Nr.343.36.Iahrg. . BczngSpreis: 33lfclrti5f|tL 9,— SKt, monalL 8,— SBft frei ius Hau», voraus zahlbar. Post- bezug: Monatlich Mr. extl. Zu- ftcllungsgcbllhr. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 6.25 Mb, für da» Übrige Ausland 10.25 Mb, bei täglich einmal. Zustellung s 25 Mb Postbestellungen nehmen an Danemarb Holland, Luxemburg, Schweden u. die Schweiz. Tingetragen in die Poft-geitungs-Preislifte. Der„Borwärts' mit der Sonntagsbeilage»Boll u. geit* erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags einmal Morgen Ansgabe. Telegramm-Adresse- �Sozialdemokrat Berlin". � 4 Vevlinev Volksblstt. (lSpk«nnlo) SlnzeigenprriS: Die achtgespaltene SlonvareMezell« kostet ILO Mb»SIetoe Anzeigen". da» fettgedruckte Wort 50 Ptg. lzulalstg 2 fettgedruckte Worte), jede» weiter» Wort 25 Pfg. Stellengesuche und «chwfstellenanzetgen das erst- Wort 60 Pfg. jedes weitere Wort 20 Pfg. Worte über 15 Buchstabe» zähle» für zwei Worte. Truerungszuschlag 50°,». FamUien- Anzeigen, volstijche und gewertfchaftliche Berein»- Anzeigen 1,20 Mb die Zeile. Anzeigen für dl» nächste Nunmier mlifseu bis 6 Jlfjt nachmlttag« Im Hauptgejchäft. Berlin 698 68, Lindenstrabe 3, abgegeben werden.«Beöffnet von 9 Uhr früh bis 6 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemohratUcben Partei Deutfdblanda Reüaktion unö Expeüition: EW. 68, Linüenstr. Z. Kerniprecher: Amt Moritzplatz, Str.»Sl SO— ISIS?. Dienstag, den 8. Juli ISIS. Vonvärts-Verlag G.m.b. H-, EW. 6$, Linüenstr. 5. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. 117 SZ— S1. Heneralftreik gegen Gewaltfrieöen. Bern, 7. JuN. Der Generalrat des allgemeine« italie- nischen Gewerkschastvbunde» macht bekannt, daß auch die italienischen Eisenbahner sich dem internatio- nalen Proteststreik anschließen werden. Nach „Avanti" wurde ein« Tagesordnung vorgelegt, die in der Hauptsache folgeudeS besagt: DaS italienische Proletariat beschließt mit größter Energie, stch gegen die UuterdrückungSpolitik der Entente aufzu- lehnen, die darauf ausgeht, die Sowjetrepubliken und di« durch den Krieg entstandene» nceien Regimes niederzuhalten. Diese allen Grundsätzen des Selbstbesti,i,mungsrechts der Völker und aller Gt- rechtigkeit hohnsprechende Politik findet in der Anerkennung des von allen freiheitlich Gesinnten bekämpften russischen Abenteurers Koltschak und in de» FriedenSbedingungen, wie sie von der Eateute de« deutschen Bolke auferlegt worden sind, ihren Ausdruck. Um gegen diesen Geist der Reaktion und der Unter- drückung, der die Leiter der Ententepolitik beherrscht, und gegen die volksfeindliche Politik der eigenen Regierung zu p r o t e st i e- r e«, wird am 20. und 21. Juli baS italienische Proletariat mit Ausnahme der im Sanitätsdienst beschäftigten Leute in den Gr» neralstreik eintrete«._ Riga von den Deutschen geräumt. Berlin, 7. Juli. Wie die deutsche Gesandtschast in Mitau meldet, ist Riga»ou den deutsche« Truppen geräumt worden. Dir militärische«od die politische Loge»st im übrigen unverändert. « Nach dieser Meldung möchten wir hoffen, daß das bal- tische Abenteuer unter der Führung des Generals v. d. Goltz und seiner Offiziere im Zusammenwirken mit den baltischen Baronen nun endlich sein Ende erreicht bat. In der Nationalversammlung hat Genosse W innig Worte der Trauer darüber gesprochen, daß die Zurückziehung unserer Truppen vielleicht zur Ausrottung des letzten Restes unseres Deutschtums in den Ostsceprovinzen führen wird. Wir können diese Trauer verstehen, müssen aber betonen, daß die Gefahr einer Vernichtung des Deutschtums lediglich hervorgerufen worden ist durch die Unterdrückungspolitik der deutsch- baltischen Barone, die sich mit abenteuernden reichsdeutschen Offizieren zusammengeschlossen haben. Diese Politik beginnt sich jetzt an ihren Urhebern zu rächen. Nach der Revolution wäre es für Deutschland nicht schwer gewesen, sich die Sympathie der Esten und Letten im Fluge zu erobern und mit diesen Völkern zu einer Lebens- gemeinschaft zu gelangen, die letzten Endes auch dem Deutschtum in den baltischen Provinzen zum Nutzen gereicht hätte. Statt deffcn hat man Militärs und Barone auf eigene Faust handeln laffen, hat damit die anfangs durch- aus deutschfreundlichen Esten der Entente in die Arnie getrieben und die Letten durch einen Staatsstreich zu bitterer Feindschaft aufgestachelt. Zu retten ist nur noch etwas, wenn die Regierung strikte die Resolution des sozial- demokratischen Weimarer Parteitages zu ihrem Programm macht und alles vermeidet, was nur irgend- wie nach einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Osffeeprovinzen aussieht_ Die Ratifizierung öes Friedensvertrages. Eine Note Clemeneeaus. Versailles, 7. Juli. Ministerpräsident Clemenceau überreichte gestern abend dein Präsidenten der deutschen Friedensdelegation in Frankreich, Freiherrn v. Leisner, die Antwort der alliierten und associierten Regierungen auf die Note betreffend die Ratifizierung des Friedens- Vertrages. In der Antwort wird gesagt, die Ratifizierung müßte sich aus sämtliche Akte, die ein Ganzes bildeten, beziehen, also auf den Friedensvertrag selbst das Protokoll und die Vereinbarung betreffend die Bc- fetzung der R h e i n l a n d e. Diese Dokumente bildeten die Friedensbedingungen und seien eines von dem andern»n- trennbar. Aus diesen Gründen könnten die drei Akte nur als ein einziges Ratifikationsinstrument an- gesehen werden._ Revifion des öfierreichifihen Friedens- Vertrages. Btin, 7. Juli. Wie der Pariser Korrespondent der.Agcnce Centrale"' erfährt, ist die Ueberreickumg deS deutschösterreichischen Friedensverträge» infolge einer vollständigen Aenderung in der Hol- tung der Alliierten gegenüber Teutschöstrrreich verzögert worden. Uin Deutschösterreich nicht in die Arme Deutschlands zu treiben, sei eine vollkommene Revision der territorialen Klauseln sowie eine Revifion der wirtschaftlichen und finanzielle» Bedingung» vorgenommen worden. Ueberfiedlung der deutschen Waffen- fiillfiandstommijfion. W« die P. P. N. erfahren, hat die Deutsche WerffenstillstandS- lommiffion in Spaa am 7. Juli vornrittag« Spaa verlassen. Ein Teil der Mitglieder siedelt nach Düsseldorf über, der andere Teil kehrt nach Berlin zurück. Von deutscher Seite ist vorgeschlagen worden, daß die Waffen- stillstcmdSkomnrission, die bekanntlich für die Zeitdauer bis zur endgültigen Ratifizierung des Friedens von Spaa nach Düsseldorf verlegt wtrd, Zivilleitung erhält, und zwar in der Person des früheren OixirbürgermsisterS von Posen Dr. W i l m s, der bereits mehrere Monate als Referent für wirtschaftliche Fragen in Spaa tätig war. ES ist dafür gesorgt, daß der Dtenstdetrieb, namentlich m der Frage der Kriegsgefangenen und der Eisenbahn unbedülgt sichergestellt bleibt Die deutschen Vorschläge liegen augenblicklich den All-iierien zur Gegenäußerung vor. Der Zwischenfall in Spaa. Noch keine Erledigung. Auf die Note deS Generals Delobbe vom 4. Juli hat Ge- neral v. H a m m e r st e i n, wie die P.P.N. erfahren, am 5. Juli folgende Entgegnung überreichen lassen: „Ich habe die Ehre, den Empfang der Note vom 4. Juli betreffend die Vorfälle vom 30. Juni in Spaa zu bestätigen. Ich habe mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß der Herr General diese Vorfälle als tief bedauerlich bezeichnet, wie Ge- neral Nudant es am 2. Juli schon getan hatte." Die Entgegnung wendet sich dann weiter gegen die von bel- gischer Seite beliebte Kennzeichnung der deutschen Darstellung als Uebertreibung und weist die Bemerkung General DelobbeS zurück. daß die städtische Obrigkeit von Spaa allein zuständig gsivesen sei, die Manifestation zu verhindern. Die Antwortnote schließt folgendermaßen: „Ich habe mich nicht an die städtische Obrigkeit, sondern an den Vertreter der belgischen Regierung zu wenden, und es han- delt sich für mich jetzt darum, daß ich von der belgischen Regie- rung eine Genugtuung erhalte. In Uebereinstimmung-mit dem Schlußsatz der Note des Generals Delobbe vom 4. Juli möchte ich keinen Zweifel darüber lassen, daß ich die Angelegenheit noch nicht als erledigt ansehe, denn ich kann nicht glauben, daß die belgische Regierung es bei dem von General Delobbe für sich per» sönlich ausgesprochenen Bedauern bewenden lassen will." Mündlicher Gedankenaustausch mit Frankreich.. Haag, 7. Juli. Aus Paris wird gemeldet: Am Montag werden die Deutschen zum ersten Male mündliche Unter- Handlungen mit den Alliierten in Versailles führen. Die Beratungen werden den RheinstatuS als Gegenstand haben. Die Deutschen hatten erklärt, die Ausführung deS Rheinabkommens fiir unmöglich zu halten und verlangten daher einen mündlichen Gedankenaustausch, welchen der Rat der fünf Außenminister bewilligte. Das Selbfibefiimmungsrecht der Schleswiger. Minister Stauning über die Abstimmung. Kopenhagen, 7. Juli. Minister Stauning, das sozialdemo« kratische Mitglied der dänischen Regierung, erklärte gestern in einer Rede zur schleSwigschen Frage: Die sozialdemokratische Partei hat sich oft mit der nordschleSwigschen Frag« beschäftigt, jedoch ohne sie zu parteipolnischen Zwecken auszunutzen. Wir haben in geineinsamer Arbeit mit den deutsche« Parteigenossen eine Verständigung erzielt, die die Abtretung RordschleSwigS sichert bei gleichzeitiger Anerkennung des Rechte» unserer Lands- leure, selbst die Entscheidung zu treffen, ohne ein« Feindschaft hervorzurufen, die durch andere Grenzverhandlungen entstehen würde. Aber wir haben offen den Versuchen entgegengewirkt, deutsche Gebiet« zu annektieren, weil daS für unser Land zu- künftig ein Unglück sein würde. Wir werden die FlenSburger Be- bölkernng willkommen heißen, wenn sie stch dahin aussprechen sollte, als dänische Stadt mit Dänemark wieder dereinigt zu werden. Aber wir werden auch weiter die Versuche bekämpfen, Ratio- n a I i« ä t e n g r u n d s ä tz e zu fälschen, wenn für Ab- stiinniungen unter fremder Bevölkerung alle» andere als»rationale Rücksichtiii bestimmend sei» sollten. Lue Sie öeutsihe Einheitsrepublik Von Josef Kltche. Unter den auf dem Parteitag in Weimar angenommenen Anträgen befindet sich auch einer, der sich für die E r- richtung einer deutschen Einheitsrepublik ausspricht. Der Antrag wurde gegen eine Stimme a» genommen, und der Vorsitzende, Genosse Heinrich Schulz, hielt diese nahezu einmütige Kundgebung des ganzen Parteitag? für so bedeutungsvoll, daß er feiner be sonderen Freude über diesen spontanen Beschluß Ausdruck gab. Schon vorher aber hatte der Berichterstatter der Fraktion, der Genosse L ö b e, es in seinem Referat als einen Jammer bezeichnet, daß es uns im Verlaufe der Revolution bishek nicht gelungen fei, zu einem deutschen Einbeitsstaate zu gelangen. Jetzt, nachdem der Friedensvertrag unterzeichnet worden ist. wird diese Frage für daS deutsche Volk erneut aktuell. Die Hand deS Gegners liegt schwer auf allen 'deutschen Gauen und die Bevölkerung der einzelnen Glied- staaten wird mehr alS bisher zu fühlen bekommen, daß mir alle gemeinsam die harte Last tragen müssen. In dieser Not aber, so sollte man meinen, müßte dieses zu erhöhtem Ans- druck gelangende Gemeinsamkeitsgefühl imstande sein, jene Schranken niederzureißen, die zwischen den ein- zelnen Bundesstaaten heute noch bestehen und die repräsentiv ihren Ausdruck im Staatenbunde finden. Fast von allen Seiten haben es die Gegner fertig gebracht, vom Leibe Germaniens ein Stück abzuschneiden. einige Millionen Volksgenossen von uns zu scheiden, um sie teils ihren eigenen, teils neu zu bildenden Staaten einzuverleiben bezw. zuzuführen. Angesichts einer solchen Tatsache sollte man glauben, daß sich die übrigen, im gemeinsamen Leid vom Feind bedrängten Gebiete um so fester zusammenschließen müßte». Statt dessen erleben wir, wie wieder wie ehemals, jedes einzelne der verschiedenen Vaterländer monatelang an einer neuen Verfassung herumberät und herumdoktort. Wie immer noch die alte kostspielige Verwaltung, die im Mittelpunkt d. eigenen LändeleinL den Zenith alles Weltgeschehens sah, bei behalten oder gar noch kostspieliger ausgebaut wird. Und um man vielfach. immer noch den alten, unterm in Stücke g schlagenen Obrigkeitsstaat verehrten Idealen huldigt, die darin aller Weisheit letzten Schluß sehen, daß man seine diplomatischen Künste gegenüber dem Nachbarländclein spielen laffen müsse. Und sind doch letzten Endes alles Deutsche. Besondere Gründe für einen restlosen Zusammen s ch l u tz der verschiedenen deutschen Staaten, eiuschließlin des Aufgehens der freien Städte in den sie umgebenden. Ländern, brauchen heute kaum noch angesührt werde- Es genügt, wenn wir darauf hinweisen, daß wir neben eiiu Vereinheitlichung der Verwaltung auch eine wesentliche Verbilligung derselben erzielen würden und daß der Einheitsstaat schließlich auch etwaigen Sehnsüchten ge stürzter Potentaten, der hoffnungsvollen Phantasie früherer Gottesgnadenmänner erfolgreicher als der gegen wärtige Zustand den Weg verbauen würde. Unsere Erachtens ist es ein großer Irrtum, wenn man glaubt, da,; es durchweg selbstlose Gründe sind, die die maßgebenden Persönlichkeiten bestimmen, die Ansichten der früheren Machthaber weiter zu hegen und zu pflegen. Schon daß die Bestandteile einzelner Gliedstaaten so Humor- voll im Reiche verstreut sind, sollte schärfer zu denken geben. Man erinnere sich nur an Oldenburg. Das eigentliche Oldenburg liegt oben an der Nordsee, ein anderer Teil dieses früheren Grvtzherzogtums, das Fürstentum Lübeck, liegt weit weg an der Ostsee und ein dritter Teil, das bis- herige Fürstentum Birkenseld, liegt gar 300 Kilometer ent- fernt am Hunsrück, jenseits der Mosel. Was die Laune Metternichs auf dem Wiener Kongreß geschaffen, besteht also noch heute und erändert fort. Und ist es etwa mit den im Württembergischen gelegenen hohenzollernschen Bezirken, oder den Hansestädten wesentlich anders. Ganz un- natürlich liegen diese Gebilde als Pfahl im Fleische anderer Staaten. Aber auch davon abgesehen, sind es nicht immer Gründe wirtschaftlicher oder völkischer Art, die als Hindernisse des Zusammenschlusses, des Aufgehens ineinander im Wege stehen. Diese Faktoren waren bei Ent- stehung der heutigen Kleinstaaten selten treibendes Moment, vielmehr spielte das Verlangen raublustiger Herzöge, die Morgcngabe irgendeiner Prinzessin oder eine andere Familien- angelegenbeit vor grauen Zeiten verflossener Potentaten bei der Staatenbilduug die maßgebende Rolle. Und heute? Nun. auch heute Sürsts eS zuwessen«tue geseltschafMche oder finanzielle Pfründe sein, die diesen oder jenen Minister, diesen oder jenen hohe»? Beamten innerlich in seiner Hallung bestimmt. Käme sie doch bei einem Zusammenschluß mit anderen Staaten in Gefahr der- lorcn zu geheut Solche Herren sind CZ besonders, die der Bevölkerung viel von ihrer„geschichtlich bedingten" Eigenart zu erzählen wisjen, un: so ihre eigenste Eigenart desto beut- licher verbergen können. Oder auch, es treten Auffassungen ans Licht, wie jfingst in Oldenburg, wo die Zentrumspresse erkürte, sie müsse�'ich schon deshalb einer Zusammenfassung der beiden wirtschaftlich einander so trefflich Ergänzenden Staaten Oldenburg mnd Brenien widersetzen, well nach einer solchen Vereinigung d.ieSozialdemokratie imneuen P a r l a in e n t die Mehrheit erlangen würde.— Alw das Parteiinteresse wird zuweilen über das Wohl der All- gemeinheit gestellt l Ein Zusammenschluß solcher kleiner Einzel- st a a t e n, die einander benachbart sind und wirtschaftlich ein- ander ergänzen, ist aber heute auch schon begrüßenswert. Er greift der später doch einmal kommenden deutschen Einheits- republik durchaus nicht vor und der Parteitag hat daher auch den im Werden begriffenen politisch und wirtschaftlich lcbens- fähigen Staat Groß-Thüringen alles Gute gewünscht. Stammeseinheit und wirtschaftliche Zusammengehörigkeit oder Ergänzung sind zumindest Triebkräfte, die einer Bercch- tigung nicht entbehren und auch die von uns angestrebte ein- heitliche Republik will nicht das eigenartige Leben der einzel- neu Volksglieder ersticken, sondern den Gesamtstaat nur kraftvoller zusammenfassen. Wenigstens zu- sammenfassen in einer zweckmäßigen Gliederung, die der Plan- und Sinnlosigkeit der gegenwärtigen Gliederung mit der Ver- schiedenartigkeit der einzelnen Landesgesctzgebungen ein Ende macht. Leider ist dieses in der neuen Verfassung nicht gelungen. Wohl hat die Zentralisierung einen guten'Schritt vor- wärts getan, die polittsche Demokratie ist einheitlich durchgeführt und auch die Reichsgesetzgebung ist wesentlich erweitert worden. Die„Verreichlichlmg" der Eisenbahnen wird folgen. Aber dem von uns angestrebten Ideal stehen ivir noch Welten- fern. Es bleibt also unsere Aufgabe, den Gedanken der deutschen Einheitsrepublik weiter zu propagieren, ihm immer neue Anhänger zuzuführen. Schließlich ist auch aus seiner Verwirklichung ein Teil jenes schmerzvollen Weh und Ach zu kurieren, das unser Volk m den letzten Monaten durchschüttelte. Nackte parteijuftiz. Die„Freiheit"»nd der Prozeß Klüber. Die.Freiheit', die während der Verhandlungen gegen die Mörder Kliibers dauernd geschwiegen hat, wird jetzt auf einmal ge» sprächig. Jetzt stellt sich heraus, warum sie ihren Lesern den Prozehbericht beharrlich vorenthielt: nämlich, nm den in Unwisscn- heit Gehaltenen seht vorlöge» zu können, den Täter» sei gar nichts nachgewiesen und das Urteil gegen sie sei ein gemeines Klaffen- urteil. Jetzt auf einmal erklärt die„Freiheit", nachdem sie vor-- her sämtliche Berichte als unzuverlässig abgelehnr hat. daß der Berichterstatter des unabhängigen„Halleschen BolkSblatteS" deni Prozeß von Anfang bis Ende bei- gewohnt hat. Der Mann hätte doch sicher gern gegen ein bescheidenes Honorar der„Freiheit' einen Dnrchschlag seines Prozeßberichts geliefert! Aber die„Freiheit" bat gar- nicht daran gedacht, sich von ihrem parteigenössischen Berichterstatter über den Prozeß berichten zu lassen, denn dann könnte sie ihren Lesern jetzt nicht die Hucke voll lügend In Wahrheit ist ein sehr genauer und lückenloser Schuldbeweis geführt worden. Zahlreiche einwandfreie Zeugen haben die Angeklagten als diejenige» wiedererkannt, die Klüber geschlagen, über das Brückengeländer geworfen, ihm die sich festklammernden Hände losgerissen, den sich Rettenden Zranzosen in Frankfurt. Von Max Eck-Troll. Ick bin kein Chauvinist. Nie gewesen. Und doch habe ich mich am letzten Dienstag geärgert über fran» zöfische Ofsiziersuniformen. Nur über Uniformen. Sie sind ja Ichließlich das Symbol des Militarismus. Da saßen sie in einem Kaffee im Zentrum— drei Stück aus einmal— und draußen auf der Straße stolzierten auch ein paar und versuchten zu liebäugeln, sie. diese französischen Schürzen- ChasseurS, mit unseren Franlfurterinncn. Diese aber zu ihrer Ehr« sei'S gesagt— sahen sie erstaunt an, als ob sie sagen wollten: „Warum bleibt Ihr nicht zu Hause?" Ich erkläre noch einmal: Ich bin kein Chauvinist und habe so viele Freunde unter den sranzösischen Soldaten des besetzten Ge- bieteS und unter den französischen Sozialisten. Mein kleines bescheidenes Heim bei Mainz war seit Dezember der Treffpunkt für französische Genossen in Poiluuniform. Und doch gibt es fern von Politik und Parteigrundsätzen Dinge, die uns durch das Gefühl des Taktes diktien werden. Ich sage daher frank und frei: Es war taktlos und war daS Gegenteil der so viel gerühmten Courtoisie und Politesie, wenn französische Offiziere sich gerade an diesem Tage, dem schwersten und traurigsten, den Deutschland durchmachen mußte, sich großprotzig in ihren Unter- und Ober- leutnantSgallonS an den Käppis in der Gloire des Siegers zeigten. An dem Tag, den das deutsche Volk, das nie kriegslüstern war. der kriegshetzerischen Politik der Tirpitze und Ludcndorffs aufs schuldlonto schreiben muß. Die Neugierde der sranzösischen Offiziere für unsere Mainstadt finde ich begreiflich. Hat doch kurze Zeit vor dem Kriege der französische Schriftstellerjournalist JuleS Huret im Pariser ..Figaro' nach einer Rundreise durch ganz Deutschland gesagt: ..I-Vanckoi-t zur le Main est lu plus belle ville d'Alleniagno!" lFranknirt um Main ist die schönste Siadt Deutschlands! Aber sie hätten doch bei einigermaßen etwas Taktgefühl diese Neugierde um einige Tage zurückstellen können. Oder wenn es bätle gleich sein müssen, hätten sie ja in Zivil erscheinen können. Zwei amerikanische Offiziere, die ich am gleichen Tag gesehen, waren da rücksichtsvoller. Sie waren in Zivil, mit dem Stehkragen am Halse und eine Krawatte darunter— nur ihre Wickelgamaschen und die amerikanische Offiziersmütze auf dem Kopse verriet sie als Mitglieder der Ententearmee. Ja... ich gehe noch weiter. Es würde gar nichts schaden, wenn man ganzen Trupps Franzosen, jetzt nachdem der Frieden abgeschlossen ist. unter fach- kundiger Führung die Schönheiten der Mainstadt zeigen würde. Da« würde gar nichts schaden— könnte nur völkerverbrüdernd wirken... wie die Besetzung de» Rheinlondes so manchem Poilu die in? Waffser �nröckgestoßen und ans den z« Tode ge- marterten Mann ichließlich noch ge schassen baben. Dazu haben sich noch die Angeklagten selber gegenseitig in der allerschwersicn Weise belastet. Trotzdem fchreibt die„Freiheit", das Urteil hätte höchstens auf ein„non liquet" jnicht bewiesen) lauten dürfen. Nun gut, wir haben auch dafür Verständnis, daß man ist den Anforderungen an einen Schuldbeweis bis zur äußersten Grenze gehen kann. Aber dann muß man das immer tun und nicht gerade dann, wenn es einem in den Kram paßt. In dem Prozeß gegen die Mörder Liebknecht? hat die„Frei- heit' auf einem ganz anderen Standpunkt gestanden. Hier verlangte sie tnotz großer Lücken im SchuldbewciS bedingungslose Verurteil u.ng und tobte, als diese nicht erfolgte. Dabei muß jeder objektiv Urteilende sagen, daß im Prozeß Liebknecht— mit Ausnahme vielleicht der Täter Runge und Vogel— auch nicht annähernd ein so lückenloser Schuldbeweis geführt werden kannte, wie im Falle Klüber, nament- lich nicht gegen die Mörder Liebknechts, für dessen Ermordung Tatzeugen völlig fehlten, während die Angeklagten selber geschlossen leugneten, sodaß die Verurteilung nur auf Indizien hin hätte erfolgen können. Der.Freiheit' genügte dieser Indizienbeweis trotz zahlreicher Widersprüche völlig. Im Falle Klüber halten sie die positivsten und bestimmtesten Aussagen von Tatzeugen nicht ab, um einen Freispruch zu verlangen. Im Falle Liebknecht fordert sie auf Grmid eines sehr lückenhaften Indizienbeweises Verurteilung. Da. muß man schon sagen: Solche Anwendung von zweierlei Maß ist nackte Partei- justiz. Und daS gibt ja die„Freiheit' schließlich selber zu, indem sie für die Freisprechung der Angeklagten eintritt, auch wenn sie die Täter gewesen sein sollten, indem sie behauptet, diese seien nur „Opfer der RegierungZpolitik' und ihre durch die Entbehrungen des jahrelangen Krieges zermürbten Körper vermochten nicht mehr die Kraft aufzubringen, ihre Leidenschaft zu bezwingen!" Also die Entbehrungen des Krieges ermächtigen jeden U. S. P.- Mann, einen Menschen in der bestialischsten Weise zu Tode zu martern! Sophistischere Gründe zur Rechtfertigung einer Partei- und Klaffenjustiz hat schließlich auch die Reaktion nicht ge- braucht. Solche Grundsätze bedeuten schließlich nur: ein Partei- anhänger der N. S. P. snatürlich nur ein solcher) kann jede Scheuß- lichkeit begehen, die er wiP es findet sich schon ein Grund, ihn frei- zusprechen. Aber diese Maximen wundern uns nicht: wo die von den Unabhängigen erstrebte Rätediktatur herrscht, da wird tatsächlich nach ihnen geutteilt. Gott schütze uns vor dieser Sorte.Gerechtigkeit'. Zweierlei Maß. Unabhängiges Liebäugeln mit dem Belagerungszustand. Die„Freiheit' gibt die Rede des Abgeordneten Dr. Oskar Cohn aus der Nationalversammlung nach dem Stenogramm wieder, in der sich der unabhängige Wortführer gegen die Bestimmungen der neuen ReichSverfaffung über den Belagerungszustand wendet. Bekanntlich wurde Dr. Cobn sofort erwidert, daß gerade seine Parteifreunde, wo sie auch zur Alleinherrschaft ge- langten, in Müncken, Bremen usw. als erste Tat den Bc- lagerungszustand verhängt haben. Diesen unbequemen Vorwurf sucht Dr. Cohn mit folgender Sophisterei abzuwehren: „Es ist ein Unterschied, ob eine um die Macht ringende Partei, nennen Sie sie Räteregierung oder wie Sie sonst wollen, von der Gesetzlichkeit abweicht, oder ob es die Rc- gierung tut, die immer und immer wieder versichert, sie sei die wahre und gesetzliche und demokratische Regierung.' Also, wenn eine kleine Gruppe von brutalen Machtpolitikern alle Mittel der Gewalt spielen läßt, um die Regierung an sich zu reißen, so hat Herr Dr. Cohn Verständnis dafür. Wenn aber die vom Volte durch freie Wahl berufene Regierung dagegen die Mittel anwendet, die allein wirksam find, dann Bauer ist das ganz was anderes. Augen über die„Boches" und ihr Land sperrangelweit geöffnet und ihnen den Nachweis erbracht hat, daß wir das Herz auf dem näm» lichen Fleck haben wie sie... essen und trinken wie sie. Das ist vielleicht die einzig gute Seite der Besetzung des Rhein- landeS.. Sichkennen heißt Sichverstehen. So aber konnte das Austreten der französischen Offiziere am Uinerzeichnungstage nur aufreizend... provokatorisch wirken. Nur der Zurückhaltung, der Ruhe und dem dem Frankfurter angeborenen Sinn sllr mögliche Folgen ist zu danken, daß es den fränzösischen Osfiziercn nicht so ergangen ist, wie der deutschen Friedensdelegation in Versailles, nach denen Pariser chauvinistischer Mob mit Sieinen geworfen. » Doch.... weg mit solchen Betrachtungen. ES waren ja„nur" Offiziere. Die sind da drüben genau io „alldeutsch", wie es die nieisten der unsrigen waren. Natürlich spreche ich hier nur von!>er Mehrzahl. Es gibt auch drüben genau wie bei uns eine starke Minderheit, die nur gezwungenermaßen den Schwindel des militaristischen Systems mitmachen. Am aufgeklärtesten ist der einfache französische Soldat. Trotz aller Hetzpolitik weiß er, woran er Ist. Er weiß auch, wie er die Schuldfrage des Krieges zu beantworten bat. Hunderte von einfachen französischen Soldaten haben eS mix tausendmal versichert: „Cs sont les capitalistes, qui ont fait la guerre".(Die Kapitalisten sind es, die den Krieg gemacht haben!) Darum... auch in diesem Falle: Nieder mit allem, was Haß säen könnte. Undiplomatische Taktlosigteiien einzelner chanvi- nistischer Offiziere wollen wir nicht ernst nehmen. Friede wird aus der Welt nur sein können, wenn die Proleiacier aller Länder sich brüderlich die Hände reiche». Das tun sie schon heule... trotz 4>/z Jahre befohlenen Massenmordens... trotz Cleniencistischen Gewaltsriedens, Darum seid gegrüßt, Ihr Genossen in Frankreich und England und Italien und allüberall. Gemeinsam wollen wir für die Verwirklichung unserer sozialisti- schen Wellideale kämpfen. Und wollen uns die Freude an der sozialistischen Jnter- nationale nicht dadurch trüben lassen, daß einige Militaristen alt- fcaiizviischcn Schlages da» Trauergesühl des deutschen Volkes für einige Stunden mißachtet haben. vie Zukunft öer hanüelslustschiffahrt. Das englische Riesenluftschiff„k. 34" hat seine Fahrt über den Atlantischen Ozean vollendet und sein Erfolg wird besonders auch ni englischen HandelSkreisen beobachtet; denn wenn auch dem Flug- zeug die erste Ueberquerung des Ozeans gelungen ist, so ist man ur diesen Kreisen doch allgemein der Anficht, daß die Zukunft der Sunö Zu? Auslieferung Wilhelms II. Tie wollen Wilhelm nach Teutschland haben. Dieselbe„Post", die in den letzten Tagen, noch in ihrer gestrigen Morgenausgabe ihre Leser benachrichtigt, daß Holland den Exkaiser nicht ausliefern würde, bringt in ihrer Abendausgabe einen offenen Brief an den Kaiser von der„Zentralstelle des Bundes deutscher Männer und Frauen zum Schutze der persönlichen Freiheit und des Lebens Wilhelms II." in Görlitz. Die.deutschen Männer und Frauen" forden„ihre Majestät' auf,„die Heimkehr ernstlich in Erwägung zu ziehen'. Dann folgen die altbekannten Phrasen von den„tausend und abertausend deutschen Männern', die sterbend ihrem heißgeliebten Kaiser zujauchzen t„Ave imperator, rnorituri te salutant!"(Sei gegrüßt, Kaiser, die in den Tod Gehenden grüßen Dich!) Man fragt erstaunt, was die Verfasser des Aufrufs, für die ein Hauptmann Hering zeichnet, eigentlich wollen. Sie behaupten, den Schutz des Lebens Wilhelms zu bezwecken. Das kann aber nicht der Fall sein, denn wenn der Bund das wirklich wollte, dann ließe er Wilhelm ruhig in Holland, wo er sich zurzeit relativ am sichersten befindet. Denn das Deutschland Wilhelm, sobald dieser deutschen Boden betritt, auf Grund der Friedensbedingungen sofort ausliefern muß, dürfte selbst den Kaiserbündlern nicht unbekannt sein. Aber offenbar wollen sie gerade diesen Fall provozieren, um ihn sür parteipolitische Zwecke auszunutzen. Da haben wir ein wunderbares Beispiel.Gcrmauischer Mannes- treue'. Unter dem Vorwand, den Kaiser zu schützen, betreibt man seine Auslieferung an die Entente, weil man sich davon ein gutes politisches Agitationsmaterial gegen die Republik verspricht. Feine Gesellschaft! Keine Märtyrerreklame für Wilhelm. Aus London wird ge- meldet:„Observer" schreibt: Die Aussicht des GerichtSver- fahrcns erweckt bei uns keine Begeisterung; Las Todes- urteil würde nur den Kaiser in den Augen der Sentimenta- listen zu einem Märtyrer machen. Es wäre besser gewesen, »ihn in seiner Bedeutungslosigkeit zu belassen.—- Das ist derselbe Standpunkt, der von uns des öfteren zum Aus- druck gebracht wurde. „Der Mensch beginnt erst beim Osfizier"— das ist offenbar beute noch die Ansicht der„Kreuz- Zeitung'. Sie veröffentlicht die Verlustübersichten verschiedener Regimenter und nennt die Zahl ihrer Toten im Weltkrieg. Bei den Maikäfern sind es 14Ö Offiziere und 4fi07 Unteroffiziere und Mann, beim ö. Garde-Regimenk zu Fuß 8ä Offiziere, 4525 Mann, beim Grenadier-Regiment Krön- prinz 144 Offiziere und 5292 Mann usw. Diese gewiß erschüttern- den Zahlen bringt die„Kreuz-Zeitung" unter der Ueberschrift „Offiziers Verluste" und weiß dazu nur zu bemerken, daß sie einen Ueberblick über die hohen Verluste des Offizierkorps geben. Natürlich, neben 85 Offizieren spielen 4500 tote Grenadiere, neben 140 toten Offizieren 4600 tote Füsiliere gar keine Rolle! Für die Begriffe der„Kreuz-Zeitung" sind nur die paar hundert Offiziere Menschen, um die zu trauern sich löhnt, das andere ist eben „Masse", deren Untergang der aristokratischen„Kreuz-Zeitungi" sehr Wurst ist. Ernährungsmärchen. WTB gibt bekannt: Die von einer Korrespondenz verbreitete Nachricht, daß den Bäckern von jetzr ah ein Drittel mehr Mehl zugewiesen würde, daß vom 15. August ab eine sehr st arte Brotpreiserhähung platz- greifen und daß der Brotpreis dann etwa ans 2 btp 2,50 M. sich stellen würde, greift, wie wir von zuständiger Stelle' erfahren, aus Acußerungcn zurück, die angeblich in einer Bäckerversammlung gefallen sind. Diese Mitteilung hat sich schvn'wiedcrholt als u n z u- v e r l ä s s i g erwiesen. Unrichtig ist zunächst, daß oie den Bäckern zugewiesenen Meblmengen dauernd um ein Drittel erhöht werden. Es handelt sich bai der jetzigen Mehrzuweisung vielmehr nur um die Mengen, die erforderlich sind, um das Brat herzustellen, das der Bevölkerung zur Zeit als Ersatz sür die sehlenden Kartofseln gegeben wird. Unrichtig ist weiter, daß der Magistrat irgendwelche Mitteilung über den zukünftigen Brotpreis gegeben habe. Da über die Höhe des künftigen Ge- tceidcpreises und damit auch des Mehlpreises noch gar kein Beschluß gefaßt ist, so dürften die angegebenen Zahlen sich nur als P h a n t a i i e p r o d u k t darstellen. HandelSluftschiffabrt dem starren Lufischiff gehören wird, das seine großartige Entwicklung dem Grafen Zeppelin verdankt. Gcaenüber den allzu großen Hoffnungen macht jedoch der englische Kapilän Pollock darauf aufmerksam, daß noch viele Hindernisse zu über- winden sind, ehe an einen regelmäßigen Handelsluftschiffdienst gedacht werden kann. Man rechnet in Fachkreisen damit, daß bis 13 Jahre darüber hingehen werden. Gegenwärtig geboren noch alle britischen Luftschiffe, die eS gibt, der Admiralität. Nur wenige von diesen sind nach dem starren System gcbaul, dem einzigen, das als Handelsluftschiff Aussicht aus Erfolg hat, und bisher kommen nur zwei oder drei davon für den Flug über den Ozean in Frage. Dazu kommt, daß alle diese vorhandenen Lufischiffe für Kriegs- zwecke gebaut sind und daß die Bedürfnisse der Handels- und Passagierlusischiffahrt noch verschiedene Umformungen erforderlich macheii werden. Zum Bau eines Lustschiffes, da? eine hochqualifizierte Arbeit erfordert, waren selbst in Kriegszeiten unter den Ausnahme- bedingungen, bei denen es aus Mittel gar nicht ankam und mit Ueberstuiiden gearbeitet wurde, sechs Monare sür die Fertigstellung eines starren Luftschiffes erforderlich. In normalen Zeiten wird es wahrscheinlich zwei Jahre dauern, bis man vier solcher Lufischiffe fertigsielll, wie sie für den Ansang eines Luftdienstes zwischen. Europa und Amerika erforderlich wären. Dringend stoiwendig ist zunächst aber auch eine genaue Er- forschiinfl der Witterungsverhältnisse über dem Ozean. Bisher wissen wir so gut wie gar nichts über die höheren Luftschichten in der Milte des Allantiichen Ozeans, und es sind eben erst die Vorbc- reitungen im Gange, die darüber Aufschlüsse bringen sollen,«o- lange die Windverhältnisse über dem Ozean uns völlig unbekannt sind, wird die Luftschiffahrt zwischen den Kontinenten immer ein sehr gefährliches Unternehmen sein. Notizen. — Eine Umgestaltung des Architekten st udiumS schlagen die Siudierenden der Abteiluna Architektur an der Berliner Technischen Hochschule als ersten Schritt auf dem Wege zur Zu- kunftSschule vor. Der jetzigen Examensteilung entsprechend solleir zwei Abschnitte mit wesentlich verschiedener Arbeitsmethode ent- stehen: das vornehmlich elemeniare und schulmäßige Studium bi-Z zum Vorexamen im Eharatler der Baugewerkichule mit festem Lehr- proqramni und das nachsolgende rein akademische Studium mir größter Freiheit, soll die Baulonstruktion als Grundlage alles architektonischen Schaffens in den Mittelpunkt dcS ersten Äludien» abschnitteS gestellt werden und nach dein Vorexamen soll das Ent- werfen im Mittelpunkl des Studiums stehen. — D i e d e il l s ch e n Bühnen und Shakespeare. lieber die Zahl der auf deulschen und einigen außerdeurschen Bühnen im Jahre 1019 aufgenihrlen Stücke Shakespeares gibt die statistische Uebersichl Dr. Egon Mühlbachs im demnächst erscheinenden„Jahr- bück der deutscheu Shakespeare-Geiellschafr" näheren Aufschluß. ES handelt sich um 1083 Aufführungen durch 281 Theatergesellickasten. An der Spitze der Dramen steht, wie meist in den letzten Jahren, „Hamlet' mit 183 Aufführungen durch 41 Gesellschaften. Die meisten Äliffübningen fallen auf Berlin. 177, dann kommen Ham- bürg 83, München 80, Wien 40. Leipzig 31, Hannover 25, Frank- kurt 15, Köln, Dresden und Zürich je 14. Nr. 343 ♦ 36. Jahrgang Seilage öes Vsswaxts Dienstag, S.�uli 1414 Nationalversammlung z» Weimar 4 6. Sitzung, Montag, den 7. Juli 191 V. Am Regierungstische: Dr. Preutz. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung 225 Uhr. Es ist eine Gesetzesvorlage über die Anrechnung der während des Krieges zurückgelegten Dienstzeit eingegangen. Der Abg. Tyomsen(bei keiner Fraktion, aus dem 14. Dahl- kreise Schleswig-Holstein) hat sein Mandat niedergelegt. Der Beirat des ReichSministeriums des Innern, Abt. Elsah- Lothringen, hat einen telegraphischen Einspruch gegen die Miß- achtung des Selbstbestimmungsrechts Elsatz-Loth- r i n g e n s im Friedensvertrag eingereicht. DaS Haus setzt die Beratung beim 15. Abschnitt über die Rcichsgesetzgebung Art. 69 fort. Dieser bestimmt: Die Gesetzes- vorlagen werden von der Rerchsregierung oder aus der Mitte des Reichstages eingebracht. Llbg. Agnes u. Gen. lN. Soz.) beantragen einen Zusatz: Der Reichswirtschaftsrat beteiligt sich an der Gesetzgebung nach den Bestimmungen der Verfassung. Im übrigen wird reichsgesetztich die Teilnahme der Arbeiterräte an der Gesetzgebung geregelt. Reichslommissar Dr. Preus, wendet sich gegen den Antrag der Unabhängigen und bittet, es bei der Bestimmung zu lassen, in der ganz klar und korrekt ausgedrückt wird, daß die Gesetzesvor- lagen von der ReichSregierung oder ans der Mitte deS Reichstages eingebracht werden. Abg. Braß lU. Soz.) vermißt in Art. 69 entsprechend dem An- trag Agnes u. Gen., daß auch der Reichswirtschaftsrat das Recht zur Einbringung von Gesetzesvorlageu haben soll. Die Abstimmung über den Antrag AgneS bleibt zweifelhaft. Die Auszählung ergibt 116 Stimmen gegen und 89 für den Antrag. Das Haus ist also nicht beschlußfähig. Zweite Sitzung vom 7. Juli 1919, nachmittag? 8 Uhr. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung 3.65 Uhr. Die wiederholte Abstimmung über den Antrag Agnes(U. Soz.) zu Art. 69 ergibt seine Ablehnung. Die Art. 73 und 74 treffen Bestimmungen über die Verkün- dung der Reichsgesetze und die Volksabstimmung. Nach Art. 73 ist die Verkündung eine? ReichsgesctzeS um zwei Monate auszusetzen, wenn es ein Drittel des Reichstages ver- langt. Gesetze, die der Reichstag und der Reichsrat für dringlich erklären, kann der Reichspräsident ungeachtet diese? Ver- langens verkünden. Art. 74 bestimmt,«in vom ReichSrat beschlossenes Gesetz ist vor seiner Verkündung zum Volksentscheid zu bringen, wenn es der Reichspräsident binnen eines Monats bestimmt. Ein Gesetz, dessen Verkündung auf Antrag von mindestens ein Drittel des Reichstage? ausgesetzt ist, ist dem Volksentscheid zu unterbrei- ten, wenn es ein Zwanzigstel der stimmberechtigten Wähler beantragt. Im übrigen sieht der Art. 74 eine Volksabstimmung vor, wenn ein Zehntel der Stimmberechtigten das Begehren nach einem Gesetz stellt. Abg. Dr. Heinze(D. Vp.) beantragt, die Art. 78 und 74 zu streichen. Abg. AgneS und Gen.(II. Soz.) beantragen für den ersten Satz des Art. 74 die Fassung: Die Reichsregierung kann ein Gesetz vor .der Verkündung binnen eines Monats nach der Schlußabstimmung im Reichstag zum Volksentscheid bringen. Abg. Bauer(Soz.) u. Gen. beantragen für den zweiten Satz deS Art. 74 die Fassung: Ein Gesetz ist dem Volksentscheid zu un- terbreiten, wenn ein Zwanzigstel der Stimmberechtigten es binnen zweier Monate nach der Schlußabstimmung im' Reichstage fordert. Abg. Heiuze(D. Vp.): Der Ausschuß hat gegenüber der Vor- läge die Möglichkeit des Referendums erheblich erweitert, fo daß dadurch eine geordnete Gesetzgebung unter Umständen völlig lahm. gelegt werden kann. Die Ausdehnung des Referendums beruht auf der Tendenz eines starken und fortgesetzten Mißtrauens gegen die gesetzlich berufenen Instanzen. Abg. Dr. v. Delbrück(Dnat.): ES handelt sich hier um reine ZweckmäßigkeitSfrygen, für die uns bis jetzt noch jede Erfahrung fehlt. Bei dieser Sachlage find die Meinungen in meiner Fraktion geteilt. Abg. Katzenstein(Soz.): Ich leugne nicht, daß das Referendum unter Umständen fortschritthemmend wirken kann. Jedenfalls muß die Möglichkeit bestehen, daß allein durch die Souveränität d«S Volkes ein Gesetz zustande gebracht wird. Reichskommissar Dr. Preuß: Durch parlamentarische Arbeit wird tatsächlich die Uebersicht erschwert. Was dem Volk hier an Rechten mehr gegeben wird, steht in gar keinem Verhältnis zu dem Schaden, der der Gesetzgebung zugefügt wird.(Sehr richtigi) � Allzu oft würde es zum Referendum nicht kommen. Wir haben .ja erlebt: je kleiner die Minderheit, desto rabiater die Agitation. (Sehr richtig! Heiterkeit.) Abg. Koch-Kassel(Dem.): Die Autorität der Demokratie wird nicht von all�n Staaten anerkannt, deshalb ist die Stimmung des Volkswillens in ihren Ursprüngen zu erfassen. Das Volk ist das beste und sicherste Kontrollorgan. Abg. Dr. Eohn(U. Soz.): Der Volksentscheid bedeutet einen neuen Gedanken, ist aber ein»wichtiges Mittel für die Politisie- rung der Massen. Abg. Dr. Qunrck(Soz.): Tie Schweiz hat nach übereinstim- Menden Zeugnissen die besten Erfahrungen mit dem Referendum Mittwoch, öen 9. Juli 1919 ZahlabenS unserer parte! in Groß-Serlin. Unsere Mitglteüer haben hier Gelegenheit, zu allen wichtigen Vorgängen Stellung zu nehmen unä der parte! die Marschroute vor» zuschreiben» /tuch„Vorwärts"» Leser find willkommen. vte Lokale find im heutigen Inseratenteil zu ersehen. gemacht. Es gibt die Mittel, scharfe Konflikte zwischen Volk und Regierung zu beenden, d. h. also gegen Monarchie und Bolschewismus, denn es bestätigt die Majorität. Alles in allem: es ist ein Be- standteil der Demokratie; es wäre ein Fehler, es nicht in die Ver- fassung aufzunehmen. Abg. Dr. Delbrück(Dnat.): Das Volksbegehren leh- n e n w i r a b(!), weil es sich hierbei in der Regel um Dinge han- delt, die in der Oeffentlichkeit noch nicht hinreichend erörtert sind. Abg. Hausimann(Dem.): Die eben geäußerte Besorgnis haben auch wir empfunden. Wir haben deshalb eine besonders vo-r- sichtige Form der Behandlung vorgeschlagen. Die Artikel 73 und 75 werden unter Ablehnung aller Anlräge unverändert angenommen. Art. 75 behandelt daS Einspruchsrecht des Reichsrats gegen die vom Reichstag beschlossenen Gesetze. Dieser soll im Falle des Ein- spruchs nochmals Beschluß fassen. Bei mangelnder Uebereinstim- rnung zwischen ReichSrat und Reichstag kann der Präsident den Volksentscheid anrufen. Erfolgt der Beschluß d«S Reichs- tages gegen den ReichSrat mit Zweidrittelmehrheit, so hat der Reichspräsident das Gesetz zu verkünden oder den Volksentscheid anzurufen. Die Sozialdemokraten beantragen Volksentscheid auch für den Fall, daß der Reichstag in drer aufeinanderfolgenden Perioden zum dritten Male ein Gesetz gegen den Einspruch des Reichsratö beschlossen hat. Ohne Erörterung erfolgt sodann die Annahm« des Ar- t i k e l s 76, nach dem Verfassungsänderungen im Reichstage nur mit einer Zweidrittelmehrheit bei Anwesenheit von zwei Dritteln der gesamten Mitgliederzahl des Reichstags beschlossen werden können. Auch im Reichsrat sind zu Verfassungsänderungen zwei Drittel der abgegebenen Stimmen erforderlich. Es. folgt Beratung des 6. Abschnittes-Die Reichsverwaltimg". Abg. Dr. Quarck(Soz.)'berichtet über Artikel 78 bis 166. Die Artikel 78 bis 87 werden ohne Erörterung nach den Ausschußbe- schlüssen angenommen. Artikel 88 erklärt das Post- und Telegr aphenwesen einschließlich des Fernsprechwesens als ausschließliche Sache des Reichs und bestimmt demnach einheitliche Postwert- zeichen. Absatz 2 deS Artikels bestimmt: Verordnungen jeder Art er- läßt die Reichsregierung mit Zustimmung des Reichsrats. Die ReichSregierung kann die Befugnis mit Zustimmung des Reichs- ratS auf den Postminister übertragen. Abg. Dr. Steinkopf(Soz.) beantragt, diesen Artikel zu streichen. Nachdem die bayerische und württembergische Post mit der Reichspost verschmolzen ist, hat die Mitwirkung des Reichsrats keinen Sinn mehr. Abg. Weiß(Dem.): Ich bitte den Absatz zu lassen, wie er ist. Abg. Zoephel(Dem.)r Wenn die Post und die Eisenbahnen einheitlich gestallet werden sollen, so müssen sie auch zentra- listisch verwaltet werden, und es ist nicht zweckmäßig, sie in ihrem Verordnungsrecht von einem Roichsrat abhängig zu machen. Reichskommissar Dr. Preuß: Vielleicht empfiehlt es sich, das Recht des Postininisters, Verordnungen zu erlassen, auf die Ge- ibührcn und die Benutzung der Verkehrsanstalten zu beschränken; damit wäre auch Bayern und Württemberg einverstanden. Artikel 97 gibt dem Reiche das Recht, die dem allgemeinen Ver- kehr dienenden Wasserstraßen in Eigentum und seine Ver- walwng zu übernehmen, neuanzulegen öder neuauszübaen. Ein gemeinsamer Antrag Beyerle, Dr. Haas(Dem.) und Dr. Heinze(D. Vp.) will die Nutzung der Wasserkräfte und die Regelung des Gemeingebrauchs der Wasserstraßen den Länder» überlassen. Abg. v. Schnlz-Gaevernitz(Dem.): Die Verfassung wird viel- fach schon reichlich u n i t a r i s ch befunden. Unterstaatssekretär Dr. Prtcrs: Das Reservat der Wasser- kräfte kann einzelne Bundesstaaten wohl benachteiligen, Preußen aber, das sehr große Ausgaben für verschiedene kleine Gewässer (Main, Weser, Aller usw.) gehabt hat, steht auf dem Standpunkte, daß das Reservat nur schade. Die Bewirtschaftung einer Wasser- straße müsse frei sein. Artikel 97 wird unter Ablehnung des Antrages Beyerle un- verändert angenommen. Der übrige Teil des sechsten Abschnittes wird unverändert angenommen, hinzugefugt aus Antrag sämtlicher Parteien außer den Unabhängigen ein Artikel 166», wonach das Reich alle Seezeichen llbernimrnt. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr. Steuergesetz c. Schluß 6 Uhr 46 Minuten. parteinachrichten. Landeskonferenz der hessischen Sozialdemokratie. Wie auf der kürzlich stattgefundenen Landeskonferenz der hessischen Sozialdemokratie in Darmstadt der Landessekretär Genosse N e u m a n n berichtete, hat die Partei einen erfreulichen Aufschwung genommen. Vor Ausbruch des Krieges zählte die damals ge> schlosiene Organisation 28 396 Mitglieder. Der Ausbruch deS Krieges brachte eine Flucht von der Partei. Eine Zählung ergab, daß im März 1915 sich 16 537 zahlende Mitglieder unter den Fahnen befanden, die Lücken in den Organisationen wurden immer größer, und eine Zählung im März 1916 ergab nur noch 6523 zahlende Mitglieder und über 12 666 im Kriegsdienst befindliche Genossen. Der Krieg babe einen Verlust von über 26 666 Mitgliedern gebracht. Heute zähle die Organisation an 36 666 Mitglieder. Die finanziellen Verhältnisse gestalteten sich wie folgt: Einnahmen und Ausgaben der Landeskasse 1914/15: 21 166,57 M.. 1915/16: 15 894,56 M.. 1916/17: 12 068,08 M., 1917/18: 15 937,29 M., 1918/10: 42 299,68 M._ GroßSerün 25 Jahre. Bor 26 Fahren ließ sich ein Arbeiter aus Süddeutschlanb in einem Dorfe bei Berlin nieder und schlug sich schlecht und recht durchs Leben. Seine Bemühungen. Mitkämpfer für den Sozialismus zu gewinnen, eine sozialdemokratische Organisation zu grSuden, begegneten dem schärfsten Widerstand der Gemeindebehörden. Kein Mittel war den Herrschasten zu schlecht, die verhaßten Sozialdemo- kraten zu stören oder ihre Arbeit wieder zu vernichten.-- DaS Hauptbcftreben der Genossen war darauf gerichtet, in die reaktionäre Gemeindevertretung frische« Leben zu bringen. Für die kleine Schar der Unentwegten gab eS keinen Feierabend, keinen Sonntag. Unter den Gemeindegrößen tat sich der Polizeidezernent besonders hvvor. Jahre vergingen. AuS dem jugendlichen Kämpfer war ein grauhaariger Mann mit gebeugter Gestalt, aus dem Dorfe ein großer Villenort geworden, in welchem sich kriegsbegeisterte Alldeutsche und Kriegsgewinnler breit mochten. Zum großen Schmerze der Gemeindegewaltigen wurden nach Erleuchtung. 7] Roman von Henri Barbusse. Tantchen tritt ein. Sie setzt sich auf einen Schemel, um ein wenig Atem zu schöpfen. Dann hält sie den verbogenen Schlüssel, den sie auf ihr Kirchenbuch preßt. Dann fängt sie mühselig und abgehackt von diesem Schlüssel zu reden an und von dem Unfall, der ihn beschädigt hat. Die mannig- fachen Einzelheiten jagen sich in ihrem Kopfe. Aber die Aufmerksamkeit des düsteren, seine Holzschuhe schwer schleppenden Schmiedes wird plötzlich durch das Fensterloch angezogen, das von der Werkstatt auf die Straße führt. Brisbille brüllt auf:�„Dieses SchweinI" ES ut Herr Fontan, der Restaurateur und Weinhändler, dem der Schmied so schimpft. Fontan ist ein kräftiger, auffallender Mann, er ist ganz von einer weißen Fettschicht bedeckt, wie ein wohlgewcißtes HauS. Er spricht niemals ein Wort. Er ist immer allein. Er ist eine Macht. Er verdient viel Geld. Er hat die Hunderttausende nur so aufgescheffelt. Aber am Mittag und Abend sieht man ihn nicht mehr auf der Straße. Denn dann bleibt er in seine Ladenstube eingegraben, um ganz für sich seine Mahlzeit abzuhalten. Doch während der übrigen Tageszeit scheffelt er wortlos sein Geld ein. Sein Ladentisch hat ein Loch, in das er jedes Geldstück hinein- rutschen läßt. Sein Haus füllt sich mit Geld vom Morgen- grauen bis zum Abend an. Tantchen sagt:„Daß ist die richttge Geldfalle." Ich sage einfach:„Er ist ein reicher Mann." Da höhnt Brisbille auf:„Wenn Du das sagst, da hast Du wahrlich recht, Kerl von Spießerseele! Bist nur'n armer Lump wie die Uebrigen auch, aber die Spießerideen, da klebst Du nun mal feste dran!" Ich mache eine ungeduldige Bewegung. WaS Brisbille da behauptet, ist gar nicht wahr. Er setzt mir mit feinem Haß zu, der auf alles und in die Kreuz und in die Quere losgeht. Der Anblick dieses Mannes, der reicher ist alS die übrigen Menschen, macht auch auf Brisbille einen bedeutenden Eindruck. Im Aufruhr weitet sich wohl der stählerne Blick des Schmiedes, aber er verstummt bald, wie wir übrigen auch, je mehr sich die wichtige Persönlichkeit des Herrn Fontan in Wichtigkeit aufbläht. Meine Tante wirft ein:„Die Boneas sind noch reicher als Fontan.- . Herr Fontan geht an der offenen Tür vorbei. Man hört nämlich den Atem dieses mächtigen Einsiedlers. Und sobald er uns den Rücken zugewendet hat, der von einer ungeheuren dickleibigen Fettschicht ausgepolstert ist, fängt Brisbille von neuem zu schimpfen an:„Gott, was für'ne Schnauze I Hat der Mensch schon sowas gesehen. Dem wackelt ja das Maul direkt um die Ohren I Der richtige Schweinspomuchelkopp l" Und er fügt hinzu, indem eine breite Volksfreude über sein Gesicht geht:„Gott sei Dank, man darf hoffen, das all der Klumpatsch bald in die Lust geht." Der Schmied brüllt auf vor Lachen. Tantchen sucht sich einen Platz, wo sie dem Schmied nicht zu nahe ist. Sie ver- achtet Brisbille, der ja der Neid, die Bosheit und die Ge- meinheit in Person ist. Uebrigens wird er von allen an- ständigen Leuten gehaßt, denn er ist ja so unmäßig und seine Anschauungen sind ja so vorgeschritten. Hat man aber mit ihm etwas zu tun, dann geht man gewöhnlich des Sonntags zu ihm, und man bleibt immer noch ein Weilchen sitzen, weiß man doch, daß man noch andere Leute treffen wird. Und so ist es nun die Ueberlieferung geworden. Da steht Benoit in der Werkstättentür.*Er sagt:„Nun wird man auch die kleine Antoinette wieder gesund machen." Benoit ist wie eine Zeitung. Ihm selber stößt niemals etwas zu, aber er lebt nur, um das anzuzeigen, was anderen Leuten zustoßen wird. Tantchen ruft aus:„Ich weiß schon I Man hat's mir heute morgen schon erzählt. Einige Leute haben es schon heute früh um 7 Uhr gewußt. Er kommt gerad' zur Jagd aufö Schloß, ein sehr großer bekannter Doktor, der sich mit Augenkrankheiten abgibt." Eine Frau tritt ein und sagt:„Armes, kleines Engelchen I" Brisbille fährt gallig und höhnisch dazwischen:„Ach, das Wurm, das man nun ewig heilen soll! Verflucht nochmal, wer kümmert sich denn hier darum?" Zwei Damen, die gerade hinein kommen, antworten ihm:„Alles kümmert sich um das Kind." Inzwischen ist Brisbille still geworden. Er kaut an seinem gewöhnlichen Satze herum, der aufgeblasen und blöde ist, wie ein Litaneien- Vers, hergeleiert in allen öffentlichen Versammlungen, und er sagt:„Das Kind.ist nur ein Opfer der Gesellschaft!" Herr Joseph Boneas ist auch bei Brisbille eingetreten. Er tut das gern, denn er verachtet es nicht, mit den Leuten vom Arbetterviertel Berührung zu nehmen. Auch Herr Pocard und Crillon find da. Erillo» ist frisch rasiert, seine Haut A straff leuchtend und glatt gehobelt. Und noch andere Leute sind gekommen. Unter ihnen bemerkt man besonders den beweglichen, perlmuttglänzenden Kopf des Herrn Mielvaque. Er ist immer so schüchtern und förmlich, und er hat schon auf der Schwelle den Hut gezogen. In der Fabrik ist er nur bei der Expedition angestellt. Er trägt abgetragene Wäsche von zweifelhafter Sauberkeit, und ein einziger fadenscheiniger Rock dient ihm bei allen Gelegenheiten. Herr Joseph Boneas macht starken Eindruck auf mich. Ich muß ständig sein zartes Gesicht ansehen und den matten Schatten seiner Trauerkleider und die glänzenden, schwarzen Handschuhe an seinen Händen, die ein kleines, eingerahmtes Rechteck, das Gebetbuch, halten. Auch er hat den Hut ge- zogen. Also ziehe ich auch in meinem Winkel bescheidentlich meinen Hut. Er ist ein feiner und vornehmer Mann, und seine an- geborene Eleganz verfehlt nicht ihre Wirkung. Trotzdem ist er kränklich, denn sein Körper ist von Geschwüren gepolstert. Immer geht er mit gebogenem Hals einher oder mit ver- krampften Handgelenken, weil irgendwo an ihm ein neuer Aus- satz wieder aufsproßt. In diesem gebrechlichen Körper ist eine helle und gesunde Klugheit eingeschlossen. Ich bewundere ihn, denn er ist überlegt und gedankenvoll, und er weiß sich untadelig auszudrücken. Letztens hat er mir die geistigen Bande auseinander gesetzt, die das heutige Frankreich mit dem alten Frankreich verknüpfen, und er hat mir in einer soziologischen Stunde, deren bedeutsame Klarheit für mich wie eine Offenbarung gewesen ist, die Wunder unserer geschichtlichen Vergangenheit erklärt. Ich suche seine Gesell- schaft, ich möchte ihm gerne nachahmen, und er kennt den starken Einfluß gar nicht, den er ans mich ausübt. Man wendet ihm vielerlei Aufmerksamkeit zu, als er berichtet, daß er in Viviers eine Gesellschaft junger Leute gründen möchte. Dann wendet er sich an mich und sagt:„Je weiter ich komme, desto mehr bemerke ich, daß alle Menschen mit Kurzsichtigkeit geschlagen sind. Sie können und möchten nicht weiter sehen, als ihre Nasenspitze reicht." Und ich antworte nur das Wörtlein ja. Ich finde meine Antwort, die allein in dem nun folgenden Schweigen nachhallt, ein wenig kurz. Sicher auch er. Denn er wendet sick jetzt an die anderen Anwesenden, und ich bleibe in meinem düsteren Winkel der Höhle Brisbilles ganz rot Übergossen stehen. DoM friaü Ser SReboIuHon soviel sozialbemolratische Stimmen kei der Ge« meindetvahl abgegeben, dag man den neuen Verhältnissen Rechnung tragen michlr— Der Zufall wollte es, dag man gerade in jener Sitzung, in welcher der neilgewählte s o z i a l d e m o k r a- tische Schösse in sein Amt eingeführt wurde, der Bürgermeister fehlte und so der erste Beigeordnete(der ehemalige Polizei- de zernent!) die Einführung vornehmen mußte. Ein lleines Er- lebnis, gewiß. Wer es aber mit den Verhältnissen vor'LS Jahren vergleicht, der kann den Forlschritt nicht leugnen. Ich glaube an den Fortschritt— trotz Verkehrsstreik. Trancguillini. Wie steht's mit unseren Aktseen? In Berlin und den umliegenden größeren Gemeinden sind zur- zeit ernsthafte Bestrebungen in, Gange. Volkshochschulen im Winter- Halbjahr ins Leben zu rufen. Wie können wir nun die Schätze unserer Muieen aus bloßem Sammlnngsmaterial zu lebendigem Anichaullngsstoff gestalten? Genosse Heinrich Cunow hat bereits im Dezember in der„Neuen Zeit"' für die Unigestaltung unserer Museen ein warme? Wort eingelegt und diese Forderung an dem Berliner Völker kunde-Museun, demonstriert. Bei einer entsprechen- den Umgestaltung könnten die Berliner Museen den geplanten Volköhockschul-Unternehmungen außerordentlich nützliche Dienste leisten. Um vieles mehr allerdings dann, wenn die Besuchszeiten in die späten Nachmittags- rrsp. srühen Abendstunden verlegt werden können. Bislang war cS den arbeileudcn Volkskreisen nur an Sonn- und Festtagen möglich, diese Stätten zu besuchen. Sollen alle Bildungsmöglichkeiten erschlossen werden, inuß sogleich an die Lösung dieser Fragen gegangen werden. Miststände in städtischen Badeanstalten. Uns wird geschrieben: Ich besuchte am Sonnabend, den 6. d., die Badeanstalt an der Schillingsbriilke, um ein Brausebad zu nehmen, und bekam die Nr. ItSS. Von der Wärterin erfuhr ich, daß erst die Nr. 1260 aufgerufen wird und ich mich auf 1 bis 1'/, Stunde Wartezeit einrichten müßte. Ich erkundigte mich beim Dienstpersonal, wie das möglich sei, und erhielt den Bescheid, daß die Stadtverwaltung mit tauben Ohren den Wünschen der Angestellten gegenüber steht. Die Forde- rung gehe dahin, eine Doppelschicht einzurichten, um den Wünschen der Bevölkerung entgegenzukommen sowie für die Angestellten den Achtstundentag einzuführen. Mit einer Bekanntmachung, wonach die Anstalt von 12 Uhr mittag? bis 1 Uhr abends geöffnet ist, scheint nun alles erledigt zu sein. Den Wünschen der Bevölkerung ist damit nicht gedient, e? mußten alle Kinder zurückgewiesen iverden, die gern baden wollten, und die Erwachsenen mußten stundenlang warten. An Arbeitskräften kann«s doch nicht fehlen, denn die Stadt zahlt doch Millionen an Arbeitslose. Vom Lügenkriegsschauplatz der„Freiheit". Die„Freiheit" greift uns an, weil wir den BezirkÄeiter des Eisenbahnerverbandes mit Namen genannt haben, der in der Versammlung gesagt hat, es sei ihm bekannt,' daß unter dem Streik in er st er Linie Frauen und Kinder leiden müßten, aber trotzdem müßte der Zugverkehr stillgelegt werden. Hätten wir den Namen des McmneS nicht genannt, so hätte die„Freiheit" natürlich am nächsten Tage von„Lügen" und„Erfindungen" gesprochen. Da der Mann seine Aeußerung vor Hunderten von Zuhörern tat, so war die Sache doch>v irklich kein Geheinrnis. Die„Freiheit" beschuldigt uns freilich, wir wollten„unaufgeklärte und pogromlüstcrne Jüng- linge" diesen Mann auf den Hals hetzen. Da möchten wir uns doch die Frage gestatten, warum die„Freiheit" bei ihren„Ent- hüllungen" nie verfehlt, genau Name und Adresse der von ihr ge- nannten Personen anzugeben. Offenbar sucht die„Freiheit" andere hinter dem Ofen, hinter dem sie selber sitzt, das erscheint uns auch aus dem Grunde wahrscheinlich, sveil in der Tat mehr- heitssozialistische Führer mehrfach in letzter Zeit in ihren Woh- nungen von radikalen Fanatikern tätlich angegriffen und bedroht worden sind; das Ilmgekehrte fft uns freilich bis heute nicht be- kannt geworden. Das Blatt hat selbst ausdrücklich aufgefordert. Namen und Beweise dafür zu erbringen, daß vvn verantwortlicher Seite zu Lahmlegung der Lehens mAteltransporte aufgefordert wurde. Wenn sie geglaubt hat, daß keine Beweis« dafür vorhanden seien, dann mußte sie eben eines Besseren belehrt werden. Die„Freiheit" bestreitet nicht, daß der Bezirksleiter des Deutschen Eisenbahner- Verbandes zur Sabotierung der Lrbensmtteltransporte aufgefordert habe, damit gibt sie aber die Richtigkeit zu. Zahlreiche weitere Funktonäve dier Bezirksleitung Berlin, die fast alle der ll. S. P. angehören, haben dieselben Gedanken propagiert. Die„Freiheit" ist davon sehr genau nnterrichtct, falls sie aber an Gedächtnis- schwäche leiden sollte, kann ibr eine Liste dieser Zeitgenossen in aller Oeffenilichkeit unterbreitet werden. Bei dieser Gelegenheit könnte die Oeffenilichkeit auch davon unterrichtet werden, welche Funktionäre des Deutschen Eisenbahnerverbandes, die zugleich fast alle oingeschriebeire Mitglieder der U. S. P. bzw. K. P. D. find», den Eisenbahnerstreik nach dem Westen Deutschlands, verlegt haben und aus welchen Gründen. Will die„Freiheit" das Tänzchen wagen? In der Eisenbahnerversamnnlung bei Groß mann, Kreuzberg- straß« 48, am 30. Juni sagte ein kommunistischer Redner: Kein Milchzug dürfte hereingelassen werden, wenn auch einige Säuglinge mehr krepieren, während des Krieges sind sowieso eine ganze Masse davon verreckt. Dieser Gemütsmensch, ein eintägiger Eisenbahner, wuvd« bei den darauffolgenden Vorschlägen zur Eisenbahn-Arbeiterrats-wahl aus der Versammlung heraus als Arbeitecrat vorgefchlagen. Wenn dieselbe Notiz unserem Kollegen Stampfer, dem bis- hevigen Chefredakteur des„Vorwärts", vorwirft, er habe während der Kriegszeit„kaltherzig brave Genossen den Häschern der Militär- gcwalt denunziert", so begnügen wir uns damit, diese bodenlose Verleumdung als solche festzunageln. Sie entspringt etwa demselben Talbestand, wie weiland das Mördergeschrei, das die ..Rote Fahne" gegen Kollegen Stampfer erhob, weil er— sich f ü r SchutzundLeben der gefangenen Vorwärtsbesatzung verwandt hatte. Bom Mieterschutz. Zum Schutze der Mieter hat das Reichs- Ministerium neuerdings zwei Verordnungen erlassen. Sie ermächtigen einmal die Landeszentralbehörde, die Gemeindebehörden zu der An- ordnung zu berechtigen oder zu verpflichten, daß jeder Abschluß eines Mietvertrages über Wohnräume, Läden und Werkstätten der Gemeindebehörde vom Vermieter binnen einer Woche nach Abschluß des Vertrage« anzuzeigen ist. Gemeinde und Vermieter kann dann bei dem Einigungsamt beantragen, daß der Mietzins auf eine an- gemessene Höhe herabgesetzt wird. Auch zu anderen Anordnungen können die Gemeinden ermächtigt werden. Wenn andererseits die Selbstkosten des Vermieters für die Heizung und Warmwasier« Versorgung so gewachsen sind, daß billigerweise die Tragung der Mehrkosten dem Vermieter allein»ichl zugemutet werden kann, so kann die Schiedsstelle auf Anrufen des Vermieters den Mietpreis oder die besondere Vergütung für die Heizung oder Warmwaffer- Versorgung erhöhen. Wie wir hören, beabsichtigt der Staats- kommissar für das Wohnungswesen in Preußen AussührungS- bestimmungen für die beiden Verordnungen zu erlassen. Der Borortverkehr Spaudau— Straujjbcrg wird von heute Diens- jag mit der Ringbahn zusammen wieder in vollem Umfange auf- genommen. Die Vorortzüge, die nach Straußberg bis jetzt auf dem Wriezener Bahnsteig de? Scklesischen Bahnhofs abfuhren und endeten, werden wieder vom Fernbahnsteig A des Schkesischen Bahnhofe« abfahren. Hochwertige Güter auf der Wsenbahn sollen künftig durch Sicheruugsmannschastrn begleitet werden. Diese Maßnahme ist jedoch nur dann durchführbnr. wenn die Güter eilgut- «äbig befördert mld die Berliuer Ri»gbah«höse von der Annahme der hochwertigen Stückgüter auSge' schlössen werden. Bom 14. d. Mts. ab werden daher im Direktionsbezirl Berlin Lebens- und Genußmiltel(Wein, Spirituosen, Schokolade. Zuckerwaren. Tabak, Zigarren, Zigaretten. Fett« und Fleischwaren), Tuche, Bekleidungsstücke und sonstige Web« und Wirk- waren mit Ausnahme von Papiergewebe, Leder, Leder- und Schuh- waren. Wertgegenstände mit Wertangabe über 1000 M. bei Aufgabe als Stückgut nur als Eilstückgut und nur an den Tagen Montag. Mittwoch und Freitag zur Beförderung angenommen. Von Montag, den 14. Juli, ab werden die Berliner Ringbahnstationen einschlietz« lich des Güterbahnhofs Berlin-Moabit von der Annahme solcher Stückgüter ausgeschlossen. Die Ortsvereiuigung ehemaliger Krieg?- und Zivilgefangener Berlin hielt am W. v. M. ihre Mitgliederversammlung ab. Vom Vorsitzenden Barsanti wurde insbesondere die Forderung auf Nach- zahlung der Löhnung für die Zeit der Gefangenschaft und die teilweise ablehnende Stellung der Regierung dazu erläutert. Abg. Stückten, als Vorsitzender der Reichszentralstelle für Kriegs- und Zivilgefangene bekundete die Stellungnahme der Regierung und die Beweggründe, welche das Finanzministerium veranlaßten, jene Forderungen abzulehnen. Die von mehr als 1000 ehe« maligen Kriegsgefangenen besuchte Versammlung nahm folgend« Entschließung an, die dem Reichsssnanzminister Erzberger überreicht wurde:„Die Versammlung erblickt in der Nachzahlung eine Wieder- gutmachuiig für ihnen angetanes Unrecht, da sie während der Dauer der Gefangenschaft als Soldaten behandelt und nach KriegSgesctzen vom Feinde für geringe Verfehlungen, die vielfach im Interesse der deutschen Heimat lagen, schwer bestraft wurden, aber weder vom Nehmestaaie noch vom Heimatstaate ihren militärischen Sold er« hielten. ES ist den ehemaligen Kriegsgefangenen unverständlich, daß der bisherige Reichsfinanzminister Dernburg da? moralische Recht der Kriegsgefangenen auf die Nachzahlung der Löhnung für die Dauer der Gefangenschast nicht anerkennt, und die ehemaligen Kriegsgefangenen verlangen von dem neuen Reichsfinanzminister Erzberger die Anerkennung ihrer gerechten Forderung auf Nach- zahlung der Löhnung." Warenhaus„Eispalast". Von Angestellten de« Hause? werden die unS seinerzeit gemachten Angaben nach der Richtung hin be« stritten, daß die Zurückhaltung der großen Vorräte an Stoffen, insbesondere Verbandstoffen, doch im Jntereffe der Allgemeinheit läge. Wir vermögen aber doch nicht einzusehen, daß eS nicht nütz- sicher wäre, die Stoffe— es handelt fich nach den unS gemachten Mitteilungen noch um ganz andere als nur Verbandmaterial— so in den Handel zu bringen, daß Hamsterei Befitzender unmöglich wäre, also aus Karten. Hier liegt doch endlich mal eine sozu- sagen restlose Erfassung vor. Der„Konfektionär" hat das Weiterlagern der Borräte der- teidigt. Er erklärt, daß die Erzeuger der Verbandstoffe, Mulle usw. übersättigt find. Dazu wird uns mitgeteilt, man lasse für drei- facheS Geld solchen Mull, der also in Umnengen lagert, neu anfertigen, um die Arbeiter in den Fabriken nicht brotlos zu machen. Im November und Dezember konnte man damit operieren, denn 1 bis 2 Monate braucht man zum Umstellen der Webstühle auf neue Artikel. Heute aber hat die Behörde verdammt mehr zu tun, als wie Baumwolle zu verasen und zwar für Artikel, von denen Erzeuger und Verbraucher übersättigt find. Stellt die Webstühle um. dann sind die Arbeiter nicht brotlos! Im Eispalast liegen 100 000 Rollen Papiergewebe, dieses Zeug brennt wie Zunder. Ein Umzug der ganzen Bestände dürfte nicht nötig sein. Unsere Landbevölkerung braucht Stoffe für die heiße Sommerszeit, unsere Kinder schreien nach Windeln, unsere Kranken noch Bett- Wäsche, Taufende von Näherinnen sind brotlos, weil ihnen die Näh- Utensilien und Rohstoffe fehlen. Alle diese Gegenstände sind in Deutschland in Unmengen vorhanden, aber die Behörde sieht zu, wie aus dem besetzten Gebiet die hier scheinbar sehlenden Rohstoffe ein- geschmuggelt werden und zwar zu Wucherpreisen. DreS alles wäre nicht notwendig, wenn sich die Behörde endlich entschließen könnte. ohne Kriegsgesellschaften einen freihändigen Verkauf zu veranstalten, bei dem jedermann, unter Ausschluß der Hamsterei. daS Quantum erhält, was er für seinen persönlichen Bedarf benötigt. Im Felde mußten Kranke lange berumlausen, um ein Bruchband zu erhalten. Im Eispalast liegen zirka 200000 Bruchbänder in allerfeinster Ausführung. MilitSrinvalidenpenfionS- und Militirrenten-Empfänger, deren Pension oder Rente in ihrem ganzen Betrage ruht, weil sie zurzeit noch als Beamte bei einer Behörde beschäftigt find, werden behufs Prüfung über etwaige Zuständigkeit eines vom 1. Januar ISIS ab zahlbären Rentenzuschlages hierdurch aufgefordert, schriftliche An- träge unter Beifügung deS JnvalidenvenfionS- oder Militärrenten- OuittungsbucheS und des MilitärpasieS an diejenige PenfionS- regelungsbehörde richten �u wollen, welche ihnen zuletzt die Pension oder Rente oder einen Teilbetrag daraus gezahlt hat. Anträge find nicht erforderlich bei Pensionären und Renienempsängern. die einen Teilbetrag der Misilär-Penfion oder-Rente bereits durch die Post beziehen, sowie bei denjenigen Pensionsempfängern, welche zu einer Pension 5. Klasse anerkannt find. Bon der Massenspeisung. Infolge der Besserung in der Lebens- mittelversorgung ist die Teilnahme an der VollSspeisung erheblich geringer geworden. Die Zahl der Teilnehmer an der Mittags- speisung ist z. B. unter den Stand von Oktober 1916 gesunken, die seit November 1918 eingeführte Sbendspeisung weist überhaupt eine nennenswerte Teilnehmerziffer nicht mehr auf. Es ist deshalb be- schlössen worden, die Abendspeisung mit Sonntag, den 13. Juli, völlig e i n z u st e l l e n. die Zentralküchen lV(Sellerstraße), VI (Pücklerstraße), VIII(Luisen-Ufer) und IX(Marheinekeplatz) zu schließen und ihre Ausgabestellen auf die bestehenbleibenden Küchen zu verteilen. Ferner sollen die am wenigsten in Anspruch genom« menen Ausgabestellen 7(Dstaderstr. 1/8), 25(Ruheplatzstr. 6/7), 29(«uguststr. 67/68), 30(Keibelstr. 31/32), 35(Gartenstr, 107), 30(Scharnhorststraße), 39b(Mariannen-Ufer la), 40(Naglerstr. 8), 47(Rostocker Str. 32), 51(Stallschreiberstr. 54). 59(Tempelbofer Ufer 20). 60(Culmstr. 15) und 62(Genthiner Str. 4) vom obenbezeichneten Tage ab ausgeboben werden. Den wenigen dort noch verbliebenen Teilnehmern muß anheimgestellt werden, eine der nächstbelegenen bestehenbleibenden Ausgabestellen aufzusuchen. Diebstahl in der Armrndirektiou. Am 26. März wurde in der Kasse der Armendirektion ein Fehlbetrag von 5526,72 M. festgestellt. Das Geld tonnle»nur nach Dienstschluß entwendet sein. ES war in einem Geldschrank, zu dem der Schlüssel sich in einem Schubkasten des Borstehers befand, verwahrt. Dieser Kasten war bei der Ent- deckung deS Diebstahls verschlossen und wies ebensowenig wie der Geldschrank Beschädigungen auf. Ermittelungen sind ergebnislos geblieben. Bon seinem Dirner um 200000 M. destohlen wurde ein in der Potsdamer Straße wohnhafter Kommerzienrat. Der aus Maastricht in Holland gebürtige Diener PeterS stichle mit der Beute das Weite. Wahrscheinlich wird er'S versuchen, nach Holland zu entkommen. Zwei Strafienräuber wurden von der Kriminalpolizei fest- genommen: Jobann Waldow, Strelitzer Straße, und Joh. Scheppau, Borstgstroße. Sie gehörten zu den dreisten Räubern, die besonders in der Gegend de» Stettiner Bahnhofs bei eintretender Dunkelheit auf offener Straße Leute anhalten, sie durch Festhalten der Hände auf dem Rücken wehrlos machen und dann ausplündern. Scheppau ging sogar so weit, daß er einen Kutscher vom Bock herunterwarf. sich selbst auf den Wagen setzte und mit dem Fuhrwerk davonfuhr. Deutscher Holzarbeiterverband«Verwaltungsstelle verlin). Musikin st rumentenarbeiter. Dienstag, den 8. d. M.. nachm. 5 Ubr. Versammlung aller Vertrauensmänner und Obleute der ArbeitereuSschüffe im„Reichuid erger Hos'(Restaurant), Reichenierger Straße 147. Mittwoch, den 9. b. M.. abend» 6V, Ahr, außerordenllich« Mitgliederversammlung bei Kliem, Hasenbeide 14,15. Tagesordnung: Unsere Entscheidung über da» Ergebnis der Verbandlungen auf Gewödrung vo» TeuerungSzuiagen�und Ferien. Kollege« und Kollegitmm! Erscheint auS- u&fysiälojL Einnehmer der Viktoria-Versicherung: Am Freitag, den 1k yulk. abends S Uhr, bei Wille, Sebastianstr. 39, Versammlung. Wichtige Tagesordnung. Zrntralberbaud der Töpfer und Berufsgenossen Teutschlaudo. Filiale Groß-Berli». Freitag, 11. Juli, abends 6 Uhr, im Wewerlschasis- haus, Engeluser 15, Saal 1, außerordentliche General- Versammlung. 1. Bericht von der 11. Genelaloersammiung in Nürnberg. 2. Stellungnahme zu den Arbeiterratswahlen. 3. Die Aus- lösnngSftage. 4. Stellungnahme zur Wabl des 1. Vorsitzenden. Deutscher Dtiisikerverband, Sektion der Ensemblemufiker. Am Mittwoch, den 9. Juli, vormittags 10 Uhr, im VereinShause: Versammlung der Vertrauensleute. Potsdam. Demonstration i m Stadtverordneten- sitzungSsaal. Demonstrationen sind in der gegenwärtigen be- weglen Zeit keine Seltenheit, sie sind Begleiterscheinungen der jetzigen politischen wie wirtschaftlichen Verbältnisse. Trägt man den Forderungen der Demonstranten etwas Rechnung und sucht be- ruhigend zu wirken, dann verlaufen derartige Demonstrationen meist harmlos, peitscht man aber die so wie so schon erregten Ge- müter durch provozierende Reden auf, dann arten diese Temon- strationen zumeist in Radau- und Tnmultszenen auS. Das letztere war auch in der letzten Stadtverordnetenversammlung der Fall. Auf der Tagesordnung stand ein sozialdemokratischer Antrag, dem Arbeiterrat die seinerzeit bewilligten Mittel verbrauchen zu lassen. ES handelte fich um etwa 3—4000 M. Hunderte von Arbeitern hatten fich zu dieser Sitzung im Zuhörerraum eingefunden, um zu beweisen, daß sie hinter dem Arbeiterrat stehen und ein Interesse au dessen vorläufigem Fortbestand haben, wenigstens so lange, bis eine Neuwahl deS Magistrats stattgefunden und damit die Arbeiterschaft auch in dieser Korporation vertreten ist. Die Redner der beiden sozialdemokratischen Parteien begründeten ibre Forderung in durch- aus sachlicher Weise, vermieden jede Schärfe und hoben besonders hervor, daß eS sich nur um bereits bewilligte Mittel bandele, daß man also garnicht die Abficht habe, nach Veibrauch dieser Mittel mir neuen Forderungen zu kommen. Die Demokraten wandten sich gegen den Antrag, weil die Sozialdemokraten heule gegen die Wabl eine» unbesoldeten Stadtrats, den man der Sozialdemokratie wollte zu« kommen lassen, gestimmt hatten, sie hätten dadurch gezeigt, daß sie gar kein Interesse haben, im Magistrat vertreten zu sein.(In Wirk- lichkeit war aus ZweckmäßigkeitSgründen gegen die Besetzung gestimmt worden, weil nach einer eben bekannt gewordenen Gesetzesvorlage die Neuwahlen der unbesoldeten MagistratSmiiglieder bis 31. August so wie so erfolgen müssen). Diese Haltung der Demokraten war bei ihrer bisherigen Stellung zu Arbeitersragen absolut nickt verwunderlich. Dem Faß den Boden schlug hierauf aber eine Rede de« deutschnationalen Stadtverordneten Mendels son aus, der den ablehnenden Standpunkt seiner Fraktion in äußerst provozierender Weise vertrat und fich schließlich dazu verstieg, der S. P. D. vorzu- werfen, daß ihre Mitglieder vom 9. November aus praktischen Gründe» zu ihr gekommen seien. Hatte hier die Erregung bei der Zuhörerschaft schon den Höhepunkt erreicht, so kam sie zur Explosion, als darauf die Vorlage gegen die Stimmen der beiden sozialdemo- kratischen Fraktionen abgelehnt wurde. Ein allgemeiiier Tumult brach loS, sodaß der Vorsitzende eS für geraten hielt, die Sitzung zu vertagen. Nach Verlauf einer Viertelstunde wurde die Sitzung dur ch ein sozialdemokratisches Vorstandsmitglied wiedereröffnet und konnte nun ungehindert ihren Fortgang nehmen. Lichtenberg. Ferienspiele und Ferienausflüge. Auf den städtischen Spielplätzen und Sckulhö'en werden unter Auf- ficht Spiele veranstaltet werden. Ausflüge sollen unter Führung von Lehrpersonal vor fich gehen. Es ist zu hoffen, daß Eltern und Jugend recht zahlreich von den ihnen gebotenen Gelegenheiten Gebrauch machen werden. Echöneberg. Die Kinder der Ferienkolonicen treffen fich heut« mittag um 1 Uhr Bclziger, Ecke Martin-Luther-Swaßc, zum'Ab- marsch nach der Rubensstraße._ Groh-Berliner Lebensmittel. Die Gültigkeit der grauen Retchsreisebrotmarkcu ist bis 27. Juli verlängert. Vom 2 8. Juli a b gelten nur noch die Marken neuen Musters. Berlin. Bis Donnerstag im 113., 114, 11?.. IIS., ISO., 122. und 209., biS Freitag im 115., 117., 119. und 123. und bis Sonnabend im 121. und 126. Brotkommissionsbezirk 125 Kramm Käse. Friedrichsfelde. Dienstag: Gemahlene Kartoffelflockcn(Haushalts- karte), Mittwoch: 250 Gramm Nudeln(39), Donnerstag: Salzgemüse (HauShaltSkarte), Freitag: 200 Gramm Nährsuppen(40), Sonnabend: Lederwurft in Dosen(HauShaltskarte). Lichtenberg. 1 Pfund tzaserflockcn(A I und A II), Ilmtausch den Reichsfleischkarte gegen RährmittelbezugSscheine bis 9. Juli. NathauSstr. 7, von 9—1 Uhr. Ersatz für Kartoffel: 750 Gramm Brot(50), 250 Gramm Kartosselscheiben(51). Britz. AI» Ersatz sür Kartoffeln 750 Gramm Brot(50). Groß-Serliner parteinachrichten. Charloitendnrg. Kruppenversammlung MItwoch. 7 Uhr, m den bekannten Gruppenlokalen.— 7. Gruppe: Sprecstraße 1 bei Schelpkc. Der Vorstand: Kano. Tempelhof. Morgen Mittwoch: Zablabend in allen Bczirkslokalen. Eövenick. Zahlabend Mittwoch in folgenden Lokalen: Tamm-Vor- stadt bei JungklauS, Lorgmannslr. 5. Köllnische Vorstadt bei Stipvclobl, Schönerllnder Str. 5. Kietz-Voritadt bei Georg Schulze, Müggclhcimcr Straße 12. Alt-Stadt bei Gust. Müller. Alter Markt. Steglitz. Bezirtsabende am Mittwoch, abends 8 Uhr, in folgenden Lokalen: Jung, Fichtestr. 67. Nadge, Mommscnstr 46.„Prälat', Schloß- ftraße 121. Dolle. Schöneberger Ecke Holsteinische Straße Cisment, Düppelftr. 7. Thiel, Albrechtftr. 87. Thielicke, Lenbachstr. 8. GciSlcr, Jeverstr. 22. Müller, Albrechtftr. 53. Siebte, Berlinickeftr. 10. FrederSdorf-Petershagen-Bogelsdorf. Gemeinsamer Bczirksabcnd am 9. Juli bei Madel in PeterShagcn. Tagesordnung: Vortrag über Bildungsbestrebungen und Jugendsrage. Freie Aussprache. Neuwahl de» BezirksleiterS._ vortrage, vereine und Versammlungen. RHpudlikanischer Fiihrervund. Die sür Mittwochabend nach dem LebrerverewSbauS einberufene Versammlung wird bis nach Beendigung d«S VerkehrSitreikS vertagt.— Neichsbund der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen. Zehlcndorf..ideiiie DienStaa, abends V-f! Um. bei Hoffmann, Teltowcr Str. 23, B e- zirkSveriammlung. Wichtige Tagesordnung. Mitgliedskarte vor- zeigen.— Reichsband dentscher Referendare und Rechtspraktikau. ten(Gruppe Brandenburg). Am 12.. nachmittags 4'/, Uhr, inr großen SchwurgerichtSsaal, Turmstraße, HF. Stock, 664, allgemeine Mitgliederversammlung.— Der Vortrag des Professors Dr. Hirsch in der HandelS-Hochschule über das Probten, des PrcisabbanS wird nochmals verschoben.— Gemeinverständlich �techtsvortröge. Heute Dien- tag. 8 Uhr, in der Landwirlschai''.» Hochschule, Jnvalidenstr. 42, über „Ehescheidung'.— V>etter-Wasscrsport-Berband. Kreis I. Verkehr Schwierigkeiten halber i.ndet die SchwimmwartsübmigSünnde nicht am 8., sondern am 15. d. MlS. im Seebad Wcißeniee statt. Schriftliche Mitteilungen an Fritz Buschmann, Neukölln, Wipperstraße 17.— Sriefkasten üer Reöaktion. Reichswehrmann. Wit bitten um Namens:, ennunz, sonst Angaben wertlos. H. 84. Es kommt aus den Inhalt des LehroertrageS an; ist ein solcher nicht geschloffen, so liegt bei erheblicher Zeitdauer keine Verpflichtung deS Arbeitgebers vor.— H. K. 19. 1. Ein gesetzlicher Anspruch ist nicht festgelegt, etwa 4 M. den Tag. 2.„Schlefische Zeitung' zu Breslau.— F. F. 008. Leider keine Aussicht aus Erfolg; sie hätten sich vorder bei der Geschä'isslelle des LrtSausichusscS für Privatangestelltenversicherung, verlin W, Flotlwellflr. 4 I, melden müssen. Dorthin wäre auch ein nach. trägliches Gesuch zu richten.— P. R. Ja, wenn eine solche Bcilimmung in der Satzung entHallen ist.— R. 84. 1. Nach Belieben, keine Vor- schettt, Mark« der unleren Lohnklaff« genügt. Innerhalb zwei Jahren find mwdeften» 20 Marken»u lieben, dann Umtausch.— I. 2. 100. Nach der Praxis des MietewigungSamtS iit der Preis angemessen. Wünschen Sie eine Ermäßigung, so müßten Sie vor dem 1. Oktober das Miel- cinigungSamt anrufen.— 21. M. 1:2"25. Räch§ 1280 der RVO. ist die AiiwarstÄast erloschen. Die Wiederauslebmig der Anwartschast tritt ein durch freiwillige Fortsetzung der Verstcherung mit 200 Beitragswochen und aaUt tos LmatiSjetzimg, baß der über 60 Jahr« alt« Weiterverßcher? Sw�er mindesten? 1000 Marken, der über 40 Jahre alte mindesten? 500 Beitrag?marken gellebt halte und demnach eine Wartezeit von neuen 500 BcitragSwochen zurücklegt.— A. t». 1000, 1. Nein. 2. Ja — E. C. 18. SU? Empfängntszeit gilt in der Regel der 180. bi? 302. Tag vor der Geburt. Handelt es sich um ein eheliches Kind, so gilt zu seinen Gunsten auch noch ei» spSterer Zeitraum. In Jdrem ffall wäre die Frist der Empsängniszeit noch gewahrt.— R. B. 100. Eine genaue Aus» iunst nicht möglich, da Sachdarstellung nicht klar. Kommen Sie in die Sprechstunde des Sekretärs sür«SoldatenangeIegenheiten, Lindenslr. 114 I. — H. 100. 1. Die Verjährung läuft von dem Zeitpunkt, von dem an der Ehegatte von der Verfehlung de? andern Kennini? erlangt. S. Verjährungsfrist 6 Monate.— P. B. M. Wenden Sie sich an das zuständige Bezirkskommando.— R. 86. 1. Ja. 2. Ja, Gesuch ist an den«taats- anmalt deS erkennenden Gerichts zu richten.— H. B. 86. Zunächst an die Leitung derStrasanstaltselbst, in weiterer Folge an denGcrichtsherrn der Truppe. Bezirksverband Groß-Berlin. Bureau: Bellevuestr. 7. Mitglleder-Nersammlungen für Herlin am Mittwoch, den 0. Juli ISIS,* abends 7 Uhr: 1. Abt. bei Haverland, Neue Fricdrichstr. 35. Tagesordnung:.Die politische Situation'. 8. Abt. bei Scstirm, Charlottenstr. 7/8. Vortrag über „Sozialisierung", Diskussion. 3. u. 4. Abt. im Nationalhof, Büiowftr. 87. Referent: Genosse Ritter. 3, Abt. in der Anhalter Ressource, Möckernstratze 114. Vortrag. 6. Abt. bei Wanke, Lankwitzftr. 6, HBnttel, Belle- alliancstr. 71, Fadtke. Fidicinstr. 38, Hemke, Friesenslr. 23, Schuster, Willibald- Alexis- S trage 17, dlittelsiädt, Mariendorfer Str. 6, bliscti, Noftizstr. 3?. eiiecke. Nostizstr. 63, Kramer. Fürbringerstr. 36, Schult, Mariendorfer Str. 5. 8. Abt. Schullaal der Realschule Boeckhstr. 9/10. Vortrag über„Elternbeiräte". 0. Abt.„Retchenberger Hos", Reichenberger Str. 147. Referent: Gen. Dr. S t r i e m e r. 10. Abt. bei Oaus, Lausitzer Str. 46, Minnich, Forster Strasie 36, Mai, Reichenberger Str. 98, Preusser, Reichenberger Str. 58, Hebestreit, Reichenberger Str. 124, Manzey, Reichenberger Straße 90. 11. Abt. bei Peisker, Euvristr. 11. Tagesordnung. „Unsere politische Lage." 16. Abt. bei Krüger. Langestr. 26/ Referent: Genosse W. Gräber. 17. Abt. Schulsaal Hobenlohestr. 10/11. Referent: Genosse Lehrer Härtung. 18. Abt. Schulsaal Litauer Str. 13. Referent: Genosie H e 1 1 e r über„Arbeiterräte". 10. Abt. bei Sergaz, Waldeyerftr. 8, und bei Kühn, Schreinerstr. 63. Vortrag. Diskussion. 30. Abt. Schulsaal TUfiter Str. 4/5. Referent: Gen. Thomas. 88. Abt. bei Lauer. Große Frankfurter Str. 1, Ecke Friedenslraße. 83. Abt. im.Werneuchener Schloß", Ecke Werneuchener und Zkniprodestraße. Referent: Gen. Meise. 21. Abt. Unionssestsäle. Greisswalder Str. 222. Re- serent: Gen. Thurau: für den 414. Bezirk bei Hetze!, Greisswalder Str 157. 85. Abt. in den„Bubisälen", Neue Königftraße Ecke Wadzeckstraße. Referent: Gen. Bennewitz. 86. Abt. im„Bürgerheim", Schönhauser Str. 23/24. Reserentin: Gen. P l u s k a t. 'I. noch abzugehen Vi Vi Lose 5.85 10.50 21.— 42.— MarkundPorto Dischlatis, PfeqS. Lotterie- Eionetiiner Berlin C 2, KBnigsfraße 39, Ecke Klosterstraße. Ga VSIa tla Ha zu kauten gesucht, Ingenieur Epstein, Frlcdrlcfasfaagen, Kastanienallee 9. 90/10. — Korke------ jeder Art kaufen laufend R.Naciiemstcln U. m.b.H. 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Referent: Gen. Fuß. 28. Abt. in den Bezirkslokalen. 30. Abt. im Schulsaal Pappelallee 41/42. Referent Gen. Rektor D o r m a n n. 31. Abt. im Schulsaal Schönsließer Str. 7. Referent! Gen. Knies. 32. Abt. Gruppe I bei Hculieck, Schönhauser Allee 65, , II, Blessln, Stargarder Str. 8, . III. Katter, Glcimstr. 46. Vortrag. Diskussion. 33. Abt. bei Tamme,- Ramlerstr. 5, Gillwald, Putbuser Str. 24, Schropel, Grünthalcrstr. 13. 34. Abt. im Schulsaal, Bernauer Str. 89/90. Referent: Gen. A l b e r t F I e ck. 35. Abt. bei Riedel, Hussitenstr. 40. Referent: Genosse 36. Abt. bd UhdV Ackerftr. 6/7, Borusfia-Festsäle. 37. Abt. Artusbos, Perlcb erger Str. 26. 38. Abt. vatö Gärtner, am Stadtbahnhos Bellevue. Referent: Gen. W u s ch i ck. 30. Abt. bei Kielnert, Levetzowstr. 21. Reserentw: Genossin Dr. K.ä te Falkenshal. 46. Abt. Schulsaal Roslocker Str. 32. Thema: Räte- fragen und Rätegedanken. 48. Abt. bei Sterzig, Fennstr/ 13, Behrend, Tegeler • Str. 22, Funke, Triststr, 68, Rabe, Sprengel- straße 17. 43. Abt. bei Meyer, Paifkstr. 82. 44. Abt. bei Schmidt, Prinzenallee 33. Referent: Gen. Weiß über RätesYstem. 45. Abt. bei Pose, Koionicstr. 15, und bei Zache, Exerzierstr. 69/60. 46. Abt. bei Ehrhard, Prinz> Sugen- Str. 17, Groll, tennigsdorscr Str. 10, Kiages, Utrechter te. 29, Wenske, Schulstr. 18, Ecke Prinz. Eugen-Straße, Laurinat, Maxstr. 22, Fuchs, Weddingstr. 5. 47. Abt. im Schulsaal Ostend» Str. 87/89. 48. Abt. im Schulsaal Schöntngstr. 16. Donnerstag, den 10. Juli, abenbS 7'/, Uhr: 13. Abt. im Alexandriner, Alexandrinenste. 37. H e il m a nn. 14. Abt. im„Dresdener Garten", Dresdener Str. 45. Gen. 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CharlottenBurg, den 8. Juli 1919. Der Magistrat. 334D* �»-r Lose zu zu haben: Preoß. Slaats-hotterie Beginn der neuen Lotterie am 15. Juli 1919 Ganzes Halbes Viertel_ Achtel 21!Ö,8« 5,28 M. 42 Lotterfe-Einnelimer. iveumann, Berlin W30,»aaßenstr. 20. r Neu Die SKifiMerssg.m astfa aef- t. Sojinlismao. 2. Dl« Roafnmgenoffm- fdtaffen. 3. Dteijloraranr.nliBcrtiag von XDiet- 1 der Städte. 8. Die Bctbraartjocgctrclnbe. Verlag F. E. Fischer, Eeipzlg. 1. 5" wt-'l �abeu� Pf-� Ehr: |yiBMerle!l.lB2000sz:i Graditz- Rennen 27008 Mark Verfcehrovcrhindung'en: Vorortzflgabis Bahnhof Rennbahn. Li iergrundbahn I |bis Bahnhof Reichskanzlerpiatz, Straßenbahnen DJ und LI bis Bahnhof Heerstraße etc. KW: WM v Jeden Abend: Sereoissinms Hyronimus!¥!. mit seinem[80/19* MnaMfl EiiilimiSM die Höchstleletung unterhaltender Komik, und die ubrigea Attraktionen. 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Schwanger- 1 schalt— Die Regelung des Kindersegens.-Unfrucht- 1 barkeit, Ihre Ursachen und Verhütung.— Wie erlangt| man schöne u. gesunde Kinder?— Das Recht der Frau I und das Eherecht— Preis 8,— M., gebunden 4— M. j Oraiiiu-Vcrlaj;. Oranienbarg; Oft. Keine Wanze mehrnX- nur mit Kammerjäger Bergs Nicodaal I u. II zu erzielen Jetzt beste Zeit znr UrntTerniehtang. Erfolg verblüffend. Kinderleicht anzuwenden. Gcsetzllcl geschützt Doppel paketM, 2.—, Ausreichend für I hii 3 Zimmer und Betten. 66/1" Alleinverkauf: Sämtlicbc Warenhäuser A. Wertheiin Bei Eins, von M. 2.40, oder Postscheckkonto Berlin 31 2Si portofr. Zus.durchHerm.A.Groesel. Berlin. KttniggrätierStr.4' Tori II. Teufet 1 1 t 30 Jahre einzig bewährt! Rofchels Spezialmittel In unveränderler Stärke i wirken durchgreifend u. mit veroiebiender Kraft. 0 Fl"i(i"Raii'kal" Flasche iL 1.50, 2.75, 4.50 6.50 Schwab Pack M. 1.25, 2.50, 5.—. Pfund M. 10.— Motten-««"„„uch Pack M. 1.25, 2.50, 5.—, Pfund II. 10,— Anerkennungen aus aller Welt. 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Der Komman- dierende General hat schon am Sonnabend erklären lassen, daß er militärische Hilfe zum Schutz der Arbeitswilligen entsenden werde. Die auf dem Babnhoi arbeitenden Studenten sollen mit Gewalt entfernt werdem Ihre Arbeitsstätten waren von Streikenden stark belagert. Der militärische Schutz hat eingegriffen, und die Streikenden haben ohne Widerstand den Bahnhof geräumt. Am Montag morgen hat der Kommandierende General einen Be- ouftragten zur Streikleitung entsandt, um diese aufzufordern, den Streik abzubrechen, da sonst energische Maßnahmen ergriffen werden müßten. Der Kommandierende General hat der Streikleitung ferner sagen laffen, daß bei dem geringsten Vorkommnis sofort von allen Seiten Truppen in die Stadt geführt werden, um die Mehrhei.t des Volkes vor der Vergewaltigung durch eine xleine Minderheit zu schützen. Ende in Hannover und Wittenberge. Wie wir von gutunterrichleter Seite erfahren, ist der Bahnhof Wittenberge wieder in vollem Umfange im Betriebe. Es kann der Personenverkehr, wie auch der Güterverkehr wieder in vollem Um- fange bedient werden. Im Direktionsbezirk Hannover wird die Ruhe ebenfalls wieder hergestellt, so ist der Bahnhof Lehrte wieder von den Arbeitswilligen besetzt worden und der Betrieb dort wieder aufgenommen worden. Arbeitsniederlegung in der Betriebswerkstatt Harburg. Hamburg, 7. Juli. Die Streiklage im Eisenbahnbetrieb ist durch die heutige Arbeitsniederlegung der Bctrirbswrrkstätte Harburg- Elbe noch verschärft. Magdeburg streikt nicht! Uns wird gemeldet: In einer sehr erregt verlaufenen Ver- sammlung Magdeburger Eisenbahnarbeiter wurde mit großer Mehrheit beschlossen, nicht in den Streik zu treten! politischer Streit in Gberschlesten? Kattowitz, 7. Juli. Es streiken: Myslowitzgrube, von den Ballestremschen Gruben Brandenburg. Im Rybniker Revier: Emma, Römer, Anna, von Charlottegrube Lenschacht völlig, Schreibcrschacht 50 Proz. Ferner streikt die Donnersmarck- grübe. Die Streikgründe sind fast durchweg p o l i t i s dh e r Natur.■ Polnisch-deutsche Zusammenstöste. Der Kattowitzer Grenzschutz meldet, daß es anläßlich einer deui'chen Prolestdemonstralion gegen die Abtrennung ObersÄlesiens in Kallowitz zu Tumultszenen zwischen den Demonstrierenden und polnischer, angeblich ausdrücklich zu diesem Zwecke herbeigeströmter Landbevölkerung kam. Es gelang dem Mslitär, die Straßen ohne Blutvergießen zu säubern. Ein verleumöer. Mit welch schofeln Mitteln seitens der Agrarier gehetzt wird, geht aus einem Bericht der„Ostdeutschen Rundschau' vom 1. Juli über die Bezirkstagung des Bundes der Landwirte hervor. Auf dieser sagte der Geschäftsführer des Agrarierbundes für die Pro- vinz Posen, ein Herr Hölzel u. a.: Durch die Rcvolunon habe die Arbeiterschaft nicht mehr erreicht, was sie ohnedies erreicht hätte, während Scheidemann sich ein Gut in Dänemark habe kaufen und Eisner kurz vor seinem Tode drei Millionen Mark bei einer Schweizer Bank habe einzahlen können. Herr Hölzel ist danach ein gewissenloser Verleumder, der mit erlogenen ehrabschneiderischen Behauptungen Politik treibt. Seine einzige Ent'chuldigung ist,' daß er damit nur ebenso handelt wie viele seiner Gesinnungsgenossen. Im Haushaltsausschuß der Preußischen Landesvcrsammlung führt am Montag der Minister über die Arbeiterverhältnissc bei der Eisenbahn aus, Äe Verwaltung werde alles tun. um die Lage der Arbeiter und Beamten zu verbessern. Aus den Beständen der Heeresverwaltung werden 41 Millionen Meter Äleiderstofse trei, die besonders kinderreichen Familien der Arbeiter und Angestellten zugute kommen sollen. Auch bei Senkung der Lebens- mittelprerse werden die Löhne von der Verwaltung nur langsam abgebaut werden. Aber diese Linie der Entwicklung muß eingehalten werden, kein Streik darf zu einem Abweichen davon führen, denn, wenn wir letzt nicht Ruhe und Ordnung schaffen, steht unsere Arbeiter- schaff in ganz kurzer Zeit trostlosen Zuständen gegenüber. -ine Vertreter aller bürgerlichen Parteien stimmten dem Minister zu und traten für die Notwendigkeit scharfen Durchgrei- fens gegen d:e Streiks ein. Ter Vertreter d e r U n a b h ä n- gigen bestritt das Vorliegen politischer Motive bei den Streiks und machte den NoSkeschen Streikerlaß für das Aufflam- men der Streiks verantwortlich. Der sozialdemokratische Vertreter stimmte im allgemeinen 4>en Ausführungen des Mi- nisters zu und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Unruhen nicht ohne Zusammenlmug'und ohne zentrale Leitung entständen. Der sozialdemokratische Redner vermißte in der Mi- nistcrernarung eine Mitteilung über die Ausgestaltung des Mit- b est i m m u n g sr e ch t s der Arbeiter und� Angestellten. Ter Minister erklärte, er habe es nickt für nötig gehalten, seinen Standpunkt in der Frage des Mitbestimmungsrechts noch einmal darzulegen. Er wünsche, daß die Frage der Betriebsräte recht bald von der Nationalversammlung erledigt werde, und er iei fest entschlossen, in vertrauensvollem Zusammenarbeiten mit v-n Vertretungen der Arbeiter und Beamten die Demokratisierung der Verwaltung durchzuführen. Ein anderer Vertreter der Sozialdemokratie wies darauf hin, daß die Verbilligung der Lebensmittel für einen Eisenbahner mit 5-Kindern dasselbe wie eine Lohnzulage von 30 M. für die Woche bedeute. 3"� Etat der Bergverwaltung wurde noch eine ganze Reihe von.lnträgen angenommen. Angenommen wurde weiter ein Antrag Husemann(Soz.), wonach die Fortblldungs- s ch u l p f t> ch t möglichst bald allgemein für die bergmän- nische Jugend eingeführt werden soll, die für die Ausbildung von unteren und mittleren Bergwerksbeamtcn vorhandenen Schul-.—,, anstalten der ftaatlichen Verwaltung unterstellt werden, und im � eingeleitet worden sind, werden die Damen besuchen. Au Handelsministerium ein besonderes Dezernat ausschließlich für daS> E n g l ä n d e r i n nehmen an der Mission teil die beiden i gesamte Bergschulwesen, einschließlich der bergmännischen Fort- kanerinnen Miß Adams, Vorsitzende des Züricher bildungsschulen für die jugendlichen Bergleute eingerichtet wird. 1 kongresfes, und Miß Hamilton, ferner die holländische Erich Mühsam unö De. waölsc vor öem Standgericht. Der Mbeiteröeporteur als Kommunist. In München begann gestern bor dem Standgericht der Prozeß gegen die außer Levine, Toller und dem geflüchteten L c w i e n noch Hauptbeteiligtcn an der Münchener Räterepublik. Als erster wird Erich Mühsam vernommen. Die Anklage führt aus, daß Mühsam an den Vor- bereitungen und der Ausrufung der Räterepublik hervorragend betätigt gewesen sei. Gemeinsam mit Landauer habe er Prokla- mationen ausgearbeitet und Funksprüche nach Moskau uns B u d a p e st abgegeben. Mühsam machte seine Aussagen in großer Erregung und sprach in teilweise abgerissenen Sätzen. Zunächst erklärte er das Standgericht für unzuständig, das auf veralteten Bestimmun- gen beruhe. Ferner protestierte er gegen die Verschleppung des Prozesses. Der Einspruch wurde zurückgewiesen.. Es ent- spann sich folgender Dialog: Mühsam: Es liegt mir nichts daran, an die Milde und Gnade des Gerichts zu appellieren. Ich habe den Wunsch, die ab- sowie Wahrheit festzustellen. Das kann ich aber nicht, wenn ich nicht weiß, was die Staatsanwaltschaft von mir will. Es ist un- wahr, daß ich für meine Tätigkeit Geld bekommen habe. Der Angeklagte äußert sich dann über seine politische Entwicklung. Er hat, nachdem er vom Gymnasium wegen sozialistischer Umtriebe relegiert worden war, Apotheker gelernt. Er erklärt, niemals Sozialdemokrat gewesen zu sein, weil die Demokratie gegen seinen Geschmack sei. In Berlin, erklärte er weiter, kam ich in die Gemeinschaft von Hemrich und Julius Hart. Dort lernte ich Landauer kennen, der mich in die Lehre des Anarchismus einführte, der ich immer treu geblieben bin. Äegen meiner politischen Tätig- keit wurde ich mehrfach verurteilt. In München gründete ich die Gruppe„Tat", um unter dem Lumpenproleatriat kommunistische Ideen zu verbreiten. Das hat mir eine Anklage wegen Geheimbündelei eingebracht. Ich bin aber freigesprochen worden, weil es kein Standgericht war, sondern ein ordentliches Gericht, und weil ich nicht vor Ofsizieren, sondern vor Richtern stand. Vorsitzender: Unterlassen Sie doch Beleidigungen gegen das Gericht. Mühsam: Ich fühle mich fortdauernd p r o v o- ziert, daß ich Uniformen vor mir sehe. Ich sehe die Gegenrevolution und das bringt mich in Wut. Ich fühle mich hier wie ein Kriegsgefangener, bin ich einer, gut, dann stellen Sic mich an die Wand, aber spielen Sie nicht diese Rechtskomödie. Vorsitzender: Haben Sie sich soweit beruhigt, daß wir weiterkommen können? Angeklagter: Bitte. Mühsam schildert in längeren Ausführungen seine kommu- nistische Agitation unter dem Verbrecherproletariat und führt an, daß er von vielen Leuten verraten worden sei. Man habe ihm das Geld auS der Tasche gestohlen und sei sogar bei ihm eingebrochen. Vorsitzender: Das ist kein Wunder, wenn Sie sich Ihre Leute aus dem S o l l e r(berüchtigte Miinchener Kaschemme) holen. Mühsam: Woher soll ich sie denn holen? Vorsitzenoer: Sie hatten den Leuten doch wohl dargelegt, daß Eigentum Diebstahl sei. Mühsam: Das Wort stammt nicht von mir, sondern von Proudbon. Der Angeklagte bestreitet, daß er für seine Tätigkeit im Zentralrat auch nur einen Pfennig erhrl- ten habe. Er habe in diesem Jahre 40 000 Mark geerbt, die er aber für seine literarischen und politischen Unternehmungen ver- brauckt habe. Außerdem sei er noch zum Fünftel Mitbesitzer von Berliner Häusern. Während der Revolution sei er Mitglied des revolutionären Arbeiterrats geworden. Er habe dann Äeute um sich gesammelt, die entschlossen waren, das Ziel der Revolution gegen die Regierung Eisner durchzuführen. Dieses Ziel war die Abdankung der kapiialisti- scheu Gesellschaft und ihre Ersetzung durch den kommunistischen Sozialismus. Dieses Ziel steht im Gegensatz zum Zentralismus Eisners und der Sozialdemokraten. Wir nannten uns„Partei der revolutionären Internationalisten". Wir schlössen uns später der Bremer Jnternationalkommunistischen Partei an. Den Berliner Spartakisten stand ich ablehnend gegen- über, weil sie die schärfste Form des dogmatischen Marxisnius vertreten. Vorsitzender: Als Sie vor längerer Zeit in Mannheim waren, wurde dort ein Extrablatt an- geschlagen, welches lautete: Der enthusiastisch verehrte Führer der Miinchener Revolution, der berühmte Verfasser der Dichtung„Kain", der Schriftsteller und Dichter Erich Mühsam wird heute abend über das Thema„Am Vorabend der Weltrevo- lution" sprechen. Mühsam: Ich habe das Zirkular nicht ver- faßt. Die Rede� habe ich an dem Tage, da Eisner ermordet wurde, gehalten und bin sofort wieder nach München gefahren. Vorsitzender: Tort haben Sie die Ausrufung der Räterepu- blik sofort gefordert. Mühsam: Gewiß. Ich bin immer für die Räterepublik gewesen, nicht aber für diese halbseidene bürgerlich- demokratische Republik. Vorsitzender: � Sie sind auf dem Rätekongreß schlecht behandelt worden und haben Prügel bekommen. Mühsam gibt das zu und fährt fort: Am 6. April begegnete ich Landauer, Nickisch und anderen vor dem Wittelsbacher Palais. Sie forderten mich auf, in das Ministerium des Aeuße- ren mitzukommen. Es handele sich um die Ausrufung der bausrischen Räterepublik. Ich hielt das zuerst für einen Scherz, man setzte mir aber auS- einander, daß das Proletariat das v e r l a n ge. Im Ministerium waren Dr. Wadler, Lewien, Nickisch, Schneppenhorst und viele andere anwesend. Borsitzender: Schneppenhorft sagt, es sei eine sehr fragwürdige Gesellschaft gewesen. Mühsam: Das ist sehr bezeichnend für den Charakter des Herrn Schneppen- Horst. Es wurde die Einigung des Proletariats verlangt. D i e Kommunisten lehnten die Beteiligung ab. Vor- sitzender: Es wurde �a eine M i n i st e r l i st e vorgelesen. Müh- sam: Die Namen wurden durchgesprochen, Minister Segitz sagte, er könne sich nicht endgültig äußern, müsse erst seine Partei befragen, erklärte aber: Meine Sympathie habt Jbr. Vorsitzender: Segitz erklärt, daß er gesagt habe, München sei doch nicht Babern. Ebenso behauptet Schneppenhorst, daß er sich in ähnlichem Sinne ausgesprochen habe. Mühsam: Das ist ungefähr das Gegenteil von dem, was wahr ist. Im übrigen habe ich» gegen Schneppenhorst Anzeige wegen Meineid erhoben. Schneppenhorst ist der bayerische NoSke. Ich hatte gegen feine Ernennung zum Volksbeauftragten protestiert. Er wollte aber durchaus Minister werden. Vorsitzender: In der entscheidenden Sitzung, die in der Nacht zum 7. stattfand, waren Sie auch zugegen. Da sollen auch Damen gewesen sein, von denen Sckneppenhorst sagte, daß sie einen recht schlechten E i n dr u ck gemacbt haben. MühsaM: Ich glaube, daß es für die Damen wenig schmeichelhaft wäre, wenn sie auf Herrn Schneppenhorst einen guten Eindruck machten. Vorsitzender: Zeuge Feldwebel Neuner sagt, es sei eine kunterbunt zusammen- gewürfelte Gesellschaft gewesen, junge Mädels und Lausbuben dabei. Mühsam spricht wiederholt von dem furchtbaren Unglück, das über Bayern gekommen sei durch Wiederbeseirigung der Räte- republik. Auch auf die Z e i t u n g e n ist er sehr schlecht zu sprechen und erklärt, er halte alles, was in der Zeitung stehe, für eine Lüge, bis ihm das Gegenteil bewiesen werde. Der Festsetzung in von Geiseln habe er zugestimmt, dagegen mißbillige entschieden ihre Erschießung. Die Einstellung der Russen die rote Armee sei für ihn etwas Selbstverständliches gewesen. Der Vernehmung Mühsams schließt sich die von Dr. Arnold Wadler> an. Sr gibt an, daß er mit seinen Eltern frühzeitig von Krakau nach München gekommen sei. Hier sei er seit 1009 bayerischer Staatsbürger und seit 1914 Rechtsanwalt. Bei Kriegsbeginn habe er sich freiwillig gestellt und sich, gedrängt, ins Felid zu kommen, weil er damals fest an den Vertei digungskr ieg ge- glaubt habe. 1916 sei er Leutnant geworden. 1017 sei er vom Kriegsministerium zum Generalgouvernement in Brüssel ab- kommandiert worden, um dafür zu sorgen, daß Bayern seinen An» teil an den freiwilligen Acbeiteranwerbungen in Belgien erhalte. Mit der Z w a ng s d e po rt at i o n habe er nichts zu tun gehabt. Vorsitzender: Da bin ich aber erstaunt, einen Bericht von Ihnen vorzu- finden, der im schroffen Gegensatz zu. dem von Ihnen betonten proletarierfreundlichen Sta nd» Punkt steht. In diesem Bericht sagen Sie: Belgien ist das große Arbeiterreservoir für Deutschland, die Zivangsabschiebungen hätten der deutschen Kriegswirtschaft Hunderttausende Fach- und Hilfskräfte ersetzt, wenn sie nicht auf Befehl des Kaisers aus Politischen:md diplomatischen Gründen eingestellt worden wäccn. Sic treten weiterhin für Fortsebun,, einer grofizügigcu belgische«-. Ardeiterdeportation ein. ,s Wenn Sie so arbeWvftcuMich eingestellt sind, hätten Sie iüS B Ihre Person doch diese Zwangsmagcegel ablehnen müssen. An- geklagter: Ich hatte keine andeven Informationen. Vorsitzender: Ein Mann, der die Nationalökonomie studiert, sollte sich doch nur nach den Prinzipien richten, die er selbst empfindet. Ich würde niemals, obwohl ich nicht zu einer Partei gehöre, einen solchen Bericht gemacht haben. Verteidiger G a e n s l e r: Es ist nur ein Satz aus dem Zusammenhange herausgerissen. Vorsitzender: Im Zusammenhange ist eS noch viel schlimmer. Es heißt da: Wenn wir mit einer längeren KriegSzett rechnen, müßte in großzügigem Mäße zur Ueherführung der Arbeiter ge- schritten werden. Diese Berichte lassen verstehen, daß Sie in sen Verdacht des Alldeutschtnms gekommen sind. Es könnte sogar die Entente daraus einen Grund folgern, Ihre Auslieferung zu verlangen. Wir wollen jiber dieses unerfreuliche Kapitel der Zlvaiuzsdepartationen bei Seite lassen.. Sie haben auch 1918 den Antrag gestellt, zum Ober- leutnant befördert zu werden, damit Sic in Ihrem Ver- kehr mit den höchsten Aemtern sich größeres Ansehen geben könnten.. Der Antrag wurde abgelehnt. Dr. Wadler gibt dann an. daß er eine Schweizerin geheiratet habe und in die Schweiz gekommen sei. Dort babe er Gelegenheit gehabt, die Dinge anders zu beurteilen und sei zur Ueberzeugung gekommen, daß es sich doch nicht für uns um einen reinen BerteidigungS- krieg handelte. Er sei Ende Dezember 1918 der U. S, P. beige- treten, aber schon vor der Revolution für die Umwälzung cinge- treten. Er sei auf dem Rätekongreß Anhänger des Rätegedankens gewesen. Ter Kuhhandel auf dem Rätekongreß habe ihn immer mehr nach links gedrängt. Er habe die Räterepublik ohne Putsche und Gewalttätigkeiten erstrebt. Die Verhandlung wird darauf auf Dienstag vertagt. «chließlick wurde noch beschlossen, die Regierung zu ersuchen, Auf- stiegsmöglichkciteii für die unteren und mittleren Beamten zu schaffen." in Verbindung mit der Neuregelung der gesamten Bc- amtenverhältnisse. Ter NntcrsuchungsauSschuß der Preußischen Laiidrsversnmm- liliig setzte am Montag nachmittag die Z c u g e n v e r n e h m u n- gen fort. Er hörte den Zeugen Franz Klock über die Tötung von Gefangenen aus dem Büxensteinschen Hanse, die Zeugen Siegmund und Kätzlec über A u s s ch r e i t u n g e n der Regierungs- s o l d a i e ii im Januar, sowie einen Zeugen, der bekundete, daß der angebliche Polizeispitzel Roland zur Besetzung des„Bor- wärtS"-Hauses aufgefordert hätte. Tann wurde in die Vernetz- mung des früheren Polizeipräsidenten Eickhorn eingetreten, der in fast anderlhalbstündiger Rede seine Auffassung von der Ent- stehung der Januarereignisse vortrug. Eichhorn wird mit feinem Einverständnis morgen vor dem Unlersuchungsrichter ver- nommen werten und am Mittwoch wieder vor dDi Untersuchungs- ausschuß der Landcsversammlung erscheinen. Für die hungrrndcn deutschen Frauen und Kinder. Auf Wer- anlassung der Deutschen Gesellschaft für staatsbürgerliche Erziehung in Berlin-Halenfee sind vier Vertreterinnen des Züricher F r a u e n k o n g r c s i e s hier eingetroffen," um in Berlin. Bres- lau, Chemnitz, Dresden, Halle und Leipzig die Wirtungen des surchtbaren Weltkrieges und der Hungerblockade auf die Gesundheit der deutschen Frauen und Kinder einem ernsten und eingehenden Studium zu unterziehen. Auch die Bevölkerung des Erz- gebt rges, deren Not Gerhart.Hauptmann in seinem ergreifen- en Aufruf schildert und für die bereits umfassende Sammlungen üer einer l m e r i- Frauen- AeiKtin Aletta Jakobs. In ihren Heimatländern wollen diese Frauen dann in Wort und Schrift die Ernährungszustände bei uns nach eigenen Beobachtungen schildern und zur Linderung der Not, unter der besonders Frauen und Kinder unsäglich gelitten haben, beitragen.- Lette Nachrichten. Jortüauer ües Serlmer verkehrsstreiks. Berlin, 7. Juli. Heute nachmittag haben die städtischen Straßenbahner auf dem Bahnhof Kniprodestrasie und die Hoch- bahner auf dem Bahnhof Gleisdreieck Versammlungen abgehalten, in denen wieder aufgefordert wnrde, weiter auszuharren iin Streik und die Fordernnge» durchzusehen. Die Angestellten der"(hrof.en Berliner" wollen morgen nachmit- tag cbenfalls wieder zusammentreten, um die Strciklage zu bc- sprechen. Im Zusammenhang mit dem Bcrkehrsstreik scheint sich ein Ausstand der Arbeiter der Jmperial-Continental-Gas-Associa- tion, deren Hauptvensaltungsbueeau sich in der Gitschinerstraho befindet, zu entwickeln. Diese(tzasanstalts.rrbeiter haben an de» VoUzugsrat ein Schreiben gerichtet, in welchem sie auffordern, alles zu tun, daß der Berkehrsstreik beigelegt wird. Sie ver- weisen darauf, daß viele ihrer Kameraden in den Hochösen der Gasanstalten schwer arbeiten müßten und nicht in der Lage wären, die häufig weiten Wege zu Fuß zurückzulegen. Sie drohen ebenfalls mit Niedcrlegung der Arbeit, falls nicht bis zu einem bestimmten Termin die Verkehrsmittel wiedsr funktionre- reu. Gleichzeitig sprechen sie die Erwartung aus. daß die Ber- kehrsgesellschaften ihren Angestellten entgegenkomme». (SieKe 4. Seite.) GewerffchaWeweglMg Vorschuß oder Enrschuldungsbeihilfe. A«S der Fülle der Zuschriften, die unS durch die Behandlung der Angestellteneinkommen bei der A.E.G. unter der Spitzmarke „Aus Dr. Rathen aus Reich" zugegangen find, möchten wir heute noch folgende zum Abdruck bringen: Unter vorgenannten! Stichwort brachten Sie in den letzten Tagen mehrere Veröffentlichungen, die sich mit den GehaltSvslhcklt- nissen bei der A.E.G. beschäftigten und ein wenig erfreuliches Bild von den dortigen Zuständen brachten. Ihrer Meinung, daß man Hand- und Kopfarbeiter in Lohnsragen nicht gegeneinander aus- spielen soll, pflichte ich bei, da sie sich eigentlich in zeder Weise unterstützen sollen. Nichtsdestoweniger ist aber die Lage der Angestellten derart drückend, daß eine finanzielle Befferung nötig ist. namentlich wenn man die Stellung der Beamten in den Unternehmungen und die hierdurch bedingte« Aufwendungen für die Lebensführung in Betracht zieht. ES ist wohl allgemein bekannt, daß sich eben infolge der Not- läge; in den Kreisen der AngeMten der Metallindustrie Bestrebungen bemerkbar machten, abermals eine einmalige Wirtschasts- beihilfe, eine Entschuldungssumme zu erhalten, das Tarifprovisorium und alle seine schönen Folgen hat ja nur Unzufriedenheit erregt. Bisher habe ich in der Presse nur über die Verhandlungen bei Bergmann gelesen; aber auch bei der A.E.G. war man tätig, �s wurden aber in den einzelnen Betrieben verschiedene Summen ge- fordert. DaS Folgende aber, das wie ein Scherz, und zwar ein schlechter, anmutet, wenn die Sache nicht zu ernst wäre, möchte ich Sie bitten, zu veröffentlichen. .Die Leitung der A.E.G. hat sich, nachdem ihr die Forderungen mitgeteilt waren, mit dem„Verband Berliner Metallindustrieller" beraten und das Resultat war, eine Entschuldungssumme abzulehnen, den Augestellten aber, soweit sie versicherungspflichtig sind, einen Vorschuß anzubieten, der in Erkenntnis der schlechten Lage auf 250 bezw. 36V M. für Ledige und Verheiratete festgesetzt wurde. Die Gründe zu diesem Vorgehen find die allbekannten Hinweise auf die schlechteu Zeiten für das Unternehmertum. Auch«andere Angestellte sollten nach Stellung eiueS Antrage« an dieser Ber- günstigung teilnehmen dürfen. Die Angestelltenschaft war aber so charakierfest, daß sie dieses Angebot einmütig ablehnte, hauptsächlich mit Rücksicht auf die vorgeschlagene Tilgung. Bis 1920 sollte» keine Gehaltsabzüge gemacht werden, außer der neue Tarifvertrag hätte Gehaltsaufbefferungen zur Folge, die dann aber ganz einbehalten werden sollten. Im nächsten Jahre sollte dann über die Tilguugs- trage wohlwollend beraten werden, abgezogen aber soll der Vor- ichuß auf alle Fälle werden. Man wollte also die Angestellten in ein monatelanges finanzielles Abhängigkeitsverhältnis bringen, wo- durch ihre Einkünfte in kommenden Monaten noch weiter ge'chmälert werden sollten. Auf etwas Derartiges darf man sich keinesfalls ein- lassen. Und was find denn überhaupt heute 350 M., wo den Beamten so viel fehlt und so viel angeschafft werden muß? « Auf diese an die Direktion der A.E.G. in der Sonntags- nummer gerichtete Frage, wieviel Angestellte mit zwei Kindern in der A.E.G. beschäftigt sind, erhalten wir folgende Antwort: Wir müffen hierzu bemerken, daß in unserer Erwiderung uns «in Schreibfehler untergelaufen ist, den wir hiermit richtigstellen. ES sind bei der A.E.G. beschäftigt: Angestellte mit zwei Kindern 9 Proz. der Gesamtbelegschaft. Angestellte mit 3 und mehr Kindern 4 Proz. der Gesamtbeleg- schaft. Von den Angestellten mit zwei und mehr Kindern haben ein Monatseinkommen von über 400 M. 97 Proz. Von den Angestellten.mit zwei Kindern beziehen mehr als 500 M. Monatseinkommen 57 Proz. Böttcher G roß-B erlins! Ein Teil der Unternehmer stellt sich ablehnend zu unserer ge- rechten Forderung betreffend wöchentlich 30 M. Teuerungszulage sowie auch in der Urlaubsfrage. Unsere außerordentliche Vcrsamm- lung am 15. Juli, abends 5 Uhr. bei Boecker, Weberstraße 17, in welcher die Vertrauensleute sämtlicher Werkstätten über die Zu- geständnisse ihrer Arbeitgeber Bericht erstatten, wird voraussichtlich nese endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit treffen. Zu dem Bericht über die Versammlung der GaSarbeiter in der Montag-Morgennummer des„Vorwärts" erhalten wir vom Branchenleiter der GaSarbeiter G e s s e n eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Der Redner, der die Gründung einer Orga- nisätion auf syndikalistischer Grundlage forderte, wurde von dem Kollegen Wynccke auf daö energischste zurückgewiesen, und darauf hingewiesen, daß an eine Zersplitterung innerhalb der Organisation nicht gedacht werden kann und darf. Der letzte Satz des Berichts betreffs eines Antrages, eine� EnIschuIdtingZiumme von 1200 M. zu fordern, ist insofern unzutreffend, als die Höhe der Summe über- Haupt nicht zur Abstimmung gelangte, sondern der Branchenleitung anheimgestellt wurde, eventl. eine Entschuldungssumme einzureichen. der Groß-öerlinerverkehrsstreit Noch immer zeigt das Straßenleben Groß-Berüns infolge des mm eine Woche völlig darniederliegenden Verkehrs ein für die Großstadt ungeahntes Gepräge. Die aus der Verkehrsmrsere ent- stvndenen Erfindungsmittel bilden nur einen Notbehelf, der aber namentlich für die minderbemittelte Bevölkerung sich alö viel zu kostspielig erweist. Und sie kommt ja für diese Fuhrwerke, deren Zahl täglich gewachsen ist, nur in Frage, denn die besitzenden Klassen bedienen sich der noch kostspieligeren, a'ber desto besseren Beförderungsmittel. Und trotzdem diese Zustände immer uner- träglicher werden, deutet noch kein sicheres Zeichen auf das baldige Ende des Streikes hin. Am gestrigen Monwgnachmittag kamen die Angestellten der Städtischen Straßenbahn in dem Bahnhof Knieprodestratze zu- sammen, um zur Lage Stellung zu nehmen, Mitglieder der Zentralstreikleiwng erstatteten Bericht und mahnten zur Solidari- tat. Bei dem gegenwärtigen Streik handele es sich bei den städti- schen Straßenbahneim um eine Lebensfrage. Unterliege die Ar- beiterschaft, so sei sie ein für allemal verloren. Auch hier ließen sich die Versammellen zur Annahme einer Resolution bestimmen, die an einer wohl nicht genügend beachteten Stelle eine Verlcum- dung gegen den„Vorwärts" ausspricht. Ein« H ochbah nerversam mlu ng im Gleisdreieck sollte auf Be- fehl der Leitung von Berichterstattern der nicht fiir den Verkchrsstreik begeisterten Presse freigehalten werden. Aber mit erheblicher Mehrheit wurde beschlossen, einen Journallsien, den: es gelungen war, die Sperre zu passieren, zuzulassen. Dieses W- strmmungsergebn is ließ es die SZersammluugsleitung fiir angezeigt halten, eine Abstimmung nicht anzuordnen, es blieb lediglich bei einer allgemeinen Aussprache. Vorher hall« ein Mitglied der Streikleitung über den bisherigen Verlauf des Streiks referiert und zur Ausdauer ermahnt, im Hinblick darauf, daß die städtischen Gas- und Elettrizitätsarbeiter am Mittwochmittag, wenn ihr« Forderungen nicht bewilligt werden, in den Ausstand treten. Wie wir hören, ist wenigstens bei den städtischen Gas- und Elektrizitätswerken von einem solchen Mllmatmn der Arbeiter nichts bekannt. Bezeichnend! Eine Erklärung der Streikleitung. Zu der vom Avbeitgebcrverband der deutschen Kleinbahnen, Straßenbahnen und Privateisenbahnen verbreiteten Erklärung über die angegebenen Löhne teilt uns die Streikleitung folgendes mit: Wir vermissen in der Veröffentlichung des Arbeitgeberverbandes die Mitteilung über die hohen Abzüge; die Höchststufe des ange- gebenen Verdienstes erhält nur ein kleiner Prozentsatz des vor- banden en Personals. Da unsere Forderung am 19. Mai vor Ab- schluß des Kollektivvertrages eingereicht war, mußte diese auch außerhalb des KollekttvvertrageZ verhandelt werden. Wir stellen noch fest, daß das gesamte technische Personal durch keinen Kollelliv- vertrag gebunden ist. Letzteres wurde im Januar nicht mit 500 Mark, sondern mit 120 M. bedacht. Die geforderte Entfchuldungs- summe von 700 M. ist für die gesteigerten Lebensmillelpreis« für die zurückliegende Zeit berechnet. Die Verhandlungen im Voll- zugörat ergaben klipp und klar, daß der Arbeitgeber wohl imstan-de ist, unserer Forderung Rechnung zu tragen. Er will jedoch von seinem eingenommenen Herrenstaudpuukt nicht»eichen. Im Anschluß hieran verbittet sich die Zentralstreikleitung die politischen Machenschaften der Bezirkslviwng der S. P. D. Groß-Berlins. Die von ihr herausgegebenen Flugblätter dienen nicht zur Aufklärung des wirtschaftlichen Kampfes, sondern bezwecken lediglich die Poll- tische Aufpoitfchung der arbeitenden Massen unter sich, woran das Unternehmertum großes Interesse hat. Den streikenden Kollegen zur Kenntnis, daß heute, Dienstag, nachmittags 3 Uhr, vier Bollversammlungen des gesamten Verkehrs- Personals Groß-BerlinS an folgenden Orten stattfinden: 1. Hoch- bahnhof Nordring, Schönhauser Allee, 2. Untergrundbahnhof Bis- marckstraße, 3. Hochbahnhof Warschauer Brücke, 4. Städtischer Straßenbahnhof Urbanstraße 168. Im.Interesse eines jeden am Verkehrsstreik beteiligten Kollegen wird unbedingtes Erscheinen erwartet. Zwecks Kontrolle ist Ausweis erforderlich. * WaS verdienen dir Straßenbahner? Auf die vom Arbeitgeber- verband der deutschen Straßenbahnen veröffentlichte Erklärung wird uns aus den Kreisen der Straßenbahner mitgeteilt, daß der in der Erklärung angegebene Verdienst von 400 M. moiiatliifi nicht voll erreicht wird. Laut Anschlag auf den Bahnhöfen der Großen Ber- liner Straßenbahn soll jeder AuShitsSschaffner und Fahrer einen TageSlohn von 14,30 M. erhalten. Werden zwei nicht bezahlte freie Tage neben den zwei bezahlten monatlich in Abrechnung gebracht, so verringert sich diese Summe um 28,60 M. Da das Personal aber statt zwei freien nicht bezahlten Tagen deren 5—6 im Monat hat, weil zuviel Personal vorhanden ist, so ergibt sich ein erhebliches Minus. Abzüglich des Kranken- und JnvalidengeldeS von 10,20 M. erhielt ich, so betont ein Einsender, im Monat Juni 348,80 M. Wie. mir. so ergeht es einer großen Anzahl meiner Kollegen. Im Moiiai Januar 1919 zahlte die Große Berliner jedem Aushilfz- schaffner und Fahrer am Anfang jeder Dekade<2.. 12. und 22.) 133,46 M. abzüglich 3,40 M. Krankengeld. Dieses System wurde km Monat Februar wieder geändert. DK größte Srbkttenmg herrscht unter den Angestellten darüber, daß sie den Lohn, den sie laut Anschlag verdienen sollen, nie voll bekommen. Stimmen der Arbeiterfrauen. Wie sehr der Verkehrsstreik auf die erwerbstätigen Schichten von Nachteil ist, zeigt folgende aus den yielen bei uns einge- laufeuen Zuschriften: Acht Tage lang müssen nun schon viele Frauen und Mädchen weite Wege zu Fuß machen. Infolge des laugen Krieges unterernährt, durch vieles Anstehen beim Ein- kaufen geschwächt, haben gerade diese Frauen und Mädchen durch den Verkehrsstreik doppell zu leiden. Eine erwerbstätige Frau kann unmöglich, ohne Schaden zu leiden, stundenweite Woge machen. Sie muß die holperigen Fuhrwerke benutzen. Heute beim Lesen des Berichts von der Vollversammlung der Arbeiterräte Groß- Berllns stoße ich auf einen Antrag, keine Fuhrwerks zu benutzen. Wenn dieser Antrag schließlich von den streikenden Männern ge- stellt wäre, wollte ich dar über hingehen, aber daß sich eine Frau dazu findet, diesen Antrag zu stellen, treibt einem die Schamröte ins Gesicht. Weiß diese Frau denn nicht, wie es um uns arbeitende Frauen in gesundheitlicher Beziehung bestellt ist? Weiß diese Frau auch nicht, daß wir der Not gehorchen, wenn wir schließlich einen der Wagen benutzen, damit wir rechtzeitig zu unseren Kiu- der» kommen können? Protest der Gasarbeiter. Das Personal der GaSbetriebSgesellschaft hat folgendes Schreiben an den Vollzugsrat gerichtet: „Die Arbeiter der Gasbetriebsgesellschast(Imperial Continental Gas-Association), Gitfchiner Straße, erheben hierdurch Protest gegen den Verkehrsstreik. Es ist unverantwortlich, daß nicht auf schnellstem Wege eine'Einigung gefunden werden kann. Die körperlich sehr schwer arbeitenden Ofeiiaribeiter, die ihre Tätigkeit bei mehr als 60 Grad Wärme verrichten müssen, sind körper- lich aufs höchste angegriffen, wenn sie täglich Wege von zwei bis drei Stunden zweimal zurücklegen müssen. Auch alle anderen Arbeiter können das nicht aushalten. Sollten die Streikenden am Montag, den 7. Juli, den Betrieb nicht voll aufnehmen, dann tverden wir nicht von den äußersten Mitteln zurückschrecken und den Betrieb der Gaserzeugung sofort einstellen. DaS crrteitende Proletariat hat stn R«ht darauf, von den Verkehrsgesellschaften ein« bessere Behandlung zu verlangen. Di« Beamten, Angestellten und Arbeiter der GaSbet riebsge s cllschaft." • Das BollzugsratSmitglied Maltzahn, Vorsitzender des Gewerbe- ausschusscs des Vollzugsrats, sagt in einer Erwiderung auf die Er- klärung deS Arbeitgeberverbandes der Straßenbahnen, Klein- bahnen und Privateisenbahnen u. a.: In der Verhandlung am 4. Juli im VollzugSrat gaben die Unternehmer folgende Erklärung ab: 1. Tie Arbeitnehmer nehmen die Arbeit wieder auf. 2. Tic Arbeitgeber erklären sich damit einverstanden, daß mit Rücksicht aus die inzwischen eingetretenen wirtschaftlichen Verhältnisse die strit- tige Frage schon jetzt erneut dem Hauptausschutz, der den Schicis- spruch vom 24. Juni gefällt hat, unterbreitet wird. 3. Beide Par- teien erklären sich bereit, den neu zu fällende» Schiedsspruch als endgültig bindend anzuerkennen." Die Arbeitnehmer machten fol- genden Gegen vorfch log: 1. Di« Arbeitnehmer nehmen die Arbeit wieder auf, sobald die Verhandlungen beendet find. Mit Punkt 2 der Arbeitgeber erklärten sich die Arbeitnehmer einverstanden. Zu Punkt 3 machten sie den Vorschlag, daß beide Parteien sich bereit erklären sollten, den neuen Schiedsspruch ihren Mandatgebern zur Annahme zu empfehlen. Rein objektiv betrachtet, haben also die Verhandlungen die Möglichkeit für den sofortigen Zusammentritt des Hauptausschusses ergeben. Diese Möglichkeit wird auch nicht beeinträchtigt durch die in Punkt 1 und 3 ihrer Erklärung von den Arbeitgebern gestellten Bedingungen. Wenn nun die Arbeitgeber unter Anführung aller möglichen Formalitäten den Rückzug an- treten, so bedeutet das, daß sie keinerlei Interesse an der Beilegung des Streites haben, sondern unter allen Umständen ihren Herrenstandpunkt hervorkehren wollen. Diese schroff ablehnende Haltung ist weiter darauf zurückzuführen,-daß die Ver- kchrsbetriebe vom 1. Januar 1920 ab an den Zweckverband über- gehen sollen. Damit haben die Vertreter der BerkehrSgefellschailen einen starken Rückhalt bei den Kommunalbehörden und leider bei dem Reichsarbeitsministerium sowie bei dem preußischen Eisen- bahnminister gefunden. Durch dieses Zusammenwirken von Pri- vatkapital und Behörden wird weder der soziale Frieden wieder- hergestellt, noch die VerkehrSmisere beseitigt. Vom.Hauptausschuß erwarten wir nach wie vor, daß er trotz alledem sofort neue Ber- Handlunge« anbahnt. Der Vorsitzende des Hauptausschusses, Regie- rungsrat HauSmann, hat sich geäußert, er stimme mit den Arbeit- gebern in der Auffassung übersrn, daß die Wiedereinberufung des Hauptausschusses lediglich Sache der beiden Parteien sei, von denen allein im gegenseitigen Einverständnis der Antrag auf Zusammen- tritt gestellt werden könne. Ein Ansuchen von dritter Seite sei nicht zulässig, einem solchen Anruf könne er nicht Folge leisten. Bcrantwortlich für Politik: Artur gickl-r, Sharlottlxdurli, für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Gioctt, Berlin. Verlag: Vorwörts-Verlag s. m. b. t>.. Berlin. Druck: Lorwäri». Buchdruckern und Berlagsanstalt Paul Singer u. To. in Berlin, Lindcnstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Leipziger Sir. Könlgnlraße Moritzplatz RosentKaler Str. A. WERTHEIM G. M. n. KL Versand- Abtellung Berlin W öö Leipziger Slr„ Herrenbekleidung Herren-Anzüge in modern. Formen Herren-Ulster für die Reise Gestreifte Herren- Beinkleider in verschieden«»! Preislagen Fantasie- Westen ♦ Lüster- Sakkos Wasch-Anzüge,-Hosen und-Joppen Dunkelblaue Jünglings- Anzüge in verschiedenen Größen I reihig durchweg 1 95.00 2reihig durchweg 21 0.0 0 Oberhemden weiß und farbig Sportkragen Makko und Piguh.. von 5,50 an Selbstbinder große Form..... von 7.50 an Reisemützen............. von 9.00 an Herren-Strohhüte........ von 17.50 an . Wenden und Umarbeiten von Herren-Garderobe Elesonte Herren Armliandulir Viereck. Form, breites Lederband, Anker- nen-u) v.-erk, Mkara:. Gold, mit u. ohne Radium ZJU0" Vetter t Hemdentuch nr»»««« ROh-HeSSei starkfädig........ 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