Akten von Paul TtpcL 4 fjauclbarftcltet: Sugo Sauer, Mathilde Brandl, Emst Dernburg. Grete Diercko, Ateianber Ekeri. Bruno Horpredst, Rudolf Jünger, Frieda Lehn» dorff, Marie Lur, Woltgang Reff, Emst Prodi, Otto Sdiillcr, Renihold Sd)iinzef, Heinz Etieda. tmi Elroß-Berlin. Achtung! 71/2 Voranzeige I Am Sonnabend, den 9. August, findet im Etablissem. Schloß Scbönhoiz unser diesjährig. Sommerfest unter Mitwirkung des Arbeitcrgesangvcreins NAMENLOS und erster Künstler statt. Eintritt 1,50 M., Kinder unter 14 Jahren frei! ElnlaBkarten sind tür Mitglieder bei allen Funktionären in allen Sitzungen und im Verbandshurcau Münzstr. 20, zu haben. Reederei Kahnt 4 Hertzer, iäÄf WaisEDliriicke. J.Toben Millmoch 1»... Z Tornawsk i und S-onniug t-ihr. f � f Vampler-Extra- fahrten ab National-Theater 8 I hr 8 Uhr Stürmischer Erfolg! Familie Hannemann. ri Koppenstraße 29. Dir. J. Werner. 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In sctimerzlicher Anteilnahme steht das Staatwninisterium an der Bahre dieses seines ausgezeichneten Mitglieles, dessen Arbeij lür das mecklenburgische Volk durch ein hartes Geschick ein nur allzu frühes Ende bereitet ist. Sein Name wird in Ehren fortleben, Sc werin, den 4. Juli 1919. MeekirahDpg-SchwEnnisE!i.Staätsffllii!S{erliiin. Dr. Wendorff. Deihloff. Henck. Sivkovich. gegen umuenaenscne Georg Fromberg sowie an Unserer Gei zur Auszahllng. Die aut 12% festgesetzte Dividende gelangt sofort gegen Dividendenschein Nr. 33 bei dem Bankhause & Co.. Berlin, Jägerstr, 9, jesetlschaitskasse, KaiserstraBe 41, hg. Berlin, den gl. Juni 1919. Berliner Speditions- and Lagerhaas-A, G. (vormals Barte& Co.) Der Vorstand: Mni Fiedler. Siegfried Joachim. Oerband der Galtwlrts* gebilfen, Oerwaltungs* helle GroB'Berlin. Durch einen tödlichen Unglücksfall Haben wir unser Mitglied, den Tafd- tellner Karl Dietscher verloren. Die Einäscherung findet am Mittwoch, den g. Juli, vormtttago IS Uhr, im Krematorium Serichtstrasjc statt. Um rege Teilnahme ersucht 80/11 Sektion III. Kranzspenden nicht er- üirpiis heff et als beim Schnei- dermeister Lesser, A.Ja kohlt. RS VelMWMllg. Vom 1. Juli i>. Z. nb werden die Ortschaften Zehlendors Gemeinde und Gut von der Zweigstelle Wandlitz abgetrennt und der Zweigstelle Liebenwalde überwiese», desgleichen werden die Ortschaften Summt Gut, Schönfließ Gemeinde und Gut von der Zweigstelle Birkenwerder abgetrennt und der Zweigstelle Mühienbecf zugeteilt. . Ortskranketee kiEderiiarniffl. � Petzoll, Vorfitzender. M Schreib > malchllien SM last j-" M grö». ■3 versai mm MÄ B Ein wohlschmeckendes und leichtverdauliches Nährmittel aus Eigelb und Milch gewonnen ist Dr. ffoffbaner's(ges. gesch.) LECITHIN c EIWEISS (5% Eigelb-Nervstoff und 95% Milcheiweiß enthaltend). Ceberraiichcnde Erfolge bei all- gcmelaer KUrperHcliwüche, Unter erndlirnng,.Nervosität, Blatarmnt. 100 Gramm 0,50,>/, Fkd. IS, 50, 1 Pfd. 30,- Mark. 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Tagesordnung: Die jetzige! ge inf Verband und was lehrt nns der letzte Streik? Soz. Aljlgliedsbuch legitimiert. 04/1» ?MiM. ZllWOMM. SM. NWlll Nil SsnsMuisel! Dienstag, den 8. Juli, abends 8 Uhr: Außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Abstimmung über unseren Tarifvertrag. 204/13 Nur Mitglieder haben Zutritt. lAninahme neuer Mitglieder erfolgt im Vorraum.) SeslsSel UWssotMiler-miib. Die Bezirlsleiwng i/z fi-Boriin. NklmmKlilillsMiligM »ludscheidskruhe 29 IL Ortsgruppe deS MicterbundeS Groß- Berlin E.?. Mittwoch, den 9. Juli, abends 8 Uhr, in der Aula des Schiller-Realgym. hier, Schillerstr. Zß: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: l. BereinsangelegcNheiten. 2. Bortrag über Groststadt-Siedlunge» mit Lichtbildern. Gäste wiMommen. 204 12 See Borffanö. Dr. Kfinkel. Lu-üSsMsmSmMMe! Sämtliche Sicheltet, Sieheltetinnen und«ngeflellken haben sich mit Jnoaliüciifaclc, feefe am Montag, de» 7. Juli cr uuliventuete. Erwerbsloien. Stempel. g, de» 7. 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Pic- Solbstw aachkrajen G. m. b. H. Berlin, Weinmeistersttaße S, 8/1 3 Treppen. Nr. 340 ❖ 30. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts Sonntag, O.Iull?974 GroKSerün Sckwarz-weiß-rot. Sie greinen um ihre Fahne, die Herren von rechts. Wollen nicht enden das Gekrächz von ihrem Wahne, an dem Millionen verblutet sind. Wind, nichts als Wind! Sie greinen um ihren Kaiser, den starken Mann mit dem Habyschnauzer, den Berfasiungsschmeißer. der sonst nichts kann. Der einst davonlief wie ein Kind. Wind, nichts als Wind! Sie greinen um ihren ewigen Jungen, den Festedruffprinzen Fritz; der wird von Tante Klio besungen als weltgeschichtlicker Treppenwitz, als Heldeniatzke hinterm Spind— Wind, nichts als Wind! Sie greinen um Orden- und Treffenschwindel, um den Hokuspokus der Macht, für den das Gesindel eine ganze Welt inS Elend gebracht. Weh uns, daff wir ihre Opfer find. Wind, nichts als Wind! Nieder mit ihren Farben, nieder mit schwarz-weiff-rot! Sollen sie, die uns verdarben, Steine gaben statt Brot, wieder die Herren sein— wir das Gesind? Wind, nichts als Wind! _ P a u I ch e n. FenfrMreMeitung über verkehrssireik. B. S. Sonnabend nachmittag fand aufVeranlassung der Zen- tralstreikleitung im großen Saal des Ge>r»erkschaftshauscs eine ziemlich gut besuchte Versammlung der Büroangestellten der Vcr- kchrsgcsellschaften statt. Den Kernpunkt der Verhandlungen bildete die Wiederausnahme der Arbeit in den Büros der Großen Berliner Straßenbahn, die aufs schärfste bekämpft wurde. Einige Redner verlangten, daß man verstärkte Streikposten aufstelle, um die Büro- bramien fernzuhalten. Besonders scharfe Angriffe wurden gegen den Syndikus Dr. Moser und gegen die Angestellten in gehobener Stellung erhoben. Ein Vertreter des Bundes der technischen An- gestellien und Beamten erklärte, daß das notwendige Zusammen- arberten zwischen Angestellten und Arbeitern gefehlt habe. Der Oünlonn der Angestellten der städtischen Straßenbahnen erklärte, daß diese solange den Streik durchhalten werden, bis das Fahr- perlonol zum Abbruch aufruft. Ein Mitglied der Zentralstreik- leitung wies darauf hin, daß der Berkehrsstreik unter keinen Um- ständen mehr lange dauern könne, dazu sei die Kalamität zu groß geworden, unter ihr leide nicht nur die Arbeiterschaft, sondern das gesamte werktätige Leben in Groß-Berlin. Da Kapital zu Kapital bcr'Ai, werden die Unternehmer schon noch einen Druck auf die Direktionen ausüben, damit diese den Straßenbahnern entgegen- kommen und so der Streik abgebrochen werde. Die Zentralstreil- leitung wolle gern die Hand zum Frieden bieten» sie ist zu Ver- Handlungen bereit, aber man könne von ihnen als langjährige Ge- werkschaftler nicht verlangen, daß vor den Verhandlungen die Arbeit aufgenommen werde. Eher würde die Streikleitung ab- treten. Die von Baurat Otto über den Verlauf der Verhandlungen in der Presse verbreitete- Darstellung sei unrichtig. Die Straßen- bahn ha»: nn ersten halben Jahr 1919, nach den Berichten der Presse, einen Ueberschuß von 12 Millionen erzielt. Davon vex- langen die Streikenden lOVs Millionen, so daß den Aktionären und der Direktion noch 1V2 Million verbleiben würde. Die gefor- Herten 799 Mark seien nicht für die kommende Zeit, sondern für die verflossene verlangt worden. Mancher Straßenbahner, der aus dem Felde gekommen sei, trage kein.fremd auf dem Leibe. Der Reoncr appellierte schließlich an das- Solidaritätsgefühl der Büro- angestellten. Die Llufstcllung von Streikposten sei aus praktischen Gründen heute nicht möglich gewesen, da man sonst mit Zusammen- stützen mit der„Noskc-G-arde" zu rechnen hätte. Die Streikleitung befinde sich da in einer Zwickmühle und wisse nicht, was sie machen solle. Sie habe bisher versucht, den Militarismus auszuschalten und daher die Ausführung von Notstandsarbeiten erlaubt. Einstimmig wurde eine Entschließung angenommen, welche das Verhalten eines Teils der Angestellten verurteilt. Die Versam- melten sind entschlossen, den gemeinsam angefangenen Kampf ge- schlössen zu Ende zu führen; ferner nehmen die Versammelten an, daß die gesamten Büroangestellten der Straßenbahn zu dem in der vorhergehenden Versammlung gefaßten Beschlutz erneut Stellung nehmen werden. * Der Arbeitgeber-Berband der deutschen Straßenbahnen, Klein- bahnen und Privatbahncn wendet sich gegen ein Flugblatt der Zen- tralstreikleitung und führt dabei aus: Schuld an dem llruft des Hauptausschusses sind nicht, wie das Flugblatt behauptet die Arbeit- geber, sondern der paritätisch besetzte Hauptausschuß hat ein- stimmig, also auch mit den Stimmen der Avbeitnekmervertretcr das Urteil gefällt. Der Tarifvertrag bezeichnet das Urteil des Haupt- ausschusses als endgültig und bindend; nichtsdestoweniger setzten sich die Arbeitnehmer über dieses Urteil hinweg und traten in den Ausstand. » Die„Kremser" sind nach einer Persönlichkeit genannt, welche sich vor 199 Jahren in Preußen großen Ansehens erfreute, nach dem Kgl. Kricgskommissar Kremser. Im Jahre 1396 hatte dieser, im persönlichen Dienste Blüchers stehend, die Kriegskasse aus Feindeshand errettet. Auch während der BefreiungSlriege war Kremier beständig an Blüchers Seiie, der ihm u. a. auch den Rück- transporl der Victoria des Brandenburger Tors von Paris nach Berlin übertrug. DieS erhöhte die Popularität Kremsers beträcht- lich. Im Jahre 1825 war Kremser in mißliche Umstände geraten und versuchte mit dem Rest seines Vermögens, einen Omnibus« betrieb einzurichten. Er bekam die Konzession,.ganz allein söge- nannte Omnibusse am Brandenburger Tor aufzustellen". Diese so- genannten Omnibusse erhielten sehr bald den Namen„Kremser". Tic Tyiederaufnahme des Ringbahnverkehrs. Die Eisenbahndirektion beabsichtigt, am Dienstag den Betrieb auf der Ringbahn und bald darauf auch auf der Stadtbahn, wieder aufzunehmen. »■* Aerztcmangel in der Charit� ist infolge des Verkehrsstreiks eingetreten und hat die Schließung einer Anzahl Abteilungen zur Folge gehabt, rn der Hauptsache Ab- teilungen für Nervenmassage, jedoch können auch nicht alle Hilfs- bedürftigen abgefertigt werden, die die Chirurgische Abteilung auf- suchen wollen. Die Versorgung der im Hause selbst untergebrachten Kranken scheint gesichert, doch ist wiederholt die Beobachtung ge- macht worden, daß sogar Mütter mit ihren der ärziliwen Hilfe b?« dürftigen Kindern unverrichUier Sache wieder nach Hause zurück- kehren mußten. * Infolge des BerkehrSstreiks ist auch die Postbestellung so er- schwert, daß zahlreiche Einsendungen zu spät eintreffen. Selbstver- ständlich entzieht auch die Streikberichterstatlung anderen allgemein wichtigen Dingen den Platz. Tie Z?erienspiele. Vom 7. Juli bis einschließlich 9. August, 9 bis 12, Z bis 7 Uhr, Bewegungsspiele für Schulkinder: 1. Gneisenaustr. 7(49., 91. und 191. Gerne mdeschule).— 2. Am Urban(Spielplatzl.— 3. Skalitzer Str. 55/B6(115. und 237. Gemeindeschule).— 4. Köpenicker Sir. 125(29. Gemcindeschule).— 5. Blumenstr. 77(V. Hilfsschule).— 6. Peier-Äburger Str. 4(3. und 203. Gemeindeschule).— 7. Krautstr. 43(38. Gemeindeschule).— 8. Heinersdorfer Str. 13 (58. und 95. Gemeinde schule).— 9. Koppenplatz 12(1. Gemeindeschule).— 10. Kastanien-Allee 81/82(15. und 171. Gemeindeschule). — 11. An der einsamen Pappel(Spielplatz).— 12. Stralsunder Str. 54 und Bernauer Str. 89/99(35., 61. und 140. Gemeindeschule).— 13. Wiesenstr. 52/54(Spielplatz).— 14. Bremer Str. 22/32(Spielplatz).— 15. Ecke Katzbach-, und Dreibundstcaße (Spielplatz). Vom 7. Juli bis 9. August außerdem im Grunewald(auf dem Spiclgelände des Ausschusses der vier Berliner Turngaue), in-Buch, Blaukenfelde I und II, Wartenberg, Hohenschönhausen(Sommer- straße), im Plänterwald lTreptow) und in der Wuhlheide Werktag- lich Feri en s p i el e. Sammelpunkte für die Kinder die Schul- Höfe: I. Für Grunewald: 1. Stephanstr. 27, 2. Bremer Str. 13/17, 3. Turmstr. 75, 4. Alt-Moabit 23, 5. Levetzowstr. 25, 6. Derfflingerstr. 18a, 7. Culmstr. 15. II. Für Buch: 1. Kesselftr. 3/4, 2. Gartenstr. 197. 3. Acker- straße 97, 4. Puibuser Str. 3. 5. Schulstr. 99/100, 6. Pankstr. 29/22, 7. Müllerstr. 158/159. III. Für Alanken fei de l: 1. Zehden-.cker Str. 17/18, 2. Prenzlauer Allee 227/228, 3. Christburger Str. 14, 4. Scnefelder- straße 6/7. 5. Greifcnhagener Str. 26, 6. Sonnenburger Str. 21. IV. Für Blankenfelde II: 1. Gipsstr. 23a. 2. Stral- sunder Str. 54, 3. Christianiastr. 36/39, 4. Prinzen-Allee 3, 5. Driesener Str. 22, 6. Oderberger Str. 57/59. V. FürWartenberg:!. Bromberger Str. 13/14, 2. Große Frankfurier Str. 23, 3. Friedenstr. 31, 4. Stratzmannstr. 6, 5. Petersburger Sir. 4. 6. Zellestr. 12. VI. Für Hohenschönhausen(Sommer straße): 1. Pasteurstr. 5, 2. Olivaerstr. 19, 3. Haus-burgstr. 29, 4. Petten-. koferstraße 29/24. VII. Für Plänterwald: 1. Görlitzer Str. 51, 2. Alte Jakobstraße 127, 3. Gneisenaustr. 7. 4. Wilmsstr. 19. 5. Britzer Straße 17/18, 6. �ieichenberger Sir. 131/132, 7. Nagelerstr. 3. VIII. Für Wuhlheide: 1. Kleine Frankfurter Str. 6, 2. Mariannenufer la, 3. Köpenicker Str. 125, 4. Marlusstr. 49, 5. Langestr. 76, 6. Mcmeler Str. 24/25. Die Schulkinder müssen sich an den Spieltagen bis spätestens 1% Uhr vormittags auf einem Sammelhofe einfinden. Jedes Kind hat mindestens 29 Pfennige als Beitrag zur Fahrt nach dem Außen- spielplatz und die nötige Zehrung mitzubringen. Die über 19 Jahre alten Kinder, die nach Buch und Wartenberg hinausbefördert werden wollen, haben als Fahrtbeiirag mindestens 39 Pfennige zu entrichten. Wenn mehrere Kinder derselben Familie diesen Außen- spielplatz besuchen, ist der Oberleiter ermächtigt, 30 Pfennige, 20 Pfennige und 10 Pfennige Fahrtbeitrag zu nehmen. Bei den übrigen Außenspielplätzen soll das dritte und weitere Kind derselben Familie unentgeltlich hinausgeführt werden. Der Besuch des Platzes in Hohenschönhausen an der Sommer- straße ist für alle Kinder völlig kostenfrei, da dieser Platz von den vier Sammelstellen aus zu Fuß erreicht wird. Trinkgeschirr aus Glas oder Porzellan darf von den Kindern in keinem Falle mit- gebracht werden.... Für den Erholungsaufenthalt sind die fünf ent- fernter gelegenen Plätze Blankenfelde I und ll. Buch, Wartenberg und Wuhlkstide in Aussicht genommen. Dorthin sollen in der Ze-.t vom 11. August bis 6. September an den Wochenragen gesundheii- lich gefährdete, schwächliche Kinder geschickt werden. Die Teil- nehmer sind während der vierwöchigen Dauer des Erholungsaufenthalts vom Schulunterricht befreit. Die Zulassung der Kinder erfolgt auf Antrag der Eltern allein durch die Schule. Bewerbungen bei der Deputation für die äußeren Angelegenheiten der städtischen höheren Lehranstalten sind zwecklos. Nähere Mitteilungen ergehen demnächst._ Ter Tank an die Kriegsteilnehmer. Au? den zahllosen Beschwerden, die uns zugehen, können wir nur selten eine Probe abdrucken. So beklagt sich ein Lehrer: Er ist 1913 im Januar geprüft, machte den Krieg mit, geriet in Gesangenschaft, aus der er nach 38 Monaten zurückkehrte. Wäsche und Kleidung'-, wurde ihm entwendet. Obwohl er im November 1918 seine Notlage mitgeteilt hat und obwohl nach den Verfügungen Erleuchtung. Roman von Henri Barbusse. irr. , 2. Kapitel: Es ist Sonntag. Ein lebhafter Aprilsonnenstrahl fällt in mein Zimmer. Er verändert das verblaßte Blumenmuster auf der Tapete vollständig und frischt sogar den goldrotcn Behang wieder auß der um den Waschtisch genagelt ist. Mit Sorgfalt ziehe ich mich an. Lange mustere ich mich im Spiegel, erst von weitem, dann aus der 3!ähe. Ein frischer Tust von Seife strömt von mir aus. Ich möchte mir Rechen- schaft davon abgeben, ob meine Augen groß oder klein sind. Sie sind mittelmäßig, sicherlich, aber es bedünkt mich wahr- Haft, daß von ihrem Glänzen etwas Liebkosendes ausstrahlt. Dann sehe ich auf die Straße hinunter. Noch liegt die Stadt, die in das Talbett hineingebett�t ist, unter der brodeln- den Nebeldecke. Man könnte meinen, daß die Stadt sich langsamer als ihre Bewohner zum Aufwachen entfaltet. Da es nun Sonntag ist, kommen die Bewohner langsam auf hie Straße hinaus. Man erkennt sie nicht sogleich. Denn sie sind durch ihre Feiertagskleider verwandelt. Die Frauen sin5 farbiger geschmückt und ihr Schritt ist behäbiger ausholend, als ihr gewöhnlicher Wochentagsschritt. Sogar die alten Leute sind ein wenig aus ihrer Gebücktheit heraus- gehoben, wie sich das gebührt. Es kommen auch die sehr dürftigen Leute hervor, die nur von ihrer ungewohnten Sonntagssaaberkcit ein wenig verkleidet werden. Ein schwächlicher Sonnenschein lagei� auf den Dächern, die rot und blau gedeckt sind. Er beschinimerr den Bürger- steig und die kleinen Pflastersteine, die wie Fcsttagskuchen neben einander geschichtet wurden. Auf dem Pflaster glänzen und knaxren die frisch gewichsten Stiefel. Dort an der Ecke sticht da� altersgraue Haus hervor, das rundlich aufgebaut ist, wie eine Art Leuchtturm, und borten pflanzt sich plötzlich die Gestalt des alten, düsteren Endo auf. Sie wirft einen kegelförmigen Flecken in die Landschaft, der aussieht, als wäre er eben in ein gestochenes Bild hineingekleckst worden. Dorten, ein wenig weiter, ist das Haus von Frau Piot aufgewölbt, es ist frisch gewaschen, wie eine Kochtopfbatterie. Neben diesen auffallenden Häuslingen bemerkt man all die übrigen, grau- vermauerten Gebäude gar nicht, die hinter den blank- gescheuerten Fensterläden daliegen. Und dennoch, gerade aus diesem Gemäuer ist die ganze Stadt zusammengefügt. Auf halber Hügclhöhe liegt oberhalb des Flusses der Fabrikplatz, und noch weiter die regelmäßig gezirkelte Linie des Schlosses. Uni dieses helle Liniengewirr ist ein verhüllen- der Bezirk von rostfarbenem Laubiverk und Parkanlagen ge- rahmt. Dann gehören zu dem Herrschaftsbesitz Viehweiden und Gärten und ganz fern kommt dann zwischen den bc» grünten erdfarbigen Streifen und Plätzen der Friedhof, aus dem jedes Jahr so viele Steine hervorsprossen. » Bevor wir zur Kirche gehen, wollen Tantchen und ich noch bei Brisbille vorbei. Er soll uns einen verbogenen Schlüssel wieder in Ordnung bringen. Ich setze mich auf einen Werkzeugkasten neben der Werkstätte Crillons, die heute ohne Leben bleibt.und warte auf Tantchcn. Crillons Werkstätte scheint heute frostig und nur angefüllt von dem überall zerstreuten und aufgetürmten Arbeitsgerät. Tantchen ist niemals zur Zeit fertig. Schon zweimal ist sie auf der Türschwelle erschienen, um ihr schönes, schwarzes Kleid mit der Samt Pelerine zu zeigen. Aber jedes Mal hatte sie etwas vergessen und war wieder, hurtig wie eine Grille, ins Haus zurück gehuscht. Endlich will sie noch einmal in mein Schlafzimmer hinauf, weil sie dorten ihren letzten ordnenden Blick zurücklassen muß. lind nun wandeln wir Seite an Seite neben einander. Da sie meinen Arm nimmt, ist sie recht stolz. Von Zeit zu Zeit sieht sie mich an, und auch ich, ich blicke sie an. Sie lächelt und die Sonne scheint, und liebenswürdig wirkt dieses Gesichterziehen in dem Sonnenscheine. Nach einigen Schritten bleibt Tantchen stehen und sagt: „Geh' voran, ich werd' schon nachkommen." Und sie redet die Straßenfegerin Apolline an. Die brave Frau, die eben so dick wie groß ist. steht am Rinnstein und hält Maulaffen feil. Mit den Pfählen ihrer Arme durchrudert sie sachte die Lust. Sie ist ganz entgleist in ihrer sonntäglichen Arbeitslosigkeit, und es bedrückt sie, daß sie heute keinen Besen führen kann, Tantchen ruft sie zu sich. Da ich mich umkehre, hasche ich eine Bemerkung� aui, die Tantchen, gleich einem schweren Ge- heimnis, der tstraßenkehrerin anvertraut. Sie spricht von mir. Und Apolline hinkt neben ihr her, während ihre Arme durch die Luft kreisen. Die Aehreriu ist unförmig wie eine Krabbe. Tantchcn sagt:„Der Junge hält sich unordentlich. Er macht zu viel Kragen schmutzig. Er kann sich nicht mal ordentlich schneuzen. Er quetscht die Schneuztücher immer förmlich in der Tasche zusammen. Nachher findet man das bei ihm ivieder, als wenn er Steine in der Tasche gehabt hätte." Appoline humpelt noch ein Stückchen nebenher, und ihre Hände, denen der Straßenbesen fehlt, rudern verwaist mit, und sie meint:„Aber er ist doch sonst ein braffer Junge." Sie schüttelt sich auf ihren vielfach gefalteten Schuhen, ihr Rock ist an dem ausgezahnten Rand von einer getrockneten Schmutzkruste beschwert. Diese Bekenntnisse, die Tantchen da, ihrer Gewohnheit nach, vor dem ersten besten ausbreitet, machen mich ganz wild. Ich rufe die Alte ungeduldig her- bei. Nun ist sie aufgebracht über meine Zumutung; sie kommt Wohl, aber sie benimmt sich nach ihrer alten Märtyrer- -manier. Während sie neben mir einhertrottet, senkt sie unter ihrem schwarzen, grün beblümten Hut den Kopf. Sie ist be- leidigt und ganz aufgebracht, daß ich sie vor allen Leuten ermahnt chabe. Ein hartnäckiger Trotz erwacht chieder in ihrem Innersten und sie flüstert mir ganz leise zu:„Du hast neulich doch auf den Fußboden gespuckt." Sie muß sich noch bei einem anderen Vorübergehenden aufhalten, der ihr gerade in den Weg kommt.. Der Mann steht steif da in seinen steifen Sonntagshosen, die wie zwei neue Pfähle sind. Sein steifer Rock scheint wie aus einem Steinblock geschnitzt. Ich lasse die beiden allein und gehe nun zu Brisbille. Dort brandet die Feuereffe auch heut und in der Werk» stätte liegen tausenderlei Gegenstände herum. Brisbille selber ist wie erzenes Wesen anzusehen, während'er zwischen dem düsteren Geäder des Werkzeuges steht, das an Wand und Decke baumelt. Blcigrau sind seine Hände, nachtschwarz ist sein Arbeitsschnrz, der nur von Feilenstaub über- sprüht wird. Heut ist er grundsätzlich und aus Ueberlegung dreckig, denn es ist ja Sonntag. Aber er ist noch nüchtern. Sein Gesicht ist noch erloschen. Aber er wartet noch mit Ungeduld, daß die Kirchenglocken läuten, denn er will in aller Einsamkeit zum Trünke gehen. Eines der Werkstättenfenster ist geöffnet. Doch alle übrigen Fenster sind schwer und schwammig verriegelt. Und nun sieht man, wie sich ein Teil der Straße ganz hell und duftig belebt, und dort wandeln die Menschenbröckelein dahin. Es ist, als wenn man von hieraus durch die geringe Oeffnung eines Fernglases blicke, und nun huschen die Akenschengestalten heran, nun sind sie wieder verwischt, alles durcheinander. Hier ein Hut, der eingefaßt und mit einer Feder geschmückt ist, und der auf einem Frauenkopfe hin- und herwippt. Dort ein kleiner Junge mit einer hrnimelblauen Halsbinde und Knöpfclschuhen. Seine Waden sind mager, aber es hängt eine röhrenförmig aufgebauschte Hose an seinen Beinen, Zwei düstere Gevatterinnen begegnen sich. Im Ztck- zack kommen sie auf einander zu- Ihre Röcke sind aufgebläht. sie steuern auf einander zu und strömen nun gleich von ihrem Geklatsche über, sie sind wie zwei Tintcntropfen, die in einander sickern. Wie immer kläfft Brisbille auf dieses Menschcnlichtthcater hinunter, das dunkel wimmelnd auf und nieder taucht. Er ist feuer- rot und tierwild, er ist mit brandigen Brandflecken gescheckt. seine Haare sind gefettet, seine Stimme ist zerrieben und ver- dorrt. Während er in seinem Käfig auf und nieder geht. und riesig gähnende Holzschuhe hinschleift, spricht er leise und stoßweise und näselnd mit mir. Brisbille kann nur schreien. aber nicht sprechen. Er braucht einen Wutkramvf, um heisere Laute aus seiner Kehle hervorzuquetschen.(Forts, folgt.) beS MinisieriumS KriegZieilneHmern ouZ igrer Leistung für den Stanl kein finanzieller Schaden erwachsen soll, erhielk er erst jetzt durch die Negierung in Schleswig feste Anstellung, datiert vom 1, April tglll, wodurch ihm ein Schaden von 209 M. entsteht. Sein Gehalt beträgt— 1300 M.! Warum wird nichi wenigstens ein« heillich bestimmt, daß solchen Kriegsieilnehmern bis zu Beginn des fünften Dienstjahres das volle Grundgehalt zu leisten ist?! Die letzte Ehre. Am 27. Juni wurde auf dem Garnisonfriedhof Hasenheide die Leiche eines 27jährigcn Soldaten begraben, der durch Verschiittung in der Hölle von Berdun geisteskrank geworden war und hier seinem schweren Siechtum erlegen ist— der einzigen Stütze einer alten Mutter. Sein Bruder schreibt uns: Auf dem sogen. Ehrenfriedhos wurde er sang- und klanglos und ärmlich wie ein Hund begraben. Der Sarg starrte vor Schmutz, die Leiche war mit zwei Slücken Papier noldüritig bedeckt. Auch Träger lvaren nicht zur Stelle. Kirchhofsarbeilen mußten sich dann der Leiche erbarmen. Aber eine halbe Stunde später trug eine Ehrenkompagnie von acht Freiwilligen einen anderen Sarg, auch zwei große Nränze fehlten nicht. Welcher Unterschied besteht in dieser Beziehung zwischen einem einfache» Soldaten und einem Angehörigen der Freiwilliqeuvcrbände? Was sagt das Reichswehr- mmisterium dazu? Den Friedhofsbesuchern wurde gesagt, daß diese Fälle an der Tagesordnung seien. Marine! Der Ehef der Admiralität macht bekannt: Alle Fragen und An- träge enUasieuer Marineperionen über Gcbührnisse und Militär- Papiere sMllitärpaß, Führungszeugnis) zur Weilergabe an den Staminanueleil sind beim zuständigen Bezirkskommando einzu- reichen. Dabei ist stets die letzte Dienststelle, außerdem dcrStamm- marineteil mit Kompagnie und Stamnirollennummer anzugeben. DaS Fehlen dieser Angaben macht zeitraubende Rückfragen nötig. ?ie Erledigung der zahlreichen Gesuche erfordert viel Zeit, da oft umsangreicbe Feststellungen erforderliw sind; diese sind durch die mrch den Waffenst.llstand und die Umwälzung geschaffenen Ver- tältnisse teilweise außerordentlich erschwert. Alle Forderungen oerden sachgemäß geprüft. Etwas Geduld ist nötig. Eingaben an ndere Dienststellen als an das Bezirkskommando bringen oft nur ■Verzögerungen mit sich.» „Bolk und Zeit", die neue illustrierte Wochenschrift, liegt der ■uligen Nummer wieder bei. Mariendorf-Südendc. Aus der Gcmeindevertrc- tung. Vor Eintritt in die 26 Punkte umfassende Tagesordnung richtete Genosse Deinert folgende dringliche Anfrage an den Gemeindeborstand:„Ist dem Gemeindevorstand bekannt, das» der Borsibeuds Assessor Gischkow vom Mieteinigungsamt nach einem Bericht der„Südpost" sich zu Hausbesitzern geäußert hat, die Steigerung der Mieten recht hoch vorzunehmen, etwas wird vom Seebad stailfindei. Die Turnhalle, Lichierfelder Straße, Vor Fahren unter einem KostenaufwanÄ von 16 000 M. errichtet, ist während des Krieges zu Lagerräumen benutzt worden, auch sind Ställe zur Kaninchen- und Schweinezucht eingerichtet worden, ohne daß die G.-V. dazu die Erlaubnis erteilt hat. Genosse Kaphun und Deinert sowie die Unübhängigen Richter und Rutschke rückten dies und diese ganze Lotterwirtschaft der früheren bürgerlichen G.-V. ins nichtige Licht. Auf Vorschlag des Genossen Waldheim werden für die In- standsetzung 4350 M. bewilligt. Der Lohnerhöhung der Holzarbeiter wird nach Vorlage des Gemeindevorstandes zugestimmt, Mehralis- gaben für die 4 beschäftigten Holzarbciiter 4908,20 M.— Esge Anfrage des Genossen Teinert, daß an Geschäftsleute Erwerbslosen- Unterstützung gezahlt worden sein soll, wird dem Gemeindevorstand überwiesen. ■ Lichtenberg. Stadtvertretung. Die Vorlage betr. die Pensions- fähigen Ruhegehaltszulagen weist so erhebliche Mängel auf, daß sie auf Antrag des Genossen Wessel an die Lohnkommission zurück- verwiesen wird. Fn die Schuldeputation wird Gen. Kegel gewählt. Bei dem Bericht der Koimnission zur Prüfung der Beschwerden bezüglich der Lebensmittelversorgung und Dr. Fntze führte Stadtv. Schmidt als Berichterstatter aus, die Beratungen haben ergeben, daß Dr. Fntze für seinen Posten durchaus ungeeignet sei. Schon seine berufliche Vergangenheit habe keine Gewähr dafür geboten, daß er dem Posten gewachsen sei. Dr. Fntze, der feine Kündigung eingereicht hat, habe auch organisatorisch völlig versagt. Lebbastes Befremden erregt die Mitteilung, daß dem Leiter der Fischhalle seinerzeit von Stadtverordneten gedroht worden sei, man werde seine Einberufung veranlassen, wenn er nicht die gewünschten Lebensmittel an sie abgebe. Große Mengen Konserven und Ge- flügel seien unter der Geschäftsleitung Dr. Jntzes verdorben. Redner wünscht, daß die Beschwerdekommissiou dauernd als solche bestehen bleibe. Genosse Arndt ergänzt diese Ausführungen und verweist insbesondere auf die Mängel bei der Verteilung der Lebensmittel- karten, auf die unzureichende Kontrolle bei der Fleischabgabe und die erheblichen Verluste bei dem Einkauf großer Warenposten. Bürgermeister Dr. Maretzky versucht, die Besetzung des Postens mit Dr. Fntze zu rechtfertigen und die Beschwerden zu entkräften. Er betont wiederholt und mit Nachdruck, daß der Ankauf verschiedener Waren unter Mitwirkung der dafür zuständigen Volkskommissare erfolgt fei, die dann auch die Verantwortung übernehmen müßten. Damit wolle er aber die Tätigkeit der Volkskommissare nicht herab- setzen. Fm übrigen gibt er zu. daß Mängel bestehen, deren Ab- stcllung erforderlich sei. Stadtrat Dr. Nachtweh meint, daß die| KrankcnernäbrungZstelle befriedigend arbeite, wenn auch in einzel- neu Fällen schnellere Erledigung am Platze sei. Cbarakteristisch � war seine Aeußerung, daß jeder Kranke zu seinem Recht komme, wenn er immer wieder ein Attest beibringe, für das allerdings 6 M. zu zahlen sind. Gen. Mirus erklärt, daß es tatsächlich nicht immer Kaufleute von Berus sind, die bei der Lebensmittelvcr- sorgung Tüchtiges leisten. Dr. Fntze habe am Anfang ganz gut gearbeitet, dann'sei er den Verhältnissen nicht mehr gewachsen ge- Wesen. Tie erwähnten Verluste scheinen ihm nicht über die hinaus- Mieteinigungsamt immer abgehandelt, dann komme» sie doch»« �hen, mit denen im Lebensmittelhandel zu rechnen'sei. Genosse chrem Geld. � Vom Gemeindevorsteher wird erwidert, datz der � P�rbansel teilt mit, daß die Volkskommissare beschlossen haben, Asseno- dwie Behauptung entschieden tu Sföiehe stellt; jonstig j � Besprechung mit den Licht-nberger Aerzten. dem Leiter der Bemerkungen in dem Artikel, welche ihm untergelll werden, llnb l �x��nernöbrungsstelle pnd den Fraktionsvorständen zu veran- mlndestens aus ein Mißverständnis zuruckzufuhren. Geilopg lasse». Vielleicht lassen sich dann die bei der Krankcnernährung Dein er t war mit dieser Antwort nicht zufrieden: an Hand � bestehenden Ucbelstände beseitigen. Bei der Vorlage betr. die verschiedener Tatsachen beweist- er. da» die Wirte nach d,e,er Zeit> EntschstNmngssuinme an die städtischen Beamten erklärt Thurm Steigerungen vorgenommen haben, welche als wucherisch zu be .eichnen sind. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen, wird vom Gemeindevorsteher weitere Aufklärung in dieser Angelegen- icft zugesagt. Die Neuwahl des 6. Gemeindeschöffen wird auf .inirag der Unabhängigen vertagt. Hierauf wurde beschlossen, jede Sitzung der G.-V. und der Ausschüsse(intt. Mietsinigungsaint, Gewerbe- und KausmannSgericht, Waisenrat) mit 3 M. zu vergüten Der Lohnausfall für Teilnahme au diesen Vertretungen soll be» .sonderS gezahlt werden.-Die Freistellen am Gymnasium werden 'iiach einem zustimmenden Beschluß von 10 Proz. auf 15 Proz. er- höht. Dem Kinderhort werden monallich 100. M. bewilligt, bis die ■Einrichtung der gesamten Kinderpstege sKindergarten, Kinderhort, Kinderheim) in Gemeinderegie übernommen wird.— Die Gewährung eines Gehaltsvorschusses oder einer EnischuldungSsumme für Beamte, Lehrpersonen, ständige Angestellte und Arbeiter wird in Anbetracht des finanziellen Essekts, ungefähr 400000 M., an den Ausschuß zurückverwiesen; er soll unter Hinzuziehung des Ange- stellten- und Arbciterausschusses die Vorlage gründlich, prüfen. Ter Verschmelzung dex Kuratorien der höheren Lehranstalten wird zu- gestimmt unter der Bedingung, daß noch ein weiteres Mitglied der G.-V. hineingewäüu wird. Die Wasserakyabe der Gemeinde an Laubenkolonisten, bisher unentgeltlich, soll in Zukunft nur noch nlch Bezahlung der Unkosten erfolgen. Begründung: die bedeutende Erhöhung des Wasserpreises. Tie Vorlage betreffend Wohnungsbau im Gemeindehause, Südende, Toichstr. 5, und bauliche Verände- rungen im Feuerwehrdienstgebäudr, wird an den Ausschuß zurück- verwiesen, Küter(U. S. P.) kritisiert bei dieser Gelegenheit, daß die Einwohnerwehr immer noch Schulräume besetzt hat. Genosse Waldheim(Schösse) macht dazu Mitteilung, daß Uebersiedclung der Einwohnerwehr voraussichtlich am 20. d. M. in eine Baracke am lUncbh.), daß seine Fraktion zwar donir stimmen werde, aber er warnt vor der Ueberspannunn solcher Forderungen, weil sonst eine übermäßige Belastung der Steuerzahler zu befürchten ist. Auch Gen. Mirus'wendet sich gegen weitere Forderungen, wegen ihrer l ungünstigen volkswirtschaftlichen Nachwirkung. Unier Wegfall des die Lehrer betr. Passus und nach Hinzufüguny, daß Dr. Fntze von der Zuwendung ausgeschlossen ist. gelangt die Vorlage zur An- nähme. 10 000 M. zur Anstellung von drei Schulpflegerin-'"' lvec-� den einstimmig bewilligt._ Grost-Berliner Lebensmittel. Die Brotkarte für die kommende Wecke trägt das Stichwort„Brot". Berlin. Vom 7. bis 9. Juli Fleiichkartenumwusch bei den Brot- kommijfionen geoen Bezugsickcinc auf KricS oder Teigwaren. Vollkarte wöchrntliÄ 250 Gramm, Kinderkarte 125 Gramm, für diejenigen, die sich seiner, eii dazu gemeldet haben oder nachträglich eingetragen wurden. Wer dies versäumt hat, kann den Umtausch Neue Friedrichitr. 1. Zimmer 7, bewirken.— Ersatz sär Kartosteln: 1'/, Psd. Brot(50). ft, Pkd. Kartoffel- schciben(51). Bis 8. Juli im 106., 108.,, 109., 110,, III., 112., 171., 203., 203., 220. und 227, Brotkommisfionsbezirk 125 Gramm Käse.— Kerzen- marken für Juli vom 9. bis 13. bei den Brotkommissioncn. Dchöneberg. Bis 8. Juli Voranmeldung siir 1 Psd. amcr-ikanisches Weizenmehl(<) 9), 650 Gramm Nährmittel und" 250 Gramm Nährmittel für Jugendliche. Ausgabe: 125 Gramm NciS(48),'/, Psd. Amerika-Mehl (W 8s. 50 Gramm Margarine fX 2), 600 Gramm Nährmittel(40, 41, 42) und 500 Gramm Mannelade(26). Eharlottenburq. 250 Gramm Graupen(39, 45), Teigwaren(41), 500 Gramm Hasernährrniitel(46), 500 Gramm Marmelade(47), 123 Gramm Reis(>8). 50 Gramm Margarine i'X 8), 250 Grainm Amerikaniehl(W 8), 6 Päckchen Buddinapulvcr(51). 250 Gramm Salzheringe(52). Für Jugend- liche 10t» Gramm Grouven(36). An 50 Proz. und mehr erwerbsunfähige Kriegsbeschädigte je 1 Psd. Graupen und Nudeln. An Schwangere in der zweiten Hälfte 2 Psd. Weizengries, vom fünften Monat ab 1 Pfd. Zwieback, vom vierten Monat ab 2 Pfd. Zwieback(Berechtigungsiarten durch die Brotkommiision, bei den letztgenannten durch die Kranienernährungsab- tellung). An Kinder im ersten Lebensjahr 750 Gramm und im zweiten Lebensjahr 500 Gramm Hasernährmittel. Lichtenberg. Boranmeldung: 100 Gramm kuppen'38), 2 Supven- Würfel für Jugendliche(36.7). Ohne Voranmeldung: 50 Gramm Mar- garin-(X 8), für Urlauber 100 Gramm Nährmitlel und 250 Gramm Mar- melade. Ausgabe von Pferdefleisch karten Scharnweberitr. 19. von 9—2 Uhr, gegen Steuerzcttel, Montag A— I), Dienstag E— Q, Mittwoch H— K, Donnerstag L— IJ, Freitag 0— E, Sonnabend S— ü, Montag V— Z. Süßstoff(375). Drillichanzüge, Einzeljovben, Wolldecken, Wolljacken, Unter- taillen usw. herabgesetzte Preise, Frankfurter Allee 87, 8—2, Mittwachs auch 5—7 Uhr.. Wilmersdorf. 250 Gramm Auslandsfleisch oder Ersatz in Nähr- mittein(Flcischmarke 28), 750 Gramm Brot(50), 200 Gramm Kartoffel- scheiden(51), 3/4 P'und Zucker(68). Speisefett gemäß besonderer Bekannt- machung. Forlsetzung des Verkaufs von 230 Gramm Kunsthonig(35), 550 Gramm Graupen(38, 39, 40), 300 Gramm Teigwaren(43, 44). Für Jugendliche 150 Gramm Graupen(37-, 50 Gramm Margarine(X 8). Füi; Kinder 1'/, Pfund Haferflocken(17 Ali, je 1 Piund(17 All, B I. BIT, C I und C II). 1 Pfund Grieh(16 A II), 21 Pakete Milchpudding(18 A I, All, BI, B II, Ol, CH),-st Pfund Kakaopulver(16 BIl. 0 I). 1 Tafel Haushaltsschololade(16 C II). Für Kinder im 7. Lebensjahre 6 Pakete Milchpudding(Bezugsscheine). Für Personen von 77 Jahren und darüber 5 Pakele Milchpudding(Bezugsscheine). Für werdende und stillende Mütter je 1 Dose Matzextrakt, Prcißelbcercn(Bezugsscheine). Scheine im Lebens- mittetamt, Zimmer 5 von 9—1. Für Kraule Eier(23). Groß-S�eliner parteinachrichten. 31. Abteilung. Fraueuabend morgen Montag, 7-st Uhr. Schulaula, Schönflietzer Str. 7. Reserentin Gen. Tvdenhagen: Was wir Frauen vom Sozialismus erwarten. 3s. Abteilung. Morgen Montag. 7'/, Uhr, bei Blessin. Stargardcr Str. 3. Vortrag der Genossin Dr. med Behnecke über«Körperliche und geistige Erziehung im sozialistiichcn Staate". Genossinnen und«Vorwärts"- leserinncn sind eingeladen.— Morgen 8 Uhr: Funlttonärsitzung bei Grob», M'Ianr. 5, Ecke Cantianitraße. 33. Abteilung. Morgen Montag, 7-st Uhr: Propaganda-AuSschuß bei Taummclt, Ramlersir. 5. 37., 38.. 39., 40., 41. Abteilung. Morgen Montag, 8 Uhr, Beziikssührersitzung in den ArminiuS-gesisälen, Bremer Str. 73, o. I. »Henningsdorf. Montag. 8 Uhr: Zahlabend bei Kienzler. Lichterielde. Mittwoch, 7-st Uhr, Realgymnasium, Drakefir. 73—75: Mitgliederversammlung. Bcrichlerstattung vom Parteitag und dem Einigimgsiongrcß. Aussprache. Wahl pon Funttionären. Vereins- angelegenheiten. Hrrinsdorf b. Berlin. Mittwoch, 7-st Uhr, bei Böttcher, Waldsce« Ecke Berliner Straffe: Mitgl:cderveriammlunz. Bericht vom PnrteNag in Weimar Gen. Nawsbrock-Oberschöncweide. Austprache. Mitteilungen. Tempelhof. Montag 7 Uhr erweiterte Vorslandssitzung bei Laß, Friedrich-Wilhetm-Str. 90. ör:ef?asten öer Neöaktion. Jeder für den Briefkasten destimnlten Anfrage füge man einen Buchstaben und eine Nummer bei. Brieiliche Auskunft wird nicht erteilt. Eilige An- fragen trage man in der Juristischen Evrechstunde. Lindenstr. Z. Z. Hos links, 4 Treppen, vor. Schriftstücke und DertrSge sind mitzubringen. lser zwecks Lagerräumuna. Rur in der Zeit 12-2." 140/4 Dictz, Neukölln, Anzengrubee Str. 12 I. Schrank, dreiteilig mit Spiegel, komplett mit dreiteilig. Aufiegekissen und allem Zubehör von 1725 M..°> Sislzianii, Beüe-Älliaiies-Sfraßelßö Elektromotore (Slcidiftrom, Drehstrom lauft, tauscht, vorkaust[11218 J.Schönherger.Glcttro.Jaduft. Blumei.siratze 100. Alex. 1723 MIÄ-M-MM taust 0rvower, Friedrichstr.46, Ecke Zimmerstr. und Georgen- Itrchftr. 50, nahe dem Alexander- platz. 9— 12V.. 2-/2—7. 53/13* Tovnohm rnhlsres &W Bad"Wm Station:„Bad Saciisä", Büdharz. Pension 15—30 M. Hosten l. Vermulg. tZottocbalk. 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P.) bespricht den Fall Ormonts. »vlfaSvnd fei, dost die Verhaftung iu dem Augenblick erfolgte, wo die Bankleitungen den Ausbruch des allgemeinen Streiks befürchten mußten. Es sei eine gemeinx Lüge, daß EmvntS bei feinen Agita- tionSreifen für den Bankbcamtenverband bolschewistische Agitation getrieben habe. Auch der Brief, der den Anlast zur Verhaftung gab, lasse nichts von Bolschewismus erkennen. Durch die Veröffentlichung von Bruchstücken aus diesem Brief« habe di« Staatsanwaltschaft (die erklärt hat, der Veröffentlichung fernzustehen. Red.) Siim- mung gegen EmoniS zu machen gesucht. Es fei«ine falsche Aus- legung des Inhalts dieses Privatbricfes, dast Emonts die Bewe» gung der Bankbeamten im April habe ouSnutzen wollen zugunsten der Kommunistischer. Partei, der er gar nicht angehöre. Der Redner sagt, er habe sehr interessantes Material, dessen Veröffentlichung hohen und höchsten Stellen sehr unerwünscht sein müsse. Von dein Verhalten der Behörden im Falle Emonts werde es abhängen, ob er die betreifenden hohen und höchsten Stellen durch Veröffent- lichung des Materials bloßstellen wende.— ES könne gar keine Rede davon fein, dost sich Emonts des Hochverrats schuldig gemacht habe. Er habe nur unter den grgnerischcn Truppen im besetzten Arbict agitiert. Eine derartige Propaganda könne das Deutsche Reich nicht schädigen, sondern ihm nuc nützen. Diese Agitations- tatigkeit Ewanis sei den Behörden seit Monaten bekaiint gewesen. Wenn sie für strafbar gehalten würde, hätte Emonts längst ver- haftet werden können. Zum mindesten wäre seine Verhaftung am 18. Juni, dcm Datum des Haftbefehls, möglich gewesen. Den Um- ständen nach sei anzunehmen, dast der später erst erlassene Hast- brfchl zurückdatiert sei. ES sei unwahr, daß man in Emonts Woh- nung große Mengen bolschewistischer Schriften gefunden hat. Es seien nur überall käckflichc Schriften in je einem Exemplar gefunden worden. Die Veröffentlichung de? Briefes, die Stimmung gegen EmontS machen sollte, möge wohl nicht durch die Staatsanwaltschaft veranlaßt sein, aber si« sei dock) dafür verantwortlich, daß der Brief veröffentlicht werden konnte. In dem Briefe seien mehrere Per- soncn so deutlich gemacht worden, daß es den Engländern im besetzten Gebiet möglich sei, gegen si« vorzugehen. Ein der- artiges Verfahren könne nicht scharf genug verurteilt werden. Emonts werde von den Engländern se.t Monaten gesucht. Wenn er jetzt in das besetzt« Gebiet abgeschoben werden solle, so würde das bedeuten, daß er der Rache der Engländer auSgelieiert und kurzerhand an die Wand gestellt werden würde. Dieser Situation habe sich EmontS kraft revolutionäre» Rechts entzogen.(Starker Beifall.) Wenn jetzt die Regierung persichere, Emonts solle nicht nach dem besetzten Gebiet transportiert werden, so sei ihm zu raten, daß er nicht etwa im Vertrauen auf eine solche Versicherung zurückkehre, um an den Bankbeamtenverbandlungen teilznnehinen. Wie die Dinge jetzt liegen, könne die Entente die Auslieferung Emonts verlangen. Davor müsse er sich hüten, um sich der Bank- beamtenbewegung zu erhalten. Dies« Bewegung sei eine rein Wirt- fchaftlickje.(Rirs:„Vorwärts.") Ich glaube nicht, daß die S. P. D.- Arbeiterräte die schmutzige Weise billigen, in der der„Vorwärts" Emonts angegriffen hat.(Wer schimpft, hat unrecht. Red.)— Der Redner bespricht die Forderungen der Bankbeamten zum BeWesse dafür, daß die Bewegung lediglich eine wirtschaftliche sei.(Wurde im gestrigen„Vorwärts" schon dargelegt. Red.) Brolat(S. P. D.): Wenn es Tatsache ist, was Marx aus- führte, dann können wir Emonts nur gratulieren, daß er sich seiner AnSlieferiing an die Entente entzogen hat. Wer aber wegen dieses Falles der Regierung einen Vorwurf macht, dec soll bedenken, dast der Friedensvertrag di« Regierung zwingt, die von der Entente verlangten Personen auszuliefern.(Lärm!) Tirpitz, Hindonbuog und andere werden ja auch davon betroffen. Selbstverständlich würden auch wir es verurteilen, wenn es wahr sein sollte, daß die Regierung die Auslieferung Emonts veranlassen wollte.(Während der weiteren Ausführungen des Redners entstand ein? Minuten- lange Unruhe, als deren Ursache angegeben wurde, ein Mitglied der Versammlung habe dem Genossen Brolat Schuftigkeit vorgeworfen. Aus Veranlassung de» Vorsitzenden Malhahn wird festgestellt, dast der Ruf gelautet habe, Brolat solle sich zu der Schreibweis« des „Vorwärts" äußern, die eine Schuftigkeit sei.— Fällt auf den Schimpfer zurück. Red.) Brolat wandte sich gegen die Annahme MaltzahnS, dast NoSke di« Verhandlungen absichtlich verschleppen wolle. NoZle sei sehr stark beschäftigt, aus dem ganzen Reiche würden Kommissionen an ihn gesandt. Vier derartige Kommissionen seien angemeldet gxwesen, als die nachgesuchte Verhandlung mit dem PollzugSrat hinausgeschoben wurde.— Die von Maitz rhu an- geführie Verhaftung von zwei Personen im Bureau des Vollzugs- ratz fei nur zum Fweck der Vernehmung der beiden erfolgt. Der Redner bespricht die Streikbewegung der Eisenbahner. E? sei den Eisenbahnern gewiß zu gönnen, wenn sie ihre Lage ver- bessern können, aber bei einer solchen Bewegung müßten doch nicht nur die Interessen der betreffenden Berussgruppe, sondern auch die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt werden. Bei der Stellungnahme zu solchen Bewegungen dürfe man sich nicht vom Gefühl leiten lassen. Zum Strastenbahnerstreik verliest der Redner ein Schreiben des Oberbürgermeisters Mermuth, der den Vollzugs- rat bittet, in Arbeiterkcoisen darauf hinzuweisen, dast als Ersatz einer Lohnerhöhung die Vcrbillignng der Lebensmittel für die gr- samtc Pevölkernnz vom 7. Juli ab einsritt. Dadurch sei die bei den Verhandlungen von den Arbeitnehmern geäußerte Ansicht, man könne den Versprechungen der Regierung nicht trauen, tatsächlich widerlegt. Frl. Klasse(K. P. D.) vertritt in allgemeinen Ausführungen den politischen Standpunkt ihrer Partei, wendet sich gegen die Ver- hastungen von Mitgliedern derselben und sagt, diese Verhaftungen. besonders die unseres Genossen Emonts, beweisen, daß wir mit allen Mitteln unterdrückt werden sollen. Wir beglückwünschen Emonts zu seiner Flucht und wünsche», daß er seinen Gegnern nicht ausgeliefert wird. lBeisall.) Die Gsgenrevolution setze mit immer schärferen Mitteln ein und ziehe auch einen Teil des Pro- letariatS zu sich herüber. � Wenn die Eisenbahner, die früher so iönigStrcu waren, in Massen hinter den revolutionären Ar- beitern stehen, so ist das mit Freuden als ein Zeichen der Zeit zu begrüßen.— Nicht von Sieg zu Sieg, sondern von Niederlage zu Niederlage schreitet die Revolution zum Ziel. Es wird gesagt, die Streikbeivegungen der Eisenbahner und Straßenbahner seien rein wirtschaftlich. Machen wir uns doch nichts vor. In dieser hoch- politischen Zeit gibt es nichts rein Wirtschaftliches.(Stürmischer Beikall.) Die Rednerin verliest eine lange Erklärung ihrer Partei, welche die Haltung des Vollzugsrnts im Eisenbahner- und Straßen- bahnerstreik verurteilt. Ter VollzugSrat müsse in den revolntio- nären Kämpfen des Proletariats führend vorgehen, aber nicht hinterher laufen.. Die Erklärimg verurteilt auch die„traurige Haltung" der„Freiheit", welche den Streik der Straßenbahner wegen der bevorstehenden Kommunalisierung des Unternehmens als unerwünscht bezeichnete. Die Lage der Straßenbahner werde auch unter der städtischen Bureaukratie nicht besser sein als unter der kapitalistischen Leitung. Tie Redner in stellt einen Antrag, der die Arbeiter verpflichtet,„die dem Streikbruch dienenden Ber- kehrsmittel" nicht zu benutzen, und ztvar nicht nur die gegen Eni- gelt benutzten, sondern auch die von den Betrieben gestellten Per- kehrsmittel. Fischer(Demokrat) führt auö, die Straßenbahner sollte» doch nachweisen, daß die Behauptung der Direktion, die Forde- rurigen tonnten nicht erfüllt werden, weil die Mittel dazu fehlen, unwahr sei. Hoffentlich würden die Bemühungen des BollzwgSratS zur Beilegung des Strastcnbahnerstreilö Erfolg haben. Breul(Eisenbahner) sagt, wenn auch die Eisenbahner die Arbeit wieder aufgenommen hcchen, so sei doch die Beruhigung unter ihnen nicht wiederhergestellt. Es herrsche immer noch Erregung wegen des Noskeschen Streikcrlasses und wegen der.Ver- fügung des Ministers Oeser, die in der rigorosesten Weise durchgc- führt werde. Alle, die sich nicht am 3., sondern erst am-l. Juli zur Wiederaufnahme der Arbeit meldeten, würden ohne Rücksicht entlassen, ganz gleich, ob si« erst kurz« Zeit oder viele Jahre im Eisenbahnbetrieb tätig waren. Den Arbeiteeräten werde nicht gestattet. Ein- spruch-dagegen zu erheben. Wenn man mit derselben Energie, die jetzt gegen die Eisenbahner angewandt werde, gegen die Leben»- mittelwuchcrer vorgegangen Wäre, dann toüoden die Lebensmittel schon längst billiger geworden und>die Lohnbewegung d«r Eisend bahner nicht notwendig gewesen sein. Borg(Straßenbabner) betont, daß der Streik der Straßen- bahner mit politischen Dingen nichts zu tun habe. Die kommuni- stische Rednerin könne nur gemeint haben, daß die Bewegung auß den politischen Verhältnissen ihevauSgckwachsen sei. Der„Vorwärts" habe schon vor dem Ausbruch des Streiks geschrieben, der Streik sei ein politischer. Das sei eine unwahre Angabc. Ebenso unwahr sei die vom„Vorwärts" verbreitete Behauptung, daß von Tag zu Tag die Zahl der Streikenden wachse, die zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit seien. Tie Straßenbahner konnten dem Kamps nicht au» dem Wege gehen, sie haben aber alles getan, um den Konflikt in Güte beizulegen, aber die Direktion erkläre, kür sie sei das Urteil des Hauptausschusses mastgebend. Jetzt handle eS sich nicht mehr um die Forderung von 700 M., sondern darum, ob die Streikenden vor de» Unteniehmecn zu Kreuze kriechen sollen. Die Strastenbahner lvürden nicht, so wie es die Eisenbahner taten, die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen. M a l tz a h n wendet sich im Schluhwort gegen die Erklärung der Kommunisten. Es sei Ausgabe des Voilzugsrats, bei solchen wirt- schastlichcn Störungen einzugreifen und die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Was der VollzugSrat in dieser Sache geleistet habe, sei gewist nicht zum Schaden. der Arbeiter gewesen Der Redner ersucht um Zurückziehung, der Erklärung der Kommunisten. Der Autrag der Kommumsten(Nichtbenutzung der jetzt zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel) wurde gegen eine erhebliche Minderheit angenommen. Vorsitzender Brolat macht darauf aufmerksam, daß die Arbeiterräte ihre Mandatgeber zur Jnnehaltung dieses Beschlusses an- zuhalten haben und daß nun auch die von den Betrieben geleisteten wirtschaftlichen Bcihilfen zur Bezahlung der jetzigen Verkehrsmittel fortfallen. NamenS des VollzupSrais erklärte Brolat, der VollzugSrat sei einig darin, daß er alles tun werde, was in seinen Kräften steht, um zu verhindern, dast EmontS nach Köln oder überhaupt an die Entente ausgeliefert werde. Es folgt der letzte Punkt der Tagesordnung: der Sopkott der IreiwlMgenverbä'nüe. W o Y w o d(S. P. D.) begründet den folgenden Antrag seiner Fraktion: „Die Fraktion der S. P. D.-Arbcit-erräte stellt sich auf den Boden der vom Parteitag angenommenen Richtlinien über die Freiwilligenverbände. Sie beantragen daher die sofortige Aus- Hebung der Bohkottbeschlüsse der Vollversammlung der Arbeiter- und Soldatenröte Groß-Berlins in bezug auf di« Freiwilligeiwer- bände, d? sie es alz unsittlich bezeichnen niüssen, daß die politische Ueberzeugung Andersdenkender mit' Stockschlägen auf den Magen bestraft wird." Der Redner verweist daraus, daß die S- P- T.-Fraktion sich seit acht Wochen bemüht, die Aufhebung des Bohkottbcschlusses herbei-- zuführen. Dieser Beschluß sei von einer Vollversammlung in einer nicht gerade glücklichen Stunde gefaßt wortd-en� Er sei das Ergebnis einer momentanen Aufregung und könne einer ruhigen, leiden- schaftslvsen Beurteilung nicht standhalten. Es lasse sich in keiner Weise rechtfertigen, daß man die Angehörigen einer Truppe, auf die sich die R-cgicruna stützen müsse, durch einen Federstrich aus �den Kreisen der ehrenhaften Arbeiter ausschließt. Einige hunderttausend Angcbörige der Freiwilligentruppen würden in nächster Zeit eni- lassen und ins Arbeiterleben zurückkehren. Man dürfe doch nicht diese ganze-Schicht des Voltes von der werktätigen Arbeit, vorn praktischen Wiederausbau de- Wirtschaftslebens ausschließen. Auch vom menschlichen Standpunkt sei die Acchtung der Freiwilligen („Pest" sagten die Unabhängigen! Red.) zu verurteilen. JBir wünschen, dast die blutige» Tage, wo sich die Regierung auf die Frei- willigen stützen mußt«, nicht wiederkehren. Wir wallen die Frei- willigen nicht ausschließen, sondern sie dahin führen, wo sie am Wiederaufbau des Wirtschaftslebens mitarbeiten können. Stablbcrg(11. SP.) verliest folgende Erklärung seiner Fraktion: „Der Bohkoltbeschluß der Vollversammlung gegen die Frei- willigcntruvpcn war diktiert von der berechtigten Empörung über das brutale und arbeiterfeindliche Auftreten vieler Angehöriger dieser Formationen. Das proletarische Rechtsempfinden mußte sich gegen die zügellosen(tzelvalttätigkeiien auflehnen, die von der militärischen Gegenrevolution, der von einer schtvachen Regierung unbegrenzte Machtvollkommenheiten in die Hand gegeben wurden, gegen das werktätige Volk verübt wurden.— In letzter Zeit hat sich in den Freiwillig-enverbänden ein scharfer Gegensatz zwischen den ausgesprochen reaktionären Elementen und den politisch in- differentcn und irregeleiteten Angehörigen der Truppe bemerkbar gemacht. Außerdem wird durch, die Bestimmungen des Friedens- Vertrages die Zahl der Freiwilligen stark herabgesetzt. Die Ar- beiterschaft hat kein Interesse daran, Hunderttausende dieser Eni- lassenen der Arbeitslosigkeit auszuliefern und sie damit für die gegenrevolutionäre Propaganda empfänglich zu machen. Die Fraktion dec U. S. P. legt daher jetzt keinen Wert mehr auf die Aufrechterhaltung-des Bohkottbeschlnsscs und wird nicht gegen den Antrag auf Aufhebung desselben stimmen.—- Der Arbeiterschaft der einzelnen Betriebe bleibt es überlassen, in Sondersüllen, in denen es sich um Personen handelt, die sich in besonders brutaler Weise an Aktionen des weißen Terrors beteiligt haben und auch jetzt noch an ihrer arbeiterfeindlichen Gesinnung festhalten, selbst- verständlich Stellung zu nehmen." Günther(Kam.) legt namens der kommunistischen Fraktion eine Erklärung vor. die besagt, immer mehr Angehörige der Frei- willigenvcrbände sähen ein, dast sie ein Unnecht am deutschen Prale- tariat begangen hätten, indem sie sich zu Werkzeugen der Gegen- revolution hätten machen lassen. Der VollzugSrat solle aufklärende Propaganda unter den Truppen betreiben, er solle mit den Srndaten in Verbindung treten und gemeinsam mit den von den Soldaten gewählten Kommissionen deren Rückkehr ins Zivilleben regeln. Tie- jenigen Freiwilligen, die namentlich als Mörder ihrer Arbeits- brüder bezeichnet(Beweis uimötigl Red.) t»erden, sollen dauernd dem Rechtsspruch des Proletariats untertvorfcn bleiben. Nachdem Günther diese Erklärung verlesen hatte, hielt er eine lange, mit der Tagesordnung zum größten Teil nicht zusammen- hängende, von heftigen Angriffen auf Andersdenkende stark durch- setzte kommunistische Agitationsrede Vorsitzender Brolat bemerkte, die äußerst« Linke sollte doch ihre FrattionSredner künftig dahin beeinflussen, daß sie in ihren Reden nicht die Angehörigen anderer Parteien provozieren. Ein Schlußantrag wurde angenommen und dann gegen eine starke Minderheit beschlossen: „Die Bollversammlung vom 5. Juli erklärt den Beschlust, welcher den Boykott über die Angehörigen der Freiwilligenverbände verhängt, für aufgehoben."' Vorsitzender Brolat bemerkt ohne Widerspruch, daß sich eftie Abstimmung über die Erklärung der Kommunisten erübrigt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. * Bei dcnl Magistrat, Abteilung kür Brotversorgung, beschäftigte Hilfskräfte teilen uns zu der Erklärung Heinrichts in der Sitzung der Arbeiterräte am 1. Juli mit, daß der Arbeitsausschutz der 13 000 Hilfskräfte beim Magistrat beschlossen hätte, zwecks Frei- � lassung EmontS sofort in den Streik zu treten. Wir� pro- t e st i e re n ganz energisch gegen diesen, ohne unser Wissen ge- faßten Beschluß und lehnen die Verantwortung dafür ab. Wir er» klären, daß wir uns auf keinen Fall in politische Streiks hetzen lassen. VM Sll AM WlSt W. (Nachdruck verbolen.) E» gibl nichts Unleidlicheres al» einen schlecht- fitzenden Knei'er. Am meisten empfinden dies natürlich Per- sonen, deren Nasenrücken so gebaut ist. dast sie einen Klemmer gewöhnlicher Art überhaupt kaum tragen können: aber auch die glücklichen Inhaber klassisch geformter Nasen, auf denen selbst die primitivste Kneifertonstrultion ziemlich fest sitzt, haben darunter zu leiden, denn dieser„feste" Sitz ist durchaus nicht gleichbedeutend mit einem„guten" Sitz. Der Kneifer fitzt gut, wenn er alle Vorzüge der Brille hat ohne deren Nachteile, d. h. wenn er nickt nur beim Turnen. Reiten, Nadtabren keiner Nachhilfe durch Rücken und Anrücken bedarf, also weich, an- genehm und docki fest sitzt, sondern wenn austerdem auch die Gläser richtig vor den Augen stehen. Sieht man jeden Kneiferträger, den man be- gcgnet daraufhin an, so wird man finden und besonders dem Arzte wird dies auffallen, dast unter zehn Kneifern kaum einer die richtige Stellung «innimmt. Da? Brillengestell ist dem Abstand der Augen voneinander angepaßt, und wie es angepaßt ist, so bleibt es. Bei den Klemmern gewöhnlicher Konstruktion ist das nicht der Fall. Sobald man die Bügelfeder auseinander biegt, verändert sich die Stellung der Gläser zueinander. Da nun sowohl die Breite des Nasenrückens als auch der Augenabstand bei allen Personen sehr ver- schieden ist, so kann der Kneifer fast niemals wirk- lich passen.„ Man kann sagen, dast es ein Zufall ist, wenn er wenigstens einigermasten pastt. Das ist auch der Grund, weshalb die Augen» ärzte bisher die Brille bevorzugten. In der Regel hängen die Gläser de» Klemmers seitwärts schlag nach unten, was übrigens dem Ge- ficht immer einen etwas schlaffen, wehleidigen Zug gibt. Die Folge ist, dast die Pupille nicht hinter dem Brennpunkte, sondern austerhalb desselben steht, wodurch da? Auge fortgesetzt zu eineni leichten, oft sogar zu starkem Schielen gezwungen und dadurch sehr überanstrengt und geschwächt wird. Kopssckimerzen, Schstörungen und Nervosität find die Folgen dieser ununterbrochenen Ueber- anstrengung. Der Fehler liegt nur in der unzweckmäßigen, primitiven Konstruktion des Kneifers. Das hat man seit langer Zeit erkannt, es hat aber vielen Nachdenkens und vieler Experimente bedurft, bevor man zu der vollkommensten Kon- struktion, zum L o h m a n n- Kneifer, gelangte. Teilweise gelöst wurde die Aufgabe ja schon früher, aber alle die verschiedenen Erfindungen hatten noch ihre Mängel. Erst im L o h m a n n- Kneifer wurde der höchste Grad der Vollkommenheit erreicht, der in zahlreichen ärztlichen Gutachten und Aner- keiinungSschreiben von Käufern bestätigt wird. So schreibt z. B. Frau Ada G., Weimar: „Nachdem ich mich an diese so sehr angenehm leichten Gläser mit der druckloscn Mechanik gewöhnt habe, ist mir jede andere Kneiferart unerträglich geworden." Herr Oskar Z., Weißenfels a. S.. schreibt:„Ich bin mit deitz Kneifer außerordent- l lich zufrieden. Selbst beim stärksten Schwitzen ist er mir nie abgefallen, auch beim Bücken nicht, so daß ich noch kein neues Glas in zwei Jatren nötig gehabt habe. Dann sieht Ihr Kneifer gegen die im Handel befindlichen neueren Systeme auch be- deutend eleganter aus, ganz abgesehen von der Stabilität gegenüber den anderen, bei denen die Federn und Federchen fortwährend Reparaturen nötig machen." Die Loh mann- Kneifer sind patentiert und nur von der Orthogen trischen Kneifer- g e s e l l s ch a f t m. b. H. in Berlin, P o t s- damer Straße 134a, allein zu beziehen, welche auch gründliche Augenvrüfung kostenlos zu jeder Zeit gewährt. Man lasse sich in dieser Hin- sicht nicht beirren und beachte bei persönlichem Be- snche gena u die Hausnummer 134a. da sich unmittelbar daneben in auffälligerer Loge ein optisches Geschäft befindet, welches infolge einer ähnlich lautenden Aufschrift oft zu Verwechslungen Anlaß gibt, aher die L o h m a n n- Kneifer nicht führen darf. �• Nach auswärts verlange man Prospekt welcher gratis und franko zugesandt wird. 2 F. 89 ji- Leipziger Strasse— Jilexander platz k~ BÜRO Reisegepäck-Versicherung Reise- Läger." 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B.: Ein Berliner Blatt bringt aus Weimar die Meldung, ein Schulkompromiß sei zwischen der sozialdemokratischen und der. Zentrumsfraktion der Nationalversammlung abgeschlossen worden, und es wird der angebliche Wortlaut dieses Kompromisses mitgeteilt: Demgegenüber wird von unterrichteter Seite festgestellt: Ein Kompromiß zwischen den beiden genannten Parteien ist nicht abgeschlossen, ebensowenig kann der mitgeteilte Wortlaut irgcndwelchey Anspruch auf Authentizität erheben. Es s ch w e b en zwischen den Parteien der Na- . tionalverfammlung Verhandlungen sowohl über die noch offenen Schulfragcn wie über andere um- strittene Fragen auf dem Gebiete des Verfassungsentwurfes. _ Die„Soz. Korr." schreibt: Das Zentrum sucht jetzt ganz öffentlich die Pfaffenherrschaft in der Schule durch die Drohung zu verewigen, andernfalls Rheinland und Lbcrfchlcsien von Deutsch- land loszureißen. Diese skandalöse Erpress erpolitit kam zum unverhüllten Ausdruck auch m der Untcrrichtskommiffion der prcutzi- fchen Landcsversammlung. Tort wurde am Tonnerstag abend— nach immer wiederholtem Hinausschieben— endlich die' Beratung des Gesetzentwurfes über die Aufhebung der örtlichen S ch u l a u f f i ch t vorgenommen. Da die Mehrheitsparteien sie als einen Programmpunkt angenommen haben, und die übrigen Par- teien ausnahmslos zustimmten, hätte man«ine kurz« sachliche Er- ledigung der Vorlage erwarten sollen. Statt dessen verlas- der Abg. Lauscher eine lange Erklärung des Zentrums, es verlangte als Gegenleistung Schulbeiräte, in denen die ReligionSge- nie i n f ch a fte n vertreten feien, ferner für die UebergangSzeit daZ Recht der kirchl ichen Behörden, Vertrauensmänner bei den Schulbehörden zu ernennen, die in allen Fragen der sitt- liehen und religiösen Erziehung gehört werden müßten, endlich Anerkennung d-Z RechlS der Kirche auf Leitung und Erteilung des Religionsunterrichts und die Schaffung neuer kirchlicher Behörden zu diesem Zweck. Immer lauter werdend fügte der Redner in pathetisch drohendem Tone hinzu, wenn diese Anträge nicht berücksichtigt würden, könne seine Partei nicht länger dafür einstehen, daß nicht in der katholischen Bevölkerung de» Rheinlandes und OberschlesienS eine große Bewegung für LoSlSfnng von Deutschland einsevte. Andere Zcntrumsredner fügten hinzu, die Katholiken in Oberschlesien wür- den den Lockungen der Polen nicht mehr widerstehen können, wenn Die Orisschulaufsicht aufgehoben würde, ohne daß der Kirche ein solches Bukett von neuen Rechten geschenkt tverde. AlleS Sturmlaufen der anderen Parteien gegen diese uirsach- liche Verschleppung brachte daZ Zentrum von seinem Standpunkt nicht ab. Es ist entschlossen, die höchste Not unseres todkranken Vaterlandes für seine Kirchenzwccke rücksichtslos auszu- nutzen. So gelang eS ibm, das Gesetz über die geistliche Schul- aussicht wieder zu verschleppen. Ob wir den Verlust der Grenzprovinzen riskieren können oder unter das iaudinische Joch kriechen müssen, bis ihr Besitz wieder gesichert ist— über die moralische. Bewertung dieser Zentrums- politik-werden sich Wohl alle anständigen Menschen einig fein. Spitzellügen üer„Freiheit". Eine Zuschrift von berufener Seite stellt fest, daß die Ne> bauptungen der„Freiheit" über angebliche Spitzelwirtschaft in der Regierung nichts anderes sind als leichtfertige und niederträchtige Verleumdungen. Tatsache ist, daß es sich bei dem Detettivtnstimt Kahrendorsf in Hamburg um ein rein privates Unternehmen, das von privaten Mitteln unterhalten wurde, gehandelt hat. Während der Unterdrückung des Ende April d. I. in Hamburg überhandnehmenden Verbrecheruniwesens versuchte der Leiter des Bureaus Fahrendorss bei dem in Vcr- trctung dc§ ReichSwehrministerS Noske in Hamburg anwesenden Herrn Beruhard Rausch vom Reichs wehr mini stertum behördliche 0 Anerkennung und Verwendung zu erlangen. Als dieser damals Einblick in das Treiben der Agenten deS Bureaus Fahrcndorff erlangte, hat er diese gewünschte amtliche Unterstützung nicht nur versagt, sonder« sofort dafür gesorgt, daß dem Bureau jede weitere Bctötigungsmöglichkrit in Hamburg unterbunden wurde. Ebenso hat das Reichswehrministerium in dem Augenblick, als ihm de- kannt wurde, daß Fahrendorss versuchte, seine Tätigkeit im Ruhr- gebiet erneut aufzunehmen, durch Benachrichtigung des Zivil- kommissars Severing und des 7. A.-K. veranlaßt, daß ihm auch dort der Boden für seine, der Regierung höchst unerwünschte Tätig- kcit entzogen wurde. Der Schieüsspruch im Dankgewerbe wurde Sonnabend abenö kurz bor 10 Uhr verkündet, wobei der Vorsitzende erklärte, daß die Parteien bis zum 11. Juli, mittags 12 Uhr, dem ReichSarbeitsministerum schriftlich Mitteilung von der Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches zu machen hätten. Der wichtigste Punkt des Schiedsspruches bezieht sich auf die Ein- kommenSregelung, wobei die Gehaltssätze, wie sie von den Bank- leitungen vorgeschlagen worden sind, mit kleinen Abänderungen festgelegt worden sind. Die Urlaubsvcrhältnisse sind nach der Reihe der Ticnstjahre für alle Angestelltenkatcgorien geregelt worden. Der Vorsitzende empfahl den Parteien die Annahme des Schieds, sprucheS mit dem Bemerken, daß der SchlichtungsauSschuß sich be- müht habe, die mittlere Linie zu finden. Die Unruheschäden. In der unter dem Vorsitz des Reichs- Ministers deS Innern Dr. David abgehaltenen Vollsitzung deZ Staatenausschusses wurde dem Entwurf eines Gesetzes über die durch die inneren Unruhen verursachten Schäden und dem Eni- wurs einer sechsten Ergänzung des Besoldungsgesetzes vom 15. Juki ISstv zugestimmt. Frankreichs Vorbereitungen. Beteiligung Englands vorausgesehen. Versailles, 5. Juli. Marschall Josfre erschien gestern Nach- mittag vor dem parlamentarischen Ausschuß, der eine Enguete über die Verteidigung des Beckens von Brietz döranstaltet. Der Marschall verlas ein Schriftstück, in dem er die militärischen Vorbereitungen, die zu Beginn des Krieges und vor dem Kriege getroffen wurden, des näheren auseinandersetzt. De« merkenswert ist, daß Joffre erklärte, die Beteiligung Englands am Kriege sei vorauszusehen gewesen. ES habe eine Militärkonvention mit England bestanden, von der aber nicht gesprochen werden durfte, da sie geheimen Charakter hatte. Frankreich habe auf sechs englische Divisionen und auf die Mitwirkung der Belgier gerechnet. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Violette erklärte Joffre, die französische Armee sei mit 2 300 000 Gewehren in den Krieg gezogen. Französische Demobilisierung. Versailles, ö. Juli. Die französische Kammer verhan- delte gestern über einige Interpellationen betreffend die Demo- b i l i s i e r u n g. Der Unterstaatssekretär für die Demobilisation erklärte, die Regierung werde vom S. Juli ab die schleunigste Demobilisation sämtlicher Reservistenklassen vornehmen, so daß am 20. Oktober nur noch drei Jahresklassen Aktiver, nämlich die JahreS« Mm Mittwoch, öen 9. �uli 1919 ahlabenö unserer Partei in Groß-Serlin. nsere Mitglieder haben hier Gelegenheit, zu allen wichtigen Vorgängen Stellung zu nehmen und üer Partei üie Marschroute vor- zusihreiben. Much„Vorwärts"- Leser sind willkommen. Die Lokale weröen noch bekanntgegeben. klaffen 1917, 1913 und 1919 im Dienst sein würden. Die Kammer nahm eine Tagesordnung Durand mit 3Sö Stimmen an, die eine schnelle und ununterbrochene Demobilisation verlangt. Im Laufe der Debatte erklärte Abgeordneter Poncet, die polnische Frage dürfe kein Hindernis für die Demobilisierung sein, denn Frankreich könne die Freiheit Polens nicht mit dem Blut seiner Söhne erobern. Bern, 5. Juli. Lyoner Blätter melden zu den Verhandlungen in der französischen Kammer über die Demobilisierung u. a.: G i r a h wollte wissen, warum Frankreich in Rußland und an dem rechten Rheinufer Truppen stehen habe. Alle Reserveklassen müßten entlassen werden. Die Truppen seien unzufrieden. Unter Protest de? Kammerpräsidenten und zahlreicher Deputierter de? Zentrums und der Reckten rief Giray gegen die Regierungsbank:„Wissen Sie, was am 1. Juli in EhelonS-sur- Marne vorgegangen ist? Wenn diese Fälle andauern, werden die Soldaten sich selbst demobili- sicrcn. Für Frankreick ist der Krieg beendet, denn der Friede mit Deutschland ist unterzeichnet."(Lebhafter Beifall.) Mmerikas Kampf gegen öen Völkerbunö. Amsterdam, 5. Juli. Laut Preßbureau Radio schreibt„New Jork Sun" zu dem Sonderablommen zwischen Frankreich, Amerika und England, die Regierung der Vereinigten Staaten sei nicht berechtigt, Verträge abzu- schließen, die der Zustimmung einer internationalen gesetzgebenden Körperschaft, die nicht von der Verfassung der Vereinigten Staaten anerkannt ist, unterliegen. Die Verfassung der Ber- einigten Staaten kenne keinen Bund oder keine Gesellschaft von Nationen. Wenn daher ein Abkommen wie dasjenige, worüber Präsident Wilson im Namen der Vereinigten Staaten verhandelt habe, in Kraft treten würde, so könne man das erschreckende Schauspiel erleben, daß eine Stimmenmehrheit von Ausländern In Genf den Bereinigten Staaten von Amerika ihr oberstes Gesetz vorschreibe. Jrauenwahlrecht in Englanü. Eine Niederlage der Regierung. Amsterdam, 5. Juli. Bei der dritten Lesung im Londoner Unterhaus wurde der von der Arbeiterpartei eingereichte Antrag, der den Fracken dieselben Rechte zubilligt wie den Männern, angenomnien. Die Arbeiter- Partei und die unabhängigen Liberalen widersetzten sich energisch dem Antrage der Regierung. Dieser wurde mit 100 gegen 85 Stimmen verworfen. Man legt dieser Niederlage der Regierung groß« politische Be. d e u t u n g bei. Räch dem angenommenen Gesetzentwurf der Ar- beiterpartei können die Frauen für alle Staatsämter gewählt werden. Der RegierungSentwurf beseitigte zwar viele Ungleichheiten in den Rechten der Frauen, billigte aber nicht allen Frauen da» Wahlrecht zu. Die Niederlage der Regierung ist umso bemerkenswerter, weil sie alle Koalitionsmitglieder ersucht hatte, der Sitzung beizuwohnen. Der Entwurf geht nunmehr an das Oberhaus, wo er wahrscheinlich nicht angenommen werden wird. Neue Regierung in Rumänien. Wien, 5. Juli. Aus Bukarest wird gemeldet: Take Jones- c u, Führer der nationaldemokratischen Partei, ist beim König er- schienen und soll mit der Neubildung des Kabinetts be- traut werden. Eine amerikanische Valutaanleihe sür Rumänien. Wien, 5. Juli. Die Agentur Tacia meldet aus Bukarest: Die Bevollmächtigten Rumäniens haben in'Paris mit der amerikani- scheu Regierung ein Uebereinkommen getroffen, demzufolge A m e- rika Rumänien eine Anleihe in der Form gewahrt, daß diese monatlich 5 Millionen Dollar zur Begleichung von bereits gelieferten und künftig noch zu liefernden Lebensmitteln bewilligt erhält. Eine belgische Bankgruppe stellte dem rumänischen Staat einen Betrag von 25 Millionen Frank leihweise zur Verfügung. Freihafen Saloniki. Wien, 5. Juli. Wie die Agentur Daria aus Bukarest berichtet, wird Saloniki zu einem- Freihafen erklärt. Der Gesandte von Haniel ist zum Unlerstaatsiekrelär iin Auswärtigen Amt ernannt worden. ES hat die Funktionen seines neuen Amtes bereits übernommen. „Republik polen'. Oppeln, 5. Juli.(X. U.) Räch einer Meldung deS pol- nischen Blatte«„ R a p o z o d"(Deutsch„Vorwärts") hat die Vcrfaffungskommission des polnischen Landtages sich endgültig für die republikanische StaatSform entschieden. Der Staat heißt„ R e p u b l i k P o l c»". I» der Berfassungstommission wurde die Teilnahme am Bölkcrbu n d abgelehnt. Rücktritt öer tschechischen Regierung.» Prag, 5. Juli.„Pravo Lidu" meldet, daß gestern nach Eintreffen der Nachricht von der telegraphisch gegebenen Demission des Ministerpräsidenten Kramarsch die Gesamtregierung zurückgetreten ist. Gesandter T u s a r wurde vom Präsiden- ten Masaryk mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt. Vordringen öer Dolschewisien. Ziotterdam, 5. Juli. Laut„Nieuwe Rotterdamsche Courant" haben die finnischen Freiwilligen unter dem Druck der Bolschewistc» das gesamte Gebiet südlich Olonez geräumt. Die Engländer sind jreiwillig an der Murmanbahu zurückgegangen._ Die englische Straflisie, Amsterdam, ö. Juli. Der parlamentarische Korrespondent der „Times" schreibt: Die britische Admiralität hat eine Liste von 71 deutschen Marine- oder anderen Offizieren, darunter viele llnterseebootskommandanten, eingereicht, die besonder? barbarischer Taten beschuldigt werden. Unter anderem wird ihnen daS Bombardieren offener Handelsstädte an der englischen Küste und das Legen von Minen unter un- gesetzlichen Umständen vorgeworfen. Einige der auf der Liste ge' nannten Personen befinden sich augenblicklich in den Händen der Engländer. Alle alliierten Regierungen haben eine eigene Liste von Personen, die ausgeliefert werden müssen, aufgestellt. Die voll- ständige Liste wird der deutschrn Regierung innerhalb eines Monats nach Inkrafttreten deS FriedenSvcrlrageS mitgeteilt werden. Dolschewisienangst in New �ork. Haag, 5. Juli. AuS New Dort wird gemeldet: Anläßlich der gestern stallgefundenen Feier-des Unabhängigentage« hat die Polizei Maßnahmen gegen das Treiben der radikalen Elemente getroffen und die Häuser der Reichen, die den Mittel- punkt der Demonstrationen bilden sollten, beschützt. Tin anti- bolschewistisches Meeting. daS abgehalten werden sollte, wurde verboten, um keine Demonstrationen hervorzurufen. Siutjuftiz. Ueber jenes Urteil, daS irr Deurschland gegen Aufrührer ergeht, geraten die Unabhängigen und Kommunisten aus dem Häuschen. Wenn ein Gericht für Teilnahm» an einem bewaffneten Aufstand ein, zwei Jahre Gefängnis verhängt, so ist der Beweis scheußlicher Wer- derbtheit der jetzigen Regierung zu geben. Aber wie milde nehmen sich die deutschen Urteile aus neben der Blutjustiz, die überall herrscht, wo das Räteshstem in Kraft ist l Genau dasselbe SchreckenSregiment, das in Rußland herrscht, ist jetzt in Ungarn eingeführt. In Budapest arbeitet das RevolutionS- tribuual mit Maschinengeschwindigkcit, 70, 80 Menschen werden an einem Tage verurteilt, und zwar fast ein jeder von ihnen wjHz zum Tode verurteilt, zum Tode durch den Strang. Ein paar Minuten dauert die Verhandlungen gegen den Einzelnen, d�s Urteil ist schon vor der Verhandlung fertig, Vergebens suchen wir auch nur nach einem Wort der Kritik in den unabhängigen Blättern. Aber wenn in Deutschland nach stundenlaiiger sorg- fältiger Verhandlung neun Monate Gefängnis erkannt werden, ja dann— dann ist die Entrüstung groß! 5 Millionen Mark als AbfindiingSsummr hatte die Waldeck-Pyrmout- sche Landesversammlung ihrem Erfürsten bewilligt. Aber-nickt nur diese Summe, sondern auch die von den getreuen Deutichuationaleu geforderte höhere Entschädigung lehnte den Herr enlrüslet ab. Das eine gme hat der Hochmut des Fürsten— dem Volle hat er die Augen über seine ivahre„Laudesväterlichkeit" gcöffne: und es dringt daraus, ihm selbst die angebotene Summe zu beschneiden. Die Waldecksche Landesversammlung. die sich noch einmal mit der An- gelegenheit befassen muß. wird, gestützt auf den Willen des Volkes, wohl kaum den„allerhöchsten Wünschen untertänigst" nachkommen. UebrigenS hat der Fürst vor acht Tage» das Land verlassen. Aus Vorsicht? Sind nur alldeutsche Gefühle heilig? Unsere Ausführungen über die schwarz-weiß-role Fahne als Parteifahue haben die tobende Wut der alldeutschen Presse hervorgerufen. Auf diesen Erfolg haben wir gewartet, weit wir wissen, daß die Feinsüblig- keit dieser Herren immer erst dann anfängt, wenn es sich um ihre eigenen Gefühle handelt. Vielleicht sind sie jetzt einmal so freundlich, sich all die schmutzigen und wegwerfenden Acußerungen ins Gedächtnis zu rufen, mit denen sie die s ch iv a r z- r o t- g o I d e n e n Farben und das rote Banner seit Wochen und Monaten beschimpft haben. Wenn ihnen unsere Aeiißcruiigen recht weh getan haben, so ist unser Ziel erreicht: die Herren wissen nun, wie es tut und erinnern sich viel- leicht bei nächster Gelegenheit etwas deutlicher an daS alte Sprich- wort: Was Du nicht w i l l st, d a S m a n D i r tu, d�a S füg' auch keinem andern zul Industrie und tzanöel. Erhöhung der Kohlcn�rcisr. Essen, 5. Juli. Die heutige Versammlung der Zechenbcsitzer des rheinisch-wcstfälischcn Kohle nsyndikatS be- schloß, auf Grund der vom RcichswirtschaftSminister festgesetzten Höchstpreise die Richtpreise, wie folgt, gegen die Maipreise zu erhöhen: Steinkohlen allgemein nm 0,10 M., Nußkohlen um 0,70 M., geringwertige Sorten um 1,70 M., Koks allgemein um 8,50 M., BrcchkokK 1—3 um 10,20 M. einschließlich Kohlen- und Umsatzsteuer, gültig ab 16. Juli d. I., Brikett- um 2,45 M. ab 1. Juni, um 7,35 M. eck 16. Juni um 9,10 M. ab 1, Juli. Die stufen- weise Erhöhung der Brikettpreise wurde infolge von Pechpreiser- höhungen und einer irrtümlichen und deshalb wieder aufgehobenen Festsetzung des BriketthöchstpreiseS nötig. Die Versammlung be- schloß ferner, von diesen Erhöhungen 2 M. je Tonne oeyi Aus- glclchfonds zuzuführen, dem mithin einschließlich des früher beschlossenen Betrages 12 M. je Tonne zufließen. Lette Nachrichten.. Das Ozeanlustschiff in Not. Boston, 5. Juli. Reuter. Das Luftschiff 34 befindet sich in Not und hat einen Torpeoootszerftörer gebeten, e» ins Schlepptau zu nehme».. GewerWKsbenWimg Die Iraze üer Seiriebsorganisation auf Sem Hewereschastskongreß. Nürnberg, 5. Juli. � Kleider..40 Chinakrepp In verschiedenen Farben 33� Parfümer en Eau de Cologne.......... piasche 2 m. 6.2d Spreewasser.................. nasche 7.50 Kananga, Toilette-Wasser......... Flasche 95 PI. Lavendel wasser........ Flasche 5.50 u 7.50 Mandelkleie.......... im Karton 1.25 vis 2.50 Toilette-CrSme Vellchen, Maiglöckchen... Tube 40 PI. Boroglycerin................... Tube 50 Pf. Mundwasser......... Flasche 2.25 2.50 4.50 *«•••••••••••••••••••••••••••••••••••«••••••••••■«««»«#«••••••••••••••••••#• : | Photographische Ateliers| in allen 4 Geschäften !- • Besonderes Atelier für Kinder- Aufnahmen? S f Künstlerische Porträts | Anfertigung von Skizzen a. 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